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Dianas grammatikalische Anarchie

Mir wird mal wieder bewusst, dass ich so eine Art grammatikalische Anarchie betreibe. Obwohl mir Worte und korrekte Schreibweisen eigentlich viel bedeuten, habe ich seit je her die Eigenart, dass ich eine eigene Beurteilung habe darüber, was korrekt ist und was nicht. Und da unterscheiden sich meine Ansichten deutlich von denen von Duden und Konsorten.

Das ist jetzt wieder arg spürbar, weil ich gerade dran bin, alle Blogbeiträge 2010 fürs Buch aufzuarbeiten und weil ich da etwas mehr Korrektheit möchte, geh ich mit der Rechtschreibung drüber. Aber kurioserweise bin ich mehr daran, das dahinterliegende Wörterbuch mit meinen Kreationen zu füllen, als dass ich meinen Text korrigieren würde – zumindest eben wenn es meiner Logik entspricht.

Eigener Wortschatz
Denn die offiziellen Wörterbücher haben keinen Schimmer von Worten wie:

  1. Zeuchs: ist halt einfach so Zeug
  2. Flugi: ist ein Flugzeug
  3. Gummicolafläschchen: kennt jedes Kind aber kein Duden
  4. Blogtagebuch: muss man kennen, oder?
  5. Dumpfbacke: noch nie “eine schrecklich nette Familie” gesehen?
  6. GaOp: ok das ist Insider-Kram
  7. Kram: ist irgendwie wie Zeuchs nur irgendwie anders
  8. Glubschaugen: stellt mich vor n’Schuhladen und seht in mein Gesicht
  9. Psychiatriesekte: Ihr wisst schon, die Faktenresistenten
  10. Faktenresistenz: na eben die Ignoranten der obigen Sekte
  11. stöckeln: wir Mädels kennen das, nicht?

Artikulations- und Emotionalisierungsworte
Aber nicht nur, dass ich über einen eigenen Wortschatz verfüge, diese Duden kennen auch keine Artikulationsworte, wie ich sie so gern benütze und wie sie im Internet verbreitet sind wie beispielsweise *gacker*, *lächel*, *staun*, *wieher*, *kreisch*

Auch Emotionalisierungsworte (habsch soeben erfunden) kennen die nicht wie beispielsweise Jauh, boah, öhm, äh, Wow und so.

Philosophie und Blödelkram
Dramatisch wirds für das Korrekturprogramm, wenn ich philosophisch werde, das Ding ist völlig überfordert mit Umschreibungen wie realitätsresistent, empathielos, testosterongeschwängert………

Und wenn ich dann noch rumalbere, dann ist das Programm völlig ratlos, beispielsweise wenn ich vom Rausguckdings rede oder so.

Überflüssige Wort-Endungen
Juliet weiss als Norddeutsche besser als ich, dass Wortendungen eigentlich Tüdelkram sind, die braucht einfach niemand. Norddeutsche lassen deshalb diese Zierbuchstaben am Schluss weg und ich tu’s auch so. Ich gehe nicht, ich geh. Ich denke nicht, ich denk. Manchmal denke ich auch, aber oft denk ich nur – denk ich mal.

Dasselbe gilt für beschleunigte Artikel, also n’Mädel ist ein Mädel und so. Naja, dass das Programm nicht weiss, was ein Mädel ist, brauche ich nicht mehr gross zu betonen, das Ding hat echt null Ahnung :-)

Komma-Akrobatik
Was das Rechtschreib-Programm aber nicht merkt, ist meine Art, ganz viele Teilsätze aneinanderzureihen und so einen riesigen Satz zu machen. Das ist bei mir Stilmittel – echt wahr. Ich mach das oft bei sich steigernden Aufzählungen oder wenn mehrer Sätze für mich in einen einzigen Gedanken hinein gehören. Ist wie in der klassischen Musik, da darf’s auch mal episch werden ;-)

Und bekloppte Kamele
Ausserdem mag ich KamelHöckerSchrift, anstatt sinnlos Zeit und Platz zu vergeuden mit ollen Bindenstrichen, kann man einzelne Wortteile von zusammengesetzten Worten auch mittels Hochstellung der ersten Buchstabens jedes Wortteils optisch prägnanter darstellen. Boah das klang jetzt klug, was? Jedenfalls zeigt sich so beispielsweise viel eingänglicher, dass eine TransFrau genauso wie eine HausFrau eine gemeinsame Basis haben, ich weiss nicht, ich find’s irgendwie halt auch einfach hübsch so :-)

Beeindruckend, nicht?
Auf jeden Fall zeigt sich in aller Deutlichkeit, dass ich eine ungeheure Bereicherung für die deutsche Sprache bin und die Sprache geradezu revolutioniere. Dafür gehörte mir eigentlich ein Friedensnobelpreis verliehen, aber man kennt das ja, Undank ist der Weltenlohn ;-)

Widerspruch abgesprochen
Und wer mir jetzt vorwerfen will, ich würde Schindluder treiben mit der Sprache, dem sei gesagt: Wenn sich die Sprache nicht ständig weiter entwickelt hätte, würden wir uns heute noch Bananen an den Kopf werfen. Ich bin also sozuagen nur Teil einer grammatikalischen Evolution, das wird schon korrekt sein so :D

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