Politically incorrect since 1966

Wahres Glück ist unglaublich still

Während ich die letzten Tage wieder an der Bearbeitung der Druckvorlage für das letztjährige Blogtagebuch war, begann etwas von Seite zu Seite mehr in mir zu schwingen, so ein unbeschreibliches Gefühl von Dankbarkeit, Zufriedenheit und Glück. Irgendwie ist es schon erstaunlich, wenn man unglücklich ist, ist einem das ständig bewusst, es verfolgt einem wie der eigene Schatten und lässt sich nicht abschütteln. Doch wenn man glücklich ist, zumindest diese Art von Glücklichsein von der ich grad rede, merkt man das meist nicht – und genau darin liegt das grosse Glück. Wahres Glück ist ein stilles Wasser, so still, dass man es kaum hört – und erst wann man bewusst nach Geräuschen sucht, wird einem klar, dass da gar keine sind, erst dann wird die Ruhe so richtig spürbar.

Das mit der Stille ist generell so eine Sache, wenn es still ist, denkt man selten: Oh ist das still hier. Erst wenn es lärmig wird, realisiert man, wie still es war, bevor es wieder laut wurde. So geht es mir wenn ich mich mit alten Blogtexten von mir beschäftige. Ich sitze da, überfliege Texte, Erinnerungen und Gefühle tauchen auf und der Lärm geht los. Das Durchforsten alter Blogtexte wühlt immer auf und holt längst vergessene Momente und längst nicht mehr verspürte Gefühle aus einer Vergangenheit, die mir aus heutiger Sicht unglaublich fremd erscheinen. Kann es wirklich sein, dass es mir einst so schlecht ging? Kann es sein, dass ich durch soviel Elend watete? Und wie genau geschah es, dass ich aus diesem Morast emporkroch und nun hier im Himmel liege und vergnügt vor mich hinträllere?

In so Momenten, wenn ich so alte Blogtexte lese, tauche ich ob ich will oder nicht wieder in diese Zeit ein und ich spüre wieder, wenn auch nur in einer irgendwie projezierten Form, was ich damals fühlte, welche Ängste mich durchdrangen, welche Verzweiflung mich erschütterte, welche Hoffnungslosigkeit mich erfüllte und welch renitenter Überlebenswille mich trotzig alles durchstehen liess, was man niemandem zumuten möchte. Und all das fühlt sich einerseits vertraut an, weil es meine eigene Vergangenheit ist und anderseits fühlt es sich so fremd an als würde ich einen Horrorthriller von Stephen King lesen. Man erlebt das Grauen mit, spürt es in jeder Pore und weiss doch stets, dass es nur Fiktion ist. Doch nicht in diesem Fall, meine Vergangenheit ist keine Fiktion, auch wenn es sich nur zu oft so anfühlt, ich habe das wirklich alles durchlebt – und überlebt.

All das macht mich immer wieder von Neuem fassungslos, ich sehe und fühle all das was war und so vertraut es doch ist, so fremd ist es auch. Heute führe ich ein stinknormales und schon fast langweiliges Leben, ich habe einen coolen Job, habe tolle Freunde, bin in einer wundervollen Beziehung mit dem süssesten Mädel der Welt, die ab August sogar endlich bei mir wohnt, all der Scheiss mit GaOp und Personenstandsänderung ist vorbei, die unerträgliche Diskrepanz zwischen Innen und Aussen hat sich aufgelöst – all das steht in so krassem Kontrast zu dem was war, dass ich das im Kopf kaum auf die Reihe krieg.

Klar habe ich weiterhin meine Probleme, ich ärgere mich regelmässig über Trans/Medien Scheiss, ärgere mich politische Hirnwäsche und ein Volk das sich seiner Manipuliertheit nicht annähernd bewusst ist, finanziell stehen recht wacklige Zeiten vor uns weil der Umzug und all der Kram recht an die Substanz geht und wir nicht viel Reserven haben, das und tausend kleine Dinge und Problemchen begleiten mich im Alltag. Aber all das fühlt sich sowas von unbedeutend an und es gehört halt einfach zum Leben – jeder hat solche Alltagssorgen und Widrigkeiten im Leben, aber ich habe etwas was nur Wenige haben: Egal was grad nicht gut läuft, ein kurzer Blick zurück reicht um mich mit einer ungeheuren Zufriedenheit zu erfüllen. Ich weiss aus Erfahrung, dass das Leben unsäglich grausam sein kann und ich weiss, dass man Dinge durchleben kann, die einem die Seele in tausend Stücke zerfetzen. Diese Erfahrung und die Erinnerung an all das was war schenkt mir eine Dankbarkeit und Zufriedenheit, die wohl eher selten ist.

Wie lange habe ich mein Leben nicht wirklich gelebt, wie oft war ich unsäglich traurig und verzweifelt, wie oft habe ich mir den Tod gewünscht und ihn doch nie erhalten, durch wieviel Irrsinn musste ich waten bis ich im hier und jetzt ankam – unglaublich viel war da, unvorstellbar viel.

Und heute stehe ich am morgen auf, geh ins Badezimmer und mach mich vor dem Spiegel bereit, ohne dass mir ein Drama meinerselbst entgegenglotzt, ohne dass ich bedaure dass schon wieder ein neuer Tag begonnen hat, ohne dieses allumfassende Gefühl totaler Sinnlosigkeit meines Lebens – ich bin einfach ein fast normales Menschlein, das das Leben lebt, zur Arbeit geht und mega viel Spass dabei hat, bald täglich mit der Liebsten rumkuschelt, genug Freiraum im Kopf hat um auch mal wochenlang Diablo-3 zu spielen weil mir grad danach ist…………

Mann, ist das Leben schön, echt. Und so wirklich schön ist es gerade deshalb, weil es so wenig braucht um es schön zu machen. Ich brauche kein Geld, kein Auto, keinen Ruhm, ich brauche eigentlich nichts ausser mir selbst, der Möglichkeit mich selbst anzunehmen und zu lieben und die Frau meines Lebens zu haben, die mich liebt so wie ich bin und die mir tagtäglich zu spüren gibt, dass ich nie allein bin und wirklich geliebt werde.

Ihr fragt Euch nun vielleicht, was dieses ganze Herumgesülze soll……… ehrlich gesagt, ich weiss es auch nicht, mir ist nur einfach grad danach, weil mir mein eigenes Blog mal wieder vor Augen gehalten hat, wie brutal das Leben sein könnte und wie schön es doch ist, jetzt, da es eben nicht mehr ist, wie es einst war.

All das bestätigt mich darin, dass ich Recht habe mit meinem Lieblingsslogan der schon so oft im Blog zu lesen war: “Nichts ist unmöglich, denen, die das Unmögliche wagen”. Ja in der Tat, nichts ist unmöglich, man muss nur mutig und frech und kreativ und unorthodox genug sein und darf sich nicht gefangen nehmen lassen durch Vorstellungen und Einredungen, die einem glauben machen wollen, es gäbe das Unmögliche. Denn wenn man etwas wirklich will und kreativ genug ist um es umzusetzen und hartnäckig genug ist um dieses Ziel zu verfolgen, dann geht es auch – und es führt ans Ziel – und es führt einfach in den Himmel………….. oder wenigstens den Kühlschrank hinunter ;-)

Einzugsvorbereitung und Weltenrettung und so

Momentan muss ich mich etwas kurz fassen, muss grad noch kurz Welten retten gehen und so, aber wenigstens mal in Kürze die Würze äh das Neuste……..

Einzugsvorbereitungen mit Juliet

Das Schönste vorab, Juliet war über Pfingsten bei mir und wir ackerten das ganze Weekend durch. Einerseits haben wir das Wohnzimmer komplett umgestellt, was vorallem wegen der Kabelage hinter dem TV eine Mordsarbeit war, anderseits haben wir Platz geschaffen, hauptsächlich im Kleiderschrank. Und das war eine noch grössere Herausforderung als die Kabelage hinter dem TV und das will was heissen ;-) Mein Schrank ist ja trotz seiner beeindruckenden Grösse prallvoll, nicht zuletzt weil mich eine meiner besten Freundinnen schon mehrmals sackweise mit Kleidern versorgte. Und da Juliet ja auch nicht ständig nackt rumlaufen kann – so sehr mir das gefallen würde – mussten wir meinen Kram aussortieren. Das Resultat war doch recht befriedigend, so an die dreissig Kleiderbügel konnten wir freimachen, sie konnte ihren ersten Koffer einsortieren und hat immer noch genug Platz für den Rest – oder ich hab Platz um neue Kleider zu kaufen :D Das Schöne an der ganzen Sache ist, dass es nun erstmals unsere Wohnung ist, es ist nicht mehr Meine und sie ist zu Besuch, wir wohnen jetzt beide da, auch wenn sie jetzt nochmal für 2 Monate zurück nach Hamburg geht. Und das spürte ich dann auch deutlich als ich vom Flughafen zurückkam. Die gewohnte Depression kam nicht, das Eintreten in unsere nun gemeinsame Wohnung hinterliess ein ganz anders Gefühl, ich war nicht wieder allein in meiner Wohnung sondern in unserer Wohnung, die wir angefangen haben einzurichten und Juliet ist halt nur grad nicht zuhause. Echt, es war ein ganz anders Gefühl, ein gutes Gefühl, ein seeeehr Gutes :-)

Diana brutzelt das Teufelspack

Ansonsten komme ich aber zu gar nix, weil ich nebst den Umzugsvorbereitungen vorallem damit beschäftigt bin, abertausende von Monstern abzufackeln und mit Blitzen und Eisnebel zu plätten. Das neue und so lang ersehnte Computerspiel “Diablo 3” hält was es verspricht, es ist sowas von gut, dass der Suchtfaktor weit über dem Zumutbaren ist. Da mag es noch so ein Uhr nachts sein und man mag noch so müde sein, noch schnell diesen Keller aufräumen und Schatztruhen plündern, noch schnell diesen Boss-Gegner plätten, noch schnell die neu erworbenen Zauberkräfte ausprobieren…….. *seufz*…….. und wenn man’s dann doch endlich ins Bett schafft und schon bald darauf der Wecker des Todes klingelt, hat man keine Feuerbälle um den auch gleich niederzumetzeln. Ich muss Euch echt etwas mehr über diese verrückte Spielwelt erzählen, aber eben, mir fehlt die Zeit, kommt aber bestimmt noch ;-)

Verbrutzelte Atomreaktoren

Apropos Teufelspack und Feuerbälle – heute hat das Schweizer Bundesgericht einen ersten Entscheid gefällt zum Schrottreaktor Mühleberg: Ein Zwängel-Gesuch der BKW wurde abgelehnt und das dürfte defintiv das Aus sein für diese Atomkrücke. Und damit zeigt sich einmal mehr, dass wir UmweltschützerInnen halt letzten Endes eben doch Recht bekommen. Schon vor über einem Jahrzehnt lag ich im Greenpeace-Overall an diesen Schrottreaktor angekettet und protestierte dagegen, dass diese Lotterkiste trotz Rissen im Reaktorkernmantel weiter betrieben wird. Während ein Auto in Millionenhöhe haftpflichtversichert sein muss und schon das kleinste Rostfleckchen vom Strassenverkehrsamt beanstandet wird, dürfen AKWs auch mit Rissen im sicherheitsrelevantesten Teil der Anlage weiter betrieben werden und das während nicht mal ein Prozent eines möglichen Schadens versichert ist. Remember – die nicht versicherten Kosten eines nuklearen Super-GAUs wären in etwa eine halbe Million pro Kopf – haben wir ja in der Portokasse ;-) Dieser Fall zeigt mal wieder, dass es sich eben doch lohnt, gegen Windmühlen anzurennen und aussichtslose Kämpfe zu führen – auch wenn es nebst unserem jahrelangen Einsatz auch noch Tscherobyl und Fukushima brauchte um zur Vernunft zu kommen, am Ende stehen wir doch endlich vor dem Atomausstieg. Apropos Fukushima, an der amerikanischen Küste sind nun auch schon die ersten radioaktiv verseuchten Thun-Fische aufgetaucht – natürlich gesundheitlich vöööööööllig unbedenklich.

Gentech-Pflanzen des Grauens

Apropos auf dem Teller und Grossrisikotechnologie – ebenfalls heute meldet das Wissenschaftsmagazin “Spektrum der Wissenschaft” von einer neuen Studie die zeigte, dass der genmanipulierte Bt-Mais bereits zu Resistenzen führt. Nein, echt? Es dürften ungefähr 15 Jahre her sein, dass ich nebst einer Unzahl an Leserbriefen und Forendiskussionsbeiträgen meine erste Webseite erstellte, in der ich unter Anderem auch kurz erklärte, weshalb der genmanipulierte Bt-Mais Resistenzen fördern würde und damit Bio-Bauern ihr natürliches Bt-Protoxin nicht mehr verwenden können. Wir hätten keine Ahnung, sagten damals diejenigen die uns glauben machen wollten sie hätten Ahnung – so wie die Atömler uns einredeten, ein atomarer Super-GAU käme nur alle 10’000 Jahre einmal vor. Und einmal mehr hatten wir Recht, wie bereits bei unserer Befürchtung, dass der Einsatz von Antibiotikaresistenzgenen in der Gentechnik das Aufkommen antibiotikaresistenter Keime fördern würde. Auch wenn ich in all diesen Themen lieber nicht Recht behalten hätte, so bleibt doch wenigstens die Hoffnung, dass die Technologiegläubigkeit und der Machbarkeitswahn des modernen Menschen durch solche Erkenntnisse doch irgendwann mal etwas bescheidener wird.

Und weiter ballern

So und jetzt muss ich weiter, der dritte Akt von Diablo wurde gestern von mir eröffnet und da tummeln sich grad mehr beängstigende Kreaturen als an einer SVP-Albisgüetlitagung, ich werde also dringend gebraucht ;-)

Da iss echt was los, sach ich Euch :-)

Nachdem ich letzte Nacht bis vier Uhr das neu erschiene Computerspiel Diablo 3 spielte und heute a bisserl arg teiggig aufwachte, überrascht es mich doch, dass ich dann schon bald nach dem Frühstück (3 Kaffees) zu Bloggen anfing wie blöd. Begleitet von der ebenfalls diese Woche erschienen ersten CD des Schweizer “Supertalents” Eliane, haute ich in die Tasten als gäbe es eine Welt ausserhalb von Diablo 3. Aber das ist eher eine Ausnahme, denn meist bin ich in letzter Zeit absorbiert durch so Manches, ich versuch das jetzt mal schnell zusammenzufassen.

Juliet kommt, eieieieieiei

Da juliet Anfang August hier einzieht, muss ich natürlich Platz schaffen, denn meine kleine Wohnung ist bisher nur für eine Person ausgelegt und die nutzte ich bisher grosszügig. Nun muss alles etwas näherrücken, beispielsweise Bücher im Buchregal zweireihig hintereinander und so Spass. Das gibt ne Menge Arbeit, immer zwischendurch mal wieder etwas. Und davon kriegt man Muselkater, sag ich Euch, meine Nerven. Wer wie ich körperlich nix anderes macht als auf dem Bürostuhl zu sitzen oder auf dem Sofa zu liegen, der hat keine Muskeln mehr, da ist jede ungewohnte Bewegung eine Herausforderung. Und wenn ich da so ein bis zwei Stunden vor einem Bücherregal herumturne und dies nach dort und das nach sonstwo verschiebe, fühl ich mich am nächsten Tag meist als hätte ich n’Marathon gemacht.

Diana rettet mal wieder eine Welt

Nach monatelangem Warten war es diese Woche endlich soweit und das langersehnte Spiel “Diablo 3” wurde vom Stapel gelassen. Diablo ist die Urmutter der Art von Fantasyspielen, die ich so liebe. Dementsprechend waren die Erwartungen riesig und zusammen mit Millionen Anderer lauerte ich auf den Release. Die letzten Tage habe ich mich nun dort etwas eingelebt und werde demnächst mal darüber hier berichten. Aber fürs Erste raubte das Spiel die Zeit wie ein Staubsauger den übersehenen Hamster – oder wie im Spiel, Feuerball, wusch und weg :-)

Eliane – das Supertalent das Dianchens Herz zum schmelzen bringt

Ne quatsch, so richtig zum Schmelzen bringt mein Herz nur Juliet :-) Aber auch Musik kann berühren und erschüttern und das Schweizer Supertalent 2012 gehört zu diesen seltenen Musikern. Schon beim Casting war ich hinundweg und als Eliane Müller dann eins meiner Lieblingslieder “Ran” von Leona Lewis sang, hatte ich feuchte Augen. Diese Woche kam nun ihre erste CD raus, die ich bereits vorbestellt hatte und die ist einfach Hammer. Etwa die Hälfte der Songs sind genau in diesem gefühlsvollen Stil den ich so mag, der Rest sind zwar auch schöne Lieder, aber es ist nicht das was ich an dieser Sängerin so liebe, dieses Mega-Gefühls-Dingens. Ich wollte schon während der Sendung über sie schreiben, hab damit sogar bereits begonnen, aber bisher habe ich es noch nicht geschafft – folgt demnächst, hoff ich mal ;-)

Zum Schreiben gedrängt

Und immer wieder tauchen Themen auf, die mich drängen zu schreiben. Unterdessen sind über 80 Entwürfe in diesem Blog gespeichert, die darauf warten, dass jemand sie fertig macht – oder anfängt – weil es teils erst Titel sind. Auch heute war wieder grosse Schreiberei angesagt und auch heute ist nicht alles fertig geworden. Der Beitrag über Transphobie etc. war schon lange geplant, aber erst heute drängte es mich genug dass ich den Text schrieb. Dann ist ein Weiterer fast fertig geworden, eine grössere Sache über den “Geschlechtwechseler-Mythos” und die “Existenz-Leugnung transsexueller Menschen”. Vermutlich geht der nächste Woche raus, die restlichen Achzig, naja, was weiss ich :-)

Wenn ich mir mein Geschriebenes so ansehe, wirkt das auf mich gar nicht so als ob da so viel läuft – aber ich schwör’s, es ist echt viel :-) Apropos, den Druck des letztjährigen Tagebuch sollte ich auch endlich mal *seufz* und die Steuererklärung ist auch überfällig……….. ach…………

So und jetzt geh ich noch etwas Diablo spielen, in zweieinhalb Stunden ist Blabla-Zeit mit Schatzi, da lohnt sich eine kleine Reise ins Land der blitzschleudernden Zaubererinnnen – wusch und weg ;-)

Endlich zusammen – Juliet zieht in die Schweiz

Irgendwann wird es geschehen, das Wunder hier auf dieser Erde…
und eine Stimme sagt: Es werde ein neuer Tag.
(Illuminate – ein neuer Tag)

Seit über 2 Jahren führen Juliet und ich eine Fernbeziehung und sehen uns nur etwa 4-5 Tage pro Monat, viele Male haben wir vorgeschwärmt wie schön unsere lang ersehnten Wochenenden waren und genauso oft jammerte ich über die dazwischenliegende Zeit der Sehnsucht und Entbehrung. Die ganze Zeit gab es vorallem eines, das uns Kraft gab und das war die Gewissheit, dass wir irgendwann zusammenziehen würden. Nun erfüllt sich dieser Traum resp. wir erfüllen ihn, Anfang August zieht Juliet samt ihrer zwei Katzen zu mir – es ist vollbracht :-)

Geplant war es eigentlich ganz anders. Da Juliet aus mehreren Gründen viel mehr mit Hamburg verbunden ist als ich mit meiner Heimat, war der Plan ursprünglich, dass ich irgendwann nach Hamburg ziehe. Ein Szenario war, dass ich übergangsweise hinundher pendle, weil ich an meinem jetzigen Job sehr hänge. Juliet hat in einem eigenen Blogbeitrag darüber ja schon genug geschrieben, jedenfalls gab es da mehr Hindernisse als uns lieb waren, nicht zuletzt die Hamburger Wohnungssituation. So drängte sich dann immer mehr die Frage auf, ob wir fürs Erste nicht das Gegenteil tun, Juliet also hierher kommt. Nach über zwei Jahren unausgeglichenen Sehnsucht-Kuschel-Verhältnisses war der Druck dann doch gross genug und nach einem letzten Stubs meines Vaters kamen wir dann zum Schluss, dass wir nun wirklich des Sehnens müde sind und halt den Plan ändern – wir sind ja schliesslich flexibel genug um den Bedürfnissen des Schicksals nachzukommen.

Nun wird sie also im August hierher kommen und hier auf Jobsuche gehen. Wenn das soweit klappt, werden wir sicher mal die nächsten paar Jahre hier bleiben und dann nochmal über die Bücher gehen. Vielleicht gefällt es ihr ja bis dahin so gut, dass sie gar nicht mehr zurück will oder wir wollen zurück oder wir gehen nach Irland oder Grönland oder auf den Mond, wir sind ja wie gesagt flexibel ;-)

Die Zukunft ist mir persönlich momentan grad sowas von egal. Ich bin im siebten Himmel, weil ich weiss, dass ich bald tatsächlich im 7. Himmel sein werde. Noch gute zwei Monate und die Zeiten sind vorbei, in denen ich tagtäglich allein ins Bett gehe, allein dort wieder aufwache, mich allein am morgen in den Tag tüdle, am Abend wieder in eine leere Wohnung gehe – vorbei sind die Zeiten, in denen ich zwanzig Tage am Stück weder geknutscht noch geknuddelt werde, vorbei die Zeiten, in denen mein Badetuch das Einzige ist was mich streichelt :-)

Boah was werden wir uns geniessen, meine Güte :-) Und wir haben schon tausend Pläne, angefangen von der Einrichtung der Wohnung bis zu dem was wir unternehmen wollen, von Pubbesuch über Unternehmungen mit FreundInnen bis hin zu Ausflügen. Endlich werden wir genug Zeit haben um all das zu machen, was man eigentlich machen würde, was wir aber nur selten taten, weil die paar kurzen Tage die wir einander hatten einfach zu wertvoll waren, weil wir nicht anders konnten als einfach auf dem Sofa aneinander zu kleben. Es beginnt ein ganz normales Beziehungsleben – naja – so normal wie ein DuoInfernale sein kann.

Das Duo Infernale zusammen? Tagtäglich? Uiuiuiuiuiuiui das kommt gut, meine Nerven. Das Bild zu diesem Blogbeitrag passt wie Arsch auf Eimer, würde meine Hamburgerin da sagen, das wird wirklich ein Feuerwerk des Verrücktseins.

Nun bleibt nur noch zu empfehlen, das Zürcher Oberland die nächsten paar Jahre grossräumig zu umfahren. Die zwei verrücktesten Mädels der Welt sind nun an einem Ort vereint – der Wahnsinn hat eine neue Dimension :D

Langer Rede, dummer Sinn……. ich bin sowas von glücklich :-)

http://www.youtube.com/watch?v=0VrxbWp9n3E

Dianas Hirnzerfall beim Schuhkauf

Wir sollten uns mal wieder über die wirklich wichtigen Dinge ein paar Gedanken machen, beispielsweise das Mysteriums des weiblichen Schuhladenbesuchs und im speziellen der merkwürdigen Tatsache Aufmerksamkeit schenken, dass bei mir beim Schuhkauf regelmässig und mit an Sicherheit grenzenden Wahrscheinlichkeit der Verstand komplett aussetzt…….. denn das hat sehr sehr seltsame Konsequenzen……..

Ich bin ja eigentlich keine Schuhfetischistin im herkömmlichen Sinn, ich hab kaum wirklich exklusive Schuhe sondern stehe im wahrsten Sinn des Wortes vorallem auf so klassische Pumps – idealerweise mit gut gangbarer Absatzhöhe von 6-8cm für den Alltag und höchstens 10cm für besondere Anlässe. Mein Problem kommt eher daher, dass ich einfach sehr klare Vorstellungen habe von einem guten und schönen Schuh. Ist er zu hoch, tun die Füsse weh, zu tief hab ich immer das Gefühl hinten rauszukippen, ist er zu eng, tun die Füsse wieder weh, ist er zuwenig eng, hat man damit keinen Halt und stöckelt wie eine sturzbetrunkene Giraffe, er darf nicht zu spitz sein, bei den Fussballen nicht zu eng und und und…… und dann braucht man sowas in schwarz für dunkle Kleider, in beige für helle Kleider, in braun und in grau und in weiss und und und……… und dann kommt der Winter und der ganze Quatsch geht mit Stiefeln wieder von vorne los *seufz*

Des Mädels heiliger Gral

So kommt es, dass die Jagd auf “den richtigen Schuh” Formen angenommen hat, die vergleichbar sind mit der einstigen Suche der Kreuzritter nach dem heiligen Gral – auch sie haben ihn nie gefunden – ich aber bleibe dran ;-) Aber es ist schon auch so, dass ich so Pumps wirklich schön finde und sie in meinen Augen das Gesamtbild eines elegant-berockten Mädels abrunden wie ein Diamant einen Ring *malscheinbarzufälligzuschatzirüberguckt*. Soviel mal als Voraberklärung, damit man sich die dahinterliegende Dramatik etwas vorstellen kann. Nun zum eigentlichen Thema, was diese wie ferngesteuert wirkende Suche nach dem heiligen Schuh für Auswirkungen hat.

Wer sucht, der findet, das sagte schon Jesus und die Kreuzritter glaubten es auch, ich auch – und ich kann sogar bestätigen, dass das wirklich stimmt. Fast immer, wenn ich einen bestimmten Schuh suche, finde ich auch innert kürzester Zeit einen bestimmten Schuh, echt wahr! Ok es ist nie der, den ich gesucht habe, aber es ist garantiert ein Schuh, den ich unbedingt noch brauchte. Juliet meckert dann zwar meist rum, ich hätte genau so einen doch schon, aber mir gehen dann die Argumente nie aus um einleuchtend zu erklären, weshalb dieser Schuh was völlig Anderes sei, weil er vielleicht 0.5cm höher oder tiefer ist, etwas weniger spitz, ein etwas helleres beige als der hellbeige Schuh den ich schon hab. Naja, so richtig begreifen tut sie’s meist nicht, aber das ändert in der Regel nichts daran, dass ich hinausziehe um ein paar Schuhe zu kaufen und dann mit zwei paar Schuhen wieder heimkomme – ohne die wirklich gesuchten Schuhe gefunden zu haben – worauf ich natürlich beim nächsten Schuhladen gleich wieder einen Ausfallschritt mache und mit quieckenden Geräuschen durch die Regale stöckle…………

Das hat nur noch wenig mit Vernunft zu tun, ich geb’s zu, eigentlich hat es gar nichts mit Vernunft zu tun, genau genommen isses sogar total bekloppt. Und so mag es erstaunen, dass das eigentlich erst die Spitze des Eisbergs ist, denn wie ausgeklinkt mein Verstand ist, zeigt etwas ganz Anderes, etwas das sogar mir ein wenig unheimlich ist.

Wissen schützt vor Torheit nicht

Wenn ich wie so oft “die Schuhe meines Lebens” gefunden habe, eben die, die nicht die sind, die ich gesucht habe, dann gerät Dian’chen in eine beängstigende Euphorie. Wie das Kleinkind vor dem Weihnachtsbaum, aufgeregt, für keine logischen Gedanken mehr zu haben……… und dann läuft das immer, ich betone, immer, genau so ab. Ich schnapp mir Grösse 40, schlüpfe mit dem rechten Fuss rein, stelle fest, dass mein Fuss da drin sitzt wie angegossen und weiss dann mit absoluter Sicherheit, dass der Schuh perfekt ist. Ich weiss mit derselben Bestimmtheit, dass mein linker Fuss verblödeterweise ein klein wenig grösser ist als der Rechte. Aber diese Information wird von meinem Restverstand in so einem Moment nicht mehr korrekt verwertet.

  • Linker Fuss an Grosshirn: “ich bin grösser als der rechte Fuss, wenn’s rechts korrekt sitzt, ist es links viel zu eng”
  • Grosshirn an Fuss: “Klappe, der Schuh passt, wir brauchen Grösse 40, das kommt schon gut”
  • Linker Fuss an Grosshirn: “mach kein Scheiss, wir kennen das zu Genüge, ich leide dann wieder den ganzen Tag”
  • Grosshirn an Fuss: “schweig und stirb wie ein Mann äh ein Fuss, ich weiss genau dass wir Grösse 40 haben und Du hast da gefälligst reinzupassen”

Und am anderen Tag steh ich auf, freu mich auf meinen ersten Auslauf mit den neuen Schuhe, schlüpfe rechts rein und erfreue mich an einem perfekten Sitz, schlüpfe links rein…….. öööööhhhhmmmmm……. versuche links reinzuschlüpfen…….. *hüstel*…….. zwänge und würge diesen verfluchten Fuss in diesen noch verfluchteren Schuh……… verdrehe dabei die Augen, gebe Grunz- und Pfeifflaute von mir, stehe wacklig auf, stöckle wie auf rohen Eiern zur Arbeit…….. und verfluchte den Tag an dem ich schon wieder zu kleine Schuhe gekauft habe und nehme mir vor, nie wieder Schuhe zu kaufen ohne Beide anzuprobieren………. und ich Idiotin glaub mir das dann auch noch.

Und so kommt der Tag, an dem ich wieder an einem Schuhladen vorbeikomme, allem Gezetter von Juliet zum Trotz hineinstürme und………….. *seufz*

Unbeantwortet bleibt das Mysterium um das “Warum”

Ich weiss nicht, warum ich das tue, echt nicht. Aber ich tu’s, immer wieder von Neuem. So wie ich öfters mal mitten in der Nacht eine Tafel Schokolade aus dem Kühlschrank hole und sie neben mir ins Bett lege – nur um ein paar kleine Stückchen zu naschen – um dann am nächsten Morgen neben einer leeren Packung aufzuwachen, ohne n’blassen Schimmer zu haben, wohin zum Kuckuck diese Schokolade verschwunden ist.

Nun wird es wohl wenig überraschen, wenn ich abschiessend noch erwähne, dass es mir bei Kleidern eigentlich ähnlich geht. Ich probier aus Prinzip nie etwas an in Läden, weil ich ja nicht blöd bin und genau, auf den ersten Blick und untrüglich sehe, ob mir etwas passt und selbstverständlich auch, ob es mir steht. Naja, zumindest rede ich mir das jedes Mal von Neuem ein, glaube mir jedes Mal wieder als hätte es all die tausend vorhergehenden Male nicht gegeben. Aber im Gegensatz zu den linken Schuhen habe ich bei Kleidern wenigstens meistens Recht. Ich hab da wirklich ein Auge dafür und so sind meine Kleider-Einkäufe meist auch erfolgreich. Aber das hat vielleicht auch mehr damit zu tun, dass Kleider etwas flexibler sind im wahrsten Sinn des Wortes. Wenn ein Shirt oder noch mehr ein Stretchkleid halt etwas eng ist, dann dehnt sich der Stoff einfach noch etwas mehr. Bei Schuhen funktioniert das nicht, deshalb weiss auch jedes Mädel, dass man immer Beide anprobiert und mindestens einen kleinen Catwalk quer durch den Schuhladen macht. Jedes Mädel weiss das, sogar ich………. nur hilft’s mir irgendwie nicht.

Und so kam es, dass ich auch heute wieder am Arbeitsplatz sass, während mein linker Fuss stundenlang vor sich hinmeckerte, weil ich ebendiese neuen Schuhe wieder trug – zum vierten Mal glaubs – und ich schwöre, auch wenn der linke Fuss jammernderweise anderer Ansicht ist – er passt bereits besser rein, es tut nur noch ein wenig weh – noch ein paar Mal tragen und beide Schuhe passen wie angegossen, sofern der linke Fuss bis dahin noch lebt :-)

Spass reloaded – Wider aller Ernsthaftigkeit

Die letzten Woche war hier Funkstille, einerseits weil wir Ferien hatten und gleich anschliessend nochmal ein gemeinsames Oster-Wochenende (wie hier berichtet), anderseits war ich sehr mit mir selbst beschäftigt. In letzter Zeit habe ich ja oft davon erzählt, dass mich die “Öffentlichkeitsarbeit” mehr aufreibt als gesund wäre und dass ich Wege finden muss, mich von all dem Kram etwas zu distanzieren.

Mein tiefsitzendes Gefühl, die Welt aufklären und aufrütteln zu müssen, drängt mich ständig dazu, die Welt mit Argusaugen zu beobachten und mich überall zu Wort zu melden und dabei verheize ich mich innerlich komplett. Das war früher schon immer so, damals als ich nicht mich selbst leben durfte, damals war die Energie so auch gut eingesetzt, ich hatte ja eh kein eigenes Leben das zu leben es wert gewesen wäre. Die letzten Wochen dachte ich über all das oft nach und verschiedene Impulse drängen mich nun in eine ganz neue Richtung, wie ich meine eine wirklich Gute.

Zeit um zu leben

Es gibt Zeiten zu kämpfen und es gibt Zeiten zu leben und zu geniessen. Ersteres habe ich lange genug getan, Zweiteres wäre gerade in Anbetracht meiner endlich durchkämpften Freiheit mehr als angebracht. Deshalb scheint es mir das einzig Richtige zu sein, dass ich mich bewusst etwas von der Welt da draussen abwende und meinen Fokus wieder viel mehr mir und meinem eigenen Leben zuwende. Ich möchte versuchen, meine Nase für eine längere Weile aus den Medien herauszuhalten und wie schon früher mal vorgenommen, nun wirklich mehr agiere als reagiere.

Eine andere Sichtweise

Nachdem ich mich in den letzten Monaten enorm aufgerieben habe wegen tausend Themen, die mir nahe gehen, in denen ich immer wieder mit Dummheit oder Grausamkeit konfrontiert wurde, wurde mir immer mehr klar, dass es so nicht gehen kann, ich kann nicht die ganze Welt “verbessern”. Genau in dieser Zeit bekam ich von einer lieben Freundin einen Buch-Tipp, ich sollte “Eine neue Erde: Bewusstseinssprung anstelle von Selbstzerstörung” von Eckhart Tolle lesen, das könne meinen Blick in eine etwas bessere Richtung lenken. Und in der Tat, dieses Buch spricht viel von dem an, worüber ich mir in letzter Zeit Gedanken gemacht habe. Zusammen mit anderen Impulsen die alle in dieselbe Richtung drängten, landete ich durch ebendieses Buch vor eine Frage, die mir zu denken gab: Ich kämpfe die ganze Zeit, mal siege und mal verliere ich, falle nieder, steh wieder auf, kämpfe weiter……… aber wo ist eigentlich der Krieg?

Die Unbewusstheit als Schlüssel zum Verständnis

Diese Gedanken sind noch nicht zuende gedacht, aber es zeichnet sich immer mehr ab, dass das einzige Problem das es gibt, die Unbewusstheit der Menschen ist. Aber wenn das was ich an vielen Menschen so kritisiere und die daraus resultierenden Gedanken, die ich bekämpfe, wenn all das eigentlich nur eine Folge von der Unbewusstheit so vieler Menschen, dann gibt es keine Gegner und keine Feinde, es gibt nur Opfer, die ihr Umfeld mitbelasten – sofern man sich davon belasten lässt.

Das mit der Unbewusstheit muss ich in einem späteren Beitrag detailiert beschreiben, wichtig ist momentan nur, dass mich diese Sichtweise in die Lage versetzt, diesen kollektiven Irrsinn der mir aus dieser Gesellschaft immer wieder ins Genick springt, nicht mehr so ernst zu nehmen wie ich es bisher getan habe. Es macht keinen Sinn, auf Menschen wütend zu sein, nur weil sie sich nicht bewusst sind, was für ein Leben sie führen und wiesehr sie Sklaven ihrer ego-zentrierten Denkweise sind.

Das Leben ist zu wertvoll um es nicht wirklich zu leben

Über all das möchte ich weiter nachdenken, es scheint mir der Schlüssel zu Vielem zu sein. Aber ich möchte mich davon nicht mehr kontrollieren lassen, dazu muss ich es loslassen, diesen Drang, die Welt zu verbessern und aufzurütteln – und vorallem muss ich die Illusion loslassen, ich könnte dabei auch noch erfolgreich sein. Und mehr als all das, bin ich es meinem Leben wirklich schuldig, dass es in vollen Zügen gelebt wird, was inmitten von Schlachtfeldern nicht möglich ist.

Und so entsteht jetzt gerade ein neuer Vorsatz in meinem Leben, eine neue Zielrichtung, eine die ich während der ersten zwei Jahre meiner “Transition” eigentlich verinnerlicht hatte, die ich erst wieder verliess, als ich ganz in meinem Leben ankam und wieder Zeit hatte, die Welt da draussen zu beobachten.

Dem Lachen wieder Raum geben

Gestern kamen Juliet und ich telefonierenderweise auf ein Thema aus der Vergangenheit und dabei blätterten wir im alten Tagebuch herum und Juliet las mir kichernd einzelne Teile davon vor – und mir wurde wieder bewusst, wie sehr ich mich von meiner damaligen Lebenslust und Lebensfreude entfernt habe, wie ernsthaft und kämpferisch mein Leben doch wieder geworden ist.

Und mich überkam eine unbändige Sehnsucht, mich wieder von diesem Gefühl und dieser Zielsetzung beflügeln zu lassen, den Blick wieder in mein eigenes kleines Leben zu verschieben und wieder zu tun, was ich doch so sehr geniesse.

Wider der Ernsthaftigkeit

Das soll nicht heissen, dass mir jetzt alles da draussen egal ist und ich mich nirgends mehr einsetze, keine Sorge. Aber es soll wieder Nebenschauplatz in meinem Leben sein. Es gilt nun die beengende Ernsthaftigkeit wieder aus meinem Denken zu verbannen und wieder vermehrt in die Unbeschwertheit einzutauchen, wieder häufiger das Lachen in meinem Gesicht verweilen lassen ohne dass es von hinter mir lauernden Sorgen weggefegt wird.

Also versuche ich es, mich der Ernsthaftigkeit des Lebens wieder etwas zu entziehen und mich wieder treiben zu lassen. Das wird sich wohl auch auf dieses Tagebuch auswirken, weil es ja immer Spiegelbild meines Lebens ist. Somit lade ich Euch mit ein, der Ernsthaftigkeit etwas abzuschwören, wir sollten uns echt wieder mal über die Komplexität des weiblichen Schuhkaufs Gedanken machen, darüber habe ich nämlich grad aktuell was zu erzählen ;-)

So und jetzt geh ich in die Badewanne, mit nem kühlen Bierchen und verträumter Musik – man gönnt sich ja sonst nix :-)

Reportage: Transsexualität – Gefangen im falschen Geschlecht

Vor über einem Jahr wurde ich mal für das zu T-Online gehörende deutsche Internetportal perlfrech.de zum Thema Transsexualität interviewt, was Vielen gefallen hat. Im Rahmen einer Umstellung der Internetpräsenz wurden dort aber leider alle alten Beiträge gelöscht und so verschwand zum Bedauern meiner LeserInnen auch diese Reportage in den ewigen Jagdgründen des Webs. Aber bekanntlich stirbt nichts was mal im Internet war und wenn doch, lässt man es auferstehen. Und da ich glücklicherweise den Text noch von Korrekturlesen her habe, erlaube ich mir nun, diesen wieder zu re-posten. An dieser Stelle möchte ich mich nochmal herzlich bei Tanja für die wirklich einfühlsame und gelungene Reportage bedanken :-)

Diana ist eine ganz normale Frau. Heute. Ihr Weg dahin war jedoch lang und steinig: Auf die Welt gekommen ist sie vor 44 Jahren mit männlichen Geschlechtsmerkmalen.

Weibliches Hirn, männlicher Körper

Für die meisten von uns ist es schwer zu verstehen, dass es Menschen gibt, die „im falschen Körper“ stecken. Frau ist Frau und Mann ist Mann. Punkt. Vielleicht lassen wir noch gelten, dass es Männer gibt, die einfach gerne hin und wieder Frauenkleidung tragen – und belächeln es ein wenig. „Transen“ eben. Dabei hat die reine Vorliebe für „Mädchenkleider“ überhaupt nichts mit Transsexualität zu tun – das ist eher Transvestitismus oder einfach ein Fetisch. Transsexualität jedoch ist weder ein Fetisch noch hat es mit der sexuellen Ausrichtung zu tun, sondern mit einem „falschen Körper“, in dem die andersgeschlechtliche Seele gefangen ist. Transsexuell zu sein bedeutet, dass sich das Gehirn nicht demselben Geschlecht entsprechend entwickelt hat wie der Rest des Körpers.

Eine unerklärliche Sehnsucht

Als Kind konnte Diana nicht genau definieren, was an ihr falsch war, doch dass etwas nicht stimmte, stand bereits damals für sie fest: „Meine früheste Erinnerung ist, dass ich schon als Kind – vielleicht auch unbewusst – Theater gespielt habe. Ich habe schnell gemerkt, dass es für andere albern und teilweise befremdlich wirkte, mich als vermeintlichen Jungen mit Puppen spielen oder gar im Kleidchen tanzen zu sehen“, erzählt sie. „Also habe ich mir die Jungs ganz genau angeschaut, sie imitiert und mir alles Mädchenhafte abtrainiert.“ Mit 23 hat Diana schließlich eine Dokumentation über Transsexualität gesehen, danach konnte sie einordnen, was „mit ihr los war“. „Endlich hatte ich einen Namen für die bis dahin unerklärliche Sehnsucht, die all die Jahre in mir war“, erinnert sie sich.

Jahrzehnte langes Leiden

Die Sehnsucht und ihr wirkliches Wesen hat Diana auch danach verdrängt, ist eher in ein männliches Extrem verfallen. „Ich war der knallharte Rockertyp mit Harley Davidson, habe sozusagen jedem Macho-Klischee entsprochen – zumindest optisch. Meine wahre weibliche Persönlichkeit war tief in mir eingeschlossen, musste sich vor der Welt verstecken.“ Für die 44-Jährige folgten Jahre der Selbstverleugnung, Zerrissenheit und des inneren Leidens. „Mein einstudiertes maskulines Verhaltensmuster habe ich über die Jahre perfektioniert, habe quasi immer eine Maske getragen. Ich war nicht wirklich ich selbst, konnte mich nie zulassen.“

Erstes Outing mit 44

Mit 44 outete Diana sich zum ersten Mal gegenüber einem anderen Menschen: Sie gesteht ihre Transsexualität ihrer damaligen Lebenspartnerin. Diese reagierte verständnisvoll. In den eigenen vier Wänden konnte Diana nun also auch äußerlich eine Frau sein, Kleider und Make up tragen. Musste sich nicht mehr verstellen. Doch der Druck, in der Öffentlichkeit eine Maske aufsetzen zu müssen, blieb. Als die Beziehung nach einigen Jahren auseinander ging, nahm Diana sich Zeit zum Nachdenken. Nach etwa einem halben Jahr machte es eines Abends „Klick“ in ihrem Kopf und sie entschied: Schluss mit Maskerade und aufgesetzter Männlichkeit – sie konnte einfach nicht mehr weiter diese Lüge leben.

Verständnis bei Familie, Freunden und Kollegen

Diana beschloss, nun auch öffentlich zu ihrer Weiblichkeit zu stehen – mit allen Konsequenzen. Sie wollte endlich ihr Leben leben, endlich ganz und gar Frau sein – und war bereit, den schweren Weg, der vor ihr lag, zu gehen. Als erstes outete sie sich bei Freunden und Familie, dann in der Firma, in der sie seit einigen Jahren als Programmiererin arbeitete. Sie traf auf weit mehr Verständnis als erhofft. Kollegen, Freunde und Familie hatten überwiegend keine Probleme mit ihrer Offenbarung. Die erste Hürde war genommen.

Extrembelastung Alltagstest

Um am Ende die Zulassung und Kostenübernahme zu einer genitalangleichenden Operation zu bekommen, musste Diana mindestens ein Jahr lang öffentlich als Frau leben – der sogenannte Alltagstest. Dieser Alltagstest ist gerade für transsexuellen Frauen sehr belastend. Der durch jahrelange Testosteronproduktion extrem männliche Körper wirkt in weiblicher Kleidung auf die Umwelt meist etwas befremdlich und teilweise recht belustigend. Bartschatten und andere markante Merkmale verschwinden schließlich nicht über Nacht. Nicht selten wird jeder Gang vor die Haustür so zum Spießrutenlauf. Kommen Optik und Auftreten möglichst perfekt an das wahre Geschlecht heran – in Dianas Fall also weiblich – nennt man das „ein gutes Passing“. Um eben diese gute Passing zu erlangen, begann Diana sofort, Bart- und einige Körperhaare weglasern zu lassen. „Die Angst, plötzlich unfreiwillig als vermeintlicher Mann „geoutet“ oder verspottet zu werden, war immer da“, erinnert sie sich an die Anfangszeit zurück.

Psychische oder biologische Ursachen?

Auch zu einem Therapeuten ging Diana regelmäßig, das ist ebenfalls Pflicht: „Das Entwürdigende ist, dass du dich als gestörten Mann diagnostizieren lassen musst, um als die Frau anerkannt zu werden, die du schon immer warst“, erzählt sie. „Dabei gibt es mittlerweile viele Untersuchungen, die beweisen, dass Transsexualität eben keine Wunschfrage und keine psychische Störung ist, sondern biologische Ursachen hat. Die maßgeblich geschlechtsbestimmenden Hirnregionen einer transsexuellen Frau entsprechen der weiblichen Anatomie“, weiß sie. Um ihr Passing noch weiter zu verbessern, kamen Besuche bei einer Logopädin hinzu. „Die tiefe, testosterongeprägte Stimme und auch die eher männliche Sprechweise, die ich mir in all den Jahren antrainiert hatte, gaben doch immer wieder meine Vergangenheit preis“, ärgert sie sich ein wenig.

Endlich angekommen!

Mittlerweile ist Diana ihren Weg unbeirrbar gegangen – egal, welche Schwierigkeiten ihr auch begegneten. Die genitalangleichende Operation hat sie hinter sich gebracht und ist nun nicht nur mit Seele, sondern endlich auch mit dem Körper ganz Frau. „Jetzt kann ich mich annehmen, wenn ich vor dem Spiegel stehe. Das bin einfach ich! Mein erster Gedanke nach der OP war: Endlich ist es vorbei!“. Sie lebt nun das richtige Leben im richtigen Körper. Sie ist eine attraktive Frau mit viel Stil, Charme, Humor – und Kraft. Mit 44 Jahren endlich angekommen.

Ein vergnügter Sommeranfang samt Stressresistenz

Es gibt Leute, die sagen, ich sei verrückt, andere halten mich für irre – wisst Ihr was? Sie haben alle Recht und das ist auch gut so – nicht, dass sie Recht haben sondern dass ich verrückt genug bin um mein Leben zu leben, auch wenn’s manchmal etwas bekloppt ist.

Und so kam heute mal wieder einer dieser Tage, an dem ich unerklärlich vergnügt aufstand, mich antüdelte, vor den Kleiderschrank in Achtungsstellung ging und weiss der Kuckuck was in meinem Kopf vorging……..

……. und meine biologische Uhr schaltete auf Sommer, meine Laune auf Sommerlaune, mein Übermut näherte sich dem eines Fohlens das zum ersten Mal auf der Weide rumhopsen kann……..

…….. und schon hatte ich es an, dieses schulterlose Stretchkleid – zum ersten Mal in meinem Leben trug ich schulterfrei – ich blickte ein letztes Mal in den Spiegel, attestierte mir uneingeschränktes Beklopptsein und stöckelte zur Arbeit. Hach ist das schön, jung und verrückt zu sein.

Naja, jung……. beschränken wir uns auf verrückt, das reicht auch für einen guten Tag.

Offenbar hat mir meine zweiwöchige Badewannenphase gut getan. Nicht nur, dass ich mir dabei bewusst werden konnte, wo der Schuh drückt, es zeichnen sich auch neue Strategien ab, mit all dem klar zu kommen. Und das wiederum führte zu einer Art Befreiung, ich konnte wieder etwas loslassen und das wiederum bringt mich langsam auf Kurs, scheint es jedenfalls. Die letzten paar Kommentare die ich gestern und heute irgendwo deponierte, waren entweder ganz einfach sachliche Informationen, die ich deponierte und es damit beliess, dass gesagt wurde was gesagt werden muss – oder ich entlarvte den zu kritisierenden Text mit zuckersüsser Ironie, so dass er eigentlich auch vom Tisch war und ich dabei auch noch eine schelmische Freude erleben durfte….. Ich sollte mal wieder Epiktet lesen, der Kerl hatte es echt drauf ;-)

Dass ich seit gestern wieder steil aufwärts schwebe, erstaunt vorallem auch deshalb, weil gerade dieser Tage ein paar sowas von hässliche Dinger auf meinem Monitor landeten, dass ich eigentlich mit der virtuellen Kettensäge hätte bloggen müssen. Das Gröbste war ein Beitrag im Magazin einer “Homosexuellenorganisation”, in dem der Standpunkt vertreten wurde, dass man transsexuellen Mädchen nicht helfen solle, weil die in Wirklichkeit homosexuelle Jungs seien die ihre Sexualität verdrängen würden. Öhm, Transphobie in einem “Homosexuellenmagazin”? Sorry, aber diese Trans=Homo Theorie ist längst widerlegt und stammt aus einer Zeit, in der dieselben Sexologen die uns Transsexuelle psychopathologisieren, auch Homosexuelle als psychisch gestört klassifizierten. Der Autor sollte sich also hüten, dieses Denken wieder aufzuerwecken. Jedenfalls ärgerte ich mich zwar kurz mal heftig darüber und werde vermutlich in einer Form darauf reagieren, aber dieser Blödsinn haute mich nicht um. Da war einfach sowas in mir, etwas das sagte: lass den Troll Troll sein, lass Dir Deine Vergnügtheit nicht verderben, heute ist ein guter Tag……

Und ich ging in mein Raucherräumchen eine rauchen, schaute in den strahlend blauen Himmel, blickte an mir runter und sah, was ich verrücktes Huhn heute wieder angezogen habe – und bei all dem fühlte ich mich einfach glücklich und zufrieden und irgendwie begann mich diese Episode sogar zu amüsieren. Dass jemand solchen Unsinn erzählen kann ohne auf der Stelle vom Blitz getroffen zu werden, hat was von Comedy, wär’s nicht wahr, könnte man sich darüber kaputtlachen.

Und so verging der Tag wie im Flug und meine Laune blieb bis jetzt so vergnügt, wie Schmetterlinge im Frühling nunmal sind………. achja, ging’s nicht mal noch ums Kleid?`Also mal so ganz unter uns, wenn ich mir das Foto so anschaue, dann beschleicht mich schon auch das Gefühl, dass ich zumindest an gewissen Tagen ein ziemlich verrücktes Weibchen bin. Aber diese äusserliche Selbstentfaltung, die mir nach so langer Entbehrung endlich möglich ist, dieses ständige sich neu suchen und neu finden und neu erfinden, all das ist nachwievor etwas Berauschendes.

Das wirkt auf mich wie jemand der ein Leben lang in Ketten eingekerkert war, eines Tages raus kann und dann ständig an Ort in die Luft hüpft wie bekloppt. Da fragt einer, sach mal, was zum Geier hüpfst Du da rum wie blöd? Keine Ahnung, antwortet der Hüpfmensch, ich hab einfach so n’Bewegungsdrang in mir, es fühlt sich einfach so ungewohnt schön und befreiend an, immer wieder zu spüren, dass ich mich wirklich jederzeit und in jede Richtung bewegen kann wie mir danach ist. Und wenn er nicht gestorben ist, dann hüpft er vielleicht heute noch ;-)

Und doch habe auch ich manchmal diese Stimme in mir, wie heute morgen, die mir energisch zuzischt: Haste jetzt n’Totalschaden, Du kannst doch nicht in dem Fummel zur Arbeit……….. naja, was soll ich sagen, offensichtlich konnte ich doch, Theorie widerlegt, ich kann sehr wohl :-)

Und falls doch noch jemand unter den Mitlesenden denkt, ich würde es übertreiben – tragt mal vier Jahrzehnte lang die Kleider des anderen Geschlechts und dann reden wir nochmal darüber ;-)

In dem Sinn – mögen wir unser Verrücktsein nie verlieren, denn gerade dieses Verrücktsein kann manchmal der Quell wahrer Lebenslust sein – Carpe Diem!

Nachtrag: ATME hat soeben zu diesem obgenannten Magazinbeitrag Stellung genommen:
Einer von der taz schreibt und ATME schweigt immer noch

Badewannen-Blues – ich bin des Streitens müde

Seit über zwei Wochen komme ich jeden Abend nachhause, fühle mich wie unter Strom und kann nicht anders als erst mal ein bis zwei Stunden in die Badewanne zu liegen, mich dahin treiben lassen an den Ort, an dem die Welt noch in Ordnung ist, weit weg von der Welt. Diese unfreiwillig-freiwillig genommenen Auszeiten zeigen mir in aller Deutlichkeit, dass etwas nicht in Ordnung ist und dass ich nun wirklich über die Bücher muss. Diese Welt da draussen zerreibt mich wie ein Mühlstein und wenn ich nicht bald einen konstruktiveren Umgang damit finde, wird sie mich zermahlen. Viel mehr weiss ich noch nicht, aber es ist immerhin mal eine Richtung………..

Die letzten drei Jahre war ich so sehr mit mir selbst beschäftigt und der Alltag war derart fordernd, dass ich kaum noch Energie hatte um mich mit dem “Weltgeschehen” auseinanderzusetzen. Aber nun, da ich in meinem Leben angekommen bin und eigentlich ein lebenswertes Leben führen darf, wird wieder Raum frei und wie ein pawlow’scher Köter tue ich das was ich schon immer tat, in einer Zeit, in der ich kein eigenes Leben hatte sondern mich nur mit der “Rettung der Welt” beschäftigen konnte.

Es vergeht kein Tag ohne dass ich irgendwo in den News etwas lese, das mich interessiert – oft zermürbt mich bereits das was ich da lese genug, aber spätestens wenn mich meine Neugier dazu treibt, zu lesen, was die LeserInnen darüber denken, weil ich wissen möchte, was “die Volksseele” darüber denkt, finde ich mich in einem Morast wieder, der mich zu ersticken droht. In der Regel finde ich da auf Anhieb mindestens ein dutzend von “Ansichten”, die der Realität derart spotten, dass ich diese Desinformation berichtigen müsste. Wo in aller Welt soll ich da anfangen? Und wie soll ich mir erhoffen, aufzuklären, wenn die Verblendung oft so tief verwurzelt ist und so Manche nicht mal elementarste Gedankengänge vollziehen?

Und da beginnt eine unerträgliche Zerrissenheit. Je notwendiger eine Intervention wäre, umso mehr verspüre ich den Drang, “die Wahrheit” zu retten und aufzuklären – aber gerade dann, je notwendiger es ist, desto offensichtlicher ist meist auch die Sinnlosigkeit dieser Bemühung. Schon wieder ein Krieg der nicht gewonnen werden kann, schon wieder eine Wand, in die ich ungebremst hineinrenne.

Es gibt soviel Unwahrheit die verbreitet wird, sei es ob man auch ohne AKWs Strom produzieren kann oder ob sogenannt “bürgerliche Politik” dem Bürger dient bis hin zur Lüge, transsexuelle Frauen seien trotz weiblicher Hirnanatomie “biologisch männlich” als würde das Hirn nicht zum Körper gehören. Wo ich hinsehe, überall wird so Blödsinn verbreitet und eine Heerschar von Denkanalphabeten plappern den ganzen Quatsch hinterher ohne diese aufgeschnappten Ergüsse zu hinterfragen.

Ich müsste bei jedem Thema dem ich mich widme gleich mal ein dreibändiges Buch schreiben, für Leser, die meist schon bei Dreizeilern überfordert sind. Es tut mir leid, wenn ich hier und jetzt unfreundlich wirke, aber das ist nunmal die Realität die sich mir zeigt. Beim Diskutieren halte ich es wie bei Abstimmungen, wenn ich mich mit etwas ernsthaft auseinandergesetzt habe, dann rede ich darüber resp. stimme ab, aber wenn ich mich nicht damit beschäftigt habe, egal wieviel Propaganda mir vor Augen geführt wurde, dann halte ich die Klappe und überlass die Diskussion oder den Entscheid denen, die wissen, wovon sie reden – aber scheinbar gehöre ich diesbezüglich zu einer Minderheit. Gerade in Kommentarspalten von Onlinemedien tummeln sich offenbar mehrheitlich Solche, die ihr Unwissen als Wissen verpackt ausspeien und damit Andere, Unschlüssige, sogar von diesem Quatsch überzeugen.

Dieser ganze Blödsinn reibt mich wie eh und je auf und es gelingt mir bisher einfach nicht, einen einigermassen gesunden Umgang damit zu finden. Ich bin der festen Überzeugung, dass man widersprechen muss, wenn einem der Unsinn entgegen galoppiert. Und ich bin genauso der Überzeugung, dass es viel zu Wenige gibt, die gegen diesen kollektiven Stumpfsinn ankämpfen. Aber ich spüre genauso, wie mich dieser nie endende und selten zu gewinnende Krieg ausbrennt – und ehrlich gesagt, mein endlich erkämpftes Leben ist mir zu wertvoll, als dass ich mich bis zum bitteren Ende verheize.

Meine täglichen Badeattacken zeigen in aller Deutlichkeit, was meine Seele mir sagen will. Ich versuche auf diese Stimme zu hören, gönne mir diese Auszeiten und versuche mich zurückzuhalten so gut es geht. Ich brauche jetzt wirklich mal Ruhe und muss in mich gehen und einen konstruktiven Weg finden, mit diesem Schlamassel umzugehen. Zu versuchen, die Welt zu verbessern, ist eine erstrebenswerte Tugend – aber dabei selber zugrunde zu gehen, geht zu weit, definitiv.

Also versuche ich auch hier, mich zurückzuhalten. Versucht habe ich es ja schon öfters, wie Ihr wisst, geschafft habe ich es bisher nie – aber das soll mich nicht davon abhalten, es erneut zu versuchen – ich geb wie immer mein Bestes ;-)

Dein Leben wird dadurch nicht flach und dumm,
wenn du weißt, dass dein Kampf erfolglos sein wird.
Es ist viel flacher, wenn du für etwas Gutes und Ideales kämpfst
und nun meinst, du müsstest es auch erreichen.

(Hermann Hesse – Steppenwolf)

Entpathologisierung beginnt bei uns selbst

Schmerzlich wird mir immer mehr bewusst, wie aussichtslos der Kampf gegen Sexologen und Medien ist, solange viele Betroffene sich selbst die Narrenkappe der “Geschlechtsidentitätsstörung” anziehen und die zugegebenermassen nett klingende “Mär der Identitässtörung” inszenieren. Wenn nicht mal die “eigenen Leute” zu sich selbst stehen können, wie wollen wir da je etwas verändern in der öffentlichen Wahrnehmung von transsexuellen Menschen? ………. Ich nähere mich bedenklich dem Punkt an dem mir alle den Buckel runter rutschen können.

Diesen Text schleuderte ich letzte Woche wütend in mein Facebook-Profil, nachdem ich die Internetseite einer “Selbsthilfegruppe” fand, die sich als Interessenvertretung für transsexuelle Menschen versteht. Was ich dort zu lesen bekam, war wie die Quadratur dessen, was ich seit Längerem in zunehmendem Mass feststelle – dass die Zahl derer zunimmt, die im Guten versuchen, die Interessen von transsexuellen Menschen zu vertreten, dabei aber ohne es zu merken einen wie ich meine radikalen Totalschaden anrichten, indem sie willig die Mär der Geschlechtsidentitässtörung übernehmen und vertreten.

Ein herausgerissener Satz aus der Website dieser “Selbsthilfegruppe” soll dies verdeutlichen:

Zusammenschluss von Selbsthilfegruppen für Menschen mit transidentischem Empfinden, also Menschen, die körperlich entweder dem männlichen oder dem weiblichen Geschlecht angehören, sich jedoch als Angehörige des anderen Geschlechts empfinden

(Zitat einer Selbsthilfegruppe für transsexuelle Menschen)

Mit Verlaub, aber wenn “wir” uns so deklarieren, brauchen wir keine Psychiater und Sexologen, die uns zu gestörten Männern erklärt, die gnädigerweise und von uns dankbarerweise angenommen nun so leben dürften als seien sie weiblich.

In einer Zeit, in der alle wissenschaftlichen Erkenntnisse dafür sprechen, dass Transsexualität biologische Ursachen hat, dass Transsexualität vermutlich durch Hormonstörungen im Embryonalstadium ausgelöst wird, dass transsexuelle Frauen eine weibliche “Hirnanatomie” haben (und transMänner umgekehrt), in so einer Zeit ist es einfach absurd, wenn transsexuelle Frauen hinstehen und sagen, sie seien körperlich männlich (als wär das weibliche Hirn kein Teil des Körpers) und hätten “den Wunsch” dem “anderen Geschlecht” anzugehören (als wäre das tief verankerte Wissen um das eigene Geschlecht eine Wunschfrage)……….. da bleibt mir irgendwie die Luft weg ob soviel Selbstverleugnung.

“Einfach” geht die Welt zugrunde

Wenn man solche “Öffentlichkeitsarbeit” kritisiert, wird oft argumentiert, man wolle es eben ganz einfach und leicht verständlich halten, damit “Otto Normalverbraucher” das verstehen kann. Ja dieser Wunsch in Ehren, aber die Vereinfachung sollte nicht die Wahrheit dabei verlieren und genau das geschieht öfters als uns lieb sein sollte. Klar dürfte es schwer werden, nichtbetroffenen Menschen einen Vortrag zu halten über neurologische Forschungen und Hirnstrukturen und Hormonstörungen im Mutterleib und so weiter. Das vereinfacht zusammenzufassen und nebenbei noch klarstellen, dass Transsexualität nichts mit Sexualität zu tun hat, obwohl es *sexuell heisst, ja das ist eine Herausforderung.

Da wirkt solch “weichgespülte” Information verständlicher, das klingt dann wie ein Gemisch aus Platzangst und einer Kolibriphobie, irgendwie harmlos……. aber was genau haben die Leute dann so einfach verstanden? Biologisch männlich, fühlt sich weiblich………… also nochmal vereinfach: Mann will Frau sein? ………… toll, und was genau haben wir jetzt da gewonnen? Und wie glauben wir, könnten wir unser Recht auf Selbstbestimmung einfordern, wenn wir der Welt vorlügen, wir seien Jungs, die Mädels sein wollten, nur weil wir uns einreden, sie würden wenigstens das eher verstehen? Und so ein Scheiss soll eine FRAU machen, nur weil sie nicht erklären kann oder will, warum genau ihr Körper nicht die Geschlechtsmerkmale bildete, die ihrem Geschlecht entsprechen?

Menschenrechte sind radikal

Besonders stossend empfinde ich, dass ausgerechnet diejenigen, die auf diese Weise ohne es zu merken zu Helfershelfern einer Psychopathologisierungs-Maschinerie werden, diejenigen ständig kritisieren, die sich ernsthaft und ehrlich für echte Selbstbestimmung einsetzen, die sich nicht zufrieden geben mit der Verlängerung einer Kette sondern wirkliche Freiheit einfordern.

Menschenrechte sind radikal, da gibt es keinen Ermessensspielraum. Entweder ich kann ein selbstbestimmtes Leben führen oder ich kann es nicht. Es bringt uns nur oberflächlich etwas, wenn wir uns freuen über eine netter klingende Diagnosebezeichnung, wenn wir durch das Annehmen dieses Etiketts bestätigen, dass wir jetzt nett formulierte Gestörte sind.

Natürlich soll man sich über Teilerfolge freuen wie beispielsweise den Fall des deutschen Transsexuellengesetzes, aber man darf dabei nicht vergessen, dass transsexuelle Menschen solange nicht verstanden und respektiert werden, bis man sie endlich ohne diese Zerrbrille der Identitätsstörung darstellt – und das beginnt bei uns!

Die unbedeutende Frage, wer ICH bin?

Oft werden “wir Radikalen” kritisiert, man hätte doch ernsthaftere Probleme als so kleinkarierte Formulierungsgeschichten. NEIN – es geht eben nicht um Kleinigkeiten, es geht um die fundamentale Frage, wer ICH bin, die nur ich selbst beantworten kann und es geht um die Frage, ob ich mein ICH selbstbestimmt entfalten kann oder ob die Welt um mich herum entscheiden darf wer ich bin. Alles Andere sind Kleinigkeiten! Ob ich nun 3 oder 6 oder 12 Monate Alltagstest mache, es nimmt mir in jedem Fall für diese Zeit die Entscheidungsgewalt über diese zwei Fragen. Weder wer ich bin wird anerkannt noch wie ich mich entfalte. Solange ich irgend jemanden fragen muss, ob ich sein kann, wer ich bin, solange bin ich nicht selbstbestimmt, so lange bin ich nicht frei.

Eine kleine Metapher aus der Sklavenwelt

Versuchen wir ein Gedankenexperiment, Metaphern sind ja gute Inhaltsvermittler ;-) Stell Dir vor, Du seist ein Sklave, bist angekettet, musst den ganzen Tag ackern, wirst geschlagen, bist kein Mensch, nur ein Sklave……….. und eines Tages kommt der Massa und sagt, ey von heute an bist Du nicht mehr Sklave, Du bist jetzt “mein Leibeigener”. Du darfst auch das Haus verlassen, wenn Du mich um Erlaubnis gefragt hast…………. bist Du nun ein freier Mensch oder bist Du es nicht?

Transidentität – die lieblich klingende Selbstverleugnung

Als ich zum ersten Mal das Wort “transident” las, war ich hell begeistert. Das klang soviel angenehmer und weitaus weniger anrüchig als dieses eklige “transsexuell”. Also zog ich dieses Mäntelchen an und begann so auch mein erstes Blog unter dem Motto “Tagebuch einer transidenten Frau”. Erst Monate später und um eine Unzahl an Blogtexten und Buchinhalten schlauer begann mir einzuleuchten, dass da eigentlich etwas überhaupt nicht stimmt.

Der Haken an dieser hübschen Falle liegt eben darin, dass das Wort “transident” eine Ableitung der offiziellen englischen Diagnose ist, die “gender identity disorder” heisst, zu gut deutsch “Geschlechtsidentitätsstörung”. Auf der anderen Seite, Transsexualität hat ja nichts mit Sexualität zu tun, das Wort ist vom Englischen “sex” abgeleitet und steht im Gegensatz zum “gender”, das eher das sogenannt soziale Geschlecht meint. Also was nun, egal wie ich mich deklariere, ich zieh so oder so die Arschkarte.

Doch wenn man nun die Erkenntnisse der Wissenschaft ernst nimmt, dann ist “transsexuell” nunmal richtig, meine “Geschlechtsidentität” ist das Mass aller Dinge, nur der Restkörper hat sich irgendwie verirrt. Ich stehe also nun vor der Wahl, ob ich mich als gestörten Mann ausgeben soll um damit ein Minimum an Scheinverständnis zu sichern oder ob ich mich als die Frau ausgebe die ich bin, die nunmal einfach nicht dem eigenen Geschlecht entsprechende Geschlechtsmerkmale aufwies – und riskiere, dass man gar nix versteht – würde aber immerhin wenigstens mir selbst treu bleiben.

Entpathologisierung gibt’s nicht in Raten

Viele scheinen sich nicht wirklich bewusst zu sein, worum es hier wirklich geht. Solange man uns für gestört erklärt, braucht es auch Psychiater, die diese “Diagnose” stellen, dazu braucht es Begutachtungen, Tests, dazu braucht es all die Entmündigung, die eine Gesellschaft eigentlich nur bei “psychisch gestörten Menschen” rechtfertigen kann. Aber daran wird sich nicht viel ändern ausser den Parametern – die Ketten werden sicher mit der Zeit länger – aber die Ketten bleiben und damit bleibt die Unfreiheit……. Zumindest dann wird sich nichts ändern, wenn wir selber dem Stockholm-Syndrom gleich internalisierte Transphobie betreiben uns selbst als Geschlechtsidentitätsgestörte ausgeben.

Nur Authentizität vermittelt Wahrheit

Wahrheit wird durch Wahrhaftigkeit vermittelt und diese wiederum ist vorallem Folge von Authentizität. Wenn ich mir irgend ein hübsches Uniförmchen anzieh und mich hinter netten Formulierungen verstecke, bin und wirke ich nicht authentisch. Wie soll eine Frau authentisch sein, wenn sie erklären soll, sie sei ein Mann der eine Frau sein will, obwohl sie und nur sie genau weiss, dass sie eine Frau ist? Authentisch bin ich dann, wenn ich mich als das ausgebe was ich bin, eine Frau wie alle Anderen, die wie so mache Anderen ein körperliches Leiden hatte, das medizinisch behandelt werden konnte – denn das ist die Wahrheit, alles Andere sind faule Kompromisse.

Es geht auch anders, ich weiss wovon ich rede.

Ich spreche aus Erfahrung, ich habe Beides schon versucht. Und ich weiss, dass man schon mit einem kurzen Gespräch so einiges erklären kann, das den Blickwinkel deutlich verändern. Jemandem zu erklären, dass sich mein Körper halt leider schon im Mutterbauch nicht in dasselbe Geschlecht entwickelt hat wie das zentrale Gehirn, ist nicht sooooo eine Wahnsinnsgeschichte, ein dahergeflogenes Einhorn wäre weitaus schwerer zu vermitteln ;-) Und das wirklich Verrückte daran: nach meiner Erfahrung sind die Leute meistens nicht verwirrter als wenn ich mit diesem Geschlechtsidentitätsstörungsquatsch aufwartete – und zusätzlich erfahren sie sogar die Wahrheit, was will man mehr?

Schluss und so

Abschliessend möchte ich ausdrücklich betonen, dass ich mit dieser ganzen Predigt niemanden angreifen will. Ich drücke hiermit meine Besorgnis aus und versuche, auf Gefahren hinzuweisen und ich versuche allen die es angeht ins Gewissen zu reden, dass sie nochmal genauer darüber nachdenken, als wen oder was sie sich und damit ein Stück weit uns alle repräsentieren wollen.

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