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Ein exzessiver Blog-Sonntag

Manchmal kommt es so anders als man denkt. Nachdem ich gestern geackert habe um den freigenommen Montag zu kompensieren, habe ich mir fest vorgenommen, heute wie jeden Sonntag auszuschlafen, also frühstens ab elf Uhr aufzustehen. Um 5:35, fünf Minuten bevor mein Wecker unter der Woche klingelt, war ich hellwach, weiss der Geier warum. Ich trank einen Schoko-Cappu (Juliet hat mir welchen aus Germanien gebracht) und dann packte mich wie oft in letzter Zeit das spirituelle Fieber. Ich enterte den PC so um Sieben, startete indianische Musik auf meinem iTunes Player und töggelte los wie bekloppt. Seit einigen Wochen bin ich daran, dieses neue Blog zu füttern, vorallem die Kapitel-Beschreibungen. Heute packte mich aber das indianische und greenpeaclerische Fieber und so textete ich mich vor mich hin, beflügelt von Bill Millers Flötenklang. Einerseits beendete ich die Kapitel-Beschreibungen, anderseits begann ich einen Beitrag über einen indianischen Mythos der hinter Greenpeace liegt – aber den spar ich auf, für heute hats ja genug zu Lesen hier drin ;-)

So gings dann weiter bis etwa 16 Uhr, ich habe an die neun Stunden ununterbrochen geblogbastelt und wider meinen Vorsätzen konnte ich es dann nicht lassen und habe dieses Blog offiziell eröffnet. Und ich hab eine Scheissfreude daran :-) Jaja ich weiss, Scheissfreude sagt man nicht – ist mir egal, ätsch :-)

Mein Bedürfnis, das alte Leben hinter mir zu lassen und das neue Leben auszukosten, haben mich immer mehr gedrängt, diesen Blogwechsel endlich zu vollziehen. Ich habe einfach den Eindruck, dass ich in diesem (t)-Girl Tagebuch nicht mehr zuhause bin und vorallem bleibt das Transsexualitätsthema dort an mir kleben. Vorallem habe ich in letzter Zeit enormes Bedürfnis, über Dinge zu schreiben, die für ein “Blogtagebuch einer transsexuellen Frau” nicht von Bedeutung sind, umso mehr jedoch für mich, mein Leben, meine Gedanken und Gefühle. So war es dann einmal mehr ein Entscheid innert Minuten und der Blog-Umzug ging los.

Unterdessen habe ich die Musik von indianischer Flöte auf Beethovens Monschein-Sonate gewechselt, ein Bad genommen und fühl mich grad wie Gott am siebten Tag – einmal mehr – es ist vollbracht. Und es fühlt sich so gut an. Ein weiterer Schritt im Loslassen, ein weiterer neu eroberter Ort an dem die Musik meiner Zukunft spielt. Ich hoffe, dass es mir gelingt, in nächster Zeit mal das ganze ärgerliche Zeug zu lassen und mich dem widmen kann, das mich gerade so antreibt, das was ich Spiritualität nenne.

Es gibt so vieles worüber ich schreiben möchte und doch weiss ich nicht recht was ich schreiben werde, ich lasse mich treiben, im Leben und auch hier im Blog – wohin, weiss nur Gott allein.

Ich habe die Musik wieder zu Bill Miller gewechselt, der Flötenklang lässt etwas in mir vibrieren, das so lange brach lag, weil ich einfach keine Energie mehr hatte für all das. Wie gerne würde ich jetzt in den Black Hills stehen, am Bear Butte, die Zedernflöte spielen die ich so lange nicht mehr gespielt habe. Ich höre die Bäume rufen, rieche den Duft nassen Waldbodens, höre das tztztztz der Eichhörnchen, den Schrei des Waldkauzes in stiller Nacht…….. ich fühle mich, als ob ich jetzt erst meine Flügel so richtig entfalte, bereit zu fliegen.

Ich höre “Wind Spirit”, mein absolutes Lieblingslied von Bill Miller, ein wohliger Schauer durchströmt mich………

Das Kapitel Indigenes

Seit meiner Jugendzeit faszinieren mich indigene Völker, hierzulande Indianer genannt. Einerseits faszinierte mich der Mut und die Tapferkeit indigener Krieger, anderseits berührte mich die Ehrfurcht vor allen Lebewesen, die indigene Völker wie alle Naturreligionen haben. So ist es auch kein Wunder, dass die ersten zwei Bücher die ich in der Jugendzeit nach “Paddington” las, Indianerbücher waren. Das Eine war eine Biographie über den berühtem Medizinmann Sitting Bull (Tatanka Yotanka), der als Kriegshäuptling verschiedene Stämme an der Schlacht am Little Bighorn koordinierte und dem weissen Pack einen einmaligen Sieg bescherte und die stärkste damalige Macht, das 7. US-Kavallerieregiment des berüchtigten Indianermörders General Custer bis auf den letzten Mann aufrieb. Das zweite Buch war “Die Stunde des roten Mannes”, das ebendiese Schlacht beschrieb.

Während in der Jugendzeit vorallem eben diese Krieger Mythen mein Interesse weckte und fast das einzige männliche Ideal boten, an dem ich mich orientieren mochte, war später vorallem die indigene Spiritualität, die mich zutiefst berührte, weil alles was ich darüber las meinem eigenen Empfinden entsprach. Für meine Lieblinge, die Prärieindianer (im speziellen die Sioux), war das was wir Gott nennen “Wakan Tanka“, meist mit “Grosser Geist” übersetzt. Aber Wakan Tanka war kein Huhu-Gespenst, es heisst eher sinngemäss: “Das Wesen / die Kraft, die in allen Dingen liegt”.

Indigene Völker haben eine ganz eigene Weltanschauung, für sie ist nicht nur jedes Tier und jede Pflanze beseelt resp. wesenhaft sondern auch ein Berg oder ein Fluss. Diese Denkweise fand ich total faszinierend, sie steht in totalem Widerspruch zu unserer dekadenten Sichtweise, in der selbst Tiere nur eine Sache sind (Tiertötung gilt in der Schweiz als Sachbeschädigung).

Diese Denkweise hat mich wohl mehr geprägt als alles Andere, sowohl was meine Spiritualität anbelangt als auch bezüglich meinem Hang, für meine Werte einzustehen, zu kämpfen und wenn nötig dafür zu sterben.

Beginnen wir dieses Kapitel mit meinem liebsten Musiker Bill Miller, halb Cherokee, halb Deutscher (echt wahr). Er gilt als einer der besten Flötenspieler (so eine Red-Cedar-Flöte habe ich übrigens auch).

Das Kapitel Transsexuelles

Auch wenn ich nach meinem Selbstverständnis spätestens seit meiner genitalangleichenden Operation nicht mehr transsexuell bin, habe ich doch eine transsexuelle Vergangenheit und werde auch in Zukunft noch Diskriminierungen erleben – ein guter Grund, dieses Thema auch hier noch gelegentlich zu behandeln. Weil ich aus Erfahrung weiss, wie brutal dieser Weg ist, habe ich mir fest vorgenommen, einen Teil meiner Energie in Zukunft darin zu investieren, damit andere Betroffene, die nach mir kommen, den Weg etwas weniger belastend gehen können. Dazu gehört nebst Aufklärung und persönlicher Unterstützung auch der Kampf gegen bestehende Behandlungsstandards und sonstige Menschenrechtsverletzungen. Einerseits werde ich meine eigenen Blogs zu dem Thema weiter betreuen, im Speziellen das Blog “Transsexualität – Informationen für Betroffene“, “Fragen zum Thema Transsexualität” und “News zum Thema Transsexualität” und ich habe auch vor, die “Aktion Transsexualität und Menschenrecht” zu unterstützen.

Es gibt nicht viel, was ich hier noch darüber erzählen könnte, was nicht bereits in meinem “Blog-Tagebuch einer transsexuellen Frau” oder in meinem “GaOp-Tagebuch” bereits gesagt wurde. Aber das Eine oder Andere wird hier sicher noch zu Klären sein. Als Einführung möchte ich ein Zitat zum Nachdenken mitgeben, das in meinen Augen die beste Erklärung von Transsexualität ist:

Transsexualität ist eine partielle Abweichung des Körpers
vom eigenen angeborenen Geschlecht.
(Kim – ATME)

Mein neues Tagebuch

Nichts ist unmöglich,
denen, die das Unmögliche wagen
(Diana)

Da wären wir nun, in meinem neuen Blog-Tagebuch, also erklär ich am besten als Erstes, worum es hier geht und was LeserInnen hier erwarten dürfen. Wer ich bin, kann hier in meiner Vorstellung nachgelesen werden, da will ich mich nicht wiederholen, betrachten wir lieber, was hier so geplant ist.

Ich blogge seit vielen Jahren, in der Regel einem bestimmten Thema folgend. Vor gut zwei Jahren begann ich mein Tagebuch einer transsexuellen Frau, in dem ich unter dem Pseudonym ‘T-Girl Diana’ den Weg einer transsexuellen Frau in fast 500 Beiträgen dokumentiert habe. Höhepunkt dieses Prozesses war dann mein GaOp-Tagebuch, in dem meine genitalangleichende Operation dokumentiert wurde. Nebenbei entstanden weitere Blogs, eines das News zum Thema Transsexualität veröffentlicht, eines in dem ich Fragen zum Thema Transsexualität beantworte und schlussendlich noch eines das Informationen für Transsexualität-Betroffene bietet. Nachdem ich das Glück hatte, die tollste und verrrückteste Frau von Deutschland zu finden und mit ihr eine Beziehung führen kann, haben wir zusätzlich noch ein gemeinsames Blog gestartet unter dem Pseudonym DuoInfernale.

Soweit die Vergangenheit, aber wie geht es weiter? Diese Frage ist gar nicht so einfach, denn bisher hatte ich immer Kernthemen, die einem Blog sozusagen das Rückgrat und die Identität gaben. Aber meine Transsexualität ist Vergangenheit, ich lebe nun ein Leben als fast normale Frau, da gibt es nicht mehr viel Spektakuläres zu berichten. Aber es ist mir zur Gewohnheit geworden, meine Gedanken zu verbloggen und so werde ich das auch zukünftig tun – eben hier.

Welche Themen hier mit der Zeit einfliessen, wird die Zukunft zeigen. Ich neige dazu, sehr spontan über Dinge zu schreiben, die mir ans Herz gehen, dementsprechend kann man nicht voraussehen, was hier so alles auftauchen wird in den nächsten Jahren. Sicher ist, dass es einige Kernthemen geben wird.

Zum Einen wird das Thema Transsexualität sicher immer wieder aufleuchten, auch wenn es für mich heute Vergangenheit ist. Dementsprechend werden auch Geschlechterfragen auftauchen, sei es im informellen Sinn oder sei es, dass ich mal wieder über Jungs spöttle ;-) Ausserdem mache ich mir gerne philosphische Gedanken über Gesellschaft, Umwelt, Politik und Religion – auch das wird hier sicher viel Platz bekommen. Und last but not least ist Humor nunmal die Essenz meines Lebens und so wird auch dies hier sicher nicht zu kurz kommen.

Im Gegensatz zu meinen früheren Blogs, in denen Blogbeiträge in mehreren Kapitel aufgeführt wurden, werden die Beiträge hier nur noch in einem Kapitel aufgeführt, das Kapitel das am meisten durch das Thema betroffen ist. Als Erstes werde ich mal für jedes vorläufig geplante Kapitel einen kleinen Beitrag schreiben, in dem ich erkläre, was dort so geplant ist. Dafür werden hier nun alle Beiträge mit mehreren Stichworten versehen, diese erscheinen im Blog rechts etwas weiter unten in einer sogenannten Stichwort-Blase. Die Grösse der Worte zeigen an, wieviel Inhalt drin ist. Da sieht vorerst noch dämlich aus, weil die meisten Stichworte erst einmal aufgeführt sind und ein paar zweimal, was die Worte doppelt so gross macht, aber mit der Zeit wird das so richtig nett aussehen.

Ausserdem wird dieses Blog nicht mehr chronologisch sein sondern – wie es für Blogs üblich ist – die neusten Beiträge zuoberst aufführen. Beim Start dieses Blogs werde ich die Sortierfolge für kurze Zeit chronologisch lassen, damit Ihr die ersten Kapitelbeschreibungen ordentlich lesen könnt, dann werde ich umstellen.

Ich lade LeserInnen herzlich dazu ein, Beiträge zu kommentieren. Auch kritische Gedanken sind willkommen, man darf mich jederzeit kritisieren und korrigieren, solange der Tonfall anständig bleibt. Beleidigende Beiträge werden gelöscht und Forentrolle gesperrt. In dem Sinne, herzlich willkommen in Dianas Plauderecke :-)

Ich fühle mich an nichts von dem gebunden, was ich geschrieben habe.
Ich nehme aber auch kein Wort davon zurück
(Jean Paul Sartre)

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