Politically incorrect since 1966

Sommerferien, Hardrock und Gitarren-Kram

Ja klar, uns gibt’s noch und uns geht’s prächtig, deshalb liest man auch nix mehr von uns ;-) Ich staunte grad selber Bauklötze, als ich mal nachschaute, wie alt mein letzter Blogbeitrag ist – über ein halbes Jahr ist es her *staun*. Aber so ist das halt, wenn man ein nahezu normales und vorallem erfülltes Leben führt, eine so schnucklige Lebenspartnerin hat und dann auch noch mit Gitarren spielen begonnen hat, da bleibt keine Zeit mehr für blogistisches Geschnacke. Aber mal wieder eine kurze Zusammenfassung wär ja schon fällig, also hier ist sie…..

Gitarren hier und dort und überall

Die letzten Blogbeiträge liessen es ja schon erahnen, uns hat das Gitarrenfieber voll gepackt und wir verbrachten die letzten Monate viel Zeit auf der Suche nach dem richtigen Gitarren-Ton und lernten da so rum. So ähnlich wie ich mich die ersten Jahre meines “neuen Lebens” mit dem Bestellen von Kleidern vergnügte, so läuft es in letzter Zeit mit Gitarren-Zubehör und Lernmaterialien.

Juliet und ich haben beide sehr klare Vorstellungen, wie unsere Gitarre klingen soll – mal abgesehen von der noch nicht ausgereiften Spieltechnik ist der Klang der Gitarre für uns essentiell und das wiederum hat viel damit zu tun, was für ein Instrument man hat und was für einen Verstärker resp. Effektgeräte man verwendet, bis hin zu vielen Detailaspekten wie die Frage nach den richtigen Saiten oder den richtigen Plektren. Aber wir sind langsam am Ziel, beide sind zwar noch nicht 100% bei unserem Traum-Ton angelangt, aber immerhin so nah dran, dass wir damit zufrieden sind. Für Gitarren-Kenner sei das hier mal kurz erwähnt….

kemper-1Wir haben jetzt hunderte von Gitarren-Verstärkern

Nach verschiedenen Versuchen mit Verstärker-Kram sind wir bei einem Kemper Profiling Amplifier angelangt. Das ist ein sagenhaftes Gerät, das alle nur denkbaren und teilweise längst nicht mehr käuflichen Verstärker simulieren kann. Und mit Simulation meine ich nicht die übliche elektronische Nachbildung, die nach Keksdose klingt. Der Kemper hat ein völlig anderes Funktionsprinzip. Man hängt einen richtigen Verstärker an, der Kemper pustet die ganze Bandbreite an Tönen durch den Verstärker und misst dann das Resultat. Die Ergebnisse merkt er sich sozusagen und kann dann jeden von der Gitarre gespielten Ton 1:1 übersetzen. Ich hätte nie gedacht, dass das so perfekt funktioniert aber es tut’s und wir sind nun im 7. Himmel. Das Teil kann wenn es sein muss bombastische 600 Watt füttern, kann aber genauso einfach via Kopfhörer gehört werden und das Coole daran ist, der Klang ist auf Kopfhörer genauso gut wie wenn man laut spielen würde. Das Ding sieht zwar aus wie ein futuristischer Toaster, also bei Weitem nicht so schick wie unser 50 Watt Marshall Verstärker, aber fürs Spielen zuhause ist er einfach genial. Wir beide stehen total auf die alten Rock-Verstärker der 80er Jahre und das Schöne am Kemper ist, dass auch dieser Profile in einer Unzahl vorhanden sind und ständig neue Profile auftauchen.

Dianas Gitarren-Kram

Ich für meinen Teil bin meiner Malmsteen Stratocaster treu geblieben, hab zwar mittlerweile noch eine Zweite gekauft, weil mir der Klang der alten Tonabnehmer einfach schaurig gefällt. Die Zweite steht nun bei mir in der Firma, damit ich in der Mittagspause üben kann. Zuhause spiele ich eben über diesen Kemper und nutze momentan dort das Profil eines JTM-45, das ist sozusagen die Urmutter der grossen Marshall Verstärker, auf diesen Teilen haben all die Grossen damals in den 80ern gespielt und der Klang ist einfach genial. Zwischen Gitarre und Verstärker liegt noch ein MXR Distortion III Pedal, das den Ton perfektioniert.

Lerntechnisch habe ich mich in einen Workshop eingekauft, der als Thema “Neoclassical” hat, also klassische Strukturen auf neue (Rock)-Musik umgebogen. So ganz Malmsteen halt :-) Das Ganze ist zwar noch weit über meinem Fähigkeits-Level, aber ich liebe diese Art von Musik halt einfach und es ist die perfekteste Schulung die man sich vorstellen kann.

Da wir nebst all dem aber vorallem Zweisamkeit leben möchten, ist die Zeit immer etwas rar und deshalb habe ich mich jetzt so eingerichtet, dass ich morgens vor der Arbeit 30-60 Minuten zuhause spiele, dann in der Mittagspause nochmal etwa 30 Minuten und am Abend dann nur noch so es bitzeli zwischendurch. Juliet wiederum findet am Nachmittag etwas Zeit und so haben wir den Abend frei fürs gemütliche Sofa-kuscheln.

gp-lp-st-13-1Juliets Gitarren-Kram

Mit Juliet war’s echli kompliziert, bis wir ihren Ton hatten. Die Gute hat ja sowas von enge Vorstellungen, wie ihre Gitarre klingen soll und zwar genau so wie unsere Lieblings-Rockband “Thunder”. Und da war uns ihre Ibanez Gitarre, so cool diese auch ist, irgendwie keine grosse Hilfe. Die Suche dauerte lang und sie war holprig, aber schlussendlich fanden wir dann doch die richtige Gitarre, eine Gibson Les Paul Studio 2013 in schickem weiss. Zusammen mit dem Kemper ist nun auch sie zufrieden und das will was heissen ;-)

Ein ganzer Tag voll mit dröhnendem Hardrock

Und dann war ja noch der Sonntag, an dem wir uns acht Stunden lang mit Hardrock volldröhnen konnten. Gerade mal eine Station mit dem Bummler-Zug entfernt von uns fand das “Rock the Ring” Open-Air statt, das nebst verschiedenster Musik am Sonntag beglückenderweise einen Rock-Tag einlegte. Krokus, China, ZZ-Top und ein paar Andere spielten vom Mittag bis Abend Rock resp. Hardrock, halt so ganz unsere Musik. Vorallem Krokus, das Urgestein der Schweizer Hardrock-Szene war ein Genuss für sich und auch der Grund, weshalb wir überhaupt dahin gingen. Und es hat sich gelohnt, aber sowas von! Ich bin ja mittlerweile ein schaurig altes Weib mit 47 Jahren und obwohl ich in jüngeren Jahren regelmässig an Rockkonzerte ging, muss ich gestehen, dass ich die letzten Jahre kaum noch in diesen Genuss kam – zu alt, zu faul, was weiss ich. Wenn eine Band nicht grad bei uns im Dorf spielt, scheint es mir zu mühsam, dahin zu tingeln und bei uns im Dorf läuft halt nunmal selten bis gar nie Hardrock – mit Ausnahme des “Hard Wretches” Konzert in unserem Stamm-Pub, über das ich glaubs hier schonmal geschrieben hab. Und vorallem ist es gefühlte tausend Jahre her, dass ich das letzte Mal an einem Open-Air war. Und mir wurde deutlich bewusst, wieviel mir da eigentlich fehlte. Die Stimmung ist an so einem Anlass einfach Wahnsinn. Den ganzen Tag an der Sonne herumlümmeln, feine Fackelspiesse mampfen, kühles Bier trinken und die ganze Zeit mit ohrenbetäubendem Rock-Sound zugebrettert zu werden ist einfach etwas Unbeschreibliches. Für uns ist klar, falls dieses Festival nächstes Jahr wieder einen Rock-Sonntag einlegt, werden wir da sein, ich schwör ;-) Wer etwas von der Stimmung miterleben möchte, hier ein kurzes Video…….

Hörbücher – was für ein Genuss

Ich glaub es war im vorletzten Blogbeitrag, als ich davon erzählte, dass ich angefangen habe, mir Bücher vorzulesen. Ne, nicht weil ich zu alt bin um noch klar sehen zu können sondern einfach weil es praktisch ist. Egal ob ich in der Mittagspause in meinen Teller gucke oder nachhause stöckle, ich kann mir dabei vorlesen lassen und das macht unheimlich Spass, vorallem wenn man so gruseliges Zeug von Stephen King liest. Nach “Carrie”, “Puls” und “Briefe aus Jerusalem” von Stephen King, “Das Böse in uns” von Cody McFadyen und einigen kürzeren Hörspielen, ist jetzt die Kurzgeschichten-Sammlung “Im Kabinett des Todes” von Stephen King dran und die Liste der noch zu lesenden resp. vorzulesenden Büchern wächst schneller als ich zuhören kann. Ich kann diese Art zu lesen wirklich wärmstens empfehlen, nicht nur für Faultiere sondern auch für Leute, die einfach gern abschalten beim Lesen. Ich habe den Eindruck, dass ich mich viel besser auf den Inhalt konzentrieren kann, wenn mein Hirn nicht mit Lesen beschäftigt ist, es ist irgendwie wie TV-kucken mit geschlossenen Augen, der Film läuft dann im Kopf. Und Hörspiele sind natürlich eh der Kracher, mit Hintergrundmusik und Geräuschen und all dem, aber die sind meistens recht kurz und es gibt auch nicht allzuviel, vorallem im Gruselbereich.

Endlich Sommmerferien – und tschüss

So und zuguterletzt das Wichtigste, unsere Sommerferien haben soeben begonnen – wohl einer der Hauptgründe, dass ich mir endlich mal wieder die Zeit genommen habe, hier was zu kritzeln. Zwei Wochen haben wir jetzt Zeit zur Erholung. Mitte Woche fliegen wir nach Köln um einen Freund zu besuchen, am Freitag geht’s dann weiter nach Hambuisch zu Juliets Mama und Lars (die ich wahnsinnig vermisse) und Anfang übernächste Woche geht’s wieder heim und wir erholen uns ein paar Tage auf dem Sofa oder machen kleinere Ausflüge, mal kuckn wo’s uns hintreibt.

Joh, das wär’s dann mal wieder gewesen, ich hoffe, dass es nicht wieder ein halbes Jahr geht, bis ich zum schreiben komme, aber versprechen kann ich nix, wir haben ja jetzt Fenders und Gibsons und Kempers und überhaupt ist das Leben einfach zu schön um es mit Rumtippen zu vergeuden ;-)

Achja falls GitarristInnen hier mitlesen: Rechts im Menü dieses Blogs ganz oben hat’s einen neuen Menüpunkt namens “Gitarren“, da findet Ihr ein paar genauere Infos über unseren Gitarren-Kram – das wird gelegentlich noch verfeinert und bebildert.

Diana im Gitarren-Himmel

Wie hier im letzten Blogbeitrag versprochen, hier noch die neusten Neuigkeiten aus unserer Gitarren-Welt…….

Diana im Gitarren-Rausch

Es kam natürlich wie es kommen musste – wie immer, wenn ich etwas tue, dann mach ich das in der Regel voller Enthusiasmus und wenn ich es auch noch gern mache, dann kann das auch ins Exzessive ausufern – und so kam es eben auch mit der Gitarren-Spielerei.
Meine neue Gitarre hat mich richtiggehend süchtig gemacht und so wird mein tägliches Denken und Handeln in vielerlei Hinsicht stark vermusifiziert. Und das ist gut so, denn das Musizieren hat mir die letzten paar Jahre arg gefehlt und es wurde höchste Zeit, dass ich wieder einen Draht zur Muse finde.

Juliets neue Klampfe

iban320pgsklMittlerweile sind unsere Ausrüstungen komplett, Juliet hat sich eine neue Gitarre gekrallt (eine Ibanez RG 320 PG), weil ihre Gichtfingerchen mit dem Gitarrenhals der Squier-Strat nicht klar kamen. Das kam irgendwie lustig zustande, wir waren vor einigen Wochen an einem Flohmarkt/Ausverkauf unseres lokalen Gitarren-Dealers und als wir uns dort schlau machten betreffend Juliets Pfötchen-Problem, wurde uns gesagt, dass wir nicht die einzigen sind, die mit dem relativ dicken Hals einer Stratocaster Probleme haben – wir sollten für Juliet was suchen das flacher ist – und genau sowas stand da so sinnlos rum, eben diese Ibanez, mit einem ultraflachen sogenannten Wizard-Hals – und siehe da, die lag viel besser in Juliets Hand und dann hat das Teil auch noch einen monströsen Killer-Sound der für Hardrock einfach perfekt ist – und das Teil war 50% runtergeschrieben – naja, kann man da noch nein sagen? Sagten wir natürlich nicht und deshalb dackelten wir dann halt mit einer neuen Gitarre unter dem Arm nachhause. Das ist irgendwie wie beim Schuhe kaufen, egal was man sucht, selbst wenn man gar nix sucht, man findet garantiert etwas Anderes und wird damit noch glücklicher :-)

Gitarren-Effektgeräte

dodyjm308bIch meinerseits habe mir noch das ultimative Gitarren-Effektgerät zugelegt, einen Booster namens DoD YJM308, ebenfalls wieder eine Spezialanfertigung für meinen Gitarren-Gott Malmsteen und damit habe ich definitiv den perfekten Sound. Das Teil ist unterdessen eine Rarität, weil es nicht mehr hergestellt wurde, aber ich konnte über eBay aus dem Amiland eins ergattern.

Doch dann kam vorerst Ernüchterung, es gab kein Netzteil dazu, also besorgte ich mir eins das ich für passend hielt, das natürlich nicht funktionierte und so kam die Befürchtung auf, dass ich jetzt zwar endlich mein ersehntes Effektgerät hab, dieses aber nie hören werde *grmpf*.

Um allfälliger Totalfrustration vorzubeugen, bestellte ich mir dann halt meinen zweiten Favorit, ein “MXR Distortion III“, das ebenfalls einen traumhaften Klang hat. Mit derselben Bestellung wagte ich nochmal einen Versuch mit einem weiteren Netzteil für mein DoD und siehe da, das funktionierte tatsächlich und so habe ich halt jetzt zwei so Dinger. Aber lieber zwei als keins, also bin ich nun im Frieden mit dieser Welt :-)

Das Wunder der Plektrumse

vpickpsychoUnd als ob das alles noch nicht genug wäre, fand ich eher zufälligerweise einen Plektrum-Hersteller, der alles in den Schatten stellt, was es je gab in der Welt der Plektrumse :-) Was zum Kuckuck ist ein Plektrum, wird sich der geneigte Leser nun fragen. Nun, wenn man elektrische Gitarre spielt, macht man das in der Regel mit einem kleinen Plastik-Plättchen, das nennt sich Plekrum oder auf englisch Pick. Plektrumse ist übrigens natürlich die falsche Mehrzahl, das heisst korrekterweise Plektren, aber das ist ein Running-Gag bei uns zuhause, seit wir uns bei einer TV-Werbung kaputtgelacht haben über einen Jungen, der Lexikon in die Mehrzahl setzte mit dem Wort “Lexikonse” :-) Ähm, wo waren wir? Ahja die Plektrumse. Also, normalerweise kostet so ein Plektrum 1-2 Dollar, ist ja nur ein Stück Plastik, denkt man, wenn man’s nicht besser weiss. Und ich weiss es nun besser und hab nun ein paar aus dem Amiland bestellt, die bis zu 15 Dollar pro Stück kosten. Wer nun denkt, das sei viel, der denkt eben falsch, denn erstens kann man so Plektrumse monatelang spielen und im Vergleich zum restlichen Equipment sind die geradezu Peanuts – wichtiger ist aber, dass man mit diesen “V-Picks” viel sauberer und schneller spielen kann, weil sie einiges dicker sind. Die gleiten über die Saiten als wären sie in Öl gebadet, schon nach wenigen Tönen war ich mir gewiss: Ich werde nie, niemals nie nicht wieder andere Plektrumse benützen als die. Nach längerem Herumexperimentieren mit ein paar dieser Plektrumse, habe ich meinen vorläufigen Favorit gefunden – und es wundert mich irgendwie nicht so wirklich, dass es ausgerechnet das Modell “Psycho” ist :-)

Wenn der Computer mit-musiziert

audacity2Während meines Sturmfrei-Weekends (siehe letzten Blogbeitrag) nutzte ich die Zeit unter Anderem dafür, herumzuexperimentieren, wie ich den Gitarrensound auf den PC übertragen kann. Das klappte besser als erwartet, ich kann vom Kopfhörer-Ausgang des Verstärkers direkt in den Mikrophon-Eingang des PCs gehen und von dort aus wiederum das Endresultat am TV anhören – und ich kann mich selbst auf dem PC aufnehmen und später in Ruhe hören, was ich da für einen Käse zusammengedudelt hab. Soweit ist das wenig spektakulär, aber man kann ja immer noch einen draufsetzen und das funktioniert etwa so: Zu einem meiner Effektgeräte habe ich ein Mix-Programm namens “Audacity” bekommen. So ein Mix-Programm dient dazu, Musik auf mehreren Spuren aufzunehmen. Ich kann also etwas spielen und aufnehmen, dann das Gespielte abspielen und dazu eine weitere Stimme dazu aufnehmen.

Ich und “meine Band”

Oder was für mich viel interessanter ist: Es gibt im Internet und im Speziellen auf youTube eine Unzahl an sogenannten BackingTracks, das ist Musik, bei der die Hauptstimme fehlt. Bei Gitarren-BackingTracks fehlt also die Lead-Gitarre. Solche BackingTracks habe ich heruntergeladen, in dieses Mix-Programm eingespiesen und kann nun zu diesen Songs dazuspielen und mich dabei aufnehmen, als Resultat erhalte ich dann eine Musikdatei, auf der ich zusammen mit dem Rest erklinge, als hätte ich mit einer Band zusammen gespielt. Ok das nur im weitesten Sinn, denn bisher bin ich immer noch in einer Phase, in der ich zwar klinge, aber nicht im Geringsten so wie ich müsste, ergo klingt dann der Mix so als würde eine Band spielen und die Lead-Gitarristin würde sturzbetrunken auf der Gitarre herumtanzen oder so. Aber auch das ist egal, denn vorerst geht’s mir darum, gute Übungsmöglichkeiten zu haben und vorallem durch nachträgliches Hören herauszufinden, wo es bei mir am ehsten happert. ABER – wenn ich so weitermache wie bisher, könnte es gut sein, dass ich Euch schon in wenigen Monaten erste Songs vorspielen kann, drückt mir die Daumen, ich drück währenddessen die Saiten ;-)

Und ein Zauberer als Gitarren-Lehrer

Wie bereits in einem früheren Blogbeitrag erwähnt, mache ich diesmal nicht mehr denselben Fehler und tüdle da einfach auf der Gitarre rum ohne zu wissen, was ich da eigentlich tue. Anstelledessen versuche ich hartnäckig ein Fundament aufzubauen, das mich in die Lage versetzt, auch zu wissen, was ich da spiele, denn ohne diesem Wissen tüdelt man halt wirklich nur einfach vor sich hin und wirklich coole Gitarrenspielerei ist erst möglich, wenn man das Griffbrett im wahrsten Sinn des Wortes im Griff hat. Auf der Suche nach guten Lernmöglichkeiten fand ich auf youTube den genialsten Gitarrenlehrer der Welt – zumindest für mich – denn erstens bietet dieser unglaublich logische Lernsegmente, die überschaubar sind und einem schnell vorwärts bringen – und zweitens macht er das mit mega guten Videos – und drittens und fast am wichtigstensenst oder so: er hat ein hammermässiges Talent, einem zu motivieren und einem Mut zu geben, dass man selbst das Unmögliche schaffen kann, wenn man denn nur hartnäckig in kleinen Schritten auf ein grosses Ziel zuläuft. Dieser Maestro nennt sich “Wizard of Shred”, Wizard bedeutet Zauberer und damit hat er irgendwie Recht – und Shred lässt sich nicht wirklich wörtlich übersetzen, so nennt man einfach diese Gitarrenzupferei im Überschalltempo. Und damit beenden wir für heute und ich überlasse Euch hörender- und staunenderweise dem Wizard of Shred – enjoy :-)

Aber so schön dieses Intro auch klingt, davon muss ich noch ne Weile die Finger lassen und weiterhin schön brav Tonleitern lernen. Dafür habe ich des Zauberers besten Kurs namens “Fredboard Freedom” (Griffbrett-Freiheit) gekauft, in dem er einem das mir bisher unmöglich scheinende Unding lernen kann, nämlich alle gefühlten 7 Milliarden, also real gute hundert Töne auswendig zu lernen. Dass das geht, zeigt der Wizard in nachfolgendem Video eindrücklich (man beachte, wie er nach ca 20 Sekunden mit Reden beginnt ohne mit dem Spielen aufzuhören, DAS ist Fretboard-Freedom :-)

…. und wenn ich mal soweit bin – nein, werde ich nicht während dem Gitarre spielen plappern – sondern mit eben so Liedern beginnen, wie in obigem Intro – und dann so Malmsteen-Zeuchs – und dann habe ich meinen Seelenfrieden ;-)

Ferien, Hörbücher, Gitarren und die olle Bloggerei

Ja hallo da draussen, uns gibt’s imfall immer noch, nur geht’s uns halt einfach zu gut um unsere Zeit mit Bloggen zu vertrödeln – naja das stimmt nicht so ganz, denn ich plane mal wieder ein neues Blog, aber mal alles der Reihe nach……

Diana im Gitarren-Rausch

Hier begann eine “kurze” Schilderung der neusten Neuigkeiten aus unserer Gitarren-Welt, aber weil das “kurz” halt irgendwie doch nicht so kurz geraten ist, habe ich das in einen eigenen Blogbeitrag verschoben, den ich demnächst nachliefere – nur soviel in Kürze: Ich bin echt im 7. Himmel was die Gitarren-Zupferei anbelangt, wir haben mittlerweile eine fast perfekte Ausstattung und dank regelmässigen wenn auch jeweils kurzen Übungseinsätzen geht’s mit meinen Fähigkeiten aufwärts wie eine Rakete. Man kann’s zwar nachwievor noch nicht Anderen zumuten, aber es kommt guuuuut – und wir wissen ja, der Weg ist das Ziel und wenn der Weg soviel Spass macht, ist das Ziel längst erreicht :-)

Richtige Ferien finden in der Horizontalen statt

Vor zwei Wochen begann unsere letzte Ferienwoche dieses Jahres, die war eigentlich nicht spektakulär, wir lagen da nur so rum und so, aber trotzdem wollen wir das ja nicht verschweigen, gelle ;-) Begonnen hat diese Ferienwoche mit einem Sturmfrei-Weekend für mich. Juliet war von Freitag bis Montag in Deutschland um dort ihr Patenkind mal wieder zu besuchen und so war ich mal wieder ein Wochenende lang allein und konnte tun und lassen was ich will – und das hat echt gut getan. Auch wenn das Leben zu zweit tausend mal schöner ist als alleine, so macht es trotzdem Spass, zwischendurch mal wieder für kurze Zeit allein zu sein. Konkret bedeutete das, viel Gitarre spielen, Monster kloppen in Computerspielen und gaaaaaanz gruselige Horrorfilme kuckn :-)

Als Juliet wieder zurück war, gönnten wir uns mehr oder weniger eine grosse Ruhepause. Nach monatelanger Ackerei tut es einfach gut, mal ein paar Tage nichts Anderes zu tun als blöd rumzuliegen, zu plaudern, TV zu kuckn, Musik zu hören und einfach die Welt um uns rum mal ein wenig zu vergessen. Am Donnerstag waren wir noch mit meinen Eltern auswärts essen, ansonsten war eben Herumliegen angesagt – sehr zur Freude unserer Katzen, die unsere ständige Anwesenheit mehr als nur beglückte.

Man kann imfall auch mit geschlossenen Augen lesen

Ja, das kann man wirklich, sofern man anstelle eines Buches ein Hörbuch kauft – und das macht saumässig Spass, wie ich feststellen musste. Obwohl ich eigentlich gern lese, mach ich das eher selten, weil mir halt einfach die Zeit dazu fehlt. Nur in der Mittagspause lese ich meist während dem Mampfen vor mich hin, meistens Gruselkram von Stephen King. Kürzlich stolperte ich über das Stichwort “Hörbuch” und dachte mir, ich müsste das doch mal probieren. Als Testprojekt wählte ich ein Hörspiel von Horror-Gott “Clive Barker” namens “Moloch Angst” aus seiner Mystery-Serie “Hörspiele des Blutes”. Wer gut aufgepasst hat, hat’s bereits gemerkt, das war kein Hörbuch sondern ein Hörspiel. Der Unterschied liegt darin, dass ein Hörbuch einfach von jemandem vorgelesen wird, während ein Hörspiel von mehreren Lesern vorgelesen wird und das Ganze mit Hintergrundgeräuschen und Musik untermalt ist – das ist etwa so wie wenn man ohne Bild TV kuckt. Und das hat’s echt in sich, es war zwar nur eine Kurzgeschichte von einer Stunde Dauer, aber es ist echt cool. Abgesehen davon ist es gerade während dem Mittagessen einfach praktisch, wenn ich den Blick in meinen Futternapf gerichtet lassen kann, während ich “lese”. Das Ganze hat soviel Spass gemacht, dass ich den soeben neu erschienene Roman “Doctor Sleep” von “Stephen King” gleich als Hörbuch kaufte (ein Hörspiel gibt’s davon leider nicht). Dieses Hörbuch dauert dann auch gute 20 Stunden, womit meine Mittagspausen für die nächsten paar Wochen aufgepeppt sein dürften. Ich kann Euch das nur empfehlen, wer ein eBook oder Kindle oder sowas hat, soll sich mal so ein Hörbuch kaufen ;-)

Schon wieder die bekloppten Iren

Jauh und morgen geht’s wieder mal ins Pub, weil unsere Lieblings-Irish-Band “No Crows” zum dritten Mal dort auftritt und ich alles verpassen könnte ausser dieser Band. Abgesehen davon, dass deren Musik einfach der Kracher ist und sie Stimmung aufkommen lassen, die einem einfach mitreisst, ist da auch ein Geigenspieler mit von Partie, der mindestens so gestört spielt, wie wir zwei sind. Spasseshalber nenne ich ihn den Teufelsgeiger, in Anlehnung an den klassischen Komponisten und Geigen-Virtuosen Niccolo Paganini, der den Übernamen “Teufelsgeiger” bekam, weil er so irrsinniges Zeuchs spielte, das kaum jemand nachspielen konnte. Von diesem Geiger namens Oleg Ponomarev bin ich seit dem ersten Auftritt geradezu Fan, warum kann in diesem Video nachvollzogen werden, Oleg ist der rechts auf der Bühne.

Und die olle Bloggerei

Es zeichnet sich immer mehr ab, dass meine Bloggerei zumindest in dieser Form am verebben ist. Gründe dafür habe ich ja schon öfters anklingen lassen, kurz zusammengefasst ist es einfach so, dass aus meinem persönlichen Leben einfach nicht viel zu berichten ist, weil mein Leben so schön unspektakular und ruhig geworden ist. Das ist das Beste was mir passieren konnte, aber es ist für die Bloggerei halt nicht förderlich. Aus meinem Leben gibt’s also nur noch wenig zu erzählen und alle Themen die mich sonst interessieren (so öko-politisches Zeuchs) ist fast ausnahmslos mit Ärger verbunden und darauf hab ich einfach kein Bock mehr. Ich will mein neues Leben geniessen und das kann ich nicht in gebührendem Mass, wenn ich mich ständig mit Politik und so Müll beschäftige. Ich brauchte lange, bis ich an diesem Punkt war, viel zu lange konnte ich es einfach nicht lassen. Aber langsam funktioniert mein mir neu verordneter Egalismus und dabei soll es bleiben. Mein Alltag besteht nun vorallem aus dem Leben selbst, der Liebe (und davon haben wir ne ganz schöne Menge füreinander) und der Musik. Da liegt der Sinn meines Lebens! Ergo wird es hier im Blog vermutlich weiterhin so spärlich zuundhergehen wie die letzten Monate. Aber Euch allen sei gesagt: Je weniger Ihr hier von mir hört, umso besser geht es mir ;-)

Aber bekanntlich kann man das, was einem von innen her antreibt, ja nicht so ganz lassen und das Schreiben gehört halt nunmal zu den Dingen, die in mir drin sind und aus mir raus wollen. Und da es eigentlich nur ein Thema gibt, worüber ich schreiben möchte und das mich gleichzeitig nicht aufreibt – die Musik – bin ich ernsthaft am überlegen, ein neues Blog zu eröffnen, das sich mit dem Gitarre-Spielen beschäftigt. Es war mir immer ein Anliegen, mein Wissen oder meine Erkenntnisse mit Anderen zu teilen, also warum nicht so etwas? Der Weg von der Gitarren-Amateuse hin zu einer richtigen Gitarristin ist weit und schwer und es juckt mich schaurig, diesen Weg den ich da beschreite, mit der Welt zu teilen, um Anderen Impulse geben zu können, die ihnen auf ihrem Weg auch helfen. Hatten wir ja glaubs schon, gäll ;-)

Mit anderen Worten, hier in diesem Blog werde ich wie in letzter Zeit nur noch spärlich zusammenfassend aus meinem Leben berichten oder wenn etwas schaurig Wichtiges geschieht, natürlich entsprechend aktuell und umfangreich und falls mich in der Welt da draussen sonst was genug berührt, dass ich mich zum Schreiben genötigt fühle, werde ich auch hie und da mal wieder meinen Senf zu sonderlichen Dingen abgeben, aber ansonsten halte ich mich zurück – zugunsten meines Privatlebens – und vielleicht zugunsten einer neuen Mission, dem Tagebuch einer werdenden Gitarristin oder so :-)

Man hat nie genug Schuhe äh Instrumente

Schon oft musste ich energisch betonen, dass eine Frau NIE genug Schuhe hat, das ist für Euch ja nichts Neues. Aber Schuhe sind nicht die einzigen Dingens, von denen man nie genug haben kann, dasselbe gilt nämlich auch für Musikinstrumente. Ihr erinnert Euch vielleicht noch an meine Euphorie letztes Jahr, als ich mir ein elektronisches Cello kaufte, in der wirren Hoffnung, ich könnte das lernen? Naja, konnte ich nicht, aber das soll heute nicht das Thema sein, denn heute möchte ich mein neustes Lieblings-Dingens vorstellen, eine elektrische Gitarre, die ich vorerst mal liebevoll “Fury” (Furie) nenne……. und das kam so……..

….. das wär ein guter Zeitpunkt, Bier und Popcorn zu holen, das dürfte sich mal wieder hinziehen ;-)

Wer mich gut genug kennt, ist bezüglich meiner Schuhleidenschaft äh Musikleidenschaft ja schon öfters verwirrt worden, denn im Laufe meines Lebens habe ich eine beachtliche Anzahl an Instrumenten gekauft, mit mehr oder weniger Erfolg gelernt und dann irgendwann zur Seite gestellt. Das klingt etwas sinnbefreit, aber ich würde nicht einen dieser Käufe bereuen, denn all diese Instrumente bescherten mir unzählige Stunden Lebensfreude und das Musizieren war in vielen Lebensphasen ein unglaublich befreiendes Ventil, durch das ich meine Gefühle umsetzen konnt – selten gut, aber oft mit viel Spass.

Eine zwanzigjährige Reise durch die Welt der Instrumente

Es begann vor einem Vierteljahrhundert mit meiner ersten elektrischen Gitarre, die ich im Alleingang lernte – oder eben auch nicht – und die dann irgendwann abgelöst wurde durch Blues-Harps (Mundharmonika). Diese spielte ich mehrere Jahre, diesmal sogar recht erfolgreich, hatte in dieser Zeit ständig welche in der Jacke und trötete mir bei jeder sich bietenden Gelgenheit das Herz aus dem Leib. Aber irgendwie waren die BluesHarps nicht so ganz das Richtige und so kam dann halt doch irgendwann wieder das Gitarren-Fieber.

Elektrische Gitarren sind abgesehen von aus meiner Sicht nahezu unspielbaren Streichinstrumenten die Königinnen unter den Musikinstrumenten, also kaufte ich mir dann halt eine richtig gute Gitarre, eine königsblaue Levinson Blade. Mit der ging’s dann erstmals so richtig los, ein paar Jahre lang begleitete sie mich, ich nahm sogar lange Zeit Gitarrenunterricht, lernte dabei viel und kam doch irgendwie nie auf einen grünen Zweig. Das Problem dabei war, dass ich – um meinen damaligen Lehrer zu zitieren – die Gitarre in der Hand hielt wie eine Axt. Sei lockerer, ermahnte er mich Woche für Woche, nur um mitzuerleben, wie sich meine Finger noch mehr ins Griffbrett bohrten. Schlussendlich kam es wie es kommen musste, da meine Lernkurve eben aufgrund dieser Verkrampftheit stagnierte, verlor ich die Freude und hatte nun einen weiteren Gegenstand der herumstand.

Während einer Amerikareise kam dann mal noch eine indiansche Flöte dazu (eine red-cedar flute), die aber auch nicht so ganz das Richtige war.

Und dann kam diese ominöse Schottlandreise, die mich mit dem Pipe-Fieber infizierte und so gings dann halt weiter mit einer Great Highland Bagpipe, einem schottischen Dudelsack. Etwa zwei Jahre nahm ich Unterricht in einer Pipes and Drums Band, übte so um die zehn Stunden pro Woche, wurde immer besser und war schlussendlich schon fast Band-tauglich – und dann ging’s mit “meinen Weg” los, der soviel Energie, Zeit und Aufmerksamkeit absorbierte, dass ich die Pipes niederlegen musste – und da liegen sie nun seit diesem Tag.

Tja und dann war eben letztes Jahr das eCello an der Reihe, aber wie befürchtet habe ich mich damit total übernommen, es machte zwar Spass, aber mir fehlt das Talent und die Geduld dazu und ein in der Kindheit gebrochener linker Ringfinger verunmöglichte präzises Spielen, also war wieder ein Instrument bereit für die Ruhmeshalle.

Die eGitarre, die Königin unter den Instrumenten

Aber so ganz ohne Instrument geht es bei mir einfach nicht. Musik ist mein halbes Leben, sei es mit Hören oder sei es eben mit Spielen. Und Letzteres fehlte mir halt einfach schaurig. Und so kam es dann halt, dass es mich wieder packte und diesmal zog es mich nicht zu neuen Ufern sondern wieder back to the roots, zurück zur Gitarre. Nun muss ich kurz erklären, was mich an Gitarren immer so fasziniert hat. Einerseits liebe ich Gitarren, wenn sie so richtig schreien, also im Stil eines Carlos Santana und ähnlichem. Eine Gitarre muss schreien und jaulen, muss weinen und jammern, dann berührt sie mein Herz wie kaum etwas Anderes. Auf der anderen Seite liebe ich Rock-Musik und im speziellen alten Heavy-Metal und im noch spezielleren sogenannten Neoclassical-Metal, das ist eine Art Metal (Hardrock) der sich an klassischer Musik orientiert. Klingt wirr? Isses auch – aber es ist coooooooool und zwar sowas von :-)

Yngwie Malmsteen – der Gitarren-Gott des Neo-Classical

Schon seit einer Ewigkeit bin ich total Fan von einem Schweden namens “Yngwie J. Malmsteen“. Er war zumindest in meiner Wahrnehmung der Erste, der harten Heavy-Metal in perfekter Weise mit Klassik verschmolz. Yngwie spielte schon als Kind täglich stundenlang auf der eGitarre Metal, Bach- und Paganini-Stücke, die selbst für Violinisten eine Herausforderung wären und er spielt diese unglaublich schnellen und schwierigen Songs mit einer noch unglaublicheren Leichtigkeit, die einem einfach in Verzückung geraten lässt. Durch ihn lernte ich eben dieses Neo-Classical kennen und lieben. Wenn jemand ein mir bekanntes und von mir geliebtes Bach-Stück, das eigentlich für Violinen geschrieben wurde, auf einer elektrischen Gitarre hinbrettert, dann krieg ich vor lauter Verzückung Augen wie ein Kleinkind beim ersten Zoobesuch. Tja und ebendieser Malmsteen hat’s mir in letzter Zeit wieder schaurig angetan und so nahm das Schicksal seinen Lauf.

Diana kriegt Yngwie’s Gitarre :-)

Nun ist es so, dass es viele Gitarrenhersteller gibt, aber vorallem zwei Hersteller schwimmen oben auf, einerseits Gibson und anderseits Fender. Zweitere hat seit Urzeiten ein Klassiker-Modell das sich Stratocaster nennt. Diese von Fans liebevoll “Strat” genannte Gitarre ist sehr verbreitet, wegen ihres relativ zarten Klangs aber weniger bei Hardrockern – es sei denn in überarbeiteter Form. Man findet öfters Rock-Gitarristen die eine Strat spielen, die aber andere Tonabnehmer (Pickups) drin hat, eben solche die so richtig kreischen können – oder sie ergänzen den Klang mit Effektgeräten und kräftigen Verstärkern um den für Rock nötigen Donner hinzukriegen. Auch Yngwie spielt meist auf einer Strat und natürlich hat auch er das Teil umgebaut. Und jetzt kommt’s :-)

Die Firma Fender hat schon ein paar mal sogenannte “Signature Series” herausgegeben. Das Prinzip läuft so, dass sie Top-Gitarristen wie beispielsweise Eric Clapton fragen, wie eine gute Strat in seinen Augen sein muss, dann bauen sie genau so ein Modell, pressen sein Autogramm auf die Gitarre und geben sie dann als “Clapton-Strat” oder was auch immer heraus. Und genau das haben sie schon vor einigen Jahren mit Malmsteen gemacht. So entstand die Malmsteen-Stratocaster, die nicht nur ultra-krasse Tonabnehmer drin hat (früher DiMarzio und neuerdings Seymour Duncan) sondern nebst kleinen Veränderungen vorallem ein sogenannt “scalloped” Griffbrett, bei dem die einzelnen Bünde sozusagen ausgefräst wurden. Der Effekt dabei ist, dass man beim Spielen die Finger nicht mehr bis aufs Griffbrett durchdrückt sondern die Finger samt Saite sozusagen in der Luft schweben. Das hat zur Folge, dass man viel weniger drücken muss, eigentlich reicht eine sanfte Berührung und schon geht die Post ab – es bedeutet aber auch, dass der Ton sich grässlich verzieht, wenn man auch nur ein klein wenig zuviel drückt.

Und als ich das kürzlich diesen Bericht sah, wurde mir schlagartig klar, dass genau so eine Gitarre das ist, was ich brauche – eine Gitarre die mich zwingt, sanft zu drücken. Das Problem früher war eben, dass ich es zwar immer versuchte, nach wenigen Tönen aber wieder im alten Muster herumquetschte und es erst merkte, wenn mir die Finger weh taten. Aber eine Gitarre, die mich anmeckert sobald ich was falsch mache, das klingt geradezu perfekt für mich – und wenn ich dadurch auch noch deutlich schneller werden kann……… und so träumte Diana halt wieder los.

Diana im Malmsteen-Fieber

Tja, nun hab ich sie seit ein paar Wochen – und bin sowas von glücklich, das kann man sich nicht vorstellen. Diese Strat klingt dank der ultra-krassen Tonabnehmer wirklich genial und das Griffbrett hält genau das was ich mir versprochen habe. Schon jetzt, nach einem knappen Monat üben, spiele ich bereits viel lockerer und schneller als damals und das trotz jahrelanger Pause. Das Ding ist echt Wahnsinn, ein Traum von einer Gitarre :-) und das Geniale ist so ganz nebenbei, dass ich eine eGitarre mit Kopfhörer spielen kann, was gerade in Anbetracht meiner aktuellen täglichen Fingerübungen Juliet seeeeehr entgegenkommt ;-)

Warum meine Strat eine Furie ist

Wer sich am Beginn dieses Beitrags verwirrt gefragt hat, warum ich eine Gitarre Fury nenne, der kriegt jetzt eine Antwort darauf, denn jetzt wird’s Zeit für den technischen Quatsch, der vermutlich nur noch Gitarristen interessiert. Denn diese zauberhaften Tonabnehmer die der Gitarre den typischen Malmsteen-Sound geben, sind von der Firma Seymour Duncan und sie sind ebenfalls Sonderanfertigungen für den Gitarrengott Malmsteen. Und weil eine seiner bekanntesten Platten “Fury” hiess und er so furios spielt, haben sie einen der drei Humbucker-Tonabnehmer eben Fury getauft. Zusammen mit zwei ebenfalls für Yngwie entwickelten YJM-Singlecoils hat man die perfekte Sound-Basis.

malmifret1Am Aussergewöhnlichsten ist wie bereits erwähnt das scallopte Griffbrett und als ob das noch nicht genug wäre, wurde das Griffbrett auch mit richtig fetten (dick und hoch) Bünden (Dunlop super jumbo frets) ausgestattet. Auch Ritchie Blackmore spielt übrigens auf scallpotem Griffbrett, aber in seiner Version sind nur die hohen Tone scalloped, der Rest normal. Jedenfalls ist diese Kombination aus vertieftem Griffbrett und erhöhten Bünden einfach genial zum spielen, die Seiten berühren so nie mehr das Griffbrett sondern liegen schon bei sanftestem Druck auf den Bünden auf.

Gitarren-Interessierten empfehle ich diesen Review, der gab mir persönlich auch den letzten Schubs ;-)
YouTube: Fender Yngwie Malmsteen Stratocaster MN VWT Upgrade

Übung macht die Meisterin

Entgegen meinen früheren Gewohnheiten mache ich jedoch jetzt den fatalsten Fehler nicht mehr. Ich übe seit Wochen die wildesten Dinge, aber ich spiele nicht ein einziges Lied. Alles was ich tue sind Fingerübungen und Techniken in Zeitlupe durchspielen um das “Fingergedächtnis” zu trainieren und mir die nötige Sanftheit anzueignen. Früher spielte ich einfach drauf los ohne eine richtige Basis zu schaffen, nun läuft es umgekehrt, ich spiele nicht sondern erarbeite mir ein anständiges technisches Fundament – und dann wird erst losgespielt, dann aber richtig :-)

So und jetzt muss ich wieder üben gehen – und da ich noch ein paar Jahre brauche bis man mein Gequietsche hören kann, stelle ich “meine Fury” mit diesem Video vor, denn hier spielt der Gitarrengott wie mir scheint genau dieses Modell in genau meiner Farbe…. enjoy ;-)

und weil’s so schön ist, hier noch ein Video aus der guten alten Zeit, als er und ich noch jung und knackig waren und er mit seinen coolen Outfits so richtig den Bach raushängen liess :-)

und wer jetzt immer noch nicht genug hat und Yngwie mal etwas auf die Finger sehen möchte, der soll hier reinschauen – aber Vorsicht, da herrscht akute Schwindelgefahr ;-)

Der Abgrund zwischen Pränataldiagnostik und Eugenik

downeugen Seit einem Jahr ist in der Schweiz ein Test auf Trisomie-21 (Down-Syndrom) frei erhältlich, dieser Gen-Test ermöglicht auf relativ einfache Weise zu erkennen, ob ein Kind mit Down-Syndrom zur Welt kommen wird. Früher ging das nur mittels Test des Fruchtwassers, was nicht nur aufwändig war sondern auch für das Embryo gefährlich, eines von hundert untersuchten Embryonen wurde geschädigt. Diese Vereinfachung des Tests klingt nett, blickt man jedoch etwas weiter, merkt man schon bald mal, dass wir damit die Grenze zwischen Pränataldiagnostik und Eugenik massiv aufweichen. Was vielleicht gut gemeint ist, entwickelt sich meines Erachtens zu einer Türöffnung für etwas, das wär längst der Vergangenheit angehörend glaubten – der selektionerte Mensch.

Eugenik bezeichnet die Anwendung wissenschaftlicher Konzepte
auf die Bevölkerungs- und Gesundheitspolitik
mit dem Ziel, den Anteil positiv bewerteter Erbanlagen zu vergrößern
und den negativ bewerteter Erbanlagen zu verringern.
(http://de.wikipedia.org/wiki/Eugenik)

Eugenik der Vergangenheit

Mit Schrecken blicken wir zurück in eine Zeit, in der deutsche Nationalsozialisten leidenschaftliche Eugenik betrieben. Der perfekte Arier war gesucht und sollte gefördert werden, gute Gene verbreiten und schlechte Gene ausrotten. Egal ob das nun Juden, Zigeuner, Behinderte oder Homosexuelle waren, wer mal auf der Liste der “schlechten Anlagen” landete, war zum Abschuss freigegeben. Im harmlosen Fall bedeutete das Zwangssterilisierung, im schlimmsten Fall Ermordung. Auch die Schweiz hatte ihre dunklen Kapitel, so wurden bei uns beispielsweise Jenische (Zigeuner) in psychiatrische Kliniken gesteckt und ihre Kinder wurden den Eltern entrissen (Pro Juventute – Kinder der Landstrasse), aber auch andere “Non-Konforme” zwangspsychiatrisiert, mit Elektroschocks “behandelt” oder zwangssterilisiert – alles im Dienste einer “Ausrottung der schlechten Anlagen”.

Down-Syndrom: Kein Recht auf Leben

Dieser Test signalisiert,
dass ein Leben mit Downsyndrom ein unwerteres, leidvolles Leben sei,
obschon man heute weiss, dass auch sie ihr Potenzial entwickeln
und ein glückliches Leben führen können.
(CVP-Nationalrätin Lucrezia Meier-Schatz)

Diese Zeiten sind vorbei, dachte ich lange Zeit – wie sehr ich mich doch täuschte. Menschen mit Down-Syndrom gehören zu den Ersten, denen offiziell der Lebenswert aberkannt wird. Warum ausgerechnet die, entzieht sich meinem Verständnis. Wer schon mal Betroffene beobachtet hat, wird auch bemerkt haben, dass die in vielen Fällen ein recht glückliches Leben führen können. Sie brauchen zwar mehr Unterstützung als Andere, aber sie leben, lieben, fühlen und träumen wie wir alle auch. Wer diese Erfahrung noch nicht gemacht hat, sollte vor dem Weiterlesen wenigstens kurz in nachfolgende Doku reinschauen. Da sieht man eine jener Frauen, die ein Down-Syndrom haben. Wer den Standpunkt vertritt, dass dies ein Grund zur Abtreibung sei, der soll bitte diese Doku anschauen und dann nochmal darüber nachdenken, ob dieses Mädel wirklich kein Lebensrecht hat. Ich hatte Tränen in den Augen, als ich diese Doku sah, nicht wegen der Doku selbst sondern weil mir ständig im Hinterkopf herumspukte, dass Menschen wie sie von unserer Gesellschaft zur Tötung freigegeben wurden – zumindest solange sie nicht geboren sind.
SF-DRS: Dok – Goethe, Faust und Julia

Der Erlaubnis zum Töten folgt der Zwang zur Tötung

Die Befürworter solcher Tests betonen stets, dass es ja freiwillig sei und niemand davon Gebrauch machen müsse. Stimmt das wirklich? Vor einiger Zeit führte ich eine längere Diskussion in den Kommentarspalten deiner renomierten Tageszeitung. Es dauerte nur wenige Kommentare lang, bis sich einer zu Wort meldete der sinngemäss sagte: “Da solche Tests nun möglich sind, sollten wir uns überlegen, ob wir Eltern, die so einen Test nicht machen lassen, die Unterstützung durch die Krankenkasse verweigern. Sie hätten es ja vermeiden können, also sind sie selber für die Folgen verantwortlich”. Nun, das Positive, die Mehrheit der Kommentierenden war wie ich geschockt über diese Äusserung, aber wie lange noch? Wenn solche Tests mal zum Standard gehören, wird es für so eine Haltung früher oder später eine Mehrheit geben. Je mehr Menschen mit DownSyndrom abgetrieben werden, desto mehr ecken die Überlebenden an. Und nicht zuletzt haben die Krankenkassen ein grosses Interesse daran, solche Leistungen zu verweigern, falls sie dazu die Möglichkeit hätten.
Downsyndrom: Angst vor einem Test oder vor den Kosten?

Dieser Test kann dazu führen, dass Eltern,
die keine Untersuchung vornahmen,
von Versicherungsleistungen ausgeschlossen werden,
wie dies bereits heute in der IV der Fall ist.
Das ist ethisch bedenklich.
(CVP-Nationalrätin Lucrezia Meier-Schatz)

Wer ist lebenswert, wer rentiert für diese Gesellschaft?

Ein weiterer Einwand der schnell mal kommt, ist die finanzielle Wertbemessung für die Gesellschaft. So Menschen bringen der Gesellschaft nichts, liest man in solchen Diskussionen, warum also solche Menschen zulassen, wenn man anstelle dieses “Behinderten” ja ein anderes, gesundes Kind zur Welt bringen könnte, das der Gesellschaft auch etwas beizusteuern vermag. Oha, wie wertvoll muss ein Mensch der Zukunft sein, damit wir ihn am Leben lassen? Irgendwie kann ich nicht fassen, dass es Menschen gibt, die in der Frage um das Lebensrecht Anderer finanzielle Kriterien einbringen.

Und was ist überhaupt “behindert”?

Die aus dieser Entwicklung resultierenden Fragen gehen jedoch noch viel weiter. Was gilt denn überhaupt als “behindert”? Es gibt viele “Erbkrankheiten” die genetischen Ursprungs sind, neben Down-Syndrom gäbes da auch Autismus, Diabetes, Depression, MultipleSklerose, Schizophrenie, Parkinson, das und vieles mehr gehört zu den Krankheiten, die genetisch bedingt oder verstärkt sind. Konsequent weiter gedacht stellt sich also die Frage, wen wir als nächstes zum Abschuss freigeben. Wenn wir als Gesellschaft sagen, dass man ein Kind abtreiben darf, wenn es ein DownSyndrom hat, warum sollten wir dann nicht weiter gehen und genauso verfahren mit Menschen, die später eine der vielen anderen Krankheiten bekommen? Und um die Frage etwas auf die Spitze zu treiben, wenn wir schon Menschen mit “schlechten Anlagen” vorgeburtlich töten, nur weil sie eben so sind wie sie sind, warum sollten wir dann nicht auch bereits geborene Menschen im Dorfbrunnen ersäufen, wenn sie sich als nicht-rentabel herausstellen? Wer setzt hier Grenzen, wer bestimmt was als “behindert” oder “krank” gilt, wer spricht die Todesurteile?

Wohin führt uns dieser Weg?

Wie lange wird es dauern, bis wir zur Sanierung der AHV entscheiden, dass wir zukünftig Kinder mit einer genetischen Prädisposition für Alzheimer oder Parkinson schon vor der Geburt abschiessen? Kommt irgendwann der Tag, an dem religiöse oder andere Fundamentalisten auch die Abtreibung von homosexuellen oder transsexuellen Menschen fordert (falls sich da wirklich eine genetische Prädisposition findet)?

Diese Entwicklung macht mir echt Angst, nicht weil ich davon betroffen wäre sondern deshalb, weil es in mir die Befürchtung weckt, dass der Mensch sich noch weiter zu einem gefühlskalten Klotz entwickelt, dass der moderne Mensch je länger desto mehr nur noch als Wertschöpfungsobjekt betrachtet wird.

Eugenik ist nicht für sondern GEGEN den Menschen

Denjenigen, die sich vertiefter mit dem Down-Syndrom beschäftigen möchten, empfehle ich diese TV-Sendung:
Leben mit dem Down-Syndrom (Quarks & Co: 08.05.2012)

Diejenigen, die sich in die Geschichte der Eugenik einlesen möchten, finden hier mehr als ein gesunder Mensch ertragen kann:
3. Der Psychiatrie-Holocaust der “zivilisierten” Welt mit Vorreiter Schweiz – Sterilisierungen und Euthanasie in Zürich

Alle Anderen bitte ich, wenigstens diese kurze Video anzuschauen und darüber nachzudenken, ob all diese Menschen wirklich keinen Lebenswert haben.

Abenteuer-Urlaub in der Notaufnahme

Viele glauben, man bräuchte unheimlich viel Geld um so richtig spannende Abenteuer-Ferien zu erleben, Safari in Kenya oder Tauchgang auf den Malediven – alles Quatsch, wer Abenteuer-Urlaub möchte, kann das auch im trauten Heim erleben – zumindest, wenn man so tolpatschig ist wie ich, denn ich begann meine diesjährigen Sommerferien mit einem spannenden Gang in die Notaufnahme, inklusive Rambo-mässigem Nähen von ausgefranselten Hautfetzen und so.

Eine verschwitzte Tagesreise zum Konsulat

Es begann eigentlich ganz harmlos, wir fuhren mit dem Zug in Allerherrgottsfrühe bei unerträglicher Scheisshitze in die Bundeshauptstadt Bern, um dort im deutschen Konsulat den neuen Pass samt Namensänderung für Juliet zu beantragen. Remember, vor bald einem Jahr haben wir geheiratet resp. geeingetragenepartnerschaftert, Anfang Jahr beantragten wir dann die Namensänderung für Juliet, weil sie meinen Namen annehmen will, erfuhren dann, dass wir das zwar per sofort können, aber als Erstes eben einen neuen deutschen Pass bräuchten. Der Zürcher Honorarkonsul der dafür zuständig wäre, fühlte sich nicht zuständig, weil nebst dem Passantrag auch eine Namenserklärung notwendig war und das irgendwie zuviel des Guten war, also mussten wir bei der deutschen Botschaft einen Termin abmachen und den bekamen wir dann – mit Termin auf ein halbes Jahr später.

Die ganze Abwicklung dauerte höchstens eine Viertelstunde und nun werden wir nochmal so um ein Vierteljahr warten, bis wir aus Deutschland den Pass kriegen. Muss man nicht verstehen, ist halt Behördenirrsinn wie man ihn hie und da erlebt. Jedenfalls fuhren wir eben dahin, erledigen alles, fuhren wieder schwitzenderweise zurück, was natürlich mit einem eiskalten Bierchen belohnt werden musste. Mitte Nachmittag waren wir dann wieder zuhause und so erledigt, dass wir uns schon vor dem Nachtessen auf dem Sofa in den Schlaf wiegen liessen und da lagen wir nun und lagen und lagen und irgendwann war Mitternacht. Bis dahin hatten wir ausser einer Wurst unterwegs noch nichts gegessen und ausser Kaffee und ein wenig Bier noch nichts getrunken – dafür aber literweise geschwitzt. Dass daraus eine sogenannte Dehydration folgen kann, war mir nur theoretisch klar und dass Kaffee und Bier nicht zum täglichen Trinkbedarf mitgerechnet werden darf, war mir auch fremd.

… und platsch

Als wir so um Halbeins aufwachten, spürte ich, dass es mir irgendwie nicht gut ging und ich hatte so eine Art Stalldrang – ab ins Bett solange ich das noch schaffe, war mein letzter Gedanke……… ich stand auf, ging Richtung Wohnzimmertür….. da gingen in meinem Kopf von einer Sekunde zur Anderen die Lichter aus und als ich die Augen wenige Sekunden später wieder öffnete, hatte ich den Boden vor meinem Gesicht. Wie in aller Welt komme ich da auf den Boden, war mein erster Gedanke – warum ist meine Stirn patschnass, war der Zweite – ich fasste an die Stirn, hielt die Hand vor meine Augen und stellte fest, dass sie voll Blut war. Unterdessen war Juliet bereits bei mir, bemerkte aufgeregt, ich würde fürchterlich aussehen und holte mir ein nasses Tuch.

Nachdem ich dieses eine Weile auf die Stirn gedrückt hatte, verlangte ich nach einem Spiegel, um zu sehen, wie schlimm es mich erwischt hat. Sie schaute mich mit zerknitterten Gesicht an und meinte: “Das willst Du nicht sehen, wart mal noch ne Weile”. Aber warten wollte ich nicht, denn wenn es wirklich schlimm war, brauchten wir einen Arzt, also bestand ich auf den Spiegel. Sie holte ihn, aber im Halbdunkel sah ich nicht richtig was da oben auf dem Schlachtfeld genau los war, nur viel Blut war da zu sehen. Also verlangte ich zusätzlich nach einer Taschenlampe. Mit dieser beleuchtete sie mir dann die Stirn, während ich mit einer Hand den Spiegel vor das Gesicht hielt und mit der anderen Hand die über die ganze Stirn verlaufende Wunde mit zwei Fingern oben und unten festhielt, etwas zog………. und mit wenig Begeisterung feststellte, dass ich die Wunde aufklappen kann. Dann kam von mir ein trockenes “Ooops, Schatzi, geh auf Google und gib ein: “Notarzt Zürich” und bestell den Onkel hierher.

Nach der ersten Verwirrung war dann auch klar, was geschehen ist. Mir ist der Kreislauf abgesackt und im Gegensatz zu früheren Kreislaufkrisen wurde mir nicht einfach schwindlig, so dass ich mich schlauerweise an Ort und Stelle gesetzt hätte sondern diesmal war es zum ersten Mal so, dass mir von einem Moment zum Anderen die Lichter ausgingen, ich fiel sozusagen im Stehen in eine kurze Ohnmacht. Und Murphys Naturgesetz folgend hatte ich natürlich das Glück, dass ich mit der Stirn genau auf die Metall-Leiste des Türrahmens krachte und diese schmale Metall-Leiste wie eine Schwertklinge die ganze Stirn schön quer durch aufschlitzte.

Der gitarre-spielende Notarzt

Da der Notarzt noch ein paar andere Fälle auf der Warteliste hatte, dauerte es bis etwa zwei Uhr, bis er bei uns eintrudelte. Ich hatte mich mittlerweile aufs Sofa geschleppt und hielt mir weiterhin den nassen Lappen auf die Stirn, damit es erstens kühlte, zweitens die Wunde etwas auswusch und drittens die Wunde nicht verschliessen konnte. Ansonsten ging’s mir eigentlich überraschend gut, ich hatte abgesehen von der oberflächlichen Verletzung keine Kopfschmerzen und keine Übelkeit, nur etwas mulmig war mir und etwas schlapp fühlte ich mich. Der Arzt kam rein, sein Blick fiel auf unsere Gitarren und sein erster erfreuter Kommentar war: “Oh, eine Stratocaster, Ihr spielt also auch Gitarre?”.

Aber anstelle eines gemütlichen Gitarren-Talks mussten wir uns halt doch um meine Birne kümmern und beim Betrachten derselben bekam er einen ähnlich zerknittern Gesichtsausdruck wie Juliet. Das sieht nicht schön aus, das muss genäht werden. Nun, dass es nicht schön aussieht, hab ich ja vermutet, Narben stehen uns Mädels gerade im Gesicht ja nur in seltensten Fällen und dass man das nähen muss, war zu erwarten. Er könne das an sich gleich hier selber nähen, er hätte Nähzeug dabei, aber bei Wunden im Gesicht würde er dringend empfehlen, das im Spital zu machen, weil die feineres Werkzeug hätten.

Der Blutdruck einer Mumie

Er würde jetzt den Krankenwagen rufen, verkündete er zu meinem Erstaunen. Aber bockig wie ich nunmal bin in so Sachen, war mir das schon etwas zu extrem. Wegen einer ollen Platzwunde gleich die Kavallerie zu holen schien mir doch a bisserl übertrieben. Ich würde mit dem Taxi dahin, meinte ich, worauf er wiederum sagte, dann wolle er aber doch vorher noch den Blutdruck messen – tat dies und erklärte dann mit staunendem Gesichtsausdruck, ich hätte einen Blutdruck von 70/40 und in so einem Zustand sei ich unmöglich reisefähig. Aber wir könnten ja mal was probieren. Da ich vermutlich dehydriert war, hängte er mich kurz an den Tropf, pumpte einen Beutel voll Wasser in mich rein, mass erneut und schwups war ich wieder über 100 mit dem Blutdruck. Damit war er zufrieden und erlaubte, doch mit dem Taxi zu gehen, meldete uns an und zog vondannen.

Basteln in der Notaufnahme

Der Taxi-Chauffeur guckte zwar etwas verwirrt, als ich mich um halb Drei mit blutverschmiertem Kopf und schickem Nachthemd angezogen in sein Taxi setzte, fuhr uns in die Notaufnahme des örtlichen Spitals und wir enterten die Notaufnahme. Wie überall in diesem Land gab’s zuerst eine Litanei von Formularen auszufüllen, das ist schliesslich wichtiger als das Versorgen von Wunden. Dann ging’s ab in ein Zimmer und dort kam dann irgendwann das medizinische Personal.

Damit der Abenteuerurlaub auch so richtig doll wird, verängstigten sie uns als Erstes gleich mal mit der Information, dass die Wunde bis zu 4mm tief war und ich möglicherweise etwas gebrochen hätte, vielleicht ein Schädelbasisbruch oder eine Hirnverletzung oder sowas. Die wussten ja nicht, dass ich immer so bekloppt bin ;-) Ne Spass beiseite, sie überprüften dann Zoll um Zoll meines Kopfes indem sie überall herumdrückten, aber da war offenbar nix kaputt, auch wenn’s noch so kaputt aussah. Dann ging’s los mit der Versorgung.

Zuerst gab’s ne Spritze, die sich anfühlte als wäre da Kobragift drin, dafür spürte ich dann von der Näherei nichts – fast nichts, denn eine kleine Verletzung auf dem Nasenrücken übersahen sie zuerst weil alles voll Blut war und als er dann merkte, dass er da noch was nähen müsse, bekam ich die Wahl, ob ich diesen einen Faden ohne Spritze möchte oder nochmal so eine Kobragiftspritze – ich wählte dann Ersteres, einerseits, weil die Spritze mehr weh tut als so ein Fadeneinzug und zweitens, weil ich auch so cool sein wollte wie Rambo, der sich im Film ja wie wir alle wissen die Wunden selber und ohne Betäubung nähte. Ihr könnt mich also jetzt definitiv Kriegerin nennen, was Rambo kann, kann ich noch lange ;-)

Während diesem ganzen Prozedere musste ich mir ständig das Lachen verkneifen, weil mir immer wieder derselbe Blödsinn durch den Kopf ging: “Ich fühl mich wie ein kaputter Teddybär, der beim Teddybärendoktor neue Augen kriegt”. Echt, es fühlte sich so schräg an, zu spüren, wie beim Einfädeln die Haut spannt, ohne dass man die Stiche selber fühlt – so muss sich ein Teddy fühlen – und irgendwie hat’s was surreales, sich wie ein Plüschtierchen zu fühlen, aber in Sachen Surrealität habe ich schon Verrückteres erlebt.

Jedenfalls wurden wir dann um Halbfünf entlassen, mit der Auflage, dass ich 24 Stunden unter Beobachtung sein muss und im Falle von Schmerzen oder Übelkeit oder Wesensveränderung sofort zurück ins Spital müsse. Das mit der Wesensänderung war für Juliet ja leicht zu überprüfen, sollte ich mich plötzlich nicht mehr bekloppt benehmen, dann war was im Kopf kaputt ;-)

Eine Woche meditieren oder was?

Ulkig war ja, dass die Leute im Spital sagten, ich dürfe nun eine Woche lang nicht an die Sonne, mich nicht anstrengen und müsse audiovisuelle Reize vermeiden. Joh iss klaaaaaaaar – wir haben Montag, der erste Tag meiner Sommerferien und ich soll nicht raus und drin darf ich weder TV, Computer noch Musik – also eigentlich gar nix was Spass macht – so stellt man sich Ferien ja vor, gelle. Artig wie ich bin, blieb ich die ersten Tage tatsächlich zuhause, aber das weniger aufgrund meiner Vernunft als mehr, weil ich mich ein paar Tage lang recht teigig fühlte. Aber rumliegen und nix tun geht ja nun wirklich nicht, erst Recht nicht während der Ferien, also ignorierte ich etwas weniger artig den Rest der klugen Ratschläge und verbrachte ein paar Tage mit TV gucken, Musik hören, mit Schatzi brabbeln und sinnlosem Herumliegen. Hat auch gut getan, Ferien dienen ja primär der Entspannung und davon hatte ich jetzt definitiv genug abgekriegt, trotz anfänglichem Abenteuerurlaub.

Aber am Donnerstag hatten wir ja unsere Flüge um für eine Woche zu Juliets Mama nach Hamburg zu fliegen, was wir natürlich auch machten, auch wenn ich mit meiner Stirnwunde und den 8 vergnügt aus der Haut herausguckenden Fäden alles andere als schick aussah – nicht zuletzt, weil ich nicht mal Makeup draufklatschen durfte. Aber nach so Rambo-mässigen Erlebnissen ist man hart wie Stahl und so schafften wir auch das und lagen dann halt ein paar Tage auf Mamas Sofa rum. Am Montag musste ich die Fäden dann wieder ziehen lassen, was wir bei einem dort ansässigen Hausarzt erledigen konnten – und damit war die Geschichte sozusagen vorbei, bis auf die Tatsache, dass ich wohl noch längere Zeit wenn nicht sogar ewig eine Narbe auf der Stirn tragen werde. Naja, mir als Wikingerin steht das ja irgendwie auch gut ;-)

Eine Hamburger Woche ohne viel Abenteuer

Aufgrund der Umstände wurde diese Hamburg-Woche dann halt etwas ruhiger als geplant, nur einmal waren wir einen Tag lang unterwegs um Juliets Freundin zu besuchen und einmal waren wir am Abend aus um in einem unglaublich schönen Park (Planten und Blumen) nebst dem Park noch eine total coole Wasser-Show zu erleben. Ansonsten war eben Rumliegen angesagt und darin sind wir ja geübt. Am darauf folgenden Donnerstag ging’s dann zurück nachhause, diesmal ohne drollige Fäden die aus der Stirn rausguckten. Und am Samstag vor Ferienende waren wir dann noch bei meinen Eltern zum Essen eingeladen und konnten nochmal einen richtig lustigen Tag einlegen.

Aber entgegen meiner oben im Blog gemachten Behauptung muss ich nun doch eingestehen, dass so ein Billig-Abenteuerurlaub zwar abenteuerlich ist, aber zwei Wochen Safari auf Kenya letztendlich glaub doch etwas cooler ausgefallen wären. Immerhin etwas Gutes hatte das Ganze, ich bin jetzt wieder um zwei Erkenntnisse schlauer: 1. ich muss mehr trinken, vorallem an heissen Tagen – und 2. wenn ich mich wieder mal nicht gut fühle, dann ist es besser, an Ort zu bleiben und abzuwarten als dem Fluchtinstinkt nachzugeben und zu versuchen, so schnell wie möglich ins Bett zu kommen……… und die Narbe auf meiner Stirn wird mich sicher noch ne Weile daran erinnern ;-)

Wenn das kein Glück ist

Und wie so oft in letzter Zeit musste ich auch in dieser Episode öfters mal an meines Paten Buch denken, das ich offenbar schon sehr verinnerlicht habe. Meine Güte, was habe ich für ein Glück, ging mir immer wieder durch den Kopf. Klar ist es blöd, die Ferien mit solchem Quatsch zu füllen, aber wenn man bedenkt, was alles hätte passieren können, ich hätte mir den Schädel spalten können bei so einem Sturz, ich hätte ein Auge verlieren können, die ganze Front der Zähne mit einem Schlag rausbrechen, das Genick brechen, es gibt tausend Dinge die bei so einem Sturz passieren können bis hin zu einer tödlichen Hirnblutung. Und was ist mir passiert? Nichts ausser einer Narbe die man einfach so wieder zunähen kann, also nichts, was anderen Teddybären nicht auch irgendwann mal passiert. Ich hatte wirklich unglaubliches Glück!

PS: zuguterletzt sei noch ausdrücklich betont, dass ich in der Regel keine so spriessenden Augenbrauen habe, aber das Zupfen derselben war schon länger überfällig und ich wollte mir das für den Ferienbeginn aufsparen – woraus aber aus gegebenem Anlass halt nix mehr wurde – und ebenfalls erwähnen sollte ich, dass ich unterdessen zumindest mit Makeup nicht mehr so geschunden aussehe wie auf dem ersten Bild – für eine Teilnahme an den diesjährigen Miss World Wahlen dürfte es aber noch nicht reichen ;-)

Glücklichsein ist lernbar (Buchempfehlung Lebenshilfe)

buchempfehlung-lebenshilfe-sich-wohlfuehlen Unzählig sind die Menschen, die mir bisher begegneten, die sich in ihrem Leben nicht wohlfühlen. Entweder sie werden von Schicksalsschlägen gepeinigt oder sind einfach aus Prinzip unzufrieden. Auch ich gehörte lange Zeit zu denen, die von der Kunst des Lebens zuwenig verstanden um wirklich glücklich zu werden und meist gab ich allem die Schuld, nur nicht mir selbst. Doch ausnahmslos alle, die sich über das Leben beklagten, hätten es besser haben können, wenn sie die richtige Lebenseinstellung gehabt hätten – so auch ich. Deshalb möchte ich Euch heute ein Buch ans Herz legen, das so Manchem die Lebensfreude erhöhen kann und ich sage nicht ohne Stolz, dass der Autor mein Pate ist :-)

Ein Buch, das helfen kann…

Die Wichtigkeit eines Problems ist diejenige, die wir ihm gewähren
(Buchzitat)

Auch mein Pate gehört zu den Menschen, die schier unerträgliche schwere Schicksalsschläge durchlebt haben, der “Höhepunkt” war die jahrelange und tödlich endende Krankheit seiner Frau. Doch irgendwie schaffte er das Unmögliche, er lernte, mit den Widrigkeiten des Lebens umzugehen und er lernte vorallem eines: Ich habe vielleicht nur begrenzten Einfluss darauf, was um mich herum und mit mir geschieht, aber ich habe sehr wohl grossen Einfluss darauf, was ich damit anfange. Es liegt an mir, ob ich mich in die negativen Aspekte meines Lebens verbeisse, mich wie eine irrsinnige Tanzmaus im Kreis um diese Probleme drehe und mich dabei immer mehr in Trauer, Verzweiflung, Wut und Verbitterung steigere – oder ob ich neben den nicht lösbaren Aspekten meines Lebens auch die guten Seiten betrachte und geniesse.

Mein Pate gehört zu den Menschen, die es schafften, mit ihrem Problemen zu wachsen, die nicht resignierten sondern an sich arbeiteten und das allein durch die richtige Einstellung. Diese Lebenserfahrung wollte er mit seinen Mitmenschen teilen, also begann er seine Erfahrungen aufzuschreiben und vollendete schlussendlich vor fast zwei Jahren ein kleines Buch mit dem Titel “Etre bien“…….. und das war der Beginn einer ziemlich verrückten Geschichte.

… und eine äusserst selbstlose und nicht weniger verrückte Idee

Wahre Liebe ist die kraftvollste erneuerbare Energie, die es überhaupt gibt.
(Buchzitat)

Denn anstatt das Buch einfach zu veröffentlichen wie es Andere tun würden, liess er sagenhafte 100’000 Exemplare auf eigene Kosten drucken und verschickte diese an ebensoviele Haushalte in der französischen Schweiz. Dieses Frühjahr wurde das Buch dann auf deutsch übersetzt und unter dem Titel ‘Sich Wohlfühlen‘ publiziert – und so geschah das Wunder erneut und weitere 150’000 Exemplare wurden an Haushalte in der deutschsprachigen Schweiz verschickt – erneut gratis, einzig mit dem Hinweis, man könne bei Wohlgefallen eine kleine Spende an “Le Cube de Verre” zukommen lassen, eine Stiftung für autistische Kinder, die auch von ihm betreut wird.

Ganz ehrlich, bei soviel Selbstlosigkeit fehlen mir irgendwie die Worte und es macht mich richtiggehend stolz, so einen Paten zu haben :-)

Über das Buch, das einem helfen kann, sein Glück zu finden

Aber nun zum Buch……

Herr, gib mir die Gelassenheit, die Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut, die Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
und die Weisheit, das Eine vom Anderen zu unterscheiden

Ich weiss nicht mit Sicherheit, woher dieses kluge Gebet oder Sprichwort ist, ich hörte mal, es sei indianischen Ursprungs, aber es spielt eigentlich keine Rolle, wichtig ist nur, dass man dieses “Mantra” verinnerlicht, denn hier liegt das Geheimnis zum wahren Glück des Lebens. Und genau hier setzt dieses wertvolle Buch an.

Jedes Problem und jedes Unwohlsein hat seine Ursache und an diesen Ursachen kann man oft nichts ändern. Wenn jemand im persönlichen Umfeld oder man selbst krank wird, hat man darauf nur bedingten Einfluss und wenn einem jemand oder etwas das Leben schwer macht, hat man oft auch nur beschränkte Möglichkeiten, diese negativen Einflüsse zu verändern. Aber auch wenn diese Faktoren die Ursache des Unwohlseins sind, so sind sie noch lange nicht die Gründe, weshalb man leidet. Denn der Grund, warum jemand leidet, hat viel mehr mit der Nichtakzeptanz solcher Einflüsse zu tun. Es ist nicht die Frage, was passiert ist sondern viel mehr die Frage, wie ich damit umgehe. Deshalb gibt es eigentlich ein einfaches Rezept. Es gilt, die Ursachen solcher “Störfaktoren” zu akzeptieren, sich nicht darin zu verbeissen sondern anstelle dessen die Energie dafür einzusetzen, damit klarzukommen.

Um es mit einem überspitzt vereinfachten Beispiel aufzuzeigen: Wenn es regnet, kann ich mich stundenlang über das Wetter aufregen, ändern werde ich dadurch nichts und mein Wohlbefinden wird mit zunehmendem Mass schlechter. Wäre es da nicht schlauer, das Wetter zu akzeptieren so wie es ist und anstelle dessen lieber einen Schirm aufzuspannen?

Auf solche Fragen geht dieses Buch ein und bietet Antworten und Strategien und es illustriert solche Fragestellungen mit vielen teils ans Herz gehenden Fallbeispielen aus dem Leben des Autors und seines Umfelds. Und es geht offenbar nicht nur mir so, dass man beim Lesen immer mal wieder staunend innehält und denkt: “Meine Güte, wie einfach könnte das Leben doch sein, wenn man es zulässt”. Ich habe mich in diesem Buch oft wiedergefunden, sei es, dass ich dachte: “Ja, dieser Gedanke hat mich auch schon oft aus dem Elend gezogen” – oder dass ich dachte: “Oops, da sollte ich wohl auch dringend mal wieder über die Bücher gehen, ich mache mich hier oder dort ja völlig unnötig verrückt”.

Beim Lesen des Buches musste ich immer wieder an ein Wortspiel denken, das mich schon vor längerer Zeit mal amüsierte. Wie oft sagt man Dinge im Stil von: “Ich rege mich so auf über Wasauchimmer”………. und ist sich dabei nicht bewusst, wie Recht man doch hat mit dieser Aussage, weil “ICH MICH aufrege”. Es sind nicht die Anderen, die mich aufregen, ICH selbst bin es. Die Anderen sind zwar Ursache meiner Aufregung, sie bieten den Anlass, aber der Grund für meine Aufregung ist, das ich blöd genug bin, mich da reinziehen zu lassen. Beim Lesen dachte ich immer wieder kopfschüttelnd an all die Momente, in denen ich fast Tobsuchtsanfälle bekam bei Diskussionen in öffentlichen Foren und ich erschauerte immer wieder von Neuem beim Gedanken, wieviel Unwohlsein ich mir auferlegt habe, nur weil ICH mich über nervende Menschen ärgerte. Diese Erkenntnis ist für mich nicht neu, aber ich muss mir nachwievor immer wieder vor Augen halten, was ich da tue und in was ich mich da reinreissen lasse – und muss mir immer wieder von Neuem bewusst machen, dass es an mir liegt, wie sehr ich mich reinziehen lasse und wie nah ich mir etwas gehen lassen will – und dazu ist dieses Buch eine wertvolle Hilfe.

Über den Wert eines Buches kann man immer streiten und man kann mich als Patenkind auch der Subjektivität bezichtigen, aber abgesehen davon, dass auch Juliet das Buch super fand, sprechen eine grosse Zahl an dankbaren LeserInnen Bände. Seit der Veröffentlichung bekommt mein Pate fast täglich Dankesbriefe oder Mails und wenn man auf seiner Website mal ein paar dieser “Leserkommentare zum Buch ‘Sich wohlfühlen’” liest, kann man erahnen, wie wertvoll dieses kleine Büchlein sein kann.

Fallbeispiele aus meinem Leben

Man wird nicht glücklich durch Erfolg.
Erfolg ist, wenn man glücklich ist.
(Buchzitat)

Da ich nicht einfach Teile seines Buches hier veröffentlichen möchte, nehme ich ein paar Aspekte aus meiner eigenen Lebensgeschichte, die dieses Thema beispielhaft veranschaulichen können. Das scheint mir passend, weil gerade das Leben “transsexuell-gebrandmarkte Frau” eine ziemliche Herausforderung ist, wenn man unter solchen Umständen glücklich sein möchte.

Fakt ist, dass ich für viele Menschen so eine Art “Kuriosum” bin. Daran kann ich wenig ändern, damit muss ich leben und deshalb bleibt mir nichts Anderes als dies zu akzeptieren. Fakt ist aber auch, dass es Menschen in meinem Umfeld gibt, die mich so sehen wie ich bin, die mich respektieren und mögen, ja sogar lieben. Nun liegt es an mir, worauf ich mehr Energie verwende. Ärgere ich mich über primitive Kommentare in Boulevardmedien oder erfreue ich mich über herzliche Begrüssungen in meinem Stammpub? Es liegt an mir, ob ich mein Selbstbild von Anderen übernehme und mich auch als “Kuriosum” betrachte oder ob ich stolz darauf bin, dass ich etwas geschafft habe, das kaum jemand überwinden könnte.

Ein weiteres Beispiel drängt sich mir auf: Als Frau mit transsexueller Vergangenheit habe ich nunmal nicht grad das Aussehen eines Supermodels. Ich kann und will mich zwar nicht beklagen, aber dieses Thema ist schon eine gewisse Herausforderung für mich. Nun, ich kann mich jetzt täglich vor dem Spiegel verfluchen, weil ich etwas schmale Hüften habe oder meine Stimme nicht grad prickelnd ist und und und und…… oder ich freue mich tagtäglich vor demselben Spiegel darüber, dass mein Äusseres um soviel mehr zu meinem Inneren passt als es früher der Fall war und dass der Anblick meines Spiegelbilds, mag ich auch noch soviel zu kritisieren finden, nun endlich mir entspricht und ein stetes Mahnmal ist, dafür, dass ich es endlich geschafft habe.

Aber auch jenseits des Transsexualitäts-Themas gibt es viele Aspekte meines Lebens, in denen ich mein Leben von zwei Seiten betrachten kann, ein Ausserordentliches drängt sich mir gerade auf: Ich hatte vor Jahren einen Burnout, der mich ein Jahr lang in einen zombie-ähnlichen Zustand versetzte, mich meinen Traumjob kostete, mein Bankkonto um 50’000 Franken erleichterte, mein ganzes Ego in Schutt und Asche legte – darüber könnte ich verzweifeln – oder mich darüber freuen, dass ich damals soviel Zeit für mich bekam in der ich nur mit leerem Blick vor mich hinstarrte und nachdachte – und mich darüber freuen, dass genau diese damalige Leere und Sinnfrage mich an den Punkt brachte, dass ich Jahre später den Mut fand, zu mir selbst zu stehen und meinen Weg gehen konnte. Um es noch deutlicher zu sagen: Wäre ich damals nicht derart zertrümmert worden, hätte ich nie die Reife erlangt, die ich benötigte, um später endlich meinen Weg zu gehen. Dieser Burnout – so brutal er auch war – wurde zum Fundament meiner Selbstbefreiung.

Zurück zum Buch

Der wahre Erfolg, jener der dem Leben einen Sinn gibt, ist meines Erachtens nach die Fähigkeit, sein Leben ständig bewusst oder unbewusst gelassen nehmen zu können, egal in welcher Situation, um alle Probleme des Alltags ruhig, ohne Schmerzen und emotionale Sorgen zu meistern und so glücklich zu sein.
(Buchzitat)

Deshalb, weil ich aus Erfahrung weiss, dass Glücklichsein selbst unter widrigsten Umständen lernbar ist, möchte ich Euch allen dieses Buch ans Herz legen. Man kann natürlich einwänden, dass der Büchermarkt voll ist von Büchern, die über solche Themen schreiben – das stimmt, auch ich kenne enige Bücher in dieser Art – trotzdem empfehle ich dieses Buch, weil es nicht episch ausschweifend und nicht esoterisch angehaucht ist sondern kurz und bündig die Fakten anschaulich auf den Tisch legt – und weil es nebenbei noch einem guten Zweck dient, denn sämtliche Einnahmen aus den verkauften Büchern gehen vollumfänglich an obengenannte Stiftung für autistische Kinder.

Also helft Euch selber, etwas glücklicher und zufriedener zu werden und falls Ihr bereits wunschlos glücklich seid, so lade ich Euch hiermit ein, Euer Glück ein klein wenig zu teilen und der Stiftung “Le Cube de Verre” eine kleine Spende zukommen zu lassen – denn geteiltes Glück ist bekanntlich doppeltes Glück ;-)

Buch ‘Sich wohlfühlen’ bestellen

Das Buch kann entweder via Kontaktformular auf der offiziellen Website des Buches, bei verschiedenen Online-Buchhändlern oder bei einem beliebigen Buchhändler unter ISBN 978-2-940468-02-7 bestellt werden. Nachfolgend ein paar Bestell-Adressen:

Website des Buches ‘Sich Wohlfühlen’
ExLibris.ch
Books.ch
CeDe.ch
Exsila.ch
Amazon.de (noch nicht verfügbar)

Hallo mal wieder

Ja, uns gibt es noch und uns geht’s gut, sehr gut sogar, nur zum Schreiben komme ich einfach nicht mehr so wirklich – also mal wieder eine kleine Zusammenfassung ;-)

Klappe halten tut der Seele gut

Ganz ehrlich, die letzten Monate hätte ich genug Material gehabt um dutzende von Blogbeiträgen zu schreiben – hab ich aber nicht, weil mir das Leben mittlerweile einfach zu wertvoll ist um es dafür zu verheizen, dass ich mich ständig über die Unvernunft und Ignoranz meiner Mitmenschen auslassen will. Ich meide seit Anfang Jahr Boulevard-Medien und auch dem sonstigen menschlichen Treiben schaue ich meist nur noch aus der Ferne zu, nur bei Themen die mir wirklich sehr wichtig sind, verfolge ich gelegentlich noch Diskussionen in Online-Medien und gebe da noch gelegentlicher meinen Senf dazu. Alles was darüber hinausgeht lasse ich, manchmal weil mir der Glauben an die Möglichkeit einer Verbesserung fehlt, oft aber auch nur, weil es mir einfach zu blöd ist, immer wieder Argumente in scheinbar taube Ohren zu schmettern – wenn ich doch anstelle dessen mit meiner Liebsten gemütlich eine wundervolle Lebensgemeinschaft geniessen kann.

Ein Elektronik-Paradies absorbiert Zeit

Und da wäre dann noch die erfreuliche Tatsache, dass wir aufgrund einer Verkettung glückbringender Umstände seit Kurzem im Elektronik-Paradies leben. Einerseits konnten wir es uns nun endlich leisten, den alten Klein-TV durch einen neuen 46 Zoll TV zu ersetzen, der nebst grossem Bild und grandioser Bildqualität sogar 3D-fähig ist und uns damit Heim-Kino höchster Güte beschert – anderseits konnte ich meinen ebenfalls längst überfälligen Notebook ersetzen durch meinen soeben ausrangierten Firmen-PC, der nach ein wenig Aufrüstung nun eine Höllenmaschine ist, auf der Spiele die bisher nur so vor sich herruckelten nun in grandioser Pracht über den TV rauschen – richtig, über den TV, denn das ist die dritte Freude im Bunde, wir haben den ganzen Kram zu einem Komplettsystem zusammengewerkelt und so können wir nun auf dem TV googeln, youtubeln, gamen, Musik hören und so weiter und so fort. Davon werde ich gelegentlich mal etwas umfangreicher schwärmen, fürs Erste will ich damit nur sagen, dass uns die moderne Welt neuerdings mit schaurig viel Spass beschenkt und auch das mit ein Grund ist, weshalb ich mich nicht mehr so für Textschlachten erwärmen kann.

Musik ist das halbe Leben

Und dann wär da ja noch die Musik, die holde Königin der Künste, was wären wir doch ohne sie. Abgesehen davon, dass uns unsere neues Elektronikparadies geradezu einlädt, immer mal wieder Konzertabende vor der “Leinwand” zu verbringen, gab es ein paar wirklich tolle Leckerchen in der Welt des akustischen Honiglabens. Da wäre mal die neue Casting-Show namens “Voice Kids“, die uns ein ganzes Rudel atemberaubender Abende bescherte und uns derart staunen liess ob teils zehnjähriger Musiktalente, dass mir heute noch die Worte fehlen. Auch darüber will ich eigentlich schon längst einen Blogbeitrag schreiben, vielleicht kommt der ja gelegentlich doch noch ;-) Ebenfalls berauschend waren zwei Konzerte, die hier genannt werden müssen. Zum Einen spielte nebst anderen Bands auch die Gruppe “Ashes to Beauty” in unsrem Stamm-Pub, die vorallem mich mit dem erstaunlich ausdrucksvollen Gesang betörte – zum Anderen hatten wir das kaum in Worte zu fassende Vergnügen, den verrücktesten Piper der ganzen Welt, “Carlos Nunez“, im Zürcher Volkshaus zu erleben. Anstatt viele Worte zu verschwenden, empfehle ich einfach, besagte Musiker mal etwas anzuhören, es lohnt sich, ich schwör ;-)

Besuch aus Deutschland

Aber das coolste der letzten Zeit war eindeutig der Besuch von Juliets Mama und ihrem Mann Lars. Ich hatte sie gefühlte dreissigtausend Jahre nicht mehr gesehen, also über ein halbes Jahr und wir hatten gefühlte vierzigtausend Jahre kein ganzes gemeinsames Wochenende mehr zusammen verbracht, also etwa dreiviertel Jahre. Und vorletztes Wochenende war es endlich soweit und die Zwei besuchten uns erstmals hier in der Schweiz. Dass das Wetter einfach die Quadratur des Grauens war und unsere ganzen Pläne über den Haufen schmiss, will ich jetzt nicht weiters kommentieren, aber allem Scheisswetter zum Trotz verbrachten wir ein paar total coole Tage zusammen. Einmal ein Ausflug nach Zürich, wo wir mit meinen Eltern gemeinsam essen gingen, einmal waren wir Mädels in unserem Pub um eben obgenannte Band “Ashes to Beauty” zu lauschen, während Lars zuhause die Tschämpionslietsch guckte und dabei wie ich vermute das halbe Haus zusammen schrie – und am Montag lockerte das Wetter doch tatsächlich noch so gut auf, dass wir im wenige Minuten von zuhause liegenden Naturschutzgebiet spazieren konnten ohne uns die Hintern abzufrieren. Das ganze Wochenende war wie immer viel zu kurz aber auch wie immer eine grosse Freude – und ich dankte dem Herrn und meiner klugen Eingebung, dass wir dank des neuen TVs auch zuhause ne Menge Schlechtwetter-Unterhaltung hatten – und nebenbei erwähnt, glaubt mir, nichts sieht beknackter aus als wenn vier erwachsene Leute auf einer Couch sitzen und alle 3D-Brillen tragen, das ist der Lacher des Jahrhunderts ;-)

Zwei Doofe – ein Gedanke

Juliet und ich sind wirklich das Duo Infernale schlechthin. Nachdem wir beide eine kleine Ewigkeit nicht mehr gebloggt haben, habe ich letzten Freitag in der Mittagspause mit diesem Beitrag begonnen. Nach der Mittagspause informierte mich mein Google-Reader (ein Blog-Lese-Dingens), dass im DuoInfernale Blog ein neuer Beitrag erschienen ist – von Juliet – so ungefähr mit demselben Inhalt wie der Meine – issja bekloppt :-) Und so geht’s uns ständig, die Eine denkt was, die Andere spricht’s aus, die Eine will was tun, die Andere tut’s etwas schneller.

Wer also noch nicht genug hat und Juliets Beitrag noch nicht gelesen hat, hier isser………
Lebenszeichen vom Duo Infernale

Franziskus – Der Papst der Armen und Heterosexuellen

Habemus Papam! Der argentinische Kardinal Jorge Mario Bergoglio wurde zum neuen Papst gewählt. Er ist ein “Kardinal der Armen”, das ist erfreulich. Er ist der erste nicht-europäische Papst, das ist eine gute und längst fällige Öffnung. Er ist der erste Papst, der den Namen des widerspenstigen Franz von Assisi übernimmt, das ist revolutionär. Er eröffnet seine erste Rede mit einem glanzlos und umso persönlicheren “Buona sera“, das macht ihn genauso sympathisch wie sein liebevolles Lächeln. All das lässt Hoffnung zu, vorallem Hoffnung für die Armen und Schwachen…….. sofern sie denn heterosexuell sind, denn die Anderen sind des Teufels – einmal mehr.

Jorge Mario Bergoglio – ein sympathischer Mann

JorgeMarioBergoglioAls der neue Papst zum ersten Mal den Balkon betrat und sich seinen Schäfchen vorstellte, war ich ehrlich gesagt geradezu beglückt. Die Wahl traf nicht einen der Hardcore-Fundis die ich befürchtet hatte und in seinem Gesicht las ich eine gewisse Güte und Bescheidenheit, die gerade bei Menschen in Machtpositionen sehr selten sind. Anstelle einer glorreichen Jubelrede eröffnete er sein Amt mit einem freundlichen “fratelli e sorelle – buona sera” – oder auf gut schwyzerdütsch gesagt: “Brüder und Schwestern…… en schöne Abig”. Ich brach in Begeisterung aus, der ist ja cool, war meine erste Reaktion. Damit hatte er fürs Erste mal einen gehörigen Sympathiebonus bei mir.

Ein kurzer Blick ins Internet informierte uns dann, dass er aus Argentinien kommt, also der erste nicht-europäische Kardinal ist. Wieder war ich begeistert, nicht zuletzt, weil Lateinamerika berühmt ist für seine “Befreiungstheologen”, die sich viel mehr für den Dienst an den Ärmsten interessieren als für Dogmatismus. Für mich persönlich war jedoch die grösste Freude die erstaunliche Tatsache, dass Kardinal Bergoglio den Namen “Franziskus” wählte, zum ersten Mal in der Geschichte der 266 Päpste. Er wählte den Namen dessen, der mehr als alle Anderen im jesuanischen Geiste lebte und die Kirchenoberen derart kritisierte, dass er bis heute so geliebt wie geschmäht wird. Noch ein Pluspunkt, da will ich mehr wissen……

Von Franz von Assisi zu Papst Franziskus ist ein weiter Weg

In der christlichen Geschichte gibt es einige Gestalten, die mir sehr viel bedeuten, das fängt natürlich bei Rabbi Jeshua an, den man heutzutage Jesus nennt, geht über verschiedene Ordensleute wie Bernhard von Clairvaux und Johannes vom Kreuz bis zu ebendiesem Franz von Assisi. Gerade letzterer ist mir unglaublich ans Herz gewachsen, denn er war – wie Adolf Holl in seiner Biographie über Franz von Assisi so schön titelte – der letzte Christ – zumindest nach meinem Verständis. Christ sein bedeutet mehr als alles Andere, sich von Liebe leiten zu lassen und den Armen und Schwachen beizustehen. Franz von Assisi hüllte sich im wahrsten Sinne des Wortes in Lumpen, arbeitete Tag und Nacht am Bau einer Kirche oder pflegte Aussätzige, speiste mit ihnen, wusch sie – er hatte nicht die geringste Scheu davor, den Kleinsten zu dienen – das ist Jesu Nachfolge!

Gerade deshalb, weil Franz von Assisi Jesus so ernst nahm und in der eigenen Armut seine Berufung sah, kritisierte er die Kirchenoberen mehr als gesund war. Er konnte nicht einsehen, dass Menschen verhungern und leiden, während sich die Nachfolger Jesu in Prunk und Reichtum suhlten. Diese Kritik hätte ihn mehrfach fast das Leben gekostet. Auch nach seinem Tod wurde sein Orden – die Franziskaner – immer wieder von der katholischen Kirche bekämpft. Franziskaner wurden ausgeschlossen, verstossen und immer mal wieder auch massakriert – weil Kritik an der kirchlichen Habsucht nicht erlaubt war und ist.

Franz von Assisi war der Grund, warum ich mich nach jahrelanger Christentums-Abstinenz wieder mit dieser Religion beschäftigte, er hat mich ermutigt, doch nochmal genauer hinzuschauen, ob es in dieser Religion nicht noch Gutes zu finden gäbe. Dank ihm habe ich mich mit dem Mönchstum beschäftigt und konnte dabei vieles verinnerlichen und lernen. Am meisten, dass das Christsein vorallem eine Frage des eigenen Handelns ist, als zweites, dass Renitenz manchmal nicht nur angebracht sondern notwendig ist.

Und nun steht er vor uns, da auf dem Balkon, Papst Franziskus der Erste – und in mir keimt die Hoffnung, dass der franziskanische Geist vielleicht den heutigen Katholizismus wieder zu Jesus führen könnte……..

Kardinal Bergoglio und die Befreiungstheologie

Gerade die lateinamerikanische Befreiungstheologie hat einen Hauch des franziskanischen Geistes wiedererweckt. Den Befreiungstheologen geht es nebst der Mission nicht um Machtaufbau oder Erhaltung sondern vorallem um den Dienst an den Ärmsten. Diese Form des Katholizismus ist mir einiges symphatischer als der vatikanische Machtapparat. Und nun ein Papst aus diesen Kreisen, das weckt Hoffnungen – bis man denn etwas genauer hinschaut. Denn genauer betrachtet muss man sich erzählen lassen, dass Kardinal Bergoglio im Auftrag Ratzingers die argentinische Befreiungstheologie bekämpft hat. Das passt irgendwie so gar nicht zu meiner Vorstellung eines Franziskus.

Kardinal Bergoglio im Dienst der Armen

Auf der anderen Seite liest man Erstaunliches über Kardinal Bergoglio. So wusch er beispielsweise anlässlich eines Spitalbesuchs zwölf HIV-Kranken die Füsse und küsste ihnen sogar die Füsse – etwas, was man bisher nur von Franz von Assisi las, der dasselbe mit Lepra-Kranken machte. Hier leuchtet der franziskanische Geist auf. Derselbe Kardinal war sich auch nicht zu schade, öfters mal mit dem Bus in die Kirche zu fahren. Auch das ist dem franziskanischen Geist tausend mal näher als das vatikanische Brimbamborium. Man nennt ihn in Argentinien den “Kardinal der Armen”, auch das ist mehr franziskanisch als katholisch. All das ist so erstaunlich wie erfreulich, es lässt Hoffnung zu, dass dieser neue Papst näher bei seinen Schäfchen ist als man gewohnt ist bei Würdenträgern in dieser hohen Stellung.

Kardinal Bergoglio auf der Seite der Militär-Junta?

Auf der nächsten Seite liest man von Vorwürfen, er hätte sich damals als Ordensleiter der argentischen Jesuiten auf die Seite der Militär-Junta gestellt, hätte sogar eigene “linke” Jesuiten an die Junta ausgeliefert, hätte die Augen geschlossen vor Massenmord und Kindstötungen. All diese Vorwürfe sind fürs Erste mal nicht mehr als eben Vorwürfe. Dass er eigene Leute ausgeliefert hat, ist nicht bewiesen. Es ist denkbar – schliesslich hatte er ja auch den vatikanischen Auftrag, die Befreiungstheologie zu “zerschlagen” – aber mehr weiss man nicht und sollte sich deshalb auch hüten, darüber zu urteilen.

Die andere Frage ist, warum er sich nicht gegen dortiges Unrecht eingesetzt hat. Diesen Vorwurf kann ich persönlich nicht gelten lassen. Wenn jemand im Ausnahmezustand einer Militärdiktatur öffentlich Partei gegen die Junta ergreift, ist er schneller tot als er den Satz beenden kann – und mit ihm all die Seinen – das kennen wir schon von Franz von Assisi. Und da habe ich wirklich Verständnis – wenn ich verantwortlich wäre für eine ganze Glaubensgruppe, würde ich mich wohl auch hüten, diese den Geiern zum Fras vorzuwerfen, nur um noch ein letztes Mal Tacheles zu reden. Wer Macht innehat, muss auch diplomatisch vorgehen zum Schutz der Seinen. Solange also keine konkreten Vorwürfen nachgewiesen werden, sollte man dieses Thema vorsichtig behandeln und nicht voreilig urteilen – was ein Christ eh gefälligst zu lassen hat ;-)

Liebe Deinen Nächsten – wenn er denn heterosexuell ist

Bis hierhin blieb meine Freude über den neuen Papst fast ungetrübt. Allein schon für die Namenswahl erntet er bei mir mehr Vorschuss-Lorbeeren als all seine Vorgänger – doch dann kam der Schatten der Homophobie und versalzte mir die bisher leckere Suppe gehörig. Wie man zu lesen bekam, kämpfte Kardinal Bergoglio nicht nur gegen “linke Ordensleute” und Befreiungstheologen sondern kämpfte auch an forderster Front gegen Schwule, Lesben und Transsexuelle – im Speziellen gegen das Recht auf Ehe. Glücklicherweise unterlag er und Argentinien ist nun eines der ersten Länder, in denen schwule und lesbische Menschen nicht mehr diskriminiert werden sondern wie hetersexuelle Menschen heiraten und Kinder adoptieren dürfen. Im Zuge dieser Entwicklung kam es in Argentinien sogar zum weltweit besten Gesetz für transsexuelle Menschen, das er ebenfalls bekämpfte.

Der Kardinal unterlag glücklicherweise, doch was bleibt ist jedoch die Erinnerung daran, dass er anlässlich dieser Gesetzgebung beispielsweise sagte: “Wir sprechen nicht von einem Gesetzentwurf, sondern von einer Intrige des Vaters der Lügen (Satan), die die Kinder Gottes verwirren und hinters Licht führen soll.”. Dass er dann auch das “Transsexuellen-Gesetz” bekämpfte, in dem es um nicht weniger als um die Menschenwürde von transsexuellen Menschen geht, spottet seinem Anspruch, in den Spuren des ersten Franziskaners zu wandeln und es spottet auch der jesuanischen Ethik, die er eigentlich leben müsste.

Ich habe an anderer Stelle schon deutlich genug dargelegt, warum Homosexuellen-Hetze wie sie von Papst Benedikt betrieben wurde, nicht nur unjesuanisch ist sondern auch ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Deshalb lasse ich das an dieser Stelle und verweise auf meinen einstigen Blogbeitrag über “das kleine Durcheinander von Moses” und meinen “weihnachtlichen Denkanstoss für Papst Benedikt“.

Warum sollte uns Nicht-Katholiken das überhaupt interessieren?

Nun kann man sich fragen, warum in aller Welt mich dieses Thema überhaupt interessiert. Ich bin keine Katholikin und dementsprechend kann mir eigentlich auch egal sein, wer dort den Laden führt. Aber so einfach ist es eben nicht. Der Papst führt weltweit über eine Milliarde Menschen und deren Glauben wird stark geprägt vom gepredigten Dogmatismus des Vatikans. Die katholische Religion ist nicht basis-demokratisch, da wächst der Glaube nicht von unten nach oben sondern wird von oben nach unten geleitet. Spätestens seit dem ersten Konzil von Nicäa gibt es da keinen nennenswerten Individualismus mehr, was im Vatikan bestimmt wird, hat gefälligst geglaubt zu werden – Abweichler wurden früher verfolgt und getötet, heute werden sie nur noch verdammt und ausgestossen. Je nach Haltung des Papstes wird sich auch die katholische Weltgemeinde entwickeln.

Wenn ein Papst wie Benedikt Homosexuellen-Hetze betreibt, muss man sich nicht wundern, wenn wie kürzlich in Frankreich radikale Katholiken Schulter an Schulter mit Rechtsradikalen friedliche Demonstrationen gewalttätig angehen oder bei anderer Gelegenheit protestierende Frauen niederknüppeln oder “Rechtskatholiken” im Internet rechtsradikales Gedankengut verbreiten.

An ihren Früchten sollt Ihr sie erkennen, sagte Jesus einst mit Recht. Diese Früchte sind ein Schlag ins Gesicht von Jesus und ein Armutszeugnis für den Zustand der heutigen Christenheit.

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Was also können wir erwarten von Papst Franziskus dem Ersten? Es mag erstaunen, aber ich bin fürs Erste irgendwie zuversichtlich. Wenn ich mir zum Schluss ein wenig Sarkasmus erlauben darf: Seien wir ehrlich, Homophobie und Transphobie sind nichts Neues im Katholizismus, nach Ratzinger kann es eigentlich nur noch aufwärts gehen was dieses Thema anbelangt – und wer weiss, vielleicht lernt er ja noch dazu und ändert seine Haltung. Diesbezüglich gibt es jedenfalls kaum etwas zu verlieren. Was dann bleibt, ist das Engagement des neuen Papstes für die Armen, sein offenbar ausgeprägtes soziales Gewissen, sein Vorsatz, den franziskanischen Spuren zu folgen.

Ebenfalls ermutigend ist die Tatsache, dass der kirchenkritische Theologe “Hans Küng“, der Gründer der ökumenischen “Stiftung Weltethos“, zu dieser Wahl sagte, Franziskus sei die best mögliche Wahl gewesen. Hoffen wir, dass er Recht hat, immerhin kennt Küng den Vatikan samt Glaubenskongregation mehr als gut – ihm wurde vor 30 Jahren von der katholischen Kirche die Lehrerlaubnis entzogen, weil er die päpstliche Unfehlbarkeit in Frage stellte.

All das scheint mir positiv und ein Schritt in eine gute Richtung. Ich bin gespannt auf seine erste Rede, vermutlich das die Osteransprache sein. Mal schauen, welches Antlitz sich uns dann offenbahrt…….. .gegebenfalls werde ich ihm dann hier auch mal die Leviten lesen ;-)

Bis dahin bleibt nur noch eines zu sagen:
Liebe Brüder und Schwestern……… ich wunsch Eu en schöne Abig :-)

Glückselig ihr Armen, denn euer ist das Reich Gottes.
Glückselig, die ihr jetzt hungert, denn ihr werdet gesättigt werden.
Glückselig, die ihr jetzt weint, denn ihr werdet lachen.

(Lk 6,20)

Neues Jahr, neue Frisur……. und voll auf die Bremse

So, da wäre ich mal wieder – nicht, dass ich etwas ernsthaftes zu berichten hätte, aber nach zwei Monagten Blogpause scheint es mir überfällig, dass ich wenigstens mal ein gutes neues Jahr wünsche – und wenn ich schon dabei bin……….

Neues Jahr, neue Frisur, neue Kleider

In unserem gemeinsamen DuoInfernale-Blog habe ich bereits davon erzählt (guckst Du hier), dass wir Ende Jahr bei unserer Coiffeuse waren und uns neu frisieren liessen. Das wäre soweit keine grosse Sache, wäre da nicht die Tatsache, dass ich mich von den zwei Mädels dazu überreden liess, einen Pony zu schneiden. Seit Jahren lasse ich die Haare rundum wachsen und niemand durfte auch nur schon daran denken, daran etwas zu ändern. Aber so richtig glücklich war ich nicht damit. Einerseits wird auf diese Weise das halbe Gesicht versteckt, anderseits schwimmt immer ein Teil meiner Frisur im Suppenlöffel und überhaupt, etwas Veränderung kann ja nie schaden. Der Haken bei solchen Veränderungen ist halt, dass man es im Falle eines Bereuens grad schaurig bereut, weil man gleich mal wieder 2-3 Jahre braucht, bis die kurz geschnittenen Strähnen wieder lang genug sind.

Aber es kam ganz anders, ich bin geradezu begeistert ob dem neuen Schopf. Der Unterschied ist zwar an sich nicht gross, aber es macht unglaublich viel aus. So wie die Haare normal fallen, ergibt sich fast ohne mein Zutun eine Art Mittelscheitel, der das Gesicht so richtig schön offenlegt und ich habe eine Menge neuer Möglichkeiten, wie beispielsweise ein Hochstecken der Haare wie auf diesem Foto. Langer Rede kurzer Unsinn, ich freu mich mega über meine neue Frisur und das ist eigentlich Grund genug, dazu passende neue Kleider zu suchen……. was wir dann die letzten Wochen auch ausgiebig vollzogen, wie in obgenannten Blogbeitrag bereits beschrieben. Eine 50%-Aktion bescherte uns sackweise neue Kleider, die nun ungeduldig darauf warten, dass der Frühling endlich beginnt.

Konzerte und so Spasskram

Ansonsten hatten wir die letzten Wochen ein paar sehr spezielle Anlässe. Ein unerwartetes Highlight war ein CD- und Platten-Verkauf in unserem Stamm-Pub, das wir eigentlich nur aufsuchten, weil man ausnahmsweise schon am Samstag Nachmittag nach dem Einkauf noch schnell ein Guinness schlabbern konnte, aber die Auswahl war sowas von genial und die Preise mit 2.50 pro CD sowas von barmherzig, dass wir nicht anders konnten als zwei Dutzend heimzuschleppen – mit dabei so Leckerchen wie beispielsweise die zwei berühmten Doppelalben von Beatles (die Rote und die Blaue), verschiedene BestOf-CDs von Abba über TheWho bis BlackSabbath und vieles mehr.

Des weiteren erlebten wir nebst einer Geburtstagsparty im Pub noch zwei wirklich geniale Konzerte an ebendiesem Ort, zuerst war es die Rock-Band “Spiders and Cockroaches” und dann als Höhepunkt des Jahresanfangs die Irish-Rock-Band “Red Shamrock“, die vorallem mich beglückte mit einer Gaita (galicischer Dudelsack).

Blog-Schreibblockade infolge globaler Sinn-Entlehrung…..

Den regelmässigen LeserInnen sage ich nicht’s Neues, wenn ich erwähne, dass ich eine gehörige Schreibblockade habe. Schon letztes Jahr fiel es mir immer schwerer, mich zum Schreiben zu motivieren und dieses Motivationsproblem wird von Monat zu Monat schlimmer. Eigentlich gäbe es genug Themen über die ich bloggen möchte, aber alle Themen, die mich momentan interessieren, sind mit soviel Ärger verbunden, dass ich mir das einfach nicht antun will.

Es fällt mir beispielsweise schwer, weiterhin Zeit zu investieren um über Transsexualität zu informieren, wenn ich mitansehen muss, wie immer mehr transsexuelle Menschen an die Öffentlichkeit ströhmen und jede nur erdenkliche Gelegenheit nutzen, um mit sinnentlehrten Statements all die Arbeit zunichte zu machen, die Leute wie ich seit Jahren betrieben haben. Was soll ich mir weiter den Mund fuslig reden darüber, dass transsexuelle Frauen keine “umgebauten Männer” sind, wenn dann Andere nichts idiotischeres wissen als bei RTL2 in einer Doku-Soap namens “Transgender” vor ein Millionenpublikum hinzustehen und zu sagen: “Ich bin in WIRKLICHKEIT ein Mann”. Da fehlen mir echt die Worte, da blicke ich einfach nur noch auf einen Scherbenhaufen und frage mich, wozu wir uns all die Jahre angestrengt habe.

Ähnlich wenn auch anders geht es mir bei öko-politischen Themen, die mir auch sehr am Herzen liegen. Dort sind zwar nicht die “Eigenen” die den Schaden anrichten, aber auch da fällt es schwer, sich zu motivieren, wenn man immer und immer wieder erleben muss, wie bezahlte PR-Profis alle öffentlichen Diskussionen zuwalzen und das Hirn der LeserInnen mit soviel Lug und Trug zuschütten, dass man nicht mehr weiss, wo man anfangen soll mit dem Aufdecken all dieser Lügen. Und wenn ich dann noch Leser-Kommentare in Boulevard-Blättern lese, die den Eindruck erwecken, als sei von einem Heer von völlig empathie-befreiten und unerträglich dummen Menschen umgeben, dann frage ich mich schon, was in aller Welt ich da tue und wofür ich Zeit opfere, die ich eigentlich besser auf dem Sofa liegend verbringen könnte.

…… und eine notwendige Vollbremsung

Und solange mir auf diese Frage keine vernünftige Antwort einfällt, lasse ich es lieber. Vielleicht finde ich eine neue Schreibweise oder andere Themen, die mit weniger Ärger verbunden ist, aber fürs Erste habe ich einfach genug von all dem Quatsch und nutze meine Freizeit lieber für das Schöne im Leben – also für Juliet und mich :-)

Aus diesem Grund habe ich nun eine radikale Vollbremsung eingeleitet. Zum einen lese ich seit einigen Wochen aus Prinzip keine Boulevard-Blätter mehr und erst Recht nicht die stupiden Kommentare in diesem Gefilden – zum anderen habe ich mich von allen Trans-Gruppen getrennt (ausser ATME), alle Trans-Blogs aus meinem Blog-Reader entfernt und auch alle Kontakte in Facebook aus diesem Spektrum “entfreundet”. An dieser Stelle möchte ich nochmal betonen, dass diese Entfreundungs-Aktion nicht persönlich gemeint ist, ich ertrag dieses Thema momentan einfach nicht mehr und werde vorläufig das Internet nur noch für persönliche Gespräche nutzen. Vielleicht kommt es irgendwann wieder anders, aber vorerst muss ich zum Schutz meiner Innereien einfach die Schoten dicht machen.

Blogbeiträge abonnieren – ein eMail-Service

Da ich in zwei Blogs gleichzeitig schreibe und an beiden Orten zumindest momentan nur sehr selten etwas zu Lesen ist, möchte ich StammleserInnen nicht ständig ins Leere laufen lassen und habe deshalb eine neue Funktionalität eingebaut. In beiden Blogs kann man sich nun registrieren und bekommt dann bei jeden neuen Beitrag ebendiesen via Mail zugeschickt. So muss man nicht ständig nachschauen ob’s was Neues gibt. Die Anmeldungs-Dingens findet Ihr in nachfolgenden Links, jeweils im letzten Kapitel unter “Abonnierung”:
http://diana.agirl.ch/uber-dieses-blog/
http://duoinfernale.tgirl.ch/ueber-uns/

So und jetzt mach ich’s mir gemütlich – macht’s auch so ;-)

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