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Dianas Hirnzerfall beim Schuhkauf

Wir sollten uns mal wieder über die wirklich wichtigen Dinge ein paar Gedanken machen, beispielsweise das Mysteriums des weiblichen Schuhladenbesuchs und im speziellen der merkwürdigen Tatsache Aufmerksamkeit schenken, dass bei mir beim Schuhkauf regelmässig und mit an Sicherheit grenzenden Wahrscheinlichkeit der Verstand komplett aussetzt…….. denn das hat sehr sehr seltsame Konsequenzen……..

Ich bin ja eigentlich keine Schuhfetischistin im herkömmlichen Sinn, ich hab kaum wirklich exklusive Schuhe sondern stehe im wahrsten Sinn des Wortes vorallem auf so klassische Pumps – idealerweise mit gut gangbarer Absatzhöhe von 6-8cm für den Alltag und höchstens 10cm für besondere Anlässe. Mein Problem kommt eher daher, dass ich einfach sehr klare Vorstellungen habe von einem guten und schönen Schuh. Ist er zu hoch, tun die Füsse weh, zu tief hab ich immer das Gefühl hinten rauszukippen, ist er zu eng, tun die Füsse wieder weh, ist er zuwenig eng, hat man damit keinen Halt und stöckelt wie eine sturzbetrunkene Giraffe, er darf nicht zu spitz sein, bei den Fussballen nicht zu eng und und und…… und dann braucht man sowas in schwarz für dunkle Kleider, in beige für helle Kleider, in braun und in grau und in weiss und und und……… und dann kommt der Winter und der ganze Quatsch geht mit Stiefeln wieder von vorne los *seufz*

Des Mädels heiliger Gral

So kommt es, dass die Jagd auf “den richtigen Schuh” Formen angenommen hat, die vergleichbar sind mit der einstigen Suche der Kreuzritter nach dem heiligen Gral – auch sie haben ihn nie gefunden – ich aber bleibe dran ;-) Aber es ist schon auch so, dass ich so Pumps wirklich schön finde und sie in meinen Augen das Gesamtbild eines elegant-berockten Mädels abrunden wie ein Diamant einen Ring *malscheinbarzufälligzuschatzirüberguckt*. Soviel mal als Voraberklärung, damit man sich die dahinterliegende Dramatik etwas vorstellen kann. Nun zum eigentlichen Thema, was diese wie ferngesteuert wirkende Suche nach dem heiligen Schuh für Auswirkungen hat.

Wer sucht, der findet, das sagte schon Jesus und die Kreuzritter glaubten es auch, ich auch – und ich kann sogar bestätigen, dass das wirklich stimmt. Fast immer, wenn ich einen bestimmten Schuh suche, finde ich auch innert kürzester Zeit einen bestimmten Schuh, echt wahr! Ok es ist nie der, den ich gesucht habe, aber es ist garantiert ein Schuh, den ich unbedingt noch brauchte. Juliet meckert dann zwar meist rum, ich hätte genau so einen doch schon, aber mir gehen dann die Argumente nie aus um einleuchtend zu erklären, weshalb dieser Schuh was völlig Anderes sei, weil er vielleicht 0.5cm höher oder tiefer ist, etwas weniger spitz, ein etwas helleres beige als der hellbeige Schuh den ich schon hab. Naja, so richtig begreifen tut sie’s meist nicht, aber das ändert in der Regel nichts daran, dass ich hinausziehe um ein paar Schuhe zu kaufen und dann mit zwei paar Schuhen wieder heimkomme – ohne die wirklich gesuchten Schuhe gefunden zu haben – worauf ich natürlich beim nächsten Schuhladen gleich wieder einen Ausfallschritt mache und mit quieckenden Geräuschen durch die Regale stöckle…………

Das hat nur noch wenig mit Vernunft zu tun, ich geb’s zu, eigentlich hat es gar nichts mit Vernunft zu tun, genau genommen isses sogar total bekloppt. Und so mag es erstaunen, dass das eigentlich erst die Spitze des Eisbergs ist, denn wie ausgeklinkt mein Verstand ist, zeigt etwas ganz Anderes, etwas das sogar mir ein wenig unheimlich ist.

Wissen schützt vor Torheit nicht

Wenn ich wie so oft “die Schuhe meines Lebens” gefunden habe, eben die, die nicht die sind, die ich gesucht habe, dann gerät Dian’chen in eine beängstigende Euphorie. Wie das Kleinkind vor dem Weihnachtsbaum, aufgeregt, für keine logischen Gedanken mehr zu haben……… und dann läuft das immer, ich betone, immer, genau so ab. Ich schnapp mir Grösse 40, schlüpfe mit dem rechten Fuss rein, stelle fest, dass mein Fuss da drin sitzt wie angegossen und weiss dann mit absoluter Sicherheit, dass der Schuh perfekt ist. Ich weiss mit derselben Bestimmtheit, dass mein linker Fuss verblödeterweise ein klein wenig grösser ist als der Rechte. Aber diese Information wird von meinem Restverstand in so einem Moment nicht mehr korrekt verwertet.

  • Linker Fuss an Grosshirn: “ich bin grösser als der rechte Fuss, wenn’s rechts korrekt sitzt, ist es links viel zu eng”
  • Grosshirn an Fuss: “Klappe, der Schuh passt, wir brauchen Grösse 40, das kommt schon gut”
  • Linker Fuss an Grosshirn: “mach kein Scheiss, wir kennen das zu Genüge, ich leide dann wieder den ganzen Tag”
  • Grosshirn an Fuss: “schweig und stirb wie ein Mann äh ein Fuss, ich weiss genau dass wir Grösse 40 haben und Du hast da gefälligst reinzupassen”

Und am anderen Tag steh ich auf, freu mich auf meinen ersten Auslauf mit den neuen Schuhe, schlüpfe rechts rein und erfreue mich an einem perfekten Sitz, schlüpfe links rein…….. öööööhhhhmmmmm……. versuche links reinzuschlüpfen…….. *hüstel*…….. zwänge und würge diesen verfluchten Fuss in diesen noch verfluchteren Schuh……… verdrehe dabei die Augen, gebe Grunz- und Pfeifflaute von mir, stehe wacklig auf, stöckle wie auf rohen Eiern zur Arbeit…….. und verfluchte den Tag an dem ich schon wieder zu kleine Schuhe gekauft habe und nehme mir vor, nie wieder Schuhe zu kaufen ohne Beide anzuprobieren………. und ich Idiotin glaub mir das dann auch noch.

Und so kommt der Tag, an dem ich wieder an einem Schuhladen vorbeikomme, allem Gezetter von Juliet zum Trotz hineinstürme und………….. *seufz*

Unbeantwortet bleibt das Mysterium um das “Warum”

Ich weiss nicht, warum ich das tue, echt nicht. Aber ich tu’s, immer wieder von Neuem. So wie ich öfters mal mitten in der Nacht eine Tafel Schokolade aus dem Kühlschrank hole und sie neben mir ins Bett lege – nur um ein paar kleine Stückchen zu naschen – um dann am nächsten Morgen neben einer leeren Packung aufzuwachen, ohne n’blassen Schimmer zu haben, wohin zum Kuckuck diese Schokolade verschwunden ist.

Nun wird es wohl wenig überraschen, wenn ich abschiessend noch erwähne, dass es mir bei Kleidern eigentlich ähnlich geht. Ich probier aus Prinzip nie etwas an in Läden, weil ich ja nicht blöd bin und genau, auf den ersten Blick und untrüglich sehe, ob mir etwas passt und selbstverständlich auch, ob es mir steht. Naja, zumindest rede ich mir das jedes Mal von Neuem ein, glaube mir jedes Mal wieder als hätte es all die tausend vorhergehenden Male nicht gegeben. Aber im Gegensatz zu den linken Schuhen habe ich bei Kleidern wenigstens meistens Recht. Ich hab da wirklich ein Auge dafür und so sind meine Kleider-Einkäufe meist auch erfolgreich. Aber das hat vielleicht auch mehr damit zu tun, dass Kleider etwas flexibler sind im wahrsten Sinn des Wortes. Wenn ein Shirt oder noch mehr ein Stretchkleid halt etwas eng ist, dann dehnt sich der Stoff einfach noch etwas mehr. Bei Schuhen funktioniert das nicht, deshalb weiss auch jedes Mädel, dass man immer Beide anprobiert und mindestens einen kleinen Catwalk quer durch den Schuhladen macht. Jedes Mädel weiss das, sogar ich………. nur hilft’s mir irgendwie nicht.

Und so kam es, dass ich auch heute wieder am Arbeitsplatz sass, während mein linker Fuss stundenlang vor sich hinmeckerte, weil ich ebendiese neuen Schuhe wieder trug – zum vierten Mal glaubs – und ich schwöre, auch wenn der linke Fuss jammernderweise anderer Ansicht ist – er passt bereits besser rein, es tut nur noch ein wenig weh – noch ein paar Mal tragen und beide Schuhe passen wie angegossen, sofern der linke Fuss bis dahin noch lebt :-)

3 Reaktionen zu “Dianas Hirnzerfall beim Schuhkauf”

  1. Patricia Peters

    Liebe Diana,

    Gern lese ich immer Ihre Texte, doch ich werte es sehr, dass Sie auch humorvoll und sehr lesbar und interessant schreiben. Viel was Sie schreiben erkenne ich bei mir, doch meine Situation ist doch anders. Dass ich jetz eine Frau bin ist das grosse Glück meines Lebens geworden. Ich schreibe auch darüber, doch mit ein wenig romantischer Uebertreibung. Das lässt sich besser lesen… Doch es ist keine Lüge.
    Viel Glück und freundliche Grüsse von
    Patricia

  2. Ute

    Ach, Schuhe!!! Das ist mir auch früher ständig passiert, daß ich zu kleine Schuhe gekauft habe… und das trotz Anprobe im Laden!! Ich hab mich einfach oft überzeugt, daß sie passen würden, weil ich einfach die Schuhe haben mochte! Und manchmal ja, nach ein bißchen Quälerei hat es auch funktioniert, vor allem mit Turnschuhen. Ofter musst ich aber ganz viel fluchen und sie weiter verkaufen…
    Schuhen sind die beste Freunde und die schlimmste Feinde einer Frau!!! :)

  3. Diana

    @Patricia: aus Deinen Zeilen lese ich ähnliches wie ich selbst durchlebe, wir können endlich nach langer Leidenszeit glücklich sein. Wenn die Menschheit nur schon mal das zur Kenntnis nehmen würde, wäre viel Verständnis möglich.

    @Ute: das Problem sind die Zehen, die ordnen sich einfach nicht so richtig in den Organismus ein, Saupack ;-)

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