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Der Abgrund zwischen Pränataldiagnostik und Eugenik

downeugen Seit einem Jahr ist in der Schweiz ein Test auf Trisomie-21 (Down-Syndrom) frei erhältlich, dieser Gen-Test ermöglicht auf relativ einfache Weise zu erkennen, ob ein Kind mit Down-Syndrom zur Welt kommen wird. Früher ging das nur mittels Test des Fruchtwassers, was nicht nur aufwändig war sondern auch für das Embryo gefährlich, eines von hundert untersuchten Embryonen wurde geschädigt. Diese Vereinfachung des Tests klingt nett, blickt man jedoch etwas weiter, merkt man schon bald mal, dass wir damit die Grenze zwischen Pränataldiagnostik und Eugenik massiv aufweichen. Was vielleicht gut gemeint ist, entwickelt sich meines Erachtens zu einer Türöffnung für etwas, das wär längst der Vergangenheit angehörend glaubten – der selektionerte Mensch.

Eugenik bezeichnet die Anwendung wissenschaftlicher Konzepte
auf die Bevölkerungs- und Gesundheitspolitik
mit dem Ziel, den Anteil positiv bewerteter Erbanlagen zu vergrößern
und den negativ bewerteter Erbanlagen zu verringern.
(http://de.wikipedia.org/wiki/Eugenik)

Eugenik der Vergangenheit

Mit Schrecken blicken wir zurück in eine Zeit, in der deutsche Nationalsozialisten leidenschaftliche Eugenik betrieben. Der perfekte Arier war gesucht und sollte gefördert werden, gute Gene verbreiten und schlechte Gene ausrotten. Egal ob das nun Juden, Zigeuner, Behinderte oder Homosexuelle waren, wer mal auf der Liste der “schlechten Anlagen” landete, war zum Abschuss freigegeben. Im harmlosen Fall bedeutete das Zwangssterilisierung, im schlimmsten Fall Ermordung. Auch die Schweiz hatte ihre dunklen Kapitel, so wurden bei uns beispielsweise Jenische (Zigeuner) in psychiatrische Kliniken gesteckt und ihre Kinder wurden den Eltern entrissen (Pro Juventute – Kinder der Landstrasse), aber auch andere “Non-Konforme” zwangspsychiatrisiert, mit Elektroschocks “behandelt” oder zwangssterilisiert – alles im Dienste einer “Ausrottung der schlechten Anlagen”.

Down-Syndrom: Kein Recht auf Leben

Dieser Test signalisiert,
dass ein Leben mit Downsyndrom ein unwerteres, leidvolles Leben sei,
obschon man heute weiss, dass auch sie ihr Potenzial entwickeln
und ein glückliches Leben führen können.
(CVP-Nationalrätin Lucrezia Meier-Schatz)

Diese Zeiten sind vorbei, dachte ich lange Zeit – wie sehr ich mich doch täuschte. Menschen mit Down-Syndrom gehören zu den Ersten, denen offiziell der Lebenswert aberkannt wird. Warum ausgerechnet die, entzieht sich meinem Verständnis. Wer schon mal Betroffene beobachtet hat, wird auch bemerkt haben, dass die in vielen Fällen ein recht glückliches Leben führen können. Sie brauchen zwar mehr Unterstützung als Andere, aber sie leben, lieben, fühlen und träumen wie wir alle auch. Wer diese Erfahrung noch nicht gemacht hat, sollte vor dem Weiterlesen wenigstens kurz in nachfolgende Doku reinschauen. Da sieht man eine jener Frauen, die ein Down-Syndrom haben. Wer den Standpunkt vertritt, dass dies ein Grund zur Abtreibung sei, der soll bitte diese Doku anschauen und dann nochmal darüber nachdenken, ob dieses Mädel wirklich kein Lebensrecht hat. Ich hatte Tränen in den Augen, als ich diese Doku sah, nicht wegen der Doku selbst sondern weil mir ständig im Hinterkopf herumspukte, dass Menschen wie sie von unserer Gesellschaft zur Tötung freigegeben wurden – zumindest solange sie nicht geboren sind.
SF-DRS: Dok – Goethe, Faust und Julia

Der Erlaubnis zum Töten folgt der Zwang zur Tötung

Die Befürworter solcher Tests betonen stets, dass es ja freiwillig sei und niemand davon Gebrauch machen müsse. Stimmt das wirklich? Vor einiger Zeit führte ich eine längere Diskussion in den Kommentarspalten deiner renomierten Tageszeitung. Es dauerte nur wenige Kommentare lang, bis sich einer zu Wort meldete der sinngemäss sagte: “Da solche Tests nun möglich sind, sollten wir uns überlegen, ob wir Eltern, die so einen Test nicht machen lassen, die Unterstützung durch die Krankenkasse verweigern. Sie hätten es ja vermeiden können, also sind sie selber für die Folgen verantwortlich”. Nun, das Positive, die Mehrheit der Kommentierenden war wie ich geschockt über diese Äusserung, aber wie lange noch? Wenn solche Tests mal zum Standard gehören, wird es für so eine Haltung früher oder später eine Mehrheit geben. Je mehr Menschen mit DownSyndrom abgetrieben werden, desto mehr ecken die Überlebenden an. Und nicht zuletzt haben die Krankenkassen ein grosses Interesse daran, solche Leistungen zu verweigern, falls sie dazu die Möglichkeit hätten.
Downsyndrom: Angst vor einem Test oder vor den Kosten?

Dieser Test kann dazu führen, dass Eltern,
die keine Untersuchung vornahmen,
von Versicherungsleistungen ausgeschlossen werden,
wie dies bereits heute in der IV der Fall ist.
Das ist ethisch bedenklich.
(CVP-Nationalrätin Lucrezia Meier-Schatz)

Wer ist lebenswert, wer rentiert für diese Gesellschaft?

Ein weiterer Einwand der schnell mal kommt, ist die finanzielle Wertbemessung für die Gesellschaft. So Menschen bringen der Gesellschaft nichts, liest man in solchen Diskussionen, warum also solche Menschen zulassen, wenn man anstelle dieses “Behinderten” ja ein anderes, gesundes Kind zur Welt bringen könnte, das der Gesellschaft auch etwas beizusteuern vermag. Oha, wie wertvoll muss ein Mensch der Zukunft sein, damit wir ihn am Leben lassen? Irgendwie kann ich nicht fassen, dass es Menschen gibt, die in der Frage um das Lebensrecht Anderer finanzielle Kriterien einbringen.

Und was ist überhaupt “behindert”?

Die aus dieser Entwicklung resultierenden Fragen gehen jedoch noch viel weiter. Was gilt denn überhaupt als “behindert”? Es gibt viele “Erbkrankheiten” die genetischen Ursprungs sind, neben Down-Syndrom gäbes da auch Autismus, Diabetes, Depression, MultipleSklerose, Schizophrenie, Parkinson, das und vieles mehr gehört zu den Krankheiten, die genetisch bedingt oder verstärkt sind. Konsequent weiter gedacht stellt sich also die Frage, wen wir als nächstes zum Abschuss freigeben. Wenn wir als Gesellschaft sagen, dass man ein Kind abtreiben darf, wenn es ein DownSyndrom hat, warum sollten wir dann nicht weiter gehen und genauso verfahren mit Menschen, die später eine der vielen anderen Krankheiten bekommen? Und um die Frage etwas auf die Spitze zu treiben, wenn wir schon Menschen mit “schlechten Anlagen” vorgeburtlich töten, nur weil sie eben so sind wie sie sind, warum sollten wir dann nicht auch bereits geborene Menschen im Dorfbrunnen ersäufen, wenn sie sich als nicht-rentabel herausstellen? Wer setzt hier Grenzen, wer bestimmt was als “behindert” oder “krank” gilt, wer spricht die Todesurteile?

Wohin führt uns dieser Weg?

Wie lange wird es dauern, bis wir zur Sanierung der AHV entscheiden, dass wir zukünftig Kinder mit einer genetischen Prädisposition für Alzheimer oder Parkinson schon vor der Geburt abschiessen? Kommt irgendwann der Tag, an dem religiöse oder andere Fundamentalisten auch die Abtreibung von homosexuellen oder transsexuellen Menschen fordert (falls sich da wirklich eine genetische Prädisposition findet)?

Diese Entwicklung macht mir echt Angst, nicht weil ich davon betroffen wäre sondern deshalb, weil es in mir die Befürchtung weckt, dass der Mensch sich noch weiter zu einem gefühlskalten Klotz entwickelt, dass der moderne Mensch je länger desto mehr nur noch als Wertschöpfungsobjekt betrachtet wird.

Eugenik ist nicht für sondern GEGEN den Menschen

Denjenigen, die sich vertiefter mit dem Down-Syndrom beschäftigen möchten, empfehle ich diese TV-Sendung:
Leben mit dem Down-Syndrom (Quarks & Co: 08.05.2012)

Diejenigen, die sich in die Geschichte der Eugenik einlesen möchten, finden hier mehr als ein gesunder Mensch ertragen kann:
3. Der Psychiatrie-Holocaust der “zivilisierten” Welt mit Vorreiter Schweiz – Sterilisierungen und Euthanasie in Zürich

Alle Anderen bitte ich, wenigstens diese kurze Video anzuschauen und darüber nachzudenken, ob all diese Menschen wirklich keinen Lebenswert haben.

Transsexuelle Menschen – Doch, es gibt uns wirklich!

Ein wichtiges Anliegen sollte es doch sein, transsexuelle Menschen endlich davon zu befreien, dass gesellschaftlich immer noch allzu häufig so getan wird, als gebe es eine (womöglich auch noch als “biologisch” behauptete) Realität einerseits und das Geschlecht transsexueller Menschen andererseits nur als “Phantasie”, “Empfindung” oder “Wunsch”.

Transsexuelle Menschen sind Teil dieser Welt und keine Phantasie.

So emanzipiert wollen wir sein, dass transsexuelle Menschen als existent angesehen werden können, ohne sich gefallen lassen zu müssen als die “Anderen” – ganz im Sinne Simone de Beauvoirs – angesehen zu werden.

Emanzipation fängt da an, wo Menschen sich als selbstständig begreifen.
Es gibt transsexuelle Menschen die das tun.

(ATME e.V.)

Ich bin es so leid, diesen nie endenden Strom aus Geschlechtswechsler-Stories zu lesen, Woche für Woche findet sich erneut in Medium das diese Mär verbreitet und Woche für Woche finden sich transsexuelle Menschen, die die Aufrechterhaltung dieser Lüge bedienen als gäbe es sie selbst nicht – das macht mich immer mal wieder ratlos und traurig, es ist höchste Zeit, hier mal Klartext zu reden………

Es gibt keine Geschlechtswechsler

Niemand kann sein Geschlecht wechseln und ich kenne auch niemanden, der das will. Es gibt vielleicht Menschen, die das andere Geschlecht beneiden und lieber dem anderen Geschlecht angehören, aber mit so einem unerfüllten Wunsch kann man leben, dafür legt man nicht das ganze soziale Leben in Schutt und Asche. Etwas ganz Anderes sind transsexuelle Menschen, sie wären nicht einfach lieber dem anderen Geschlecht zugehörig sondern sie sind diesem (anderen) Geschlecht zugehörig. Die Frage ist für transsexuelle Menschen nicht “wie möchte ich sein” sondern “wie bin ich”. Jeder Mensch kann dies zweifellos für in Anspruch nehmen, aber wenn äussere Geschlechtsmerkmale dieses Selbst-Wissen in Frage stellen, wird einem dieser Anspruch verweigert – die eigene Gewissheit, wer man ist, wird zum Wunsch erklärt, man wird zum Geschlechtswechsler ernannt – und damit faktisch als Inexistent klassifiziert.

Mann, Frau und schweigende Mehrheit dazwischen

Wir wissen längst, dass ein Y-Chromosom nicht der heilige Gral der Geschlechtsbestimmung ist, weil der Mythos XY = Mann, XX = Frau hinfällig ist in Anbetracht von mittlerweile mindestens fünf Chromosomenvariationen bis hin zu XXY und X. Wir wissen ebenfalls, dass das Hormonsystem vorallem während der Embryonalphase die Geschlechtsentwicklung in jede erdenkliche Richtung leiten können und wir wissen, dass es genetische Variationen gibt, die in all diesen Bereichen dazwischenfunken können. Und nicht zuletzt wissen wir, dass es eine Vielzahl an unterschiedlichen Selbstwahrnehmungen gibt bei Menschen, von 100% Männern zu 100% Frauen über feminime Männer oder burschikose Frauen über verschiedenste Zwischenstufen zwischen Minipenis und vergrösster Klitoris bis hin zu transsexuellen Menschen, die sozusagen ein weibliches Hirn in männlichem Restkörper sind oder umgekehrt. All das hat eine klare Konsequenz: Wir können aufhören mit dem Irrglauben, wir hätten ein binäres Geschlechtssystem, es gäbe nur Mann und Frau und nichts dazwischen – wir sind Individuen, nicht Barbie und Ken Puppen.

Psychopathologisierung = Aberkennung der Existenz

In der Psychologie hat es ja Tradition, dass alles was nicht der Mehrheit entspricht erst mal als gestört klassifiziert wird. Wer vom postulierten Normalfall abweicht, ist irgendwie krank, da braucht es ein schickes Etikett namens Diagnose und im Idealfall Heilungsmöglichkeiten, notfalls um jeden Preis, ungeachtet den Bedürfnissen der Betroffenen. So ist es auch kein Wunder, dass man transsexuelle Menschen wie vorher “frigide Frauen” oder später homosexuelle Menschen als abnormal klassifiziert.

Da konnte eine transsexuelle Frau noch so darauf bestehen, dass sie eine Frau ist und nur die Geschlechtsmerkmale sich nicht ihrem Geschlecht entsprechend entwickelt haben, man klassifizierte diese Frau als gestörten Mann. Der Penis ist schliesslich das Mass aller Dinge und wenn jemand mit Penis behauptet, eine Frau zu sein, dann muss “er” ja schliesslich komplett einen an der Waffel haben. Damit aberkennt man faktisch die Existenz von transsexuellen Frauen, weil man sie zu gestörten Männern ernennt – und umgekehrt werden transsexuelle Männer zu gestörten Frauen erklärt – ich überlasse es den nicht-transsexuellen LeserInnen zu versuchen, sich sowas vorzustellen.

Existenzklosigkeit tut weh

Mit diesem normierungswütigen Gleichschaltungswahn, mit dem man eine Frau zu einem gestörten Mann erklärt, beginnt einer der lebenserschwerendsten und schmerzhaftesten Aspekte von transsexuellen Menschen. Wenn diese Gesellschaft mich zu einem “gestörten Mann” erklärt, streitet sie mir damit mein Frausein komplett ab. Aber ich, also die einzige die wirklich ihr Geschlecht beurteilen kann, bin von klein an bis heute absolut davon überzeugt, eine Frau zu sein, mein gesamtes Selbstverständnis ist weiblich. Wenn man mich zum Mann ernennt, verweigert man mir die Existenz als das was ich in Wirklichkeit bin – und das tut unglaublich weh, echt, daran kann man sich glaub nie gewöhnen.

Die Existenz als Existenzlose

Keine Woche vergeht ohne dass ich wieder irgendwo in den Medien etwas lese oder höre, das mir in dieser Weise die Existenz aberkennt. Transsexuelle Frauen sind persönlichkeitsgestörte Männer die lieber eine Frau wären – die ihr Geschlecht wechseln – die früher mal Männer waren…….. so und ähnlich prügelt es Woche um Woche auf uns nieder, begleitet vom Chor intoleranter Forentrolle, die mit Weisheiten wie “XY=Mann, wird nie eine Frau” über “dem Schöpfer ins Werk pfuschen” bis hin zu “wäh Transe” dieser ganzheitlichen Ignoranz noch die Krone aufsetzen.

Keine Woche die vergeht in der mir diese Welt nicht mit grossen Lettern meine angebliche Nichtexistenz um die Ohren haut. Und ich sitz da, guck verwirrt um mich, weiss mehr denn je wie sehr ich lebe und existiere……. und das trotz angeblicher Inexistenz – erstaunlich, nicht? Glaubt mir, das ist unglaublich surreal und dieses absurde Theater stösst mich immer wieder vor den Kopf und schlägt mir an manchen Tagen fast den Schädel ein.

Gebt uns unsere Existenz zurück

Eine Gesellschaft die behauptet, transsexuelle Frauen seien Männer die Frauen sein wollten und die ihr Geschlecht umwandeln lassen würden, leugnen damit, dass es transsexuelle Menschen gibt, sie leugnen damit, dass ich existiere – und das ist ein Menschenrechtsverbrechen – weil man mir und Meinesgleichen das Recht aberkennt, zu wissen, wer wir sind. Wir haben mehr als genug wissenschaftliche Studien, die zeigen, dass Transsexualität eine biologische Variation ist, dass ob wir’s wollen oder nicht auch Menschen zur Welt kommen, deren sichtbares Geschlecht nicht eindeutig oder irreführend erscheint. In Anbetracht davon, dass wir wissen, dass das Geschlecht nicht fremdzugewiesen werden kann, sollten wir endlich aufhören damit zu behaupten, transsexuelle Frauen seinen Männer.

Tränen der Stille – Masken im Gesicht
Lichter werfen Schatten und halten es im Licht
Verführt sich zu erklären, während es zerbricht
Tränen der Sehnsucht – Masken im Gesicht
Und es steht hier – das Kind
Mit Tränen im Gesicht
(Lacrimosa – Tränen der Sehnsucht)

Trans*Menschen und der Mut zu sich selbst zu stehen

Dieser Blogbeitrag ist nicht nur an die Gesellschaft gerichtet, sie richtet sich auch und vorallem an transsexuelle Menschen. Seid mutig genug und steht zu Euch selbst, erklärt Euch so wie Ihr wirklich seid und nicht so wie eine unsichtbare Gesellschaftsnorm Euch einstuft. Hört auf, immer wieder diesen Quatsch mit “ich war früher….. und wollte schon immer lieber…..”, nur weil Ihr glaubt, man würde Euch so besser verstehen. Verständnis nützt nichts, wenn das Verstandene falsch ist, damit sollten wir uns nicht zufrieden geben. Und hört auch auf mit diesem Geschlechtsumwandlungsquatsch. Die Welt wird diesen Lernprozess nie durchlaufen, wenn wir nicht endlich den Mut haben und uns als das definieren, was wir sind. Wenn eine Frau von sich selbst sagt, sie sei ein Mann der lieber eine Frau wäre, nur weil sie denkt, der Andere würde ihr sonst verbieten, als Frau zu leben, dann ist das einfach nur noch absurd – damit entwürdigt man sich selbst mehr als es die Gesellschaft je tun könnte.

Mut oder Leben!

Ich weiss, es braucht ungeheuren Mut um dafür einzustehen, wer man ist, wenn man doch weiss, dass die Meisten einem anders (un)wahrnehmen. Es ist für Andere einfacher zu verstehen, dass ein Mann eine Frau sein will als dass eine Frau mit männlichen Geschlechtsmerkmalen existieren soll – aber so leid es mir tut – es ist nicht wahr – und wenn wir uns selbst als das verleugnen, dann leugnen wir damit unsere Existenz als das was wir sind – dann gibt es uns nicht wirklich, dann können wir nur noch ein Leben als wandelndes Trugbild führen, dann sind wir irgendwie einfach nur noch tot.

Klartext von Mut23.de

Letzten Monat ist ein guter Artikel auf Mut23.de publiziert worden, das war einer der Funken die in letzter Zeit übersprangen und mich drängten, diesen längst geplanten und doch nie geschriebenen Beitrag zu schreiben. Ich empfehle dringend, hier weiterzulesen, der Text hat es in sich und bringt Vieles sehr prägnant auf den Punkt:
Kritische Gedanken zum 17. Mai, dem Tag auch gegen Transphobie, oder, warum ich die “Transgender”-Ideologie selbst für transphob halte

Dazu passend hielt Kim anlässlich des “Jahrestag des Stonewall Riots” im Regierungspräsidum in Stuttgert im Namen von ATME eine Rede zu genau diesem Thema gehalten, ebenfalls sehr sehr empfehlenswert:
Die Zeit ist reif: Rede zum CSD-Empfang im Staatsministerium Ba-Wü

Gefühle und so

Auch wenn ich mir die Lebensfreude durch dieses leide Thema nicht nehmen lasse und die meiste Zeit meines Alltags quietschvergnügt bin, so stürzt dieses Thema doch immer mal wieder über mich wie ein Tsunami und macht mich traurig und noch mehr als das ratlos. In so Momenten fühle ich mich unglaublich schwach und hilflos, wage kaum zu glauben, dass dieser Irrsinn irgendwann ein Ende nehmen kann, dass mir jemand zuhört, dass man wahr!nimmt, versteht…. und so schwach ich mich in so Momenten fühle, so laut möchte ich auch aufbegehren und aufrütteln und es hinausschreien – irgendwie so………

Und dort liege ich immer noch,
bereit zu sterben, bereit zu verfallen
Bereit mich selbst zu vergessen
So wird keine Träne fliessen
So wird keine Seele trauern
So hat es mich nie gegeben !
(Lacrimosa – Tränen der Existenzlosigkeit)

Mobbing – Homophobie und Transphobie sind tödlich

Heute möchte ich Euch jemanden vorstellen. Das ist Jamey Rodemeyer, ein 14-jähriger amerikanischer Junge. Jamey ist eigentlich ein ganz normaler Junge, er wird von seinem Umfeld sehr geschätzt, ist sensibel, lebensfroh und sozial engagiert.

Nur in einem unterscheidet sich Jamey von anderen Jungs, Jamey ist schwul. Und noch in etwas unterscheidet er sich von Jugendlichen dieses Alters, er ist mutig und tapfer genug um zu seiner Wesensart zu stehen, er steht zu sich obwohl er deswegen gemobbt wird.

Vor einiger Zeit hat Jamey dieses Video veröffentlicht, ein “Alles wird besser” Video, in dem er wie viele andere Schwule, Lesben, Transsexuelle und sonstwie Stigmatisierte sich gegenseitig Mut zusprechen und so die Hoffnung aufrecht erhalten, dass es in dieser Gesellschaft wirklich besser wird, dass Menschen wie Jamey oder ich eines Tages nicht mehr als Stigmatisierte gelten, dass all der Spott und Hohn eines Tages endet.

Ich bitte Euch, dieses Video nun genau anzuschauen, auch wenn Ihr den englischen Text nicht versteht, betrachtet diesen liebenswürdigen Jungen, beobachtet seine schüchterne Körpersprache, erspürt seine Sensibilität………

Das war Jamey Rodemeyer, ein 14-jähriger amerikanischer Junge……. nur in einem unterscheidet sich Jamey von anderen Jungs……. Jamey ist tot, er hat sich letzten Sonntag das Leben genommen.

Jamey reiht sich damit ein in eine Unzahl von homosexuellen Jugendlichen, die dem Druck einer homophoben Gesellschaft nicht mehr standhalten konnten. Seit seinem Outing wurde er in der Schule und von anderen Jugendlichen aufs Heftigste gemobbt, er wurde verhöhnt und verspottet. Kurz vor seinem Tod schrieb er in seinem Blog: “Ich sage immer, wie sehr ich gemobbt werde, aber das interessiert niemanden. Was muss ich tun, damit Leute mir zuhören?” und wenige Tage vorher schrieb er: “Ich wäre so glücklich wenn ich sterben könnte”. Sind das die Worte, die ein 14-Jähriger aussprechen sollte? Wie brutal muss eine Gesellschaft sein, dass ein 14-jähriger Junge solche Empfinden hat, weil man ihn derart ausgrenzt und kaputt macht, bis er sich nicht mehr anders zu helfen weiss als sich das Leben zu nehmen? Aber wundert es einem, dass ein Junge nicht mehr weiter weiss, wenn er beispielsweise über sich liest: “Jamey ist stupid, schwul, fett und hässlich, er muss sterben”?

Das Wort “Homophobie” leitet sich ab von der Vorstellung, dass wir das ablehnen, wovor wir uns fürchten, in der Regel ist es “das Fremde”, in welcher Gestalt auch immer es uns begegnet. Die Angst vor dem Fremden, die Xenophobie, macht Menschen zu Fremdenhassern, Homophobie führt zu Schwulenhass und Transphobie zu Transsexuellenfeindlichkeit. Eine Studie der Columbia University mit 32’000 Elftklässlern zeigt erschreckende Fakten. Homosexuelle resp. lesbische Jugendliche haben eine viermal höhere Selbstmordversuchsrate als der Durchschnitt. Die Studie zeigte auch, dass das Suizidrisiko umso grösser ist, wenn das soziale Umfeld negativ mit der Homosexualität der Betroffenen umgeht. Homosexuelle Menschen, die von ihrem Umfeld nicht gestützt werden, haben ein 20% höheres Suizidrisiko, das sollte uns wirklich zu denken geben.

Ich kenne diese Abgründe der Gesellschaft mehr als mir lieb ist. Als Kind wurde ich oft verspottet, weil ich so feminin war. Man hielt mich ja für einen Jungen und fand das total lustig, dass ich “so weibisch” bin. Und heute, da ich nun endlich meinem wirklichen Geschlecht entsprechend als Frau lebe, muss ich wieder hie und da spöttische Blicke ertragen, vorallem von Kindern und Jugendlichen. Oft habe ich mich gefragt, warum ich nicht schon als Kind mutig genug war um so für mich einzustehen, warum ich vierzig Jahre lang mich selbst verleugnete. An so Tagen wie heute wird mir mal wieder klar warum, ich wäre damals wie Jamey nicht stark genug gewesen um die hässliche Seite der Gesellschaft zu erdulden, ich wäre genau wie er kaputt gegangen an der Grausamkeit dieser Welt.

An Jugendliche:

Wenn Du Dich mal wieder lustig machen möchtest über einen Mitschüler, dann erinnere Dich daran, dass Mobbing tödlich sein kann, halte Dir vor Augen, dass jährlich tausende von Kindern sich das Leben nehmen, weil sie das nicht ertragen können, was Du vielleicht grad im Begriff bist zu tun. Du weisst nicht, was die Zukunft für Dich bereit hält, vielleicht bemerkst Du eines Tages, dass Du homosexuell bist, vielleicht outet sich Dein Vater oder Deine Mutter als Homosexuelle oder Transsexuelle, vielleicht kommt der Tag, an dem man Dir “Schwuchtel” oder “Transentochter” oder “Krüppel” nachruft. Vielleicht kommt der Tag, an dem auch Du zu den Stigmatisierten dieser Gesellschaft gehörst, geh so mit Deinen Mitmenschen um wie Du es Dir erhoffen würdest in so einer Lage.

An Erwachsene:

Wenn Du Dich mal wieder lustig machen möchtest über einen Mitmenschen, nur weil dieser irgendwie anders ist, dann erinnere Dich daran, dass Verachtung und Verspottung tödlich sein können, halte Dir vor Augen, dass tausende von Menschen sich das Leben nehmen, weil sie mit dem Gespött durch Menschen wie Dich nicht mehr klar kommen.

An Eltern:

Wenn Ihr wirklich so erbärmlich seid, dass Ihr es nicht lassen könnt, Euch über Andere lustig zu machen, dann tut das wenigstens nicht in Anwesenheit Eurer Kinder, denn Eure Kinder lernen durch Euch solche Verhaltensweisen und wenn Ihr ihnen so ein Vorbild seid, werden sie eines Tages genauso asoziale Arschlöcher wie Ihr es seid.

An die Jugendlichen die Jamey gemobbt haben:

Redet Euch nicht ein, Jamey hätte sich selbst getötet, Ihr wart das, Ihr habt sein Leben auf dem Gewissen, mit dieser Schuld müsst Ihr nun leben. Und falls Eure Eltern mal wieder betonen, dass Gott angeblich Schwule hasst, dann vergesst nicht, dass Gott vorallem Mörder hasst, Ihr seid solche Mörder – willkommen in der Hölle!

An Mobbing-Opfer:

Und all den Mobbing-Opfern, die immer mal wieder an die Grenzen des Erträglichen anstossen, möchte ich diese alten Blogbeiträge von mir zum Nachdenken mitgeben…… glaubt mir, Ihr seid nicht allein!

Selbstmord – die vorweggenommene Niederlage
Transsexualität und Selbstsicherheit

An Jamey:

Ich kannte Dich nicht und so hörte ich Dich auch nicht, wie gerne wäre ich Dir beigestanden um diesen Widrigkeiten zu trotzen. Aber wenigstens jetzt wirst Du gehört, weit über Deine Landesgrenzen hinaus. Vielleicht bekommt Dein sinnloser Tod wenigstens so ein wenig Sinn. Es ist allseits bekannt, dass viel zu viele Jugendliche sich das Leben nehmen und es dürfte auch vielen bekannt sein, dass die Suizidrate von homosexuellen Jugendlichen vier mal höher ist als bei Anderen. Aber mit so Zahlen erreicht man keine Menschen, die Meisten sind nicht feinfühlig genug um hinter diesen Zahlen all die Schicksale zu erspühren. Durch Dich hat Homophobie und Mobbing ein Gesicht bekommen, möge die Welt wenigstens jetzt etwas daraus lernen, auch wenn es für Dich zu spät ist. Eines kann ich Dir versichern: Du hast mich berührt, mich zu Tränen gerührt……. ich hoffe, dass ich diese Rührung mit diesem Blogbeitrag weiter geben kann, damit Du nie vergessen wirst.

Wirklich tot sind nur die, an die niemand mehr denkt,
wir vergessen Dich nie, Jamey!

Mehr zu diesem traurigen Ereignis:

Queerdenker: Selbstmord eines 14-Jährigen in den USA
Fabio Huwyler: Paws Up!
Technorati: It Didn’t Get Better For Jamey Rodemeyer
John Shore: Christians and the Blood of Jamey Rodemeyer
Buffalo News: Teenager struggled with bullying before taking his life
Facebook Gedenkseite für Jamey Rodemeyer

They can verbally abuse me, they can torture me,
they can try to strip me bare of my dignity…
they can even take my life,
but they can never ever snatch who I am at my core…
I will always naturally express who I am on the outside,
Trans (and Homo) phobic social oppressors be damned!
(Arianna Davis)

UPDATE 23.9.2011: So traurig dieser Vorfall auch ist, es sieht danach aus, als ob die Welt von einer Solidaritätswelle erschüttert wird, infolgedessen das “Paws Up Forever Project” am entstehen ist. Dieses Video ist ein erstes Statement………. in dem Sinne…… PAWS UP *fauch*

UPDATE 26.09.2011: Die Musikerin “Lady Gaga” hat sich ihrem Fan angenommen und unterstützt die “Paws Up for Jamey” Bewegung an vorderster Front, hoffen wir, dass diese Welle nicht mehr aufhört, bis auch der hinterletzte Depp versteht: “Mobben ist was für Verlierer” (O-Ton Lady Gaga). Anlässlich eines Auftritts widmete sie Jamey ein Lied……

MTV: Lady Gaga – Kampf dem Mobbing
MTV: Lady Gaga – Song für Mobbing-Opfer
BlueWin: Lady Gaga gedenkt ihrem toten Fan
Queerdenker: Grossartige Lady Gaga

Transsexuelle Frauen im Sperrfeuer der Ignoranz

Transsexuell zu sein, also im falschen Geschlecht geboren zu leben, ist wohl eine der grössten Herausforderung, die das Schicksal einem Menschen in die Wiege legen kann. Die ganze Kindheit, die ganze Jugendzeit und oft auch das halbe Erwachsenenleben im falschen Geschlecht leben zu müssen, stets eine nicht dem Selbst entsprechende Geschlechterrolle einnehmen zu müssen, sich selber ständig verleugnen und konditionieren zu müssen, all das ist unvorstellbar schmerzhaft, viele gehen daran zugrunde.

Aber das ist nur ein Teil des Leids, es ist der Teil, der ein Stück weit unumgänglich ist – anders als die gesellschaftliche Stigmatisierung, das ständige Missverstandensein, das aus Unwissen und Falschvorstellungen geborene Belächeln, das transsexuelle Menschen in eine Rolle treibt, in der sie nichts zu suchen hätten. Und so bleibt auch im Leben einer Frau mit transsexueller Vergangenheit ein Schatten, der sie immer verfolgen wird – ein Schatten der aus dem Feuer des Missverstandenseins geworfen wird.

Selbst wenn man soviel Glück hat wie ich und in ein verlässliches soziales Gefüge eingebettet ist, viele Menschen hat die zu einem halten und ein zufriedenes und freies Leben führen kann, so stösst man doch immer wieder auf diese dunklen Seiten, die einem wieder ins Bewusstsein rufen, dass man zwar vielleicht respektiert, vielleicht sogar geliebt, aber nur in seltensten Fällen verstanden wird.

Gute Tage – instabile Tage

Es gibt Tage, an denen ich fit bin, an denen ich einfach mein Leben geniesse. An solchen Tagen kann mich nichts erschüttern, egal ob mich in der Öffentlichkeit gelegentlich jemand blöd anschaut, nicht mal wenn ich bemerke, dass mich jemand belächelt, es geht mir völlig am Hintern vorbei. Denn erstens habe ich gelernt, meinen Wert nicht von Fremden bemessen zu lassen und zweitens bin ich dank meiner neuen Freiheit so erfüllt von Lebensfreude und Lebenslust, dass mich kein Schatten trüben kann.

Aber es gibt auch Tage, an denen ich nicht so stabil bin, wer ist schon immer und jederzeit stark genug für die Widrigkeiten des Lebens. an solchen Tagen können Ereignisse, die ansonsten nur an der Oberfläche schürfen, sich plötzlich wie Rasierklingen ins Fleisch schneiden. Und an manchen Tagen kommen solche Schnitte sogar von mehreren Seiten und man findet sich selbst wieder im Sperrfeuer der Ignoranz. Manchmal sind es ganz harmlose Dinge die so einen Tsunami auslösen können, manchmal reicht eine fiktive TV-Serie um die Klingen bis zum Herz eindringen lassen.

Eine verpasste PipeNight

Heute ist so ein Tag. Seit Wochen freue ich mich auf heute Abend, weil in einem Zürcher Pub mal wieder die PipeNight stattfindet, an der ganz viele wirklich tolle Piper mit ihren schottischen Bagpipes auftreten. Es scheint mir Ewigkeiten her, dass ich zum letzten Mal eine dieser so geliebten Schallkanonen erlebt habe und seit über einem Jahr spiele ich ja selber nicht mehr (auch wenn ich vorhabe, irgendwann wieder zu beginnen). Ich freute mich auch, einige Leute die ich super mag dort wieder zu sehen, Leute aus “meiner Pipe-Band” vorallem. Aber ich musste absagen, eben weil heute so ein Tag ist.

Eine desinformierende Informationssendung

Angerissen wurde das Ganze gestern schon, als ich eine Ankündigung auf dem Schweizer Fernsehen las über eine “Dok Sendung” die im Mai ausgestrahlt wird, die von einer transsexuellen Frau handelt. Der Ankündigungstext war von der üblen Sorte, wie man es sich von Medien gewohnt ist. Meisterleistung war die Formulierung: “…. dokumentiert sie ihren Weg vom transsexuellen Mann zur Frau”. Ärgerlich daran war vorallem, dass Dok ansonsten gut recherchiert ist, gerade von so einem Format hätte ich mehr erwartet als das Rezitieren einer längst hinfälligen Psychopathologisierung. Ich nahm mir vor, dieses Wochenende die Redaktion zu kontaktieren, vielleicht ist es ja noch nicht zu spät um da noch etwas Information einzubringen. Jedenfalls legte diese Sache ein Fundament für das was dann kam.

Indentitätsnachweise des Nachts

Es folgte eine Nacht in der ich schlecht schlief und ständig so Quatsch träumte, der irgendwie mit meinem noch alten Ausweis zu tun hat, man sprach mir mein Geschlecht ab weil in meinem Ausweis ja noch das falsche Geschlecht steht. Um sieben Uhr weckte mich mein Futterlieferant, ich wachte mit Kopfschmerzen auf und fühlte mich schon ziemlich durch den Fleischwolf gedreht. Dass ich meine ebenfalls mitgelieferte neue Kaffeemaschine ausgiebig ausprobieren konnte, tröstete ein wenig, so lag ich dann eine Weile vor dem TV und guckte aufgenommene Krimis, schlussendlich einen von “Special victim unit”. Den hätte ich besser ausgelassen, denn der versaute mir dann als letzte Instanz die PipeNight.

Fiktion am TV als Projektion der Wirklichkeit

Es begann harmlos. Eine Frau erschlug einen Mann mit einer Vase und machte geltend, dass er sie vergewaltigen wollte und sie in Notwehr handelte. Bald kam ihr Freund unter Verdacht. Eine Blutuntersuchung brachte dann zutage, dass die Täterin transsexuell ist – oder wie die Polizisten so nett formulierten: “sie ist ein Mann” – auch das Wort “Transe” fiel natürlich. Da ihr Freund unter Verdacht war, sprachen sie ihn darauf an und offenbar wusste er noch nichts davon, drehte völlig durch, beschimpfte sie als “Freak” und tötete sich selbst. Das einzig positive an diesem Film war, dass während der Gerichtsverhandlung ein Psychiater auftrat, der genau das erklärte was ich ständig vorbete. Er erklärte, dass eine transsexuelle Frau eine weibliche Hirnanatomie hat, dass die geschlechtsbestimmende Region “BSTc” im Hypothalamus eine weibliche Struktur hat, er zeigte sogar dieselben Fotos auf die ich selber immer verweise. Das war das erste Mal, dass ich im TV diese Fakten präsentiert bekam, aber das war’s dann auch schon. Im weiteren Verlauf wurde sie von der Richterin in männlicher Form angesprochen oder eine Polizistin sagte mal sinngemäss, dass diese Frau von der Jury nicht wegen der Tat sondern wegen ihrem Geschlecht beurteilt würde. Schlussendlich wurde sie verurteilt und kam in ein Männergefängnis, weil ihr genitaler Geschlechtsstatus noch nicht stimmte. Es kam wie es kommen musste, keine 24 Stunden später wurde sie in den Spital eingewiesen, mit blutiggeschlagenem Gesicht, nachdem sie mehrfach vergewaltigt wurde.

Das reichte, um wieder mal alles hervorzuholen, was ich so gerne vergesse, wenn ich der Süsse des Lebens nachfolge. Ich bin eine Frau in einer Gesellschaft, die mich als Mann betrachtet, egal welchen offiziellen Geschlechtsstatus ich habe, da ändert auch eine Personenstandsänderung nicht viel. Ich lebe in einer Welt, in der nonkonforme Menschen belächelt, verhöhnt, angepöbelt oder getötet werden. Auch wenn Letzteres hierzulande noch nicht geschehen ist, der Rest reicht um einem das Leben schwer genug zu machen.

Natürlich war das nur ein Film, pure Fiktion, all das ist nie geschehen. Aber Filme sind eine Projektion der Realität, das was hier erfunderweise zu sehen war, geschieht auch im realen Leben – tagtäglich. Es sind Geschichten die das Leben schrieben, in denen eine transsexuelle Frau in einem Männerknast vergewaltigt wird oder ins Gefängnis muss, weil sie ein Damenklo benützt hat oder grundlos verprügelt oder gefoltert und todgeschlagen wird nur weil sie das Leben führt, das ihr in die Wiege gelegt wurde, nur weil sie ist, wer und was sie ist.

Lebenslust nicht wegen sondern trotz des Lebens

Es macht mir mal wieder bewusst, dass Blicke eben doch weh tun, ich bin nur stark genug sie zu ertragen. Und auch ich habe Angst in den Ausgang zu gehen, weil meine Wesensart mir ein höheres Risiko von Übergriffen beschert, ich bin nur renitent und mutig genug, mich nicht vom Leben abhalten zu lassen. Und auch mich schmerzt es zu wissen, dass ich von vielen Menschen für immer als Mann betrachtet werde, also nie wirklich wahr!genommen werde, ich bin nur selbstbewusst genug um meinen Selbstwert nicht von Anderen zuweisen zu lassen. Es macht mir wieder bewusst, dass ich das Sperrfeuer der Transphobie nie verlassen werde – ein Leben lang………… und es macht mir wieder bewusst, wie wichtig es ist, dass ich die guten Tage geniesse, dass ich mir meine Lebenslust nicht nehmen lasse, dass ich mich bei Schussgeräuschen zwar in Deckung werfe aber nie liegen bleibe sondern weiter gehe, der Sonne entgegen, die nie aufhört zu scheinen, auch wenn man grad im Schatten liegt.

Heute ist mir jedenfalls nicht mehr nach schottischer Pipe-Musik, heute finde ich mich eher in der Musik einer Anne Clark, die in ihrem Lied “Wallies” sinngemäss singt:

Die Nacht ist für die Jäger – und die Gejagten sind Du und ich.
Gejagt nur weil wir eine eigene Art der Identität haben.
Die Nacht ist für die Jäger – und die Gejagten sind Du und ich.
Gejagt nur weil wir eine eigene Art der Individualität haben.
…..
Sie spühlen ihre Aggression aus – und schlagen das was sie nicht verstehen.
……
Wir müssen lernen, gegen die Macht der Irreführung zu kämpfen,
nur um sein wie wir sein wollen.

Ja, wir müssen wirklich kämpfen, gegen ein Barbie+Ken Geschlechterbild, das die Lebensrealität transsexueller Menschen ausblendet, nur um das eigene schwarz-weiss Denken nicht aufgeben zu müssen. Und wir werden kämpfen, zumindest ich werde kämpfen – weil wir sonst ewig die Gejagten bleiben werden.

Entrechtete Transsexuelle – wer bestimmt das Geschlecht?

Seit drei Monaten blödle ich nun schon mit Gerichten und Ämtern rum, um meine Vornamens- und Personenstandsänderung durchzukriegen, keine Hürde die ich überwinde ohne dass weitere Hürden auftauchen. Selbst jetzt, nachdem ich ein rechtsgültiges Gerichtsurteil in den Fingern habe, konnte ich meinen Ausweis nicht bestellen, weil irgendwelche tausend Ämter noch nicht ihren Segen dazu gegeben haben. Und das macht mich langsam aber sicher echt sauer und es ruft mir mal wieder ins Bewusstsein, dass ich nicht nur seit drei Monaten mit diesen Ämtern den Kasper mache sondern seit zwei Jahren faktisch entrechtet bin und dass dieser ganze Blödsinn nicht nötig wäre, wenn transsexuellen Menschen die europäischen Menschenrechte gewährt würden, die wir eigentlich ratifiziert haben. Höchste Zeit, mal wieder Tacheles zu reden.

Das Geschlecht kann NIE zugewiesen werden
Wenn man die medizinischen Fakten anerkennt, dann bleibt einem nichts Anderes als festzustellen, dass das Geschlecht eines Menschen nicht zugewiesen werden kann. Weder das genetische Geschlecht noch das genitale Geschlecht noch das gonodale Geschlecht und erst Recht nicht das Hirngeschlecht können von aussen her eindeutig und zu 100% zugewiesen werden. Das genitale Geschlecht ist nicht immer verlässlich, bei intersexuellen Menschen (Zwitter) gilt es in vielen Fällen sogar faktisch als unzuweisbar und auch das genetische Geschlecht ist nicht in allen Fällen klar zuweisbar, es gibt beispielsweise Frauen mit XY Chromosom oder Menschen mit XXY Chromosom, eine hundertprozentige Sicherheit gibt es da nicht. Es gibt nur eines was absolute Sicherheit bietet und unveränderlich ist, die Gewissheit der betroffenen Person um das eigene Geschlecht. Es können tausend Ärzte tausend Untersuchungen machen, sie werden nie mit absoluter Sicherheit ein Geschlecht zuweisen können. Im Gegensatz dazu haben Menschen von Kindheit an die feste Gewissheit um das eigene Geschlecht.

Die Gewissheit um das eigene Geschlecht
Gerade der menschenverachtende Umgang mit intersexuellen Menschen hat in erschreckender Weise gezeigt, dass die Gewissheit um das eigene Geschlecht durch nichts veränderbar ist. Man hat jahrzehntelang Menschen “mit nicht zuweisbarem Geschlecht” kurz nach der Geburt genitalverstümmelt, hat ihnen ein Geschlecht zugewiesen, sie diesem Geschlecht entsprechend benannt und bekleidet, sie diesem Geschlecht entsprechend erzogen und wenn alles nichts nützte sie mit menschenunwürdigen Verhaltenstherapien weichgekocht. Alles hat nichts genützt, die Betroffenen behielten die Gewissheit ihres Geschlechts. Was man in der psychologischen Fachsprache als “Geschlechtsidentität” benennt, ist schlussendlich nichts Anderes als das Geschlecht selbst und das ist so tief verankert, dass weder Chromosomen noch Genitalien noch Geschlechtszuweisungen etwas daran ändern.

Wer bestimmt das Geschlecht?
Wenn wir also davon ausgehen müssen, dass es keine sichtbaren und messbaren Kriterien gibt, mit denen das Geschlecht eines Menschen von aussen her mit abschliessender Sicherheit zugewiesen werden kann und wenn wir weiters davon ausgehen, dass die Gewissheit um das eigene Geschlecht von klein an feststeht und unveränderlich ist, wie in aller Welt kommen wir dann dazu, dass transsexuelle Menschen sich fremdbestimmen lassen müssen? Wenn ich als betroffene Person das einzig verlässliche Kriterium bin für meine eigene Geschlechtszuweisung, warum brauche ich dann jahrelange Therapieprozesse, Begutachtungen und Gerichtsurteile um mir bestätigen zu lassen, was ich längst weiss?

Menschenrecht auf Selbstbestimmung
Die europäischen Menschenrechte fordern ein Recht auf Selbstbestimmung für alle Menschen, die Schweiz hat diese Konventionen ratifiziert und übernommen. Obwohl ich Anspruch hätte auf das Recht auf Selbstbestimmung und obwohl ich die einzige Person bin, die mein eigenes Geschlecht mit Sicherheit bestimmen kann weil nur ich selbst weiss, wer und was ich bin, trotzdem wird mir diese Selbstbestimmung verweigert. Anstelle echter Selbstbestimmung war ich gezwungen, mich gegen meinen Willen von psychiatrischen Gutachtern begutachten zu lassen, man verweigerte mir ein Jahr lang medizinische Hilfe weil man einen sogenannten Alltagstest forderte, so als ob ich nicht genau wüsste, welchem Geschlecht ich angehöre. Ich musste mir während eines Jahres Begutachtung eine Psychopathologisierung erarbeiten, damit ich überhaupt eine rechtliche Anerkennung bekomme. Um es deutlicher zu sagen: Um als die Frau die ich bin anerkannt zu werden, muss ich mich zuerst mit einer langen Begutachtung zu einem persönlichkeitsgestörten Mann erklären lassen, bis ich meinen Personenstand meinem Geschlecht anpassen darf – was ist das denn für eine bekloppte Logik?

Entrechtung durch Psychopathologisierung
Die Grundlage zur Entziehung der Menschenrechte basiert auf der Psychopathologisierung von transsexuellen Menschen. Man entmündigt sie, weil man ihnen unterstellt, sie seien gestörte Menschen und zur Diagnose einer Geisteskrankheit bräuchte es halt entsprechende Abklärungen. Man will sicher sein, dass “dieser Mann wirklich eine Frau sein will”. Diese Sichtweise ist längst widerlegt, darüber habe ich oft genug in meinem alten Tagebuch geschrieben. Wir wissen heute, dass die geschlechtsbestimmenden Hirnregionen von transsexuellen Menschen von Grösse und Neuronendichte her dem Geschlecht entsprechen, das sie für sich in Anspruch nehmen. Eine transsexuelle Frau ist also kein Mann der eine Frau sein will sondern eine Frau mit Genitalien, die vom eigenen Geschlecht abweichen. Trotz der überwältigenden Faktendichte hält die Psychiatrie-Lobby nachwievor an ihrem veralteten Weltbild fest und lässt Betroffene weiterhin eine Odyssees von Begutachtungen, Behandlungsstandards und entwürdigenden Diagnosen durchlaufen. Während dieses ganzen Prozesses bleiben Betroffene entrechtet, die Anerkennung ihres Geschlechts wird verweigert.

Klartext
Um es mal zusammenzufassen, wir haben angeblich selbstbestimmte Menschen, die ganz genau wissen welchem Geschlecht sie angehören, wir haben keinerlei Möglichkeiten, das Geschlecht von aussen bestimmen zu lassen, weil weder Chromosomen noch Genitalen eine 100%-ige Zuweisung erlauben. Und wenn die Fremdzuweisung nicht mit der Selbstwahrnehmung übereinstimmt, ignoriert man das einzig unumstössliche Kriterium für eine Geschlechtszuweisung, zwingt Betroffene in einen mehrjährigen Albtraum quer durch sogenannte Behandlungsstandards, erklärt sie zu persönlichkeitsgestörten Menschen um dann irgendwann vielleicht so gnändig zu sein, sie als gestörte Männer ein Leben als Frau leben zu dürfen – oder umgekehrt.

Ich bin eine Frau, war es immer und werde es immer sein. Aber ich wurde erst als Frau anerkannt, nachdem ich mich zum gestörten Mann erklären liess, nachdem ich eine psychiatrische Begutachtung über mich ergehen liess obwohl es sich hier nicht um eine psychische Störung handelt und last but not least selbstverständlich (verfassungswidrig) sterilisiert war, weil es ja achso tragisch wäre, wenn transsexuelle Menschen sich vermehren könnten.

Ehrlich gesagt, ich wüsste nicht, wie man einem Menschen der unsäglich schweres Leid durchmachen musste, noch mehr schaden könnte – und ich wüsste nicht, wie man einem leidenden Menschen noch mehr Würde entziehen könnte.

Es entzieht sich vollständig meinem Verständnis, wie ich auf die abstruse Idee kommen könnte, ich wäre besser in der Lage das Geschlecht eines Menschen zu bestimmen als dieser Mensch selbst. Und es bringt mich an den Rand des Verstands bei der Frage, was für ein Teufel mich reiten müsste, damit ich jemandem das Geschlecht entgegen seinem eigenen Selbstverständnis zuweisen würde.

Noch mehr Klartext
Ich weiss nicht wie ich die dahinterliegende Tragik begreiflich machen soll, denen die nie in so einer Situation waren. Aber stell Dir mal vor, man würde Dir Dein Geschlecht absprechen. Stell Dir vor Du müsstest nun Dein Geschlecht beweisen, indem Du ein Jahr lang diesem Geschlecht entsprechend lebst ohne dass man Dir hilft, Dich währenddem analysieren und begutachten lässt, Dich schlussendlich zum gestörten Angehörigen des anderen Geschlechts erklären lässt und dann sterilisieren lässt – um zu bewiesen dass Du Deinem Geschlecht entsprichst……. würdest Du dann noch glauben, Du hättest ein selbstbestimmtes Leben?

Und wenn ich mir noch ein wenig mehr Klartext erlauben darf:

Müssen transsexuelle Menschen wirklich bis auf den letzten Blutstropfen ausgeblutet werden, bis man ihnen etwas Menschenwürde zuspricht?

Der 100. internationale Frauentag

Heute ist der hundertste internationale Frauentag, zum ersten Mal gehöre ich offiziell dazu, Grund genug mir mal darüber Gedanken zu machen. Schliesslich war ich verrückt genug, meine patriarchats-bedingten Vorteile abzugeben, nun befürworte ich erstmals die Gleichberechtigung nicht mehr aus ideologischen sondern aus persönlichen Gründen. Klar, wir Mädels haben viel erreicht in den letzten hundert Jahren, sogar in der Schweiz dürfen wir seit einigen Jahrzehnten selber abstimmen, Wahnsinn was? Aber es gibt immer noch genug Aspekte des Lebens, in denen wir Frauen im Nachteil sind, über diese wollen wir uns heute mal ein paar Gedanken machen.

Lohngleichheit
Das Bundesamt für Statistik belegt, dass Lohnunterschiede zwischen den Geschlechtern nachwievor aktuell sind, auch wenn diesbezüglich einiges besser wurde. Noch immer gibt es bei gleicher Anstellung um die 20% weniger Lohn für Frauen, vorallem in höheren Stellungen wird der Unterschied markanter. Ausserdem haben Frauen, die eine familienbedingte “Auszeit” hatten, kaum noch Chancen, in ihrem alten Berufsfeld Fuss zu fassen. Da gäbe es meines Erachtens noch eines zu verbessern.

Frauen in Führungspositionen
Wie beim Bundesamt für Statistik nachzulesen ist, sind Frauen je nach Region zwischen 10 und 20% in Führungspositionen vertreten. Dies ist nicht nur für Frauen unerfreulich sondern auch rational nicht nachvollziehbar, wenn man die 4 McKinsey Studien liest, in denen klargestellt wird, dass eine bessere Vertretung von Frauen in Führungsschichten die ganze Firma erfolgreicher macht, weil Frauen nunmal anders ticken und eine grosse Bereicherung wären für Firmenleitungen. Solange wir nicht 50% der Führungspositionen belegen, ist unsere Wirtschaft ganz einfach nicht optimal, es wäre als im Interesse aller, dass wir da endlich eine vernünftige Durchmischung hätten.

Frauen in der Politik
Ebenfalls beim Bundesamt für Statistik ist nachzulesen, wie schlecht vertreten Frauen hierzulande in der Poltiik sind. Seit Kurzem haben wir Frauen zwar erstmals in der Geschichte eine Mehrheit im Bundesrat, aber ansonsten sieht es übel aus, im Ständerat sind wir mit 22% vertreten und im Nationalrat mit fast 30% auf einem bisherigen Höchststand. Wenn man die Zahlen beim BfS genauer anschaut, sieht man, dass der Frauenanteil in der Politik stetig am zunehmen ist, wir sind also auf einem guten Weg, aber noch lange nicht am Ziel. Denn in der Politik gilt wie in der Wirtschaft, eine gute Durchmischung erweitert den Horizont, nur gemeinsam können wir zur vollen Stärke auftrumpfen. Zu Denken geben müsste uns, dass wir gemäss 20-Minuten den Stand eines Drittweltlandes haben:
Vormarsch der Frauen weit hinten

Frauenanteil der Parteien
Spannend ist in derselben Statistik der Frauenanteil der einzelnen Parteien. Während die SP bereits über 40% Frauenanteil im Nationalrat hat und die CVP auch schon auf 38% ist, sind es bei der Wirtschaftspartei FDP grad mal knapp 20% und bei der sogenannten Volkspartei SVP nur noch knapp lausige 13%. Scheinbar versteht die SVP unter Volk nicht das ganze Volk, Frauen gehören in diesen Kreisen offenbar nachwievor an den Herd. Und doch ist es erfreulich, wenn man sieht, dass von 1971 bis heute der Frauenanteil von 5% auf fast 30% angestiegen ist.

Frauen als Opfer von Sexualdelikten
Während wir in obigen Themen doch auf einem guten Weg sind, sieht es beim hässlichsten Kapitel der Frauengeschichte übel aus. Allein in der Schweiz wurde beispielsweise 2007 jeder dritte Tag eine Frau vergewaltigt und ein Viertel der Täter kam nicht mal ins Gefängnis – im Jahr 2009 stieg die Zahl auf 666 Vergewaltigungen und ich persönlich bin überzeugt, dass die Dunkelziffer ein Vielfaches davon ist. Der Fall Kachelmann zeigte in drastischer Weise, was ein Opfer alles über sich ergehen lassen muss. Oft steht es Aussage gegen Aussage und selbst wenn der Fall klar ist, kommt ein Ersttäter in der Regel mit einer bedingten Haftstrafe davon. Solange Täter davon ausgehen können, dass ihre Tat vermutlich eh nicht bewiesen werden kann und dass sie selbst im Fall einer Verurteilung mit einem blauen Auge davon kommen, haben wir hier keine Abschreckung, eine Vergewaltigung bleibt nachwievor ein Kavaliersdelikt. Es stellt sich mir die Frage, warum Männer so etwas tun. Auffällig ist, dass auf der ganzen Welt eine enorme Zunahme von Vergewaltigungen verzeichnet werden, sobald ein Land zu einem rechtsfreien Raum wird, in der Regel durch Bürgerkriege. Dann wird Vergewaltigung plötzlich zur Normalität oder gar zur kriegerischen Waffe. Man bekommt den Eindruck, als ob überraschend viele Männer ein Sexualdelikt verüben würden, wenn sie dürften, anders lässt sich dies nicht erklären. Umso mehr muss die Gesellschaft noch deutlicher machen, dass Männer das eben nicht dürfen, andernfalls dürfen wir uns nicht darüber wundern, dass Sexualdelikte in der jüngsten Generation massiv am zunehmen sind. Aber solange auch Gerichte mehrheitlich von Männern geführt werden und die Politik ebenfalls mehrheitlich in Männerhänden liegt, wird es wohl so weiter gehen und die Zahl der Opfer wird täglich höher. Traurig, aber wahr – auch am 100. internationalen Frauentag.

Frauen und Selbstverantwortung
Aber es reicht eben nicht, wenn wir Frauen nur ständig jammern über fehlende Gleichberechtigung. Wir haben das Stimmrecht, das ist echt kein Gerücht, das ist wirklich so. Und es reicht eben nicht, wenn wir uns über das Recht freuen, wir müssen es auch ausüben. Und das gilt auch für alle anderen obgenannten Themen, wir dürfen politische Ämter bekleiden und Firmen leiten, aber wir müssen’s auch tun, von alleine werden wir nicht dahin getragen. Also Mädels, stellt Euch zur Verfügung für politische Ämter, bewerbt Euch für Führungspositionen und diejenigen, die all das nicht tun können oder wollen……. unterstützt unsere Mädels wenigstens in den Firmen und bei den Wahlen. Wir haben es in der Hand – wir müssen’s nur in die Hand nehmen – oder so ;-)

Und wer noch mehr über den Frauentag lesen möchte, kann sich hier bei der Mädchenmannschaft reichlich bedienen:
Pamphlete und Patriarchatskritik – Lesestoff zum Hundertsten!

Transsexualität – Mein Einsatz geht weiter

Aufgrund einer Anfrage im Kommentarbereich möchte ich dringend etwas klar stellen. Das Thema Transsexualität wird auch in diesem Blog weiter gehen und mein Einsatz für die Rechte von transsexuellen Menschen und die persönliche Unterstützung von Betroffenen werden ebenfalls einen wesentlichen Platz in meinem zukünftigen Leben haben. Mein Blog-Wechsel ist keinesfalls Ausdruck davon, dass ich dieses Thema hinter mir lassen will oder “untertauchen” will. Warum es trotzdem ein neues Blog brauchte, möchte ich nun hier etwas genauer erklären und auch anklingen lassen, inwiefern mich dieses Thema in Zukunft noch beschäftigen wird resp. was von mir zu erwarten ist.

Ich bin mehr als meine transsexuelle Vergangenheit
Mein letztes Blog sollte das “Tagebuch einer transsexuellen Frau” sein und somit war dieses Thema sowas wie das Rückgrat des Blogs, alles da drin war auf dieses Thema fokusiert. Es sollte diesen Transitions-Prozess beschreiben, vom ersten Tag des Outings bis zum Abschluss dieses Prozesses. Dieser Prozess ist nun bald zuende, ich warte nur noch auf die Personenstandsänderung und die kleine Nach-Operation und dann ist diese “Geschichte” geschrieben und in sich vollständig. Ich habe gemerkt, dass mich diese Themen-Fokusierung irgendwie bindet. Das ‘T’ vor meinem Namen war Verpflichtung und fesselte mein Denken an dieses Thema. Aber ich bin mehr als meine transsexuelle Vergangenheit. Auch wenn meine Persönlichkeit durch ein vier Jahrzehnte andauerndes Leben im falschen Körper geprägt wurde, kann und will ich mich nicht einzig durch diesen Aspekt definieren. Das war in diesen zwei Jahren notwendig und in den vier Jahrzehnten vorher unumgänglich, aber die neue Freiheit die ich mir erkämpft habe, erlaubt mir auch, das ein Stück weit loszulassen. Damit will ich nichts verleugnen, mein bisheriges Leben hat mich zu dem gemacht was ich heute bin, es gab mir die Two-Spirit Fähigkeit, mit der ich die Geschlechterwelten von zwei Perspektiven aus sehen kann, es gb mir die unerhörte Renitenz, meinen Weg auch allen Widrigkeiten zum Trotz gehen zu können und es gab mir den Mut und die Kraft, selbst das scheinbar Unmögliche zu wagen und schlussendlich sogar zu schaffen. Das alles macht mich aus, so werde ich auch in Zukunft sein.

Frei genug für ganzheitliches Sein
Dadurch, dass mein Alltag nicht mehr vollständig durch das Thema Transsexualität definiert ist, ja dass ich mich heute nicht mal mehr als transsexuell im Sinn von geschlechts-inkongruent wahrnehme, habe ich endlich den Kopf wieder frei für all die Dinge, die mir so sehr am Herzen liegen und einfach keinen Platz mehr hatten in den letzten zwei Jahren. Ich war schon immer eine Philosophin und ich hatte eine grosse Vorliebe für spirituelle Fragen. Religionen, Philosophen, Politik und Ökologie, all das sind mir wichtige Anliegen bis hin dazu, dass ich wieder Musik machen möchte, wieder Zeit finden möchte um im Wald rumzuliegen und vieles mehr. Für mich sind die “neuen Themen” kein Ersatz für das Thema “Transsexualität” sondern eine Erweiterung der Vielfalt meines Seins. Klar wird Transsexualität den anderen Themen Zeit und Platz abgeben müssen, aber es wird weiterhin genug Raum bekommen.

Etwas Ruhe und Freiheit
In den nächsten paar Monaten will ich das Thema Transsexualität bewusst etwas zurückstellen. Ich habe mich zwei Jahre lang damit aufgerieben und mein endlich freies Leben ist es wert, dass ich es jetzt mal etwas geniesse. Nach all den Kämpfen habe ich es verdient, dieses ewige Drehen um denselben Punkt mal etwas auszusetzen und mich dem Leben hinzugeben, ohne mich tagtäglich über Menschenrechtsverletzungen aufzuregen. Deshalb werde ich in diesem Blog vorerst das Thema etwas auslassen, das was wirklich gesagt werden muss zum Thema Transsexualität, werde ich in der Regel weiterhin im alten Blog berichten, wie gerade diese Woche die Sache mit der Personenstandsänderung. Wenn ich das alte Blogtagebuch in wenigen Monaten abschliesse, wird Transsexualität auch hier seinen wichtigen Platz bekommen.

Transsexualität – zukünftige Strategien
Pläne sind genug geschmiedet, mein Einsatz für transsexuelle Menschen wird weiter gehen, wenn ich mir genug der nötigen Ruhe gegönnt habe. Nebst persönlichen Betreuungen und meinen Info-Blogs zu dem Thema, habe ich ein paar zuckersüsse Pläne für eine Informations-Offensive, die ich zu gegebener Zeit mit Verbündeten (allen voran mit ATME) losrollen möchte. Ich glaube, dass Öffentlichkeitsarbeit momentan nebst politischem Lobbying das Wichtigste ist, um transsexuellen Menschen eine Chance zu geben in Zukunft. Daran werde ich arbeiten und habe bereits ein paar wirklich pfefferige Ideen ;-)

Also keine Sorge, ich bleibe dran, es gibt viel zu tun, gemeinsam werden wir’s anpacken! Aber ich muss und will mein Leben auch geniessen, ich bin nicht nur als Kriegerin in dieses Leben gesetzt worden, ich bin auch um des Lebens Willen hier. Beidem will ich gerecht werden – alles zur gegebenen Zeit in erfordertem Mass ;-)

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