Politically incorrect since 1966

Neuer Vorsatz: Agieren statt reAgieren

Das Leben will gelebt werden, das ist seine Bestimmung – aber was, wenn man es nicht zulässt? Gerade bei mir wäre das so fatal, so endlos lange war mir mein wirkliches Leben verunmöglicht und nun, da ich es endlich leben kann, bin ich es mir auch schuldig, es wirklich zu leben. Aber das tue ich nicht, bisher, jedenfalls nicht so, wie es das Leben wert wäre.

Wie oft habe ich hier schon erzählt, dass ich mich ständig völlig verheize, weil ich mich diesem Drang nicht entziehen kann, die Welt zu einer Besseren machen zu wollen. Und genauso oft wie ich darüber erzählt habe und mir Vorsätze nahm um dieser Spirale zu entkommen, genauso oft landete ich wieder inmitten dieser Strudel ohne zu verstehen, wie ich dahin gelangt bin. Ich nahm mir vorallem vor, mir die Schlachtfelder selber auszusuchen, sprich, mich auf bestimmte Themen zu konzentrieren, aber die Welt und der sich darin abspielende Irrsinn ist viel zu komplex und vernetzt, als dass man das Eine vom Anderen trennen könnte.

Wenn ich Medien beobachte, weil ich beispielsweise beim Thema Transsexualität allfällige Falschdarstellungen korrigieren möchte, dann bewege ich mich zwangsläufig auch in der Welt des Boulevards und prügle mich schneller als mir lieb ist mit deren Anhänger, die gerade dort nur zu oft mit ihrer Kurzsichtigkeit einfach nur nerven. Und ständig begegnet mir dort und anderswo dieser alltägliche Schwachsinn, der sich durch solche Leute über die Welt ergiesst und schwups stelle ich fest, dass ich wieder zu verschiedensten Themen meinen Senf dazu gebe, weil ich mich dem Gefühl nicht entziehen kann, dass da dringend eine “andere Ansicht” nötig ist. Und als ob das nicht genug wäre, läuft mir der ganze Scheiss nach, Tag und Nacht, ich kann nicht mal auf dem Klo sitzen ohne dass in meinem Hirn Argumente geschliffen werden wie Schwerter……. und wo bleibt da mein Leben, das so lange darauf gewartet hat, zu leben? Wo bleibe ich?

Eine falsch gelebte Berufung

Mein ganzes Erwachsenenleben habe ich den Grossteil meiner Lebenszeit und Lebensenergie in diese von mir als Berufung empfundene Öffentlichkeitsarbeit investiert, sei es als Greenpace-Aktivistin, als Bloggerin, als Kommentierende, als Menschenrechtlerin – zwei Jahrzehnte meines Lebens habe ich fast nichts Anderes getan – ich hab mir wirklich etwas mehr Ruhe verdient.

Aber wie kann ich aus dieser Spirale aussteigen und vorallem, wie kann ich das tun ohne “meine Berufung” aufzugeben? Ich kann und will beim besten Willen kein egoistisches Leben beginnen, es ist mir zur Pficht geworden, Zeugnis abzulegen über das was meines Erachtens kritikwürdig ist. Aber ich bin auch nicht mehr bereit, mein ganzes Leben dafür hinzugeben, mein neu erkämpftes Leben ist es wert, gelebt zu werden. Seit langer Zeit suche ich nach einer Lösung für diesen Spagat und ich glaube fast, dass ich diese Woche den Stein der Weisen gefunden habe. Themenfelder aussuchen geht nicht, Zeitlimits gehen grad gar nicht, es braucht ein anderes Kriterium……..

Agieren statt reAgieren

Mitten in einem Videotelefon mit Juliet war diese Formulierung da, wie aus dem Nichts. Ich jammerte grad rum, dass ich mich mal wieder versehentlich in eine Diskussionsschlacht geworfen habe ohne dass ich das so geplant hätte und meckerte, wie müssig es doch ist, ständig mit Argumenten um mich zu werfen, die durch das Ziel hindurchgehen wie durch einen Geist. Wie schon oft sagte ich, dass ich da endlich eine Lösung finden muss, weil mich die Hitze des Gefechts immer mehr ausbrennt. Und dann tauchte dieser Satz plötzlich auf, kann es sein, dass es so einfach ist?

Es entbehrt nicht einer gewissen Komik, dass ich diesen Satz schon vor langer Zeit hörte, es war mein bester Freund und “Mentor”, der mich soviel gelehrt hat, über Philosophie, Religion und Weltanschauung. Er war es, der mir das Epiktet’sche Denken nahelegte, der mich mit Sätzen wie “und warum müsste Dich das interessieren” so oft auf den Boden der Realität geholt hat. Er sagte mir das schon vor Langem, begriffen resp. angenommen habe ich es erst diese Woche.

Selbstbestimmung beginnt bei mir

Genau das ist nämlich der Punkt, an dem ich so falsch funktioniere. Meine ganzen “Kämpfe” sind immer fremdbestimmt, ich agiere nicht wie eine kluge Kriegerin sondern reagiere stets, ich folge Impulsen von aussen, renne in jedes noch so bekloppte Schlachtfeld, dessen Kriegsgetümmel mein Ohr erreicht und so mache ich mich zur Marionette fremder Kriegsherren. Wie naiv ist doch eine Kriegerin, die sich das Schlachtfeld aufdrängen lässt und um wieviel dümmer ist eine Kriegerin, die sich gar die Kriege vorschreiben lässt?

Es bedeutet mir viel, zu schreiben, zu philosophieren, zu informieren und auch mal zu predigen. Aber ich muss über das schreiben, das aus mir heraus will und nicht über das, was durch die Medien geistert. Daraus ergibt sich ein einfaches Kriterium – eben – agieren statt reagieren.

Die neue Strategie

Und das nehme ich mir von nun an zum Vorsatz, zumindest vorläufig und zumindest für lange Zeit. Schluss mit dem regelmässigen Überwachen der Medien, Schluss mit dem Hinterherrennen jeder stumpfsinnigen Diskussion mit Leuten die nicht reflektieren können, Schluss mit dem Irrglauben, ich sei an jede Schlacht eingeladen und müsse überall sein.

Es gibt soviel, über das ich schreiben möchte, soviel was mich bewegt und soviel was ich teilen möchte. Aber zu all dem komme ich nicht, wenn ich mich ständig in Dinge einspannen lasse, die mir grad vor die Füsse geworfen wurden. Ich muss meinen Blick nach Aussen umdrehen und endlich in mich hinein schauen und muss das aus mir heraussprudeln lassen, was wirklich das Meine ist, muss endlich meiner Inspiration folgen anstatt auf fremden Gedanken herumzureiten.

Ob es mir gelingt, ist genauso unklar wie all meine alten Vorsätze, aber zum ersten Mal glaube ich wirklich, dass das mein Weg sein könnte und dass es gut kommt, wenn ich mich von nun an so strikt wie möglich daran halte. Klar wird es immer mal wieder grössere Ereignisse in der Welt geben, die von mir aufgenommen werden “müssen”, aber das darf nicht mehr der Normalfall sein. Ich bestimme, was mich bewegt und nicht die Welt da draussen.

Geboren um zu Leben

Seit ich diesen Gedanken aufgenommen habe, erlebte ich ein paar Tage in überraschender Ruhe. Es kommt mir vor, als würde ich mit jedem Unrat den ich von mir werfe etwas mehr von mir finden. Immer wieder flüstere ich mir ins Ohr: “Ich muss überhaupt nichts” und immer wieder fühle ich wie gut es tut, loszulassen.

Ich will, dass endlich wirklich meine Zeit kommt, dass ich selbstbestimmt mein Leben lebe. Ich will Cello üben, zwischendurch mal ein Computerspiel machen, endlich wieder vermehrt Bücher lesen, endlich mal wieder Waldspaziergänge, wieder vermehrt Musik hören und nicht zuletzt schreiben, was in mir aufleuchtet.

Es ist höchste Zeit, loszulassen und mich nun wirklich ganz freizulassen……..

so und jetzt wird’s Zeit für die sonntägliche Badewanne :-)

Vom Glauben über die Gewissheit zum Wissen

Seit etwa drei Jahrzehnten beschäftige ich mich mit philosophischen und darin eingeschlossen religiösen Fragen, habe eine Unzahl an Büchern aus allen möglichen Bereichen dieser Thematik gelesen, endlose Diskussionen geführt und Kommentare im vierstelligen Bereich geschrieben. In all den Diskussionen erlebte ich immer wieder, wie ich bei Vielen auf Granit biss, weil die offenbar nicht zwischen Glauben und Wissen unterscheiden können oder wollen. Was mir so logisch erscheint, dieser kleine aber feine Unterschied, scheint von Vielen öfters mal verwechselt zu werden. Deshalb möchte ich mich heute etwas darüber auslassen………

Wenn man von etwas ausgeht oder etwas vertritt, dann tut man das entweder, weil man etwas weiss oder man tut es, weil man etwas glaubt. Ganz so schwarz weiss ist es zwar nicht, es gibt verschiedene “Stufen” die ich nachfolgend noch erwähnen möchte, aber im Wesentlichen beschränkt es sich darauf. Wenn wir uns mal ganz ehrlich fragen, was für Dinge es gibt die wir angeblich wissen, würden wir bei genauer Betrachtung schnell feststellen, dass so Manches eine Illusion ist.

Eines Tages werden wir offiziell zugeben müssen,
dass das was wir Realität getauft haben,
eine noch grössere Illusion ist, als die Welt des Traumes

(Salvador Dali)

Erlebtes Wissen

Wir wissen beispielsweise, dass es weh tut, wenn wir den Zeh an der Tischkante anschlagen, wir wissen das, weil wir es erlebt haben, es ist sogar jederzeit reproduzierbar, das ist erlebtes Wissen. Ich weiss beispielsweise, dass ich mit Spitzweggerich oder Huflattich Kräutern festsitzenden Husten behandeln kann, ich hab’s schon viele Male erfolgreich so gemacht. Ich weiss auch, dass gebrochene Knochen wieder zusammenwachsen, auch das habe ich erlebt. Es gibt wohl kein überzeugenderes Wissen für einem selbst als das selber erlebte Wissen – naja mal abgesehen von Psychotikern ;-)

Bewiesenes Wissen

Was man für Kriterien hat um etwas als Erwiesen zu betrachten, dürfte wohl ein Stück weit individuell sein. Aber wenn wir wissenschaftliche Standards nehmen, dann muss etwas vorallem reproduzierbar sein und im Idealfall auch erklärbar (wobei ich Zweiteres als akademische Zwängerei betrachte). Ich kann beispielsweise Fleisch in Salzsäure legen und damit im Versuch beweisen, dass Salzsäure Fleisch zerfrisst. Ich kann auch beweisen, dass zwei mal fünf zehn gibt, indem ich fünf Äpfel in einen Korb lege und nochmal fünf reinlege und dann alle zähle. Oder ich kann einen DNA-Test machen und weiss dann mit Bestimmtheit, ob ein Kind meins ist oder nicht. Und ich kann die Schwerkraft beweisen indem ich soviele Bügeleisen in die Luft werfe wie ich will, sie werden alle wieder runterkommen und spätestens wenn mir eins auf die Birne knallt, wird es sogar gleich auch noch erlebtes Wissen ;-)

Scheinbares Wissen

Aber auch wenn ich nochsoviel darüber gelesen habe und mir noch so sicher bin, dass ein Klimawandel stattfindet und dass der menschgemacht ist, so weiss ich es doch nicht, niemand weiss es mit Bestimmtheit. Genausowenig weiss ich, ob Gott existiert, auch wenn ich mir da noch so sicher bin und genauso weiss ein Atheist nicht, ob es keinen Gott gibt, Beide glauben, die Einen an die Existenz eines Göttlichen, die Anderen an die Nichtexistenz dessen.

Glauben als Ursprung des Wissens

Dem meisten Wissen ging einst Glauben voraus. Man beobachtet etwas, glaubt dahinter eine Erklärung zu sehen und beginnt dieser Frage nachzugehen, würde man nicht daran glauben, würde man schon gar nicht versuchen es zu beweisen. Im Idealfall kann man diese Vermutung, an die man irgendwann zu glauben begann, nachweisen oder man kann sie erfahren – manchmal auch nicht. Glauben steht nicht im Widerspruch zum Wissen – Glauben ist oft der Ursprung des Wissens. Würden wir nicht glauben sondern nur wissen, dann würden wir heute noch auf Bäumen sitzen und mit Bananen um uns werfen. Wir haben die Fähigkeit uns etwas vorzustellen, bevor wir es bewiesen haben, dieser visionäre Geist hat uns zu dem schlauen Affen gemacht, der wir heute sind.

Wir glauben mehr als wir wissen

So gibt es unzählige Dinge, die wir wissen, die wir vielleicht sogar im Labor nachweisen können oder sonstwelche Beweise finden. Aber die Zahl der Dinge, die wir ohne unumstössliches Wissen glauben, dürfte einiges grösser sein. Wie sicher sind wir uns doch beispielsweise, dass wir die “Normalen” sind und Autisten eine psychische Störung haben? Aber gerade hochfunktionale Autisten (Asperger) sind uns in gewissen Bereichen meilenweit überlegen, vielleicht sind sie ja die nächste Stufe der Evolution? Wir glauben so sicher zu sein in solchen Fragen, aber wissen wir das wirklich?

Wer behauptet beispielsweise nicht zu wissen, dass der/die Lebenspartner/in einem liebt? Aber woher in aller Welt wollen wir das wissen? Überhaupt nichts wissen wir, woher denn auch, wie wollte man das beweisen? Wir glauben, dass wir geliebt werden, wir glauben es so sehr, dass wir uns absolut sicher sind – und doch wissen wir es nicht wirklich. Warum sonst reden wir von Vertrauen wenn es um Beziehungen geht, warum gibt es Eifersucht, warum Ent-Täuschungen?

Die Gewissheit

Und damit landen wir bei den Zwischenstufen, denn es gibt etwas, was mir sehr wertvoll erscheint, ich nenne es “Gewissheit”. Gewissheit bedeutet nach meinem Verständnis in etwa, dass ich etwas glaube und mir dabei so sicher bin, dass dieser Glaube von einer ähnlichen Festigkeit ist als wäre es Wissen. In der Liebe erlebt man genau das, man weiss zwar nicht, ob man geliebt wird, aber man erlebt es so intensiv, dass man mit der Zeit seine Hand ins Feuer legen würde dafür – aller Nichtbeweisbarkeit zum Trotz. Wenn mir meine Süsse in die Augen schaut und mich anlächelt, dann finde ich in ihrem Blick soviel Liebe, dass ich ihre Liebe mit meinem ganzen Sein erfahren kann und bis in jede Zelle spüre. Ich weiss auch dann nichts, aber ich habe nichtsdestotrotz die “absolute Gewissheit”, eine Gewissheit die so gewichtig ist, dass sie für mich mehr in Stein gemeisselt ist als wenn tausend wissenschaftliche Studien mir ihre Liebe beweisen würden.

Das geglaubte Wissen

Während die Gewissheit den Glauben fast zum Wissen macht, gibt es wiederum Wissen, das eigentlich keines ist resp. delegiertes Wissen, nennen wir es mal “geglaubtes Wissen”. Diese Form des Wissens dürfte einen wesentlichen Teil dessen ausmachen, von dem wir glauben zu Wissen, ohne zu wissen dass wir glauben – hach ich mag so Wortpirouetten, da kriegt man n’Knoten im Gehirn, aber das ist gesund, echt :-)

Wenn ich beispielsweise ein schlaues Buch lese oder mir ein Experte auf einem Gebiet etwas erklärt, dann gehe ich anschliessend davon aus, dass ich das worüber er mich aufgeklärt hat nun weiss. Aber eigentlich ist das Quatsch, ich weiss gar nichts, ich glaube einfach jemandem, der behauptet zu Wissen. Der kann mehr oder weniger glaubwürdig sein, aber es bleibt mir nichts Anderes als ihm zu glauben. Auch da kann Glaube zur Gewissheit werden, ist aber genausowenig wirkliches Wissen. Ob er sich geirrt hat oder mich ganz einfach verarscht, kann ich nicht beurteilen.

Ich weiss eben nicht, ob die Eidgenossen wirklich bei Moorgarten gekämpft haben, ich war ja nicht da und kenne niemanden der da war, ich glaube lediglich, dass in diesem Geschichtsbuch die Wahrheit steht (was schon närrisch genug ist). Ich weiss auch nicht, ob die Natur wirklich so bedroht ist, aber ich glaube der Vielzahl an Umweltschutzorganisationen und Studien so sehr, dass es mir zur Gewissheit wurde – es bleibt jedoch eine Glaubensfrage, solange bis wir hier alle ersaufen oder verdursten oder verglühen oder was weiss ich.

Fallbeispiel – Das Kind und die Herdplatte

  1. Wenn ein Kind nichts von einer Herdplatte weiss und beim Anschauen denkt, ui das ist heiss, das könnte weh tun wenn ich es anfasse, dann ist das Glauben.
  2. Wenn ich dem Kind erkläre, dass es sich die Pfoten verbrennt, wenn es die Platte anfasst, dann hat dieses Kind zwar die richtige Information, ist somit im Besitz der Wahrheit, aber es weiss es nachwievor nicht wirklich, es glaubt mir einfach – oder es glaubt mir nicht, worauf es dann wohl schnell zu unfreiwilligem Wissen gelangt.
  3. Wenn das Kind vielleicht jemandem zuschaut, der sich den Finger daran verbrennt, dann dürfte dieses Glauben zur Gewissheit werden, es wird vermutlich genug beeindruckt sein um sich sicher zu sein, dass das weh tut. Aber es weiss es nicht mit Bestimmtheit, vielleicht war die angebliche Verletzung ja eine Täuschung?
  4. Wenn das Kind die Herdplatte angefasst hat, egal ob ich ihm das Wissen um den resultierenden Schmerz übergeben habe, dann wird es wirklich wissen, dass es weh tut. Das ist dann echtes erlebtes Wissen.
  5. Und wenn es ein Erwachsener ist, kann ich vielleicht die Temperatur der Platte messen und mit einem Experiment nachweisen, dass Fleisch bei dieser Temperatur verbrennt, das wäre dann erwiesenes Wissen.
  6. Letztendlich kann es auch geschehen, dass das Kind eine kalte Herdplatte anfasst und daraus schliesst, sie es würde nicht weh tun, das dürfte dann Fehlwissen sein, das scheitert dann früher oder später an der Reproduzierbarkeit ;-)

Fallbeispiel Homöopathie

Eins der ulkigsten Beispiele in dieser Frage ist Homöopathie. Hömöopathie widerspricht jeglicher wissenschaftlichen Logik. Die Behauptung, dass etwas mehr wirkt, je weniger drin ist, spottet unserem Verstand und bringt Wissenschaftler zur Raserei. Homöopathie lässt sich zumindest bisher nicht unter wissenschaftlichen Kriterien nachweisen, geschweige denn vernünftig erklären. Und doch gibt es Unzählige, bei denen homöopathische Mittel geholfen haben. Mediziner werden jetzt händefuchtelnd einwänden, dass das nur der Placebo-Effekt war, also eingebildete Heilung. Aber Placebo bedeutet, dass eine Art Selbstheilung stattgefunden hat, die darauf fusst, dass man an eine von aussen zugeführte Heilwirkung glaubt. Man glaubt, jemand würde einem heilen und das reicht aus, damit sich der Körper selber heilt. Nun, nichts Anderes nimmt Homöopathie für sich in Anspruch. Kein Homöopath behauptet, dass das Mittel selber heilt, es gibt nur Impulse, die das Immunsystem zu einer Reaktion provozieren. Interessanterweise weiss man unterdessen, dass auch ein Grossteil der schulmedizinischen Erfolge auf diesem Effekt beruht, Placebo ist also keine Illusion sondern eine nützliches Phänomen. Ich persönlich glaube nicht an Homöopathie, geschweige denn, dass ich es verstehe, ganz im Gegenteil, ich halte die dahinterliegende Erklärung für völlig abstrus. Aber ich habe früher genug erlebt mit dieser Medizinform, dass ich längst die Gewissheit habe, dass diese Mittel eine Heilwirkung auslösen können. Die Wissenschaft gibt sich da bockig, sie sagen, wir können es nicht erklären, wir können in diesen Mitteln keine Inhaltsstoffe nachweisen, also kann es nicht sein, mögen nochsoviele Leute davon geheilt werden. Die Homöopathen geben sich nicht weniger bockig, aber das wäre dann mal ein anderes Thema. Ich für meinen Teil bin da pragmatisch, ich weiss, dass ich nicht weiss, ob es wirklich hilft, bin also entsprechend vorsichtig und würde mich nie allein darauf verlassen. Meine Lebenserfahrung erlaubt mir aber, trotz meiner Skepsis ein wenig daran zu glauben und es unter gewissen Umständen zu nutzen. Wenn es hilft, ist das gut so, wenn es nicht hilft…….. naja, ich glaub ja dann auch noch an die Heilwirkung von Antibiotika und Konsorten ;-)

Glauben entgegen besseren Wissens

Es gibt nur eine qualitative Unterscheidung, die wirklich relevant ist und das ist die Unwürdigkeit dessen, was ich “Glauben entgegen besseren Wissens” nenne oder auch gerne als “Faktenresistenz” tituliere. Irgendwo habe ich mal sinngemäss geschrieben, es ist ok, sich zu irren und es ist ok Fehler zu machen. Aber es ist nicht in Ordnung, wenn man wider besseren Wissens an einem Irrtum oder Fehler anhaftet, das ist dann wirklich die Totalkapitulation des Geistes. Wenn also beispielsweise wie schon erlebt christliche Fundamentalisten die Existenz von Dinosauriern leugnen, weil das einfach nicht sein kann, weil ja in der Bibel nichts von denen steht und die Erde gemäss Bibel 6000 Jahre alt ist, dann kann man das nur noch als glaubenstechnische Hirnamputation bezeichnen. Das Ignorieren von Fakten (wie beispielsweise seitens gewisser Psychologiegläubigen oder sonstigen religiösen Fundamentalisten) ist das einzige, was eines denkenden Menschen wirklich unwürdig ist, alles Andere hat seine Berechtigung und trägt dazu bei – naja, eben Affen, Bananen, Ihr wisst schon ;-)

Schlussbilanz

Zusammengefasst könnte man also sagen: Es gibt Glauben, Gewissheit, geglaubtes Wissen, bewiesenes Wissen und erlebtes Wissen. Ich bin nicht der Ansicht, dass es hier ein richtig und falsch gibt, es ist im Wesentlichen auch keine qualitative Frage. Jeder dieser Glaubens/Wissensbereiche hat seine Berechtigung, erst alle zusammen machen uns vollkommen und so Manches bedingt das Andere. Wichtig scheint mir jedoch die Unterscheidung, dass man sich im Klaren ist, wo man sich wirklich unumstösslich sicher ist und wo man sich auf dünnem Eis bewegt.

Wenn wir uns dessen bewusst sind, sind wir vielleicht etwas zurückhaltender mit Rechthaberei oder Intoleranz. Und das bringt uns in die vorzügliche Lage, dass wir immer wieder dazuzulernen können und immer wieder das, was wir zu Wissen glaubten, eintauschen können in etwas, das wir dann tatsächlich wissen.

Wir sind gut beraten, wenn wir etwas mehr von diesem sokratischen Geist in uns aufleuchten lassen, der sinngemäss sagte: Ich weiss nur, dass ich nicht weiss :-)

Wenn unser Geist leer ist, ist er für alles bereit.
Im Anfänger-Geist liegen viele Möglichkeiten,
in dem des Experten wenige.

(Shunryu Suzuki)

Streubomben wählen SVP

Streubomben gehören zu den perversesten Waffen die es gibt, man wirft eine Bombe ab, die dann in eine Unzahl von Minibomben zerfällt und ganze Landstriche für eine kleine Ewigkeit zum Minenfeld macht.

Von den geschätzten hunderttausend Toten, die auf das Konto von Streubomben gehen, sind sagenhafte 98% davon Zivilisten!

Deshalb wird diese Waffe international immer mehr geächtet, eine Mehrheit der Länder hat 2008 ein internationales Abkommen unterzeichnet, das Streumunition verbietet – auch die Schweiz hat beschlossen, dieses Abkommen zu ratifizieren – der Bundesrat war dafür, das Parlament war dafür……….

…… aber die SVP, die sich selbst zynischerweise Volkspartei nennt, hat einen Rückweisungsantrag gestellt und man glaubt es kaum, eine knappe Mehrheit der Sicherheitskommission des Nationalrats hat den Antrag nun angenommen und damit das Munitionsverbot blockiert.

Wir brauchen Streumunition, sie ist ein hocheffizientes Verteidigungsmittel“, sagte SVP-Nationalrat Ulrich Schlüer…… Streubomben? Verteidigung? 98% der Toten sind Zivilisten? Was in aller Welt haben die geraucht?
Tagesanzeiger: Wir brauchen Streumunition”

Also jetzt mal langsam. Verteidigung findet statt, wenn man angegriffen wird, was in der Regel im eigenen Land geschieht, wir sind ja selten alle zusammen im Ausland und können dort angegriffen werden. Wenn wir also hier angegriffen werden, inwiefern dienen uns dann Streubomben, mit denen wir ganze Landstriche in Minenfelder verwandeln können? Umwieviel besser wird unsere Landesverteidigung, wenn wir auch nach einem allfälligen Krieg noch Jahrzehntelang immer mal wieder Einzelteile von Kindern einsammeln müssen, die beim Spielen auf dem Feld von einer Streubombe zerfetzt wurden?

Wen wollen die verarschen? Um Landesverteidigung geht es garantiert nicht, Streubomben sind Angriffswaffen und keine Verteidigungswaffen, sie .treffen zu 98% nicht militärische Ziele sondern legen einfach die Zivilbevölkerung in Schutt und Asche und sie machen ganze Gebiete für lange Zeit zu Todeszonen. Wem dient das, dem Volk? Oder geht es da nicht eher einmal mehr um die Interessen von finanzstarken Firmen, diesmal aus der Rüstungsindustrie?
Tagesspiegel: Streumunition – Investitionen in den Tod

Bedenklicherweise ist es nichts Neues, dass die SVP im Dunstkreis von Tötungsgerät anzutreffen ist. Dass sie einen Hang hat zum freien Waffenerwerb, ist soweit ja allen klar. Weniger bewusst dürfte es den Leuten sein, dass SVP-Guru Christoph Blocher vor einigen Jahren im Scheinwerferlicht stand, weil er Teilhaber war an der “Ems-Patvag”, die seiner “Ems-Holding” unterstellt war. Die Patvag stellte Zünder für “Airbags” her – im weitesten Sinn – ein Teil davon wurde nach Singapur verschachert und dort zum Bau von Personenminen verwendet:
NZZ: Du sollst nicht verstümmeln
Da wundert es einem nicht so wirklich, dass die SVP chronisch gegen Einschränkungen der Waffenexporte ist – ein Schelm wer da Böses denkt.

Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass die Partei, die sich Volkspartei nennt und ständig eine allesvernichtende Bedrohung durch böse böse Ausländer an die Wand malt, das Ausländerproblem im Ausland mit Personenminen löst und im Inland mit Streubomben – sowas nennt man dann wohl Realsatire.

Aber wir kennen das ja, früh übt sich wer gross werden will. Bekanntlich verfolgt die SVP ja ihre “Strategie 51 Prozent“, die das Ziel hat, mindestens 51% des Parlements zu beanspruchen. Denn wenn es die SVP dank dem millionenschweren Propaganda-Budget wirklich schafft, dann können sie ihre parteiinterne Diktatur landesweit betreiben – spätestens dann brauchen sie vielleicht wirklich Streubomben – eine rechte Diktatur muss schliesslich gegen die Feinde im Volk gewappnet sein.

Dieses Wochenende sind Wahlen, bleibt zu hoffen, dass das VOLK diesen Gesellen nicht schon wieder noch mehr Macht verleiht. Andernfalls – kauft’s Regenschirme – da kommt wohl noch einiges auf uns zu.

Himmel, SVP!!!! Was heisst “WIR brauchen Streubomben”? Wir, das Volk, brauchen DAS nicht, echt nicht!!!
YouTube: Streubomben – Krieg nach dem Krieg 1/2
YouTube: Streubomben – Krieg nach dem Krieg 2/2

UPDATE: gemäss Facebook-Seite “Streumunition Schweiz” haben folgende Nationalräte gegen die Ratifizierung und damit für eine Schweiz mit Streubomben gestimmt – man darf das ruhig als Nicht-Wahlempfehlung verstehen:

SVP
Roland Borer SO
Toni Bortoluzzi ZH
Thomas Hurter SH
Christian Miesch BL
Yvan Perrin NE
Ulrich Schluer ZH
Bruno Zuppiger ZH

FDP
Edi Engelberger NW
Sylvie Perrinjaquet NE
Peter Malama BS
Walter Müller AG
Corina Eichenberger-Walther AG

CVP
Jakob Buechler SG
Arthur Loepfe AI
Pius Segmüller LU

Badewannenpredigt: Freiheit, Vernunft und Gerechtigkeit

Letztes Wochenende habe ich ja eine neue Serie gestartet namens “Gedanken auis der Badewanne“. Idee dahinter war, dass ich oft unter der Woche zu müde bin um zu bloggen und sich so Gedanken ansammeln, die dann meist in meiner sonntäglichen Badewannenmuse wieder auftauchen und da ich am Sonntag meist die Ruhe geniesse, habe ich dann Zeit, diese Gedanken einzusammeln und in Worte zu kleiden.

Heute beginne ich eine weitere Serie, ich nenne sie “Badewannenpredigt”. Grundidee davon ist, dass ich eben oft am Sonntag eher in Gedanken schwelge und dabei manchmal philosophische oder religiöse Gedankengänge mache, die dann meist in der Badewanne zur Vollendung finden. Diese Beiträge erheben in der Regel nicht den Anspruch auf Vollständigkeit, sie wollen keine Antworten geben sondern eher Fragen aufwerfen – damit möchte ich Euch dazu motivieren, selber ein warmes Bad zu nehmen und dort diese Gedanken weitertreiben zu lassen.

Erste Badewannenpredigt: Drei Aspekte, ein Ziel

Diese Woche gab es drei Aspekte, die in diesen Beitrag einfliessen. Das Erste war das Treffen mit Claudia, das mich darüber nachdenken liess, wieviel Freiheit wir uns zugestehen resp. wieviel unserer Freiheit wir aufgeben, nur weil sie irgend jemandem nicht in den Kram passen könnten. Das Zweite war wie immer der alltägliche politische und gesellschaftliche Irrsinn, der einem aus Zeitungsblättern entgegenstarrt und einem daran zweifeln lässt, dass der Mensch je Vernunft gelernt hätte. Das Dritte war der Auslöser für diesen Beitrag, es war eine TV-Sendung “Sternstunde Philosophie” mit der ich meist meinen sonntäglichen Ruhetag beginne, diesmal über Immanuel Kant und seine Kritik an der praktischen Vernunft. Diese drei Gedanken sind ein guter Badewannenzusatz, darin lässt sich prima schwimmen…….

Die Freiheit des Menschen

Kant, Claudia und ich dürften uns einig sein, dass es kaum etwas Elementareres gibt im Menschsein als das Recht, ja gar die Pflicht, ein freier Mensch zu sein, selbstbestimmend sein Leben zu gestalten und wie ich es gerne zu sagen pflege, der Spur des eigenen Herzens zu folgen und sein Innerstes zu entfalten.

Gerade für stigmatisierte Wesensarten wie transsexuelle Menschen wird das zu einer ungeheuren Herausforderung, denn wenn ich der Spur meines Herzens folge und meine Freiheit des Ichseins beanspruche, löse ich damit nicht nur grosse Irritationen aus sondern belaste so Manche die mir lieb sind, mehr als mir lieb ist. Der Grundsatz einer “ethischen Freiheit” besagt, dass alle so frei sind, dass sie tun können was sie wollen, solange sie damit nicht die Freiheit Anderer einschränken.

In unserem Fall ist das nicht ganz so einfach, weil beispielsweise meine Freiheit des Ichseins ein Stück weit die Freiheit meines Kindes einschränkt, das sich plötzlich nicht mehr getraut zu mir zu stehen, weil es andernfalls von ihrem Umfeld gemobbt würde.

Aber das ethische Verbrechen wird nicht durch meinen Freiheitsanspruch begangen sondern durch eine Gesellschaft, die nicht diesem Grundsatz folgt. Müsste ich nun auf meine Freiheit verzichten, weil durch meine Freiheit die Freiheit Anderer beeinträchtigt würde durch eine freiheitsfeindliche Gesellschaft? Oder müsste ich nicht gerade deshalb meine Freiheit beanspruchen, ja geradezu zur Schau stellen, um der Welt ein Mahnmal zu sein das sie erinnert, dass die Freiheit des Seins doch möglich ist?

Eine grosse Herausforderung ist die Inanspruchnahme der persönlichen Freiheit jedoch für alle Menschen. Wie oft tun wir nicht was wir wollen, weil wir uns Gedanken machen im Stil von “das kann ich doch nicht, was denken dann…..”. Natürlich ist es unabdingbar, dass wir uns die Folgen unserer beanspruchten Freiheit im Klaren sind und prüfen, ob wir damit jemandem schaden. Aber es spottet dem Wort “Individuum”, wenn wir unsere Freiheit einschränken, nur weil wir denken, es könnte irgend jemanden stören oder es würde unser Ansehen beeinträchtigen.

Die Verpflichtung zur eigenen Entscheidung

Ich habe Kant bisher noch nicht gelesen, werde das in den nächsten Wochen nachholen, insofern bewege ich mich jetzt auf dünnem Eis, wenn ich über Kants Gedanken zur Vernunft auslasse. Aber das was in dieser TV-Sendung aufleuchtete, scheint mir interessant genug zu sein um es hier einfliessen zu lassen, mit dem Risiko, dass ich ihn missverstanden habe. Die Sendung erweckte in mir den Eindruck, dass Kant nebst dem Recht auf Freiheit vorallem eines forderte, dass der Mensch seine eigene Vernunft walten lässt. Ich nehme mal allein das auf um mir weitere Gedanken zu machen.

Wenn wir uns für oder gegen etwas entscheiden, tun wir das aufgrund irgendwelcher Überlegungen und Überzeugungen, doch woher stammen die Kriterien, mittels derer wir uns entscheiden? Ein Blick in die Medien und noch mehr in die Kommentarspalten lässt mich immer wieder erstaunen, mit welcher Selbstverständlichkeit vernunftbegabte Menschen Dinge tun oder über Dinge schreiben, in einer Art, die dem Wort “Vernunft” spottet. Und oft frage ich mich, wessen Geistes Kind solche Gedanken und Taten sind und meist bleibe ich ratlos, die Frage unbeantwortet. Viel zu oft, scheint es mir, entscheiden sich Menschen aufgrund einer “Wahrheit”, die sie nicht selber ergründet haben, sie plappern einfach etwas nach was ihnen als Wahrheit verkauft wurde.

Ethische und moralische Grundsätze müssen erarbeitet werden, das muss jeder für sich ein Stück weit tun. Wer anstelledessen nur Grundsätze nachbetet die ihm vorgebetet wurden, der vernachlässigt die eigene Begabung zur Vernunft und macht sich so zum Spielball für Andere. Es erstaunt mich immer wieder bei Abstimmungen, dass eine Plakatschwemme in Millionenhöhe meist reicht um die Volksmeinung zu kippen. Und es schockiert mich immer wieder zu erleben, wie vermeintlich vernunftbegabte Menschen beispielsweise wie vor ein paar Jahren eine Unternehmenssteuerreform gutheissen, die ein paar Milliarden von unserem Geld in die Wirtschaft pumpt – und gleichzeitig eine IV-Revision durchwinkt, die invaliden Menschen, also den Schwächsten dieser Gesellschaft, das Wenige reduzieren das sie haben. Was für eine Vernunft, was für eine Ethik oder was für eine Moral lässt uns so entscheiden? Wer von all denen, die das gutgeheissen hat, hat sich wirklich ernsthaft darüber Gedanken gemacht und hat sich gesagt: “Wir wollen die Wirtschaft stützen, aber das kostet Geld, also nehmen wir das Geld der Invaliden und hoffen, dass wir damit unseren gesamtgesellschaftlichen Lebensstandard verbessern können”? Ich glaube und hoffe, dass nur Wenige so dreist sind, die Meisten haben einfach vergessen, ihre eigene Vernunft anzufragen zu diesem Entscheid, sie liessen sich willig einlullen durch eine Kampagne der sogenannt “bürgerlichen Politiker”. Aber wozu braucht der Mensch denn überhaupt eine Vernunft, wenn er das Denken an Plakatwände delegiert?

Die Verantwortung des Einzelnen

Weder das Recht auf persönliche Freiheit eines Individuums noch die Pflicht zur Inanspruchnahme der eigenen Vernunft kann delegiert werden. Es liegt in unserer eigenen Verantwortung, herauszufinden was wir wollen und brauchen und Wege zu finden uns diese Freiheit zu nehmen. Und es liegt genauso in unserer eigenen Verantwortung, ethische und moralische Werte selber aufzustellen, uns selber Gedanken zu machen und Dinge selber rational zu bewerten.

Wer seine Freiheit oder seine Vernunft delegiert, delegiert sein Leben und gibt damit seine Selbstbestimmung auf. Das wäre an sich eine persönliche Sache, wenn sich jemand zum Sklaven berufen fühlt, soll er das tun dürfen. Problematisch ist es, wenn ein Mehrheitskollektiv so mit ihrem Leben verfährt, denn daraus resultiert eine Nation von Marionetten, die von ein paar Mächtigen gesteuert wird. Und das wiederum ist ein Armutszeugnis für eine Spezies, die nicht nur die Fähigkeit zur Vernunft hätte sondern auch das Recht auf Freiheit – so zelebriert man die Kapitulation vor dem Menschsein.

So und jetzt, Leute, ab in die Badewanne mit Euch ;-)

Sternstunde Philosophie vom 16.10.2011

Diana die digitale Bücherwürmin

Früher war ich eine echt angefressene Bücherwürmin. Ja ich weiss, man sagt nicht “Würmin”, aber ich find’s süss ;-) Ich weiss nicht wieviele hundert Bücher ich in meinem Leben gelesen habe, es sind Unzählige. Romane waren selten dabei, abgesehen von einem gelegentlichen Stephen King für die Ferien. Meist las ich “schlaue Bücher”, die grossen und kleinen Philosophen, relgiöse Meister, spirituelle Themen und so Kram. Zu Lesen war für mich weniger Unterhaltung als mehr Lernvorgang, Bücher eröffnen neue Horizonte, davon konnte ich nie genug kriegen.

Aber in den letzten Jahren habe ich soviel um die Ohren, dass ich dafür einfach keine Zeit mehr finde. Wenn ich zuhause bin, habe ich meist Anderes zu tun wie bloggen und so Kram oder ich bin schlicht zu müde um noch was Schlaues zu machen. Am Ehesten würde ich unterwegs lesen, aber da hab ich meist kein Buch dabei oder wenn, dann das Falsche.

Es ist so eine Unart von mir, dass ich immer etwa ein dutzend Bücher aktiv habe und immer grad das lese was mich grad in diese Minute anspricht, diese Methodik versagt unterwegs völlig, weil ich ja nicht ein dutzend Bücher in meine Handtasche packen kann. Höhö, die Zeiten ändern sich, denn seit dieser Woche kann ich das tatsächlich, rund fünfzig Bücher schleppe ich nun in meiner Handtasche rum, macht total gute 200 Gramm – da staunste, was?

Mein eBook-Reader, der Amazon Kindle

Die Lösung für dieses Problem heisst eBook-Reader oder in meinem Fall ist es der “Amazon Kindle“. Das ist ein kleines flaches Computerding, auf dem man Bücher runterladen und die dann dort lesen kann. Das Teil merkt sich nicht nur wo man grad am Lesen ist und schlägt automatisch dort auf, man kann auch Notizen und Markierungen anbringen. Und das Genialste speziell am AmazonKindle ist, dass man eine Unzahl an Klassikern gratis runterladen kann.

Meine erste mobile Bibliothek

So einen Kindle habe ich nun diese Woche bestellt und ihn gleich mal mit 50 Büchern gefüttert. Einerseits sind es viele Gratis-Klassiker, mit dabei sind Philosophen wie Sokrates, Platon, Epiktet aber auch bekannte Schreiber wie Oscar Wilde, Arthur Schoppenhauer, Martin Luther King oder Mahatma Gandhi. Weiters habe ich Lyriker wie Novalis oder Rainer-Maria Rilke geschenkt gekriegt, Beide kenne ich nur von Hörensagen. Dann habe ich noch ein paar Bücher gekauft, unter Anderem die Fortsetzung meines achsogeliebten “Pfad des Friedvollen Kriegers” von Dan Millman, der letzte Teil heisst nun “Sokrates, der friedvolle Krieger” und erzählt die Geschichte des Mentors im ersten Teil. Ausserdem habe ich noch ein Buch des Comedians Dieter Nuhr und ein witziges Buch der Ulknudel Sonja Krause und selbstverständlich musste da auch noch was von Paulo Coelho mit drauf. Und das Beste, endlich hab ich mal wieder einen Gruselroman “Zwischen Nacht und Dunkel” mit Kurzgeschichten von Stephen King. Ausserdem habe ich noch eine Reihe von religiösen Schriften draufgepackt, unter Anderem fand ich sogar ein Neues Testament deutsch/griechisch, das ich bereits in Buchform habe.

Und diese ganze Bibliothek schlepp ich nun mit mir rum und kann jederzeit lesen was ich Lust hab, sei es unterwegs, während dem Mittagessen, auf dem Klo oder in der Badewanne. Ne Quatsch, in der Badewanne muss ich meinen Gedanken nachgehen, aber es ginge, rein theoretisch ;-)

Eine erste Beurteilung

Da ich bisher noch nicht gross zum Lesen kam, kann ich das Produkt noch nicht abschliessend beurteilen, das hole ich zu gegebener Zeit nach. Was ich fürs Erste sagen kann sind drei Dinge:

  1. Die Möglichkeit, soviele Bücher stets dabei zu haben und jederzeit das Buch auf Tastendruck zu wechseln, ist einfach grandios. Und da der Kindle immer gleich an der zuletzt aufgeschlagenen Stelle aufschlägt, kann man die Bücher wirklich einfach wechseln – ideal für unstete Personen wie mich ;-)
  2. Die Bildqualität ist ebenfalls genial, der AmazonKindle hat ein spezielles Darstellungsverfahren (eInk), das nicht nur kaum Strom braucht sondern auch ein klares Schriftbild hinterlässt. Man braucht dafür zwar aktives Licht, dafür ist es komplett spiegelfrei und kann somit auch an geissender Sonne gebraucht werden.
  3. Das deutschsprachige Sortiment für eBooks ist noch etwas spärlich, man findet nicht alles was man sucht. Aber in Anbetracht von über 5’000 Gratisklassikern und über 40’000 deutschen Büchern ist man fürs Erste gut bedient.
  4. In der Entwicklerabteilung von Amazon arbeiten nur Männer, anders lässt sich nicht erklären, warum die Bedienung des Kindles derart benutzerfeindlich ist. Echt, die Art wie man das Teil bedient, erinnert an die Steinzeit des Computers.
  5. Ebenfalls typisch Jungs: es ist zwar toll, dass der Kindle auch MP3 aufnimmt und man so während dem Lesen Musik hören kann, aber es käme keiner Frau in den Sinn, sowas zu programmieren, ohne dass man Playlisten verwalten kann. Ein MP3-Player der nur stupide alles der Reihe nach vorspielt, ist einfach Quatsch.

Auf jeden Fall habe ich ne Menge Spass daran und bin gespannt, ob die Begeisterung anhält wenn ich es vermehrt benutze – ich halt Euch auf dem Laufenden ;-)

Claudia – eine neue gute Freundin

Nachdem ich kürzlich hier über die Reporter-Sendung über Claudia Meier schrieb, trudelte die Gute hier ein und kommentierte den Beitrag und darauf kontaktierten wir uns, plauderten zuerst via Facebook und dann via Mail und schnell stelle sich raus, dass wir uns super mögen. So kam dann schnell mal der Gedanke, dass wir uns mal treffen sollten.

Diesen Montag hatte ich mit einem ehemaligen Greenpeace-Verbündeten in Zürich abgemacht, den ich rund ein Jahrzehnt nicht mehr gesehen hab. Zufällig war Claudia am gleichen Tag in Zürich und so machten wir ab, dass ich etwas früher komme und wir noch ganz kurz einen Kaffee trinken gehen.

Aber Gottes Wege sind ja bekanntlich unergründlich, gegen Mittag schrieb mit der Greenpeace-Kollege, er würde im Bett liegen und müsse leider absagen. Das war zwar mega schade, weil ich mich riesig auf ihn gefreut hab, aber dafür war der Abend nun offen – also rief ich Claudia an und wir disponierten um, der Abend sollte uns gehören.

Stundenlanges Geplauder

Um Fünf traf ich in einer kleinen spanischen Kneipe im Zürcher Niederdorf ein, Claudia war bereits da und so setzte ich mich zu ihr und wir begannen zu plaudern und zu lachen und zu beratschlagen und hatten einen wirklich genialen Abend. Etwa um Elf waren wir grad draussen um eine zu rauchen, als die Wirte plötzlich die Rollläden runterliessen. Wir protestierten mal kurz, weil wir ja unseren Kram noch drin hatten und erst grad noch eine Runde bestellt hatten, darauf erklärten sie uns, das sei kein Problem, wir sollen einfach reinkommen, sie würden uns einen Aschenbecher an den Tisch bringen – nach Torschluss dürften wir nicht mehr draussen rumlungern. Oha, Privatanlass nur für uns Zwei?

Offferierte Killerdrinks

Also setzten wir uns, Claudia offerierte den zwei Angestellten noch etwas zu Trinken und dann sassen wir noch eine gute Stunde weiter dort, während die Jungs die Kneipe aufräumten. Irgendwann kamen die Zwei zu uns an den Tisch und stellten 4 Jägermeister hin, die wir nach fröhlichem Anstossen gleich mal runterschütteten. Das war keine gute Idee, üüüüüüberhaupt nicht, denn ich hatte den ganzen Abend nur Bier getrunken, weil ich ja weiss, dass ich aufs Durcheinandersaufen heftig reagiere. Aber weil wir so gut drauf waren, kamen die Zwei später nochmal und stellten noch irgendwelche hochprozentigen Gläser hin, auch die mussten weg – na dann Prost!

Kritik am modernen Strassenbau

Etwa um Zwölf verliessen wir dann die Kneipe und Claudia begleitete mich noch zum Bahnhof – soweit ging eigentlich alles recht gut – aber als ich dann am Zielbahnhof angekommen nachhause lief, wunderte ich mich schon a bisserl darüber, dass die Strasse plötzlich soviel Seegang hatte. Die bauen heutzutage einfach nicht mehr so stabil wie früher, ich hatte echt Mühe, geradeauszulaufen ;-) Der darauffolgende Morgen wartete dann auch mit entsprechender Strafe auf mich, ich fühlte mich ziemlich zerknittert, aber der Abend war cool genug, dass es mir das wert war.

Das Lachen als Diagnose-Kriterium

Etwas uns mir extrem aufgefallen: Auch Claudia hat natürlich ihre harten Geschichten die sie aufgrund ihrer Transsexualität durchleben muss, in gewisser Hinsicht durchlebt sie gerade heftigere Dinge als mir das Leben zugemutet hat. Trotzdem gibt es an ihr nichts was mehr auffällt als ihre überbordende Lebensfreude, die sich vorallem in ihrem Lachen zeigt. Da scheint es uns Beiden gleich zu gehen. Egal wie hart und beschwerlich das “neue Leben” ist, das alles spielt keine wesentliche Rolle, weil die Freude an unserem Leben uns so eine allumfassende Lebenslust schenkt, dass wir oft einfach blödsinnig glücklich sind und nicht anders können als in die Welt hinauszulächeln. Ich denke, wenn jemand daran zweifelt, dass der Weg einer “Geschlechtstransition” transsexuelle Menschen zu glücklichen Menschen machen kann, dann sind wir Zwei der Beweis dafür, dass dem wirklich so ist. Über dieses Thema redeten wir auch oft an diesem Abend und wir waren uns einig: egal wie beschwerlich so Manches sein mag, es ändert nichts daran, dass wir von einer Lebensfreude erfüllt sind, die wir in den vorherigen Jahrzehnten nicht mal ansatzweise kannten. Einmal mehr kann ich nur betonen: Transsexualität ist heilbar :-)

Gemeinsam sind wir stark

Abgesehen davon, dass wir einen super tollen Abend hatten und uns wirklich gut verstanden, bemerkten wir auch bald mal, dass wir einander gegenseitig einiges geben können. Da ich die GaOp bereits hinter mir habe und auch sonst die ganze “Geschlechtstransition” vorüber ist, kann ich ihr in vielen Dingen Ratschläge geben.

Sie wiederum ist mir schon am ersten Abend zu einem Vorbild geworden wenns um den Umgang mit Fremden geht, ich hab echt Bauklötze gestaunt. Ich hab ja eher so ne Tendenz, grosse Ansammlungen von mir fremden Menschen zu meiden oder wenigstens ihre Anwesenheit zu ignorieren. Ich stehe nachwievor zu sehr unter dem Eindruck, dass ich abgelehnt werden könnte und deshalb mache ich instinktiv einen Schritt zurück. Claudia tickt da völlig anders, sie ist extrem offen und spontan und geht auf Leute zu mit einem Selbstbewusstsein, das bewundernswert ist.

Wenn wir jeweils draussen am Rauchen waren, standen wir sozusagen mitten in der Gasse der Altstadt, in der es von Menschen wimmelte wie mitten in einem Bienenschwarm. Und da ich *hüstel* mein rotes Stretchkleid anhatte, war auch für genug Signalwirkung gesorgt, dass wir auch gehörig zur Kenntnis genommen wurden. Während der ersten Rauchpause war es mir noch etwas unangenehm, aber schon beim zweiten und spätestens beim dritten Mal hat mich Claudias Offenheit angesteckt und ich fands plötzlich das Normalste der Welt, dass ich da rumstehe inmitten dieses Gewimmels.

Ich glaub, die Gute ist eine super Medizin für mich und ich wiederum scheine auch für sie eine grosse Stütze zu sein. So schnell kann’s gehen und schon hat man wieder eine neue gute Freundin, cool was? Auf jeden Fall werden wir regelmässig Kontakt halten, ihr nächster Zürich-Ausgang ist auf übernächste Woche geplant und vermutlich werden wir das wieder gemeinsam durchstehen *grins*, ausserdem haben wir uns vorgenommen, gelegentlich mal was zu Viert zu machen, zusammen mit unseren Lebenspartnerinnen, vermutlich treffen wir uns während unserer Herbstferien in Claudias Hotel.

Hotel-Empfehlung

Apropos Hotel – soviel Zeit muss sein – wenn Ihr mal das wunderschöne Bernerland bereisen wollt oder ein Wellness-Wochenende machen möchtet, dann empfehle ich Euch Claudias mindestens so schönes “Hotel Schwefelberg-Bad“. Das Hotel selbst kenne ich noch nicht, aber ich kann Claudia schon gut genug einschätzen um mein Wort darauf zu geben, dass Ihr dort bestens umsorgt seid.

Herzliche Gratulation zur Vornamensänderung

Und zuguterletzt freut es mich, hier nochmal herzlich zu gratulieren. Claudia kam ja in letzter Zeit vorallem deshalb in den Medien, weil der Kanton Bern ihr eine Vornamensänderung verweigerte. Vielleicht lag’s am medialen Druck, vielleicht auch an ihrem Anwalt, aber auf jeden Fall hat sie diese Woche nun die Bestätigung bekommen, das “Polizei- und Militärdirektion” hat ihre Beschwerde gegen den Entscheid des “Amtes für Migration und Personenstand” gutgeheissen. Nun zickt einzig noch ihre Krankenkasse rum, aber bei soviel Kämpfergeist kombiniert mit den Medien und dem Anwalt, dürfte wohl auch das nur noch eine Frage der Zeit sein.

In dem Sinn, danke für alles, Claudia, schön dass es Dich gibt……. und bis bald ;-)

Gedanken aus der Badewanne – Teil 1

Hach, das Leben kann ja so schön sein, wenn man es denn zulässt. Wie fast jeden Sonntag lag ich vorhin grad eine Stunde lang in der warmen Badewanne, mit kühlem Bierchen zum Ausgleich und entgegen sonstiger Gewohnheiten diesmal mit dem Notebook als Begleitung, der mir diese youTube Playlist von meinem “Cellolehrer” Adam Hurst vorspielte. Wie fast immer bei so Badespässchen schwelgte ich in Gedanken und Gefühlen rum. Das “schweben” im Wasser versetzt einem irgendwie in einen Zustand, den man seit dem Verlassen der Fruchtblase nicht mehr erlebt hat. Einer der heute rumschwimmenden Gedanken veranlasste mich, nun hier diesen ersten Beitrag einer neuen Blogserie zu beginnen…….. der wöchentliche Badewannen-Bericht ;-)

Man ist nur so frei wie man sich zulässt

Vielleicht gerade weil in meinem Leben seit Abschluss meiner “Selbstentfaltung” nicht mehr viel Spektakuläres und Forderndes mehr auftaucht, habe ich endlich den psychisch-emotionalen Freiraum, um auch mein “neues Leben” zu gestalten. Es gibt so Vieles, das ich tun möchte und es ist sowenig Zeit um das zu tun.

Einerseits reisst es mich enorm mit dem Cello, ich glaub ich hab da wirklich etwas gefunden, mit dem ich meine in dieser Lebensphase vorherrschenden Gefühle umsetzen kann, ich hab damit eine Menge Spass, aber es ist einmal mehr eine grosse Herausforderung, die sehr viel Raum beansprucht. Dann träume ich weiterhin davon, endlich mal ein richtiges Buch zu schreiben, aber da fühle ich mich total gehindert, solange zuviel Kram sonst in meinem Kopf rumspukt, das würde einfach mehr Raum brauchen. Und dann ist noch das Blog das ich so gerne regelmässig füttern möchte und auch bei der Arbeit läuft es grad sowas von gut, dass ich auch da voller Enthusiasmus Energie versprühe.

Irgendwie muss ich Prioritäten setzen. Einer der Orte an dem ich Raum freischaufeln kann, ist meine Bloggerei, die in letzter Zeit ja an Regelmässigkeit abgenommen hat. Ich denke, das ist gut so, es wird Zeit, mich vermehrt Anderem zu widmen. Das brachte mich auf die Idee, eine sonntägliche Serie zu beginnen, weil ich am Sonntag am ehsten meinen Ruhetag hab und auch da – eben grad in der Badewanne – oft genug Gedanken zusammen kommen um sie hier umzusetzen. Natürlich werde ich weiterhin hier schreiben, wenn mich was speziell bewegt, aber das alltägliche Blabla werde ich wohl in nächster Zeit auf diese Beadewannen-Beiträge reduzieren.

Diana im Computerfreak-Fieber

Erst grad habe hier ja das Klagelied der untergehenden Computer-Freak Generation besungen und rumgejammert, dass ich mich wieder mal mit so modernen Superhyperwollmilchsau-Komponenten rumschlagen muss anstatt dass ich tue was ich am besten kann, den ganzen Kram selber zu programmieren. Nun kam es wie es kommen musste und die hoffnungsgeschwängerte Komponente hat kläglich versagt, sie bringt nicht annähernd die Performance die wir mit unseren riesigen Datenmengen brauchen würden.

So kam es, dass ich nun doch den Job gefasst hab, das ganze Teil komplett selber zu programmieren, sozusagen von null auf. Und das macht sowas von Spass, da kann ich mal wieder ein richtiges Feuerwerk in meinen Hirnsynapsen fabrizieren. Gestern arbeitete ich den ganzen Tag mit Cellobegleitung in der Firma und programmierte mir die Seele aus dem Leib. Gerade weil diese Art von Knochenarbeit heutzutage immer seltener wird, war es umso mehr ein Genuss. Wenn es so weitergeht wie bisher, wird das eins meiner Meisterwerke, bisher läuft es jedenfalls schnell wie die Sau :-)

Das Cello, die Kuh

Mein eCello ist grad meine beste Freundin abgesehen von meiner liebsten Juliet. Obwohl das nicht selbstverständlich ist, denn das Cello gebärdet sich wie ein frischgefangenes Wildpferd, das zu zähmen wird eine anstrengende Sache. Vorallem diese Vibrato-Geschichte kann einem wirr im Kopf machen. Wie kann man die Hand schütteln ohne dass der gehaltene Gegenstand sich mitschüttelt? Vorallem spür ich aber auch, dass ich enorm gehemmt bin, der Kopf mischt noch immer viel zu sehr mit und so bin ich viel zu verkrampft. Trotz der Widerspenstigkeit dieses Instruments bin ich aber von Tag zu Tag zuversichtlicher, dass wir zu einander finden, ich spüre, dass es genau das ist was ich gesucht habe.

Mal wieder im Pöb

Boah es fühlt sich an wie eine Ewigkeit, seit ich das letzte Mal in meinem Pub war. Juliet und ich hatten ja zwei Wochen Ferien hier und damals sind wir mal ins Pub gegangen, dann war ich im Spital für die Korrektur-Op und anschliessend war ich wochenlang nicht ausgangsfreudig infolge der Op. Darauf hatte das Pub etwa fünf Wochen Sommerpause und dann wiederum hatte ich eine sehr müde Zeit – jedenfalls konnte ich mir diesen Donnerstag mal wieder einen Tritt in den Hintern geben, ging hin und hatte mal wieder einen super Abend. Glücklicherweise arbeitete zufällig meine Lieblingsbarkeeperin und die brachte mich anschliessend nachhause. Diese Woche geh ich vermutlich wieder hin am Donnerstag und eine Woche später kommt ja Juliet in die Schweiz und dann gehen wir zusammen dahin und hören dort ein Konzert einer irischen Band :-)

Mein Buch, Dein Freund und Helfer

Seit langer Zeit spukt mir durch den Kopf, dass ich so gern ein richtiges Buch schreiben möchte. Dabei habe ich aber die Qual der Wahl und das ist alles andere als einfach. Nebst vielen anderen Themen schweben mir vorallem zwei Dinge durch den Kopf.

Das Eine wäre eine Autobiographie, in der ich meine ganze Lebensgeschichte aufarbeiten möchte. Das Buch wird zwei Zeitebenen haben, aus der heutigen Zeit in der Gegenwart geschrieben mit ständigen Rückblicken in die Vergangenheit. Darauf hätte ich mega Lust und ich stell mir das auch sehr spannend vor.

Auf der anderen Seite möchte ich aber auch eine Art Selbsthilfe-Buch schreiben zu dem Thema, bei dem ich Expertin bin, die Selbstentfaltung oder Selbstzulassung. Ich glaube, dass alle Menschen wesentliche Wesensanteile unterdrücken, weil sie sich einfach nicht ganz zulassen können. Man fragt viel mehr danach, wie man sein sollte als danach, wie man ist. Ich glaube, dass ich da sehr viel “Schlaues” vermitteln könnte, gerade weil mein Leben mich dazu gezwungen hat, da Spezialistin zu werden und in Sachen Ich-sein die Königsdisziplin durchlaufen musste.

Heute im Bad wurde das Gefühl sehr stark, dass ich Zweiteres zuerst machen möchte und dass ich eigentlich jetzt damit anfangen möchte. Sowas lässt sich zwar nicht auf Knopfdruck auslösen, aber ich denke, ich werde mich innerlich mal in diese Richtung bewegen, mal schauen was dabei herauskommt.

Entschuldigung an alle “Liegengelassenen”

An dieser Stelle noch eine kleine Entschuldigung an all diejenigen, die auf was weiss ich von mir warten. Ich hab wie immer noch eimerweise Mails in der Mailbox rumliegen, die teilweise schon seit Monaten auf Abarbeitung warten und vorallem im alten Blogtagebuch hat es bereits eine Reihe von Kommentaren, die ich noch beantworten möchte und werte. Aber wie oben erwähnt, habe ich momentan eine recht egoistische Prioritätensetzung. Aber man darf gewiss sein, dass ich all dem noch nachkommen – versprochen ;-)

Noch mehr unterschätzte Supertalente

Erst grad habe ich ja vorgeschwärmt, was für tolle Supertalente man in so Castingshows findet und wie oft man dort lernen kann, dass man Leute nicht aufgrund von Äusserlichkeiten unterschätzen sollte. Diesbezüglich habe ich ein neues Prachtstück entdeckt. Lukas Mattioli wirkt alles andere als selbstbewusst, in der Schule wird er gemobbt und wegen seiner Musik ausgelacht. Er ging vorallem deshalb in die Castingshow, weil er wissen wollte, ob er nun singen kann oder nicht, ob er mit Recht ausgelacht würde oder………… und eine Halle von 10000 Leuten bestätigten ihm, dass die ihn Mobbenden einfach Deppen sind. Eine traumhafte Stimme und ein Gesang der soviel Gefühlstiefe offenbart, dass mir zumindest die Tränen zuforderst standen…… enjoy……

Der kleinschwänzige Fahrrad-Grabscher

Gewisse Männer sind echt Schweine, manchmal staunt man als Frau einfach Bauklötze. Heute auf dem Heimweg von der Arbeit war ich gedanklich noch völlig in die Arbeit vertieft, weil ich heut den ganzen Tag Hochleistungs-Hirnakrobatik betrieben habe. Plötzlich fühlte ich eine Hand auf dem Hintern und bevor ich richtig realisierte was da grad passiert ist, ist der Fahrradfahrer bereits an mir vorbeigezogen und radelte in einer Seelenruhe weiter als wär nichts geschehen.

Naja, ich kann dem ja insofern was abgewinnen, dass ich es erfreulich finde, dass mein Hintern mal wieder so interessant war, danke für das Kompliment. Trotzdem wurde ich ziemlich gallig. Wenn wir Mädels uns nett anziehen, dann ist es auch erlaubt, uns anzukucken, aber eine fremde Person intim anzufassen ist eine Grenzüberschreitung, die absolut respektlos ist.

Ich habe ja ein gewisses Verständnis, dass kleinschwänzige, impotente oder sonstwie benachteiligte Männer ihre Minderwertigkeitskomplexe kompensieren möchten, aber nicht auf diese Weise. Es ist .eine bodenlose Frechheit, wenn man wildfremde Personen so anfasst.

Dieser Hosenscheisser hatte wirklich Glück, dass ich so in Gedanken vertieft war, an anderen Tagen hätte er riskiert, dass er eine gescheuert bekommen hätte – an guten Tagen – an schlechten Tagen hätte ich ihn möglicherweise vom Fahrrad gefegt. Meine Reflexe sind gut genug und wenn ich aus was auch immer für Gründen bereits gereizt gewesen wäre, hätte er möglicherweise die Überraschung seines Lebens erlebt.

Das Ganze beschäftigt mich vorallem deshalb, weil ich weiss, wie so Kleingeistige ticken. Denen geht es nicht ums Grabschen als Solches, es geht um Grenzüberschreitung und Machtmissbrauch. Aber so billige Aktionen können nie die Befriedigung geben, die so Jammerlappen brauchen würden um ihr Ego aufzubauen. Deshalb können sie kaum anders als die Latte mit der Zeit höher zu stecken. Wer heute mit dem Fahrrad herumfährt und sich dabei aufgeilt, wenn er einer fremden Frau an den Hintern fasst, der wird früher eine Frau sonstwie belästigen und wenn das nicht reicht irgendwann eine vergewaltigen. Dass dieser Knallkopf anschliessend seelenruhig weitergefahren ist, liess keine Zweifel offen, dass er bereits sehr routiniert ist mit seiner Selbstaufwertung der primitiven Art. Wie wird er sich als Nächstes steigern?

So gesehen bedaure ich, dass ich zu sehr überrascht war um zu reagieren, irgendwie habe ich den Eindruck, es wäre pädagogisch wertvoll gewesen, wenn er im hohen Bogen von seinem hohen Ross geflogen wäre. Vielleicht hätte es ihm zu denken gegeben, wenn er erlebt, wie schnell Macht sich in Ohnmacht verwandeln kann.

Mir hat es jedenfalls mal wieder gezeigt, dass Männer teilweise mit unglaublicher Unverfrohrenheit Grenzen überschreiten und Frauen behandeln wie Vieh. Warum sie das tun, ist mir echt ein Rätsel, denn schlussendlich machen sie ja vorallem sich selbst lächerlich – resp. geben ihre ihnen bereits innewohnende Lächerlichkeit preis. Aber für uns Frauen ist es gelinde gesagt unangenehm und es erinnert uns daran, dass wir im Prinzip jederzeit Opfer von Übergriffen werden können.

Natürlich gibt es sowohl bei Männern wie bei Frauen Schweine, aber nur wenige Männer dürften die Erfahrung kennen, am hellichten Tag von einer wildfremden Frau sexuell belästigt worden zu sein…… aber es wird wohl nicht viele Frauen geben, die nicht davon berichten könnte, dass ihnen sowas auch schon passiert ist.

Wie dem auch sei, ich bin mal gespannt ob er mir wieder mal begegnet und es wieder versucht, so routiniert wie er vorging, scheint das ein Hobby von ihm zu sein. Noch mehr bin ich gespannt wie er reagiert, wenn er zum ersten Mal vom Fahrrad fliegt…….. to be continued……….

PS: etwas muss ich jetzt aber doch noch anfügen, fairheitshalber: Als ich vor drei Wochen vom Flughafen kam, kreuzte ein Mann meinen Weg, blieb stehen und sprach mich auf französisch an, etwas von “j’adore…..”, merkt, dass ich nur Bahnhof verstehe und fügt erklärend hinzu: “isch mag Ihren Style” und dackelte davon – als wär nix geschehen. Er baggerte mich nicht an sondern wollte einfach seine Begeisterung kundtun. Das wiederum passiert uns Frauen wohl auch deutlich eher als Männern, als Frau in der Gesellschaft hat man auch Vorteile ;-)

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