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Der Abgrund zwischen Pränataldiagnostik und Eugenik

downeugen Seit einem Jahr ist in der Schweiz ein Test auf Trisomie-21 (Down-Syndrom) frei erhältlich, dieser Gen-Test ermöglicht auf relativ einfache Weise zu erkennen, ob ein Kind mit Down-Syndrom zur Welt kommen wird. Früher ging das nur mittels Test des Fruchtwassers, was nicht nur aufwändig war sondern auch für das Embryo gefährlich, eines von hundert untersuchten Embryonen wurde geschädigt. Diese Vereinfachung des Tests klingt nett, blickt man jedoch etwas weiter, merkt man schon bald mal, dass wir damit die Grenze zwischen Pränataldiagnostik und Eugenik massiv aufweichen. Was vielleicht gut gemeint ist, entwickelt sich meines Erachtens zu einer Türöffnung für etwas, das wär längst der Vergangenheit angehörend glaubten – der selektionerte Mensch.

Eugenik bezeichnet die Anwendung wissenschaftlicher Konzepte
auf die Bevölkerungs- und Gesundheitspolitik
mit dem Ziel, den Anteil positiv bewerteter Erbanlagen zu vergrößern
und den negativ bewerteter Erbanlagen zu verringern.
(http://de.wikipedia.org/wiki/Eugenik)

Eugenik der Vergangenheit

Mit Schrecken blicken wir zurück in eine Zeit, in der deutsche Nationalsozialisten leidenschaftliche Eugenik betrieben. Der perfekte Arier war gesucht und sollte gefördert werden, gute Gene verbreiten und schlechte Gene ausrotten. Egal ob das nun Juden, Zigeuner, Behinderte oder Homosexuelle waren, wer mal auf der Liste der “schlechten Anlagen” landete, war zum Abschuss freigegeben. Im harmlosen Fall bedeutete das Zwangssterilisierung, im schlimmsten Fall Ermordung. Auch die Schweiz hatte ihre dunklen Kapitel, so wurden bei uns beispielsweise Jenische (Zigeuner) in psychiatrische Kliniken gesteckt und ihre Kinder wurden den Eltern entrissen (Pro Juventute – Kinder der Landstrasse), aber auch andere “Non-Konforme” zwangspsychiatrisiert, mit Elektroschocks “behandelt” oder zwangssterilisiert – alles im Dienste einer “Ausrottung der schlechten Anlagen”.

Down-Syndrom: Kein Recht auf Leben

Dieser Test signalisiert,
dass ein Leben mit Downsyndrom ein unwerteres, leidvolles Leben sei,
obschon man heute weiss, dass auch sie ihr Potenzial entwickeln
und ein glückliches Leben führen können.
(CVP-Nationalrätin Lucrezia Meier-Schatz)

Diese Zeiten sind vorbei, dachte ich lange Zeit – wie sehr ich mich doch täuschte. Menschen mit Down-Syndrom gehören zu den Ersten, denen offiziell der Lebenswert aberkannt wird. Warum ausgerechnet die, entzieht sich meinem Verständnis. Wer schon mal Betroffene beobachtet hat, wird auch bemerkt haben, dass die in vielen Fällen ein recht glückliches Leben führen können. Sie brauchen zwar mehr Unterstützung als Andere, aber sie leben, lieben, fühlen und träumen wie wir alle auch. Wer diese Erfahrung noch nicht gemacht hat, sollte vor dem Weiterlesen wenigstens kurz in nachfolgende Doku reinschauen. Da sieht man eine jener Frauen, die ein Down-Syndrom haben. Wer den Standpunkt vertritt, dass dies ein Grund zur Abtreibung sei, der soll bitte diese Doku anschauen und dann nochmal darüber nachdenken, ob dieses Mädel wirklich kein Lebensrecht hat. Ich hatte Tränen in den Augen, als ich diese Doku sah, nicht wegen der Doku selbst sondern weil mir ständig im Hinterkopf herumspukte, dass Menschen wie sie von unserer Gesellschaft zur Tötung freigegeben wurden – zumindest solange sie nicht geboren sind.
SF-DRS: Dok – Goethe, Faust und Julia

Der Erlaubnis zum Töten folgt der Zwang zur Tötung

Die Befürworter solcher Tests betonen stets, dass es ja freiwillig sei und niemand davon Gebrauch machen müsse. Stimmt das wirklich? Vor einiger Zeit führte ich eine längere Diskussion in den Kommentarspalten deiner renomierten Tageszeitung. Es dauerte nur wenige Kommentare lang, bis sich einer zu Wort meldete der sinngemäss sagte: “Da solche Tests nun möglich sind, sollten wir uns überlegen, ob wir Eltern, die so einen Test nicht machen lassen, die Unterstützung durch die Krankenkasse verweigern. Sie hätten es ja vermeiden können, also sind sie selber für die Folgen verantwortlich”. Nun, das Positive, die Mehrheit der Kommentierenden war wie ich geschockt über diese Äusserung, aber wie lange noch? Wenn solche Tests mal zum Standard gehören, wird es für so eine Haltung früher oder später eine Mehrheit geben. Je mehr Menschen mit DownSyndrom abgetrieben werden, desto mehr ecken die Überlebenden an. Und nicht zuletzt haben die Krankenkassen ein grosses Interesse daran, solche Leistungen zu verweigern, falls sie dazu die Möglichkeit hätten.
Downsyndrom: Angst vor einem Test oder vor den Kosten?

Dieser Test kann dazu führen, dass Eltern,
die keine Untersuchung vornahmen,
von Versicherungsleistungen ausgeschlossen werden,
wie dies bereits heute in der IV der Fall ist.
Das ist ethisch bedenklich.
(CVP-Nationalrätin Lucrezia Meier-Schatz)

Wer ist lebenswert, wer rentiert für diese Gesellschaft?

Ein weiterer Einwand der schnell mal kommt, ist die finanzielle Wertbemessung für die Gesellschaft. So Menschen bringen der Gesellschaft nichts, liest man in solchen Diskussionen, warum also solche Menschen zulassen, wenn man anstelle dieses “Behinderten” ja ein anderes, gesundes Kind zur Welt bringen könnte, das der Gesellschaft auch etwas beizusteuern vermag. Oha, wie wertvoll muss ein Mensch der Zukunft sein, damit wir ihn am Leben lassen? Irgendwie kann ich nicht fassen, dass es Menschen gibt, die in der Frage um das Lebensrecht Anderer finanzielle Kriterien einbringen.

Und was ist überhaupt “behindert”?

Die aus dieser Entwicklung resultierenden Fragen gehen jedoch noch viel weiter. Was gilt denn überhaupt als “behindert”? Es gibt viele “Erbkrankheiten” die genetischen Ursprungs sind, neben Down-Syndrom gäbes da auch Autismus, Diabetes, Depression, MultipleSklerose, Schizophrenie, Parkinson, das und vieles mehr gehört zu den Krankheiten, die genetisch bedingt oder verstärkt sind. Konsequent weiter gedacht stellt sich also die Frage, wen wir als nächstes zum Abschuss freigeben. Wenn wir als Gesellschaft sagen, dass man ein Kind abtreiben darf, wenn es ein DownSyndrom hat, warum sollten wir dann nicht weiter gehen und genauso verfahren mit Menschen, die später eine der vielen anderen Krankheiten bekommen? Und um die Frage etwas auf die Spitze zu treiben, wenn wir schon Menschen mit “schlechten Anlagen” vorgeburtlich töten, nur weil sie eben so sind wie sie sind, warum sollten wir dann nicht auch bereits geborene Menschen im Dorfbrunnen ersäufen, wenn sie sich als nicht-rentabel herausstellen? Wer setzt hier Grenzen, wer bestimmt was als “behindert” oder “krank” gilt, wer spricht die Todesurteile?

Wohin führt uns dieser Weg?

Wie lange wird es dauern, bis wir zur Sanierung der AHV entscheiden, dass wir zukünftig Kinder mit einer genetischen Prädisposition für Alzheimer oder Parkinson schon vor der Geburt abschiessen? Kommt irgendwann der Tag, an dem religiöse oder andere Fundamentalisten auch die Abtreibung von homosexuellen oder transsexuellen Menschen fordert (falls sich da wirklich eine genetische Prädisposition findet)?

Diese Entwicklung macht mir echt Angst, nicht weil ich davon betroffen wäre sondern deshalb, weil es in mir die Befürchtung weckt, dass der Mensch sich noch weiter zu einem gefühlskalten Klotz entwickelt, dass der moderne Mensch je länger desto mehr nur noch als Wertschöpfungsobjekt betrachtet wird.

Eugenik ist nicht für sondern GEGEN den Menschen

Denjenigen, die sich vertiefter mit dem Down-Syndrom beschäftigen möchten, empfehle ich diese TV-Sendung:
Leben mit dem Down-Syndrom (Quarks & Co: 08.05.2012)

Diejenigen, die sich in die Geschichte der Eugenik einlesen möchten, finden hier mehr als ein gesunder Mensch ertragen kann:
3. Der Psychiatrie-Holocaust der “zivilisierten” Welt mit Vorreiter Schweiz – Sterilisierungen und Euthanasie in Zürich

Alle Anderen bitte ich, wenigstens diese kurze Video anzuschauen und darüber nachzudenken, ob all diese Menschen wirklich keinen Lebenswert haben.

Streubomben wählen SVP

Streubomben gehören zu den perversesten Waffen die es gibt, man wirft eine Bombe ab, die dann in eine Unzahl von Minibomben zerfällt und ganze Landstriche für eine kleine Ewigkeit zum Minenfeld macht.

Von den geschätzten hunderttausend Toten, die auf das Konto von Streubomben gehen, sind sagenhafte 98% davon Zivilisten!

Deshalb wird diese Waffe international immer mehr geächtet, eine Mehrheit der Länder hat 2008 ein internationales Abkommen unterzeichnet, das Streumunition verbietet – auch die Schweiz hat beschlossen, dieses Abkommen zu ratifizieren – der Bundesrat war dafür, das Parlament war dafür……….

…… aber die SVP, die sich selbst zynischerweise Volkspartei nennt, hat einen Rückweisungsantrag gestellt und man glaubt es kaum, eine knappe Mehrheit der Sicherheitskommission des Nationalrats hat den Antrag nun angenommen und damit das Munitionsverbot blockiert.

Wir brauchen Streumunition, sie ist ein hocheffizientes Verteidigungsmittel“, sagte SVP-Nationalrat Ulrich Schlüer…… Streubomben? Verteidigung? 98% der Toten sind Zivilisten? Was in aller Welt haben die geraucht?
Tagesanzeiger: Wir brauchen Streumunition”

Also jetzt mal langsam. Verteidigung findet statt, wenn man angegriffen wird, was in der Regel im eigenen Land geschieht, wir sind ja selten alle zusammen im Ausland und können dort angegriffen werden. Wenn wir also hier angegriffen werden, inwiefern dienen uns dann Streubomben, mit denen wir ganze Landstriche in Minenfelder verwandeln können? Umwieviel besser wird unsere Landesverteidigung, wenn wir auch nach einem allfälligen Krieg noch Jahrzehntelang immer mal wieder Einzelteile von Kindern einsammeln müssen, die beim Spielen auf dem Feld von einer Streubombe zerfetzt wurden?

Wen wollen die verarschen? Um Landesverteidigung geht es garantiert nicht, Streubomben sind Angriffswaffen und keine Verteidigungswaffen, sie .treffen zu 98% nicht militärische Ziele sondern legen einfach die Zivilbevölkerung in Schutt und Asche und sie machen ganze Gebiete für lange Zeit zu Todeszonen. Wem dient das, dem Volk? Oder geht es da nicht eher einmal mehr um die Interessen von finanzstarken Firmen, diesmal aus der Rüstungsindustrie?
Tagesspiegel: Streumunition – Investitionen in den Tod

Bedenklicherweise ist es nichts Neues, dass die SVP im Dunstkreis von Tötungsgerät anzutreffen ist. Dass sie einen Hang hat zum freien Waffenerwerb, ist soweit ja allen klar. Weniger bewusst dürfte es den Leuten sein, dass SVP-Guru Christoph Blocher vor einigen Jahren im Scheinwerferlicht stand, weil er Teilhaber war an der “Ems-Patvag”, die seiner “Ems-Holding” unterstellt war. Die Patvag stellte Zünder für “Airbags” her – im weitesten Sinn – ein Teil davon wurde nach Singapur verschachert und dort zum Bau von Personenminen verwendet:
NZZ: Du sollst nicht verstümmeln
Da wundert es einem nicht so wirklich, dass die SVP chronisch gegen Einschränkungen der Waffenexporte ist – ein Schelm wer da Böses denkt.

Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass die Partei, die sich Volkspartei nennt und ständig eine allesvernichtende Bedrohung durch böse böse Ausländer an die Wand malt, das Ausländerproblem im Ausland mit Personenminen löst und im Inland mit Streubomben – sowas nennt man dann wohl Realsatire.

Aber wir kennen das ja, früh übt sich wer gross werden will. Bekanntlich verfolgt die SVP ja ihre “Strategie 51 Prozent“, die das Ziel hat, mindestens 51% des Parlements zu beanspruchen. Denn wenn es die SVP dank dem millionenschweren Propaganda-Budget wirklich schafft, dann können sie ihre parteiinterne Diktatur landesweit betreiben – spätestens dann brauchen sie vielleicht wirklich Streubomben – eine rechte Diktatur muss schliesslich gegen die Feinde im Volk gewappnet sein.

Dieses Wochenende sind Wahlen, bleibt zu hoffen, dass das VOLK diesen Gesellen nicht schon wieder noch mehr Macht verleiht. Andernfalls – kauft’s Regenschirme – da kommt wohl noch einiges auf uns zu.

Himmel, SVP!!!! Was heisst “WIR brauchen Streubomben”? Wir, das Volk, brauchen DAS nicht, echt nicht!!!
YouTube: Streubomben – Krieg nach dem Krieg 1/2
YouTube: Streubomben – Krieg nach dem Krieg 2/2

UPDATE: gemäss Facebook-Seite “Streumunition Schweiz” haben folgende Nationalräte gegen die Ratifizierung und damit für eine Schweiz mit Streubomben gestimmt – man darf das ruhig als Nicht-Wahlempfehlung verstehen:

SVP
Roland Borer SO
Toni Bortoluzzi ZH
Thomas Hurter SH
Christian Miesch BL
Yvan Perrin NE
Ulrich Schluer ZH
Bruno Zuppiger ZH

FDP
Edi Engelberger NW
Sylvie Perrinjaquet NE
Peter Malama BS
Walter Müller AG
Corina Eichenberger-Walther AG

CVP
Jakob Buechler SG
Arthur Loepfe AI
Pius Segmüller LU

Badewannenpredigt: Freiheit, Vernunft und Gerechtigkeit

Letztes Wochenende habe ich ja eine neue Serie gestartet namens “Gedanken auis der Badewanne“. Idee dahinter war, dass ich oft unter der Woche zu müde bin um zu bloggen und sich so Gedanken ansammeln, die dann meist in meiner sonntäglichen Badewannenmuse wieder auftauchen und da ich am Sonntag meist die Ruhe geniesse, habe ich dann Zeit, diese Gedanken einzusammeln und in Worte zu kleiden.

Heute beginne ich eine weitere Serie, ich nenne sie “Badewannenpredigt”. Grundidee davon ist, dass ich eben oft am Sonntag eher in Gedanken schwelge und dabei manchmal philosophische oder religiöse Gedankengänge mache, die dann meist in der Badewanne zur Vollendung finden. Diese Beiträge erheben in der Regel nicht den Anspruch auf Vollständigkeit, sie wollen keine Antworten geben sondern eher Fragen aufwerfen – damit möchte ich Euch dazu motivieren, selber ein warmes Bad zu nehmen und dort diese Gedanken weitertreiben zu lassen.

Erste Badewannenpredigt: Drei Aspekte, ein Ziel

Diese Woche gab es drei Aspekte, die in diesen Beitrag einfliessen. Das Erste war das Treffen mit Claudia, das mich darüber nachdenken liess, wieviel Freiheit wir uns zugestehen resp. wieviel unserer Freiheit wir aufgeben, nur weil sie irgend jemandem nicht in den Kram passen könnten. Das Zweite war wie immer der alltägliche politische und gesellschaftliche Irrsinn, der einem aus Zeitungsblättern entgegenstarrt und einem daran zweifeln lässt, dass der Mensch je Vernunft gelernt hätte. Das Dritte war der Auslöser für diesen Beitrag, es war eine TV-Sendung “Sternstunde Philosophie” mit der ich meist meinen sonntäglichen Ruhetag beginne, diesmal über Immanuel Kant und seine Kritik an der praktischen Vernunft. Diese drei Gedanken sind ein guter Badewannenzusatz, darin lässt sich prima schwimmen…….

Die Freiheit des Menschen

Kant, Claudia und ich dürften uns einig sein, dass es kaum etwas Elementareres gibt im Menschsein als das Recht, ja gar die Pflicht, ein freier Mensch zu sein, selbstbestimmend sein Leben zu gestalten und wie ich es gerne zu sagen pflege, der Spur des eigenen Herzens zu folgen und sein Innerstes zu entfalten.

Gerade für stigmatisierte Wesensarten wie transsexuelle Menschen wird das zu einer ungeheuren Herausforderung, denn wenn ich der Spur meines Herzens folge und meine Freiheit des Ichseins beanspruche, löse ich damit nicht nur grosse Irritationen aus sondern belaste so Manche die mir lieb sind, mehr als mir lieb ist. Der Grundsatz einer “ethischen Freiheit” besagt, dass alle so frei sind, dass sie tun können was sie wollen, solange sie damit nicht die Freiheit Anderer einschränken.

In unserem Fall ist das nicht ganz so einfach, weil beispielsweise meine Freiheit des Ichseins ein Stück weit die Freiheit meines Kindes einschränkt, das sich plötzlich nicht mehr getraut zu mir zu stehen, weil es andernfalls von ihrem Umfeld gemobbt würde.

Aber das ethische Verbrechen wird nicht durch meinen Freiheitsanspruch begangen sondern durch eine Gesellschaft, die nicht diesem Grundsatz folgt. Müsste ich nun auf meine Freiheit verzichten, weil durch meine Freiheit die Freiheit Anderer beeinträchtigt würde durch eine freiheitsfeindliche Gesellschaft? Oder müsste ich nicht gerade deshalb meine Freiheit beanspruchen, ja geradezu zur Schau stellen, um der Welt ein Mahnmal zu sein das sie erinnert, dass die Freiheit des Seins doch möglich ist?

Eine grosse Herausforderung ist die Inanspruchnahme der persönlichen Freiheit jedoch für alle Menschen. Wie oft tun wir nicht was wir wollen, weil wir uns Gedanken machen im Stil von “das kann ich doch nicht, was denken dann…..”. Natürlich ist es unabdingbar, dass wir uns die Folgen unserer beanspruchten Freiheit im Klaren sind und prüfen, ob wir damit jemandem schaden. Aber es spottet dem Wort “Individuum”, wenn wir unsere Freiheit einschränken, nur weil wir denken, es könnte irgend jemanden stören oder es würde unser Ansehen beeinträchtigen.

Die Verpflichtung zur eigenen Entscheidung

Ich habe Kant bisher noch nicht gelesen, werde das in den nächsten Wochen nachholen, insofern bewege ich mich jetzt auf dünnem Eis, wenn ich über Kants Gedanken zur Vernunft auslasse. Aber das was in dieser TV-Sendung aufleuchtete, scheint mir interessant genug zu sein um es hier einfliessen zu lassen, mit dem Risiko, dass ich ihn missverstanden habe. Die Sendung erweckte in mir den Eindruck, dass Kant nebst dem Recht auf Freiheit vorallem eines forderte, dass der Mensch seine eigene Vernunft walten lässt. Ich nehme mal allein das auf um mir weitere Gedanken zu machen.

Wenn wir uns für oder gegen etwas entscheiden, tun wir das aufgrund irgendwelcher Überlegungen und Überzeugungen, doch woher stammen die Kriterien, mittels derer wir uns entscheiden? Ein Blick in die Medien und noch mehr in die Kommentarspalten lässt mich immer wieder erstaunen, mit welcher Selbstverständlichkeit vernunftbegabte Menschen Dinge tun oder über Dinge schreiben, in einer Art, die dem Wort “Vernunft” spottet. Und oft frage ich mich, wessen Geistes Kind solche Gedanken und Taten sind und meist bleibe ich ratlos, die Frage unbeantwortet. Viel zu oft, scheint es mir, entscheiden sich Menschen aufgrund einer “Wahrheit”, die sie nicht selber ergründet haben, sie plappern einfach etwas nach was ihnen als Wahrheit verkauft wurde.

Ethische und moralische Grundsätze müssen erarbeitet werden, das muss jeder für sich ein Stück weit tun. Wer anstelledessen nur Grundsätze nachbetet die ihm vorgebetet wurden, der vernachlässigt die eigene Begabung zur Vernunft und macht sich so zum Spielball für Andere. Es erstaunt mich immer wieder bei Abstimmungen, dass eine Plakatschwemme in Millionenhöhe meist reicht um die Volksmeinung zu kippen. Und es schockiert mich immer wieder zu erleben, wie vermeintlich vernunftbegabte Menschen beispielsweise wie vor ein paar Jahren eine Unternehmenssteuerreform gutheissen, die ein paar Milliarden von unserem Geld in die Wirtschaft pumpt – und gleichzeitig eine IV-Revision durchwinkt, die invaliden Menschen, also den Schwächsten dieser Gesellschaft, das Wenige reduzieren das sie haben. Was für eine Vernunft, was für eine Ethik oder was für eine Moral lässt uns so entscheiden? Wer von all denen, die das gutgeheissen hat, hat sich wirklich ernsthaft darüber Gedanken gemacht und hat sich gesagt: “Wir wollen die Wirtschaft stützen, aber das kostet Geld, also nehmen wir das Geld der Invaliden und hoffen, dass wir damit unseren gesamtgesellschaftlichen Lebensstandard verbessern können”? Ich glaube und hoffe, dass nur Wenige so dreist sind, die Meisten haben einfach vergessen, ihre eigene Vernunft anzufragen zu diesem Entscheid, sie liessen sich willig einlullen durch eine Kampagne der sogenannt “bürgerlichen Politiker”. Aber wozu braucht der Mensch denn überhaupt eine Vernunft, wenn er das Denken an Plakatwände delegiert?

Die Verantwortung des Einzelnen

Weder das Recht auf persönliche Freiheit eines Individuums noch die Pflicht zur Inanspruchnahme der eigenen Vernunft kann delegiert werden. Es liegt in unserer eigenen Verantwortung, herauszufinden was wir wollen und brauchen und Wege zu finden uns diese Freiheit zu nehmen. Und es liegt genauso in unserer eigenen Verantwortung, ethische und moralische Werte selber aufzustellen, uns selber Gedanken zu machen und Dinge selber rational zu bewerten.

Wer seine Freiheit oder seine Vernunft delegiert, delegiert sein Leben und gibt damit seine Selbstbestimmung auf. Das wäre an sich eine persönliche Sache, wenn sich jemand zum Sklaven berufen fühlt, soll er das tun dürfen. Problematisch ist es, wenn ein Mehrheitskollektiv so mit ihrem Leben verfährt, denn daraus resultiert eine Nation von Marionetten, die von ein paar Mächtigen gesteuert wird. Und das wiederum ist ein Armutszeugnis für eine Spezies, die nicht nur die Fähigkeit zur Vernunft hätte sondern auch das Recht auf Freiheit – so zelebriert man die Kapitulation vor dem Menschsein.

So und jetzt, Leute, ab in die Badewanne mit Euch ;-)

Sternstunde Philosophie vom 16.10.2011

“Geschlechtsumwandlungen” bleiben im Leistungskatalog

“Unnötige medizinische Massnahmen” wie “Geschlechtsumwandlungen” und Abtreibungen sollen aus dem Leistungskatalog gestrichen werden, forderte SVP-Nationalrat Peter Föhn in einer Motion, gefolgt von einer Meute “christlich-konservativer Politiker”, die das gleich mit einer Volksabstimmung durchsetzen wollen. Während Zweiteres noch aussteht, wurde Ersteres nun im Nationalrat mit 81 zu 67 Stimmen bei 6 Enthaltungen abgelehnt, nicht zuletzt weil es ein Verstoss gegen die europäische Menschenrechtskonvention wäre. Soweit gute Neuigkeiten für Betroffene, für die geschlechtsangleichende Massnahmen die einzige Überlebenschance sind. Trotzdem hinterlässt diese Episode einen bitteren Nachgeschmack, in Anbetracht davon, dass unsere sogenannt bürgerlichen Politiker überhaupt auf diese menschenverachtende Idee kamen und wie sie dabei argumentierten. Und es ist eindrücklich, dass einzig die SVP kollektiv dafür war, dass man transsexuellen Menschen zukünftig notwendige medizinische Leistungen verweigert.

Es gibt keine Geschlechtsumwandlungen

Beginnen wir kurz mit der Terminologie: Niemand wandelt sein Geschlecht um, das ist nicht möglich und wird auch kaum von jemanden gewollt. Es zeigt sich bereits in dieser Wortwahl, dass die Initiatoren sich nie ernsthaft mit diesem Thema beschäftigt haben. Transsexuelle Menschen ändern nicht das Geschlecht sondern passen das Äussere dem eigenen Geschlecht an. Die Gewissheit um das eigene Geschlecht ist unumstösslich und in der Hirnanatomie unveränderbar festgelegt, aber der Rest des Körpers hat sich nicht in dasselbe Geschlecht entwickelt wie “das Ich”.

Unnötige medizinische Leistung?

Transsexualität führt zu einem unvorstellbaren Leidensdruck, Betroffene gehen psychisch und emotional zugrunde und überdurchschnittlich viele begehen früher oder später Suizid. Transsexuellen Menschen kann nur auf eine Weise geholfen werden, mittels Hormontherapie und genitalangleichender Operation. Deshalb wurde “Transsexualismus” auch von der Weltgesundheitsorganisation als Krankheit eingestuft und ist infolgedessen im Leistungskatalog der Grundversicherung eingeschlossen. Entgegen weit verbreiteter Vorstellung ist Transsexualität kein selbst gewählter Lifestyle sondern ein Leben mit unerträglichem Leidensdruck. Durch diese geschlechtsangleichenden Massnahmen stabilisiert sich der Gesundheitszustand der Meisten erheblich, was längerfristig zu Kostenmilderung führt, weil deutlich weniger Folgekrankheiten entstehen.

Kostenübernahme durch Krankenkasse?

Dabei werden gerne wirrste Zahlen herumgereicht, 80-100’000 Franken soll eine “Geschlechtsumwandlung” kosten. In Wirklichkeit belaufen sich die Kosten der genitalangleichenden Operation beispielsweise am Zürcher Universitätsspital auf weniger als 20’000 Franken inklusive dem zweiwöchigen Spitalaufenthalt. Darauf folgt noch eine kleine Operation und ein paar Nachuntersuchungen, insgesamt dürfte es um die 30’000 Franken sein für die gesamte Behandlung. Die Hormone die dann zeitlebens noch gebraucht werden, sind so günstig, dass man damit nicht mal die Franchise überschreitet, fallen also nicht mehr ins Gewicht. In Anbetracht davon, dass nicht behandelte Transsexualität zu umfangreichen Folgeerkrankungen und damit hohen Kosten führt, ist eine Nichtbehandlung deutlich kostspieliger. Wenn ich mich selber als Fallbeispiel nehme, dann hatte ich vorher fast ein Jahrzehnt wöchentlich eine Psychotherapiestunde zu 160 Franken. Seit Abschluss meiner “Transition” gehe ich noch alle 2 Monate einmal, weil’s mir einfach gut geht im Gegensatz zu den vier vorherigen Jahrzehnten.

Sexuelle Verstümmlung und Suizid?

Bei Geschlechtsumwandlungen würden Menschen sexuell verstümmelt,
und viele nähmen sich später das Leben.
(Doris Fiala)

Erschreckende Unwissenheit demonstrierte FDP-Nationalrätin Doris Fiala mit obigem Zitat. Wenn Menschen nach jahrzehntelangem Leiden dank genitalangleichener Operation leidensfrei sein können – und das geschieht in der Regel – dann ist es einfach zynisch, da von sexueller Verstümmlung zu reden, das ist einfach absurd in Anbetracht der Lebensrealität transsexueller Menschen. Dr. Udo Rauchfleisch, der am Basler Universitätsspital über hundert Transsexualitätsbetroffene behandelt hat, schreibt in seinem Buch “Transsexualität – Transidentität“, dass von all denen nur eine Betroffene diese Behandlung bereut hat, allen Anderen würde es bedeutend besser gehen. Dasselbe gilt für den Suizid-Mythos. Das Suizidrisiko nimmt in der Regel deutlich ab, weil Betroffene erstmals mit sich im Reinen sind und eine “Behinderung” weggefallen ist. Um es deutlicher zu sagen: Wäre diese unsägliche Motion angenommen worden, wäre die Suizidrate in Zukunft garantiert deutlich höher – eine Annahme hätte Menschen in den Tod getrieben!

Aber immerhin gibt es auch im Parlament ein wenig Restvernunft, wie aus dem Einspruch von Margret Kiener-Nellen zu entnehmen ist:

Als Anwältin begleite ich, mit den entsprechenden rechtlichen Massnahmen und Verfahren, seit fast dreissig Jahren solche Geschlechtsumwandlungen. Ich kann bestätigen, dass diese Klientinnen und Klienten mit den Operationen alle sehr glücklich und zufrieden sind. Den Tatbestand, den Frau Fiala angesprochen hat, kenne ich nicht. Meine Frage haben Sie vielleicht schon beantwortet: Gibt es dazu Langzeitstatistiken? Meines Erachtens gibt es das nicht. Ich wüsste auch nichts von einer erhöhten Suizidrate bei diesen Personen.

(Margret Kiener-Nellen)

Wer bestimmt den Krankheitswert?

Ich finde es ehrlich gesagt erschreckend, dass Politiker sich plötzlich Rosinen aus dem Leistungskatalog picken und bestimmen wollen, welches Leiden Krankheitswert hat, was behandlungswürdig ist und überhaupt, was Krankheit ist. Aber ist es Aufgabe der Politiker, Diagnosen zu stellen und Behandlungen festzuschreiben oder ist es nicht Aufgabe von Wissenschaft und Medizin, das festzulegen? Die Weltgesundheitsorganisation WHO bestimmt, was als Krankheit gilt und was für Behandlungen angebracht sind. Dabei stützen sie sich auf medizinisches Wissen. Was als Krankheit gilt, ist vorallem vom Leidensdruck abhängig, der ist bei Transsexualität gegeben.

Schwarzpeter-Spiele der Bürgerlichen?

Wenn man bedenkt, dass mit dieser geplanten Hilfeverweigerung in Anbetracht der wenigen Fälle nicht mal ein Promille der Krankenkassenprämien eingespart würden, fragt man sich schon, was für Schwarzpeterspiele da gespielt werden in Bundesbern. Parallelimporte, die zu tieferen Medikamentepreisen geführt hätten und ein riesiges Sparpotential im Milliardenhöhe gewesen wäre, wurde von den sogenannt Bürgerlichen lange bekämpft. Muss man hier wieder mal ein schwarzes Schaf postulieren und schlachten um zu zeigen, dass man doch irgend etwas tut für tiefere Krankenkassenprämien? Wenn ich dann noch erlebe, dass die Initiatoren dieser Alibiübung auf Kosten Anderer nicht mal wissen worum es eigentlich geht und was sie da fordern – und warum – dann gibt mir das schon arg zu denken. In beispielhafter Weise demonstrierte das Peter Föhn anlässlich eines Rundschau-Interviews, als er den Grund für seine Motion wiefolgt zu erklären versuchte……. o-Ton, kann hier auf 6:00 Minuten mitgehört werden……..

Die Geschlechts…….äh…. Umwandlungen streiche ich vorallem auch….. dann…….. nach ähmä???…… pffff, ja vielleicht….. ein ethischer Hintergrund….. ein…… religiöser Hintergrund für mich haben…… bei dem ich sage: ist das wirklich notwendig……. und ich stelle als Politiker jetzt einfach diese Frage laut in den Raum.
(Nationalrat Peter Föhn)

Ich war echt erschüttert, als ich dieses Interview sah, dieser Mann erklärt, warum er Menschen wie mir das Leben verweigert und hat so eine unbeholfene Erklärung dafür – ethischer Hintergrund – ja, das Überleben Betroffener steht auf dem Spiel………. danke an die Parlamentsmehrheit, dass sie dieses Spiel nicht mitgespielt haben.

Diskussion im Parlament: Wortmeldungen

Entrechtete Transsexuelle – wer bestimmt das Geschlecht?

Seit drei Monaten blödle ich nun schon mit Gerichten und Ämtern rum, um meine Vornamens- und Personenstandsänderung durchzukriegen, keine Hürde die ich überwinde ohne dass weitere Hürden auftauchen. Selbst jetzt, nachdem ich ein rechtsgültiges Gerichtsurteil in den Fingern habe, konnte ich meinen Ausweis nicht bestellen, weil irgendwelche tausend Ämter noch nicht ihren Segen dazu gegeben haben. Und das macht mich langsam aber sicher echt sauer und es ruft mir mal wieder ins Bewusstsein, dass ich nicht nur seit drei Monaten mit diesen Ämtern den Kasper mache sondern seit zwei Jahren faktisch entrechtet bin und dass dieser ganze Blödsinn nicht nötig wäre, wenn transsexuellen Menschen die europäischen Menschenrechte gewährt würden, die wir eigentlich ratifiziert haben. Höchste Zeit, mal wieder Tacheles zu reden.

Das Geschlecht kann NIE zugewiesen werden
Wenn man die medizinischen Fakten anerkennt, dann bleibt einem nichts Anderes als festzustellen, dass das Geschlecht eines Menschen nicht zugewiesen werden kann. Weder das genetische Geschlecht noch das genitale Geschlecht noch das gonodale Geschlecht und erst Recht nicht das Hirngeschlecht können von aussen her eindeutig und zu 100% zugewiesen werden. Das genitale Geschlecht ist nicht immer verlässlich, bei intersexuellen Menschen (Zwitter) gilt es in vielen Fällen sogar faktisch als unzuweisbar und auch das genetische Geschlecht ist nicht in allen Fällen klar zuweisbar, es gibt beispielsweise Frauen mit XY Chromosom oder Menschen mit XXY Chromosom, eine hundertprozentige Sicherheit gibt es da nicht. Es gibt nur eines was absolute Sicherheit bietet und unveränderlich ist, die Gewissheit der betroffenen Person um das eigene Geschlecht. Es können tausend Ärzte tausend Untersuchungen machen, sie werden nie mit absoluter Sicherheit ein Geschlecht zuweisen können. Im Gegensatz dazu haben Menschen von Kindheit an die feste Gewissheit um das eigene Geschlecht.

Die Gewissheit um das eigene Geschlecht
Gerade der menschenverachtende Umgang mit intersexuellen Menschen hat in erschreckender Weise gezeigt, dass die Gewissheit um das eigene Geschlecht durch nichts veränderbar ist. Man hat jahrzehntelang Menschen “mit nicht zuweisbarem Geschlecht” kurz nach der Geburt genitalverstümmelt, hat ihnen ein Geschlecht zugewiesen, sie diesem Geschlecht entsprechend benannt und bekleidet, sie diesem Geschlecht entsprechend erzogen und wenn alles nichts nützte sie mit menschenunwürdigen Verhaltenstherapien weichgekocht. Alles hat nichts genützt, die Betroffenen behielten die Gewissheit ihres Geschlechts. Was man in der psychologischen Fachsprache als “Geschlechtsidentität” benennt, ist schlussendlich nichts Anderes als das Geschlecht selbst und das ist so tief verankert, dass weder Chromosomen noch Genitalien noch Geschlechtszuweisungen etwas daran ändern.

Wer bestimmt das Geschlecht?
Wenn wir also davon ausgehen müssen, dass es keine sichtbaren und messbaren Kriterien gibt, mit denen das Geschlecht eines Menschen von aussen her mit abschliessender Sicherheit zugewiesen werden kann und wenn wir weiters davon ausgehen, dass die Gewissheit um das eigene Geschlecht von klein an feststeht und unveränderlich ist, wie in aller Welt kommen wir dann dazu, dass transsexuelle Menschen sich fremdbestimmen lassen müssen? Wenn ich als betroffene Person das einzig verlässliche Kriterium bin für meine eigene Geschlechtszuweisung, warum brauche ich dann jahrelange Therapieprozesse, Begutachtungen und Gerichtsurteile um mir bestätigen zu lassen, was ich längst weiss?

Menschenrecht auf Selbstbestimmung
Die europäischen Menschenrechte fordern ein Recht auf Selbstbestimmung für alle Menschen, die Schweiz hat diese Konventionen ratifiziert und übernommen. Obwohl ich Anspruch hätte auf das Recht auf Selbstbestimmung und obwohl ich die einzige Person bin, die mein eigenes Geschlecht mit Sicherheit bestimmen kann weil nur ich selbst weiss, wer und was ich bin, trotzdem wird mir diese Selbstbestimmung verweigert. Anstelle echter Selbstbestimmung war ich gezwungen, mich gegen meinen Willen von psychiatrischen Gutachtern begutachten zu lassen, man verweigerte mir ein Jahr lang medizinische Hilfe weil man einen sogenannten Alltagstest forderte, so als ob ich nicht genau wüsste, welchem Geschlecht ich angehöre. Ich musste mir während eines Jahres Begutachtung eine Psychopathologisierung erarbeiten, damit ich überhaupt eine rechtliche Anerkennung bekomme. Um es deutlicher zu sagen: Um als die Frau die ich bin anerkannt zu werden, muss ich mich zuerst mit einer langen Begutachtung zu einem persönlichkeitsgestörten Mann erklären lassen, bis ich meinen Personenstand meinem Geschlecht anpassen darf – was ist das denn für eine bekloppte Logik?

Entrechtung durch Psychopathologisierung
Die Grundlage zur Entziehung der Menschenrechte basiert auf der Psychopathologisierung von transsexuellen Menschen. Man entmündigt sie, weil man ihnen unterstellt, sie seien gestörte Menschen und zur Diagnose einer Geisteskrankheit bräuchte es halt entsprechende Abklärungen. Man will sicher sein, dass “dieser Mann wirklich eine Frau sein will”. Diese Sichtweise ist längst widerlegt, darüber habe ich oft genug in meinem alten Tagebuch geschrieben. Wir wissen heute, dass die geschlechtsbestimmenden Hirnregionen von transsexuellen Menschen von Grösse und Neuronendichte her dem Geschlecht entsprechen, das sie für sich in Anspruch nehmen. Eine transsexuelle Frau ist also kein Mann der eine Frau sein will sondern eine Frau mit Genitalien, die vom eigenen Geschlecht abweichen. Trotz der überwältigenden Faktendichte hält die Psychiatrie-Lobby nachwievor an ihrem veralteten Weltbild fest und lässt Betroffene weiterhin eine Odyssees von Begutachtungen, Behandlungsstandards und entwürdigenden Diagnosen durchlaufen. Während dieses ganzen Prozesses bleiben Betroffene entrechtet, die Anerkennung ihres Geschlechts wird verweigert.

Klartext
Um es mal zusammenzufassen, wir haben angeblich selbstbestimmte Menschen, die ganz genau wissen welchem Geschlecht sie angehören, wir haben keinerlei Möglichkeiten, das Geschlecht von aussen bestimmen zu lassen, weil weder Chromosomen noch Genitalen eine 100%-ige Zuweisung erlauben. Und wenn die Fremdzuweisung nicht mit der Selbstwahrnehmung übereinstimmt, ignoriert man das einzig unumstössliche Kriterium für eine Geschlechtszuweisung, zwingt Betroffene in einen mehrjährigen Albtraum quer durch sogenannte Behandlungsstandards, erklärt sie zu persönlichkeitsgestörten Menschen um dann irgendwann vielleicht so gnändig zu sein, sie als gestörte Männer ein Leben als Frau leben zu dürfen – oder umgekehrt.

Ich bin eine Frau, war es immer und werde es immer sein. Aber ich wurde erst als Frau anerkannt, nachdem ich mich zum gestörten Mann erklären liess, nachdem ich eine psychiatrische Begutachtung über mich ergehen liess obwohl es sich hier nicht um eine psychische Störung handelt und last but not least selbstverständlich (verfassungswidrig) sterilisiert war, weil es ja achso tragisch wäre, wenn transsexuelle Menschen sich vermehren könnten.

Ehrlich gesagt, ich wüsste nicht, wie man einem Menschen der unsäglich schweres Leid durchmachen musste, noch mehr schaden könnte – und ich wüsste nicht, wie man einem leidenden Menschen noch mehr Würde entziehen könnte.

Es entzieht sich vollständig meinem Verständnis, wie ich auf die abstruse Idee kommen könnte, ich wäre besser in der Lage das Geschlecht eines Menschen zu bestimmen als dieser Mensch selbst. Und es bringt mich an den Rand des Verstands bei der Frage, was für ein Teufel mich reiten müsste, damit ich jemandem das Geschlecht entgegen seinem eigenen Selbstverständnis zuweisen würde.

Noch mehr Klartext
Ich weiss nicht wie ich die dahinterliegende Tragik begreiflich machen soll, denen die nie in so einer Situation waren. Aber stell Dir mal vor, man würde Dir Dein Geschlecht absprechen. Stell Dir vor Du müsstest nun Dein Geschlecht beweisen, indem Du ein Jahr lang diesem Geschlecht entsprechend lebst ohne dass man Dir hilft, Dich währenddem analysieren und begutachten lässt, Dich schlussendlich zum gestörten Angehörigen des anderen Geschlechts erklären lässt und dann sterilisieren lässt – um zu bewiesen dass Du Deinem Geschlecht entsprichst……. würdest Du dann noch glauben, Du hättest ein selbstbestimmtes Leben?

Und wenn ich mir noch ein wenig mehr Klartext erlauben darf:

Müssen transsexuelle Menschen wirklich bis auf den letzten Blutstropfen ausgeblutet werden, bis man ihnen etwas Menschenwürde zuspricht?

Der 100. internationale Frauentag

Heute ist der hundertste internationale Frauentag, zum ersten Mal gehöre ich offiziell dazu, Grund genug mir mal darüber Gedanken zu machen. Schliesslich war ich verrückt genug, meine patriarchats-bedingten Vorteile abzugeben, nun befürworte ich erstmals die Gleichberechtigung nicht mehr aus ideologischen sondern aus persönlichen Gründen. Klar, wir Mädels haben viel erreicht in den letzten hundert Jahren, sogar in der Schweiz dürfen wir seit einigen Jahrzehnten selber abstimmen, Wahnsinn was? Aber es gibt immer noch genug Aspekte des Lebens, in denen wir Frauen im Nachteil sind, über diese wollen wir uns heute mal ein paar Gedanken machen.

Lohngleichheit
Das Bundesamt für Statistik belegt, dass Lohnunterschiede zwischen den Geschlechtern nachwievor aktuell sind, auch wenn diesbezüglich einiges besser wurde. Noch immer gibt es bei gleicher Anstellung um die 20% weniger Lohn für Frauen, vorallem in höheren Stellungen wird der Unterschied markanter. Ausserdem haben Frauen, die eine familienbedingte “Auszeit” hatten, kaum noch Chancen, in ihrem alten Berufsfeld Fuss zu fassen. Da gäbe es meines Erachtens noch eines zu verbessern.

Frauen in Führungspositionen
Wie beim Bundesamt für Statistik nachzulesen ist, sind Frauen je nach Region zwischen 10 und 20% in Führungspositionen vertreten. Dies ist nicht nur für Frauen unerfreulich sondern auch rational nicht nachvollziehbar, wenn man die 4 McKinsey Studien liest, in denen klargestellt wird, dass eine bessere Vertretung von Frauen in Führungsschichten die ganze Firma erfolgreicher macht, weil Frauen nunmal anders ticken und eine grosse Bereicherung wären für Firmenleitungen. Solange wir nicht 50% der Führungspositionen belegen, ist unsere Wirtschaft ganz einfach nicht optimal, es wäre als im Interesse aller, dass wir da endlich eine vernünftige Durchmischung hätten.

Frauen in der Politik
Ebenfalls beim Bundesamt für Statistik ist nachzulesen, wie schlecht vertreten Frauen hierzulande in der Poltiik sind. Seit Kurzem haben wir Frauen zwar erstmals in der Geschichte eine Mehrheit im Bundesrat, aber ansonsten sieht es übel aus, im Ständerat sind wir mit 22% vertreten und im Nationalrat mit fast 30% auf einem bisherigen Höchststand. Wenn man die Zahlen beim BfS genauer anschaut, sieht man, dass der Frauenanteil in der Politik stetig am zunehmen ist, wir sind also auf einem guten Weg, aber noch lange nicht am Ziel. Denn in der Politik gilt wie in der Wirtschaft, eine gute Durchmischung erweitert den Horizont, nur gemeinsam können wir zur vollen Stärke auftrumpfen. Zu Denken geben müsste uns, dass wir gemäss 20-Minuten den Stand eines Drittweltlandes haben:
Vormarsch der Frauen weit hinten

Frauenanteil der Parteien
Spannend ist in derselben Statistik der Frauenanteil der einzelnen Parteien. Während die SP bereits über 40% Frauenanteil im Nationalrat hat und die CVP auch schon auf 38% ist, sind es bei der Wirtschaftspartei FDP grad mal knapp 20% und bei der sogenannten Volkspartei SVP nur noch knapp lausige 13%. Scheinbar versteht die SVP unter Volk nicht das ganze Volk, Frauen gehören in diesen Kreisen offenbar nachwievor an den Herd. Und doch ist es erfreulich, wenn man sieht, dass von 1971 bis heute der Frauenanteil von 5% auf fast 30% angestiegen ist.

Frauen als Opfer von Sexualdelikten
Während wir in obigen Themen doch auf einem guten Weg sind, sieht es beim hässlichsten Kapitel der Frauengeschichte übel aus. Allein in der Schweiz wurde beispielsweise 2007 jeder dritte Tag eine Frau vergewaltigt und ein Viertel der Täter kam nicht mal ins Gefängnis – im Jahr 2009 stieg die Zahl auf 666 Vergewaltigungen und ich persönlich bin überzeugt, dass die Dunkelziffer ein Vielfaches davon ist. Der Fall Kachelmann zeigte in drastischer Weise, was ein Opfer alles über sich ergehen lassen muss. Oft steht es Aussage gegen Aussage und selbst wenn der Fall klar ist, kommt ein Ersttäter in der Regel mit einer bedingten Haftstrafe davon. Solange Täter davon ausgehen können, dass ihre Tat vermutlich eh nicht bewiesen werden kann und dass sie selbst im Fall einer Verurteilung mit einem blauen Auge davon kommen, haben wir hier keine Abschreckung, eine Vergewaltigung bleibt nachwievor ein Kavaliersdelikt. Es stellt sich mir die Frage, warum Männer so etwas tun. Auffällig ist, dass auf der ganzen Welt eine enorme Zunahme von Vergewaltigungen verzeichnet werden, sobald ein Land zu einem rechtsfreien Raum wird, in der Regel durch Bürgerkriege. Dann wird Vergewaltigung plötzlich zur Normalität oder gar zur kriegerischen Waffe. Man bekommt den Eindruck, als ob überraschend viele Männer ein Sexualdelikt verüben würden, wenn sie dürften, anders lässt sich dies nicht erklären. Umso mehr muss die Gesellschaft noch deutlicher machen, dass Männer das eben nicht dürfen, andernfalls dürfen wir uns nicht darüber wundern, dass Sexualdelikte in der jüngsten Generation massiv am zunehmen sind. Aber solange auch Gerichte mehrheitlich von Männern geführt werden und die Politik ebenfalls mehrheitlich in Männerhänden liegt, wird es wohl so weiter gehen und die Zahl der Opfer wird täglich höher. Traurig, aber wahr – auch am 100. internationalen Frauentag.

Frauen und Selbstverantwortung
Aber es reicht eben nicht, wenn wir Frauen nur ständig jammern über fehlende Gleichberechtigung. Wir haben das Stimmrecht, das ist echt kein Gerücht, das ist wirklich so. Und es reicht eben nicht, wenn wir uns über das Recht freuen, wir müssen es auch ausüben. Und das gilt auch für alle anderen obgenannten Themen, wir dürfen politische Ämter bekleiden und Firmen leiten, aber wir müssen’s auch tun, von alleine werden wir nicht dahin getragen. Also Mädels, stellt Euch zur Verfügung für politische Ämter, bewerbt Euch für Führungspositionen und diejenigen, die all das nicht tun können oder wollen……. unterstützt unsere Mädels wenigstens in den Firmen und bei den Wahlen. Wir haben es in der Hand – wir müssen’s nur in die Hand nehmen – oder so ;-)

Und wer noch mehr über den Frauentag lesen möchte, kann sich hier bei der Mädchenmannschaft reichlich bedienen:
Pamphlete und Patriarchatskritik – Lesestoff zum Hundertsten!

Klartext: “Wir sind Helden” sind im Bild

Bisher war die Band “Wir sind Helden” mehr vom Namen her ein Begriff, aber seit heute sind sie für mich wahre Helden, weil sie vorzeigten, was gelebte Ethik ist. Und das kam so…….

Die Bildzeitung ist ein gefährliches politisches Instrument – nicht nur ein stark vergrößerndes Fernrohr in den Abgrund,
sondern ein bösartiges Wesen, das Deutschland nicht beschreibt, sondern macht. Mit einer Agenda.
(Wir sind Helden)

Ihr kennt ja Bild (oder in der Schweiz Blick), dieses Boulevard-Blatt, das jahrein jahraus billige Polemik für den dummen Menschen produziert. Sie fallen vorallem dadurch auf, dass sie null Information mit viel Dreck, Kot und anderen Ausscheidungen produzieren, sie führen Kampagnen-Journalismus, bei dem man irgend eine grad unbeliebte Person, Minderheit oder sonstige “Randständige” ins Visier nimmt und mit allem auf sie ballert, was nicht angebunden ist. Deppen-Journalismus sozusagen, von Idioten, für Idioten. Bild, Blick und Konsorten zeichnen sich dadurch aus, dss sie mit entwürdigenden, beleidigenden oder sonstwie unter die Gürtellinie zielenden Schlagzeilen im Stil von “Transe aus dem Fenster gefallen” Aufmerksamkeit des gewöhnlichen Strassenkleffers (Homo Bellikus) erregen, um dann mit möglichst kurzem Text und möglichst noch weniger Inhalt möglichst viel Volksverhetzung zu betreiben. Idealerweise macht man sich mit despektierlichem Ton über das auserwählte Journalistenopfer her, versucht diese Person oder Volksgruppe möglichst lächerlich zu machen, damit der dumme Leser ganz doll mitlachen kann – wir sind ja ein einig Volk von Umunsbeissenden.

Weil der dumme Mensch braucht sowas, er will sich ja von der Tragik seines eigenen Daseins ablenken und da braucht es einen Zerrspiegel, der ihm seine eigene Dümmlichkeit verzerrt auf Andere projeziert – deshalb muss man auch die Bild-Opfer möglichst verhöhnen und niedermachen, das tut dem einfachen Leser gut – Psychohygiene für Kleingeistige sozusagen. Und damit verdienen sich diese Schundblätter – in Analogie zum Leser – dumm und dämlich. Und so werden sie zu den meistgelesenen Blättern, weil sie so ja irgendwie die Mehrheit füttern. Nein, nicht füttern, mästen, denn mit weiterem Gift aus der Bild-Spritze wird ihr gehässiges und intolerantes Kläffer-Hirn mit noch mehr geistigem Durchfall gefüttert, bis es platzt.

Und hier braucht es Helden, wie “Wir sind Helden”, die sich diesen Brandstiftern öffentlich entgegen stellen und ihnen mal so kräftig die Hosen runterlassen. Die Werbeagentur “Jung von Matt”, die auch für die Hetzschrift “Bild” die Werbetrommel rührt, hat seit einiger Zeit eine Kampagne, in der irgendwelche Promis oder Normalsterbliche ein Statement abgeben über Bild. Wir sind für alle da, wollen sie uns damit sagen – und merken nicht, dass sie uns damit eigentlich beleidigen. Jedenfalls hat diese Agentur nun die Band “Wir sind Helden” angefragt, ob sie sich auch für die Bildleser zum Affen machen lassen, es sollte sogar für einen guten Zweck sein, joh klaaaahhhr. Die Antwort, die diese Band der Agentur zurück geschickt und auf ihrer Website veröffentlicht habt, ist wirklich ein Wink mit dem Zaunpfahl und in meinen Augen ein glorreiches Bekenntnis für mehr Ethik in der Medienwelt. Die Anfrage der Agentur samt Antwort der Band ist momentan hier zu lesen. Die Antwort selbst kann nicht oft genug wiederholt werden, deshalb dupliziere ich diesen Text hierhin – sozusagen, ganz im guttenberg’schen Sinne, als Plagiat mit Quellenangabe ;-)

Liebe Werbeagentur Jung von Matt,

bzgl. Eurer Anfrage, ob wir bei der aktuellen Bild -​Kampagne mitmachen wollen:

Ich glaub, es hackt.

Die laufende Plakat-​Aktion der Bild-​Zeitung mit sogenannten Testimonials, also irgendwelchem kommentierendem Geseiere (Auch kritischem! Hört, hört!) von sogenannten Prominenten (auch Kritischen! Oho!) ist das Perfideste, was mir seit langer Zeit untergekommen ist. Will heißen: nach Euren Maßstäben sicher eine gelungene Aktion.

Selten hat eine Werbekampagne so geschickt mit der Dummheit auf allen Seiten gespielt. Da sind auf der einen Seite die Promis, die sich denken: Hmm, die Bildzeitung, mal ehrlich, das lesen schon wahnsinnig viele Leute, das wär schon schick… Aber irgendwie geht das eigentlich nicht, ne, weil ist ja irgendwie unter meinem Niveau/evil/zu sichtbar berechnend… Und dann kommt ihr, liebe Agentur, und baut diesen armen gespaltenen Prominenten eine Brücke, eine wackelige, glitschige, aber hey, was soll’s, auf der anderen Seite liegt, sagen wir mal, eine Tüte Gummibärchen. Ihr sagt jenen Promis: wisst ihr was, ihr kriegt einfach kein Geld! Wir spenden einfach ein bisschen Kohle in eurem Namen, dann passt das schon, weil, wer spendet, der kann kein Ego haben, verstehste? Und außerdem, pass auf, jetzt kommt’s: ihr könnt sagen, WAS IHR WOLLT!

Und dann denken sich diese Promis, im Rahmen ihrer Möglichkeiten, irgendeine pseudo -​distanziertes Gewäsch aus, irgendwas “total Spitzfindiges”, oder Clever-​ Unverbindliches, oder Überhebliches, oder… Und glauben, so kämen sie aus der Nummer raus, ohne ihr Gesicht zu verlieren. Und haben trotzdem unheimlich viele saudumme Menschen erreicht! Hurra.

Auf der anderen Seite, das erklärt sich von selbst, der Rezipient, der saudumme, der sich denkt: Mensch, diese Bild -​Zeitung, die traut sich was.

Und, die dritte Seite: Ihr, liebe jungdynamische Menschen, die ihr, zumindest in einem sehr spezialisierten Teil eures Gehirns, genau wisst, was ihr tut. Außer vielleicht, wenn ihr auf die Idee kommt, “Wir sind Helden” für die Kampagne anzufragen, weil, mal ehrlich, das wäre doch total lustig, wenn ausgerechnet die…

Das Problem dabei: ich hab wahrscheinlich mit der Hälfte von euch studiert, und ich weiß, dass ihr im ersten Semester lernt, dass das Medium die Botschaft ist. Oder, noch mal anders gesagt, dass es kein “Gutes im Schlechten” gibt. Das heißt: ich weiß, dass ihr wisst, und ich weiß, dass ihr drauf scheißt.

Die BILD -​Zeitung ist kein augenzwinkernd zu betrachtendes Trash-​Kulturgut und kein harmloses “Guilty Pleasure” für wohlfrisierte Aufstreber, keine witzige soziale Referenz und kein Lifestyle-​Zitat. Und schon gar nicht ist die Bild -​Zeitung das, als was ihr sie verkaufen wollt: Hassgeliebtes, aber weitestgehend harmloses Inventar eines eigentlich viel schlaueren Deutschlands.

Die Bildzeitung ist ein gefährliches politisches Instrument — nicht nur ein stark vergrößerndes Fernrohr in den Abgrund, sondern ein bösartiges Wesen, das Deutschland nicht beschreibt, sondern macht. Mit einer Agenda.

In der Gefahr, dass ich mich wiederhole: ich glaub es hackt.

Mit höflichen Grüßen,
Judith Holofernes

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