Politically incorrect since 1966

Unter Druck läuft die Zeit schneller

Ne, Quatsch, die Zeit läuft immer gleich schnell, das hatten wir ja erst grad, aber es scheint als würde die Zeit in Siebenmeilenstiefeln rennen, wenn man viel um die Ohren hat und das habe ich grad mehr als genug. Deshalb komme ich auch nicht mehr zum bloggen und das wird sich in den nächsten Wochen kaum bessern – aber alles mal der Reihe nach

Darf man? Ich schon :-)

Zuerst das Erfreuliche, ich hab ein neues Lieblingskleid, dieses schulterfreie Stretchdingens, erst grad vor einer Woche zufällig auf dem Vorbeiweg beim Chicoree eingesammelt. Als ich meine neuste Errungenschaft diese Woche erstmals zur Arbeit trug, fragte mich mein Boss mit frechem Grinsen im Gesicht, ob man mit 45 Jahren denn überhaupt noch so schulterfreies Zeug tragen dürfe. Natürlich reagierte ich wie es sich gehört mit gespielter Empörtheit, erst im Nachhinein kam mir die Antwort, die ich hätte geben müssen: “Wenn man so toll aussieht wie ich, dann darf man das” :-) Aber Spass beiseite, ne eigentlich trägt man mit 45 Jahren keine solchen Fummel und geht erst Recht nicht so zur Arbeit. Doch glücklicherweise bin ich nicht “man”, ich bin “ich” und wenn es etwas gibt, das mich auszeichnet und auf das ich stolz bin, dann ist es meine Renitenz, mich nicht mit “man” zu identifizieren und mich so entfalte, wie ich bin. Das mag manchmal übertrieben sein, manchmal unpassend, manchmal sonstwie unkorrekt – aber das bin ich und ich mag mich so – und ob die Welt dafür Verständnis hat oder nicht, ich gefalle mir so und ich fühle mich gut darin – auch deshalb kann ich nur sagen: Ich darf :-)

Weil wir es uns wert sind

So doof und manipulierend dieser Werbespruch auch ist, er spricht etwas an, das jetzt grad zum Thema passt. Diese Woche tauchte sonstwo die Frage auf, warum wir Mädels uns so rausputzen und die Vorstellung lag im Raum, dass wir das tun um den Jungs zu gefallen. Da musste ich widersprechen – das mag vielleicht stimmen, wenn wir auf der Jagd nach Lebenspartnern sind, dann wollen wir natürlich gefallen und nutzen die Möglichkeiten um uns in einem möglichst guten Bild zu präsentieren – aber im Normalfall tun wir das nicht für Andere, wir machen das hauptsächlich für uns selbst. Sich zu Kleiden ist immer auch Selbstentfaltung und diese dient immer auch dazu, dass wir uns in uns selbst heimisch fühlen – mehr als Anderen wollen wir uns selbst gefallen. Ich bin ein gutes Beispiel dafür, ich bin in einer festen Beziehung, habe also kein Interesse daran, Interesse zu wecken und meine Liebste wiederum liebt mich so wie ich bin, egal was ich anziehe. Trotzdem ist es mir wichtig, dass ich am morgen in den Spiegel sehen kann und ein gewisses Mass an Zufriedenheit ernte. Dieses Foto entstand beispielsweise gestern als ich zur Arbeit ging und den ganzen Tag allein dort war, ich wusste, dass mich niemand sieht, aber es tat einfach gut, mich so anzutüdeln – eben weil ich es mir wert bin :-)

Zurück zum Thema, das keines ist

Aber darüber wollte ich ja eigentlich gar nicht schreiben, das ist halt das Problem beim Brainstorm-Blogging, so wie ich das oft mache. Ich habe zwar meist eine Motivation zum Schreiben und damit ein angepeiltes Thema, aber wenn ich dann lostippe, dann sprudelts halt einfach aus meinem Kopf raus und was da raus kommt erstaunt öfters auch mal mich selbst. Trotzdem versuch ich jetzt wieder das Thema zu finden, jenes das eigentlich keines ist, ich will ja nur über die letzten zwei Wochen berichten und erklären, warum man von mir so nix liest. Neuer Versuch…….

Diablo, der kleine tote Drecksack

Seit ich Diablo 3 habe, spiele ich es auch täglich stundenlang. Unterdessen spiele ich das Spiel mit meiner Lieblingsfigur, der Zaubererin, bereits zum dritten Mal komplett durch, diesmal im dritten von vier Schwierigkeitsgraden, was mir ein grässliches Ableben im 5-Minutentakt einbringt. Doch langsam nimmt die Begeisterung ab, einerseits weil ich bald jeden Busch in Diablos Lande mit Namen kenne, anderseits auch weil so ein hoher Schwierigkeitsgrad auf mich mehr nervig als herausfordernd wirkt. Ich spiele so Spiele um Spass zu haben und nicht um etwas zu erreichen. Und wenn’s dann so schwierig wird, dann wird der Spass irgendwann zur Arbeit und das ist nicht mehr das, was ich unter Freizeitgestaltung verstehe. Wie auch immer, es war eine super spannende Zeit in der ich mehr Adrenalin in mir hatte als ein NavySeal während einem Kampfeinsatz. Aber die Begeisterung nimmt langsam ab und das ist gut so, so cool diese Zeit war, ich hab auch noch Wichtigeres zu tun als sowas………

Die NavySeals unter den Programmierern

…….. beispielsweise ackern, denn in meiner Firma brennt grad das Dach als hätte meine Zaubererin mal wieder Feuerbälle geschmissen. In einem Monat muss ein neuer Programmteil für eine Demo fertig sein auf Teufel komm raus und obwohl ich den Teufel resp. Diablo nun schon etwa 5 mal gekillt hab…… ähm, ne, anderes Thema……. jedenfalls sind wir noch weit entfernt von diesem Ziel und es ist realistisch gesehen unmöglich, dass wir bis dahin fertig werden. Das bedeutet einerseits, dass wir uns auf das Wichtigste konzentrieren müssen und es heisst auch, dass wir eine Zeit lang weit über unsere Kräfte hinausragen müssen – und das geht tatsächlich, zumindest eine gewisse Zeit lang. Ich mag so Druck, das Unmögliche zu erreichen wirkt auf mich immer belebend und motivierend und so weckt auch diese Phase in mir den Drang, über mich selbst hinauszuwachsen. Ich habe diese Fähigkeit, dass ich wenn nötig meine Leistung hochzuschrauben. Keine Ahnung wie genau ich das mache, es passiert einfach mit mir, wenn es sich aufdrängt. Doch so Hochleistungsphasen kann ich nur eine gewisse Zeit aufrecht halten, wenn in meinem Hirn der Turbo anläuft, dann bin ich zu enormer Leistung fähig, bin dafür aber am Abend ziemlich ausgebrannt und wenn ich das zu lange mache, brenne ich total aus. Mit sowas ist nicht zu Spassen, aber manchmal muss und darf es sein, solange man’s nicht übertreibt. Jetzt ist wieder so eine Zeit und ich gebe gerne ein paar Wochen lang all meine Energie in dieses Projekt, weil mir das Ganze wichtig genug ist. Aber es ist anzunehmen, dass ich dafür sonst kaum noch zu was komme, eben weil ich in der Regel am Abend einfach ausgebrannt bin. Dementsprechend dürfte die Diablo-Ära sich dem Ende neigen und auch sonst die nächsten Wochen nicht viel Kreatives von mir zu erwarten sein. Aber wir werden das Ziel erreichen, hol mich der Teufel wenn nicht ;-)

Diana als Korrektorin oder so

Vor einer guten Woche telefonierte ich nach etwa 20 Jahren erstmals wieder mit meinem Paten. Auslöser war eigentlich, dass er mir etwas Geld überwiesen hat, weil er von meinem Vater hörte, dass wir durch den Umzug und die Ungewissheit, bis wann Juliet einen Job findet, eine eher kritische Finanzsituation vor uns haben. An dieser Stelle nochmal herzlichen Dank, sowohl an meinen Götti (Pate) als auch Paps und Maya, die uns ebenfalls den Rücken stärken. Bei diesem Telefon kam etwas was mich echt aus den Schuhen gehauen hat. Mein Pate hat ein Buch geschrieben, etwas eher philosophisches im Themenbereich Lebenshilfe, wenn ich das richtig verstanden habe. Richtig verstehen kann ich das nämlich nicht, weil es französisch ist und ich damit überaupt nicht klar komme. Da sein Buch recht grossen Erfolg hat, wird es nun auf deutsch übersetzt und hier hängt der Hammer: Mein Pate fragte mich, ob ich diesen übersetzten Text nicht überarbeiten könne, weil ich doch so gut schreiben würde. Wow, was für ein Kompliment. Der Text wird von Profi-Übersetzern übersetzt und ich soll dem Text den letzten Schliff geben? Ich bin echt stolz darauf, dass er mich so einschätzt und mir sein Buch in die Hände drückt und ich bin auch stolz darauf, dass ich zur Veröffentlichung dieses Buches beitragen darf. Darüber wird es zu gegebener Zeit mehr zu lesen geben.

Besuch bei Papa

Boah hab ich heut Gedankensprünge, zuviel Strom auf der Leitung und so – jedenfalls gehn wir jetzt erst nochmal in die Vergangenheit. Letzten Samstag war ich mal wieder bei meinem Paps und Maya zum Essen eingeladen und wir verbrachten einen wunderschönen Nachmittag auf dem Balkon und schlabberten ein leckeres Fondue Chinoise, das vorallem deshalb so lecker ist, weil mein Paps die beste und brutalste und erbarmungsloseste Koblauchsauce der Welt macht. Ich liebe meines Gevaters Fondue mit seiner Killer-Knofi-Sauce so sehr, dass ich meistens damit verwöhnt werde wenn ich zu Besuch bin. Jedenfalls verbrachten wir einen superschönen Nachmittag und plauderten über sehr viele Dinge, auch über sehr persönliche Sachen. Alles in Allem war es ein super toller Tag und wir waren uns mal wieder viel näher als sonst und das will was heissen, weil wir uns auch sonst sehr sehr nah sind. Und so konnte ich einmal mehr mein Glück geniessen, so einen tollen und einfühlsamen Vater zu haben – und auch wenn ich immer von meinem Paps spreche, so ist damit eigentlich immer auch seine Frau Maya mitgemeint, die ihm in Sachen Verständnis und Liebenswürdigkeit in nichts nachsteht. Ich hab Euch Zwei echt lieb, das muss einfach mal herausposaunt sein :-)

Mal wieder die Süsse der Bedeutungslosigkeit

Überhaupt war dieser ganze Tag ein wahres Meer aus zuckersüssen Gefühlen. Schon der Hinweg war einfach genial. Da ich einiges auf meiner Todo-Liste hatte, das längst überfällig war, kombinierte ich die Reise dahin mit ein paar dieser Pendenzen und so gab es eine grössere Runde. Zuerst ging’s nach Zürich um dort eine Blutentnahme machen zu lassen um die Hormon- und Cholesterinwerte zu prüfen, dann ging’s weiter in meine Apotheke um die bald ausgehenden Hormone zu holen, von da aus dann in meinen Stamm-Makeup-Laden um mich mal wieder mit dem ebenfalls bald ausgehenden Makeup einzudecken, dann weiter an den Hauptbahnhof und weil ich dort noch etwas Zeit todschlagen musste, verirrte ich mich seltsamerweise in einen Chicoree Laden und fand dort ebendieses neue Lieblingskleid – dann holte ich mir ein lecker Strongbow-Cider (irischer Apfelwein), setzte mich in den Zug und versuchte Stephen Kings “Es” weiter zu lesen – erfolglos – weil ich so erfüllt war von Glücksgefühlen, dass ich mich auf nix konzentrieren konnte. Denn bei diesem ganzen Rundgang kam mal wieder das, was eigentlich nicht mehr so oft geschieht, ich war mir immer wieder bewusst, wie gut alles läuft, wie wenig ich auffalle und was für ein natürliches Leben ich unterdessen führen kann. Mein Leben ist unterdessen so selbstverständlich geworden, dass ich nur noch selten darüber nachdenke und gerne vergesse, wie schwer mein “neues Leben” zu Beginn war. Aber an so Tagen wie diesem wird mir das wieder bewusst, wenn ich durch verschiedene Stationen stöckle und überall feststelle, dass ich bei niemandem mehr Fragen aufwerfe, ich bin einfach nur noch eine Frau wie viele Andere. Wenn mir das mal wieder so bewusst wird und ich es so direkt erlebe, erfüllt mich das mit einem so ungeheuren Gefühl von Glück und Dankbarkeit, dass ich heulen konnte vor Freude. Wenn man soviel dunkle Zeiten erlebt hat wie ich und so lange keine Hoffnung hatte, jemals glücklich zu werden, dann ist es einfach umwerfend, wenn man immer mal wieder feststellt, dass das Unmögliche und Unvorstellbare längst Alltag geworden ist.

Zwei Dates nächste Woche

Und nächste Woche läuft’s auch wieder rund, denn abgesehen davon, dass ich wie oben erwähnt eben einen Programmier-Marathon für NavySeals-Programmierer absolvieren werde, bin ich gleich zwei mal eingeladen, zuerst an der Geburtstagsparty meiner ex-Logopädin, die ihre Freundinnen zum Geburtstag eingeladen hat und dann habe ich noch mit meiner ex-Freundin zum Essen abgemacht. Auf Beides freue ich mich enorm, die Geburtstagseinladung ist mir eine grosse Freude, weil ich mich erstens ehrlich gesagt etwas gebauchpinselt fühle, dass sie mich zu ihren Freundinnen zählt und weil sie eine wirklich tolle Frau ist vor der ich eine hohe Achtung habe und auf das Essen mit meiner ex-Freundin freue ich mich deshalb, weil sie eine meiner besten Freundinnen ist und wir uns sehr gut kennen und weil wir uns seit Monaten nicht mehr gesehen haben.

Wenn der Himmel näher rückt

Und über all dem schwebt der Himmel, der von Tag zu Tag näher rückt. Heute in drei Wochen fliege ich nach Hamburg und zwei Tage später fliegen wir zu Viert zurück, zwei Zweibeinkatzen und zwei Vierbeinkatzen – und von da an darf man mich “das glücklichste Mädel der Welt” nennen. Hier wie dort ist eigentlich alles Nennenswerte erledigt. Zweieinhalb Jahre führten wir diese Fernbeziehung und obwohl wir uns so wenig geben konnten in dieser Zeit, war es doch so viel, das wir empfangen durften. Ich kann es nachwievor nicht fassen, dass ich dieses süsse Ding bald jeden Tag für mich habe – inklusive zwei Katzen – ey wenn das kein Schnäppchen ist, was dann? ;-)

Ärger mit Lobbyisten und Psychiatern

Die einzigen Dinge die eigentlich so leckere Suppe des Lebens immer mal wieder versalzen sind Atom-Lobbyisten, die seit einigen Wochen wie Heurschreckenschwärme über Zeitungsartikel herfallen und eine Desinformationskampagne führen, die dem Wort “Hirnwäsche” in nichts nachsteht und auf der anderen Seite der nicht enden wollende Strom aus Medienartikeln über Transsexualität, in der ewiggestrige Psychiater und Sexologen ihre religiös anmutende Faktenresistenz breitwalzen, begleitet von transsexuellen Menschen, die sich nur zu gerne als persönlichkeitsgestörte Geschlechtswandler instrumentalisieren lassen, als hätte Selbstverleugnung und Selbstentwürdigung auch nur im Entferntesten etwas mit Selbstbestimmung zu tun. In beiden Fällen bin ich etwas ratlos. Bei den Atomlobbyisten liegt die Schwierigkeit darin, dass man sie zwar aufgrund ihrer Argumentationsweise erkennt, dass man aber nicht beweisen kann, dass dieser angeblich private Kommentarschreiber in Wirklichkeit ein PR-Profi mit Mandat der Atomindustrie ist. Und beim Trans-Thema ist man nicht weniger hilflos, weil die vermeintlichen Fachleute in der Öffentlichkeit einfach eine höhere Glaubwürdigkeit haben, auch wenn ihre Thesen noch so abstrus sind. Und nicht zuletzt entzieht es einem die Glaubwürdigkeit, wenn Betroffene sich vor den Karren dieser Psychopathologisierungsindustrie spannen lassen. Über all das wird es zu gegebener Zeit noch einiges hier zu lesen geben, ein Artikel über den “Geschlechtswandler-Mythos” ist eigentlich längst fast fertig, aber eben nur fast…………… deshalb, weil ich über all das noch nicht ausreichend schreiben konnte, verweise ich auf einen diese Woche erschienen Artikel, der mich auf 180 brachte. Das Interview mit dieser Psychiatrin zusammen mit meinem Kommentar darunter dürften einen kleinen Einblick geben, mit was für Irrsinn ich mich herumärgern muss:
Bayerische Staatszeitung – Fremde in unserer Gesellschaft

Doch so gross der Ärger über die Desinformation in diesen zwei Themen auch ist, so wenig lasse ich mir meine ansonsten gute Laune vermiesen von so Pappnasen. Denn ey, wer so eine Verlobte hat und solche Freundinnen und so einen spannenden Job und so einen coolen Daddy und so ein tolles Kleid und wer dann auch noch Zaubererin auf Level 46 ist, kann sich nur glücklich schätzen – bekloppt aber glücklich :D

So und jetzt – Ihr ahnt es sicher bereits – geht’s ab in die Badewanne – und während ich dort lieblichem Gesang lausche, überlasse ich Euch diesem Song, ein Oldie aus 1977, der soviel Energie verströmt, wie ich brauche wenn ich eben mal wieder auf Höchstleistung laufen muss – Musik von damals, wie Mick Jagger sagen würde, Musik die noch mit dem Arsch gemacht wurde – enjoy ;-)

http://www.youtube.com/watch?v=x21uw543HVk

Entpathologisierung beginnt bei uns selbst

Schmerzlich wird mir immer mehr bewusst, wie aussichtslos der Kampf gegen Sexologen und Medien ist, solange viele Betroffene sich selbst die Narrenkappe der “Geschlechtsidentitätsstörung” anziehen und die zugegebenermassen nett klingende “Mär der Identitässtörung” inszenieren. Wenn nicht mal die “eigenen Leute” zu sich selbst stehen können, wie wollen wir da je etwas verändern in der öffentlichen Wahrnehmung von transsexuellen Menschen? ………. Ich nähere mich bedenklich dem Punkt an dem mir alle den Buckel runter rutschen können.

Diesen Text schleuderte ich letzte Woche wütend in mein Facebook-Profil, nachdem ich die Internetseite einer “Selbsthilfegruppe” fand, die sich als Interessenvertretung für transsexuelle Menschen versteht. Was ich dort zu lesen bekam, war wie die Quadratur dessen, was ich seit Längerem in zunehmendem Mass feststelle – dass die Zahl derer zunimmt, die im Guten versuchen, die Interessen von transsexuellen Menschen zu vertreten, dabei aber ohne es zu merken einen wie ich meine radikalen Totalschaden anrichten, indem sie willig die Mär der Geschlechtsidentitässtörung übernehmen und vertreten.

Ein herausgerissener Satz aus der Website dieser “Selbsthilfegruppe” soll dies verdeutlichen:

Zusammenschluss von Selbsthilfegruppen für Menschen mit transidentischem Empfinden, also Menschen, die körperlich entweder dem männlichen oder dem weiblichen Geschlecht angehören, sich jedoch als Angehörige des anderen Geschlechts empfinden

(Zitat einer Selbsthilfegruppe für transsexuelle Menschen)

Mit Verlaub, aber wenn “wir” uns so deklarieren, brauchen wir keine Psychiater und Sexologen, die uns zu gestörten Männern erklärt, die gnädigerweise und von uns dankbarerweise angenommen nun so leben dürften als seien sie weiblich.

In einer Zeit, in der alle wissenschaftlichen Erkenntnisse dafür sprechen, dass Transsexualität biologische Ursachen hat, dass Transsexualität vermutlich durch Hormonstörungen im Embryonalstadium ausgelöst wird, dass transsexuelle Frauen eine weibliche “Hirnanatomie” haben (und transMänner umgekehrt), in so einer Zeit ist es einfach absurd, wenn transsexuelle Frauen hinstehen und sagen, sie seien körperlich männlich (als wär das weibliche Hirn kein Teil des Körpers) und hätten “den Wunsch” dem “anderen Geschlecht” anzugehören (als wäre das tief verankerte Wissen um das eigene Geschlecht eine Wunschfrage)……….. da bleibt mir irgendwie die Luft weg ob soviel Selbstverleugnung.

“Einfach” geht die Welt zugrunde

Wenn man solche “Öffentlichkeitsarbeit” kritisiert, wird oft argumentiert, man wolle es eben ganz einfach und leicht verständlich halten, damit “Otto Normalverbraucher” das verstehen kann. Ja dieser Wunsch in Ehren, aber die Vereinfachung sollte nicht die Wahrheit dabei verlieren und genau das geschieht öfters als uns lieb sein sollte. Klar dürfte es schwer werden, nichtbetroffenen Menschen einen Vortrag zu halten über neurologische Forschungen und Hirnstrukturen und Hormonstörungen im Mutterleib und so weiter. Das vereinfacht zusammenzufassen und nebenbei noch klarstellen, dass Transsexualität nichts mit Sexualität zu tun hat, obwohl es *sexuell heisst, ja das ist eine Herausforderung.

Da wirkt solch “weichgespülte” Information verständlicher, das klingt dann wie ein Gemisch aus Platzangst und einer Kolibriphobie, irgendwie harmlos……. aber was genau haben die Leute dann so einfach verstanden? Biologisch männlich, fühlt sich weiblich………… also nochmal vereinfach: Mann will Frau sein? ………… toll, und was genau haben wir jetzt da gewonnen? Und wie glauben wir, könnten wir unser Recht auf Selbstbestimmung einfordern, wenn wir der Welt vorlügen, wir seien Jungs, die Mädels sein wollten, nur weil wir uns einreden, sie würden wenigstens das eher verstehen? Und so ein Scheiss soll eine FRAU machen, nur weil sie nicht erklären kann oder will, warum genau ihr Körper nicht die Geschlechtsmerkmale bildete, die ihrem Geschlecht entsprechen?

Menschenrechte sind radikal

Besonders stossend empfinde ich, dass ausgerechnet diejenigen, die auf diese Weise ohne es zu merken zu Helfershelfern einer Psychopathologisierungs-Maschinerie werden, diejenigen ständig kritisieren, die sich ernsthaft und ehrlich für echte Selbstbestimmung einsetzen, die sich nicht zufrieden geben mit der Verlängerung einer Kette sondern wirkliche Freiheit einfordern.

Menschenrechte sind radikal, da gibt es keinen Ermessensspielraum. Entweder ich kann ein selbstbestimmtes Leben führen oder ich kann es nicht. Es bringt uns nur oberflächlich etwas, wenn wir uns freuen über eine netter klingende Diagnosebezeichnung, wenn wir durch das Annehmen dieses Etiketts bestätigen, dass wir jetzt nett formulierte Gestörte sind.

Natürlich soll man sich über Teilerfolge freuen wie beispielsweise den Fall des deutschen Transsexuellengesetzes, aber man darf dabei nicht vergessen, dass transsexuelle Menschen solange nicht verstanden und respektiert werden, bis man sie endlich ohne diese Zerrbrille der Identitätsstörung darstellt – und das beginnt bei uns!

Die unbedeutende Frage, wer ICH bin?

Oft werden “wir Radikalen” kritisiert, man hätte doch ernsthaftere Probleme als so kleinkarierte Formulierungsgeschichten. NEIN – es geht eben nicht um Kleinigkeiten, es geht um die fundamentale Frage, wer ICH bin, die nur ich selbst beantworten kann und es geht um die Frage, ob ich mein ICH selbstbestimmt entfalten kann oder ob die Welt um mich herum entscheiden darf wer ich bin. Alles Andere sind Kleinigkeiten! Ob ich nun 3 oder 6 oder 12 Monate Alltagstest mache, es nimmt mir in jedem Fall für diese Zeit die Entscheidungsgewalt über diese zwei Fragen. Weder wer ich bin wird anerkannt noch wie ich mich entfalte. Solange ich irgend jemanden fragen muss, ob ich sein kann, wer ich bin, solange bin ich nicht selbstbestimmt, so lange bin ich nicht frei.

Eine kleine Metapher aus der Sklavenwelt

Versuchen wir ein Gedankenexperiment, Metaphern sind ja gute Inhaltsvermittler ;-) Stell Dir vor, Du seist ein Sklave, bist angekettet, musst den ganzen Tag ackern, wirst geschlagen, bist kein Mensch, nur ein Sklave……….. und eines Tages kommt der Massa und sagt, ey von heute an bist Du nicht mehr Sklave, Du bist jetzt “mein Leibeigener”. Du darfst auch das Haus verlassen, wenn Du mich um Erlaubnis gefragt hast…………. bist Du nun ein freier Mensch oder bist Du es nicht?

Transidentität – die lieblich klingende Selbstverleugnung

Als ich zum ersten Mal das Wort “transident” las, war ich hell begeistert. Das klang soviel angenehmer und weitaus weniger anrüchig als dieses eklige “transsexuell”. Also zog ich dieses Mäntelchen an und begann so auch mein erstes Blog unter dem Motto “Tagebuch einer transidenten Frau”. Erst Monate später und um eine Unzahl an Blogtexten und Buchinhalten schlauer begann mir einzuleuchten, dass da eigentlich etwas überhaupt nicht stimmt.

Der Haken an dieser hübschen Falle liegt eben darin, dass das Wort “transident” eine Ableitung der offiziellen englischen Diagnose ist, die “gender identity disorder” heisst, zu gut deutsch “Geschlechtsidentitätsstörung”. Auf der anderen Seite, Transsexualität hat ja nichts mit Sexualität zu tun, das Wort ist vom Englischen “sex” abgeleitet und steht im Gegensatz zum “gender”, das eher das sogenannt soziale Geschlecht meint. Also was nun, egal wie ich mich deklariere, ich zieh so oder so die Arschkarte.

Doch wenn man nun die Erkenntnisse der Wissenschaft ernst nimmt, dann ist “transsexuell” nunmal richtig, meine “Geschlechtsidentität” ist das Mass aller Dinge, nur der Restkörper hat sich irgendwie verirrt. Ich stehe also nun vor der Wahl, ob ich mich als gestörten Mann ausgeben soll um damit ein Minimum an Scheinverständnis zu sichern oder ob ich mich als die Frau ausgebe die ich bin, die nunmal einfach nicht dem eigenen Geschlecht entsprechende Geschlechtsmerkmale aufwies – und riskiere, dass man gar nix versteht – würde aber immerhin wenigstens mir selbst treu bleiben.

Entpathologisierung gibt’s nicht in Raten

Viele scheinen sich nicht wirklich bewusst zu sein, worum es hier wirklich geht. Solange man uns für gestört erklärt, braucht es auch Psychiater, die diese “Diagnose” stellen, dazu braucht es Begutachtungen, Tests, dazu braucht es all die Entmündigung, die eine Gesellschaft eigentlich nur bei “psychisch gestörten Menschen” rechtfertigen kann. Aber daran wird sich nicht viel ändern ausser den Parametern – die Ketten werden sicher mit der Zeit länger – aber die Ketten bleiben und damit bleibt die Unfreiheit……. Zumindest dann wird sich nichts ändern, wenn wir selber dem Stockholm-Syndrom gleich internalisierte Transphobie betreiben uns selbst als Geschlechtsidentitätsgestörte ausgeben.

Nur Authentizität vermittelt Wahrheit

Wahrheit wird durch Wahrhaftigkeit vermittelt und diese wiederum ist vorallem Folge von Authentizität. Wenn ich mir irgend ein hübsches Uniförmchen anzieh und mich hinter netten Formulierungen verstecke, bin und wirke ich nicht authentisch. Wie soll eine Frau authentisch sein, wenn sie erklären soll, sie sei ein Mann der eine Frau sein will, obwohl sie und nur sie genau weiss, dass sie eine Frau ist? Authentisch bin ich dann, wenn ich mich als das ausgebe was ich bin, eine Frau wie alle Anderen, die wie so mache Anderen ein körperliches Leiden hatte, das medizinisch behandelt werden konnte – denn das ist die Wahrheit, alles Andere sind faule Kompromisse.

Es geht auch anders, ich weiss wovon ich rede.

Ich spreche aus Erfahrung, ich habe Beides schon versucht. Und ich weiss, dass man schon mit einem kurzen Gespräch so einiges erklären kann, das den Blickwinkel deutlich verändern. Jemandem zu erklären, dass sich mein Körper halt leider schon im Mutterbauch nicht in dasselbe Geschlecht entwickelt hat wie das zentrale Gehirn, ist nicht sooooo eine Wahnsinnsgeschichte, ein dahergeflogenes Einhorn wäre weitaus schwerer zu vermitteln ;-) Und das wirklich Verrückte daran: nach meiner Erfahrung sind die Leute meistens nicht verwirrter als wenn ich mit diesem Geschlechtsidentitätsstörungsquatsch aufwartete – und zusätzlich erfahren sie sogar die Wahrheit, was will man mehr?

Schluss und so

Abschliessend möchte ich ausdrücklich betonen, dass ich mit dieser ganzen Predigt niemanden angreifen will. Ich drücke hiermit meine Besorgnis aus und versuche, auf Gefahren hinzuweisen und ich versuche allen die es angeht ins Gewissen zu reden, dass sie nochmal genauer darüber nachdenken, als wen oder was sie sich und damit ein Stück weit uns alle repräsentieren wollen.

Cello, Blutelfen, Fummel, Musik, Freundinnen und Allerlei

Der Titel spricht Bände, es gibt mal wieder eine Zusammenfassung der letzten Tage, denn in diesen war bei mir genug los, dass ich nicht mehr zum Schreiben kam, abgesehen von dem was sich aufdrängte. Der Rest folgt nun hier…….

Das Mistding das sie Cello nannten

Ne keine Sorge, ich mag mein Cello nachwievor, aber das Biest ist störrischer als ich und das will was heissen. Grundsätzlich habe ich zwar den Vorteil, dass ich das theoretische Prinzip von der Gitarre her kenne und ich habe den Vorteil, dass ich durch meine intuitive Herangehensweise eigentlich fast von alleine vorwärts komme. Aber ein Cello hat ein paar Knacknüsse, die es in sich haben. Zum Einen muss ich die Töne tausendmal präziser treffen wie bei der Gitarre, weil Gitarren so “Stege” haben, egal wo man zwischen zwei so Stegen drückt, der Ton ist immer derselbe. Beim Streichinstrumenten gibt’s das nicht, da muss der Finger auf den Milimeter genau an die richtige Stelle. Noch schlimmer ist es mit dem Vibrato. Bei der Gitarre macht man das indem man die Seiten dehnt, beim Cello muss man sozusagen mit der Hand oder dem Arm schaukeln, damit die Fingerkuppen auf dem Brett schaukeln. Das Problem dabei ist, dass beim Schaukeln gern mal das ganze Instrument aus Sympathie mitschaukelt, worauf der Bogen dann ebenfalls aus Sympathie beginnt im Takt mitzuhüpfen und damit ist der ganze Ton am Arsch. Erschwerend kommt hinzu, dass dieses Billigcello Seiten und Harz von übelster Sorte hat, beides habe ich letztes Wochenende in einer besseren Version bestellt. Der Ton wird nun wirklich etwas besser übertragen, somit kann man nun viel besser hören, wie falsch ich spiele :-) . Nichtsdestotrotz hab ich Spass dran, wir freunden uns weiterhin eifrig an :-)

Leichen im Keller

Mein Ausflug als Blutelfe nach Azeroth ist unfreiwillig beendet worden. Nachdem ich die Gute auf Level-20 hochgespielt habe und mit coolsten Zaubertricks böse böse Monster niedermachen konnte, wagte ich mich in so einen bekloppten Kerker, durch den ich mich hart an der Grenze des Möglichen durchkämpfte, um am Schluss bei so einem Oberzaubererdepp zu laden, der mich innert Sekunden alle gemacht hat. Bei WordOfWarcraft läuft das dann so, dass man “zum Friedhof” fliegt und von dort aus als Geist zurück zu seiner Leiche schweben muss, dort wird man automatisch wiederbelebt. Nur liegt meine Leiche ja nun in diesem verblödeten Keller neben diesen noch verblödeteren Oberzaubererhirni und der fällt natürlich gleich wieder über mich her sobald ich dort wiedererweckt werde. Tja, das war’s dann wohl mit meiner Blutelfe. Und da mein Gratis-Testabo eh diese Woche ausläuft und mich dieses Spiel zwar erfreut aber nicht begeistert hat, war’s das nun mit WoW spielen. Ich werd nun wieder etwas Rift spielen, das Spiel das ich vor WoW gekauft hab und falls mich das nicht noch in Begeisterung stürzt, ist’s wohl wieder mal für ne Weile Schluss mit gamen. Aber das wär an sich gut, denn so unterhaltsam so Spiele sein können, sie sind Zeitfresser und gerade Zeit hab ich eh chronisch zuwenig.

Ponstan am morgen, vertreibt Kummer und Sorgen

Gestern war dann Dentalhygiene angesagt, boah wie ich das liebe. Da meine Zähne halt nicht so das Gelbe vom Ei sind, auch wenn sie bedingt durch Koffein und Nikotin eine ähnliche Farbe haben, sind leider auch die Zahnhälse etwas freizügiger als sie sein sollten und infolgedessen ist die Zahnsteinentfernung immer relativ schmerzhaft. Aber diesmal durchfuhr mich der Blitz der Erkenntnis, ich hatte ja von der GaOp her noch einige Ponstan resp. das Nachfolgeprodukt Mefenacid. Diese 50er Dinger, die einem einfach jeden Schmerz wegpusten. Jauh und das hat überraschend gut geklappt, so schmerzlos war die Dentalhygiene seit langem nicht mehr, höhö. Ok, mir wär ein Tramal lieber gewesen, so hätte ich anschliessend zur Arbeit fliegen können, aber dieses Ponstan hat doch immerhin seine Pflicht erfüllt. Ich nehm eigentlich fast nie so Chemiemüll zu mir, auch wenn ich Schmerzen habe, beisse ich lieber auf die Zähne. Aber das wär beim Zahnarzt eher unpraktisch gewesen, insofern fand ich es eine bestechend schlaue Idee :-)

Oversexed zum verpassten Date

Heute habe ich glaub mal wieder arg Aufsehen erregt bei der Arbeit. Heute Abend hätte ich mit meiner ehemaligen Logopädin abgemacht und weil ich schon länger nicht mehr im Ausgang war, konnte ich es natürlich nicht lassen und musste den neusten Fummel aus dem Schrank zerren – nicht ganz passend für zur Arbeit – aber – ooooch Mensch, man gönnt sich doch wirklich sonst nix :-) Als ich um Neun zu meiner Futterlieferantin runter ging, die uns unser täglich Brot bringt, schallte mir gleich ein “Wow” entgegen und sie tänzelte um mich rum und wollte mich von allen Seiten anschauen. Ich glaub fast, ein klein wenig oversexed war das schon – aber was kann ich dafür, dass so Kleider an mir einfach kürzer sind als in den Katalogfotos, es können nicht alle so Zwerge sein wie diese Models ;-) Na jedenfalls sagte meine Freundin dann ab, weil sie seit Tagen so starke Kopfschmerzen hatte und somit hab ich den Fummel halt doch nur fürs Geschäft angezogen – was solls, hauptsache ich hatte mal ne Gelegenheit :D

Der Mensch, Dein Freund und Leichenfledderer

Weniger erfreulich ist dafür die Geschichte rund um Jamey Rodemeyer, den homosexuellen Teenager der in den Tod gemobbt wurde. Auf Facebook wurde für ihn eine Gedenkseite eingerichtet, in der mittlerweile bereits Achttausend Menschen versammelt sind, auch sonst geht eine immer grösser werdende Welle um die Welt, sogar Musikerinnen wie Lady Gaga haben diesen Fall publik gemacht. Aber was wirklich schmerzt, ist zu erleben, wie auf dieser Facebook-Gedenkseite im Minutentakt Beiträge gelöscht werden müssen, weil eine Unzahl von Schwerstgestörten nicht mal vor Toten Respekt haben und nichts Besseres zu tun haben als dort weiter herumzumobben. Da fehlen mir echt die Worte. Anstatt dass man sich besinnt und darüber nachdenkt, was so primitives Geschwafel anrichtet, gerade in Anbetracht dieses brutalen Todesfalls, kümmert man sich einen Dreck um all das und fährt weiter wie eh und je. Es braucht wirklich viel, bis mich Menschen noch schocken können, ich trau meinen Artgenossen ja so Manches zu. Aber das was dort abläuft, schockiert sogar mich. Tröstend ist nebst dieser überwältigenden Solidaritätswelle, dass drei der hauptverantwortlichen Mobber unterdessen inhaftiert wurden und dass in Amerika laut darüber nachgedacht wird, Mobbing endlich zu einem Straftatbestand zu machen – es wäre höchste Zeit, auch für uns hier.

Ein guter Zeitungsartikel und eine neue Freundin

Beim kürzlich geschriebenen Blogbeitrag über die SF1 Reporter Sendung, habe ich am Schluss ja noch auf einen Zeitungsbericht über dieselbe transsexuelle Frau verwiesen, der endlich mal so geschrieben war, dass sogar ich mich darüber freuen konnte. Er begann mit dem Satz: “Claudia Meier war schon immer eine Frau”. Ich hab mich darüber riesig gefreut, noch deutlicher könnte man das Phänomen “Transsexualität” nicht ausdrücken. Jedenfalls habe ich infolgedessen Claudia im Internet kennen gelernt und es sieht danach aus, als ob mein Freundinnen-Kreis sich eben grad wieder um eine tolle Frau erweitert. Wir verstehen uns jedenfalls fürs Erste super gut :-)

Kim Petras gewinnt zweiten Platz

Und soeben erreicht mich noch eine Meldung, die mich riesig freut. Kim Petras, ebenfalls ein Mädel mit transsexueller Vergangenheit, ist mir auch irgendwie ans Herz gewachsen, obwohl ich sie nicht kenne. Sie war mehrmals in den Medien und auch schon in meinem Blog erwähnt. Sie ist die jüngste transFrau die in Deutschland wegen Transsexualität behandelt wurde und ihr war es so vergönnt, dass man durch die frühe Behandlung die “Zerstörung des Körpers” durch die Pupertät ersparen konnte. Dementsprechend hat sie eine normal weibliche Stimme und hat auch eine musikalische Karriere gestartet. Kürzlich veranstaltete der Promi-Blogger Perez Hilton einen Cover-Wettbewerb, bei dem sie auch mitsang und nun hat sie da den zweiten Platz gemacht – herzliche Gratulation, Kim! Bei der Gelegenheit staunte ich wirklich, wenn die Gute so richtig rausposaunt (auf 1:30), hat sie eine echt tolle Stimme. Sie ist wirklich der lebende Beweis, dass man transsexuellen Menschen so früh wie möglich helfen muss. So ganz unter uns, ich beneide sie total :-)

Ab ins Weekend

Jauh und morgen flattere ich dann am Nachmittag wieder zu Juliet nach Hamburg für ein diesmal leider kurzes Wochenende bis Montag froh, das wär somit das Letzte von mir bis Anfang nächster Woche. Damit verabschiede ich mich mit diesem Video, mit dem Kim Petras den zweiten Platz gewonnen hat. Auf ca 1.00 Minuten beginnt das Lied – enjoy :-)

Dianas Medienschelte mit dem Zweihänder

Nach meinem letzten Blogbeitrag anlässlich der gestrigen Reporter-Sendung auf SF1 über Claudia Meier, stellte Claudia im Kommentarbereich die Frage an mich, weshalb ich so unzimperlich mit Journalisten umgehe. Ich finde ihre Frage berechtigt, denn in der Tat gehe ich mit Journalisten in zunehmendem Masse sehr rabiat um, das ist ansonsten nicht so meine Art. Ich bin eigentlich ein sehr friedfertiges Wesen, aber es gibt Dinge, die mich zum kochen bringen, meist sind es Politiker die mich zur Weissglut treiben oder eben Journalisten. Meine Aversion gegen (vorallem rechtspopulistische) Politiker brauche ich kaum gross zu erklären, also gehe ich mal der Frage nach, warum Medien öfters mal eine Breitseite abkriegen von mir oder wie im Titel gesagt, warum ich schnell mal zum virtuellen Zweihänder greiffe. Das ist mal wieder so ein Blogbeitrag, in dem ich einer Frage nachgehe, deren Antwort mir noch nicht ganz klar ist, ich bin gespannt ob ich während dem Schreiben eine Antwort finde ;-)

Um zu verstehen, weshalb ich so ticke wie ich ticke, scheint es mir nötig, erst mal die Bedeutung von Medien etwas anzuschauen, denn nur mit diesem Hintergrund sind meine nachfolgenden persönlichen Gedanken verständlich.

Die Macht der Worte

Als Erstes muss man sich im Klaren sein, dass Worte mehr sind als die Summe ihrer Buchstaben, darüber habe ich in der leider noch nicht vollendeten Blogserie “Macht der Worte” geschrieben. Jedes Wort beinhaltet ganze Bildwelten, die in jedem Kopf anders aussehen. Journalisten müssen die Gabe haben, die mehrheitliche Bildwelt der von ihnen verwendeten Worte zu erahnen, das ist die Kunst von seriösem Journalismus. Wenn man Worte unbedacht verwendet, richtet man damit riesigen Schaden an, weil sich später niemand mehr an die Worte erinnern wird, aber die Bilder zurück bleiben, beispielsweise wenn das Zerrbild einer transsexuellen Frau als “Mann in Frauenkleidern” präsentiert wird.

Verantwortung der Medien

Um mir zu folgen, muss man sich ins Bewusstsein rufen, dass Medien eben nicht einfach nur unterhalten, sie sind Meinungsmacher. So mancher Leser, der zu etwas noch keine Ahnung hat, bekommt durch Medien den ersten Eindruck und einfach wie so Manche sind, reicht das dann meist auch, um sich ein (Ver)Urteil zu bilden. Wenn Medien etwas falsch darstellen, dann können sie damit einen gesellschaftlichen Tsunami auslösen, wenn sie es richtig darstellen, können sie zumindest eine grosse Flut eindämmen. Dieser Verantwortung müssen sich Medienschaffende bewusst sein, genau deshalb gibt es auch einen Kodex des Presserates, der entsprechende Sorgfalt fordert.

Umgang mit Stigmatisierten

Gerade im Umgang mit Menschen, die eh schon von einer Gesellschaftsmehrheit verkannt oder gar stigmatisiert werden, ist entsprechend grössere Sorgfalt nötig. Wenn man beispielsweise in einer Zeit wie dieser, in der eine galoppierende Islamophobie herrscht, Menschen mit muslimischem Glauben als “Islamisten” betitelt, dann giesst man Öl in ein brennendes Feuer und das ist vorallem deshalb fatal, weil die meisten Moslems mit Islamisten gar nichts am Hut haben. Selbstverständlich darf man auch über Islamisten schreiben, aber man sollte sich davor hüten, die Menschen hinter diesen Kategorien in einen Topf falschen zu werfen.

Umgang mit dem Thema Transsexualismus

Und – um wieder bei “unserem” Thema einzuhaken – wenn viele Menschen den Unterschied zwischen einem sexuellen Fetisch wie Transvestitismus und einer körperlichen embryonalen Fehlentwicklung (oder Normvariante) wie Transsexualismus nicht kennen, giesst man genauso Öl ins Feuer der Transphobie, wenn man eine transsexuelle Frau “Transe” nennt. Das grösste Problem das im speziellen transsexuelle Frauen in der Gesellschaft haben, ist die Fehlinterpretation dieses Phänomens, das Leute glauben macht, eine transsexuelle Frau sei ein gestörter Mann, der sich aus unverständlichen Gründen als Frau ausgeben will. Aber das ist nunmal ein völlig falsches Verständnis.

Geschlecht ist Teil der Kernidentität

Sag mal einem Mann, er sei ein Mädchen, wie begeistert wird er reagieren? Und das obwohl es für einen genetisch korrekt geborenen Mann ja klar ist, dass er ein Mann ist. Bei uns transsexuellen Frauen ist aber dieses kollektive Verständnis nicht vorhanden, wenn mir jemand sagt, ich sei ein Mann, trifft mich das einiges mehr, weil ich weiss, dass die Meisten das so sehen. Deshalb ist es in meinen Augen enorm wichtig, dass Medien vorangehen und uns nicht dem falschen Geschlecht zuordnen, denn damit rauben sie uns unser Geschlecht und damit einen wesentlichen Teil unserer Kernidentität.

Die persönliche Enttäuschung – wer, wenn nicht die Medien?

Meine stellenweise Bissigkeit gegenüber Journalisten resp. mehr gegenüber ihren Ergüssen, hat wie mir scheint zwei persönliche Komponenten. Zum Einen erlebe ich seit bald drei Jahren wöchentlich, wie wir durch Medien in den Dreck gezogen werden. Es scheint, dass es kaum Lustigeres gibt als ein Mann in Frauenkleidern und daraus machen Medien einen RunningGag. In den letzten Jahren spriessen sie nur so raus, die Artikel und TV-Sendungen über transMernschen, aber da geht es nur selten um Aufklärung, es geht einzig um das Ausschlachten eines reisserischen Themas – und das generell auf dem Buckel der Betroffenen. Aber der Fluch ist, dass Medien unsere einzige Chance zu sein scheinen, weil sie die Schnittstelle zwischen der Wissenschaft und dem einfachen Menschen auf der Strasse sind, weil nur sie das Bild korrigieren können, dass die Psychiatriekirche ein Jahrhundert lang geschaffen hat und bis heute grösstenteils in ihrem Irrtum verharrt.

Wenn Wissenschaft in die Wand fährt

Es ist einfach zum verrückt werden, je mehr ich mich mit dieser Thematik beschäftige, umso ärgerlicher wird es. Ich kann auf dutzende von wissenschaftlichen Studien der letzten zwanzig Jahre verweisen, die sich gegenseitig bestätigen und ergänzen, die klar zeigen, dass Transsexualität biologische Ursachen hat, dass die geschlechtsbestimmende Hirnregion bei einer transsexuellen Frau eine weibliche Anatomie hat. Aus diesen Studien geht eindeutig hervor, dass Transsexualität keine Frage des Wunsches sondern eine tief im Hirn verankerte Gewissheit ist, dass transsexuelle Frauen also auch biologisch gesehen Frauen sind, zumindest partiell – zufällig im zentralsten Teil unseres Körpers. Aber all diese mir vorliegenden Fakten nützen mir einen Scheiss, weil die meisten Gläubigen der Psychologie weiterhin an der Psychopathologisierung von transMenschen festhalten und weil auf der anderen Seite die Medien sich viel mehr Erfolg erhoffen, wenn sie reisserische Geschichten publizieren als harte Fakten. Und dabei fühle ich mich von Monat zu Monat hilfloser, wir haben alle Argumente, aber wir dringen nicht durch.

Dumm sein ist ok, aber dumm bleiben?

Unwissend zu sein ist nichts Böses, davon sind wir alle hie und da betroffen, auch dumm sind wir ab und zu, auch das dürfen wir. Aber wir verlieren jeden Anspruch auf Respekt, wenn wir wider besseren Wissens dumm bleiben, da hätten wir genauso gut auf den Bäumen bleiben können und uns weiter mit Bananen bewerfen. Ich habe in diesen knapp drei Jahren zig Mal Medien angeschrieben, sei es durch Kommentare, durch “Korrekturformulare” oder via Mail. Bis zum heutigen Tag hat es nicht ein einziges Mal jemand für nötig gehalten, darauf zu reagieren. Einzig in zwei Fällen bewirkte ich damit eine nachträgliche Änderung im Text. Organisationen wie beispielsweise ATME (Aktion Transsexualität und Menschenrecht) tun dasselbe seit Jahren, ATME hat es .sogar geschafft, dass der deutsche Presserat das Magazin “Focus” wegen der despektierlichen Berichterstattung über transsexuelle Menschen eine Rüge erteilt hat. Trotzdem lese ich immer wieder denselben Quatsch und je öfters mir das passiert, umso mehr fühle ich mich als würde ich Autisten meine Gefühle erklären wollen.

Wenn Resignation zu Wut wird
Und dann sitze ich halt mal wieder am PC, finde im Web einen neuen Artikel und lese schon wieder:

  1. Er wollte schon immer eine Frau sein
  2. Er fühlt sich wie eine Frau
  3. Er macht eine Geschlechtsumwandlung
  4. Transsexualität ist eine Persönlichkeitsstörung
  5. Neues von der Dschungel-Transe

    Und ich denke mir dabei:

    1. Nicht ER WILL, SIE IST
    2. Nicht ER FÜHLT, SIE WEISS
    3. Nein, SIE gleicht ihre Äusserlichkeit nur dem EIGENEN Geschlecht an
    4. Nein, es ist eine organische “Fehlentwicklung” oder “Normvariante”
    5. Das Wort “Transe” ist ein Schimpfwort wie Schwuchtel, Nigger oder Krüppel

      Und je mehr ich von diesem Gift schlucke, umso mehr schlucke ich schon beim Anblick des ersten Wortes das mit diesem Thema zu tun hat – und immer weniger braucht es, dass ich einen inneren Tobsuchtsanfall krieg, weil ich es einfach langsam leid bin, ständig zu korrigieren, nur um das nächste Mal wieder falsch dargestellt zu werden. Dann flipp ich innerlich aus, wenn ich mit meinen rationalen und stets anständig vorgebrachten Kontaktaufnahmen mit den Medien ständig nur ignoriert werde, fühl ich mich mit der Zeit als würd ich mit einem Gipsklotz quatschen.

      Aber hier geht es eben um mehr als ums Quatschen, hier geht es so nebenbei um mein ganz persönliches Leben, um die Frage, ob ich wirklich bis zum Ende meiner Zeit verkannt bleiben werde, ob man uns weiter belächelt, ob weiter transMenschen sterben, weil sie diese ganze Scheisse nicht mehr aushalten oder weil jemandem mal wieder der minimalste Respekt fehlt. Und dann, man möge mir das verzeihen, werde ich deutlich, sehr deutlich – und vielleicht auch mal zu laut. Aber ich habe oft genug anständig und rational auf Journalisten eingewirkt, irgendwann endet auch meine Geduld im Umgang mit Kommunikationsresistenten.

      Aber vielleicht geht’s ja doch aufwärts?

      Aber ungeachtet meiner unterdessen angehäuften Ungeduld, versuche ich stets fair zu bleiben und sehe auch das Gute, wenn es denn ausnahmsweise mal erscheint. So habe ich zu dieser besagten Reporter-Sendung betont, dass ich die Sendung inhaltlich gut fand, dass sie besser war als das Meiste was ich bisher gesehen habe. Aber ich knurre trotzdem laut und deutlich, wenn so eine Sendung dann eben beispielsweise so einen verblödeten Ankündigungstext hat oder mit dem ersten Satz der Reportage die Gesamtaussage erstmal auf den Kopf gestellt wird und Zuschauer dadurch das Ganze von einem völlig falschen Blickwinkel aus beginnen.

      Es geht eben doch: sie war schon immer eine Frau

      Mag sein, dass es Zufall ist, mag auch sein, dass der Schreiber dieses Artikels einfach die Ausnahme von der Regel ist, vielleicht ist es aber auch deshalb, weil Leute wie ich oft genug meckerten. Jedenfalls ist heute in diversen Tageszeitungen ein Artikel über Claudia erschienen, der mich den Rest des Tages verzückt lächeln liess. Denn der Artikel fängt mit dem Satz an: “Claudia Meier war schon immer eine Frau“. Paff, das nenn ich mal ne Ansage :-) Und darüber kann ich mich dann genauso euphorisch erfreuen, wie ich mich über “Transe Peter” aufregen kann. Dieser Artikel ist jedenfalls etwas vom Korrektesten was mir je begegnet ist. Klar könnte man bemängeln, dass wieder nichts über biologische Ursachen von Transsexualität stand, aber ich kann auch nicht erwarten, dass mit einem Schlag die grosse Aufklärung stattfindet.

      Worum es mir viel mehr geht ist darum, dass der Text respektvoll gehalten war, dass niemandem das eigene Geschlecht aberkannt wurde und eigentlich nichts stand, was der Realität über transsexuelle Menschen radikal widersprechen würde. Und genauso wie ich sonst Redaktionen anmeckere, wenn sie wiedermal Quatsch schreiben, genauso habe ich meine Freude als Kommentar dort abgeladen und wenn ich die Mailadresse des Schreibers hätte rausfinden können, hätte ich ihm sogar geschrieben (hole ich raschmöglichst nach).

      Versuch einer Antwort

      Warum ich mit so deutlichen und oft auch harten Worten um mich haue, dürfte also zusammengefasst damit begründet sein, dass ich es einfach leid bin, immer und immer wieder von Journalisten verarscht zu werden, auch wenn ich mehrfach auf ihr Fehlverhalten hingewiesen habe. Eine ganz andere Frage ist die, ob so harte Bandagen wirklich nützlich sind. Ehrlich gesagt, ich zweifle daran. Ich bin zwar überzeugt, dass man sehr deutlich kritisieren muss, es geht ja um nicht weniger als um das Überleben von Betroffenen, da wäre es nicht angebracht, klein beizugeben oder sich mit faulen Kompromissen abzuspeisen. Denn schlussendlich nützt es mir nicht viel, wenn man mich als “gestörter Mann im Rock” akzeptiert, auf diese Akzeptanz kann ich verzichten. Aber bellenden Hunden hört man selten zu, man weicht vielleicht, achtet aber nicht gross auf ihre Bedürfnisse. In dem Sinn wäre es wohl nützlicher, wenn wir transAktivistinnen versuchen so freundlich wie möglich zu bleiben, bestimmt aber freundlich. Nur hier menschelts halt, auch bei mir – Gefühle folgen nunmal nicht immer ökonomischen Gesetzen. Aber versuchen sollten wir’s trotzdem soweit es unsere Nerven zulassen.

      Weiter – hartnäckig, bestimmt, aber mehr rational als emotional

      Gerade dieser heutige Zeitungsartikel bestärkt mich darin, dass wir weiter machen müssen. Nur wenn wir hartnäckig den Schimpfefinger hochhalten, jedes Mal wenn wieder ein Journalist geistigen Gesellschaftsmüll über uns auskippt, werden Medien immer mehr informiert und dann vielleicht auch sensibilisiert. Aber wir müssen uns davor hüten, aus Journalisten oder auch aus Psychologen Feinde zu machen, denn das sind sie bestimmt nicht. Es ist nicht ihr erklärtes Ziel uns kaputt zu machen. Versuchen wir also weiter, ihnen anständig aber bestimmt auf die Finger zu klopfen, die mediale Entwicklung der letzten Monate lässt Hoffnung zu.

      SF1 Reporter – Von Andreas zu Claudia

      Entgegen meinen Erwartungen wurde die Sendung “Reporter: Von Andreas zu Claudia” auf SF1 nicht zum gewohnten Medien-Desaster. Die Dokumentation beinhaltete einige Aufnahmen der zwei bereits bei “Schweiz Aktuell” erschienen Sendungen “Vom Chef zur Chefin” und “Namensstreit in Bern” sowie zusätzliche Aufnahmen.

      Die Sendung war im Gegensatz zu anderen bisherigen TV-Produktionen doch überraschend gut, von der Betroffenen wurde seitens der Moderation in der Regel in korrekter weiblicher Form gesprochen, abgesehen von Schilderungen aus der Vergangenheit. Dafür bot diese Sendung vorallem durch die Interviews mit Claudia Meier viele wichtige Informationen, im Speziellen betreffend der Frage um die verweigerten Namensänderungen bei transsexuellen Menschen. Doch so gut so Manches war, so erschreckend war meines Erachtens der Einstieg, denn der Einstieg stellt das Fundament, auf dem der Rest verstanden wird und da wurde eindeutig eine falsche Richtung eingeschlagen.

      Guter Inhalt irreführend aufgegleist

      Die Sendung begann mit einem moderierten Hintergrundtext, in dem Claudia Meier in der männlichen Form vorgestellt wurde und die alte Mär rezitiert wurde, “er” hätte schon immer eine Frau “sein wollen”. Dass Transsexualität nicht der “Wunsch eines gestörten Mannes” ist sondern die “Gewissheit um das eigene Geschlecht” einer transsexuellen Frau, scheint den Reportern noch nicht klar zu sein, denn diese Fehldeutung wiederholte sich im Verlauf der Sendung. Hätten sich die Reportagemacher mit dem Thema Transsexualität auseinandergesetzt, wüssten sie, dass Transsexualität keine Wunschfrage ist. Warum man eine Dokumentation über so ein Thema macht, ohne sich ernsthaft mit den medizinisch-wissenschaftlichen Hintergründen zu beschäftigen, ist mir irgendwie schleierhaft.

      Schon wenige Sekunden später kommt die Betroffene zum ersten Mal zu Wort und stellt gleich klar:

      Viele haben das Gefühl: “Jetzt ist sie eine Frau”.
      Nein, Frau bin ich immer gewesen!
      Ich bin immer Frau gewesen, durfte aber nie aus Frau leben.

      Die Moderation fährt fort und tritt gleich ins nächste Fettnäpfchen:
      “Biologisch ist die Zweiundvierzigjährige zwar immer noch ein männliches Wesen……”

      Entweder hat sich der Reporter wie bereits erwähnt nicht mit dem Thema auseinander gesetzt oder er hält das Gehirn eines Menschen nicht für einen Teil der Biologie. Denn Fakt ist, dass eine transsexuelle Frau eine weibliche Hirnanatomie hat, massgeblich geschlechtsrelevante Regionen des Hypotalamus haben bei transsexuellen Frauen die selbe Grösse und Neuronendichte wie bei nicht-transsexuellen Frauen. Wer bei der Geschlechtsbestimmung das Hirn aus der Biologie ausschliesst, macht den Menschen im wahrsten Sinn des Wortes hirnlos.

      Die Moderation fährt mit dem Satz fort:
      “…… doch in ihrem 4-Sterne Hotel bewegt sie sich WIE eine Lady…..”

      Was heisst da “wie”? Wie ignorant muss man sein, einer Frau zu begegnen, die sagt, sie sei eine Frau und dann über sie zu referieren, sie sei ein männliches Wesen, das sich WIE eine Frau bewegt? Diese Einleitung gab der Sendung eine völlig falsche Richtung, der Moderator scheint von einem verrückten Mann zu reden, der lieber eine Frau wäre und deshalb so tut als wär “er” eine Frau.

      Aber so grotesk diese Einleitung auch war, ich habe da schon viel Schlimmeres erlebt, beispielsweise bei obgenannten zwei Sendungen von “Schweiz Aktuell”. Immerhin wurde während der weiteren Reportage meistens in der weiblichen Form von der Betroffenen gesprochen. Trotzdem zeigt sich meines Erachtens, dass die Sendungsmacher mit einer vorgefassten Vorstellung an dieses Thema herangegangen sind und nicht in der Lage waren, ihre vorgefassten Vorstellungen der durch die Betroffene vorgebrachten Realität anzupassen.

      Und dieses Schema begegnet mir immer wieder, wenn es um das Thema “Transsexualität” geht. Da hilft es wenig, wenn in solchen Sendungen inhaltlich korrekte Informationen weitergegeben werden, wenn man das Ganze in einen Hyperkontext stellt, in dem man entgegen wissenschaftlichen Fakten verbreitete Falschvorstellungen betoniert. Gerade Medienschaffende müssten sich bewusst sein, dass Worte töten können, wer sich das nicht bewusst ist, sollte nicht in dieser Branche arbeiten. Es sind solche Fehlformulierungen wie “er will eine Frau sein”, die das Fundament legen für die gesellschaftliche Stigmatisierung von transsexuellen Menschen und sie sind der Nährboden, auf dem Transsexualismus-Betroffene diskriminiert oder gemobbt werden, bis hin zur Tötung vermeintlich “gestörter Männer im Rock”.

      Einmal mehr bitte ich Betroffene inständig:

      Ich bin wirklich froh, dass es Leute gibt die sich für so Sendungen zur Verfügung stellen und noch mehr bin ich froh, wenn Betroffene sich wie in Claudia Meier, Kim Petras oder Balian Buschbaum korrekt “deklarieren”. Aber wenn Ihr so Sendungen mitmacht, dann stellt dabei die Bedingung, dass die Verantwortlichen Eure Terminologien übernehmen. Klärt die Journalisten zuerst auf, was Transsexualität ist und was es nicht ist und stimmt nur zu unter der Bedingung, dass Ihr auch so dargestellt werdet – andernfalls geht der Schuss hinten raus.

      An dieser Stelle verweise ich nochmal auf ältere Beitrag zu diesem Thema:
      Transsexualität und die Kunst der Selbsterklärung
      Rundschau: Transsexuelle, Krankenkasse, Behörden und ein ulkiger Polit-Clown

      Namensverweigerung sind Menschenrechtsverletzungen

      Der Grund, warum ich trotz der irreführenden Einleitung froh bin um diese Sendung, liegt darin, dass sehr eindrücklich dargelegt wurde, wie grausam unsere Behörden mit transsexuellen Menschen umgehen. In vielen Kantonen lässt man Betroffene zwei Jahre lang hängen, die nicht-menschenrechtskonformen Behandlungsstandards verlangen von Betroffenen, in Form eines sogenannten Alltagstest zwei Jahre lang “in ihrem angestrebten Geschlecht” zu leben, verweigern aber in dieser Zeit die Möglichkeit, die Ausweise entsprechend zu ändern. Claudia Meier hat in guten Beispielen erklärt, was das faktisch bedeutet. Man kommt kaum noch über eine Grenze ohne höchst peinlichen Situationen ausgesetzt zu sein und man wird dadurch gezwungen, unter “falschem Namen” zu leben. Es wird verlangt, dass man im Alltag unter dem neuen Namen auftritt, doch damit macht man sich schlussendlich strafbar, weil man formal-juristisch nicht so heisst. Spätetens bei der Benützung einer Kreditkarte kann das zu grossen Problemen führen, ganz abgesehen davon, dass man beispielsweise im Falle eines Spitalaufenthalts oder bei einer Inhaftierung in der falschen Abteilung landet. Letzteres ist in Deutschland letztes Jahr geschehen, die Betroffene wurde von den Mitinsassen mit Begeisterung empfangen, nach mehrfacher Vergewaltigung wurde sie dann verlegt. Wenn man sich vor Augen hält, dass beispielsweise der Kanton Zug solche Namensänderungen ohne Bedingungen wie Länge der Hormontherapie oder erfolgte Sterilisierung zulässt, dann macht es schon etwas ratlos, dass im Kanton Bern eine Hoteldirektorin, die von Berufswegen auf korrekte Papiere angewiesen ist, solchen Schikanen ausgesetzt ist.

      Mediale Desinformation – wenn Medien dazulernen

      Nachdem ich diesen Beitrag gestern Abend geschrieben habe, hielt ich ihn noch zurück um heute morgen erst zu schauen, ob eine Zeitung über diese Sendung schreibt. Das geschah zwar nicht, dafür hatte “Der Bund” einen Beitrag über Claudia Meier (Der Tod ist ihr näher als der Weg zurück), der wenn auch nicht perfekt so doch überraschend gut geschrieben ist. Überraschend deshalb, weil der Bund meines Wissens zum gleichen Verlag gehört wie die Bernerzeitung und die hat bereits vier Mal über Frau Meier und im Speziellen über diesen Rechtstreit berichtet und hat (vorallem im letzten Beitrag) transphobe Formulierungen übelster Art verwendet. Ich hab echt null Verständnis dafür, dass ein Journalist gerade beim Thema “verweigerte Personenstandsänderung” rotzfrech von “einem Hoteldirektor” spricht.

      Adieu Herr Meier – grüessech Frau Meier
      Transsexualität ist nicht ansteckend
      Ihr männlicher Vorname ist Geschichte
      Transsexualität: Namensänderung braucht Zeit

      Dass “der Bund” den Artikel anfängt mit dem Satz: “Claudia Meier war schon immer eine Frau” weckt Hoffnungen, dass auch Medienschaffende lernfähig sind. Ich aber auch andere trans-Aktivistinnen haben beispielsweise die Bernerzeitung/Tagesanzeiger anlässlich solcher Artikel mehrfach über ihre Falschdarstellung informiert, vielleicht hat es ja schlussendlich doch etwas genützt – bleiben wir dran ;-)

      UPDATE: Hab wohl nicht gut genug gesucht, dieser Artikel wurde auch auf Tagesanzeiger, Bernerzeitung und Baslerzeitung erschienen, die Hoffnung, dass diese Redaktionen dazulernen, scheint begründet :-)

      PS: falls Claudia Meier hier mitliest, Super Foto in diesem neusten Zeitungsartikel…… und danke für Deinen Einsatz

      PPS: zur hier gestellten Frage, weshalb ich Medien so heftig kritisiere:
      Dianas Medienschelte mit dem Zweihänder

      Sonntag auf SF1: Reporter – Von Andreas zu Claudia

      Hier noch ein TV-Tipp mit beschränkter Haftung. Am Sonntag (25.9.2011) bringt SF1 um 21:45 Uhr in der Sendung “Reporter” eine Dokumentation über Claudia Meier, die Hoteldirektorin im bernischen Hotel Schwefelberg Bad, die in letzter Zeit in den Medien war, weil das “Amt für Migration und Personenstand” ihr die Vornamens- und Personenstandsänderung bisher verweigerte, da sie die genitalangleichende Operation noch nicht hinter sich hat resp. die zweijährige Zermürbungsphase den zweijährigen Alltagstest noch nicht absolviert hat, der in den hiesigen und wie von mir bereits mehrfach kritisierten und menschenrechts-widrigen “Behandlungsstandards” vorgeschrieben wird.

      Das Schweizer TV berichtete bereits zwei Mal in der Sendung “Schweiz aktuell” darüber, in beiden Fällen waren die Berichtersttattungen jenseits von gut und böse, man war ignorant genug um von Frau Meier in der männlichen Form zu sprechen. Dementsprechend graut es mir ziemlich vor diesem nächsten Erguss von SF-DRS, es wäre das erste Mal, dass SF-DRS transsexuellen Menschen ein Minimum an Respekt zukommen liesse. Inhaltlich sind diese zwei Sendungen zwar recht gut, vorallem die Zweite betreffend der Namensverweigerung, aber das Drumrum durch die Reportagemacher ist einafch nur übel.
      Schweiz Aktuell: Vom Chef zur Chefin
      Schweiz Aktuell: Namensstreit in Bern

      Interessant ist so nebenbei erwähnt, dass in obiger TV-Sendung von Schweiz Aktuell die Verantwortlichen den Namenswechsel mit Verweis auf das deutsche Transsexuellengesetz (TSG) verweigern, obwohl das für uns nicht zuständig ist. Pikant dabei ist, dass das deutsche Verfassungsgericht bereits Anfang Jahr entschieden hat, dass dieses TSG in mehreren Punkten verfassungswidrig ist und gegen europäische Menschenrechte verstösst – im Speziellen die Forderung nach irreversibler Sterilisierung.

      Der Ankündigungstext für die Reporter-Sendung geht nun in eine ähnliche Richtung, einmal mehr verbreiten Medien das Bild eines Mannes, der halt einfach lieber eine Frau wäre und dass aus einem Mann “plötzlich” eine Frau wird. Dass dies wissenschaftlichen Fakten widerspricht muss ich genauso wenig erläutern wie dass sie mit solchen entwürdigenden Formulierungen das Menschenrecht auf Selbstbestimmung mit Füssen treten, darüber habe ich oft genug geschrieben.

      41 Jahre lang lebte Andreas Meier als Mann und führte den elterlichen Hotelbetrieb im bernischen Schwefelbergbad. Doch seit seiner Kindheit wäre er viel lieber ein Mädchen gewesen.

      Vor acht Monaten fand Andreas den Mut, gegen aussen zu zeigen, was er innerlich schon immer spürte. Seitdem ist aus Andreas Claudia geworden. Eine lebensfrohe Frau, die gerne in High Heels und Minirock auftritt, sich aber auch für die harte körperliche Arbeit draussen und in der Küche nicht zu schade ist.

      Mit ihrem Coming Out überraschte Claudia ihre Familie und ihre Lebenspartnerin Esther. In der Reportage von Rolf Dietrich erzählt Esther, wie sie damit umgeht, dass aus ihrem Freund plötzlich eine Frau geworden ist. Welche Perspektiven hat diese Liebesbeziehung, wenn die Geschlechter-Rollen derart durcheinandergeraten? Auch ihre Schwester, ihre Eltern sowie die Hotelangestellten mussten zuerst lernen, damit umzugehen, dass aus Andreas Claudia geworden ist.

      Nein, Ihr Redaktionsclowns, Claudia heisst nicht Andreas, und sie ist kein “er”, sie wollte auch nie “lieber ein Mädchen sein” sondern ist als Frau mit nicht dem Geschlecht entsprechenden Geschlechtsmerkmalen geboren, deshalb wurde sie auch nicht “plötzlich” zur Frau, das schien nur von aussen her betrachtet so. Fehlte eigentlich nur noch “Geschlechtsumwandlung”, dann wäre die Liste der Falschvorstellungen im Wesentlichen komplett.

      Wenn die Sendung selber genauso unsensibel und unwissend daher kommt wie dieser Text oder frühere Sendungen, dann dürfte das mal wieder ein mediales Desaster geben und einmal werden die Vorurteile der Zuschauer betoniert. Aber lassen wir uns überraschen, vielleicht wird’s ja wider Erwarten doch eine informative Sendung, aber der Text da oben lässt Schlimmstes befürchten.

      Wiederholungen:
      Montag, 26. September 2011, 04.05 Uhr auf SF1
      Mittwoch, 28. September 2011, 11.30 Uhr auf SF1

      SF1 Reporter: Die transsexuelle Hoteldirektorin vom Schwefelbergbad

      UPDATE – mein Senf zur Sendung:
      SF1 Reporter – Von Andreas zu Claudia

      Musikalisches Wochen(end)-Allerlei einer Zahn-Prinzessin

      In letzter Zeit geht’s bei mir relativ rund, deshalb kam ich nicht zum Schreiben, nun fasse ich mal ein paar Dinge hier zusammen…….

      Diana in der Menopause oder so

      Vorletzte Woche hatte ich einen Termin in der Endokrinologie, in der es nebst obligater Blutkontrolle um die Frage ging, ob wir meine Östrogendosis erhöhen sollten. Seit der GaOp bin ich chronisch müde und meine Schwitzanfälle haben sich auch deutlich gehäuft, beides sind mögliche Anzeichen auf einen zu tiefen Östrogenpegel (Mitlesende die ihre Menopause bereits erreicht haben wissen was ich meine). Die Endokrinologin bestätigte mir, dass diese Anzeichen danach aussehen, dass meine zwei mal wöchentlich angeklebten Östrogenpflaster (Estradot 50) wohl zu wenig sind. Aber leider war mein Glukose (Zucker) und Cholesterin Pegel gaaaaanz wenig über dem Normbereich, so knapp daneben, dass das gesundheitlich noch völlig unbedenklich ist. Aber sowohl Zucker als auch Cholesterin belasten die Blutbahnen und damit erhöht sich auch das Thromboserisiko ein wenig. Da die Östrogene genau diesbezüglich gefährlich sind, wollte sie da nichts riskieren. Da ich öfters Schokolade-Fressattacken habe und das möglicherweise auch am Vorabend der Untersuchung, sind wir nun so verblieben, dass ich in nächster Zeit mal bei der Hausärztin diese zwei Werte nochmal prüfen lasse. Sollten sie immer noch etwas zu hoch sein, kann ich mittels Ernährungsverbesserung die Werte verbessern. Sobald die Werte im Normbereich sind, kann ich ihr den Laborbericht faxen und krieg dann ein Rezept für 75er Pflaster. Mal schauen ob es dann besser geht.

      Ein schlauer Zahnarzt

      Mein Zahnarzt ist echt ein schlauer Fuchs, bei ihm fühle ich mich echt ernst genommen. Zum Einen hat er richtig erkannt, dass ich einfach zu schlau bin für diese Welt und hat mir nun einen meiner vier Weisheitszähle gezogen, vielleicht reg ich mich nun etwas weniger auf ;-) Aber das ginge noch, der konnte das sogar noch überbieten. Er scheint wirklich ein Auge für Mädels wie ich zu haben und hat sofort bemerkt, dass ich eine richtige Prinzessin bin – glaub ich jedenfalls – denn übermorgen krieg ich von ihm eine Krone *stolzerhebtihrhaupt*. Meine Begeisterung hält sich da zwar in Grenzen, weil mich dieses royale Statussymbol mal schnell einen Tausender kostet, aber was tut man nicht um die leider oft unbemerkte Adligkeit zu betonen :D Das mit dem Weisheitszahn war übrigens eine harmlose Sache, es machte kurz knirsch und flup und draussen war das Ding. Am Mittag liess dann die Spritze nach und der Schmerz wurde arg genug um mich mit 50er Ponstan zu füttern, aber schon am nächsten Tag war der Spuk vorbei und unterdessen, eine Woche später, ist wieder alles in Ordnung.

      Kuschelweekend mit Juliet

      Letztes Wochenende war ja mal wieder Kuscheln in Hamburg angesagt, jajajaja :-) Diesmal war ich wieder von Donnerstag Ende Nachmittag bis Dienstag am frühen Morgen dort. Freitag und Montag ackerte Juliet zeitweise und ich guckte TV, las mein letztjähriges Tagebuch oder brabbelte mit Juliets Mama rum. Am Samstag gabs dann noch eine kleine Shoppingtour zu Dritt, bei der wir aber alle ohne Beute heimziehen mussten. Dafür machten wir noch einen kleinen Abstecher in ein Pärklein, die erhofften Eichhörnchen sahen wir zwar nicht, aber dafür konnte ich mal wieder eine Weile einer Libelle beim patroulieren zugucken – ich lieb diese kleinen Hubschrauber :-) Abends guckten wir dann jeweils meist zu Viert TV und im späteren Abend verzog sich Mama in die Küche und las – und brach immer mal wieder in schallendes Gelächter aus, meist wenn sie Dialoge mit Morla fand ;-) Jedenfalls wars wieder ein super schönes Wochenende mit ganz viel Blödeleien und ganz viel Aneinanderkleben – Fortsetzung folgt in gut zwei Wochen :-)

      Selbstbetrachtung in Buchform

      Das mit meinem Tagebuch war eine ulkige Sache, denn davon hatten wir dieses Weekend drei Stück in der Wohnung, Juliet und Mama hatten Ihres, ich hatte das Meine. Und zeitweise sassen Mama und ich zusammen auf dem Sofa und lasen dasselbe Buch, wie schräg ist das denn :-) Für sie ist es interessant, weil sie nicht so gern am Computer sitzt und deshalb nur soweit auf dem Laufenden ist, wie Juliet ihr berichtet. Deshalb holt sie dann das ganze Jahr nach wenn das Blog in Buchform verfügbar ist. Ich meinerseits erlebte beim Lesen wie schon letztes Jahr eine turbulente Reise durch die Zeit, in der ich das ganze letzte Jahr nochmal Revue passieren lasse und teilweise staune, was ich da alles erlebt habe und wie aufgewühlt ich zeitweise war. Es ist unglaublich spannend, sich selbst nochmal so zu verfolgen. Sobald ich damit fertig bin, werde ich dazu einen Blogbeitrag schreiben wie schon letztes Jahr und ein wenig erzählen, was mir da lesenderweise so durch den Kopf ging im Kino meines Lebens.

      Medien sind einfach sowas von für n’Arsch, aber echt

      In diesen wenigen Tagen in denen ich in Hamburg war, erschienen gleich mehrere Zeitungsartikel die irgendwie um Transsexualität gingen und mir schäumte heut Morgen mal wieder kurz die Galle hoch. Höhepunkt war ein Kurzartikel in der Bernerzeitung, in der von einer transsexuellen Frau konsequent in der männlichen Form geschrieben wurde. Einmal mehr hat ein dümmlicher Journalist einen noch dümmlicheren Text von der Depechenagentur DPA copy-pastet ohne dabei das Hirn auf Minimalleistung zu stellen. Aber ich bin grad zu gut gelaunt um mich heute weiter darüber zu ärgern, vielleicht hole ich das am Wochenende nach und hau denen virtuell eine runter – mal kucken ob ich Zeit und Nerven finde, vorallem mit der Zeit könnte es nämlich knapp werden, denn erstens arbeite ich am Samstag mal wieder und zweitens und vorallem……….

      Diana wird Cellistin

      In den letzten zwanzig Jahren habe ich viele Musikinstrumente gespielt, manche nur ein wenig, manche mehr. Vorallem Gitarre, Bluesharp und schottische Bagpipe spielte ich recht intensiv eine Zeit lang und Letztere möchte ich nachwievor irgendwann wieder spielen. Aber in letzter Zeit bin ich emotional eher zu sanfteren Klängen hingezogen und verspüre wieder ein starkes Bedürfnis, Musik zu machen. Und weil ich seit Beginn meines Musizierens Streichinstrumente als die Schönsten Instrumente betrachte, aber nie den Mumm hatte mich diesen schwer zu erlernenden Instrumenten anzunähern, kams bis jetzt nie soweit – bis jetzt, jauh.

      Vor einigen Wochen entdeckte ich, dass man heutzutage elektronische Violinen und Cellos kaufen kann, die recht gut klingen, überraschend günstig sind und natürlich stubentauglich, weil man mit Kopfhörer spielen kann. Also habe ich vor der Op diese schwarze eVioline bestellt, darüber habe ich irgendwo kurz berichtet. Aber dann kamen gleich die Ferien, dann die zweite Operation und anschliessend war für ne Weile nix mehr mit Violine spielen, weil ich die Arme wegen der BrustOp nicht so verrenken konnte. Auch sonst hielt sich meine Begeisterung in Grenzen, weil die Körperhaltung wie erwartet der Graus ist, man ränkt sich fast die Schulter aus und bricht sich fast den Kiefer, weil man das Teil so unter den Kiefer klemmen muss.

      Naja, letzte Woche guckte ich einen Krimi in dem es zufällig um eine Cellistin ging, die man ein paar Mal spielen sah und man ahnt’s, es packte mich total und so wusste ich nix Bekloppteres als noch am gleichen Abend dieses elektronische Cello in weiss zu bestellen, selber Hersteller wie die Geige, nur diesmal in Weiss anstatt Schwarz. Jauh und heute wurde das Ding geliefert und ich bin Feuer und Flamme, die in den nächsten Tagen ausgiebig auszuprobieren. Wenn ich wie erwartet körperlich besser damit klar komme, werde ich die Geige wohl wieder verkaufen, oder umgekehrt, was weiss ich, lassen wir uns überraschen :-)

      Vorhin habe ich das erste Mal drauf gespielt äh getönt oder so, naja, seien wir mal froh, dass die Nachbarn das nicht hören ;-) Aber es macht Spass, fühlt sich noch fremd aber irgendwie nett an, ich bin zuversichtlich, dass wir uns anfreunden werden, auch wenn ich fürs Erste verkrampft bin als würd ich das erste Mal auf einem Stier reiten. Damit Ihr Euch vorstellen könnt, was für ne Art Musik mir vorschwebt, gibt’s jetzt noch ein Video mit einem wunderschönen Cello-Stück :-)

      Und falls jemand von Euch neugierig geworden ist und mehr Cello Musik hören will in dem Stil wie ich es hoffentlich irgendwann spiele, dann empfehle ich mein neustes Idol:
      Adam Hurst auf youTube

      Transsexuelle Frauen im Sperrfeuer der Ignoranz

      Transsexuell zu sein, also im falschen Geschlecht geboren zu leben, ist wohl eine der grössten Herausforderung, die das Schicksal einem Menschen in die Wiege legen kann. Die ganze Kindheit, die ganze Jugendzeit und oft auch das halbe Erwachsenenleben im falschen Geschlecht leben zu müssen, stets eine nicht dem Selbst entsprechende Geschlechterrolle einnehmen zu müssen, sich selber ständig verleugnen und konditionieren zu müssen, all das ist unvorstellbar schmerzhaft, viele gehen daran zugrunde.

      Aber das ist nur ein Teil des Leids, es ist der Teil, der ein Stück weit unumgänglich ist – anders als die gesellschaftliche Stigmatisierung, das ständige Missverstandensein, das aus Unwissen und Falschvorstellungen geborene Belächeln, das transsexuelle Menschen in eine Rolle treibt, in der sie nichts zu suchen hätten. Und so bleibt auch im Leben einer Frau mit transsexueller Vergangenheit ein Schatten, der sie immer verfolgen wird – ein Schatten der aus dem Feuer des Missverstandenseins geworfen wird.

      Selbst wenn man soviel Glück hat wie ich und in ein verlässliches soziales Gefüge eingebettet ist, viele Menschen hat die zu einem halten und ein zufriedenes und freies Leben führen kann, so stösst man doch immer wieder auf diese dunklen Seiten, die einem wieder ins Bewusstsein rufen, dass man zwar vielleicht respektiert, vielleicht sogar geliebt, aber nur in seltensten Fällen verstanden wird.

      Gute Tage – instabile Tage

      Es gibt Tage, an denen ich fit bin, an denen ich einfach mein Leben geniesse. An solchen Tagen kann mich nichts erschüttern, egal ob mich in der Öffentlichkeit gelegentlich jemand blöd anschaut, nicht mal wenn ich bemerke, dass mich jemand belächelt, es geht mir völlig am Hintern vorbei. Denn erstens habe ich gelernt, meinen Wert nicht von Fremden bemessen zu lassen und zweitens bin ich dank meiner neuen Freiheit so erfüllt von Lebensfreude und Lebenslust, dass mich kein Schatten trüben kann.

      Aber es gibt auch Tage, an denen ich nicht so stabil bin, wer ist schon immer und jederzeit stark genug für die Widrigkeiten des Lebens. an solchen Tagen können Ereignisse, die ansonsten nur an der Oberfläche schürfen, sich plötzlich wie Rasierklingen ins Fleisch schneiden. Und an manchen Tagen kommen solche Schnitte sogar von mehreren Seiten und man findet sich selbst wieder im Sperrfeuer der Ignoranz. Manchmal sind es ganz harmlose Dinge die so einen Tsunami auslösen können, manchmal reicht eine fiktive TV-Serie um die Klingen bis zum Herz eindringen lassen.

      Eine verpasste PipeNight

      Heute ist so ein Tag. Seit Wochen freue ich mich auf heute Abend, weil in einem Zürcher Pub mal wieder die PipeNight stattfindet, an der ganz viele wirklich tolle Piper mit ihren schottischen Bagpipes auftreten. Es scheint mir Ewigkeiten her, dass ich zum letzten Mal eine dieser so geliebten Schallkanonen erlebt habe und seit über einem Jahr spiele ich ja selber nicht mehr (auch wenn ich vorhabe, irgendwann wieder zu beginnen). Ich freute mich auch, einige Leute die ich super mag dort wieder zu sehen, Leute aus “meiner Pipe-Band” vorallem. Aber ich musste absagen, eben weil heute so ein Tag ist.

      Eine desinformierende Informationssendung

      Angerissen wurde das Ganze gestern schon, als ich eine Ankündigung auf dem Schweizer Fernsehen las über eine “Dok Sendung” die im Mai ausgestrahlt wird, die von einer transsexuellen Frau handelt. Der Ankündigungstext war von der üblen Sorte, wie man es sich von Medien gewohnt ist. Meisterleistung war die Formulierung: “…. dokumentiert sie ihren Weg vom transsexuellen Mann zur Frau”. Ärgerlich daran war vorallem, dass Dok ansonsten gut recherchiert ist, gerade von so einem Format hätte ich mehr erwartet als das Rezitieren einer längst hinfälligen Psychopathologisierung. Ich nahm mir vor, dieses Wochenende die Redaktion zu kontaktieren, vielleicht ist es ja noch nicht zu spät um da noch etwas Information einzubringen. Jedenfalls legte diese Sache ein Fundament für das was dann kam.

      Indentitätsnachweise des Nachts

      Es folgte eine Nacht in der ich schlecht schlief und ständig so Quatsch träumte, der irgendwie mit meinem noch alten Ausweis zu tun hat, man sprach mir mein Geschlecht ab weil in meinem Ausweis ja noch das falsche Geschlecht steht. Um sieben Uhr weckte mich mein Futterlieferant, ich wachte mit Kopfschmerzen auf und fühlte mich schon ziemlich durch den Fleischwolf gedreht. Dass ich meine ebenfalls mitgelieferte neue Kaffeemaschine ausgiebig ausprobieren konnte, tröstete ein wenig, so lag ich dann eine Weile vor dem TV und guckte aufgenommene Krimis, schlussendlich einen von “Special victim unit”. Den hätte ich besser ausgelassen, denn der versaute mir dann als letzte Instanz die PipeNight.

      Fiktion am TV als Projektion der Wirklichkeit

      Es begann harmlos. Eine Frau erschlug einen Mann mit einer Vase und machte geltend, dass er sie vergewaltigen wollte und sie in Notwehr handelte. Bald kam ihr Freund unter Verdacht. Eine Blutuntersuchung brachte dann zutage, dass die Täterin transsexuell ist – oder wie die Polizisten so nett formulierten: “sie ist ein Mann” – auch das Wort “Transe” fiel natürlich. Da ihr Freund unter Verdacht war, sprachen sie ihn darauf an und offenbar wusste er noch nichts davon, drehte völlig durch, beschimpfte sie als “Freak” und tötete sich selbst. Das einzig positive an diesem Film war, dass während der Gerichtsverhandlung ein Psychiater auftrat, der genau das erklärte was ich ständig vorbete. Er erklärte, dass eine transsexuelle Frau eine weibliche Hirnanatomie hat, dass die geschlechtsbestimmende Region “BSTc” im Hypothalamus eine weibliche Struktur hat, er zeigte sogar dieselben Fotos auf die ich selber immer verweise. Das war das erste Mal, dass ich im TV diese Fakten präsentiert bekam, aber das war’s dann auch schon. Im weiteren Verlauf wurde sie von der Richterin in männlicher Form angesprochen oder eine Polizistin sagte mal sinngemäss, dass diese Frau von der Jury nicht wegen der Tat sondern wegen ihrem Geschlecht beurteilt würde. Schlussendlich wurde sie verurteilt und kam in ein Männergefängnis, weil ihr genitaler Geschlechtsstatus noch nicht stimmte. Es kam wie es kommen musste, keine 24 Stunden später wurde sie in den Spital eingewiesen, mit blutiggeschlagenem Gesicht, nachdem sie mehrfach vergewaltigt wurde.

      Das reichte, um wieder mal alles hervorzuholen, was ich so gerne vergesse, wenn ich der Süsse des Lebens nachfolge. Ich bin eine Frau in einer Gesellschaft, die mich als Mann betrachtet, egal welchen offiziellen Geschlechtsstatus ich habe, da ändert auch eine Personenstandsänderung nicht viel. Ich lebe in einer Welt, in der nonkonforme Menschen belächelt, verhöhnt, angepöbelt oder getötet werden. Auch wenn Letzteres hierzulande noch nicht geschehen ist, der Rest reicht um einem das Leben schwer genug zu machen.

      Natürlich war das nur ein Film, pure Fiktion, all das ist nie geschehen. Aber Filme sind eine Projektion der Realität, das was hier erfunderweise zu sehen war, geschieht auch im realen Leben – tagtäglich. Es sind Geschichten die das Leben schrieben, in denen eine transsexuelle Frau in einem Männerknast vergewaltigt wird oder ins Gefängnis muss, weil sie ein Damenklo benützt hat oder grundlos verprügelt oder gefoltert und todgeschlagen wird nur weil sie das Leben führt, das ihr in die Wiege gelegt wurde, nur weil sie ist, wer und was sie ist.

      Lebenslust nicht wegen sondern trotz des Lebens

      Es macht mir mal wieder bewusst, dass Blicke eben doch weh tun, ich bin nur stark genug sie zu ertragen. Und auch ich habe Angst in den Ausgang zu gehen, weil meine Wesensart mir ein höheres Risiko von Übergriffen beschert, ich bin nur renitent und mutig genug, mich nicht vom Leben abhalten zu lassen. Und auch mich schmerzt es zu wissen, dass ich von vielen Menschen für immer als Mann betrachtet werde, also nie wirklich wahr!genommen werde, ich bin nur selbstbewusst genug um meinen Selbstwert nicht von Anderen zuweisen zu lassen. Es macht mir wieder bewusst, dass ich das Sperrfeuer der Transphobie nie verlassen werde – ein Leben lang………… und es macht mir wieder bewusst, wie wichtig es ist, dass ich die guten Tage geniesse, dass ich mir meine Lebenslust nicht nehmen lasse, dass ich mich bei Schussgeräuschen zwar in Deckung werfe aber nie liegen bleibe sondern weiter gehe, der Sonne entgegen, die nie aufhört zu scheinen, auch wenn man grad im Schatten liegt.

      Heute ist mir jedenfalls nicht mehr nach schottischer Pipe-Musik, heute finde ich mich eher in der Musik einer Anne Clark, die in ihrem Lied “Wallies” sinngemäss singt:

      Die Nacht ist für die Jäger – und die Gejagten sind Du und ich.
      Gejagt nur weil wir eine eigene Art der Identität haben.
      Die Nacht ist für die Jäger – und die Gejagten sind Du und ich.
      Gejagt nur weil wir eine eigene Art der Individualität haben.
      …..
      Sie spühlen ihre Aggression aus – und schlagen das was sie nicht verstehen.
      ……
      Wir müssen lernen, gegen die Macht der Irreführung zu kämpfen,
      nur um sein wie wir sein wollen.

      Ja, wir müssen wirklich kämpfen, gegen ein Barbie+Ken Geschlechterbild, das die Lebensrealität transsexueller Menschen ausblendet, nur um das eigene schwarz-weiss Denken nicht aufgeben zu müssen. Und wir werden kämpfen, zumindest ich werde kämpfen – weil wir sonst ewig die Gejagten bleiben werden.

      Transsexualität – Mein Einsatz geht weiter

      Aufgrund einer Anfrage im Kommentarbereich möchte ich dringend etwas klar stellen. Das Thema Transsexualität wird auch in diesem Blog weiter gehen und mein Einsatz für die Rechte von transsexuellen Menschen und die persönliche Unterstützung von Betroffenen werden ebenfalls einen wesentlichen Platz in meinem zukünftigen Leben haben. Mein Blog-Wechsel ist keinesfalls Ausdruck davon, dass ich dieses Thema hinter mir lassen will oder “untertauchen” will. Warum es trotzdem ein neues Blog brauchte, möchte ich nun hier etwas genauer erklären und auch anklingen lassen, inwiefern mich dieses Thema in Zukunft noch beschäftigen wird resp. was von mir zu erwarten ist.

      Ich bin mehr als meine transsexuelle Vergangenheit
      Mein letztes Blog sollte das “Tagebuch einer transsexuellen Frau” sein und somit war dieses Thema sowas wie das Rückgrat des Blogs, alles da drin war auf dieses Thema fokusiert. Es sollte diesen Transitions-Prozess beschreiben, vom ersten Tag des Outings bis zum Abschluss dieses Prozesses. Dieser Prozess ist nun bald zuende, ich warte nur noch auf die Personenstandsänderung und die kleine Nach-Operation und dann ist diese “Geschichte” geschrieben und in sich vollständig. Ich habe gemerkt, dass mich diese Themen-Fokusierung irgendwie bindet. Das ‘T’ vor meinem Namen war Verpflichtung und fesselte mein Denken an dieses Thema. Aber ich bin mehr als meine transsexuelle Vergangenheit. Auch wenn meine Persönlichkeit durch ein vier Jahrzehnte andauerndes Leben im falschen Körper geprägt wurde, kann und will ich mich nicht einzig durch diesen Aspekt definieren. Das war in diesen zwei Jahren notwendig und in den vier Jahrzehnten vorher unumgänglich, aber die neue Freiheit die ich mir erkämpft habe, erlaubt mir auch, das ein Stück weit loszulassen. Damit will ich nichts verleugnen, mein bisheriges Leben hat mich zu dem gemacht was ich heute bin, es gab mir die Two-Spirit Fähigkeit, mit der ich die Geschlechterwelten von zwei Perspektiven aus sehen kann, es gb mir die unerhörte Renitenz, meinen Weg auch allen Widrigkeiten zum Trotz gehen zu können und es gab mir den Mut und die Kraft, selbst das scheinbar Unmögliche zu wagen und schlussendlich sogar zu schaffen. Das alles macht mich aus, so werde ich auch in Zukunft sein.

      Frei genug für ganzheitliches Sein
      Dadurch, dass mein Alltag nicht mehr vollständig durch das Thema Transsexualität definiert ist, ja dass ich mich heute nicht mal mehr als transsexuell im Sinn von geschlechts-inkongruent wahrnehme, habe ich endlich den Kopf wieder frei für all die Dinge, die mir so sehr am Herzen liegen und einfach keinen Platz mehr hatten in den letzten zwei Jahren. Ich war schon immer eine Philosophin und ich hatte eine grosse Vorliebe für spirituelle Fragen. Religionen, Philosophen, Politik und Ökologie, all das sind mir wichtige Anliegen bis hin dazu, dass ich wieder Musik machen möchte, wieder Zeit finden möchte um im Wald rumzuliegen und vieles mehr. Für mich sind die “neuen Themen” kein Ersatz für das Thema “Transsexualität” sondern eine Erweiterung der Vielfalt meines Seins. Klar wird Transsexualität den anderen Themen Zeit und Platz abgeben müssen, aber es wird weiterhin genug Raum bekommen.

      Etwas Ruhe und Freiheit
      In den nächsten paar Monaten will ich das Thema Transsexualität bewusst etwas zurückstellen. Ich habe mich zwei Jahre lang damit aufgerieben und mein endlich freies Leben ist es wert, dass ich es jetzt mal etwas geniesse. Nach all den Kämpfen habe ich es verdient, dieses ewige Drehen um denselben Punkt mal etwas auszusetzen und mich dem Leben hinzugeben, ohne mich tagtäglich über Menschenrechtsverletzungen aufzuregen. Deshalb werde ich in diesem Blog vorerst das Thema etwas auslassen, das was wirklich gesagt werden muss zum Thema Transsexualität, werde ich in der Regel weiterhin im alten Blog berichten, wie gerade diese Woche die Sache mit der Personenstandsänderung. Wenn ich das alte Blogtagebuch in wenigen Monaten abschliesse, wird Transsexualität auch hier seinen wichtigen Platz bekommen.

      Transsexualität – zukünftige Strategien
      Pläne sind genug geschmiedet, mein Einsatz für transsexuelle Menschen wird weiter gehen, wenn ich mir genug der nötigen Ruhe gegönnt habe. Nebst persönlichen Betreuungen und meinen Info-Blogs zu dem Thema, habe ich ein paar zuckersüsse Pläne für eine Informations-Offensive, die ich zu gegebener Zeit mit Verbündeten (allen voran mit ATME) losrollen möchte. Ich glaube, dass Öffentlichkeitsarbeit momentan nebst politischem Lobbying das Wichtigste ist, um transsexuellen Menschen eine Chance zu geben in Zukunft. Daran werde ich arbeiten und habe bereits ein paar wirklich pfefferige Ideen ;-)

      Also keine Sorge, ich bleibe dran, es gibt viel zu tun, gemeinsam werden wir’s anpacken! Aber ich muss und will mein Leben auch geniessen, ich bin nicht nur als Kriegerin in dieses Leben gesetzt worden, ich bin auch um des Lebens Willen hier. Beidem will ich gerecht werden – alles zur gegebenen Zeit in erfordertem Mass ;-)

      Klartext: “Wir sind Helden” sind im Bild

      Bisher war die Band “Wir sind Helden” mehr vom Namen her ein Begriff, aber seit heute sind sie für mich wahre Helden, weil sie vorzeigten, was gelebte Ethik ist. Und das kam so…….

      Die Bildzeitung ist ein gefährliches politisches Instrument – nicht nur ein stark vergrößerndes Fernrohr in den Abgrund,
      sondern ein bösartiges Wesen, das Deutschland nicht beschreibt, sondern macht. Mit einer Agenda.
      (Wir sind Helden)

      Ihr kennt ja Bild (oder in der Schweiz Blick), dieses Boulevard-Blatt, das jahrein jahraus billige Polemik für den dummen Menschen produziert. Sie fallen vorallem dadurch auf, dass sie null Information mit viel Dreck, Kot und anderen Ausscheidungen produzieren, sie führen Kampagnen-Journalismus, bei dem man irgend eine grad unbeliebte Person, Minderheit oder sonstige “Randständige” ins Visier nimmt und mit allem auf sie ballert, was nicht angebunden ist. Deppen-Journalismus sozusagen, von Idioten, für Idioten. Bild, Blick und Konsorten zeichnen sich dadurch aus, dss sie mit entwürdigenden, beleidigenden oder sonstwie unter die Gürtellinie zielenden Schlagzeilen im Stil von “Transe aus dem Fenster gefallen” Aufmerksamkeit des gewöhnlichen Strassenkleffers (Homo Bellikus) erregen, um dann mit möglichst kurzem Text und möglichst noch weniger Inhalt möglichst viel Volksverhetzung zu betreiben. Idealerweise macht man sich mit despektierlichem Ton über das auserwählte Journalistenopfer her, versucht diese Person oder Volksgruppe möglichst lächerlich zu machen, damit der dumme Leser ganz doll mitlachen kann – wir sind ja ein einig Volk von Umunsbeissenden.

      Weil der dumme Mensch braucht sowas, er will sich ja von der Tragik seines eigenen Daseins ablenken und da braucht es einen Zerrspiegel, der ihm seine eigene Dümmlichkeit verzerrt auf Andere projeziert – deshalb muss man auch die Bild-Opfer möglichst verhöhnen und niedermachen, das tut dem einfachen Leser gut – Psychohygiene für Kleingeistige sozusagen. Und damit verdienen sich diese Schundblätter – in Analogie zum Leser – dumm und dämlich. Und so werden sie zu den meistgelesenen Blättern, weil sie so ja irgendwie die Mehrheit füttern. Nein, nicht füttern, mästen, denn mit weiterem Gift aus der Bild-Spritze wird ihr gehässiges und intolerantes Kläffer-Hirn mit noch mehr geistigem Durchfall gefüttert, bis es platzt.

      Und hier braucht es Helden, wie “Wir sind Helden”, die sich diesen Brandstiftern öffentlich entgegen stellen und ihnen mal so kräftig die Hosen runterlassen. Die Werbeagentur “Jung von Matt”, die auch für die Hetzschrift “Bild” die Werbetrommel rührt, hat seit einiger Zeit eine Kampagne, in der irgendwelche Promis oder Normalsterbliche ein Statement abgeben über Bild. Wir sind für alle da, wollen sie uns damit sagen – und merken nicht, dass sie uns damit eigentlich beleidigen. Jedenfalls hat diese Agentur nun die Band “Wir sind Helden” angefragt, ob sie sich auch für die Bildleser zum Affen machen lassen, es sollte sogar für einen guten Zweck sein, joh klaaaahhhr. Die Antwort, die diese Band der Agentur zurück geschickt und auf ihrer Website veröffentlicht habt, ist wirklich ein Wink mit dem Zaunpfahl und in meinen Augen ein glorreiches Bekenntnis für mehr Ethik in der Medienwelt. Die Anfrage der Agentur samt Antwort der Band ist momentan hier zu lesen. Die Antwort selbst kann nicht oft genug wiederholt werden, deshalb dupliziere ich diesen Text hierhin – sozusagen, ganz im guttenberg’schen Sinne, als Plagiat mit Quellenangabe ;-)

      Liebe Werbeagentur Jung von Matt,

      bzgl. Eurer Anfrage, ob wir bei der aktuellen Bild -​Kampagne mitmachen wollen:

      Ich glaub, es hackt.

      Die laufende Plakat-​Aktion der Bild-​Zeitung mit sogenannten Testimonials, also irgendwelchem kommentierendem Geseiere (Auch kritischem! Hört, hört!) von sogenannten Prominenten (auch Kritischen! Oho!) ist das Perfideste, was mir seit langer Zeit untergekommen ist. Will heißen: nach Euren Maßstäben sicher eine gelungene Aktion.

      Selten hat eine Werbekampagne so geschickt mit der Dummheit auf allen Seiten gespielt. Da sind auf der einen Seite die Promis, die sich denken: Hmm, die Bildzeitung, mal ehrlich, das lesen schon wahnsinnig viele Leute, das wär schon schick… Aber irgendwie geht das eigentlich nicht, ne, weil ist ja irgendwie unter meinem Niveau/evil/zu sichtbar berechnend… Und dann kommt ihr, liebe Agentur, und baut diesen armen gespaltenen Prominenten eine Brücke, eine wackelige, glitschige, aber hey, was soll’s, auf der anderen Seite liegt, sagen wir mal, eine Tüte Gummibärchen. Ihr sagt jenen Promis: wisst ihr was, ihr kriegt einfach kein Geld! Wir spenden einfach ein bisschen Kohle in eurem Namen, dann passt das schon, weil, wer spendet, der kann kein Ego haben, verstehste? Und außerdem, pass auf, jetzt kommt’s: ihr könnt sagen, WAS IHR WOLLT!

      Und dann denken sich diese Promis, im Rahmen ihrer Möglichkeiten, irgendeine pseudo -​distanziertes Gewäsch aus, irgendwas “total Spitzfindiges”, oder Clever-​ Unverbindliches, oder Überhebliches, oder… Und glauben, so kämen sie aus der Nummer raus, ohne ihr Gesicht zu verlieren. Und haben trotzdem unheimlich viele saudumme Menschen erreicht! Hurra.

      Auf der anderen Seite, das erklärt sich von selbst, der Rezipient, der saudumme, der sich denkt: Mensch, diese Bild -​Zeitung, die traut sich was.

      Und, die dritte Seite: Ihr, liebe jungdynamische Menschen, die ihr, zumindest in einem sehr spezialisierten Teil eures Gehirns, genau wisst, was ihr tut. Außer vielleicht, wenn ihr auf die Idee kommt, “Wir sind Helden” für die Kampagne anzufragen, weil, mal ehrlich, das wäre doch total lustig, wenn ausgerechnet die…

      Das Problem dabei: ich hab wahrscheinlich mit der Hälfte von euch studiert, und ich weiß, dass ihr im ersten Semester lernt, dass das Medium die Botschaft ist. Oder, noch mal anders gesagt, dass es kein “Gutes im Schlechten” gibt. Das heißt: ich weiß, dass ihr wisst, und ich weiß, dass ihr drauf scheißt.

      Die BILD -​Zeitung ist kein augenzwinkernd zu betrachtendes Trash-​Kulturgut und kein harmloses “Guilty Pleasure” für wohlfrisierte Aufstreber, keine witzige soziale Referenz und kein Lifestyle-​Zitat. Und schon gar nicht ist die Bild -​Zeitung das, als was ihr sie verkaufen wollt: Hassgeliebtes, aber weitestgehend harmloses Inventar eines eigentlich viel schlaueren Deutschlands.

      Die Bildzeitung ist ein gefährliches politisches Instrument — nicht nur ein stark vergrößerndes Fernrohr in den Abgrund, sondern ein bösartiges Wesen, das Deutschland nicht beschreibt, sondern macht. Mit einer Agenda.

      In der Gefahr, dass ich mich wiederhole: ich glaub es hackt.

      Mit höflichen Grüßen,
      Judith Holofernes

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