Politically incorrect since 1966

Badewannenpredigt: Freiheit, Vernunft und Gerechtigkeit

Letztes Wochenende habe ich ja eine neue Serie gestartet namens “Gedanken auis der Badewanne“. Idee dahinter war, dass ich oft unter der Woche zu müde bin um zu bloggen und sich so Gedanken ansammeln, die dann meist in meiner sonntäglichen Badewannenmuse wieder auftauchen und da ich am Sonntag meist die Ruhe geniesse, habe ich dann Zeit, diese Gedanken einzusammeln und in Worte zu kleiden.

Heute beginne ich eine weitere Serie, ich nenne sie “Badewannenpredigt”. Grundidee davon ist, dass ich eben oft am Sonntag eher in Gedanken schwelge und dabei manchmal philosophische oder religiöse Gedankengänge mache, die dann meist in der Badewanne zur Vollendung finden. Diese Beiträge erheben in der Regel nicht den Anspruch auf Vollständigkeit, sie wollen keine Antworten geben sondern eher Fragen aufwerfen – damit möchte ich Euch dazu motivieren, selber ein warmes Bad zu nehmen und dort diese Gedanken weitertreiben zu lassen.

Erste Badewannenpredigt: Drei Aspekte, ein Ziel

Diese Woche gab es drei Aspekte, die in diesen Beitrag einfliessen. Das Erste war das Treffen mit Claudia, das mich darüber nachdenken liess, wieviel Freiheit wir uns zugestehen resp. wieviel unserer Freiheit wir aufgeben, nur weil sie irgend jemandem nicht in den Kram passen könnten. Das Zweite war wie immer der alltägliche politische und gesellschaftliche Irrsinn, der einem aus Zeitungsblättern entgegenstarrt und einem daran zweifeln lässt, dass der Mensch je Vernunft gelernt hätte. Das Dritte war der Auslöser für diesen Beitrag, es war eine TV-Sendung “Sternstunde Philosophie” mit der ich meist meinen sonntäglichen Ruhetag beginne, diesmal über Immanuel Kant und seine Kritik an der praktischen Vernunft. Diese drei Gedanken sind ein guter Badewannenzusatz, darin lässt sich prima schwimmen…….

Die Freiheit des Menschen

Kant, Claudia und ich dürften uns einig sein, dass es kaum etwas Elementareres gibt im Menschsein als das Recht, ja gar die Pflicht, ein freier Mensch zu sein, selbstbestimmend sein Leben zu gestalten und wie ich es gerne zu sagen pflege, der Spur des eigenen Herzens zu folgen und sein Innerstes zu entfalten.

Gerade für stigmatisierte Wesensarten wie transsexuelle Menschen wird das zu einer ungeheuren Herausforderung, denn wenn ich der Spur meines Herzens folge und meine Freiheit des Ichseins beanspruche, löse ich damit nicht nur grosse Irritationen aus sondern belaste so Manche die mir lieb sind, mehr als mir lieb ist. Der Grundsatz einer “ethischen Freiheit” besagt, dass alle so frei sind, dass sie tun können was sie wollen, solange sie damit nicht die Freiheit Anderer einschränken.

In unserem Fall ist das nicht ganz so einfach, weil beispielsweise meine Freiheit des Ichseins ein Stück weit die Freiheit meines Kindes einschränkt, das sich plötzlich nicht mehr getraut zu mir zu stehen, weil es andernfalls von ihrem Umfeld gemobbt würde.

Aber das ethische Verbrechen wird nicht durch meinen Freiheitsanspruch begangen sondern durch eine Gesellschaft, die nicht diesem Grundsatz folgt. Müsste ich nun auf meine Freiheit verzichten, weil durch meine Freiheit die Freiheit Anderer beeinträchtigt würde durch eine freiheitsfeindliche Gesellschaft? Oder müsste ich nicht gerade deshalb meine Freiheit beanspruchen, ja geradezu zur Schau stellen, um der Welt ein Mahnmal zu sein das sie erinnert, dass die Freiheit des Seins doch möglich ist?

Eine grosse Herausforderung ist die Inanspruchnahme der persönlichen Freiheit jedoch für alle Menschen. Wie oft tun wir nicht was wir wollen, weil wir uns Gedanken machen im Stil von “das kann ich doch nicht, was denken dann…..”. Natürlich ist es unabdingbar, dass wir uns die Folgen unserer beanspruchten Freiheit im Klaren sind und prüfen, ob wir damit jemandem schaden. Aber es spottet dem Wort “Individuum”, wenn wir unsere Freiheit einschränken, nur weil wir denken, es könnte irgend jemanden stören oder es würde unser Ansehen beeinträchtigen.

Die Verpflichtung zur eigenen Entscheidung

Ich habe Kant bisher noch nicht gelesen, werde das in den nächsten Wochen nachholen, insofern bewege ich mich jetzt auf dünnem Eis, wenn ich über Kants Gedanken zur Vernunft auslasse. Aber das was in dieser TV-Sendung aufleuchtete, scheint mir interessant genug zu sein um es hier einfliessen zu lassen, mit dem Risiko, dass ich ihn missverstanden habe. Die Sendung erweckte in mir den Eindruck, dass Kant nebst dem Recht auf Freiheit vorallem eines forderte, dass der Mensch seine eigene Vernunft walten lässt. Ich nehme mal allein das auf um mir weitere Gedanken zu machen.

Wenn wir uns für oder gegen etwas entscheiden, tun wir das aufgrund irgendwelcher Überlegungen und Überzeugungen, doch woher stammen die Kriterien, mittels derer wir uns entscheiden? Ein Blick in die Medien und noch mehr in die Kommentarspalten lässt mich immer wieder erstaunen, mit welcher Selbstverständlichkeit vernunftbegabte Menschen Dinge tun oder über Dinge schreiben, in einer Art, die dem Wort “Vernunft” spottet. Und oft frage ich mich, wessen Geistes Kind solche Gedanken und Taten sind und meist bleibe ich ratlos, die Frage unbeantwortet. Viel zu oft, scheint es mir, entscheiden sich Menschen aufgrund einer “Wahrheit”, die sie nicht selber ergründet haben, sie plappern einfach etwas nach was ihnen als Wahrheit verkauft wurde.

Ethische und moralische Grundsätze müssen erarbeitet werden, das muss jeder für sich ein Stück weit tun. Wer anstelledessen nur Grundsätze nachbetet die ihm vorgebetet wurden, der vernachlässigt die eigene Begabung zur Vernunft und macht sich so zum Spielball für Andere. Es erstaunt mich immer wieder bei Abstimmungen, dass eine Plakatschwemme in Millionenhöhe meist reicht um die Volksmeinung zu kippen. Und es schockiert mich immer wieder zu erleben, wie vermeintlich vernunftbegabte Menschen beispielsweise wie vor ein paar Jahren eine Unternehmenssteuerreform gutheissen, die ein paar Milliarden von unserem Geld in die Wirtschaft pumpt – und gleichzeitig eine IV-Revision durchwinkt, die invaliden Menschen, also den Schwächsten dieser Gesellschaft, das Wenige reduzieren das sie haben. Was für eine Vernunft, was für eine Ethik oder was für eine Moral lässt uns so entscheiden? Wer von all denen, die das gutgeheissen hat, hat sich wirklich ernsthaft darüber Gedanken gemacht und hat sich gesagt: “Wir wollen die Wirtschaft stützen, aber das kostet Geld, also nehmen wir das Geld der Invaliden und hoffen, dass wir damit unseren gesamtgesellschaftlichen Lebensstandard verbessern können”? Ich glaube und hoffe, dass nur Wenige so dreist sind, die Meisten haben einfach vergessen, ihre eigene Vernunft anzufragen zu diesem Entscheid, sie liessen sich willig einlullen durch eine Kampagne der sogenannt “bürgerlichen Politiker”. Aber wozu braucht der Mensch denn überhaupt eine Vernunft, wenn er das Denken an Plakatwände delegiert?

Die Verantwortung des Einzelnen

Weder das Recht auf persönliche Freiheit eines Individuums noch die Pflicht zur Inanspruchnahme der eigenen Vernunft kann delegiert werden. Es liegt in unserer eigenen Verantwortung, herauszufinden was wir wollen und brauchen und Wege zu finden uns diese Freiheit zu nehmen. Und es liegt genauso in unserer eigenen Verantwortung, ethische und moralische Werte selber aufzustellen, uns selber Gedanken zu machen und Dinge selber rational zu bewerten.

Wer seine Freiheit oder seine Vernunft delegiert, delegiert sein Leben und gibt damit seine Selbstbestimmung auf. Das wäre an sich eine persönliche Sache, wenn sich jemand zum Sklaven berufen fühlt, soll er das tun dürfen. Problematisch ist es, wenn ein Mehrheitskollektiv so mit ihrem Leben verfährt, denn daraus resultiert eine Nation von Marionetten, die von ein paar Mächtigen gesteuert wird. Und das wiederum ist ein Armutszeugnis für eine Spezies, die nicht nur die Fähigkeit zur Vernunft hätte sondern auch das Recht auf Freiheit – so zelebriert man die Kapitulation vor dem Menschsein.

So und jetzt, Leute, ab in die Badewanne mit Euch ;-)

Sternstunde Philosophie vom 16.10.2011

Der kleinschwänzige Fahrrad-Grabscher

Gewisse Männer sind echt Schweine, manchmal staunt man als Frau einfach Bauklötze. Heute auf dem Heimweg von der Arbeit war ich gedanklich noch völlig in die Arbeit vertieft, weil ich heut den ganzen Tag Hochleistungs-Hirnakrobatik betrieben habe. Plötzlich fühlte ich eine Hand auf dem Hintern und bevor ich richtig realisierte was da grad passiert ist, ist der Fahrradfahrer bereits an mir vorbeigezogen und radelte in einer Seelenruhe weiter als wär nichts geschehen.

Naja, ich kann dem ja insofern was abgewinnen, dass ich es erfreulich finde, dass mein Hintern mal wieder so interessant war, danke für das Kompliment. Trotzdem wurde ich ziemlich gallig. Wenn wir Mädels uns nett anziehen, dann ist es auch erlaubt, uns anzukucken, aber eine fremde Person intim anzufassen ist eine Grenzüberschreitung, die absolut respektlos ist.

Ich habe ja ein gewisses Verständnis, dass kleinschwänzige, impotente oder sonstwie benachteiligte Männer ihre Minderwertigkeitskomplexe kompensieren möchten, aber nicht auf diese Weise. Es ist .eine bodenlose Frechheit, wenn man wildfremde Personen so anfasst.

Dieser Hosenscheisser hatte wirklich Glück, dass ich so in Gedanken vertieft war, an anderen Tagen hätte er riskiert, dass er eine gescheuert bekommen hätte – an guten Tagen – an schlechten Tagen hätte ich ihn möglicherweise vom Fahrrad gefegt. Meine Reflexe sind gut genug und wenn ich aus was auch immer für Gründen bereits gereizt gewesen wäre, hätte er möglicherweise die Überraschung seines Lebens erlebt.

Das Ganze beschäftigt mich vorallem deshalb, weil ich weiss, wie so Kleingeistige ticken. Denen geht es nicht ums Grabschen als Solches, es geht um Grenzüberschreitung und Machtmissbrauch. Aber so billige Aktionen können nie die Befriedigung geben, die so Jammerlappen brauchen würden um ihr Ego aufzubauen. Deshalb können sie kaum anders als die Latte mit der Zeit höher zu stecken. Wer heute mit dem Fahrrad herumfährt und sich dabei aufgeilt, wenn er einer fremden Frau an den Hintern fasst, der wird früher eine Frau sonstwie belästigen und wenn das nicht reicht irgendwann eine vergewaltigen. Dass dieser Knallkopf anschliessend seelenruhig weitergefahren ist, liess keine Zweifel offen, dass er bereits sehr routiniert ist mit seiner Selbstaufwertung der primitiven Art. Wie wird er sich als Nächstes steigern?

So gesehen bedaure ich, dass ich zu sehr überrascht war um zu reagieren, irgendwie habe ich den Eindruck, es wäre pädagogisch wertvoll gewesen, wenn er im hohen Bogen von seinem hohen Ross geflogen wäre. Vielleicht hätte es ihm zu denken gegeben, wenn er erlebt, wie schnell Macht sich in Ohnmacht verwandeln kann.

Mir hat es jedenfalls mal wieder gezeigt, dass Männer teilweise mit unglaublicher Unverfrohrenheit Grenzen überschreiten und Frauen behandeln wie Vieh. Warum sie das tun, ist mir echt ein Rätsel, denn schlussendlich machen sie ja vorallem sich selbst lächerlich – resp. geben ihre ihnen bereits innewohnende Lächerlichkeit preis. Aber für uns Frauen ist es gelinde gesagt unangenehm und es erinnert uns daran, dass wir im Prinzip jederzeit Opfer von Übergriffen werden können.

Natürlich gibt es sowohl bei Männern wie bei Frauen Schweine, aber nur wenige Männer dürften die Erfahrung kennen, am hellichten Tag von einer wildfremden Frau sexuell belästigt worden zu sein…… aber es wird wohl nicht viele Frauen geben, die nicht davon berichten könnte, dass ihnen sowas auch schon passiert ist.

Wie dem auch sei, ich bin mal gespannt ob er mir wieder mal begegnet und es wieder versucht, so routiniert wie er vorging, scheint das ein Hobby von ihm zu sein. Noch mehr bin ich gespannt wie er reagiert, wenn er zum ersten Mal vom Fahrrad fliegt…….. to be continued……….

PS: etwas muss ich jetzt aber doch noch anfügen, fairheitshalber: Als ich vor drei Wochen vom Flughafen kam, kreuzte ein Mann meinen Weg, blieb stehen und sprach mich auf französisch an, etwas von “j’adore…..”, merkt, dass ich nur Bahnhof verstehe und fügt erklärend hinzu: “isch mag Ihren Style” und dackelte davon – als wär nix geschehen. Er baggerte mich nicht an sondern wollte einfach seine Begeisterung kundtun. Das wiederum passiert uns Frauen wohl auch deutlich eher als Männern, als Frau in der Gesellschaft hat man auch Vorteile ;-)

Dianas Medienschelte mit dem Zweihänder

Nach meinem letzten Blogbeitrag anlässlich der gestrigen Reporter-Sendung auf SF1 über Claudia Meier, stellte Claudia im Kommentarbereich die Frage an mich, weshalb ich so unzimperlich mit Journalisten umgehe. Ich finde ihre Frage berechtigt, denn in der Tat gehe ich mit Journalisten in zunehmendem Masse sehr rabiat um, das ist ansonsten nicht so meine Art. Ich bin eigentlich ein sehr friedfertiges Wesen, aber es gibt Dinge, die mich zum kochen bringen, meist sind es Politiker die mich zur Weissglut treiben oder eben Journalisten. Meine Aversion gegen (vorallem rechtspopulistische) Politiker brauche ich kaum gross zu erklären, also gehe ich mal der Frage nach, warum Medien öfters mal eine Breitseite abkriegen von mir oder wie im Titel gesagt, warum ich schnell mal zum virtuellen Zweihänder greiffe. Das ist mal wieder so ein Blogbeitrag, in dem ich einer Frage nachgehe, deren Antwort mir noch nicht ganz klar ist, ich bin gespannt ob ich während dem Schreiben eine Antwort finde ;-)

Um zu verstehen, weshalb ich so ticke wie ich ticke, scheint es mir nötig, erst mal die Bedeutung von Medien etwas anzuschauen, denn nur mit diesem Hintergrund sind meine nachfolgenden persönlichen Gedanken verständlich.

Die Macht der Worte

Als Erstes muss man sich im Klaren sein, dass Worte mehr sind als die Summe ihrer Buchstaben, darüber habe ich in der leider noch nicht vollendeten Blogserie “Macht der Worte” geschrieben. Jedes Wort beinhaltet ganze Bildwelten, die in jedem Kopf anders aussehen. Journalisten müssen die Gabe haben, die mehrheitliche Bildwelt der von ihnen verwendeten Worte zu erahnen, das ist die Kunst von seriösem Journalismus. Wenn man Worte unbedacht verwendet, richtet man damit riesigen Schaden an, weil sich später niemand mehr an die Worte erinnern wird, aber die Bilder zurück bleiben, beispielsweise wenn das Zerrbild einer transsexuellen Frau als “Mann in Frauenkleidern” präsentiert wird.

Verantwortung der Medien

Um mir zu folgen, muss man sich ins Bewusstsein rufen, dass Medien eben nicht einfach nur unterhalten, sie sind Meinungsmacher. So mancher Leser, der zu etwas noch keine Ahnung hat, bekommt durch Medien den ersten Eindruck und einfach wie so Manche sind, reicht das dann meist auch, um sich ein (Ver)Urteil zu bilden. Wenn Medien etwas falsch darstellen, dann können sie damit einen gesellschaftlichen Tsunami auslösen, wenn sie es richtig darstellen, können sie zumindest eine grosse Flut eindämmen. Dieser Verantwortung müssen sich Medienschaffende bewusst sein, genau deshalb gibt es auch einen Kodex des Presserates, der entsprechende Sorgfalt fordert.

Umgang mit Stigmatisierten

Gerade im Umgang mit Menschen, die eh schon von einer Gesellschaftsmehrheit verkannt oder gar stigmatisiert werden, ist entsprechend grössere Sorgfalt nötig. Wenn man beispielsweise in einer Zeit wie dieser, in der eine galoppierende Islamophobie herrscht, Menschen mit muslimischem Glauben als “Islamisten” betitelt, dann giesst man Öl in ein brennendes Feuer und das ist vorallem deshalb fatal, weil die meisten Moslems mit Islamisten gar nichts am Hut haben. Selbstverständlich darf man auch über Islamisten schreiben, aber man sollte sich davor hüten, die Menschen hinter diesen Kategorien in einen Topf falschen zu werfen.

Umgang mit dem Thema Transsexualismus

Und – um wieder bei “unserem” Thema einzuhaken – wenn viele Menschen den Unterschied zwischen einem sexuellen Fetisch wie Transvestitismus und einer körperlichen embryonalen Fehlentwicklung (oder Normvariante) wie Transsexualismus nicht kennen, giesst man genauso Öl ins Feuer der Transphobie, wenn man eine transsexuelle Frau “Transe” nennt. Das grösste Problem das im speziellen transsexuelle Frauen in der Gesellschaft haben, ist die Fehlinterpretation dieses Phänomens, das Leute glauben macht, eine transsexuelle Frau sei ein gestörter Mann, der sich aus unverständlichen Gründen als Frau ausgeben will. Aber das ist nunmal ein völlig falsches Verständnis.

Geschlecht ist Teil der Kernidentität

Sag mal einem Mann, er sei ein Mädchen, wie begeistert wird er reagieren? Und das obwohl es für einen genetisch korrekt geborenen Mann ja klar ist, dass er ein Mann ist. Bei uns transsexuellen Frauen ist aber dieses kollektive Verständnis nicht vorhanden, wenn mir jemand sagt, ich sei ein Mann, trifft mich das einiges mehr, weil ich weiss, dass die Meisten das so sehen. Deshalb ist es in meinen Augen enorm wichtig, dass Medien vorangehen und uns nicht dem falschen Geschlecht zuordnen, denn damit rauben sie uns unser Geschlecht und damit einen wesentlichen Teil unserer Kernidentität.

Die persönliche Enttäuschung – wer, wenn nicht die Medien?

Meine stellenweise Bissigkeit gegenüber Journalisten resp. mehr gegenüber ihren Ergüssen, hat wie mir scheint zwei persönliche Komponenten. Zum Einen erlebe ich seit bald drei Jahren wöchentlich, wie wir durch Medien in den Dreck gezogen werden. Es scheint, dass es kaum Lustigeres gibt als ein Mann in Frauenkleidern und daraus machen Medien einen RunningGag. In den letzten Jahren spriessen sie nur so raus, die Artikel und TV-Sendungen über transMernschen, aber da geht es nur selten um Aufklärung, es geht einzig um das Ausschlachten eines reisserischen Themas – und das generell auf dem Buckel der Betroffenen. Aber der Fluch ist, dass Medien unsere einzige Chance zu sein scheinen, weil sie die Schnittstelle zwischen der Wissenschaft und dem einfachen Menschen auf der Strasse sind, weil nur sie das Bild korrigieren können, dass die Psychiatriekirche ein Jahrhundert lang geschaffen hat und bis heute grösstenteils in ihrem Irrtum verharrt.

Wenn Wissenschaft in die Wand fährt

Es ist einfach zum verrückt werden, je mehr ich mich mit dieser Thematik beschäftige, umso ärgerlicher wird es. Ich kann auf dutzende von wissenschaftlichen Studien der letzten zwanzig Jahre verweisen, die sich gegenseitig bestätigen und ergänzen, die klar zeigen, dass Transsexualität biologische Ursachen hat, dass die geschlechtsbestimmende Hirnregion bei einer transsexuellen Frau eine weibliche Anatomie hat. Aus diesen Studien geht eindeutig hervor, dass Transsexualität keine Frage des Wunsches sondern eine tief im Hirn verankerte Gewissheit ist, dass transsexuelle Frauen also auch biologisch gesehen Frauen sind, zumindest partiell – zufällig im zentralsten Teil unseres Körpers. Aber all diese mir vorliegenden Fakten nützen mir einen Scheiss, weil die meisten Gläubigen der Psychologie weiterhin an der Psychopathologisierung von transMenschen festhalten und weil auf der anderen Seite die Medien sich viel mehr Erfolg erhoffen, wenn sie reisserische Geschichten publizieren als harte Fakten. Und dabei fühle ich mich von Monat zu Monat hilfloser, wir haben alle Argumente, aber wir dringen nicht durch.

Dumm sein ist ok, aber dumm bleiben?

Unwissend zu sein ist nichts Böses, davon sind wir alle hie und da betroffen, auch dumm sind wir ab und zu, auch das dürfen wir. Aber wir verlieren jeden Anspruch auf Respekt, wenn wir wider besseren Wissens dumm bleiben, da hätten wir genauso gut auf den Bäumen bleiben können und uns weiter mit Bananen bewerfen. Ich habe in diesen knapp drei Jahren zig Mal Medien angeschrieben, sei es durch Kommentare, durch “Korrekturformulare” oder via Mail. Bis zum heutigen Tag hat es nicht ein einziges Mal jemand für nötig gehalten, darauf zu reagieren. Einzig in zwei Fällen bewirkte ich damit eine nachträgliche Änderung im Text. Organisationen wie beispielsweise ATME (Aktion Transsexualität und Menschenrecht) tun dasselbe seit Jahren, ATME hat es .sogar geschafft, dass der deutsche Presserat das Magazin “Focus” wegen der despektierlichen Berichterstattung über transsexuelle Menschen eine Rüge erteilt hat. Trotzdem lese ich immer wieder denselben Quatsch und je öfters mir das passiert, umso mehr fühle ich mich als würde ich Autisten meine Gefühle erklären wollen.

Wenn Resignation zu Wut wird
Und dann sitze ich halt mal wieder am PC, finde im Web einen neuen Artikel und lese schon wieder:

  1. Er wollte schon immer eine Frau sein
  2. Er fühlt sich wie eine Frau
  3. Er macht eine Geschlechtsumwandlung
  4. Transsexualität ist eine Persönlichkeitsstörung
  5. Neues von der Dschungel-Transe

    Und ich denke mir dabei:

    1. Nicht ER WILL, SIE IST
    2. Nicht ER FÜHLT, SIE WEISS
    3. Nein, SIE gleicht ihre Äusserlichkeit nur dem EIGENEN Geschlecht an
    4. Nein, es ist eine organische “Fehlentwicklung” oder “Normvariante”
    5. Das Wort “Transe” ist ein Schimpfwort wie Schwuchtel, Nigger oder Krüppel

      Und je mehr ich von diesem Gift schlucke, umso mehr schlucke ich schon beim Anblick des ersten Wortes das mit diesem Thema zu tun hat – und immer weniger braucht es, dass ich einen inneren Tobsuchtsanfall krieg, weil ich es einfach langsam leid bin, ständig zu korrigieren, nur um das nächste Mal wieder falsch dargestellt zu werden. Dann flipp ich innerlich aus, wenn ich mit meinen rationalen und stets anständig vorgebrachten Kontaktaufnahmen mit den Medien ständig nur ignoriert werde, fühl ich mich mit der Zeit als würd ich mit einem Gipsklotz quatschen.

      Aber hier geht es eben um mehr als ums Quatschen, hier geht es so nebenbei um mein ganz persönliches Leben, um die Frage, ob ich wirklich bis zum Ende meiner Zeit verkannt bleiben werde, ob man uns weiter belächelt, ob weiter transMenschen sterben, weil sie diese ganze Scheisse nicht mehr aushalten oder weil jemandem mal wieder der minimalste Respekt fehlt. Und dann, man möge mir das verzeihen, werde ich deutlich, sehr deutlich – und vielleicht auch mal zu laut. Aber ich habe oft genug anständig und rational auf Journalisten eingewirkt, irgendwann endet auch meine Geduld im Umgang mit Kommunikationsresistenten.

      Aber vielleicht geht’s ja doch aufwärts?

      Aber ungeachtet meiner unterdessen angehäuften Ungeduld, versuche ich stets fair zu bleiben und sehe auch das Gute, wenn es denn ausnahmsweise mal erscheint. So habe ich zu dieser besagten Reporter-Sendung betont, dass ich die Sendung inhaltlich gut fand, dass sie besser war als das Meiste was ich bisher gesehen habe. Aber ich knurre trotzdem laut und deutlich, wenn so eine Sendung dann eben beispielsweise so einen verblödeten Ankündigungstext hat oder mit dem ersten Satz der Reportage die Gesamtaussage erstmal auf den Kopf gestellt wird und Zuschauer dadurch das Ganze von einem völlig falschen Blickwinkel aus beginnen.

      Es geht eben doch: sie war schon immer eine Frau

      Mag sein, dass es Zufall ist, mag auch sein, dass der Schreiber dieses Artikels einfach die Ausnahme von der Regel ist, vielleicht ist es aber auch deshalb, weil Leute wie ich oft genug meckerten. Jedenfalls ist heute in diversen Tageszeitungen ein Artikel über Claudia erschienen, der mich den Rest des Tages verzückt lächeln liess. Denn der Artikel fängt mit dem Satz an: “Claudia Meier war schon immer eine Frau“. Paff, das nenn ich mal ne Ansage :-) Und darüber kann ich mich dann genauso euphorisch erfreuen, wie ich mich über “Transe Peter” aufregen kann. Dieser Artikel ist jedenfalls etwas vom Korrektesten was mir je begegnet ist. Klar könnte man bemängeln, dass wieder nichts über biologische Ursachen von Transsexualität stand, aber ich kann auch nicht erwarten, dass mit einem Schlag die grosse Aufklärung stattfindet.

      Worum es mir viel mehr geht ist darum, dass der Text respektvoll gehalten war, dass niemandem das eigene Geschlecht aberkannt wurde und eigentlich nichts stand, was der Realität über transsexuelle Menschen radikal widersprechen würde. Und genauso wie ich sonst Redaktionen anmeckere, wenn sie wiedermal Quatsch schreiben, genauso habe ich meine Freude als Kommentar dort abgeladen und wenn ich die Mailadresse des Schreibers hätte rausfinden können, hätte ich ihm sogar geschrieben (hole ich raschmöglichst nach).

      Versuch einer Antwort

      Warum ich mit so deutlichen und oft auch harten Worten um mich haue, dürfte also zusammengefasst damit begründet sein, dass ich es einfach leid bin, immer und immer wieder von Journalisten verarscht zu werden, auch wenn ich mehrfach auf ihr Fehlverhalten hingewiesen habe. Eine ganz andere Frage ist die, ob so harte Bandagen wirklich nützlich sind. Ehrlich gesagt, ich zweifle daran. Ich bin zwar überzeugt, dass man sehr deutlich kritisieren muss, es geht ja um nicht weniger als um das Überleben von Betroffenen, da wäre es nicht angebracht, klein beizugeben oder sich mit faulen Kompromissen abzuspeisen. Denn schlussendlich nützt es mir nicht viel, wenn man mich als “gestörter Mann im Rock” akzeptiert, auf diese Akzeptanz kann ich verzichten. Aber bellenden Hunden hört man selten zu, man weicht vielleicht, achtet aber nicht gross auf ihre Bedürfnisse. In dem Sinn wäre es wohl nützlicher, wenn wir transAktivistinnen versuchen so freundlich wie möglich zu bleiben, bestimmt aber freundlich. Nur hier menschelts halt, auch bei mir – Gefühle folgen nunmal nicht immer ökonomischen Gesetzen. Aber versuchen sollten wir’s trotzdem soweit es unsere Nerven zulassen.

      Weiter – hartnäckig, bestimmt, aber mehr rational als emotional

      Gerade dieser heutige Zeitungsartikel bestärkt mich darin, dass wir weiter machen müssen. Nur wenn wir hartnäckig den Schimpfefinger hochhalten, jedes Mal wenn wieder ein Journalist geistigen Gesellschaftsmüll über uns auskippt, werden Medien immer mehr informiert und dann vielleicht auch sensibilisiert. Aber wir müssen uns davor hüten, aus Journalisten oder auch aus Psychologen Feinde zu machen, denn das sind sie bestimmt nicht. Es ist nicht ihr erklärtes Ziel uns kaputt zu machen. Versuchen wir also weiter, ihnen anständig aber bestimmt auf die Finger zu klopfen, die mediale Entwicklung der letzten Monate lässt Hoffnung zu.

      SF1 Reporter – Von Andreas zu Claudia

      Entgegen meinen Erwartungen wurde die Sendung “Reporter: Von Andreas zu Claudia” auf SF1 nicht zum gewohnten Medien-Desaster. Die Dokumentation beinhaltete einige Aufnahmen der zwei bereits bei “Schweiz Aktuell” erschienen Sendungen “Vom Chef zur Chefin” und “Namensstreit in Bern” sowie zusätzliche Aufnahmen.

      Die Sendung war im Gegensatz zu anderen bisherigen TV-Produktionen doch überraschend gut, von der Betroffenen wurde seitens der Moderation in der Regel in korrekter weiblicher Form gesprochen, abgesehen von Schilderungen aus der Vergangenheit. Dafür bot diese Sendung vorallem durch die Interviews mit Claudia Meier viele wichtige Informationen, im Speziellen betreffend der Frage um die verweigerten Namensänderungen bei transsexuellen Menschen. Doch so gut so Manches war, so erschreckend war meines Erachtens der Einstieg, denn der Einstieg stellt das Fundament, auf dem der Rest verstanden wird und da wurde eindeutig eine falsche Richtung eingeschlagen.

      Guter Inhalt irreführend aufgegleist

      Die Sendung begann mit einem moderierten Hintergrundtext, in dem Claudia Meier in der männlichen Form vorgestellt wurde und die alte Mär rezitiert wurde, “er” hätte schon immer eine Frau “sein wollen”. Dass Transsexualität nicht der “Wunsch eines gestörten Mannes” ist sondern die “Gewissheit um das eigene Geschlecht” einer transsexuellen Frau, scheint den Reportern noch nicht klar zu sein, denn diese Fehldeutung wiederholte sich im Verlauf der Sendung. Hätten sich die Reportagemacher mit dem Thema Transsexualität auseinandergesetzt, wüssten sie, dass Transsexualität keine Wunschfrage ist. Warum man eine Dokumentation über so ein Thema macht, ohne sich ernsthaft mit den medizinisch-wissenschaftlichen Hintergründen zu beschäftigen, ist mir irgendwie schleierhaft.

      Schon wenige Sekunden später kommt die Betroffene zum ersten Mal zu Wort und stellt gleich klar:

      Viele haben das Gefühl: “Jetzt ist sie eine Frau”.
      Nein, Frau bin ich immer gewesen!
      Ich bin immer Frau gewesen, durfte aber nie aus Frau leben.

      Die Moderation fährt fort und tritt gleich ins nächste Fettnäpfchen:
      “Biologisch ist die Zweiundvierzigjährige zwar immer noch ein männliches Wesen……”

      Entweder hat sich der Reporter wie bereits erwähnt nicht mit dem Thema auseinander gesetzt oder er hält das Gehirn eines Menschen nicht für einen Teil der Biologie. Denn Fakt ist, dass eine transsexuelle Frau eine weibliche Hirnanatomie hat, massgeblich geschlechtsrelevante Regionen des Hypotalamus haben bei transsexuellen Frauen die selbe Grösse und Neuronendichte wie bei nicht-transsexuellen Frauen. Wer bei der Geschlechtsbestimmung das Hirn aus der Biologie ausschliesst, macht den Menschen im wahrsten Sinn des Wortes hirnlos.

      Die Moderation fährt mit dem Satz fort:
      “…… doch in ihrem 4-Sterne Hotel bewegt sie sich WIE eine Lady…..”

      Was heisst da “wie”? Wie ignorant muss man sein, einer Frau zu begegnen, die sagt, sie sei eine Frau und dann über sie zu referieren, sie sei ein männliches Wesen, das sich WIE eine Frau bewegt? Diese Einleitung gab der Sendung eine völlig falsche Richtung, der Moderator scheint von einem verrückten Mann zu reden, der lieber eine Frau wäre und deshalb so tut als wär “er” eine Frau.

      Aber so grotesk diese Einleitung auch war, ich habe da schon viel Schlimmeres erlebt, beispielsweise bei obgenannten zwei Sendungen von “Schweiz Aktuell”. Immerhin wurde während der weiteren Reportage meistens in der weiblichen Form von der Betroffenen gesprochen. Trotzdem zeigt sich meines Erachtens, dass die Sendungsmacher mit einer vorgefassten Vorstellung an dieses Thema herangegangen sind und nicht in der Lage waren, ihre vorgefassten Vorstellungen der durch die Betroffene vorgebrachten Realität anzupassen.

      Und dieses Schema begegnet mir immer wieder, wenn es um das Thema “Transsexualität” geht. Da hilft es wenig, wenn in solchen Sendungen inhaltlich korrekte Informationen weitergegeben werden, wenn man das Ganze in einen Hyperkontext stellt, in dem man entgegen wissenschaftlichen Fakten verbreitete Falschvorstellungen betoniert. Gerade Medienschaffende müssten sich bewusst sein, dass Worte töten können, wer sich das nicht bewusst ist, sollte nicht in dieser Branche arbeiten. Es sind solche Fehlformulierungen wie “er will eine Frau sein”, die das Fundament legen für die gesellschaftliche Stigmatisierung von transsexuellen Menschen und sie sind der Nährboden, auf dem Transsexualismus-Betroffene diskriminiert oder gemobbt werden, bis hin zur Tötung vermeintlich “gestörter Männer im Rock”.

      Einmal mehr bitte ich Betroffene inständig:

      Ich bin wirklich froh, dass es Leute gibt die sich für so Sendungen zur Verfügung stellen und noch mehr bin ich froh, wenn Betroffene sich wie in Claudia Meier, Kim Petras oder Balian Buschbaum korrekt “deklarieren”. Aber wenn Ihr so Sendungen mitmacht, dann stellt dabei die Bedingung, dass die Verantwortlichen Eure Terminologien übernehmen. Klärt die Journalisten zuerst auf, was Transsexualität ist und was es nicht ist und stimmt nur zu unter der Bedingung, dass Ihr auch so dargestellt werdet – andernfalls geht der Schuss hinten raus.

      An dieser Stelle verweise ich nochmal auf ältere Beitrag zu diesem Thema:
      Transsexualität und die Kunst der Selbsterklärung
      Rundschau: Transsexuelle, Krankenkasse, Behörden und ein ulkiger Polit-Clown

      Namensverweigerung sind Menschenrechtsverletzungen

      Der Grund, warum ich trotz der irreführenden Einleitung froh bin um diese Sendung, liegt darin, dass sehr eindrücklich dargelegt wurde, wie grausam unsere Behörden mit transsexuellen Menschen umgehen. In vielen Kantonen lässt man Betroffene zwei Jahre lang hängen, die nicht-menschenrechtskonformen Behandlungsstandards verlangen von Betroffenen, in Form eines sogenannten Alltagstest zwei Jahre lang “in ihrem angestrebten Geschlecht” zu leben, verweigern aber in dieser Zeit die Möglichkeit, die Ausweise entsprechend zu ändern. Claudia Meier hat in guten Beispielen erklärt, was das faktisch bedeutet. Man kommt kaum noch über eine Grenze ohne höchst peinlichen Situationen ausgesetzt zu sein und man wird dadurch gezwungen, unter “falschem Namen” zu leben. Es wird verlangt, dass man im Alltag unter dem neuen Namen auftritt, doch damit macht man sich schlussendlich strafbar, weil man formal-juristisch nicht so heisst. Spätetens bei der Benützung einer Kreditkarte kann das zu grossen Problemen führen, ganz abgesehen davon, dass man beispielsweise im Falle eines Spitalaufenthalts oder bei einer Inhaftierung in der falschen Abteilung landet. Letzteres ist in Deutschland letztes Jahr geschehen, die Betroffene wurde von den Mitinsassen mit Begeisterung empfangen, nach mehrfacher Vergewaltigung wurde sie dann verlegt. Wenn man sich vor Augen hält, dass beispielsweise der Kanton Zug solche Namensänderungen ohne Bedingungen wie Länge der Hormontherapie oder erfolgte Sterilisierung zulässt, dann macht es schon etwas ratlos, dass im Kanton Bern eine Hoteldirektorin, die von Berufswegen auf korrekte Papiere angewiesen ist, solchen Schikanen ausgesetzt ist.

      Mediale Desinformation – wenn Medien dazulernen

      Nachdem ich diesen Beitrag gestern Abend geschrieben habe, hielt ich ihn noch zurück um heute morgen erst zu schauen, ob eine Zeitung über diese Sendung schreibt. Das geschah zwar nicht, dafür hatte “Der Bund” einen Beitrag über Claudia Meier (Der Tod ist ihr näher als der Weg zurück), der wenn auch nicht perfekt so doch überraschend gut geschrieben ist. Überraschend deshalb, weil der Bund meines Wissens zum gleichen Verlag gehört wie die Bernerzeitung und die hat bereits vier Mal über Frau Meier und im Speziellen über diesen Rechtstreit berichtet und hat (vorallem im letzten Beitrag) transphobe Formulierungen übelster Art verwendet. Ich hab echt null Verständnis dafür, dass ein Journalist gerade beim Thema “verweigerte Personenstandsänderung” rotzfrech von “einem Hoteldirektor” spricht.

      Adieu Herr Meier – grüessech Frau Meier
      Transsexualität ist nicht ansteckend
      Ihr männlicher Vorname ist Geschichte
      Transsexualität: Namensänderung braucht Zeit

      Dass “der Bund” den Artikel anfängt mit dem Satz: “Claudia Meier war schon immer eine Frau” weckt Hoffnungen, dass auch Medienschaffende lernfähig sind. Ich aber auch andere trans-Aktivistinnen haben beispielsweise die Bernerzeitung/Tagesanzeiger anlässlich solcher Artikel mehrfach über ihre Falschdarstellung informiert, vielleicht hat es ja schlussendlich doch etwas genützt – bleiben wir dran ;-)

      UPDATE: Hab wohl nicht gut genug gesucht, dieser Artikel wurde auch auf Tagesanzeiger, Bernerzeitung und Baslerzeitung erschienen, die Hoffnung, dass diese Redaktionen dazulernen, scheint begründet :-)

      PS: falls Claudia Meier hier mitliest, Super Foto in diesem neusten Zeitungsartikel…… und danke für Deinen Einsatz

      PPS: zur hier gestellten Frage, weshalb ich Medien so heftig kritisiere:
      Dianas Medienschelte mit dem Zweihänder

      Supertalent – Finde das Gute im Menschen

      Die letzten Tage schwebt eine Wolke über mir, die trotz meiner ansonsten guten Stimmung einen kalten Schatten über mich lebt. Die traurige Geschichte des 14-jährigen Jamey Rodemeyer, der von einer intoleranten und grausamen Gesellschaft in den Suizid getrieben wurde, hat mich recht aufgewühlt. Nicht, dass es aussergewöhnlich wäre, dass Kinder von ihrem Umfeld in den Tod getrieben werden, nur weil sie irgendwie “anders” sind. Das geschieht leider zu Tausenden aber in diesem Fall bekommt die Grausamkeit durch die über ihn verfügbaren Videos ein vermeintlich lebendiges Gesicht. Dieser Vorfall macht mich nicht nur traurig sondern auch wütend, auf eine Gesellschaft, die derart brutal umgeht mit Leuten, die nicht ins Schema passen. Umso mehr beglückt und tröstet mich zu erleben, dass es auch anders sein kann, Menschen können das Gute im Menschen finden, wenn sie danach suchen, sie können hinter die Fassaden blicken, das gibt Hoffnung.

      Wie jedes Jahr schaue ich auch diese Saison wieder einige dieser Talentshows wie Supertalent, X-Faktor u.s.w. In diesen Sendungen begegnet man immer wieder genau solchen Menschen, die von dieser Gesellschaft wohl nur wenig Respekt ernten würden, Menschen die in den Augen der Mehrheit nicht gut aussehen, Menschen am Rande der Gesellschaft, Menschen die aus unterschiedlichsten Gründen abgelehnt würden, denen man nichts zutrauen würde. Und dann erlebt man diese Menschen plötzlich von einer Seite, die man ihnen niemals zugetraut hätte. Es rührt mich immer wieder zu Tränen, zu erleben, wie eine ganze Halle jemanden im ersten Moment belächelt oder ablehnt, weil die erste Erscheinung so anders ist als der Mainstream es erwarten würde und die dann fast vom Stuhl fallen wenn sie erleben was dieser Mensch kann und sie dann am Schluss aufstehen und mit dem Applaus nicht mehr aufhören wollen. Dann erlebe ich wieder, dass Menschen sehr wohl das Gute im Menschen finden können. Ich halte solche Sendungen alleine schon deshalb für “pädagogisch wertvoll”, weil die Zuschauer so lernen können, dass man Andere nicht unterschätzen sollte und erst Recht nicht ablehnen sollte, weil in so Manchen etwas steckt, das einem berühren könnte, wenn man sich denn darauf einlassen würde.

      Ich möchte Euch heute zwei solche Menschen vorstellen, die im ersten Moment unterschätzt werden und die dann Unglaubliches bieten.

      Der Punk mit dem Klavierherz

      Jörg Perreten ist ein Punk, ihm fehlt das Selbstbewusstsein, er sieht für sich kaum eine Zukunft, hat eine aufwühlende Geschichte hinter sich, er würde in der Öffentlichkeit wohl von den Meisten gemieden. Aber wenn er Klavier spielt, öffnen sich Welten der besonderen Art. Er hat nie “richtig” gelernt, Klavier zu spielen, er hat keinen Plan was er da tut, er tut es einfach, lässt sein Herz in die Tasten greifen und was dabei herauskommt, geht so ans Herz. Und es ist ergreifend zu erleben, wie das Publikum sich verändert, wie sich ursprüngliche Skepsis in Begeisterung verwandelt.

      Die unterschätzte Engelsstimme

      Sven Müller hat Minderwertigkeitskomplexe wegen seines Äusseren, hat sich nie getraut öffentlich zu singen, er braucht enorme Überwindung um sich auf die Bühne zu wagen und der Welt das zu präsentieren, wofür er sich so schämt, sein Äusseres, auch her hat eine aufwühlende Geschichte hinter sich. Aber er ist nicht gekommen um das Äussere zu demonstrieren sondern seine Stimme. Auch er wird vom Publikum mit entsprechender Skepsis empfangen, aber wenn er loslegt, ist die ganze Halle ergriffen ob dem was sie da hören. Er ist ein gutes Beispiel dafür, dass man Menschen nicht aufgrund von Äusserlichkeiten unterschätzen sollte, dass in so Manchen, die abgelehnt werden, ein wahres Wunder steckt.

      Das Licht in der Finsternis

      Kaum jemand hat bei Talentshows je so überrascht wie Karin Andreev, die mit ihren Tätowierungen (vorallem das Wort ‘Hass’ auf dem Arm) und ihrem Hang zu Gothic das Publikum fürs Erste einfach mal in Gelächter versetzte. Auch sie hat eine herzzerreissende Geschichte, aber davon weiss das Publikum nichts und urteilt wie so oft zuerst aufgrund von Äusserlichkeiten. Aber was dann kommt, ist unfassbar, das Mädel legt eine Oper hin die so gefühlsvoll gesungen ist, dass man mitheulen möchte. Sie ist für mich das Paradebeispiel für Menschen die man verkennt, allein weil man gegenüber “etwas anders erscheinenden Menschen” aus Prinzip mit Ablehnung reagiert.

      Es bedarf nach diesen Beispielen wohl keines Beweises und keines Arguments mehr um bewusst zu machen, dass man Menschen nicht aufgrund von Äusserlichkeiten unterschätzen sollte und dass man Menschen erst beurteilen sollte, wenn man wirklich jede Seite von ihnen kennt.

      Es bedarf einzig noch eines Hinweises – Jeder Mensch hat seine Talente und Jeder hat etwas Spezielles, das ihn ausmacht und einzigartig macht, jeder Mensch ist etwas Besonderes. Aber nicht alle haben solche Talente, die einem derart vom Hocker hauen. Das sollte uns aber nicht daran hindern, dass wir alle Menschen annehmen, egal ob sie irgendwie anders sind oder oberflächlich betrachtet “nicht schön” oder “nicht cool” sind oder was weiss ich. Wir müssen endlich lernen, einander anzunehmen und zu anerkennen wie wir sind. Jeder Mensch ist etwas Einzigartiges und hat es verdient, als das angenommen zu werden was er ist und was ihn ausmacht.

      Und wenn wir mal wieder vorschnell über jemanden urteilen im Stil von: “der Punk hat ja keinen Job, der ist ein Aussenseiter….” oder wenn wir jemanden belächeln und sagen: “der Kerl hat ja null Selbstvertrauen, was ist das denn für eine Lusche…..”, dann sollten wir uns daran erinnern, dass so Mancher wie in diesen Beispielen da oben ein schweres Schicksal hinter sich haben könnte, dass es nunmal Menschen gibt, die ein härteres Leben hatten als wir und die viele Verbeulungen davongegetragen haben, Menschen die ein viel schweres Pack auf dem Rücken tragen als wir selbst.

      Jeder Mensch ist liebenswert, unser aller Blut ist rot und unsere Herzen schlagen alle im gleichen Takt………. In dem Sinn ruufe ich Euch einmal mehr zu: Namaste! Ich grüsse das Göttliche in Dir!

      PS: über Talentshows habe ich schonmal im alten Tagebuch geschrieben: Talentshows und ihre Superstars

      Mobbing – Homophobie und Transphobie sind tödlich

      Heute möchte ich Euch jemanden vorstellen. Das ist Jamey Rodemeyer, ein 14-jähriger amerikanischer Junge. Jamey ist eigentlich ein ganz normaler Junge, er wird von seinem Umfeld sehr geschätzt, ist sensibel, lebensfroh und sozial engagiert.

      Nur in einem unterscheidet sich Jamey von anderen Jungs, Jamey ist schwul. Und noch in etwas unterscheidet er sich von Jugendlichen dieses Alters, er ist mutig und tapfer genug um zu seiner Wesensart zu stehen, er steht zu sich obwohl er deswegen gemobbt wird.

      Vor einiger Zeit hat Jamey dieses Video veröffentlicht, ein “Alles wird besser” Video, in dem er wie viele andere Schwule, Lesben, Transsexuelle und sonstwie Stigmatisierte sich gegenseitig Mut zusprechen und so die Hoffnung aufrecht erhalten, dass es in dieser Gesellschaft wirklich besser wird, dass Menschen wie Jamey oder ich eines Tages nicht mehr als Stigmatisierte gelten, dass all der Spott und Hohn eines Tages endet.

      Ich bitte Euch, dieses Video nun genau anzuschauen, auch wenn Ihr den englischen Text nicht versteht, betrachtet diesen liebenswürdigen Jungen, beobachtet seine schüchterne Körpersprache, erspürt seine Sensibilität………

      Das war Jamey Rodemeyer, ein 14-jähriger amerikanischer Junge……. nur in einem unterscheidet sich Jamey von anderen Jungs……. Jamey ist tot, er hat sich letzten Sonntag das Leben genommen.

      Jamey reiht sich damit ein in eine Unzahl von homosexuellen Jugendlichen, die dem Druck einer homophoben Gesellschaft nicht mehr standhalten konnten. Seit seinem Outing wurde er in der Schule und von anderen Jugendlichen aufs Heftigste gemobbt, er wurde verhöhnt und verspottet. Kurz vor seinem Tod schrieb er in seinem Blog: “Ich sage immer, wie sehr ich gemobbt werde, aber das interessiert niemanden. Was muss ich tun, damit Leute mir zuhören?” und wenige Tage vorher schrieb er: “Ich wäre so glücklich wenn ich sterben könnte”. Sind das die Worte, die ein 14-Jähriger aussprechen sollte? Wie brutal muss eine Gesellschaft sein, dass ein 14-jähriger Junge solche Empfinden hat, weil man ihn derart ausgrenzt und kaputt macht, bis er sich nicht mehr anders zu helfen weiss als sich das Leben zu nehmen? Aber wundert es einem, dass ein Junge nicht mehr weiter weiss, wenn er beispielsweise über sich liest: “Jamey ist stupid, schwul, fett und hässlich, er muss sterben”?

      Das Wort “Homophobie” leitet sich ab von der Vorstellung, dass wir das ablehnen, wovor wir uns fürchten, in der Regel ist es “das Fremde”, in welcher Gestalt auch immer es uns begegnet. Die Angst vor dem Fremden, die Xenophobie, macht Menschen zu Fremdenhassern, Homophobie führt zu Schwulenhass und Transphobie zu Transsexuellenfeindlichkeit. Eine Studie der Columbia University mit 32’000 Elftklässlern zeigt erschreckende Fakten. Homosexuelle resp. lesbische Jugendliche haben eine viermal höhere Selbstmordversuchsrate als der Durchschnitt. Die Studie zeigte auch, dass das Suizidrisiko umso grösser ist, wenn das soziale Umfeld negativ mit der Homosexualität der Betroffenen umgeht. Homosexuelle Menschen, die von ihrem Umfeld nicht gestützt werden, haben ein 20% höheres Suizidrisiko, das sollte uns wirklich zu denken geben.

      Ich kenne diese Abgründe der Gesellschaft mehr als mir lieb ist. Als Kind wurde ich oft verspottet, weil ich so feminin war. Man hielt mich ja für einen Jungen und fand das total lustig, dass ich “so weibisch” bin. Und heute, da ich nun endlich meinem wirklichen Geschlecht entsprechend als Frau lebe, muss ich wieder hie und da spöttische Blicke ertragen, vorallem von Kindern und Jugendlichen. Oft habe ich mich gefragt, warum ich nicht schon als Kind mutig genug war um so für mich einzustehen, warum ich vierzig Jahre lang mich selbst verleugnete. An so Tagen wie heute wird mir mal wieder klar warum, ich wäre damals wie Jamey nicht stark genug gewesen um die hässliche Seite der Gesellschaft zu erdulden, ich wäre genau wie er kaputt gegangen an der Grausamkeit dieser Welt.

      An Jugendliche:

      Wenn Du Dich mal wieder lustig machen möchtest über einen Mitschüler, dann erinnere Dich daran, dass Mobbing tödlich sein kann, halte Dir vor Augen, dass jährlich tausende von Kindern sich das Leben nehmen, weil sie das nicht ertragen können, was Du vielleicht grad im Begriff bist zu tun. Du weisst nicht, was die Zukunft für Dich bereit hält, vielleicht bemerkst Du eines Tages, dass Du homosexuell bist, vielleicht outet sich Dein Vater oder Deine Mutter als Homosexuelle oder Transsexuelle, vielleicht kommt der Tag, an dem man Dir “Schwuchtel” oder “Transentochter” oder “Krüppel” nachruft. Vielleicht kommt der Tag, an dem auch Du zu den Stigmatisierten dieser Gesellschaft gehörst, geh so mit Deinen Mitmenschen um wie Du es Dir erhoffen würdest in so einer Lage.

      An Erwachsene:

      Wenn Du Dich mal wieder lustig machen möchtest über einen Mitmenschen, nur weil dieser irgendwie anders ist, dann erinnere Dich daran, dass Verachtung und Verspottung tödlich sein können, halte Dir vor Augen, dass tausende von Menschen sich das Leben nehmen, weil sie mit dem Gespött durch Menschen wie Dich nicht mehr klar kommen.

      An Eltern:

      Wenn Ihr wirklich so erbärmlich seid, dass Ihr es nicht lassen könnt, Euch über Andere lustig zu machen, dann tut das wenigstens nicht in Anwesenheit Eurer Kinder, denn Eure Kinder lernen durch Euch solche Verhaltensweisen und wenn Ihr ihnen so ein Vorbild seid, werden sie eines Tages genauso asoziale Arschlöcher wie Ihr es seid.

      An die Jugendlichen die Jamey gemobbt haben:

      Redet Euch nicht ein, Jamey hätte sich selbst getötet, Ihr wart das, Ihr habt sein Leben auf dem Gewissen, mit dieser Schuld müsst Ihr nun leben. Und falls Eure Eltern mal wieder betonen, dass Gott angeblich Schwule hasst, dann vergesst nicht, dass Gott vorallem Mörder hasst, Ihr seid solche Mörder – willkommen in der Hölle!

      An Mobbing-Opfer:

      Und all den Mobbing-Opfern, die immer mal wieder an die Grenzen des Erträglichen anstossen, möchte ich diese alten Blogbeiträge von mir zum Nachdenken mitgeben…… glaubt mir, Ihr seid nicht allein!

      Selbstmord – die vorweggenommene Niederlage
      Transsexualität und Selbstsicherheit

      An Jamey:

      Ich kannte Dich nicht und so hörte ich Dich auch nicht, wie gerne wäre ich Dir beigestanden um diesen Widrigkeiten zu trotzen. Aber wenigstens jetzt wirst Du gehört, weit über Deine Landesgrenzen hinaus. Vielleicht bekommt Dein sinnloser Tod wenigstens so ein wenig Sinn. Es ist allseits bekannt, dass viel zu viele Jugendliche sich das Leben nehmen und es dürfte auch vielen bekannt sein, dass die Suizidrate von homosexuellen Jugendlichen vier mal höher ist als bei Anderen. Aber mit so Zahlen erreicht man keine Menschen, die Meisten sind nicht feinfühlig genug um hinter diesen Zahlen all die Schicksale zu erspühren. Durch Dich hat Homophobie und Mobbing ein Gesicht bekommen, möge die Welt wenigstens jetzt etwas daraus lernen, auch wenn es für Dich zu spät ist. Eines kann ich Dir versichern: Du hast mich berührt, mich zu Tränen gerührt……. ich hoffe, dass ich diese Rührung mit diesem Blogbeitrag weiter geben kann, damit Du nie vergessen wirst.

      Wirklich tot sind nur die, an die niemand mehr denkt,
      wir vergessen Dich nie, Jamey!

      Mehr zu diesem traurigen Ereignis:

      Queerdenker: Selbstmord eines 14-Jährigen in den USA
      Fabio Huwyler: Paws Up!
      Technorati: It Didn’t Get Better For Jamey Rodemeyer
      John Shore: Christians and the Blood of Jamey Rodemeyer
      Buffalo News: Teenager struggled with bullying before taking his life
      Facebook Gedenkseite für Jamey Rodemeyer

      They can verbally abuse me, they can torture me,
      they can try to strip me bare of my dignity…
      they can even take my life,
      but they can never ever snatch who I am at my core…
      I will always naturally express who I am on the outside,
      Trans (and Homo) phobic social oppressors be damned!
      (Arianna Davis)

      UPDATE 23.9.2011: So traurig dieser Vorfall auch ist, es sieht danach aus, als ob die Welt von einer Solidaritätswelle erschüttert wird, infolgedessen das “Paws Up Forever Project” am entstehen ist. Dieses Video ist ein erstes Statement………. in dem Sinne…… PAWS UP *fauch*

      UPDATE 26.09.2011: Die Musikerin “Lady Gaga” hat sich ihrem Fan angenommen und unterstützt die “Paws Up for Jamey” Bewegung an vorderster Front, hoffen wir, dass diese Welle nicht mehr aufhört, bis auch der hinterletzte Depp versteht: “Mobben ist was für Verlierer” (O-Ton Lady Gaga). Anlässlich eines Auftritts widmete sie Jamey ein Lied……

      MTV: Lady Gaga – Kampf dem Mobbing
      MTV: Lady Gaga – Song für Mobbing-Opfer
      BlueWin: Lady Gaga gedenkt ihrem toten Fan
      Queerdenker: Grossartige Lady Gaga

      Und die Erde war wüst und leer und es war finster auf der Tiefe

      Am Ende vernichtete der Mensch Himmel und Erde.
      Und die Erde war wüst und leer, und es war finster in der Tiefe.
      Und der letzte Mensch schrie: ‘Es werde Licht!’ – Aber es blieb dunkel.
      So ward aus einem Abend ohne Morgen die letzte Nacht.
      (Michael Ende – Der Spiegel im Spiegel)

      Die Lust zum Bloggen ist mir momentan ziemlich vergangen, in letzter Zeit gabs da so einiges in meinem Leben, das mich ziemlich erschüttert hat, Dinge über die ich zumindest vorläufig nicht schreiben kann oder will. Und es gab Vieles, das mir durch den Kopf ging, das mein Bedürfnis nach dem, was die Gesellschaft ironisch “Gemeinschaft” nennt, etwas gedämpft hat. Ich versuch jetzt trotzdem mal zusammenzufassen, wie es mir geht und was vor mir liegt.

      Ein Leben (fast) in Freiheit

      Beginnen wir mit dem Angenehmen. Unterdessen ist mein Leben so richtig schön unspektakulär geworden und das fühlt sich sowas von gut an. Meine Ausweise entsprechen nun mir selbst, meine Bankkonten sind geändert, ich bin einfach nur noch Diana, so wie tausend andere Dianas auch, nur mit einer etwas verrückten Vergangenheit. Vorbei ist das Gefühl, dass ich allein schon mit meiner Namensnennung irgendwie lüge, weil im Ausweis ja etwas Anderes steht, vorbei auch die Zeiten, in denen mein gelebtes Ich im Widerspruch zu irgendwelchen anatomischen Sonderbarkeiten stand. All das bringt so eine Stille mit sich, eine wohlige Ruhe nach einem elend langen und grausam wilden Sturm. Aber so gut es mir selber auch geht, es bleiben doch Widrigkeiten, die auch jetzt noch an die Substanz gehen und immer wieder peitschende Schüsse durch die Stille jagen.

      Blog-Selbstzensur

      Schon vor einigen Wochen habe ich kurz anklingen lassen, dass mir eine Zeitung ihre Anwälte auf den Hals gehetzt hat, weil ihr Name in einem Stichwortverzeichnis von mir vorkam. Ich habe das Stichwort darauf entfernt, weil ich keine Lust habe auf ein episches Gerichtsdrama, habe aber die geforderte Unterlassungserklärung nicht unterschrieben. Vermutlich kehrt diesbezüglich nun Ruhe ein, sicher kann ich mir aber nicht sein, dass nicht doch noch etwas kommt von der Seite. Schon dieses Erlebnis hat mir vor Augen geführt, dass das Recht auf freie Meinungsäusserung auch hierzulande nur begrenzt gilt. Ein zweites Ereignis, über das ich noch nicht schreiben kann, zeigte dann auch, dass meine Offenheit gegen mich oder mir Nahestehende als Waffe verwendet werden kann. Vorallem dieses zweite Erlebnis hat mich dazu bewogen, kurzfristig mal das alte Tagebuch und das GaOp-Tagebuch vom Netz zu nehmen und auch in diesem Blog meine Fotos zu entfernen. Die Illusion der Freiheit – darüber habe ich ja schonmal geschrieben – ist eben Teil unserer achso toleranten Gesellschaft. Ich werde mir in Ruhe Gedanken darüber machen, wie es mit meiner Bloggerei weitergehen soll und wieviel Offenheit ich noch zu opfern bereit bin, dann werde ich entscheiden, in welchem Umfang meine alten Blogs wieder online gestellt werden.

      Das Irrenhaus da draussen

      Aber neben dem was ich im eigenen persönlichen Leben erlebe, gibt es noch all den Irrsinn, der täglich aus der grossen weiten Welt in mich hineingegossen wird. Wo ich auch hinsehe, sehe ich eine Brutalisierung und Verluderung dieser Gesellschaft, die mich betrübt und manchmal beängstigt. In einer Zeit, in der Waterboarding als legitmes Mittel zur Wahrheitsfindung betrachtet wird und grundlos wutentbrannte Mitmenschen am Boden liegenden Opfern den Schädel einstampfen, weil ihnen einfach grad danach ist, in der sich so Manche viel zu oft lieber mit möglichen Tätern als mit möglichen Opfern solidarisieren, in der politische Brandstifterei zum politischen Alltag gehört und die Radikalisierung der potentiellen Wählerschaft bereits als normal angenommen wird – in so einer Zeit fällt es schwer, seine Artgenossen zu lieben, wenn man selber nicht diesem kollektiven Beisswahn verfallen ist.

      Wenn wir im TV Nachrichten und Berichte sehen und Zeitungsartikel und Kommentare in denselben lesen, dann sehen wir in einen Spiegel, ein Spiegel der uns die Fratze dieser Gesellschaft zeigt, der wir angehören und die wir alle geschaffen haben. Bin ich wirklich die Einzige, die beim Anblick dieses Spiegelbilds das kalte Kotzen bekommt? Ist es wirklich schon so normal geworden, dass wir diesen Krieg gegen uns selbst führen? All das macht mich ratlos, ich möchte die Augen verschliessen vor all dem da draussen und doch schaffe ich es nicht, blind zu bleiben. Einmal mehr stellt sich mir die Frage, wie ich damit umgehen soll.

      Sommerferien mit Juliet

      Aber so gruselig all das ist, so schön ist das Leben eben auch, zumindest in meiner kleinen persönlichen Welt. Nächsten Freitag landet Juliet hier und wir haben gute zwei Wochen Ferien zusammen, jauh, endlich wieder knuddeln bis alle oberen Hautschichten erneuert sind :-) Im Wesentlichen werden wir wohl wieder rumliegen und uns geniessen, aber ein paar Dinge haben wir anvisiert, unter Anderem ein Pub-Abend am 17. Juni und ein Treffen mit meinem Paps und seiner Frau in der zweiten Woche, auch ein Punk-Konzert steht noch zur Auswahl. Wir werden voraussichtlich zwischendurch in unserem gemeinsamen Blog darüber berichten, sofern es denn etwas zu berichten gibt. Auf jeden Fall werde ich mich in der Zeit gut erholen können und Kräfte sammeln für das was dann folgt, denn an dem Tag, an dem Juliet am Morgen um Neun abfliegt……..

      Korrektur-Operation

      ….. werde ich vom Flughafen aus direkt ans Unispital gehen und dort um Zwölf einrücken für die zweite Korrektur-Op. Die wird im Vergleich zur Ersten eine harmlose Geschichte sein und ich werde nur wenige Tage das Vergnügen haben, wieder von diesen netten Pflegerinnen betüdelt zu werden. Ende Woche kann ich dann schon wieder abrauschen und werde geplanterweise die Woche darauf schon wieder voll arbeiten können. Für mich ist diese zweite Op nicht mehr allzu spektakulär, es wird halt einfach noch fertig gemacht, aber es ist nichts im Vergleich zur Letzten, als sich durch die Op mein Leben radikal änderte. Aber es ist das letzte Kapitel einer langen Reise, der definitive Abschluss meiner Befreiung, insofern freue mich mich trotzdem sehr darauf.

      wie auch immer, aber weiter so

      Was das Negative anbelangt, so ist das alles ja nicht allzu neu, seit ich begonnen habe über die Welt nachzudenken, seit da traure ich um sie und seit da möchte ich sie wenigstens ein klein wenig verändern. Diese Trauer, manchmal Wut, manchmal Verzweiflung, all das ist nichts Neues, es begleitete mich mein ganzes Leben, das ist scheinbar das Los einer Philosophin. Neu ist hingegen, dass ich mit mir selber zum ersten Mal im Reinen bin und dass ich mich selbst leben kann. Und genau das werde ich auch weiter tun. So schwer es manchmal auch sein kann, mit dieser doch arg durchgedrehten Welt klar zu kommen, so schön ist auch dieses neue Erleben, am Morgen aufzustehen und mich darüber zu freuen, dass ein neuer Tag vor mir liegt.

      In dem Sinne – es wird mir noch so Mancher Steine in den Weg legen und Knüppel zwischen die Beine werfen und so Manche Decke wird mir noch auf die Birne knallen – aber all das wird mich nicht davon abhalten, mein nun endlich wahr gewordenes Leben zu leben und in vollen Zügen zu geniessen.

      Spätestens Ende Woche werde ich mich hier wohl nochmal melden resp. abmelden für die Ferien, dann wird’s voraussichtlich im DuoInfernale-Blog weiter gehen für zwei Wochen und dann werde ich geplanterweise das GaOp-Blogtagebuch wieder ins Netz stellen und dort weiter schreiben. Nach der Op geht’s dann hier wieder weiter – nehm’ ich mal an – auf jeden Fall: wir lesen uns ;-)

      If you want a picture of the future,
      imagine a boot stamping on a human face – for ever.
      (Georg Orwell – Nineteen Eighty-Four)

      Die Bestie im Menschen

      Ekel der die Welt ergreift
      Hass der durch die Herzen fliesst
      Verderben das durch die Reihen zieht
      Des Menschen edle Reihen

      In denen Gleiches nur zu Gleichen steht
      Dazwischen eine Kluft sich schlägt
      Und Rassen wie Geschlechter trennt
      Oh Ekel der sich der Welt bekennt

      (Lacrimosa – Das Schweigen)

      Schon als Kind befremdete es mich zutiefst, immer wieder zu erleben, dass viele Menschen ein Bedürfnis danach haben, Andere zu verletzen oder noch besser zu demütigen. Es schien mir schon bald, dass viele kleingeistige Menschen sich offenbar nur gross fühlen können, wenn sie Andere klein machen. Soweit konnte ich das rational ja noch irgendwie verstehen, auch wenn ich es für noch so daneben halte. Aber dass diejenigen, die Andere quälen, nicht wahrnehmen können, dass sie grosses Leid verursachen, diese Mitgefühlslosigkeit, die entsetzte mich geradezu. Warum sind soviele Menschen so? Warum fällt es vielen so schwer, wahrzunehmen, was sie mit ihrem Handeln anrichten? Bin ich denn wirklich von gefühlsunfähigen Soziopathen umgeben?

      Aber ich glaube nicht, dass der Mensch an sich soviel Bösartiges in sich trägt, Menschen werden so, weil sie elementarste Lebensregeln nicht gelernt haben. Andere zu respektieren, auch wenn sie anders sind als man selbst, das ist eine Einstellung, die gelernt werden muss. Meine Eltern konnten mir das vermitteln, viele Andere hatten offenbar nicht dieses Glück. Mir wurden so Werte vermittelt, dass nicht alle Menschen so sind wie ich und dass ich sie respektieren muss, auch wenn sie anders sind. Mir wurde gelernt, dass man behinderte Menschen nicht auslacht oder ausgrenzt, dass die sich ihr schweres Schicksal nicht ausgesucht haben und ihr Leben schon schwer genug ist und nicht noch mehr Belastungen braucht. Aber schon als Kind erlebte ich so oft, dass Viele da völlig anders ticken.

      Während meiner Primarschule hatte ich längere Zeit einen sehr guten Freund, er war ein erzlieber Mensch, wir konnten stundenlang miteinander lachen, konnten über alles reden, er war echt toll. Aber im ganzen Schulhaus wurde er gemieden, er war extrem gross für sein Alter und hatte einen starken Buckel, gesamthaft wirkte er wirklich sehr aussergewöhnlich. Das reichte, dass er von allen ausgegrenzt und verspottet wurde. Ich wiederum habe sein Äusseres nie als Kriterium empfunden, ob ich mit ihm reden soll oder nicht. Also kamen wir ins Gespräch und wurden Freunde. Dass mir das selber Spott einbrachte, war mir irgendwie egal. Ich hatte da einen guten Freund gefunden und das schien mir wichtiger als ob sich Andere über unsere Freundschaft lustig machen.

      Diese Lebenshaltung, mit der man Andere so nimmt und respektiert wie sie sind, begegnete mir sehr selten und ich verstehe einfach nicht warum. Warum fühlen sich so viele Menschen erst dann gut, wenn sie Andere schlecht machen? Warum empfinden Manche Glück erst dann, wenn sie Anderen Leid zufügen? Und warum bekämpfen so Viele Andere, nur weil sie nicht ihren eigenen kleinkarierten Vorstellungen entsprechen?

      Was geht es mich an, wie Du aussiehst, wie Du Dich benimmst, was Du tust, wer Du bist…… solange Du damit niemandem schadest? Und was geht es Dich an, was für ein Leben ich führe, solange ich Deines nicht beeinträchtige? Warum verurteilst Du mich, wenn ich nicht denselben Lebensweg gehe wie Du? Warum siehst Du nicht, dass mein Herz blutet, wenn Du mich verletzt?

      Warum bringt Ihr soviel Leid über Andere, seid mal Täter, mal Opfer, was für ein idiotischer Krieg der Gesellschaft ist das? Und wem dient er? Wer hat etwas gewonnen, wenn immer wieder eine Gruppe über jemanden herfällt, ihn erniedrigt und demütigt – ohne dass jeder Einzelne sich sicher sein kann, dass er nicht nächstes Mal derjenige ist, der von einer Gruppe kaputt gemacht wird? Ist es das wert, sich gross fühlen zu können weil man im Schutz einer mobbenden Gruppe gemeinsam über jemanden lachen kann, wenn dieser Jemand dabei kaputt geht? Wieviele Menschenopfer braucht so ein durchschnittlicher Kleingeistiger, bis er sich gross genug fühlen kann um ein Leben zu führen, ohne dabei auf dem Rücken Anderer trampeln zu müssen?

      Ich fand es schon immer unsäglich traurig, immer wieder zu erleben, wie meine Mitmenschen sich gegenseitig zerreissen und auffressen und sich dabei sogar noch cool vorkommen. Wie degeneriert muss eine Spezies sein, wenn sie sich selber das Leben so schwer macht? Der Mensch – sagte einst ein grosser Philosoph – ist wahrlich das grausamste aller Tiere – es stimmt mich traurig, dass ich dem beipflichten muss.

      Die Scheiterhaufen der Gesellschaft haben nie aufgehört zu brennen, sie änderten nur ihre Gestalt, aus den hohen lodernden Flammen der Scheiterhaufen wurden kleine hübsche Feuerchen, die in die Herzen von Menschen eingeschossen werden und sie innerlich verbrennen lassen – der Grad des Leidens hat sich dabei nicht merklich verändert.

      Der Freund ist viel zu nahe
      Er ist ein Mensch und Feind
      Das Schild der Freundschaft deckt ihn jahrelang
      Dahinter sammelt er die Waffen

      (Lacrimosa – Versuchung)

      Transsexuelle Frauen im Sperrfeuer der Ignoranz

      Transsexuell zu sein, also im falschen Geschlecht geboren zu leben, ist wohl eine der grössten Herausforderung, die das Schicksal einem Menschen in die Wiege legen kann. Die ganze Kindheit, die ganze Jugendzeit und oft auch das halbe Erwachsenenleben im falschen Geschlecht leben zu müssen, stets eine nicht dem Selbst entsprechende Geschlechterrolle einnehmen zu müssen, sich selber ständig verleugnen und konditionieren zu müssen, all das ist unvorstellbar schmerzhaft, viele gehen daran zugrunde.

      Aber das ist nur ein Teil des Leids, es ist der Teil, der ein Stück weit unumgänglich ist – anders als die gesellschaftliche Stigmatisierung, das ständige Missverstandensein, das aus Unwissen und Falschvorstellungen geborene Belächeln, das transsexuelle Menschen in eine Rolle treibt, in der sie nichts zu suchen hätten. Und so bleibt auch im Leben einer Frau mit transsexueller Vergangenheit ein Schatten, der sie immer verfolgen wird – ein Schatten der aus dem Feuer des Missverstandenseins geworfen wird.

      Selbst wenn man soviel Glück hat wie ich und in ein verlässliches soziales Gefüge eingebettet ist, viele Menschen hat die zu einem halten und ein zufriedenes und freies Leben führen kann, so stösst man doch immer wieder auf diese dunklen Seiten, die einem wieder ins Bewusstsein rufen, dass man zwar vielleicht respektiert, vielleicht sogar geliebt, aber nur in seltensten Fällen verstanden wird.

      Gute Tage – instabile Tage

      Es gibt Tage, an denen ich fit bin, an denen ich einfach mein Leben geniesse. An solchen Tagen kann mich nichts erschüttern, egal ob mich in der Öffentlichkeit gelegentlich jemand blöd anschaut, nicht mal wenn ich bemerke, dass mich jemand belächelt, es geht mir völlig am Hintern vorbei. Denn erstens habe ich gelernt, meinen Wert nicht von Fremden bemessen zu lassen und zweitens bin ich dank meiner neuen Freiheit so erfüllt von Lebensfreude und Lebenslust, dass mich kein Schatten trüben kann.

      Aber es gibt auch Tage, an denen ich nicht so stabil bin, wer ist schon immer und jederzeit stark genug für die Widrigkeiten des Lebens. an solchen Tagen können Ereignisse, die ansonsten nur an der Oberfläche schürfen, sich plötzlich wie Rasierklingen ins Fleisch schneiden. Und an manchen Tagen kommen solche Schnitte sogar von mehreren Seiten und man findet sich selbst wieder im Sperrfeuer der Ignoranz. Manchmal sind es ganz harmlose Dinge die so einen Tsunami auslösen können, manchmal reicht eine fiktive TV-Serie um die Klingen bis zum Herz eindringen lassen.

      Eine verpasste PipeNight

      Heute ist so ein Tag. Seit Wochen freue ich mich auf heute Abend, weil in einem Zürcher Pub mal wieder die PipeNight stattfindet, an der ganz viele wirklich tolle Piper mit ihren schottischen Bagpipes auftreten. Es scheint mir Ewigkeiten her, dass ich zum letzten Mal eine dieser so geliebten Schallkanonen erlebt habe und seit über einem Jahr spiele ich ja selber nicht mehr (auch wenn ich vorhabe, irgendwann wieder zu beginnen). Ich freute mich auch, einige Leute die ich super mag dort wieder zu sehen, Leute aus “meiner Pipe-Band” vorallem. Aber ich musste absagen, eben weil heute so ein Tag ist.

      Eine desinformierende Informationssendung

      Angerissen wurde das Ganze gestern schon, als ich eine Ankündigung auf dem Schweizer Fernsehen las über eine “Dok Sendung” die im Mai ausgestrahlt wird, die von einer transsexuellen Frau handelt. Der Ankündigungstext war von der üblen Sorte, wie man es sich von Medien gewohnt ist. Meisterleistung war die Formulierung: “…. dokumentiert sie ihren Weg vom transsexuellen Mann zur Frau”. Ärgerlich daran war vorallem, dass Dok ansonsten gut recherchiert ist, gerade von so einem Format hätte ich mehr erwartet als das Rezitieren einer längst hinfälligen Psychopathologisierung. Ich nahm mir vor, dieses Wochenende die Redaktion zu kontaktieren, vielleicht ist es ja noch nicht zu spät um da noch etwas Information einzubringen. Jedenfalls legte diese Sache ein Fundament für das was dann kam.

      Indentitätsnachweise des Nachts

      Es folgte eine Nacht in der ich schlecht schlief und ständig so Quatsch träumte, der irgendwie mit meinem noch alten Ausweis zu tun hat, man sprach mir mein Geschlecht ab weil in meinem Ausweis ja noch das falsche Geschlecht steht. Um sieben Uhr weckte mich mein Futterlieferant, ich wachte mit Kopfschmerzen auf und fühlte mich schon ziemlich durch den Fleischwolf gedreht. Dass ich meine ebenfalls mitgelieferte neue Kaffeemaschine ausgiebig ausprobieren konnte, tröstete ein wenig, so lag ich dann eine Weile vor dem TV und guckte aufgenommene Krimis, schlussendlich einen von “Special victim unit”. Den hätte ich besser ausgelassen, denn der versaute mir dann als letzte Instanz die PipeNight.

      Fiktion am TV als Projektion der Wirklichkeit

      Es begann harmlos. Eine Frau erschlug einen Mann mit einer Vase und machte geltend, dass er sie vergewaltigen wollte und sie in Notwehr handelte. Bald kam ihr Freund unter Verdacht. Eine Blutuntersuchung brachte dann zutage, dass die Täterin transsexuell ist – oder wie die Polizisten so nett formulierten: “sie ist ein Mann” – auch das Wort “Transe” fiel natürlich. Da ihr Freund unter Verdacht war, sprachen sie ihn darauf an und offenbar wusste er noch nichts davon, drehte völlig durch, beschimpfte sie als “Freak” und tötete sich selbst. Das einzig positive an diesem Film war, dass während der Gerichtsverhandlung ein Psychiater auftrat, der genau das erklärte was ich ständig vorbete. Er erklärte, dass eine transsexuelle Frau eine weibliche Hirnanatomie hat, dass die geschlechtsbestimmende Region “BSTc” im Hypothalamus eine weibliche Struktur hat, er zeigte sogar dieselben Fotos auf die ich selber immer verweise. Das war das erste Mal, dass ich im TV diese Fakten präsentiert bekam, aber das war’s dann auch schon. Im weiteren Verlauf wurde sie von der Richterin in männlicher Form angesprochen oder eine Polizistin sagte mal sinngemäss, dass diese Frau von der Jury nicht wegen der Tat sondern wegen ihrem Geschlecht beurteilt würde. Schlussendlich wurde sie verurteilt und kam in ein Männergefängnis, weil ihr genitaler Geschlechtsstatus noch nicht stimmte. Es kam wie es kommen musste, keine 24 Stunden später wurde sie in den Spital eingewiesen, mit blutiggeschlagenem Gesicht, nachdem sie mehrfach vergewaltigt wurde.

      Das reichte, um wieder mal alles hervorzuholen, was ich so gerne vergesse, wenn ich der Süsse des Lebens nachfolge. Ich bin eine Frau in einer Gesellschaft, die mich als Mann betrachtet, egal welchen offiziellen Geschlechtsstatus ich habe, da ändert auch eine Personenstandsänderung nicht viel. Ich lebe in einer Welt, in der nonkonforme Menschen belächelt, verhöhnt, angepöbelt oder getötet werden. Auch wenn Letzteres hierzulande noch nicht geschehen ist, der Rest reicht um einem das Leben schwer genug zu machen.

      Natürlich war das nur ein Film, pure Fiktion, all das ist nie geschehen. Aber Filme sind eine Projektion der Realität, das was hier erfunderweise zu sehen war, geschieht auch im realen Leben – tagtäglich. Es sind Geschichten die das Leben schrieben, in denen eine transsexuelle Frau in einem Männerknast vergewaltigt wird oder ins Gefängnis muss, weil sie ein Damenklo benützt hat oder grundlos verprügelt oder gefoltert und todgeschlagen wird nur weil sie das Leben führt, das ihr in die Wiege gelegt wurde, nur weil sie ist, wer und was sie ist.

      Lebenslust nicht wegen sondern trotz des Lebens

      Es macht mir mal wieder bewusst, dass Blicke eben doch weh tun, ich bin nur stark genug sie zu ertragen. Und auch ich habe Angst in den Ausgang zu gehen, weil meine Wesensart mir ein höheres Risiko von Übergriffen beschert, ich bin nur renitent und mutig genug, mich nicht vom Leben abhalten zu lassen. Und auch mich schmerzt es zu wissen, dass ich von vielen Menschen für immer als Mann betrachtet werde, also nie wirklich wahr!genommen werde, ich bin nur selbstbewusst genug um meinen Selbstwert nicht von Anderen zuweisen zu lassen. Es macht mir wieder bewusst, dass ich das Sperrfeuer der Transphobie nie verlassen werde – ein Leben lang………… und es macht mir wieder bewusst, wie wichtig es ist, dass ich die guten Tage geniesse, dass ich mir meine Lebenslust nicht nehmen lasse, dass ich mich bei Schussgeräuschen zwar in Deckung werfe aber nie liegen bleibe sondern weiter gehe, der Sonne entgegen, die nie aufhört zu scheinen, auch wenn man grad im Schatten liegt.

      Heute ist mir jedenfalls nicht mehr nach schottischer Pipe-Musik, heute finde ich mich eher in der Musik einer Anne Clark, die in ihrem Lied “Wallies” sinngemäss singt:

      Die Nacht ist für die Jäger – und die Gejagten sind Du und ich.
      Gejagt nur weil wir eine eigene Art der Identität haben.
      Die Nacht ist für die Jäger – und die Gejagten sind Du und ich.
      Gejagt nur weil wir eine eigene Art der Individualität haben.
      …..
      Sie spühlen ihre Aggression aus – und schlagen das was sie nicht verstehen.
      ……
      Wir müssen lernen, gegen die Macht der Irreführung zu kämpfen,
      nur um sein wie wir sein wollen.

      Ja, wir müssen wirklich kämpfen, gegen ein Barbie+Ken Geschlechterbild, das die Lebensrealität transsexueller Menschen ausblendet, nur um das eigene schwarz-weiss Denken nicht aufgeben zu müssen. Und wir werden kämpfen, zumindest ich werde kämpfen – weil wir sonst ewig die Gejagten bleiben werden.

      “Geschlechtsumwandlungen” bleiben im Leistungskatalog

      “Unnötige medizinische Massnahmen” wie “Geschlechtsumwandlungen” und Abtreibungen sollen aus dem Leistungskatalog gestrichen werden, forderte SVP-Nationalrat Peter Föhn in einer Motion, gefolgt von einer Meute “christlich-konservativer Politiker”, die das gleich mit einer Volksabstimmung durchsetzen wollen. Während Zweiteres noch aussteht, wurde Ersteres nun im Nationalrat mit 81 zu 67 Stimmen bei 6 Enthaltungen abgelehnt, nicht zuletzt weil es ein Verstoss gegen die europäische Menschenrechtskonvention wäre. Soweit gute Neuigkeiten für Betroffene, für die geschlechtsangleichende Massnahmen die einzige Überlebenschance sind. Trotzdem hinterlässt diese Episode einen bitteren Nachgeschmack, in Anbetracht davon, dass unsere sogenannt bürgerlichen Politiker überhaupt auf diese menschenverachtende Idee kamen und wie sie dabei argumentierten. Und es ist eindrücklich, dass einzig die SVP kollektiv dafür war, dass man transsexuellen Menschen zukünftig notwendige medizinische Leistungen verweigert.

      Es gibt keine Geschlechtsumwandlungen

      Beginnen wir kurz mit der Terminologie: Niemand wandelt sein Geschlecht um, das ist nicht möglich und wird auch kaum von jemanden gewollt. Es zeigt sich bereits in dieser Wortwahl, dass die Initiatoren sich nie ernsthaft mit diesem Thema beschäftigt haben. Transsexuelle Menschen ändern nicht das Geschlecht sondern passen das Äussere dem eigenen Geschlecht an. Die Gewissheit um das eigene Geschlecht ist unumstösslich und in der Hirnanatomie unveränderbar festgelegt, aber der Rest des Körpers hat sich nicht in dasselbe Geschlecht entwickelt wie “das Ich”.

      Unnötige medizinische Leistung?

      Transsexualität führt zu einem unvorstellbaren Leidensdruck, Betroffene gehen psychisch und emotional zugrunde und überdurchschnittlich viele begehen früher oder später Suizid. Transsexuellen Menschen kann nur auf eine Weise geholfen werden, mittels Hormontherapie und genitalangleichender Operation. Deshalb wurde “Transsexualismus” auch von der Weltgesundheitsorganisation als Krankheit eingestuft und ist infolgedessen im Leistungskatalog der Grundversicherung eingeschlossen. Entgegen weit verbreiteter Vorstellung ist Transsexualität kein selbst gewählter Lifestyle sondern ein Leben mit unerträglichem Leidensdruck. Durch diese geschlechtsangleichenden Massnahmen stabilisiert sich der Gesundheitszustand der Meisten erheblich, was längerfristig zu Kostenmilderung führt, weil deutlich weniger Folgekrankheiten entstehen.

      Kostenübernahme durch Krankenkasse?

      Dabei werden gerne wirrste Zahlen herumgereicht, 80-100’000 Franken soll eine “Geschlechtsumwandlung” kosten. In Wirklichkeit belaufen sich die Kosten der genitalangleichenden Operation beispielsweise am Zürcher Universitätsspital auf weniger als 20’000 Franken inklusive dem zweiwöchigen Spitalaufenthalt. Darauf folgt noch eine kleine Operation und ein paar Nachuntersuchungen, insgesamt dürfte es um die 30’000 Franken sein für die gesamte Behandlung. Die Hormone die dann zeitlebens noch gebraucht werden, sind so günstig, dass man damit nicht mal die Franchise überschreitet, fallen also nicht mehr ins Gewicht. In Anbetracht davon, dass nicht behandelte Transsexualität zu umfangreichen Folgeerkrankungen und damit hohen Kosten führt, ist eine Nichtbehandlung deutlich kostspieliger. Wenn ich mich selber als Fallbeispiel nehme, dann hatte ich vorher fast ein Jahrzehnt wöchentlich eine Psychotherapiestunde zu 160 Franken. Seit Abschluss meiner “Transition” gehe ich noch alle 2 Monate einmal, weil’s mir einfach gut geht im Gegensatz zu den vier vorherigen Jahrzehnten.

      Sexuelle Verstümmlung und Suizid?

      Bei Geschlechtsumwandlungen würden Menschen sexuell verstümmelt,
      und viele nähmen sich später das Leben.
      (Doris Fiala)

      Erschreckende Unwissenheit demonstrierte FDP-Nationalrätin Doris Fiala mit obigem Zitat. Wenn Menschen nach jahrzehntelangem Leiden dank genitalangleichener Operation leidensfrei sein können – und das geschieht in der Regel – dann ist es einfach zynisch, da von sexueller Verstümmlung zu reden, das ist einfach absurd in Anbetracht der Lebensrealität transsexueller Menschen. Dr. Udo Rauchfleisch, der am Basler Universitätsspital über hundert Transsexualitätsbetroffene behandelt hat, schreibt in seinem Buch “Transsexualität – Transidentität“, dass von all denen nur eine Betroffene diese Behandlung bereut hat, allen Anderen würde es bedeutend besser gehen. Dasselbe gilt für den Suizid-Mythos. Das Suizidrisiko nimmt in der Regel deutlich ab, weil Betroffene erstmals mit sich im Reinen sind und eine “Behinderung” weggefallen ist. Um es deutlicher zu sagen: Wäre diese unsägliche Motion angenommen worden, wäre die Suizidrate in Zukunft garantiert deutlich höher – eine Annahme hätte Menschen in den Tod getrieben!

      Aber immerhin gibt es auch im Parlament ein wenig Restvernunft, wie aus dem Einspruch von Margret Kiener-Nellen zu entnehmen ist:

      Als Anwältin begleite ich, mit den entsprechenden rechtlichen Massnahmen und Verfahren, seit fast dreissig Jahren solche Geschlechtsumwandlungen. Ich kann bestätigen, dass diese Klientinnen und Klienten mit den Operationen alle sehr glücklich und zufrieden sind. Den Tatbestand, den Frau Fiala angesprochen hat, kenne ich nicht. Meine Frage haben Sie vielleicht schon beantwortet: Gibt es dazu Langzeitstatistiken? Meines Erachtens gibt es das nicht. Ich wüsste auch nichts von einer erhöhten Suizidrate bei diesen Personen.

      (Margret Kiener-Nellen)

      Wer bestimmt den Krankheitswert?

      Ich finde es ehrlich gesagt erschreckend, dass Politiker sich plötzlich Rosinen aus dem Leistungskatalog picken und bestimmen wollen, welches Leiden Krankheitswert hat, was behandlungswürdig ist und überhaupt, was Krankheit ist. Aber ist es Aufgabe der Politiker, Diagnosen zu stellen und Behandlungen festzuschreiben oder ist es nicht Aufgabe von Wissenschaft und Medizin, das festzulegen? Die Weltgesundheitsorganisation WHO bestimmt, was als Krankheit gilt und was für Behandlungen angebracht sind. Dabei stützen sie sich auf medizinisches Wissen. Was als Krankheit gilt, ist vorallem vom Leidensdruck abhängig, der ist bei Transsexualität gegeben.

      Schwarzpeter-Spiele der Bürgerlichen?

      Wenn man bedenkt, dass mit dieser geplanten Hilfeverweigerung in Anbetracht der wenigen Fälle nicht mal ein Promille der Krankenkassenprämien eingespart würden, fragt man sich schon, was für Schwarzpeterspiele da gespielt werden in Bundesbern. Parallelimporte, die zu tieferen Medikamentepreisen geführt hätten und ein riesiges Sparpotential im Milliardenhöhe gewesen wäre, wurde von den sogenannt Bürgerlichen lange bekämpft. Muss man hier wieder mal ein schwarzes Schaf postulieren und schlachten um zu zeigen, dass man doch irgend etwas tut für tiefere Krankenkassenprämien? Wenn ich dann noch erlebe, dass die Initiatoren dieser Alibiübung auf Kosten Anderer nicht mal wissen worum es eigentlich geht und was sie da fordern – und warum – dann gibt mir das schon arg zu denken. In beispielhafter Weise demonstrierte das Peter Föhn anlässlich eines Rundschau-Interviews, als er den Grund für seine Motion wiefolgt zu erklären versuchte……. o-Ton, kann hier auf 6:00 Minuten mitgehört werden……..

      Die Geschlechts…….äh…. Umwandlungen streiche ich vorallem auch….. dann…….. nach ähmä???…… pffff, ja vielleicht….. ein ethischer Hintergrund….. ein…… religiöser Hintergrund für mich haben…… bei dem ich sage: ist das wirklich notwendig……. und ich stelle als Politiker jetzt einfach diese Frage laut in den Raum.
      (Nationalrat Peter Föhn)

      Ich war echt erschüttert, als ich dieses Interview sah, dieser Mann erklärt, warum er Menschen wie mir das Leben verweigert und hat so eine unbeholfene Erklärung dafür – ethischer Hintergrund – ja, das Überleben Betroffener steht auf dem Spiel………. danke an die Parlamentsmehrheit, dass sie dieses Spiel nicht mitgespielt haben.

      Diskussion im Parlament: Wortmeldungen

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