Politically incorrect since 1966

Blutverschmierte Stimmzettel

Mit dem Risiko, dass ich heute ein paar LeserInnen oder Freunde verliere, muss ich heute mal wieder Klartext reden. Offenheit ist mir wichtiger als falsche Rücksichtnahme und wer Kritik nicht hören kann, muss halt weghören.

Vor einer Woche ist Christina B. gestorben, sie wurde von ihrem Ex-Freund Anthony A. mit seinem Armee-Sturmgewehr erschossen. Nach der Tat rannte der Täter weinend und schreiend ins nächstliegende Bistro, nachdem er seiner Ex-Freundin in den Kopf geschossen hat. Angeblich sei es ein Unfall gewesen, aber in Anbetracht früherer Gewaltübergriffe auf seine Freundin und der eher geringen Wahrscheinlichkeit, dass sich aus einem Gewehr, das nicht geladen sein dürfte, ein Schuss löst, der zufällig genau den Kopf trifft – naja, für Christina spielt das keine Rolle, ob es ein Unfall war weil diese idiotische Knarre zuhause herumlag oder ob er einfach getan hat, was ihm im Militär gelernt wurde, Konfiktlösung mit Schwarzpulver.

Auch wenn ich die Betroffenen nicht kenne, macht mich das mal wieder schaurig wütend, weil dieser Tod nicht nur unnötig war sondern vom Schweizer Volk demokratisch in die Wege geleitet. Schon nach der Ablehnung der Volksinitiative, die Armeewaffen in Zeughäuser verbannt hätte, habe ich gepoltert und gesagt, dass alle die gegen diese Initiative stimmten nun mitverantwortlich sind für alle Toten, die zukünftig mit Armeewaffen niedergeknallt werden – dieses Wochenende begann der Bodycount, das erste Blut tropft über die Stimmzettel und beginnt die Hände Hunderttausender zu beflecken. Diejenigen, die jetzt schon an der Decke kleben und aufschreien, das sei doch nicht ihre Schuld, sollten mal die Füsse stillhalten und zuhören, ich mein das nämlich verdammt ernst.

Wer abstimmt, bestimmt – wer bestimmt, trägt Verantwortung

Abstimmungen sind kein Gesellschaftsspiel, Demokratie bedeutet, dass alle mitbestimmen dürfen, dass sich die Verantwortung über die Zukunft eines Landes auf alle Mitbestimmenden verteilt. Wer daran teilnimmt, hat seinen Teil dazu getan, die Zukunft aufzugleisen und das bleibt an einem kleben, im Guten wie im Schlechten.

Wenn ich für einen Atomausstieg stimme und dank dessen eines Tages die ganze Schweiz aus erneuerbaren Energien Strom bezieht, dann darf ich mit Recht stolz sein und von mir behaupten, dass dieses Land mit meiner Hilfe dahin gelangt ist. Und falls wie von Atomlobbyisten schwarzgemalt wird, infolge des Atomausstiegs der Strompreis massiv höher wird, dann werde ich mir auch den Vorwurf gefallen lassen müssen, dass ich daran mitschuld bin. Ich kann und würde dann zwar argumentieren, dass es mir dieser Mehrpreis wert ist und dass ein Super-GAU teurer geworden wäre, aber die Verantwortung über den höheren Strompreis habe ich mitzuverantworten.

Vor über einem Jahrzehnt stimmte ich für die Abschaffung der Armee. Wäre das angenommen worden und eines Tages wäre eine Armee hier eingerückt und hätte und besetzt, müsste ich mir auch diesen Vorwurf gefallen lassen, ich wäre mitschuldig an der Wehrlosigkeit dieses Landes. Dasselbe natürlich umgekehrt, die Armeebefürworter sind mitschuldig daran, dass wir alle mehr Steuern zahlen um die Armee zu finanzieren.

Wer entscheidet, bleibt in der Verantwortung

In all diesen Themen kann und darf man jeden Standpunkt einnehmen, wir sind ja ein freies Land. Aber es geht nicht an, dass man sich dann aus der Verantwortung zu schleichen versucht.

Wer “nur ein paar” erschossene Hausfrauen als Kollateralschaden betrachtet, darf in einem demokratischen Land natürlich dafür eintreten, dass die Freiheit, vollautomatische Schusswaffen im Kleiderschrank zu haben, wichtiger ist als ein paar abgeknallte Menschen. Man darf auch der Meinung sein, das verfassungsmässige Recht auf Gleichheit und Religionsfreiheit müssten nicht mehr für Muslime gelten und ein Minarettverbot annehmen. Man darf auch wie bei der 5. IV-Revision 80’000 Schwerstinvaliden die eh schon mickrige Rente kürzen und gleichzeitig ein paar Milliarden Steuergeschenke an die Wirtschaft verteilen – wir dürfen das alles, wir sind eine Demokratie…….. Aber es ist scheinheilig, dann zu behaupten, man hätte damit gar nichts zu tun. Wer dafür abstimmt, dass ein paar hunderttausend vollautomatische Gewehre in Privatwohnungen herumliegen, im Wissen, dass nunmal einzelne Zeitgenossen früher oder später durchdrehen und diese Waffen einsetzen, der ist genauso Mittäter wie derjenige, der mit einem Minarettverbot die Rechtsgleichheit aus unserer Verfassung kippt oder auf dem Buckel der Schwächsten Geld umverteilt. Man darf in einer Demokratie all das tun, aber es ist eines stimmenden Bürgers unwürdig, wenn man dann behauptet, die Folgen der Abstimmung hätten nichts mit einem selbst zu tun.

Wer Waffen erlaubt, erlaubt auch die Tötung

Gerade das mit den Waffen führt zu bizarrsten Ausflüchten.

Sofort wird betont, dass ja nicht Waffen Menschen töten, ein Mord geschieht durch den Menschen hinter der Waffen. Klar ist der hinter der Waffe der Mörder, aber wenn ich einem Kleinkind eine geladene Waffe in die Hand drücke, dann bin ich ja wohl auch mitverantwortlich. Und wenn ich hundertausend Gewehre verteile, obwohl bei so einer grossen Zahl von Leuten zwangsläufig auch Gestörte dabei sind, dann bewaffne ich indirekt Psychopathen – dann bin ich für jeden einzelnen Schuss mitverantwortlich.

Weiters wird betont, der Täter hätte sie ja sowieso getötet, wenn nicht mit dem Gewehr, dann halt mit dem Messer oder von Hand. Was für ein Quatsch. Gerade Gewaltdelikte infolge eskalierender Gefühlsausbrüche sind dafür bekannt, dass die Verfügbarkeit einer schnell einzusetzenden Waffe das Risiko massiv erhöht. Ausserdem ist das Schiessen mit einer Schusswaffe ein indirektes Töten, es braucht um ein Vielfaches mehr um jemanden mit einer Kontaktwaffe zu töten, geschweige denn mit blossen Händen. Hinzu kommt, dass man sich gegen fast jede Waffe wehren kann, einer Kugel entkommt niemand.

Fazit: Steht zu Eurer Verantwortung

Ihr habt das Recht, Waffen zu erlauben oder zu verbieten, Ihr könnt Menschenrechtskonventionen ratifizieren oder kündigen, Ihr könnt sogar einen zweiten Hitler wählen, könnt Kriege beginnen, in einer Demokratie dürfen wir bestimmen was die Schweiz tun wird – aber egal wie Ihr Euch entscheidet, denkt wenigstens vor der Entscheidung darüber nach, was für Konsequenzen Euer Mitentscheid haben kann, überlegt genau, ob es das wirklich wert ist und wenn Ihr entschieden habt, dann steht wenigstens dazu, wenn Ihr damit kleine oder grosse Katastrophen auslöst.

UPDATE 14.11.2011: aus aktuellem Anlass grad noch ein Nachtrag, nicht nur wegen potentiellen Amokläufern gehören Armeewaffen ins Zeughaus sondern auch weil immer mal wieder so Deppen mit Schusswaffen rumspielen und dabei Unfälle passieren – soviel zum Thema “Verantwortungsbewusstsein des Schweizer Soldaten”
Junge Frau erschiesst Mann mit Armeepistole
Somit: Bodycount+2

Weiterführendes zum Thema:

Diana: Die Schweiz und das Recht aufs Töten
Blick: Anthony A. schoss seiner Freundin Christina B. in den Kopf
Jedes vierte Familiendrama passiert mit Armeewaffe
Gesucht: 30’000 Munitionsdosen der Armee
Mit Armeewaffe angeschossen
90 Tote durch Suizid mit Sturmgewehr

Streubomben wählen SVP

Streubomben gehören zu den perversesten Waffen die es gibt, man wirft eine Bombe ab, die dann in eine Unzahl von Minibomben zerfällt und ganze Landstriche für eine kleine Ewigkeit zum Minenfeld macht.

Von den geschätzten hunderttausend Toten, die auf das Konto von Streubomben gehen, sind sagenhafte 98% davon Zivilisten!

Deshalb wird diese Waffe international immer mehr geächtet, eine Mehrheit der Länder hat 2008 ein internationales Abkommen unterzeichnet, das Streumunition verbietet – auch die Schweiz hat beschlossen, dieses Abkommen zu ratifizieren – der Bundesrat war dafür, das Parlament war dafür……….

…… aber die SVP, die sich selbst zynischerweise Volkspartei nennt, hat einen Rückweisungsantrag gestellt und man glaubt es kaum, eine knappe Mehrheit der Sicherheitskommission des Nationalrats hat den Antrag nun angenommen und damit das Munitionsverbot blockiert.

Wir brauchen Streumunition, sie ist ein hocheffizientes Verteidigungsmittel“, sagte SVP-Nationalrat Ulrich Schlüer…… Streubomben? Verteidigung? 98% der Toten sind Zivilisten? Was in aller Welt haben die geraucht?
Tagesanzeiger: Wir brauchen Streumunition”

Also jetzt mal langsam. Verteidigung findet statt, wenn man angegriffen wird, was in der Regel im eigenen Land geschieht, wir sind ja selten alle zusammen im Ausland und können dort angegriffen werden. Wenn wir also hier angegriffen werden, inwiefern dienen uns dann Streubomben, mit denen wir ganze Landstriche in Minenfelder verwandeln können? Umwieviel besser wird unsere Landesverteidigung, wenn wir auch nach einem allfälligen Krieg noch Jahrzehntelang immer mal wieder Einzelteile von Kindern einsammeln müssen, die beim Spielen auf dem Feld von einer Streubombe zerfetzt wurden?

Wen wollen die verarschen? Um Landesverteidigung geht es garantiert nicht, Streubomben sind Angriffswaffen und keine Verteidigungswaffen, sie .treffen zu 98% nicht militärische Ziele sondern legen einfach die Zivilbevölkerung in Schutt und Asche und sie machen ganze Gebiete für lange Zeit zu Todeszonen. Wem dient das, dem Volk? Oder geht es da nicht eher einmal mehr um die Interessen von finanzstarken Firmen, diesmal aus der Rüstungsindustrie?
Tagesspiegel: Streumunition – Investitionen in den Tod

Bedenklicherweise ist es nichts Neues, dass die SVP im Dunstkreis von Tötungsgerät anzutreffen ist. Dass sie einen Hang hat zum freien Waffenerwerb, ist soweit ja allen klar. Weniger bewusst dürfte es den Leuten sein, dass SVP-Guru Christoph Blocher vor einigen Jahren im Scheinwerferlicht stand, weil er Teilhaber war an der “Ems-Patvag”, die seiner “Ems-Holding” unterstellt war. Die Patvag stellte Zünder für “Airbags” her – im weitesten Sinn – ein Teil davon wurde nach Singapur verschachert und dort zum Bau von Personenminen verwendet:
NZZ: Du sollst nicht verstümmeln
Da wundert es einem nicht so wirklich, dass die SVP chronisch gegen Einschränkungen der Waffenexporte ist – ein Schelm wer da Böses denkt.

Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass die Partei, die sich Volkspartei nennt und ständig eine allesvernichtende Bedrohung durch böse böse Ausländer an die Wand malt, das Ausländerproblem im Ausland mit Personenminen löst und im Inland mit Streubomben – sowas nennt man dann wohl Realsatire.

Aber wir kennen das ja, früh übt sich wer gross werden will. Bekanntlich verfolgt die SVP ja ihre “Strategie 51 Prozent“, die das Ziel hat, mindestens 51% des Parlements zu beanspruchen. Denn wenn es die SVP dank dem millionenschweren Propaganda-Budget wirklich schafft, dann können sie ihre parteiinterne Diktatur landesweit betreiben – spätestens dann brauchen sie vielleicht wirklich Streubomben – eine rechte Diktatur muss schliesslich gegen die Feinde im Volk gewappnet sein.

Dieses Wochenende sind Wahlen, bleibt zu hoffen, dass das VOLK diesen Gesellen nicht schon wieder noch mehr Macht verleiht. Andernfalls – kauft’s Regenschirme – da kommt wohl noch einiges auf uns zu.

Himmel, SVP!!!! Was heisst “WIR brauchen Streubomben”? Wir, das Volk, brauchen DAS nicht, echt nicht!!!
YouTube: Streubomben – Krieg nach dem Krieg 1/2
YouTube: Streubomben – Krieg nach dem Krieg 2/2

UPDATE: gemäss Facebook-Seite “Streumunition Schweiz” haben folgende Nationalräte gegen die Ratifizierung und damit für eine Schweiz mit Streubomben gestimmt – man darf das ruhig als Nicht-Wahlempfehlung verstehen:

SVP
Roland Borer SO
Toni Bortoluzzi ZH
Thomas Hurter SH
Christian Miesch BL
Yvan Perrin NE
Ulrich Schluer ZH
Bruno Zuppiger ZH

FDP
Edi Engelberger NW
Sylvie Perrinjaquet NE
Peter Malama BS
Walter Müller AG
Corina Eichenberger-Walther AG

CVP
Jakob Buechler SG
Arthur Loepfe AI
Pius Segmüller LU

Die Schweiz und das Recht aufs Töten

Abstimmungen haben für mich immer zwei Seiten. Das Negative ist, dass ich fast ausnahmslos auf der Verliererseite stehe, weil ich – wie mir scheint – zu den Wenigen gehöre, die sich auch ernsthaft Gedanken darüber machen und die gedreschten Parolen hinterfrage. Aber das Positive daran ist, dass mir stets eine Form von Realsatire geboten wird, die – wenn man es schafft, die dahinterliegende Ernsthaftigkeit zu vergessen – doch irgendwie zum todlachen ist. Diesmal sogar wortwörtlich – Zeit für ein kleines bisschen Zynismus.

Es vergeht ja kaum ein Monat, ohne dass hierzulande irgendjemand sich selbst, seine Familie oder jemand der grad so blöd an der Bushaltestelle steht, mit einem Armee-Sturmgewehr abknallt. Wir sind dann immer ein wenig entsetzt, nehmen das aber hin, wir sind ja neutral hier in der Schweiz. Und wenn dann halt mal wie im Fall Hönggerberg eine 16-Jährige zum Bauernopfer eines Miliz-Armee Mythos wird, dann dient das ja irgendwie auch der Landesverteidigung – im weitesten Sinne.

Wenn sich jemand selber das Hirn aus dem Schädel ballert, mag das ja Privatsache sein, jeder kann selber über sein Leben entscheiden und ein wirklich gewollter Suizid ist auch ohne Sturmgewehr möglich. Aber wenn’s darum geht, dass mal wieder ein jähzorniger Familienvater in seiner Ehre gekränkt ist oder sonst einfach irgendwie mies drauf ist, dann ist der Finger einfach schneller gekrümmt als dass jemand mit einem Küchenmesser in Gedärmen rumwühlt. Das mein ich jetzt nicht satirisch, das ist wirklich so. Mit einer Schusswaffe hat man keinen direkten Körperkontakt, die Hemmschwelle ist viel tiefer als wenn man “Hand anlegen muss”. Und dann sind eben solche Amokläufer und sonstwie Durchgeknallte, die mit so einer Waffe nunmal mehr Schaden anrichten können als wenn sie mit dem Dosenöffner rumrennen.

Das Schweizer Volk konnte jetzt abstimmen, ob das Waffengesetz verschärft wird, im Wesentlichen wäre es darum gegangen, ob die gefühlten zehntausend Milliarden Sturmgewehre griffbereit in Wohnungen oder eingeschlossen in Zeughäusern rumstehen. Militärisch machen die ja eh keinen Sinn, wer glaubt, im Kriegsfall würde jeder sein Gewehr nehmen und wie Rambo allein durch Strassenschluchten rennen und den Feind niedermachen, der hat echt die falschen Filme gesehen. Aber es ist eben Tradition hierzulande und für etwas Tradition opfern wir gern mal ein paar niedergeschossene Familien. Und wer wie im Fall Hönggerberg an der Bushaltestelle niedergeschossen wird, weil ein psychisch gestörter Soldat private Schiess-Weiterbildung betreibt, darf sich ja dann immerhin als Märtyrerin einer schweizerischen Tradition wissen. Ihr wisst schon, Landesverteidigung und so.

Eigentlich braucht niemand ein vollautomatisches Sturmgewehr bei sich zuhause, ausser potentielle Amokläufer und Männer, die ihre Familie nicht im Griff haben. Aber soviele von denen wird es ja wohl hoffentlich nicht geben, also wer in aller Welt hat dann Ja gestimmt, wer wollte dass diese gefühlten hunderttausend Milliarden Gewehre hier rumstehen – und wozu?

Ich erinnere mich noch an meine Kindheit, mit welch diebischer Freude ich mit dem Karabiner meines Vaters auf dem Dachstock rumspielte, mit etwas Übung konnte ich sie sogar durchladen. Zum Glück war keine Munition drin, sonst könntet Ihr das hier jetzt wohl nicht lesen. Aber echte Schweizer brauchen sowas, ein Mann ist erst ein Mann, wenn er eine Flinte hat, stimmts? Ok, zugegeben, ich habe selber eine Pistole zuhause, aus alten Zeiten als ich noch jung und verrückt war. Aber ich würde jederzeit Ja sagen zu einer gesamtschweizerischen Entwaffnung und würde Meine mit Freude abgeben.

Witzig daran ist, dass wir Mädels die Jungs hätten überstimmen können. Aber scheinbar gabs da keine Mehrheiten. Wer von uns als Nächstes erschossen wird, wissen wir ja nicht, jede von uns könnte es sein – wir wissen nur, dass sich Schweizer Armeewaffen häufiger gegen Frauen richten als gegen Kriegsfeinde. Ok ich bin da weniger in Gefahr, ich bin mit nem Mädel zusammen und Mädels erschiessen in der Regel niemanden und ausserdem ist sie ja Deutsche und die wurden vor fünfzig Jahren entwaffnet. Naja, wenn ich an Bushaltestellen stehe trifft’s vielleicht doch mich oder wenn ich mal wieder von SVP-Sympathisanten Morddrohungen bekomme, muss ich mir da doch etwas Sorgen machen.

Aber mich triffts eh nicht – denken wir ja alle – auch die, die bereits erschossen wurden – und auch die, die als Nächstes dran sind.

Ich frage mich was für ein Gefühl das ist für die Ja-Stimmer, wenn die nächste Familie mit einer Schweizer Armeewaffe erschossen wird. Ob da sowas wie Schuldgefühl aufkommt? Naja, man findet ja eh immer Ausreden, den Leuten wird da schon was einfallen. Abgesehen von den Opfern, denen fällt dann nix mehr ein, die liegen dann nur noch blöd rum und bluten die ganze Wohnung voll.

Direkte Demokratie ist schon was Seltsames, man kann sich damit sogar sein eigenes Grab schaufeln und merkt es nicht mal. Seltsam, nicht?

Zum Nachdenken – wenigstens im Nachhinein:
Jedes vierte Familiendrama passiert mit Armeewaffe
Gesucht: 30’000 Munitionsdosen der Armee
Mit Armeewaffe angeschossen
90 Tote durch Suizid mit Sturmgewehr

Und hier noch ein paar Beispiele zum heiteren Umgang mit Schweizer Armeewaffen…….

23. Nov. 2007: Ein 21-jähriger Soldat erschiesst in Zürich-Höngg mit seinem Armee-Sturmgewehr eine 16-Jährige. Am 27. wird er verhaftet.

13. Aug. 2007: Im neuenburgischen Montmollin erschiesst ein 67- jähriger Mann seine 52-jährige Ehefrau und dann sich selbst mit einer Militärpistole.

12. April 2007: In einem Hotel in Baden schiesst ein Mann mit seinem Armee-Sturmgewehr und seiner Taschenmunition um sich und tötet dabei einen Mann. Drei weitere Personen wurden verletzt. Der Täter kann festgenommen werden.

21. März 2007: In Chur erschiesst ein 29-Jähriger eine 21- jährige Frau mit einem Sturmgewehr. Danach wird er fest genommen.

30. April 2006: Die ehemalige Skirennfahrerin Corinne Rey-Bellet und ihr jüngerer Bruder Alain werden in Les Crosets VS vom getrennt lebenden Ehemann mit dessen Dienstpistole erschossen. Anschliessend begeht der Täter Selbstmord.

5. Juli 2004: Ein Kadermann der Zürcher Kantonalbank (ZKB) erschiesst nach einem Konflikt am Arbeitsplatz in Zürich zwei Vorgesetzte mit seiner Armeepistole und richtet sich selber.

25. April 2003: In Buchillon VD erschiesst ein 27-jähriger Mann mit einem Armee-Sturmgewehr 90 seinen Vater.

4. Jan. 2003: Ein Jugendlicher erschiesst mit einem Sturmgewehr in Courtemautruy JU versehentlich einen Kollegen. Der junge Sportschütze hatte die Armeewaffe vom lokalen Schützenverein erhalten, die Munition hatte er entwendet.

19. April 2002: In St. Gallen erschiesst ein 21-jähriger Mann seine Mutter und seine Grossmutter mit dem Sturmgewehr.

19. Feb. 2002: In einem Pornokino in Lausanne schiesst ein arbeitsloser Mann mit seinem Sturmgewehr um sich, tötet einen Mann und verletzt zwei weitere, bevor er sich erschiesst. Unklar bleibt, ob es sich um eine private oder um eine Armeewaffe handelte.

Beim Amoklauf im Kantonsparlament in Zug am 27. September 2001, bei dem 14 Menschen starben, verwendete der Amokschütze Leibacher zwar Armeewaffen, die er aber persönlich erworben hatte. Er hatte keinen Militärdienst geleistet.

Das Kapitel Politisches

Ich durchwanderte die Kriege, sah die Angst und das Verderben.
Und ganz gleich ob Krieg – ob Frieden,
Egoismus – blinder Hass, war doch immer hier zu gegen.
(Lacrimosa – Strasse der Zeit)

Menschen werden manipuliert, Tag für Tag, von Medien, von Mitmenschen und mehr als alles Andere von der Politik. Mein Hang, alles zu hinterfragen, hat mein Auge geschärft und meine Menschenkenntnisse, die nicht zuletzt Folge meiner durch meine transsexuelle Vergangenheit erforderte Beobachtungsgabe ist, verhilft mir hie und da einen Blick hinter die Kulissen. Da scheint mir ein grosser Bedarf an Aufklärung zu sein.

Unzählige Male habe ich erlebt, wie Menschen ihr Recht auf Demokratie wahrnehmen, ohne dazu fähig zu sein. Unzählige Male erlebte ich, wie ein ganzes Volk vom Bauch her wusste wo es lang geht, sich aber schlussendlich doch durch die Hirnwäsche der Lobbyisten und Propagandisten über den Tisch ziehen liess.

Im Speziellen darf davon ausgegangen werden, dass sogenannt bürgerliche Politiker und Rechtspopulisten im Stil von SVP und EDU hier ab und zu mal auf die Ohren bekommen. Die politische Rechte hat in der Schweiz bereits einen Drittel des Volkes vergiftet und so halte ich es für dringend notwendig, hier mit dem mahnenden Finger aufzutreten.

In diesem Kapitel wird mit harten Bandagen gekämpft, hier werden Masken vom Gesicht gerissen, hier werden schallende Ohrfeigen verteilt, mal ironisch, mal sarkastisch, mal zynisch, je nachdem was angebracht ist.

Ich bin der brennende Komet
der auf die Erde stößt
der sich blutend seine Opfer sucht
Ich bin der lachende Prophet
der eine Maske trägt
und dahinter seine Tränen zählt
(Lacrimosa – Der brennende Komet)

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