Politically incorrect since 1966

Musikalisches Wochen(end)-Allerlei einer Zahn-Prinzessin

In letzter Zeit geht’s bei mir relativ rund, deshalb kam ich nicht zum Schreiben, nun fasse ich mal ein paar Dinge hier zusammen…….

Diana in der Menopause oder so

Vorletzte Woche hatte ich einen Termin in der Endokrinologie, in der es nebst obligater Blutkontrolle um die Frage ging, ob wir meine Östrogendosis erhöhen sollten. Seit der GaOp bin ich chronisch müde und meine Schwitzanfälle haben sich auch deutlich gehäuft, beides sind mögliche Anzeichen auf einen zu tiefen Östrogenpegel (Mitlesende die ihre Menopause bereits erreicht haben wissen was ich meine). Die Endokrinologin bestätigte mir, dass diese Anzeichen danach aussehen, dass meine zwei mal wöchentlich angeklebten Östrogenpflaster (Estradot 50) wohl zu wenig sind. Aber leider war mein Glukose (Zucker) und Cholesterin Pegel gaaaaanz wenig über dem Normbereich, so knapp daneben, dass das gesundheitlich noch völlig unbedenklich ist. Aber sowohl Zucker als auch Cholesterin belasten die Blutbahnen und damit erhöht sich auch das Thromboserisiko ein wenig. Da die Östrogene genau diesbezüglich gefährlich sind, wollte sie da nichts riskieren. Da ich öfters Schokolade-Fressattacken habe und das möglicherweise auch am Vorabend der Untersuchung, sind wir nun so verblieben, dass ich in nächster Zeit mal bei der Hausärztin diese zwei Werte nochmal prüfen lasse. Sollten sie immer noch etwas zu hoch sein, kann ich mittels Ernährungsverbesserung die Werte verbessern. Sobald die Werte im Normbereich sind, kann ich ihr den Laborbericht faxen und krieg dann ein Rezept für 75er Pflaster. Mal schauen ob es dann besser geht.

Ein schlauer Zahnarzt

Mein Zahnarzt ist echt ein schlauer Fuchs, bei ihm fühle ich mich echt ernst genommen. Zum Einen hat er richtig erkannt, dass ich einfach zu schlau bin für diese Welt und hat mir nun einen meiner vier Weisheitszähle gezogen, vielleicht reg ich mich nun etwas weniger auf ;-) Aber das ginge noch, der konnte das sogar noch überbieten. Er scheint wirklich ein Auge für Mädels wie ich zu haben und hat sofort bemerkt, dass ich eine richtige Prinzessin bin – glaub ich jedenfalls – denn übermorgen krieg ich von ihm eine Krone *stolzerhebtihrhaupt*. Meine Begeisterung hält sich da zwar in Grenzen, weil mich dieses royale Statussymbol mal schnell einen Tausender kostet, aber was tut man nicht um die leider oft unbemerkte Adligkeit zu betonen :D Das mit dem Weisheitszahn war übrigens eine harmlose Sache, es machte kurz knirsch und flup und draussen war das Ding. Am Mittag liess dann die Spritze nach und der Schmerz wurde arg genug um mich mit 50er Ponstan zu füttern, aber schon am nächsten Tag war der Spuk vorbei und unterdessen, eine Woche später, ist wieder alles in Ordnung.

Kuschelweekend mit Juliet

Letztes Wochenende war ja mal wieder Kuscheln in Hamburg angesagt, jajajaja :-) Diesmal war ich wieder von Donnerstag Ende Nachmittag bis Dienstag am frühen Morgen dort. Freitag und Montag ackerte Juliet zeitweise und ich guckte TV, las mein letztjähriges Tagebuch oder brabbelte mit Juliets Mama rum. Am Samstag gabs dann noch eine kleine Shoppingtour zu Dritt, bei der wir aber alle ohne Beute heimziehen mussten. Dafür machten wir noch einen kleinen Abstecher in ein Pärklein, die erhofften Eichhörnchen sahen wir zwar nicht, aber dafür konnte ich mal wieder eine Weile einer Libelle beim patroulieren zugucken – ich lieb diese kleinen Hubschrauber :-) Abends guckten wir dann jeweils meist zu Viert TV und im späteren Abend verzog sich Mama in die Küche und las – und brach immer mal wieder in schallendes Gelächter aus, meist wenn sie Dialoge mit Morla fand ;-) Jedenfalls wars wieder ein super schönes Wochenende mit ganz viel Blödeleien und ganz viel Aneinanderkleben – Fortsetzung folgt in gut zwei Wochen :-)

Selbstbetrachtung in Buchform

Das mit meinem Tagebuch war eine ulkige Sache, denn davon hatten wir dieses Weekend drei Stück in der Wohnung, Juliet und Mama hatten Ihres, ich hatte das Meine. Und zeitweise sassen Mama und ich zusammen auf dem Sofa und lasen dasselbe Buch, wie schräg ist das denn :-) Für sie ist es interessant, weil sie nicht so gern am Computer sitzt und deshalb nur soweit auf dem Laufenden ist, wie Juliet ihr berichtet. Deshalb holt sie dann das ganze Jahr nach wenn das Blog in Buchform verfügbar ist. Ich meinerseits erlebte beim Lesen wie schon letztes Jahr eine turbulente Reise durch die Zeit, in der ich das ganze letzte Jahr nochmal Revue passieren lasse und teilweise staune, was ich da alles erlebt habe und wie aufgewühlt ich zeitweise war. Es ist unglaublich spannend, sich selbst nochmal so zu verfolgen. Sobald ich damit fertig bin, werde ich dazu einen Blogbeitrag schreiben wie schon letztes Jahr und ein wenig erzählen, was mir da lesenderweise so durch den Kopf ging im Kino meines Lebens.

Medien sind einfach sowas von für n’Arsch, aber echt

In diesen wenigen Tagen in denen ich in Hamburg war, erschienen gleich mehrere Zeitungsartikel die irgendwie um Transsexualität gingen und mir schäumte heut Morgen mal wieder kurz die Galle hoch. Höhepunkt war ein Kurzartikel in der Bernerzeitung, in der von einer transsexuellen Frau konsequent in der männlichen Form geschrieben wurde. Einmal mehr hat ein dümmlicher Journalist einen noch dümmlicheren Text von der Depechenagentur DPA copy-pastet ohne dabei das Hirn auf Minimalleistung zu stellen. Aber ich bin grad zu gut gelaunt um mich heute weiter darüber zu ärgern, vielleicht hole ich das am Wochenende nach und hau denen virtuell eine runter – mal kucken ob ich Zeit und Nerven finde, vorallem mit der Zeit könnte es nämlich knapp werden, denn erstens arbeite ich am Samstag mal wieder und zweitens und vorallem……….

Diana wird Cellistin

In den letzten zwanzig Jahren habe ich viele Musikinstrumente gespielt, manche nur ein wenig, manche mehr. Vorallem Gitarre, Bluesharp und schottische Bagpipe spielte ich recht intensiv eine Zeit lang und Letztere möchte ich nachwievor irgendwann wieder spielen. Aber in letzter Zeit bin ich emotional eher zu sanfteren Klängen hingezogen und verspüre wieder ein starkes Bedürfnis, Musik zu machen. Und weil ich seit Beginn meines Musizierens Streichinstrumente als die Schönsten Instrumente betrachte, aber nie den Mumm hatte mich diesen schwer zu erlernenden Instrumenten anzunähern, kams bis jetzt nie soweit – bis jetzt, jauh.

Vor einigen Wochen entdeckte ich, dass man heutzutage elektronische Violinen und Cellos kaufen kann, die recht gut klingen, überraschend günstig sind und natürlich stubentauglich, weil man mit Kopfhörer spielen kann. Also habe ich vor der Op diese schwarze eVioline bestellt, darüber habe ich irgendwo kurz berichtet. Aber dann kamen gleich die Ferien, dann die zweite Operation und anschliessend war für ne Weile nix mehr mit Violine spielen, weil ich die Arme wegen der BrustOp nicht so verrenken konnte. Auch sonst hielt sich meine Begeisterung in Grenzen, weil die Körperhaltung wie erwartet der Graus ist, man ränkt sich fast die Schulter aus und bricht sich fast den Kiefer, weil man das Teil so unter den Kiefer klemmen muss.

Naja, letzte Woche guckte ich einen Krimi in dem es zufällig um eine Cellistin ging, die man ein paar Mal spielen sah und man ahnt’s, es packte mich total und so wusste ich nix Bekloppteres als noch am gleichen Abend dieses elektronische Cello in weiss zu bestellen, selber Hersteller wie die Geige, nur diesmal in Weiss anstatt Schwarz. Jauh und heute wurde das Ding geliefert und ich bin Feuer und Flamme, die in den nächsten Tagen ausgiebig auszuprobieren. Wenn ich wie erwartet körperlich besser damit klar komme, werde ich die Geige wohl wieder verkaufen, oder umgekehrt, was weiss ich, lassen wir uns überraschen :-)

Vorhin habe ich das erste Mal drauf gespielt äh getönt oder so, naja, seien wir mal froh, dass die Nachbarn das nicht hören ;-) Aber es macht Spass, fühlt sich noch fremd aber irgendwie nett an, ich bin zuversichtlich, dass wir uns anfreunden werden, auch wenn ich fürs Erste verkrampft bin als würd ich das erste Mal auf einem Stier reiten. Damit Ihr Euch vorstellen könnt, was für ne Art Musik mir vorschwebt, gibt’s jetzt noch ein Video mit einem wunderschönen Cello-Stück :-)

Und falls jemand von Euch neugierig geworden ist und mehr Cello Musik hören will in dem Stil wie ich es hoffentlich irgendwann spiele, dann empfehle ich mein neustes Idol:
Adam Hurst auf youTube

Und los geht’s in diesem neuen Blog

Es mag etwas irrwitzig klingen, wenn ich nach rund vierzig Blogbeiträgen hier verkünde, es würde losgehen mit dem Blog, aber a bisserl isses ja schon so. Ende dieser Woche habe ich nun endgültig mein erstes Blogtagebuch geschlossen, weil für mich die Geschichte einer “transsexuellen Frau” beendet ist. Für den Wechsel des Blogs gab’s mehrere Gründe, ich möchte die hier nochmal kurz zusammenfassen:

Warum dieses neue Blogtagebuch?

1. Das “Tagebuch einer transsexuellen Frau” sollte den Prozess beschreiben den eine transsexuelle Frau durchlebt während einer “Geschlechtsangleichung”. Diese Geschichte begann mit dem Entscheid, ging über das Outing quer durch den zweijährigen Alltag bis hin zur genitalangleichenden Operation, der Personenstandsänderung und letztendlich dem Ankommen im richtigen Leben. Diese Geschichte ist in sich abgeschlossen und es macht wenig Sinn, wenn dieses Tagebuch dann plötzlich über Atomkraftwerke berichtet oder Bibelkunde erteilt. So Themen waren zwar auch da manchmal vorhanden, aber der Kern und das Zentrum des Themas war von Anfang an bis zum Schluss Transsexualität.

2. Gerade weil das alte Tagebuch dieses Kernthema hatte, spürte ich immer mehr, dass mich dieses Themenzentrum zu sehr beeinträchtigt. Je mehr ich aus diesem Prozess heraus wuchs, umso mehr bekam ich das Bedürfnis, vermehrt über all das zu schreiben, was mir sonst so am Herzen liegt, sei es ökologische, spirituelle, philosophische oder was weiss ich für Themen. Das alles passte dort nur am Rande rein und ich merkte immer mehr, dass ich mich von diesem Thema loslösen musste. Das heisst natürlich nicht, dass Transsexualität in diesem neuen Tagebuch nicht auch seinen Platz bekommen wird, wie ich mehrmals versprach, werde ich mich auch zukünftig beispielsweise für Transsexuellenrechte einsetzen. Aber dieses Thema darf nicht mehr das Zentrum meines Lebens sein. Ich habe meine Freiheit gefunden, ich kann und will mich nicht darauf beschränken, “eine Transsexuelle” zu sein, wie das Medien so gerne tun. Ich bin eine vielseitig interessierte Frau, die in all ihren Fascetten aufleuchten möchte, das wäre im alten Blog irgendwie nicht möglich gewesen.

3. Ein anderer wesentlicher Grund war rein technischer Natur. Mir war enorm wichtig, dass das alte Tagebuch chronologisch ist, so dass Betroffene die dieses Blog finden diese Geschichte eben wie ein Tagebuch durchlesen können und das eben im Vorwärtsgang und nicht rückwärts. Aber Google und Konsorten bekamen damit langsam ihre liebe Mühe, weil die davon ausgehen, dass Blogs umgekehrt sortiert sind und mit einem Umfang von fast 500 Beiträgen verschluckten sie sich immer mehr. Mein neues Tagebuch soll nun umgekehrt sortiert sein, wie es sich für Blogs gehört. Das ist ein entscheidender Vorteil für regelmässige LeserInnen, die nun nicht ständig die neuen Beiträge suchen müssen, das Neuste steht immer zuoberst. In meinen zukünftigen Schreibereien ist die Reihenfolge auch nicht mehr so essentiell wie im alten Tagebuch und wie eine Umfrage zeigte, ist eine der Aktualität entsprechend sortierte Auflistung von einer klaren Mehrheit erwünscht.

4. Für mich persönlich war es aber auch ein Akt der Psychohygiene, sozusagen eine Symbolhandlung, mit der ich bewusst in mein neues Leben treten will. Gerade wenn einem so ein Thema ein Leben lang verfolgt und gequält hat, ist die Gefahr gross, dass man darin kleben bleibt, selbst wenn man längst daraus entwachsen ist. So wie Kriegsveteranen noch Jahre nach dem Krieg den Klang der Schüsse und Schreie hört, so kann einem auch so ein Lebenshandycap bis zum jüngsten Tag verfolgen. Für mich ist es bedeutsam, bewusst einen Schlussstrich zu ziehen, nicht weil ich die Vergangenheit leugnen will oder das Thema Transsexualität verwerfen möchte sondern weil meine transsexuelle Vergangenheit mein Leben nie mehr bestimmen darf und wird. Dazu verhilft mir so ein Neuanfang.

Wie geht es weiter in diesem neuen Tagebuch?

Bis vor Kurzem hatte ich ja nebst diesem Blog eben noch das alte Tagebuch und nebenbei noch das GaOp-Tagebuch in dem ich über die genitalangleichende Operation berichtete. Zusätzlich gibt es auch noch das DuoInfernale-Blog in dem ich mit meiner Liebsten gemeinsam schreibe. Damit verzettelten sich die Beiträge immer mehr und ich hatte oft ein Problem damit zu entscheiden, was wohin gehört. Damit ist nun Schluss, nun gibt es zwar noch das Gemeinsame mit Juliet, für meinen eigenen Senf gibt’s aber nur noch dieses Blog. So kann man davon ausgehen, dass sich hier nun die Themenvielfalt einiges erweitern wird. Einerseits werde ich sicher wieder vermehrt Alltagsgeschichten schreiben, die mal lustig, mal traurig, mal vergnügt, mal wütend sind, ausserdem werde ich über viele Themen schreiben die mich bewegen, so wie ich das zu Beginn dieses neuen Blogs auch schon gemacht habe. Die Alltagsgeschichten werden vermutlich ähnlich herauskommen wie Ihr es Euch von meinem alten Tagebuch gewohnt sind. Die Themen die ich anschneide, werden aber voraussichtlich mehr Tiefgang haben. Ich möchte immer mal wieder Themen aufgreifen, die ich in längeren Beiträgen etwas vertieft beleuchte oder sogar in einer Blogserie ganz genau unter die Lupe nehme. Dabei wird es wie man aufgrund der Kapitel hier sieht vorallem um philosophische, spirituelle, religiöse, politische bis hin zu wissenschaftlichen Themen gehen. Das Ganze wird wohl etwas weniger Fastfood sein als in meinem alten Tagebuch, aber ich denke, dass dies den Wert des Blogs nur erhöhen kann und vorallem ist mir halt einfach danach ;-)

Themen der nächsten Zeit

Wie gesagt, möchte ich wieder vermehrt aus dem Alltag plaudern und auch wieder vermehrt herumblödeln. Das Humorvolle kam in den letzten Monaten viel zu kurz, weil ich einfach zuviel Ernsthaftes zu bewältigen hatte und auch ziemlich ausgelaugt bin. Nebst dem geistern momentan einige Themen in meinem Köpfchen rum, die ungeduldig darauf warten, endlich verbloggt zu werden. In nächster Zeit stehen hier Wahlen an und ich fühle mich dazu berufen, diesbezüglich etwas Tacheles zu reden, weil ich der Überzeugung bin, dass gewisse rechtspopulistische Kreise dieses Land komplett an die Wand fahren. Der Radikalisierung und Brutalisierung von Politik und Gesellschaft muss Widerstand geboten werden, genauso wie dem grasierenden Raubtierkapitalismus oder der globalen Entsozialisierung, das zähle ich als eine von meinen zukünftigen Aufgaben. Weiters hatte ich ja schon immer einen Hang zum Umweltschutz und auch da ist absehbar, dass ich in den nächsten Jahren öfters gefragt sein werde, sei es bei einer allfälligen Atomausstiegsabstimmung oder bei sonstigen ökologischen Streitfragen. Weiters beschäftigen mich natürlich Themen rund um Transsexualität, im speziellen die Frage von neuronalen Geschlechtsunterschieden. Diesbezüglich lese ich gerade ein spannendes Buch über die zwei Hirntypen (systematisch=männlich empathisch=weiblich), das mich zu ausgiebigen philosophischen Hirnkapriolen verführt hat.

Herzlich willkommen hier :-)

In dem Sinn heisse ich nun meine LeserInnen herzlich willkommen hier in meinem neuen Tagebuch, das bekloppte Herumsuchen in allen Blogs nach neuen Beiträgen ist zuende, macht es Euch hier gemütlich…….. wir lesen uns ;-)

http://www.youtube.com/watch?v=QqQ7iCXhTAo

Ein Verweis auf meine sonstigen Blogbeiträge

Diejenigen die vorallem hier mitlesen, werden in letzter Zeit meine Blogbeiträge vermisst haben. Aber mir war wichtig, das “alte Leben” abzuschliessen und so drängten sich die letzten Beiträge von mir vorallem ins GaOp-Tagebuch oder in mein altes Blogtagebuch, weil es noch zusehr mit dem Abschluss meiner “Geschlechtstransition” zu tun hatten. Wer diese Beiträge verpasst hat, schaut am besten kurz in folgende Monatsarchive rein, da sind zum Teil interessante Beiträge zu finden:

(t)-Girl Diana – Juli 2010
(t)-Girl Diana – August 2011

GaOp-Tagebuch – Juli 2011
GaOp-Tagebuch – August 2011

DuoInfernale – unser gemeinsames Blog

In meinem alten Blogtagebuch habe ich heute den letzten epischen Beitrag geschrieben, in dem ich auf mein Leben und diesen Transitionsprozess zurückblicke und sozusagen Bilanz ziehe, den empfehle ich wärmstens.

(t)-Girl Diana – Bilanz einer Geschlechtsangleichung

Ebenfalls erwähnenswert wäre noch, dass das zweite Buch mit den Blogbeiträgen 2010 nun auch auf Papier erhältlich ist, mehr darüber findet Ihr hier:

Dianas Blogtagebuch 2010 ist jetzt im Buchhandel

Damit wär die Vergangenheit so ziemlich abgeschlossen und ich kann mich nun ganz hier in diesem neuen Tagebuch niederlassen. In dem Sinne……… wir lesen uns ;-)

und tschüss mal für ein paar Wochen

So das wärs vorläufig mal für ein paar Wochen – nehm ich jedenfalls an – etwas Ruhe braucht der Mensch ja bekanntlich. Obwohl ich nicht mit viel Ruhe rechne, Juliet wird nun zwei Wochen lang an mir kleben und mich vollbrabbeln, aber entspannend und erquickend wird es garantiert.

Geplanterweise und mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit werden wir jeweils am Donnerstag 16. und 23. Juni von 21 – 24 Uhr in meinem Stammpub sein, wer Zeit und Lust hat, soll doch einfach reinschauen, würde uns freuen :-)

Am Montag 27. Juni bring ich sie dann um Neun auf den Flughafen und geh um Zwölf ins Unispital für etwa eine Woche. Wie bereits gesagt, werden wir vielleicht während den Ferien in unserem gemeinsamen Blog mal was schreiben, ab Spitaleintritt wird dann wieder vom GaOp-Blog aus berichtet.

Zu erwähnen ist noch, dass ich die Kommentarfunktion in den Blogs vorläufig so eingestellt habe, dass alle Kommentare von mir freigeschaltet werden müssen. Während den Ferien kann das möglicherweise länger dauern.

Nun denn, das wars, wir sagen tschüss und bis dann :-)

Achja, damit’s Euch in der Zwischenzeit nicht langweilig wird – die da ist noch bekloppter als wir :D

Und die Erde war wüst und leer und es war finster auf der Tiefe

Am Ende vernichtete der Mensch Himmel und Erde.
Und die Erde war wüst und leer, und es war finster in der Tiefe.
Und der letzte Mensch schrie: ‘Es werde Licht!’ – Aber es blieb dunkel.
So ward aus einem Abend ohne Morgen die letzte Nacht.
(Michael Ende – Der Spiegel im Spiegel)

Die Lust zum Bloggen ist mir momentan ziemlich vergangen, in letzter Zeit gabs da so einiges in meinem Leben, das mich ziemlich erschüttert hat, Dinge über die ich zumindest vorläufig nicht schreiben kann oder will. Und es gab Vieles, das mir durch den Kopf ging, das mein Bedürfnis nach dem, was die Gesellschaft ironisch “Gemeinschaft” nennt, etwas gedämpft hat. Ich versuch jetzt trotzdem mal zusammenzufassen, wie es mir geht und was vor mir liegt.

Ein Leben (fast) in Freiheit

Beginnen wir mit dem Angenehmen. Unterdessen ist mein Leben so richtig schön unspektakulär geworden und das fühlt sich sowas von gut an. Meine Ausweise entsprechen nun mir selbst, meine Bankkonten sind geändert, ich bin einfach nur noch Diana, so wie tausend andere Dianas auch, nur mit einer etwas verrückten Vergangenheit. Vorbei ist das Gefühl, dass ich allein schon mit meiner Namensnennung irgendwie lüge, weil im Ausweis ja etwas Anderes steht, vorbei auch die Zeiten, in denen mein gelebtes Ich im Widerspruch zu irgendwelchen anatomischen Sonderbarkeiten stand. All das bringt so eine Stille mit sich, eine wohlige Ruhe nach einem elend langen und grausam wilden Sturm. Aber so gut es mir selber auch geht, es bleiben doch Widrigkeiten, die auch jetzt noch an die Substanz gehen und immer wieder peitschende Schüsse durch die Stille jagen.

Blog-Selbstzensur

Schon vor einigen Wochen habe ich kurz anklingen lassen, dass mir eine Zeitung ihre Anwälte auf den Hals gehetzt hat, weil ihr Name in einem Stichwortverzeichnis von mir vorkam. Ich habe das Stichwort darauf entfernt, weil ich keine Lust habe auf ein episches Gerichtsdrama, habe aber die geforderte Unterlassungserklärung nicht unterschrieben. Vermutlich kehrt diesbezüglich nun Ruhe ein, sicher kann ich mir aber nicht sein, dass nicht doch noch etwas kommt von der Seite. Schon dieses Erlebnis hat mir vor Augen geführt, dass das Recht auf freie Meinungsäusserung auch hierzulande nur begrenzt gilt. Ein zweites Ereignis, über das ich noch nicht schreiben kann, zeigte dann auch, dass meine Offenheit gegen mich oder mir Nahestehende als Waffe verwendet werden kann. Vorallem dieses zweite Erlebnis hat mich dazu bewogen, kurzfristig mal das alte Tagebuch und das GaOp-Tagebuch vom Netz zu nehmen und auch in diesem Blog meine Fotos zu entfernen. Die Illusion der Freiheit – darüber habe ich ja schonmal geschrieben – ist eben Teil unserer achso toleranten Gesellschaft. Ich werde mir in Ruhe Gedanken darüber machen, wie es mit meiner Bloggerei weitergehen soll und wieviel Offenheit ich noch zu opfern bereit bin, dann werde ich entscheiden, in welchem Umfang meine alten Blogs wieder online gestellt werden.

Das Irrenhaus da draussen

Aber neben dem was ich im eigenen persönlichen Leben erlebe, gibt es noch all den Irrsinn, der täglich aus der grossen weiten Welt in mich hineingegossen wird. Wo ich auch hinsehe, sehe ich eine Brutalisierung und Verluderung dieser Gesellschaft, die mich betrübt und manchmal beängstigt. In einer Zeit, in der Waterboarding als legitmes Mittel zur Wahrheitsfindung betrachtet wird und grundlos wutentbrannte Mitmenschen am Boden liegenden Opfern den Schädel einstampfen, weil ihnen einfach grad danach ist, in der sich so Manche viel zu oft lieber mit möglichen Tätern als mit möglichen Opfern solidarisieren, in der politische Brandstifterei zum politischen Alltag gehört und die Radikalisierung der potentiellen Wählerschaft bereits als normal angenommen wird – in so einer Zeit fällt es schwer, seine Artgenossen zu lieben, wenn man selber nicht diesem kollektiven Beisswahn verfallen ist.

Wenn wir im TV Nachrichten und Berichte sehen und Zeitungsartikel und Kommentare in denselben lesen, dann sehen wir in einen Spiegel, ein Spiegel der uns die Fratze dieser Gesellschaft zeigt, der wir angehören und die wir alle geschaffen haben. Bin ich wirklich die Einzige, die beim Anblick dieses Spiegelbilds das kalte Kotzen bekommt? Ist es wirklich schon so normal geworden, dass wir diesen Krieg gegen uns selbst führen? All das macht mich ratlos, ich möchte die Augen verschliessen vor all dem da draussen und doch schaffe ich es nicht, blind zu bleiben. Einmal mehr stellt sich mir die Frage, wie ich damit umgehen soll.

Sommerferien mit Juliet

Aber so gruselig all das ist, so schön ist das Leben eben auch, zumindest in meiner kleinen persönlichen Welt. Nächsten Freitag landet Juliet hier und wir haben gute zwei Wochen Ferien zusammen, jauh, endlich wieder knuddeln bis alle oberen Hautschichten erneuert sind :-) Im Wesentlichen werden wir wohl wieder rumliegen und uns geniessen, aber ein paar Dinge haben wir anvisiert, unter Anderem ein Pub-Abend am 17. Juni und ein Treffen mit meinem Paps und seiner Frau in der zweiten Woche, auch ein Punk-Konzert steht noch zur Auswahl. Wir werden voraussichtlich zwischendurch in unserem gemeinsamen Blog darüber berichten, sofern es denn etwas zu berichten gibt. Auf jeden Fall werde ich mich in der Zeit gut erholen können und Kräfte sammeln für das was dann folgt, denn an dem Tag, an dem Juliet am Morgen um Neun abfliegt……..

Korrektur-Operation

….. werde ich vom Flughafen aus direkt ans Unispital gehen und dort um Zwölf einrücken für die zweite Korrektur-Op. Die wird im Vergleich zur Ersten eine harmlose Geschichte sein und ich werde nur wenige Tage das Vergnügen haben, wieder von diesen netten Pflegerinnen betüdelt zu werden. Ende Woche kann ich dann schon wieder abrauschen und werde geplanterweise die Woche darauf schon wieder voll arbeiten können. Für mich ist diese zweite Op nicht mehr allzu spektakulär, es wird halt einfach noch fertig gemacht, aber es ist nichts im Vergleich zur Letzten, als sich durch die Op mein Leben radikal änderte. Aber es ist das letzte Kapitel einer langen Reise, der definitive Abschluss meiner Befreiung, insofern freue mich mich trotzdem sehr darauf.

wie auch immer, aber weiter so

Was das Negative anbelangt, so ist das alles ja nicht allzu neu, seit ich begonnen habe über die Welt nachzudenken, seit da traure ich um sie und seit da möchte ich sie wenigstens ein klein wenig verändern. Diese Trauer, manchmal Wut, manchmal Verzweiflung, all das ist nichts Neues, es begleitete mich mein ganzes Leben, das ist scheinbar das Los einer Philosophin. Neu ist hingegen, dass ich mit mir selber zum ersten Mal im Reinen bin und dass ich mich selbst leben kann. Und genau das werde ich auch weiter tun. So schwer es manchmal auch sein kann, mit dieser doch arg durchgedrehten Welt klar zu kommen, so schön ist auch dieses neue Erleben, am Morgen aufzustehen und mich darüber zu freuen, dass ein neuer Tag vor mir liegt.

In dem Sinne – es wird mir noch so Mancher Steine in den Weg legen und Knüppel zwischen die Beine werfen und so Manche Decke wird mir noch auf die Birne knallen – aber all das wird mich nicht davon abhalten, mein nun endlich wahr gewordenes Leben zu leben und in vollen Zügen zu geniessen.

Spätestens Ende Woche werde ich mich hier wohl nochmal melden resp. abmelden für die Ferien, dann wird’s voraussichtlich im DuoInfernale-Blog weiter gehen für zwei Wochen und dann werde ich geplanterweise das GaOp-Blogtagebuch wieder ins Netz stellen und dort weiter schreiben. Nach der Op geht’s dann hier wieder weiter – nehm’ ich mal an – auf jeden Fall: wir lesen uns ;-)

If you want a picture of the future,
imagine a boot stamping on a human face – for ever.
(Georg Orwell – Nineteen Eighty-Four)

Die Bestie im Menschen

Ekel der die Welt ergreift
Hass der durch die Herzen fliesst
Verderben das durch die Reihen zieht
Des Menschen edle Reihen

In denen Gleiches nur zu Gleichen steht
Dazwischen eine Kluft sich schlägt
Und Rassen wie Geschlechter trennt
Oh Ekel der sich der Welt bekennt

(Lacrimosa – Das Schweigen)

Schon als Kind befremdete es mich zutiefst, immer wieder zu erleben, dass viele Menschen ein Bedürfnis danach haben, Andere zu verletzen oder noch besser zu demütigen. Es schien mir schon bald, dass viele kleingeistige Menschen sich offenbar nur gross fühlen können, wenn sie Andere klein machen. Soweit konnte ich das rational ja noch irgendwie verstehen, auch wenn ich es für noch so daneben halte. Aber dass diejenigen, die Andere quälen, nicht wahrnehmen können, dass sie grosses Leid verursachen, diese Mitgefühlslosigkeit, die entsetzte mich geradezu. Warum sind soviele Menschen so? Warum fällt es vielen so schwer, wahrzunehmen, was sie mit ihrem Handeln anrichten? Bin ich denn wirklich von gefühlsunfähigen Soziopathen umgeben?

Aber ich glaube nicht, dass der Mensch an sich soviel Bösartiges in sich trägt, Menschen werden so, weil sie elementarste Lebensregeln nicht gelernt haben. Andere zu respektieren, auch wenn sie anders sind als man selbst, das ist eine Einstellung, die gelernt werden muss. Meine Eltern konnten mir das vermitteln, viele Andere hatten offenbar nicht dieses Glück. Mir wurden so Werte vermittelt, dass nicht alle Menschen so sind wie ich und dass ich sie respektieren muss, auch wenn sie anders sind. Mir wurde gelernt, dass man behinderte Menschen nicht auslacht oder ausgrenzt, dass die sich ihr schweres Schicksal nicht ausgesucht haben und ihr Leben schon schwer genug ist und nicht noch mehr Belastungen braucht. Aber schon als Kind erlebte ich so oft, dass Viele da völlig anders ticken.

Während meiner Primarschule hatte ich längere Zeit einen sehr guten Freund, er war ein erzlieber Mensch, wir konnten stundenlang miteinander lachen, konnten über alles reden, er war echt toll. Aber im ganzen Schulhaus wurde er gemieden, er war extrem gross für sein Alter und hatte einen starken Buckel, gesamthaft wirkte er wirklich sehr aussergewöhnlich. Das reichte, dass er von allen ausgegrenzt und verspottet wurde. Ich wiederum habe sein Äusseres nie als Kriterium empfunden, ob ich mit ihm reden soll oder nicht. Also kamen wir ins Gespräch und wurden Freunde. Dass mir das selber Spott einbrachte, war mir irgendwie egal. Ich hatte da einen guten Freund gefunden und das schien mir wichtiger als ob sich Andere über unsere Freundschaft lustig machen.

Diese Lebenshaltung, mit der man Andere so nimmt und respektiert wie sie sind, begegnete mir sehr selten und ich verstehe einfach nicht warum. Warum fühlen sich so viele Menschen erst dann gut, wenn sie Andere schlecht machen? Warum empfinden Manche Glück erst dann, wenn sie Anderen Leid zufügen? Und warum bekämpfen so Viele Andere, nur weil sie nicht ihren eigenen kleinkarierten Vorstellungen entsprechen?

Was geht es mich an, wie Du aussiehst, wie Du Dich benimmst, was Du tust, wer Du bist…… solange Du damit niemandem schadest? Und was geht es Dich an, was für ein Leben ich führe, solange ich Deines nicht beeinträchtige? Warum verurteilst Du mich, wenn ich nicht denselben Lebensweg gehe wie Du? Warum siehst Du nicht, dass mein Herz blutet, wenn Du mich verletzt?

Warum bringt Ihr soviel Leid über Andere, seid mal Täter, mal Opfer, was für ein idiotischer Krieg der Gesellschaft ist das? Und wem dient er? Wer hat etwas gewonnen, wenn immer wieder eine Gruppe über jemanden herfällt, ihn erniedrigt und demütigt – ohne dass jeder Einzelne sich sicher sein kann, dass er nicht nächstes Mal derjenige ist, der von einer Gruppe kaputt gemacht wird? Ist es das wert, sich gross fühlen zu können weil man im Schutz einer mobbenden Gruppe gemeinsam über jemanden lachen kann, wenn dieser Jemand dabei kaputt geht? Wieviele Menschenopfer braucht so ein durchschnittlicher Kleingeistiger, bis er sich gross genug fühlen kann um ein Leben zu führen, ohne dabei auf dem Rücken Anderer trampeln zu müssen?

Ich fand es schon immer unsäglich traurig, immer wieder zu erleben, wie meine Mitmenschen sich gegenseitig zerreissen und auffressen und sich dabei sogar noch cool vorkommen. Wie degeneriert muss eine Spezies sein, wenn sie sich selber das Leben so schwer macht? Der Mensch – sagte einst ein grosser Philosoph – ist wahrlich das grausamste aller Tiere – es stimmt mich traurig, dass ich dem beipflichten muss.

Die Scheiterhaufen der Gesellschaft haben nie aufgehört zu brennen, sie änderten nur ihre Gestalt, aus den hohen lodernden Flammen der Scheiterhaufen wurden kleine hübsche Feuerchen, die in die Herzen von Menschen eingeschossen werden und sie innerlich verbrennen lassen – der Grad des Leidens hat sich dabei nicht merklich verändert.

Der Freund ist viel zu nahe
Er ist ein Mensch und Feind
Das Schild der Freundschaft deckt ihn jahrelang
Dahinter sammelt er die Waffen

(Lacrimosa – Versuchung)

Die verbeulte Kugel

Dieser Blogbeitrag stammt aus meinem letzten Tagebuch, aber weil er mir sehr viel bedeutet, möchte ich ihn hier auch vorstellen……….

Sehn Sie mich bitte nicht so an, ich weiss dass ich etwas seltsam aussehe….. nein ich bin kein Würfel, ich bin eine verbeulte Kugel….. ja ich weiss dass ich ähnlich aussehe wie ein sehr seltsamer Würfel, aber das liegt daran dass ich eben kein Würfel bin sondern eine verbeulte Kugel.

Ich weiss das mit Bestimmtheit, ich kam schon als Kugel zur Welt. Schon damals wollte mir das niemand glauben, alle hielten mich für einen unförmigen Würfel. So begannen sie, an mir rumzudrücken, rumzuwürgen, rumzuhämmern, schlugen mir mal links eine, mal rechts eine und so kam es dann, dass aus mir halt mit der Zeit eine ziemlich verbeulte Kugel wurde. Irgendwie schafften sie es in all der Zeit nicht, mich in eine Würfelform zu kriegen. Ist ja auch kein Wunder, ich bin ja eine Kugel. Wie in aller Welt soll aus einer Kugel ein Würfel werden?

Immer und immer wieder habe ich es ihnen gesagt, bin sogar demonstrativ rumgerollt, damit wirklich auch der hinterst und letzte Depp merkt, dass ich eine Kugel bin. Aber nein, jedesmal nur dieses „Ach jetzt rollt dieser Scheisswürfel schon wieder“ und dann sofort n’paar links, n’paar rechts und dann ab in eine Ecke.

Das Leben als unvollkommener Würfel ist echt anstrengend, fast so anstrengend wie das als verbeulte Kugel. Aber was will man machen, hätten sie mir doch nur von Anfang an geglaubt, dass ich eine Kugel bin. Ich wette, aus mir wär eine richtig schöne Kugel geworden, aber eben, im Nachhinein ist man ja oft schlauer…….. oft, ja aber leider nicht immer.

So ich muss jetzt eins weiter, hab noch n’Termin bei meinem Psychiater. Der behandelt mich weil er denkt, ich würde mich für eine Kugel halten. Irgendwie bin ich froh um meinen Psychiater, das Leben ist manchmal wirklich sehr sehr verwirrend.

Faulheit, Texte, Ausweise und Anwälte im Genick

In letzter Zeit ist von mir kaum etwas zu lesen, das hat mehrere Gründe: weil ich grad irgendwie faul bin, weil ich an der Buchform meines letztjährigen Blogtagebuchs arbeite, weil ich mich mit Adressänderungskram rumschlage und weil mir gerade Anwälte im Genick sitzen – ich fass mal zusammen……..

Faulheit und tausend Dinge zu Schreiben
Die letzten Wochen hatte ich zwar immer wieder Ideen, Dinge über die ich schreiben möchte, aber irgendwie konnte ich mir nie den letzten Ruck geben. Mir scheint, als ob ich irgendwie erschöpft zurücklehne nach all dem was ich nun zwei Jahre lang durchkämpfen musste. Das Gefühl, angekommen zu sein, nötigt mir Ruhe ab. Hinzu kommt, dass ich mich nicht so recht festlegen kann, in welcher Form ich grad schreiben möchte. Einerseits wäre mein neues Blog-Tagebuch angesagt (das hier), aber momentan gibt’s gar nicht so viel Erzählenswertes. Anderseits spiele ich mit dem Gedanken, ein richtiges Buch zu schreiben. Dabei denke ich entweder an eine Autobiographie und oder an eine Art Lebensratgeber zum Thema “nichts ist unmöglich”. Und dann gibt’s auch viele andere Dinge die ich beispielsweise im Bereich Transsexualitäts-Aufklärung schreiben möchte. Ich hab quasi soviel was ich schreiben möchte, dass ich mich zu nichts entscheiden kann und deshalb nix schreibe – oder so – das wird sich aber früher oder später von alleine herauskristalisieren, warten wir’s einfach ab ;-)

Blogtagebuch 2010 in Buchform
Ich muss schon bekloppt sein, wenn man bedenkt, dass ich geschätzte 50-100 Stunde Arbeit habe um die Blogtexte von meinem Blogtagebuch 2010 in Buchform zu bringen, obwohl ich nur etwa 20-30 Exemplare verkaufen oder verschenken werde. Mit den Einnahmen decke ich nicht mal die Druckkosten, von der Arbeit reden wir schon gar nicht. Aber ich find’s irgendwie cool, all das Geschriebene auch in Buchform anbieten zu können und es gibt ein paar Leute in meinem Umfeld, die halt so eins möchten (es gibt sogar noch Menschen ohne Internet *staun*). Dieses Jahr ist es noch umständlicher, weil ich in der ersten Version 500 Buchseiten voll hatte, was das Buch viel zu teuer und zu dick machen würde. Also habe ich 100 Seiten eingespart indem ich belanglose Artikel rausgeschmissen habe und zweite 100 Buchseiten sparte ich indem ich eine kleinere Schrift wählte und alle Abstände von Hand rausschmeisse. Am Samstag habe ich 6 Stunden lang Seitenumbrüche verteilt und Abstände optimiert und am Schluss hat OpenOffice (gratis Word) irgendwie n’Schluckauf und alles war klitzekleinwenig verschoben – genug damit ich wieder alle Seitenumbrüche neu festlegen muss, die ganze Arbeit für die Katz. Ich werds jetzt nochmal mit Word versuchen (ging mir letztes Jahr nämlich gleich) und mit etwas Glück kann ich den Druckauftrag noch diese Woche rausgeben – 2-3 Wochen später ist es dann bestellbar.

Personenstandsänderung und Adressänderungen
Das Wichtigste war für mich die neue Identitätskarte und das Halbtax-Abo (Bahncard-50), denn das sind die einzigen formalen Dinger, die ich regelmässig vorweisen muss. Es ist schon ein befreites Gefühl, nie wieder Angst zu haben vor einer Ticketkontrolle oder einem Grenzübertritt, nie mehr das Gefühl ich würde etwas verbergen, ich bin einfach voll und ganz ich, zu genial :-) Im Nachhinein wird mir bewusster denn je, wie grausam es war, dass ich formal gesehen zweieinhalb Jahre lang unter “falschem Namen” leben musste. Und bewusster denn je wird mir, wie grotesk dieser sogenannte “Alltagstest” ist, der von mir erwartet, dass ich immer und überall in meinem richtigen Geschlecht leben soll, ohne dass man mir die nötigen Papiere dazu gibt. Gehen Sie in die Welt hinaus und behaupten Sie überall, Sie würden Diana heissen, falls Sie dabei nicht völlig irre werden, dürfen Sie dann Diana sein – wie realitätsfern ist das denn? Jedenfalls ist dieser ganze Irrsinn um, ich hab Id und Bahnkarte, das ist echt unbeschreiblich.

Doch nun habe ich natürlich eine grosse Zahl an Administrativkram den ich erledigen muss und so Manches erfordert zuerst die Abarbeitung anderer Dinge. Das heisst, ich muss eine genau Reihenfolge einhalten – um ein dummes Beispiel zu nennen, die Firma kann mir den Lohn erst auf den neuen Namen überweisen, nachdem ich das Bankkonto geändert habe, dasselbe gilt für Kreditkarte. Und so ackere ich mich systematisch durch mein Leben, staune Bauklötze was es da alles so gibt und bringe so eins nach dem Anderen hinter mir. Die Vermieter sind informiert, haben die Umschreibung meines Mieterkautionsikontos veranlasst und mir ein Formular zur Bestellung neuer Namensschilder geschickt und beispielsweise meine Webseiten sind auf schon auf den neuen Namen umgeschrieben.

Wenn bitterböse Medien die Justiz-Kavallerie loshetzen
Und gerade diese Umschreibung meiner Webseiten kam genau im richtigen Moment, wenige Tage nach der Umschreibung durfte ich meinen ersten eingeschriebenen Brief mit meinem neuen Ausweis auf der Post abholen – aber meine Begeisterung hielt sich in Grenzen, es war ein Schreiben einer Anwaltskanzlei, die mich im Auftrag eines rechts-konservativen Wochenblattes, das vorläufig mal noch nicht namentlich genannt sein soll, ziemlich heftig unter Druck setzt und beispielsweise mit einer Konventionalstrafe von täglich 10’000 Franken droht. Da ich mich noch nicht entschieden habe, wie weit ich mich dem Druck beuge, halte ich mich diesbezüglich noch bedeckt und erzähle nichts Konkretes.

Was gesagt sein kann ist, dass ich vor Jahren ein Blogverzeichnis erstellt habe, das die Beiträge verschiedener SVP-kritischer Blogs automatisch einscannt und die Beiträge auf verschiedene Stichworte aufteilt und zu jedem Stichwort eine Unterseite (Subdomain) generiert, so eine Art Stichwortverzeichnis. Eines dieser Stichworte war der Name einer Zeitung und dementsprechend hat’s eben so eine Subdomain mit deren Namen drin. Diese Zeitung hat mich nie kontaktiert, anstelle dessen hetzen sie mir gleich ihre Anwälte hinterher. Ich muss dieses Stichwort resp. die Subdomain auf der diese angezeigt werden löschen. Markenschutzrechte machen sie geltend, ich empfinde es mehr als Eingriff in die Informationsfreiheit des Internets und damit als Zensur. Die Seite habe ich vom Netz genommen, ich hab dort genug wichtigere Stichworte und kann da locker auf eines verzichten.

Damit stehe ich vor einer Reihe von Fragen. Ich meinerseits bin überzeugt, dass so ein Stichwortverzeichnis nicht gegen den Markenschutz verstösst, anderseits weiss ich, dass eine reiche Firma mit einem Rudel Anwälten alles in Schutt und Asche legen kann – wer glaubt, Recht und Gerechtigkeit wären dasselbe, hat diese Welt noch nicht begriffen. So stellt sich auch die Frage, ob ich die verlangte Unterlassungserklärung unterschreiben soll, denn damit würde ich vielleicht auch eine Schuld anerkennen, die ich in Frage stelle. Und nicht zuletzt stellt sich die Frage, ob dieser Vorfall nicht von öffentlichem Interesse ist. Wenn Firmen anfangen, die Blogszene zu zensurieren und die Justiz-Kavallerie in die Blogwelt ausschwärmen lässt, dann geht uns das alle etwas an. In dieser ganzen Frage bin ich hinundher gerissen, ehrlich gesagt fürchte ich die Macht die mir da gegenübersteht, anderseits drängt mich mein Gerechtigkeitssinn, mich mit einem medialen Sperrfeuer zur Wehr zu setzen. Ich habe diesbezüglich bei einem mir bekannten Anwalt eine Anfrage gemacht, bisher aber noch keine Antwort bekommen. Falls jemand der hier Mitlesenden juristische Kenntnisse hat in diesem Themenbereich, wäre ich dankbar um Unterstützung.

Erst nochmal kuscheln geh’n
Aber all das ist nicht halb so wichtig wie die Tatsache, dass ich jetzt in drei Tagen grad in Hamburg lande und wieder ein paar Tage mit Juliet rumknuddeln kann – inklusive einem kleinen Shopping-Bummel ;-) Dieses Mal dauerte es zum ersten Mal nur zweieinhalb Wochen bis zum Wiedersehen und ich muss sagen, es sind Welten zu dreieinhalb oder mehr Wochen. So lässt es sich langam leben…………. Und ey, ich flieg zum ersten Mal mit meinem neuen Ausweis, zum ersten Mal, dass von Genitalien bis Ausweis alles meiner Erscheinung und meiner Bordkarte entspricht – ich glaub ich geh mal durch den Nacktscanner, sozusagen als finalen Triumpfzug :D

Transsexuelle Frauen im Sperrfeuer der Ignoranz

Transsexuell zu sein, also im falschen Geschlecht geboren zu leben, ist wohl eine der grössten Herausforderung, die das Schicksal einem Menschen in die Wiege legen kann. Die ganze Kindheit, die ganze Jugendzeit und oft auch das halbe Erwachsenenleben im falschen Geschlecht leben zu müssen, stets eine nicht dem Selbst entsprechende Geschlechterrolle einnehmen zu müssen, sich selber ständig verleugnen und konditionieren zu müssen, all das ist unvorstellbar schmerzhaft, viele gehen daran zugrunde.

Aber das ist nur ein Teil des Leids, es ist der Teil, der ein Stück weit unumgänglich ist – anders als die gesellschaftliche Stigmatisierung, das ständige Missverstandensein, das aus Unwissen und Falschvorstellungen geborene Belächeln, das transsexuelle Menschen in eine Rolle treibt, in der sie nichts zu suchen hätten. Und so bleibt auch im Leben einer Frau mit transsexueller Vergangenheit ein Schatten, der sie immer verfolgen wird – ein Schatten der aus dem Feuer des Missverstandenseins geworfen wird.

Selbst wenn man soviel Glück hat wie ich und in ein verlässliches soziales Gefüge eingebettet ist, viele Menschen hat die zu einem halten und ein zufriedenes und freies Leben führen kann, so stösst man doch immer wieder auf diese dunklen Seiten, die einem wieder ins Bewusstsein rufen, dass man zwar vielleicht respektiert, vielleicht sogar geliebt, aber nur in seltensten Fällen verstanden wird.

Gute Tage – instabile Tage

Es gibt Tage, an denen ich fit bin, an denen ich einfach mein Leben geniesse. An solchen Tagen kann mich nichts erschüttern, egal ob mich in der Öffentlichkeit gelegentlich jemand blöd anschaut, nicht mal wenn ich bemerke, dass mich jemand belächelt, es geht mir völlig am Hintern vorbei. Denn erstens habe ich gelernt, meinen Wert nicht von Fremden bemessen zu lassen und zweitens bin ich dank meiner neuen Freiheit so erfüllt von Lebensfreude und Lebenslust, dass mich kein Schatten trüben kann.

Aber es gibt auch Tage, an denen ich nicht so stabil bin, wer ist schon immer und jederzeit stark genug für die Widrigkeiten des Lebens. an solchen Tagen können Ereignisse, die ansonsten nur an der Oberfläche schürfen, sich plötzlich wie Rasierklingen ins Fleisch schneiden. Und an manchen Tagen kommen solche Schnitte sogar von mehreren Seiten und man findet sich selbst wieder im Sperrfeuer der Ignoranz. Manchmal sind es ganz harmlose Dinge die so einen Tsunami auslösen können, manchmal reicht eine fiktive TV-Serie um die Klingen bis zum Herz eindringen lassen.

Eine verpasste PipeNight

Heute ist so ein Tag. Seit Wochen freue ich mich auf heute Abend, weil in einem Zürcher Pub mal wieder die PipeNight stattfindet, an der ganz viele wirklich tolle Piper mit ihren schottischen Bagpipes auftreten. Es scheint mir Ewigkeiten her, dass ich zum letzten Mal eine dieser so geliebten Schallkanonen erlebt habe und seit über einem Jahr spiele ich ja selber nicht mehr (auch wenn ich vorhabe, irgendwann wieder zu beginnen). Ich freute mich auch, einige Leute die ich super mag dort wieder zu sehen, Leute aus “meiner Pipe-Band” vorallem. Aber ich musste absagen, eben weil heute so ein Tag ist.

Eine desinformierende Informationssendung

Angerissen wurde das Ganze gestern schon, als ich eine Ankündigung auf dem Schweizer Fernsehen las über eine “Dok Sendung” die im Mai ausgestrahlt wird, die von einer transsexuellen Frau handelt. Der Ankündigungstext war von der üblen Sorte, wie man es sich von Medien gewohnt ist. Meisterleistung war die Formulierung: “…. dokumentiert sie ihren Weg vom transsexuellen Mann zur Frau”. Ärgerlich daran war vorallem, dass Dok ansonsten gut recherchiert ist, gerade von so einem Format hätte ich mehr erwartet als das Rezitieren einer längst hinfälligen Psychopathologisierung. Ich nahm mir vor, dieses Wochenende die Redaktion zu kontaktieren, vielleicht ist es ja noch nicht zu spät um da noch etwas Information einzubringen. Jedenfalls legte diese Sache ein Fundament für das was dann kam.

Indentitätsnachweise des Nachts

Es folgte eine Nacht in der ich schlecht schlief und ständig so Quatsch träumte, der irgendwie mit meinem noch alten Ausweis zu tun hat, man sprach mir mein Geschlecht ab weil in meinem Ausweis ja noch das falsche Geschlecht steht. Um sieben Uhr weckte mich mein Futterlieferant, ich wachte mit Kopfschmerzen auf und fühlte mich schon ziemlich durch den Fleischwolf gedreht. Dass ich meine ebenfalls mitgelieferte neue Kaffeemaschine ausgiebig ausprobieren konnte, tröstete ein wenig, so lag ich dann eine Weile vor dem TV und guckte aufgenommene Krimis, schlussendlich einen von “Special victim unit”. Den hätte ich besser ausgelassen, denn der versaute mir dann als letzte Instanz die PipeNight.

Fiktion am TV als Projektion der Wirklichkeit

Es begann harmlos. Eine Frau erschlug einen Mann mit einer Vase und machte geltend, dass er sie vergewaltigen wollte und sie in Notwehr handelte. Bald kam ihr Freund unter Verdacht. Eine Blutuntersuchung brachte dann zutage, dass die Täterin transsexuell ist – oder wie die Polizisten so nett formulierten: “sie ist ein Mann” – auch das Wort “Transe” fiel natürlich. Da ihr Freund unter Verdacht war, sprachen sie ihn darauf an und offenbar wusste er noch nichts davon, drehte völlig durch, beschimpfte sie als “Freak” und tötete sich selbst. Das einzig positive an diesem Film war, dass während der Gerichtsverhandlung ein Psychiater auftrat, der genau das erklärte was ich ständig vorbete. Er erklärte, dass eine transsexuelle Frau eine weibliche Hirnanatomie hat, dass die geschlechtsbestimmende Region “BSTc” im Hypothalamus eine weibliche Struktur hat, er zeigte sogar dieselben Fotos auf die ich selber immer verweise. Das war das erste Mal, dass ich im TV diese Fakten präsentiert bekam, aber das war’s dann auch schon. Im weiteren Verlauf wurde sie von der Richterin in männlicher Form angesprochen oder eine Polizistin sagte mal sinngemäss, dass diese Frau von der Jury nicht wegen der Tat sondern wegen ihrem Geschlecht beurteilt würde. Schlussendlich wurde sie verurteilt und kam in ein Männergefängnis, weil ihr genitaler Geschlechtsstatus noch nicht stimmte. Es kam wie es kommen musste, keine 24 Stunden später wurde sie in den Spital eingewiesen, mit blutiggeschlagenem Gesicht, nachdem sie mehrfach vergewaltigt wurde.

Das reichte, um wieder mal alles hervorzuholen, was ich so gerne vergesse, wenn ich der Süsse des Lebens nachfolge. Ich bin eine Frau in einer Gesellschaft, die mich als Mann betrachtet, egal welchen offiziellen Geschlechtsstatus ich habe, da ändert auch eine Personenstandsänderung nicht viel. Ich lebe in einer Welt, in der nonkonforme Menschen belächelt, verhöhnt, angepöbelt oder getötet werden. Auch wenn Letzteres hierzulande noch nicht geschehen ist, der Rest reicht um einem das Leben schwer genug zu machen.

Natürlich war das nur ein Film, pure Fiktion, all das ist nie geschehen. Aber Filme sind eine Projektion der Realität, das was hier erfunderweise zu sehen war, geschieht auch im realen Leben – tagtäglich. Es sind Geschichten die das Leben schrieben, in denen eine transsexuelle Frau in einem Männerknast vergewaltigt wird oder ins Gefängnis muss, weil sie ein Damenklo benützt hat oder grundlos verprügelt oder gefoltert und todgeschlagen wird nur weil sie das Leben führt, das ihr in die Wiege gelegt wurde, nur weil sie ist, wer und was sie ist.

Lebenslust nicht wegen sondern trotz des Lebens

Es macht mir mal wieder bewusst, dass Blicke eben doch weh tun, ich bin nur stark genug sie zu ertragen. Und auch ich habe Angst in den Ausgang zu gehen, weil meine Wesensart mir ein höheres Risiko von Übergriffen beschert, ich bin nur renitent und mutig genug, mich nicht vom Leben abhalten zu lassen. Und auch mich schmerzt es zu wissen, dass ich von vielen Menschen für immer als Mann betrachtet werde, also nie wirklich wahr!genommen werde, ich bin nur selbstbewusst genug um meinen Selbstwert nicht von Anderen zuweisen zu lassen. Es macht mir wieder bewusst, dass ich das Sperrfeuer der Transphobie nie verlassen werde – ein Leben lang………… und es macht mir wieder bewusst, wie wichtig es ist, dass ich die guten Tage geniesse, dass ich mir meine Lebenslust nicht nehmen lasse, dass ich mich bei Schussgeräuschen zwar in Deckung werfe aber nie liegen bleibe sondern weiter gehe, der Sonne entgegen, die nie aufhört zu scheinen, auch wenn man grad im Schatten liegt.

Heute ist mir jedenfalls nicht mehr nach schottischer Pipe-Musik, heute finde ich mich eher in der Musik einer Anne Clark, die in ihrem Lied “Wallies” sinngemäss singt:

Die Nacht ist für die Jäger – und die Gejagten sind Du und ich.
Gejagt nur weil wir eine eigene Art der Identität haben.
Die Nacht ist für die Jäger – und die Gejagten sind Du und ich.
Gejagt nur weil wir eine eigene Art der Individualität haben.
…..
Sie spühlen ihre Aggression aus – und schlagen das was sie nicht verstehen.
……
Wir müssen lernen, gegen die Macht der Irreführung zu kämpfen,
nur um sein wie wir sein wollen.

Ja, wir müssen wirklich kämpfen, gegen ein Barbie+Ken Geschlechterbild, das die Lebensrealität transsexueller Menschen ausblendet, nur um das eigene schwarz-weiss Denken nicht aufgeben zu müssen. Und wir werden kämpfen, zumindest ich werde kämpfen – weil wir sonst ewig die Gejagten bleiben werden.

“Geschlechtsumwandlungen” bleiben im Leistungskatalog

“Unnötige medizinische Massnahmen” wie “Geschlechtsumwandlungen” und Abtreibungen sollen aus dem Leistungskatalog gestrichen werden, forderte SVP-Nationalrat Peter Föhn in einer Motion, gefolgt von einer Meute “christlich-konservativer Politiker”, die das gleich mit einer Volksabstimmung durchsetzen wollen. Während Zweiteres noch aussteht, wurde Ersteres nun im Nationalrat mit 81 zu 67 Stimmen bei 6 Enthaltungen abgelehnt, nicht zuletzt weil es ein Verstoss gegen die europäische Menschenrechtskonvention wäre. Soweit gute Neuigkeiten für Betroffene, für die geschlechtsangleichende Massnahmen die einzige Überlebenschance sind. Trotzdem hinterlässt diese Episode einen bitteren Nachgeschmack, in Anbetracht davon, dass unsere sogenannt bürgerlichen Politiker überhaupt auf diese menschenverachtende Idee kamen und wie sie dabei argumentierten. Und es ist eindrücklich, dass einzig die SVP kollektiv dafür war, dass man transsexuellen Menschen zukünftig notwendige medizinische Leistungen verweigert.

Es gibt keine Geschlechtsumwandlungen

Beginnen wir kurz mit der Terminologie: Niemand wandelt sein Geschlecht um, das ist nicht möglich und wird auch kaum von jemanden gewollt. Es zeigt sich bereits in dieser Wortwahl, dass die Initiatoren sich nie ernsthaft mit diesem Thema beschäftigt haben. Transsexuelle Menschen ändern nicht das Geschlecht sondern passen das Äussere dem eigenen Geschlecht an. Die Gewissheit um das eigene Geschlecht ist unumstösslich und in der Hirnanatomie unveränderbar festgelegt, aber der Rest des Körpers hat sich nicht in dasselbe Geschlecht entwickelt wie “das Ich”.

Unnötige medizinische Leistung?

Transsexualität führt zu einem unvorstellbaren Leidensdruck, Betroffene gehen psychisch und emotional zugrunde und überdurchschnittlich viele begehen früher oder später Suizid. Transsexuellen Menschen kann nur auf eine Weise geholfen werden, mittels Hormontherapie und genitalangleichender Operation. Deshalb wurde “Transsexualismus” auch von der Weltgesundheitsorganisation als Krankheit eingestuft und ist infolgedessen im Leistungskatalog der Grundversicherung eingeschlossen. Entgegen weit verbreiteter Vorstellung ist Transsexualität kein selbst gewählter Lifestyle sondern ein Leben mit unerträglichem Leidensdruck. Durch diese geschlechtsangleichenden Massnahmen stabilisiert sich der Gesundheitszustand der Meisten erheblich, was längerfristig zu Kostenmilderung führt, weil deutlich weniger Folgekrankheiten entstehen.

Kostenübernahme durch Krankenkasse?

Dabei werden gerne wirrste Zahlen herumgereicht, 80-100’000 Franken soll eine “Geschlechtsumwandlung” kosten. In Wirklichkeit belaufen sich die Kosten der genitalangleichenden Operation beispielsweise am Zürcher Universitätsspital auf weniger als 20’000 Franken inklusive dem zweiwöchigen Spitalaufenthalt. Darauf folgt noch eine kleine Operation und ein paar Nachuntersuchungen, insgesamt dürfte es um die 30’000 Franken sein für die gesamte Behandlung. Die Hormone die dann zeitlebens noch gebraucht werden, sind so günstig, dass man damit nicht mal die Franchise überschreitet, fallen also nicht mehr ins Gewicht. In Anbetracht davon, dass nicht behandelte Transsexualität zu umfangreichen Folgeerkrankungen und damit hohen Kosten führt, ist eine Nichtbehandlung deutlich kostspieliger. Wenn ich mich selber als Fallbeispiel nehme, dann hatte ich vorher fast ein Jahrzehnt wöchentlich eine Psychotherapiestunde zu 160 Franken. Seit Abschluss meiner “Transition” gehe ich noch alle 2 Monate einmal, weil’s mir einfach gut geht im Gegensatz zu den vier vorherigen Jahrzehnten.

Sexuelle Verstümmlung und Suizid?

Bei Geschlechtsumwandlungen würden Menschen sexuell verstümmelt,
und viele nähmen sich später das Leben.
(Doris Fiala)

Erschreckende Unwissenheit demonstrierte FDP-Nationalrätin Doris Fiala mit obigem Zitat. Wenn Menschen nach jahrzehntelangem Leiden dank genitalangleichener Operation leidensfrei sein können – und das geschieht in der Regel – dann ist es einfach zynisch, da von sexueller Verstümmlung zu reden, das ist einfach absurd in Anbetracht der Lebensrealität transsexueller Menschen. Dr. Udo Rauchfleisch, der am Basler Universitätsspital über hundert Transsexualitätsbetroffene behandelt hat, schreibt in seinem Buch “Transsexualität – Transidentität“, dass von all denen nur eine Betroffene diese Behandlung bereut hat, allen Anderen würde es bedeutend besser gehen. Dasselbe gilt für den Suizid-Mythos. Das Suizidrisiko nimmt in der Regel deutlich ab, weil Betroffene erstmals mit sich im Reinen sind und eine “Behinderung” weggefallen ist. Um es deutlicher zu sagen: Wäre diese unsägliche Motion angenommen worden, wäre die Suizidrate in Zukunft garantiert deutlich höher – eine Annahme hätte Menschen in den Tod getrieben!

Aber immerhin gibt es auch im Parlament ein wenig Restvernunft, wie aus dem Einspruch von Margret Kiener-Nellen zu entnehmen ist:

Als Anwältin begleite ich, mit den entsprechenden rechtlichen Massnahmen und Verfahren, seit fast dreissig Jahren solche Geschlechtsumwandlungen. Ich kann bestätigen, dass diese Klientinnen und Klienten mit den Operationen alle sehr glücklich und zufrieden sind. Den Tatbestand, den Frau Fiala angesprochen hat, kenne ich nicht. Meine Frage haben Sie vielleicht schon beantwortet: Gibt es dazu Langzeitstatistiken? Meines Erachtens gibt es das nicht. Ich wüsste auch nichts von einer erhöhten Suizidrate bei diesen Personen.

(Margret Kiener-Nellen)

Wer bestimmt den Krankheitswert?

Ich finde es ehrlich gesagt erschreckend, dass Politiker sich plötzlich Rosinen aus dem Leistungskatalog picken und bestimmen wollen, welches Leiden Krankheitswert hat, was behandlungswürdig ist und überhaupt, was Krankheit ist. Aber ist es Aufgabe der Politiker, Diagnosen zu stellen und Behandlungen festzuschreiben oder ist es nicht Aufgabe von Wissenschaft und Medizin, das festzulegen? Die Weltgesundheitsorganisation WHO bestimmt, was als Krankheit gilt und was für Behandlungen angebracht sind. Dabei stützen sie sich auf medizinisches Wissen. Was als Krankheit gilt, ist vorallem vom Leidensdruck abhängig, der ist bei Transsexualität gegeben.

Schwarzpeter-Spiele der Bürgerlichen?

Wenn man bedenkt, dass mit dieser geplanten Hilfeverweigerung in Anbetracht der wenigen Fälle nicht mal ein Promille der Krankenkassenprämien eingespart würden, fragt man sich schon, was für Schwarzpeterspiele da gespielt werden in Bundesbern. Parallelimporte, die zu tieferen Medikamentepreisen geführt hätten und ein riesiges Sparpotential im Milliardenhöhe gewesen wäre, wurde von den sogenannt Bürgerlichen lange bekämpft. Muss man hier wieder mal ein schwarzes Schaf postulieren und schlachten um zu zeigen, dass man doch irgend etwas tut für tiefere Krankenkassenprämien? Wenn ich dann noch erlebe, dass die Initiatoren dieser Alibiübung auf Kosten Anderer nicht mal wissen worum es eigentlich geht und was sie da fordern – und warum – dann gibt mir das schon arg zu denken. In beispielhafter Weise demonstrierte das Peter Föhn anlässlich eines Rundschau-Interviews, als er den Grund für seine Motion wiefolgt zu erklären versuchte……. o-Ton, kann hier auf 6:00 Minuten mitgehört werden……..

Die Geschlechts…….äh…. Umwandlungen streiche ich vorallem auch….. dann…….. nach ähmä???…… pffff, ja vielleicht….. ein ethischer Hintergrund….. ein…… religiöser Hintergrund für mich haben…… bei dem ich sage: ist das wirklich notwendig……. und ich stelle als Politiker jetzt einfach diese Frage laut in den Raum.
(Nationalrat Peter Föhn)

Ich war echt erschüttert, als ich dieses Interview sah, dieser Mann erklärt, warum er Menschen wie mir das Leben verweigert und hat so eine unbeholfene Erklärung dafür – ethischer Hintergrund – ja, das Überleben Betroffener steht auf dem Spiel………. danke an die Parlamentsmehrheit, dass sie dieses Spiel nicht mitgespielt haben.

Diskussion im Parlament: Wortmeldungen

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