Politically incorrect since 1966

Diana eröffnet den Sommer – Zelebrierung der Weiblichkeit

Zugegeben, manchmal übertreib ich’s ja schon ein wenig und bin ein bisschen oversexed unterwegs, Tendenz steigend. Aber kann man mir das verübeln? Und wenn ja, warum müsste mich das interessieren? Vier Jahrzehnte musste ich diese ollen Jeans tragen, musste die anderen Mädels beneiden, weil sie im Gegensatz zu mir bunt rumstöckeln durften. Mal Hand aufs Herz Mädels, wenn Ihr vier Jahrzehnte nur Jungskram hättet tragen dürfen, würdet Ihr nun nicht auch total ausbrechen und die neue Freiheit geniessen auf Teufel komm raus? Ich tu’s und ich hab ne Menge Spass dabei :-)

Gerade heute ist mal wieder so ein Tag. In Anbetracht der heute angesagten 19 Grad, des blauen Himmels und der strahlenden Sonne und nicht zuletzt des soeben von Bonprix erworbenen Sommerkleids konnte ich einfach nicht anders als jegliche Vernunft abschalten und offiziell den Sommer zu verkünden. Es sei März, sagt man, der Frühling würde beginnen, wird behauptet – ach was, die haben einfach alle keine Ahnung, heute hat der Sommer angefangen, ich muss das wissen, Diana ist schliesslich eine Naturgöttin ;-)

Und so hab ich halt aller Vernunft zum Trotz heute dieses sooooooo hübsche und bunte Kleid aus dem Schrank geholt, dieses mit leicht glänzenden Feinstrumpfhosen garniert und mit grauen Pumps veredelt. In der Firma kam dann auch prompt die Bemerkung, meine Kleider würden immer kürzer. Stimmt gar nicht, kürzer wie heute geht nämlich gar nicht mehr, ätsch :D Aber immer wenn ich auf die Spiegeltür zulaufe muss ich doch gestehen, dass es etwas arg kurz ist, eigentlich zu kurz, aber ey, es ist Sommer, 19 Grad und das Kleid ist neu, noch nie getragen, wie könnte ich da anders.

Schon gestern als ich mir vornahm, heute den Sommer zu eröffnen, war ich den ganzen Tag total aufgedreht. Es ist erstaunlich, was das in mir auslösen kann. Einmal mehr wird mir klar, wie sehr ich die Weiblichkeit zelebriere. Ich habe da so ein enormes Nachhol-Bedürfnis, dass ich total aufblühe, wenn ich mal wieder einen draufsetzen kann. Ich glaub es dürfte schwer werden, Frauen zu finden, die so Mädelskram so sehr lieben wie ich. Für die Meisten ist das alles völlig normales Zeugs, halt einfach Klamotten, mal schöner, mal weniger schön, aber schlussendlich doch Klamotten. Bei mir ist das anders, für mich ist jeder Tag an dem ich mich so auftüdle ein Triumph über das Schicksal, da werde ich zum lebenden Beweis dafür, dass ich nun wirklich frei bin und mich selbst sein und entfalten kann.

Das mag manchmal etwas überbordende Auswüchse annehmen, das gebe ich zu. Aber diese neuen Ausdrucksmöglichkeiten geben mir soviel Lebenslust, dass die neu entdeckte Lebensfreude oft grösser ist als jegliche Vernunft. Vernünftig war ich vier Jahrzehnte lang – naja mehr oder weniger – aber nun habe ich endlich die Möglichkeit, darf endlich so aussehen wie es mir gefällt – ich müsste völlig verblödet sein, wenn ich mir das jetzt nicht gönnen würde. Klar werden irgendwann auch wieder Zeiten kommen, in denen ich die Vorzüge von Jeans und T-Shirt neu entdecke, aber vorerst ist das Vakuum in mir viel zu gross, als dass ich mich da reinzwängen könnte.

Und wer nun all meiner Begeisterung zum Trotz behaupten will, dieses Kleid sei zu kurz, dem kann ich nur eines entgegenen:

Nein, das Kleid ist nicht zu kurz,
nur die Beine sind etwas zu lang ;-)

PS: bei dieser Gelegenheit habe ich heute den Sitzring in die Ferien geschickt, der resp. die daraus resultierende Sitzhaltung passt nun wirklich nicht zu so schönen Kleidern. Und mit Freude durfte ich feststellen, ich brauch den tatsächlich nicht mehr, auch stundenlanges Sitzen ist kein Problem mehr, langsam aber sicher bin ich wirklich ganz :-)

Selbstbetrachtung über zwei Tagebücher

Nachdem ich schon das erste Jahr meines alten Blogtagebuchs in Buchform herausgebracht habe, mache ich das natürlich auch mit dem Jahr 2010. Ursprünglich wollte ich Anfang 2011 auch noch reinpacken und damit das “Werk” abschliessen, aber irgendwie hab ich einfach zuviel gebloggt, schon bis Ende 2010 sind 300 Buchseiten zusammen gekommen, wenn ich den Rest noch reinpacke, wird das Buch sauteuer (das letzte Buch hatte 224 Seiten für 15 Euro). Deshalb habe ich mich entschlossen, ein dreiteiliges Werk zu machen. Das Tagebuch 2010 endet also Ende 2010 und dafür gibt’s einen dritten Teil in dem dann auch noch einiges aus meinem neuen Tagebuch hier veröffentlicht wird. Irgendwie macht das auch Sinn, dieses Tagebuch sollte ja den Prozess einer “Geschlechts-Transition” beschreiben und da gehört auch die Zeit danach noch ein Stück weit mit dazu.

Die grobe Korrekturlesung ist nun abgeschlossen und als Nächstes werde ich einen Probedruck machen, diesen nochmal durchlesen und anschliessend das Buch in Druck geben, Ihr erfahrt dann wenn es im Handel ist. Wie letztes Mal wird das Probelesen sicher wieder ein psycho-emotionales Abenteuer der besonderen Art, wenn das ganze Jahr nochmal wie im Film an mir vorbei läuft. Wie letztes Mal werde ich hier dann darüber berichten. Der Vollständigkeit halber füge ich nachfolgend den dreiteiligen Blogbeitrag, den ich damals beim Lesen des ersten Tagebuch-Jahres geschrieben habe.

Blog-Tagebuch 2009 – 1. Teil

hmmmmmm, wie erklär ich jetzt sowas……. stellt Euch vor, Ihr wacht eines morgens auf und rund um Euch wuseln ein dutzend Elfen rum, die Euch den Kaffee ans Bett bringen, lustige Lieder singen, kreischend auf der aufgescheuchten Katze reiten, eine spielt schottischen Dudelsack…….. hat was surreales, nicht?

Etwa so fühle ich mich jetzt grad, nur wuselt und singt niemand, dafür habe ich ein Buch in der Hand, auf dem Cover lächle ich mir entgegen, darunter steht

T-Girl Diana
Blogtagebuch 2009
das erste Lebensjahr einer transsexuellen Frau

Das bin ich…….. in einem Buch……….. das kann nicht sein! Wenn man Bücher liest, dann begegnet man anderen Menschen, aber sich darin zu sehen, ist echt schräg.

Das Gefühl in mir ist irgendwie euphorisch, andächtig, verzückt, erschüttert……. als ob die Welt eine fünfte Dimension bekommen hätte, mein Leben auf Papier. Ich hab da das wichtigste, spannendste und schönste Jahr meines Lebens in den Händen. Und dann hats auch noch acht Bilder drin, das ist ja vielleicht ein Gefühl, wenn man umblättert und glaubt man würde in den Spiegel gucken.

Irgendwie ist es erschütternd zu lesen, was für eine Entwicklung ich da durchgemacht habe, was für Gefühlswelten sich da auftaten und wie sich alles in so wundersamer Weise veränderte, sich von Monat zu Monat verschönerte. Da ist wirklich aus einer Raupe ein Schmetterling geworden, aber es war ein harter Kampf durch diesen Cocoon. Beim Lesen flattere ich manchmal mit den Flügeln und es wird mir wieder klar, wie erbärmlich das Leben doch einst war.

Durch all das bin ich hindurch gegangen, geht mir durch den Kopf, wenn ich das Buch in den Händen halte. Das war die Entscheidung meines Lebens und der Befreiungsschlag für meine Seele. Dieses Jahr hier in meinen Händen hat meinem Leben Sinn gegeben und hat Glück in mein Leben gebracht. In diesem Jahr habe ich mir dieses Leben, das ich nun so geniesse, hart erkämpft…… und ich habe gesiegt – ich bin jetzt Ich.

Ich bin gespannt, was nun auf mich zu kommt, wenn ich im Kino meines Lebens sitze und den Film meiner Selbstentfaltung betrachte. Wer wird mir da begegnen – und wie wird sie sich entwickeln? Ich glaub, mir stehen ein paar sehr sentimentale Stunden bevor.

Blog-Tagebuch 2009 – 2. Teil

Den ersten Drittel meines Buches habe ich nun gelesen und bin damit in der Mitte des letzten Jahres gelandet – was mal wieder zeigt, dass Mathematik nix mit dem realen Leben zu tun hat. Aber was ich dabei durchlebt habe, ist wirklich dicke Post. Wenn ich Blogbeiträge schreibe, dann sind es Momentaufnahmen, die ich so aus mir heraus spucke und dann hinter mir lasse. Diese schwierige Anfangszeit in diesem papierenen Kino meines Lebens nochmals zu durchleben, ist wirklich erschütternd. Weil das was mir da begegnet, so fern ist von dem, was ich heute im Alltag erlebe.

Ich begegne einer transsexuellen Frau, die traurig und verzweifelt ist, die ungeheure Angst hat vor einer Welt, von der sie erwartet, mit Füssen getreten zu werden weil sie es wagt, sich selbst zu sein. Angst vor der Öffentlichkeit, Unsicherheit, kein Selbstbewusstsein, Zweifel ob sie stark genug sein wird – beim Lesen merke ich, dass sie mir unheimlich leid tut. Das einzige was beim Lesen Hoffnung gibt ist zu spüren, dass dieses ängstliche Wesen vom Mut der Verzweifelten getrieben ist und mit einem renitenten Kampfgeist das Unmögliche schaffen will. Aber ganz ehrlich, wüsste ich den Schluss des Buches nicht, ich wäre sehr skeptisch, dass sie es wirklich schafft.

Doch schon nach 4-5 Monaten kommt Licht in diese Lebensgeschichte, das Mädel erzählt plötzlich davon, wie glücklich sie neuerdings ist. Es fällt einem schwer das zu glauben, kann man glücklich sein, wenn man so von Angst und Verzweiflung getrieben ist? Scheinbar geht das. Man bemerkt, wie langsam Selbstbewusstsein entsteht, das sich dann in einem Akt des Aufbäumens im Kapitel “Der Stolz einer TransFrau” manifestiert.

Immer wieder bin ich fassungslos, kann irgendwie nicht glauben, dass aus diesem Bündel Unsicherheit das geworden ist, was heute dieses Buch liest. Der Unterschied von damals zu heute scheint unüberbrückbar.

Manchmal denke ich noch weiter zurück und stelle fest, dass ich seit Jahren nichts mehr von der Welt wissen wollte, kaum noch Kontakt zur Aussenwelt hatte. Hätte mir vor zwei Jahren jemand erzählt, wie ich mich heute fühle und verhalte, wäre ich in schallendes Gelächter ausgebrochen. FreundInnen, Ausgang, Lebensfreude – so ein Quatsch, ich doch nicht, wozu auch?

Und so wende ich mich wieder diesem Buch zu, das die Geschichte meines Lebens erzählt, das mir vor Augen hält, wie ich das Unmögliche geschafft habe. Diese Geschichte meiner Befreiung, die in eine Selbstentfaltung mündet, an die ich nie zu glauben gewagt hätte.

Es werden sich noch viele Tränen in meinen Augen sammeln, während ich hier weiter lese, weil die Schmerzen von damals noch einmal auftauchen um sich zu verabschieden und weil es mir immer wieder vor Augen hält, wie weit ich gekommen bin und wieviel glücklicher ich nun bin. Ein schmerzhafter Akt des Selbststudiums der mich immer wieder in Verzückung versetzt…… ich habe es wirklich geschafft, mir mein Glück zu erkämpfen, dafür werde ich mir ewig dankbar sein.

Blog-Tagebuch 2009 – 3. Teil

Letztes Wochenende habe ich mein Blogtagebuch nun fertig gelesen und war auch am Schluss tief berührt, wenn auch in umgekehrter Richtung als am Anfang des Buches. Als ich die ersten Monate des Tagebuchs las, war ich immer wieder erschüttert zu erleben, wie dieses ängstliche und verzweifelte Mädel ohne Hoffnung einen Kampf führt, von dem man beim lesen glaubte, dass sie ihn kaum je gewinnen wird. Der Mut der Verzweifelten, habe ich glaub mal geschrieben, das hat mich damals über Wasser gehalten.

Aber so erschütternd wie der Anfang war, so wohltuend war der Schluss. Was ich zu lesen bekam, in diesem Kino meines Lebens, entsprach genau dem was ich jetzt fühle – was kein Wunder ist, ich habs ja geschrieben ;-) Noch im Sommer hätte ich nicht gedacht, dass ich ab Herbst so aufblühe und beim Lesen wird einem wirklich klar, dass ich die Grenze zum Glücklichsein definitiv überschritten habe. Es ist ein wunderschönes Happy End – obwohl die Geschichte ja dieses Jahr weiter geht und das grosse Finale erst in der zweiten Jahreshälfte kommen wird. Und doch zeichnet sich der “Sieg” ab.

Es wird noch viel auf mich zukommen, auch in Zukunft werde ich manchmal traurig sein, manchmal verzweifelt, manchmal wütend und manchmal unsicher. Aber in diesem Jahr habe ich mir mein Leben erkämpft und ein Selbstbewusstsein entwickelt, dass mich auch durch schwere Zeiten tragen wird – davon bin ich überzeugt.

Und ich bin überzeugt, dass ich mich richtig entschieden habe, dass mich dieser Weg – so verrückt er auch wirken mag – nicht der beste sondern der einzige Weg war, der zu echter Lebensfreude führen konnte. Gegen den Schluss des Buches war ich erfüllt von Dankbarkeit, nicht nur allen gegenüber die mir beigestanden sind sondern auch mir gegenüber, dass ich tatsächlich das Unmögliche wagte und damit das Unmögliche möglich machte. Ich war dankbar, dass ich all diese Ängste ausgestanden habe und Mut aufbrachte, wo kein Mut vorhanden war. Und ich war dankbar, dass ich die Bereitschaft fand, den hohen Preis zu bezahlen – es war jeden Dollar wert.

Und so stehe ich nun hier, blicke in eine Zukunft, vor der ich mich nicht fürchte, auf die ich mich grenzenlos freue. Denn etwas habe ich mir dieses Jahr bewiesen……….. yes, I can!

Nun muss ich noch einiges am Buch korrigieren und formatieren und blabla, aber ich denke es wird nicht mehr lange gehen, bis das Buch publiziert wird, unterdessen gehts mit dem zweiten Teil weiter, hier auf diesem Kanal :-)

Blogtagebuch 2009 veröffentlicht

Seit heute ist mein Blogtagebuch 2009 im Buchhandel erhältlich und ich bin nun ganz aus dem Häuschen deswegen, jetzt bin ich nämlich offizielle Autorin, jawoll. Eigentlich war das ja früher geplant, aber die Überarbeitung dauerte doch ne ganze Weile und da ich von meiner Süssen ständig telefonisch von der Arbeit abgehalten werde ;-)

Aber nun ist es draussen und kann in jedem anständigen Buchladen unter der ISBN-Nummer 978-3-8391-4217-2 oder dem Buchtitel “T-Girl Diana – Blogtagebuch 2009″ bestellt werden. Der offizielle Verkaufspreis ist ungefähr Fr. 26.– oder 15 Euro, im Schweizer Exlibris wird es sogar mit 15% Rabatt für Fr. 22.50 angeboten.

Falls jemand in meinem persönlichen Umfeld ein Exemplar möchte, ich habe ein paar bestellt und kann sie für Fr. 20.– abgeben. Diejenigen, denen ich eines als Geschenk versprochen habe, bekommen es natürlich gratis.

Wer sich ein Exemplar bestellen möchte, kann dies beispielsweise bei diesen Online Bücherläden bestellen:

ExLibris Schweiz für Fr. 22.50
Libri Deutschland für Euro 15.–
Orell Füessli Schweiz für Fr. 27.90

Das Buch beinhaltet auf 224 Seiten alle Blogbeiträge des letzten Jahres, deshalb ist der Untertitel des Buches auch “Das erste Lebensjahr einer transsexuellen Frau”. Die Bilder, mit denen ich meine Blogbeiträge jeweils verziere, sind aus rechtlichen Gründen nicht im Buch. Dafür hat es 8 meist ganzseitige Fotos von mir drin.

Für diejenigen die selber mal sowas machen möchten, das ist ganz einfach. Man eröffnet einen Account bei Books on Demand, wählt dort ein Layout aus, erstellt ein Word-Dokument mit dem entsprechenden Ausmass, exportiert es als PDF, lädt es hoch, bastelt sich online ein Buchcover zusammen und publiziert das Ganze – entweder für sich privat, dann zahlt man nur den Buchpreis oder man veröffentlicht es für Fr. 70.– mit ISBN-Nummer.

So und von nun an möchte ich nur noch mit Frau Autorin oder Frau Schriftstellerin angesprochen werden ;-)

Aufregende Woche und pinkes Zeuchs

Diese Woche lief es ganz schön rund, einiges davon war in meinem alten Blogtagebuch zu lesen, ich fass mal zusammen und ergänze mit ganz viel Pink-Kram :-)

Pinkomanie am Arbeitsplatz
Nachdem ich hier ja mal ein Foto von einer “Blondinen-Tastatur” hatte, begann eine Blödelei mit einer Freundin und mir im Kommentarbereich des Blogbeitrags, sie wollte unbedingt so eine Tastatur und darauf brachte ich diesen Blogbeitrag in dem ich etwas rumblödelte, was für Mädels-Sachen es nicht alles gibt. Schlussendlich fand Daniela aber tatsächlich diese Blondinen-Tastatur und wir waren bekloppt genug und bestellten uns je ein Stück. Die kam nun diese Woche an und so sieht mein Arbeitsplatz nun etwas merkwürdig aus *grins*. Die Tastatur ist nicht nur witzig wegen der Farbe sondern vorallem weil alle Tasten so bekloppt beschrieben wird, die Krönung ist die Löschtaste, auf der nun “oops” steht :-) Man beachte auf dem Bild (kann man anklicken zum vergrössern), dass sowohl Handy, Schirm und Bildschirmhintergrund mit den Farben der Tastatur irgendwie harmonieren (und der golden, das nenne ich artgerechte Haltung für ein Software-Bunny :D Und das Plüschbärchen ist übrigens das von Juliet, das sitzt immer da, ausser wenn ich am Unispital rumlieg, dann kommt es natürlich mit :-)

Endlich mal wieder im Pub
Die letzten Wochen klappte es nie mit dem Pub und so war es toll, am Donnerstag mal wieder dort zu sein, ausgerechnet am St. Patricks Day und dazu auch noch mit ebendieser Freundin. Wir trafen uns dort, weil unsere bestellten Blondinen-Tasataturen angekommen waren und verbrachten einen gemütlichen und spannenden Abend, zu dem sich auch noch ein Bekannter von ihr gesellte. Dort kam’s dann auch mal wieder zu einem eher düsteren Moment, über den ich hier berichtet habe. Trotzdem hat es gut getan, mal wieder auswärts zu sein.

Endokrinologie
Der Termin am Freitag bei meiner Endokrinologin war ein voller Erfolg, seit da klebt nun ein Hormonpflaster am Rocken anstelle der Pillen die ich vorher einnahm. Damit lebe ich nicht nur weniger risikoreich sondern erhoffe mir auch eine bessere körperliche Entwicklung. Mehr darüber ist hier zu lesen. Übrigens, vielleicht ist es Zufall oder ein lustiger Placebo-Effekt, aber ich hab seit gestern das Gefühl, die Spannung und das gelegentliche Kitzeln in der Brust würde zunehmen, das könnte ein gutes Zeichen sein :-)

Erneuter Fütterungs-Ausfall
Mein Futterlieferant leShop hat’s gestern mal wieder geschafft und ich bekam anstelle der 200 Franken schweren Lieferung gerade mal ein paar Büxen Bier und Kroketten, der ganze Rest fehlte. Langsam aber sicher nervt das wirklich. So ein Lieferservice ist genial, aber wenn es so unzuverlässig ist, macht es auch nicht wirklich Spass. Da ich am Samstag arbeite und keine Lust hatte auch noch einkaufen zu gehen, bin ich halt wieder mal ein Wochenende lang unterversorgt, grad jetzt fehlt mir mein tägliches Joghurt *seufz*

Ackern am Samstag
Da ich ja die Weekends in Hamburg jeweils verlängere, kompensiere ich die Stunden indem ich manchmal länger arbeite oder an einem Samstag ackern geh. Das macht echt Spass, denn allein im Büro kann ich nicht nur konzentriert und ungestört arbeiten sondern kann auch noch Musik hören was und so laut wie ich will. Da kann’s dann schon vorkommen wie kürzlich mal, dass ich das Lied “No No Never” achzig Mal hintereinander höre und dabei vergnügt auf meinem Sitzring rumhopse – muss köstlich aussehen – aber es macht Laune und beflügelt mich beim arbeiten echt. Und manchmal wie auch gestern nehm ich eine Büxe Bier mit und trink die dann gemütlich vor dem Bildschirm als Feierabend-Bier – man gönnt sich ja sonst nix ;-)

Jauh und jetzt ist Sonntag, Ruhetag, also bleib ich liegen und tu gar nix, ausser mal in der Badewanne rumliegen – egal was, hauptsache liegend :-)

Diana catwalkt nach Hamburg

*seufz* zurückfliegen ist einfach blöd, hinfliegen fühlt sich echt ganz anders an *nochmehrseufz*. Aber dass die Rückkehr immer so traurig ist, hat auch seine gute Seite, es zeigt, wie schön es gewesen ist und wie gut wir einfach zusammen passen. Wie Arsch auf Eimer, würd mein Schatzi da wohl sagen – Recht hat’se :-)

Beim Hinflug hatte ich ja ziemlichen Bammel, weil ich erstmals mit seitenverkehrter Identitätsstörung fliegen musste. Bisher hatte ich eine Bordkarte die mit meinem Ausweis übereinstimmte, aber beide nicht meiner Erscheinung. Weil ich geglaubt hab, ich hätte die Personenstandsänderung durch bis zu diesem Flug, hatte ich die Tickets auf den neuen Namen gebucht, flog also diesmal mit Bordkarte die zur Erscheinung passt, aber weder vom Namen noch vom Geschlecht her mit dem Ausweis übereinstimmte. Und dann flog ich auch erstmals mit AirBerlin und da hab ich nur die eTicket Nummer gekriegt, bräuchte aber fürs WebCheckin eine Buchungsnummer. Ha, aber schlau wie wir Blondinen nunmal sind, habe ich AirBerlin vor dem Flug angemailt und bekam prompt die Buchungsnummer und konnte so das Webcheckin machen, musste also in dieser doch verwirrenden Identitätssituation nicht an den Schalter. Und so ging auch alles gut und ich stöckelte im Eiltempo durch das ganze Reinlass Prozedere. Auch der Vibi, den ich aus medizinischen Gründen mitnehmen musste, führte nicht zu peinlichen Situationen. Den hab ich übrigens jetzt bei Schatzi gelassen, der Nervenkitzel ist mir echt zu nervig.

Ich beneide ja immer die Stewardessen, weil die so schicke Röcke und Pumps tragen. Aber dass die ständig den Laufsteg rauf und runter dürfen und ich nicht, geht schon etwas zu weit – die stehlen mir die ganze Show – also hab ich mich diesmal gerächt und diesen geschlitzten Rock angezogen, höhö, dazu glänzende Seidenstrümpfe und graue Pumps. Ne, den Sitzring den Ihr auf dem Foto seht hatte ich nicht dabei, den hab ich nur noch zum ackern. Offenbar hat AirBerlin mich dabei entdeckt, denn auf dem Rückweg musste ich durch das gefüllte Flugzeug bis zum hintersten Platz stöckeln, hatte also auch mal das Vergnügen, auf dem Flug-Catwalk zu laufen. Aber ehrlich gesagt, ganz so gut kam das nicht, da geht’s ja nur im Stau vorwärts und ohne Tempo kriegt man auch keinen geschmeidigen Catwalk hin. Reingelegt haben die mich, fordern mich quasi zum Wett-Catwalken heraus und verstopfen mir den Laufsteg. Man hat’s echt nicht leicht *seufz*

Aber dafür konnte ich dann im Stechschritt aus dem Flieger raus (ich hab ganz vorne gebucht damit ich schnell raus komme) und stöckelte stolz mit rhythmisch aus dem Schlitz ragendem Bein Juliet entgegen – man müsste das echt mal filmen, ich seh wirklich toll aus wenn ich durch Flughäfen rausche ;-)

Weil schon Elf war, gönnten wir uns ausnahmsweise ein Taxi für 20 Euro und waren so gegen halb Zwölf zuhause – bei Mama und Lars – bei den drei Miezen und “der Katze” – und wir klammerten uns aneinander und dann war Montag – oder so. Dazwischen (man ahnt es) lagen wir auf dem Sofa rum, knabberten an uns und an sonstigem Zeuchs, kicherten mit den Erwachsenen rum, blödelten zusammen rum, ärgerten die Katzen mit Knuddelattacken (boah wie die das hassen *freu*), assen dank meines wochenlangen Gejammers wieder Gyros-Suppe und liessen es uns einfach gut gehen.

Am Samstag kam Mama dann auf die Idee, wir könnten nach Altona gehen, durch die Shopping-Meile spazieren. Kann ich ja nicht nein sagen, das wort “Shopping” hat ja bei mir so ne pawlow’sche Wirkung. Aber das Überraschende war dann, die meinten das wörtlich – issja bekloppt – wir spazierten durch die Shopping-Meile – in die Läden rein gingen wir nicht *staun* – das fand ich dann doch irgendwie erschütternd. Aber immerhin gingen wir n’Eis essen, meine Füsse waren also nur halb ruiniert.

Apropos Füsse, weil ich nicht mit so Ausserwohnungseinsätzen gerechnet habe, war ich ja mit Pumps behuft und weil das zum Shoppen nicht grad das Gelbe vom Ei ist, zwängte ich mich in ein paar super schöne Stiefel von Juliet und weil die nicht zu meinem hellen Jupe passten, kramte sie mir gleich noch Rock, Leggins und Pullover zusammen. Solviel mal wieder zum Vorteil von Frauenbeziehungen, höhö :-) Aber die Schuhe eine Nummer zu klein ist zum shoppen halt auch nicht das Wahre und so hatte ich dann am nächsten Tag mal wieder ein Zehengelenk, das beim Laufen wundersame Gefühle auslöste.

Na beklagen will ich mich jedenfalls nicht, wir haben für mich bei BonPrix ja fünf Stücke bestellt und so musste ich wenigstens nicht ohne Beute nachhause fliegen.

Am Sonntag gingen wir wieder zu Schweinske, der Kneipe mit den monströsen und sauguten Mahlzeiten. Wir teilten uns wieder einen Fleischteller, mit sechs Fleischstücken, einem Eimer Pommes, Salat und so nem riesigen bekloppten Kartoffel samt Sahne drauf. Puh, da wird Essen zur Ackerei, echt, aber es ist sowas von gut.

Mal wieder im Galopp von Freud zu Freud

Uiiiiii, jetzt geht aber die Post ab in nächster Zeit, kaum eine Woche ohne dass irgend ein Highlight in meinem Leben stattfindet, ich zähl mal auf…….

  • Heute Abend in drei Tagen flattere ich wieder gen Hamburg und knuddle Juliet vier Tage lang dumm und dämlich. Bei ungefähr 90 Stunden dürfte das so an die tausend Knutscher geben, höhö :-) Ausserdem können wir zwei Erwachsene und drei Katzen und “der Katze” närrisch machen und ganz viel komisches Zeug essen, ich freu mich ja sowas von.
  • Wenn ich am Montag Abend zurückkomme, geht’s keine vier Tage und schon habe ich ein Gespräch mit meiner Endokrinologin und wir werden uns prügeln äh darüber diskutieren, in welcher Form ich zukünftig meine Hormone einnehme und in welcher Dosierung. Ich bin zuversichtlich, dass ich Pflaster oder sowas verschrieben bekomme, sieht zwar bekloppt aus, so n’Pflaster am Rücken, aber die gesundheitlichen Risiken wären deutlich tiefer. Ausserdem fühle ich mich die letzten Wochen hormonell unterversorgt, schwer zu erklären, da fehlen einfach noch ein Rudel Östrogenchen.
  • Genau eine Woche später habe ich dann das Info-Gespräch bei meinem Chirurgen, dann erfahre ich hoffentlich, wann ungefähr die NachOp ist und vorallem, was er da noch an mir basteln wird. Ich hätt ja eigentlich noch gern ein automatisches Platzhalter-Einführsystem und vielleicht noch einen eingebautn Flaschenöffner, aber ich vermute, dass er meinen Hang zu plastischer Kreativität nicht so teilen wird ;-)
  • Drei Tage später am Montag läuft meine Frist ab und ich kann beim Bezirksgericht das Urteil für die Personenstandsänderung abstempeln lassen und damit zum Passamt stöckeln und meine Identitätskarte bestellen. Aber vielleicht haben die ja dann doch noch eine Überraschung auf Lager und ich muss noch drei dutzend andere Stempel abholen, irgendwo in entlegenen Maja-Tempeln oder beim Papst oder Donald Duck – mich wundert ja gar nix mehr.
  • Die Woche darauf hab ich noch gar kein Highlight – was soll denn sowas – aber da wird sich schon noch was finden – oder nach Majatempel abklappern :-)
  • Die nächste Woche müsste dann meine Identitätskarte ankommen – sofern ich eben nicht doch nach Südamerika reisen muss – und ich wär somit offiziell real und so, mich gibt’s dann so richtig, so schwarz auf weiss, made in Switzerland, wow :-)
  • Die folgenden zwei Wochen werde ich mich dann damit vergnügen, Bankkarte, Kreditkarte, Bahnkarte und vieles mehr gegen Neue einzutauschen und werd mich wohl bei jedem weiteren Kärtchen erneut wie blöd freuen. Ich hätte nicht gedacht, dass mir diese ollen Plastikkärtchen mal Freude bereiten, aber die werde ich vermutlich alle abknutschen wenn ich sie krieg – allenfalls direkt am Postschalter – hüpfend und Grunz- und Pfeifflaute ausstossend :-)
  • Und Dann ist endlich Ostern – jajajaja – und Juliet kommt zu mir, von Donnerstag Abend bis Montag Morgen, schon wieder knuddääääääln – jauuuuuuuhhhhhhhh :-)
  • Von da an sind es noch lausige 7 Wochen bis zu unseren zweiwöchigen Sommerferien und ich hoffe, dass ich irgendwo in dieser Zeit die NachOp habe, dann gäb’s da wieder ein paar Highlights, ins Spital rein, aus der Op aufwachen, aus dem Spital raus, mit Morla quatschen – jauh das wird eine tolle Zeit :-) Und ein Wochenende in Hamburg wär da auch noch geplant, aber wann wird sich zeigen, eben von wegen Op-Termin.
  • Und dann eben Mitte Juni sind die Sommerferien, zwei Wochen schätzeln *schauder*, ey zweeeeiiiii Wochen am Stück, was für eine Krönung dieser vor mir stehenden atemberaubenden Zeit :-)

Wikingerblut – Die Kriegerin in mir

Dieser Blogbeitrag stammt aus meinem letzten Tagebuch, aber weil er einen meiner wichtigsten Wesensanteile beschreibt, möchte ich ihn hier auch vorstellen, passt grad so schön zum letzten Beitrag……….

Seit je her hatte ich einen Hang zu Kriegermetaphorik. Das Leben ist ein Kampf, diese Welt ein Schlachtfeld, das Leben erfordert Stärke, Widerstand, Tapferkeit, Mut………. Weshalb mir so Bilder wichtig waren, weiss ich nicht mit Sicherheit. Vielleicht war das Kriegertum einfach das einzige “männliche Ideal”, das ich in mir nachvollziehen konnte, vielleicht lag es auch daran, dass ich in meinem Leben viel zu kämpfen hatte….. vielleicht liegt es aber auch einfach daran, dass Wikingerblut in mir fliesst.

Noch heute benutze ich gerne Metaphern aus diesem Themenbereich und in vielen meiner Blogbeiträge findet man Bilder von Kriegerinnen (meist von Vallejo oder Royo), die Frauen in heldenhaften Posen zeigen. Diese Bilder stehen stets im Zusammenhang mit dem Text und wollen bildhaft darstellen, was nach meinem Empfinden die Essenz des Geschriebenen ist. Und diese Bilder geben mir Kraft, mit ihnen kann ich mich identifizieren, gerade wenn ich mich schwach fühle, erinnern sie mich daran, dass eine Kriegerin in mir steckt, die selbst das Unmögliche möglich machen kann.

Kindheitsträume – tapfere Krieger
Als Kind war ich immer fasziniert von tapferen Menschen, Indianer die mit dem Kriegsruf Hokahe (heute ist ein guter Tag zum sterben) in eine aussichtslose Schlacht zogen, Ritter die für die Schwächsten einstanden, alle die für Ideale kämpften und notfalls zu sterben bereit waren, ernteten meine Bewunderung. Damals waren das wohl vorallem kindliche Fantasien eines Mädchens, das ein Junge sein sollte und in der “Männerwelt” nur wenig fand, das erstrebenswert war. Aber das war erst der Anfang, der Kriegermythos würde mich ein Leben lang begleiten und ein grosses Stück weit formen.

Der Pfad des friedvollen Kriegers
Ich war gute zwanzig Jahre alt, als ich irgendwo in der Eso-Ecke eines Buchladens das Buch “Der Pfad des friedvollen Kriegers” von Dan Millman fand. Ein wunderschönes Buch, eine Geschichte voll von Philosophie. Dort fand ich die Kriegermetapher erneut, erstmals jedoch in einem kriegslosen Kontext. Ein Krieger ist jemand, der seinen Weg konsequent geht, der sein Ziel verfolgt und Widrigkeiten aushält. Es würde den Umfang dieses Beitrags sprengen, wenn ich mehr über dieses tolle Buch erzählen würde, die Kriegermetaphorik dort drin ging viel weiter. Aber im Wesentlichen vermittelte mir dieses Buch den Weg des Kriegers, dessen Schlachtfeld das eigene Ich ist, der sich selbst treu ist und für das einsteht, wovon er überzeugt ist. Dieses Buch prägte mein Denken enorm und war wohl auch das Fundament dafür, dass ich später jahrelang für Umweltschutz und gegen faschistoide Politik kämpfte.

Regenbogen-Krieger
Fast ein Jahrzehnt später, als ich mich entschloss, einem Kind das Leben zu schenken, war mein erster Gedanke, dass es eigentlich unverantwortlich ist, ein Kind in diese zerstörerische Welt zu setzen. Wenn ich ein Kind in diese Welt stelle, dann bin ich auch verpflichtet, alles zu tun um diese Welt zu verbessern. Das war der Anfang meines aktiven Kriegertums, ich meldete mich bei Greenpeace als Aktivistin und wurde zur Regenbogen-Kriegerin. Jahrelang kämpfte ich im weissen Overall für eine bessere Welt, kettete mich an Eisenbahngeleise, liess mich vor Gericht stellen, schrieb eine Hundertschaft von Leserbriefen, unterstützte Abstimmungskommitees und tat alles, um die Zerstörung der Umwelt zu verhindern und damit die Zukunft meines Kindes zu verbessern.

Eines Tages erfuhr ich von einer indianischen Prophezeiungen, die der Urspriung war für den Namen des ersten Greenpeace Schiffes, der legendären Rainbow Warrior, die später durch einen terroristischen Bombenanschlag vom französischen Geheimdienst samt einem Fotografen gesprengt wurde.

There will come a time when the Earth grows sick
and when it does a tribe will gather
from all the cultures of the World
who believe in deeds and not words.
They will work to heal it…
they will be known as the “Warriors of the Rainbow.”

etwas frei übersetzt:

Es wird eine Zeit kommen, in der die Erde erkrankt
und ein Stamm sich vereinigen wird
bestehend aus allen Kulturen der Welt
die an Taten und nicht an Worte glauben.
Sie werden daran arbeiten, die Erde zu heilen
man wird sie “Krieger des Regenbogens” nennen.

Mit diesem Mythos identifizierte ich mich sehr, ich folgte einem Ideal, das alle Entbehrungen wert ist und ich war auch irgendwie stolz darauf, eine dieser Regenbogen-Kriegerinnen zu sein, die sich für Mutter Erde einsetzten. Doch nach jahrelangem Kampf folgte die Resignation. Viel zu oft unterlagen wir, weil unser Gegner nicht nur ein paar geldgierige Konzerne waren sondern schlussendlich die gesamte Welt, in der jeder nur sich selbst am Nächsten ist. Es ist eine Sache, Konzerne in die Knie zu zwingen, aber das Denken der Menschen zu verändern, schien eine Unmöglichkeit zu sein. Resignation ist der Tod jedes Kriegers, damit lässt sich nichts mehr gewinnen und so zog ich erstmals besiegt aus einer Schlacht, in der ich jahrelang gekämpft hatte. Ich engagierte mich zwar weiter, erstellte eine Unzahl von Webseiten zu solchen Themen, aber es waren eigentlich nur noch Rückzugsgefechte.

Krieg gegen politische Brandstifter
Wiederum Jahre später wurde die Schweiz erschüttert durch das Grosswerden einer meines Erachtens rechts-faschistoiden Partei, die sich frecherweise Volkspartei nennt. Ich war überzeugt, dass diese Partei, die vorallem durch Volksverhetzung und Brandstiftung gross wurde, eine Bedrohung für dieses Land darstellt. So begann der nächste Krieg und ich investierte wieder Jahre darin, im Internet sozusagen eine Gegenpropaganda aufzubauen. Einmal mehr schrieb ich unzählige Leserbriefe, für die ich dann von SVP-Sympathisanten mit Morddrohungen bedacht wurde, schrieb in Diskussionsforen und vielem mehr. Doch ich verlor auch die Schlacht, an den nächsten Wahlen legten sie 10% zu und seither geht es mit diesem Land immer mehr den Bach runter. Das einst soziale Land wird immer asozialer, Sündenbockmentalität breitet sich aus, es ist ein wahrer Graus was hier passiert und niemand scheint zu bemerken, wie verludert das Denken hierzulande mittlerweile ist. Aber ich war langsam des Kämpfens müde und beendete auch diesen Krieg.

Dianas Wikinger-Blut
Als ich vor einigen Jahren eher zufällig mal eine Woche in Schottland in den Ferien war, musste ich verblüfft feststellen, dass ich mich mit diesem Land, der Kultur, Musik und den Menschen so verbunden fühle, wie ich es noch nie zuvor erlebt hatte. Es war als sei ich nachhause gekommen. Als ich zum ersten mal eine Great Highland Bagpipe hörte (schottischer Dudelsack), war klar, dass ich dieses Instrument lernen musste, was ich dann zuhause angekommen auch gleich in Angriff nahm. Aber die Frage, weshalb ich von dieser Kultur so berührt wurde, liess mich nicht mehr los. Hatte ich vielleicht schottische Wurzeln? Das Ganze beschäftigte mich so sehr, dass ich eines Tages einen DNA Test machte, der ermitteln sollte, was für genetische Wurzeln ich habe. Das Resultat liess mir das Blut in den Adern gefrieren und mein Dad dürfte beim Lesen der nächsten Zeilen vom Stuhl fallen *grins*. Mütterlicherseits war ich Germanin, das war soweit ja kein grosses Wunder hierzulande. Aber väterlicherseits stamme ich von einem Wikingergeschlecht ab, das sich irgendwann in Schottland breit machte und sich dann über England bis in die Schweiz ausbreitete. Ich stamme also nicht nur von Wikingern ab sondern habe tatsächlich Vorfahren in Schottland und Skandinavien. Manchmal denke ich mir spasseshalber, dass ich vielleicht deshalb mit XY-Chromosomen zur Welt kommen musste, weil diese Welt dringend Wikingerfrauen braucht. Ohne Y-Chromosom hätte ich kein Wikingerblut in mir. So hat doch alles irgendwie sein Gutes ;-)

Der letzte Kampf – für mich
So verbrachte ich also vier Jahrzehnte im Kampf. Zuerst gegen mich selbst, dann gegen Umweltverschmutzung, dann gegen politische Brandstifter……. aber der grösste und schwerste Kampf stand noch vor mir, der Kampf für mich selbst. Vielleicht brauchte ich all diese Kämpfe um stark zu werden, auf jeden Fall war es wohl gut, dass ich bis zum vierzigsten Lebensjahr zu einer erprobten Kriegerin gewachsen war. Nun war ich bereit für den Kampf aller Kämpfe, gegen den Feind in mir, gegen die Angst, gegen die Abhängigkeit, gegen die Feigheit, gegen die Eitelkeit. Ich würde einen Weg gehen, der mir keinen Ruhm einbringt, den ich vielleicht nicht überlebe, der mich möglicherweise um Freunde beraubt – eine Schlacht die aus damaliger Sicht nicht zu gewinnen war. Aber – und das ist eben der Geist des Kriegers – ob man einen Krieg führt ist nicht eine Frage des Erfolgs sondern eine Frage der Notwendigkeit. Und wenn etwas sein muss, dann wird es auch getan, ohne Rücksicht auf Verluste. Und auch wenn ich es nie erwartet hätte, habe ich zum ersten Mal in meinem Leben nicht nur eine Schlacht gewonnen sondern den gesamten Krieg.

Zum ersten Mal im Leben habe ich einen Kampf geführt, der Frieden brachte, Frieden in mir, mit mir selbst – und mit dem Rest der Welt.

Die Kraft des Kriegermythos
Der Mensch ist nicht geboren um besiegt zu werden, er ist geboren um zu siegen. Zu Leben bedingt zu Überleben und dazu bedarf es des Kampfes, manchmal gegen Andere, manchmal gegen sich selbst, manchmal gegen das Schicksal. Wir alle haben den Kriegergeist in uns, ohne diesen hätten wir uns in der Evolution niemals durchsetzen können. Der Kriegermythos hat mir ein Leben lang Kraft und Mut gegeben. Wenn ich schwach bin und mich an die Kriegerin in mir erinnere, gibt mir das Wissen um ihre Existenz Kraft. Bin ich hoffnungslos, gibt sie mir Mut. Bin ich verwundet, heilt sie mich. Bin ich ängstlich, gibt sie mir Mut. Sie ist immer da, ich muss sie nur ins Bewusstsein rufen, damit sie ihre Kraft entfalten kann.

Ihr alle habt einen Krieger oder eine Kriegerin in Euch, der/die nur darauf wartet, für Euch eintreten zu können. Seid Euch dieser kraftvollen Energie bewusst und lasst sie zu, wenn sie benötigt wird. So seid Ihr unbesiegbar. Vielleicht verliert Ihr die eine oder andere Schlacht, aber man wird Euch nie auf die Knie zwingen können, weil eine Kriegerin immer wieder aufsteht ;-)

Stand and fight
Live by your heart
Always one more try
I’m not afraid to die
Stand and fight
say what you feel
Born with a heart of steel

(Manowar – Heart of Steel)

Transsexuell, selbstbewusst und stolz im Herz

Manchmal, wenn ich zurück blicke und vergleiche, wie es mir vor zwei Jahren ging und wie ich heute durchs Leben gehe, erschüttert es mich geradezu, weil ich in dieser Zeit offenbar eine unglaubliche Entwicklung durchgemacht habe. Diese Reise begann mit eingeknicktem Kopf, von Scham erfüllt ging ich durch mein Leben, von spöttischen Blicken begleitet, ohne Selbstbewusstsein. Ein gestörter Mann geht einen noch gestörteren Weg, so in etwa sah ich mich von der Welt missverstanden. In diesen zwei schweren Jahren bin ich gewachsen und zu dem geworden was ich heute bin, eine selbstbewusste und stolze Frau, die weiss, dass sie mehr überwunden hat als die meisten Menschen je überwinden müssen. Aber wie in aller Welt habe ich das geschafft? Wie kann ich das Anderen vermitteln? Versuchen wir’s mal…….

Einschub: dieser Beitrag wäre für’s alte Blogtagebuch geplant gewesen, weil er thematisch dort hingehört. Aber alle hier erwähnten Teilaspekte wurden dort bereits einzeln behandelt, deshalb fand ich es besser, diesen Beitrag hier zu veröffentlichen mit Link-Verweisen zu alten Artikeln – sozusagen als Summasummarum zu diesem ganzen Thema.

Psychopathologisierung aufbrechen
Einer der wesentlichsten Faktoren scheint mir die Psychopathologisierung zu sein. Als ich mich damals unter Annahme der offiziellen Terminologie als geschlechtsidentitätsgestört akzeptierte, stülpte ich mir diese Fratze des Gestörtseins über den Kopf, brandmarkte mich mit einer Narrenkappe die aus psychoanalytischen Theorien gestrickt war. Dann bin ich also gestört, was soll’s, ich hab mir das nicht ausgesucht, lass mich wenigstens so leben, wie es meine Seele braucht. Erst als ich im Verlauf dieses Prozesses von Studien hörte, die aufzeigten, dass Transsexualität eben nicht der verrückte Wunsch eines Mannes ist, Frau zu sein sondern dass ich beispielsweise anatomische Hirnstrukturen habe, die einer Frau gleichen, begann ein Umdenken. Die Erkenntnis, dass ich so zur Welt gekommen bin wie ich bin, gab mir eine gewisse Legitimierung. Ob das was ich bin nun krank oder fehlentwickelt oder einfach eine Normvariante ist, war nicht das Wesentliche, wesentlich war die Tatsache, dass ich mich nicht “in eine Transsesxualität entwickelt habe” sondern so zur Welt gekommen bin – ein faktischer Freispruch. Diese Sichtweise, die durch eine Unzahl von wissenschaftlichen Studien gestützt wird, wurde zum Fundament für eine ganz neue Selbstwahrnehmung. Ich will nicht eine Frau sein, ich bin es!
Transsexualität hat biologische Ursachen
Was bestimmt das Geschlecht – Körper oder Geist?
Transsexualität: Psychologische Sichtweise ohne Scheuklappen

Ist es schlecht? Und was ist gut?
Ist es krank? Und was heisst leben?
Nein! Es ist nur ehrlich – menschlich
Und verflucht – Es ist doch nur die Wahrheit!
(Lacrimosa – Stolzes Herz)

Positive Identifikation mit Transsexualität
Gerade weil man zu Beginn stark unter dem Eindruck der Psychopathologisierung steht, ist es umso wichtiger, positive Identifizierungsmerkmale zu finden und davon gibt’s eine Menge. Transsexuelle Menschen werden in ein Leben gezwungen, das sie vor enorme Herausforderungen stellt, die einem in vielen Belangen schulen. Man musste ein Leben führen das dem eigenen Geschlecht entgegengesetzt war, dazu musste man Menschen und Geschlechter genau beobachten und die Sinne schulen. Man führte lange Zeit ein Leben im “anderen Geschlecht” und lernte viel von der Denk- und Verhaltensweise dieses anderen Geschlechts, weil man es selbst nachspielen musste. Das Leben forderte einem sehr viel Leidensbereitschaft ab, die einem tapfer macht. Und schlussendlich wird einem spätestens beim Outing soviel Mut und Überwindung der Angst abgefordert, dass man auch daran wächst. Vieles was mein Wesen ausmacht, wurde durch meine transsexuelle Ausgangslage im Leben geprägt. Ohne diese erschwerten Umstände wäre ich niemals die Philosophin und Kriegerin geworden, die ich heute bin. Ja, all das hat mich stark gemacht, an allen Widrigkeiten bin ich gewachsen und so bin ich heute wie eine Kriegsveteranin, die nicht nur in der Kaserne geübt hat sondern wirklich gekämpft hat. Diese Kriegserfahrung auf dem Schlachtfeld des Lebens hat mich geschult und gross gemacht. Aus diesen und viel mehr Gründen wurden trans-Menschen bei indigenen Völkern als “Two Spirit” geehrt. An diesem Bild sollte man sich festhalten, wir sind vielleicht anders als Andere, aber dieses Anders-sein bringt positive und negative Aspekte mit, die negativen werden mir zu Genüge vor Augen gehalten, die Positiven muss ich mir selbst vor Augen führen – immer und immer wieder, bis ich es endlich glaube ;-)
Lob auf die Transsexualität – über den Zauber der Two Spirits

Ich wollte ja nichts als das zu leben versuchen,
was von selber aus mir heraus wollte.
Warum war das so schwer?
(Hermann Hesse, Demian)

Epiktet und die Bedeutungslosigkeit des Gelächters
Schon immer hatte ich einen Hang zur Philosophie, vorllem in der griechischen Philosophie fand ich immer gute Lehrer, allen voran Sokrates, der sich dadurch hervortat, dass er nur eines wusste: dass er gar nichts weiss. Auch in diesen zwei Jahren fand ich bei den alten Griechen einen guten Lehrer, Epiktet, ein Vertreter der Stoa. In seinen Texten dreht er sich immer wieder um denselben Punkt und kommt immer wieder zur selben Antwort: Was geht es Dich an? Ich war in einer Situation, in der ich mich in einer mich verhöhnenden oder verspotteten oder zumindestest belächelnden Welt fand. Auch wenn ich selbst wusste, dass ich nicht gestört bin, für alle die nichts vom Thema wissen, werde ich weiter das Stigma der Bekloppten tragen. Aber warum sollte mich das interessieren, fragt Epiktet? Wenn mein Weg richtig ist, dann ist er richtig, egal ob Andere das auch so sehen. Wer vermag über mich zu urteilen, wer entscheidet wie ich sein soll, ich selbst oder dieses Gesellschaftskollektiv? Durch Epiktet wurde mir klar, dass weder die Richtigkeit noch der Wert von etwas davon abhängig ist, wie es von aussen beurteilt wird. Der Wert oder die Richtigkeit bestimmt sich durch sich selbst. Wenn ich ok bin, dann kann man mich für noch so gestört halten, ich werde es nicht nur weil man mir diese Maske auferlegt. Wenn man mich für einen Vogel hält, beginne ich ja auch nicht zu fliegen, warum sollte ich also andere Fremdurteile annehmen? Diese Denkweise führten immer mehr zu einer Art Werte-Autarkie, die dazu führte, dass ich heute zu mir stehen kann, egal was Andere darüber denken.
Selbstachtung beginnt bei Dir

Im Auge der Gemeinheit – Der Allgemeinheit
Schlicht verwerflich – transparent
Doch ist es tiefer, stärker und viel mehr
(Lacrimosa – Stolzes Herz)

Das Schwert der Offenheit
Soweit so gut, wenn ich soweit bin, dass ich mich selbst respektieren kann und nicht mehr von der Wertzumessung Anderer abhängig bin, habe ich ein gutes Fundament. Aber es führt in ein zwei-Welten Dasein und hat irgendwie etwas asoziales. Es ist gut und wichtig, wenn ich mich nicht von Anderen beurteilen und verurteilen lasse, aber ich bin ein soziales Wesen und lebe nicht in einer Autarkie, da fehlt also noch einiges für ein menschenwürdiges Leben. Ich machte die Erfahrung, dass Menschen entgegen meiner Annahme überraschend schnell Vorurteile und Falschvorstellungen ablegen können, wenn sie mit Fakten konfrontiert werden. Das Faktum war in diesem Fall ich selbst. Ich nötigte mir eine kompromisslose Offenheit ab. Ich wusste ja mittlerweile, dass ich ok bin, wenn Andere in mich hinein sehen, werden sie dasselbe wahrnehmen wie ich. Und die Strategie ging auf. Ich erlebte oft, dass ich zuerst mit einer gewissen Irritation betrachtet wurde, aber schon relativ kurze Gespräche mit der nötigen Offenheit führten dazu, dass man begann mich zu verstehen. Nicht unbedingt in einem rationalen Sinn, aber man bemerkte, dass es mir ernst ist und dass ich für mich selbst einstand. Das wiederum nötigte Anderen einen gewissen Respekt ab und führte schnell dazu, dass man mich respektierte als das was ich bin. Wer bei neuen Begegnungen mit einem Handicap startet und mit einer Stigmatisierung beginnen muss, steht im Zugzwang. Ich weiss ja, dass Aussenstehende falsche Vorstellunge von transsexuellen Menschen haben, wer wenn nicht ich könnte ihnen eine neue Sichtweise geben, indem ich mit meinem Ich-sein ein lebendiges Beispiel werde? Heute habe ich ein tolles Umfeld, loyale Arbeitskollegen, liebe Freundinnen, respektvolle Freunde – Diana hat sich etabliert, nicht als Transsexuelle sondern als eine Frau, die einen verrückten Weg hinter sich hat. Das verdanke ich meiner Offenheit, das wurde mir mehrmals attestiert, denn Offenheit entwaffnet, sie zerschneidet Vorurteile, Offenheit ist die einzige Waffe gegen das Schwert des Vorurteils.
Das Outing als transsexuelle Frau
Transsexualität und die Kunst der Selbsterklärung

Mit dem Leben ist es wie mit einem Bühnenstück:
Was zählt, ist nicht die Länge, sondern das gekonnte Spiel
(Seneca)

Die grosse Bedeutung der banalen Äusserlichkeit
Ein weiterer wichtiger Faktor war für mich das Äusserliche. Auch wenn ich dem an sich keinen Wert zumesse, lebe ich doch in einer Welt, die nicht so tickt. Ich habe vielfach erlebt, dass mein Äusseres einen grossen Einfluss hat darauf, wie ernst ich genommen werde aber auch wie überzeugend ich mein Selbst präsentiere. Machen wir uns nichts vor, das Leben ist ein Bühnenspiel, für uns alle, ob wir wollen oder nicht. Wie ich wahrgenommen werde, hat sehr viel damit zu tun, wie ich auftrete. Ob ich als Kerl im Rock betrachtet werde oder als Frau mit einer etwas seltsamen Vergangenheit, ist stark von meinem Äusseren abhängig – genauso wie meine Selbsteinschätzung massgeblich ist, ob ich als Gestörte oder als Opfer auftrete oder ob ich mich als die Frau präsentiere, die ich bin. Beim Äusseren braucht es einiges an Selbstfindung. Ich durfte ja vier Jahrzehnte nicht mal daran denken, wie ich aussehen möchte, plötzlich durfte und musste ich es können. Es brauchte einiges an Zeit und viele Fehleinkäufe, bis ich meinen Stil fand, bis ich ein Äusseres fand, in dem ich mich wohl fühle und das gleichzeitig mich selbst repräsentiert. Ich halte es für verfehlte Tugend, wenn man sich selbst einschränkt, weil man auf Teufel komm raus nur ja kein Klischee erfüllen will – genauso wie es selbstverleugnend ist, wenn man Klischees bedient die einem nicht entsprechen. Unterdessen glaube ich, meinen Stil oder eher meine Stile gefunden zu haben. Am Morgen wähle ich zielsicher etwas, was einer heutigen Tageslaune entspricht, mal eher elegant, mal eher girlig, je nachdem wie ich gerade drauf bin. Aber es ist in sich meist stimmig und das Resultat davon ist, dass ich kaum noch auffalle. Wenn ich in die Stadt gehe, dreht sich niemand mehr um, jedenfalls nicht mit den Blicken von früher. Ich wirke so, wie naive Gutachter es gerne als authentisch klassifizieren – nicht weil ich muss sondern weil ich mein Äusseres nun ganz mir entsprechend gestalte. Das braucht Übung und Mut und Experimentierfreude, aber schlussendlich hilft es mir, weil ich immer mehr spüre, dass ich auf Andere eben genauso wirke wie ich tief in mir bin – so wird das banale Äussere zur Entfaltung des Wesens und damit rundet sich alles ab.
Kleider machen Leute – eine Stilfrage

Aber wenn man einmal das andere weiss,
dann hat man die Wahl nicht mehr,
den Weg der meisten zu gehen.
Der Weg der meisten ist leicht, unserer ist schwer.
(Hermann Hesse, Demian)

Wechselwirkungen im Strudel der Entfaltung
Diese Aspekte, die eigentlich alles andere Seiten sind, haben enorme Wechselwirkungen und sind von einander abhängig. Wenn ich äusserlich gut rüber komme, werde ich auch weniger belächelt, werde mehr respektiert, muss weniger negative Erfahrungen über mich ergehen lassen – aber all diese positiven Veränderungen sind gleichzeitig auch Voraussetzung, dass ich selbstbewusst auftrete und ohne selbstbewusstes Auftreten komme ich eben nicht gut rüber – damit beisst sich die Schlange in den Schwanz. Deshalb kann man diese oben genannten Aspekte eben nicht der Reihe nach durchlaufen, man muss alles gleichzeitig tun und das ist eine enorme Herausforderung. Selbstbewusst auftreten, solange das Äussere dieses Selbstbewusstsein zulässt, braucht eine gehörige Portion Renitenz. Und selbstbewusst auf Fremde zuzugehen, bevor man ihnen erklären konnte, dass man nicht ein gestörter Kerl im Rock ist, braucht unglaublich viel Mut und Entschlossenheit. Aber wenn man diese Aspekte pflegt und an sich arbeitet, kommt irgendwann der Tag an dem man zurück blickt und erschüttert ist, wieviel sich zum Positiven verändert hat. Die Summe der Veränderung ist weit mehr als die Teile dieses Ganzen und man weiss nicht genau, wo man warum welche Fortschritte gemacht hat. So wie ein Baum in alle Richtungen wächst, wird aus einem dürren Stängelchen ein würdevoller Baum. Da braucht es mehr als alles Andere eine hohe Leidensbereitschaft und eine lebenssüchtige Beharrlichkeit.

Mit blutverschmierten Händen, mit einer Träne im Gesicht,
Einem Lächeln auf dem Lippen, und der Hoffnung tief im Blick.
Aufzustehen auch aus dem Dreck tief beschmutzt und stolz im Herz,
Dem Leben neu erwacht – Und erwacht ganz neu im Leben.
(Lacrimosa – Stolzes Herz)

Die Normalität des Aussergewöhnlichen
Wenn man seine Selbstentfaltung in diesen Aspekten vollendet hat, was bei mir zwei Jahre dauerte, steht man endlich so im Leben, dass man sich selbst sein kann in allen Fascetten seines Seins. Und man steht mitten in einem sozialen Umfeld, das diesen Weg mitgegangen ist. Was bleibt ist das vollendete Ziel, das man nicht mehr verfolgen muss, man ist angekommen. Und damit beginnt der letzte und wichtigste Teil, das Loslassen. Denn all das Aussergewöhnliche dieser “Metamorphose”, das die eigene Welt genauso wie die Welt um einem herum so auf den Kopf gestellt hat, all das ist normal geworden. Dann ist der Moment gekommen, an dem man das “T” ablegen muss. So wie der Schmetterling keinen Salat mehr frisst und auch nicht in Cocoons schläft, so muss man die Flügel entfalten und einfach Schmetterling sein. Dabei geht es nicht um Verleugnung der Vergangenheit, es geht um eine zukunftsgerichtete oder noch besser gegenwartsgerichtete Lebenshaltung. Es geht auch nicht darum, etwas an sich selbst zu verleugnen, dazu gibt es keinen Grund. Mir wurde ein erschwertes Leben im falschen Körper aufgebürdet, diese erschwerten Umstände haben aus mir gemacht, was ich heute bin, dieses Ich von heute ist mir lieb, auf dieses Ich bin ich stolz, es ist so wie es ist gerade weil ich all das durchlebt habe, ich bin und bleibe Two Spirit, aber ich definiere mich nicht mehr allein durch diese Andersartigkeit, ich bin keine Transsexuelle sondern ein Frau, die aufgrund einer Transsexualität eine schwere Entwicklung durchleben musste und sich selbst entfaltet hat. All das gilt es anzunehmen und mitzunehmen, aber nicht als Kette die einem in einer Psychopathologisierungs-Schublade gefangen hält sondern als Fundament, auf dem man gewachsen ist, dem man entwachsen ist – dann ist es Zeit loszulassen und zu fliegen, wie es die eigene Seele bedarf.
Leben als TransFrau – Über die Normalität des Aussergewöhnlichen

Und um die Frage vorwegzunehmen: Nein, ich hab das alles natürlich nicht immer im Griff, mich haut’s nachwievor immer mal wieder hin, das Selbstbewusstsein bröckelt manchmal ab, manchmal knirscht es ganz schön im Gebälk. Aber ich habe es in dem Sinn erreicht, dass ich heute in der Regel einen schönen Tag verbringen kann, in dem ich mein Leben ein wenig zelebriere und geniesse. Damit bin ich echt zufrieden, bei all dem was ich hinter mir habe, da bin ich wirklich im Paradies angekommen :-)

A Rainbow Warrior called Diana

There will come a time when the Earth grows sick
and when it does a tribe will gather from all the cultures of the World
who believe in deeds and not words.
They will work to heal it…
they will be known as the “Warriors of the Rainbow”

(Hopi-Legend of Rainbow Warriors)

Es ist bald 15 Jahre her, wir hatten uns dazu entschlossen, einem Kind das Leben zu schenken, als ich vor dem TV sass und hörte, dass der damalige französische Präsident Chirac auf der Insel Moruroa Atombombentests machte. Die ganze Welt schaute hin, niemand unternahm etwas dagegen, nur eine kleine Schar Greenpeace Aktivisten stürmten mit ihren Booten dahin, im Wissen, dass sie es nicht aufhalten können, aber mit der Kraft im Herzen, sich trotz aller Hoffnungslosigkeit gegen diesen Irrsinn zu stellen. Ich erinnerte mich an meine Kindheit, wie ich geweint habe als ich im TV sah, wie Robbenbabys zutode geprügelt wurden und Wale mit Sprengharpunen gejagt wurden und auch damals waren Greenpeace Aktivisten die Einzigen, die versuchten dagegen anzukämpfen.

Kann ich es wirklich verantworten, ein Kind in diese grausam destruktive Welt zu setzen? Eigentlich nicht, und doch wollte ich, was nun? Wenn ich einem Kind schon so eine Welt zumute, dann bin ich in der Verantwortung, dann muss ich mit allen Mitteln versuchen, diesem Kind eine möglichst gute Zukunft zu ermöglichen – ich muss zur Kriegerin werden, zur Kriegerin des Regenbogens. Am anderen Tag kontaktierte ich Greenpeace Schweiz und meldete mich als Aktivistin. Das blonde Ding hinten in diesem Schlauchboot bin übrigens ich. Bei der Kaperung des Gentech-Schiffs im nächsten Bild war ich ebenfalls an Bord.

Es war etwa zwei Jahre später, viele Stunden an Eisenbahngeleise gekettet, ein Schiff gekapert, ein paar Gerichtsurteile wegen Nötigung und Hausfriedensbruch, als ich an einem Philosophiekurs von Greenpeace war und mit Erstaunen erfuhr, was der Name des legendären Greenpeace Schiffs “Rainbow Warrior” wirklich bedeutet. Der Name entstand in Anlehnung an uralte Prophezeiungen der Hopi- und/oder Cree-Indianer, die von der Zerstörung der Natur handelten und das Erscheinen der Regenbogen-Krieger ankündigten, die Mutter Erde wieder heilen würden. Ein paar Jahre nachdem die Rainbow Warrior erstmals in See stach um gegen Atombombentests auf dem Meer zu protestieren, erkannte eine Cree Indianerin in diesen Aktivisten die Erfüllung dieser Legende und der Stamm der Cree bestimmte, dass alle Regenbogen-Krieger sozusagen Ehrenmitglieder ihres Stammes würden. Wow, ich sass da und erfuhr voller Stolz, dass ich damit Cree Indianerin bin.

Es folgten viele Kämpfe als Regenbogenkriegerin, eine Hundertschaft an Leserbriefen, politische Aktionen und schlussendlich schuf ich mein “RainbowNet-Blog“, auf dem ich ursprünglich meine ökologischen Anliegen teilen wollte, doch aufgrund der politischen Lage in der Schweiz leider schnell in politische Themen abgleitete. Irgendwann kam der Punkt, an dem ich völlig ausgepowert war. Viele Kämpfe hatte ich gekämpft, fast alle hatte ich verloren. Resignation! Ich liess meine Waffen fallen und zog mich gebeugten Hauptes zurück.

Später kam dann die Phase meiner “Geschlechts-Transition“, die mich zwei Jahre lang total absorbierte und nach der GaOp erwachte ich mit neuem, gereinigtem Geist und schnell hörte ich wieder den sanften Klang der Spiritualität, den Atem Gottes und schlussendlich wieder die Trommeln in meinem Herzen, die mich eigentlich nie mehr verlassen haben, seit ich auf meiner Hochzeitsreise im Pine Ridge Reservat bei den Oglala-Sioux an einem PowWow war, dort in den heiligen Bergen der Black Hills, da wo mein Geist berührt wurde wie nie zuvor.

Die Erinnerung kam wieder auf, dass ich eine Regenbogen-Kriegerin bin und dass meine Berufung nie geendet hat, dass es da eine Prophezeiung gibt, die mich meint, mich und unzählige Andere und dass sie sich nur erfüllt, wenn wir nicht aufgeben, das Unmögliche zu wagen. Deshalb möchte ich jetzt diese Prophezeiung mit Euch teilen, in der Hoffnung, dass sie sich weiter ausbreitet und dass ich so einen weiteren kleinen Teil dazu beitragen kann, dass Mutter Erde irgendwann doch wieder geheilt wird.

Prophezeiung der Cree – Warriors of the Rainbow

Es war im letzten Jahrhundert, als eine alte weise Cree Indianerin namens “Eyes of Fire” eine Vision hatte. Sie prohezeite folgendes (im Rahmen meiner bescheidenen Fähigkeiten aus diesem Text übersetzt):

Es wird eine Zeit kommen, wenn die Erde ausgebeutet und verschmutzt ist, die Bäume zerstört sind, die Vögel vom Himmel fallen, die Gewässer sich verdunkeln, Fische in den Strömen vergiftet sind und die Wälder nicht mehr länger sein werden. Menschen wie wir sie kennen werden aufhören zu existieren.

Es wird die Zeit kommen, wenn die Erhalter der Legenden, Geschichten, kulturellen Rituale, Mythen und aller alten Stammesangelegenheiten gebraucht werden um unsere Gesundheit wieder instandzustelolen und die Erde wieder grün zu machen. Sie werden des Menschen Schlüssel zum Überleben sein, sie werden die “Krieger des Regenbogens” sein. Es wird der Tag des Erwachens kommen, wenn alle Menschen aller Stämme (Staaten) eine neue Welt aus Gerechtigkeit, Frieden und Freiheit formen und den Grossen Geist (Gott) anerkennen.

Die “Krieger des Regenbogens” werden diese Prophezeiungen verbreiten und allen Menschen dieser Erde lernen. Sie werden sie lehren wie man “den Weg des Grossen Geistes” lebt. Sie werden ihnen erzählen, wie die Welt von heute sich vom Grossen Geist entfernt hat und dass die Erde deshalb “krank” ist.

Die “Krieger des Regenbogens” werden den Menschen zeigen, dass der Grosse Geist voll ist von Liebe und Verständnis und sie werden sie lehren, die Erde wieder schön zu machen. Diese Krieger werden den Menschen Prinzipien und Regeln lernen ihnen nachzufolgen um die Erde wieder mit Licht zu erfüllen. Diese Prinzipen werden diejenigen sein der alten Stämme. Die Regenbogenkrieger werden die Menschen die alten Praktiken von Einheit, Liebe und Verständnis lehren. Sie werden Harmonie lehren unter den Menschen in allen vier Ecken der Erde.

Sie die alten Stämme werden sie die Menschen lehren zum Grossen Geist zu beten, mit Liebe die fliesst wie ein schöner Bergbach und den Weg entlang fliesst bis in den Ozean des Lebens. Und sie werden wieder fähig, Glück zu empfinden für sich selbst und in der Gemeinschaft. Sie werden frei von Eifersucht und werden alle Menschen als ihre Geschwister lieben, ungeachtet deren Hautfarbe, Rasse oder Religion. Sie werden Glück empfinden dabei, in deren Herzen einzudringen und eins zu sein mit der gesamten menschlichen Rasse. Ihre Herzen werden rein sein und Wärme, Verständnis und Respekt ausstrahlen für alle Menschen, die Natur und den Grossen Geist.

Sie werden ihr Denken, ihre Herzen und ihre Seelen wieder mit reinsten Gedanken füllen. Sie werden die Schönheit des Schöpfers suchen – des Grossen Geistes. Sie werden Stärke und Schönheit finden im Gebet und der Einsamkeit des Lebens.

Ihre Kinder werden wieder fähig sein sich zu befreien und die Geheimnisse der Natur und von Mutter Erde zu geniessen. Frei von der Angst vor Gift und Zerstörung die der weisse Mann durch seine praktizierte Gier gebracht hat. Die Flüsse werden wieder klar, die Bäume wieder reichhaltig und schön, die Tiere und Vögel wieder vollzählig. Die Kraft der Pflanzen und Tiere wird wieder respektiert und die Erhaltung von allem was schön ist, wird wieder zum Weg des Lebens.

Die Armen, Kranken und Hilfsbedürftigen werden wieder gepflegt von ihren Brüdern und Schwestern der Erde. Diese Praktiken werden wieder Teil von ihrem täglichen Leben.

Die Anführer der Menschen werden in der alten Tradition gewählt – nicht durch politische Parteien und nicht diejenigen, die am lautesten brüllen oder durch Dreckschleudern sondern diejenigen, deren Taten die lauteste Sprache sprechen. Diejenigen, die Liebe, Weisheit und Mut zeigten und diejenigen die zeigen, dass sie für das Allgemeinwohl arbeiten können und wollen, werden zu Anführern gewählt. Sie werden aufgrund ihrer “Qualität” gewählt und nicht wegen des Geldes das sie besitzen. Wie die nachdenklichen und demütigen “alten Häuptlinge” werden sie die Menschen mit Liebe verstehen und dafür sorgen, dass ihre Jungen von ihrer Umgebung mit Liebe und Weisheit gelehrt werden. Sie werden ihnen die Wunder zeigen mit denen die Erde von ihren Wunden geheilt werden kann und Gesundheit und Schönheit wiederherstellen.

Die Aufgaben dieser “Krieger des Regenbogens” sind zahlreich und gross. Es werden erschreckende Berge von Unwissenheit zu besiegen sein und sie werden Vorurteile und Hass zu finden. Sie müssen gewidmet werden, unerschütterlich in ihrer Kraft und stark in ihrem Herz. Sie werden Herzen und Köpfe finden die gewillt sind ihnen zu folgen auf diesem Weg, auf dem Mutter Erde wieder zu ihrer Schönheit und Vielfalt zurückkehrt – einmal mehr.

Der Tag wird kommen, er ist nicht mehr weit entfernt.

Der Tag an dem wir erleben werden, wie wir dankbar sind für die Existenz der Menschen aller Stämme, die ihre Kultur und ihr Erbe gepflegt haben. Diejenigen, die Rituale, Geschichten, Legenden und Mythen lebendig gehalten haben. Es wird dieses Wissen sein, das Wissen das sie erhalten haben, das uns ermöglicht, wieder zurückzukehren zu einer Harmonie mit der Natur, Mutter Erde und der Menschheit. Es wird dieses Wissen sein, in dem wir den Schlüssel zum Überleben finden werden.

Ist diese Zeit wirklich so nah? Den Eindruck habe ich nicht, wenn ich das Verhalten der Menschen beobachte. Wird diese Zeit wirklich kommen? Es fällt mir schwer das noch zu glauben, nach all der Ignoranz die ich in den letzten Zwanzig Jahren erlebt habe. Aber ich erinnere mich immer wieder an die Worte von Carl Jaspers, der sagte: “Hoffnungslosigkeit ist die vorweggenommene Niederlage”. Egal wieviel Hoffnung besteht, wenn wir diese Zeit nicht anstreben, wird sie garantiert nicht kommen, sie kann nicht kommen, weil wir der Weg sind, auf dem sie kommen könnte, wenn wir es zulassen würden.

So mag man mich weiterhin für eine Närrin halten, dass ich auch in diesem Thema das Unmögliche anstrebe, ich bin nicht allein mit meiner Narrerei. Gandhi war so närrisch zu glauben, er könne mit Gewaltlosigkeit einen Krieg gegen einen übermächtigen Feind gewinnen. Martin Luther King war so närrisch wie Nelson Mandela, dass sie glaubten, sie könnten Gleichberechtigung durchsetzen in Kontinenten, die Apartheit und Sklaverei praktizierten. Die Geschichte kennt viele Narren und Närrinnen, die sich erdreisteten, das Unmögliche zu wagen – so Manche haben es wider aller Erwartung doch geschafft. Also will ich weiterhin eine Närrin bleiben – man weiss ja nie ;-)

Transsexualität – Mein Einsatz geht weiter

Aufgrund einer Anfrage im Kommentarbereich möchte ich dringend etwas klar stellen. Das Thema Transsexualität wird auch in diesem Blog weiter gehen und mein Einsatz für die Rechte von transsexuellen Menschen und die persönliche Unterstützung von Betroffenen werden ebenfalls einen wesentlichen Platz in meinem zukünftigen Leben haben. Mein Blog-Wechsel ist keinesfalls Ausdruck davon, dass ich dieses Thema hinter mir lassen will oder “untertauchen” will. Warum es trotzdem ein neues Blog brauchte, möchte ich nun hier etwas genauer erklären und auch anklingen lassen, inwiefern mich dieses Thema in Zukunft noch beschäftigen wird resp. was von mir zu erwarten ist.

Ich bin mehr als meine transsexuelle Vergangenheit
Mein letztes Blog sollte das “Tagebuch einer transsexuellen Frau” sein und somit war dieses Thema sowas wie das Rückgrat des Blogs, alles da drin war auf dieses Thema fokusiert. Es sollte diesen Transitions-Prozess beschreiben, vom ersten Tag des Outings bis zum Abschluss dieses Prozesses. Dieser Prozess ist nun bald zuende, ich warte nur noch auf die Personenstandsänderung und die kleine Nach-Operation und dann ist diese “Geschichte” geschrieben und in sich vollständig. Ich habe gemerkt, dass mich diese Themen-Fokusierung irgendwie bindet. Das ‘T’ vor meinem Namen war Verpflichtung und fesselte mein Denken an dieses Thema. Aber ich bin mehr als meine transsexuelle Vergangenheit. Auch wenn meine Persönlichkeit durch ein vier Jahrzehnte andauerndes Leben im falschen Körper geprägt wurde, kann und will ich mich nicht einzig durch diesen Aspekt definieren. Das war in diesen zwei Jahren notwendig und in den vier Jahrzehnten vorher unumgänglich, aber die neue Freiheit die ich mir erkämpft habe, erlaubt mir auch, das ein Stück weit loszulassen. Damit will ich nichts verleugnen, mein bisheriges Leben hat mich zu dem gemacht was ich heute bin, es gab mir die Two-Spirit Fähigkeit, mit der ich die Geschlechterwelten von zwei Perspektiven aus sehen kann, es gb mir die unerhörte Renitenz, meinen Weg auch allen Widrigkeiten zum Trotz gehen zu können und es gab mir den Mut und die Kraft, selbst das scheinbar Unmögliche zu wagen und schlussendlich sogar zu schaffen. Das alles macht mich aus, so werde ich auch in Zukunft sein.

Frei genug für ganzheitliches Sein
Dadurch, dass mein Alltag nicht mehr vollständig durch das Thema Transsexualität definiert ist, ja dass ich mich heute nicht mal mehr als transsexuell im Sinn von geschlechts-inkongruent wahrnehme, habe ich endlich den Kopf wieder frei für all die Dinge, die mir so sehr am Herzen liegen und einfach keinen Platz mehr hatten in den letzten zwei Jahren. Ich war schon immer eine Philosophin und ich hatte eine grosse Vorliebe für spirituelle Fragen. Religionen, Philosophen, Politik und Ökologie, all das sind mir wichtige Anliegen bis hin dazu, dass ich wieder Musik machen möchte, wieder Zeit finden möchte um im Wald rumzuliegen und vieles mehr. Für mich sind die “neuen Themen” kein Ersatz für das Thema “Transsexualität” sondern eine Erweiterung der Vielfalt meines Seins. Klar wird Transsexualität den anderen Themen Zeit und Platz abgeben müssen, aber es wird weiterhin genug Raum bekommen.

Etwas Ruhe und Freiheit
In den nächsten paar Monaten will ich das Thema Transsexualität bewusst etwas zurückstellen. Ich habe mich zwei Jahre lang damit aufgerieben und mein endlich freies Leben ist es wert, dass ich es jetzt mal etwas geniesse. Nach all den Kämpfen habe ich es verdient, dieses ewige Drehen um denselben Punkt mal etwas auszusetzen und mich dem Leben hinzugeben, ohne mich tagtäglich über Menschenrechtsverletzungen aufzuregen. Deshalb werde ich in diesem Blog vorerst das Thema etwas auslassen, das was wirklich gesagt werden muss zum Thema Transsexualität, werde ich in der Regel weiterhin im alten Blog berichten, wie gerade diese Woche die Sache mit der Personenstandsänderung. Wenn ich das alte Blogtagebuch in wenigen Monaten abschliesse, wird Transsexualität auch hier seinen wichtigen Platz bekommen.

Transsexualität – zukünftige Strategien
Pläne sind genug geschmiedet, mein Einsatz für transsexuelle Menschen wird weiter gehen, wenn ich mir genug der nötigen Ruhe gegönnt habe. Nebst persönlichen Betreuungen und meinen Info-Blogs zu dem Thema, habe ich ein paar zuckersüsse Pläne für eine Informations-Offensive, die ich zu gegebener Zeit mit Verbündeten (allen voran mit ATME) losrollen möchte. Ich glaube, dass Öffentlichkeitsarbeit momentan nebst politischem Lobbying das Wichtigste ist, um transsexuellen Menschen eine Chance zu geben in Zukunft. Daran werde ich arbeiten und habe bereits ein paar wirklich pfefferige Ideen ;-)

Also keine Sorge, ich bleibe dran, es gibt viel zu tun, gemeinsam werden wir’s anpacken! Aber ich muss und will mein Leben auch geniessen, ich bin nicht nur als Kriegerin in dieses Leben gesetzt worden, ich bin auch um des Lebens Willen hier. Beidem will ich gerecht werden – alles zur gegebenen Zeit in erfordertem Mass ;-)

Ein etwas anderes Glaubensbekenntnis

Dieser Blogbeitrag stammt aus meinem letzten Tagebuch, aber weil er einen meiner wichtigsten Wesensanteile beschreibt und viel über mein Glauben und Denken aussagt, möchte ich ihn hier auch vorstellen……….

Ich wußte nicht, wo ich eintrat,
aber als ich mich dort sah,
unwissend, wo ich mich befand,
begriff ich große Dinge;
ich werde nicht sagen, was ich empfand,
da ich unwissend blieb,
alles Wissen übersteigend.
(Johannes vom Kreuz)

Wenn ich heute gefragt werde, ob ich gläubig bin, dann gibt es zwei mögliche Antworten. Entweder ich sage: ich sei “konfessionslos gläubig” oder ich sage, ich sei “Nazarenerin”. Die jüdische Gruppe rund um Jesus, aus der später das heutige Christentum entstand, wurden von Anderen “die Nazarener” genannt, weil sie Nachfolger des Jesus von Nazareth waren. Damit will ich sagen, dass ich Jesus nachfolge in dem ich der von ihm postulierten Ethik nachfolge, dass ich aber nicht der Glaubensdoktrin einer Kirche folge und es für mich nur einen Gott gibt, derjenige, auf den Jesus und Andere hingewiesen hat.

Wie’s dazu kam, ist mal wieder eine lange Geschichte, also heissts einmal mehr: Bier und Popcorn holen, gemütlich hinsetzen………. Vorhang auf!

Katholisch – und wo ist Gott?
Ich wurde zwar katholisch getauft, wuchs aber in einer Familie auf, die keine religiösen Ambitionen hatte. Wir gingen in der Regel nicht in die Kirche und nur durch die Grosseltern wurde mir ab und zu etwas Religion vermittelt. Trotzdem hatte ich früh die feste Überzeugung, dass da irgendwo irgend etwas Göttliches sein musste. Die Welt war viel zu schön und perfekt, als dass sie einfach ein Zufallsprodukt sein konnte. Irgendwoher musste ja all das Zeuchs kommen, das da rumwuselt und vieles in der Natur liess mich staunen…….. und Staunen, ist der Ursprung jedes religiösen Glaubens.

Einführung ins Christentum und die Lüge vom Geschenkligott
In der Jugendzeit ging ich dann in die CVJM, eine Art katholische Antwort auf die Pfadfinder. Dort lernte ich sehr viel über den christlichen Glauben, über Jesus und die Bibel. Und dort lernte man mir auch erstmals die Vorstellung eines Gottes, von dem man alles bekommt, wenn man ihn darum bittet. Das ging in mich rein wie ein heisses Messer durch die Butter. Ich betete, bittete, denn es gab mehr als genug in meinem Leben, wo ich Hilfe gebraucht hätte. Aber es passierte nichts, einfach nichts. Irgendwann kam der Punkt, an dem ich mich einfach nur noch verarscht fühlte. Da erzählen mir die: “Bitte und es wird Dir gegeben”, ich bat, und alles wurde nur noch schlimmer. So zerfiel der Glaube an diesen Geschenkli-Gott zu Staub, von einem Tag zum Anderen. Was blieb war mein Staunen und die feste Überzeugung, dass irgend etwas Göttliches existiert.

Vorübergehender Abschied aus dem Christentum
An meinem 18. Geburtstag bekam die Kirchgemeinde einen Brief, in dem ich um meine Exkommunikation bat und dies damit erklärte, dass ich nicht einer Religion angehörig sein kann, die Frauen auf Scheiterhaufen verbrannte, indigene Völker ausrottete und vieles mehr. Aber ich glaube, das stimmte so nicht, ich war einfach enttäuscht, weil mir diese Religion Hilfe versprach, die ich nie erhielt.

Wer sucht, soll solange weiter suchen, bis er findet.
Wenn er aber findet, wird er erschrocken sein.
Wenn er erschrocken ist, wird er erstaunen.
Und er wird König sein über die unsichtbare Welt.

(Thomas Evangelium 2)

Eine zwanzigjährige spirituelle Reise
Dann begann eine lange spirituelle Reise durch die Welt der Religionen. Eine Reise die mir zeigte, dass alle Religionen wertvolle Schätze zu verschenken hatten. Überall waren Einsichten zu gewinnen, überall gab es etwas zu lernen, was einem im Leben weiter bringt. Aber ich fand keine Religion, die es verdient hätte, den alleinigen Wahrheitsanspruch, den zumindest monotheistische Religionen per Definition beanspruchen, auch zugesprochen zu bekommen.

Buddhismus, Zen, Schicksal und Demut
Zuerst gings los mit Buddhismus und Zen. Dort lernte ich vorallem, das Schicksal anzunehmen. Shunryu Suzuki, ein Zenmeister, fasste es wunderschön zusammen: “Weil wir alle Aspekte des Lebens als eine Entfaltung des grossen Geistes betrachten, deshalb haben wir diese unerschütterliche Ruhe” (frei nachgeplaudert). Ich lernte, dass alles was kommt auch sein Gutes hat, auch wenn ich es noch so ablehne. Selbst Krankheit oder Sonstiges können mich weiter bringen, wenn ich mich nicht dagegen sträube und diese “Lehre” annehme. Diese Lebenshaltung war vermutlich der Hauptgrund, dass ich viele Jahre später, als ich an einem Burnout erkrankte, diesen zur grössten Schule meines Lebens machen konnte…… bis Anfang dieses Jahres, da trat ich in die Königsklasse ein.

Naturvölker und der “grosse Geist” der Indianer
Weiter ging es dann mit Religionen der Naturvölker, im Speziellen der indigenen Völker Nordamerikas, die mich seit Kindheit unerklärlich faszinieren. Die Sioux Indianer nennen Gott “Wakan Tanka”, was im englischen lapidar mit “Great Spirit” übersetzt wird und im deutschen noch sinnentleerter mit “Grosser Geist”. Aber es heisst nicht Great Ghost sondern Great Spirit, damit ist kein Huhu-Gespenst gemeint sondern eine Wesenskraft. In einem Buch las ich dann mal, dass die korrekte Übersetzung von Wakan Tanka in etwa heissen müsste: “Das Wesen, das in allen Dingen ruht”. Unter Wakan Tanka verstanden Indianer so eine Art göttliche Energie, die in allem drin ist, alles ist eine Entfaltung Gottes. Egal ob ein Tier, ein Fluss, ein Stein oder ein Mensch, alles war durchdrungen von dieser göttlichen Wesensart. Das war auch der Grund, weshalb Indianer beispielsweise ein bei der Jagd getötetes Tier um Verzeihung baten – eine rührende Vorstellung, die meinem Empfinden enorm entsprach. Damals hätte ich nie gedacht, dass mir diese Vorstellung eines Tages ausgerechnet in der christlichen Religion wieder begegnen würde.

Odin, Thor und andere Vorstellungen
Auch mit kelto-germanischen Religionen beschäftigte ich mich, auch da fand ich spannende Aspekte, die mich auf meinem Weg weiter brachten und das Bild abrundeten.

Gott – das Unvorstellbare und Unaussprechliche
Erst viel später, am Ende dieser Suche, wurde mir klar, dass alle Religionen eigentlich vom Gleichen reden. Es gibt nur eine göttliche Macht, die hinter allem Sein steht und das Göttliche ist unvorstellbar und undenkbar, es übersteigt unsere Vorstellungen bei Weitem. Deshalb brauchte es Religionen, die das Unvorstellbare vorstellbar machten und das geht nur durch Vereinfachung. Und da spielt es keine Rolle, ob man sich dieses Unvorstellbare als einen einzelnen Gott vorstellt oder die verschiedenen Aspekte von verschiedenen Göttern darstellen lässt. Auch monotheistische Religionen wie das Judentum haben viele Namen für diesen einen Gott, jeder Name steht für bestimmte Aspekte Gottes. Bei diesen Namen Gottes sind solche dabei wie der “Herr der Heerscharen” aber auch die weibliche Schechina, ein für Juden wesentlicher Aspekt Gottes. Andere Religionen machten aus diesen Aspekten einzelne Götter. Aber im Endeffekt bleibt es dasselbe und auch wenn Christen zwischen Gott, Jesus und dem “heiligen Geist” unterscheiden, bleibt doch hinter all dem das eine Göttliche, das Unaussprechliche.

Ich gebe euch ein neues Gebot: Liebt einander.
Ihr sollt einander so lieben, wie ich Euch geliebt habe..

(Johannes 13,34)

Evangelikalismus oder die Pervertierung der jesuanischen Lehre
Eines Tages stolperte ich in ein christliches Forum, in dem es von evangelikalen Christen wimmelte. Das evangelikale Christentum stammt aus Amerika und wie vieles, was von dort kommt, ist (meines Erachtens) der Evangelikalismus die grösste Pervertierung des christlichen Glaubens. Die Bibel wird absolut wörtlich genommen (wenn es einem in den Kram passt), Homosexuelle werden verteufelt, Selbstbefriedigung dämagogisiert und alles mit Verweis auf aus dem Zusammenhang gerissene Bibelstellen. Ich war dort mit einer Form von Grausamkeit konfrontiert, die mir das Blut in den Adern gefrieren liessen. Da konnte Jesus sich den Munde fuslig reden über Liebe, Vergebung und Nicht-Richten. Diese selbsternannten Heiligen der Neuzeit zerrten alles in die Hölle in ihrem Kopf, was nicht 100% mit ihrem Glauben übereinstimmte.

Derjenige von euch, der ohne Sünde ist,
soll als erster einen Stein auf sie werfen.

(Johannes 8,7)

Die Bibel als Waffe? Das kann ich auch!
Da konnte ich einfach nicht anders als mit diesen Leuten rumzustreiten und so kamen in kurzer Zeit 800 Forumbeiträge zusammen. Da mir diese Leute ständig Bibelstellen um die Ohren hauten, begann ich mich selber wieder mit der Bibel zu beschäftigen und es war in der Regel ein Leichtes, ihre obskuren Fehlinterpretationen aufzudecken – natürlich ohne dass sie das bemerkt hätten. Das machte mich wieder vertrauter mit dieser Schrift und ich entdeckte da wieder wundervolle Stellen, vorallem die sogenannten Jesusworte. Das was Jesus predigte, war einfach nicht das, was ich heute im Christentum antreffe. Irgendwann wurde es sogar mir zu blöd dort und ich verliess das Schlachtfeld.

Laientheologie und urchristliche Überlieferungen
Doch ich war neugierig geworden und wollte unbedingt mehr über das Denken und die Lehre von Jesus erfahren. Ich las sehr viel und erfuhr einerseits, dass die Bibel kritisch gelesen werden muss. Es gibt redaktionelle Veränderungen, theologische Einschübe und vieles mehr (siehe z.B. Textkritik). Jedes der vier Evangelien, die die Geschichte des Nazareners beschreiben, beinhaltet eine eigenständige Theologie. Jeder dieser Berichte ist sozusagen eine Sichtweise des jeweiligen Evangelisten und diese unterscheiden resp widersprechen sich teils in interessanter Weise (siehe Evangelien-Synopse). Aber eines zieht sich wie ein roter Faden durch diese Erzählungen, die Jesus-Worte. Ich erfuhr, dass es noch andere urchristliche Überlieferungen gab, wie es auch verschiedene christliche Gruppierungen gab. Aber nach dem 1. Konzil von Nizäa im Jahr 325 siegte eine Gruppe dank Hilfe des römischen Kaisers Konstantin und alle anderen Gruppierungen wurden samt ihren Überlieferungen verboten. Aber viele dieser Schriften haben die Verfolgung überlebt und bieten ganz neue Sichtweisen. Im Speziellen das sogenannte Thomas Evangelium, eine Spruchsammlung von über hundert Jesus-Worten (Aussprüche). Viele dieser sogenannten Logien entsprechen denen der Bibel und sind teilweise sogar älter als die Urschriften der Bibel – sprich authentischer. Aber es hat auch eine Vielzahl von “unbekannten” Jesus-Worten und diese haben es in sich….. und haben es mir angetan….. und hier begann sich der Kreis zu Wakan Tanka zu schliessen und ich begann auch die Jesus-Worte in der Bibel mit neuen Augen zu sehen – und mein Staunen erreichte nie dagewesene Ausmasse.

Urtext verstehen und mit griechischen Augen lesen
Als mir klar wurde, dass Übersetzungen immer mit Verlust belastet sind und dass bei den Übersetzungen manchmal Theologie über Grammatik gestellt wurde, begann ich alt-griechisch zu lernen im Selbststudium. Es dauerte etwa ein bis zwei Jahre, bis ich in der Lage war, das Neue Testament im griechischen zu lesen und zu verstehen. Das griechische NT ist leider die älteste Überlieferung die wir haben, es gibt nichts über Jesus in hebräisch resp aramäisch und so ist auch der griechische “Urtext” bereits sehr verfremdet, weil hebräisch eine völlig andere Denkwelt voraussetzt als griechisch. Jedenfalls hatte ich den “Urtext” und ging akribisch dahinter, die Jesus-Worte zu studieren, die Paralellen in den Evangelien und die apokryphen (ausserbiblischen) Überlieferungen zu vergleichen. Einmal mehr taten sich Welten auf und das brachte mich irgendwann an den Punkt, an dem ich davon überzeugt war, dass Jesus uns genug gesagt hat, damit wir ein friedliches und glückliches Leben führen könnten – wenn wir ihn denn ernst nehmen würden und ihm nachfolgen würden.

Glühen ist besser als Wissen.

(Bernhard von Clairvaux)

Christliche Mystik und Mönchstum
Ich unternahm auch eine lange Reise in die Welt der christlichen Mystik. Mystik ist so etwas wie das Gegenteil von Dogmatismus. Ein Mystiker weiss, dass er nichts weiss und er glaubt, dass es im Glauben keine Rechthaberei gibt, dass jeder Mensch seinen persönlichen Weg hin zu Gott gehen kann, da gibt es kein richtig oder falsch, es gibt nur ein Ziel. Mystiker aller Religionen vertragen sich prächtig. Ein katholischer Mönch wird mit einem muslimischen Derwisch bestens klar kommen, sie haben keine Differenzen, sie haben nur unterschiedliche Blickwinkel und unterschiedliche Erfahrungen auf ihrem eigenen persönlichen Weg. Was für eine Wohltat im Vergleich zu dogmatischen Kirchen, die sagen: Entweder Du glaubst genau das was wir sagen und zwar so wie wir Dir das vorschreiben, oder Du brennst in der Hölle. Ich las viele Schriften und bekam viele neue Vorbilder. Der Franziskaner Franz von Assisi, der Nächstenliebe wie kein Anderer praktizierte, der Zisterzienser Bernhard von Clairvaux oder der Karmeliter Johannes von Kreuz, die den Weg zu Gott nur mit allumfassender Liebe gingen und viele andere faszinierende Gestalten in der Geschichte des christlichen Mönchstum. Das christliche Mönchstum war schon immer mystisch und es ist bis heute so geblieben. Höhepunkt war dann eine Besinnungswoche im Benediktiner Kloster in Einsiedeln, eine Erfahrung die wirklich tief geht.

Siehe, das Reich Gottes ist innerhalb von Euch!
Doch irgendwann wurde es Zeit, auch diesen Weg zu verlassen. Ich legte alles hin was ich zwanzig Jahre gelernt hatte. Ich musste nicht mehr weiter nach Gott suchen, ich hatte ihn/sie/es gefunden…… in mir – in Dir – in Euch allen. Seit diesem Tag habe ich grosse Ehrfurcht vor allen Mitgeschöpfen, weil ich nun tief in mir spüre, dass wir alle eins sind, durchdrungen von derselben Macht, Entfaltung desselben unaussprechlichen, unvorstellbaren Göttlichen, das niemals verstanden werden kann sondern nur erfahren. Es war der Tag, an dem sich mein Herz mit Liebe füllte und ich glaube sogar, es war die Grundlage dafür, dass ich mich selbst eines Tages lieben lernte und meine in einen Kerker eingesperrte Wesensart entfalten konnte. Die Fascetten der Entfaltung Gottes sind endlos zahlreich, ich bin eine von Vielen, die alle in sich einzigartig und doch wesensgleich sind.

Eine Freundin, die in Deutschland in einer christlichen Zen Gruppe ist, erzählte mir mal etwas, was die Erkenntnis meiner zwanzigjährigen Reise in einem Satz zusammennfasst. Wenn sie sich begegnen, dann begrüssen sie sich mit dem Wort “Namaste“………. was sinngemäss zu verstehen ist als:

Ich ehre in Dir den göttlichen Geist, den ich auch in mir selbst ehre – und ich weiß, dass wir somit eins sind.

Ich bin das Licht, das über allem ist.
Ich bin die himmlische Welt.
Sie ist aus mir hervorgegangen,
und in mir hat sie ihr Ziel erreicht.
Spaltet ein Stück Holz, ich bin da.
Hebt einene Stein auf, ihr werdet mich dort finden.

(Thomas Evangelium 77)

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