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Die Bestie im Menschen

Ekel der die Welt ergreift
Hass der durch die Herzen fliesst
Verderben das durch die Reihen zieht
Des Menschen edle Reihen

In denen Gleiches nur zu Gleichen steht
Dazwischen eine Kluft sich schlägt
Und Rassen wie Geschlechter trennt
Oh Ekel der sich der Welt bekennt

(Lacrimosa – Das Schweigen)

Schon als Kind befremdete es mich zutiefst, immer wieder zu erleben, dass viele Menschen ein Bedürfnis danach haben, Andere zu verletzen oder noch besser zu demütigen. Es schien mir schon bald, dass viele kleingeistige Menschen sich offenbar nur gross fühlen können, wenn sie Andere klein machen. Soweit konnte ich das rational ja noch irgendwie verstehen, auch wenn ich es für noch so daneben halte. Aber dass diejenigen, die Andere quälen, nicht wahrnehmen können, dass sie grosses Leid verursachen, diese Mitgefühlslosigkeit, die entsetzte mich geradezu. Warum sind soviele Menschen so? Warum fällt es vielen so schwer, wahrzunehmen, was sie mit ihrem Handeln anrichten? Bin ich denn wirklich von gefühlsunfähigen Soziopathen umgeben?

Aber ich glaube nicht, dass der Mensch an sich soviel Bösartiges in sich trägt, Menschen werden so, weil sie elementarste Lebensregeln nicht gelernt haben. Andere zu respektieren, auch wenn sie anders sind als man selbst, das ist eine Einstellung, die gelernt werden muss. Meine Eltern konnten mir das vermitteln, viele Andere hatten offenbar nicht dieses Glück. Mir wurden so Werte vermittelt, dass nicht alle Menschen so sind wie ich und dass ich sie respektieren muss, auch wenn sie anders sind. Mir wurde gelernt, dass man behinderte Menschen nicht auslacht oder ausgrenzt, dass die sich ihr schweres Schicksal nicht ausgesucht haben und ihr Leben schon schwer genug ist und nicht noch mehr Belastungen braucht. Aber schon als Kind erlebte ich so oft, dass Viele da völlig anders ticken.

Während meiner Primarschule hatte ich längere Zeit einen sehr guten Freund, er war ein erzlieber Mensch, wir konnten stundenlang miteinander lachen, konnten über alles reden, er war echt toll. Aber im ganzen Schulhaus wurde er gemieden, er war extrem gross für sein Alter und hatte einen starken Buckel, gesamthaft wirkte er wirklich sehr aussergewöhnlich. Das reichte, dass er von allen ausgegrenzt und verspottet wurde. Ich wiederum habe sein Äusseres nie als Kriterium empfunden, ob ich mit ihm reden soll oder nicht. Also kamen wir ins Gespräch und wurden Freunde. Dass mir das selber Spott einbrachte, war mir irgendwie egal. Ich hatte da einen guten Freund gefunden und das schien mir wichtiger als ob sich Andere über unsere Freundschaft lustig machen.

Diese Lebenshaltung, mit der man Andere so nimmt und respektiert wie sie sind, begegnete mir sehr selten und ich verstehe einfach nicht warum. Warum fühlen sich so viele Menschen erst dann gut, wenn sie Andere schlecht machen? Warum empfinden Manche Glück erst dann, wenn sie Anderen Leid zufügen? Und warum bekämpfen so Viele Andere, nur weil sie nicht ihren eigenen kleinkarierten Vorstellungen entsprechen?

Was geht es mich an, wie Du aussiehst, wie Du Dich benimmst, was Du tust, wer Du bist…… solange Du damit niemandem schadest? Und was geht es Dich an, was für ein Leben ich führe, solange ich Deines nicht beeinträchtige? Warum verurteilst Du mich, wenn ich nicht denselben Lebensweg gehe wie Du? Warum siehst Du nicht, dass mein Herz blutet, wenn Du mich verletzt?

Warum bringt Ihr soviel Leid über Andere, seid mal Täter, mal Opfer, was für ein idiotischer Krieg der Gesellschaft ist das? Und wem dient er? Wer hat etwas gewonnen, wenn immer wieder eine Gruppe über jemanden herfällt, ihn erniedrigt und demütigt – ohne dass jeder Einzelne sich sicher sein kann, dass er nicht nächstes Mal derjenige ist, der von einer Gruppe kaputt gemacht wird? Ist es das wert, sich gross fühlen zu können weil man im Schutz einer mobbenden Gruppe gemeinsam über jemanden lachen kann, wenn dieser Jemand dabei kaputt geht? Wieviele Menschenopfer braucht so ein durchschnittlicher Kleingeistiger, bis er sich gross genug fühlen kann um ein Leben zu führen, ohne dabei auf dem Rücken Anderer trampeln zu müssen?

Ich fand es schon immer unsäglich traurig, immer wieder zu erleben, wie meine Mitmenschen sich gegenseitig zerreissen und auffressen und sich dabei sogar noch cool vorkommen. Wie degeneriert muss eine Spezies sein, wenn sie sich selber das Leben so schwer macht? Der Mensch – sagte einst ein grosser Philosoph – ist wahrlich das grausamste aller Tiere – es stimmt mich traurig, dass ich dem beipflichten muss.

Die Scheiterhaufen der Gesellschaft haben nie aufgehört zu brennen, sie änderten nur ihre Gestalt, aus den hohen lodernden Flammen der Scheiterhaufen wurden kleine hübsche Feuerchen, die in die Herzen von Menschen eingeschossen werden und sie innerlich verbrennen lassen – der Grad des Leidens hat sich dabei nicht merklich verändert.

Der Freund ist viel zu nahe
Er ist ein Mensch und Feind
Das Schild der Freundschaft deckt ihn jahrelang
Dahinter sammelt er die Waffen

(Lacrimosa – Versuchung)

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