Politically incorrect since 1966

Man hat nie genug Schuhe äh Instrumente

Schon oft musste ich energisch betonen, dass eine Frau NIE genug Schuhe hat, das ist für Euch ja nichts Neues. Aber Schuhe sind nicht die einzigen Dingens, von denen man nie genug haben kann, dasselbe gilt nämlich auch für Musikinstrumente. Ihr erinnert Euch vielleicht noch an meine Euphorie letztes Jahr, als ich mir ein elektronisches Cello kaufte, in der wirren Hoffnung, ich könnte das lernen? Naja, konnte ich nicht, aber das soll heute nicht das Thema sein, denn heute möchte ich mein neustes Lieblings-Dingens vorstellen, eine elektrische Gitarre, die ich vorerst mal liebevoll “Fury” (Furie) nenne……. und das kam so……..

….. das wär ein guter Zeitpunkt, Bier und Popcorn zu holen, das dürfte sich mal wieder hinziehen ;-)

Wer mich gut genug kennt, ist bezüglich meiner Schuhleidenschaft äh Musikleidenschaft ja schon öfters verwirrt worden, denn im Laufe meines Lebens habe ich eine beachtliche Anzahl an Instrumenten gekauft, mit mehr oder weniger Erfolg gelernt und dann irgendwann zur Seite gestellt. Das klingt etwas sinnbefreit, aber ich würde nicht einen dieser Käufe bereuen, denn all diese Instrumente bescherten mir unzählige Stunden Lebensfreude und das Musizieren war in vielen Lebensphasen ein unglaublich befreiendes Ventil, durch das ich meine Gefühle umsetzen konnt – selten gut, aber oft mit viel Spass.

Eine zwanzigjährige Reise durch die Welt der Instrumente

Es begann vor einem Vierteljahrhundert mit meiner ersten elektrischen Gitarre, die ich im Alleingang lernte – oder eben auch nicht – und die dann irgendwann abgelöst wurde durch Blues-Harps (Mundharmonika). Diese spielte ich mehrere Jahre, diesmal sogar recht erfolgreich, hatte in dieser Zeit ständig welche in der Jacke und trötete mir bei jeder sich bietenden Gelgenheit das Herz aus dem Leib. Aber irgendwie waren die BluesHarps nicht so ganz das Richtige und so kam dann halt doch irgendwann wieder das Gitarren-Fieber.

Elektrische Gitarren sind abgesehen von aus meiner Sicht nahezu unspielbaren Streichinstrumenten die Königinnen unter den Musikinstrumenten, also kaufte ich mir dann halt eine richtig gute Gitarre, eine königsblaue Levinson Blade. Mit der ging’s dann erstmals so richtig los, ein paar Jahre lang begleitete sie mich, ich nahm sogar lange Zeit Gitarrenunterricht, lernte dabei viel und kam doch irgendwie nie auf einen grünen Zweig. Das Problem dabei war, dass ich – um meinen damaligen Lehrer zu zitieren – die Gitarre in der Hand hielt wie eine Axt. Sei lockerer, ermahnte er mich Woche für Woche, nur um mitzuerleben, wie sich meine Finger noch mehr ins Griffbrett bohrten. Schlussendlich kam es wie es kommen musste, da meine Lernkurve eben aufgrund dieser Verkrampftheit stagnierte, verlor ich die Freude und hatte nun einen weiteren Gegenstand der herumstand.

Während einer Amerikareise kam dann mal noch eine indiansche Flöte dazu (eine red-cedar flute), die aber auch nicht so ganz das Richtige war.

Und dann kam diese ominöse Schottlandreise, die mich mit dem Pipe-Fieber infizierte und so gings dann halt weiter mit einer Great Highland Bagpipe, einem schottischen Dudelsack. Etwa zwei Jahre nahm ich Unterricht in einer Pipes and Drums Band, übte so um die zehn Stunden pro Woche, wurde immer besser und war schlussendlich schon fast Band-tauglich – und dann ging’s mit “meinen Weg” los, der soviel Energie, Zeit und Aufmerksamkeit absorbierte, dass ich die Pipes niederlegen musste – und da liegen sie nun seit diesem Tag.

Tja und dann war eben letztes Jahr das eCello an der Reihe, aber wie befürchtet habe ich mich damit total übernommen, es machte zwar Spass, aber mir fehlt das Talent und die Geduld dazu und ein in der Kindheit gebrochener linker Ringfinger verunmöglichte präzises Spielen, also war wieder ein Instrument bereit für die Ruhmeshalle.

Die eGitarre, die Königin unter den Instrumenten

Aber so ganz ohne Instrument geht es bei mir einfach nicht. Musik ist mein halbes Leben, sei es mit Hören oder sei es eben mit Spielen. Und Letzteres fehlte mir halt einfach schaurig. Und so kam es dann halt, dass es mich wieder packte und diesmal zog es mich nicht zu neuen Ufern sondern wieder back to the roots, zurück zur Gitarre. Nun muss ich kurz erklären, was mich an Gitarren immer so fasziniert hat. Einerseits liebe ich Gitarren, wenn sie so richtig schreien, also im Stil eines Carlos Santana und ähnlichem. Eine Gitarre muss schreien und jaulen, muss weinen und jammern, dann berührt sie mein Herz wie kaum etwas Anderes. Auf der anderen Seite liebe ich Rock-Musik und im speziellen alten Heavy-Metal und im noch spezielleren sogenannten Neoclassical-Metal, das ist eine Art Metal (Hardrock) der sich an klassischer Musik orientiert. Klingt wirr? Isses auch – aber es ist coooooooool und zwar sowas von :-)

Yngwie Malmsteen – der Gitarren-Gott des Neo-Classical

Schon seit einer Ewigkeit bin ich total Fan von einem Schweden namens “Yngwie J. Malmsteen“. Er war zumindest in meiner Wahrnehmung der Erste, der harten Heavy-Metal in perfekter Weise mit Klassik verschmolz. Yngwie spielte schon als Kind täglich stundenlang auf der eGitarre Metal, Bach- und Paganini-Stücke, die selbst für Violinisten eine Herausforderung wären und er spielt diese unglaublich schnellen und schwierigen Songs mit einer noch unglaublicheren Leichtigkeit, die einem einfach in Verzückung geraten lässt. Durch ihn lernte ich eben dieses Neo-Classical kennen und lieben. Wenn jemand ein mir bekanntes und von mir geliebtes Bach-Stück, das eigentlich für Violinen geschrieben wurde, auf einer elektrischen Gitarre hinbrettert, dann krieg ich vor lauter Verzückung Augen wie ein Kleinkind beim ersten Zoobesuch. Tja und ebendieser Malmsteen hat’s mir in letzter Zeit wieder schaurig angetan und so nahm das Schicksal seinen Lauf.

Diana kriegt Yngwie’s Gitarre :-)

Nun ist es so, dass es viele Gitarrenhersteller gibt, aber vorallem zwei Hersteller schwimmen oben auf, einerseits Gibson und anderseits Fender. Zweitere hat seit Urzeiten ein Klassiker-Modell das sich Stratocaster nennt. Diese von Fans liebevoll “Strat” genannte Gitarre ist sehr verbreitet, wegen ihres relativ zarten Klangs aber weniger bei Hardrockern – es sei denn in überarbeiteter Form. Man findet öfters Rock-Gitarristen die eine Strat spielen, die aber andere Tonabnehmer (Pickups) drin hat, eben solche die so richtig kreischen können – oder sie ergänzen den Klang mit Effektgeräten und kräftigen Verstärkern um den für Rock nötigen Donner hinzukriegen. Auch Yngwie spielt meist auf einer Strat und natürlich hat auch er das Teil umgebaut. Und jetzt kommt’s :-)

Die Firma Fender hat schon ein paar mal sogenannte “Signature Series” herausgegeben. Das Prinzip läuft so, dass sie Top-Gitarristen wie beispielsweise Eric Clapton fragen, wie eine gute Strat in seinen Augen sein muss, dann bauen sie genau so ein Modell, pressen sein Autogramm auf die Gitarre und geben sie dann als “Clapton-Strat” oder was auch immer heraus. Und genau das haben sie schon vor einigen Jahren mit Malmsteen gemacht. So entstand die Malmsteen-Stratocaster, die nicht nur ultra-krasse Tonabnehmer drin hat (früher DiMarzio und neuerdings Seymour Duncan) sondern nebst kleinen Veränderungen vorallem ein sogenannt “scalloped” Griffbrett, bei dem die einzelnen Bünde sozusagen ausgefräst wurden. Der Effekt dabei ist, dass man beim Spielen die Finger nicht mehr bis aufs Griffbrett durchdrückt sondern die Finger samt Saite sozusagen in der Luft schweben. Das hat zur Folge, dass man viel weniger drücken muss, eigentlich reicht eine sanfte Berührung und schon geht die Post ab – es bedeutet aber auch, dass der Ton sich grässlich verzieht, wenn man auch nur ein klein wenig zuviel drückt.

Und als ich das kürzlich diesen Bericht sah, wurde mir schlagartig klar, dass genau so eine Gitarre das ist, was ich brauche – eine Gitarre die mich zwingt, sanft zu drücken. Das Problem früher war eben, dass ich es zwar immer versuchte, nach wenigen Tönen aber wieder im alten Muster herumquetschte und es erst merkte, wenn mir die Finger weh taten. Aber eine Gitarre, die mich anmeckert sobald ich was falsch mache, das klingt geradezu perfekt für mich – und wenn ich dadurch auch noch deutlich schneller werden kann……… und so träumte Diana halt wieder los.

Diana im Malmsteen-Fieber

Tja, nun hab ich sie seit ein paar Wochen – und bin sowas von glücklich, das kann man sich nicht vorstellen. Diese Strat klingt dank der ultra-krassen Tonabnehmer wirklich genial und das Griffbrett hält genau das was ich mir versprochen habe. Schon jetzt, nach einem knappen Monat üben, spiele ich bereits viel lockerer und schneller als damals und das trotz jahrelanger Pause. Das Ding ist echt Wahnsinn, ein Traum von einer Gitarre :-) und das Geniale ist so ganz nebenbei, dass ich eine eGitarre mit Kopfhörer spielen kann, was gerade in Anbetracht meiner aktuellen täglichen Fingerübungen Juliet seeeeehr entgegenkommt ;-)

Warum meine Strat eine Furie ist

Wer sich am Beginn dieses Beitrags verwirrt gefragt hat, warum ich eine Gitarre Fury nenne, der kriegt jetzt eine Antwort darauf, denn jetzt wird’s Zeit für den technischen Quatsch, der vermutlich nur noch Gitarristen interessiert. Denn diese zauberhaften Tonabnehmer die der Gitarre den typischen Malmsteen-Sound geben, sind von der Firma Seymour Duncan und sie sind ebenfalls Sonderanfertigungen für den Gitarrengott Malmsteen. Und weil eine seiner bekanntesten Platten “Fury” hiess und er so furios spielt, haben sie einen der drei Humbucker-Tonabnehmer eben Fury getauft. Zusammen mit zwei ebenfalls für Yngwie entwickelten YJM-Singlecoils hat man die perfekte Sound-Basis.

malmifret1Am Aussergewöhnlichsten ist wie bereits erwähnt das scallopte Griffbrett und als ob das noch nicht genug wäre, wurde das Griffbrett auch mit richtig fetten (dick und hoch) Bünden (Dunlop super jumbo frets) ausgestattet. Auch Ritchie Blackmore spielt übrigens auf scallpotem Griffbrett, aber in seiner Version sind nur die hohen Tone scalloped, der Rest normal. Jedenfalls ist diese Kombination aus vertieftem Griffbrett und erhöhten Bünden einfach genial zum spielen, die Seiten berühren so nie mehr das Griffbrett sondern liegen schon bei sanftestem Druck auf den Bünden auf.

Gitarren-Interessierten empfehle ich diesen Review, der gab mir persönlich auch den letzten Schubs ;-)
YouTube: Fender Yngwie Malmsteen Stratocaster MN VWT Upgrade

Übung macht die Meisterin

Entgegen meinen früheren Gewohnheiten mache ich jedoch jetzt den fatalsten Fehler nicht mehr. Ich übe seit Wochen die wildesten Dinge, aber ich spiele nicht ein einziges Lied. Alles was ich tue sind Fingerübungen und Techniken in Zeitlupe durchspielen um das “Fingergedächtnis” zu trainieren und mir die nötige Sanftheit anzueignen. Früher spielte ich einfach drauf los ohne eine richtige Basis zu schaffen, nun läuft es umgekehrt, ich spiele nicht sondern erarbeite mir ein anständiges technisches Fundament – und dann wird erst losgespielt, dann aber richtig :-)

So und jetzt muss ich wieder üben gehen – und da ich noch ein paar Jahre brauche bis man mein Gequietsche hören kann, stelle ich “meine Fury” mit diesem Video vor, denn hier spielt der Gitarrengott wie mir scheint genau dieses Modell in genau meiner Farbe…. enjoy ;-)

und weil’s so schön ist, hier noch ein Video aus der guten alten Zeit, als er und ich noch jung und knackig waren und er mit seinen coolen Outfits so richtig den Bach raushängen liess :-)

und wer jetzt immer noch nicht genug hat und Yngwie mal etwas auf die Finger sehen möchte, der soll hier reinschauen – aber Vorsicht, da herrscht akute Schwindelgefahr ;-)

6 Reaktionen zu “Man hat nie genug Schuhe äh Instrumente”

  1. Christine

    *Diana einen großen Vogel zeigt* :-P

  2. Renate

    Cool, das waren noch Zeiten! ;-) Danke für die Videos und die damit aufkommenden Erinnerungen an die 80er! ;-)

  3. Xochitl

    Liebe Diana, ich habe gerade das Video Yngwie Malmsteen Far beyond the Sun..Live angesehen und dabei plötzlich meinen Namen (Xochitl) rechts in der Spalte bei “letzte Kommentare” gesehen.
    Es ist kaum zu beschreiben wie das ein Meilenstein für mich ist.
    Das ist mein Name, mein Name, der mein Geschlecht ausdrücken kann. Ich gehöre nämlich einem Drittgeschlecht an. Das es in unserem Kulturverständnis von nur 2 Geschlechtern nicht gibt. Ich transformiere Lebenslang von männlich zu weiblich und zurück.
    Xochitl (gesprochen So-chill) funktioniert sowohl in weiblich transformierter als auch in männlich transformierter Manifestation.
    Vielen Dank für diese Unterstützung, es ist hilfreich für mich.
    Ich habe gehört das es in Australien jetzt eine Initiative gibt das man als Geschlecht auch X angeben kann, das dies jedoch nur Intersexuellen vorbehalten ist.
    Es ist alles noch im Wandel und es tut sich viel.
    liebe Grüße

  4. Diana

    Huhu allerseits :-)

    @Christine: jaja, mir den Vogel zeigen aber selber in der Firma die Leute anrempeln, die haben wir gern – aber schön, Dich wieder mal zu lesen ;-)

    @Renate: dann gehörst Du also auch zu den alten Eisen, die Musik noch so kennen, wie sie heute noch sein müsste? Ja die 80er waren schon was, vorallem musikalisch wurde damals das Rad neu erfunden. Es gab zwar auch teils bizarre Auswüchse, aber im Speziellen im Rock-Bereich wurde die Musik meines Erachtens geradezu revolutioniert – unter Anderem dank Yngwie :-)

    #Xochitl: Na das freut mich doch, wenn Du nebst der guten Musik auch noch andere Inspirationen gefunden hast – man spricht ja nicht umsonst von Zu-Fällen, manche Dinge fallen einem halt zu, das wird schon seine Gründe haben :-)

  5. Christine

    Hallo…was kann ich denn dazu wenn sich ein Kerl auf leisen Sohlen heranschleicht und meinem Arbeitselan im Wege steht?

    Viele liebe Grüße zu Euch in die Schweiz :-)

    Christine

  6. Arminius

    Das gefräste Griffbrett interessiert mich sehr. Können wir uns darüber näher austauschen? Spiele übrigens eine Ibanez RBM von 1994.

    Grüzi
    Arminius

Einen Kommentar schreiben

Please copy the string r4QEty to the field below:

Copyright © 2017 by: A girl called Diana • Template by: BlogPimp Lizenz: Creative Commons BY-NC-SA.