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Von Xenophobie über Homophobie zur Transphobie

In meinen Blogs taucht ja öfters mal der Ausdruck “Transphobie” auf und so manche LeserInnen dürften dabei zuerst mal etwas ratlos sein – hört man ja kaum sowas. Etwas bekannter ist der Ausdruck “Homophobie”, das kennt man doch schon eher, meist jedoch ohne zu verstehen was genau damit gemeint ist. Kaum jemand wird wissen, dass sowohl Transphobie als auch Homophobie eigentlich Unterarten von “Xenophobie” sind, der Angst vor dem Fremden.

Ich möchte diese Begriffe mal etwas beleuchten und vorallem mal der Frage nachgehen, woher all das kommt, wie wir als Gesellschaft damit umgehen müssten und nicht zuletzt, was für einen katastrophalen Schaden es bei “den Fremden” anrichtet.

Das wird mal wieder einer jener Blogbeiträge von mir, bei denen ich einer Frage nachgehe, die ich selber noch nicht beantworten kann, von der ich hoffe, dass ich während dem Schreiben der Antwort etwas näher kommen kann. Also mal alles der Reihe nach, das wird eine komplexe Geschichte…….

Des Menschen Umgang mit der Angst

Der Mensch reagiert auf Angst (Phobie) eigentlich wie alle anderen Lebewesen. Die Entstehung von Angst bewirkt sofort ein Mobilisieren aller Resourcen und es stellt sich nur eine Frage: Kämpfen oder Fliehen? Die Entscheidung fällt in Sekundenbruchteilen und man rennt – oder macht das Ding platt. Diese Angst müsste sich aber spätestens dann auflösen, wenn man erlebt, dass die Angst unbegründet ist. Von Phobie redet die Psychologie dann, wenn so eine Angst sich nicht auflöst und zu Leiden führt – für sich selbst oder für Andere.

Xenophobie – die Angst vor dem Fremden

Xenophobie ist die Angst vor allem Fremden, vor dem Unbekannten. Diese Angst die in der ältesten unserer Hirnschichten beheimatet ist, macht an sich Sinn. Wenn Du zum ersten Mal durch einen Dschungel läufst und plötzlich eine Schlange vor Dir über den Boden kriecht und Du noch nie eine Schlange gesehen hast, wirst Du mit Recht in Alarmbereitschaft versetzt. Was in aller Welt ist das denn, ein Lebewesen ohne Beine, mit einer Haut wie ein aufgespannter Regenschirm? Ist es gefährlich? Kann ich es essen?

Die erste Reaktion beim Erscheinen von Unbekanntem ist mit Recht Vorsicht. Zuerst wird man wohl weichen, wird den Rest des Abends ratlos darüber nachdenken, was das wohl für ein komisches Ding war. Und je nach Charaktertyp wird die Angst sich mit jedem Gedanken potentieren oder man wird neugierig und interessiert.

Das Problem bei rassistischen Menschen liegt scheinbar darin, dass sie diese Angststufe nie überschreiten, sie wagen nicht, sich wirklich mal mit diesem Unbekannten auseinanderzusetzen. Und da man in unserer Gesellschaft kaum noch ausweichen kann, verspüren sie den Drang zu kämpfen, dieses Unbekannte zu be-kämpfen.

Das Dilemma bei der Xenophobie ist vorallem, dass diese Prozesse unbewusst ablaufen. Xenophobe reagieren in der Regel empört, wenn man ihnen beispielsweise Rassismus vorwirft. Das macht Xenophobe therapieresistenter als die meisten anderen Phobiker – vorallem deshalb, weil viele Rassisten ideologisch konditioniert sind und deshalb wie alle ideologisch Eingeschworenen kaum noch für Argumente empfänglich sind.

Homophobie

Homophobie hat wie mir scheint mehrere Ursprungsformen. Einerseits eben diese xenophobe Komponente, weil es einfach nicht normal ist, dass ein Lebewesen keine Beine hat und auf dem Bauch kriecht. Diese Leute können oft “geheilt” werden, wenn sie beispielsweise in ihrem persönlichen Umfeld einen Freund haben, der sich plötzlich als schwul outet. Wie jeder andere Phobiker lernen sie so, dass die ja gar nicht böse sind, dass die eigentlich genau wie sie selbst sind, das Unbekannte wird bekannt und die Angst löst sich auf.

Religiöse Homophobie

Ein weiterer möglicher Ursprung für Homophobie ist Religion. Vorallem die drei semitischen Religionen (Judentum, Christentum, Moslem) lesen aus ihren heiligen Schriften heraus, dass Homosexualität Sünde sei. Das hält zwar wie andersweitig schonmal aufgezeigt einer genaueren Überprüfung nicht stand, trotzdem hält sich diese Vorstellung vorallem bei Fundamentalisten hartnäckig – so hartnäckig, dass sie locker das Gebot der Nächstenliebe über Bord schmeissen und von Hass getrieben gegen Homosexuelle vorgehen.

Dabei handelt es sich so gesehen weniger um echte Xenophobie sondern eher um religiösen Wahn – auch der kann therapiert werden – und es gäbe einen wirklich spirituellen Umgang damit, indem diejenigen lernen würden, sich auf ihre persönliche Beziehung zu Gott und ihren persönlichen Glauben zu konzentrieren, anstatt über Andere herzufallen, weil sie sich einreden, sie würden religiösen Ruhm ernten, wenn sie “die Bösen” niedermachen.

Verdrängungs-Homophobie

Amerikanische Psychologen zeigten männlichen Probanden pornografische Filme mit schwulen Männern. Bei Versuchspersonen, die in einer Befragung zuvor homophobe Tendenzen gezeigt hatten, beobachteten die Forscher in 54 Prozent der Fälle sexuelle Erregung, ­ bei nicht Homophoben waren es hingegen nur 24 Prozent.

Während Xenophobie und herkömmliche Homophobie sowohl Angst vor dem Fremden als auch religiös motivierte Ursprünge haben können, gibt es bei der Homophobie noch eine zusätzliche Ursprungsform, die Psychologen Verdrängung und Projektion nennen. Entgegen der weit verbreiteten Irrmeinung, es gäbe bei der sexuellen Ausrichtung nur schwarz und weiss, ist es in Wirklichkeit so, dass kaum jemand 100% einzuordnen ist, die meisten haben eine Komponente in sich, die sie auch zum eigenen Geschlecht zieht. Ist diese sehr klein, spürt man davon gar nichts und hat auch kein Problem damit. Ist sie grösser, anerkennt man sich früher oder später als bisexuell oder homosexuell – oder man verdrängt diese Gefühle, weil man sehr früh wahrnimmt, dass wir in einer homophoben Gesellschaft leben und dass man sich einer Menge Ärger aussetzt, wenn man nicht in der Spur läuft. Siehe hierzu: Psychologen suchen Gründe für Homophobie

Doch alles was man verdrängt, bohrt in einem rum. Verdrängung funktioniert nicht nachhaltig, es kommt früher oder später immer wieder hoch. Und das wiederum löst eine noch grössere Abwehr aus, die dann darin mündet, dass man den Ekel vor sich selbst auf Andere projeziert – eben die, die so sind, wie man selber auch wäre, wenn man sich denn lassen würde. Und das löst noch viel mehr Agression aus als herkömmliche Xenophobie oder Homophobie, weil in diesem Verdrängungszustand jeder Homosexuelle eine ernsthafte Bedrohung ist für die eigene psycho-emotionale Abwehr.

Man darf davon ausgehen, dass diese Menschen zu den renitentesten Bekämpfern von Homosexuellen zählen, weil es bei ihnen nicht mehr uns Fremdsein oder um Fanatismus geht, bei ihnen geht es um den Schutz ihres konstruierten Ichs, das zusammenzufallen droht, wenn sie hier Risse zulassen. Dass solche Prozesse noch viel unbewusster ablaufen als alles bisher hier geschriebene, dürfte jedem einleuchten.

Transphobie

So wie Homophobie eine “erweiterte Form” von Xenophobie ist und zusätzliche Auslöser haben kann, genauso ist Transphobie eine Erweiterung der Homophobie. Da gemäss offiziellen Zahlen angeblich nur jeder zehntausendste Mensch transsexuell ist, sind transsexuelle Menschen natürlich noch viel seltener als bi-/homosexuelle Menschen, die immerhin etwa 10% der Bevölkerung ausmachen dürften. Umso heftiger ist dann die Reaktion, wenn man so einem ungewöhnlichen Exemplar der menschlichen Spezies begegnet.

Genauso wie Homophobie kann auch Transphobie Folge von religiösem Fanatismus sein, was eigentlich skurril ist in Anbetracht davon, dass dieses Thema in keiner der heiligen Schriften der Religionen angesprochen wird. Und genauso wie Homophobie kann Transphobie auch eine Folge eigener Verdrängung sein.

Wenn die Geschlechtsbinarität zusammenbricht

Bei der geschlechtlichen Identität gibt es jedoch noch viel mehr Diskrepanzen als bei der sexuellen Orientierung, das gesellschaftliche Schwarz-Weiss-Bild der Geschlechter ist weitaus fundamentalistischer, es ist so ausgeprägt, dass es sich kein Mann leisten kann, “weibische Allüren” zu haben und keine Frau kann sich “burschikoses Verhalten” leisten. Die Geschlechterstereotypen sind so unbarmherzig radikal, dass wir schon fast Amok laufen, wenn ein Junge mal mit einem Barbie spielt. Infolgedessen muss eigentlich jeder Mensch gewisse Wesensanteile unterdrücken, weil es sich für einen Mann einfach nicht gehört, verzückt an Blumen zu schnüffeln und eine Frau die flucht ist eh des Teufels.

So verdrängen alle einen Teil Ihrerselbst und dann kommt jemand, der all das über den Haufen wirft? Zum Einen ist das nur schon deshalb blanke Provokation, weil es einem spüren lässt, dass in einem selbst eigentlich auch Sehnsüchte schlummern und dass man selber eigentlich auch nicht voll und ganz sich selbst ist. Zum Anderen wird einem so vor Augen gehalten, dass man selbst eigentlich auch die Wahl hätte, dieses Verhaltensgefängnis zu verlassen, wenn man denn stark genug wäre, diese gesellschaftliche Spannung auszuhalten. Und das nervt total, wenn auch nur unbewusst.

Der kleine Unterschied bei der Transphobie

Aber erst jetzt wird es so richtig spannend, denn nun wird’s echt obskur. Während bisher alles rational einigermassen gut nachvollziehbar ist, gibt es bei der Transphobie ein Phänomen, das dem Verstand nur noch schwer zugänglich ist, nämlich die Tatsache, dass Transphobie gegenüber transsexuellen Frauen um ein Vielfaches heftiger ist als gegenüber transsexuellen Männern.

Es ist nicht zu übersehen, dass Medien beispielsweise von transsexuellen Frauen viel respektloser schreiben als von Männern, es gibt kein Pendant zum Wort “Transe” und bei trans*Männern wird auch fast ausnahmslos in der männlichen Form gesprochen, ganz im Gegensatz zu trans*Frauen, über die man in vielen Medien gern ebenfalls in männlicher Form schreibt – warum dieser Unterschied? Es ist beispielsweise auch so, dass in Komödien “der Mann in Frauenkleidern” der grösste Lacher ist, während “die Frau in Männerkleidern” kaum jemanden vom Hocker reisst.

Gemäss den bisherigen Gedanken ist diese plötzliche Unterscheidung nicht nachvollziehbar. Ich bin jetzt einfach mal so frech und frage nach dem Warum – und fieserweise habe ich zwei Verdachtspunkte, die schmerzlich sein könnten, aber heut wollen wir mal nicht feige sein und blicken den Abgründen der Menschheit einfach mal frech ins Gesicht ;-)

Transphobie im patriarchalen/phallozentrischen Weltbild

Irgendwie ist es doch verdächtig, wir leben in einer patriarchalen und phallozentrischen Welt, in der der Mann als Geschöpf Gottes gilt und die Frau ein aus einem Rippenknochen geschnitztes Objekt ist – und wir haben Verständnis, wenn “eine Frau ein Mann sein will”, lachen uns aber kaputt, wenn “ein Mann eine Frau sein will” – klingelts?

Natürlich stimmen diese Zuweisungen nicht, eine trans*Frau ist kein Mann der eine Frau sein will sondern eine Frau, deren sichtbarer Körper sich grösstenteils männlich entwickelt hat und umgekehrt. Aber dank der hier schon oft kritisierten Psychopathologisierung von transsexuellen Menschen steckt das vorläufig noch so in den Köpfen dieser Welt.

Wenn wir also aus dem Blickwinkel dieser Gesellschaft schauen und diesen Irrtum annehmen, warum sollten wir dann transsexuelle Frauen so lächerlich finden, während wir für transsexuelle Männer doch überraschend viel Verständnis aufbringen? Warum sollten wir so unterscheiden, wenn nicht, weil wir den Mann als Mass aller Dinge verstehen?

Gäbe es in unseren Köpfen keinen Wertunterschied zwischen Mann und Frau, wäre eine transsexuelle Frau genauso lustig oder nicht lustig wie ein transsexueller Mann – dem ist aber nicht so. Und das sollte eigentlich nicht nur uns trans*Frauen zu denken geben, viel mehr müsste das allen Frauen zu denken geben. Denn interessanterweise haben Frauen mit transsexuellen Menschen generell viel weniger Probleme, sie reagieren oft mehr mit Mitgefühl als mit Amusement. Aber für Jungs scheint es nichts Lustigeres zu geben als ein vermeintlicher Mann, der sich vermeintlich zur Frau macht. Es scheint mir offenslichtlich, dass vorallem Männer die Transition von transsexuellen Frauen als Wertverminderung betrachten – Downgrade nennt man das in der Informatik.

Transsexuelle Frauen als trojanische Pferde

Doch so logisch wie es auch scheint, dass Männer in einem patriarchalen Denkgefängnis glauben, eine transsexuelle Frau sei das lächerlichste auf Erden, mir persönlich reicht das noch nicht als Erklärung. Es erklärt vielleicht das Gelächter der Herren, erklärt aber nicht die Gehässigkeit, die man uns manchmal entgegenbringt. Seit drei Jahren beschäftige ich mich mit diesem Phänomen und bis heute ist mir nur eine Erklärung einleuchtend. Gehässigkeit ist Gewalt und Gewalt ist immer Reaktion auf vermeintliche Bedrohung. Doch was zum Kuckuck soll an einer trans*Frau bedrohlich sein? Durch die Hormontherapie reduziert sich ja sogar die Muskelmasse und die Agressionsbereitschaqft, es wird wohl kaum ein echter Kerl Angst davor haben, dass ein transMädel über ihn herfällt. Was also haben transsexuelle Frauen, was sie für Männer zur Bedrohung machen könnte – was ausser ihrem Insiderwissen?

Ooooops, Volltreffer? Ja wir haben Insiderwissen, ich habe vier Jahrzehnte auf der anderen Seite des Zauns gegrast, ich habe erlebt wie Männer unter sich sind, wie sie über Frauen denken und reden, ich habe genug Männer erlebt, die glaubten unter sich zu sein und dann aussprachen, was sie sonst nur denken, dann, wenn Frauen anwesend sind. Ich weiss, wie leicht so manche Männer eine Frau in ihrem Kopf zu einem Objekt machen können. Was, wenn ich all das ausplaudere, wie jetzt grad?

Die Whistleblowerinnen des patriarchalen Grauens

Ich habe genug Männerabende und Frauenabende erlebt um zu wissen, dass Männer unter sich einiges despektierlicher über Frauen herziehen als Frauen über Männer. Klar, wir Mädels lästern auch gern, sehr gern sogar, aber es hat selten etwas wirklich abschätziges, es ist eher so, dass wir Jungs manchmal einfach drollig finden und uns dann darüber etwas amüsieren. Aber ich habe noch nie erlebt, dass Frauen unter sich beispielsweise über Männer so reden, als ob diese nur ein Objekt wären – die Tussi möcht ich mal flachlegen – und ich glaube, dass so manche Frau entsetzt wäre, wenn sie hören würde, was ich schon gehört habe.

Um jetzt hier nicht eine männerfeindliche Stimmung aufzubauen, möchte ich wirklich betonen, dass selbstverständlich nicht alle Männer gleich sind, genauso wie nicht alle Frauen gleich sind. Aber die Tendenz im Sinn einer klaren Mehrheit ist verblüffend und gerade für uns Frauen wie ich meine auch erschreckend.

Transphobie? Die Frage bleibt unbeantwortet

Und so beende ich nun mit dieser Frage, die ich im Raum stehen lassen muss, weil ich sie nicht abschliessend beantworten kann. Sind transsexuelle Frauen vorallem deshalb eine solche Bedrohung für Männer, weil sie wissen, wie Jungs ticken, weil sie wissen, wie sie über nicht anwesende Frauen reden und weil wir wissen, wie Jungs die Mädels zwecks flachlegen erobern? Oder spinne ich mir da in diesem letzten Punkt etwas zusammen? Das zu entscheiden überlasse ich Euch, ich bin nicht zur Richterin berufen in dieser Frage – einzig im Rahmen dieses Themas zur Whistleblowerin – mea culpa ;-)

Transphobie – Exempel aus dem Sumpf der Boulevardmedien

Ein “schönes” Beispiel über Transphobie findet man grad dieser Tage beim Boulevard-Blatt 20-Minuten. Bemerkenswert ist einerseits die gezielt falsch formulierte Ansprache im Titel, noch bemerkenswerter sind jedoch die Kommentare. Wenn man die Kommentare genau durchliest, findet der aufmerksame Leser sogar ein Paradebeispiel, ich nenne jetzt keine Namen, aber es gibt da jemanden, der in vielen Kommentarsträngen seinen Senf dazu gab und jedes Argument argumentslos niederplättet – was mag der Grund sein für seine überbordende Abwehr? ;-)
20minuten: Er kann Kanadas schönste Frau werden

EUCH kann geholfen werden ;-)

Nur eines kann ich zu den Transphoben abschliessend sagen: Transphobie ist nicht unser Problem, es ist Euer Problem, Ihr könnt uns zwar das Leben schwer machen und Euer Problem damit zu Unserem machen, aber es ändert nichts daran, dass Ihr diejenigen seid, die ein Problem habt und dass Ihr diejenigen seid, die Hilfe brauchen würdet.

Die Wunden des Gelächters

Das Leben wird nicht einfacher durch die leider beachtliche Anzahl an primitiven Leuten in unserer vermeintlich aufgeklärten Gesellschaft…….
Umso schöner ist es, dass es dafür aber auch Leute gibt, die für einem einstehen, wenn die Primitiven sich mal wieder ihrer Dümmlichkeit hingeben.

Mit diesem Satz in meinem Facebook-Profil eröffnete ich den heutigen Tag und ahnte noch nicht, dass mich das Ganze noch den ganzen Tag beschäftigen würde. Nicht, dass die Erkenntnis um die Primitivität so mancher Zeitgenossen neu wäre, aber auch wenn es noch so “normal” ist, dass einem kleingeistige Menschen begegnen, gewöhnt man sich doch irgendwie nie so recht daran.

 

Wenn Andere sich an meiner Stigmatisierung stossen

Schaut mich nicht an! Ich bin kein Tier!
Nur ein Menschenkind – für euch ein fremdes Wesen – vielleicht
Mit Augen und Ohren, einem Herz und viel Gefühl
Und immer noch mit einem klaren und auch freien Verstand!
(Lacrimosa – Fassade 1. Satz)

Als ich heute morgen wie jeden Tag um Neun raus ging um mein Mittagessen von meiner Futterlieferantin entgegenzunehmen, war sie sichtlich aufgebracht und erzählte, sie hätte mich grad in Schutz genommen und hätte sich sowas von aufgeregt. Sie macht jeden Morgen zwischen Acht und Neun hier im Quartier rund um meine Firma ihre Runde, hält bei allen Firmen an und die Leute können bei Ihr Brötchen, Getränke bis hin zu kompletten Mittagessen kaufen. Durch ebendieses Quartier stöckle ich ebenfalls täglich und da ich das schon seit Beginn meiner “Transition” tue und damals noch recht eigenwillig aussah, werde ich da von vielen Leuten gesehen, die mich vom Sehen her kennen und eben auch wissen, dass ich mich irgendwie arg verändert habe.

Offenbar bin ich heute an ihr vorbei gelaufen als sie gerade Essen verteilte und die dort Rumstehenden begannen, sich über mich lustig zu machen. Anstatt wie so Manche in den Narrenchor einzutreten, hat sie sich sofort auf meine Seite gestellt und sagte, dass sie mich seit zwei Jahren kenne und ich eine super tolle Frau sei mit einem riesengrossen Herzen – wow, was für ein Kompliment. Im ersten Moment habe ich mich vorallem darüber gefreut und versuchte sie zu beruhigen indem ich ihr sagte, dass es halt auch primitive Leute gäbe und dass man die nicht ernst nehmen soll. Sinngemäss sagte ich zuguterletzt: “Wenn ich so primitive Menschen ernstnehmen würde, wäre mein Leben unerträglich”.

An Grausamkeit gewöhnt man sich nie ganz

Und wenn ihr redet, wessen Geist ist eurer vielen Worte Inhalt?
Wart ihr jemals an dem Abgrund zwischen Herz und dem Verstand?
Könnt ihr sagen: Ich erlerne mich?
Eure schreckliche Einfältigkeit, zu glauben was man euch erzählt:
Natürlichkeit und Selbstbestimmung
Aber bitte nur im Rahmen des Systems dieser Gesellschaft
(Lacrimosa – Fassade 1. Satz)

Da ich Blicke gut einordnen kann, weiss ich längst, dass ich oft Menschen begegne, die nicht das Geringste Problem mit mir haben, die einfach zur Kenntnis nehmen, dass ich bin wie ich bin und damit hat es sich. Genauso gut weiss ich, dass ich auch so Manchen begegne, die mich saumässig lustig finden, bei Einigen steht ihr Spott gar in grossen Lettern in die Augen geschrieben. Daran habe ich mich eigentlich gewöhnt, dass ich immer mal wieder Menschen begegne, die allein in meiner Existenz einen Grund zur Belustigung finden. Ohne es je mit eigenen Ohren zu hören, höre ich doch irgendwie all die blöden Sprüche die geklopft werden, wenn ich da mal wieder vorbeidackle. Die letzten knapp drei Jahre haben mich gelehrt, stark und tapfer zu sein, stärker und mutiger als die Meisten wohl je in der Lage wären. Ich habe gelernt, über der Sache zu stehen, die Bemessung meines Selbstwerts nicht den höhnenden Narren zu überlassen sondern mich selbst einzuschätzen. Und ich habe mir ein Bewusstsein geschaffen über das was ich wahre Grösse nenne.

Wer Andere auslacht, verspottet oder verhöhnt – egal ob er das laut oder leise tut – disqualifiziert sich damit selber, weil sein Lachen einzig Zeugnis abgibt über seine eigene Kleingeistigkeit. Gerade jene, die ihr Selbstbewusstsein erhöhen, indem sie versuchen andere zu erniederigen, sind die Schwächsten – gerade sie hätten niemals die Grösse um so einen Weg zu gehen wie ich ihn gehe. Es ist einfach, ein “normales Leben” zu führen und so zu sein, wie es von einer kollektiven Allgemeinheit erwartet wird. Aber es braucht ungeheuer viel innere Stärke, Mut und Tapferkeit um sich selbst zu sein, wenn man eben nicht der Vorstellung des Mainstreams entspricht – vorallem wenn man zu einer stigmatisierten Menschenart gehört wie transsexuelle Frauen. Mittlerweile gibt es nichts, worauf ich mehr stolz bin als auf die Tatsache, dass ich diesen Weg gegangen bin, dass ich mich allem Spott zum Trotz nicht mehr selber verleugne, dass ich wahrlich Ich bin und dass ich die Schwere des Lebens sogar auf einem Level ertragen kann, der die Meisten in Stücke reissen würde.

Der Spiessrutenlauf zwischen den Guten und den Primitiven

Und doch tut es weh, wenn ich damit konfrontiert werde. Einerseits ganz subjektiv, weil niemand soviel Grösse hat um gegenüber von Spott völlig immun zu sein. Anderseits aber auch, weil es mir vor Augen hält, von was für Dummköpfen ich teilweise umgeben bin und wie grausam und primitiv so Kleingestige sind. Auch wenn mir das egal sein müsste und auch wenn so Leute ja eigentlich nur ihre eigene Beschränktheit demonstrieren, irgendwie macht es trotzdem traurig.

Da ist es ungemein tröstlich, dass es eben auch Andere gibt, solche die hinter die Fassade blicken, die nicht so oberflächlich und empathiebefreit sind. Wenn so kleingeistige Menschen mich verurteilen ohne mich zu kennen, dann mag das zwar weh tun, aber wenn dieses Negative von jemandem so aufgefangen wird, dreht sich schlussendlich doch alles ins Positive. Diese Gackermenschen kennen mich nicht, haben keinen blassen Dunst davon, dass ich stärker bin als sie je sein werden, wie könnten sie ernsthaft über mich urteilen? Diese Frau die mich verteidigt hat, kennt mich jedoch seit 2 Jahren und wenn sie mir attestiert, dass ich eine liebenswerte und bewundernswerte Frau bin (O-Ton), dann ist auch so ein eigentlich trauriges Ereignis mehr Ruhm als Hohn.

Und doch tut es weh – irgendwie – gerade jetzt – aller Unvernunft zum Trotz.

Fragen die den Narren erspart bleiben

So finde ich mich einmal mehr in einem Netz von Fragen, die allein schon hässlich genug wären, deren Beantwortung ausbleibt. Vielleicht ist es gut, dass sie nicht beantwortet werden, die Antworten wären wohl noch um ein Vielfaches grausamer…….

  • Ist es so schwer, ein wenig mitzufühlen und zu erkennen, dass eine transsexuelle Frau ein schmerzliches Leben hinter sich hat und eher Mitgefühl angebracht wäre als Spott?
  • Ist es so schwer, zu begreifen, dass jemand der sich selbst treu ist und allem Geblöke zum Trotz den eigenen Weg geht, eher Respekt verdiente als Hohn?
  • Ist es so schwer, zu akzeptieren, dass ein Mensch – wenn auch in ungewöhnlicher Weise – so doch einfach nur glücklich sein möchte?
  • Wer von Euch blökenden Schafen hätte den Mut, sich selbst unter solchen Umständen treu zu sein, die Tapferkeit ebendieses blökende Gelächter zu ertragen und die innere Stärke, sich die Würde inmitten dieses Spottes zu bewahren – wer von Euch könnte meinen Weg gehen und dabei mir gleich glücklich werden und mit einem Lächeln auf den Lippen durch diese unfreundliche Welt gehen?
  • Und wer von Euch würde nicht innerlich bluten, wenn man verspottet wird nur weil man ist wie man ist, obwohl man sich sein Schicksal nicht ausgesucht hat sondern nur versucht, unter diesen schweren Bedingungen zu überleben?

Und doch tut es weh – irgendwie – gerade jetzt – und und lässt mich einmal mehr ratlos zurück…….

They can verbally abuse me, they can torture me,
they can try to strip me bare of my dignity…
they can even take my life,
but they can never ever snatch who I am at my core…
I will always naturally express who I am on the outside!
(Arianna Davis)

So traurig so Dinge sind, so dankbar bin ich auch, dass diejenigen die mich kennen nicht so ticken und dass so viele zu mir halten. Und auch wenn es wie jetzt grad mal wieder kurz saumässig weh tut, es bestätigt mich nur darin, mir weiter treu zu sein und mich weiterhin Ich sein zu lassen – und mir meine hart erkämpfte Lebenslust weder weglachen noch ausprügeln lasse – express yourself – ich tu’s – und Ihr?

thanks Janis for staying with me in days like that

Cello, Blutelfen, Fummel, Musik, Freundinnen und Allerlei

Der Titel spricht Bände, es gibt mal wieder eine Zusammenfassung der letzten Tage, denn in diesen war bei mir genug los, dass ich nicht mehr zum Schreiben kam, abgesehen von dem was sich aufdrängte. Der Rest folgt nun hier…….

Das Mistding das sie Cello nannten

Ne keine Sorge, ich mag mein Cello nachwievor, aber das Biest ist störrischer als ich und das will was heissen. Grundsätzlich habe ich zwar den Vorteil, dass ich das theoretische Prinzip von der Gitarre her kenne und ich habe den Vorteil, dass ich durch meine intuitive Herangehensweise eigentlich fast von alleine vorwärts komme. Aber ein Cello hat ein paar Knacknüsse, die es in sich haben. Zum Einen muss ich die Töne tausendmal präziser treffen wie bei der Gitarre, weil Gitarren so “Stege” haben, egal wo man zwischen zwei so Stegen drückt, der Ton ist immer derselbe. Beim Streichinstrumenten gibt’s das nicht, da muss der Finger auf den Milimeter genau an die richtige Stelle. Noch schlimmer ist es mit dem Vibrato. Bei der Gitarre macht man das indem man die Seiten dehnt, beim Cello muss man sozusagen mit der Hand oder dem Arm schaukeln, damit die Fingerkuppen auf dem Brett schaukeln. Das Problem dabei ist, dass beim Schaukeln gern mal das ganze Instrument aus Sympathie mitschaukelt, worauf der Bogen dann ebenfalls aus Sympathie beginnt im Takt mitzuhüpfen und damit ist der ganze Ton am Arsch. Erschwerend kommt hinzu, dass dieses Billigcello Seiten und Harz von übelster Sorte hat, beides habe ich letztes Wochenende in einer besseren Version bestellt. Der Ton wird nun wirklich etwas besser übertragen, somit kann man nun viel besser hören, wie falsch ich spiele :-) . Nichtsdestotrotz hab ich Spass dran, wir freunden uns weiterhin eifrig an :-)

Leichen im Keller

Mein Ausflug als Blutelfe nach Azeroth ist unfreiwillig beendet worden. Nachdem ich die Gute auf Level-20 hochgespielt habe und mit coolsten Zaubertricks böse böse Monster niedermachen konnte, wagte ich mich in so einen bekloppten Kerker, durch den ich mich hart an der Grenze des Möglichen durchkämpfte, um am Schluss bei so einem Oberzaubererdepp zu laden, der mich innert Sekunden alle gemacht hat. Bei WordOfWarcraft läuft das dann so, dass man “zum Friedhof” fliegt und von dort aus als Geist zurück zu seiner Leiche schweben muss, dort wird man automatisch wiederbelebt. Nur liegt meine Leiche ja nun in diesem verblödeten Keller neben diesen noch verblödeteren Oberzaubererhirni und der fällt natürlich gleich wieder über mich her sobald ich dort wiedererweckt werde. Tja, das war’s dann wohl mit meiner Blutelfe. Und da mein Gratis-Testabo eh diese Woche ausläuft und mich dieses Spiel zwar erfreut aber nicht begeistert hat, war’s das nun mit WoW spielen. Ich werd nun wieder etwas Rift spielen, das Spiel das ich vor WoW gekauft hab und falls mich das nicht noch in Begeisterung stürzt, ist’s wohl wieder mal für ne Weile Schluss mit gamen. Aber das wär an sich gut, denn so unterhaltsam so Spiele sein können, sie sind Zeitfresser und gerade Zeit hab ich eh chronisch zuwenig.

Ponstan am morgen, vertreibt Kummer und Sorgen

Gestern war dann Dentalhygiene angesagt, boah wie ich das liebe. Da meine Zähne halt nicht so das Gelbe vom Ei sind, auch wenn sie bedingt durch Koffein und Nikotin eine ähnliche Farbe haben, sind leider auch die Zahnhälse etwas freizügiger als sie sein sollten und infolgedessen ist die Zahnsteinentfernung immer relativ schmerzhaft. Aber diesmal durchfuhr mich der Blitz der Erkenntnis, ich hatte ja von der GaOp her noch einige Ponstan resp. das Nachfolgeprodukt Mefenacid. Diese 50er Dinger, die einem einfach jeden Schmerz wegpusten. Jauh und das hat überraschend gut geklappt, so schmerzlos war die Dentalhygiene seit langem nicht mehr, höhö. Ok, mir wär ein Tramal lieber gewesen, so hätte ich anschliessend zur Arbeit fliegen können, aber dieses Ponstan hat doch immerhin seine Pflicht erfüllt. Ich nehm eigentlich fast nie so Chemiemüll zu mir, auch wenn ich Schmerzen habe, beisse ich lieber auf die Zähne. Aber das wär beim Zahnarzt eher unpraktisch gewesen, insofern fand ich es eine bestechend schlaue Idee :-)

Oversexed zum verpassten Date

Heute habe ich glaub mal wieder arg Aufsehen erregt bei der Arbeit. Heute Abend hätte ich mit meiner ehemaligen Logopädin abgemacht und weil ich schon länger nicht mehr im Ausgang war, konnte ich es natürlich nicht lassen und musste den neusten Fummel aus dem Schrank zerren – nicht ganz passend für zur Arbeit – aber – ooooch Mensch, man gönnt sich doch wirklich sonst nix :-) Als ich um Neun zu meiner Futterlieferantin runter ging, die uns unser täglich Brot bringt, schallte mir gleich ein “Wow” entgegen und sie tänzelte um mich rum und wollte mich von allen Seiten anschauen. Ich glaub fast, ein klein wenig oversexed war das schon – aber was kann ich dafür, dass so Kleider an mir einfach kürzer sind als in den Katalogfotos, es können nicht alle so Zwerge sein wie diese Models ;-) Na jedenfalls sagte meine Freundin dann ab, weil sie seit Tagen so starke Kopfschmerzen hatte und somit hab ich den Fummel halt doch nur fürs Geschäft angezogen – was solls, hauptsache ich hatte mal ne Gelegenheit :D

Der Mensch, Dein Freund und Leichenfledderer

Weniger erfreulich ist dafür die Geschichte rund um Jamey Rodemeyer, den homosexuellen Teenager der in den Tod gemobbt wurde. Auf Facebook wurde für ihn eine Gedenkseite eingerichtet, in der mittlerweile bereits Achttausend Menschen versammelt sind, auch sonst geht eine immer grösser werdende Welle um die Welt, sogar Musikerinnen wie Lady Gaga haben diesen Fall publik gemacht. Aber was wirklich schmerzt, ist zu erleben, wie auf dieser Facebook-Gedenkseite im Minutentakt Beiträge gelöscht werden müssen, weil eine Unzahl von Schwerstgestörten nicht mal vor Toten Respekt haben und nichts Besseres zu tun haben als dort weiter herumzumobben. Da fehlen mir echt die Worte. Anstatt dass man sich besinnt und darüber nachdenkt, was so primitives Geschwafel anrichtet, gerade in Anbetracht dieses brutalen Todesfalls, kümmert man sich einen Dreck um all das und fährt weiter wie eh und je. Es braucht wirklich viel, bis mich Menschen noch schocken können, ich trau meinen Artgenossen ja so Manches zu. Aber das was dort abläuft, schockiert sogar mich. Tröstend ist nebst dieser überwältigenden Solidaritätswelle, dass drei der hauptverantwortlichen Mobber unterdessen inhaftiert wurden und dass in Amerika laut darüber nachgedacht wird, Mobbing endlich zu einem Straftatbestand zu machen – es wäre höchste Zeit, auch für uns hier.

Ein guter Zeitungsartikel und eine neue Freundin

Beim kürzlich geschriebenen Blogbeitrag über die SF1 Reporter Sendung, habe ich am Schluss ja noch auf einen Zeitungsbericht über dieselbe transsexuelle Frau verwiesen, der endlich mal so geschrieben war, dass sogar ich mich darüber freuen konnte. Er begann mit dem Satz: “Claudia Meier war schon immer eine Frau”. Ich hab mich darüber riesig gefreut, noch deutlicher könnte man das Phänomen “Transsexualität” nicht ausdrücken. Jedenfalls habe ich infolgedessen Claudia im Internet kennen gelernt und es sieht danach aus, als ob mein Freundinnen-Kreis sich eben grad wieder um eine tolle Frau erweitert. Wir verstehen uns jedenfalls fürs Erste super gut :-)

Kim Petras gewinnt zweiten Platz

Und soeben erreicht mich noch eine Meldung, die mich riesig freut. Kim Petras, ebenfalls ein Mädel mit transsexueller Vergangenheit, ist mir auch irgendwie ans Herz gewachsen, obwohl ich sie nicht kenne. Sie war mehrmals in den Medien und auch schon in meinem Blog erwähnt. Sie ist die jüngste transFrau die in Deutschland wegen Transsexualität behandelt wurde und ihr war es so vergönnt, dass man durch die frühe Behandlung die “Zerstörung des Körpers” durch die Pupertät ersparen konnte. Dementsprechend hat sie eine normal weibliche Stimme und hat auch eine musikalische Karriere gestartet. Kürzlich veranstaltete der Promi-Blogger Perez Hilton einen Cover-Wettbewerb, bei dem sie auch mitsang und nun hat sie da den zweiten Platz gemacht – herzliche Gratulation, Kim! Bei der Gelegenheit staunte ich wirklich, wenn die Gute so richtig rausposaunt (auf 1:30), hat sie eine echt tolle Stimme. Sie ist wirklich der lebende Beweis, dass man transsexuellen Menschen so früh wie möglich helfen muss. So ganz unter uns, ich beneide sie total :-)

Ab ins Weekend

Jauh und morgen flattere ich dann am Nachmittag wieder zu Juliet nach Hamburg für ein diesmal leider kurzes Wochenende bis Montag froh, das wär somit das Letzte von mir bis Anfang nächster Woche. Damit verabschiede ich mich mit diesem Video, mit dem Kim Petras den zweiten Platz gewonnen hat. Auf ca 1.00 Minuten beginnt das Lied – enjoy :-)

Supertalent – Finde das Gute im Menschen

Die letzten Tage schwebt eine Wolke über mir, die trotz meiner ansonsten guten Stimmung einen kalten Schatten über mich lebt. Die traurige Geschichte des 14-jährigen Jamey Rodemeyer, der von einer intoleranten und grausamen Gesellschaft in den Suizid getrieben wurde, hat mich recht aufgewühlt. Nicht, dass es aussergewöhnlich wäre, dass Kinder von ihrem Umfeld in den Tod getrieben werden, nur weil sie irgendwie “anders” sind. Das geschieht leider zu Tausenden aber in diesem Fall bekommt die Grausamkeit durch die über ihn verfügbaren Videos ein vermeintlich lebendiges Gesicht. Dieser Vorfall macht mich nicht nur traurig sondern auch wütend, auf eine Gesellschaft, die derart brutal umgeht mit Leuten, die nicht ins Schema passen. Umso mehr beglückt und tröstet mich zu erleben, dass es auch anders sein kann, Menschen können das Gute im Menschen finden, wenn sie danach suchen, sie können hinter die Fassaden blicken, das gibt Hoffnung.

Wie jedes Jahr schaue ich auch diese Saison wieder einige dieser Talentshows wie Supertalent, X-Faktor u.s.w. In diesen Sendungen begegnet man immer wieder genau solchen Menschen, die von dieser Gesellschaft wohl nur wenig Respekt ernten würden, Menschen die in den Augen der Mehrheit nicht gut aussehen, Menschen am Rande der Gesellschaft, Menschen die aus unterschiedlichsten Gründen abgelehnt würden, denen man nichts zutrauen würde. Und dann erlebt man diese Menschen plötzlich von einer Seite, die man ihnen niemals zugetraut hätte. Es rührt mich immer wieder zu Tränen, zu erleben, wie eine ganze Halle jemanden im ersten Moment belächelt oder ablehnt, weil die erste Erscheinung so anders ist als der Mainstream es erwarten würde und die dann fast vom Stuhl fallen wenn sie erleben was dieser Mensch kann und sie dann am Schluss aufstehen und mit dem Applaus nicht mehr aufhören wollen. Dann erlebe ich wieder, dass Menschen sehr wohl das Gute im Menschen finden können. Ich halte solche Sendungen alleine schon deshalb für “pädagogisch wertvoll”, weil die Zuschauer so lernen können, dass man Andere nicht unterschätzen sollte und erst Recht nicht ablehnen sollte, weil in so Manchen etwas steckt, das einem berühren könnte, wenn man sich denn darauf einlassen würde.

Ich möchte Euch heute zwei solche Menschen vorstellen, die im ersten Moment unterschätzt werden und die dann Unglaubliches bieten.

Der Punk mit dem Klavierherz

Jörg Perreten ist ein Punk, ihm fehlt das Selbstbewusstsein, er sieht für sich kaum eine Zukunft, hat eine aufwühlende Geschichte hinter sich, er würde in der Öffentlichkeit wohl von den Meisten gemieden. Aber wenn er Klavier spielt, öffnen sich Welten der besonderen Art. Er hat nie “richtig” gelernt, Klavier zu spielen, er hat keinen Plan was er da tut, er tut es einfach, lässt sein Herz in die Tasten greifen und was dabei herauskommt, geht so ans Herz. Und es ist ergreifend zu erleben, wie das Publikum sich verändert, wie sich ursprüngliche Skepsis in Begeisterung verwandelt.

Die unterschätzte Engelsstimme

Sven Müller hat Minderwertigkeitskomplexe wegen seines Äusseren, hat sich nie getraut öffentlich zu singen, er braucht enorme Überwindung um sich auf die Bühne zu wagen und der Welt das zu präsentieren, wofür er sich so schämt, sein Äusseres, auch her hat eine aufwühlende Geschichte hinter sich. Aber er ist nicht gekommen um das Äussere zu demonstrieren sondern seine Stimme. Auch er wird vom Publikum mit entsprechender Skepsis empfangen, aber wenn er loslegt, ist die ganze Halle ergriffen ob dem was sie da hören. Er ist ein gutes Beispiel dafür, dass man Menschen nicht aufgrund von Äusserlichkeiten unterschätzen sollte, dass in so Manchen, die abgelehnt werden, ein wahres Wunder steckt.

Das Licht in der Finsternis

Kaum jemand hat bei Talentshows je so überrascht wie Karin Andreev, die mit ihren Tätowierungen (vorallem das Wort ‘Hass’ auf dem Arm) und ihrem Hang zu Gothic das Publikum fürs Erste einfach mal in Gelächter versetzte. Auch sie hat eine herzzerreissende Geschichte, aber davon weiss das Publikum nichts und urteilt wie so oft zuerst aufgrund von Äusserlichkeiten. Aber was dann kommt, ist unfassbar, das Mädel legt eine Oper hin die so gefühlsvoll gesungen ist, dass man mitheulen möchte. Sie ist für mich das Paradebeispiel für Menschen die man verkennt, allein weil man gegenüber “etwas anders erscheinenden Menschen” aus Prinzip mit Ablehnung reagiert.

Es bedarf nach diesen Beispielen wohl keines Beweises und keines Arguments mehr um bewusst zu machen, dass man Menschen nicht aufgrund von Äusserlichkeiten unterschätzen sollte und dass man Menschen erst beurteilen sollte, wenn man wirklich jede Seite von ihnen kennt.

Es bedarf einzig noch eines Hinweises – Jeder Mensch hat seine Talente und Jeder hat etwas Spezielles, das ihn ausmacht und einzigartig macht, jeder Mensch ist etwas Besonderes. Aber nicht alle haben solche Talente, die einem derart vom Hocker hauen. Das sollte uns aber nicht daran hindern, dass wir alle Menschen annehmen, egal ob sie irgendwie anders sind oder oberflächlich betrachtet “nicht schön” oder “nicht cool” sind oder was weiss ich. Wir müssen endlich lernen, einander anzunehmen und zu anerkennen wie wir sind. Jeder Mensch ist etwas Einzigartiges und hat es verdient, als das angenommen zu werden was er ist und was ihn ausmacht.

Und wenn wir mal wieder vorschnell über jemanden urteilen im Stil von: “der Punk hat ja keinen Job, der ist ein Aussenseiter….” oder wenn wir jemanden belächeln und sagen: “der Kerl hat ja null Selbstvertrauen, was ist das denn für eine Lusche…..”, dann sollten wir uns daran erinnern, dass so Mancher wie in diesen Beispielen da oben ein schweres Schicksal hinter sich haben könnte, dass es nunmal Menschen gibt, die ein härteres Leben hatten als wir und die viele Verbeulungen davongegetragen haben, Menschen die ein viel schweres Pack auf dem Rücken tragen als wir selbst.

Jeder Mensch ist liebenswert, unser aller Blut ist rot und unsere Herzen schlagen alle im gleichen Takt………. In dem Sinn ruufe ich Euch einmal mehr zu: Namaste! Ich grüsse das Göttliche in Dir!

PS: über Talentshows habe ich schonmal im alten Tagebuch geschrieben: Talentshows und ihre Superstars

Mobbing – Homophobie und Transphobie sind tödlich

Heute möchte ich Euch jemanden vorstellen. Das ist Jamey Rodemeyer, ein 14-jähriger amerikanischer Junge. Jamey ist eigentlich ein ganz normaler Junge, er wird von seinem Umfeld sehr geschätzt, ist sensibel, lebensfroh und sozial engagiert.

Nur in einem unterscheidet sich Jamey von anderen Jungs, Jamey ist schwul. Und noch in etwas unterscheidet er sich von Jugendlichen dieses Alters, er ist mutig und tapfer genug um zu seiner Wesensart zu stehen, er steht zu sich obwohl er deswegen gemobbt wird.

Vor einiger Zeit hat Jamey dieses Video veröffentlicht, ein “Alles wird besser” Video, in dem er wie viele andere Schwule, Lesben, Transsexuelle und sonstwie Stigmatisierte sich gegenseitig Mut zusprechen und so die Hoffnung aufrecht erhalten, dass es in dieser Gesellschaft wirklich besser wird, dass Menschen wie Jamey oder ich eines Tages nicht mehr als Stigmatisierte gelten, dass all der Spott und Hohn eines Tages endet.

Ich bitte Euch, dieses Video nun genau anzuschauen, auch wenn Ihr den englischen Text nicht versteht, betrachtet diesen liebenswürdigen Jungen, beobachtet seine schüchterne Körpersprache, erspürt seine Sensibilität………

Das war Jamey Rodemeyer, ein 14-jähriger amerikanischer Junge……. nur in einem unterscheidet sich Jamey von anderen Jungs……. Jamey ist tot, er hat sich letzten Sonntag das Leben genommen.

Jamey reiht sich damit ein in eine Unzahl von homosexuellen Jugendlichen, die dem Druck einer homophoben Gesellschaft nicht mehr standhalten konnten. Seit seinem Outing wurde er in der Schule und von anderen Jugendlichen aufs Heftigste gemobbt, er wurde verhöhnt und verspottet. Kurz vor seinem Tod schrieb er in seinem Blog: “Ich sage immer, wie sehr ich gemobbt werde, aber das interessiert niemanden. Was muss ich tun, damit Leute mir zuhören?” und wenige Tage vorher schrieb er: “Ich wäre so glücklich wenn ich sterben könnte”. Sind das die Worte, die ein 14-Jähriger aussprechen sollte? Wie brutal muss eine Gesellschaft sein, dass ein 14-jähriger Junge solche Empfinden hat, weil man ihn derart ausgrenzt und kaputt macht, bis er sich nicht mehr anders zu helfen weiss als sich das Leben zu nehmen? Aber wundert es einem, dass ein Junge nicht mehr weiter weiss, wenn er beispielsweise über sich liest: “Jamey ist stupid, schwul, fett und hässlich, er muss sterben”?

Das Wort “Homophobie” leitet sich ab von der Vorstellung, dass wir das ablehnen, wovor wir uns fürchten, in der Regel ist es “das Fremde”, in welcher Gestalt auch immer es uns begegnet. Die Angst vor dem Fremden, die Xenophobie, macht Menschen zu Fremdenhassern, Homophobie führt zu Schwulenhass und Transphobie zu Transsexuellenfeindlichkeit. Eine Studie der Columbia University mit 32’000 Elftklässlern zeigt erschreckende Fakten. Homosexuelle resp. lesbische Jugendliche haben eine viermal höhere Selbstmordversuchsrate als der Durchschnitt. Die Studie zeigte auch, dass das Suizidrisiko umso grösser ist, wenn das soziale Umfeld negativ mit der Homosexualität der Betroffenen umgeht. Homosexuelle Menschen, die von ihrem Umfeld nicht gestützt werden, haben ein 20% höheres Suizidrisiko, das sollte uns wirklich zu denken geben.

Ich kenne diese Abgründe der Gesellschaft mehr als mir lieb ist. Als Kind wurde ich oft verspottet, weil ich so feminin war. Man hielt mich ja für einen Jungen und fand das total lustig, dass ich “so weibisch” bin. Und heute, da ich nun endlich meinem wirklichen Geschlecht entsprechend als Frau lebe, muss ich wieder hie und da spöttische Blicke ertragen, vorallem von Kindern und Jugendlichen. Oft habe ich mich gefragt, warum ich nicht schon als Kind mutig genug war um so für mich einzustehen, warum ich vierzig Jahre lang mich selbst verleugnete. An so Tagen wie heute wird mir mal wieder klar warum, ich wäre damals wie Jamey nicht stark genug gewesen um die hässliche Seite der Gesellschaft zu erdulden, ich wäre genau wie er kaputt gegangen an der Grausamkeit dieser Welt.

An Jugendliche:

Wenn Du Dich mal wieder lustig machen möchtest über einen Mitschüler, dann erinnere Dich daran, dass Mobbing tödlich sein kann, halte Dir vor Augen, dass jährlich tausende von Kindern sich das Leben nehmen, weil sie das nicht ertragen können, was Du vielleicht grad im Begriff bist zu tun. Du weisst nicht, was die Zukunft für Dich bereit hält, vielleicht bemerkst Du eines Tages, dass Du homosexuell bist, vielleicht outet sich Dein Vater oder Deine Mutter als Homosexuelle oder Transsexuelle, vielleicht kommt der Tag, an dem man Dir “Schwuchtel” oder “Transentochter” oder “Krüppel” nachruft. Vielleicht kommt der Tag, an dem auch Du zu den Stigmatisierten dieser Gesellschaft gehörst, geh so mit Deinen Mitmenschen um wie Du es Dir erhoffen würdest in so einer Lage.

An Erwachsene:

Wenn Du Dich mal wieder lustig machen möchtest über einen Mitmenschen, nur weil dieser irgendwie anders ist, dann erinnere Dich daran, dass Verachtung und Verspottung tödlich sein können, halte Dir vor Augen, dass tausende von Menschen sich das Leben nehmen, weil sie mit dem Gespött durch Menschen wie Dich nicht mehr klar kommen.

An Eltern:

Wenn Ihr wirklich so erbärmlich seid, dass Ihr es nicht lassen könnt, Euch über Andere lustig zu machen, dann tut das wenigstens nicht in Anwesenheit Eurer Kinder, denn Eure Kinder lernen durch Euch solche Verhaltensweisen und wenn Ihr ihnen so ein Vorbild seid, werden sie eines Tages genauso asoziale Arschlöcher wie Ihr es seid.

An die Jugendlichen die Jamey gemobbt haben:

Redet Euch nicht ein, Jamey hätte sich selbst getötet, Ihr wart das, Ihr habt sein Leben auf dem Gewissen, mit dieser Schuld müsst Ihr nun leben. Und falls Eure Eltern mal wieder betonen, dass Gott angeblich Schwule hasst, dann vergesst nicht, dass Gott vorallem Mörder hasst, Ihr seid solche Mörder – willkommen in der Hölle!

An Mobbing-Opfer:

Und all den Mobbing-Opfern, die immer mal wieder an die Grenzen des Erträglichen anstossen, möchte ich diese alten Blogbeiträge von mir zum Nachdenken mitgeben…… glaubt mir, Ihr seid nicht allein!

Selbstmord – die vorweggenommene Niederlage
Transsexualität und Selbstsicherheit

An Jamey:

Ich kannte Dich nicht und so hörte ich Dich auch nicht, wie gerne wäre ich Dir beigestanden um diesen Widrigkeiten zu trotzen. Aber wenigstens jetzt wirst Du gehört, weit über Deine Landesgrenzen hinaus. Vielleicht bekommt Dein sinnloser Tod wenigstens so ein wenig Sinn. Es ist allseits bekannt, dass viel zu viele Jugendliche sich das Leben nehmen und es dürfte auch vielen bekannt sein, dass die Suizidrate von homosexuellen Jugendlichen vier mal höher ist als bei Anderen. Aber mit so Zahlen erreicht man keine Menschen, die Meisten sind nicht feinfühlig genug um hinter diesen Zahlen all die Schicksale zu erspühren. Durch Dich hat Homophobie und Mobbing ein Gesicht bekommen, möge die Welt wenigstens jetzt etwas daraus lernen, auch wenn es für Dich zu spät ist. Eines kann ich Dir versichern: Du hast mich berührt, mich zu Tränen gerührt……. ich hoffe, dass ich diese Rührung mit diesem Blogbeitrag weiter geben kann, damit Du nie vergessen wirst.

Wirklich tot sind nur die, an die niemand mehr denkt,
wir vergessen Dich nie, Jamey!

Mehr zu diesem traurigen Ereignis:

Queerdenker: Selbstmord eines 14-Jährigen in den USA
Fabio Huwyler: Paws Up!
Technorati: It Didn’t Get Better For Jamey Rodemeyer
John Shore: Christians and the Blood of Jamey Rodemeyer
Buffalo News: Teenager struggled with bullying before taking his life
Facebook Gedenkseite für Jamey Rodemeyer

They can verbally abuse me, they can torture me,
they can try to strip me bare of my dignity…
they can even take my life,
but they can never ever snatch who I am at my core…
I will always naturally express who I am on the outside,
Trans (and Homo) phobic social oppressors be damned!
(Arianna Davis)

UPDATE 23.9.2011: So traurig dieser Vorfall auch ist, es sieht danach aus, als ob die Welt von einer Solidaritätswelle erschüttert wird, infolgedessen das “Paws Up Forever Project” am entstehen ist. Dieses Video ist ein erstes Statement………. in dem Sinne…… PAWS UP *fauch*

UPDATE 26.09.2011: Die Musikerin “Lady Gaga” hat sich ihrem Fan angenommen und unterstützt die “Paws Up for Jamey” Bewegung an vorderster Front, hoffen wir, dass diese Welle nicht mehr aufhört, bis auch der hinterletzte Depp versteht: “Mobben ist was für Verlierer” (O-Ton Lady Gaga). Anlässlich eines Auftritts widmete sie Jamey ein Lied……

MTV: Lady Gaga – Kampf dem Mobbing
MTV: Lady Gaga – Song für Mobbing-Opfer
BlueWin: Lady Gaga gedenkt ihrem toten Fan
Queerdenker: Grossartige Lady Gaga

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