Tagebuch einer Frau mit transsexueller Vergangenheit

Buntgemischtes aus dem Februar

Jauh da wär ich mal wieder, seit einiger Zeit gibt’s hier bei mir ja kaum noch was zu Lesen, aber wie bereits kürzlich mal erklärt, habe ich einerseits nichts zu erzählen, was so dringend ist, dass es mich zu Schreiben antreiben würde und auf der anderen Seite gibt es soviele kleine Dinge und ganz viele hässliche kleine Dinge, dass ich mich zu keinem Thema entscheiden kann. Deshalb mal wieder eine Zusammenfassung, ich hoffe, dass ich bald wieder in normalem Rhythmus bloggen kann.

Das Blog, das Komatöse

Den StammleserInnen dürfte augefallen sein, dass meine Blogs in letzter Zeit häufig nicht funktionieren. Weiss der Geier warum, aber offenbar ist meine Hosting-Firma, also die Firma, auf deren Server meine Webseiten eingemietet sind, chronisch überlastet und so kommt’s zu diesen hässlichen Timeout-Fehlern. Ich kämpfe seit längerer Zeit mit dem Gedanken, meine Blogs umzuziehen auf einen neuen Server, der zuverlässiger ist. Aber weil das saumässig viel Arbeit gibt, schiebe ich das ständig vor mir her. Wenn das jedoch so weiter geht wie in den letzten Tagen, werde ich mich da wohl oder übel mal reinknien müssen, Gründe dazu hätte ich nämlich weitere…………

Die kriminellen Internet-Parasiten

Denn ein weiteres Problem nervt total. Schon X-mal wurde ich von Google darüber informiert, dass auf einer meiner Webseiten eine sogenannte Phising-Seite installiert ist. Das sind Webseiten von kriminellen Drecksäcken, die Webseiten wie Meine hacken und ihren Dreck dort verstecken. Diese Internetseiten, die sie beispielsweise bei mir irgendwo in einem Unterverzeichnis verstecken, sind so aufgebaut, dass sie aussehen, als wäre man bei eBay, PayPal oder sonst einer Seite, die Kreditkartenabfragen macht. Die Leute landen dort, denken sie seien auf ebendieser Seite, geben ihre Kreditkarte an und schon sind sie ausgeräubert. Ich lösch den Scheiss dann jeweils, aber die knacken meine Seiten immer wieder von Neuem, Meine und tausend Andere. Und weil die Idioten immer raffinierter werden, schaffen sie es unterdessen sogar, ihren Dreck so zu installieren, dass ich deren Müll selbst als Administratorin meiner eigenen Website nicht löschen kann. Dazu muss ich dann ständig den Support der Hostingfirma anbaggern und da die nicht grad allzu zuverlässig sind, naja, so ganz sauber werden meine Seiten wohl nie mehr. Da ich die Passwörter oft ändere und nahezu unknackbare Passwörter verwende, habe ich langsam den Verdacht, dass die direkt den Server angreifen und gar nicht über meinen Zugang reinkommen. Langer Rede kurzer Sinn, so macht das echt kein Spass, ein Grund mehr, meine Seiten endlich umzuziehen.

Kreislaufkollaps in der Badewanne

Ne ganz so schlimm war’s nicht, ein Kollaps wär was Anderes, aber weit davon entfernt war ich nicht. Gestern nahm ich wieder mein obligates sonntägliches Bad, füllte aber etwas zu heisses Wasser ein. Da ich heisse Bäder an sich mag, legte ich mich trotzdem rein. Aber nach ner Weile wurde es mir dann doch zu heftig und ich wollte wieder raus….. wollte ist gut……. denn als ich aufstand und mich abtrocknen wollte, spielte irgend ein bekloppter Geist mit dem Lichtdimmer und es wurde um mich rum langsam dunkler. Bevor es mich hinknallte, setzte ich mich wieder in die Badewanne, staunte Bauklötze, wartete kurz und versuchte es von Neuem. Nach etwa drei Versuchen war ich draussen, musste mich dann aber erst mal auf den Boden legen und abkühlen. Aber ich fühlte mich sowas von unwohl, also nahm ich einen neuen Anlauf und ging ins Schlafzimmer, wweil das näher ist als das Wohnzimmer und da lag ich dann erst mal eine halbe Stunde, bis die Systeme wieder runtergekühlt waren. Issja krass! Sowas hab ich echt noch nie erlebt. Ich kenn das zwar, dass ein zu heisses Bad den Kreislauf ganz schön belasten kann, aber dass ich fast nur noch kriechen kann, sowas gab’s noch nie. Naja, einmal mehr etwas, das mir hoffentlich eine Lehre ist.

Aber sonst geht’s mir gut

Abgesehen davon läuft bei mir persönlich alles super. Die Op ist schon so lange her und körperlich läuft alles so einwandfrei, dass ich kaum glauben kann, was hinter mir liegt. Auch hormonell bin ich dank meines neuen Arztes jetzt guter Dinge. Sowohl Östrogen- als auch Progesteron-Pegel scheinen in einem gesunden Bereich zu liegen. Da ich weiterhin meinen Zuckerkonsum einschränke, ist auch der Zuckerspiegel ok, einzig das Cholesterin ist noch etwas neben den Schuhen, aber irgendwas muss man ja haben ;-) Dafür habe ich mich allgemein ernährungstechnisch verbessert, es gibt öfters am Abend Salate oder Suppen anstatt wie früher Wurstkram oder Pizzas. Hinzu kommt, dass mein Nikotinkonsum weiterhin deutlich reduzierter ist. Etwa die Hälfte meiner Raucherei wird nun nikotinfrei gedampft und die Zigis habe ich ebenfalls gewechselt auf eine leichtere Version. Unter dem Strich dürfte mein Nikotinkonsum schon fast auf einem Viertel unten sein :-)

Ehemalige SchulfreundInnen irritieren?

Durch einen Zufall stolperte ich dieses Wochenende über das Portal “StayFriends”, das dazu dient, dass sich Leute aus der Schulzeit wieder finden resp. nicht verlieren. Natürlich suchte ich gleich mal meine früheren Schulen ab und fand tatsächlich Leute aus meiner Kindheit. Also hab ich mich da jetzt mal angemeldet und bin gespannt, ob sich daraus Kontakte reanimieren lassen. Unter Anderem fand ich ein Foto einer Schulklasse, auf dem ich auf drauf war und jemand hat dort alle Köpfe markiert und mit den Namen versehen. Höhö, hab Meinen nun mal auf “Diana” korrigiert und warte nun gespannt auf Reaktionen. Da dürften Einige Bauklötze staunen, wenn sie ihre Klasse finden und dort eine Diana drin ist, an die sie sich nicht mehr erinnern können ;-)

Die mediale Apokalypse?

Seit ich vor drei Wochen aus Hamburg zurück bin, erlebe ich ein mediales Dauerfeuer, das echt an die Substanz geht. Unterdessen sind mindestens ein dutzend Beiträge erschienen, TV-Sendungen und Zeitungsberichte, mal mehr oder mal weniger schlecht, aber garantiert nie gut. Es wäre mir wirklich ein grosses Anliegen, in Sachen “Transsexualität” wieder vermehrt Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben. Aber wenn wie in diesen Wochen soviel Scheiss über den Äther tropft, vergeht mir langsam aber sicher die Lust daran. Mehr denn je bin ich hinundher gerissen zwischen der offensichtlichen Notwendigkeit, die Desinformation seitens der Medien und gewisser Sexologen bis hin zu religiös Verblendeten zu korrigieren, Menschenrechtsverletzungen anzuprangern und so weiter. Genauso habe ich aber mehr denn je die Schnauze voll von diesem ganzen idiotischen Scheiss. Und wenn ich dann noch wie leider oft erleben muss, dass Betroffene solche medialen Ergüsse auch noch toll finden, nur weil man etwas freundlicher über uns berichtet, dabei aber nicht merken, dass man uns wie eh und je als Gestörte hinstellt, dann frage ich mich wirklich, für wen ich ich da noch einsetzen soll. All das ist ein riesiger Themenkomplex, der ein dutzend Blogbeiträge bräuchte um all meine Gedanken dazu abzuarbeiten. Aber wie lange will ich mich noch verrückt machen mit dem ganzen Quatsch? Ich weiss es echt nicht, ich weiss nur, dass mir dieser ganze Mist nicht gut tut und ich zweifle immer mehr daran, dass ich in Anbetracht dieser Umstände überhaupt etwas wirklich bewegen kann. Das ist einer der Hauptgründe, warum ich beim Bloggen in einen Stillstand geraten bin. Das worüber ich am ehsten schreiben möchte, ist genau in dieser Thematik angesiedelt………. aber irgendwie fühl ich mich wie jemand, der versucht, mit dem Kopf eine Panzertür einzuschlagen – so wirklich sinnig ist das nun wirklich nicht.

Feuerbälle und sonstiger Zauberkram

Und gerade weil ich mich so schwer tue in der Frage, was ich tun soll und womit ich die Zeit todschlagen soll, ob ich weiterhin Öffentlichkeitsarbeit leisten soll oder einfach die Schoten schliessen soll und ein heiteres “Rutscht mir doch den Buckel runter” in die grosse weite Welt hinausschreien soll, gerade deshalb ist es erfreulich, dass vor einer Woche ein neues Computerspiel rausgekommen ist, das mir glaub mal wieder so richtig liegt, zumindest sieht es danach aus, nach den ersten 20-30 Stunden in “Kingdoms of Amalur”. Dort bin ich – man ahnt’s – mal wieder als feuerballschmeissende Elfe unterwegs, rette Welten, lerne neue Zauberkunststücke, sammle Schätze……. und eben das Wichtigste, alles was sich mir in den Weg stellt, wird mit einem kräftigen Feuerball weggebrutzelt, jauh :-) Man man einwänden, dass es doch ein verblödeter Zeitvertreib ist, durch eine nicht wirklich existierende Welt zu rennen und nicht wirklich existierende Monster zu plätten um nicht wirklich existierende Königreiche zu retten und dabei nicht wirklich existierende Zauberkräfte zu erlernen…………. aber wenn man das aus Sicht der Psychohygiene betrachtet, ist es eben doch sinnvoll. Denn glaubt mir, in dem was man allgemein so leichtsinnig “Realität” nennt, gäbe es unzählige Momente, in denen mir genau diese Feuerbälle fehlen. Das kompensiere ich halt jetzt in Amalur, dem Reich, in dem Journalisten und Quaksalber noch mit einer lässigen Handbewegung zu Staub verarbeitet werden dürfen ;-)

Bald wieder kuscheln

Noch viel tröstender und wohl auch für jedermann nachvollziehbar ist jedoch die Tatsache, dass diesen Donnerstag endlich wieder Hamburg angesagt ist, dann wird mich Juliet um 16 Uhr wieder am Flughafen abholen, heimschleppen und dann können wir wieder bis Dienstag Morgen aneinander kleben :-) Und in einem Monat haben wir eine Woche Ferien, jajajaja, dann ist die Welt mal wieder so richtig in Ordnung :-)

So und damit käme ich zum Schluss und würde den Blogbeitrag publizieren, kann ich aber nicht, weil meine Webseiten mal wieder am Boden liegen, haha. Also speichere ich diesen Text und hoffe, dass meine Websites innert nützlicher Frist mal wieder hallo sagen und ich den Beitrag veröffentlichen kann. Bis dahin geh ich mal wieder nach Amalur und fackle ein paar Systemadministratoren äh Journalisten äh Sexologen äh Rechtspolitiker äh Trolle ab – man gönnt sich ja sonst nix ;-)

PS: diesen Beitrag wollte ich gestern veröffentlichen, aber es artete in eine Odyssee aus. Wie ich nach stundenlangem Herumpröbeln herausfand, habe ich bei mir zuhause keinen Zugriff mehr auf all meine Webseiten. Keine Ahnung was da los ist. Dank dem Tipp einer Freundin weiss ich nun, dass mein Router irgendwie nicht auf dem neusten Stand ist. Ich hoffe, dass ich das bald wieder hinkriege, so oder so ist jedoch klar, dass ich meine Webseiten raschmöglichst umziehen werde auf einen Server, der nicht ständig rumzickt. Falls also demnächst all meine Seiten weg sind, keine Sorge, die kommen wieder ;-)

Im Abgrund zwischen Gut und Böse

Manchmal frag ich mich ja schon, was für ein Volldepp die Regie meines Lebens führt, nicht mal ich hab so einen bekloppten Humor und das will was heissen. Ums vorwegzunehmen, ich will mich nicht wirklich beklagen, mir ging’s noch nie so gut wie in diesen letzten Jahren – und doch wirkt mein Leben manchmal auf mich als hätte der Regisseur diese seltsame Art von morbidem Humor, die das Gute nie wirklich gut sein lassen will und selbst die beste Suppe zu versalzen versucht.

Beziehungs-Jubiläum allein feiern?

Ausgelöst wurden diese mich grad beschäftigenden Gefühle durch unseren Jubiläumstag. Heute ist es zwei Jahre her, dass Juliet und ich uns das Ja-Wort gegeben haben, seit diesem Tag sind wir ein Paar – das Duo Infernale :-) Einst war sie einfach eine Blogleserin, dann Blogkommentatorin, dann wurde sie Kollegin, dann Freundin, dann beste Freundin, dann kam sie mal zu nem Kaffee in die Schweiz und irgendwann wurden wir zum verrücktesten Paar dieser Welt.

Ich erinnere mich an Zeiten, als ich nicht mehr daran glaubte, dass mich jemand lieben könnte und dann sowas, da lerne ich endlich eine Frau kennen, die nicht nur so verschmust ist wie ich sondern auch noch so einen schrägen Humor hat wie ich, eine Frau, mit der ich alles teilen kann, die einfach alles abdeckt, die mir alles geben kann was ich zum Glücklichsein brauche……….. und dann wohnt die in Hamburg, was soll denn der Scheiss?

Aber trotz dieser unmenschlichen Distanz wurden die Gefühle immer mehr, das Zusammengehörigkeitsgefühl nimmt immer mehr zu und so sehnen wir uns nur noch nach einer Zukunft, in der wir einander mehr sehen werden. Mit all dem haben wir gelernt umzugehen, nicht zuletzt, weil wir ja wissen, dass unsere gemeinsame Zeit in Zukunft zunehmen wird, auf die eine oder andere Art. Aber an einem Tag wie heute ist selbst dieses Wunderschöne irgendwie traurig. Zwei Jahre sind wir zusammen, mir wäre so danach, Juliet wund zu kuscheln. Aber ich lieg hier allein im Dunkeln meiner Wohnung, hör traurige Musik und bin betrübt, weil ich diesen grossartigen Tag nicht bei ihr sein kann.

11. Gebot: Du darfst nicht glücklich sein

Gestern in der Badewanne hatte ich mal wieder so einen Moment, in dem ich hätte heulen können vor lauter Glück. Es gibt immer wieder Momente in denen ich es kaum fassen kann, um wieviel glücklicher ich nun sein darf im Vergleich zu diesen vier Jahrzehnten vorher. Ich bin sowas von im Reinen mit mir selbst, ich fühle mich so uneingeschränkt als mich-selbst, kann mich so frei entfalten wie ich es mir nie erträumt hätte, da stimmt einfach alles. Ich könnte wirklich definitiv sagen, dass ich es geschafft habe und einfach nur noch blödsinnig glücklich bin – wäre da nicht die Welt und der ganze verdammte Scheiss, der da noch aussendran klebt und einem immer und immer wieder die Lebensfreude zu stehlen versucht.

Da ist diese nicht enden wollende Faktenresistenz einer Medizinwelt, die trotz wissenschaftlichem Beweis um die biologischen Ursachen von Transsexualität aus (transsexuellen) Frauen weiterhin “gestörte Männer” bastelt, da ist dieser unerträgliche und scheinbar nie endende Dauerdurchfall der Boulevardmedien, die Menschen wie mich, die nie jemandem etwas zuleide tun und nur einfach leben wollen, immer und immer wieder zum Gespött machen. Da ist dieses Gesellschaftskollektiv, das infolge dieser menschenunwürdigen Psychopathologisierung und dieser das Wort “Anstand” spottenden medialen Verseuchung bestenfalls ein müdes Lächeln übrig hat für diese Gestörterklärten – und in all diesem Wirrwarr von Realitätsverleugnung und Respektlosigkeit sitz ich mittendrin, guck ratlos in die Runde und zermartere mir das Hirn an der Frage, warum all diese Pappnasen um mich rum nicht einfach akzeptieren können, dass ich jetzt nichts mehr anderes bin als eine glückliche Frau.

All das hinterlässt in mir das Gefühl, gefangen zu sein in einer Welt, die mir mein Leben “umsverreckä” nicht gönnen mag. Klar ist der moderne Mensch liberal und tolerant, aber meine Fähigkeit, hinter die Fassaden zu schauen, entlarvt diese Toleranz des dritten Jahrtausends öfters als mir lieb ist als Lippenbekenntnis und das tut immer mal wieder weh, mal mehr, mal weniger, aber auf jeden Fall ist und bleibt immer mindestens etwas zuviel Salz in der Suppe und selbst das Beste verbleibt einem nie so gut, wie es eigentlich wäre.

Geteiltes Leid ist zusätzliches Leid

Verschärfend kommt hinzu, dass ich an tausend Ecken zusätzlich belastet werde. Einerseits kontaktieren mich immer wieder andere Transsexualitätsbetroffene und klagen mir ihr Leid und suchen Rat und ich würde so gerne allen helfen, aber das übersteigt einfach meine Kapazität. Und so schön es auch ist, immer mal wieder jemandem ein wenig zu helfen, so macht es doch auch immer wieder traurig, zu erleben, wieviele Menschen an dieser schwarz-weiss-denkenden Welt kaputt gehen und wieviel Leid unter den Menschen ist, das gar nicht nötig wäre, wenn die Einen die Anderen ganz einfach leben liessen als das was sie sind.

Anderseits stolpere ich ständig über Presseberichte, die mir das Herz aufreissen, sei es wenn wie hier berichtet ein 11-jähriges transsexuelles Mädchen in der Klapse umprogrammiert werden soll oder wenn ein 14-jähriger Junge sich das Leben nimmt, weil er wegen seiner Homosexualität gemobbt wird. Es gibt Leid, das unumgänglich ist, aber es gibt noch viel mehr Leid, das völlig unnötig wäre, das nur deshalb existiert, weil so manche Zeitgenossen einfach null Einfühlungsvermögen haben oder ganz einfach Soziopathen sind.

Die Renitenz der Kriegerin

Auch wenn sich vieles in meinem Leben zum Guten verändert hat und meine Lebensqualität sich vervielfacht hat, auch wenn ich heute im Gegensatz zu früher jeden Morgen aufstehe und mich auf den kommenden Tag freue, auch wenn ich mit mir im Reinen bin, mich annehmen und sogar lieben kann, ja selbst jetzt, da ich so ganzheitlich geliebt werde von Juliet…….. selbst da kann ich eigentlich nur deshalb überleben, weil ich diese unerhörte Renitenz in mir trage, diese Widerspenstigkeit, die allen Widrigkeiten des Lebens trotzt. Da mag man mir die Suppe noch so versalzen, notfalls verdünne ich sie oder schmeiss soviel Chili rein, bis ich das Salz nicht mehr schmecke, aber ich lasse mir den Genuss meines Lebens nicht mehr nehmen.

Wer zuletzt lacht, muss das Echo seines Gelächters nicht fürchten

Ich kann und darf mir nichts vormachen, dieses Schicksal werde ich genauso wenig los wie meinen eigenen Schatten. Ich habe eine transsexuelle Vergangenheit und werde es kaum je erleben, dass ich von dieser Welt als das wahrgenommen werde, das ich bin, diese Stigmatisierung als “gestörter Mann” wird an mir haften bleiben. Ich werde auch nie meinen Hang zum Hinterfragen loswerden, ich bin zur Philosophin geboren und werde kaum je in der Lage sein, diesen ganzen Irrsinn, der so Manchen entgeht, zu ignorieren. Dieser Schmerz wird nie von mir gehen und diese Verzweiflung wird mich immer wieder überfallen, es wäre törricht mir einzureden, dass damit irgendwann Schluss ist.

Aber ich habe viel zu viel erreicht, habe viel zu tief aus der Nektarschalte des Glücklichseins genascht als dass ich je wieder wirklich bedauern könnte, wer oder was ich bin. Ich bin frei, wie noch nie zuvor – und ich liebe und werde geliebt – deshalb bin ich bereit, alles, wirklich alles zu erdulden. Solange ich mich selbst sein kann (was nur noch der Tod verhindern könnte) und solange ich diese wundervolle Frau an meiner Seite habe (sei sie auch noch so weit entfernt)……….. solange ertrage ich es auch, immer mal wieder Blut und Wasser zu weinen und solange werde ich auch das dämliche Grinsen in der Fratze dieser Gesellschaft erdulden……….. und die Lebensfreude geniessen, wann auch immer ich dazu in der Lage bin.

Und das ist das Schöne an dieser ganzen Sache, ich werde von einer Gewissheit getragen, die wohl nur Wenigen zuteil wird. Was auch immer in Zukunft noch geschehen mag, was auch immer für Schmerz und Leid auf mich wartet, es wird nichts, aber auch überhaupt nichts daran ändern, dass ich am Ende meines Lebens zurückblicken werde und mit dankbarem Lächeln sagen werde: Ja, das war mein Leben, ich habe wirklich geliebt und gelebt………. und ich bin mir bis zum Schluss treu geblieben………… semper fi ;-)

Und jetzt naht das Ende, also beginnt die finale Szene
Mein Freund, ich sage klar, ich lege meinen Fall, dessen ich mir sicher bin, dar
Ich habe ein reiches Leben gelebt, ich habe jede einzelne Straße bereist
Und viel mehr, viel mehr als das, ich hab’s auf meine Weise getan

Bereut habe ich einiges, aber dennoch zu wenig, um es zu erwähnen
Ich tat, was ich tun musste und habe alles ohne Ausnahme erlebt
Ich habe jeden Charterflug geplant, jeden einzelnen Schritt auf meinem Weg
Und viel mehr, viel mehr als das – Ich hab’s auf meine Weise getan

Ja, es gab Zeiten – Ich bin sicher, das wusstest du
Als ich mehr abbiss, als ich kauen konnte
Aber dennoch, auch wenn ich zweifelte, habe ich es zerkaut und ausgespuckt
ich habe mich allem gestellt – Und ich stand aufrecht – Und ich tat es auf meine Weise

Ich habe geliebt, ich habe gelacht und geweint, ich hatte meine Fülle, meinen Anteil am Verlust
Und nun, da Tränen aufsteigen, finde ich alles so amüsant, zu denken,
dass ich all das getan habe – Und, erlauben Sie mir zu sagen, nicht auf schüchterne Weise
Oh, nein, oh, nein, nicht ich – Ich habe es auf meine Weise getan

Denn was ist eine Frau, was hat sie denn schon, außer sich selbst,
sonst hat sie nichts als zu sagen, was sie wirklich fühlt
Und nicht die Worte einer, die kniet
Die Akte zeigt, ich habe Rückschläge hingenommen

……. und ich hab es auf meine Weise getan!

(Frank Sinatry – My Way – Mein Weg)

Ein wenig bekloppt in Hamburg

Unser letztes Wochenende gestaltete sich wieder wie gewohnt und geliebt, wir lagen aneinandergeklebt auf dem Sofa, hach :-) Einzig am Samstag gingen wir in eine Konzerthalle um den Comedian Kaya Yanar zu kucken. Zuerst ging’s bei Schweinste lecker futtern und dann ab in die Konzerthalle – und da wurd’s dann irgendwie gruselig, echt.

Nach langem Ghetto und Rumwarterei. Wir hatten drei Tickets für unten und eins für oben *urks* und Lars wollte früh anstehen um gute Plätze zu haben. Wir hofften, dass wir ein Ticket umtauschen können, hofften, hmmmmm. Die zwei Erwachsenen gingen also mal unten anstehen und wir standen draussen vor der Kasse und warteten eine halbe Stunde bis die öffneten, ums uns dann sagen zu lassen, das ginge nicht. Cool. Aber schlau wie wir sind, haben wir dann halt einfach noch eine Karte für oben dazugekauft und standen dann dort in die Warteschlange. Und ich war langsam völlig entnervt, frohr mir meinen Hintern ab – jaja, selber Schuld, Rock und Strümpfe, haha *gacker* – aber irgendwie schafften wir es rein und dann gings aufwärts – bis es dann abwärts ging – oder so.

Freudig bestürmten wir die Bar, die sogar Longdrings anbot und gönnten uns gleich mal einen Vodka Lemon resp. Orange. Und weil wir ja so bekloppt früh dahin gehen mussten, um Sechs anstatt um Acht, mussten wir da halt blöd rumsitzen und der Drink ging aus, also gab’s noch einen – und dann ging die Show los. Für die, die nicht aufgepasst haben, wir sind erst bei zwei Drinks!

Die Show war an sich cool, aber schon gegen die Pause hin begann ich leicht wegzudämmern. Da wir beide aufs Klo mussten, gingen wir kurz vor Pause raus, klo-ten oder so. gingen eine rauchen, holten uns noch einen dritten Vodka Orange und wollten wieder rein. Durften wir aber mit Getränken nicht mehr *staun*, also setzen wir uns bei der Bar hin und warteten etwas. Nach der Pause gingen wir dann wieder an unseren Platz zurück – angeblich – fragt mich nicht *urks*

Ich betone, wir hatten drei Vodka Orange, also drei mal etwa 4cl, insgesamt nicht viel mehr als 1dl Vodka – aber meinem Hirn reichte es, es klinkte sich aus – Scheiss Vitamine im Orangensaft ;-)

Weiss der Geier, was da abgegangen ist, aber ich war völlig betrunken, von einer Menge, die Juliet grad mal etwas angeheitert hat. Ich weiss nicht, ob das wegen der Hormone ist oder wie unsere Mama dann fieserweise sagte, altersbedingt *empörtguckt* – jedenfalls stand mein Zustand in keinem Verhältnis zum getrunken Alkohol.

Tja und damit nahm das Schicksal seinen Lauf – behauptet man – jedenfalls habe ich dann erst mal ein Nickerchen gemacht…… die ganze zweite Hälfte lang……. mit dem Becher in der Hand *staun*.

Auf dem Rausweg fiel ich mal noch auf den Hintern, weil ich an etwas anlehnte, das sich nicht anlehnen lassen wollte oder so – und als ich einen Stand fand der so Gummifutter anbot, füllte ich eine 10-Euro schwere Tüte voll quer durchs Sortiment – wofür auch immer, wir hatten welche zuhause, aber ich muss in Bombenstimmung gewesen sein ;-)

Anschliessend gingen wir nach draussen und warteten vor dem Eingang auf die anderen Zwei………. und mir gings so gut, dass ich mit Glubschaugen in die herausströmende Menge kuckte und immer wieder Leute mit einem Blick wie das Schweinchen namens Babe fragte: “Hast Du meine Mama gesehen?”………. und der zwangsläufig daraus resultierende Blick liess mich dann auch jedes Mal in erfreutes Gelächter ausbrechen………. *hüstel*……… ey echt, nochmal, sorry Juliet ;-)

Auf dem Heimweg hätte ich mich angeblich auch prächtig amüsiert und hätte bei der Durchsage: “Haltestelle XY, Ausstieg in Fahrtrichtung links” die Leute rundum klugscheissernd darüber informiert, dass sie links aussteigen müssten……….. *erröt*……….. ey echt, nochmal………….

Dass Juliet und ihre Mama im Chor “Nein Diana!” riefen, als ich zuhause angekommen die glorreiche Idee hatte, ob wir noch eine Kanne Glühwein brauen sollten, wird da niemanden mehr verwundern…………. aber glücklicherweise bin ich in so einem Zustand zwar doof wie nur etwas sondern auch lieb – im Fall – denn ich befolgte jedes Kommando, zog mich aus auf Befehl (und verstreute die Kleider auf Mamas Bett) und während sich Juliet umzog, baute ich das Sofa zum Bett um und bezog es – keine Ahnung wie ich das geschafft habe – aber sonst gabs keine Beklopptheiten mehr meinerseits.

Dafür wachte ich um Sechs auf, fühlte mich als hätte ich eine Flasche Vodka getrunken, erinnerte mich nur noch bis zur Pause, bangte bei der Frage, was in aller Welt ich in der folgenden Zeit alles angestellt habe, bangte ob mich Juliet noch lieb hat *seufz*, bis Neun lag ich dann besorgt wach……..

Aber zum Glück bin ich dort von Bekloppten umgeben, die fanden das Ganze sogar lustig :-) So lustig, dass ich mir nun ständig anhören muss, dass ich zu alt sei für alkoholische Getränke, haha ;-)

Das einzig Gute daran – mal abgesehen davon, dass es meine Mitmenschen offenbar erheitert hat – ist, dass mir diese Episode arg zu denken gab. So ein Blackout will ich echt nicht mehr haben, erst Recht nicht wenn ich mich gar nicht wirklich betrunken habe, was soll denn der Quatsch. Ab sofort habe ich mir ein Drink-Verbot auferlegt. Eins zu Beginn ist erlaubt aber dann gibts höchstens noch Bier – in Massen. Denn sowas will ich wirklich nicht nochmal erleben.

Am meisten beschäftigt mich aber nachwievor die Frage, was zum Kuckuck da passiert ist. Ich hab zwar die Hormondosis erhöht, aber sie ist immer noch weit tiefer als während meiner “grossen Hormonbehandlung”. Oder weil die Medis über die Haut eingenommen werden? Oder weil ich keinen Zucker mehr in den Kaffee schütte? Oder weil ich alt werde? Haha! *schmoll*

Aber wisst Ihr was? *verschwörerischguckt*

Vielleicht war das nur eine Nebenwirkung von Kaya Yanars Humor? Weil der hat ja echt einen an der Waffel – so wie wir Zwei – wir Vier – so gesehen – Glaubstdu nich’? Guckstdu hie’!

Zwangspsychiatrie gegen 11-jähriges transsexuelles Mädchen

Die 11-jährige “Alexandra” soll zwangsweise in eine psychiatrische Klinik gesperrt werden, zwecks Umprogrammierung, um ihre Persönlichkeit zu brechen……. denn Alexandra ist transsexuell und das darf nicht sein, in den Köpfen einiger Ewiggestriger.

Gedanken über gelebte und institutionaliserte Menschenrechtsverletzungen an transsexuellen Kindern – oder etwas bissiger formuliert: wie man die Persönlichkeit eines kleinen Mädchens erfolgreich in Schutt und Asche legt.

Nein, nichts weist auf einen Jungen hin. Und doch ist Alex Geschlecht zum Kampffeld geworden. Alex ist transsexuell. Ein Mädchen mit den Geschlechtsmerkmalen eines Jungen.

Und deshalb droht dem Kind jetzt die geschlossene Psychiatrie.
Das Jugendamt möchte es einweisen.

(TAZ)

Ehrlich gesagt, mir wird grad wieder speiübel, wenn ich mit diesem Thema anfange. Vor einer guten Woche berichtete die deutsche TAZ von einem Fall eines transsexuellen Mädchens, das zwar erst 11 Jahre alt ist, aber offensichtlich mehr Grösse hat als so manche Erwachsene. Denn dieses kleine Mädel hat trotz ihres zierlichen Alters bereits genug Selbstbewusstsein um für sich einzustehen und ihr Recht auf Selbstbestimmung einzufordern. Seit mehreren Jahren lebt sie in ihrem wirklichen Geschlecht, ungeachtet ihres Geburtsgeschlechts und irgendwelcher anatomischen “Anomalien”, allem Spott und allen Druckverseuchen zum Trotz. Und sie hat offenbar eine wundervolle Mutter, die ihr beiseite steht und sich für sie einsetzt – das klingt alles zu gut um wahr zu sein – und das Verrückte ist, es wäre tatsächlich so gut, gäbe es da nicht……..

…… gäbe es da nicht die Anderen wie ihren Vater, der scheinbar nicht mit der Transsexualität seiner Tochter klar kommt, der sie entgegen ihrer klaren Selbstdeklaration ignorant mit dem männlichen Namen anspricht und der nun wie man liest alle Register zieht, um das Kind zu re-konditionieren. Mir als Aussenstehende bleibt unbeantwortet, ob dieser Vater einen Scheidungskrieg auf dem Buckel seines Kindes ausführt oder ob er einfach nicht weiss, was Transsexualität wirklich bedeutet und was er mit seinem Entgegensteuern für einen Totalschaden produziert. Er ist emotional beteiligt und damit spreche ich ihm auch “achtenswerte Beweggründe” zu – ganz im Gegensatz zu den restlichen Beteiligten.

Wirklich abgründig wird diese Geschichte wenn man erfährt, dass dieser Vater gegenüber dem Jugendamt behauptete, die Mutter würde das Kind “zum Mädchen erziehen” und das Jugendamt war offenbar naiv genug um diesem Schluss unkontrolliert zu folgen. Das Kind wurde vom Jugendamt nie seriös befragt, eine Diagnose wurde nie gestellt, trotzdem erdreistet sich das Jugendamt, der väterlichen Unterstellung zu folgen und will nun das Kind der Mutter entreissen und es zwangsweise in eine psychiatrische Klinik zu sperren – offiziell um einer angeblichen Suizidgefahr vorzubeugen – inoffiziell jedoch mehr um dieses Mädchen psychiatrisch zu brechen – Verhaltenstherapie nennt man diese Hirnwäsche beschönigend.

Wenn ich bedenke, wie schwer es für ein transsexuelles Mädchen ist, zu sein was man ist und wenn ich bedenke, dass dieses mutige Mädel das Glück hat, eine Mutter zu haben, die sie trägt, dann kommt mir das kalte Kotzen beim Gedanken, dass dieses Kind, das wirklich eine Chance hätte, nun vom Jugendamt und von der als Kavallerie aufgebotenen Psychiatrie kaputt therapiert werden soll.

Ich kenne diese Familie nicht und kann mir deshalb noch kein abschliessendes Urteil erlauben. Aber der Bericht der TAZ spricht für sich und die Tatsache, dass ein Jugendamt aus diesen Gründen eine psychiatrische Zwangseinweisung anordnet, entbehrt jeglichem minimalen Verstand. Mehr als das stütze ich mich in meinem “Urteil” auf Inka, die Erfahrung hat in der Betreuung von transsexuellen Menschen und die persönliche Erfahrung im “Transsexuellsein” hat, die über dieses Thema wohl mehr Fachkenntnisse hat als so manche sogenannten Fachleute. Sie bestätigt, dass sie das transsexuelle Mädchen als authentisch erlebte und dass sie eine harmonische Mutter-Kind Beziehung erlebte. Mehr brauche ich nicht zu wissen um zum vorläufigen Urteil zu kommen, dass hier ein paar transphobe Zeitgenossen gerade drauf und dran sind, ein kleines Mädchen komplett kaputt zu machen, nur weil sie erstens keine Ahnung haben womit sie es hier zu tun haben und weil sie zweitens eine indoktrinierende Weltanschauung haben, die sie glauben macht, sie hätten das Recht dazu, über einen anderen Menschen zu bestimmen und diesen anderen Menschen bei Nichtgefallen mit psychiatrischer Hirnwäsche umzuprogrammieren.

Dieser “Fall” macht mich traurig und er macht mich wütend, auf eine Gesellschaft, die wider wissenschaftlichen Erkenntnissen eine binäre Geschlechtsideologie predigt, auf deren Grund alle nicht der gerade postulierten Norm entsprechenden Menschen auf der Strecke bleiben.

Und dieser “Fall” stürzt mich in Verzweiflung, weil ich einmal mehr erlebe, wie Menschen demoliert werden, nur weil sie sind, wie sie sind. Diese “Alexandra” ist mehr als ein Mädchen oder ein vermeintlicher Junge, sie ist mehr als eine Tochter, mehr als eine Schutzbefohlene – sie ist ein fühlendes Individuum, das allein aufgrund ihrer Wesensart psychiatrisiert werden soll, von einer schwarz-weiss denkenden Gesellschaft, die im Zuge ihrer Selbstreinhaltung über Leichen geht. Man möge mir die Deutlichkeit meiner Worte verzeihen, ich bin bei diesem Thema persönlich betroffen, aber mir kommt wirklich das kalte Kotzen ob dieser perversen und sinnentleerten “Zurechtbiegung” eines Wesens.

Zusätzlich beängstigend ist, dass dieser “Fall” – der schlussendlich doch einen Menschen beinhaltet – vermutlich in der Berliner Charietè landet und dass gerade diese Berliner Charieté sich einen Namen damit gemacht hat, dass sie transsexuelle Menschen umzuprogrammieren versucht. Wenn der Sexualmediziner Klaus Beier von der Berliner Charieté beispielsweise sagt: “Wenn wir Kriterien hätten, die uns sicher sagen könnten, dass eine Geschlechtsidentitätsproblematik im Kindesalter später in eine Transsexualität übergeht, wäre die Gabe von pubertätsblockierenden Medikamenten verantwortbar. Diese Kriterien haben wir aber nicht, sodass stets der denkbare Fall zugrunde gelegt werden muss, dass sich das Unbehagen im biologischen Geschlecht im Laufe der weiteren Entwicklung verlieren könnte”, dann demonstriert er damit ein antiquiertes Denken, dass allen Fakten spottet. Die “Geschlechtsidentität” ist nichts, was einfach mal entsteht, vielleicht einfach wieder verschwindet oder mal eben schnell korrigiert werden kann. Die “Gewissheit um das eigene Geschlecht” ist etwas ureigenes, etwas unumstössliches. Wer dieses einem Menschen austreiben möchte, muss ihn umprogrammieren, muss ihn zu globaler Selbstverleugnung verführen. Dass all das mit diesem Mädchen geschehen soll, übersteigt die Grenzen des Erträglichen bei Weitem.

Und NEIN, damit hat sich dieses Thema noch lange nicht erledigt, noch lange nicht, DAZU gibt es noch viel zu sagen, viel anzuprangern – die Zeiten sind vorbei, in denen wir ob all der Menschenrechtsverletzungen schweigen!

Mehr zu diesen Fall
TAZ: Transsexualität im Kindesalter – Wer wollte das rosa Einhorn?
DuoInferale: Sorry, ich muss mich mal kurz übergeben
ATME: Die taz schreibt und ATME schweigt. Eine Geschichte
Inka: Wegen Transsexualität in die Psychiatrie
Inka: Die Politik ist gefordert
Inka: Zwei bewegende Anrufe
Inka: Offener Brief an Klaus Wowereit
Mädchenblog: Am besten in die Geschlossene? „Kinderkrankheit“ Transsexualität.
The Sweet Brain: Nur mal eben Luft raus lassen…!

Mehr über Fremdbestimmung und Verhaltenstherapien bei transsexuellen Kindern
Diana: Verhaltenstherapie bei transsexuellen Kindern?
Diana: Entrechtete Transsexuelle – wer bestimmt das Geschlecht?
Diana: Was bestimmt das Geschlecht – Körper oder Geist?
ATME: Transsexuelle und Intersexuelle – Opfer derselben Ideologie
Mut23: Der Fall Reimer
Mut23: Das Gehirn bestimmt das Geschlecht

UPDATE:
TAZ: MEDIZINERIN ÜBER TRANSSEXUALITÄT “Viele erleben die Pubertät als Qual”

UPDATE:
ATME: Berlin ist kein Einzelfall

Rückblickende Zusammenfassung des Jahresanfangs

Heieiei wie die Zeit vergeht, kaum im neuen Jahr angekommen und schon ist der erste Monat fast vorüber – und ich hab kaum was gebloggt – Schande über mich ;-) Aber abgesehen davon, dass ich einiges zu tun hatte, bin ich einfach in letzter Zeit schreibfaul. Es gäb zwar vieles, worüber ich schreiben möchte, aber nichts ist so drängend, dass ich mich zum Schreiben überreden könnte. Deshalb hier wenigstens mal eine kleine Zusammenfassung von all dem, was ich versäumte zu schreiben – das eine oder andere wird demnächst noch etwas detailierter erzählt.

Das dritte Tagebuch wird zum Buch

Einer der Gründe, warum mir die Zeit etwas knapp ist, ist meine Arbeit am dritten Buch, das meine Blogtagebücher 2011 zusammenfassen soll. Es werden wieder um die dreihundert Seiten und diesmal sind Beiträge aus drei Blogs da drin, vorallem das alte Blogtagebuch, dieses neue Tagebuch, das GaOp-Tagebuch und erstmals auch ein paar Beiträge aus unserem gemeinsamen Blog. Unterdessen habe ich alle Beiträge zeitlich zusammengemixt und muss nun die ganzen Formatierungen überarbeiten. Schreibfehler werde ich drin lassen, einerseits weil die zu meiner Schreiberei dazugehören und anderseits, weil es sich einfach nicht lohnt, bei den 20-30 Stück die dann am Schluss verkauft werden. Überhaupt frage ich mich einmal mehr, warum in aller Welt ich so n’Quatsch mache, der Aufwand steht in keinem Verhältnis zum Ertrag, aber irgendwie isses einfach cool, eigene Bücher zu haben und mehr als das gibt es ein paar internet-lose Leute in meinem Umfeld, die das alles auch lesen möchten. Auf jeden Fall bin ich zuversichtlich, dass es dieses Jahr nicht mehr sooooo lange geht, bis das Buch in Druck geht.

Wachzustand dank Estradiol

Wie hier berichtet, habe ich ja einen neuen Doktor der meine Hormontherapie betreut und der hat wie ebenfalls hier berichtet nun die Dosierung verdoppelt, weil meine Östrogene vom Unispital viel zu tief dosiert waren. Und siehe da, seit einer Woche bin ich wieder hellwach. Entweder, ich war wirklich auf Halbstrom infolge einer an Kriminalität grenzenden Dosierung oder das ist der geilste Placebo-Effekt des Jahres. Spass beiseite, es ist wirklich krass, seit einem Jahr bin ich jeden Abend total erschöpft, schlafe ständig vor dem TV ein und bin völlig antriebslos. Und seit einer Woche bin ich wieder wach, es ist offensichtlich, dass ich mit dieser spärlichen Hormondosierung am Rand des Existerens lebte. Voraussichtlich nächste Woche werde ich dann mal die Bluttests machen und dann sehen wir einerseits, wie es mit meinem Hormonpegel aussieht und anderseits wird sich zeigen, ob meine vom Unispital bemängelten erhöhten Zucker/Cholesterinwerte nicht doch nur eine Folge der falschen Hormontherapie waren.

Dampfen statt Rauchen

Ebenfalls erfreulich ist mein neustes Dampf-statt-Rauch Experiment. Seit Anfang Jahr habe ich nun diese e-Zigaretten und experimentiere eifrig damit rum. Die Anzahl gerauchter Zigaretten ist ohne nennenswerte Anstrengung auf die Hälfte reduziert, das nenn ich doch mal n’Achtungserfolg. Ich schlepp nun immer drei e-Zigis mit mir rum, zwei davon sind mit leckerem Geschmackskram gefüllt (momentan eins mit Banane/Vanille und eins mit Kaffee/Vanille) und eine e-Zigi ist mit Tabakgeschmack gefüllt und hat im Gegensatz zu den andern Zwei Nikotin drin. Wenn ich nun meine Nuckelattacken habe, die vorallem abends im Viertelstundentakt kommen, dann nuckle ich ein paar mal an den nikotinfreien Zigis rum. Wenn der Nikotindrang kommt, gönn ich mir ein paar Züge mit Nikotin und wenns dann ganz chribbelig wird, gibt’s wieder eine gerauchte Zigi. Klingt kompliziert, isses aber nicht. Wenn es so weiter geht, werde ich vermutlich die ganze Pafferei stark umlagern können und das ohne dass ich dabei fast Stücke vom Tisch abbeisse. Bin gespannt wie es weiter geht.

Videos, Bücher, Shopping

Rechts im Menü hat’s drei neue Seiten, in denen aber noch fast nix drin ist. Wie bereits erwähnt, bin ich am Aufbau einer Reihe von Youtube-Playlisten, in denen ich ein paar Leckerbissen aus meiner Musikwelt präsentiere bis hin zu Videos mit lustigen Tieren oder depperten Leuten. Ausserdem gibt es dort bald einen kleinen Bücherladen in dem ich Bücher vorstelle und des Weiteren gibt es bald eine Shopping-Seite mit Shopping-Tipps, die nicht nur Euren Kleiderschrank bereichern sollen sondern auch mich selbst, denn die dort bald erscheinenden Links sind sogenannte “Affiliate-Links”, was bedeutet, dass ich immer ein klein wenig mitverdiene, wenn Ihr über die dortigen Links einkauft. Mehr über all das, wenn es fertig ist, wer mag, darf aber gerne jetzt schon zwischendurch reinschauen.

Weekend in Hamburg

Und weil der Monat so schnell rum ist, geht’s nun auch schon bald wieder Richtung Hamburg. Diesen Donnerstag werde ich in der Mittagspause abrauschen, nach Hamburg flattern, dort von Schatzi am Flughafen abgeholt, dann gehn wir mal kurz shoppen (weil ich ja nix anzuziehen hab *jammer*) und dann geht’s nachhause und dort werden wir dann bis Dienstag morgen rumliegen. Oder gehn wir noch an diese Hochzeit? Oder ist die ein Monat später? Ach was weiss ich, ich lass mich überraschen, hauptsache ich werd wieder kräftig durchgeknuddelt, hab nämlich arge Entzugserscheinungen ;-)

Der wissenschaftliche Beweis: Jung sind bekloppt :D

Und nun noch das Lustige zum Schluss – muss ja auch mal wieder sein ;-) Ich hab mich ja schon des Öfteren hier darüber amüsiert, dass Jungs halt schon a bisserl bekloppt sind. Klar mögen wir sie trotzdem, aber es lässt sich nicht abstreiten, dass Jungs in gewissen Belangen schon gehörig einen am Keks haben. Wenn ich beispielsweise beobachte, was Testosteron und Alkohol gemeinsam bewirken oder wenn ich Jungs erlebe, die in ihrem testosterongeschwängerten Zustand nichts blöderes zu tun haben als wildfremden Mädels an den Hintern zu fassen, dann braucht es kaum noch eines Beweises dafür, dass Jungs etwas schräg drauf sind. Aber für diejenigen, die trotz aller Beweislast immer noch daran zweifeln, denen möchte ich diese wissenschaftliche Tatsache präsentieren, die wie ich hoffe nun auch letzte Zweifel beseitigen müsste. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass der “Borstenwurm” eine sehr bizarre Eigenschaft zu Tage fördert. Wenn man einem weiblichen Borstenwurm das Hirn entfernt………… wird daraus ein männlicher Borstenwurm *vomstuhlfallvorlachen*……… echt kein Scheiss, ich schwör’s, das ist wirklich so. Und damit betrachte ich meine Beweiskette als vollständig, Jungs sind einfach bekloppte Mädchen oder so :D Uns Mädels dürfte das nicht gross wundern und die Jungs verstehen wohl den Witz dahinter nicht, aber macht nix, für den Lacher des Monats wäre damit gesorgt ;-)

Hormontherapie und Thrombose – gut gemeint ist halb tödlich

Dieser in meinen letzten zwei Blogbeiträgen (Teil 1 / Teil 2) beschriebene Gesundheitsrausch steht wie erwähnt im Dienst einer Reduzierung des Zucker- und Cholesterinpegels resp. einer Reduktion des Nikotinpegels – all das um das Thromboserisiko möglichst gering zu halten, weil meine Endokrinologin meinen Östrogenpegel zu tief hält, weil sie eben das Thromboserisiko möglichst tief halten möchte. Ihre Devise ist: wegen dem Rauchen hab ich eh schon ein massiv erhöhtes Risiko, die Östrogene die ich bekomme erhöhen das Risiko ebenfalls und sowohl ein erhöhter Zuckerpegel als auch erhöhte Cholesterinwerte erhöhen das Thromboserisiko grad nochmal. Das alles war ihr zuviel des Guten und deshalb lautete der Plan: mehr Östrogene gibt’s erst wenn Zucker/Cholesterin tiefer liegen. Klingt logisch, klingt vernünftig, ist aber wie ich diese Woche rausfand alles kompletter Blödsinn. Es ist zwar sicher gut, wenn ich Zucker, Cholesterin und Nikotin möglichst tief halte, daran will ich auch weiter arbeiten, aber ihre Logik beisst sich in den Hintern, weil sie offenbar einmal mehr von falschen Annahmen ausgeht…….. und jetzt wirds wirklich real-satirisch……..

Zu tiefer Östrogenpegel ist massiv gesundheitsgefährdend

Halten wir uns als Erstes vor Augen, dass ein zu tiefer Östrogenpegel längerfristig zu Oestoporose führt, also die Knochen brüchig werden. Weiters führt eine Unterdosierung zu Haarausfall, schädigt die Schilddrüse und vieles mehr. Und es macht chronisch müde, was die Lebensqualität auch nicht rad fördert. Diese Woche habe ich mich mal wieder schlau gemacht und mich durch diverse neuere Studien zu dem Thema gewühlt – was ich fand, liess mir das Blut in den Adern gefrieren, echt. Folgende Erkenntnisse kamen auf den Tisch:

Hormontherapie mit Östrogenen bewirkt vierfaches Thromboserisiko – oder auch nicht

Östrogene die bewirken ein vierfaches Thromboserisiko, stimmt, aber nur, wenn es oral eingenommen wird, wenn man es über die Haut aufnimmt, erhöht sich das Risiko nicht auf 400% sondern auf 120%, also nahezu gar nicht. Bizarr daran ist, dass die meisten Ärzte Frauen in der Menopause Pillen verschreiben, somit also ein 4-faches Thromboserisiko in Kauf nehmen, obwohl das nicht nötig wäre. Noch bizarrer ist, dass ich mehrmals insistieren musste, bis mir meine Endokrinologin endlich Hormonpflaster gab. Sie wusste zwar, dass Pflaster die Leber im Gegensatz zu Pillen nicht belasten, dass sich damit auch das Thromboserisiko reduziert, wusste sie nicht. Ich hab ihr das damals gesagt, sie konnte es kaum glauben, aber selbst ich wusste nicht, dass Pflaster nicht nur ein geringeres Risiko sind sondern nahezu gar keins.

Zu tiefes Östrogen erhöht Zucker- und Cholesterinwerte

Der Oberhammer kommt aber noch. Wie ich herausfand, bewirkt ein zu tiefer Östrogenpegel unter Anderem einen Anstieg des Blutzuckers und des Cholesterins. Wie bitte? Halllllooooooooooo? Ein zu tiefer Östrogenpegel bewirkt einen Anstieg von Zucker/Cholesterin und meine Endokrinologin will meinen zu tiefen Östrogenwert nicht erhöhen solange diese Werte zu hoch sind? Das kann nicht wirklich ernst gemeint sein, ich fass es nicht.

Progesteron ist ein wichtiger Partner fürs Östrogen

Nächster Quatsch: Seit langer Zeit raten mir diverse andere transFrauen aus Erfahrung, dass ich nebst Östrogen auch Progesteron brauche, weil diese zwei Hormone zusammen arbeiten und ein einseitiger Anstieg wie in meinem Fall zu einer “Östrogendominanz” führt. In der offiziellen Arztliteratur heisst es aber, dass Östrogen/Progesteron Kombitherapien das Thromboserrisiko zusätzlich erhöhen. Am Unispital heisst es, wir transFrauen würden das nicht brauchen, Progesteron sei nur für die Schwangerschaft. Joh klar, kifft weiter! Ein kurzer Blick ins Web zeigt, dass Progesteron etwa ein Dutzend Veränderungen bewirkt, es regelt eine Vielzahl von körperlichen Komponenten bis hin zur einer positiven Beeinflussung des Cholesterins. Und wenn der weibliche Hormonhaushalt primär durch zwei Hormone geregelt wird, ist es ein Gebot der Vernunft, dass man nicht nur eins davon hochschraubt. Der Witz am Ganzen ist aber nun, dass dieses erhöhte Thromboserisiko nur dann eintritt, wenn man die weit verbreiteten synthetischen Progestine nimmt, nicht jedoch wenn man sogenannt bio-identisches Progesteron nimmt.

Fazit: kaum ein thromboserisiko wenn Endokrinologen ihren Job richtig machen

Lediglich als Beispiel hier drei der neusten Studien, die sich mit dem Risikopotential von Hormontherapien beschäftigten, es gäbe noch eine Reihe mehr in dem Stil, aber als erste “Beweisführung” dürfte das mal reichen:

Transdermal estrogens may be safe when they are administrated alone or along with micronized progesterone but not with norpregnane derivatives. By contrast, oral estrogens are associated with an increased thrombotic risk irrespective of the presence of concomitant progestogens.
http://atvb.ahajournals.org/content/30/2/340.long

Our data confirm that oral but not transdermal estrogen increases VTE risk among postmenopausal women. In addition, these data show that micronized progesterone and pregnane derivatives may be safe with respect to thrombotic risk. Furthermore, our results suggest that norpregnane derivatives are thrombogenic.
http://circ.ahajournals.org/content/115/7/840.long

Recent data confirmed the safety of the transdermal route of estrogens administration in postmenopausal women requiring treatment. In addition, epidemiological data showed that use of concomitant progestins could increase VTE risk compared with progesterone use. Finally, results of a meta-analysis showed that the VTE risk increased with doses of oral estrogens.
http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0049384811700081

Fazit: Östrogen erhöht das Risiko, ausser man nimmt es über die Haut ein. Progestine erhöhen das Risiko, nicht jedoch Progesteron. Grob nach Adam Riese heisst das, wenn ich Östrogenpflaster und richtiges Progesteron nehme, gehe ich keine nennenswerten zusätzlichen Risiken ein, habe dafür dann aber einen Hormonhaushalt, der im Wesentlichen dem entspricht, was er haben soll.

Neuer Arzt – neue Hoffnung

All das hat mich dazu bewogen, nun definitiv meinen Arzt zu wechseln und dort wurde mir das Meiste von dem was ich grad beschrieben habe bestätigt. Er war auch der Ansicht, dass meine Hormone deutlich zu tief dosiert sindd (ich krieg nun das Doppelte), ausserdem stand er Kopf als ich sagte, am Unispital hätte man nie gemessen, wieviel Hormone ich im Blut habe, er war genauso fassungslos wie ich. Nicht einig wurden wir was Progesteron anbelangt, aber vielleicht finden wir da doch noch einen gemeinsamen Nenner. Nun läuft es so, dass ich per sofort die doppelte Östrogendosis habe und in 2 Wochen machen ich nochmal einen Bluttest, diesmal aber richtig. Dann werden wir aufgrund dieser Daten entscheiden, wie es weiter geht. Auf jeden Fall fühle ich mich erstmals von einem Arzt ernst genommen und bin zuversichtlich, dass das Ganze längerfristig gut kommt. Wenn ich genug Erfahrungen gesammelt habe, werde ich zum Thema Hormontherapie mal was Grösseres schreiben, das scheint überfällig zu sein.

Dampfen ist besser als Rauchen

Wie im letzten Blogbeitrag geschrieben, arbeite ich grad an meiner Gesundheit, im Speziellen geht es um die Reduzierung des bei mir umstandsbedingt leider deutlich erhöhten Thromboserisikos………

Hauptrisiko in Sachen Thrombosen ist ja das Rauchen und da ich diesbezüglich einfach nicht aus dieser Suchtfalle komme, versuche ich immer mal wieder Neues, sei es um wirklich aufhören zu können oder um wenigstens die Menge zu reduzieren. Ende letzten Jahres hat mir mein Papa einen coolen Tipp gegeben, neuerdings gibt’s elektronische Zigaretten. Also habe ich mich da mal reingekniet, zuerst ein Billigprodukt ohne Begeisterung probiert und dann gleich mal ein Profi-Gerät geordert, inklusive ein paar leckere Geschmacksrichtungen, von Tabak-Geschmack über Caramell und Cappuccino bis zu Vanille.

Während der Weihnachtsferien wurde das dann mal ausgiebig getestet und diese Joyetech eGo-T ist nun mein steter Begleiter – genaugenommen sind es deren zwei, beide in hübsch-weibischem Dunkelrot :-) Geschmacklich hat sich gezeigt, dass nix so gut ist wie Vanille und es zeigte sich, dass Menthol im Hals eher ein Rauchgefühl produziert. So steige ich nun in die Profi-Liga auf und bestelle vermutlich morgen eine Reihe von Geschmackliquids, die ich dann zusammen mit einem Grundliquid zu einem eigenen Rauchding mixen kann.

Bei diesen eZigaretten kann man sowohl Liquid ohne Nikotin dampfen als auch Liquids mit Nikotin. Bisher habe ich nur solches ohne Nikotin benützt und bin unterdessen soweit, dass im Schnitt jede zweite Zigi ausfällt, weil ich die Zeit dazwischen etwas ausfüllen kann mit gelegentlichem Nuckeln an meiner eZigi. Als Nächstes werde ich auch solche mit Nikotin ausprobieren und mal schauen, wie ich mich von möglichst schädlich auf möglichst unschädlich bewegen kann.

Klar ist schonmal soviel: Es ist ohne Anstrengungen möglich, den Nikotinkonsum zu halbieren mit so Vanille-Dampfereien, es ist sogar fast eine Bereicherung, weil die süssliche Dampferei einfach leckerer schneckt. Ebenfalls klar ist, dass ich so auch noch Geld spare, weil dampfen günstiger ist als rauchen. Wie sich das Ganze entwickelt, wird sich zeigen, aber ich bin zuversichtlich, dass ich zumindest die Gesamtbelastung deutlich reduzieren kann und werde – ich halt Euch auf dem Laufenden.

PS: und hier geht’s weiter mit dem Thema “Hormontherapie

Gesundheitsrausch im Jahresanfang

Schon sind die ersten zwei Woche des Jahres um und ich hab nix gebloggt – shame on me – aber ich bin halt grad etwas schreibfaul und deshalb fass ich mal wieder zusammen resp. mache drei Blogbeiträge draus…….

Zahn mit Guckloch

Während der Weihnachtsferien ist mir ja ein Stück eines Schaufelzahns rausgebrochen, was nicht nur bekloppt aussieht sondern auch das Essen mühsam macht, denn neben dem herausgebrochenen Stück tummelt sich noch ein weiteres, noch grösseres Stück, das nur darauf wartet, ebenfalls n’Abgang zu machen. Deshalb hoffte ich auf einen baldigen Zahnarzttermin, aber weil Murphys Gesetz bekanntlich immer zuschlägt, hatte mein Zahnarzt natürlich die erste Woche Ferien und in der zweiten Woche war er ausgebucht. So kommt es, dass ich nachwievor mit eingeschränkter Bissfähigkeit das Leben bestreite, bis nächsten Mittwoch, dann wird endlich aufgeräumt.

Gesund essen für Ernährungslegastenikerinnen

Womit wir fliesssend zum Essen kämen. Meine Ernährungsideale sind ja bekanntlich ein Graus für sich, abgesehen davon, dass ich jeden Mittag ein Fertig-Menü esse und so wenigstens ein Minimum an geordneten Mahlzeiten zu mir nehme, esse ich abends und an Wochenenden nicht grad so, dass Ernährungsberater Freudentränen weinen würden. Entweder gibts gar nix oder dann so mit Wasser übergossene Fertignudeln, garniert mit Würsten, oder es gibt Fertigpizza, natürlich mit Salami oder Speck……. ansonsten wird mein Körper durch den Zucker in Betrieb gehalten, den ich eimerweise in den Kaffee schütte. Gut wär anders.

Nun hat ja meine Endokrinologin beim letzten Bluttest entdeckt, dass mein Zucker- und Cholesterinwert ein klein wenig erhöht ist, nicht dramatisch, aber doch genug um mir eine dringend notwendige Erhöhung der Östrogene zu verweigern. Zuerst müssten diese Werte etwas runter kommen, bis dahin bin ich zu chronischer Müdigkeit verdammt. Deshalb hab ich mir ausnahmsweise mal gute Vorsätze gemacht und bisher halte ich die auch überraschend gut ein. Einerseits trinke ich den Kaffee nur noch schwarz und spare damit mindestens ein dutzend Zuckerwürfel pro Tag ein, anderseits habe ich von Cola auf Mineralwasser umgestellt und auch beim Essen hat sich einiges geändert, so gibt’s neuerdings mindestens einmal pro Woche eine richtig deftige Zwiebel-Lauch-Suppe, an anderen Abenden gibts vermehrt Gurkensalat mit ganz viel Zwiebel und Tomaten-Mozzarella-Salat. All das tue ich im Dienste eines reduzierten Thromboserisikos.

Obwohl ich eigentlich keine Lust hab, abends nach der Arbeit noch allein in der Küche rumzustehen, habe ich doch ein gewisses Mass an Spass dabei. Ich denke, dass ich mich an diese neuen Gepflogenheiten gewöhnen kann.

Weiter mit den nächsten zwei Blogbeiträgen

Und weil der Blogbeitrag sonst zu gross würde und sich die Themen einigermassen abtrennen lassen, mache ich hier Schluss und dann geht’s gleich weiter mit zwei ergänzenden Blogbeiträgen:

- Dampfen ist besser als Rauchen
- Hormontherapie und Thromboserisiko – gut gemeint ist halb tödlich

Frohe Festtage 2011

Eigentlich wollte ich noch einen kleinen Jahresrückblick schreiben, aber irgendwie kam ich nicht dazu. Die letzten Tage hatte ich viel Arbeit, kam entsprechend eher müde nachhause, dort gab’s auch noch einiges zu tun und so war die Zeit dann plötzlich um. Denn jetzt reicht’s eh nicht mehr, ich muss noch packen, dann mit Juliet blabla machen, schlafen, nochmal ackern und schon flieg ich wieder nach Hamburg und bleib dort bis Anfang Jahr.

Anfang Jahr wiederum dürfte auch anstrengend sein, nebst vielem Anderen möchte ich die Blogbeiträge 2011 aufarbeiten um den dritten Buchband meines Tagebuchs zu veröffentlichen, was erfahrungsgemäss saumässig viel Arbeit gibt. Für schlussendlich ein paar dutzend verkaufter Exemplare zwar ein völliger Verhältnisblödsinn, aber was tut man nicht alles, wenn man mal n’Floh im Ohr hat ;-)

Auf die vor uns liegende Woche freuen wir uns natürlich wie doof, erstens können wir zusammen Weihnachten und Neujahr feiern, zweitens können wir eine Woche lang rumknuddeln, drittens sehe ich meine Schwiegermama und ihren Mann Lars wieder, viertens kann ich wieder mal Gruselfilme auf Silverline kuckn, fünftens sind wir bei Lars Mama zum Essen eingeladen, sechstens hat Schatzi schon ganz viel leckeres Futter eingekauft wie beispielsweise die von mir achso gelieben Chilli-Peitschen (lange scharfe Würste), siebtens hat mir “unsere Mama” wieder eine von mir noch mehr geliebte Gyros-Suppe versprochen, achtens werden wir sicher noch eine Shoppingtour einlegen…..

…….und neuntens werden wir die ganze Woche Vanille, Caramell oder Cappucino rauchen – höhö – äh dampfen…….. denn mein Papa hat mich kürrzlich auf die Existenz von sogenannten e-Zigaretten aufmerksam gemacht, das sind so elektronische Zigis, bei denen man nicht Tabak verbrennt und sich damit die Lunge zuteert sondern flüssige Substanzen verdampft, die es in allen Geschmacksrichtungen gibt. Und so ein Ding hab ich nun im letzten Moment noch an Juliets Adresse bestellt, ergo werden wir nächste Woche mal ausprobieren, ob das Zeug wirklich brauchbar ist. Falls dem so ist, könnte das eine gute Unterstützung zu sein um wenigstens weniger zu rauchen oder längerfristig sogar ganz auszusteigen. Mehr darüber dann nach den Ferien.

Aber es soll Euch ja unterdessen nicht langweilig werden, deshalb hier ein kleiner Hinweis. Wie einige von Euch vielleicht, kann man au youTube eigene Playlists machen, also so Listen von Videos, die man dann im Endlosdurchlauf ansehen oder anhören kann. Ich habe kürzlich damit begonnen, dort einige solcher Playlists aufzubauen, einerseits für mich selbst (z.B. für meine sonntäglichen Badewannengänge) und anderseits um Euch ein paar meiner Lieblingslieder oder Comedies zu zeigen. Diese Playlisten sind zwar noch unvollständig, aber falls Ihr mögt, könnt Ihr ja schonmal reinschauen. In nachfolgendem Link findet Ihr eine Reihe von solchen Playlists, wählt eine an um eine dieser Kollektionen aufzurufen und drückt dann oben links den Knopf “alle ansehen” und schon geht’s los. Enjoy……
Dianas youTube Video Playlists

Und weil in fünf Minuten unser tägliches Blabla beginnt, hör ich jetzt hier auf und verabschiede mich für dieses Jahr von Euch.

Ich wünsche Euch schöne Feiertage und einen guten Rutsch ins neue Jahr – wir lesen uns 2012 wieder :-)

PS: und wenn ich’s schon grad von meinen Playlists hatte, dieses hier ist auch dort zu finden und irgendwie passt’s hier grad rein, so ähnlich bewege ich mich nämlich morgen wenn ich Juliet entgegenhüpfe ;-)

Semper Fi – Sich selbst treu sein

Aber Sie selber müssen eben auch kein Moralist sein!
Sie dürfen sich nicht mit anderen vergleichen,
und wenn die Natur Sie zur Fledermaus geschaffen hat,
dürfen Sie sich nicht zum Vogel Strauss machen wollen.
Sie halten sich manchmal für sonderbar,
Sie werfen sich vor, dass Sie andere Wege gehen als die meisten.
Das müssen Sie verlernen. Blicken Sie ins Feuer, blicken Sie in die Wolken,
und sobald die Ahnungen kommen und die Stimmen in Ihrer Seele anfangen zu sprechen,
dann überlassen Sie sich ihnen und fragen Sie ja nicht erst,
ob das wohl auch dem Herrn Lehrer oder dem Herrn Papa
oder irgendeinem lieben Gott passe oder lieb sei!
Damit verdirbt man sich!

(Hermann Hesse, Demian)

Als ich heute ein paar aufgenommene Teile der TV-Serie “Navy CIS” sah, wurde ich wieder mal mit dem Motto der US-Marines konfrontiert, das mich seit einiger Zeit fasziniert. Ihr Motto lautet “Semper Fi” und ist abgeleitet vom lateinischen “semper fidelis”, was zu gut deutsch “für immer treu” heisst. Für die US-Marines bedeutet das: “einmal Marine, immer Marine”, es ist ein Kodex der für immer bindend ist, der kompromissloses treu sein verlangt.

Dieses “treu sein” bedeutet mir sehr viel, ich sehe darin sogar den Schlüssel zu wahrhaftem Leben. Denn treu sein kann man nicht nur einer Organisation, einem geliebten Menschen, einer Überzeugung oder Ideologie, mehr als das kann man sich selbst treu sein, wenn man dieses Wagnis denn einzugehen bereit ist.

Von diesem Tag an – bis ans Ende meiner Zeit
gelobe ich, mir selbst treu zu sein,
in guten wie in schlechten Tagen,
unter Erduldung sämtlicher Konsequenzen,
verpflichtet einzig der Entfaltung meinerselbst,
selbst wenn es das Letzte ist, das ich tue.

So oder ähnlich hätte der Schwur lauten müssen, wenn ich vor drei Jahren einen geleistet hätte, als ich begann, mir selbst entsprechend zu leben, als ich aufhörte, mein wahres Geschlecht zu verbergen. Aber so dramatisch und heroisch war es nicht. Dieser Moment vor bald drei Jahren, als ich alle Ängste überwand und mich aus diesem falschen Leben entfernte, war viel mehr ein Akt totaler Verzweiflung, ich wusste noch nicht annähernd, dass mir soviel Treue abverlangt würde, ich wusste nur, dass es so nicht mehr weiter gehen kann, dass ich kaputt gehe, wenn ich mich weiterhin weigere, mich selbst zuzulassen.

Heute an diesem gemütlichen Sonntag habe ich das nachgeholt, heute da ich mich an einem Punkt angelangt sehe, an dem ich mir im Klaren bin, was in diesen drei Jahren alles geschehen ist und welche Bedeutung all das hat. Damals wusste ich nicht, ob ich all das durchstehe, ich wusste nicht mal, ob ich so glücklich werden würde, ich wusste rein gar nichts. Heute weiss ich nicht nur all das, ich weiss vorallem auch, dass ich eher sterben würde als dieses erkämpfte Ich-sein aufzugeben. Keine Macht dieser Welt würde mich davon abbringen, mir selbst treu zu sein und mich selbst zuzulassen, so wie es meiner Seele bedarf. Heute weiss ich, wie essentiell Treue ist, vorallem wenn es darum geht, sich selbst treu zu sein – weil ich erleben durfte, um wieviel wertvoller das Leben ist, wenn man sich selbst wirklich zulässt.

Dieses “Semper Fi” wurde für mich zu einer Art Schlachtruf, ein Kodex der mich durch die letzten drei Jahre getragen hat, auch wenn ich diese lateinische Formulierung noch nicht sooooo lange kenne. Damals war es mehr eine Ahnung, heute eine Gewissheit – nichts auf dieser Welt ist auch nur annähernd so wichtig wie sich selbst treu zu sein.

In gewissen Belangen habe ich das schon immer so gehandhabt, wenn es beispielsweise um Überzeugungen geht, dann stand ich schon immer für meinen Standpunkt ein, liess mich beispielsweise im Rahmen meiner damaligen Greenpeace Aktivitäten beschimpfen und vor Gericht zerren, erduldete beispielsweise auf Eisenbahngeleisen angekettet Schmerzen, nahm in Kauf, dass ich infolge von Leserbriefen Morddrohungen erhielt – aber ich habe nie begriffen, dass meine Loyalität viel mehr als allem Anderen mir selbst hätte gelten müsste – was für ein fataler Kapitalfehler.

Das ist eine der grössten Weisheiten, die ich in meinem Leben erarbeiten konnte, es ist der grösste Schatz, den ich besitze und den ich mit meinen LeserInnen teilen möchte.

Wie oft habe ich von Mitmenschen resignierte Worte gehört im Stil von: das darf man doch nicht machen – was denken dann die Leute über mich – mein Mann mag nicht wenn ich das tue…….. und niemand fragt, wer zum Teufel ist dieses “man” das bestimmt was ich tun darf? Und wie denke ich selbst über mich? Und was möchte ich tun, wer bin ich wirklich und wie lebe ich mich selbst? Ich befürchte, dass die meisten Menschen viel zu oft sich selbst behindern, weil sie nicht fragen, was sie möchten oder brauchen sondern fragen, was Andere von ihnen erwarten.

Natürlich heisst das nicht, dass man nicht auch mal Kompromisse eingehen soll, dass man auf Andere Rücksicht nimmt oder wenn nötig sogar mal eine Maske trägt – solange man sich dabei bewusst ist, dass man sie trägt oder dass man sich hier gerade beschränkt – und solange dieser Zustand nicht Gewohnheit wird.

Selbstverleugnung ist Selbstverhinderung – ist Lebensverweigerung – wie könnten wir mehr versagen in der Aufgabe, unser Leben zu leben als wenn wir etwas Anderes sind als das, was in uns ist und was sich aus unserem Innersten heraus entfalten will? Wie könnten wir den Sinn des Lebens mehr verfehlen als wenn wir unser Selbst einschränken und versuchen so zu sein, wie wir eigentlich gar nicht sind?

Es ist nicht einfach, sich selbst treu zu sein, es kann manchmal wirklich weh tun. Wer für sich selbst kämpft, wird auch verletzt. Wer das nicht tut, erspart sich brutale Kämpfe und schmerzhafte Wunden – aber ich versichere Euch, ich weiss aus Erfahrung – kein Schmerz und keine Verletzung sind so traurig wie der Zustand, wenn man sich selbst verleugnet – es sind schlussendlich ausgerechnet die nicht gekämpften Kämpfe, die uns am meisten verletzen, weil es einer Totalkapitulation vor dem Leben voraussetzt.

Deshalb: Schaut in den Spiegel. blickt Euch tief in die Augen – und tut was ich getan habe, schwört Euch selbst bei Allem was Euch heilig ist die Treue – Semper Fi !!!

….dann weisst du aber auch,
dass du nie ganz das gelebt hast, was du dachtest,
und das ist nicht gut.
Nur das Denken, das wir leben, hat einen Wert.
Du hast gewusst, dass deine ‘erlaubte Welt’ bloss die Hälfte der Welt war,
und du hast versucht, die zweite Hälfte dir zu unterschlagen…..
Es wird dir nicht glücken!
Es glückt keinem, wenn er einmal das Denken angefangen hat.
….Es gibt keine Wirklichkeit als die, die wir in uns haben.
Darum leben die meisten Menschen so unwirklich,
weil sie die Bilder ausserhalb für das Wirkliche halten
und ihre eigene Welt in sich gar nicht zu Wort kommen lassen.

(Hermann Hesse, Demian)

Badewannenblues, LadiesNight, Herbstferien + doofe Blutwerte

Ich hab’s echt probiert, ich schwör’s, fast eine Stunde lang lag ich in der heissen Badewanne, mit einer kühlen Buddel irischem Cider, einem Aschenbecher samt Zubehör, einer youTube-Playlist auf dem Notebook abspielend – ich hab echt alle Register gezogen, wie es sich für ein Sabbath-Bad gehört – aber es hat nicht funktioniert, da fehlte was, was Süsses, das mir ständig dummes Zeug an den Kopf knallt und uns in Gelächter versetzt – Sabbath-Bad mit Schatzi ist und bleibt unerreichbar *seufz*

Ladies-Night vor den Ferien

Leider kam ich vor den Ferien nicht mehr dazu, zu berichten, es wurde mal wieder kurzfristig eine Ladies-Night einberufen und da ich die letzten Male ständig das Pech hatte, ausgerechnet an dem Tag weg zu sein, konnte ich nicht nein sagen – zum Glück – denn es wurde ein todlachenswerter Abend mit acht Mädels, die schon zu Beginn in einer mordsmässigen Laune waren und mit zunehmender innerer Befeuchtung dann komplett durchdrehten – mittendrin ich, jauh………

……ich wachte dann am andern Morgen auf – um Elf – guckte verwirrt in die Runde, stand auf und schwebte aus dem Gasthaus, Richtung Arbeitsplatz, gefühlte tausend Kilometer entfernt. Wie ich dann am andern Tag erfahren konnte, hat mich der Hund ins Bett gebracht – irgendwie – fragt mich nicht, fragt den Hund :-)

Aber abgesehen davon, dass ich es ein klein wenig übertrieben habe, war’s eine super tolle Nacht, bis etwa um fünf Uhr in der Früh – angeblich – wird so gemunkelt ;-)

Am anderen Tag kam von der Gastgeberin folgendes SMS – ich glaub fast, ich bin nicht die Einzige, die so gut drauf war in dieser Nacht :D


Ey Ey Ey….
H Girls, hab mal kurz gewagt die Fotos anzuschauen…….
WAS im Gottes Willen haben wir gemacht????!!!!
Wieso hab ich all jene Ohren Bilder, Riesen staun!!!
Eins sag ich Euch:
normal ist DEFINITIV ganz was Anderes!!!
Danke Euch für eine unvergessliche Hammer-Nacht!!!
Big hug & regeneriert Euch gut!!! Kiss

Öhm, ich glaub, das kann ich Dir erklären, DU hast plötzlich das Ohr von der neben Dir Sitzenden fotografiert und dann die Kamera rumgereicht und so haben wir all unsere Ohren in Grossaufnahme abfotografiert – aber frag mich bitte nicht, warum wir das getan haben, normal ist glaub definitiv was Anderes :D

 

Schatziferien

Zwei Tage später kam sie dann an, meine Süsse, huiiiiiiiiii, und da lagen wir zwei Wochen lang, kuschelten und kicherten rum wie die völllig Bekloppten – wir berichteten in diesen zwei Beiträgen darüber:
Herbstferien 1. Woche
Herbstferien 2. Woche
Dass ich immer noch empört bin darüber, dass wir im Pub gefragt wurden, ob wir Mutter und Tochter seien, muss ich wohl nicht mehr speziell betonen, das versteht sich von selbst ;-)

Hormone, Cholesterin und sonstige Thrombose-Schleudern

Wie ich hier ja schon mehrmals gejammert habe, werde ich mit der Hormondosierung seit der GaOp zu tief gehalten, was zu langsam nervender chronischer Müdigkeit führt. Als ich die Dosierung erhöhen lassen wollte, meinte die Endokrinologin, dass meine Zucker- und Cholesterinwerte etwas zu hoch sind – nicht viel – aber da beides wie auch die Hormone Thrombose-fördernd sind, wollte sie das Risiko nicht eingehen. Sie trug mir auf, gelegentlich die Werte nochmal zu prüfen und mich zu melden, wenn die Werte besser sind. Naja, während der Ferien gingen wir dann mal kurz zur Ärztin, sie entblutete und analysierte mich – aber zu mehr kam’s nicht, weil die Werte nachwievor zu hoch sind. Nun muss ich erst mal schauen, wie ich die zwei Werte runter kriege. Beim Zucker sehe ich es positiv, ich trink täglich ein dutzend Kaffees mit Zucker, wenn ich nur schon da den Zucker aufgebe, dürfte der Wert einiges absinken. Beim Cholesterin bin ich eher ratlos – also falls jemand Tipps hat betreffend Reduzierung von Zucker und Cholesterin oder sonst Kenntnisse hat betreffend Thromboserisiko bei Östrogen und Konsorten……….. oder wenn jemand Pumps in Grösse 40 zu verschenken hat – dann meldet Euch doch einfach ;-)

Mal kurz arbeiten und dann wieder Ferien

Morgen geht’s nochmal los mit zwei Arbeitswochen und auch wenn ich Juliet schon wieder grausig vermisse (wie in unserem gemeinsamen Blog erzählt), freue ich mich doch auch wieder auf die Arbeit, die mir auch nach drei Jahrzehnten Programmiererei immer noch schaurig Spass macht und natürlich auch auf mein Team und den Rest der Firma :-) Und nach diesen zwei Wochen ist Weihnachten und dann geht’s wieder nach Hambuisch, meine SCHWIEGERMUTTER ärgern – muah muah muah – hach das hat gut getan, das musste einfach mal raus, Juliets Mama hat mir mit körperlicher Züchtigung und Liebesentzug gedroht, falls ich sie je mal so nenne (Schwiegermama ist ok, nur SchwiegerMUTTER darf ich nicht) – und weil ich sie soooooo gern necke, kann ich einfach nicht anders, höhö :D

SF1 Dok – Ich bin Gwen – Steven war gestern

Soeben habe ich “Ich bin Gwen – Steven war gestern“, die Dok-Sendung auf SF1 über die transsexuelle Filmautorin Gwen Haworth gesehen und bin tief berührt. Zum ersten Mal sah ich eine Dokumentation über das Thema Transsexualität, in dem ich mich und vorallem mein Leben und Werdegang repräsentiert fühle.

Umsetzung mal wieder in den Sand gesetzt

Ich fang mit dem Negativen an, nicht weil es wichtiger ist sondern weil es kürzer ausfällt. Wie ich befürchtet habe, war die Umsetzung einmal mehr daneben. Die glücklicherweise kurz gehaltene Einleitung desinformierte wie gewohnt im Stil von “sie ist als Junge geboren”, stellte gleich mal die Blickwinkel falsch und die Übersetzung der englischen Dokumentation hatte einige essentielle Fehler, die sich wie ein roter Faden durch die Doku zogen. Im Speziellen ärgerte mich, dass das Wort “Transition”, was ein Übergang ist und sinngemäss übersetzt werden müsste mit “Angleichung”, einmal mehr in boulevardeskem Stil als “Umwandlung” übersetzt wurde. Aber damit hat sich meine Kritik schon, denn alles Andere war einfach der Hammer.

Licht in der transsexuellen Seele

Am Eindrücklichsten war, wie gut Gwen als begleitende Hintergrundstimme immer wieder Gefühle und Erlebnisse schildern konnte, in denen ich mich wieder fand. Die Gewissheit in frühem Kindheitsalter, dass man dem falschen Geschlecht zugewiesen ist, die Verzweifelung und Ratlosigkeit die damit einhergeht, all das war durch ihre Worte spürbar. Eindrücklich beschreibt Gwen, wie sie ihre “Andersartigkeit” zu verstecken suchte, wie sie sich für ihr “Anderssein” schämte, wie sie sich selbst verleugnete, ich fühlte mich wie im Kino meines eigenen Lebens.

Die Herausforderung für das Umfeld

Auch wenn es für meine Ohren schmerzhaft war, entspricht es halt doch der Realität, dass der Weg eines transsexuellen Menschen für das Umfeld eine ungeheure Herausforderung ist, die von so Manchen nicht bewältigt werden kann. Ein Vater, der stolz auf seinen vermeintlichen Stammhalter ist und sich fühlt als hätte er einen Sohn verloren, eine Mutter die sich vor der Stigmatisierung der Homosexualität fürchtet, Geschwister die verständlicherweise Angst haben, dass Gwen am Schluss ihres Weges bemerken könnte, dass sie so ihr Glück nicht gefunden hat, eine Lebenspartnerin, die einst “ihn” liebte und nun plötzlich mit Gwen verheiratet ist bis hin zum Vorwurf, dass Gwen diese für sie so essentielle Tatsache so lange verschwiegen hat……. All das gehört zur Realität transsexueller Menschen und ihrer Angehörigen. Zuerst leidet die betroffene Person ein Leben lang unter der Selbstverleugnung im falschen Geschlecht und dann, wenn sie endlich wagt, sich selbst zu sein, erlebt sie im besten Fall gehörige Irritationen, im schlechtesten Fall völliges Unverständnis bis hin zu Ablehnung. Auch wenn dieser Aspekt für mich schmerzhaft war, so gehört es halt doch in die Lebensrealität transsexueller Menschen. Diese Spannung auszuhalten, zwischen Gwens Glücklichwerden und der Zerrissenheit die dieser Prozess in geliebten Mitmenschen auslöst, ist kaum auszuhalten. Und gerade um das nachfühlbar zu machen, war es wenn auch für mich schmerzlich so doch realitätsnah, dass man auch mitfühlen konnte, wie die Einen bis zuletzt überfordert blieben und beispielsweise die Eltern recht deutlich durchblicken liessen, dass sie in Gwen nachwievor Steven sehen.

Information versus Empathie

Diese Doku war keine Informationssendung im herkömmlichen Sinn, man erfuhr wenig über das Phänomen Transsexualität. Aber es war auch keine Boulevard-Sauce und es war auch keine Schönschwätzerei. Die Doku zeigte das, was die Lebensrealität transsexueller Menschen ist. Man kämpft ein Leben lang gegen sich selbst, bis zur totalen Erschöpfung, dann, wenn man mit dem Rücken zur Wand steht und nicht mehr anders kann und jeden Schmerz und jeden Hohn zu ertragen bereit ist, geht man endlich den Weg den einem die Seele vorschreibt, man durchquert in einer langen Reise eine Odyssee von Gefühlen, im Guten wie im Schlechten, man stürzt Nahestehende in Verzweiflung, man muss im Bewusstsein um eine gesellschaftliche Stigmatisierung als “identitätsgestörter Mann” ein Selbstbewusstsein aufbauen, als die Frau, die man nie sein durfte und die von Vielen nie wirklich anerkannt wird…….

Nichts ist unmöglich, denen, die das Unmögliche wagen – und denen, die es zulassen

Die Doku gab den Blick frei in die Gefühlswelt einer transsexuellen Frau und ihrer Angehöriger, er zeigte viele der Probleme die sich stellen, liess viel von dem Schmerz und der Verzweiflung mitfühlen, die uns vorbestimmt sind……….. und er endete in der spürbaren Erlösung, wenn am Schluss nicht nur deutlich wird, dass Gwen zu ihrem Glück finden konnte sondern auch Angehörige einräumen, dass Gwen irgendwie die bessere Steven ist.

Ich danke Gwen und ihren Angehörigen für diesen eindrücklichen Einblick…….. und empfehle den Übersetzern, sich baldmöglichst einen geeigneteren Job zu suchen ;-)

Leider ist das SF1-Videoportal nur von der Schweiz aus verfügbar, wer das nicht sehen kann, muss mit dem Trailer auf youTube Vorlieb nehmen oder kann den englischen Film bei Amazon.com downloaden oder bestellen.
DOK vom 23.11.2011

Fundstücke – Wenn Frauen betrunken heimkommen

Im Internet begegnet man immer wieder total lustigen Texten oder Bildern und immer wieder denke ich mir dabei, dass ich das mit Euch teilen müsste. Grund genug, ein neues Kapitel zu eröffnen, das ich “Fundstücke” nenne. Hier werden zukünftig ab und zu solche Texte/Bilder veröffentlicht, die nicht von mir sind, die ich einfach zur Einverleibung weiter empfehle. Beginnen wir dieses Kapitel mit einem Witz den ich diese Woche bei einer Facebook-Freundin antraf – enjoy ;-)

Wenn Frauen betrinken heimkommen

Letztens habe ich mich mal wieder mit meinen Freundinnen getroffen. Ich versprach meinem Mann, dass ich um Punkt 24 h wieder zu Hause sein würde. Aber wie das so ist, zwischen Cocktails, Tanz und Flirt vergaß ich die Zeit. Ich kam erst um 3 Uhr morgens zu Hause an – und das komplett betrunken!

Als ich zur Tür hereinkam, fing gerade die Kuckucksuhr an, dreimal “Kuckuck” zu rufen. Erschrocken stellte ich fest, dass der Kuckuck meinen Mann aufwecken könnte, und dieser dann wüsste, dass es schon 3 Uhr ist! Also fing ich an, neun weitere Male “Kuckuck” zu rufen. Zufrieden und stolz, in meinem Zustand noch einen so guten Einfall gehabt zu haben, begab ich mich ins Schlafzimmer. Ich legte mich beruhigt ins Bett und war beruhigt dank meines schlauen Einfalls.

Am nächsten Morgen beim Frühstück fragte mich mein Mann, wann ich denn letzte Nacht zu Hause angekommen sei. Ich sagte: “Um Mitternacht, wie ich es dir versprochen hatte!” Er sagte nichts weiter und wirkte auch nicht weiter misstrauisch “Jaaa”, dachte ich mir, “gerettet!”

Aber dann sagte er plötzlich: “Ach übrigens, ich denke, mit der Kuckucksuhr stimmt etwas nicht!”……. “Ach so? Wie kommst Du drauf, mein Schatz?” Und er antwortete: “Nun ja, gestern Nacht rief der Kuckuck dreimal “Kuckuck”, dann – ich kann es mir gar nicht erklären – schrie er auf einmal “Scheiße!” und dann rief er noch viermal “Kuckuck”. Dann übergab er sich im Flur, rief weitere dreimal “Kuckuck”, lachte sich kaputt, rief erneut “Kuckuck”, rannte den Flur hinauf, trat dabei der Katze auf den Schwanz, stolperte über den Couchtisch, der unter dem Gewicht zerbrach, legte sich schließlich an meiner Seite ins Bett, und – begleitet von einem Furz – stöhnte er den letzten “Kuckuck”.

Doofe Sprüche für radikal-philosophische Menschen

Und wenn wir grad dran sind, hier noch eine Auflistung von wirklich saublöden Sprüchen, die mir ebenfalls diese Woche auf Facebook zugelaufen ist……..

  1. Ich lese keine Anleitungen… Ich drücke Knöpfe bis es klappt.
  2. Komm wir machen Teamwork…Ich Team, Du Work
  3. Mein Schienbein hilft mir, im Dunkeln Möbel zu finden.
  4. Ich brauch keinen Alkohol um peinlich zu sein… Das krieg ich auch so hin!
  5. “Wie spät ist es?” – “Da oben hängt eine Uhr.” – “HAB ICH DICH GEFRAGT, WO DIE UHR HÄNGT??!!??!!?”
  6. Wenn ich ein Vogel wäre, wüsste ich ganz genau, wen ich als Erstes anscheißen würde!
  7. Toll wie ich immer meine Sachen vor mir selbst verstecken kann!
  8. Es ist nicht so, dass ich Dich hasse! Es ist nur … nehmen wir mal an Du würdest brennen, und ich hätte Wasser… ich würde es trinken.
  9. Die 3 schönsten Worte der Welt? Essen ist fertig!
  10. Ich habe keine Macken! Das sind Special Effects !!!
  11. Frauen müssen wie FRAUEN aussehen und nicht wie tapezierte Knochen!!!
  12. Vergeben und vergessen? Ich bin weder Jesus, noch habe ich Alzheimer !!!
  13. Meine Motivation und ich haben Beziehungsprobleme und leben gerade getrennt.
  14. Wir Frauen sind Engel…und wenn man uns die Flügel bricht, fliegen wir weiter…auf einem Besen! Wir sind ja schließlich flexibel
  15. Guter Sex ist, wenn selbst die Nachbarn danach eine rauchen.
  16. Je mehr Männer ich kennenlerne, desto netter finde ich Hunde!
  17. Das ist kein Speck! Das ist erotische Nutzfläche!
  18. Wenn ich das nächste mal Schmetterlinge im Bauch habe, sauf` ich gleich Insektengift!
  19. Warum darf man Tiere töten und sie essen, aber nicht Pflanzen pflücken und sie rauchen?!
  20. Auf meinem Grabstein soll stehen:“Guck nicht so doof, ich läge jetzt auch lieber am Strand!“

Nervige Telefonwerbung – Svenja hat die Lösung

Wer jetzt noch mehr zum Schmunzeln möchte oder einfach Nachhilfe in Sachen Notwehr-Exzess gegen nervige Telefonwerbungen sucht, der sollte schleunigst bei Svenja reinschauen, denn die hat die ultimative Lösung gefunden, wie man diese Nervensägen der Werbeindustrie los wird und dabei auch noch ne Menge Spass hat – zur Nachahmung empfohlen: Svenja and the City – Aufgelegt :o )

TV-Tipp: SF1 Dok – Ich bin Gwen – Steven war gestern

Diesen Mittwoch (23.11.2011) kommt auf dem Schweizer Fernsehen SF1 um 22.50 Uhr eine Dok-Sendung mit dem Titel “Ich bin Gwen – Steven war gestern “. Diese Dokumentation über Gwen Haworth ist von ihr selber produziert, sie filmte sich und Angehörige während ihrer “Transition” und wurde für diese Dokumentation sogar mit Preisen bedacht. Der Film soll nicht nur einen Einblick in das Thema Transsexualität geben sondern auch Einblick gewähren in die Gefühlswelt von Betroffenen und Angehörigen. Ob der Film hält was er verspricht, kann ich noch nicht beurteilen, weil ich ihn noch nicht gesehen habe. Aber gerade weil wir uns immer darüber beklagen, dass ständig über uns berichtet wird anstatt mit uns oder durch uns, weckt diese Dokumentation schon Hoffnungen.

Die Sendung “Dok” ist an sich dafür bekannt, dass sie oft gute Dokumentationen zeigt, insofern darf man optimistisch sein. Anderseits macht mich der Ankündigungstext auf SF1 skeptisch, wenn ich dort lese, dass SF1 einmal mehr das Zerrbild des “geschlechtsumgewandelten Mannes” präsentiert. Wenn die Dokumentation mit dem Untertitel “Die Geschichte einer Geschlechtsumwandlung” daher kommt, ist das schon übel genug, da wundert es kaum noch, dass im weiteren Text oft in der männlichen Form von Gwen gesprochen wird. Es erstaunt dann auch nicht, dass von “sein Verlangen, eine Frau zu sein” die Rede ist, als wäre Transsexualität eine sexuelle Obsession. Doch spätestens bei der Formulierung “…..dokumentiert sie ihren Weg vom transsexuellen Mann zur Frau” krieg ich n’Knoten im Hirn.

Einmal mehr frage ich mich, was für Schnapsnasen bei SF1 diese Ankündigungstexte schreiben, noch verdrehter ginge es kaum noch. Ein “transsexueller Mann” ist ein Mann der mit weiblichen Geschlechtsmerkmalen zur Welt kam, das hier ist eine Frau, deren Hirn in einem männlichen Restkörper zur Welt kam, somit eine “transsexuelle Frau”. Wenn man eine Dokumentation präsentiert und nicht mal diese elementaren Unterschiede begreift, wird aus dem Versuch zu informieren pure Desinformation – und das in einer Dokumentationsreihe. Fünf Minuten Recherche hätte so ein Text nicht überstanden, offenbar wissen sie einmal mehr nicht was sie tun.

Aber eben, der Ankündigungstext ist eine Sache, die Doku eine Andere. Es kann gut sein, dass die Doku super ist und nur der Schreiberling dieses Ankündigungstextes über Themen schreibt ohne sich damit zu beschäftigen. So bleibe ich mal in der Hoffnung, dass ich positiv überrascht werde – so naiv bin ich dann doch wieder……….. mehr darüber dann evtl nach der Ausstrahlung, entweder als Ergänzung in diesem Beitrag oder als eigener Folgebeitrag.

SF1 Dok – Ich bin Gwen – Steven war gestern
Outcast Films: She’s a Boy I Knew

Nachtrag: nachdem ich die Doku gesehen habe, hier noch mein Kommentar dazu
SF1 Dok – Ich bin Gwen – Steven war gestern

Zen und die Kunst des Sabbath Haltens

Zen-Buddhismus hat mit dem jüdisch/christlichen Sabbath/Sonntag eigentlich nichts zu tun – könnte man meinen – ich meine, doch, sehr sogar. Das scheint mir ein guter Auftakt für eine Serie die ich in Zukunft hier machen möchte, Zen und die Kunst des Gummibärchenkauens oder so…..

Zen und die Kunst des……..

Es gibt eine Reihe von Büchern, teils Klassikern, die sich mit dem Zen-Gedanken beschäftigen und ihn als Weg zur “Vervollkommnung” von was weiss ich beatrachten. So gibt es “Zen und die Kunst des Bogenschiessens” genauso wie “Zen und die Kunst des Motorradfahrens”. Teils ernsthaft, teils esoterisch, teils humorvoll, aber alle haben einen gemeinsamen Kern, den Zen-Gedanken. In diese Tradition möchte ich einsteigen, denn es gibt meines Erachtens so Vieles, was die Würdigung dieser Denkweise rechtfertigen würde.

Zen findet im Hier und Jetzt statt

Zentrum des Zen-Buddhismus ist das “Sein im Jetzt”. Klingt banal, isses aber nicht. Seien wir ehrlich, wenn wir essen, denken wir an das TV-Programm, gucken wir TV, denken wir an die Arbeit von morgen und sind wir am Arbeiten, denken wir an sonst etwas. Im Hier und Jetzt sind wir selten, das bedürfte unserer uneingeschränkten Aufmerksamkeit – und genau das fehlt dem modernen westlichen Menschen, der im Alltag ständig von Einem zum Anderen hetzt. Zen fordert genau das Gegenteil, es gibt keine Vergangenheit, keine Zukunft, es gibt nur das hier und jetzt und das ist einmalig, Du kannst es nur einmal in Deinem Leben durchleben, denn gleich ist es weg, Vergangenheit, für immer und ewig.

Sabbath – die Ruhe

Was hat das nun mit dem jüdischen Sabbath zu tun resp. dem christlichen Sonntag? Da muss ich etwas ausholen….. Nach der jüdischen Schöpfungsmythologie hat Gott das Universum und alles Leben in 6 Tagen erschaffen resp. genaugenommen ist alles aus “ihm” hervorgegangen (halt Urknall und so, diese Diskussion verschieben wir aber auf ein anderes Mal) jedenfalls ruhte Gott am siebten Tag (weil so ein Urknall echt anstrengend ist) und ernannte diesen Tag zum Ruhetag, eben zum Sabbath. So kam dann auch das Sabbath-Gebot in die zehn Gebote (Steintafel und so) und seit da ist der Samstag im Jüdischen resp. Sonntag im Christlichen zum Ruhetag geworden. Aber irgendwie auf eine bekloppte Weise, wenn ich das mal so sagen darf. Zuerst wurde man selbst fürs Holzsammeln am Sabbath gesteinigt, später war er nur noch Pflichtprogramm für religiöse Riten, aber der Grundgedanke scheint mir verloren gegangen zu sein – obwohl uns Jesus eigentlich überdeutlich daran erinnern müsste.

Als seine Jungs mal an einem Sabbath durch die Felder hüpften und Ähren abzupften (klingt nach Hippie-Kult), kamen ein paar Stänkerer daher und meckerten Jesus an, weil seine Jungs da so vergnügt Ähren zupften an einem Sabbath. Denen entgegnete Jesus dann das legendäre: “Der Sabbath ist um des Menschen Willen geschaffen und nicht der Mensch um des Sabbaths Willen”. Was er damit sagen wollte ist, dass Sabbath keine Pflicht sondern eine Gunst ist, es ist die Aufforderung an uns, uns wenigstens einen Tag in einer anstrengenden Woche der Ruhe hinzugeben, ganz bei uns sein und damit ganz bei Gott. Das ist Zen, echt wahr :-)

Zen und die Kunst des Sabbath Haltens

Damit kommen wir zum eigentlichen Thema. Auch wenn ich keiner Religion angehöre und mich nicht mal konfessionell einordnen könnte, berührt mich dieser Sabbath Gedanke und ich versuche wenn immer es geht, mir den auch zu gönnen. Für mich bedeutet das, dass ich am Sonntag (oder einem “Ersatztag”) bewusst Ruhe verordne. Am Sonntag gibt es nichts was ich tun muss, der Tag gehört ganz mir. Da gibt es keine vergangene und keine bevorliegende Woche, es gibt nur das Hier und Jetzt. Dabei ist es egal, ob man im Wald unter einem Baum sitzt und die Natur in sich aufsaugt, ob jemand in die Kirche geht, ein Puzzle zusammensetzt, in einem Computerspiel ganz versinkt, in der Badewanne philosophiert oder einfach nur blödsinnig rumliegt. Wahrer Sabbath ist dann, wenn ich ganz bei mir bin, mich mit mir auseinandersetze oder in Dingen versinke die mir grad naheliegen, wenn mein Leben oder etwas in meinem Leben meine ungeteilte Aufmerksamkeit hat – wie beim Knutschen beispielsweise ;-)

Sabbath schenkt Ruhe

Das hebräische Wort “Sabbath” meint ja eben nicht einfach Samstag oder Sonntag, das Wort beinhaltet riesige Bildwelten und im Zentrum davon steht die Ruhe, Stille und Harmonie. Wenn wir es schaffen, uns wenigstens einmal in der Woche aus dieser hecktischen Welt auszuklinken und einen Tag lang ganz im Hier und Jetzt sind, dann versinken wir in einer Ruhe, die unglaublich wohltuend ist. Probiert’s aus, gönnt Euch bewusst diesen Tag, es lohnt sich wirklich ;-)

Und beim nächsten Zen-Beitrag beschäftigen wir uns mit dem Thema:
Zen und die Kunst des Badewanne-Liegens ;-)

Jubiläum – ein Jahr nach der GaOp

Irgendwann wird es geschehen, das Wunder hier auf dieser Erde…
und eine Stimme sagt: Es werde ein neuer Tag.
(Illuminate – ein neuer Tag)

Heute vor einem Jahr wachte ich auf im Aufwachraum des Zürcher Universitätsspital, ein selten dümmliches Grinsen überzog mein ganzes Gesicht, die Hand suchte ihren Weg nach unten, das Grinsen wurde noch dämlicher…….. es ist vollbracht, säuselte es mir ins Ohr, verdammt, es ist wirklich geschafft, ich bin ganz.

Keine Worte dieser Welt könnten das Glück beschreiben, das man empfindet, wenn man vierundvierzig Jahre in einem Kerker begraben war, gefangen “im falschen Körper” und dann wacht man auf und dieser ganze lebenslange Albtraum ist vorbei. Es war als letzter Schritt gedacht, als eine Art Vollendung, aber es war soviel mehr als das.

Schon krass, ich hätte es echt beinahe vergessen, eher zufällig kamen Juliet und ich gestern während dem täglich-Blablah auf die GaOp und ich erschrak, weil ich zuerst dachte, ich hätte das Jubiläum verpasst. Dass mich der Termin so überrascht hat, zeigt vorallem eins: wie fern mir dieses für mich so phänomenale Ereignis doch ist, es fühlt sich an als wäre es Jahre her, als gäbe es kaum mehr von der Zeit davor als ein alter Schwarz-Weiss Film. Und das ist unglaublich schön :-)

Ich lag dann gestern nach dem Telefon noch eine Weile auf dem Sofa rum und schwebte über der Vergangenheit, an eben diesem Abend vor der Vollendung, als ich entgegen aller Logik alles andere aus ängstlich oder aufgedreht war, ganz im Gegenteil, mich erfüllte eine sanfte Ruhe, die Gewissheit, in eine gute Zukunft eingebettet zu sein. Gerade wenn ich im Nachhinein zurückdenke, verblüfft mich das enorm. Ich hätte wirklich erwartet, dass ich am Abend vor der Op völlig durch den Wind bin und garantiert Schlafmittel brauche, weil die Aufregung mich nicht schlafen lässt. Es wäre nur vernünftig, dass ich mir Sorgen machen müsste um all die möglichen Komplikationen und vor mir liegenden Beschwerden. Aber da war nichts mehr an diesem Abend, da war nur noch diese Stille, auf Wolken schwebend, voll von Vertrauen, dass morgen alles gut wird.

Und der Morgen kam, ich schlief schon bevor man mich in den Op-Raum karrte und als ich aufwachte war wirklich alles vorbei, vier verfluchte Jahrzehnte in so einem surrealen Film namens Leben, vier unerträgliche Jahrzehnte als Hauptdarstellerin in der männlichen Rolle einer kafkaesken Komödie und dann, platsch, aus und vorbei, das Leben beginnt.

Natürlich folgten in den darauffolgenden Wochen Beschwerden und Schmerzen, aber die waren nichts, überhaupt nichts im Vergleich zu dem Schmerz, den ich ein Leben lang tagtäglich ertragen musste, bei jedem Blick in den Spiegel, bei jedem Mal wenn man mich mit meinem damligen Namen ansprach, bei jeder dieser tausend täglichen Lügen, wenn ich mich als Mann ausgeben musste. Diese lebenslange Selbstverleugnung war um soviel grausamer, dass ich in der ersten Zeit nach der Op die Schmerzen nicht mal richtig wahrnahm, es war einfach ein Klacks im Vergleich zu dem was hinter mir lag.

Heute stehe ich da, in meinem so ganz normalen Leben als die Frau die ich nie sein durfte, obwohl ich sie immer war. Ich stehe hier, denke zurück und kann kaum glauben, dass dieses Leben vor der GaOp mit dem Jetzigen auch nur eine Spur von Verwandtschaft in sich trägt. Alles ist so anders geworden, so gut, da ist soviel Freiheit im Umgang mit mir selbst, soviel Zufriedenheit mit meinem Leben, es wirkt völlig grotesk im Vergleich zu all der Zeit vorher, dass ich kaum glauben kann, dass es wirklich einst ein “früher” gab – es fühlt sich eher an wie ein böser und elend langer Albtraum, der an diesem Tag, heute vor einem Jahr endete.

Es gibt Albträume, die enden wenn man aufwacht, es gibt Albträume, die beginnen erst dann. Meiner begann jeden Morgen mit dem Aufwachen von Neuem, vier Jahrzehnte lang, bis zum Erwachen heute vor einem Jahr, Nachmittags um etwa zwei Uhr – es fällt mir schwer, die Tränen zurückzuhalten, wenn ich an diesen wunderschönen Tag zurückdenke.

Nie hätte ich geglaubt, dass mein Leben jemals so wird wie es jetzt ist, wirklich nie, selbst dann nicht, als ich begann es anzustreben. Mich trieb einzig der Mut einer Verzweifelten an, das Unmögliche wenigstens zu versuchen. Heute vor einem Jahr durfte ich das erleben, was zum Motto meines Lebens wurde, was zum Kern meiner “Predigt” wurde…….

Nichts ist unmöglich, denen, die das Unmögliche wagen :-)

Und zur Feier des Tages kommt nochmal mein Lieblingslied, das seit Beginn meines “neuen Lebens” zu meiner Befreiungs-Hymne geworden ist – danke Euch allen, die mir beigestanden sind und zu mir gehalten haben……

Software entwickeln kann auch spassig sein

….. oder: die Sache mit den Büudläni :-)

Zugegeben, ich bin schon ein verrücktes Huhn, da verrate ich kein grosses Geheimnis. Schon als Kind sagte man mir, ich sei eine Fabrik für Unsinn, weil ich so oft spontan auf die blödsten Ideen komme und im speziellen einen Hang dazu habe, Leute auf humorvolle Weise zu irritieren, indem ich etwas tue, womit man nicht rechnet – mehr darüber dann ein anders Mal. Da ich den ganzen Tag wie wild vor mich hinprogramiere, drückt das natürlich auch dort ab und zu durch, so wie letzte Woche, während ich an meinem neusten Meisterstück herumprogrammierte – und das kam so……..

Unser Teamchef ist Berner, Bärner würde er sagen und hier in der Schweiz haben wir eine Menge Spass daran, dass jeder Dialekt anders klingt und nur zu oft klingt es für die Ohren “Aussenstehender” saulustig. Ich liebe diese sprachliche Vielfalt, es macht die Gespräche so vielfältig und lebendig und so machmal ist es halt eben auch lustig…… Das Berndeutsch ist zumindest für uns in Zürich in vielfacher Weise ulkig, am meisten amüsiert jedoch, dass Berner oft aus einem ‘l’ ein ‘u’ machen, wenn das ‘l’ nicht am Anfang steht. Ein ‘Löffel’ wird so zu einem ‘Löffu’ oder ein aus dem hündischen ‘bellen’, das wir in Zürich ‘bällä’ nennen, wird dort natürlich ein ‘bäuä’ und einem Jungen, in Zürich ‘Bueb’ genannt, wird dann ein ‘Büubu’, cool hä? Kürzlich amüsierten wir uns köstlich über eine spezielle Formulierung, die einfach prächtig ist. In der Schweiz wird ja gern verniedlicht, indem man ein ‘li’ hintenan stellt, man macht alles etwas kleiner, wohl weil unser Land so klein ist. So wird aus einem ‘Bild’ halt ein ‘Bildli’ oder in Bern eben ein ‘Büudli’. Das allein wär für uns schon lustig genug, aber der Hammer kam, als unser Chef das mal in der Mehrzahl verwendete, denn dann wurde daraus ein ‘Büudläni’…….. und Dianchen schmiss sich fast weg deswegen, es lief ihr tagelang nach, dieses ‘Büudläni’ und so kam irgendwann, was kommen musste……..

Nun muss ich noch einschieben, dass ich seit je her eine Leidenschaft habe, ich bringe Computer gern dazu, idiotische Dinge zu tun. Im Speziellen mag ich es, wenn Programme bedeppte Meldungen von sich geben. Dieser Hang zur Realsatire brachte mich früher mal dazu, sämtliche Texte meines Betriebssystems zu hacken, so dass dann beispielsweise bei einem Halt nicht stand: “Bitte eine Taste drücken”, nein, mein Computer meldete bei der Gelegenheit: “Bitte kräftig furzen”. Das mag doof sein, sogar saudoof, aber ich hab unglaublich Spass dabei, vorallem wenn Andere nichts davon wissen und das dann zum ersten Mal lesen :-)

Für mein neues Programm musste ich jetzt ein sogenanntes Context-Menü einbauen, das erscheint, wenn man eine Zeile markiert und die rechte Maustaste drückt, es listet dann eine Reihe von Funktionen auf, die man aufrufen kann wie ‘Zeile löschen’ und so Kram. Naja, da war dann halt noch ein Menüpunkt dabei um Bilder einzufügen und zu löschen – Büudläni eben……. *unschuldigguckt*…….. tja, dann ging’s halt los mit meinem Übermut und mein Chef bekam dann das Programm in dieser Form zu sehen:

Damit meine germanischen LeserInnen verstehen, was da auf breitestem ‘bärntütsch’ steht, übersetz ich das mal, wobei ich bei der Formulierung zugegebenermassen sehr sehr freizügig war…… zuerst auf berndeutsch, dann was der Satz zu gut deutsch etwa heisst und dann, was eigentlich wirklich da stehen sollte……

Gäng no ä Position inä tue
Ständig noch eine Position hinein tun (gäng ist nur unvollkommen übersetzbar mit ‘ständig’)
Position einfügen

U dä no ä Varuablä derzuä, gäu
Und dann noch eine Variable dazu, gäll (gäll = stimmt’s)
Variable hinzufügen

I Chübu mit däm Löu
In den Kübel mit diesem Depp (Löu = Löli = Depp oder so)
Zeile löschen

Dr Unternähmer dörf d’Variablä gäng wächslä
Der Unternehmer darf die Variable ständig wechseln
Unternehmer darf Variable wechseln

Dr Unternähmer söu sine Füdlefinger loh vo dere Variablä
Der Unternehmer soll seine “Popofinger” lassen von dieser Variable
Unternehmer darf Variable nicht wechseln

…… und jetzt kommt’s, jauh :-)

Es Büudläni inä näh
Ein “Bilder” hinein nehmen
Bild hinzufügen

Tuä das Büudläni i Chübu
Tu das “Bilder” in den Kübel
Bild löschen

Ich denke, damit wäre der Beweis erbracht, dass Softwareentwicklung gar keine so trockene Angelegenheit ist, da leuchtet soviel Heiterkeit und Menschlichkeit auf – wie im wahren Leben ;-)

So kommt es dann auch, dass man im Programmcode Bemerkungszeilen von mir findet, die den Alltag etwas aufheitern. Bei einem Programmkonstrukt, das so verworren war, dass ich selbst nach mehrmaligem Lesen nicht kapierte, was es eigentlich tut, steht nun neckisch: “gaht’s no komplizierter?”. Oder wenn ich selber mal etwas umstandsbedingt unschön programmieren musste, weil es beispielsweise der Performance dienlich war, steht dann beispielsweise dort: “ja ich weiss, isch grusig programmiert, aber es lauft, das isch d’Hauptsach”……….. und um der Frage zuvor zukommen, nein, wir dokumentieren unseren Programmcode nicht in Schweizerdeutsch – meistens jedenfalls – ausser eben an so Tagen, wenn mir grad mal wieder sauwohl ist :-)

Achja, über meine früheren Sitzungsprotokolle muss ich unbedingt auch mal schreiben……… und was ich als Kind mit Gartentürchen angestellt hab, wär auch mal noch erwähnenswert *hüstel*…….. :o )

Nachtrag: apropos bärndeutsch, hier eine ganz urchige Variante :-)

Badewannenpredigt: Verantwortung und Kritikfähigkeit

Hier stehe ich, ich kann nicht anders,
Gott helfe mir, Amen
(Martin Luther)

Über Offenheit und Kritikfähigkeit

Wenn man der Wahrheit und Offenheit verbunden ist, muss man gezwungenermassen auch ab und zu Andere vor den Kopf stossen. So komme auch ich nicht umhin, gelegentlich Standpunkte zu vertreten oder Kritik zu üben, die so Manchen beim Zuhören weh tut, die Angesprochene ärgert. Aber was wären wir für eine Welt, wenn es nicht erlaubt wäre, Kritik zu üben? Es ist meine Pflicht, Ansichten und Taten Anderer zu respektieren, das tue ich auch. Das kann und darf mich aber nicht davon abhalten, Kritik zu üben. Ich bin ja nicht Päpstin, Unfehlbarkeit beanspruche ich nicht, meine Ansicht ist nie eine allgemeingültige und unumstössliche Tatsache, es sind ganz einfach meine persönlichen Gedanken und Wertungen, die ich zum Nachdenken mitgebe.

Die Art wie ich das (beispielsweise gestern) tue, mag den Einen oder Anderen stören, aber ich sah es nie als meine Aufgabe an, leichtverdauliche und weichgespülte Texte zu schreiben. Ich will zum Nachdenken anregen und manchmal auch aufrütteln, das hat es an sich, dass es auch mal weh tun kann.

Wenn ich Kritik übe, dann tue ich das nicht, weil ich Andere verteufeln will, meine Kritik ist Ausdruck meiner Liebe zu meinen Mitmenschen. Ich will damit niemanden verdammen sondern nur “ihre Werke” in Frage stellen. Ich tue das auch im Bewusstsein, dass ich selber tausend Fehler gemacht habe in meinem Leben und noch tausend Fehler vor mir liegen, für die man mich kritisieren darf und soll, damit auch ich dazu lernen kann. Doch gerade das Bewusstsein um meine eigene Fehlbarkeit drängt mich dazu, Missstände aufzuzeigen und falsche Vorstellungen zu korrigieren.

Über Verantwortung

Alles was wir tun, hinterlässt Spuren und formt die Zukunft, es gibt nichts, was wir tun, das nicht Konsequenzen hat. Deshalb laufen die Meisten ja auch nicht durchs Leben wie ein Elefant im Porzellanladen, wir wissen das eigentlich und versuchen es mehr oder weniger zu berücksichtigen. Aber viel zu oft hinterfragen wir zu wenig, urteilen zu vorschnell und lösen damit manchmal sogar eine Lawine aus.

Vorallem jene, die Kinder haben, wissen genau was ich meine. Man gibt einem kleinen Kleinkind weder eine Schere noch ein scharfes Messer zum Spielen, weil man sich der möglichen Konsequenzen bewusst ist. Eltern bekommen ein gutes Gespür für die Konsequenzen ihrer Entscheidungen, sie müssen tagtäglich Dinge entscheiden, deren Fehlentscheid fatalste Folgen haben könnte. Aber so wie es im Grossen ist, ist es auch im Kleinen. Und in so manchen Bereichen scheint es mir, dass Viele sich nicht bewusst sind, mit was für einem Feuer sie gerade spielen, dass beispielsweise dieser harmlos aussehende Wahlzettel Welten verändern oder gar vernichten kann.

Über den Baum der Erkenntnis

Die biblische Geschichte vom Sündenfall und dem Baum der Erkenntnis birgt eine interessante Bildwelt zu diesem Thema. Die Geschichte besagt, dass Adam und Eva den Baum der Erkenntnis fanden, von dort den verbotenen Apfel assen und damit den Hinauswurf aus dem Paradies bewirkten. Abgesehen davon, dass es eine beachtliche Metapher ist zum Thema “Entscheid und Konsequenz”, fasziniert mich vorallem die Frage um den Baum der Erkenntnis. Durch das Essen von diesem Baum gelangte die Menschheit zur Fähigkeit, über gut und böse zu urteilen und zwischen richtig und falsch zu unterscheiden. Diese Fähigkeit ist uns Pflicht geworden, wir dürfen nicht nur eintscheiden sondern müssen das auch und mit dem Entscheid müssen wir auch die Folgen tragen, wir müssen selber Verantwortung übernehmen und besitzen so eine Macht, die nur zu oft mehr Fluch als Segen ist. Die Zeit ist vorbei, in der wir achtlos mit Banenen um uns schmeissen, wir sind in der Lage zu beurteilen, ob wir jemanden verletzen, wenn wir dasselbe mit Steinen tun.

Über die Macht der Demokratie

Wer entscheidet übt Macht aus, wer Macht ausübt übernimmt Verantwortung, wer Verantwortung übernimmt haftet für die Konsquenzen – das gilt mehr denn sonstwo in einer Demokratie, weil Mitbestimmende einer Demokratie über eine ganze Nation entscheiden. Wer sich dieser Verantwortung nicht bewusst ist, ist eine Gefahr für die Zukunft eines Landes, weil er nicht die Sorgfalt walten lässt, die solche Macht verlangen würde. Wenn ich über die Zukunft dieses Landes mitentscheide, dann ist es meine Pflicht, mich ernsthaft damit auseinander zu setzen, die Konsequenzen meines Entscheides genau zu prüfen. Wenn mir dazu die Zeit fehlt, dann sollte ich mich auch aus diesem Entscheidungsprozess raushalten und es denen überlassen, die sich ernsthaft damit beschäftigen können. Bei etwa der Hälfte der Abstimmungen enthalte ich mich aus eben diesen Gründen der Teilnahme – diese Nichtteilnahme ist ein Akt der Demokratie, das ist Ausdruck von Verantwortungsbewusstsein, das von mir verlangt, nicht über Dinge zu entscheiden über die ich nicht Bescheid weiss. Wer anstelle dessen gedreschten Parolen oder Stammtischsprüchen folgend mitentscheidet, verrät die Demokratie und verrät damit das Land, das er zu vertreten glaubt.

Über Fehlbarkeit und Rechtschaffenheit

Niemand ist unfehlbar, nicht mal der Papst, selbst das liesse sich an vielen Beispielen beweisen. Diesen Anspruch kann und darf man nicht stellen, weder an sich noch an Andere. Jeder Entscheid, sei er noch so gründlich hinterdacht, kann sich als falsch erweisen und kann fatale Folgen haben. So zu irren ist legitim und das darf uns auch nicht von Entscheidungen abhalten. Aber das Bewusstsein um möglichen Irrtum und dessen Konsequenzen nötigt uns einen Respekt ab und erfordert eine Gewissenhaftigkeit. Wer nach reiflicher Überlegung zu einem Entscheid kommt, der sich dann als falsch herausstellt, hat seine Sorgfaltspflicht erfüllt und darf auch dazu stehen, halt leider Gottes einen Fehler begangen zu haben. Und man kann daraus lernen, kann daraus wachsen, all das ist gut und gehört zum Lauf menschlicher Entwicklung und Spiritualität. Aber es wäre eines denkfähigen Menschen unwürdig, die Augen zu verschliessen und so zu tun, als hätten die Konsequenzen des Entscheids nichts mit einem zu tun, das habe ich gestern deutlich genug ausgedrückt.

Ich teile Ihre Meinung nicht,
ich werde aber bis zu meinem letzten Atemzug kämpfen,
daß Sie Ihre Meinung frei äußern können.
(Voltaire)

Über die Pflicht zum Protest

Doch sowohl das Bewusstsein um die eigene Fehlbarkeit als auch das Respektieren der Fehlbarkeit Anderer darf uns nicht davon abhalten, Kritik zu üben, gegebenenfalls auch mal lautstark und vehement. Wenn ich mich mit etwas vertieft auseinandergesetzt habe und aufgrund meiner Erkenntnisse zu einem klaren Entscheid komme, dann muss ich zwar anders Entscheidende respektieren, muss aber nichtsdestotrotz meinen Standpunkt darlegen und gegebenenfalls lautstark widersprechen. Einer der Grundgedanken der Greenpeace-Bewegung war die von den “Quakern” übernommene Vorstellung, dass man verpflichtet ist, “Zeugnis abzulegen” über das was man weiss oder glaubt. Dieses Zeugnis ablegen geht zurück bis auf Jesus, der seine Predigt nach Jerusalem trug, im Wissen, dass man ihn in Konsequenz dessen töten wird. Er hatte ein Leben lang nicht mit Samthandschuhen gepredigt, er verwendete klare Worte und gewaltige Metaphern um seine Vorstellungen auszudrücken. In dieser Tradition “predige” auch ich – es steht mir fern, Anderen hinterherzurennen und ihnen zu sagen, was sie tun und lassen sollen, das steht mir nicht zu. Meine Aufgabe sehe ich darin, Zeugnis abzulegen über das woran ich glaube und das was ich zu wussen glaube. Wer zuhören will, ist dazu herzlich eingeladen, wer das nicht hören will, darf es lassen. Wer jedoch zuhört, muss auch damit leben können, dass ich keine Rücksicht darauf nehmen darf, ob mein Gesagtes gern gehört wird. Ich stehe ein für meine Überzeugung und ich wünsche mir nichts mehr, als dass Ihr alle das tut, ungeachtet davon, ob Eure Überzeugung mit Meiner übereinstimmt.

Über Kritik als Ausdruck von Liebe

Deshalb sage ich es in aller Klarheit: Wenn ich jemanden von Euch mit meinem Gesagten oder Geschriebenen kritisiere, dann ist das Ausdruck meiner Liebe zu Euch und selbst wenn ich die ganze Nation kollektiv anklage, so ist auch das Ausdruck meiner Liebe zu meinen Landsgenossinnen. So wie ich gegenenfalls bei der Erziehung eines Kindes mal “schimpfen” muss, so muss ich das manchmal auch gegenüber einer Gesellschaftsmehrheit. Ihr alle seid mir zu wichtig, als dass ich schweigen würde, wenn ich zum Schluss komme, dass Ihr manipuliert werdet oder dass sich eine geistige Verrohung breit macht. Wenn Euch das unter Umständen mal verletzt, dann dürft Ihr Euch ungeniert über mich ärgern, so wie ich mich vielleicht auch über Euch geärgert habe. Aber ich wünschte mir, dass uns das nicht davon abhält, einander weiterhin zu schätzen – so werden wir einer Gesellschaft wahrhaft würdig ;-)

Ich fühle mich an nichts von dem gebunden, was ich geschrieben habe.
Ich nehme aber auch kein Wort davon zurück
(Jean Paul Sartre)

Blutverschmierte Stimmzettel

Mit dem Risiko, dass ich heute ein paar LeserInnen oder Freunde verliere, muss ich heute mal wieder Klartext reden. Offenheit ist mir wichtiger als falsche Rücksichtnahme und wer Kritik nicht hören kann, muss halt weghören.

Vor einer Woche ist Christina B. gestorben, sie wurde von ihrem Ex-Freund Anthony A. mit seinem Armee-Sturmgewehr erschossen. Nach der Tat rannte der Täter weinend und schreiend ins nächstliegende Bistro, nachdem er seiner Ex-Freundin in den Kopf geschossen hat. Angeblich sei es ein Unfall gewesen, aber in Anbetracht früherer Gewaltübergriffe auf seine Freundin und der eher geringen Wahrscheinlichkeit, dass sich aus einem Gewehr, das nicht geladen sein dürfte, ein Schuss löst, der zufällig genau den Kopf trifft – naja, für Christina spielt das keine Rolle, ob es ein Unfall war weil diese idiotische Knarre zuhause herumlag oder ob er einfach getan hat, was ihm im Militär gelernt wurde, Konfiktlösung mit Schwarzpulver.

Auch wenn ich die Betroffenen nicht kenne, macht mich das mal wieder schaurig wütend, weil dieser Tod nicht nur unnötig war sondern vom Schweizer Volk demokratisch in die Wege geleitet. Schon nach der Ablehnung der Volksinitiative, die Armeewaffen in Zeughäuser verbannt hätte, habe ich gepoltert und gesagt, dass alle die gegen diese Initiative stimmten nun mitverantwortlich sind für alle Toten, die zukünftig mit Armeewaffen niedergeknallt werden – dieses Wochenende begann der Bodycount, das erste Blut tropft über die Stimmzettel und beginnt die Hände Hunderttausender zu beflecken. Diejenigen, die jetzt schon an der Decke kleben und aufschreien, das sei doch nicht ihre Schuld, sollten mal die Füsse stillhalten und zuhören, ich mein das nämlich verdammt ernst.

Wer abstimmt, bestimmt – wer bestimmt, trägt Verantwortung

Abstimmungen sind kein Gesellschaftsspiel, Demokratie bedeutet, dass alle mitbestimmen dürfen, dass sich die Verantwortung über die Zukunft eines Landes auf alle Mitbestimmenden verteilt. Wer daran teilnimmt, hat seinen Teil dazu getan, die Zukunft aufzugleisen und das bleibt an einem kleben, im Guten wie im Schlechten.

Wenn ich für einen Atomausstieg stimme und dank dessen eines Tages die ganze Schweiz aus erneuerbaren Energien Strom bezieht, dann darf ich mit Recht stolz sein und von mir behaupten, dass dieses Land mit meiner Hilfe dahin gelangt ist. Und falls wie von Atomlobbyisten schwarzgemalt wird, infolge des Atomausstiegs der Strompreis massiv höher wird, dann werde ich mir auch den Vorwurf gefallen lassen müssen, dass ich daran mitschuld bin. Ich kann und würde dann zwar argumentieren, dass es mir dieser Mehrpreis wert ist und dass ein Super-GAU teurer geworden wäre, aber die Verantwortung über den höheren Strompreis habe ich mitzuverantworten.

Vor über einem Jahrzehnt stimmte ich für die Abschaffung der Armee. Wäre das angenommen worden und eines Tages wäre eine Armee hier eingerückt und hätte und besetzt, müsste ich mir auch diesen Vorwurf gefallen lassen, ich wäre mitschuldig an der Wehrlosigkeit dieses Landes. Dasselbe natürlich umgekehrt, die Armeebefürworter sind mitschuldig daran, dass wir alle mehr Steuern zahlen um die Armee zu finanzieren.

Wer entscheidet, bleibt in der Verantwortung

In all diesen Themen kann und darf man jeden Standpunkt einnehmen, wir sind ja ein freies Land. Aber es geht nicht an, dass man sich dann aus der Verantwortung zu schleichen versucht.

Wer “nur ein paar” erschossene Hausfrauen als Kollateralschaden betrachtet, darf in einem demokratischen Land natürlich dafür eintreten, dass die Freiheit, vollautomatische Schusswaffen im Kleiderschrank zu haben, wichtiger ist als ein paar abgeknallte Menschen. Man darf auch der Meinung sein, das verfassungsmässige Recht auf Gleichheit und Religionsfreiheit müssten nicht mehr für Muslime gelten und ein Minarettverbot annehmen. Man darf auch wie bei der 5. IV-Revision 80’000 Schwerstinvaliden die eh schon mickrige Rente kürzen und gleichzeitig ein paar Milliarden Steuergeschenke an die Wirtschaft verteilen – wir dürfen das alles, wir sind eine Demokratie…….. Aber es ist scheinheilig, dann zu behaupten, man hätte damit gar nichts zu tun. Wer dafür abstimmt, dass ein paar hunderttausend vollautomatische Gewehre in Privatwohnungen herumliegen, im Wissen, dass nunmal einzelne Zeitgenossen früher oder später durchdrehen und diese Waffen einsetzen, der ist genauso Mittäter wie derjenige, der mit einem Minarettverbot die Rechtsgleichheit aus unserer Verfassung kippt oder auf dem Buckel der Schwächsten Geld umverteilt. Man darf in einer Demokratie all das tun, aber es ist eines stimmenden Bürgers unwürdig, wenn man dann behauptet, die Folgen der Abstimmung hätten nichts mit einem selbst zu tun.

Wer Waffen erlaubt, erlaubt auch die Tötung

Gerade das mit den Waffen führt zu bizarrsten Ausflüchten.

Sofort wird betont, dass ja nicht Waffen Menschen töten, ein Mord geschieht durch den Menschen hinter der Waffen. Klar ist der hinter der Waffe der Mörder, aber wenn ich einem Kleinkind eine geladene Waffe in die Hand drücke, dann bin ich ja wohl auch mitverantwortlich. Und wenn ich hundertausend Gewehre verteile, obwohl bei so einer grossen Zahl von Leuten zwangsläufig auch Gestörte dabei sind, dann bewaffne ich indirekt Psychopathen – dann bin ich für jeden einzelnen Schuss mitverantwortlich.

Weiters wird betont, der Täter hätte sie ja sowieso getötet, wenn nicht mit dem Gewehr, dann halt mit dem Messer oder von Hand. Was für ein Quatsch. Gerade Gewaltdelikte infolge eskalierender Gefühlsausbrüche sind dafür bekannt, dass die Verfügbarkeit einer schnell einzusetzenden Waffe das Risiko massiv erhöht. Ausserdem ist das Schiessen mit einer Schusswaffe ein indirektes Töten, es braucht um ein Vielfaches mehr um jemanden mit einer Kontaktwaffe zu töten, geschweige denn mit blossen Händen. Hinzu kommt, dass man sich gegen fast jede Waffe wehren kann, einer Kugel entkommt niemand.

Fazit: Steht zu Eurer Verantwortung

Ihr habt das Recht, Waffen zu erlauben oder zu verbieten, Ihr könnt Menschenrechtskonventionen ratifizieren oder kündigen, Ihr könnt sogar einen zweiten Hitler wählen, könnt Kriege beginnen, in einer Demokratie dürfen wir bestimmen was die Schweiz tun wird – aber egal wie Ihr Euch entscheidet, denkt wenigstens vor der Entscheidung darüber nach, was für Konsequenzen Euer Mitentscheid haben kann, überlegt genau, ob es das wirklich wert ist und wenn Ihr entschieden habt, dann steht wenigstens dazu, wenn Ihr damit kleine oder grosse Katastrophen auslöst.

UPDATE 14.11.2011: aus aktuellem Anlass grad noch ein Nachtrag, nicht nur wegen potentiellen Amokläufern gehören Armeewaffen ins Zeughaus sondern auch weil immer mal wieder so Deppen mit Schusswaffen rumspielen und dabei Unfälle passieren – soviel zum Thema “Verantwortungsbewusstsein des Schweizer Soldaten”
Junge Frau erschiesst Mann mit Armeepistole
Somit: Bodycount+2

Weiterführendes zum Thema:

Diana: Die Schweiz und das Recht aufs Töten
Blick: Anthony A. schoss seiner Freundin Christina B. in den Kopf
Jedes vierte Familiendrama passiert mit Armeewaffe
Gesucht: 30’000 Munitionsdosen der Armee
Mit Armeewaffe angeschossen
90 Tote durch Suizid mit Sturmgewehr

Die Wunden des Gelächters

Das Leben wird nicht einfacher durch die leider beachtliche Anzahl an primitiven Leuten in unserer vermeintlich aufgeklärten Gesellschaft…….

Umso schöner ist es, dass es dafür aber auch Leute gibt, die für einem einstehen, wenn die Primitiven sich mal wieder ihrer Dümmlichkeit hingeben.

Mit diesem Satz in meinem Facebook-Profil eröffnete ich den heutigen Tag und ahnte noch nicht, dass mich das Ganze noch den ganzen Tag beschäftigen würde. Nicht, dass die Erkenntnis um die Primitivität so mancher Zeitgenossen neu wäre, aber auch wenn es noch so “normal” ist, dass einem kleingeistige Menschen begegnen, gewöhnt man sich doch irgendwie nie so recht daran.

 

Wenn Andere sich an meiner Stigmatisierung stossen

Schaut mich nicht an! Ich bin kein Tier!
Nur ein Menschenkind – für euch ein fremdes Wesen – vielleicht
Mit Augen und Ohren, einem Herz und viel Gefühl
Und immer noch mit einem klaren und auch freien Verstand!
(Lacrimosa – Fassade 1. Satz)

Als ich heute morgen wie jeden Tag um Neun raus ging um mein Mittagessen von meiner Futterlieferantin entgegenzunehmen, war sie sichtlich aufgebracht und erzählte, sie hätte mich grad in Schutz genommen und hätte sich sowas von aufgeregt. Sie macht jeden Morgen zwischen Acht und Neun hier im Quartier rund um meine Firma ihre Runde, hält bei allen Firmen an und die Leute können bei Ihr Brötchen, Getränke bis hin zu kompletten Mittagessen kaufen. Durch ebendieses Quartier stöckle ich ebenfalls täglich und da ich das schon seit Beginn meiner “Transition” tue und damals noch recht eigenwillig aussah, werde ich da von vielen Leuten gesehen, die mich vom Sehen her kennen und eben auch wissen, dass ich mich irgendwie arg verändert habe.

Offenbar bin ich heute an ihr vorbei gelaufen als sie gerade Essen verteilte und die dort Rumstehenden begannen, sich über mich lustig zu machen. Anstatt wie so Manche in den Narrenchor einzutreten, hat sie sich sofort auf meine Seite gestellt und sagte, dass sie mich seit zwei Jahren kenne und ich eine super tolle Frau sei mit einem riesengrossen Herzen – wow, was für ein Kompliment. Im ersten Moment habe ich mich vorallem darüber gefreut und versuchte sie zu beruhigen indem ich ihr sagte, dass es halt auch primitive Leute gäbe und dass man die nicht ernst nehmen soll. Sinngemäss sagte ich zuguterletzt: “Wenn ich so primitive Menschen ernstnehmen würde, wäre mein Leben unerträglich”.

An Grausamkeit gewöhnt man sich nie ganz

Und wenn ihr redet, wessen Geist ist eurer vielen Worte Inhalt?
Wart ihr jemals an dem Abgrund zwischen Herz und dem Verstand?
Könnt ihr sagen: Ich erlerne mich?
Eure schreckliche Einfältigkeit, zu glauben was man euch erzählt:
Natürlichkeit und Selbstbestimmung
Aber bitte nur im Rahmen des Systems dieser Gesellschaft
(Lacrimosa – Fassade 1. Satz)

Da ich Blicke gut einordnen kann, weiss ich längst, dass ich oft Menschen begegne, die nicht das Geringste Problem mit mir haben, die einfach zur Kenntnis nehmen, dass ich bin wie ich bin und damit hat es sich. Genauso gut weiss ich, dass ich auch so Manchen begegne, die mich saumässig lustig finden, bei Einigen steht ihr Spott gar in grossen Lettern in die Augen geschrieben. Daran habe ich mich eigentlich gewöhnt, dass ich immer mal wieder Menschen begegne, die allein in meiner Existenz einen Grund zur Belustigung finden. Ohne es je mit eigenen Ohren zu hören, höre ich doch irgendwie all die blöden Sprüche die geklopft werden, wenn ich da mal wieder vorbeidackle. Die letzten knapp drei Jahre haben mich gelehrt, stark und tapfer zu sein, stärker und mutiger als die Meisten wohl je in der Lage wären. Ich habe gelernt, über der Sache zu stehen, die Bemessung meines Selbstwerts nicht den höhnenden Narren zu überlassen sondern mich selbst einzuschätzen. Und ich habe mir ein Bewusstsein geschaffen über das was ich wahre Grösse nenne.

Wer Andere auslacht, verspottet oder verhöhnt – egal ob er das laut oder leise tut – disqualifiziert sich damit selber, weil sein Lachen einzig Zeugnis abgibt über seine eigene Kleingeistigkeit. Gerade jene, die ihr Selbstbewusstsein erhöhen, indem sie versuchen andere zu erniederigen, sind die Schwächsten – gerade sie hätten niemals die Grösse um so einen Weg zu gehen wie ich ihn gehe. Es ist einfach, ein “normales Leben” zu führen und so zu sein, wie es von einer kollektiven Allgemeinheit erwartet wird. Aber es braucht ungeheuer viel innere Stärke, Mut und Tapferkeit um sich selbst zu sein, wenn man eben nicht der Vorstellung des Mainstreams entspricht – vorallem wenn man zu einer stigmatisierten Menschenart gehört wie transsexuelle Frauen. Mittlerweile gibt es nichts, worauf ich mehr stolz bin als auf die Tatsache, dass ich diesen Weg gegangen bin, dass ich mich allem Spott zum Trotz nicht mehr selber verleugne, dass ich wahrlich Ich bin und dass ich die Schwere des Lebens sogar auf einem Level ertragen kann, der die Meisten in Stücke reissen würde.

Der Spiessrutenlauf zwischen den Guten und den Primitiven

Und doch tut es weh, wenn ich damit konfrontiert werde. Einerseits ganz subjektiv, weil niemand soviel Grösse hat um gegenüber von Spott völlig immun zu sein. Anderseits aber auch, weil es mir vor Augen hält, von was für Dummköpfen ich teilweise umgeben bin und wie grausam und primitiv so Kleingestige sind. Auch wenn mir das egal sein müsste und auch wenn so Leute ja eigentlich nur ihre eigene Beschränktheit demonstrieren, irgendwie macht es trotzdem traurig.

Da ist es ungemein tröstlich, dass es eben auch Andere gibt, solche die hinter die Fassade blicken, die nicht so oberflächlich und empathiebefreit sind. Wenn so kleingeistige Menschen mich verurteilen ohne mich zu kennen, dann mag das zwar weh tun, aber wenn dieses Negative von jemandem so aufgefangen wird, dreht sich schlussendlich doch alles ins Positive. Diese Gackermenschen kennen mich nicht, haben keinen blassen Dunst davon, dass ich stärker bin als sie je sein werden, wie könnten sie ernsthaft über mich urteilen? Diese Frau die mich verteidigt hat, kennt mich jedoch seit 2 Jahren und wenn sie mir attestiert, dass ich eine liebenswerte und bewundernswerte Frau bin (O-Ton), dann ist auch so ein eigentlich trauriges Ereignis mehr Ruhm als Hohn.

Und doch tut es weh – irgendwie – gerade jetzt – aller Unvernunft zum Trotz.

Fragen die den Narren erspart bleiben

So finde ich mich einmal mehr in einem Netz von Fragen, die allein schon hässlich genug wären, deren Beantwortung ausbleibt. Vielleicht ist es gut, dass sie nicht beantwortet werden, die Antworten wären wohl noch um ein Vielfaches grausamer…….

  • Ist es so schwer, ein wenig mitzufühlen und zu erkennen, dass eine transsexuelle Frau ein schmerzliches Leben hinter sich hat und eher Mitgefühl angebracht wäre als Spott?
  • Ist es so schwer, zu begreifen, dass jemand der sich selbst treu ist und allem Geblöke zum Trotz den eigenen Weg geht, eher Respekt verdiente als Hohn?
  • Ist es so schwer, zu akzeptieren, dass ein Mensch – wenn auch in ungewöhnlicher Weise – so doch einfach nur glücklich sein möchte?
  • Wer von Euch blökenden Schafen hätte den Mut, sich selbst unter solchen Umständen treu zu sein, die Tapferkeit ebendieses blökende Gelächter zu ertragen und die innere Stärke, sich die Würde inmitten dieses Spottes zu bewahren – wer von Euch könnte meinen Weg gehen und dabei mir gleich glücklich werden und mit einem Lächeln auf den Lippen durch diese unfreundliche Welt gehen?
  • Und wer von Euch würde nicht innerlich bluten, wenn man verspottet wird nur weil man ist wie man ist, obwohl man sich sein Schicksal nicht ausgesucht hat sondern nur versucht, unter diesen schweren Bedingungen zu überleben?

Und doch tut es weh – irgendwie – gerade jetzt – und und lässt mich einmal mehr ratlos zurück…….

They can verbally abuse me, they can torture me,
they can try to strip me bare of my dignity…
they can even take my life,
but they can never ever snatch who I am at my core…
I will always naturally express who I am on the outside!
(Arianna Davis)

So traurig so Dinge sind, so dankbar bin ich auch, dass diejenigen die mich kennen nicht so ticken und dass so viele zu mir halten. Und auch wenn es wie jetzt grad mal wieder kurz saumässig weh tut, es bestätigt mich nur darin, mir weiter treu zu sein und mich weiterhin Ich sein zu lassen – und mir meine hart erkämpfte Lebenslust weder weglachen noch ausprügeln lasse – express yourself – ich tu’s – und Ihr?

thanks Janis for staying with me in days like that

Neuer Vorsatz: Agieren statt reAgieren

Das Leben will gelebt werden, das ist seine Bestimmung – aber was, wenn man es nicht zulässt? Gerade bei mir wäre das so fatal, so endlos lange war mir mein wirkliches Leben verunmöglicht und nun, da ich es endlich leben kann, bin ich es mir auch schuldig, es wirklich zu leben. Aber das tue ich nicht, bisher, jedenfalls nicht so, wie es das Leben wert wäre.

Wie oft habe ich hier schon erzählt, dass ich mich ständig völlig verheize, weil ich mich diesem Drang nicht entziehen kann, die Welt zu einer Besseren machen zu wollen. Und genauso oft wie ich darüber erzählt habe und mir Vorsätze nahm um dieser Spirale zu entkommen, genauso oft landete ich wieder inmitten dieser Strudel ohne zu verstehen, wie ich dahin gelangt bin. Ich nahm mir vorallem vor, mir die Schlachtfelder selber auszusuchen, sprich, mich auf bestimmte Themen zu konzentrieren, aber die Welt und der sich darin abspielende Irrsinn ist viel zu komplex und vernetzt, als dass man das Eine vom Anderen trennen könnte.

Wenn ich Medien beobachte, weil ich beispielsweise beim Thema Transsexualität allfällige Falschdarstellungen korrigieren möchte, dann bewege ich mich zwangsläufig auch in der Welt des Boulevards und prügle mich schneller als mir lieb ist mit deren Anhänger, die gerade dort nur zu oft mit ihrer Kurzsichtigkeit einfach nur nerven. Und ständig begegnet mir dort und anderswo dieser alltägliche Schwachsinn, der sich durch solche Leute über die Welt ergiesst und schwups stelle ich fest, dass ich wieder zu verschiedensten Themen meinen Senf dazu gebe, weil ich mich dem Gefühl nicht entziehen kann, dass da dringend eine “andere Ansicht” nötig ist. Und als ob das nicht genug wäre, läuft mir der ganze Scheiss nach, Tag und Nacht, ich kann nicht mal auf dem Klo sitzen ohne dass in meinem Hirn Argumente geschliffen werden wie Schwerter……. und wo bleibt da mein Leben, das so lange darauf gewartet hat, zu leben? Wo bleibe ich?

Eine falsch gelebte Berufung

Mein ganzes Erwachsenenleben habe ich den Grossteil meiner Lebenszeit und Lebensenergie in diese von mir als Berufung empfundene Öffentlichkeitsarbeit investiert, sei es als Greenpace-Aktivistin, als Bloggerin, als Kommentierende, als Menschenrechtlerin – zwei Jahrzehnte meines Lebens habe ich fast nichts Anderes getan – ich hab mir wirklich etwas mehr Ruhe verdient.

Aber wie kann ich aus dieser Spirale aussteigen und vorallem, wie kann ich das tun ohne “meine Berufung” aufzugeben? Ich kann und will beim besten Willen kein egoistisches Leben beginnen, es ist mir zur Pficht geworden, Zeugnis abzulegen über das was meines Erachtens kritikwürdig ist. Aber ich bin auch nicht mehr bereit, mein ganzes Leben dafür hinzugeben, mein neu erkämpftes Leben ist es wert, gelebt zu werden. Seit langer Zeit suche ich nach einer Lösung für diesen Spagat und ich glaube fast, dass ich diese Woche den Stein der Weisen gefunden habe. Themenfelder aussuchen geht nicht, Zeitlimits gehen grad gar nicht, es braucht ein anderes Kriterium……..

Agieren statt reAgieren

Mitten in einem Videotelefon mit Juliet war diese Formulierung da, wie aus dem Nichts. Ich jammerte grad rum, dass ich mich mal wieder versehentlich in eine Diskussionsschlacht geworfen habe ohne dass ich das so geplant hätte und meckerte, wie müssig es doch ist, ständig mit Argumenten um mich zu werfen, die durch das Ziel hindurchgehen wie durch einen Geist. Wie schon oft sagte ich, dass ich da endlich eine Lösung finden muss, weil mich die Hitze des Gefechts immer mehr ausbrennt. Und dann tauchte dieser Satz plötzlich auf, kann es sein, dass es so einfach ist?

Es entbehrt nicht einer gewissen Komik, dass ich diesen Satz schon vor langer Zeit hörte, es war mein bester Freund und “Mentor”, der mich soviel gelehrt hat, über Philosophie, Religion und Weltanschauung. Er war es, der mir das Epiktet’sche Denken nahelegte, der mich mit Sätzen wie “und warum müsste Dich das interessieren” so oft auf den Boden der Realität geholt hat. Er sagte mir das schon vor Langem, begriffen resp. angenommen habe ich es erst diese Woche.

Selbstbestimmung beginnt bei mir

Genau das ist nämlich der Punkt, an dem ich so falsch funktioniere. Meine ganzen “Kämpfe” sind immer fremdbestimmt, ich agiere nicht wie eine kluge Kriegerin sondern reagiere stets, ich folge Impulsen von aussen, renne in jedes noch so bekloppte Schlachtfeld, dessen Kriegsgetümmel mein Ohr erreicht und so mache ich mich zur Marionette fremder Kriegsherren. Wie naiv ist doch eine Kriegerin, die sich das Schlachtfeld aufdrängen lässt und um wieviel dümmer ist eine Kriegerin, die sich gar die Kriege vorschreiben lässt?

Es bedeutet mir viel, zu schreiben, zu philosophieren, zu informieren und auch mal zu predigen. Aber ich muss über das schreiben, das aus mir heraus will und nicht über das, was durch die Medien geistert. Daraus ergibt sich ein einfaches Kriterium – eben – agieren statt reagieren.

Die neue Strategie

Und das nehme ich mir von nun an zum Vorsatz, zumindest vorläufig und zumindest für lange Zeit. Schluss mit dem regelmässigen Überwachen der Medien, Schluss mit dem Hinterherrennen jeder stumpfsinnigen Diskussion mit Leuten die nicht reflektieren können, Schluss mit dem Irrglauben, ich sei an jede Schlacht eingeladen und müsse überall sein.

Es gibt soviel, über das ich schreiben möchte, soviel was mich bewegt und soviel was ich teilen möchte. Aber zu all dem komme ich nicht, wenn ich mich ständig in Dinge einspannen lasse, die mir grad vor die Füsse geworfen wurden. Ich muss meinen Blick nach Aussen umdrehen und endlich in mich hinein schauen und muss das aus mir heraussprudeln lassen, was wirklich das Meine ist, muss endlich meiner Inspiration folgen anstatt auf fremden Gedanken herumzureiten.

Ob es mir gelingt, ist genauso unklar wie all meine alten Vorsätze, aber zum ersten Mal glaube ich wirklich, dass das mein Weg sein könnte und dass es gut kommt, wenn ich mich von nun an so strikt wie möglich daran halte. Klar wird es immer mal wieder grössere Ereignisse in der Welt geben, die von mir aufgenommen werden “müssen”, aber das darf nicht mehr der Normalfall sein. Ich bestimme, was mich bewegt und nicht die Welt da draussen.

Geboren um zu Leben

Seit ich diesen Gedanken aufgenommen habe, erlebte ich ein paar Tage in überraschender Ruhe. Es kommt mir vor, als würde ich mit jedem Unrat den ich von mir werfe etwas mehr von mir finden. Immer wieder flüstere ich mir ins Ohr: “Ich muss überhaupt nichts” und immer wieder fühle ich wie gut es tut, loszulassen.

Ich will, dass endlich wirklich meine Zeit kommt, dass ich selbstbestimmt mein Leben lebe. Ich will Cello üben, zwischendurch mal ein Computerspiel machen, endlich wieder vermehrt Bücher lesen, endlich mal wieder Waldspaziergänge, wieder vermehrt Musik hören und nicht zuletzt schreiben, was in mir aufleuchtet.

Es ist höchste Zeit, loszulassen und mich nun wirklich ganz freizulassen……..

so und jetzt wird’s Zeit für die sonntägliche Badewanne :-)

Vom Glauben über die Gewissheit zum Wissen

Seit etwa drei Jahrzehnten beschäftige ich mich mit philosophischen und darin eingeschlossen religiösen Fragen, habe eine Unzahl an Büchern aus allen möglichen Bereichen dieser Thematik gelesen, endlose Diskussionen geführt und Kommentare im vierstelligen Bereich geschrieben. In all den Diskussionen erlebte ich immer wieder, wie ich bei Vielen auf Granit biss, weil die offenbar nicht zwischen Glauben und Wissen unterscheiden können oder wollen. Was mir so logisch erscheint, dieser kleine aber feine Unterschied, scheint von Vielen öfters mal verwechselt zu werden. Deshalb möchte ich mich heute etwas darüber auslassen………

Wenn man von etwas ausgeht oder etwas vertritt, dann tut man das entweder, weil man etwas weiss oder man tut es, weil man etwas glaubt. Ganz so schwarz weiss ist es zwar nicht, es gibt verschiedene “Stufen” die ich nachfolgend noch erwähnen möchte, aber im Wesentlichen beschränkt es sich darauf. Wenn wir uns mal ganz ehrlich fragen, was für Dinge es gibt die wir angeblich wissen, würden wir bei genauer Betrachtung schnell feststellen, dass so Manches eine Illusion ist.

Eines Tages werden wir offiziell zugeben müssen,
dass das was wir Realität getauft haben,
eine noch grössere Illusion ist, als die Welt des Traumes

(Salvador Dali)

Erlebtes Wissen

Wir wissen beispielsweise, dass es weh tut, wenn wir den Zeh an der Tischkante anschlagen, wir wissen das, weil wir es erlebt haben, es ist sogar jederzeit reproduzierbar, das ist erlebtes Wissen. Ich weiss beispielsweise, dass ich mit Spitzweggerich oder Huflattich Kräutern festsitzenden Husten behandeln kann, ich hab’s schon viele Male erfolgreich so gemacht. Ich weiss auch, dass gebrochene Knochen wieder zusammenwachsen, auch das habe ich erlebt. Es gibt wohl kein überzeugenderes Wissen für einem selbst als das selber erlebte Wissen – naja mal abgesehen von Psychotikern ;-)

Bewiesenes Wissen

Was man für Kriterien hat um etwas als Erwiesen zu betrachten, dürfte wohl ein Stück weit individuell sein. Aber wenn wir wissenschaftliche Standards nehmen, dann muss etwas vorallem reproduzierbar sein und im Idealfall auch erklärbar (wobei ich Zweiteres als akademische Zwängerei betrachte). Ich kann beispielsweise Fleisch in Salzsäure legen und damit im Versuch beweisen, dass Salzsäure Fleisch zerfrisst. Ich kann auch beweisen, dass zwei mal fünf zehn gibt, indem ich fünf Äpfel in einen Korb lege und nochmal fünf reinlege und dann alle zähle. Oder ich kann einen DNA-Test machen und weiss dann mit Bestimmtheit, ob ein Kind meins ist oder nicht. Und ich kann die Schwerkraft beweisen indem ich soviele Bügeleisen in die Luft werfe wie ich will, sie werden alle wieder runterkommen und spätestens wenn mir eins auf die Birne knallt, wird es sogar gleich auch noch erlebtes Wissen ;-)

Scheinbares Wissen

Aber auch wenn ich nochsoviel darüber gelesen habe und mir noch so sicher bin, dass ein Klimawandel stattfindet und dass der menschgemacht ist, so weiss ich es doch nicht, niemand weiss es mit Bestimmtheit. Genausowenig weiss ich, ob Gott existiert, auch wenn ich mir da noch so sicher bin und genauso weiss ein Atheist nicht, ob es keinen Gott gibt, Beide glauben, die Einen an die Existenz eines Göttlichen, die Anderen an die Nichtexistenz dessen.

Glauben als Ursprung des Wissens

Dem meisten Wissen ging einst Glauben voraus. Man beobachtet etwas, glaubt dahinter eine Erklärung zu sehen und beginnt dieser Frage nachzugehen, würde man nicht daran glauben, würde man schon gar nicht versuchen es zu beweisen. Im Idealfall kann man diese Vermutung, an die man irgendwann zu glauben begann, nachweisen oder man kann sie erfahren – manchmal auch nicht. Glauben steht nicht im Widerspruch zum Wissen – Glauben ist oft der Ursprung des Wissens. Würden wir nicht glauben sondern nur wissen, dann würden wir heute noch auf Bäumen sitzen und mit Bananen um uns werfen. Wir haben die Fähigkeit uns etwas vorzustellen, bevor wir es bewiesen haben, dieser visionäre Geist hat uns zu dem schlauen Affen gemacht, der wir heute sind.

Wir glauben mehr als wir wissen

So gibt es unzählige Dinge, die wir wissen, die wir vielleicht sogar im Labor nachweisen können oder sonstwelche Beweise finden. Aber die Zahl der Dinge, die wir ohne unumstössliches Wissen glauben, dürfte einiges grösser sein. Wie sicher sind wir uns doch beispielsweise, dass wir die “Normalen” sind und Autisten eine psychische Störung haben? Aber gerade hochfunktionale Autisten (Asperger) sind uns in gewissen Bereichen meilenweit überlegen, vielleicht sind sie ja die nächste Stufe der Evolution? Wir glauben so sicher zu sein in solchen Fragen, aber wissen wir das wirklich?

Wer behauptet beispielsweise nicht zu wissen, dass der/die Lebenspartner/in einem liebt? Aber woher in aller Welt wollen wir das wissen? Überhaupt nichts wissen wir, woher denn auch, wie wollte man das beweisen? Wir glauben, dass wir geliebt werden, wir glauben es so sehr, dass wir uns absolut sicher sind – und doch wissen wir es nicht wirklich. Warum sonst reden wir von Vertrauen wenn es um Beziehungen geht, warum gibt es Eifersucht, warum Ent-Täuschungen?

Die Gewissheit

Und damit landen wir bei den Zwischenstufen, denn es gibt etwas, was mir sehr wertvoll erscheint, ich nenne es “Gewissheit”. Gewissheit bedeutet nach meinem Verständnis in etwa, dass ich etwas glaube und mir dabei so sicher bin, dass dieser Glaube von einer ähnlichen Festigkeit ist als wäre es Wissen. In der Liebe erlebt man genau das, man weiss zwar nicht, ob man geliebt wird, aber man erlebt es so intensiv, dass man mit der Zeit seine Hand ins Feuer legen würde dafür – aller Nichtbeweisbarkeit zum Trotz. Wenn mir meine Süsse in die Augen schaut und mich anlächelt, dann finde ich in ihrem Blick soviel Liebe, dass ich ihre Liebe mit meinem ganzen Sein erfahren kann und bis in jede Zelle spüre. Ich weiss auch dann nichts, aber ich habe nichtsdestotrotz die “absolute Gewissheit”, eine Gewissheit die so gewichtig ist, dass sie für mich mehr in Stein gemeisselt ist als wenn tausend wissenschaftliche Studien mir ihre Liebe beweisen würden.

Das geglaubte Wissen

Während die Gewissheit den Glauben fast zum Wissen macht, gibt es wiederum Wissen, das eigentlich keines ist resp. delegiertes Wissen, nennen wir es mal “geglaubtes Wissen”. Diese Form des Wissens dürfte einen wesentlichen Teil dessen ausmachen, von dem wir glauben zu Wissen, ohne zu wissen dass wir glauben – hach ich mag so Wortpirouetten, da kriegt man n’Knoten im Gehirn, aber das ist gesund, echt :-)

Wenn ich beispielsweise ein schlaues Buch lese oder mir ein Experte auf einem Gebiet etwas erklärt, dann gehe ich anschliessend davon aus, dass ich das worüber er mich aufgeklärt hat nun weiss. Aber eigentlich ist das Quatsch, ich weiss gar nichts, ich glaube einfach jemandem, der behauptet zu Wissen. Der kann mehr oder weniger glaubwürdig sein, aber es bleibt mir nichts Anderes als ihm zu glauben. Auch da kann Glaube zur Gewissheit werden, ist aber genausowenig wirkliches Wissen. Ob er sich geirrt hat oder mich ganz einfach verarscht, kann ich nicht beurteilen.

Ich weiss eben nicht, ob die Eidgenossen wirklich bei Moorgarten gekämpft haben, ich war ja nicht da und kenne niemanden der da war, ich glaube lediglich, dass in diesem Geschichtsbuch die Wahrheit steht (was schon närrisch genug ist). Ich weiss auch nicht, ob die Natur wirklich so bedroht ist, aber ich glaube der Vielzahl an Umweltschutzorganisationen und Studien so sehr, dass es mir zur Gewissheit wurde – es bleibt jedoch eine Glaubensfrage, solange bis wir hier alle ersaufen oder verdursten oder verglühen oder was weiss ich.

Fallbeispiel – Das Kind und die Herdplatte

  1. Wenn ein Kind nichts von einer Herdplatte weiss und beim Anschauen denkt, ui das ist heiss, das könnte weh tun wenn ich es anfasse, dann ist das Glauben.
  2. Wenn ich dem Kind erkläre, dass es sich die Pfoten verbrennt, wenn es die Platte anfasst, dann hat dieses Kind zwar die richtige Information, ist somit im Besitz der Wahrheit, aber es weiss es nachwievor nicht wirklich, es glaubt mir einfach – oder es glaubt mir nicht, worauf es dann wohl schnell zu unfreiwilligem Wissen gelangt.
  3. Wenn das Kind vielleicht jemandem zuschaut, der sich den Finger daran verbrennt, dann dürfte dieses Glauben zur Gewissheit werden, es wird vermutlich genug beeindruckt sein um sich sicher zu sein, dass das weh tut. Aber es weiss es nicht mit Bestimmtheit, vielleicht war die angebliche Verletzung ja eine Täuschung?
  4. Wenn das Kind die Herdplatte angefasst hat, egal ob ich ihm das Wissen um den resultierenden Schmerz übergeben habe, dann wird es wirklich wissen, dass es weh tut. Das ist dann echtes erlebtes Wissen.
  5. Und wenn es ein Erwachsener ist, kann ich vielleicht die Temperatur der Platte messen und mit einem Experiment nachweisen, dass Fleisch bei dieser Temperatur verbrennt, das wäre dann erwiesenes Wissen.
  6. Letztendlich kann es auch geschehen, dass das Kind eine kalte Herdplatte anfasst und daraus schliesst, sie es würde nicht weh tun, das dürfte dann Fehlwissen sein, das scheitert dann früher oder später an der Reproduzierbarkeit ;-)

Fallbeispiel Homöopathie

Eins der ulkigsten Beispiele in dieser Frage ist Homöopathie. Hömöopathie widerspricht jeglicher wissenschaftlichen Logik. Die Behauptung, dass etwas mehr wirkt, je weniger drin ist, spottet unserem Verstand und bringt Wissenschaftler zur Raserei. Homöopathie lässt sich zumindest bisher nicht unter wissenschaftlichen Kriterien nachweisen, geschweige denn vernünftig erklären. Und doch gibt es Unzählige, bei denen homöopathische Mittel geholfen haben. Mediziner werden jetzt händefuchtelnd einwänden, dass das nur der Placebo-Effekt war, also eingebildete Heilung. Aber Placebo bedeutet, dass eine Art Selbstheilung stattgefunden hat, die darauf fusst, dass man an eine von aussen zugeführte Heilwirkung glaubt. Man glaubt, jemand würde einem heilen und das reicht aus, damit sich der Körper selber heilt. Nun, nichts Anderes nimmt Homöopathie für sich in Anspruch. Kein Homöopath behauptet, dass das Mittel selber heilt, es gibt nur Impulse, die das Immunsystem zu einer Reaktion provozieren. Interessanterweise weiss man unterdessen, dass auch ein Grossteil der schulmedizinischen Erfolge auf diesem Effekt beruht, Placebo ist also keine Illusion sondern eine nützliches Phänomen. Ich persönlich glaube nicht an Homöopathie, geschweige denn, dass ich es verstehe, ganz im Gegenteil, ich halte die dahinterliegende Erklärung für völlig abstrus. Aber ich habe früher genug erlebt mit dieser Medizinform, dass ich längst die Gewissheit habe, dass diese Mittel eine Heilwirkung auslösen können. Die Wissenschaft gibt sich da bockig, sie sagen, wir können es nicht erklären, wir können in diesen Mitteln keine Inhaltsstoffe nachweisen, also kann es nicht sein, mögen nochsoviele Leute davon geheilt werden. Die Homöopathen geben sich nicht weniger bockig, aber das wäre dann mal ein anderes Thema. Ich für meinen Teil bin da pragmatisch, ich weiss, dass ich nicht weiss, ob es wirklich hilft, bin also entsprechend vorsichtig und würde mich nie allein darauf verlassen. Meine Lebenserfahrung erlaubt mir aber, trotz meiner Skepsis ein wenig daran zu glauben und es unter gewissen Umständen zu nutzen. Wenn es hilft, ist das gut so, wenn es nicht hilft…….. naja, ich glaub ja dann auch noch an die Heilwirkung von Antibiotika und Konsorten ;-)

Glauben entgegen besseren Wissens

Es gibt nur eine qualitative Unterscheidung, die wirklich relevant ist und das ist die Unwürdigkeit dessen, was ich “Glauben entgegen besseren Wissens” nenne oder auch gerne als “Faktenresistenz” tituliere. Irgendwo habe ich mal sinngemäss geschrieben, es ist ok, sich zu irren und es ist ok Fehler zu machen. Aber es ist nicht in Ordnung, wenn man wider besseren Wissens an einem Irrtum oder Fehler anhaftet, das ist dann wirklich die Totalkapitulation des Geistes. Wenn also beispielsweise wie schon erlebt christliche Fundamentalisten die Existenz von Dinosauriern leugnen, weil das einfach nicht sein kann, weil ja in der Bibel nichts von denen steht und die Erde gemäss Bibel 6000 Jahre alt ist, dann kann man das nur noch als glaubenstechnische Hirnamputation bezeichnen. Das Ignorieren von Fakten (wie beispielsweise seitens gewisser Psychologiegläubigen oder sonstigen religiösen Fundamentalisten) ist das einzige, was eines denkenden Menschen wirklich unwürdig ist, alles Andere hat seine Berechtigung und trägt dazu bei – naja, eben Affen, Bananen, Ihr wisst schon ;-)

Schlussbilanz

Zusammengefasst könnte man also sagen: Es gibt Glauben, Gewissheit, geglaubtes Wissen, bewiesenes Wissen und erlebtes Wissen. Ich bin nicht der Ansicht, dass es hier ein richtig und falsch gibt, es ist im Wesentlichen auch keine qualitative Frage. Jeder dieser Glaubens/Wissensbereiche hat seine Berechtigung, erst alle zusammen machen uns vollkommen und so Manches bedingt das Andere. Wichtig scheint mir jedoch die Unterscheidung, dass man sich im Klaren ist, wo man sich wirklich unumstösslich sicher ist und wo man sich auf dünnem Eis bewegt.

Wenn wir uns dessen bewusst sind, sind wir vielleicht etwas zurückhaltender mit Rechthaberei oder Intoleranz. Und das bringt uns in die vorzügliche Lage, dass wir immer wieder dazuzulernen können und immer wieder das, was wir zu Wissen glaubten, eintauschen können in etwas, das wir dann tatsächlich wissen.

Wir sind gut beraten, wenn wir etwas mehr von diesem sokratischen Geist in uns aufleuchten lassen, der sinngemäss sagte: Ich weiss nur, dass ich nicht weiss :-)

Wenn unser Geist leer ist, ist er für alles bereit.
Im Anfänger-Geist liegen viele Möglichkeiten,
in dem des Experten wenige.

(Shunryu Suzuki)

Streubomben wählen SVP

Streubomben gehören zu den perversesten Waffen die es gibt, man wirft eine Bombe ab, die dann in eine Unzahl von Minibomben zerfällt und ganze Landstriche für eine kleine Ewigkeit zum Minenfeld macht.

Von den geschätzten hunderttausend Toten, die auf das Konto von Streubomben gehen, sind sagenhafte 98% davon Zivilisten!

Deshalb wird diese Waffe international immer mehr geächtet, eine Mehrheit der Länder hat 2008 ein internationales Abkommen unterzeichnet, das Streumunition verbietet – auch die Schweiz hat beschlossen, dieses Abkommen zu ratifizieren – der Bundesrat war dafür, das Parlament war dafür……….

…… aber die SVP, die sich selbst zynischerweise Volkspartei nennt, hat einen Rückweisungsantrag gestellt und man glaubt es kaum, eine knappe Mehrheit der Sicherheitskommission des Nationalrats hat den Antrag nun angenommen und damit das Munitionsverbot blockiert.

Wir brauchen Streumunition, sie ist ein hocheffizientes Verteidigungsmittel“, sagte SVP-Nationalrat Ulrich Schlüer…… Streubomben? Verteidigung? 98% der Toten sind Zivilisten? Was in aller Welt haben die geraucht?
Tagesanzeiger: Wir brauchen Streumunition”

Also jetzt mal langsam. Verteidigung findet statt, wenn man angegriffen wird, was in der Regel im eigenen Land geschieht, wir sind ja selten alle zusammen im Ausland und können dort angegriffen werden. Wenn wir also hier angegriffen werden, inwiefern dienen uns dann Streubomben, mit denen wir ganze Landstriche in Minenfelder verwandeln können? Umwieviel besser wird unsere Landesverteidigung, wenn wir auch nach einem allfälligen Krieg noch Jahrzehntelang immer mal wieder Einzelteile von Kindern einsammeln müssen, die beim Spielen auf dem Feld von einer Streubombe zerfetzt wurden?

Wen wollen die verarschen? Um Landesverteidigung geht es garantiert nicht, Streubomben sind Angriffswaffen und keine Verteidigungswaffen, sie .treffen zu 98% nicht militärische Ziele sondern legen einfach die Zivilbevölkerung in Schutt und Asche und sie machen ganze Gebiete für lange Zeit zu Todeszonen. Wem dient das, dem Volk? Oder geht es da nicht eher einmal mehr um die Interessen von finanzstarken Firmen, diesmal aus der Rüstungsindustrie?
Tagesspiegel: Streumunition – Investitionen in den Tod

Bedenklicherweise ist es nichts Neues, dass die SVP im Dunstkreis von Tötungsgerät anzutreffen ist. Dass sie einen Hang hat zum freien Waffenerwerb, ist soweit ja allen klar. Weniger bewusst dürfte es den Leuten sein, dass SVP-Guru Christoph Blocher vor einigen Jahren im Scheinwerferlicht stand, weil er Teilhaber war an der “Ems-Patvag”, die seiner “Ems-Holding” unterstellt war. Die Patvag stellte Zünder für “Airbags” her – im weitesten Sinn – ein Teil davon wurde nach Singapur verschachert und dort zum Bau von Personenminen verwendet:
NZZ: Du sollst nicht verstümmeln
Da wundert es einem nicht so wirklich, dass die SVP chronisch gegen Einschränkungen der Waffenexporte ist – ein Schelm wer da Böses denkt.

Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass die Partei, die sich Volkspartei nennt und ständig eine allesvernichtende Bedrohung durch böse böse Ausländer an die Wand malt, das Ausländerproblem im Ausland mit Personenminen löst und im Inland mit Streubomben – sowas nennt man dann wohl Realsatire.

Aber wir kennen das ja, früh übt sich wer gross werden will. Bekanntlich verfolgt die SVP ja ihre “Strategie 51 Prozent“, die das Ziel hat, mindestens 51% des Parlements zu beanspruchen. Denn wenn es die SVP dank dem millionenschweren Propaganda-Budget wirklich schafft, dann können sie ihre parteiinterne Diktatur landesweit betreiben – spätestens dann brauchen sie vielleicht wirklich Streubomben – eine rechte Diktatur muss schliesslich gegen die Feinde im Volk gewappnet sein.

Dieses Wochenende sind Wahlen, bleibt zu hoffen, dass das VOLK diesen Gesellen nicht schon wieder noch mehr Macht verleiht. Andernfalls – kauft’s Regenschirme – da kommt wohl noch einiges auf uns zu.

Himmel, SVP!!!! Was heisst “WIR brauchen Streubomben”? Wir, das Volk, brauchen DAS nicht, echt nicht!!!
YouTube: Streubomben – Krieg nach dem Krieg 1/2
YouTube: Streubomben – Krieg nach dem Krieg 2/2

UPDATE: gemäss Facebook-Seite “Streumunition Schweiz” haben folgende Nationalräte gegen die Ratifizierung und damit für eine Schweiz mit Streubomben gestimmt – man darf das ruhig als Nicht-Wahlempfehlung verstehen:

SVP
Roland Borer SO
Toni Bortoluzzi ZH
Thomas Hurter SH
Christian Miesch BL
Yvan Perrin NE
Ulrich Schluer ZH
Bruno Zuppiger ZH

FDP
Edi Engelberger NW
Sylvie Perrinjaquet NE
Peter Malama BS
Walter Müller AG
Corina Eichenberger-Walther AG

CVP
Jakob Buechler SG
Arthur Loepfe AI
Pius Segmüller LU

Apropos SVP/FDP und Wahlen und Streumunition und so…….


Badewannenpredigt: Freiheit, Vernunft und Gerechtigkeit

Letztes Wochenende habe ich ja eine neue Serie gestartet namens “Gedanken auis der Badewanne“. Idee dahinter war, dass ich oft unter der Woche zu müde bin um zu bloggen und sich so Gedanken ansammeln, die dann meist in meiner sonntäglichen Badewannenmuse wieder auftauchen und da ich am Sonntag meist die Ruhe geniesse, habe ich dann Zeit, diese Gedanken einzusammeln und in Worte zu kleiden.

Heute beginne ich eine weitere Serie, ich nenne sie “Badewannenpredigt”. Grundidee davon ist, dass ich eben oft am Sonntag eher in Gedanken schwelge und dabei manchmal philosophische oder religiöse Gedankengänge mache, die dann meist in der Badewanne zur Vollendung finden. Diese Beiträge erheben in der Regel nicht den Anspruch auf Vollständigkeit, sie wollen keine Antworten geben sondern eher Fragen aufwerfen – damit möchte ich Euch dazu motivieren, selber ein warmes Bad zu nehmen und dort diese Gedanken weitertreiben zu lassen.

Erste Badewannenpredigt: Drei Aspekte, ein Ziel

Diese Woche gab es drei Aspekte, die in diesen Beitrag einfliessen. Das Erste war das Treffen mit Claudia, das mich darüber nachdenken liess, wieviel Freiheit wir uns zugestehen resp. wieviel unserer Freiheit wir aufgeben, nur weil sie irgend jemandem nicht in den Kram passen könnten. Das Zweite war wie immer der alltägliche politische und gesellschaftliche Irrsinn, der einem aus Zeitungsblättern entgegenstarrt und einem daran zweifeln lässt, dass der Mensch je Vernunft gelernt hätte. Das Dritte war der Auslöser für diesen Beitrag, es war eine TV-Sendung “Sternstunde Philosophie” mit der ich meist meinen sonntäglichen Ruhetag beginne, diesmal über Immanuel Kant und seine Kritik an der praktischen Vernunft. Diese drei Gedanken sind ein guter Badewannenzusatz, darin lässt sich prima schwimmen…….

Die Freiheit des Menschen

Kant, Claudia und ich dürften uns einig sein, dass es kaum etwas Elementareres gibt im Menschsein als das Recht, ja gar die Pflicht, ein freier Mensch zu sein, selbstbestimmend sein Leben zu gestalten und wie ich es gerne zu sagen pflege, der Spur des eigenen Herzens zu folgen und sein Innerstes zu entfalten.

Gerade für stigmatisierte Wesensarten wie transsexuelle Menschen wird das zu einer ungeheuren Herausforderung, denn wenn ich der Spur meines Herzens folge und meine Freiheit des Ichseins beanspruche, löse ich damit nicht nur grosse Irritationen aus sondern belaste so Manche die mir lieb sind, mehr als mir lieb ist. Der Grundsatz einer “ethischen Freiheit” besagt, dass alle so frei sind, dass sie tun können was sie wollen, solange sie damit nicht die Freiheit Anderer einschränken.

In unserem Fall ist das nicht ganz so einfach, weil beispielsweise meine Freiheit des Ichseins ein Stück weit die Freiheit meines Kindes einschränkt, das sich plötzlich nicht mehr getraut zu mir zu stehen, weil es andernfalls von ihrem Umfeld gemobbt würde.

Aber das ethische Verbrechen wird nicht durch meinen Freiheitsanspruch begangen sondern durch eine Gesellschaft, die nicht diesem Grundsatz folgt. Müsste ich nun auf meine Freiheit verzichten, weil durch meine Freiheit die Freiheit Anderer beeinträchtigt würde durch eine freiheitsfeindliche Gesellschaft? Oder müsste ich nicht gerade deshalb meine Freiheit beanspruchen, ja geradezu zur Schau stellen, um der Welt ein Mahnmal zu sein das sie erinnert, dass die Freiheit des Seins doch möglich ist?

Eine grosse Herausforderung ist die Inanspruchnahme der persönlichen Freiheit jedoch für alle Menschen. Wie oft tun wir nicht was wir wollen, weil wir uns Gedanken machen im Stil von “das kann ich doch nicht, was denken dann…..”. Natürlich ist es unabdingbar, dass wir uns die Folgen unserer beanspruchten Freiheit im Klaren sind und prüfen, ob wir damit jemandem schaden. Aber es spottet dem Wort “Individuum”, wenn wir unsere Freiheit einschränken, nur weil wir denken, es könnte irgend jemanden stören oder es würde unser Ansehen beeinträchtigen.

Die Verpflichtung zur eigenen Entscheidung

Ich habe Kant bisher noch nicht gelesen, werde das in den nächsten Wochen nachholen, insofern bewege ich mich jetzt auf dünnem Eis, wenn ich über Kants Gedanken zur Vernunft auslasse. Aber das was in dieser TV-Sendung aufleuchtete, scheint mir interessant genug zu sein um es hier einfliessen zu lassen, mit dem Risiko, dass ich ihn missverstanden habe. Die Sendung erweckte in mir den Eindruck, dass Kant nebst dem Recht auf Freiheit vorallem eines forderte, dass der Mensch seine eigene Vernunft walten lässt. Ich nehme mal allein das auf um mir weitere Gedanken zu machen.

Wenn wir uns für oder gegen etwas entscheiden, tun wir das aufgrund irgendwelcher Überlegungen und Überzeugungen, doch woher stammen die Kriterien, mittels derer wir uns entscheiden? Ein Blick in die Medien und noch mehr in die Kommentarspalten lässt mich immer wieder erstaunen, mit welcher Selbstverständlichkeit vernunftbegabte Menschen Dinge tun oder über Dinge schreiben, in einer Art, die dem Wort “Vernunft” spottet. Und oft frage ich mich, wessen Geistes Kind solche Gedanken und Taten sind und meist bleibe ich ratlos, die Frage unbeantwortet. Viel zu oft, scheint es mir, entscheiden sich Menschen aufgrund einer “Wahrheit”, die sie nicht selber ergründet haben, sie plappern einfach etwas nach was ihnen als Wahrheit verkauft wurde.

Ethische und moralische Grundsätze müssen erarbeitet werden, das muss jeder für sich ein Stück weit tun. Wer anstelledessen nur Grundsätze nachbetet die ihm vorgebetet wurden, der vernachlässigt die eigene Begabung zur Vernunft und macht sich so zum Spielball für Andere. Es erstaunt mich immer wieder bei Abstimmungen, dass eine Plakatschwemme in Millionenhöhe meist reicht um die Volksmeinung zu kippen. Und es schockiert mich immer wieder zu erleben, wie vermeintlich vernunftbegabte Menschen beispielsweise wie vor ein paar Jahren eine Unternehmenssteuerreform gutheissen, die ein paar Milliarden von unserem Geld in die Wirtschaft pumpt – und gleichzeitig eine IV-Revision durchwinkt, die invaliden Menschen, also den Schwächsten dieser Gesellschaft, das Wenige reduzieren das sie haben. Was für eine Vernunft, was für eine Ethik oder was für eine Moral lässt uns so entscheiden? Wer von all denen, die das gutgeheissen hat, hat sich wirklich ernsthaft darüber Gedanken gemacht und hat sich gesagt: “Wir wollen die Wirtschaft stützen, aber das kostet Geld, also nehmen wir das Geld der Invaliden und hoffen, dass wir damit unseren gesamtgesellschaftlichen Lebensstandard verbessern können”? Ich glaube und hoffe, dass nur Wenige so dreist sind, die Meisten haben einfach vergessen, ihre eigene Vernunft anzufragen zu diesem Entscheid, sie liessen sich willig einlullen durch eine Kampagne der sogenannt “bürgerlichen Politiker”. Aber wozu braucht der Mensch denn überhaupt eine Vernunft, wenn er das Denken an Plakatwände delegiert?

Die Verantwortung des Einzelnen

Weder das Recht auf persönliche Freiheit eines Individuums noch die Pflicht zur Inanspruchnahme der eigenen Vernunft kann delegiert werden. Es liegt in unserer eigenen Verantwortung, herauszufinden was wir wollen und brauchen und Wege zu finden uns diese Freiheit zu nehmen. Und es liegt genauso in unserer eigenen Verantwortung, ethische und moralische Werte selber aufzustellen, uns selber Gedanken zu machen und Dinge selber rational zu bewerten.

Wer seine Freiheit oder seine Vernunft delegiert, delegiert sein Leben und gibt damit seine Selbstbestimmung auf. Das wäre an sich eine persönliche Sache, wenn sich jemand zum Sklaven berufen fühlt, soll er das tun dürfen. Problematisch ist es, wenn ein Mehrheitskollektiv so mit ihrem Leben verfährt, denn daraus resultiert eine Nation von Marionetten, die von ein paar Mächtigen gesteuert wird. Und das wiederum ist ein Armutszeugnis für eine Spezies, die nicht nur die Fähigkeit zur Vernunft hätte sondern auch das Recht auf Freiheit – so zelebriert man die Kapitulation vor dem Menschsein.

So und jetzt, Leute, ab in die Badewanne mit Euch ;-)

Sternstunde Philosophie vom 16.10.2011

Diana die digitale Bücherwürmin

Früher war ich eine echt angefressene Bücherwürmin. Ja ich weiss, man sagt nicht “Würmin”, aber ich find’s süss ;-) Ich weiss nicht wieviele hundert Bücher ich in meinem Leben gelesen habe, es sind Unzählige. Romane waren selten dabei, abgesehen von einem gelegentlichen Stephen King für die Ferien. Meist las ich “schlaue Bücher”, die grossen und kleinen Philosophen, relgiöse Meister, spirituelle Themen und so Kram. Zu Lesen war für mich weniger Unterhaltung als mehr Lernvorgang, Bücher eröffnen neue Horizonte, davon konnte ich nie genug kriegen.

Aber in den letzten Jahren habe ich soviel um die Ohren, dass ich dafür einfach keine Zeit mehr finde. Wenn ich zuhause bin, habe ich meist Anderes zu tun wie bloggen und so Kram oder ich bin schlicht zu müde um noch was Schlaues zu machen. Am Ehesten würde ich unterwegs lesen, aber da hab ich meist kein Buch dabei oder wenn, dann das Falsche.

Es ist so eine Unart von mir, dass ich immer etwa ein dutzend Bücher aktiv habe und immer grad das lese was mich grad in diese Minute anspricht, diese Methodik versagt unterwegs völlig, weil ich ja nicht ein dutzend Bücher in meine Handtasche packen kann. Höhö, die Zeiten ändern sich, denn seit dieser Woche kann ich das tatsächlich, rund fünfzig Bücher schleppe ich nun in meiner Handtasche rum, macht total gute 200 Gramm – da staunste, was?

Mein eBook-Reader, der Amazon Kindle

Die Lösung für dieses Problem heisst eBook-Reader oder in meinem Fall ist es der “Amazon Kindle“. Das ist ein kleines flaches Computerding, auf dem man Bücher runterladen und die dann dort lesen kann. Das Teil merkt sich nicht nur wo man grad am Lesen ist und schlägt automatisch dort auf, man kann auch Notizen und Markierungen anbringen. Und das Genialste speziell am AmazonKindle ist, dass man eine Unzahl an Klassikern gratis runterladen kann.

Meine erste mobile Bibliothek

So einen Kindle habe ich nun diese Woche bestellt und ihn gleich mal mit 50 Büchern gefüttert. Einerseits sind es viele Gratis-Klassiker, mit dabei sind Philosophen wie Sokrates, Platon, Epiktet aber auch bekannte Schreiber wie Oscar Wilde, Arthur Schoppenhauer, Martin Luther King oder Mahatma Gandhi. Weiters habe ich Lyriker wie Novalis oder Rainer-Maria Rilke geschenkt gekriegt, Beide kenne ich nur von Hörensagen. Dann habe ich noch ein paar Bücher gekauft, unter Anderem die Fortsetzung meines achsogeliebten “Pfad des Friedvollen Kriegers” von Dan Millman, der letzte Teil heisst nun “Sokrates, der friedvolle Krieger” und erzählt die Geschichte des Mentors im ersten Teil. Ausserdem habe ich noch ein Buch des Comedians Dieter Nuhr und ein witziges Buch der Ulknudel Sonja Krause und selbstverständlich musste da auch noch was von Paulo Coelho mit drauf. Und das Beste, endlich hab ich mal wieder einen Gruselroman “Zwischen Nacht und Dunkel” mit Kurzgeschichten von Stephen King. Ausserdem habe ich noch eine Reihe von religiösen Schriften draufgepackt, unter Anderem fand ich sogar ein Neues Testament deutsch/griechisch, das ich bereits in Buchform habe.

Und diese ganze Bibliothek schlepp ich nun mit mir rum und kann jederzeit lesen was ich Lust hab, sei es unterwegs, während dem Mittagessen, auf dem Klo oder in der Badewanne. Ne Quatsch, in der Badewanne muss ich meinen Gedanken nachgehen, aber es ginge, rein theoretisch ;-)

Eine erste Beurteilung

Da ich bisher noch nicht gross zum Lesen kam, kann ich das Produkt noch nicht abschliessend beurteilen, das hole ich zu gegebener Zeit nach. Was ich fürs Erste sagen kann sind drei Dinge:

  1. Die Möglichkeit, soviele Bücher stets dabei zu haben und jederzeit das Buch auf Tastendruck zu wechseln, ist einfach grandios. Und da der Kindle immer gleich an der zuletzt aufgeschlagenen Stelle aufschlägt, kann man die Bücher wirklich einfach wechseln – ideal für unstete Personen wie mich ;-)
  2. Die Bildqualität ist ebenfalls genial, der AmazonKindle hat ein spezielles Darstellungsverfahren (eInk), das nicht nur kaum Strom braucht sondern auch ein klares Schriftbild hinterlässt. Man braucht dafür zwar aktives Licht, dafür ist es komplett spiegelfrei und kann somit auch an geissender Sonne gebraucht werden.
  3. Das deutschsprachige Sortiment für eBooks ist noch etwas spärlich, man findet nicht alles was man sucht. Aber in Anbetracht von über 5’000 Gratisklassikern und über 40’000 deutschen Büchern ist man fürs Erste gut bedient.
  4. In der Entwicklerabteilung von Amazon arbeiten nur Männer, anders lässt sich nicht erklären, warum die Bedienung des Kindles derart benutzerfeindlich ist. Echt, die Art wie man das Teil bedient, erinnert an die Steinzeit des Computers.
  5. Ebenfalls typisch Jungs: es ist zwar toll, dass der Kindle auch MP3 aufnimmt und man so während dem Lesen Musik hören kann, aber es käme keiner Frau in den Sinn, sowas zu programmieren, ohne dass man Playlisten verwalten kann. Ein MP3-Player der nur stupide alles der Reihe nach vorspielt, ist einfach Quatsch.

Auf jeden Fall habe ich ne Menge Spass daran und bin gespannt, ob die Begeisterung anhält wenn ich es vermehrt benutze – ich halt Euch auf dem Laufenden ;-)

Claudia – eine neue gute Freundin

Nachdem ich kürzlich hier über die Reporter-Sendung über Claudia Meier schrieb, trudelte die Gute hier ein und kommentierte den Beitrag und darauf kontaktierten wir uns, plauderten zuerst via Facebook und dann via Mail und schnell stelle sich raus, dass wir uns super mögen. So kam dann schnell mal der Gedanke, dass wir uns mal treffen sollten.

Diesen Montag hatte ich mit einem ehemaligen Greenpeace-Verbündeten in Zürich abgemacht, den ich rund ein Jahrzehnt nicht mehr gesehen hab. Zufällig war Claudia am gleichen Tag in Zürich und so machten wir ab, dass ich etwas früher komme und wir noch ganz kurz einen Kaffee trinken gehen.

Aber Gottes Wege sind ja bekanntlich unergründlich, gegen Mittag schrieb mit der Greenpeace-Kollege, er würde im Bett liegen und müsse leider absagen. Das war zwar mega schade, weil ich mich riesig auf ihn gefreut hab, aber dafür war der Abend nun offen – also rief ich Claudia an und wir disponierten um, der Abend sollte uns gehören.

Stundenlanges Geplauder

Um Fünf traf ich in einer kleinen spanischen Kneipe im Zürcher Niederdorf ein, Claudia war bereits da und so setzte ich mich zu ihr und wir begannen zu plaudern und zu lachen und zu beratschlagen und hatten einen wirklich genialen Abend. Etwa um Elf waren wir grad draussen um eine zu rauchen, als die Wirte plötzlich die Rollläden runterliessen. Wir protestierten mal kurz, weil wir ja unseren Kram noch drin hatten und erst grad noch eine Runde bestellt hatten, darauf erklärten sie uns, das sei kein Problem, wir sollen einfach reinkommen, sie würden uns einen Aschenbecher an den Tisch bringen – nach Torschluss dürften wir nicht mehr draussen rumlungern. Oha, Privatanlass nur für uns Zwei?

Offferierte Killerdrinks

Also setzten wir uns, Claudia offerierte den zwei Angestellten noch etwas zu Trinken und dann sassen wir noch eine gute Stunde weiter dort, während die Jungs die Kneipe aufräumten. Irgendwann kamen die Zwei zu uns an den Tisch und stellten 4 Jägermeister hin, die wir nach fröhlichem Anstossen gleich mal runterschütteten. Das war keine gute Idee, üüüüüüberhaupt nicht, denn ich hatte den ganzen Abend nur Bier getrunken, weil ich ja weiss, dass ich aufs Durcheinandersaufen heftig reagiere. Aber weil wir so gut drauf waren, kamen die Zwei später nochmal und stellten noch irgendwelche hochprozentigen Gläser hin, auch die mussten weg – na dann Prost!

Kritik am modernen Strassenbau

Etwa um Zwölf verliessen wir dann die Kneipe und Claudia begleitete mich noch zum Bahnhof – soweit ging eigentlich alles recht gut – aber als ich dann am Zielbahnhof angekommen nachhause lief, wunderte ich mich schon a bisserl darüber, dass die Strasse plötzlich soviel Seegang hatte. Die bauen heutzutage einfach nicht mehr so stabil wie früher, ich hatte echt Mühe, geradeauszulaufen ;-) Der darauffolgende Morgen wartete dann auch mit entsprechender Strafe auf mich, ich fühlte mich ziemlich zerknittert, aber der Abend war cool genug, dass es mir das wert war.

Das Lachen als Diagnose-Kriterium

Etwas uns mir extrem aufgefallen: Auch Claudia hat natürlich ihre harten Geschichten die sie aufgrund ihrer Transsexualität durchleben muss, in gewisser Hinsicht durchlebt sie gerade heftigere Dinge als mir das Leben zugemutet hat. Trotzdem gibt es an ihr nichts was mehr auffällt als ihre überbordende Lebensfreude, die sich vorallem in ihrem Lachen zeigt. Da scheint es uns Beiden gleich zu gehen. Egal wie hart und beschwerlich das “neue Leben” ist, das alles spielt keine wesentliche Rolle, weil die Freude an unserem Leben uns so eine allumfassende Lebenslust schenkt, dass wir oft einfach blödsinnig glücklich sind und nicht anders können als in die Welt hinauszulächeln. Ich denke, wenn jemand daran zweifelt, dass der Weg einer “Geschlechtstransition” transsexuelle Menschen zu glücklichen Menschen machen kann, dann sind wir Zwei der Beweis dafür, dass dem wirklich so ist. Über dieses Thema redeten wir auch oft an diesem Abend und wir waren uns einig: egal wie beschwerlich so Manches sein mag, es ändert nichts daran, dass wir von einer Lebensfreude erfüllt sind, die wir in den vorherigen Jahrzehnten nicht mal ansatzweise kannten. Einmal mehr kann ich nur betonen: Transsexualität ist heilbar :-)

Gemeinsam sind wir stark

Abgesehen davon, dass wir einen super tollen Abend hatten und uns wirklich gut verstanden, bemerkten wir auch bald mal, dass wir einander gegenseitig einiges geben können. Da ich die GaOp bereits hinter mir habe und auch sonst die ganze “Geschlechtstransition” vorüber ist, kann ich ihr in vielen Dingen Ratschläge geben.

Sie wiederum ist mir schon am ersten Abend zu einem Vorbild geworden wenns um den Umgang mit Fremden geht, ich hab echt Bauklötze gestaunt. Ich hab ja eher so ne Tendenz, grosse Ansammlungen von mir fremden Menschen zu meiden oder wenigstens ihre Anwesenheit zu ignorieren. Ich stehe nachwievor zu sehr unter dem Eindruck, dass ich abgelehnt werden könnte und deshalb mache ich instinktiv einen Schritt zurück. Claudia tickt da völlig anders, sie ist extrem offen und spontan und geht auf Leute zu mit einem Selbstbewusstsein, das bewundernswert ist.

Wenn wir jeweils draussen am Rauchen waren, standen wir sozusagen mitten in der Gasse der Altstadt, in der es von Menschen wimmelte wie mitten in einem Bienenschwarm. Und da ich *hüstel* mein rotes Stretchkleid anhatte, war auch für genug Signalwirkung gesorgt, dass wir auch gehörig zur Kenntnis genommen wurden. Während der ersten Rauchpause war es mir noch etwas unangenehm, aber schon beim zweiten und spätestens beim dritten Mal hat mich Claudias Offenheit angesteckt und ich fands plötzlich das Normalste der Welt, dass ich da rumstehe inmitten dieses Gewimmels.

Ich glaub, die Gute ist eine super Medizin für mich und ich wiederum scheine auch für sie eine grosse Stütze zu sein. So schnell kann’s gehen und schon hat man wieder eine neue gute Freundin, cool was? Auf jeden Fall werden wir regelmässig Kontakt halten, ihr nächster Zürich-Ausgang ist auf übernächste Woche geplant und vermutlich werden wir das wieder gemeinsam durchstehen *grins*, ausserdem haben wir uns vorgenommen, gelegentlich mal was zu Viert zu machen, zusammen mit unseren Lebenspartnerinnen, vermutlich treffen wir uns während unserer Herbstferien in Claudias Hotel.

Hotel-Empfehlung

Apropos Hotel – soviel Zeit muss sein – wenn Ihr mal das wunderschöne Bernerland bereisen wollt oder ein Wellness-Wochenende machen möchtet, dann empfehle ich Euch Claudias mindestens so schönes “Hotel Schwefelberg-Bad“. Das Hotel selbst kenne ich noch nicht, aber ich kann Claudia schon gut genug einschätzen um mein Wort darauf zu geben, dass Ihr dort bestens umsorgt seid.

Herzliche Gratulation zur Vornamensänderung

Und zuguterletzt freut es mich, hier nochmal herzlich zu gratulieren. Claudia kam ja in letzter Zeit vorallem deshalb in den Medien, weil der Kanton Bern ihr eine Vornamensänderung verweigerte. Vielleicht lag’s am medialen Druck, vielleicht auch an ihrem Anwalt, aber auf jeden Fall hat sie diese Woche nun die Bestätigung bekommen, das “Polizei- und Militärdirektion” hat ihre Beschwerde gegen den Entscheid des “Amtes für Migration und Personenstand” gutgeheissen. Nun zickt einzig noch ihre Krankenkasse rum, aber bei soviel Kämpfergeist kombiniert mit den Medien und dem Anwalt, dürfte wohl auch das nur noch eine Frage der Zeit sein.

In dem Sinn, danke für alles, Claudia, schön dass es Dich gibt……. und bis bald ;-)

Gedanken aus der Badewanne – Teil 1

Hach, das Leben kann ja so schön sein, wenn man es denn zulässt. Wie fast jeden Sonntag lag ich vorhin grad eine Stunde lang in der warmen Badewanne, mit kühlem Bierchen zum Ausgleich und entgegen sonstiger Gewohnheiten diesmal mit dem Notebook als Begleitung, der mir diese youTube Playlist von meinem “Cellolehrer” Adam Hurst vorspielte. Wie fast immer bei so Badespässchen schwelgte ich in Gedanken und Gefühlen rum. Das “schweben” im Wasser versetzt einem irgendwie in einen Zustand, den man seit dem Verlassen der Fruchtblase nicht mehr erlebt hat. Einer der heute rumschwimmenden Gedanken veranlasste mich, nun hier diesen ersten Beitrag einer neuen Blogserie zu beginnen…….. der wöchentliche Badewannen-Bericht ;-)

Man ist nur so frei wie man sich zulässt

Vielleicht gerade weil in meinem Leben seit Abschluss meiner “Selbstentfaltung” nicht mehr viel Spektakuläres und Forderndes mehr auftaucht, habe ich endlich den psychisch-emotionalen Freiraum, um auch mein “neues Leben” zu gestalten. Es gibt so Vieles, das ich tun möchte und es ist sowenig Zeit um das zu tun.

Einerseits reisst es mich enorm mit dem Cello, ich glaub ich hab da wirklich etwas gefunden, mit dem ich meine in dieser Lebensphase vorherrschenden Gefühle umsetzen kann, ich hab damit eine Menge Spass, aber es ist einmal mehr eine grosse Herausforderung, die sehr viel Raum beansprucht. Dann träume ich weiterhin davon, endlich mal ein richtiges Buch zu schreiben, aber da fühle ich mich total gehindert, solange zuviel Kram sonst in meinem Kopf rumspukt, das würde einfach mehr Raum brauchen. Und dann ist noch das Blog das ich so gerne regelmässig füttern möchte und auch bei der Arbeit läuft es grad sowas von gut, dass ich auch da voller Enthusiasmus Energie versprühe.

Irgendwie muss ich Prioritäten setzen. Einer der Orte an dem ich Raum freischaufeln kann, ist meine Bloggerei, die in letzter Zeit ja an Regelmässigkeit abgenommen hat. Ich denke, das ist gut so, es wird Zeit, mich vermehrt Anderem zu widmen. Das brachte mich auf die Idee, eine sonntägliche Serie zu beginnen, weil ich am Sonntag am ehsten meinen Ruhetag hab und auch da – eben grad in der Badewanne – oft genug Gedanken zusammen kommen um sie hier umzusetzen. Natürlich werde ich weiterhin hier schreiben, wenn mich was speziell bewegt, aber das alltägliche Blabla werde ich wohl in nächster Zeit auf diese Beadewannen-Beiträge reduzieren.

Diana im Computerfreak-Fieber

Erst grad habe hier ja das Klagelied der untergehenden Computer-Freak Generation besungen und rumgejammert, dass ich mich wieder mal mit so modernen Superhyperwollmilchsau-Komponenten rumschlagen muss anstatt dass ich tue was ich am besten kann, den ganzen Kram selber zu programmieren. Nun kam es wie es kommen musste und die hoffnungsgeschwängerte Komponente hat kläglich versagt, sie bringt nicht annähernd die Performance die wir mit unseren riesigen Datenmengen brauchen würden.

So kam es, dass ich nun doch den Job gefasst hab, das ganze Teil komplett selber zu programmieren, sozusagen von null auf. Und das macht sowas von Spass, da kann ich mal wieder ein richtiges Feuerwerk in meinen Hirnsynapsen fabrizieren. Gestern arbeitete ich den ganzen Tag mit Cellobegleitung in der Firma und programmierte mir die Seele aus dem Leib. Gerade weil diese Art von Knochenarbeit heutzutage immer seltener wird, war es umso mehr ein Genuss. Wenn es so weitergeht wie bisher, wird das eins meiner Meisterwerke, bisher läuft es jedenfalls schnell wie die Sau :-)

Das Cello, die Kuh

Mein eCello ist grad meine beste Freundin abgesehen von meiner liebsten Juliet. Obwohl das nicht selbstverständlich ist, denn das Cello gebärdet sich wie ein frischgefangenes Wildpferd, das zu zähmen wird eine anstrengende Sache. Vorallem diese Vibrato-Geschichte kann einem wirr im Kopf machen. Wie kann man die Hand schütteln ohne dass der gehaltene Gegenstand sich mitschüttelt? Vorallem spür ich aber auch, dass ich enorm gehemmt bin, der Kopf mischt noch immer viel zu sehr mit und so bin ich viel zu verkrampft. Trotz der Widerspenstigkeit dieses Instruments bin ich aber von Tag zu Tag zuversichtlicher, dass wir zu einander finden, ich spüre, dass es genau das ist was ich gesucht habe.

Mal wieder im Pöb

Boah es fühlt sich an wie eine Ewigkeit, seit ich das letzte Mal in meinem Pub war. Juliet und ich hatten ja zwei Wochen Ferien hier und damals sind wir mal ins Pub gegangen, dann war ich im Spital für die Korrektur-Op und anschliessend war ich wochenlang nicht ausgangsfreudig infolge der Op. Darauf hatte das Pub etwa fünf Wochen Sommerpause und dann wiederum hatte ich eine sehr müde Zeit – jedenfalls konnte ich mir diesen Donnerstag mal wieder einen Tritt in den Hintern geben, ging hin und hatte mal wieder einen super Abend. Glücklicherweise arbeitete zufällig meine Lieblingsbarkeeperin und die brachte mich anschliessend nachhause. Diese Woche geh ich vermutlich wieder hin am Donnerstag und eine Woche später kommt ja Juliet in die Schweiz und dann gehen wir zusammen dahin und hören dort ein Konzert einer irischen Band :-)

Mein Buch, Dein Freund und Helfer

Seit langer Zeit spukt mir durch den Kopf, dass ich so gern ein richtiges Buch schreiben möchte. Dabei habe ich aber die Qual der Wahl und das ist alles andere als einfach. Nebst vielen anderen Themen schweben mir vorallem zwei Dinge durch den Kopf.

Das Eine wäre eine Autobiographie, in der ich meine ganze Lebensgeschichte aufarbeiten möchte. Das Buch wird zwei Zeitebenen haben, aus der heutigen Zeit in der Gegenwart geschrieben mit ständigen Rückblicken in die Vergangenheit. Darauf hätte ich mega Lust und ich stell mir das auch sehr spannend vor.

Auf der anderen Seite möchte ich aber auch eine Art Selbsthilfe-Buch schreiben zu dem Thema, bei dem ich Expertin bin, die Selbstentfaltung oder Selbstzulassung. Ich glaube, dass alle Menschen wesentliche Wesensanteile unterdrücken, weil sie sich einfach nicht ganz zulassen können. Man fragt viel mehr danach, wie man sein sollte als danach, wie man ist. Ich glaube, dass ich da sehr viel “Schlaues” vermitteln könnte, gerade weil mein Leben mich dazu gezwungen hat, da Spezialistin zu werden und in Sachen Ich-sein die Königsdisziplin durchlaufen musste.

Heute im Bad wurde das Gefühl sehr stark, dass ich Zweiteres zuerst machen möchte und dass ich eigentlich jetzt damit anfangen möchte. Sowas lässt sich zwar nicht auf Knopfdruck auslösen, aber ich denke, ich werde mich innerlich mal in diese Richtung bewegen, mal schauen was dabei herauskommt.

Entschuldigung an alle “Liegengelassenen”

An dieser Stelle noch eine kleine Entschuldigung an all diejenigen, die auf was weiss ich von mir warten. Ich hab wie immer noch eimerweise Mails in der Mailbox rumliegen, die teilweise schon seit Monaten auf Abarbeitung warten und vorallem im alten Blogtagebuch hat es bereits eine Reihe von Kommentaren, die ich noch beantworten möchte und werte. Aber wie oben erwähnt, habe ich momentan eine recht egoistische Prioritätensetzung. Aber man darf gewiss sein, dass ich all dem noch nachkommen – versprochen ;-)

Noch mehr unterschätzte Supertalente

Erst grad habe ich ja vorgeschwärmt, was für tolle Supertalente man in so Castingshows findet und wie oft man dort lernen kann, dass man Leute nicht aufgrund von Äusserlichkeiten unterschätzen sollte. Diesbezüglich habe ich ein neues Prachtstück entdeckt. Lukas Mattioli wirkt alles andere als selbstbewusst, in der Schule wird er gemobbt und wegen seiner Musik ausgelacht. Er ging vorallem deshalb in die Castingshow, weil er wissen wollte, ob er nun singen kann oder nicht, ob er mit Recht ausgelacht würde oder………… und eine Halle von 10000 Leuten bestätigten ihm, dass die ihn Mobbenden einfach Deppen sind. Eine traumhafte Stimme und ein Gesang der soviel Gefühlstiefe offenbart, dass mir zumindest die Tränen zuforderst standen…… enjoy……

Der kleinschwänzige Fahrrad-Grabscher

Gewisse Männer sind echt Schweine, manchmal staunt man als Frau einfach Bauklötze. Heute auf dem Heimweg von der Arbeit war ich gedanklich noch völlig in die Arbeit vertieft, weil ich heut den ganzen Tag Hochleistungs-Hirnakrobatik betrieben habe. Plötzlich fühlte ich eine Hand auf dem Hintern und bevor ich richtig realisierte was da grad passiert ist, ist der Fahrradfahrer bereits an mir vorbeigezogen und radelte in einer Seelenruhe weiter als wär nichts geschehen.

Naja, ich kann dem ja insofern was abgewinnen, dass ich es erfreulich finde, dass mein Hintern mal wieder so interessant war, danke für das Kompliment. Trotzdem wurde ich ziemlich gallig. Wenn wir Mädels uns nett anziehen, dann ist es auch erlaubt, uns anzukucken, aber eine fremde Person intim anzufassen ist eine Grenzüberschreitung, die absolut respektlos ist.

Ich habe ja ein gewisses Verständnis, dass kleinschwänzige, impotente oder sonstwie benachteiligte Männer ihre Minderwertigkeitskomplexe kompensieren möchten, aber nicht auf diese Weise. Es ist .eine bodenlose Frechheit, wenn man wildfremde Personen so anfasst.

Dieser Hosenscheisser hatte wirklich Glück, dass ich so in Gedanken vertieft war, an anderen Tagen hätte er riskiert, dass er eine gescheuert bekommen hätte – an guten Tagen – an schlechten Tagen hätte ich ihn möglicherweise vom Fahrrad gefegt. Meine Reflexe sind gut genug und wenn ich aus was auch immer für Gründen bereits gereizt gewesen wäre, hätte er möglicherweise die Überraschung seines Lebens erlebt.

Das Ganze beschäftigt mich vorallem deshalb, weil ich weiss, wie so Kleingeistige ticken. Denen geht es nicht ums Grabschen als Solches, es geht um Grenzüberschreitung und Machtmissbrauch. Aber so billige Aktionen können nie die Befriedigung geben, die so Jammerlappen brauchen würden um ihr Ego aufzubauen. Deshalb können sie kaum anders als die Latte mit der Zeit höher zu stecken. Wer heute mit dem Fahrrad herumfährt und sich dabei aufgeilt, wenn er einer fremden Frau an den Hintern fasst, der wird früher eine Frau sonstwie belästigen und wenn das nicht reicht irgendwann eine vergewaltigen. Dass dieser Knallkopf anschliessend seelenruhig weitergefahren ist, liess keine Zweifel offen, dass er bereits sehr routiniert ist mit seiner Selbstaufwertung der primitiven Art. Wie wird er sich als Nächstes steigern?

So gesehen bedaure ich, dass ich zu sehr überrascht war um zu reagieren, irgendwie habe ich den Eindruck, es wäre pädagogisch wertvoll gewesen, wenn er im hohen Bogen von seinem hohen Ross geflogen wäre. Vielleicht hätte es ihm zu denken gegeben, wenn er erlebt, wie schnell Macht sich in Ohnmacht verwandeln kann.

Mir hat es jedenfalls mal wieder gezeigt, dass Männer teilweise mit unglaublicher Unverfrohrenheit Grenzen überschreiten und Frauen behandeln wie Vieh. Warum sie das tun, ist mir echt ein Rätsel, denn schlussendlich machen sie ja vorallem sich selbst lächerlich – resp. geben ihre ihnen bereits innewohnende Lächerlichkeit preis. Aber für uns Frauen ist es gelinde gesagt unangenehm und es erinnert uns daran, dass wir im Prinzip jederzeit Opfer von Übergriffen werden können.

Natürlich gibt es sowohl bei Männern wie bei Frauen Schweine, aber nur wenige Männer dürften die Erfahrung kennen, am hellichten Tag von einer wildfremden Frau sexuell belästigt worden zu sein…… aber es wird wohl nicht viele Frauen geben, die nicht davon berichten könnte, dass ihnen sowas auch schon passiert ist.

Wie dem auch sei, ich bin mal gespannt ob er mir wieder mal begegnet und es wieder versucht, so routiniert wie er vorging, scheint das ein Hobby von ihm zu sein. Noch mehr bin ich gespannt wie er reagiert, wenn er zum ersten Mal vom Fahrrad fliegt…….. to be continued……….

PS: etwas muss ich jetzt aber doch noch anfügen, fairheitshalber: Als ich vor drei Wochen vom Flughafen kam, kreuzte ein Mann meinen Weg, blieb stehen und sprach mich auf französisch an, etwas von “j’adore…..”, merkt, dass ich nur Bahnhof verstehe und fügt erklärend hinzu: “isch mag Ihren Style” und dackelte davon – als wär nix geschehen. Er baggerte mich nicht an sondern wollte einfach seine Begeisterung kundtun. Das wiederum passiert uns Frauen wohl auch deutlich eher als Männern, als Frau in der Gesellschaft hat man auch Vorteile ;-)

Cello, Blutelfen, Fummel, Musik, Freundinnen und Allerlei

Der Titel spricht Bände, es gibt mal wieder eine Zusammenfassung der letzten Tage, denn in diesen war bei mir genug los, dass ich nicht mehr zum Schreiben kam, abgesehen von dem was sich aufdrängte. Der Rest folgt nun hier…….

Das Mistding das sie Cello nannten

Ne keine Sorge, ich mag mein Cello nachwievor, aber das Biest ist störrischer als ich und das will was heissen. Grundsätzlich habe ich zwar den Vorteil, dass ich das theoretische Prinzip von der Gitarre her kenne und ich habe den Vorteil, dass ich durch meine intuitive Herangehensweise eigentlich fast von alleine vorwärts komme. Aber ein Cello hat ein paar Knacknüsse, die es in sich haben. Zum Einen muss ich die Töne tausendmal präziser treffen wie bei der Gitarre, weil Gitarren so “Stege” haben, egal wo man zwischen zwei so Stegen drückt, der Ton ist immer derselbe. Beim Streichinstrumenten gibt’s das nicht, da muss der Finger auf den Milimeter genau an die richtige Stelle. Noch schlimmer ist es mit dem Vibrato. Bei der Gitarre macht man das indem man die Seiten dehnt, beim Cello muss man sozusagen mit der Hand oder dem Arm schaukeln, damit die Fingerkuppen auf dem Brett schaukeln. Das Problem dabei ist, dass beim Schaukeln gern mal das ganze Instrument aus Sympathie mitschaukelt, worauf der Bogen dann ebenfalls aus Sympathie beginnt im Takt mitzuhüpfen und damit ist der ganze Ton am Arsch. Erschwerend kommt hinzu, dass dieses Billigcello Seiten und Harz von übelster Sorte hat, beides habe ich letztes Wochenende in einer besseren Version bestellt. Der Ton wird nun wirklich etwas besser übertragen, somit kann man nun viel besser hören, wie falsch ich spiele :-) . Nichtsdestotrotz hab ich Spass dran, wir freunden uns weiterhin eifrig an :-)

Leichen im Keller

Mein Ausflug als Blutelfe nach Azeroth ist unfreiwillig beendet worden. Nachdem ich die Gute auf Level-20 hochgespielt habe und mit coolsten Zaubertricks böse böse Monster niedermachen konnte, wagte ich mich in so einen bekloppten Kerker, durch den ich mich hart an der Grenze des Möglichen durchkämpfte, um am Schluss bei so einem Oberzaubererdepp zu laden, der mich innert Sekunden alle gemacht hat. Bei WordOfWarcraft läuft das dann so, dass man “zum Friedhof” fliegt und von dort aus als Geist zurück zu seiner Leiche schweben muss, dort wird man automatisch wiederbelebt. Nur liegt meine Leiche ja nun in diesem verblödeten Keller neben diesen noch verblödeteren Oberzaubererhirni und der fällt natürlich gleich wieder über mich her sobald ich dort wiedererweckt werde. Tja, das war’s dann wohl mit meiner Blutelfe. Und da mein Gratis-Testabo eh diese Woche ausläuft und mich dieses Spiel zwar erfreut aber nicht begeistert hat, war’s das nun mit WoW spielen. Ich werd nun wieder etwas Rift spielen, das Spiel das ich vor WoW gekauft hab und falls mich das nicht noch in Begeisterung stürzt, ist’s wohl wieder mal für ne Weile Schluss mit gamen. Aber das wär an sich gut, denn so unterhaltsam so Spiele sein können, sie sind Zeitfresser und gerade Zeit hab ich eh chronisch zuwenig.

Ponstan am morgen, vertreibt Kummer und Sorgen

Gestern war dann Dentalhygiene angesagt, boah wie ich das liebe. Da meine Zähne halt nicht so das Gelbe vom Ei sind, auch wenn sie bedingt durch Koffein und Nikotin eine ähnliche Farbe haben, sind leider auch die Zahnhälse etwas freizügiger als sie sein sollten und infolgedessen ist die Zahnsteinentfernung immer relativ schmerzhaft. Aber diesmal durchfuhr mich der Blitz der Erkenntnis, ich hatte ja von der GaOp her noch einige Ponstan resp. das Nachfolgeprodukt Mefenacid. Diese 50er Dinger, die einem einfach jeden Schmerz wegpusten. Jauh und das hat überraschend gut geklappt, so schmerzlos war die Dentalhygiene seit langem nicht mehr, höhö. Ok, mir wär ein Tramal lieber gewesen, so hätte ich anschliessend zur Arbeit fliegen können, aber dieses Ponstan hat doch immerhin seine Pflicht erfüllt. Ich nehm eigentlich fast nie so Chemiemüll zu mir, auch wenn ich Schmerzen habe, beisse ich lieber auf die Zähne. Aber das wär beim Zahnarzt eher unpraktisch gewesen, insofern fand ich es eine bestechend schlaue Idee :-)

Oversexed zum verpassten Date

Heute habe ich glaub mal wieder arg Aufsehen erregt bei der Arbeit. Heute Abend hätte ich mit meiner ehemaligen Logopädin abgemacht und weil ich schon länger nicht mehr im Ausgang war, konnte ich es natürlich nicht lassen und musste den neusten Fummel aus dem Schrank zerren – nicht ganz passend für zur Arbeit – aber – ooooch Mensch, man gönnt sich doch wirklich sonst nix :-) Als ich um Neun zu meiner Futterlieferantin runter ging, die uns unser täglich Brot bringt, schallte mir gleich ein “Wow” entgegen und sie tänzelte um mich rum und wollte mich von allen Seiten anschauen. Ich glaub fast, ein klein wenig oversexed war das schon – aber was kann ich dafür, dass so Kleider an mir einfach kürzer sind als in den Katalogfotos, es können nicht alle so Zwerge sein wie diese Models ;-) Na jedenfalls sagte meine Freundin dann ab, weil sie seit Tagen so starke Kopfschmerzen hatte und somit hab ich den Fummel halt doch nur fürs Geschäft angezogen – was solls, hauptsache ich hatte mal ne Gelegenheit :D

Der Mensch, Dein Freund und Leichenfledderer

Weniger erfreulich ist dafür die Geschichte rund um Jamey Rodemeyer, den homosexuellen Teenager der in den Tod gemobbt wurde. Auf Facebook wurde für ihn eine Gedenkseite eingerichtet, in der mittlerweile bereits Achttausend Menschen versammelt sind, auch sonst geht eine immer grösser werdende Welle um die Welt, sogar Musikerinnen wie Lady Gaga haben diesen Fall publik gemacht. Aber was wirklich schmerzt, ist zu erleben, wie auf dieser Facebook-Gedenkseite im Minutentakt Beiträge gelöscht werden müssen, weil eine Unzahl von Schwerstgestörten nicht mal vor Toten Respekt haben und nichts Besseres zu tun haben als dort weiter herumzumobben. Da fehlen mir echt die Worte. Anstatt dass man sich besinnt und darüber nachdenkt, was so primitives Geschwafel anrichtet, gerade in Anbetracht dieses brutalen Todesfalls, kümmert man sich einen Dreck um all das und fährt weiter wie eh und je. Es braucht wirklich viel, bis mich Menschen noch schocken können, ich trau meinen Artgenossen ja so Manches zu. Aber das was dort abläuft, schockiert sogar mich. Tröstend ist nebst dieser überwältigenden Solidaritätswelle, dass drei der hauptverantwortlichen Mobber unterdessen inhaftiert wurden und dass in Amerika laut darüber nachgedacht wird, Mobbing endlich zu einem Straftatbestand zu machen – es wäre höchste Zeit, auch für uns hier.

Ein guter Zeitungsartikel und eine neue Freundin

Beim kürzlich geschriebenen Blogbeitrag über die SF1 Reporter Sendung, habe ich am Schluss ja noch auf einen Zeitungsbericht über dieselbe transsexuelle Frau verwiesen, der endlich mal so geschrieben war, dass sogar ich mich darüber freuen konnte. Er begann mit dem Satz: “Claudia Meier war schon immer eine Frau”. Ich hab mich darüber riesig gefreut, noch deutlicher könnte man das Phänomen “Transsexualität” nicht ausdrücken. Jedenfalls habe ich infolgedessen Claudia im Internet kennen gelernt und es sieht danach aus, als ob mein Freundinnen-Kreis sich eben grad wieder um eine tolle Frau erweitert. Wir verstehen uns jedenfalls fürs Erste super gut :-)

Kim Petras gewinnt zweiten Platz

Und soeben erreicht mich noch eine Meldung, die mich riesig freut. Kim Petras, ebenfalls ein Mädel mit transsexueller Vergangenheit, ist mir auch irgendwie ans Herz gewachsen, obwohl ich sie nicht kenne. Sie war mehrmals in den Medien und auch schon in meinem Blog erwähnt. Sie ist die jüngste transFrau die in Deutschland wegen Transsexualität behandelt wurde und ihr war es so vergönnt, dass man durch die frühe Behandlung die “Zerstörung des Körpers” durch die Pupertät ersparen konnte. Dementsprechend hat sie eine normal weibliche Stimme und hat auch eine musikalische Karriere gestartet. Kürzlich veranstaltete der Promi-Blogger Perez Hilton einen Cover-Wettbewerb, bei dem sie auch mitsang und nun hat sie da den zweiten Platz gemacht – herzliche Gratulation, Kim! Bei der Gelegenheit staunte ich wirklich, wenn die Gute so richtig rausposaunt (auf 1:30), hat sie eine echt tolle Stimme. Sie ist wirklich der lebende Beweis, dass man transsexuellen Menschen so früh wie möglich helfen muss. So ganz unter uns, ich beneide sie total :-)

Ab ins Weekend

Jauh und morgen flattere ich dann am Nachmittag wieder zu Juliet nach Hamburg für ein diesmal leider kurzes Wochenende bis Montag froh, das wär somit das Letzte von mir bis Anfang nächster Woche. Damit verabschiede ich mich mit diesem Video, mit dem Kim Petras den zweiten Platz gewonnen hat. Auf ca 1.00 Minuten beginnt das Lied – enjoy :-)

Dianas Medienschelte mit dem Zweihänder

Nach meinem letzten Blogbeitrag anlässlich der gestrigen Reporter-Sendung auf SF1 über Claudia Meier, stellte Claudia im Kommentarbereich die Frage an mich, weshalb ich so unzimperlich mit Journalisten umgehe. Ich finde ihre Frage berechtigt, denn in der Tat gehe ich mit Journalisten in zunehmendem Masse sehr rabiat um, das ist ansonsten nicht so meine Art. Ich bin eigentlich ein sehr friedfertiges Wesen, aber es gibt Dinge, die mich zum kochen bringen, meist sind es Politiker die mich zur Weissglut treiben oder eben Journalisten. Meine Aversion gegen (vorallem rechtspopulistische) Politiker brauche ich kaum gross zu erklären, also gehe ich mal der Frage nach, warum Medien öfters mal eine Breitseite abkriegen von mir oder wie im Titel gesagt, warum ich schnell mal zum virtuellen Zweihänder greiffe. Das ist mal wieder so ein Blogbeitrag, in dem ich einer Frage nachgehe, deren Antwort mir noch nicht ganz klar ist, ich bin gespannt ob ich während dem Schreiben eine Antwort finde ;-)

Um zu verstehen, weshalb ich so ticke wie ich ticke, scheint es mir nötig, erst mal die Bedeutung von Medien etwas anzuschauen, denn nur mit diesem Hintergrund sind meine nachfolgenden persönlichen Gedanken verständlich.

Die Macht der Worte

Als Erstes muss man sich im Klaren sein, dass Worte mehr sind als die Summe ihrer Buchstaben, darüber habe ich in der leider noch nicht vollendeten Blogserie “Macht der Worte” geschrieben. Jedes Wort beinhaltet ganze Bildwelten, die in jedem Kopf anders aussehen. Journalisten müssen die Gabe haben, die mehrheitliche Bildwelt der von ihnen verwendeten Worte zu erahnen, das ist die Kunst von seriösem Journalismus. Wenn man Worte unbedacht verwendet, richtet man damit riesigen Schaden an, weil sich später niemand mehr an die Worte erinnern wird, aber die Bilder zurück bleiben, beispielsweise wenn das Zerrbild einer transsexuellen Frau als “Mann in Frauenkleidern” präsentiert wird.

Verantwortung der Medien

Um mir zu folgen, muss man sich ins Bewusstsein rufen, dass Medien eben nicht einfach nur unterhalten, sie sind Meinungsmacher. So mancher Leser, der zu etwas noch keine Ahnung hat, bekommt durch Medien den ersten Eindruck und einfach wie so Manche sind, reicht das dann meist auch, um sich ein (Ver)Urteil zu bilden. Wenn Medien etwas falsch darstellen, dann können sie damit einen gesellschaftlichen Tsunami auslösen, wenn sie es richtig darstellen, können sie zumindest eine grosse Flut eindämmen. Dieser Verantwortung müssen sich Medienschaffende bewusst sein, genau deshalb gibt es auch einen Kodex des Presserates, der entsprechende Sorgfalt fordert.

Umgang mit Stigmatisierten

Gerade im Umgang mit Menschen, die eh schon von einer Gesellschaftsmehrheit verkannt oder gar stigmatisiert werden, ist entsprechend grössere Sorgfalt nötig. Wenn man beispielsweise in einer Zeit wie dieser, in der eine galoppierende Islamophobie herrscht, Menschen mit muslimischem Glauben als “Islamisten” betitelt, dann giesst man Öl in ein brennendes Feuer und das ist vorallem deshalb fatal, weil die meisten Moslems mit Islamisten gar nichts am Hut haben. Selbstverständlich darf man auch über Islamisten schreiben, aber man sollte sich davor hüten, die Menschen hinter diesen Kategorien in einen Topf falschen zu werfen.

Umgang mit dem Thema Transsexualismus

Und – um wieder bei “unserem” Thema einzuhaken – wenn viele Menschen den Unterschied zwischen einem sexuellen Fetisch wie Transvestitismus und einer körperlichen embryonalen Fehlentwicklung (oder Normvariante) wie Transsexualismus nicht kennen, giesst man genauso Öl ins Feuer der Transphobie, wenn man eine transsexuelle Frau “Transe” nennt. Das grösste Problem das im speziellen transsexuelle Frauen in der Gesellschaft haben, ist die Fehlinterpretation dieses Phänomens, das Leute glauben macht, eine transsexuelle Frau sei ein gestörter Mann, der sich aus unverständlichen Gründen als Frau ausgeben will. Aber das ist nunmal ein völlig falsches Verständnis.

Geschlecht ist Teil der Kernidentität

Sag mal einem Mann, er sei ein Mädchen, wie begeistert wird er reagieren? Und das obwohl es für einen genetisch korrekt geborenen Mann ja klar ist, dass er ein Mann ist. Bei uns transsexuellen Frauen ist aber dieses kollektive Verständnis nicht vorhanden, wenn mir jemand sagt, ich sei ein Mann, trifft mich das einiges mehr, weil ich weiss, dass die Meisten das so sehen. Deshalb ist es in meinen Augen enorm wichtig, dass Medien vorangehen und uns nicht dem falschen Geschlecht zuordnen, denn damit rauben sie uns unser Geschlecht und damit einen wesentlichen Teil unserer Kernidentität.

Die persönliche Enttäuschung – wer, wenn nicht die Medien?

Meine stellenweise Bissigkeit gegenüber Journalisten resp. mehr gegenüber ihren Ergüssen, hat wie mir scheint zwei persönliche Komponenten. Zum Einen erlebe ich seit bald drei Jahren wöchentlich, wie wir durch Medien in den Dreck gezogen werden. Es scheint, dass es kaum Lustigeres gibt als ein Mann in Frauenkleidern und daraus machen Medien einen RunningGag. In den letzten Jahren spriessen sie nur so raus, die Artikel und TV-Sendungen über transMernschen, aber da geht es nur selten um Aufklärung, es geht einzig um das Ausschlachten eines reisserischen Themas – und das generell auf dem Buckel der Betroffenen. Aber der Fluch ist, dass Medien unsere einzige Chance zu sein scheinen, weil sie die Schnittstelle zwischen der Wissenschaft und dem einfachen Menschen auf der Strasse sind, weil nur sie das Bild korrigieren können, dass die Psychiatriekirche ein Jahrhundert lang geschaffen hat und bis heute grösstenteils in ihrem Irrtum verharrt.

Wenn Wissenschaft in die Wand fährt

Es ist einfach zum verrückt werden, je mehr ich mich mit dieser Thematik beschäftige, umso ärgerlicher wird es. Ich kann auf dutzende von wissenschaftlichen Studien der letzten zwanzig Jahre verweisen, die sich gegenseitig bestätigen und ergänzen, die klar zeigen, dass Transsexualität biologische Ursachen hat, dass die geschlechtsbestimmende Hirnregion bei einer transsexuellen Frau eine weibliche Anatomie hat. Aus diesen Studien geht eindeutig hervor, dass Transsexualität keine Frage des Wunsches sondern eine tief im Hirn verankerte Gewissheit ist, dass transsexuelle Frauen also auch biologisch gesehen Frauen sind, zumindest partiell – zufällig im zentralsten Teil unseres Körpers. Aber all diese mir vorliegenden Fakten nützen mir einen Scheiss, weil die meisten Gläubigen der Psychologie weiterhin an der Psychopathologisierung von transMenschen festhalten und weil auf der anderen Seite die Medien sich viel mehr Erfolg erhoffen, wenn sie reisserische Geschichten publizieren als harte Fakten. Und dabei fühle ich mich von Monat zu Monat hilfloser, wir haben alle Argumente, aber wir dringen nicht durch.

Dumm sein ist ok, aber dumm bleiben?

Unwissend zu sein ist nichts Böses, davon sind wir alle hie und da betroffen, auch dumm sind wir ab und zu, auch das dürfen wir. Aber wir verlieren jeden Anspruch auf Respekt, wenn wir wider besseren Wissens dumm bleiben, da hätten wir genauso gut auf den Bäumen bleiben können und uns weiter mit Bananen bewerfen. Ich habe in diesen knapp drei Jahren zig Mal Medien angeschrieben, sei es durch Kommentare, durch “Korrekturformulare” oder via Mail. Bis zum heutigen Tag hat es nicht ein einziges Mal jemand für nötig gehalten, darauf zu reagieren. Einzig in zwei Fällen bewirkte ich damit eine nachträgliche Änderung im Text. Organisationen wie beispielsweise ATME (Aktion Transsexualität und Menschenrecht) tun dasselbe seit Jahren, ATME hat es .sogar geschafft, dass der deutsche Presserat das Magazin “Focus” wegen der despektierlichen Berichterstattung über transsexuelle Menschen eine Rüge erteilt hat. Trotzdem lese ich immer wieder denselben Quatsch und je öfters mir das passiert, umso mehr fühle ich mich als würde ich Autisten meine Gefühle erklären wollen.

Wenn Resignation zu Wut wird
Und dann sitze ich halt mal wieder am PC, finde im Web einen neuen Artikel und lese schon wieder:

  1. Er wollte schon immer eine Frau sein
  2. Er fühlt sich wie eine Frau
  3. Er macht eine Geschlechtsumwandlung
  4. Transsexualität ist eine Persönlichkeitsstörung
  5. Neues von der Dschungel-Transe

    Und ich denke mir dabei:

    1. Nicht ER WILL, SIE IST
    2. Nicht ER FÜHLT, SIE WEISS
    3. Nein, SIE gleicht ihre Äusserlichkeit nur dem EIGENEN Geschlecht an
    4. Nein, es ist eine organische “Fehlentwicklung” oder “Normvariante”
    5. Das Wort “Transe” ist ein Schimpfwort wie Schwuchtel, Nigger oder Krüppel

      Und je mehr ich von diesem Gift schlucke, umso mehr schlucke ich schon beim Anblick des ersten Wortes das mit diesem Thema zu tun hat – und immer weniger braucht es, dass ich einen inneren Tobsuchtsanfall krieg, weil ich es einfach langsam leid bin, ständig zu korrigieren, nur um das nächste Mal wieder falsch dargestellt zu werden. Dann flipp ich innerlich aus, wenn ich mit meinen rationalen und stets anständig vorgebrachten Kontaktaufnahmen mit den Medien ständig nur ignoriert werde, fühl ich mich mit der Zeit als würd ich mit einem Gipsklotz quatschen.

      Aber hier geht es eben um mehr als ums Quatschen, hier geht es so nebenbei um mein ganz persönliches Leben, um die Frage, ob ich wirklich bis zum Ende meiner Zeit verkannt bleiben werde, ob man uns weiter belächelt, ob weiter transMenschen sterben, weil sie diese ganze Scheisse nicht mehr aushalten oder weil jemandem mal wieder der minimalste Respekt fehlt. Und dann, man möge mir das verzeihen, werde ich deutlich, sehr deutlich – und vielleicht auch mal zu laut. Aber ich habe oft genug anständig und rational auf Journalisten eingewirkt, irgendwann endet auch meine Geduld im Umgang mit Kommunikationsresistenten.

      Aber vielleicht geht’s ja doch aufwärts?

      Aber ungeachtet meiner unterdessen angehäuften Ungeduld, versuche ich stets fair zu bleiben und sehe auch das Gute, wenn es denn ausnahmsweise mal erscheint. So habe ich zu dieser besagten Reporter-Sendung betont, dass ich die Sendung inhaltlich gut fand, dass sie besser war als das Meiste was ich bisher gesehen habe. Aber ich knurre trotzdem laut und deutlich, wenn so eine Sendung dann eben beispielsweise so einen verblödeten Ankündigungstext hat oder mit dem ersten Satz der Reportage die Gesamtaussage erstmal auf den Kopf gestellt wird und Zuschauer dadurch das Ganze von einem völlig falschen Blickwinkel aus beginnen.

      Es geht eben doch: sie war schon immer eine Frau

      Mag sein, dass es Zufall ist, mag auch sein, dass der Schreiber dieses Artikels einfach die Ausnahme von der Regel ist, vielleicht ist es aber auch deshalb, weil Leute wie ich oft genug meckerten. Jedenfalls ist heute in diversen Tageszeitungen ein Artikel über Claudia erschienen, der mich den Rest des Tages verzückt lächeln liess. Denn der Artikel fängt mit dem Satz an: “Claudia Meier war schon immer eine Frau“. Paff, das nenn ich mal ne Ansage :-) Und darüber kann ich mich dann genauso euphorisch erfreuen, wie ich mich über “Transe Peter” aufregen kann. Dieser Artikel ist jedenfalls etwas vom Korrektesten was mir je begegnet ist. Klar könnte man bemängeln, dass wieder nichts über biologische Ursachen von Transsexualität stand, aber ich kann auch nicht erwarten, dass mit einem Schlag die grosse Aufklärung stattfindet.

      Worum es mir viel mehr geht ist darum, dass der Text respektvoll gehalten war, dass niemandem das eigene Geschlecht aberkannt wurde und eigentlich nichts stand, was der Realität über transsexuelle Menschen radikal widersprechen würde. Und genauso wie ich sonst Redaktionen anmeckere, wenn sie wiedermal Quatsch schreiben, genauso habe ich meine Freude als Kommentar dort abgeladen und wenn ich die Mailadresse des Schreibers hätte rausfinden können, hätte ich ihm sogar geschrieben (hole ich raschmöglichst nach).

      Versuch einer Antwort

      Warum ich mit so deutlichen und oft auch harten Worten um mich haue, dürfte also zusammengefasst damit begründet sein, dass ich es einfach leid bin, immer und immer wieder von Journalisten verarscht zu werden, auch wenn ich mehrfach auf ihr Fehlverhalten hingewiesen habe. Eine ganz andere Frage ist die, ob so harte Bandagen wirklich nützlich sind. Ehrlich gesagt, ich zweifle daran. Ich bin zwar überzeugt, dass man sehr deutlich kritisieren muss, es geht ja um nicht weniger als um das Überleben von Betroffenen, da wäre es nicht angebracht, klein beizugeben oder sich mit faulen Kompromissen abzuspeisen. Denn schlussendlich nützt es mir nicht viel, wenn man mich als “gestörter Mann im Rock” akzeptiert, auf diese Akzeptanz kann ich verzichten. Aber bellenden Hunden hört man selten zu, man weicht vielleicht, achtet aber nicht gross auf ihre Bedürfnisse. In dem Sinn wäre es wohl nützlicher, wenn wir transAktivistinnen versuchen so freundlich wie möglich zu bleiben, bestimmt aber freundlich. Nur hier menschelts halt, auch bei mir – Gefühle folgen nunmal nicht immer ökonomischen Gesetzen. Aber versuchen sollten wir’s trotzdem soweit es unsere Nerven zulassen.

      Weiter – hartnäckig, bestimmt, aber mehr rational als emotional

      Gerade dieser heutige Zeitungsartikel bestärkt mich darin, dass wir weiter machen müssen. Nur wenn wir hartnäckig den Schimpfefinger hochhalten, jedes Mal wenn wieder ein Journalist geistigen Gesellschaftsmüll über uns auskippt, werden Medien immer mehr informiert und dann vielleicht auch sensibilisiert. Aber wir müssen uns davor hüten, aus Journalisten oder auch aus Psychologen Feinde zu machen, denn das sind sie bestimmt nicht. Es ist nicht ihr erklärtes Ziel uns kaputt zu machen. Versuchen wir also weiter, ihnen anständig aber bestimmt auf die Finger zu klopfen, die mediale Entwicklung der letzten Monate lässt Hoffnung zu.

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