Politically incorrect since 1966

AKW-Sicherheit – Das Lügengebäude der Atomlobby

Wer bei der Sicherheit von Atomkraftwerken keine Kompromisse machen will,
darf Kernenergie gar nicht erst nutzen.
Wer sie doch betreibt,
ignoriert ihr Risiko für uns und Zehntausende weitere Generationen.
Financial Times

Erst vor wenigen Wochen habe ich anlässlich der Mühleberg Abstimmung hier die Frage gestellt und wie ich hoffe beantwortet: Braucht die Schweiz ein neues AKW und verwies dort unter Anderem auf einen alten Blogbeitrag der eine Reihe von AKW-Störfällen auflistete – und nun, wenige Wochen später, ist es wieder soweit – einmal mehr.

Grund genug, nochmal auf die Frage einzugehen, ob Atomkraftwerke wirklich so sicher sind, wie uns die Heerscharen an Lobbyisten der Atomindustrie ständig einzureden versuchen. Betrachten wir mal, wie die Atomindustrie und ihre AKW-Lobbyisten uns jahrzehntelang systematisch belogen wurden………

AKW sind sicher, ein Reaktorunfall ist nur alle 10’000 Jahre möglich, hiess es zu Beginn des Atom-Desasters – doch es kam anders – immer wieder.

  • Am 21. Januar 1969 kam es im schweizerischen Versuchsatomkraftwerk Lucens zu einer partiellen Kernschmelze. Ach das ist nur ein Versuchsreaktor, bei richtigen AKWs kann das nicht geschehen.
  • Am 17. Oktober 1969 kam es im französischen AKW in Saint-Laurent zu einer partiellen Kernschmelze, der Reaktor wurde im gleichen Jahr stillgelegt. Ach aller Anfang ist schwer, hiess es da wohl.
  • Am 22. Februar 1977 kam es im slowakischen Kernkraftwerk Bohunice zu einer Kernschmelze. Ach wen interessiert schon was in der Slowakei geschieht, dachte man da wohl.
  • Am 28. März 1979 kam es im Kernkraftwerks Three Mile Island im amerikanischen Harrisburg zu einer totalen Kernschmelze, weil zu spät bemerkt wurde, dass das Notkühlsystem nicht funktionierte. Die Kernschmelze stoppte jedoch während dem Durchfressen des Reaktorkernmantels, was man ja als Erfolg verbuchen kann, sogar Kernschmelzen haben wir im Griff, cool was?
  • Am 26. April 1986 kam es im Atomkraftwerk in Tschernobyl zur totalen Kernschmelze samt Wasserstoffexplosion, die ganze Umgebung wurde kilometerweise totalverseucht, radioaktive Strahlung verteilte sich über ganz Europa (und ist heute noch beispielsweise in hiesigen Pilzen messbar), zehntausende von Menschen starben in den Folgejahren an Krebs. Ach diese russischen AKWs sind halt nicht so gut wie unsere, wir haben viel bessere Sicherheitsmassnahmen, es war menschliches Versagen, bei uns könnte das nie geschehen.
  • Am 12. März 2010 kam es in mehreren Reaktorblöcken im japanischen AKW Fukushima-Daiichi zu einer Reihe von unkontrollierbaren Reaktorkatastrophen. Ausgelöst wurden die Katastrophen durch ein Erdbeben gefolgt von einem Tsunami, infolgedessen es so wie es momentan gerade aussieht in mehreren Atomkraftwerken zu Kernschmelzen kam. Das Ausmass ist noch nicht abzuschätzen, weil die betroffenen Reaktoren nachwievor ausser Kontrolle sind. Dies obwohl gerade japanische AKWs den höchsten Sicherheitsstandard haben für Erdbebenfolgen.

Achja, da waren ja noch ein paar “kleine Kernschmelzen”

  • Am 12. Dezember 1952 im NRX-Reaktor in Ontario, Kanada
  • Im Jahr 1955 in Idaho, USA, im Experimental Breeder Reactor I (EBR-I)
  • Am 10. Oktober 1957 in Windscale (siehe Windscale-Brand)
  • Im Juli 1959 im Santa Susana Field Laboratory, Kalifornien, USA
  • Am 3. Januar 1961 beim militärischen Forschungsreaktor SL-1 (Stationary Low-Power Reactor Number One), Idaho Falls,
  • Am 5. Oktober 1966 im Prototyp des Schnellen Brüters ‘Enrico Fermi 1′ in Michigan, USA

Und wer immer noch nicht genug hat, findet hier noch weitere Störfälle in Atomkraftwerken.

Drei totale Kernschmelzen, drei partielle Kernschmelzen und ein ganzes Rudel von Störfällen, die mit etwas Glück doch nicht zum AKW-Unfall wurden? Alle 10’000 Jahre ein AKW-Unfall? Drei und Drei und ein Rudel in einem halben Jahrzehnt – irgendwie kapier ich diese Rechnung nicht.

Atomkraftwerke sind sicher, wir können den Super-GAU ausschliessen, das verspricht man uns seit Beginn bis heute. Obwohl ja angeblich alles im Griff ist, sind Atomkraftwerke seltsamerweise nicht mal zu 1% versichert. Ein Schadenfall in der Schweiz wird auf 4’000 Milliarden geschätzt, 1,8 Milliarden sind versichert, der Rest des angeblich nicht existierenden Risikos werden gegebenenfalls wir bezahlen, was pro Kopf rund eine halbe Million Franken ausmachen wird. Soviel ist sicher – immerhin da bietet Atomenergie Sicherheit.

Gesamthaft gesehen erleben wir seit Jahrzehnten immer dasselbe Muster. Man behauptet, Atomkraftwerke seien kontrollierbar, Risiken könnten nahezu ausgeschlossen werden, man hätte höchste Sicherheitsmassnahmen ergriffen. Und immer wieder kracht es, immer findet man neue Ausreden, warum es ausgerechnet dort gekracht hat und versichert, dass das bei uns natürlich nicht passieren kann…….. Warum nicht? Erdbeben gibt es auch bei uns, selten aber unter Umständen nicht weniger heftig. Menschliches Versagen gibt es auch bei uns, wir sind ja nicht unfehlbar. Und Systemfehler kann ebenfalls niemand mit Sicherheit verhindern. Auch hier gibt es Überschwemmungen die Notstromaggregate ersäufen können. Auch hier können Terroristen zuschlagen und auch hier stürzen ab und zu mal Flugzeuge ab. Die Risiken waren seit je her da und sie werden für immer bleiben, solange bis wir mit diesem grössenwahnsinnigen Irrsinn aufhören.

Wir müssten mit dem Restrisiko leben – sagt man uns lapidar – das Restrisiko, das beispielsweise hier in der Schweiz das halbe Land mit einem Schlag unbewohnbar machen kann (wir rutschen gern alle noch etwas zusammen), tausende von Toten, tausende von Milliarden Kosten……….. da ist das Wort “Restrisiko” schon etwas zynisch.

Nein, wir müssen nicht mit dem Restrisiko leben – aber wir müssen mit dem Restrisiko sterben, falls sich auch bei uns einer dieser Schrott-Reaktoren nicht an die lustigen Wahrscheinlichkeitsberechnungen der Atomindustrie hält.

Alternativen gibt es zu Genüge, die Frage ist nicht ob wir ohne Atomstrom leben können sondern ob wir es tun. Und das schaffen wir nicht, indem wir erst mal noch zwei Stück bauen und damit diese rund zwanzig Milliarden wieder in diese unkontrollierbare Technik stecken. Die ältesten AKWs können schnell abgeschaltet werden, dann haben wir noch einiges an Zeit bis die “neueren AKWs” auch vom Netz müssen. Bis dahin können wir umgestellt haben, das belegen eine grosse Zahl an Studien wie beispielsweise die “drei Energieszenarien” des Bundes aufzeigen.

Es ist unser Land, über das wir bestimmen können und es ist die Zukunft unserer Kinder, die wir allenfalls gefährden. Wir haben ihnen schon das ganze Desaster der nicht wirklich lösbaren Endlagerung radioaktiver Abfälle hinterlassen, auf Generationen hinaus, wir sollten endlich Verantwortung übernehmen und eine Zukunft bauen, in der wir nicht mehr unsere Kinder töten um selber vermeintlich etwas besser zu leben.

Noch ein wenig Realsatire zum Schluss: Gestern wurde ich um 17 Uhr auf einen Textblock einer berüchtigten Schweizer Atomlobby Website aufmerksam gemacht, in der stand:

“Durch sicheres Bauen und die sorgfältige Wahl des Baugrunds können Kernkraftwerke auch sehr starke Beben ohne wesentliche Schäden überstehen. Das belegen die Erfahrungen aus Japan und Kalifornien, wo vergleichsweise oft schwere Erdbeben auftreten”

Drei Stunden später war der Text gelöscht. Das war dann wohl auch für die Atomindustrie ein Schuss zuviel an Surrealismus. Aber es stellt sich schon die Frage: Wenn die Atomlobby bisher behauptete, die Erfahrungen mit Japan seien ein Beleg für die Sicherheit von Atomanlagen, dann darf fortan auch analog dazu das Umgekehrte als belegt betrachtet werden. In diesem Fall ist es sogar mehr als Theorie, es ist geschehen, im Hier und Heute.

Aber man versichert uns weiterhin, die Schweizer Atomkraftwerke seien sicher. Die sind sowas von sicher, dass sie sogar mit 225 Mängeln noch als sicher eingestuft werden. Mit so einer Mängelliste müsste man mal ein Auto beim Strassenverkehrsamt vorführen, die würden einem für völlig gestört erklären.
225 Mängel! Wie sicher sind Schweizer AKW?

Lesenswerter Artikel über die Lügen der Atomlobby in der FAZ:
Die neun Gemeinplätze des Atomfreunds

Zuguterletzt noch ein guter Kommentar der Financial Times:
Unkalkulierbares Risiko – Super-GAU der Kernenergie

Und zur Frage ob es Alternativen gibt für diese Grossrisikotechnologie:
Beobachter: So schaffen wirs ohne AKWs
Jetzt zählen nur noch erneuerbare Energien

Nachtrag: Diesen Blogbeitrag empfehle ich dringend zum Lesen und vorallem zum Nachdenken – und zum Umdenken:
Weiter, weiter!

Braucht die Schweiz ein neues AKW?

Nachdem die Städte St.Gallen und Bern sich vergangenen November für einen Ausstieg aus der Atomenergie geäussert hat, kam es im Kanton Bern bei der Mühleberg Abstimmung zu einem knappen Ja für ein neues AKW.

Wer sich mit diesem Thema ernsthaft beschäftigt, dem fällt auf, dass der relativ hohe Ja-Stimmen Anteil in all diesen Abstimmungen meist auf Unwissenheit beruhgt und Folge einer grossflächigen Desinformationspropaganda und Angstmacherei ist. Die Atomlobbyisten arbeiten seit Jahren an einer kollektiven Hirnwäsche und hämmern uns mit Lug und Trug ein, dass AKWs sauber seien und ohne AKWs die Lichter ausgehen.

Das ist absoluter Quatsch, warum, möchte ich mal kurz erläutern und vorallem aufzeigen, mit welchen Lügen uns die Atomindustrie diese Hochrisikotechnologie erneut schmackhaft machen will.

1. Lüge: Versorgungssicherheit und Stromlücke
Die beliebteste Lüge der Atomlobby ist die Mär der Stromlücke. Keine Diskussion, in der die AKW-Befürworter immer und immer wieder behaupten, ohne AKWs würden wir eines Morgens aufstehen und die Kaffeemaschine läuft nicht mehr, weil kein Strom mehr da ist. Tatsache ist jedoch, dass es kein autonomes Schweizer Stromnetz gibt, dieser Mythos ist so falsch wie er alt ist. Seit je her findet ein Stromaustausch mit dem Ausland statt. Wir holen billigen Strom aus französischen AKW und deutschen oder italienischen Kohlekraftwerken, füllen damit unsere Stauseen und verkaufen dann zu Hochpreiszeiten den Strom wieder ins Ausland.

Eine Autonomie gab es da nie und wird es nie geben. Wir sind in das europäische Stromnetz eingebunden, der produzierte Strom in ganz Europa wird ins europäische Netz eingespiesen und der benötigte Strom wird dort wieder herausgeholt. In diesem europäischen Stromnetz ist vorläufig mehr als genug Strom vorhanden und viele Länder investieren massiv in erneuerbare Energien, das heisst, der europäische Strommix wird von Jahr zu Jahr sauberer. Selbst wenn der Strom irgendwann knapper werden sollte, wovon in Anbetracht des Investitionsvolumens nicht ausgegangen werden muss, würde der Strom nicht einfach ausgehen sondern lediglich teurer werden. Und die Schweiz wäre garantiert nicht das erste Land, dass es sich leisten könnte. Die Mär, uns würde der Strom ausgehen, ist also eine brandschwarze Lüge, mit der man irrationale Angst schürt und uns damit weichkochen will.

2. Lüge: Sicherheit von AKW
Atomenergie ist eine Hochrisikotechnologie. Die Eintretenswahrscheinlichkeit eines atomaren Super-GAU ist zwar relativ gering, bisher kam es erst in zwei Fällen zu einem Super-GAU, in Tschernobyl und in Harrisburg. Aber die Folgen eines solchen Unfalls sind derart gravierend, dass auch mit kleiner Eintretenswahrscheinlichkeit von einem Hochrisiko gesprochen werden muss. Noch heute sind in Europa erhöhte radioaktive Werte messbar, beispielsweise in Pilzen, die wir dem Reaktorunfall von Tschernobyl verdanken. Die Atomlobby versucht uns weiszumachen, dass so ein Reaktorunfall bei uns niemals möglich wäre, aber das ist blanker Unsinn, weil kein Mensch und kein technisches System auf dieser Welt unfehlbar ist. Menschliches Versagen kann niemals ausgeschlossen werden und technisches Versagen sowieso nicht. Egal wie hoch die Sicherheit angestrebt wird, es kann nie hundertprozentig ausgeschlossen werden, dass uns nicht doch eines Tages so ein Reaktor um die Ohren fliegt. Sollte das der Fall sein, wäre eine Grossteil der Schweiz auf undenkbar lange Zeiten hinaus unbewohnbar. Gerade in einem kleinen Land wie der Schweiz wäre das fatal, weil wir nicht einfach die Hälfte der Bevölkerung in andere Regionen umsiedeln können – es wäre das Ende der Schweiz. Die Atomlobby versucht dieses Risiko zu leugnen, aber die Realität entlarvt ihre Lügerei.

Die Liste von Beinahe-Unfällen in Atomkraftwerken ist so lang, dass sie den Rahmen dieses Beitrags sprengen würde, deshalb verweise ich auf einen alten Blogbeitrag von mir, der zwar auch nur eine kleine Liste von Zwischenfällen aufzeigt, aber es sollte deutlich machen, dass es keine Sicherheit in Atomkraftwerken gibt. Die Frage ist nicht, ob es zu einem Super-GAU kommt, die Frage ist nur wann und wo: AKW Unfälle – AKW Störfälle

Zur Sicherheit/Sauberkeit von Atomreaktoren sei auch noch diese Beiträge und Studien erwähnt:
AKW-Sicherheit – Das Lügengebäude der Atomlobby
Erhöhtes Krebsrisiko in der Umgebung von AKW
Kinder-Krebsrate und Atomkraftwerke
AKW Haftpflicht – nicht einmal 1 Prozent versichert
Der vergessene Schweizer Atom-GAU

3. Lüge: CO2-freier Atomstrom
Da man uns mit neuen AKW faktisch ein nicht vertretbares Risiko andrehen will, muss man sich ein grünes Kleid anziehen, Greenwashing nennt man das in Fachkreisen. So versucht die Atomlobby seit Jahren die Mär zu verbreiten, Atomenergie sei CO2-frei. So vergleicht man dann gern die CO2-Bilanz mit den schlimmsten Stromproduktionen, den Kohlekraftwerken. Das ist Sand in die Augen gestreut, denn niemand redet heute noch davon, dass wir Atomkraftwerke durch Kohlekraftwerke ersetzen, dieser Vergleich ist völlig weltfremd und zeigt wie unlauter die AKW-Propaganda abläuft. Zum Einen wollen AKW-Gegner eben keine Kohlekraftwerke sondern erneuerbare Energien, die dann wirklich sauber und nachhaltig sind und zum Anderen ist Atomstrom eben nicht CO2-frei. Der Betrieb eines Reaktors selbst fördert tatsächlich wenig CO2, aber damit hat es sich eben nicht. Der Uranabbau, Transport der Brennstäbe, Bau und Abbau von Reaktoren bis hin zur noch ungelösten Endlagerung, produzieren eifrig CO2, so dass die Gesamtbilanz alles andere als grün ist. Unter dem Strich produziert Atomstrom doppelt soviel CO2 wie Wasserkraft, wie in nachfolgenenden Links nachzulesen ist. Merkt Euch also, wenn wieder mal ein AKW-Lobbyist sagt, Atomstrom sei CO2-frei, dann belügt er Euch brühwarm.
Neue Studie belegt: Atomkraft ist nicht CO2-frei
Wie CO2-frei sind die AKWs wirklich?

4. Lüge: Erneuerbare Energien sind zu kostspielig
Atomstrom sei ja so günstig, lügt uns die Atomindustrie seit je her vor, was sie uns verschweigt ist unter Anderem, dass der noch relativ tiefe Preis nur deshalb zustande kommt, weil AKW ihre Risiken nicht versichern müssen. Ein Schweizer AKW muss weniger als 1% der Schadenssumme eines Reaktorunfalls versichern! Müsste die Atomindustrie ihre Reaktoren so versichern, wie jeder Schweizer sein Auto, also den Worst-Case Fall abdecken, wäre Atomstrom die mit Abstand teuerste Energieform der Welt. Atomstrom ist faktisch nur deshalb bezahlbar, weil das Risiko ausgelagert wird.
Tagi – AKW-Unfall könnte über 4000 Milliarden kosten
NZZ – Pandoras Atomkraftwerke

Aber es kommt noch dicker, denn einerseits wird erneuerbare Energie aufgrund des Investitionsvolumens von Jahr zu Jahr günstiger, während auf der anderen Seite aufgrund der zuneige gehenden Uranvorräte die Brennelemente für AKW jährlich teurer werden. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis die Bilanz kippt und so wären wir gut beraten, in die Zukunft zu schauen wenn es darum geht, in welche Technologie wir diese Milliarden stecken, die wir in den nächsten Jahrzehnten investieren müssen.
UNEP-Bericht: Investitionsboom in Erneuerbare Energien – Alternative zu Atomenergie

5. Lüge: Erneuerbare Energien sind nicht effizient genug
Um uns diese Risikotechnologie wider aller Vernunft doch noch anzudrehen, wird nach üblich politischem Muster vorgegangen, man diffamiert den Gegner resp. in diesem Fall die konkurierende Technologie. Erneuerbare Energie sei nicht effizient genug, wird uns gebetsmühlenartig vorgepredigt. Auch da zeigt sich die Rückwärtsgewandtheit der Stromindustrie, denn die Effizienz von erneuerbaren Energien nimmt von Jahr zu Jahr zu. Die Wirksamkeit von Solarstrom hat sich beispielsweise im Vergleich zur Anfangszeit verzehnfacht und neue Technologieformen werden erfunden, eine nach der Anderen. Solarenergie, Windenergie, Biomasse, Geothermie, Gezeitenkraftwerke, herkömmliche Wasserkraft, die Liste von Technologien ist riesig und die Effizienz nimmt von Generation zu Generation zu. Es ist eine Frage der Investitionen, je mehr wir in diese Technologien investieren, umso effizientere Methoden werden gefunden. Aber solange wir die ganzen Entwicklungsgelder weiterhin in Atomenergie stecken, werden wir die Ziele nicht erreichen, hier braucht es den Willen zur Veränderung. Die Technologien sind da, es liegt an uns, in diese zu investieren.
Effizient Strom produzieren
Jetzt zählen nur noch erneuerbare Energien

6. Lüge: Wiederaufarbeitung = Recycling?
Die Atombefürworter behaupten gerne, sie würden Recycling betreiben mit der sogenannten Wiederaufarbeitung von Brennstäben. Was sie dabei verschweigen ist einerseits, dass sie zwar tatsächlich ein wenig Material wiederverwenden können, dass aber das Volumen des Abfalls dabei massiv vergrössert wird und mit den Castor-Transporten nach LaHague und Sellafield weitere Risiken eingegangen werden. Viel schlimmer ist jedoch die gern verschwiegene Tatsache, dass diese sogenannten Wiederaufbereitungsanlagen sowohl in LaHague als auch in Sellafield die Umwelt massiv verseuchen. Infolgedessen ist beispielsweise in der Umgebung von Sellafield die Kinderleukämierate zehn mal höher als im Landesdurchschnitt und in ganz England konnte in Milchzähnen von Kindern Plutonium nachgewiesen werden, das nur in der Wiederaufarbeitung entsteht. Diese sogenannte Wiederarbereitung diente nie dem Recycling sondern militärischen Zwecken, weil man nur so waffenfähiges Plutonium herstellen kann. Wer also im Zusammenhang mit Atomenergie von Recycling spricht, ist ein brutaler Zyniker, weil er die Verseuchung und Krankmachung von Mensch und Umwelt als ökologisch sinnvoll darstellt.
Kinder-Krebsrate und Atomkraftwerke

7. Lüge: Es gibt kein sowohl-als-auch
Die scheniheiligste Lüge ist jedoch die sowohl-als-auch Lüge. Kein Atomlobbyist der nicht blauäugig behauptet, er sei ja total für erneuerbare Energien, er wolle nur neue Atomkraftwerke als Übergangslösung, in der Zwischenzeit könnten wir dann die Stromproduktion mit erneuerbaren Energien aufbauen. Joh ist klaaaaaar, wir sind ja blöd genug das zu glauben. Wenn wir neue Atomreaktoren hinklotzen, haben wir soviel Strom, dass schlicht und ergreifend kein Bedarf mehr da ist für erneuerbare Energien, das heisst, es gibt keinen Anreiz mehr, in diese zu investieren. Hinzu kommt, dass der Bau eines neuen AKWs je nach Schätzung oder Lügerei zwischen 5 und 10 Milliarden kostet, dieses Geld ist dann weg, es steht nicht mehr zur Verfügung für Investitionen in erneuerbare Energien. Es gibt eben kein sowohl als auch, es gibt nur ein entweder oder, weil wir dasselbe Geld nicht zweimal zur Verfügung haben. Die Atomlobbyisten wissen das ganz genau, aber sie halten uns für naiv genug, dass wir ihnen diese Mär abkaufen. Schlussendlich hat das Stimmvolk die Entscheidungsmacht. Entweder wir geben ihnen einen Freibrief für eine Wiederholung des AKW-Risikos oder wir zwingen sie, ihre Milliarden andersweitig zu investieren. Beides können wir nicht haben. Wenn das Volk Ja sagt zu einem neuen AKW, dann wird die nächsten 50-60 Jahre kein Geld mehr in erneuerbare Energie investiert……… und in 50 Jahren werden sie uns dann wieder sagen, wir bräuchten ein neues AKW als Übergangslösung.

Die Propaganda-Heuschrecken der Atom-Lobby
Wie systematisch die Hirnwäsche der Stromproduzenten ist, zeigt sich, wenn man ihren Lobbyisten mal auf die Finger schaut. Einerseits ist etwa ein Drittel unseres Parlaments mit der Atomindustrie verbunden, keine Industrie in der Schweiz hat soviele Lobbyisten und Lakaien in der Regierung wie die Atomindustrie. Ausserdem verfügt die Atomindustrie über ein riesiges Netzwerk von Propaganda-Organisationen wie beispielsweise die AVES, die sich ironischerweise “Aktion vernünftige Energiepolitik Schweiz” nennt und sich den Anschein geben möchte, ein neutrales Forum zu sein – wie auch das Nuklearforum und wie sie alle heissen. Finanziert werden diese Organisationen von der Atomindustrie. Wer wie ich jahrelang Leserbriefspalten im Auge hat, staunt Bauklötze, wieviele Leserbriefe von angeblich privaten Leuten da auftauchen, die nach kurzer Recherche als Handlanger ebendieser Organisationen erkennbar werden. Ich könnte hier eine ganze Reihe von Lobbyisten aufzählen, die ich mittlerweile namentlich kenne, die jahrein jahraus Leserbriefspalten und Diskussionsforen mit ihrem Gewäsch fluten, ohne je zuzugeben, dass sie im Dienste dieser Organisationen schreiben. Auch die Gentech-Industrie verfügt über solche Netzwerke, auch bei diesen kenne ich eine Reihe von Namen, die immer wieder auftauchen. Aber was die Atomindustrie hier abzieht, ist einmalig in diesem Land und es zeigt, mit welch unlauteren Mitteln sie agieren.
Schwarze Liste von Energieorganisationen in der Schweiz
Beobacher: Die Atomlobby macht Dampf
Tagi – Die Atomlobby hat das Parlament fest im Griff

Lesenswerter Artikel über die Lügen der Atomlobby in der FAZ:
Die neun Gemeinplätze des Atomfreunds

Und das Wichtigste zum Schluss, ein Ausstieg resp. Umstieg auf erneuerbare Energien ist möglich, wie beschreibt der Beobachter:
Beobachter: So schaffen wirs ohne AKWs

So, damit schliesse ich für heute und warte nun gespannt auf die Heuschrecken, die hier ihre Standard-Textchen deponieren ;-)

Nachtrag: Fortsetzung dieses Themas hier:
AKW-Sicherheit – Das Lügengebäude der Atomlobby

Das Kapitel Ökologisches

Unser kollektives Ego schmeichelt sich
in narzistischer Selbstbespiegelung mit dem Gedanken,
wir seien die Krone der Schöpfung,
die einzig intelligenten Lebewesen.
Dem ist aber nicht so!
(Wolf-Dieter Storl)

Umweltschutz war mir ein Leben lang ein grosses Anliegen. Schon als Kind erschreckte mich die Art wie wir die Umwelt zerstören und schon damals waren Greenpeace Aktivisten meine grossen Vorbilder. Viele Jahre war ich dann bei Greenpeace als Aktivistin aktiv, schrieb hunderte von Leserbriefen, engagierte mich in Abstimmungskommitees, diskutierte in Foren und vieles mehr. Im Rahmen dieser Aktivitäten führte ich mein erstes Blog, das RainbowNet-Blog, in dem ich ursprünglich vorallem über ökologische Themen schrieb, im Verlauf der Zeit jedoch mehr über politische Themen.

Die letzten Jahre musste ich diese Themen etwas vernachlässigen, die Behandlung meiner Transsexualität erforderte all meine Kraft und so blieb keine Energie mehr für diese Themen, die mir nachwievor wichtig sind. Trotzdem war ich immer wieder schockiert über das Unwissen oder viel mehr die Ignoranz einer gesellschaftlichen Mehrheit, die selbst einen möglichen Klimakollaps mit einem kalten Lächeln quittiert. Noch mehr erschreckte mich, immer wieder zu erleben, wie Lobbyisten ökologische Themen platt walzen.

In diesem Kapitel möchte ich über so Themen wie Atomenergie, Gentechchnologie, Klimawandel und sonstige Umwelt- oder Tierschutzthemen reden und vorallem die Lügen der Propagandisten und ihren politischen Lakaien aufdecken. Das RainbowNet-Blog ist seit Jahren geschlossen – hier darf es wieder ein wenig aufleuchten.

Am Ende vernichtete der Mensch Himmel und Erde.
Und die Erde war wüst und leer, und es war finster in der Tiefe.
Und der letzte Mensch schrie: ‘Es werde Licht!’
Aber es blieb dunkel.
So ward aus einem Abend ohne Morgen die letzte Nacht.
(Michael Ende – Der Spiegel im Spiegel)

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