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Ein letzter Hauch von Einsamkeit

Als ich gestern von der Arbeit zurückkam und meine Wohnung betrat, besprang mich ein wirklich surreales Gefühl, mir wurde schlagartig klar, dass ich soeben das letzte Mal meine Single-Wohnung betrete. Wenn ich das nächste Mal durch diese Tür schreiten werde, ist es nicht mehr meine Single-Wohnung sondern unsere gemeinsame Wohnung und ich trete nicht mehr allein hinein sondern zusammen mit meiner Herzallerliebsten – samt zwei Taschen voll Katzen – krass.

So ging es mir den ganzen Abend und auch heute seit wach bin, ich videophonierte gestern zum letzten Mal mit ihr, guckte zum letzten Mal allein TV und schlief zum letzten Mal allein vor dem TV ein, weil ich es wie so oft nicht ins Bett schaffe – und mir wird immer bewusster, dass mein TV-Schlafen auch genau damit zu tun hat, dass es einfach schmerzhaft ist, allein ins Bett zu gehen, da bleibe ich doch lieber vor dem TV, habe die Stimmen im Ohr die mir vorgaukeln, nicht allein zu sein…….. und heute um Zehn wachte ich zum letzten Mal allein auf, guckte wie jeden Sonntag allein Sternstunde Philosophie……. all diese letzten Male sind unglaublich berührend, weil sie mir noch viel mehr bewusst machen, was bis heute hier fehlte. Die Trostlosigkeit des Alleinwohnens ist gerade jetzt so spürbar, vielleicht weil ich dieses Gefühl ausnahmsweise zulassen darf, weil ich weiss, dass es zuende ist.

Das erinnert mich auf verrückte Art an den Tag vor meiner GaOp, als es auch all diese letzten Male gab, als ich die Tür hinter mir schloss und wusste, dass ich das nächste Mal als glücklicher Mensch in diese Wohnung treten werde – so wie ich übermorgen nun als wahrhaft glücklicher Mensch erneut hierher komme um noch einmal zu erleben, um wieviel schöner das eh schon schöne Leben sein kann.

Und wie damals freue ich mich unglaublich auf all die ersten Male die vor uns liegen. Nie wieder allein aufwachen oder ungeküsst zur Arbeit gehen, nie wieder den Abend unbekuschelt herumliegen und mich vor der Stille des trostlosen Schlafzimmers fürchten……. an Juliet geklammert einschlafen, neben ihr aufwachen, mit ihr essen, kuscheln, plaudern, zusammen etwas unternehmen……. es war damals schon ein riesiges Wunder, das mich unvorstellbar beglückte, nun geschieht schon wieder so ein Wunder und meine Vorfreude ist von ähnlichem Ausmass wie damals – es ist vollbracht, geht mir einmal mehr durch den Kopf – verdammt, wir haben’s wirklich geschafft :-)

Es ist still um mich herum, doch ausnahmsweise geniesse ich diese Stille heute sehr, sie ist der letzte Hauch einer Einsamkeit, die mich seit vielen Jahren einhüllte. Eigentlich mag ich Stille und Einsamkeit sehr, für eine kurze Zeit, wenn sie gewünscht ist und jederzeit aufgelöst werden kann. Aber die erzwungene Einsamkeit und die Unmöglichkeit, zwischendurch mal wieder einen grossen Eimer voll Zärtlichkeit zu tanken, diese Form von Einsamkeit ist alles andere als schön. Und gerade deshalb ist diese Stille heute so ein Genuss, weil sie sich vor meinen Augen auflöst und mir durch ihre Anwesenheit ein letztes Mal vor Augen hält, was gefehlt hat und was diese Leere nun auffüllen wird.

Sie, dieses bezaubernde süsse Ding, das mindestens so zärtlichkeitsbedürftig ist wie ich, das vermutlich noch viel verrückter ist als ich, dieses süsse Ding das ich so sehr liebe……….. in wenigen Stunden bin ich in Hamburg, noch heute Abend endet die Distanz zwischen uns, von heute Abend an sind wir wahrlich vereint………. und übermorgen beginnt diese neue Epoche in unserem gemeinsamen Leben, die Epoche der uneingeschränkten Zweisamkeit.

Ein Lied von Celine Dion durchdringt meine Hirnwindungen, ein Lied das mir in diesen zweieinhalb Jahren Fernbeziehung immer wieder Kraft und Zuversicht gab. “Wenn ich Dich brauche, dann schliesse ich einfach meine Augen und dann bin ich bei Dir”, singt sie und tröstet mich mit diesen Worten – “Meilen von leerem Raum stehen zwischen uns, ein Telefon kann Dein Lächeln nicht ersetzen, aber ich weiss, ich werde nicht ewig herumreisen, es ist kalt da draussen, aber halte es aus und mach’s wie ich”………… ja, tausend Meilen waren zwischen uns und es war kalt da draussen, aber wir wussten, dass wir diese Distanz irgendwann auflösen, daran glaubten wir und das gab uns Zuversicht…….. wir hatten Recht, wir haben’s geschafft…………. I love you, Darling……….. bis gleich am Hamburger Flughafen :-)

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