Politically incorrect since 1966

Die Bestie im Menschen

Ekel der die Welt ergreift
Hass der durch die Herzen fliesst
Verderben das durch die Reihen zieht
Des Menschen edle Reihen

In denen Gleiches nur zu Gleichen steht
Dazwischen eine Kluft sich schlägt
Und Rassen wie Geschlechter trennt
Oh Ekel der sich der Welt bekennt

(Lacrimosa – Das Schweigen)

Schon als Kind befremdete es mich zutiefst, immer wieder zu erleben, dass viele Menschen ein Bedürfnis danach haben, Andere zu verletzen oder noch besser zu demütigen. Es schien mir schon bald, dass viele kleingeistige Menschen sich offenbar nur gross fühlen können, wenn sie Andere klein machen. Soweit konnte ich das rational ja noch irgendwie verstehen, auch wenn ich es für noch so daneben halte. Aber dass diejenigen, die Andere quälen, nicht wahrnehmen können, dass sie grosses Leid verursachen, diese Mitgefühlslosigkeit, die entsetzte mich geradezu. Warum sind soviele Menschen so? Warum fällt es vielen so schwer, wahrzunehmen, was sie mit ihrem Handeln anrichten? Bin ich denn wirklich von gefühlsunfähigen Soziopathen umgeben?

Aber ich glaube nicht, dass der Mensch an sich soviel Bösartiges in sich trägt, Menschen werden so, weil sie elementarste Lebensregeln nicht gelernt haben. Andere zu respektieren, auch wenn sie anders sind als man selbst, das ist eine Einstellung, die gelernt werden muss. Meine Eltern konnten mir das vermitteln, viele Andere hatten offenbar nicht dieses Glück. Mir wurden so Werte vermittelt, dass nicht alle Menschen so sind wie ich und dass ich sie respektieren muss, auch wenn sie anders sind. Mir wurde gelernt, dass man behinderte Menschen nicht auslacht oder ausgrenzt, dass die sich ihr schweres Schicksal nicht ausgesucht haben und ihr Leben schon schwer genug ist und nicht noch mehr Belastungen braucht. Aber schon als Kind erlebte ich so oft, dass Viele da völlig anders ticken.

Während meiner Primarschule hatte ich längere Zeit einen sehr guten Freund, er war ein erzlieber Mensch, wir konnten stundenlang miteinander lachen, konnten über alles reden, er war echt toll. Aber im ganzen Schulhaus wurde er gemieden, er war extrem gross für sein Alter und hatte einen starken Buckel, gesamthaft wirkte er wirklich sehr aussergewöhnlich. Das reichte, dass er von allen ausgegrenzt und verspottet wurde. Ich wiederum habe sein Äusseres nie als Kriterium empfunden, ob ich mit ihm reden soll oder nicht. Also kamen wir ins Gespräch und wurden Freunde. Dass mir das selber Spott einbrachte, war mir irgendwie egal. Ich hatte da einen guten Freund gefunden und das schien mir wichtiger als ob sich Andere über unsere Freundschaft lustig machen.

Diese Lebenshaltung, mit der man Andere so nimmt und respektiert wie sie sind, begegnete mir sehr selten und ich verstehe einfach nicht warum. Warum fühlen sich so viele Menschen erst dann gut, wenn sie Andere schlecht machen? Warum empfinden Manche Glück erst dann, wenn sie Anderen Leid zufügen? Und warum bekämpfen so Viele Andere, nur weil sie nicht ihren eigenen kleinkarierten Vorstellungen entsprechen?

Was geht es mich an, wie Du aussiehst, wie Du Dich benimmst, was Du tust, wer Du bist…… solange Du damit niemandem schadest? Und was geht es Dich an, was für ein Leben ich führe, solange ich Deines nicht beeinträchtige? Warum verurteilst Du mich, wenn ich nicht denselben Lebensweg gehe wie Du? Warum siehst Du nicht, dass mein Herz blutet, wenn Du mich verletzt?

Warum bringt Ihr soviel Leid über Andere, seid mal Täter, mal Opfer, was für ein idiotischer Krieg der Gesellschaft ist das? Und wem dient er? Wer hat etwas gewonnen, wenn immer wieder eine Gruppe über jemanden herfällt, ihn erniedrigt und demütigt – ohne dass jeder Einzelne sich sicher sein kann, dass er nicht nächstes Mal derjenige ist, der von einer Gruppe kaputt gemacht wird? Ist es das wert, sich gross fühlen zu können weil man im Schutz einer mobbenden Gruppe gemeinsam über jemanden lachen kann, wenn dieser Jemand dabei kaputt geht? Wieviele Menschenopfer braucht so ein durchschnittlicher Kleingeistiger, bis er sich gross genug fühlen kann um ein Leben zu führen, ohne dabei auf dem Rücken Anderer trampeln zu müssen?

Ich fand es schon immer unsäglich traurig, immer wieder zu erleben, wie meine Mitmenschen sich gegenseitig zerreissen und auffressen und sich dabei sogar noch cool vorkommen. Wie degeneriert muss eine Spezies sein, wenn sie sich selber das Leben so schwer macht? Der Mensch – sagte einst ein grosser Philosoph – ist wahrlich das grausamste aller Tiere – es stimmt mich traurig, dass ich dem beipflichten muss.

Die Scheiterhaufen der Gesellschaft haben nie aufgehört zu brennen, sie änderten nur ihre Gestalt, aus den hohen lodernden Flammen der Scheiterhaufen wurden kleine hübsche Feuerchen, die in die Herzen von Menschen eingeschossen werden und sie innerlich verbrennen lassen – der Grad des Leidens hat sich dabei nicht merklich verändert.

Der Freund ist viel zu nahe
Er ist ein Mensch und Feind
Das Schild der Freundschaft deckt ihn jahrelang
Dahinter sammelt er die Waffen

(Lacrimosa – Versuchung)

Die verbeulte Kugel

Dieser Blogbeitrag stammt aus meinem letzten Tagebuch, aber weil er mir sehr viel bedeutet, möchte ich ihn hier auch vorstellen……….

Sehn Sie mich bitte nicht so an, ich weiss dass ich etwas seltsam aussehe….. nein ich bin kein Würfel, ich bin eine verbeulte Kugel….. ja ich weiss dass ich ähnlich aussehe wie ein sehr seltsamer Würfel, aber das liegt daran dass ich eben kein Würfel bin sondern eine verbeulte Kugel.

Ich weiss das mit Bestimmtheit, ich kam schon als Kugel zur Welt. Schon damals wollte mir das niemand glauben, alle hielten mich für einen unförmigen Würfel. So begannen sie, an mir rumzudrücken, rumzuwürgen, rumzuhämmern, schlugen mir mal links eine, mal rechts eine und so kam es dann, dass aus mir halt mit der Zeit eine ziemlich verbeulte Kugel wurde. Irgendwie schafften sie es in all der Zeit nicht, mich in eine Würfelform zu kriegen. Ist ja auch kein Wunder, ich bin ja eine Kugel. Wie in aller Welt soll aus einer Kugel ein Würfel werden?

Immer und immer wieder habe ich es ihnen gesagt, bin sogar demonstrativ rumgerollt, damit wirklich auch der hinterst und letzte Depp merkt, dass ich eine Kugel bin. Aber nein, jedesmal nur dieses „Ach jetzt rollt dieser Scheisswürfel schon wieder“ und dann sofort n’paar links, n’paar rechts und dann ab in eine Ecke.

Das Leben als unvollkommener Würfel ist echt anstrengend, fast so anstrengend wie das als verbeulte Kugel. Aber was will man machen, hätten sie mir doch nur von Anfang an geglaubt, dass ich eine Kugel bin. Ich wette, aus mir wär eine richtig schöne Kugel geworden, aber eben, im Nachhinein ist man ja oft schlauer…….. oft, ja aber leider nicht immer.

So ich muss jetzt eins weiter, hab noch n’Termin bei meinem Psychiater. Der behandelt mich weil er denkt, ich würde mich für eine Kugel halten. Irgendwie bin ich froh um meinen Psychiater, das Leben ist manchmal wirklich sehr sehr verwirrend.

Faulheit, Texte, Ausweise und Anwälte im Genick

In letzter Zeit ist von mir kaum etwas zu lesen, das hat mehrere Gründe: weil ich grad irgendwie faul bin, weil ich an der Buchform meines letztjährigen Blogtagebuchs arbeite, weil ich mich mit Adressänderungskram rumschlage und weil mir gerade Anwälte im Genick sitzen – ich fass mal zusammen……..

Faulheit und tausend Dinge zu Schreiben
Die letzten Wochen hatte ich zwar immer wieder Ideen, Dinge über die ich schreiben möchte, aber irgendwie konnte ich mir nie den letzten Ruck geben. Mir scheint, als ob ich irgendwie erschöpft zurücklehne nach all dem was ich nun zwei Jahre lang durchkämpfen musste. Das Gefühl, angekommen zu sein, nötigt mir Ruhe ab. Hinzu kommt, dass ich mich nicht so recht festlegen kann, in welcher Form ich grad schreiben möchte. Einerseits wäre mein neues Blog-Tagebuch angesagt (das hier), aber momentan gibt’s gar nicht so viel Erzählenswertes. Anderseits spiele ich mit dem Gedanken, ein richtiges Buch zu schreiben. Dabei denke ich entweder an eine Autobiographie und oder an eine Art Lebensratgeber zum Thema “nichts ist unmöglich”. Und dann gibt’s auch viele andere Dinge die ich beispielsweise im Bereich Transsexualitäts-Aufklärung schreiben möchte. Ich hab quasi soviel was ich schreiben möchte, dass ich mich zu nichts entscheiden kann und deshalb nix schreibe – oder so – das wird sich aber früher oder später von alleine herauskristalisieren, warten wir’s einfach ab ;-)

Blogtagebuch 2010 in Buchform
Ich muss schon bekloppt sein, wenn man bedenkt, dass ich geschätzte 50-100 Stunde Arbeit habe um die Blogtexte von meinem Blogtagebuch 2010 in Buchform zu bringen, obwohl ich nur etwa 20-30 Exemplare verkaufen oder verschenken werde. Mit den Einnahmen decke ich nicht mal die Druckkosten, von der Arbeit reden wir schon gar nicht. Aber ich find’s irgendwie cool, all das Geschriebene auch in Buchform anbieten zu können und es gibt ein paar Leute in meinem Umfeld, die halt so eins möchten (es gibt sogar noch Menschen ohne Internet *staun*). Dieses Jahr ist es noch umständlicher, weil ich in der ersten Version 500 Buchseiten voll hatte, was das Buch viel zu teuer und zu dick machen würde. Also habe ich 100 Seiten eingespart indem ich belanglose Artikel rausgeschmissen habe und zweite 100 Buchseiten sparte ich indem ich eine kleinere Schrift wählte und alle Abstände von Hand rausschmeisse. Am Samstag habe ich 6 Stunden lang Seitenumbrüche verteilt und Abstände optimiert und am Schluss hat OpenOffice (gratis Word) irgendwie n’Schluckauf und alles war klitzekleinwenig verschoben – genug damit ich wieder alle Seitenumbrüche neu festlegen muss, die ganze Arbeit für die Katz. Ich werds jetzt nochmal mit Word versuchen (ging mir letztes Jahr nämlich gleich) und mit etwas Glück kann ich den Druckauftrag noch diese Woche rausgeben – 2-3 Wochen später ist es dann bestellbar.

Personenstandsänderung und Adressänderungen
Das Wichtigste war für mich die neue Identitätskarte und das Halbtax-Abo (Bahncard-50), denn das sind die einzigen formalen Dinger, die ich regelmässig vorweisen muss. Es ist schon ein befreites Gefühl, nie wieder Angst zu haben vor einer Ticketkontrolle oder einem Grenzübertritt, nie mehr das Gefühl ich würde etwas verbergen, ich bin einfach voll und ganz ich, zu genial :-) Im Nachhinein wird mir bewusster denn je, wie grausam es war, dass ich formal gesehen zweieinhalb Jahre lang unter “falschem Namen” leben musste. Und bewusster denn je wird mir, wie grotesk dieser sogenannte “Alltagstest” ist, der von mir erwartet, dass ich immer und überall in meinem richtigen Geschlecht leben soll, ohne dass man mir die nötigen Papiere dazu gibt. Gehen Sie in die Welt hinaus und behaupten Sie überall, Sie würden Diana heissen, falls Sie dabei nicht völlig irre werden, dürfen Sie dann Diana sein – wie realitätsfern ist das denn? Jedenfalls ist dieser ganze Irrsinn um, ich hab Id und Bahnkarte, das ist echt unbeschreiblich.

Doch nun habe ich natürlich eine grosse Zahl an Administrativkram den ich erledigen muss und so Manches erfordert zuerst die Abarbeitung anderer Dinge. Das heisst, ich muss eine genau Reihenfolge einhalten – um ein dummes Beispiel zu nennen, die Firma kann mir den Lohn erst auf den neuen Namen überweisen, nachdem ich das Bankkonto geändert habe, dasselbe gilt für Kreditkarte. Und so ackere ich mich systematisch durch mein Leben, staune Bauklötze was es da alles so gibt und bringe so eins nach dem Anderen hinter mir. Die Vermieter sind informiert, haben die Umschreibung meines Mieterkautionsikontos veranlasst und mir ein Formular zur Bestellung neuer Namensschilder geschickt und beispielsweise meine Webseiten sind auf schon auf den neuen Namen umgeschrieben.

Wenn bitterböse Medien die Justiz-Kavallerie loshetzen
Und gerade diese Umschreibung meiner Webseiten kam genau im richtigen Moment, wenige Tage nach der Umschreibung durfte ich meinen ersten eingeschriebenen Brief mit meinem neuen Ausweis auf der Post abholen – aber meine Begeisterung hielt sich in Grenzen, es war ein Schreiben einer Anwaltskanzlei, die mich im Auftrag eines rechts-konservativen Wochenblattes, das vorläufig mal noch nicht namentlich genannt sein soll, ziemlich heftig unter Druck setzt und beispielsweise mit einer Konventionalstrafe von täglich 10’000 Franken droht. Da ich mich noch nicht entschieden habe, wie weit ich mich dem Druck beuge, halte ich mich diesbezüglich noch bedeckt und erzähle nichts Konkretes.

Was gesagt sein kann ist, dass ich vor Jahren ein Blogverzeichnis erstellt habe, das die Beiträge verschiedener SVP-kritischer Blogs automatisch einscannt und die Beiträge auf verschiedene Stichworte aufteilt und zu jedem Stichwort eine Unterseite (Subdomain) generiert, so eine Art Stichwortverzeichnis. Eines dieser Stichworte war der Name einer Zeitung und dementsprechend hat’s eben so eine Subdomain mit deren Namen drin. Diese Zeitung hat mich nie kontaktiert, anstelle dessen hetzen sie mir gleich ihre Anwälte hinterher. Ich muss dieses Stichwort resp. die Subdomain auf der diese angezeigt werden löschen. Markenschutzrechte machen sie geltend, ich empfinde es mehr als Eingriff in die Informationsfreiheit des Internets und damit als Zensur. Die Seite habe ich vom Netz genommen, ich hab dort genug wichtigere Stichworte und kann da locker auf eines verzichten.

Damit stehe ich vor einer Reihe von Fragen. Ich meinerseits bin überzeugt, dass so ein Stichwortverzeichnis nicht gegen den Markenschutz verstösst, anderseits weiss ich, dass eine reiche Firma mit einem Rudel Anwälten alles in Schutt und Asche legen kann – wer glaubt, Recht und Gerechtigkeit wären dasselbe, hat diese Welt noch nicht begriffen. So stellt sich auch die Frage, ob ich die verlangte Unterlassungserklärung unterschreiben soll, denn damit würde ich vielleicht auch eine Schuld anerkennen, die ich in Frage stelle. Und nicht zuletzt stellt sich die Frage, ob dieser Vorfall nicht von öffentlichem Interesse ist. Wenn Firmen anfangen, die Blogszene zu zensurieren und die Justiz-Kavallerie in die Blogwelt ausschwärmen lässt, dann geht uns das alle etwas an. In dieser ganzen Frage bin ich hinundher gerissen, ehrlich gesagt fürchte ich die Macht die mir da gegenübersteht, anderseits drängt mich mein Gerechtigkeitssinn, mich mit einem medialen Sperrfeuer zur Wehr zu setzen. Ich habe diesbezüglich bei einem mir bekannten Anwalt eine Anfrage gemacht, bisher aber noch keine Antwort bekommen. Falls jemand der hier Mitlesenden juristische Kenntnisse hat in diesem Themenbereich, wäre ich dankbar um Unterstützung.

Erst nochmal kuscheln geh’n
Aber all das ist nicht halb so wichtig wie die Tatsache, dass ich jetzt in drei Tagen grad in Hamburg lande und wieder ein paar Tage mit Juliet rumknuddeln kann – inklusive einem kleinen Shopping-Bummel ;-) Dieses Mal dauerte es zum ersten Mal nur zweieinhalb Wochen bis zum Wiedersehen und ich muss sagen, es sind Welten zu dreieinhalb oder mehr Wochen. So lässt es sich langam leben…………. Und ey, ich flieg zum ersten Mal mit meinem neuen Ausweis, zum ersten Mal, dass von Genitalien bis Ausweis alles meiner Erscheinung und meiner Bordkarte entspricht – ich glaub ich geh mal durch den Nacktscanner, sozusagen als finalen Triumpfzug :D

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