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Spass reloaded – Wider aller Ernsthaftigkeit

Die letzten Woche war hier Funkstille, einerseits weil wir Ferien hatten und gleich anschliessend nochmal ein gemeinsames Oster-Wochenende (wie hier berichtet), anderseits war ich sehr mit mir selbst beschäftigt. In letzter Zeit habe ich ja oft davon erzählt, dass mich die “Öffentlichkeitsarbeit” mehr aufreibt als gesund wäre und dass ich Wege finden muss, mich von all dem Kram etwas zu distanzieren.

Mein tiefsitzendes Gefühl, die Welt aufklären und aufrütteln zu müssen, drängt mich ständig dazu, die Welt mit Argusaugen zu beobachten und mich überall zu Wort zu melden und dabei verheize ich mich innerlich komplett. Das war früher schon immer so, damals als ich nicht mich selbst leben durfte, damals war die Energie so auch gut eingesetzt, ich hatte ja eh kein eigenes Leben das zu leben es wert gewesen wäre. Die letzten Wochen dachte ich über all das oft nach und verschiedene Impulse drängen mich nun in eine ganz neue Richtung, wie ich meine eine wirklich Gute.

Zeit um zu leben

Es gibt Zeiten zu kämpfen und es gibt Zeiten zu leben und zu geniessen. Ersteres habe ich lange genug getan, Zweiteres wäre gerade in Anbetracht meiner endlich durchkämpften Freiheit mehr als angebracht. Deshalb scheint es mir das einzig Richtige zu sein, dass ich mich bewusst etwas von der Welt da draussen abwende und meinen Fokus wieder viel mehr mir und meinem eigenen Leben zuwende. Ich möchte versuchen, meine Nase für eine längere Weile aus den Medien herauszuhalten und wie schon früher mal vorgenommen, nun wirklich mehr agiere als reagiere.

Eine andere Sichtweise

Nachdem ich mich in den letzten Monaten enorm aufgerieben habe wegen tausend Themen, die mir nahe gehen, in denen ich immer wieder mit Dummheit oder Grausamkeit konfrontiert wurde, wurde mir immer mehr klar, dass es so nicht gehen kann, ich kann nicht die ganze Welt “verbessern”. Genau in dieser Zeit bekam ich von einer lieben Freundin einen Buch-Tipp, ich sollte “Eine neue Erde: Bewusstseinssprung anstelle von Selbstzerstörung” von Eckhart Tolle lesen, das könne meinen Blick in eine etwas bessere Richtung lenken. Und in der Tat, dieses Buch spricht viel von dem an, worüber ich mir in letzter Zeit Gedanken gemacht habe. Zusammen mit anderen Impulsen die alle in dieselbe Richtung drängten, landete ich durch ebendieses Buch vor eine Frage, die mir zu denken gab: Ich kämpfe die ganze Zeit, mal siege und mal verliere ich, falle nieder, steh wieder auf, kämpfe weiter……… aber wo ist eigentlich der Krieg?

Die Unbewusstheit als Schlüssel zum Verständnis

Diese Gedanken sind noch nicht zuende gedacht, aber es zeichnet sich immer mehr ab, dass das einzige Problem das es gibt, die Unbewusstheit der Menschen ist. Aber wenn das was ich an vielen Menschen so kritisiere und die daraus resultierenden Gedanken, die ich bekämpfe, wenn all das eigentlich nur eine Folge von der Unbewusstheit so vieler Menschen, dann gibt es keine Gegner und keine Feinde, es gibt nur Opfer, die ihr Umfeld mitbelasten – sofern man sich davon belasten lässt.

Das mit der Unbewusstheit muss ich in einem späteren Beitrag detailiert beschreiben, wichtig ist momentan nur, dass mich diese Sichtweise in die Lage versetzt, diesen kollektiven Irrsinn der mir aus dieser Gesellschaft immer wieder ins Genick springt, nicht mehr so ernst zu nehmen wie ich es bisher getan habe. Es macht keinen Sinn, auf Menschen wütend zu sein, nur weil sie sich nicht bewusst sind, was für ein Leben sie führen und wiesehr sie Sklaven ihrer ego-zentrierten Denkweise sind.

Das Leben ist zu wertvoll um es nicht wirklich zu leben

Über all das möchte ich weiter nachdenken, es scheint mir der Schlüssel zu Vielem zu sein. Aber ich möchte mich davon nicht mehr kontrollieren lassen, dazu muss ich es loslassen, diesen Drang, die Welt zu verbessern und aufzurütteln – und vorallem muss ich die Illusion loslassen, ich könnte dabei auch noch erfolgreich sein. Und mehr als all das, bin ich es meinem Leben wirklich schuldig, dass es in vollen Zügen gelebt wird, was inmitten von Schlachtfeldern nicht möglich ist.

Und so entsteht jetzt gerade ein neuer Vorsatz in meinem Leben, eine neue Zielrichtung, eine die ich während der ersten zwei Jahre meiner “Transition” eigentlich verinnerlicht hatte, die ich erst wieder verliess, als ich ganz in meinem Leben ankam und wieder Zeit hatte, die Welt da draussen zu beobachten.

Dem Lachen wieder Raum geben

Gestern kamen Juliet und ich telefonierenderweise auf ein Thema aus der Vergangenheit und dabei blätterten wir im alten Tagebuch herum und Juliet las mir kichernd einzelne Teile davon vor – und mir wurde wieder bewusst, wie sehr ich mich von meiner damaligen Lebenslust und Lebensfreude entfernt habe, wie ernsthaft und kämpferisch mein Leben doch wieder geworden ist.

Und mich überkam eine unbändige Sehnsucht, mich wieder von diesem Gefühl und dieser Zielsetzung beflügeln zu lassen, den Blick wieder in mein eigenes kleines Leben zu verschieben und wieder zu tun, was ich doch so sehr geniesse.

Wider der Ernsthaftigkeit

Das soll nicht heissen, dass mir jetzt alles da draussen egal ist und ich mich nirgends mehr einsetze, keine Sorge. Aber es soll wieder Nebenschauplatz in meinem Leben sein. Es gilt nun die beengende Ernsthaftigkeit wieder aus meinem Denken zu verbannen und wieder vermehrt in die Unbeschwertheit einzutauchen, wieder häufiger das Lachen in meinem Gesicht verweilen lassen ohne dass es von hinter mir lauernden Sorgen weggefegt wird.

Also versuche ich es, mich der Ernsthaftigkeit des Lebens wieder etwas zu entziehen und mich wieder treiben zu lassen. Das wird sich wohl auch auf dieses Tagebuch auswirken, weil es ja immer Spiegelbild meines Lebens ist. Somit lade ich Euch mit ein, der Ernsthaftigkeit etwas abzuschwören, wir sollten uns echt wieder mal über die Komplexität des weiblichen Schuhkaufs Gedanken machen, darüber habe ich nämlich grad aktuell was zu erzählen ;-)

So und jetzt geh ich in die Badewanne, mit nem kühlen Bierchen und verträumter Musik – man gönnt sich ja sonst nix :-)

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