Politically incorrect since 1966

A Rainbow Warrior called Diana

There will come a time when the Earth grows sick
and when it does a tribe will gather from all the cultures of the World
who believe in deeds and not words.
They will work to heal it…
they will be known as the “Warriors of the Rainbow”

(Hopi-Legend of Rainbow Warriors)

Es ist bald 15 Jahre her, wir hatten uns dazu entschlossen, einem Kind das Leben zu schenken, als ich vor dem TV sass und hörte, dass der damalige französische Präsident Chirac auf der Insel Moruroa Atombombentests machte. Die ganze Welt schaute hin, niemand unternahm etwas dagegen, nur eine kleine Schar Greenpeace Aktivisten stürmten mit ihren Booten dahin, im Wissen, dass sie es nicht aufhalten können, aber mit der Kraft im Herzen, sich trotz aller Hoffnungslosigkeit gegen diesen Irrsinn zu stellen. Ich erinnerte mich an meine Kindheit, wie ich geweint habe als ich im TV sah, wie Robbenbabys zutode geprügelt wurden und Wale mit Sprengharpunen gejagt wurden und auch damals waren Greenpeace Aktivisten die Einzigen, die versuchten dagegen anzukämpfen.

Kann ich es wirklich verantworten, ein Kind in diese grausam destruktive Welt zu setzen? Eigentlich nicht, und doch wollte ich, was nun? Wenn ich einem Kind schon so eine Welt zumute, dann bin ich in der Verantwortung, dann muss ich mit allen Mitteln versuchen, diesem Kind eine möglichst gute Zukunft zu ermöglichen – ich muss zur Kriegerin werden, zur Kriegerin des Regenbogens. Am anderen Tag kontaktierte ich Greenpeace Schweiz und meldete mich als Aktivistin. Das blonde Ding hinten in diesem Schlauchboot bin übrigens ich. Bei der Kaperung des Gentech-Schiffs im nächsten Bild war ich ebenfalls an Bord.

Es war etwa zwei Jahre später, viele Stunden an Eisenbahngeleise gekettet, ein Schiff gekapert, ein paar Gerichtsurteile wegen Nötigung und Hausfriedensbruch, als ich an einem Philosophiekurs von Greenpeace war und mit Erstaunen erfuhr, was der Name des legendären Greenpeace Schiffs “Rainbow Warrior” wirklich bedeutet. Der Name entstand in Anlehnung an uralte Prophezeiungen der Hopi- und/oder Cree-Indianer, die von der Zerstörung der Natur handelten und das Erscheinen der Regenbogen-Krieger ankündigten, die Mutter Erde wieder heilen würden. Ein paar Jahre nachdem die Rainbow Warrior erstmals in See stach um gegen Atombombentests auf dem Meer zu protestieren, erkannte eine Cree Indianerin in diesen Aktivisten die Erfüllung dieser Legende und der Stamm der Cree bestimmte, dass alle Regenbogen-Krieger sozusagen Ehrenmitglieder ihres Stammes würden. Wow, ich sass da und erfuhr voller Stolz, dass ich damit Cree Indianerin bin.

Es folgten viele Kämpfe als Regenbogenkriegerin, eine Hundertschaft an Leserbriefen, politische Aktionen und schlussendlich schuf ich mein “RainbowNet-Blog“, auf dem ich ursprünglich meine ökologischen Anliegen teilen wollte, doch aufgrund der politischen Lage in der Schweiz leider schnell in politische Themen abgleitete. Irgendwann kam der Punkt, an dem ich völlig ausgepowert war. Viele Kämpfe hatte ich gekämpft, fast alle hatte ich verloren. Resignation! Ich liess meine Waffen fallen und zog mich gebeugten Hauptes zurück.

Später kam dann die Phase meiner “Geschlechts-Transition“, die mich zwei Jahre lang total absorbierte und nach der GaOp erwachte ich mit neuem, gereinigtem Geist und schnell hörte ich wieder den sanften Klang der Spiritualität, den Atem Gottes und schlussendlich wieder die Trommeln in meinem Herzen, die mich eigentlich nie mehr verlassen haben, seit ich auf meiner Hochzeitsreise im Pine Ridge Reservat bei den Oglala-Sioux an einem PowWow war, dort in den heiligen Bergen der Black Hills, da wo mein Geist berührt wurde wie nie zuvor.

Die Erinnerung kam wieder auf, dass ich eine Regenbogen-Kriegerin bin und dass meine Berufung nie geendet hat, dass es da eine Prophezeiung gibt, die mich meint, mich und unzählige Andere und dass sie sich nur erfüllt, wenn wir nicht aufgeben, das Unmögliche zu wagen. Deshalb möchte ich jetzt diese Prophezeiung mit Euch teilen, in der Hoffnung, dass sie sich weiter ausbreitet und dass ich so einen weiteren kleinen Teil dazu beitragen kann, dass Mutter Erde irgendwann doch wieder geheilt wird.

Prophezeiung der Cree – Warriors of the Rainbow

Es war im letzten Jahrhundert, als eine alte weise Cree Indianerin namens “Eyes of Fire” eine Vision hatte. Sie prohezeite folgendes (im Rahmen meiner bescheidenen Fähigkeiten aus diesem Text übersetzt):

Es wird eine Zeit kommen, wenn die Erde ausgebeutet und verschmutzt ist, die Bäume zerstört sind, die Vögel vom Himmel fallen, die Gewässer sich verdunkeln, Fische in den Strömen vergiftet sind und die Wälder nicht mehr länger sein werden. Menschen wie wir sie kennen werden aufhören zu existieren.

Es wird die Zeit kommen, wenn die Erhalter der Legenden, Geschichten, kulturellen Rituale, Mythen und aller alten Stammesangelegenheiten gebraucht werden um unsere Gesundheit wieder instandzustelolen und die Erde wieder grün zu machen. Sie werden des Menschen Schlüssel zum Überleben sein, sie werden die “Krieger des Regenbogens” sein. Es wird der Tag des Erwachens kommen, wenn alle Menschen aller Stämme (Staaten) eine neue Welt aus Gerechtigkeit, Frieden und Freiheit formen und den Grossen Geist (Gott) anerkennen.

Die “Krieger des Regenbogens” werden diese Prophezeiungen verbreiten und allen Menschen dieser Erde lernen. Sie werden sie lehren wie man “den Weg des Grossen Geistes” lebt. Sie werden ihnen erzählen, wie die Welt von heute sich vom Grossen Geist entfernt hat und dass die Erde deshalb “krank” ist.

Die “Krieger des Regenbogens” werden den Menschen zeigen, dass der Grosse Geist voll ist von Liebe und Verständnis und sie werden sie lehren, die Erde wieder schön zu machen. Diese Krieger werden den Menschen Prinzipien und Regeln lernen ihnen nachzufolgen um die Erde wieder mit Licht zu erfüllen. Diese Prinzipen werden diejenigen sein der alten Stämme. Die Regenbogenkrieger werden die Menschen die alten Praktiken von Einheit, Liebe und Verständnis lehren. Sie werden Harmonie lehren unter den Menschen in allen vier Ecken der Erde.

Sie die alten Stämme werden sie die Menschen lehren zum Grossen Geist zu beten, mit Liebe die fliesst wie ein schöner Bergbach und den Weg entlang fliesst bis in den Ozean des Lebens. Und sie werden wieder fähig, Glück zu empfinden für sich selbst und in der Gemeinschaft. Sie werden frei von Eifersucht und werden alle Menschen als ihre Geschwister lieben, ungeachtet deren Hautfarbe, Rasse oder Religion. Sie werden Glück empfinden dabei, in deren Herzen einzudringen und eins zu sein mit der gesamten menschlichen Rasse. Ihre Herzen werden rein sein und Wärme, Verständnis und Respekt ausstrahlen für alle Menschen, die Natur und den Grossen Geist.

Sie werden ihr Denken, ihre Herzen und ihre Seelen wieder mit reinsten Gedanken füllen. Sie werden die Schönheit des Schöpfers suchen – des Grossen Geistes. Sie werden Stärke und Schönheit finden im Gebet und der Einsamkeit des Lebens.

Ihre Kinder werden wieder fähig sein sich zu befreien und die Geheimnisse der Natur und von Mutter Erde zu geniessen. Frei von der Angst vor Gift und Zerstörung die der weisse Mann durch seine praktizierte Gier gebracht hat. Die Flüsse werden wieder klar, die Bäume wieder reichhaltig und schön, die Tiere und Vögel wieder vollzählig. Die Kraft der Pflanzen und Tiere wird wieder respektiert und die Erhaltung von allem was schön ist, wird wieder zum Weg des Lebens.

Die Armen, Kranken und Hilfsbedürftigen werden wieder gepflegt von ihren Brüdern und Schwestern der Erde. Diese Praktiken werden wieder Teil von ihrem täglichen Leben.

Die Anführer der Menschen werden in der alten Tradition gewählt – nicht durch politische Parteien und nicht diejenigen, die am lautesten brüllen oder durch Dreckschleudern sondern diejenigen, deren Taten die lauteste Sprache sprechen. Diejenigen, die Liebe, Weisheit und Mut zeigten und diejenigen die zeigen, dass sie für das Allgemeinwohl arbeiten können und wollen, werden zu Anführern gewählt. Sie werden aufgrund ihrer “Qualität” gewählt und nicht wegen des Geldes das sie besitzen. Wie die nachdenklichen und demütigen “alten Häuptlinge” werden sie die Menschen mit Liebe verstehen und dafür sorgen, dass ihre Jungen von ihrer Umgebung mit Liebe und Weisheit gelehrt werden. Sie werden ihnen die Wunder zeigen mit denen die Erde von ihren Wunden geheilt werden kann und Gesundheit und Schönheit wiederherstellen.

Die Aufgaben dieser “Krieger des Regenbogens” sind zahlreich und gross. Es werden erschreckende Berge von Unwissenheit zu besiegen sein und sie werden Vorurteile und Hass zu finden. Sie müssen gewidmet werden, unerschütterlich in ihrer Kraft und stark in ihrem Herz. Sie werden Herzen und Köpfe finden die gewillt sind ihnen zu folgen auf diesem Weg, auf dem Mutter Erde wieder zu ihrer Schönheit und Vielfalt zurückkehrt – einmal mehr.

Der Tag wird kommen, er ist nicht mehr weit entfernt.

Der Tag an dem wir erleben werden, wie wir dankbar sind für die Existenz der Menschen aller Stämme, die ihre Kultur und ihr Erbe gepflegt haben. Diejenigen, die Rituale, Geschichten, Legenden und Mythen lebendig gehalten haben. Es wird dieses Wissen sein, das Wissen das sie erhalten haben, das uns ermöglicht, wieder zurückzukehren zu einer Harmonie mit der Natur, Mutter Erde und der Menschheit. Es wird dieses Wissen sein, in dem wir den Schlüssel zum Überleben finden werden.

Ist diese Zeit wirklich so nah? Den Eindruck habe ich nicht, wenn ich das Verhalten der Menschen beobachte. Wird diese Zeit wirklich kommen? Es fällt mir schwer das noch zu glauben, nach all der Ignoranz die ich in den letzten Zwanzig Jahren erlebt habe. Aber ich erinnere mich immer wieder an die Worte von Carl Jaspers, der sagte: “Hoffnungslosigkeit ist die vorweggenommene Niederlage”. Egal wieviel Hoffnung besteht, wenn wir diese Zeit nicht anstreben, wird sie garantiert nicht kommen, sie kann nicht kommen, weil wir der Weg sind, auf dem sie kommen könnte, wenn wir es zulassen würden.

So mag man mich weiterhin für eine Närrin halten, dass ich auch in diesem Thema das Unmögliche anstrebe, ich bin nicht allein mit meiner Narrerei. Gandhi war so närrisch zu glauben, er könne mit Gewaltlosigkeit einen Krieg gegen einen übermächtigen Feind gewinnen. Martin Luther King war so närrisch wie Nelson Mandela, dass sie glaubten, sie könnten Gleichberechtigung durchsetzen in Kontinenten, die Apartheit und Sklaverei praktizierten. Die Geschichte kennt viele Narren und Närrinnen, die sich erdreisteten, das Unmögliche zu wagen – so Manche haben es wider aller Erwartung doch geschafft. Also will ich weiterhin eine Närrin bleiben – man weiss ja nie ;-)

Transsexualität – Mein Einsatz geht weiter

Aufgrund einer Anfrage im Kommentarbereich möchte ich dringend etwas klar stellen. Das Thema Transsexualität wird auch in diesem Blog weiter gehen und mein Einsatz für die Rechte von transsexuellen Menschen und die persönliche Unterstützung von Betroffenen werden ebenfalls einen wesentlichen Platz in meinem zukünftigen Leben haben. Mein Blog-Wechsel ist keinesfalls Ausdruck davon, dass ich dieses Thema hinter mir lassen will oder “untertauchen” will. Warum es trotzdem ein neues Blog brauchte, möchte ich nun hier etwas genauer erklären und auch anklingen lassen, inwiefern mich dieses Thema in Zukunft noch beschäftigen wird resp. was von mir zu erwarten ist.

Ich bin mehr als meine transsexuelle Vergangenheit
Mein letztes Blog sollte das “Tagebuch einer transsexuellen Frau” sein und somit war dieses Thema sowas wie das Rückgrat des Blogs, alles da drin war auf dieses Thema fokusiert. Es sollte diesen Transitions-Prozess beschreiben, vom ersten Tag des Outings bis zum Abschluss dieses Prozesses. Dieser Prozess ist nun bald zuende, ich warte nur noch auf die Personenstandsänderung und die kleine Nach-Operation und dann ist diese “Geschichte” geschrieben und in sich vollständig. Ich habe gemerkt, dass mich diese Themen-Fokusierung irgendwie bindet. Das ‘T’ vor meinem Namen war Verpflichtung und fesselte mein Denken an dieses Thema. Aber ich bin mehr als meine transsexuelle Vergangenheit. Auch wenn meine Persönlichkeit durch ein vier Jahrzehnte andauerndes Leben im falschen Körper geprägt wurde, kann und will ich mich nicht einzig durch diesen Aspekt definieren. Das war in diesen zwei Jahren notwendig und in den vier Jahrzehnten vorher unumgänglich, aber die neue Freiheit die ich mir erkämpft habe, erlaubt mir auch, das ein Stück weit loszulassen. Damit will ich nichts verleugnen, mein bisheriges Leben hat mich zu dem gemacht was ich heute bin, es gab mir die Two-Spirit Fähigkeit, mit der ich die Geschlechterwelten von zwei Perspektiven aus sehen kann, es gb mir die unerhörte Renitenz, meinen Weg auch allen Widrigkeiten zum Trotz gehen zu können und es gab mir den Mut und die Kraft, selbst das scheinbar Unmögliche zu wagen und schlussendlich sogar zu schaffen. Das alles macht mich aus, so werde ich auch in Zukunft sein.

Frei genug für ganzheitliches Sein
Dadurch, dass mein Alltag nicht mehr vollständig durch das Thema Transsexualität definiert ist, ja dass ich mich heute nicht mal mehr als transsexuell im Sinn von geschlechts-inkongruent wahrnehme, habe ich endlich den Kopf wieder frei für all die Dinge, die mir so sehr am Herzen liegen und einfach keinen Platz mehr hatten in den letzten zwei Jahren. Ich war schon immer eine Philosophin und ich hatte eine grosse Vorliebe für spirituelle Fragen. Religionen, Philosophen, Politik und Ökologie, all das sind mir wichtige Anliegen bis hin dazu, dass ich wieder Musik machen möchte, wieder Zeit finden möchte um im Wald rumzuliegen und vieles mehr. Für mich sind die “neuen Themen” kein Ersatz für das Thema “Transsexualität” sondern eine Erweiterung der Vielfalt meines Seins. Klar wird Transsexualität den anderen Themen Zeit und Platz abgeben müssen, aber es wird weiterhin genug Raum bekommen.

Etwas Ruhe und Freiheit
In den nächsten paar Monaten will ich das Thema Transsexualität bewusst etwas zurückstellen. Ich habe mich zwei Jahre lang damit aufgerieben und mein endlich freies Leben ist es wert, dass ich es jetzt mal etwas geniesse. Nach all den Kämpfen habe ich es verdient, dieses ewige Drehen um denselben Punkt mal etwas auszusetzen und mich dem Leben hinzugeben, ohne mich tagtäglich über Menschenrechtsverletzungen aufzuregen. Deshalb werde ich in diesem Blog vorerst das Thema etwas auslassen, das was wirklich gesagt werden muss zum Thema Transsexualität, werde ich in der Regel weiterhin im alten Blog berichten, wie gerade diese Woche die Sache mit der Personenstandsänderung. Wenn ich das alte Blogtagebuch in wenigen Monaten abschliesse, wird Transsexualität auch hier seinen wichtigen Platz bekommen.

Transsexualität – zukünftige Strategien
Pläne sind genug geschmiedet, mein Einsatz für transsexuelle Menschen wird weiter gehen, wenn ich mir genug der nötigen Ruhe gegönnt habe. Nebst persönlichen Betreuungen und meinen Info-Blogs zu dem Thema, habe ich ein paar zuckersüsse Pläne für eine Informations-Offensive, die ich zu gegebener Zeit mit Verbündeten (allen voran mit ATME) losrollen möchte. Ich glaube, dass Öffentlichkeitsarbeit momentan nebst politischem Lobbying das Wichtigste ist, um transsexuellen Menschen eine Chance zu geben in Zukunft. Daran werde ich arbeiten und habe bereits ein paar wirklich pfefferige Ideen ;-)

Also keine Sorge, ich bleibe dran, es gibt viel zu tun, gemeinsam werden wir’s anpacken! Aber ich muss und will mein Leben auch geniessen, ich bin nicht nur als Kriegerin in dieses Leben gesetzt worden, ich bin auch um des Lebens Willen hier. Beidem will ich gerecht werden – alles zur gegebenen Zeit in erfordertem Mass ;-)

Klartext: “Wir sind Helden” sind im Bild

Bisher war die Band “Wir sind Helden” mehr vom Namen her ein Begriff, aber seit heute sind sie für mich wahre Helden, weil sie vorzeigten, was gelebte Ethik ist. Und das kam so…….

Die Bildzeitung ist ein gefährliches politisches Instrument – nicht nur ein stark vergrößerndes Fernrohr in den Abgrund,
sondern ein bösartiges Wesen, das Deutschland nicht beschreibt, sondern macht. Mit einer Agenda.
(Wir sind Helden)

Ihr kennt ja Bild (oder in der Schweiz Blick), dieses Boulevard-Blatt, das jahrein jahraus billige Polemik für den dummen Menschen produziert. Sie fallen vorallem dadurch auf, dass sie null Information mit viel Dreck, Kot und anderen Ausscheidungen produzieren, sie führen Kampagnen-Journalismus, bei dem man irgend eine grad unbeliebte Person, Minderheit oder sonstige “Randständige” ins Visier nimmt und mit allem auf sie ballert, was nicht angebunden ist. Deppen-Journalismus sozusagen, von Idioten, für Idioten. Bild, Blick und Konsorten zeichnen sich dadurch aus, dss sie mit entwürdigenden, beleidigenden oder sonstwie unter die Gürtellinie zielenden Schlagzeilen im Stil von “Transe aus dem Fenster gefallen” Aufmerksamkeit des gewöhnlichen Strassenkleffers (Homo Bellikus) erregen, um dann mit möglichst kurzem Text und möglichst noch weniger Inhalt möglichst viel Volksverhetzung zu betreiben. Idealerweise macht man sich mit despektierlichem Ton über das auserwählte Journalistenopfer her, versucht diese Person oder Volksgruppe möglichst lächerlich zu machen, damit der dumme Leser ganz doll mitlachen kann – wir sind ja ein einig Volk von Umunsbeissenden.

Weil der dumme Mensch braucht sowas, er will sich ja von der Tragik seines eigenen Daseins ablenken und da braucht es einen Zerrspiegel, der ihm seine eigene Dümmlichkeit verzerrt auf Andere projeziert – deshalb muss man auch die Bild-Opfer möglichst verhöhnen und niedermachen, das tut dem einfachen Leser gut – Psychohygiene für Kleingeistige sozusagen. Und damit verdienen sich diese Schundblätter – in Analogie zum Leser – dumm und dämlich. Und so werden sie zu den meistgelesenen Blättern, weil sie so ja irgendwie die Mehrheit füttern. Nein, nicht füttern, mästen, denn mit weiterem Gift aus der Bild-Spritze wird ihr gehässiges und intolerantes Kläffer-Hirn mit noch mehr geistigem Durchfall gefüttert, bis es platzt.

Und hier braucht es Helden, wie “Wir sind Helden”, die sich diesen Brandstiftern öffentlich entgegen stellen und ihnen mal so kräftig die Hosen runterlassen. Die Werbeagentur “Jung von Matt”, die auch für die Hetzschrift “Bild” die Werbetrommel rührt, hat seit einiger Zeit eine Kampagne, in der irgendwelche Promis oder Normalsterbliche ein Statement abgeben über Bild. Wir sind für alle da, wollen sie uns damit sagen – und merken nicht, dass sie uns damit eigentlich beleidigen. Jedenfalls hat diese Agentur nun die Band “Wir sind Helden” angefragt, ob sie sich auch für die Bildleser zum Affen machen lassen, es sollte sogar für einen guten Zweck sein, joh klaaaahhhr. Die Antwort, die diese Band der Agentur zurück geschickt und auf ihrer Website veröffentlicht habt, ist wirklich ein Wink mit dem Zaunpfahl und in meinen Augen ein glorreiches Bekenntnis für mehr Ethik in der Medienwelt. Die Anfrage der Agentur samt Antwort der Band ist momentan hier zu lesen. Die Antwort selbst kann nicht oft genug wiederholt werden, deshalb dupliziere ich diesen Text hierhin – sozusagen, ganz im guttenberg’schen Sinne, als Plagiat mit Quellenangabe ;-)

Liebe Werbeagentur Jung von Matt,

bzgl. Eurer Anfrage, ob wir bei der aktuellen Bild -​Kampagne mitmachen wollen:

Ich glaub, es hackt.

Die laufende Plakat-​Aktion der Bild-​Zeitung mit sogenannten Testimonials, also irgendwelchem kommentierendem Geseiere (Auch kritischem! Hört, hört!) von sogenannten Prominenten (auch Kritischen! Oho!) ist das Perfideste, was mir seit langer Zeit untergekommen ist. Will heißen: nach Euren Maßstäben sicher eine gelungene Aktion.

Selten hat eine Werbekampagne so geschickt mit der Dummheit auf allen Seiten gespielt. Da sind auf der einen Seite die Promis, die sich denken: Hmm, die Bildzeitung, mal ehrlich, das lesen schon wahnsinnig viele Leute, das wär schon schick… Aber irgendwie geht das eigentlich nicht, ne, weil ist ja irgendwie unter meinem Niveau/evil/zu sichtbar berechnend… Und dann kommt ihr, liebe Agentur, und baut diesen armen gespaltenen Prominenten eine Brücke, eine wackelige, glitschige, aber hey, was soll’s, auf der anderen Seite liegt, sagen wir mal, eine Tüte Gummibärchen. Ihr sagt jenen Promis: wisst ihr was, ihr kriegt einfach kein Geld! Wir spenden einfach ein bisschen Kohle in eurem Namen, dann passt das schon, weil, wer spendet, der kann kein Ego haben, verstehste? Und außerdem, pass auf, jetzt kommt’s: ihr könnt sagen, WAS IHR WOLLT!

Und dann denken sich diese Promis, im Rahmen ihrer Möglichkeiten, irgendeine pseudo -​distanziertes Gewäsch aus, irgendwas “total Spitzfindiges”, oder Clever-​ Unverbindliches, oder Überhebliches, oder… Und glauben, so kämen sie aus der Nummer raus, ohne ihr Gesicht zu verlieren. Und haben trotzdem unheimlich viele saudumme Menschen erreicht! Hurra.

Auf der anderen Seite, das erklärt sich von selbst, der Rezipient, der saudumme, der sich denkt: Mensch, diese Bild -​Zeitung, die traut sich was.

Und, die dritte Seite: Ihr, liebe jungdynamische Menschen, die ihr, zumindest in einem sehr spezialisierten Teil eures Gehirns, genau wisst, was ihr tut. Außer vielleicht, wenn ihr auf die Idee kommt, “Wir sind Helden” für die Kampagne anzufragen, weil, mal ehrlich, das wäre doch total lustig, wenn ausgerechnet die…

Das Problem dabei: ich hab wahrscheinlich mit der Hälfte von euch studiert, und ich weiß, dass ihr im ersten Semester lernt, dass das Medium die Botschaft ist. Oder, noch mal anders gesagt, dass es kein “Gutes im Schlechten” gibt. Das heißt: ich weiß, dass ihr wisst, und ich weiß, dass ihr drauf scheißt.

Die BILD -​Zeitung ist kein augenzwinkernd zu betrachtendes Trash-​Kulturgut und kein harmloses “Guilty Pleasure” für wohlfrisierte Aufstreber, keine witzige soziale Referenz und kein Lifestyle-​Zitat. Und schon gar nicht ist die Bild -​Zeitung das, als was ihr sie verkaufen wollt: Hassgeliebtes, aber weitestgehend harmloses Inventar eines eigentlich viel schlaueren Deutschlands.

Die Bildzeitung ist ein gefährliches politisches Instrument — nicht nur ein stark vergrößerndes Fernrohr in den Abgrund, sondern ein bösartiges Wesen, das Deutschland nicht beschreibt, sondern macht. Mit einer Agenda.

In der Gefahr, dass ich mich wiederhole: ich glaub es hackt.

Mit höflichen Grüßen,
Judith Holofernes

Sinnliche Architektur der Musik – Pink Floyd

Musik kann viel mehr sein als eine nette Melodie und eine Ansammlung von harmonierenden Tönen, Musik kann Klangmalerei sein, sie kann Welten entstehen lassen und einem dahinein führen. Musik ist dann perfekt für mich, wenn sie mich entführen kann, das gibt es nicht oft.

Pink Floyd gehört zu den Bands, die das seit je her konnten, ihre Art Musik zu schreiben ist mit Architektur vergleichbar, perfekt bis in die letzte Note. Sie gehörten zu den Ersten die in hoher Qualität Synthesizer eingesetzt haben, aber nicht als Klangbrei wie man es heute oft hört sondern als sanfter sphärischer Klangteppich, der die ganze Musik wie mit Engelsflügeln trägt. Und sie waren auch ziemlich die Ersten, die wunderschöne Lasershows an ihren Konzerten aufführten. Und die Kombination aus dieser Symphonie für Augen und Ohren war einfach einmalig in dieser Form – bis heute.

Eines der gerühmtesten Lieder gehört zu meinen absoluten Lieblingsliedern, seit zwanzig Jahren. Es heisst “shine on you crazy diamond”, zu gut deutsch, “leuchte auf Du verrückter Diamant”. Diese Gitarre ist so herzerweichend und in dieser Aufnahme ist auch die Saxophonistin im letzten Teil ein wahrer Leckerbissen. Aber zusätzlich ist auch der Text wunderschön und gibt meinem “Erwachen” eine tiefe Dimension.

Ich liebe dieses Lied, kann es ein dutzend Mal hintereinander hören und wegfliegen, deshalb soll es die erste Vorstellung sein, die ich hier im Kapitel ‘Musikalisches’ teilen möchte. Ich lade Euch ein, mitzufliegen ….
enjoy :-)

Ich denke daran als du jung warst,
du schienst wie die Sonne.
Leuchte weiter du verrückter Diamant.

Jetzt hast du einen Blick in deinen Augen,
wie schwarze Löcher im Himmel.
Leuchte weiter du verrückter Diamant.

Du wurdest im Kreuzfeuer von Kindheit und Ruhm gefangen,
geformt durch eine stählerne Brise.
Komm schon, du Ziel für fernes Gelächter.
Komm schon, du Fremde, du Legende, du Märtyrerin, und leuchte!

Du griffst zu früh nach dem Geheimnis,
du riefst den Mond.
Leuchte weiter du verrückter Diamant.

Bedroht von Schatten in der Nacht
und dem Licht ausgesetzt.
Leuchte weiter du verrückter Diamant.

Nun, du trugst deine Begrüßung mit beiläufiger Präzision,
rittst auf der stählernen Brise.
Komm schon, du Tänzerin, du Hellseherin.
Komm schon, du Malerin, du Piperin, du Gefangene, und leuchte!

…. und original auf englisch……

Remember when you were young,
you shone like the sun.
Shine on you crazy diamond.

Now there’s a look in your eyes
like black holes in the sky.
Shine on you crazy diamond.

You were caught in the cross fire of childhood and stardom,
blown on the steel breeze.
Come on you target for faraway laughter
come on you stranger, you legend, you martyr, and shine!

You reached for the secret too soon,
you cried for the moon.
Shine on you crazy diamond.

Threatened by shadows at night,
and exposed in the light.
Shine on you crazy diamond.

Well you wore out your welcome with random precision,
rode on the steel breeze.
Come on you raver, you seer of visions,
come on you painter, you piper, you prisoner, and shine!

Mein neues Blog nimmt Formen an

Langsam aber sicher nimmt dieses Blogtagebuch Formen an und es beginnt sich abzuzeichnen, in welche Richtung es sich entwickelt. Zu Beginn war mir nicht so recht klar, wie das rauskommen soll, ich wusste zwar ein paar Grundthemen die ich hier beackern will, aber der Rest sollte sich entwickeln. Die letzten Tage habe ich begonnen, zu allem was mir einfällt einen Entwurf zu machen, meist ist es erst ein Titel. So wollte ich rausfinden, was mich überhaupt bewegt und was für Themen mir am Herzen liegen. Unterdessen sind es 44 Entwürfe und die Kapitel-Einordnung zeigt Tendenzen, was hier so zu erwarten ist in nächster Zeit.

Die meisten bisher geplanten Beiträge sind im Bereich Religion angesiedelt, gefolgt von Philosophie. Dann kommt der ganze Rest, politische Themen, indigene Themen bis hin zu persönlichen Sachen. Ein grosser Teil wird sich im Bereich Spiritualität ansiedeln, wobei ich das sehr weitläufig verstehe, der Alltag selbst und jeder Atemzug hat ja etwas von Spiritualität, wenn man die entsprechende Lebenshaltung hat. Es sieht auch stark danach aus, als ob hier zukünftig ab und zu auch grössere Klugscheisser-Beiträge auftauchen wie beispielsweise der heutige Beitrag über AKWs – es dürfte also teilweise einiges mehr Tiefgang geben hier, zumindest wenn ich bestimmte Themen etwas genauer unter die Lupe nehme.

Das Tagebuch selbst wird vorläufig noch nicht so oft auftauchen, weil viele Dinge meines Alltags doch noch stark mit meinem alten Thema zu tun haben und deshalb auch in meinem alten Tagebuch veröffentlicht werden. Dasselbe gilt für das Thema Transsexualität, das gehört natürlich sowieso weiter dorthin, bis ich das alte Blog ganz abschliesse.

Weiters habe ich vor, rechts bei “Seiten” eine Sonderseite über Transsexualität zu machen, in der ich die wichtigsten Blogbeiträge zu diesem Thema zu einem grossen Text zusammenstückle und diesen etwas überarbeite. Aber das gibt wieder einiges zu ackern, deshalb wird’s wohl noch ne Weile gehen bis der fertig ist.

Ausserdem habe ich mich entschlossen, ein paar der wichtigsten Blogbeiträge aus dem alten Tagebuch hier nochmal zu bringen, vorallem diejenigen, die wesentliche Aspekte meiner Persönlichkeit behandeln, weil ich mich auch hier so gut wie möglich vorstellen möchte. Diese Beiträge werde ich in nächster Zeit hier einstreuen.

Auf jeden Fall verspüre ich einen grossen Enthusiasmus, ich freue mich total, mich endlich all den vielen Themen zu widmen, die mir soviel bedeuten. Und ich bin weiterhin gespannt, wie sich dieses Blog weiter entwickelt.

Übrigens, die Foto-Seite hat sich wieder etwas verändert, vorallem hats zuoberst etwas Aktuelles drin. Ausserdem habe ich auf Wunsch meines Papas den Kalender wieder rechts rein gepfercht. Bin ich nicht n’braves Mädel, Paps? ;-)

Braucht die Schweiz ein neues AKW?

Nachdem die Städte St.Gallen und Bern sich vergangenen November für einen Ausstieg aus der Atomenergie geäussert hat, kam es im Kanton Bern bei der Mühleberg Abstimmung zu einem knappen Ja für ein neues AKW.

Wer sich mit diesem Thema ernsthaft beschäftigt, dem fällt auf, dass der relativ hohe Ja-Stimmen Anteil in all diesen Abstimmungen meist auf Unwissenheit beruhgt und Folge einer grossflächigen Desinformationspropaganda und Angstmacherei ist. Die Atomlobbyisten arbeiten seit Jahren an einer kollektiven Hirnwäsche und hämmern uns mit Lug und Trug ein, dass AKWs sauber seien und ohne AKWs die Lichter ausgehen.

Das ist absoluter Quatsch, warum, möchte ich mal kurz erläutern und vorallem aufzeigen, mit welchen Lügen uns die Atomindustrie diese Hochrisikotechnologie erneut schmackhaft machen will.

1. Lüge: Versorgungssicherheit und Stromlücke
Die beliebteste Lüge der Atomlobby ist die Mär der Stromlücke. Keine Diskussion, in der die AKW-Befürworter immer und immer wieder behaupten, ohne AKWs würden wir eines Morgens aufstehen und die Kaffeemaschine läuft nicht mehr, weil kein Strom mehr da ist. Tatsache ist jedoch, dass es kein autonomes Schweizer Stromnetz gibt, dieser Mythos ist so falsch wie er alt ist. Seit je her findet ein Stromaustausch mit dem Ausland statt. Wir holen billigen Strom aus französischen AKW und deutschen oder italienischen Kohlekraftwerken, füllen damit unsere Stauseen und verkaufen dann zu Hochpreiszeiten den Strom wieder ins Ausland.

Eine Autonomie gab es da nie und wird es nie geben. Wir sind in das europäische Stromnetz eingebunden, der produzierte Strom in ganz Europa wird ins europäische Netz eingespiesen und der benötigte Strom wird dort wieder herausgeholt. In diesem europäischen Stromnetz ist vorläufig mehr als genug Strom vorhanden und viele Länder investieren massiv in erneuerbare Energien, das heisst, der europäische Strommix wird von Jahr zu Jahr sauberer. Selbst wenn der Strom irgendwann knapper werden sollte, wovon in Anbetracht des Investitionsvolumens nicht ausgegangen werden muss, würde der Strom nicht einfach ausgehen sondern lediglich teurer werden. Und die Schweiz wäre garantiert nicht das erste Land, dass es sich leisten könnte. Die Mär, uns würde der Strom ausgehen, ist also eine brandschwarze Lüge, mit der man irrationale Angst schürt und uns damit weichkochen will.

2. Lüge: Sicherheit von AKW
Atomenergie ist eine Hochrisikotechnologie. Die Eintretenswahrscheinlichkeit eines atomaren Super-GAU ist zwar relativ gering, bisher kam es erst in zwei Fällen zu einem Super-GAU, in Tschernobyl und in Harrisburg. Aber die Folgen eines solchen Unfalls sind derart gravierend, dass auch mit kleiner Eintretenswahrscheinlichkeit von einem Hochrisiko gesprochen werden muss. Noch heute sind in Europa erhöhte radioaktive Werte messbar, beispielsweise in Pilzen, die wir dem Reaktorunfall von Tschernobyl verdanken. Die Atomlobby versucht uns weiszumachen, dass so ein Reaktorunfall bei uns niemals möglich wäre, aber das ist blanker Unsinn, weil kein Mensch und kein technisches System auf dieser Welt unfehlbar ist. Menschliches Versagen kann niemals ausgeschlossen werden und technisches Versagen sowieso nicht. Egal wie hoch die Sicherheit angestrebt wird, es kann nie hundertprozentig ausgeschlossen werden, dass uns nicht doch eines Tages so ein Reaktor um die Ohren fliegt. Sollte das der Fall sein, wäre eine Grossteil der Schweiz auf undenkbar lange Zeiten hinaus unbewohnbar. Gerade in einem kleinen Land wie der Schweiz wäre das fatal, weil wir nicht einfach die Hälfte der Bevölkerung in andere Regionen umsiedeln können – es wäre das Ende der Schweiz. Die Atomlobby versucht dieses Risiko zu leugnen, aber die Realität entlarvt ihre Lügerei.

Die Liste von Beinahe-Unfällen in Atomkraftwerken ist so lang, dass sie den Rahmen dieses Beitrags sprengen würde, deshalb verweise ich auf einen alten Blogbeitrag von mir, der zwar auch nur eine kleine Liste von Zwischenfällen aufzeigt, aber es sollte deutlich machen, dass es keine Sicherheit in Atomkraftwerken gibt. Die Frage ist nicht, ob es zu einem Super-GAU kommt, die Frage ist nur wann und wo: AKW Unfälle – AKW Störfälle

Zur Sicherheit/Sauberkeit von Atomreaktoren sei auch noch diese Beiträge und Studien erwähnt:
AKW-Sicherheit – Das Lügengebäude der Atomlobby
Erhöhtes Krebsrisiko in der Umgebung von AKW
Kinder-Krebsrate und Atomkraftwerke
AKW Haftpflicht – nicht einmal 1 Prozent versichert
Der vergessene Schweizer Atom-GAU

3. Lüge: CO2-freier Atomstrom
Da man uns mit neuen AKW faktisch ein nicht vertretbares Risiko andrehen will, muss man sich ein grünes Kleid anziehen, Greenwashing nennt man das in Fachkreisen. So versucht die Atomlobby seit Jahren die Mär zu verbreiten, Atomenergie sei CO2-frei. So vergleicht man dann gern die CO2-Bilanz mit den schlimmsten Stromproduktionen, den Kohlekraftwerken. Das ist Sand in die Augen gestreut, denn niemand redet heute noch davon, dass wir Atomkraftwerke durch Kohlekraftwerke ersetzen, dieser Vergleich ist völlig weltfremd und zeigt wie unlauter die AKW-Propaganda abläuft. Zum Einen wollen AKW-Gegner eben keine Kohlekraftwerke sondern erneuerbare Energien, die dann wirklich sauber und nachhaltig sind und zum Anderen ist Atomstrom eben nicht CO2-frei. Der Betrieb eines Reaktors selbst fördert tatsächlich wenig CO2, aber damit hat es sich eben nicht. Der Uranabbau, Transport der Brennstäbe, Bau und Abbau von Reaktoren bis hin zur noch ungelösten Endlagerung, produzieren eifrig CO2, so dass die Gesamtbilanz alles andere als grün ist. Unter dem Strich produziert Atomstrom doppelt soviel CO2 wie Wasserkraft, wie in nachfolgenenden Links nachzulesen ist. Merkt Euch also, wenn wieder mal ein AKW-Lobbyist sagt, Atomstrom sei CO2-frei, dann belügt er Euch brühwarm.
Neue Studie belegt: Atomkraft ist nicht CO2-frei
Wie CO2-frei sind die AKWs wirklich?

4. Lüge: Erneuerbare Energien sind zu kostspielig
Atomstrom sei ja so günstig, lügt uns die Atomindustrie seit je her vor, was sie uns verschweigt ist unter Anderem, dass der noch relativ tiefe Preis nur deshalb zustande kommt, weil AKW ihre Risiken nicht versichern müssen. Ein Schweizer AKW muss weniger als 1% der Schadenssumme eines Reaktorunfalls versichern! Müsste die Atomindustrie ihre Reaktoren so versichern, wie jeder Schweizer sein Auto, also den Worst-Case Fall abdecken, wäre Atomstrom die mit Abstand teuerste Energieform der Welt. Atomstrom ist faktisch nur deshalb bezahlbar, weil das Risiko ausgelagert wird.
Tagi – AKW-Unfall könnte über 4000 Milliarden kosten
NZZ – Pandoras Atomkraftwerke

Aber es kommt noch dicker, denn einerseits wird erneuerbare Energie aufgrund des Investitionsvolumens von Jahr zu Jahr günstiger, während auf der anderen Seite aufgrund der zuneige gehenden Uranvorräte die Brennelemente für AKW jährlich teurer werden. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis die Bilanz kippt und so wären wir gut beraten, in die Zukunft zu schauen wenn es darum geht, in welche Technologie wir diese Milliarden stecken, die wir in den nächsten Jahrzehnten investieren müssen.
UNEP-Bericht: Investitionsboom in Erneuerbare Energien – Alternative zu Atomenergie

5. Lüge: Erneuerbare Energien sind nicht effizient genug
Um uns diese Risikotechnologie wider aller Vernunft doch noch anzudrehen, wird nach üblich politischem Muster vorgegangen, man diffamiert den Gegner resp. in diesem Fall die konkurierende Technologie. Erneuerbare Energie sei nicht effizient genug, wird uns gebetsmühlenartig vorgepredigt. Auch da zeigt sich die Rückwärtsgewandtheit der Stromindustrie, denn die Effizienz von erneuerbaren Energien nimmt von Jahr zu Jahr zu. Die Wirksamkeit von Solarstrom hat sich beispielsweise im Vergleich zur Anfangszeit verzehnfacht und neue Technologieformen werden erfunden, eine nach der Anderen. Solarenergie, Windenergie, Biomasse, Geothermie, Gezeitenkraftwerke, herkömmliche Wasserkraft, die Liste von Technologien ist riesig und die Effizienz nimmt von Generation zu Generation zu. Es ist eine Frage der Investitionen, je mehr wir in diese Technologien investieren, umso effizientere Methoden werden gefunden. Aber solange wir die ganzen Entwicklungsgelder weiterhin in Atomenergie stecken, werden wir die Ziele nicht erreichen, hier braucht es den Willen zur Veränderung. Die Technologien sind da, es liegt an uns, in diese zu investieren.
Effizient Strom produzieren
Jetzt zählen nur noch erneuerbare Energien

6. Lüge: Wiederaufarbeitung = Recycling?
Die Atombefürworter behaupten gerne, sie würden Recycling betreiben mit der sogenannten Wiederaufarbeitung von Brennstäben. Was sie dabei verschweigen ist einerseits, dass sie zwar tatsächlich ein wenig Material wiederverwenden können, dass aber das Volumen des Abfalls dabei massiv vergrössert wird und mit den Castor-Transporten nach LaHague und Sellafield weitere Risiken eingegangen werden. Viel schlimmer ist jedoch die gern verschwiegene Tatsache, dass diese sogenannten Wiederaufbereitungsanlagen sowohl in LaHague als auch in Sellafield die Umwelt massiv verseuchen. Infolgedessen ist beispielsweise in der Umgebung von Sellafield die Kinderleukämierate zehn mal höher als im Landesdurchschnitt und in ganz England konnte in Milchzähnen von Kindern Plutonium nachgewiesen werden, das nur in der Wiederaufarbeitung entsteht. Diese sogenannte Wiederarbereitung diente nie dem Recycling sondern militärischen Zwecken, weil man nur so waffenfähiges Plutonium herstellen kann. Wer also im Zusammenhang mit Atomenergie von Recycling spricht, ist ein brutaler Zyniker, weil er die Verseuchung und Krankmachung von Mensch und Umwelt als ökologisch sinnvoll darstellt.
Kinder-Krebsrate und Atomkraftwerke

7. Lüge: Es gibt kein sowohl-als-auch
Die scheniheiligste Lüge ist jedoch die sowohl-als-auch Lüge. Kein Atomlobbyist der nicht blauäugig behauptet, er sei ja total für erneuerbare Energien, er wolle nur neue Atomkraftwerke als Übergangslösung, in der Zwischenzeit könnten wir dann die Stromproduktion mit erneuerbaren Energien aufbauen. Joh ist klaaaaaar, wir sind ja blöd genug das zu glauben. Wenn wir neue Atomreaktoren hinklotzen, haben wir soviel Strom, dass schlicht und ergreifend kein Bedarf mehr da ist für erneuerbare Energien, das heisst, es gibt keinen Anreiz mehr, in diese zu investieren. Hinzu kommt, dass der Bau eines neuen AKWs je nach Schätzung oder Lügerei zwischen 5 und 10 Milliarden kostet, dieses Geld ist dann weg, es steht nicht mehr zur Verfügung für Investitionen in erneuerbare Energien. Es gibt eben kein sowohl als auch, es gibt nur ein entweder oder, weil wir dasselbe Geld nicht zweimal zur Verfügung haben. Die Atomlobbyisten wissen das ganz genau, aber sie halten uns für naiv genug, dass wir ihnen diese Mär abkaufen. Schlussendlich hat das Stimmvolk die Entscheidungsmacht. Entweder wir geben ihnen einen Freibrief für eine Wiederholung des AKW-Risikos oder wir zwingen sie, ihre Milliarden andersweitig zu investieren. Beides können wir nicht haben. Wenn das Volk Ja sagt zu einem neuen AKW, dann wird die nächsten 50-60 Jahre kein Geld mehr in erneuerbare Energie investiert……… und in 50 Jahren werden sie uns dann wieder sagen, wir bräuchten ein neues AKW als Übergangslösung.

Die Propaganda-Heuschrecken der Atom-Lobby
Wie systematisch die Hirnwäsche der Stromproduzenten ist, zeigt sich, wenn man ihren Lobbyisten mal auf die Finger schaut. Einerseits ist etwa ein Drittel unseres Parlaments mit der Atomindustrie verbunden, keine Industrie in der Schweiz hat soviele Lobbyisten und Lakaien in der Regierung wie die Atomindustrie. Ausserdem verfügt die Atomindustrie über ein riesiges Netzwerk von Propaganda-Organisationen wie beispielsweise die AVES, die sich ironischerweise “Aktion vernünftige Energiepolitik Schweiz” nennt und sich den Anschein geben möchte, ein neutrales Forum zu sein – wie auch das Nuklearforum und wie sie alle heissen. Finanziert werden diese Organisationen von der Atomindustrie. Wer wie ich jahrelang Leserbriefspalten im Auge hat, staunt Bauklötze, wieviele Leserbriefe von angeblich privaten Leuten da auftauchen, die nach kurzer Recherche als Handlanger ebendieser Organisationen erkennbar werden. Ich könnte hier eine ganze Reihe von Lobbyisten aufzählen, die ich mittlerweile namentlich kenne, die jahrein jahraus Leserbriefspalten und Diskussionsforen mit ihrem Gewäsch fluten, ohne je zuzugeben, dass sie im Dienste dieser Organisationen schreiben. Auch die Gentech-Industrie verfügt über solche Netzwerke, auch bei diesen kenne ich eine Reihe von Namen, die immer wieder auftauchen. Aber was die Atomindustrie hier abzieht, ist einmalig in diesem Land und es zeigt, mit welch unlauteren Mitteln sie agieren.
Schwarze Liste von Energieorganisationen in der Schweiz
Beobacher: Die Atomlobby macht Dampf
Tagi – Die Atomlobby hat das Parlament fest im Griff

Lesenswerter Artikel über die Lügen der Atomlobby in der FAZ:
Die neun Gemeinplätze des Atomfreunds

Und das Wichtigste zum Schluss, ein Ausstieg resp. Umstieg auf erneuerbare Energien ist möglich, wie beschreibt der Beobachter:
Beobachter: So schaffen wirs ohne AKWs

So, damit schliesse ich für heute und warte nun gespannt auf die Heuschrecken, die hier ihre Standard-Textchen deponieren ;-)

Nachtrag: Fortsetzung dieses Themas hier:
AKW-Sicherheit – Das Lügengebäude der Atomlobby

Selbstbestimmtes Leben und Sterben

Die letzten Tage skandalisierte die Boulevard-Presse die bevorstehende Dok-Sendung von SF-DRS mit dem Titel “Tod nach Plan“, die den Suizid eines psychisch kranken Menschen begleitete. Genauso eifrig skandalisierten Kommentarschreiber in ebendiesen Blättern und Foren, man demonstrierte Empörung über diesen Tabu-Bruch. Man darf doch so einen Suizid nicht medial ausschlachten, meinten die Einen, ein gezeigter Suizidprozess könnte Nachahmer motivieren, meinten die Anderen – kurz nachdem das Volk entschieden hat, dass weiterhin hundertausende von Armeewaffen in Wohnungen herumliegen. Die ganze Diskussion war mehr eine Moralische als eine Ethische, man darf doch nicht, das geht doch nicht – ich wollte es genauer wissen und sparte mir einen Kommentar auf, bis ich die Sendung gesehen hatte.

Die Geschichte
Der manisch-depressive André kann und will nicht mehr, seit Langem. Er hat zwanzig Psychiatrieeinweisungen hinter sich, Untersuchungshaft wegen einer Gewalttat während einer manischen Phase, er weiss, dass weitere Vorkommnisse zu einer Verwahrung oder zumindest zu weiteren Zwangspsychiatrisierungen führen. Er hat sich entschieden, sein Leben zu beenden, fast ein Jahr vor seinem geplanten Suizid. Er ist nicht einer dieser vielen Fälle, die in einer akuten Krisensituation überreagieren, er weiss genau was er tut und er weiss, warum er es tun will. Fast ein Jahr lang plant er seinen Ausstieg, organisiert alles, verabschiedet sich von seinen Freunden – und schläft schlussendlich erlöst ein.

Die Sendung
So kam die Sendung bei mir an. Da war kein mediales Ausschlachten, es war ein offenes Aufzeigen eines Lebens, eines Menschen, der die Grenzen des Erträglichen überschritten hatte und im vollen Bewusstsein und bei vollem Verstand sein Recht auf Selbstbestimmung einforderte und sein Leben, das er nicht mehr als lebenswert wahrnahm, beendete. Es war erstaunlich, wie ruhig und zielstrebig André seinen Weg ging. Das war keine Überreaktion, da war kein Kurzschluss, er war einfach am Ende und wollte dieses Ende wenigstens in Würde begehen. Ein Tabu wurde gebrochen, ja, aber es war nicht reisserisch sondern konfrontierte uns mit der Tatsache, dass es wirklich Menschen gibt, die keine Ausweg mehr haben. Dass diese Sendung Nachahmer produziert, bezweifle ich, weil der Film eben keinen Kurzschluss zeigte sondern jemanden, der einen langen Weg geht und dabei wohlüberlegt agiert. Es war höchste Zeit, dass uns dieses Thema einmal näher gebracht wird als eine Blick-Schlagzeile es tut. Man konnte mitfühlen und ein Stück weit verstehen lernen, dass man in dieser Thematik nicht vorschnell urteilen sollte.

Suizid ist nie eine Lösung
In meinem alten Blogtagebuch schrieb ich einst einen Beitrag mit dem Titel “Selbstmord – die vorweggenommene Niederlage“, in dem ich erklärte, warum ich Selbstmord nie als eine Lösung ansehen kann. Davon bin ich nachwievor überzeugt, wenn man sein Leben aufgibt, verschenkt man jede Chance auf Besserung und alles bisher Erlittene war vergebens. Aber was, wenn es keine Chance auf Besserung gibt? Vielleicht gibt es Situationen, in der Suizid zwar keine Lösung ist, aber immerhin Erlösung?

Ich verstehe den Wunsch nach Selbstaufgabe, ich hatte genug Phasen in meinem Leben, in denen ich alle Kräfte brauchte um weiter durchzuhalten. Bei mir hat es sich gelohnt, ich konnte mir schlussendlich doch wider aller Erwartung ein menschenwürdiges Leben erkämpfen. Was für eine grässliche Vorstellung, ich hätte aufgegeben und all das verpasst, was mir nun vergönnt ist. Aber ich hatte Chancen, so klein die auch waren. Und ich hatte offenbar die Kraft dazu, sie zu nutzen. Aber das bedeutet nicht, dass es allen Anderen in sämtlichen Lebenssituationen so geht.

Die Grenzen der Hoffnung
Ich erinnere mich an den Tod meiner Mutter. Sie war todgeweiht, kein Arzt konnte ihr noch Hilfe bieten. Sie konnte nur noch abwarten, bis sie endlich sterben kann. Sie hatte im Hals ein Loch zwischen Speiseröhre und Luftröhre, alles was runter ging, ging auch teilweise in die Lunge, regelmässige Erstickungsanfälle waren ihr steter Begleiter. Aber sie hatte nicht mehr die Möglichkeit, Sterbehilfe zu organisieren, weil es da Fristen gibt, die eingehalten werden müssen. Sie konnte nur passive Sterbehilfe wählen, um dieses sinnlose Leiden wenigstens zu verkürzen. Diese passive Sterbehilfe, bei der man einen Menschen faktisch verhungern lässt, ist unsagbar grausam. Auch vollgepumpt mit Morphium durchlebte sie Wochen, in denen sie alle paar Minuten die Augen schreckgeweitet aufriss, weil sie Erstickungsanfälle hatte. Würde man ein Tier so verrecken lassen, würde man wegen Verstoss gegen das Tierschutzgesetz eingeklagt. Mit Menschen darf man das machen, wir nennen das Ethik. Es gibt Situationen, in denen Suizidverweigerung pure Grausamkeit ist, wenn Organisationen wie Exit die einzige Möglichkeit sind. Dafür habe ich Verständnis und in so einem Fall würde ich selber auch aufgeben, weil es nichts mehr gibt, das man aufgibt ausser Leiden.

Leidenszwang für psychisch Kranke?
Bei unheilbaren Krankheiten mit grossem Leiden haben doch viele Menschen ein gewisses Verständnis, dass man dem Leiden ein Ende setzt und todkranke Menschen nicht noch weiter quält. Anders sieht es bei psychisch Kranken aus. Ihnen wird per Definition die Selbstbestimmung aberkannt, in vielen Fällen vielleicht sogar mit gutem Grund. Gerade bei akuten Depressionen besteht eine gute Chance, dass man den Betroffenen helfen kann, da lohnt es sich Zeit zu gewinnen und zu versuchen, den Zustand zu verbessern. So Mancher hat schon Lebenslagen erlebt, in denen man aufgeben wollte und es doch nicht getan hat und heute froh ist darüber. Aber es gibt auch psychische Erkrankungen, die man nicht heilen kann, die einen Leidensdruck hervorbringen, der einfach unerträglich ist – auch auf lange Sicht hinaus. Gerade bei nicht akuter Lebensmüdigkeit kann man irgendwann die Grenze des Erträglichen überschreiten. Wer darf darüber entscheiden, wer wann am Ende seiner Kraft ist?

Pflicht zur Hilfe – so oder so
Wäre in meinem Umfeld jemand nicht mehr in der Lage, das Leben zu ertragen, würde ich ihm helfen. Bei akuten Fällen würde ich Chancen aufzeigen, unterstützen, Lösungen suchen, ich würde alles daran setzen, um diesen Menschen davon abzuhalten, weil es fast immer eine Chance gibt. Egal ob jemand den Partner verloren hat, keinen Job oder kein Geld hat, ausgestossen oder diskriminiert wird, hoffnungslos ist, ich würde immer alles ausschöpfen, um ein Weitergehen möglich zu machen. Aber wenn es keine Chancen mehr gibt – und solche Fälle gibt es, ob uns das passt oder nicht – dann würde ich mich genauso verpflichtet fühlen, diesen Menschen auch auf diesem letztem Weg zu begleiten und zu unterstützen.

Kämpfen bis zum letzten Blutstropfen
Ich bin eine Kämpfernatur und als Solche möchte ich auch ein Vorbild sein. In meinem Leben musste ich vieles erdulden und es gab oft Zeiten, in denen ich froh gewesen wäre, wenn ich hätte aufgeben können. Ein Psychologe sagte mir mal, dass die meisten Menschen sich das Leben genommen hätten, wenn sie all das hätten durchmachen müssen. Da wird er wohl Recht haben. Aber ich habe durchgehalten und bin so zum lebenden Beweis geworden, dass sich das Durchhalten auszahlen kann, wenn man nur hartnäckig genug ist. Es ist erstaunlich, wie oft man zu Boden gehen kann und wieder aufzustehen vermag – noch erstaunlicher ist, dass man nach so einem Leben irgendwann sogar aufrecht steht und mit glücklichem Lächeln in die Zukunft schaut. Aber jeder Mensch hat Grenzen, niemand ist unbesiegbar, auch das gilt es zu respektieren.

All denen, die glauben keine Kraft mehr zu haben, die aufgeben möchten, die keine Hoffnung mehr haben, all denen möchte ich zurufen: Gib nicht auf, kämpfe weiter, manchmal geschehen Wunder und Du würdest möglicherweise das Beste in Deinem Leben wegwerfen, weil das Beste noch vor Dir liegt. Gib nicht auf, bitte, gib nicht auf, es wäre so schade um Dein zukünftiges Leben, das vielleicht so schön würde wie Meines geworden ist, weil ich nicht aufgegeben habe.

Aber in den wenigen Fällen, in denen es wirklich keine Aussicht mehr gibt, möchte ich deren Umfeld zurufen: Lasst sie los, wenn sie schon nicht mit Würde leben konnten, dann gönnt ihnen wenigstens, in Würde zu sterben. Doch diese Aussichtslosigkeit ist erst erreicht, wenn der letzte Blutstropfen vergossen ist, bis dahin rufe ich auch diesen Menschen zu: Kämpfe weiter – nichts ist unmöglich, denen, die das Unmögliche wagen – kämpfe weiter!

Dianas artgerechte Arbeitsplatzgestaltung

Das Bild mit der pink Tastatur und den tussi-haften Beschriftungen der Tastaturen, das ich in der Kapitel-Vorstellung ‘Lustiges’ gezeigt habe, wurde zum Anlass einer Blödelei im Kommentarbereich zwischen Daniela und mir. Sie wollte diese Tastatur unbedingt und versprach, sie würde sich dafür sogar die Haare aufblondieren und die Fingernägel pink lackieren. Glaubt mir, sie ist absolut nicht der Tussi-Typ, gerade das war so amüsant dran. Jedenfalls blödelten wir da rum und immer mehr bekam ich Lust, wirklich eine “Mädchen-Tastatur” für mich zu kaufen. Also googelte ich mal rum und fand so Allerlei, das ich hier mal vorstellen möchte. Mädchenkram der computerisierten Art sozusagen ;-)

Eine spannende Alternative fand ich hier, die ist nicht nur pink sondern auch faltbar, so hat sie in jeder Handtasche platz und ist zudem noch wasserdicht, falls der Nagellack in der Handtasche ausleert oder man bei der Arbeit mal wieder Sekt äh Kaffee drüber kleckert.
Passend dazu fand ich hier eine hübsche Maus samt Mausmatte, die würd sich prächtig machen an meinem Arbeitsplatz und alle wüssten sofort, wo sie mich finden.
Amazon hat übrigens auch für mich zuhause etwas zu bieten, beispielsweise diese hübsche Folie hier, die man auf jeden Notebook kleben kann. Ich hab ja einen nigelnagelneuen Notebook in schwarz, ich glaub fast, ich muss den feminisieren :-) Ich hab übrigens bei der Evaluation meines neusten Notebooks allen Ernstes nach einem lila oder pink Notebook Ausschau gehalten. Aber schlussendlich siegte doch die Vernunft über die Östrogene und ich kaufte den Neuen aufgrund der technischen Daten – etwas Resttestosteron scheint mir doch noch geblieben zu sein – in diesem Fall bin ich froh drum.
Was ich mir aber wirklich ernsthaft überlege ist die Anschaffung dieser Notebook-Tasche hier. Falls ich zukünftig meinen Notebook auch mal mit zu Juliet nach Germanien mitnehme, würde so ein Köfferchen doch prima zu mir passen :-)
Mein bisheriger Favorit ist diese lila Hannah Montana Tastatur. Nicht, dass ich mit dem Teenie-Idol Hannah Montana was am Hut hätte, aber ich mag lila und das würd so schön zu meiner Windows-Hintergrundfarbe in der Firma passen, die im übrigen meine Jungs ziemlich irritiert hat – warum ist mir ein Rätsel, sieht doch wirkich hübsch aus, so ein lila Desktop.
Auf der Suche nach einer Mädchentastatur fand ich dafür hier etwas ganz Tolles, der erste Werkzeugkasten für Mädels. Da heisst es immer, Werkzeug sei nix für Mädels – pah, warum gibt’s dann Welches in pink, hä? Aber trotz des hübschen Aussehens konnte ich mich doch nicht dafür erwärmen, ich mag Werkzeug nicht, das ist mir zu gefährlich das Zeuchs.

Sicherheitshalber möchte ich nun doch noch darauf hinweisen, dass dieser Beitrag nicht bierernst genommen werden sollte, denn in Wirklichkeit gefällt mir pink gar nicht……. Obwohl ich tatsächlich mit einer lila Tastatur liebäugle und auch dieses LG-KP500 Handy in pink habe ;-)

URGENT UPDATE: Zum Glück hab ich gute Freundinnen, Daniela hat die Tastatur gefunden, die gibt’s wirklich, mit einer richtigen oops-Taste und so, guckst Du hier:
Keyboard for Blondes
Jetzt kann ich nicht widerstehen, Daniela übrigens auch nicht,
ich bestell uns hier zwei Stück *gacker*

Ein etwas anderes Glaubensbekenntnis

Dieser Blogbeitrag stammt aus meinem letzten Tagebuch, aber weil er einen meiner wichtigsten Wesensanteile beschreibt und viel über mein Glauben und Denken aussagt, möchte ich ihn hier auch vorstellen……….

Ich wußte nicht, wo ich eintrat,
aber als ich mich dort sah,
unwissend, wo ich mich befand,
begriff ich große Dinge;
ich werde nicht sagen, was ich empfand,
da ich unwissend blieb,
alles Wissen übersteigend.
(Johannes vom Kreuz)

Wenn ich heute gefragt werde, ob ich gläubig bin, dann gibt es zwei mögliche Antworten. Entweder ich sage: ich sei “konfessionslos gläubig” oder ich sage, ich sei “Nazarenerin”. Die jüdische Gruppe rund um Jesus, aus der später das heutige Christentum entstand, wurden von Anderen “die Nazarener” genannt, weil sie Nachfolger des Jesus von Nazareth waren. Damit will ich sagen, dass ich Jesus nachfolge in dem ich der von ihm postulierten Ethik nachfolge, dass ich aber nicht der Glaubensdoktrin einer Kirche folge und es für mich nur einen Gott gibt, derjenige, auf den Jesus und Andere hingewiesen hat.

Wie’s dazu kam, ist mal wieder eine lange Geschichte, also heissts einmal mehr: Bier und Popcorn holen, gemütlich hinsetzen………. Vorhang auf!

Katholisch – und wo ist Gott?
Ich wurde zwar katholisch getauft, wuchs aber in einer Familie auf, die keine religiösen Ambitionen hatte. Wir gingen in der Regel nicht in die Kirche und nur durch die Grosseltern wurde mir ab und zu etwas Religion vermittelt. Trotzdem hatte ich früh die feste Überzeugung, dass da irgendwo irgend etwas Göttliches sein musste. Die Welt war viel zu schön und perfekt, als dass sie einfach ein Zufallsprodukt sein konnte. Irgendwoher musste ja all das Zeuchs kommen, das da rumwuselt und vieles in der Natur liess mich staunen…….. und Staunen, ist der Ursprung jedes religiösen Glaubens.

Einführung ins Christentum und die Lüge vom Geschenkligott
In der Jugendzeit ging ich dann in die CVJM, eine Art katholische Antwort auf die Pfadfinder. Dort lernte ich sehr viel über den christlichen Glauben, über Jesus und die Bibel. Und dort lernte man mir auch erstmals die Vorstellung eines Gottes, von dem man alles bekommt, wenn man ihn darum bittet. Das ging in mich rein wie ein heisses Messer durch die Butter. Ich betete, bittete, denn es gab mehr als genug in meinem Leben, wo ich Hilfe gebraucht hätte. Aber es passierte nichts, einfach nichts. Irgendwann kam der Punkt, an dem ich mich einfach nur noch verarscht fühlte. Da erzählen mir die: “Bitte und es wird Dir gegeben”, ich bat, und alles wurde nur noch schlimmer. So zerfiel der Glaube an diesen Geschenkli-Gott zu Staub, von einem Tag zum Anderen. Was blieb war mein Staunen und die feste Überzeugung, dass irgend etwas Göttliches existiert.

Vorübergehender Abschied aus dem Christentum
An meinem 18. Geburtstag bekam die Kirchgemeinde einen Brief, in dem ich um meine Exkommunikation bat und dies damit erklärte, dass ich nicht einer Religion angehörig sein kann, die Frauen auf Scheiterhaufen verbrannte, indigene Völker ausrottete und vieles mehr. Aber ich glaube, das stimmte so nicht, ich war einfach enttäuscht, weil mir diese Religion Hilfe versprach, die ich nie erhielt.

Wer sucht, soll solange weiter suchen, bis er findet.
Wenn er aber findet, wird er erschrocken sein.
Wenn er erschrocken ist, wird er erstaunen.
Und er wird König sein über die unsichtbare Welt.

(Thomas Evangelium 2)

Eine zwanzigjährige spirituelle Reise
Dann begann eine lange spirituelle Reise durch die Welt der Religionen. Eine Reise die mir zeigte, dass alle Religionen wertvolle Schätze zu verschenken hatten. Überall waren Einsichten zu gewinnen, überall gab es etwas zu lernen, was einem im Leben weiter bringt. Aber ich fand keine Religion, die es verdient hätte, den alleinigen Wahrheitsanspruch, den zumindest monotheistische Religionen per Definition beanspruchen, auch zugesprochen zu bekommen.

Buddhismus, Zen, Schicksal und Demut
Zuerst gings los mit Buddhismus und Zen. Dort lernte ich vorallem, das Schicksal anzunehmen. Shunryu Suzuki, ein Zenmeister, fasste es wunderschön zusammen: “Weil wir alle Aspekte des Lebens als eine Entfaltung des grossen Geistes betrachten, deshalb haben wir diese unerschütterliche Ruhe” (frei nachgeplaudert). Ich lernte, dass alles was kommt auch sein Gutes hat, auch wenn ich es noch so ablehne. Selbst Krankheit oder Sonstiges können mich weiter bringen, wenn ich mich nicht dagegen sträube und diese “Lehre” annehme. Diese Lebenshaltung war vermutlich der Hauptgrund, dass ich viele Jahre später, als ich an einem Burnout erkrankte, diesen zur grössten Schule meines Lebens machen konnte…… bis Anfang dieses Jahres, da trat ich in die Königsklasse ein.

Naturvölker und der “grosse Geist” der Indianer
Weiter ging es dann mit Religionen der Naturvölker, im Speziellen der indigenen Völker Nordamerikas, die mich seit Kindheit unerklärlich faszinieren. Die Sioux Indianer nennen Gott “Wakan Tanka”, was im englischen lapidar mit “Great Spirit” übersetzt wird und im deutschen noch sinnentleerter mit “Grosser Geist”. Aber es heisst nicht Great Ghost sondern Great Spirit, damit ist kein Huhu-Gespenst gemeint sondern eine Wesenskraft. In einem Buch las ich dann mal, dass die korrekte Übersetzung von Wakan Tanka in etwa heissen müsste: “Das Wesen, das in allen Dingen ruht”. Unter Wakan Tanka verstanden Indianer so eine Art göttliche Energie, die in allem drin ist, alles ist eine Entfaltung Gottes. Egal ob ein Tier, ein Fluss, ein Stein oder ein Mensch, alles war durchdrungen von dieser göttlichen Wesensart. Das war auch der Grund, weshalb Indianer beispielsweise ein bei der Jagd getötetes Tier um Verzeihung baten – eine rührende Vorstellung, die meinem Empfinden enorm entsprach. Damals hätte ich nie gedacht, dass mir diese Vorstellung eines Tages ausgerechnet in der christlichen Religion wieder begegnen würde.

Odin, Thor und andere Vorstellungen
Auch mit kelto-germanischen Religionen beschäftigte ich mich, auch da fand ich spannende Aspekte, die mich auf meinem Weg weiter brachten und das Bild abrundeten.

Gott – das Unvorstellbare und Unaussprechliche
Erst viel später, am Ende dieser Suche, wurde mir klar, dass alle Religionen eigentlich vom Gleichen reden. Es gibt nur eine göttliche Macht, die hinter allem Sein steht und das Göttliche ist unvorstellbar und undenkbar, es übersteigt unsere Vorstellungen bei Weitem. Deshalb brauchte es Religionen, die das Unvorstellbare vorstellbar machten und das geht nur durch Vereinfachung. Und da spielt es keine Rolle, ob man sich dieses Unvorstellbare als einen einzelnen Gott vorstellt oder die verschiedenen Aspekte von verschiedenen Göttern darstellen lässt. Auch monotheistische Religionen wie das Judentum haben viele Namen für diesen einen Gott, jeder Name steht für bestimmte Aspekte Gottes. Bei diesen Namen Gottes sind solche dabei wie der “Herr der Heerscharen” aber auch die weibliche Schechina, ein für Juden wesentlicher Aspekt Gottes. Andere Religionen machten aus diesen Aspekten einzelne Götter. Aber im Endeffekt bleibt es dasselbe und auch wenn Christen zwischen Gott, Jesus und dem “heiligen Geist” unterscheiden, bleibt doch hinter all dem das eine Göttliche, das Unaussprechliche.

Ich gebe euch ein neues Gebot: Liebt einander.
Ihr sollt einander so lieben, wie ich Euch geliebt habe..

(Johannes 13,34)

Evangelikalismus oder die Pervertierung der jesuanischen Lehre
Eines Tages stolperte ich in ein christliches Forum, in dem es von evangelikalen Christen wimmelte. Das evangelikale Christentum stammt aus Amerika und wie vieles, was von dort kommt, ist (meines Erachtens) der Evangelikalismus die grösste Pervertierung des christlichen Glaubens. Die Bibel wird absolut wörtlich genommen (wenn es einem in den Kram passt), Homosexuelle werden verteufelt, Selbstbefriedigung dämagogisiert und alles mit Verweis auf aus dem Zusammenhang gerissene Bibelstellen. Ich war dort mit einer Form von Grausamkeit konfrontiert, die mir das Blut in den Adern gefrieren liessen. Da konnte Jesus sich den Munde fuslig reden über Liebe, Vergebung und Nicht-Richten. Diese selbsternannten Heiligen der Neuzeit zerrten alles in die Hölle in ihrem Kopf, was nicht 100% mit ihrem Glauben übereinstimmte.

Derjenige von euch, der ohne Sünde ist,
soll als erster einen Stein auf sie werfen.

(Johannes 8,7)

Die Bibel als Waffe? Das kann ich auch!
Da konnte ich einfach nicht anders als mit diesen Leuten rumzustreiten und so kamen in kurzer Zeit 800 Forumbeiträge zusammen. Da mir diese Leute ständig Bibelstellen um die Ohren hauten, begann ich mich selber wieder mit der Bibel zu beschäftigen und es war in der Regel ein Leichtes, ihre obskuren Fehlinterpretationen aufzudecken – natürlich ohne dass sie das bemerkt hätten. Das machte mich wieder vertrauter mit dieser Schrift und ich entdeckte da wieder wundervolle Stellen, vorallem die sogenannten Jesusworte. Das was Jesus predigte, war einfach nicht das, was ich heute im Christentum antreffe. Irgendwann wurde es sogar mir zu blöd dort und ich verliess das Schlachtfeld.

Laientheologie und urchristliche Überlieferungen
Doch ich war neugierig geworden und wollte unbedingt mehr über das Denken und die Lehre von Jesus erfahren. Ich las sehr viel und erfuhr einerseits, dass die Bibel kritisch gelesen werden muss. Es gibt redaktionelle Veränderungen, theologische Einschübe und vieles mehr (siehe z.B. Textkritik). Jedes der vier Evangelien, die die Geschichte des Nazareners beschreiben, beinhaltet eine eigenständige Theologie. Jeder dieser Berichte ist sozusagen eine Sichtweise des jeweiligen Evangelisten und diese unterscheiden resp widersprechen sich teils in interessanter Weise (siehe Evangelien-Synopse). Aber eines zieht sich wie ein roter Faden durch diese Erzählungen, die Jesus-Worte. Ich erfuhr, dass es noch andere urchristliche Überlieferungen gab, wie es auch verschiedene christliche Gruppierungen gab. Aber nach dem 1. Konzil von Nizäa im Jahr 325 siegte eine Gruppe dank Hilfe des römischen Kaisers Konstantin und alle anderen Gruppierungen wurden samt ihren Überlieferungen verboten. Aber viele dieser Schriften haben die Verfolgung überlebt und bieten ganz neue Sichtweisen. Im Speziellen das sogenannte Thomas Evangelium, eine Spruchsammlung von über hundert Jesus-Worten (Aussprüche). Viele dieser sogenannten Logien entsprechen denen der Bibel und sind teilweise sogar älter als die Urschriften der Bibel – sprich authentischer. Aber es hat auch eine Vielzahl von “unbekannten” Jesus-Worten und diese haben es in sich….. und haben es mir angetan….. und hier begann sich der Kreis zu Wakan Tanka zu schliessen und ich begann auch die Jesus-Worte in der Bibel mit neuen Augen zu sehen – und mein Staunen erreichte nie dagewesene Ausmasse.

Urtext verstehen und mit griechischen Augen lesen
Als mir klar wurde, dass Übersetzungen immer mit Verlust belastet sind und dass bei den Übersetzungen manchmal Theologie über Grammatik gestellt wurde, begann ich alt-griechisch zu lernen im Selbststudium. Es dauerte etwa ein bis zwei Jahre, bis ich in der Lage war, das Neue Testament im griechischen zu lesen und zu verstehen. Das griechische NT ist leider die älteste Überlieferung die wir haben, es gibt nichts über Jesus in hebräisch resp aramäisch und so ist auch der griechische “Urtext” bereits sehr verfremdet, weil hebräisch eine völlig andere Denkwelt voraussetzt als griechisch. Jedenfalls hatte ich den “Urtext” und ging akribisch dahinter, die Jesus-Worte zu studieren, die Paralellen in den Evangelien und die apokryphen (ausserbiblischen) Überlieferungen zu vergleichen. Einmal mehr taten sich Welten auf und das brachte mich irgendwann an den Punkt, an dem ich davon überzeugt war, dass Jesus uns genug gesagt hat, damit wir ein friedliches und glückliches Leben führen könnten – wenn wir ihn denn ernst nehmen würden und ihm nachfolgen würden.

Glühen ist besser als Wissen.

(Bernhard von Clairvaux)

Christliche Mystik und Mönchstum
Ich unternahm auch eine lange Reise in die Welt der christlichen Mystik. Mystik ist so etwas wie das Gegenteil von Dogmatismus. Ein Mystiker weiss, dass er nichts weiss und er glaubt, dass es im Glauben keine Rechthaberei gibt, dass jeder Mensch seinen persönlichen Weg hin zu Gott gehen kann, da gibt es kein richtig oder falsch, es gibt nur ein Ziel. Mystiker aller Religionen vertragen sich prächtig. Ein katholischer Mönch wird mit einem muslimischen Derwisch bestens klar kommen, sie haben keine Differenzen, sie haben nur unterschiedliche Blickwinkel und unterschiedliche Erfahrungen auf ihrem eigenen persönlichen Weg. Was für eine Wohltat im Vergleich zu dogmatischen Kirchen, die sagen: Entweder Du glaubst genau das was wir sagen und zwar so wie wir Dir das vorschreiben, oder Du brennst in der Hölle. Ich las viele Schriften und bekam viele neue Vorbilder. Der Franziskaner Franz von Assisi, der Nächstenliebe wie kein Anderer praktizierte, der Zisterzienser Bernhard von Clairvaux oder der Karmeliter Johannes von Kreuz, die den Weg zu Gott nur mit allumfassender Liebe gingen und viele andere faszinierende Gestalten in der Geschichte des christlichen Mönchstum. Das christliche Mönchstum war schon immer mystisch und es ist bis heute so geblieben. Höhepunkt war dann eine Besinnungswoche im Benediktiner Kloster in Einsiedeln, eine Erfahrung die wirklich tief geht.

Siehe, das Reich Gottes ist innerhalb von Euch!
Doch irgendwann wurde es Zeit, auch diesen Weg zu verlassen. Ich legte alles hin was ich zwanzig Jahre gelernt hatte. Ich musste nicht mehr weiter nach Gott suchen, ich hatte ihn/sie/es gefunden…… in mir – in Dir – in Euch allen. Seit diesem Tag habe ich grosse Ehrfurcht vor allen Mitgeschöpfen, weil ich nun tief in mir spüre, dass wir alle eins sind, durchdrungen von derselben Macht, Entfaltung desselben unaussprechlichen, unvorstellbaren Göttlichen, das niemals verstanden werden kann sondern nur erfahren. Es war der Tag, an dem sich mein Herz mit Liebe füllte und ich glaube sogar, es war die Grundlage dafür, dass ich mich selbst eines Tages lieben lernte und meine in einen Kerker eingesperrte Wesensart entfalten konnte. Die Fascetten der Entfaltung Gottes sind endlos zahlreich, ich bin eine von Vielen, die alle in sich einzigartig und doch wesensgleich sind.

Eine Freundin, die in Deutschland in einer christlichen Zen Gruppe ist, erzählte mir mal etwas, was die Erkenntnis meiner zwanzigjährigen Reise in einem Satz zusammennfasst. Wenn sie sich begegnen, dann begrüssen sie sich mit dem Wort “Namaste“………. was sinngemäss zu verstehen ist als:

Ich ehre in Dir den göttlichen Geist, den ich auch in mir selbst ehre – und ich weiß, dass wir somit eins sind.

Ich bin das Licht, das über allem ist.
Ich bin die himmlische Welt.
Sie ist aus mir hervorgegangen,
und in mir hat sie ihr Ziel erreicht.
Spaltet ein Stück Holz, ich bin da.
Hebt einene Stein auf, ihr werdet mich dort finden.

(Thomas Evangelium 77)

Die Schweiz und das Recht aufs Töten

Abstimmungen haben für mich immer zwei Seiten. Das Negative ist, dass ich fast ausnahmslos auf der Verliererseite stehe, weil ich – wie mir scheint – zu den Wenigen gehöre, die sich auch ernsthaft Gedanken darüber machen und die gedreschten Parolen hinterfrage. Aber das Positive daran ist, dass mir stets eine Form von Realsatire geboten wird, die – wenn man es schafft, die dahinterliegende Ernsthaftigkeit zu vergessen – doch irgendwie zum todlachen ist. Diesmal sogar wortwörtlich – Zeit für ein kleines bisschen Zynismus.

Es vergeht ja kaum ein Monat, ohne dass hierzulande irgendjemand sich selbst, seine Familie oder jemand der grad so blöd an der Bushaltestelle steht, mit einem Armee-Sturmgewehr abknallt. Wir sind dann immer ein wenig entsetzt, nehmen das aber hin, wir sind ja neutral hier in der Schweiz. Und wenn dann halt mal wie im Fall Hönggerberg eine 16-Jährige zum Bauernopfer eines Miliz-Armee Mythos wird, dann dient das ja irgendwie auch der Landesverteidigung – im weitesten Sinne.

Wenn sich jemand selber das Hirn aus dem Schädel ballert, mag das ja Privatsache sein, jeder kann selber über sein Leben entscheiden und ein wirklich gewollter Suizid ist auch ohne Sturmgewehr möglich. Aber wenn’s darum geht, dass mal wieder ein jähzorniger Familienvater in seiner Ehre gekränkt ist oder sonst einfach irgendwie mies drauf ist, dann ist der Finger einfach schneller gekrümmt als dass jemand mit einem Küchenmesser in Gedärmen rumwühlt. Das mein ich jetzt nicht satirisch, das ist wirklich so. Mit einer Schusswaffe hat man keinen direkten Körperkontakt, die Hemmschwelle ist viel tiefer als wenn man “Hand anlegen muss”. Und dann sind eben solche Amokläufer und sonstwie Durchgeknallte, die mit so einer Waffe nunmal mehr Schaden anrichten können als wenn sie mit dem Dosenöffner rumrennen.

Das Schweizer Volk konnte jetzt abstimmen, ob das Waffengesetz verschärft wird, im Wesentlichen wäre es darum gegangen, ob die gefühlten zehntausend Milliarden Sturmgewehre griffbereit in Wohnungen oder eingeschlossen in Zeughäusern rumstehen. Militärisch machen die ja eh keinen Sinn, wer glaubt, im Kriegsfall würde jeder sein Gewehr nehmen und wie Rambo allein durch Strassenschluchten rennen und den Feind niedermachen, der hat echt die falschen Filme gesehen. Aber es ist eben Tradition hierzulande und für etwas Tradition opfern wir gern mal ein paar niedergeschossene Familien. Und wer wie im Fall Hönggerberg an der Bushaltestelle niedergeschossen wird, weil ein psychisch gestörter Soldat private Schiess-Weiterbildung betreibt, darf sich ja dann immerhin als Märtyrerin einer schweizerischen Tradition wissen. Ihr wisst schon, Landesverteidigung und so.

Eigentlich braucht niemand ein vollautomatisches Sturmgewehr bei sich zuhause, ausser potentielle Amokläufer und Männer, die ihre Familie nicht im Griff haben. Aber soviele von denen wird es ja wohl hoffentlich nicht geben, also wer in aller Welt hat dann Ja gestimmt, wer wollte dass diese gefühlten hunderttausend Milliarden Gewehre hier rumstehen – und wozu?

Ich erinnere mich noch an meine Kindheit, mit welch diebischer Freude ich mit dem Karabiner meines Vaters auf dem Dachstock rumspielte, mit etwas Übung konnte ich sie sogar durchladen. Zum Glück war keine Munition drin, sonst könntet Ihr das hier jetzt wohl nicht lesen. Aber echte Schweizer brauchen sowas, ein Mann ist erst ein Mann, wenn er eine Flinte hat, stimmts? Ok, zugegeben, ich habe selber eine Pistole zuhause, aus alten Zeiten als ich noch jung und verrückt war. Aber ich würde jederzeit Ja sagen zu einer gesamtschweizerischen Entwaffnung und würde Meine mit Freude abgeben.

Witzig daran ist, dass wir Mädels die Jungs hätten überstimmen können. Aber scheinbar gabs da keine Mehrheiten. Wer von uns als Nächstes erschossen wird, wissen wir ja nicht, jede von uns könnte es sein – wir wissen nur, dass sich Schweizer Armeewaffen häufiger gegen Frauen richten als gegen Kriegsfeinde. Ok ich bin da weniger in Gefahr, ich bin mit nem Mädel zusammen und Mädels erschiessen in der Regel niemanden und ausserdem ist sie ja Deutsche und die wurden vor fünfzig Jahren entwaffnet. Naja, wenn ich an Bushaltestellen stehe trifft’s vielleicht doch mich oder wenn ich mal wieder von SVP-Sympathisanten Morddrohungen bekomme, muss ich mir da doch etwas Sorgen machen.

Aber mich triffts eh nicht – denken wir ja alle – auch die, die bereits erschossen wurden – und auch die, die als Nächstes dran sind.

Ich frage mich was für ein Gefühl das ist für die Ja-Stimmer, wenn die nächste Familie mit einer Schweizer Armeewaffe erschossen wird. Ob da sowas wie Schuldgefühl aufkommt? Naja, man findet ja eh immer Ausreden, den Leuten wird da schon was einfallen. Abgesehen von den Opfern, denen fällt dann nix mehr ein, die liegen dann nur noch blöd rum und bluten die ganze Wohnung voll.

Direkte Demokratie ist schon was Seltsames, man kann sich damit sogar sein eigenes Grab schaufeln und merkt es nicht mal. Seltsam, nicht?

Zum Nachdenken – wenigstens im Nachhinein:
Jedes vierte Familiendrama passiert mit Armeewaffe
Gesucht: 30’000 Munitionsdosen der Armee
Mit Armeewaffe angeschossen
90 Tote durch Suizid mit Sturmgewehr

Und hier noch ein paar Beispiele zum heiteren Umgang mit Schweizer Armeewaffen…….

23. Nov. 2007: Ein 21-jähriger Soldat erschiesst in Zürich-Höngg mit seinem Armee-Sturmgewehr eine 16-Jährige. Am 27. wird er verhaftet.

13. Aug. 2007: Im neuenburgischen Montmollin erschiesst ein 67- jähriger Mann seine 52-jährige Ehefrau und dann sich selbst mit einer Militärpistole.

12. April 2007: In einem Hotel in Baden schiesst ein Mann mit seinem Armee-Sturmgewehr und seiner Taschenmunition um sich und tötet dabei einen Mann. Drei weitere Personen wurden verletzt. Der Täter kann festgenommen werden.

21. März 2007: In Chur erschiesst ein 29-Jähriger eine 21- jährige Frau mit einem Sturmgewehr. Danach wird er fest genommen.

30. April 2006: Die ehemalige Skirennfahrerin Corinne Rey-Bellet und ihr jüngerer Bruder Alain werden in Les Crosets VS vom getrennt lebenden Ehemann mit dessen Dienstpistole erschossen. Anschliessend begeht der Täter Selbstmord.

5. Juli 2004: Ein Kadermann der Zürcher Kantonalbank (ZKB) erschiesst nach einem Konflikt am Arbeitsplatz in Zürich zwei Vorgesetzte mit seiner Armeepistole und richtet sich selber.

25. April 2003: In Buchillon VD erschiesst ein 27-jähriger Mann mit einem Armee-Sturmgewehr 90 seinen Vater.

4. Jan. 2003: Ein Jugendlicher erschiesst mit einem Sturmgewehr in Courtemautruy JU versehentlich einen Kollegen. Der junge Sportschütze hatte die Armeewaffe vom lokalen Schützenverein erhalten, die Munition hatte er entwendet.

19. April 2002: In St. Gallen erschiesst ein 21-jähriger Mann seine Mutter und seine Grossmutter mit dem Sturmgewehr.

19. Feb. 2002: In einem Pornokino in Lausanne schiesst ein arbeitsloser Mann mit seinem Sturmgewehr um sich, tötet einen Mann und verletzt zwei weitere, bevor er sich erschiesst. Unklar bleibt, ob es sich um eine private oder um eine Armeewaffe handelte.

Beim Amoklauf im Kantonsparlament in Zug am 27. September 2001, bei dem 14 Menschen starben, verwendete der Amokschütze Leibacher zwar Armeewaffen, die er aber persönlich erworben hatte. Er hatte keinen Militärdienst geleistet.

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