Politically incorrect since 1966

Das Ende der Computer-Freak Generation

Mein Job frustriert mich grad ziemlich, weil ich mich mal wieder mit modernem Quatsch (WPF) herumschlagen muss anstatt das zu tun, was meine Leidenschaft wäre, das Programmieren selbst. Natürlich bin ich als Software-Entwicklerin keine Gegnerin von innovativen Erneuerungen, sonst wäre ich in dieser Branche am falschen Ort. Aber die Technologie mit der ich mich im neusten Projekt herumschlagen muss, zeigt mir einmal mehr was mir seit Jahren immer mehr auffällt. In der Software-Entwicklung findet ein Paradigmenwechsel statt, die Zeit der Computerfreaks neigt sich dem Ende zu zugunsten einer akademischen Software-Entwicklung, die nur noch wenig zu tun hat mit den Ursprüngen der Programmiererei. Und das hält mir vor Augen, dass meine Zukunft in dieser Branche auf wackligen Füssen steht, weil die “rabiate Programmierkunst” der Frühzeit nicht mehr gefragt sein wird in Zukunft. Darüber möchte ich heute schreiben und das wird ein längerer Exkurs, also holt mal wieder Bier und Popcorn, heut wirds wieder mal episch……..

Die Ära der Computerfreaks

Als ich vor dreissig Jahren begonnen habe Computer zu programmieren, da gab es keine predigenden Akademien, keine Lehranstalten, keine Zertifikate, keine Denkdogmen, da gab es einfach nichts ausser eben diesen Computer-Freaks, Leute die fasziniert waren von diesen Computern und mit Leidenschaft begannen, diese Kisten zu den verrücktesten Dingen zu programmieren. Damals gab es keine hochkomplexen Komponenten die man verwenden kann, geschwege denn solche die man verwenden muss, die damaligen Computer und die von uns verwendeten Programmiersprachen konnten nahezu nix. Mit primitivsten Mitteln mussten wir diese Kisten programmieren, alles mussten wir selber erfinden, da war eine ungeheure Kreativität gefragt und man benötigte einen enormen Erfindergeist. Das Programmieren war ein Abenteuer und mit den damaligen Programmiersprachen hatte man die totale Macht über diese Computer. Man konnte einfach alles an ihnen verändern, man konnte sie zu allem “überreden”, aber schon kleinste Fehler konnten die Kiste abstürzen lassen. Man musste echt n’Freak sein für sowas – ich war eine von denen.

Die goldene Zeit der Computerfreaks

Nachdem ich während meiner Jugendzeit in meinem stillen Kämmerchen die verrücktesten Programme schrieb, nicht weil ich sie brauchte sondern einfach weil der Machbarkeitswahn mich beflügelte, lernte ich die Kunst des Programmierens auf tiefster Systemebene. Für Insider: wenn ich mit Basic etwas nicht tun konnte oder es zu langsam war, dann wurde halt mit Assembler weiter entwickelt. Als ich dann eine kaufmännische Lehre machte und mein Informatiklehrer ob meinem Talent so begeistert war, empfahl er mir, mich bei der Firma Telekurs zu bewerben, die damals so ziemlich die einzige Firma war, die Ausbildungen anbot. Ich bewarb mich dort obwohl ich fünf Jahre unter dem Mindestalter war und kriegte den Job, weil es damals einfach kaum Leute gab die programmieren konnten, die staunten Bauklötze, dass da jemand antanzt mit solchen Erfahrungen. Damals war es wirklich verrückt, Informatiker kamen nicht im Schlips mit Aktenkoffer sondern im Jeans-Tshirt Look. Wir konnten nicht so klug reden wie heutige Hochschulinformatiker, aber wir konnten aus diesen Computern einfach alles herausholen. So Technikfreaks waren gesucht, weil es gar keine Alternativen gab, wir waren die Einzigen die diese Kisten im Griff hatten.

Die Freiheit der Programmierdinosaurerier

Damals gab es keine Denkmodelle, niemand sagte wie etwas getan werden muss, man gab uns einfach Problemstellungen und wir programmierten die Lösungen dazu. Es gab keine Dogmatik, es gab nur pure Pragmatik. Was auch immer die Kiste tun soll, ich sorge dafür, dass sie es tut, egal wie tief ich notfalls ins System eingreifen muss, egal wie unorthodox ich vorgehen muss, ich werde die Kiste dazu bringen, dass sie genau das tut was sie soll. Wir lernten nicht aus Schulbüchern und brauchten keine Ausbildungen, wir setzten uns einfach hin und tüftelten rum bis wir es im Griff hatten. Das war pure Freiheit im Denken und es war totale Macht über diese Geräte. Und das coolste war, dass damalige Programmiersprachen so primitiv waren, dass nur wir Freaks das wirklich im Griff hatten. Es gab eben keine komplexen Komponenten, alles wurde selber programmiert, man brauchte sehr vertieftes Wissern, was in einem Prozessor abläuft, man musste auf Du und Du sein mit dem Computer.

Die Weiterentwicklung der Programmiersprachen

Aber gerade weil das Programmieren so kompliziert und aufwändig war, wurden Programmiersprachen weiterentwickelt und wurden immer leistungsstärker. Dinge, für die wir damals seitenlange Programmcodes schrieben, konnten nun mit einem einzigen Befehl ausgeführt werden. Das Programmieren wurde immer einfacher, das war toll, weil man für viel Kleinkram nicht mehr soviel Zeit aufwänden musste und sich so mehr um die Gesamtlogik kümmern konnte. Dadurch wurde das Programmieren aber auch einfacher und die Tür öffnete sich für das was man heute Informatiker nennt. Aber diese Weiterentwicklungen forderten auch ihren Tribut. Diese Programmierbefehle, die immer mächtiger wurden und immer mehr konnten, waren oft so Wollmilchsäue, die sehr viel konnten, meist mehr als man selber brauchte und das ging meist auf Kosten der Performance. Die ersten Generationswechsel der Programmiersprachen (4GL und OOP) hielten sich in Grenzen, man konnte zwar diese Wollmilchsäue benutzen, wenns aber zu langsam war oder nicht genau das tat was es sollte, dann ging man halt eine Stufe näher ans System und programmierte das Zeug selber. Aber je mehr die Informatik akademisiert wurde, umso weniger wurde das zugelassen (z.B. DotNet). Immer mehr setzte sich eine Normierungstendenz ein, etwas, was uns Freaks ein Gräuel war.

Die Machtübernahme der Informatiker

Die Branche wurde immer mehr “professionalisiert”, Informatik wurde nun an Universitäten und Hochschulen gelernt, dort wurden neue Denkdogmen postuliert und die Branche setzte immer mehr auf Hochschul-Informatiker anstelle von Computerfreaks. Das ging soweit, dass man vor etwas mehr als einem Jahrzehnt als Urzeit-Programmierer kaum noch Jobchancen hatte. Ich selber suchte mal monatelang einen Job, bekam diverse Absagen mit der Begründung, ich würde das Anforderungsprofil nicht erfüllen, obwohl ich alle Anforderungen nicht nur erfüllte sondern überbot – bis auf eine, das Hochschulstudium. Ich programmierte seit zwei Jahrzehnten, hatte beste Zeugnisse und Referenzen, aber das zählte plötzlich nichts mehr. Und so veränderte sich die Entwickler-Branche immer mehr, weg vom turnschuhtragenden Computerfreak hin zu schlipstragenden Informatikern. Auch in der Terminologie zeigte sich das. Wir waren damals einfach Programmierer, später nannte man uns dann Analytikerprogrammierer, dann Softwareingenieure, dann Informatiker und und und.

Selbstgemachtes der radikalen Art

Wie gesagt, gab es immer mehr hochkomplexe Programmiersprachen, es gab aber auch immer mehr Zusatzkomponenten die man verwenden konnte, die einem meist sehr spezifische und hochkomplizierte Arbeiten abnahmen. Für viele Problemstellungen gab es sogenannte Middleware, Programmteile die man kaufen konnte, damit man etwas nicht mehr selber programmieren musste sondern nur noch diese Komponente steuerte, damit die das tut, was wir Programmierer von früher selber gestrickt hätten. Vor rund zehn Jahren bekam ich den genialsten Job meines Lebens in einem Startup Unternehmen der ETH Zürich, die sich auf Sprachsynthese spezialisiert hatte, sogenanntes Text-to-speech. Sie hatten ein Programm entwickelt, das Texte liest und diese dann in hörbare Worte übersetzte, also sprechende Computer. Diese Leute waren Sprachspezialisten und brauchten unbedingt jemand, der diesen Sprachsynthese-Kern den Kunden zur Verfügung stellte, sei es auf Handies, Navigationssystemen oder Windows-Computern.

Mein grösster Stolz – mein Client-Server System

Eines Tages kam der Boss und sagte, wir bräuchten ein Client-Server System, also ein System, bei dem ein Server Daten von beliebigen Client-Computern entgegen nahm. Es ging da um die Steuerung von Telefonieanlagen, beispielsweise für Callcenter oder computergesteuerte Telefonsysteme. Das Prinzip war, dass beliebige Computer dem Server Texte schickten, der sammelte die, übersetzte die in Audiodaten und schickte die Audiodaten paketweise zurück an die Clients. Da war Performance die grösste Herausforderung, weil der Sprachfluss nie unterbrochen werden durfte. Mein Boss meinte, ich hätte freie Hand, ich könne jede Middleware einkaufen die ich bräuchte. Naja, ich war ja eine “echte Programmiererin”, ich brauchte sowas nicht. Ich erklärte ihm, dass wir in Anbetracht der hohen Anforderungen das Risiko nicht eingehen können, dieses wichtige Teil von einem Fremdhersteller zu übernehmen, weil wir dann keine Kontrolle haben darüber, was da drin abgeht und vorallem keine Einflussmöglichkeiten haben, wenn das Teil rumzickt. Also kaufte ich mir ein Buch über diese Client-Server Technologie (TCP-IP) und begann mit dem Projekt von null auf. Monatelang programmierte ich daran herum, machte verrückteste Zeittests, änderte die Algorythmen immer wieder und optimierte das System bis zum geht nicht mehr. Am Schluss programmierte ich Testclients, die meinen Server mit Daten fütterten. Schlussendlich lief mein Server tagelang und wurde während dem von allen Firmencomputern permanent mit Daten gefüttert. Für Insider: die Clients hatten ein Multithreading Programm, das bis zu 80 Kanäle simulierte und ständig Daten schickte und Zeiten mass für die Resultatankunft. Als alles fertig war, wurde das System an den Kunden ausgeliefert, an Telefonieanlagen angehängt und lief einwandfrei, ich bekam nicht ein Problem gemeldet. Das ist insofern sensationell, weil ich das nie mit Telefonieanlagen testen konnte, alles lief nur in einer simulierten Umgebung. Aber ich hatte das so im Griff, dass ich garantieren konnte, dass mein Client-Server System in jedem Umfeld funktioniert.

Wenn Fähigkeit zum Makel wird

Diese langatmige Erzählung ist wichtig um diesen nächsten Punkt zu verstehen, denn nun kommt der Hammer. Als ich später wieder einen Job suchte, fand ich eine geniale Stellenausschreibung in einer Firma die Musiker-Anlagen programmierte, das wäre für mich als Musikliebhaberin zu genial gewesen. Eine der vielen Jobanforderungen waren Kenntnisse in Client-Server Programmierung und Multi-Threading Programmierung. Für Aussenstehende: ClientServer kann man sich sozusagen als Computerfernsteuerung vorstellen, MultiThreading bedeutet, das ein Computer mehrere Dinge gleichzeitig tut, was einfach klingt aber kompliziert zu programmieren ist, weil sich parallele Prozesse gegenseitig abschiessen können. Nun denn, ich durfte zum Bewerbungsgespräch und erlebte dort den Beginn des Endes der Computerfreak-Generation in übelster Weise, das klang dann in etwa wie folgt:

  • Er: Wir brauchen jemand mit vertieften Kenntnissen in Client-Server Architektur, Sie schreiben, Sie hätten da Erfahrung?
  • Ich: Ja ich habe in der letzten Firma ein komplexes Client-Server System ganz alleine programmiert.
  • Er: Was für Middleware haben Sie verwendet?
  • Ich: Middleware? Wer braucht denn sowas? Ne ich hab ein eigenes System programmiert, die Anforderungen waren viel zu spezifisch um Middleware zu verwenden.
  • Er: Ah dann haben Sie keine Erfahrung mit Client-Server Systemen?
  • Ich: Doch, ich kann selber eins programmieren, hab das ja schon gemacht und es läuft heute noch einwandfrei
  • Er: Oh das ist schade, wir brauchen jemand mit Middleware Erfahrung,.
  • Ich: *staun*.

Den Job bekam ich nicht, eben weil ich keine Erfahrung habe, haha. Das ist in etwa wie wenn man jemand sucht der Autos reparieren soll und einer kommt der selber Autos gebaut hat und man bezweifelt, dass er was von Motoren versteht. Das ist einfach zu absurd. So wurde meine Stärke zum Nachteil, ich war nicht mehr wertvoll für den Markt, weil ich mehr kann als Andere, cool was?

Computerfreak = nicht vermittelbar

Als ich dann beim RAV antanzte zwecks Stellenvermittlung, wurde mir dort allen Ernstes gesagt, ich sei nicht mehr vermittelbar. Sie hätten unterdessen sogar Informatiker mit Hochschulabschluss die keinen Job finden, ich ohne Abschluss hätte da keine Chance mehr. Dass ich schon Computer programmierte als diese Hochschulinformatiker noch im Sandkasten spielten, zählte nichts und dass ich zwanzig Jahre lange Erfahrung habe, beste Referenzen und Zeugnisse, all das zählte nichts mehr, weil mir Diplome fehlten die bewiesen, dass ich das gelernt habe, was ich zwanzig Jahre lang tagtäglich gemacht habe – wie bekloppt ist das denn? Nun, ich fand dann selber wieder einen Job und arbeite heute noch in dieser Branche.

Wenn die Theorie die Praxis überholt

Aber wie lange wird mir das noch gelingen? In der Informatik will man junge Leute und man will Hochschulabschlüsse. Ich als Frau mit Transsexualitätsstigma, ohne Hochschulabschluss, mit für Informatik zu hohem Alter, da steh ich langsam auf dünnem Eis. Ich kann nicht so klug reden wie die Hochschulinformatiker, ich kenne keine “Design-Patterns” mit denen man Programme in hübsche Denksysteme pfercht, ich kenne keine Middleware die man braucht wenn man’s selber nicht kann, ich kenne nicht all die unzähligen Komponenten die moderne Sprachen bieten und ich kenn nicht all die klug klingenden Begriffe die man heutzutage in der Softwareentwicklung benützt. Ich hab nie theoretische Denkmodelle oder kluge Worte gebraucht, ich tue einfach was getan werden muss und meine Programme funktionieren.

Systematik versus Pragmatik

In meiner Firma habe ich in letzter Zeit einige Programmteile überarbeitet, weil sie viel zu langsam waren. Dabei stellte ich immer dasselbe fest. Die Programme waren absolut logisch aufgebaut, sie waren sehr systematisch, waren sehr ordentlich, aber gerade weil sie so systematisch resp. modular waren, ging die Performance in die Knie. Ich habe all diese Programmteile verschnellert, teilweise um das Zehnfache. Nun sind diese Programme vielleicht etwas weniger hübsch programmiert, etwas weniger systematisch, aus akademischer Sicht vielleicht etwas chaotischer. Aber die sind optimiert auf das was sie tun sollen, sie sind effizient. Dabei merke ich, dass ein Überordnen der Systematik oft zulasten der Performance geht, ich will das an einer kleinen Analogie erklären.

Das Problem mit der bekloppten Tür

Stellen wir uns vor, wir müssen ein Programm schreiben, das verschiedene Dinge tun kann, es muss durch Gänge laufen können, dabei Türen öffnen, Treppen steigen, Dinge holen u.s.w. Wenn jemand systematisch vorgeht, wird er dieses Gesamtproblem in einzelne Module aufteilen, er programmiert ein Modul fürs Gängelaufen, eins fürs Türdurchschreiten u.s.w. Das Modul fürs Türdurchschreiten heisst beispielsweise: Tür öffnen, durchgehen, Tür schliessen. Ist an sich logisch, das Modul in sich abgeschlossen, das ist saubere Programmierung. Nun wird dieses Programm angewiesen, alle Ordner eines Büros zu zügeln. Das arme Programm geht nun durch den Gang, öffnet die Tür, geht hindurch, schliesst die Tür, holt den Ordner, geht zurück, öffnet die Tür, geht hindurch, schliesst die Tür………… arme Tür.

Ich wiederum würde das zu programmierende System eher pragmatisch analysieren, mein Programm würde dann beim Thema Türdurschreitung eher so klingen: Tür öffnen falls sie geschlossen ist, durschreiten, Türschliessen falls ich den letzten Ordner schleppe. Es gäbe kein in sich abgeschlossenes Modul für die Türdurschreitung, mein Programm müsste bei jedem Durchschreiten zusätzliche Abfragen machen, muss wissen ob die Tür offen bleiben soll oder nicht. So zu programmieren ist nicht ganz so modular und aus akademischer Sicht nicht so trendy, aber es ist so effizient wie nur möglich.

Meine oben genannten Optimierungen basierten meist auf genau so Schwächen. In meinen optimierten Programmen finden sich ne Menge offene Türen, aber gerade wenn man mit Ordnern in den Händen hindurchgeht, wird man froh sein darüber, dass die Tür offen geblieben ist. Aber diese unorthodoxe Programmierweise gilt heutzutage nicht mehr als cool, Pragmatik zählt heute nicht mehr soviel wie Systematik – und damit endet das Zeitalter der Computerfreaks.

Das Sterben der Programmmier-Dinos

In Diskussionen merke ich immer mehr, dass meine Denkweise in der modernen Informatik am aussterben ist und es ist anzunehmen, dass dieser Trend anhält. Ich höre immer wieder Sätze im Stil von: “das darf man nicht so machen” und ich bin erstaunt darüber, dass man sich diese Frage überhaupt so stellen kann. Mir ist es mit Verlaub gesagt scheissegal was “man” darf und was “richtig” ist, ich bin ganz pragmatisch, die Lösung drängt einen Weg auf und den gehe ich, egal ob dieser Weg in irgendwelchen Büchern steht. Was zählt ist das Resultat, ich bekomme eine Problemstellung und suche die beste Lösung, ohne mir Gedanken darüber zu machen, ob “man” das so macht oder nicht. Und ich erlebe heutzutage auch immer häufiger, dass man sich in der Softwareentwicklung kaum noch vorstellen kann, dass man komplexe Dinge selber programmieren kann, geschweige denn, dass das Selbstgemachgte besser sein könnte. Die Technikgläubigkeit, die einem vorgaukelt, dass hypermoderne Wollmilchsäue zwangsläufig besser sein müssen als das was man selber programmiert, raubt mir immer mehr das Existenzrecht in dieser Branche.

Intuitive Programmierung und das Geschlecht im Hirn

Ich lese gerade ein Buch über Geschlechtsunterschiede im Gehirn, darüber werde ich demnächst mal ausgiebig hier schreiben. Kurz gefasst gibt es S-Gehirne (systematisch) und es gibt E-Gehirne (empathisch) und es gibt ausgeglichene Mischformen. Männer sind tendenziell eher S-Typen während Frauen eher E-Typen sind. Mir ist schon vor langer Zeit aufgefallen, dass ich völlig anders ans Programmieren herangehe als die Meisten die ich kenne. Ich setz mich sozusagen in die Mitte des Problems und fang an den Raum auszufüllen, die Lösung wächst sozusagen aus mir heraus. Ich mach mir nicht allzuviel Systemüberlegungen sondern programmiere sehr intuitiv. Für Systemmenschen dürfte das eher chaotisch wirken, aber ich sagte schon vor langer Zeit, dass Ordnung etwas für Dilletanten ist, das Genie beherrscht das Chaos ;-) Aber Spass beiseite, ich denke, dass beide Denkweisen Vor- und Nachteile haben. In diesem Buch heisst es beispielsweise, dass Programmieren eher für S-Gehirne etwas ist, das bestreite ich vehement. S-Gehirne können zwar tolle Strukturen bauen, ihre Programme sind modular und logisch und dementsprechend gut wartbar. Aber E-Gehirne haben genauso ihre Vorteile, eben gerade weil sie nicht durch überbordende Systematisierung eingeschränkt sind. Bei mir gibt es kein “das macht man nicht so”, wenn es dem Ziel dient, mache ich es eben so wie es nötig ist, ich bin nicht “man”.

Düstere Prognosen für eine aussterbende Art

Das alles frustriert mich gerade sehr und es macht mir Sorgen. Das Zeitalter der Computerfreaks neigt sich dem Ende zu, eigentlich ist es längst zuende und nur noch ein paar hartnäckige Exemplare weigern sich unterzugehen. Aber die Zukunft sieht düster aus. Ich muss resp. darf vielleicht noch zwei Jahrzehnte in dieser Branche arbeiten und es ist anzunehmen, dass ich früher oder später mal wieder auf Jobsuche sein werde. Ehrlich gesagt, mir graut es vor dem was dann auf mich zukommt. Was für Chancen habe ich bei Bewerbungen, wenn ich beim Begriff “Design Pattern” nur ein müdes Lächeln aufbringen kann, wenn ich weder weiss wie Middleware funktioniert noch gewillt bin, mich durch solche Fremdleistungen einschränken zu lassen? Das was meinen Wert ausmacht, die Fähigkeit, einfach alles und jedes programmieren zu können und überall das Letzte rauszuholen, wird je länger desto mehr nicht mehr gefragt sein. Meine Nonkonformität, die früher als meine grösste Stärke galt, wird immer mehr als Schwäche eingestuft. Und das macht mir Angst. Es mag arrogant klingen, aber ich könnte jedem potentiellen Arbeitgeber anbieten, mir ein beliebiges Programmteil zu geben das zu langsam ist und würde garantieren, dass ich es massiv optimiere. Und man könnte mir eine beliebige Programmoberfläche geben und ich würde die Benutzerfreundlichkeit erhöhen. Aber ich befürchte, dass ich dazu kaum noch eine Chance kriegen würde, weil ich weder Hochschulabschluss habe noch all die klugen Begriffe kenne, so dass man mir schon gar nicht die Gelegenheit bietet um zu beweisen, dass ich so Manches kann, von dem heutige Informatiker nicht mal mehr träumen.

Und das ist in doppelter Hinsicht traurig. Zum Einen bedeutet das für mich persönlich, dass ich in Zukunft einen schweren Stand habe um mich in dieser Branche noch zu behaupten. Zum Zweiten bedeutet das, dass man uns Pioniere vergessen wird. Wir waren diejenigen, die die Informatik auf die Beine gestellt haben, dank uns hat heutzutage jeder seinen PC zuhause, dank uns können Computer heute das was sie können. Aber daran erinnert sich kaum noch jemand, weil Computerfreaks wie ich eigentlich nur noch ein Relikt aus längst vergangenen Zeiten sind.

Nachtrag – gemeinsam sind wir stark

Im Nachhinein ist mir etwas durch den Kopf gegangen, das trotz der Länge dieses Blogbeitrags zu kurz gekommen ist und einen falschen Eindruck hinterlassen könnte, deshalb noch eine Präzisierung. Das soll kein Votum sein gegen “Hochschul-Informatiker”, nicht im Geringsten. Ich erlebe seit Jahren, dass ich fast ausschliesslich von dieser Spezies umgeben bin und ich bin heilfroh darüber, weil diese “Jungen” wie wandelnde Lexikas sind. Sie kenne all den neuen Kram und haben faszinierende Ideen, gerade wegen ihrer Systematik. Es vergeht kaum ein Tag an dem ich nicht in die Runde frage, ob jemand eine Idee hat wie ich irgendwas einfach lösen kann. Meist hat jemand eine Idee und ich erspar mir eine lange Sucherei. Ich halte diese “neuen Einflüsse” für eine grosse Bereicherung, zweifle nur daran, ob man längerfristig noch wahrnehmen wird, dass wir, “die Alten”, genauso wichtig sind. In meiner Firma läuft das soweit recht gut, aber es gruselt mich schon vor einer Zukunft, in der man vielleicht nicht mehr begreift, dass wir gerade gemeinsam so stark sind, weil beide Programmiertypen auf ihre Weise wertvoll sind.

Musikalisches Wochen(end)-Allerlei einer Zahn-Prinzessin

In letzter Zeit geht’s bei mir relativ rund, deshalb kam ich nicht zum Schreiben, nun fasse ich mal ein paar Dinge hier zusammen…….

Diana in der Menopause oder so

Vorletzte Woche hatte ich einen Termin in der Endokrinologie, in der es nebst obligater Blutkontrolle um die Frage ging, ob wir meine Östrogendosis erhöhen sollten. Seit der GaOp bin ich chronisch müde und meine Schwitzanfälle haben sich auch deutlich gehäuft, beides sind mögliche Anzeichen auf einen zu tiefen Östrogenpegel (Mitlesende die ihre Menopause bereits erreicht haben wissen was ich meine). Die Endokrinologin bestätigte mir, dass diese Anzeichen danach aussehen, dass meine zwei mal wöchentlich angeklebten Östrogenpflaster (Estradot 50) wohl zu wenig sind. Aber leider war mein Glukose (Zucker) und Cholesterin Pegel gaaaaanz wenig über dem Normbereich, so knapp daneben, dass das gesundheitlich noch völlig unbedenklich ist. Aber sowohl Zucker als auch Cholesterin belasten die Blutbahnen und damit erhöht sich auch das Thromboserisiko ein wenig. Da die Östrogene genau diesbezüglich gefährlich sind, wollte sie da nichts riskieren. Da ich öfters Schokolade-Fressattacken habe und das möglicherweise auch am Vorabend der Untersuchung, sind wir nun so verblieben, dass ich in nächster Zeit mal bei der Hausärztin diese zwei Werte nochmal prüfen lasse. Sollten sie immer noch etwas zu hoch sein, kann ich mittels Ernährungsverbesserung die Werte verbessern. Sobald die Werte im Normbereich sind, kann ich ihr den Laborbericht faxen und krieg dann ein Rezept für 75er Pflaster. Mal schauen ob es dann besser geht.

Ein schlauer Zahnarzt

Mein Zahnarzt ist echt ein schlauer Fuchs, bei ihm fühle ich mich echt ernst genommen. Zum Einen hat er richtig erkannt, dass ich einfach zu schlau bin für diese Welt und hat mir nun einen meiner vier Weisheitszähle gezogen, vielleicht reg ich mich nun etwas weniger auf ;-) Aber das ginge noch, der konnte das sogar noch überbieten. Er scheint wirklich ein Auge für Mädels wie ich zu haben und hat sofort bemerkt, dass ich eine richtige Prinzessin bin – glaub ich jedenfalls – denn übermorgen krieg ich von ihm eine Krone *stolzerhebtihrhaupt*. Meine Begeisterung hält sich da zwar in Grenzen, weil mich dieses royale Statussymbol mal schnell einen Tausender kostet, aber was tut man nicht um die leider oft unbemerkte Adligkeit zu betonen :D Das mit dem Weisheitszahn war übrigens eine harmlose Sache, es machte kurz knirsch und flup und draussen war das Ding. Am Mittag liess dann die Spritze nach und der Schmerz wurde arg genug um mich mit 50er Ponstan zu füttern, aber schon am nächsten Tag war der Spuk vorbei und unterdessen, eine Woche später, ist wieder alles in Ordnung.

Kuschelweekend mit Juliet

Letztes Wochenende war ja mal wieder Kuscheln in Hamburg angesagt, jajajaja :-) Diesmal war ich wieder von Donnerstag Ende Nachmittag bis Dienstag am frühen Morgen dort. Freitag und Montag ackerte Juliet zeitweise und ich guckte TV, las mein letztjähriges Tagebuch oder brabbelte mit Juliets Mama rum. Am Samstag gabs dann noch eine kleine Shoppingtour zu Dritt, bei der wir aber alle ohne Beute heimziehen mussten. Dafür machten wir noch einen kleinen Abstecher in ein Pärklein, die erhofften Eichhörnchen sahen wir zwar nicht, aber dafür konnte ich mal wieder eine Weile einer Libelle beim patroulieren zugucken – ich lieb diese kleinen Hubschrauber :-) Abends guckten wir dann jeweils meist zu Viert TV und im späteren Abend verzog sich Mama in die Küche und las – und brach immer mal wieder in schallendes Gelächter aus, meist wenn sie Dialoge mit Morla fand ;-) Jedenfalls wars wieder ein super schönes Wochenende mit ganz viel Blödeleien und ganz viel Aneinanderkleben – Fortsetzung folgt in gut zwei Wochen :-)

Selbstbetrachtung in Buchform

Das mit meinem Tagebuch war eine ulkige Sache, denn davon hatten wir dieses Weekend drei Stück in der Wohnung, Juliet und Mama hatten Ihres, ich hatte das Meine. Und zeitweise sassen Mama und ich zusammen auf dem Sofa und lasen dasselbe Buch, wie schräg ist das denn :-) Für sie ist es interessant, weil sie nicht so gern am Computer sitzt und deshalb nur soweit auf dem Laufenden ist, wie Juliet ihr berichtet. Deshalb holt sie dann das ganze Jahr nach wenn das Blog in Buchform verfügbar ist. Ich meinerseits erlebte beim Lesen wie schon letztes Jahr eine turbulente Reise durch die Zeit, in der ich das ganze letzte Jahr nochmal Revue passieren lasse und teilweise staune, was ich da alles erlebt habe und wie aufgewühlt ich zeitweise war. Es ist unglaublich spannend, sich selbst nochmal so zu verfolgen. Sobald ich damit fertig bin, werde ich dazu einen Blogbeitrag schreiben wie schon letztes Jahr und ein wenig erzählen, was mir da lesenderweise so durch den Kopf ging im Kino meines Lebens.

Medien sind einfach sowas von für n’Arsch, aber echt

In diesen wenigen Tagen in denen ich in Hamburg war, erschienen gleich mehrere Zeitungsartikel die irgendwie um Transsexualität gingen und mir schäumte heut Morgen mal wieder kurz die Galle hoch. Höhepunkt war ein Kurzartikel in der Bernerzeitung, in der von einer transsexuellen Frau konsequent in der männlichen Form geschrieben wurde. Einmal mehr hat ein dümmlicher Journalist einen noch dümmlicheren Text von der Depechenagentur DPA copy-pastet ohne dabei das Hirn auf Minimalleistung zu stellen. Aber ich bin grad zu gut gelaunt um mich heute weiter darüber zu ärgern, vielleicht hole ich das am Wochenende nach und hau denen virtuell eine runter – mal kucken ob ich Zeit und Nerven finde, vorallem mit der Zeit könnte es nämlich knapp werden, denn erstens arbeite ich am Samstag mal wieder und zweitens und vorallem……….

Diana wird Cellistin

In den letzten zwanzig Jahren habe ich viele Musikinstrumente gespielt, manche nur ein wenig, manche mehr. Vorallem Gitarre, Bluesharp und schottische Bagpipe spielte ich recht intensiv eine Zeit lang und Letztere möchte ich nachwievor irgendwann wieder spielen. Aber in letzter Zeit bin ich emotional eher zu sanfteren Klängen hingezogen und verspüre wieder ein starkes Bedürfnis, Musik zu machen. Und weil ich seit Beginn meines Musizierens Streichinstrumente als die Schönsten Instrumente betrachte, aber nie den Mumm hatte mich diesen schwer zu erlernenden Instrumenten anzunähern, kams bis jetzt nie soweit – bis jetzt, jauh.

Vor einigen Wochen entdeckte ich, dass man heutzutage elektronische Violinen und Cellos kaufen kann, die recht gut klingen, überraschend günstig sind und natürlich stubentauglich, weil man mit Kopfhörer spielen kann. Also habe ich vor der Op diese schwarze eVioline bestellt, darüber habe ich irgendwo kurz berichtet. Aber dann kamen gleich die Ferien, dann die zweite Operation und anschliessend war für ne Weile nix mehr mit Violine spielen, weil ich die Arme wegen der BrustOp nicht so verrenken konnte. Auch sonst hielt sich meine Begeisterung in Grenzen, weil die Körperhaltung wie erwartet der Graus ist, man ränkt sich fast die Schulter aus und bricht sich fast den Kiefer, weil man das Teil so unter den Kiefer klemmen muss.

Naja, letzte Woche guckte ich einen Krimi in dem es zufällig um eine Cellistin ging, die man ein paar Mal spielen sah und man ahnt’s, es packte mich total und so wusste ich nix Bekloppteres als noch am gleichen Abend dieses elektronische Cello in weiss zu bestellen, selber Hersteller wie die Geige, nur diesmal in Weiss anstatt Schwarz. Jauh und heute wurde das Ding geliefert und ich bin Feuer und Flamme, die in den nächsten Tagen ausgiebig auszuprobieren. Wenn ich wie erwartet körperlich besser damit klar komme, werde ich die Geige wohl wieder verkaufen, oder umgekehrt, was weiss ich, lassen wir uns überraschen :-)

Vorhin habe ich das erste Mal drauf gespielt äh getönt oder so, naja, seien wir mal froh, dass die Nachbarn das nicht hören ;-) Aber es macht Spass, fühlt sich noch fremd aber irgendwie nett an, ich bin zuversichtlich, dass wir uns anfreunden werden, auch wenn ich fürs Erste verkrampft bin als würd ich das erste Mal auf einem Stier reiten. Damit Ihr Euch vorstellen könnt, was für ne Art Musik mir vorschwebt, gibt’s jetzt noch ein Video mit einem wunderschönen Cello-Stück :-)

Und falls jemand von Euch neugierig geworden ist und mehr Cello Musik hören will in dem Stil wie ich es hoffentlich irgendwann spiele, dann empfehle ich mein neustes Idol:
Adam Hurst auf youTube

Und los geht’s in diesem neuen Blog

Es mag etwas irrwitzig klingen, wenn ich nach rund vierzig Blogbeiträgen hier verkünde, es würde losgehen mit dem Blog, aber a bisserl isses ja schon so. Ende dieser Woche habe ich nun endgültig mein erstes Blogtagebuch geschlossen, weil für mich die Geschichte einer “transsexuellen Frau” beendet ist. Für den Wechsel des Blogs gab’s mehrere Gründe, ich möchte die hier nochmal kurz zusammenfassen:

Warum dieses neue Blogtagebuch?

1. Das “Tagebuch einer transsexuellen Frau” sollte den Prozess beschreiben den eine transsexuelle Frau durchlebt während einer “Geschlechtsangleichung”. Diese Geschichte begann mit dem Entscheid, ging über das Outing quer durch den zweijährigen Alltag bis hin zur genitalangleichenden Operation, der Personenstandsänderung und letztendlich dem Ankommen im richtigen Leben. Diese Geschichte ist in sich abgeschlossen und es macht wenig Sinn, wenn dieses Tagebuch dann plötzlich über Atomkraftwerke berichtet oder Bibelkunde erteilt. So Themen waren zwar auch da manchmal vorhanden, aber der Kern und das Zentrum des Themas war von Anfang an bis zum Schluss Transsexualität.

2. Gerade weil das alte Tagebuch dieses Kernthema hatte, spürte ich immer mehr, dass mich dieses Themenzentrum zu sehr beeinträchtigt. Je mehr ich aus diesem Prozess heraus wuchs, umso mehr bekam ich das Bedürfnis, vermehrt über all das zu schreiben, was mir sonst so am Herzen liegt, sei es ökologische, spirituelle, philosophische oder was weiss ich für Themen. Das alles passte dort nur am Rande rein und ich merkte immer mehr, dass ich mich von diesem Thema loslösen musste. Das heisst natürlich nicht, dass Transsexualität in diesem neuen Tagebuch nicht auch seinen Platz bekommen wird, wie ich mehrmals versprach, werde ich mich auch zukünftig beispielsweise für Transsexuellenrechte einsetzen. Aber dieses Thema darf nicht mehr das Zentrum meines Lebens sein. Ich habe meine Freiheit gefunden, ich kann und will mich nicht darauf beschränken, “eine Transsexuelle” zu sein, wie das Medien so gerne tun. Ich bin eine vielseitig interessierte Frau, die in all ihren Fascetten aufleuchten möchte, das wäre im alten Blog irgendwie nicht möglich gewesen.

3. Ein anderer wesentlicher Grund war rein technischer Natur. Mir war enorm wichtig, dass das alte Tagebuch chronologisch ist, so dass Betroffene die dieses Blog finden diese Geschichte eben wie ein Tagebuch durchlesen können und das eben im Vorwärtsgang und nicht rückwärts. Aber Google und Konsorten bekamen damit langsam ihre liebe Mühe, weil die davon ausgehen, dass Blogs umgekehrt sortiert sind und mit einem Umfang von fast 500 Beiträgen verschluckten sie sich immer mehr. Mein neues Tagebuch soll nun umgekehrt sortiert sein, wie es sich für Blogs gehört. Das ist ein entscheidender Vorteil für regelmässige LeserInnen, die nun nicht ständig die neuen Beiträge suchen müssen, das Neuste steht immer zuoberst. In meinen zukünftigen Schreibereien ist die Reihenfolge auch nicht mehr so essentiell wie im alten Tagebuch und wie eine Umfrage zeigte, ist eine der Aktualität entsprechend sortierte Auflistung von einer klaren Mehrheit erwünscht.

4. Für mich persönlich war es aber auch ein Akt der Psychohygiene, sozusagen eine Symbolhandlung, mit der ich bewusst in mein neues Leben treten will. Gerade wenn einem so ein Thema ein Leben lang verfolgt und gequält hat, ist die Gefahr gross, dass man darin kleben bleibt, selbst wenn man längst daraus entwachsen ist. So wie Kriegsveteranen noch Jahre nach dem Krieg den Klang der Schüsse und Schreie hört, so kann einem auch so ein Lebenshandycap bis zum jüngsten Tag verfolgen. Für mich ist es bedeutsam, bewusst einen Schlussstrich zu ziehen, nicht weil ich die Vergangenheit leugnen will oder das Thema Transsexualität verwerfen möchte sondern weil meine transsexuelle Vergangenheit mein Leben nie mehr bestimmen darf und wird. Dazu verhilft mir so ein Neuanfang.

Wie geht es weiter in diesem neuen Tagebuch?

Bis vor Kurzem hatte ich ja nebst diesem Blog eben noch das alte Tagebuch und nebenbei noch das GaOp-Tagebuch in dem ich über die genitalangleichende Operation berichtete. Zusätzlich gibt es auch noch das DuoInfernale-Blog in dem ich mit meiner Liebsten gemeinsam schreibe. Damit verzettelten sich die Beiträge immer mehr und ich hatte oft ein Problem damit zu entscheiden, was wohin gehört. Damit ist nun Schluss, nun gibt es zwar noch das Gemeinsame mit Juliet, für meinen eigenen Senf gibt’s aber nur noch dieses Blog. So kann man davon ausgehen, dass sich hier nun die Themenvielfalt einiges erweitern wird. Einerseits werde ich sicher wieder vermehrt Alltagsgeschichten schreiben, die mal lustig, mal traurig, mal vergnügt, mal wütend sind, ausserdem werde ich über viele Themen schreiben die mich bewegen, so wie ich das zu Beginn dieses neuen Blogs auch schon gemacht habe. Die Alltagsgeschichten werden vermutlich ähnlich herauskommen wie Ihr es Euch von meinem alten Tagebuch gewohnt sind. Die Themen die ich anschneide, werden aber voraussichtlich mehr Tiefgang haben. Ich möchte immer mal wieder Themen aufgreifen, die ich in längeren Beiträgen etwas vertieft beleuchte oder sogar in einer Blogserie ganz genau unter die Lupe nehme. Dabei wird es wie man aufgrund der Kapitel hier sieht vorallem um philosophische, spirituelle, religiöse, politische bis hin zu wissenschaftlichen Themen gehen. Das Ganze wird wohl etwas weniger Fastfood sein als in meinem alten Tagebuch, aber ich denke, dass dies den Wert des Blogs nur erhöhen kann und vorallem ist mir halt einfach danach ;-)

Themen der nächsten Zeit

Wie gesagt, möchte ich wieder vermehrt aus dem Alltag plaudern und auch wieder vermehrt herumblödeln. Das Humorvolle kam in den letzten Monaten viel zu kurz, weil ich einfach zuviel Ernsthaftes zu bewältigen hatte und auch ziemlich ausgelaugt bin. Nebst dem geistern momentan einige Themen in meinem Köpfchen rum, die ungeduldig darauf warten, endlich verbloggt zu werden. In nächster Zeit stehen hier Wahlen an und ich fühle mich dazu berufen, diesbezüglich etwas Tacheles zu reden, weil ich der Überzeugung bin, dass gewisse rechtspopulistische Kreise dieses Land komplett an die Wand fahren. Der Radikalisierung und Brutalisierung von Politik und Gesellschaft muss Widerstand geboten werden, genauso wie dem grasierenden Raubtierkapitalismus oder der globalen Entsozialisierung, das zähle ich als eine von meinen zukünftigen Aufgaben. Weiters hatte ich ja schon immer einen Hang zum Umweltschutz und auch da ist absehbar, dass ich in den nächsten Jahren öfters gefragt sein werde, sei es bei einer allfälligen Atomausstiegsabstimmung oder bei sonstigen ökologischen Streitfragen. Weiters beschäftigen mich natürlich Themen rund um Transsexualität, im speziellen die Frage von neuronalen Geschlechtsunterschieden. Diesbezüglich lese ich gerade ein spannendes Buch über die zwei Hirntypen (systematisch=männlich empathisch=weiblich), das mich zu ausgiebigen philosophischen Hirnkapriolen verführt hat.

Herzlich willkommen hier :-)

In dem Sinn heisse ich nun meine LeserInnen herzlich willkommen hier in meinem neuen Tagebuch, das bekloppte Herumsuchen in allen Blogs nach neuen Beiträgen ist zuende, macht es Euch hier gemütlich…….. wir lesen uns ;-)

http://www.youtube.com/watch?v=QqQ7iCXhTAo

Ein Verweis auf meine sonstigen Blogbeiträge

Diejenigen die vorallem hier mitlesen, werden in letzter Zeit meine Blogbeiträge vermisst haben. Aber mir war wichtig, das “alte Leben” abzuschliessen und so drängten sich die letzten Beiträge von mir vorallem ins GaOp-Tagebuch oder in mein altes Blogtagebuch, weil es noch zusehr mit dem Abschluss meiner “Geschlechtstransition” zu tun hatten. Wer diese Beiträge verpasst hat, schaut am besten kurz in folgende Monatsarchive rein, da sind zum Teil interessante Beiträge zu finden:

(t)-Girl Diana – Juli 2010
(t)-Girl Diana – August 2011

GaOp-Tagebuch – Juli 2011
GaOp-Tagebuch – August 2011

DuoInfernale – unser gemeinsames Blog

In meinem alten Blogtagebuch habe ich heute den letzten epischen Beitrag geschrieben, in dem ich auf mein Leben und diesen Transitionsprozess zurückblicke und sozusagen Bilanz ziehe, den empfehle ich wärmstens.

(t)-Girl Diana – Bilanz einer Geschlechtsangleichung

Ebenfalls erwähnenswert wäre noch, dass das zweite Buch mit den Blogbeiträgen 2010 nun auch auf Papier erhältlich ist, mehr darüber findet Ihr hier:

Dianas Blogtagebuch 2010 ist jetzt im Buchhandel

Damit wär die Vergangenheit so ziemlich abgeschlossen und ich kann mich nun ganz hier in diesem neuen Tagebuch niederlassen. In dem Sinne……… wir lesen uns ;-)

und tschüss mal für ein paar Wochen

So das wärs vorläufig mal für ein paar Wochen – nehm ich jedenfalls an – etwas Ruhe braucht der Mensch ja bekanntlich. Obwohl ich nicht mit viel Ruhe rechne, Juliet wird nun zwei Wochen lang an mir kleben und mich vollbrabbeln, aber entspannend und erquickend wird es garantiert.

Geplanterweise und mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit werden wir jeweils am Donnerstag 16. und 23. Juni von 21 – 24 Uhr in meinem Stammpub sein, wer Zeit und Lust hat, soll doch einfach reinschauen, würde uns freuen :-)

Am Montag 27. Juni bring ich sie dann um Neun auf den Flughafen und geh um Zwölf ins Unispital für etwa eine Woche. Wie bereits gesagt, werden wir vielleicht während den Ferien in unserem gemeinsamen Blog mal was schreiben, ab Spitaleintritt wird dann wieder vom GaOp-Blog aus berichtet.

Zu erwähnen ist noch, dass ich die Kommentarfunktion in den Blogs vorläufig so eingestellt habe, dass alle Kommentare von mir freigeschaltet werden müssen. Während den Ferien kann das möglicherweise länger dauern.

Nun denn, das wars, wir sagen tschüss und bis dann :-)

Achja, damit’s Euch in der Zwischenzeit nicht langweilig wird – die da ist noch bekloppter als wir :D

Die Bestie im Menschen

Ekel der die Welt ergreift
Hass der durch die Herzen fliesst
Verderben das durch die Reihen zieht
Des Menschen edle Reihen

In denen Gleiches nur zu Gleichen steht
Dazwischen eine Kluft sich schlägt
Und Rassen wie Geschlechter trennt
Oh Ekel der sich der Welt bekennt

(Lacrimosa – Das Schweigen)

Schon als Kind befremdete es mich zutiefst, immer wieder zu erleben, dass viele Menschen ein Bedürfnis danach haben, Andere zu verletzen oder noch besser zu demütigen. Es schien mir schon bald, dass viele kleingeistige Menschen sich offenbar nur gross fühlen können, wenn sie Andere klein machen. Soweit konnte ich das rational ja noch irgendwie verstehen, auch wenn ich es für noch so daneben halte. Aber dass diejenigen, die Andere quälen, nicht wahrnehmen können, dass sie grosses Leid verursachen, diese Mitgefühlslosigkeit, die entsetzte mich geradezu. Warum sind soviele Menschen so? Warum fällt es vielen so schwer, wahrzunehmen, was sie mit ihrem Handeln anrichten? Bin ich denn wirklich von gefühlsunfähigen Soziopathen umgeben?

Aber ich glaube nicht, dass der Mensch an sich soviel Bösartiges in sich trägt, Menschen werden so, weil sie elementarste Lebensregeln nicht gelernt haben. Andere zu respektieren, auch wenn sie anders sind als man selbst, das ist eine Einstellung, die gelernt werden muss. Meine Eltern konnten mir das vermitteln, viele Andere hatten offenbar nicht dieses Glück. Mir wurden so Werte vermittelt, dass nicht alle Menschen so sind wie ich und dass ich sie respektieren muss, auch wenn sie anders sind. Mir wurde gelernt, dass man behinderte Menschen nicht auslacht oder ausgrenzt, dass die sich ihr schweres Schicksal nicht ausgesucht haben und ihr Leben schon schwer genug ist und nicht noch mehr Belastungen braucht. Aber schon als Kind erlebte ich so oft, dass Viele da völlig anders ticken.

Während meiner Primarschule hatte ich längere Zeit einen sehr guten Freund, er war ein erzlieber Mensch, wir konnten stundenlang miteinander lachen, konnten über alles reden, er war echt toll. Aber im ganzen Schulhaus wurde er gemieden, er war extrem gross für sein Alter und hatte einen starken Buckel, gesamthaft wirkte er wirklich sehr aussergewöhnlich. Das reichte, dass er von allen ausgegrenzt und verspottet wurde. Ich wiederum habe sein Äusseres nie als Kriterium empfunden, ob ich mit ihm reden soll oder nicht. Also kamen wir ins Gespräch und wurden Freunde. Dass mir das selber Spott einbrachte, war mir irgendwie egal. Ich hatte da einen guten Freund gefunden und das schien mir wichtiger als ob sich Andere über unsere Freundschaft lustig machen.

Diese Lebenshaltung, mit der man Andere so nimmt und respektiert wie sie sind, begegnete mir sehr selten und ich verstehe einfach nicht warum. Warum fühlen sich so viele Menschen erst dann gut, wenn sie Andere schlecht machen? Warum empfinden Manche Glück erst dann, wenn sie Anderen Leid zufügen? Und warum bekämpfen so Viele Andere, nur weil sie nicht ihren eigenen kleinkarierten Vorstellungen entsprechen?

Was geht es mich an, wie Du aussiehst, wie Du Dich benimmst, was Du tust, wer Du bist…… solange Du damit niemandem schadest? Und was geht es Dich an, was für ein Leben ich führe, solange ich Deines nicht beeinträchtige? Warum verurteilst Du mich, wenn ich nicht denselben Lebensweg gehe wie Du? Warum siehst Du nicht, dass mein Herz blutet, wenn Du mich verletzt?

Warum bringt Ihr soviel Leid über Andere, seid mal Täter, mal Opfer, was für ein idiotischer Krieg der Gesellschaft ist das? Und wem dient er? Wer hat etwas gewonnen, wenn immer wieder eine Gruppe über jemanden herfällt, ihn erniedrigt und demütigt – ohne dass jeder Einzelne sich sicher sein kann, dass er nicht nächstes Mal derjenige ist, der von einer Gruppe kaputt gemacht wird? Ist es das wert, sich gross fühlen zu können weil man im Schutz einer mobbenden Gruppe gemeinsam über jemanden lachen kann, wenn dieser Jemand dabei kaputt geht? Wieviele Menschenopfer braucht so ein durchschnittlicher Kleingeistiger, bis er sich gross genug fühlen kann um ein Leben zu führen, ohne dabei auf dem Rücken Anderer trampeln zu müssen?

Ich fand es schon immer unsäglich traurig, immer wieder zu erleben, wie meine Mitmenschen sich gegenseitig zerreissen und auffressen und sich dabei sogar noch cool vorkommen. Wie degeneriert muss eine Spezies sein, wenn sie sich selber das Leben so schwer macht? Der Mensch – sagte einst ein grosser Philosoph – ist wahrlich das grausamste aller Tiere – es stimmt mich traurig, dass ich dem beipflichten muss.

Die Scheiterhaufen der Gesellschaft haben nie aufgehört zu brennen, sie änderten nur ihre Gestalt, aus den hohen lodernden Flammen der Scheiterhaufen wurden kleine hübsche Feuerchen, die in die Herzen von Menschen eingeschossen werden und sie innerlich verbrennen lassen – der Grad des Leidens hat sich dabei nicht merklich verändert.

Der Freund ist viel zu nahe
Er ist ein Mensch und Feind
Das Schild der Freundschaft deckt ihn jahrelang
Dahinter sammelt er die Waffen

(Lacrimosa – Versuchung)

Faulheit, Texte, Ausweise und Anwälte im Genick

In letzter Zeit ist von mir kaum etwas zu lesen, das hat mehrere Gründe: weil ich grad irgendwie faul bin, weil ich an der Buchform meines letztjährigen Blogtagebuchs arbeite, weil ich mich mit Adressänderungskram rumschlage und weil mir gerade Anwälte im Genick sitzen – ich fass mal zusammen……..

Faulheit und tausend Dinge zu Schreiben
Die letzten Wochen hatte ich zwar immer wieder Ideen, Dinge über die ich schreiben möchte, aber irgendwie konnte ich mir nie den letzten Ruck geben. Mir scheint, als ob ich irgendwie erschöpft zurücklehne nach all dem was ich nun zwei Jahre lang durchkämpfen musste. Das Gefühl, angekommen zu sein, nötigt mir Ruhe ab. Hinzu kommt, dass ich mich nicht so recht festlegen kann, in welcher Form ich grad schreiben möchte. Einerseits wäre mein neues Blog-Tagebuch angesagt (das hier), aber momentan gibt’s gar nicht so viel Erzählenswertes. Anderseits spiele ich mit dem Gedanken, ein richtiges Buch zu schreiben. Dabei denke ich entweder an eine Autobiographie und oder an eine Art Lebensratgeber zum Thema “nichts ist unmöglich”. Und dann gibt’s auch viele andere Dinge die ich beispielsweise im Bereich Transsexualitäts-Aufklärung schreiben möchte. Ich hab quasi soviel was ich schreiben möchte, dass ich mich zu nichts entscheiden kann und deshalb nix schreibe – oder so – das wird sich aber früher oder später von alleine herauskristalisieren, warten wir’s einfach ab ;-)

Blogtagebuch 2010 in Buchform
Ich muss schon bekloppt sein, wenn man bedenkt, dass ich geschätzte 50-100 Stunde Arbeit habe um die Blogtexte von meinem Blogtagebuch 2010 in Buchform zu bringen, obwohl ich nur etwa 20-30 Exemplare verkaufen oder verschenken werde. Mit den Einnahmen decke ich nicht mal die Druckkosten, von der Arbeit reden wir schon gar nicht. Aber ich find’s irgendwie cool, all das Geschriebene auch in Buchform anbieten zu können und es gibt ein paar Leute in meinem Umfeld, die halt so eins möchten (es gibt sogar noch Menschen ohne Internet *staun*). Dieses Jahr ist es noch umständlicher, weil ich in der ersten Version 500 Buchseiten voll hatte, was das Buch viel zu teuer und zu dick machen würde. Also habe ich 100 Seiten eingespart indem ich belanglose Artikel rausgeschmissen habe und zweite 100 Buchseiten sparte ich indem ich eine kleinere Schrift wählte und alle Abstände von Hand rausschmeisse. Am Samstag habe ich 6 Stunden lang Seitenumbrüche verteilt und Abstände optimiert und am Schluss hat OpenOffice (gratis Word) irgendwie n’Schluckauf und alles war klitzekleinwenig verschoben – genug damit ich wieder alle Seitenumbrüche neu festlegen muss, die ganze Arbeit für die Katz. Ich werds jetzt nochmal mit Word versuchen (ging mir letztes Jahr nämlich gleich) und mit etwas Glück kann ich den Druckauftrag noch diese Woche rausgeben – 2-3 Wochen später ist es dann bestellbar.

Personenstandsänderung und Adressänderungen
Das Wichtigste war für mich die neue Identitätskarte und das Halbtax-Abo (Bahncard-50), denn das sind die einzigen formalen Dinger, die ich regelmässig vorweisen muss. Es ist schon ein befreites Gefühl, nie wieder Angst zu haben vor einer Ticketkontrolle oder einem Grenzübertritt, nie mehr das Gefühl ich würde etwas verbergen, ich bin einfach voll und ganz ich, zu genial :-) Im Nachhinein wird mir bewusster denn je, wie grausam es war, dass ich formal gesehen zweieinhalb Jahre lang unter “falschem Namen” leben musste. Und bewusster denn je wird mir, wie grotesk dieser sogenannte “Alltagstest” ist, der von mir erwartet, dass ich immer und überall in meinem richtigen Geschlecht leben soll, ohne dass man mir die nötigen Papiere dazu gibt. Gehen Sie in die Welt hinaus und behaupten Sie überall, Sie würden Diana heissen, falls Sie dabei nicht völlig irre werden, dürfen Sie dann Diana sein – wie realitätsfern ist das denn? Jedenfalls ist dieser ganze Irrsinn um, ich hab Id und Bahnkarte, das ist echt unbeschreiblich.

Doch nun habe ich natürlich eine grosse Zahl an Administrativkram den ich erledigen muss und so Manches erfordert zuerst die Abarbeitung anderer Dinge. Das heisst, ich muss eine genau Reihenfolge einhalten – um ein dummes Beispiel zu nennen, die Firma kann mir den Lohn erst auf den neuen Namen überweisen, nachdem ich das Bankkonto geändert habe, dasselbe gilt für Kreditkarte. Und so ackere ich mich systematisch durch mein Leben, staune Bauklötze was es da alles so gibt und bringe so eins nach dem Anderen hinter mir. Die Vermieter sind informiert, haben die Umschreibung meines Mieterkautionsikontos veranlasst und mir ein Formular zur Bestellung neuer Namensschilder geschickt und beispielsweise meine Webseiten sind auf schon auf den neuen Namen umgeschrieben.

Wenn bitterböse Medien die Justiz-Kavallerie loshetzen
Und gerade diese Umschreibung meiner Webseiten kam genau im richtigen Moment, wenige Tage nach der Umschreibung durfte ich meinen ersten eingeschriebenen Brief mit meinem neuen Ausweis auf der Post abholen – aber meine Begeisterung hielt sich in Grenzen, es war ein Schreiben einer Anwaltskanzlei, die mich im Auftrag eines rechts-konservativen Wochenblattes, das vorläufig mal noch nicht namentlich genannt sein soll, ziemlich heftig unter Druck setzt und beispielsweise mit einer Konventionalstrafe von täglich 10’000 Franken droht. Da ich mich noch nicht entschieden habe, wie weit ich mich dem Druck beuge, halte ich mich diesbezüglich noch bedeckt und erzähle nichts Konkretes.

Was gesagt sein kann ist, dass ich vor Jahren ein Blogverzeichnis erstellt habe, das die Beiträge verschiedener SVP-kritischer Blogs automatisch einscannt und die Beiträge auf verschiedene Stichworte aufteilt und zu jedem Stichwort eine Unterseite (Subdomain) generiert, so eine Art Stichwortverzeichnis. Eines dieser Stichworte war der Name einer Zeitung und dementsprechend hat’s eben so eine Subdomain mit deren Namen drin. Diese Zeitung hat mich nie kontaktiert, anstelle dessen hetzen sie mir gleich ihre Anwälte hinterher. Ich muss dieses Stichwort resp. die Subdomain auf der diese angezeigt werden löschen. Markenschutzrechte machen sie geltend, ich empfinde es mehr als Eingriff in die Informationsfreiheit des Internets und damit als Zensur. Die Seite habe ich vom Netz genommen, ich hab dort genug wichtigere Stichworte und kann da locker auf eines verzichten.

Damit stehe ich vor einer Reihe von Fragen. Ich meinerseits bin überzeugt, dass so ein Stichwortverzeichnis nicht gegen den Markenschutz verstösst, anderseits weiss ich, dass eine reiche Firma mit einem Rudel Anwälten alles in Schutt und Asche legen kann – wer glaubt, Recht und Gerechtigkeit wären dasselbe, hat diese Welt noch nicht begriffen. So stellt sich auch die Frage, ob ich die verlangte Unterlassungserklärung unterschreiben soll, denn damit würde ich vielleicht auch eine Schuld anerkennen, die ich in Frage stelle. Und nicht zuletzt stellt sich die Frage, ob dieser Vorfall nicht von öffentlichem Interesse ist. Wenn Firmen anfangen, die Blogszene zu zensurieren und die Justiz-Kavallerie in die Blogwelt ausschwärmen lässt, dann geht uns das alle etwas an. In dieser ganzen Frage bin ich hinundher gerissen, ehrlich gesagt fürchte ich die Macht die mir da gegenübersteht, anderseits drängt mich mein Gerechtigkeitssinn, mich mit einem medialen Sperrfeuer zur Wehr zu setzen. Ich habe diesbezüglich bei einem mir bekannten Anwalt eine Anfrage gemacht, bisher aber noch keine Antwort bekommen. Falls jemand der hier Mitlesenden juristische Kenntnisse hat in diesem Themenbereich, wäre ich dankbar um Unterstützung.

Erst nochmal kuscheln geh’n
Aber all das ist nicht halb so wichtig wie die Tatsache, dass ich jetzt in drei Tagen grad in Hamburg lande und wieder ein paar Tage mit Juliet rumknuddeln kann – inklusive einem kleinen Shopping-Bummel ;-) Dieses Mal dauerte es zum ersten Mal nur zweieinhalb Wochen bis zum Wiedersehen und ich muss sagen, es sind Welten zu dreieinhalb oder mehr Wochen. So lässt es sich langam leben…………. Und ey, ich flieg zum ersten Mal mit meinem neuen Ausweis, zum ersten Mal, dass von Genitalien bis Ausweis alles meiner Erscheinung und meiner Bordkarte entspricht – ich glaub ich geh mal durch den Nacktscanner, sozusagen als finalen Triumpfzug :D

Diana im TV-Serien Fieber

Früher konnte ich mit TV-Serien gar nix anfangen, für mich muss TV entweder gruselig, spannend, lustig oder informativ sein, Serien im Stil von Derick und Konsorten boten nicht annähernd das, was mich unterhalten kann. Aber spätestens mit “Akte X” begann eine ganz neue Aera von Serien, zuerst kam eine grosse Mystery-Welle und dann kam eine Crime-Welle im Stil von CSI und Konsorten. Nun hatte mich das Serien-Fieber gepackt und unterdessen gibt es einige, die ich regelmässig schaue. Dank meinem Harddisc-Recorder werden die automatisch aufgenommen und immer wenn’s mir langweilig ist, wühle ich da drin und grabsch mir etwas worauf ich grad Lust hab. Ich möchte heute mal meine Lieblingsserien vorstellen – here we go…….

Lie to me
Mein absoluter Favorit ist Lie to me, da krieg ich Spannung, Humor und auch noch Information. Dr. Cal Lightman ist ein Experte in Sachen Körpersprache und Mikroausdrücke ist Gründer der Lightman Group, die für private Unternehmen und staatliche Behörden Menschen analysiert um herauszufinden, ob jemand die Wahrheit sagt. Die Serie ist deshalb informativ, weil die Macher die dargebotenen Techniken zur Analyse der Körpersprache von einem der bekanntesten Fachmann in diesem Thema haben, Paul Ekman, der in einem Blog Filmausschnitte von Lie to Me kommentiert. Lightman ist eigentlich ein ziemlich arrogantes Arsch, aber irgendwie ist er auch total cool und es ist faszinierend, wie er Menschen ständig entlarvt und ihnen auch aufs Gesicht zu sagt, warum sie sich verraten haben. Oft schauen sie sich Videos in Zeitlupe an oder vergleichen Fotos und dabei erfährt man immer wieder spannende Dinge über Gesichtsausdrücke und nonverbale Gesten. Ich habe selber dieses seltsame Talent, dass ich in Gesichtern lesen kann, aber bei mir läuft das intuitiv ab, als eine Art erweiterte Form von Empathie. Zu sehen wie so Spezialisten das rational hinkriegen, ist total faszinierend. So faszinierend, dass ich mir nun ein paar Bücher zu dem Thema gekauft habe, unter Anderem von Paul Ekman, ich bin gespannt ob ich mein Bauchgefühl rational erweitern kann.
Video-Trailer Lie to me

Mentalist
Patrick Jane ist der Mentalist, ein Mann mit spitzbübischem Humor und einem unglaublichen Talent, Details zu erkennen, er spürt sozusagen die Wahrheit heraus. Ähnlich wie in “Lie to me”, aber bei ihm ist es mehr Intuition und Beobachtungsgabe, weniger wissenschaftlich wie bei “Lie to me”. Bei ihm muss man ständig schmunzeln, weil er in seiner kindlich-verspielten Art oft rumblödelt und sein Team fast irre wird wegen seiner unorthodoxen Art. Seine Fähigkeit hat er deshalb, weil sein Vater ihn schon als Kind darauf trainiert hat um mit ihm als “Hellseher” Leute auszunehmen. Sein Talent, Gefühle in Menschen zu erfühlen, machte ihn zu einer Goldgrube. Aber damit ist jetzt schluss, nun arbeitet er für die Polizei. Aber die Serie hat auch eine dunkle Seite, denn vor vielen Jahren als er auf der Jagd nach dem Serienmörder “Red John” war, ermordete dieser seine Familie. Seit da jagt er einerseits diesen Red John oder irgendwie auch umgekehrt und so hat er auch düstere Momente. Das macht diese Figur sehr spannend, einerseits dieser kindlich-verspielte Scherzkecks, der immer lächelt, immer Blödsinn im Kopf hat und doch in wenigen Momenten taucht Schmerz in seinem Gesicht auf, dass man die Luft anhält.
Video-Trailer Mentalist

Life
In der Serie Life geht es um den Polizisten Charlie Crews, der wegen dreifachem Mord zwölf Jahre im Gefängnis war, dort unzählige Male von Gefangenen angegriffen wurde und dutzende von Stichverletzungen davon trug. Aber er war unschuldig, Leute aus dem eigenen Umfeld hatten ihn reingelegt. Dort im Knast wurde er ziemlich seltsam, schützte sich mit Zen Buddhismus und gewann eine sehr unorthodoxe Denkweise. Nach seiner Rehabilitation bekam er nicht nur eine millionenschwere Abfindung sondern auch seinen Job zurück. Einerseits recherchiert er heimlich an der Frage, wer ihn reingelegt hat, anderseits löst er mit einem faszinierenden Spürsinn Kriminalfälle. Vorallem aber hat er einen total schrägen Humor, eben gerade wegen seiner Zen Sache und stösst er seine Partnerin und den Rest des Departements immer wieder vor den Kopf. Und doch ist er sowas von gut, dass sie nicht ohne ihn sein können.
Musikvideo zu Life

Dexter
Der Spezialist für Blutspuren Dexter Morgan hat noch eine zweite Seite, er ist Serienmörder. Nachdem seine Mutter vor seinen Augen ermordet wurde als er ein kleines Kind war, ist er traumatisiert und ein Drang zum Töten wuchs in ihm. Sein Pflegevater, ein Polizist, erkannte das und weil ihm klar war, dass er Dexter nicht aufhalten könnte, lernte er ihn einen Kodex, dass er nur “böse Menschen” töten darf. Das hat er verinnerlicht und führt so nun ein bizarres Doppelleben. Tagsüber arbeitet er als Polizist in der Spurensicherung und nachts jagt er Mörder, die dem Gesetz durch die Maschen schlüpften und entsorgt sie fein säuberlich zerlegt und verpackt im Meer. Dieses Doppelleben allein hat schon eine enorme Spannung, vorallem bizarr ist es aber, weil man oft seine Gedanken hört und miterlebt, wie er immer mal wieder erfreut fasziniert ist wenn er Tatorte betritt und “die Arbeit” des Täters bewundert, anderseits ist man vor den Kopf gestossen wenn er sich Gedanken darüber macht, wie unverständlich es ihm ist, dass andere Menschen etwas fühlen, denn er fühlt nichts, nie. Die Serie hat neben der Spannung einen ganz skurilen Humor, so dass man zwischen Schaudern und Kichern hinundher gerissen ist.
Video-Trailer Dexter

Navy CIS
Die amerikanische Marine hat eine eigene Polizei, die Navi CIS heisst, so eine Art FBI des Militärs. Eigentlich wärs ja nur eine von vielen Krimiserien im Stil von ermitteln, spurensichern, verhaften, rumballern, aber NCIS wird zum Hochgenuss wegen der genialen Charaktere (wie eigentlich alle Serien die ich so mag) und in dieser Serie sind gleich mehere Hauptdarsteller der Hit. Mein Liebling ist Ziva David, eine ehemalige Mossad Agentin, Verhörspezialistin der grusligen Art und Nahkampfexpertin, sie verklopft immer mal wieder hühnenhafte Marines, amüsiert die Zuschauer mit Sprüchen im Stil von “Chef, Du weisst schon, dass ich noch niemals jemanden verhört habe ohne ihn zu verletzen?” und bietet zusätzliche Kichereien weil sie ständig Worte missversteht oder falsche Worte verwendet, was total ulkig ist. Meine nächste Favoritin ist Abigail „Abby“ Sciuto, eine Computerspezialistin und Laborratte, die vorallem auffällt weil sie ständig im Gothic-Look rumläuft, was in einem Polizeiumfeld schon grad arg lustig ist, ausserdem hat sie so eine lustig-liebesbedürftige und direkte Art, die sie total sympathisch macht. Und dann ist noch der Boss Leroy Jethro Gibbs, der immer alles im Voraus weiss, ein alter hartgesottener Marine, der immer ernst ist und doch meist ein Schmunzeln versteckt. Auch die Anderen vom Team sind spassig, alle blödeln gern rum und verscheissern sich gern gegenseitig. Alles in allem sehr spannend und es gibt viel zu Kichern.
Video-Trailer Tony/Ziva
Video: Sprüche von Abby
Video: Sprüche von Gibbs

Fringe – Grenzfälle des FBI
Eine ganz andere Kategorie ist “Fringe” über eine Sondereinheit, die sich mit Grenzwissenschaften beschäftigt. Die Serie hat einerseits einen roten Faden durch alle Staffeln und entwickelt sich immer weiter und doch taucht fast in jedem Teil ein völlig irres Phänomen auf, das einem Bauklötze staunen lässt. Da gehts um Parallellwelten, Gestaltenwandler und die verrücktesten und undenkbarsten Dinge. Mein Favorit dort ist Walter Bishop, ein Wissenschaftler der genauso genial wie verwirrt und bekloppt ist. Meist unselbstständig wie ein kleines Kind und doch ein Genie. Er bringt den höchsten Humoranteil in diese Serie, aber der grosse Reiz liegt in den verrückten Geschichten und Phänomenen, die einem immer wieder von Neuem überraschen.
Video-Trailer Fringe Trailer

Autopsie – Mysteriöse Todesfälle
Eine ganz andere Sparte ist die Serie “Autopsie“, die eine Art “Aktenzeichen XY” für Hartgesottene ist. Sie zeigen jeweils drei Fälle, die jedoch meist schon geklärt sind. Das Spannende daran ist, dass man die Ermittlung sozusagen mitverfolgen kann und ich meinem Hobby nachgehen kann und bei den gezeigten Verdächtigen versuche herauszufinden, ob die gezeigte Person ins Täterprofil passt. Wie zu Beginn dieses Beitrags erwähnt, habe ich so ein Flair, in Gesichtern zu lesen. Das wird hier sehr spannend, denn jeder Tathergang gibt Rückschlüsse auf das Täterprofil und ich versuch zu erspüren, ob die Leute in dieses Schema passen. Meine Trefferquote verblüfft mich immer wieder und ich hab bis heute nicht rausgefunden, woran ich das erkenne. Aber ich bleib dran, irgendwann find ich’s raus ;-)
Serie-Intro Autopsie

Serien für gelegentliche Unterhaltung
Das wären meine Top-Serien, weiter mag ich noch folgende Serien, sehe die aber nur unregelmässig:

  • The Listener“, von einem telepathisch veranlagten Rettungssanitäter, der versucht, sein telepathisch erlangtes Wissen zum Helfen zu nutzen ohne dass jemand merkt, wie er das gemacht hat.
  • True Calling“, eine Studentin die Teilzeit in einer Pathologie macht und immer wieder wenn neue frisch Verstorbene gebracht werden, öffnen diese plötzlich die Augen (mich trifft jedes Mal fast der Schlag obwohl ich’s schon kenne) und sagen: “Hilf mir” und dann rutscht sie wie durch ein Zeitloch 24 Stunden in die Vergangenheit und versucht, diesen Tod aufzuhalten.
  • Medium” handelt von einer Frau, die immer wieder Visionen hat und mit dieser Fähigkeit die örtliche Polizei unterstützt. Auch ganz schön gruselig und zusätzlich noch eine rührende Familiengeschichte mit drin. Ihr Mann braucht einiges an Nerven um sie rum und ihre Tochter entwickelt ähnliche Fähigkeiten, da geht ganz schön die Post ab, in dieser Familie.
  • Ghost Whisperer” handelt von einer Frau, die Verstorbene sehen kann, die den Weg ins Licht nicht finden, sie versucht diesen zu helfen. Auch ganz schön gruselig mit teils heftigen Schockeffekten, wenn sie beispielsweise am Frühstückstisch sitzt und eine Wasserleiche reinspaziert.
  • 24” ist eignetlich eine moralisch sehr fragwürdige Serie, weil sie auf ziemlich hinterlistige Weise Verhörtechniken bis hin zur Folter “sympathisch” macht. Es geht um eine Regierungsabteilung CTU die Terror abwehren soll und der Hauptdarsteller Jack Bauer geht da auch gern mal zu weit. Das Negative ist, dass man sich selbst dabei ertrappt, dass man das was er tut richtig findet, dieses “ich tue Böses um noch Böseres zu verhindern” kommt so nachvollziehbar rüber, dass man es fast für Kriegspropaganda halten könnte. Anderseits ist die Serie sowas von spannend, dass man wie auf Nadeln sitzt und weil ich Spannung liebe, mag ich auch diese Serie trotz des fragwürdigen Inhalts.
  • Die Serien “Twilight Zone” und “X-Factor – da Unfassbare” bringen jeweils mehrere Kurzgeschichten mit unheimlichem Inhalt, die vorallem bei Twilight Zone oft recht spannend sind. Auch da sind immer wieder Leckerbissen für Gruselfans drin.

Fazit – Schaudern muss es
Ihr seht, mein TV-Programm ist ziemlich einseitig, ich mag’s halt einfach, wenn’s mich gruselt und ich mag’s spannend und ich mag’s lustig – diese Sammlung bietet mehr, als ich Zeit habe um sie zu schauen – das reicht :-)

Dianas grammatikalische Anarchie

Mir wird mal wieder bewusst, dass ich so eine Art grammatikalische Anarchie betreibe. Obwohl mir Worte und korrekte Schreibweisen eigentlich viel bedeuten, habe ich seit je her die Eigenart, dass ich eine eigene Beurteilung habe darüber, was korrekt ist und was nicht. Und da unterscheiden sich meine Ansichten deutlich von denen von Duden und Konsorten.

Das ist jetzt wieder arg spürbar, weil ich gerade dran bin, alle Blogbeiträge 2010 fürs Buch aufzuarbeiten und weil ich da etwas mehr Korrektheit möchte, geh ich mit der Rechtschreibung drüber. Aber kurioserweise bin ich mehr daran, das dahinterliegende Wörterbuch mit meinen Kreationen zu füllen, als dass ich meinen Text korrigieren würde – zumindest eben wenn es meiner Logik entspricht.

Eigener Wortschatz
Denn die offiziellen Wörterbücher haben keinen Schimmer von Worten wie:

  1. Zeuchs: ist halt einfach so Zeug
  2. Flugi: ist ein Flugzeug
  3. Gummicolafläschchen: kennt jedes Kind aber kein Duden
  4. Blogtagebuch: muss man kennen, oder?
  5. Dumpfbacke: noch nie “eine schrecklich nette Familie” gesehen?
  6. GaOp: ok das ist Insider-Kram
  7. Kram: ist irgendwie wie Zeuchs nur irgendwie anders
  8. Glubschaugen: stellt mich vor n’Schuhladen und seht in mein Gesicht
  9. Psychiatriesekte: Ihr wisst schon, die Faktenresistenten
  10. Faktenresistenz: na eben die Ignoranten der obigen Sekte
  11. stöckeln: wir Mädels kennen das, nicht?

Artikulations- und Emotionalisierungsworte
Aber nicht nur, dass ich über einen eigenen Wortschatz verfüge, diese Duden kennen auch keine Artikulationsworte, wie ich sie so gern benütze und wie sie im Internet verbreitet sind wie beispielsweise *gacker*, *lächel*, *staun*, *wieher*, *kreisch*

Auch Emotionalisierungsworte (habsch soeben erfunden) kennen die nicht wie beispielsweise Jauh, boah, öhm, äh, Wow und so.

Philosophie und Blödelkram
Dramatisch wirds für das Korrekturprogramm, wenn ich philosophisch werde, das Ding ist völlig überfordert mit Umschreibungen wie realitätsresistent, empathielos, testosterongeschwängert………

Und wenn ich dann noch rumalbere, dann ist das Programm völlig ratlos, beispielsweise wenn ich vom Rausguckdings rede oder so.

Überflüssige Wort-Endungen
Juliet weiss als Norddeutsche besser als ich, dass Wortendungen eigentlich Tüdelkram sind, die braucht einfach niemand. Norddeutsche lassen deshalb diese Zierbuchstaben am Schluss weg und ich tu’s auch so. Ich gehe nicht, ich geh. Ich denke nicht, ich denk. Manchmal denke ich auch, aber oft denk ich nur – denk ich mal.

Dasselbe gilt für beschleunigte Artikel, also n’Mädel ist ein Mädel und so. Naja, dass das Programm nicht weiss, was ein Mädel ist, brauche ich nicht mehr gross zu betonen, das Ding hat echt null Ahnung :-)

Komma-Akrobatik
Was das Rechtschreib-Programm aber nicht merkt, ist meine Art, ganz viele Teilsätze aneinanderzureihen und so einen riesigen Satz zu machen. Das ist bei mir Stilmittel – echt wahr. Ich mach das oft bei sich steigernden Aufzählungen oder wenn mehrer Sätze für mich in einen einzigen Gedanken hinein gehören. Ist wie in der klassischen Musik, da darf’s auch mal episch werden ;-)

Und bekloppte Kamele
Ausserdem mag ich KamelHöckerSchrift, anstatt sinnlos Zeit und Platz zu vergeuden mit ollen Bindenstrichen, kann man einzelne Wortteile von zusammengesetzten Worten auch mittels Hochstellung der ersten Buchstabens jedes Wortteils optisch prägnanter darstellen. Boah das klang jetzt klug, was? Jedenfalls zeigt sich so beispielsweise viel eingänglicher, dass eine TransFrau genauso wie eine HausFrau eine gemeinsame Basis haben, ich weiss nicht, ich find’s irgendwie halt auch einfach hübsch so :-)

Beeindruckend, nicht?
Auf jeden Fall zeigt sich in aller Deutlichkeit, dass ich eine ungeheure Bereicherung für die deutsche Sprache bin und die Sprache geradezu revolutioniere. Dafür gehörte mir eigentlich ein Friedensnobelpreis verliehen, aber man kennt das ja, Undank ist der Weltenlohn ;-)

Widerspruch abgesprochen
Und wer mir jetzt vorwerfen will, ich würde Schindluder treiben mit der Sprache, dem sei gesagt: Wenn sich die Sprache nicht ständig weiter entwickelt hätte, würden wir uns heute noch Bananen an den Kopf werfen. Ich bin also sozuagen nur Teil einer grammatikalischen Evolution, das wird schon korrekt sein so :D

Diana eröffnet den Sommer – Zelebrierung der Weiblichkeit

Zugegeben, manchmal übertreib ich’s ja schon ein wenig und bin ein bisschen oversexed unterwegs, Tendenz steigend. Aber kann man mir das verübeln? Und wenn ja, warum müsste mich das interessieren? Vier Jahrzehnte musste ich diese ollen Jeans tragen, musste die anderen Mädels beneiden, weil sie im Gegensatz zu mir bunt rumstöckeln durften. Mal Hand aufs Herz Mädels, wenn Ihr vier Jahrzehnte nur Jungskram hättet tragen dürfen, würdet Ihr nun nicht auch total ausbrechen und die neue Freiheit geniessen auf Teufel komm raus? Ich tu’s und ich hab ne Menge Spass dabei :-)

Gerade heute ist mal wieder so ein Tag. In Anbetracht der heute angesagten 19 Grad, des blauen Himmels und der strahlenden Sonne und nicht zuletzt des soeben von Bonprix erworbenen Sommerkleids konnte ich einfach nicht anders als jegliche Vernunft abschalten und offiziell den Sommer zu verkünden. Es sei März, sagt man, der Frühling würde beginnen, wird behauptet – ach was, die haben einfach alle keine Ahnung, heute hat der Sommer angefangen, ich muss das wissen, Diana ist schliesslich eine Naturgöttin ;-)

Und so hab ich halt aller Vernunft zum Trotz heute dieses sooooooo hübsche und bunte Kleid aus dem Schrank geholt, dieses mit leicht glänzenden Feinstrumpfhosen garniert und mit grauen Pumps veredelt. In der Firma kam dann auch prompt die Bemerkung, meine Kleider würden immer kürzer. Stimmt gar nicht, kürzer wie heute geht nämlich gar nicht mehr, ätsch :D Aber immer wenn ich auf die Spiegeltür zulaufe muss ich doch gestehen, dass es etwas arg kurz ist, eigentlich zu kurz, aber ey, es ist Sommer, 19 Grad und das Kleid ist neu, noch nie getragen, wie könnte ich da anders.

Schon gestern als ich mir vornahm, heute den Sommer zu eröffnen, war ich den ganzen Tag total aufgedreht. Es ist erstaunlich, was das in mir auslösen kann. Einmal mehr wird mir klar, wie sehr ich die Weiblichkeit zelebriere. Ich habe da so ein enormes Nachhol-Bedürfnis, dass ich total aufblühe, wenn ich mal wieder einen draufsetzen kann. Ich glaub es dürfte schwer werden, Frauen zu finden, die so Mädelskram so sehr lieben wie ich. Für die Meisten ist das alles völlig normales Zeugs, halt einfach Klamotten, mal schöner, mal weniger schön, aber schlussendlich doch Klamotten. Bei mir ist das anders, für mich ist jeder Tag an dem ich mich so auftüdle ein Triumph über das Schicksal, da werde ich zum lebenden Beweis dafür, dass ich nun wirklich frei bin und mich selbst sein und entfalten kann.

Das mag manchmal etwas überbordende Auswüchse annehmen, das gebe ich zu. Aber diese neuen Ausdrucksmöglichkeiten geben mir soviel Lebenslust, dass die neu entdeckte Lebensfreude oft grösser ist als jegliche Vernunft. Vernünftig war ich vier Jahrzehnte lang – naja mehr oder weniger – aber nun habe ich endlich die Möglichkeit, darf endlich so aussehen wie es mir gefällt – ich müsste völlig verblödet sein, wenn ich mir das jetzt nicht gönnen würde. Klar werden irgendwann auch wieder Zeiten kommen, in denen ich die Vorzüge von Jeans und T-Shirt neu entdecke, aber vorerst ist das Vakuum in mir viel zu gross, als dass ich mich da reinzwängen könnte.

Und wer nun all meiner Begeisterung zum Trotz behaupten will, dieses Kleid sei zu kurz, dem kann ich nur eines entgegenen:

Nein, das Kleid ist nicht zu kurz,
nur die Beine sind etwas zu lang ;-)

PS: bei dieser Gelegenheit habe ich heute den Sitzring in die Ferien geschickt, der resp. die daraus resultierende Sitzhaltung passt nun wirklich nicht zu so schönen Kleidern. Und mit Freude durfte ich feststellen, ich brauch den tatsächlich nicht mehr, auch stundenlanges Sitzen ist kein Problem mehr, langsam aber sicher bin ich wirklich ganz :-)

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