Politically incorrect since 1966

Neues Jahr, neue Frisur……. und voll auf die Bremse

So, da wäre ich mal wieder – nicht, dass ich etwas ernsthaftes zu berichten hätte, aber nach zwei Monagten Blogpause scheint es mir überfällig, dass ich wenigstens mal ein gutes neues Jahr wünsche – und wenn ich schon dabei bin……….

Neues Jahr, neue Frisur, neue Kleider

In unserem gemeinsamen DuoInfernale-Blog habe ich bereits davon erzählt (guckst Du hier), dass wir Ende Jahr bei unserer Coiffeuse waren und uns neu frisieren liessen. Das wäre soweit keine grosse Sache, wäre da nicht die Tatsache, dass ich mich von den zwei Mädels dazu überreden liess, einen Pony zu schneiden. Seit Jahren lasse ich die Haare rundum wachsen und niemand durfte auch nur schon daran denken, daran etwas zu ändern. Aber so richtig glücklich war ich nicht damit. Einerseits wird auf diese Weise das halbe Gesicht versteckt, anderseits schwimmt immer ein Teil meiner Frisur im Suppenlöffel und überhaupt, etwas Veränderung kann ja nie schaden. Der Haken bei solchen Veränderungen ist halt, dass man es im Falle eines Bereuens grad schaurig bereut, weil man gleich mal wieder 2-3 Jahre braucht, bis die kurz geschnittenen Strähnen wieder lang genug sind.

Aber es kam ganz anders, ich bin geradezu begeistert ob dem neuen Schopf. Der Unterschied ist zwar an sich nicht gross, aber es macht unglaublich viel aus. So wie die Haare normal fallen, ergibt sich fast ohne mein Zutun eine Art Mittelscheitel, der das Gesicht so richtig schön offenlegt und ich habe eine Menge neuer Möglichkeiten, wie beispielsweise ein Hochstecken der Haare wie auf diesem Foto. Langer Rede kurzer Unsinn, ich freu mich mega über meine neue Frisur und das ist eigentlich Grund genug, dazu passende neue Kleider zu suchen……. was wir dann die letzten Wochen auch ausgiebig vollzogen, wie in obgenannten Blogbeitrag bereits beschrieben. Eine 50%-Aktion bescherte uns sackweise neue Kleider, die nun ungeduldig darauf warten, dass der Frühling endlich beginnt.

Konzerte und so Spasskram

Ansonsten hatten wir die letzten Wochen ein paar sehr spezielle Anlässe. Ein unerwartetes Highlight war ein CD- und Platten-Verkauf in unserem Stamm-Pub, das wir eigentlich nur aufsuchten, weil man ausnahmsweise schon am Samstag Nachmittag nach dem Einkauf noch schnell ein Guinness schlabbern konnte, aber die Auswahl war sowas von genial und die Preise mit 2.50 pro CD sowas von barmherzig, dass wir nicht anders konnten als zwei Dutzend heimzuschleppen – mit dabei so Leckerchen wie beispielsweise die zwei berühmten Doppelalben von Beatles (die Rote und die Blaue), verschiedene BestOf-CDs von Abba über TheWho bis BlackSabbath und vieles mehr.

Des weiteren erlebten wir nebst einer Geburtstagsparty im Pub noch zwei wirklich geniale Konzerte an ebendiesem Ort, zuerst war es die Rock-Band “Spiders and Cockroaches” und dann als Höhepunkt des Jahresanfangs die Irish-Rock-Band “Red Shamrock“, die vorallem mich beglückte mit einer Gaita (galicischer Dudelsack).

Blog-Schreibblockade infolge globaler Sinn-Entlehrung…..

Den regelmässigen LeserInnen sage ich nicht’s Neues, wenn ich erwähne, dass ich eine gehörige Schreibblockade habe. Schon letztes Jahr fiel es mir immer schwerer, mich zum Schreiben zu motivieren und dieses Motivationsproblem wird von Monat zu Monat schlimmer. Eigentlich gäbe es genug Themen über die ich bloggen möchte, aber alle Themen, die mich momentan interessieren, sind mit soviel Ärger verbunden, dass ich mir das einfach nicht antun will.

Es fällt mir beispielsweise schwer, weiterhin Zeit zu investieren um über Transsexualität zu informieren, wenn ich mitansehen muss, wie immer mehr transsexuelle Menschen an die Öffentlichkeit ströhmen und jede nur erdenkliche Gelegenheit nutzen, um mit sinnentlehrten Statements all die Arbeit zunichte zu machen, die Leute wie ich seit Jahren betrieben haben. Was soll ich mir weiter den Mund fuslig reden darüber, dass transsexuelle Frauen keine “umgebauten Männer” sind, wenn dann Andere nichts idiotischeres wissen als bei RTL2 in einer Doku-Soap namens “Transgender” vor ein Millionenpublikum hinzustehen und zu sagen: “Ich bin in WIRKLICHKEIT ein Mann”. Da fehlen mir echt die Worte, da blicke ich einfach nur noch auf einen Scherbenhaufen und frage mich, wozu wir uns all die Jahre angestrengt habe.

Ähnlich wenn auch anders geht es mir bei öko-politischen Themen, die mir auch sehr am Herzen liegen. Dort sind zwar nicht die “Eigenen” die den Schaden anrichten, aber auch da fällt es schwer, sich zu motivieren, wenn man immer und immer wieder erleben muss, wie bezahlte PR-Profis alle öffentlichen Diskussionen zuwalzen und das Hirn der LeserInnen mit soviel Lug und Trug zuschütten, dass man nicht mehr weiss, wo man anfangen soll mit dem Aufdecken all dieser Lügen. Und wenn ich dann noch Leser-Kommentare in Boulevard-Blättern lese, die den Eindruck erwecken, als sei von einem Heer von völlig empathie-befreiten und unerträglich dummen Menschen umgeben, dann frage ich mich schon, was in aller Welt ich da tue und wofür ich Zeit opfere, die ich eigentlich besser auf dem Sofa liegend verbringen könnte.

…… und eine notwendige Vollbremsung

Und solange mir auf diese Frage keine vernünftige Antwort einfällt, lasse ich es lieber. Vielleicht finde ich eine neue Schreibweise oder andere Themen, die mit weniger Ärger verbunden ist, aber fürs Erste habe ich einfach genug von all dem Quatsch und nutze meine Freizeit lieber für das Schöne im Leben – also für Juliet und mich :-)

Aus diesem Grund habe ich nun eine radikale Vollbremsung eingeleitet. Zum einen lese ich seit einigen Wochen aus Prinzip keine Boulevard-Blätter mehr und erst Recht nicht die stupiden Kommentare in diesem Gefilden – zum anderen habe ich mich von allen Trans-Gruppen getrennt (ausser ATME), alle Trans-Blogs aus meinem Blog-Reader entfernt und auch alle Kontakte in Facebook aus diesem Spektrum “entfreundet”. An dieser Stelle möchte ich nochmal betonen, dass diese Entfreundungs-Aktion nicht persönlich gemeint ist, ich ertrag dieses Thema momentan einfach nicht mehr und werde vorläufig das Internet nur noch für persönliche Gespräche nutzen. Vielleicht kommt es irgendwann wieder anders, aber vorerst muss ich zum Schutz meiner Innereien einfach die Schoten dicht machen.

Blogbeiträge abonnieren – ein eMail-Service

Da ich in zwei Blogs gleichzeitig schreibe und an beiden Orten zumindest momentan nur sehr selten etwas zu Lesen ist, möchte ich StammleserInnen nicht ständig ins Leere laufen lassen und habe deshalb eine neue Funktionalität eingebaut. In beiden Blogs kann man sich nun registrieren und bekommt dann bei jeden neuen Beitrag ebendiesen via Mail zugeschickt. So muss man nicht ständig nachschauen ob’s was Neues gibt. Die Anmeldungs-Dingens findet Ihr in nachfolgenden Links, jeweils im letzten Kapitel unter “Abonnierung”:
http://diana.agirl.ch/uber-dieses-blog/
http://duoinfernale.tgirl.ch/ueber-uns/

So und jetzt mach ich’s mir gemütlich – macht’s auch so ;-)

Unter Druck läuft die Zeit schneller

Ne, Quatsch, die Zeit läuft immer gleich schnell, das hatten wir ja erst grad, aber es scheint als würde die Zeit in Siebenmeilenstiefeln rennen, wenn man viel um die Ohren hat und das habe ich grad mehr als genug. Deshalb komme ich auch nicht mehr zum bloggen und das wird sich in den nächsten Wochen kaum bessern – aber alles mal der Reihe nach

Darf man? Ich schon :-)

Zuerst das Erfreuliche, ich hab ein neues Lieblingskleid, dieses schulterfreie Stretchdingens, erst grad vor einer Woche zufällig auf dem Vorbeiweg beim Chicoree eingesammelt. Als ich meine neuste Errungenschaft diese Woche erstmals zur Arbeit trug, fragte mich mein Boss mit frechem Grinsen im Gesicht, ob man mit 45 Jahren denn überhaupt noch so schulterfreies Zeug tragen dürfe. Natürlich reagierte ich wie es sich gehört mit gespielter Empörtheit, erst im Nachhinein kam mir die Antwort, die ich hätte geben müssen: “Wenn man so toll aussieht wie ich, dann darf man das” :-) Aber Spass beiseite, ne eigentlich trägt man mit 45 Jahren keine solchen Fummel und geht erst Recht nicht so zur Arbeit. Doch glücklicherweise bin ich nicht “man”, ich bin “ich” und wenn es etwas gibt, das mich auszeichnet und auf das ich stolz bin, dann ist es meine Renitenz, mich nicht mit “man” zu identifizieren und mich so entfalte, wie ich bin. Das mag manchmal übertrieben sein, manchmal unpassend, manchmal sonstwie unkorrekt – aber das bin ich und ich mag mich so – und ob die Welt dafür Verständnis hat oder nicht, ich gefalle mir so und ich fühle mich gut darin – auch deshalb kann ich nur sagen: Ich darf :-)

Weil wir es uns wert sind

So doof und manipulierend dieser Werbespruch auch ist, er spricht etwas an, das jetzt grad zum Thema passt. Diese Woche tauchte sonstwo die Frage auf, warum wir Mädels uns so rausputzen und die Vorstellung lag im Raum, dass wir das tun um den Jungs zu gefallen. Da musste ich widersprechen – das mag vielleicht stimmen, wenn wir auf der Jagd nach Lebenspartnern sind, dann wollen wir natürlich gefallen und nutzen die Möglichkeiten um uns in einem möglichst guten Bild zu präsentieren – aber im Normalfall tun wir das nicht für Andere, wir machen das hauptsächlich für uns selbst. Sich zu Kleiden ist immer auch Selbstentfaltung und diese dient immer auch dazu, dass wir uns in uns selbst heimisch fühlen – mehr als Anderen wollen wir uns selbst gefallen. Ich bin ein gutes Beispiel dafür, ich bin in einer festen Beziehung, habe also kein Interesse daran, Interesse zu wecken und meine Liebste wiederum liebt mich so wie ich bin, egal was ich anziehe. Trotzdem ist es mir wichtig, dass ich am morgen in den Spiegel sehen kann und ein gewisses Mass an Zufriedenheit ernte. Dieses Foto entstand beispielsweise gestern als ich zur Arbeit ging und den ganzen Tag allein dort war, ich wusste, dass mich niemand sieht, aber es tat einfach gut, mich so anzutüdeln – eben weil ich es mir wert bin :-)

Zurück zum Thema, das keines ist

Aber darüber wollte ich ja eigentlich gar nicht schreiben, das ist halt das Problem beim Brainstorm-Blogging, so wie ich das oft mache. Ich habe zwar meist eine Motivation zum Schreiben und damit ein angepeiltes Thema, aber wenn ich dann lostippe, dann sprudelts halt einfach aus meinem Kopf raus und was da raus kommt erstaunt öfters auch mal mich selbst. Trotzdem versuch ich jetzt wieder das Thema zu finden, jenes das eigentlich keines ist, ich will ja nur über die letzten zwei Wochen berichten und erklären, warum man von mir so nix liest. Neuer Versuch…….

Diablo, der kleine tote Drecksack

Seit ich Diablo 3 habe, spiele ich es auch täglich stundenlang. Unterdessen spiele ich das Spiel mit meiner Lieblingsfigur, der Zaubererin, bereits zum dritten Mal komplett durch, diesmal im dritten von vier Schwierigkeitsgraden, was mir ein grässliches Ableben im 5-Minutentakt einbringt. Doch langsam nimmt die Begeisterung ab, einerseits weil ich bald jeden Busch in Diablos Lande mit Namen kenne, anderseits auch weil so ein hoher Schwierigkeitsgrad auf mich mehr nervig als herausfordernd wirkt. Ich spiele so Spiele um Spass zu haben und nicht um etwas zu erreichen. Und wenn’s dann so schwierig wird, dann wird der Spass irgendwann zur Arbeit und das ist nicht mehr das, was ich unter Freizeitgestaltung verstehe. Wie auch immer, es war eine super spannende Zeit in der ich mehr Adrenalin in mir hatte als ein NavySeal während einem Kampfeinsatz. Aber die Begeisterung nimmt langsam ab und das ist gut so, so cool diese Zeit war, ich hab auch noch Wichtigeres zu tun als sowas………

Die NavySeals unter den Programmierern

…….. beispielsweise ackern, denn in meiner Firma brennt grad das Dach als hätte meine Zaubererin mal wieder Feuerbälle geschmissen. In einem Monat muss ein neuer Programmteil für eine Demo fertig sein auf Teufel komm raus und obwohl ich den Teufel resp. Diablo nun schon etwa 5 mal gekillt hab…… ähm, ne, anderes Thema……. jedenfalls sind wir noch weit entfernt von diesem Ziel und es ist realistisch gesehen unmöglich, dass wir bis dahin fertig werden. Das bedeutet einerseits, dass wir uns auf das Wichtigste konzentrieren müssen und es heisst auch, dass wir eine Zeit lang weit über unsere Kräfte hinausragen müssen – und das geht tatsächlich, zumindest eine gewisse Zeit lang. Ich mag so Druck, das Unmögliche zu erreichen wirkt auf mich immer belebend und motivierend und so weckt auch diese Phase in mir den Drang, über mich selbst hinauszuwachsen. Ich habe diese Fähigkeit, dass ich wenn nötig meine Leistung hochzuschrauben. Keine Ahnung wie genau ich das mache, es passiert einfach mit mir, wenn es sich aufdrängt. Doch so Hochleistungsphasen kann ich nur eine gewisse Zeit aufrecht halten, wenn in meinem Hirn der Turbo anläuft, dann bin ich zu enormer Leistung fähig, bin dafür aber am Abend ziemlich ausgebrannt und wenn ich das zu lange mache, brenne ich total aus. Mit sowas ist nicht zu Spassen, aber manchmal muss und darf es sein, solange man’s nicht übertreibt. Jetzt ist wieder so eine Zeit und ich gebe gerne ein paar Wochen lang all meine Energie in dieses Projekt, weil mir das Ganze wichtig genug ist. Aber es ist anzunehmen, dass ich dafür sonst kaum noch zu was komme, eben weil ich in der Regel am Abend einfach ausgebrannt bin. Dementsprechend dürfte die Diablo-Ära sich dem Ende neigen und auch sonst die nächsten Wochen nicht viel Kreatives von mir zu erwarten sein. Aber wir werden das Ziel erreichen, hol mich der Teufel wenn nicht ;-)

Diana als Korrektorin oder so

Vor einer guten Woche telefonierte ich nach etwa 20 Jahren erstmals wieder mit meinem Paten. Auslöser war eigentlich, dass er mir etwas Geld überwiesen hat, weil er von meinem Vater hörte, dass wir durch den Umzug und die Ungewissheit, bis wann Juliet einen Job findet, eine eher kritische Finanzsituation vor uns haben. An dieser Stelle nochmal herzlichen Dank, sowohl an meinen Götti (Pate) als auch Paps und Maya, die uns ebenfalls den Rücken stärken. Bei diesem Telefon kam etwas was mich echt aus den Schuhen gehauen hat. Mein Pate hat ein Buch geschrieben, etwas eher philosophisches im Themenbereich Lebenshilfe, wenn ich das richtig verstanden habe. Richtig verstehen kann ich das nämlich nicht, weil es französisch ist und ich damit überaupt nicht klar komme. Da sein Buch recht grossen Erfolg hat, wird es nun auf deutsch übersetzt und hier hängt der Hammer: Mein Pate fragte mich, ob ich diesen übersetzten Text nicht überarbeiten könne, weil ich doch so gut schreiben würde. Wow, was für ein Kompliment. Der Text wird von Profi-Übersetzern übersetzt und ich soll dem Text den letzten Schliff geben? Ich bin echt stolz darauf, dass er mich so einschätzt und mir sein Buch in die Hände drückt und ich bin auch stolz darauf, dass ich zur Veröffentlichung dieses Buches beitragen darf. Darüber wird es zu gegebener Zeit mehr zu lesen geben.

Besuch bei Papa

Boah hab ich heut Gedankensprünge, zuviel Strom auf der Leitung und so – jedenfalls gehn wir jetzt erst nochmal in die Vergangenheit. Letzten Samstag war ich mal wieder bei meinem Paps und Maya zum Essen eingeladen und wir verbrachten einen wunderschönen Nachmittag auf dem Balkon und schlabberten ein leckeres Fondue Chinoise, das vorallem deshalb so lecker ist, weil mein Paps die beste und brutalste und erbarmungsloseste Koblauchsauce der Welt macht. Ich liebe meines Gevaters Fondue mit seiner Killer-Knofi-Sauce so sehr, dass ich meistens damit verwöhnt werde wenn ich zu Besuch bin. Jedenfalls verbrachten wir einen superschönen Nachmittag und plauderten über sehr viele Dinge, auch über sehr persönliche Sachen. Alles in Allem war es ein super toller Tag und wir waren uns mal wieder viel näher als sonst und das will was heissen, weil wir uns auch sonst sehr sehr nah sind. Und so konnte ich einmal mehr mein Glück geniessen, so einen tollen und einfühlsamen Vater zu haben – und auch wenn ich immer von meinem Paps spreche, so ist damit eigentlich immer auch seine Frau Maya mitgemeint, die ihm in Sachen Verständnis und Liebenswürdigkeit in nichts nachsteht. Ich hab Euch Zwei echt lieb, das muss einfach mal herausposaunt sein :-)

Mal wieder die Süsse der Bedeutungslosigkeit

Überhaupt war dieser ganze Tag ein wahres Meer aus zuckersüssen Gefühlen. Schon der Hinweg war einfach genial. Da ich einiges auf meiner Todo-Liste hatte, das längst überfällig war, kombinierte ich die Reise dahin mit ein paar dieser Pendenzen und so gab es eine grössere Runde. Zuerst ging’s nach Zürich um dort eine Blutentnahme machen zu lassen um die Hormon- und Cholesterinwerte zu prüfen, dann ging’s weiter in meine Apotheke um die bald ausgehenden Hormone zu holen, von da aus dann in meinen Stamm-Makeup-Laden um mich mal wieder mit dem ebenfalls bald ausgehenden Makeup einzudecken, dann weiter an den Hauptbahnhof und weil ich dort noch etwas Zeit todschlagen musste, verirrte ich mich seltsamerweise in einen Chicoree Laden und fand dort ebendieses neue Lieblingskleid – dann holte ich mir ein lecker Strongbow-Cider (irischer Apfelwein), setzte mich in den Zug und versuchte Stephen Kings “Es” weiter zu lesen – erfolglos – weil ich so erfüllt war von Glücksgefühlen, dass ich mich auf nix konzentrieren konnte. Denn bei diesem ganzen Rundgang kam mal wieder das, was eigentlich nicht mehr so oft geschieht, ich war mir immer wieder bewusst, wie gut alles läuft, wie wenig ich auffalle und was für ein natürliches Leben ich unterdessen führen kann. Mein Leben ist unterdessen so selbstverständlich geworden, dass ich nur noch selten darüber nachdenke und gerne vergesse, wie schwer mein “neues Leben” zu Beginn war. Aber an so Tagen wie diesem wird mir das wieder bewusst, wenn ich durch verschiedene Stationen stöckle und überall feststelle, dass ich bei niemandem mehr Fragen aufwerfe, ich bin einfach nur noch eine Frau wie viele Andere. Wenn mir das mal wieder so bewusst wird und ich es so direkt erlebe, erfüllt mich das mit einem so ungeheuren Gefühl von Glück und Dankbarkeit, dass ich heulen konnte vor Freude. Wenn man soviel dunkle Zeiten erlebt hat wie ich und so lange keine Hoffnung hatte, jemals glücklich zu werden, dann ist es einfach umwerfend, wenn man immer mal wieder feststellt, dass das Unmögliche und Unvorstellbare längst Alltag geworden ist.

Zwei Dates nächste Woche

Und nächste Woche läuft’s auch wieder rund, denn abgesehen davon, dass ich wie oben erwähnt eben einen Programmier-Marathon für NavySeals-Programmierer absolvieren werde, bin ich gleich zwei mal eingeladen, zuerst an der Geburtstagsparty meiner ex-Logopädin, die ihre Freundinnen zum Geburtstag eingeladen hat und dann habe ich noch mit meiner ex-Freundin zum Essen abgemacht. Auf Beides freue ich mich enorm, die Geburtstagseinladung ist mir eine grosse Freude, weil ich mich erstens ehrlich gesagt etwas gebauchpinselt fühle, dass sie mich zu ihren Freundinnen zählt und weil sie eine wirklich tolle Frau ist vor der ich eine hohe Achtung habe und auf das Essen mit meiner ex-Freundin freue ich mich deshalb, weil sie eine meiner besten Freundinnen ist und wir uns sehr gut kennen und weil wir uns seit Monaten nicht mehr gesehen haben.

Wenn der Himmel näher rückt

Und über all dem schwebt der Himmel, der von Tag zu Tag näher rückt. Heute in drei Wochen fliege ich nach Hamburg und zwei Tage später fliegen wir zu Viert zurück, zwei Zweibeinkatzen und zwei Vierbeinkatzen – und von da an darf man mich “das glücklichste Mädel der Welt” nennen. Hier wie dort ist eigentlich alles Nennenswerte erledigt. Zweieinhalb Jahre führten wir diese Fernbeziehung und obwohl wir uns so wenig geben konnten in dieser Zeit, war es doch so viel, das wir empfangen durften. Ich kann es nachwievor nicht fassen, dass ich dieses süsse Ding bald jeden Tag für mich habe – inklusive zwei Katzen – ey wenn das kein Schnäppchen ist, was dann? ;-)

Ärger mit Lobbyisten und Psychiatern

Die einzigen Dinge die eigentlich so leckere Suppe des Lebens immer mal wieder versalzen sind Atom-Lobbyisten, die seit einigen Wochen wie Heurschreckenschwärme über Zeitungsartikel herfallen und eine Desinformationskampagne führen, die dem Wort “Hirnwäsche” in nichts nachsteht und auf der anderen Seite der nicht enden wollende Strom aus Medienartikeln über Transsexualität, in der ewiggestrige Psychiater und Sexologen ihre religiös anmutende Faktenresistenz breitwalzen, begleitet von transsexuellen Menschen, die sich nur zu gerne als persönlichkeitsgestörte Geschlechtswandler instrumentalisieren lassen, als hätte Selbstverleugnung und Selbstentwürdigung auch nur im Entferntesten etwas mit Selbstbestimmung zu tun. In beiden Fällen bin ich etwas ratlos. Bei den Atomlobbyisten liegt die Schwierigkeit darin, dass man sie zwar aufgrund ihrer Argumentationsweise erkennt, dass man aber nicht beweisen kann, dass dieser angeblich private Kommentarschreiber in Wirklichkeit ein PR-Profi mit Mandat der Atomindustrie ist. Und beim Trans-Thema ist man nicht weniger hilflos, weil die vermeintlichen Fachleute in der Öffentlichkeit einfach eine höhere Glaubwürdigkeit haben, auch wenn ihre Thesen noch so abstrus sind. Und nicht zuletzt entzieht es einem die Glaubwürdigkeit, wenn Betroffene sich vor den Karren dieser Psychopathologisierungsindustrie spannen lassen. Über all das wird es zu gegebener Zeit noch einiges hier zu lesen geben, ein Artikel über den “Geschlechtswandler-Mythos” ist eigentlich längst fast fertig, aber eben nur fast…………… deshalb, weil ich über all das noch nicht ausreichend schreiben konnte, verweise ich auf einen diese Woche erschienen Artikel, der mich auf 180 brachte. Das Interview mit dieser Psychiatrin zusammen mit meinem Kommentar darunter dürften einen kleinen Einblick geben, mit was für Irrsinn ich mich herumärgern muss:
Bayerische Staatszeitung – Fremde in unserer Gesellschaft

Doch so gross der Ärger über die Desinformation in diesen zwei Themen auch ist, so wenig lasse ich mir meine ansonsten gute Laune vermiesen von so Pappnasen. Denn ey, wer so eine Verlobte hat und solche Freundinnen und so einen spannenden Job und so einen coolen Daddy und so ein tolles Kleid und wer dann auch noch Zaubererin auf Level 46 ist, kann sich nur glücklich schätzen – bekloppt aber glücklich :D

So und jetzt – Ihr ahnt es sicher bereits – geht’s ab in die Badewanne – und während ich dort lieblichem Gesang lausche, überlasse ich Euch diesem Song, ein Oldie aus 1977, der soviel Energie verströmt, wie ich brauche wenn ich eben mal wieder auf Höchstleistung laufen muss – Musik von damals, wie Mick Jagger sagen würde, Musik die noch mit dem Arsch gemacht wurde – enjoy ;-)

http://www.youtube.com/watch?v=x21uw543HVk

Gesundheitsrausch im Jahresanfang

Schon sind die ersten zwei Woche des Jahres um und ich hab nix gebloggt – shame on me – aber ich bin halt grad etwas schreibfaul und deshalb fass ich mal wieder zusammen resp. mache drei Blogbeiträge draus…….

Zahn mit Guckloch

Während der Weihnachtsferien ist mir ja ein Stück eines Schaufelzahns rausgebrochen, was nicht nur bekloppt aussieht sondern auch das Essen mühsam macht, denn neben dem herausgebrochenen Stück tummelt sich noch ein weiteres, noch grösseres Stück, das nur darauf wartet, ebenfalls n’Abgang zu machen. Deshalb hoffte ich auf einen baldigen Zahnarzttermin, aber weil Murphys Gesetz bekanntlich immer zuschlägt, hatte mein Zahnarzt natürlich die erste Woche Ferien und in der zweiten Woche war er ausgebucht. So kommt es, dass ich nachwievor mit eingeschränkter Bissfähigkeit das Leben bestreite, bis nächsten Mittwoch, dann wird endlich aufgeräumt.

Gesund essen für Ernährungslegastenikerinnen

Womit wir fliesssend zum Essen kämen. Meine Ernährungsideale sind ja bekanntlich ein Graus für sich, abgesehen davon, dass ich jeden Mittag ein Fertig-Menü esse und so wenigstens ein Minimum an geordneten Mahlzeiten zu mir nehme, esse ich abends und an Wochenenden nicht grad so, dass Ernährungsberater Freudentränen weinen würden. Entweder gibts gar nix oder dann so mit Wasser übergossene Fertignudeln, garniert mit Würsten, oder es gibt Fertigpizza, natürlich mit Salami oder Speck……. ansonsten wird mein Körper durch den Zucker in Betrieb gehalten, den ich eimerweise in den Kaffee schütte. Gut wär anders.

Nun hat ja meine Endokrinologin beim letzten Bluttest entdeckt, dass mein Zucker- und Cholesterinwert ein klein wenig erhöht ist, nicht dramatisch, aber doch genug um mir eine dringend notwendige Erhöhung der Östrogene zu verweigern. Zuerst müssten diese Werte etwas runter kommen, bis dahin bin ich zu chronischer Müdigkeit verdammt. Deshalb hab ich mir ausnahmsweise mal gute Vorsätze gemacht und bisher halte ich die auch überraschend gut ein. Einerseits trinke ich den Kaffee nur noch schwarz und spare damit mindestens ein dutzend Zuckerwürfel pro Tag ein, anderseits habe ich von Cola auf Mineralwasser umgestellt und auch beim Essen hat sich einiges geändert, so gibt’s neuerdings mindestens einmal pro Woche eine richtig deftige Zwiebel-Lauch-Suppe, an anderen Abenden gibts vermehrt Gurkensalat mit ganz viel Zwiebel und Tomaten-Mozzarella-Salat. All das tue ich im Dienste eines reduzierten Thromboserisikos.

Obwohl ich eigentlich keine Lust hab, abends nach der Arbeit noch allein in der Küche rumzustehen, habe ich doch ein gewisses Mass an Spass dabei. Ich denke, dass ich mich an diese neuen Gepflogenheiten gewöhnen kann.

Weiter mit den nächsten zwei Blogbeiträgen

Und weil der Blogbeitrag sonst zu gross würde und sich die Themen einigermassen abtrennen lassen, mache ich hier Schluss und dann geht’s gleich weiter mit zwei ergänzenden Blogbeiträgen:

- Dampfen ist besser als Rauchen
- Hormontherapie und Thromboserisiko – gut gemeint ist halb tödlich

Vom Glauben über die Gewissheit zum Wissen

Seit etwa drei Jahrzehnten beschäftige ich mich mit philosophischen und darin eingeschlossen religiösen Fragen, habe eine Unzahl an Büchern aus allen möglichen Bereichen dieser Thematik gelesen, endlose Diskussionen geführt und Kommentare im vierstelligen Bereich geschrieben. In all den Diskussionen erlebte ich immer wieder, wie ich bei Vielen auf Granit biss, weil die offenbar nicht zwischen Glauben und Wissen unterscheiden können oder wollen. Was mir so logisch erscheint, dieser kleine aber feine Unterschied, scheint von Vielen öfters mal verwechselt zu werden. Deshalb möchte ich mich heute etwas darüber auslassen………

Wenn man von etwas ausgeht oder etwas vertritt, dann tut man das entweder, weil man etwas weiss oder man tut es, weil man etwas glaubt. Ganz so schwarz weiss ist es zwar nicht, es gibt verschiedene “Stufen” die ich nachfolgend noch erwähnen möchte, aber im Wesentlichen beschränkt es sich darauf. Wenn wir uns mal ganz ehrlich fragen, was für Dinge es gibt die wir angeblich wissen, würden wir bei genauer Betrachtung schnell feststellen, dass so Manches eine Illusion ist.

Eines Tages werden wir offiziell zugeben müssen,
dass das was wir Realität getauft haben,
eine noch grössere Illusion ist, als die Welt des Traumes

(Salvador Dali)

Erlebtes Wissen

Wir wissen beispielsweise, dass es weh tut, wenn wir den Zeh an der Tischkante anschlagen, wir wissen das, weil wir es erlebt haben, es ist sogar jederzeit reproduzierbar, das ist erlebtes Wissen. Ich weiss beispielsweise, dass ich mit Spitzweggerich oder Huflattich Kräutern festsitzenden Husten behandeln kann, ich hab’s schon viele Male erfolgreich so gemacht. Ich weiss auch, dass gebrochene Knochen wieder zusammenwachsen, auch das habe ich erlebt. Es gibt wohl kein überzeugenderes Wissen für einem selbst als das selber erlebte Wissen – naja mal abgesehen von Psychotikern ;-)

Bewiesenes Wissen

Was man für Kriterien hat um etwas als Erwiesen zu betrachten, dürfte wohl ein Stück weit individuell sein. Aber wenn wir wissenschaftliche Standards nehmen, dann muss etwas vorallem reproduzierbar sein und im Idealfall auch erklärbar (wobei ich Zweiteres als akademische Zwängerei betrachte). Ich kann beispielsweise Fleisch in Salzsäure legen und damit im Versuch beweisen, dass Salzsäure Fleisch zerfrisst. Ich kann auch beweisen, dass zwei mal fünf zehn gibt, indem ich fünf Äpfel in einen Korb lege und nochmal fünf reinlege und dann alle zähle. Oder ich kann einen DNA-Test machen und weiss dann mit Bestimmtheit, ob ein Kind meins ist oder nicht. Und ich kann die Schwerkraft beweisen indem ich soviele Bügeleisen in die Luft werfe wie ich will, sie werden alle wieder runterkommen und spätestens wenn mir eins auf die Birne knallt, wird es sogar gleich auch noch erlebtes Wissen ;-)

Scheinbares Wissen

Aber auch wenn ich nochsoviel darüber gelesen habe und mir noch so sicher bin, dass ein Klimawandel stattfindet und dass der menschgemacht ist, so weiss ich es doch nicht, niemand weiss es mit Bestimmtheit. Genausowenig weiss ich, ob Gott existiert, auch wenn ich mir da noch so sicher bin und genauso weiss ein Atheist nicht, ob es keinen Gott gibt, Beide glauben, die Einen an die Existenz eines Göttlichen, die Anderen an die Nichtexistenz dessen.

Glauben als Ursprung des Wissens

Dem meisten Wissen ging einst Glauben voraus. Man beobachtet etwas, glaubt dahinter eine Erklärung zu sehen und beginnt dieser Frage nachzugehen, würde man nicht daran glauben, würde man schon gar nicht versuchen es zu beweisen. Im Idealfall kann man diese Vermutung, an die man irgendwann zu glauben begann, nachweisen oder man kann sie erfahren – manchmal auch nicht. Glauben steht nicht im Widerspruch zum Wissen – Glauben ist oft der Ursprung des Wissens. Würden wir nicht glauben sondern nur wissen, dann würden wir heute noch auf Bäumen sitzen und mit Bananen um uns werfen. Wir haben die Fähigkeit uns etwas vorzustellen, bevor wir es bewiesen haben, dieser visionäre Geist hat uns zu dem schlauen Affen gemacht, der wir heute sind.

Wir glauben mehr als wir wissen

So gibt es unzählige Dinge, die wir wissen, die wir vielleicht sogar im Labor nachweisen können oder sonstwelche Beweise finden. Aber die Zahl der Dinge, die wir ohne unumstössliches Wissen glauben, dürfte einiges grösser sein. Wie sicher sind wir uns doch beispielsweise, dass wir die “Normalen” sind und Autisten eine psychische Störung haben? Aber gerade hochfunktionale Autisten (Asperger) sind uns in gewissen Bereichen meilenweit überlegen, vielleicht sind sie ja die nächste Stufe der Evolution? Wir glauben so sicher zu sein in solchen Fragen, aber wissen wir das wirklich?

Wer behauptet beispielsweise nicht zu wissen, dass der/die Lebenspartner/in einem liebt? Aber woher in aller Welt wollen wir das wissen? Überhaupt nichts wissen wir, woher denn auch, wie wollte man das beweisen? Wir glauben, dass wir geliebt werden, wir glauben es so sehr, dass wir uns absolut sicher sind – und doch wissen wir es nicht wirklich. Warum sonst reden wir von Vertrauen wenn es um Beziehungen geht, warum gibt es Eifersucht, warum Ent-Täuschungen?

Die Gewissheit

Und damit landen wir bei den Zwischenstufen, denn es gibt etwas, was mir sehr wertvoll erscheint, ich nenne es “Gewissheit”. Gewissheit bedeutet nach meinem Verständnis in etwa, dass ich etwas glaube und mir dabei so sicher bin, dass dieser Glaube von einer ähnlichen Festigkeit ist als wäre es Wissen. In der Liebe erlebt man genau das, man weiss zwar nicht, ob man geliebt wird, aber man erlebt es so intensiv, dass man mit der Zeit seine Hand ins Feuer legen würde dafür – aller Nichtbeweisbarkeit zum Trotz. Wenn mir meine Süsse in die Augen schaut und mich anlächelt, dann finde ich in ihrem Blick soviel Liebe, dass ich ihre Liebe mit meinem ganzen Sein erfahren kann und bis in jede Zelle spüre. Ich weiss auch dann nichts, aber ich habe nichtsdestotrotz die “absolute Gewissheit”, eine Gewissheit die so gewichtig ist, dass sie für mich mehr in Stein gemeisselt ist als wenn tausend wissenschaftliche Studien mir ihre Liebe beweisen würden.

Das geglaubte Wissen

Während die Gewissheit den Glauben fast zum Wissen macht, gibt es wiederum Wissen, das eigentlich keines ist resp. delegiertes Wissen, nennen wir es mal “geglaubtes Wissen”. Diese Form des Wissens dürfte einen wesentlichen Teil dessen ausmachen, von dem wir glauben zu Wissen, ohne zu wissen dass wir glauben – hach ich mag so Wortpirouetten, da kriegt man n’Knoten im Gehirn, aber das ist gesund, echt :-)

Wenn ich beispielsweise ein schlaues Buch lese oder mir ein Experte auf einem Gebiet etwas erklärt, dann gehe ich anschliessend davon aus, dass ich das worüber er mich aufgeklärt hat nun weiss. Aber eigentlich ist das Quatsch, ich weiss gar nichts, ich glaube einfach jemandem, der behauptet zu Wissen. Der kann mehr oder weniger glaubwürdig sein, aber es bleibt mir nichts Anderes als ihm zu glauben. Auch da kann Glaube zur Gewissheit werden, ist aber genausowenig wirkliches Wissen. Ob er sich geirrt hat oder mich ganz einfach verarscht, kann ich nicht beurteilen.

Ich weiss eben nicht, ob die Eidgenossen wirklich bei Moorgarten gekämpft haben, ich war ja nicht da und kenne niemanden der da war, ich glaube lediglich, dass in diesem Geschichtsbuch die Wahrheit steht (was schon närrisch genug ist). Ich weiss auch nicht, ob die Natur wirklich so bedroht ist, aber ich glaube der Vielzahl an Umweltschutzorganisationen und Studien so sehr, dass es mir zur Gewissheit wurde – es bleibt jedoch eine Glaubensfrage, solange bis wir hier alle ersaufen oder verdursten oder verglühen oder was weiss ich.

Fallbeispiel – Das Kind und die Herdplatte

  1. Wenn ein Kind nichts von einer Herdplatte weiss und beim Anschauen denkt, ui das ist heiss, das könnte weh tun wenn ich es anfasse, dann ist das Glauben.
  2. Wenn ich dem Kind erkläre, dass es sich die Pfoten verbrennt, wenn es die Platte anfasst, dann hat dieses Kind zwar die richtige Information, ist somit im Besitz der Wahrheit, aber es weiss es nachwievor nicht wirklich, es glaubt mir einfach – oder es glaubt mir nicht, worauf es dann wohl schnell zu unfreiwilligem Wissen gelangt.
  3. Wenn das Kind vielleicht jemandem zuschaut, der sich den Finger daran verbrennt, dann dürfte dieses Glauben zur Gewissheit werden, es wird vermutlich genug beeindruckt sein um sich sicher zu sein, dass das weh tut. Aber es weiss es nicht mit Bestimmtheit, vielleicht war die angebliche Verletzung ja eine Täuschung?
  4. Wenn das Kind die Herdplatte angefasst hat, egal ob ich ihm das Wissen um den resultierenden Schmerz übergeben habe, dann wird es wirklich wissen, dass es weh tut. Das ist dann echtes erlebtes Wissen.
  5. Und wenn es ein Erwachsener ist, kann ich vielleicht die Temperatur der Platte messen und mit einem Experiment nachweisen, dass Fleisch bei dieser Temperatur verbrennt, das wäre dann erwiesenes Wissen.
  6. Letztendlich kann es auch geschehen, dass das Kind eine kalte Herdplatte anfasst und daraus schliesst, sie es würde nicht weh tun, das dürfte dann Fehlwissen sein, das scheitert dann früher oder später an der Reproduzierbarkeit ;-)

Fallbeispiel Homöopathie

Eins der ulkigsten Beispiele in dieser Frage ist Homöopathie. Hömöopathie widerspricht jeglicher wissenschaftlichen Logik. Die Behauptung, dass etwas mehr wirkt, je weniger drin ist, spottet unserem Verstand und bringt Wissenschaftler zur Raserei. Homöopathie lässt sich zumindest bisher nicht unter wissenschaftlichen Kriterien nachweisen, geschweige denn vernünftig erklären. Und doch gibt es Unzählige, bei denen homöopathische Mittel geholfen haben. Mediziner werden jetzt händefuchtelnd einwänden, dass das nur der Placebo-Effekt war, also eingebildete Heilung. Aber Placebo bedeutet, dass eine Art Selbstheilung stattgefunden hat, die darauf fusst, dass man an eine von aussen zugeführte Heilwirkung glaubt. Man glaubt, jemand würde einem heilen und das reicht aus, damit sich der Körper selber heilt. Nun, nichts Anderes nimmt Homöopathie für sich in Anspruch. Kein Homöopath behauptet, dass das Mittel selber heilt, es gibt nur Impulse, die das Immunsystem zu einer Reaktion provozieren. Interessanterweise weiss man unterdessen, dass auch ein Grossteil der schulmedizinischen Erfolge auf diesem Effekt beruht, Placebo ist also keine Illusion sondern eine nützliches Phänomen. Ich persönlich glaube nicht an Homöopathie, geschweige denn, dass ich es verstehe, ganz im Gegenteil, ich halte die dahinterliegende Erklärung für völlig abstrus. Aber ich habe früher genug erlebt mit dieser Medizinform, dass ich längst die Gewissheit habe, dass diese Mittel eine Heilwirkung auslösen können. Die Wissenschaft gibt sich da bockig, sie sagen, wir können es nicht erklären, wir können in diesen Mitteln keine Inhaltsstoffe nachweisen, also kann es nicht sein, mögen nochsoviele Leute davon geheilt werden. Die Homöopathen geben sich nicht weniger bockig, aber das wäre dann mal ein anderes Thema. Ich für meinen Teil bin da pragmatisch, ich weiss, dass ich nicht weiss, ob es wirklich hilft, bin also entsprechend vorsichtig und würde mich nie allein darauf verlassen. Meine Lebenserfahrung erlaubt mir aber, trotz meiner Skepsis ein wenig daran zu glauben und es unter gewissen Umständen zu nutzen. Wenn es hilft, ist das gut so, wenn es nicht hilft…….. naja, ich glaub ja dann auch noch an die Heilwirkung von Antibiotika und Konsorten ;-)

Glauben entgegen besseren Wissens

Es gibt nur eine qualitative Unterscheidung, die wirklich relevant ist und das ist die Unwürdigkeit dessen, was ich “Glauben entgegen besseren Wissens” nenne oder auch gerne als “Faktenresistenz” tituliere. Irgendwo habe ich mal sinngemäss geschrieben, es ist ok, sich zu irren und es ist ok Fehler zu machen. Aber es ist nicht in Ordnung, wenn man wider besseren Wissens an einem Irrtum oder Fehler anhaftet, das ist dann wirklich die Totalkapitulation des Geistes. Wenn also beispielsweise wie schon erlebt christliche Fundamentalisten die Existenz von Dinosauriern leugnen, weil das einfach nicht sein kann, weil ja in der Bibel nichts von denen steht und die Erde gemäss Bibel 6000 Jahre alt ist, dann kann man das nur noch als glaubenstechnische Hirnamputation bezeichnen. Das Ignorieren von Fakten (wie beispielsweise seitens gewisser Psychologiegläubigen oder sonstigen religiösen Fundamentalisten) ist das einzige, was eines denkenden Menschen wirklich unwürdig ist, alles Andere hat seine Berechtigung und trägt dazu bei – naja, eben Affen, Bananen, Ihr wisst schon ;-)

Schlussbilanz

Zusammengefasst könnte man also sagen: Es gibt Glauben, Gewissheit, geglaubtes Wissen, bewiesenes Wissen und erlebtes Wissen. Ich bin nicht der Ansicht, dass es hier ein richtig und falsch gibt, es ist im Wesentlichen auch keine qualitative Frage. Jeder dieser Glaubens/Wissensbereiche hat seine Berechtigung, erst alle zusammen machen uns vollkommen und so Manches bedingt das Andere. Wichtig scheint mir jedoch die Unterscheidung, dass man sich im Klaren ist, wo man sich wirklich unumstösslich sicher ist und wo man sich auf dünnem Eis bewegt.

Wenn wir uns dessen bewusst sind, sind wir vielleicht etwas zurückhaltender mit Rechthaberei oder Intoleranz. Und das bringt uns in die vorzügliche Lage, dass wir immer wieder dazuzulernen können und immer wieder das, was wir zu Wissen glaubten, eintauschen können in etwas, das wir dann tatsächlich wissen.

Wir sind gut beraten, wenn wir etwas mehr von diesem sokratischen Geist in uns aufleuchten lassen, der sinngemäss sagte: Ich weiss nur, dass ich nicht weiss :-)

Wenn unser Geist leer ist, ist er für alles bereit.
Im Anfänger-Geist liegen viele Möglichkeiten,
in dem des Experten wenige.

(Shunryu Suzuki)

Badewannenpredigt: Freiheit, Vernunft und Gerechtigkeit

Letztes Wochenende habe ich ja eine neue Serie gestartet namens “Gedanken auis der Badewanne“. Idee dahinter war, dass ich oft unter der Woche zu müde bin um zu bloggen und sich so Gedanken ansammeln, die dann meist in meiner sonntäglichen Badewannenmuse wieder auftauchen und da ich am Sonntag meist die Ruhe geniesse, habe ich dann Zeit, diese Gedanken einzusammeln und in Worte zu kleiden.

Heute beginne ich eine weitere Serie, ich nenne sie “Badewannenpredigt”. Grundidee davon ist, dass ich eben oft am Sonntag eher in Gedanken schwelge und dabei manchmal philosophische oder religiöse Gedankengänge mache, die dann meist in der Badewanne zur Vollendung finden. Diese Beiträge erheben in der Regel nicht den Anspruch auf Vollständigkeit, sie wollen keine Antworten geben sondern eher Fragen aufwerfen – damit möchte ich Euch dazu motivieren, selber ein warmes Bad zu nehmen und dort diese Gedanken weitertreiben zu lassen.

Erste Badewannenpredigt: Drei Aspekte, ein Ziel

Diese Woche gab es drei Aspekte, die in diesen Beitrag einfliessen. Das Erste war das Treffen mit Claudia, das mich darüber nachdenken liess, wieviel Freiheit wir uns zugestehen resp. wieviel unserer Freiheit wir aufgeben, nur weil sie irgend jemandem nicht in den Kram passen könnten. Das Zweite war wie immer der alltägliche politische und gesellschaftliche Irrsinn, der einem aus Zeitungsblättern entgegenstarrt und einem daran zweifeln lässt, dass der Mensch je Vernunft gelernt hätte. Das Dritte war der Auslöser für diesen Beitrag, es war eine TV-Sendung “Sternstunde Philosophie” mit der ich meist meinen sonntäglichen Ruhetag beginne, diesmal über Immanuel Kant und seine Kritik an der praktischen Vernunft. Diese drei Gedanken sind ein guter Badewannenzusatz, darin lässt sich prima schwimmen…….

Die Freiheit des Menschen

Kant, Claudia und ich dürften uns einig sein, dass es kaum etwas Elementareres gibt im Menschsein als das Recht, ja gar die Pflicht, ein freier Mensch zu sein, selbstbestimmend sein Leben zu gestalten und wie ich es gerne zu sagen pflege, der Spur des eigenen Herzens zu folgen und sein Innerstes zu entfalten.

Gerade für stigmatisierte Wesensarten wie transsexuelle Menschen wird das zu einer ungeheuren Herausforderung, denn wenn ich der Spur meines Herzens folge und meine Freiheit des Ichseins beanspruche, löse ich damit nicht nur grosse Irritationen aus sondern belaste so Manche die mir lieb sind, mehr als mir lieb ist. Der Grundsatz einer “ethischen Freiheit” besagt, dass alle so frei sind, dass sie tun können was sie wollen, solange sie damit nicht die Freiheit Anderer einschränken.

In unserem Fall ist das nicht ganz so einfach, weil beispielsweise meine Freiheit des Ichseins ein Stück weit die Freiheit meines Kindes einschränkt, das sich plötzlich nicht mehr getraut zu mir zu stehen, weil es andernfalls von ihrem Umfeld gemobbt würde.

Aber das ethische Verbrechen wird nicht durch meinen Freiheitsanspruch begangen sondern durch eine Gesellschaft, die nicht diesem Grundsatz folgt. Müsste ich nun auf meine Freiheit verzichten, weil durch meine Freiheit die Freiheit Anderer beeinträchtigt würde durch eine freiheitsfeindliche Gesellschaft? Oder müsste ich nicht gerade deshalb meine Freiheit beanspruchen, ja geradezu zur Schau stellen, um der Welt ein Mahnmal zu sein das sie erinnert, dass die Freiheit des Seins doch möglich ist?

Eine grosse Herausforderung ist die Inanspruchnahme der persönlichen Freiheit jedoch für alle Menschen. Wie oft tun wir nicht was wir wollen, weil wir uns Gedanken machen im Stil von “das kann ich doch nicht, was denken dann…..”. Natürlich ist es unabdingbar, dass wir uns die Folgen unserer beanspruchten Freiheit im Klaren sind und prüfen, ob wir damit jemandem schaden. Aber es spottet dem Wort “Individuum”, wenn wir unsere Freiheit einschränken, nur weil wir denken, es könnte irgend jemanden stören oder es würde unser Ansehen beeinträchtigen.

Die Verpflichtung zur eigenen Entscheidung

Ich habe Kant bisher noch nicht gelesen, werde das in den nächsten Wochen nachholen, insofern bewege ich mich jetzt auf dünnem Eis, wenn ich über Kants Gedanken zur Vernunft auslasse. Aber das was in dieser TV-Sendung aufleuchtete, scheint mir interessant genug zu sein um es hier einfliessen zu lassen, mit dem Risiko, dass ich ihn missverstanden habe. Die Sendung erweckte in mir den Eindruck, dass Kant nebst dem Recht auf Freiheit vorallem eines forderte, dass der Mensch seine eigene Vernunft walten lässt. Ich nehme mal allein das auf um mir weitere Gedanken zu machen.

Wenn wir uns für oder gegen etwas entscheiden, tun wir das aufgrund irgendwelcher Überlegungen und Überzeugungen, doch woher stammen die Kriterien, mittels derer wir uns entscheiden? Ein Blick in die Medien und noch mehr in die Kommentarspalten lässt mich immer wieder erstaunen, mit welcher Selbstverständlichkeit vernunftbegabte Menschen Dinge tun oder über Dinge schreiben, in einer Art, die dem Wort “Vernunft” spottet. Und oft frage ich mich, wessen Geistes Kind solche Gedanken und Taten sind und meist bleibe ich ratlos, die Frage unbeantwortet. Viel zu oft, scheint es mir, entscheiden sich Menschen aufgrund einer “Wahrheit”, die sie nicht selber ergründet haben, sie plappern einfach etwas nach was ihnen als Wahrheit verkauft wurde.

Ethische und moralische Grundsätze müssen erarbeitet werden, das muss jeder für sich ein Stück weit tun. Wer anstelledessen nur Grundsätze nachbetet die ihm vorgebetet wurden, der vernachlässigt die eigene Begabung zur Vernunft und macht sich so zum Spielball für Andere. Es erstaunt mich immer wieder bei Abstimmungen, dass eine Plakatschwemme in Millionenhöhe meist reicht um die Volksmeinung zu kippen. Und es schockiert mich immer wieder zu erleben, wie vermeintlich vernunftbegabte Menschen beispielsweise wie vor ein paar Jahren eine Unternehmenssteuerreform gutheissen, die ein paar Milliarden von unserem Geld in die Wirtschaft pumpt – und gleichzeitig eine IV-Revision durchwinkt, die invaliden Menschen, also den Schwächsten dieser Gesellschaft, das Wenige reduzieren das sie haben. Was für eine Vernunft, was für eine Ethik oder was für eine Moral lässt uns so entscheiden? Wer von all denen, die das gutgeheissen hat, hat sich wirklich ernsthaft darüber Gedanken gemacht und hat sich gesagt: “Wir wollen die Wirtschaft stützen, aber das kostet Geld, also nehmen wir das Geld der Invaliden und hoffen, dass wir damit unseren gesamtgesellschaftlichen Lebensstandard verbessern können”? Ich glaube und hoffe, dass nur Wenige so dreist sind, die Meisten haben einfach vergessen, ihre eigene Vernunft anzufragen zu diesem Entscheid, sie liessen sich willig einlullen durch eine Kampagne der sogenannt “bürgerlichen Politiker”. Aber wozu braucht der Mensch denn überhaupt eine Vernunft, wenn er das Denken an Plakatwände delegiert?

Die Verantwortung des Einzelnen

Weder das Recht auf persönliche Freiheit eines Individuums noch die Pflicht zur Inanspruchnahme der eigenen Vernunft kann delegiert werden. Es liegt in unserer eigenen Verantwortung, herauszufinden was wir wollen und brauchen und Wege zu finden uns diese Freiheit zu nehmen. Und es liegt genauso in unserer eigenen Verantwortung, ethische und moralische Werte selber aufzustellen, uns selber Gedanken zu machen und Dinge selber rational zu bewerten.

Wer seine Freiheit oder seine Vernunft delegiert, delegiert sein Leben und gibt damit seine Selbstbestimmung auf. Das wäre an sich eine persönliche Sache, wenn sich jemand zum Sklaven berufen fühlt, soll er das tun dürfen. Problematisch ist es, wenn ein Mehrheitskollektiv so mit ihrem Leben verfährt, denn daraus resultiert eine Nation von Marionetten, die von ein paar Mächtigen gesteuert wird. Und das wiederum ist ein Armutszeugnis für eine Spezies, die nicht nur die Fähigkeit zur Vernunft hätte sondern auch das Recht auf Freiheit – so zelebriert man die Kapitulation vor dem Menschsein.

So und jetzt, Leute, ab in die Badewanne mit Euch ;-)

Sternstunde Philosophie vom 16.10.2011

“Geschlechtsumwandlungen” bleiben im Leistungskatalog

“Unnötige medizinische Massnahmen” wie “Geschlechtsumwandlungen” und Abtreibungen sollen aus dem Leistungskatalog gestrichen werden, forderte SVP-Nationalrat Peter Föhn in einer Motion, gefolgt von einer Meute “christlich-konservativer Politiker”, die das gleich mit einer Volksabstimmung durchsetzen wollen. Während Zweiteres noch aussteht, wurde Ersteres nun im Nationalrat mit 81 zu 67 Stimmen bei 6 Enthaltungen abgelehnt, nicht zuletzt weil es ein Verstoss gegen die europäische Menschenrechtskonvention wäre. Soweit gute Neuigkeiten für Betroffene, für die geschlechtsangleichende Massnahmen die einzige Überlebenschance sind. Trotzdem hinterlässt diese Episode einen bitteren Nachgeschmack, in Anbetracht davon, dass unsere sogenannt bürgerlichen Politiker überhaupt auf diese menschenverachtende Idee kamen und wie sie dabei argumentierten. Und es ist eindrücklich, dass einzig die SVP kollektiv dafür war, dass man transsexuellen Menschen zukünftig notwendige medizinische Leistungen verweigert.

Es gibt keine Geschlechtsumwandlungen

Beginnen wir kurz mit der Terminologie: Niemand wandelt sein Geschlecht um, das ist nicht möglich und wird auch kaum von jemanden gewollt. Es zeigt sich bereits in dieser Wortwahl, dass die Initiatoren sich nie ernsthaft mit diesem Thema beschäftigt haben. Transsexuelle Menschen ändern nicht das Geschlecht sondern passen das Äussere dem eigenen Geschlecht an. Die Gewissheit um das eigene Geschlecht ist unumstösslich und in der Hirnanatomie unveränderbar festgelegt, aber der Rest des Körpers hat sich nicht in dasselbe Geschlecht entwickelt wie “das Ich”.

Unnötige medizinische Leistung?

Transsexualität führt zu einem unvorstellbaren Leidensdruck, Betroffene gehen psychisch und emotional zugrunde und überdurchschnittlich viele begehen früher oder später Suizid. Transsexuellen Menschen kann nur auf eine Weise geholfen werden, mittels Hormontherapie und genitalangleichender Operation. Deshalb wurde “Transsexualismus” auch von der Weltgesundheitsorganisation als Krankheit eingestuft und ist infolgedessen im Leistungskatalog der Grundversicherung eingeschlossen. Entgegen weit verbreiteter Vorstellung ist Transsexualität kein selbst gewählter Lifestyle sondern ein Leben mit unerträglichem Leidensdruck. Durch diese geschlechtsangleichenden Massnahmen stabilisiert sich der Gesundheitszustand der Meisten erheblich, was längerfristig zu Kostenmilderung führt, weil deutlich weniger Folgekrankheiten entstehen.

Kostenübernahme durch Krankenkasse?

Dabei werden gerne wirrste Zahlen herumgereicht, 80-100’000 Franken soll eine “Geschlechtsumwandlung” kosten. In Wirklichkeit belaufen sich die Kosten der genitalangleichenden Operation beispielsweise am Zürcher Universitätsspital auf weniger als 20’000 Franken inklusive dem zweiwöchigen Spitalaufenthalt. Darauf folgt noch eine kleine Operation und ein paar Nachuntersuchungen, insgesamt dürfte es um die 30’000 Franken sein für die gesamte Behandlung. Die Hormone die dann zeitlebens noch gebraucht werden, sind so günstig, dass man damit nicht mal die Franchise überschreitet, fallen also nicht mehr ins Gewicht. In Anbetracht davon, dass nicht behandelte Transsexualität zu umfangreichen Folgeerkrankungen und damit hohen Kosten führt, ist eine Nichtbehandlung deutlich kostspieliger. Wenn ich mich selber als Fallbeispiel nehme, dann hatte ich vorher fast ein Jahrzehnt wöchentlich eine Psychotherapiestunde zu 160 Franken. Seit Abschluss meiner “Transition” gehe ich noch alle 2 Monate einmal, weil’s mir einfach gut geht im Gegensatz zu den vier vorherigen Jahrzehnten.

Sexuelle Verstümmlung und Suizid?

Bei Geschlechtsumwandlungen würden Menschen sexuell verstümmelt,
und viele nähmen sich später das Leben.
(Doris Fiala)

Erschreckende Unwissenheit demonstrierte FDP-Nationalrätin Doris Fiala mit obigem Zitat. Wenn Menschen nach jahrzehntelangem Leiden dank genitalangleichener Operation leidensfrei sein können – und das geschieht in der Regel – dann ist es einfach zynisch, da von sexueller Verstümmlung zu reden, das ist einfach absurd in Anbetracht der Lebensrealität transsexueller Menschen. Dr. Udo Rauchfleisch, der am Basler Universitätsspital über hundert Transsexualitätsbetroffene behandelt hat, schreibt in seinem Buch “Transsexualität – Transidentität“, dass von all denen nur eine Betroffene diese Behandlung bereut hat, allen Anderen würde es bedeutend besser gehen. Dasselbe gilt für den Suizid-Mythos. Das Suizidrisiko nimmt in der Regel deutlich ab, weil Betroffene erstmals mit sich im Reinen sind und eine “Behinderung” weggefallen ist. Um es deutlicher zu sagen: Wäre diese unsägliche Motion angenommen worden, wäre die Suizidrate in Zukunft garantiert deutlich höher – eine Annahme hätte Menschen in den Tod getrieben!

Aber immerhin gibt es auch im Parlament ein wenig Restvernunft, wie aus dem Einspruch von Margret Kiener-Nellen zu entnehmen ist:

Als Anwältin begleite ich, mit den entsprechenden rechtlichen Massnahmen und Verfahren, seit fast dreissig Jahren solche Geschlechtsumwandlungen. Ich kann bestätigen, dass diese Klientinnen und Klienten mit den Operationen alle sehr glücklich und zufrieden sind. Den Tatbestand, den Frau Fiala angesprochen hat, kenne ich nicht. Meine Frage haben Sie vielleicht schon beantwortet: Gibt es dazu Langzeitstatistiken? Meines Erachtens gibt es das nicht. Ich wüsste auch nichts von einer erhöhten Suizidrate bei diesen Personen.

(Margret Kiener-Nellen)

Wer bestimmt den Krankheitswert?

Ich finde es ehrlich gesagt erschreckend, dass Politiker sich plötzlich Rosinen aus dem Leistungskatalog picken und bestimmen wollen, welches Leiden Krankheitswert hat, was behandlungswürdig ist und überhaupt, was Krankheit ist. Aber ist es Aufgabe der Politiker, Diagnosen zu stellen und Behandlungen festzuschreiben oder ist es nicht Aufgabe von Wissenschaft und Medizin, das festzulegen? Die Weltgesundheitsorganisation WHO bestimmt, was als Krankheit gilt und was für Behandlungen angebracht sind. Dabei stützen sie sich auf medizinisches Wissen. Was als Krankheit gilt, ist vorallem vom Leidensdruck abhängig, der ist bei Transsexualität gegeben.

Schwarzpeter-Spiele der Bürgerlichen?

Wenn man bedenkt, dass mit dieser geplanten Hilfeverweigerung in Anbetracht der wenigen Fälle nicht mal ein Promille der Krankenkassenprämien eingespart würden, fragt man sich schon, was für Schwarzpeterspiele da gespielt werden in Bundesbern. Parallelimporte, die zu tieferen Medikamentepreisen geführt hätten und ein riesiges Sparpotential im Milliardenhöhe gewesen wäre, wurde von den sogenannt Bürgerlichen lange bekämpft. Muss man hier wieder mal ein schwarzes Schaf postulieren und schlachten um zu zeigen, dass man doch irgend etwas tut für tiefere Krankenkassenprämien? Wenn ich dann noch erlebe, dass die Initiatoren dieser Alibiübung auf Kosten Anderer nicht mal wissen worum es eigentlich geht und was sie da fordern – und warum – dann gibt mir das schon arg zu denken. In beispielhafter Weise demonstrierte das Peter Föhn anlässlich eines Rundschau-Interviews, als er den Grund für seine Motion wiefolgt zu erklären versuchte……. o-Ton, kann hier auf 6:00 Minuten mitgehört werden……..

Die Geschlechts…….äh…. Umwandlungen streiche ich vorallem auch….. dann…….. nach ähmä???…… pffff, ja vielleicht….. ein ethischer Hintergrund….. ein…… religiöser Hintergrund für mich haben…… bei dem ich sage: ist das wirklich notwendig……. und ich stelle als Politiker jetzt einfach diese Frage laut in den Raum.
(Nationalrat Peter Föhn)

Ich war echt erschüttert, als ich dieses Interview sah, dieser Mann erklärt, warum er Menschen wie mir das Leben verweigert und hat so eine unbeholfene Erklärung dafür – ethischer Hintergrund – ja, das Überleben Betroffener steht auf dem Spiel………. danke an die Parlamentsmehrheit, dass sie dieses Spiel nicht mitgespielt haben.

Diskussion im Parlament: Wortmeldungen

AKW-Sicherheit – Das Lügengebäude der Atomlobby

Wer bei der Sicherheit von Atomkraftwerken keine Kompromisse machen will,
darf Kernenergie gar nicht erst nutzen.
Wer sie doch betreibt,
ignoriert ihr Risiko für uns und Zehntausende weitere Generationen.
Financial Times

Erst vor wenigen Wochen habe ich anlässlich der Mühleberg Abstimmung hier die Frage gestellt und wie ich hoffe beantwortet: Braucht die Schweiz ein neues AKW und verwies dort unter Anderem auf einen alten Blogbeitrag der eine Reihe von AKW-Störfällen auflistete – und nun, wenige Wochen später, ist es wieder soweit – einmal mehr.

Grund genug, nochmal auf die Frage einzugehen, ob Atomkraftwerke wirklich so sicher sind, wie uns die Heerscharen an Lobbyisten der Atomindustrie ständig einzureden versuchen. Betrachten wir mal, wie die Atomindustrie und ihre AKW-Lobbyisten uns jahrzehntelang systematisch belogen wurden………

AKW sind sicher, ein Reaktorunfall ist nur alle 10’000 Jahre möglich, hiess es zu Beginn des Atom-Desasters – doch es kam anders – immer wieder.

  • Am 21. Januar 1969 kam es im schweizerischen Versuchsatomkraftwerk Lucens zu einer partiellen Kernschmelze. Ach das ist nur ein Versuchsreaktor, bei richtigen AKWs kann das nicht geschehen.
  • Am 17. Oktober 1969 kam es im französischen AKW in Saint-Laurent zu einer partiellen Kernschmelze, der Reaktor wurde im gleichen Jahr stillgelegt. Ach aller Anfang ist schwer, hiess es da wohl.
  • Am 22. Februar 1977 kam es im slowakischen Kernkraftwerk Bohunice zu einer Kernschmelze. Ach wen interessiert schon was in der Slowakei geschieht, dachte man da wohl.
  • Am 28. März 1979 kam es im Kernkraftwerks Three Mile Island im amerikanischen Harrisburg zu einer totalen Kernschmelze, weil zu spät bemerkt wurde, dass das Notkühlsystem nicht funktionierte. Die Kernschmelze stoppte jedoch während dem Durchfressen des Reaktorkernmantels, was man ja als Erfolg verbuchen kann, sogar Kernschmelzen haben wir im Griff, cool was?
  • Am 26. April 1986 kam es im Atomkraftwerk in Tschernobyl zur totalen Kernschmelze samt Wasserstoffexplosion, die ganze Umgebung wurde kilometerweise totalverseucht, radioaktive Strahlung verteilte sich über ganz Europa (und ist heute noch beispielsweise in hiesigen Pilzen messbar), zehntausende von Menschen starben in den Folgejahren an Krebs. Ach diese russischen AKWs sind halt nicht so gut wie unsere, wir haben viel bessere Sicherheitsmassnahmen, es war menschliches Versagen, bei uns könnte das nie geschehen.
  • Am 12. März 2010 kam es in mehreren Reaktorblöcken im japanischen AKW Fukushima-Daiichi zu einer Reihe von unkontrollierbaren Reaktorkatastrophen. Ausgelöst wurden die Katastrophen durch ein Erdbeben gefolgt von einem Tsunami, infolgedessen es so wie es momentan gerade aussieht in mehreren Atomkraftwerken zu Kernschmelzen kam. Das Ausmass ist noch nicht abzuschätzen, weil die betroffenen Reaktoren nachwievor ausser Kontrolle sind. Dies obwohl gerade japanische AKWs den höchsten Sicherheitsstandard haben für Erdbebenfolgen.

Achja, da waren ja noch ein paar “kleine Kernschmelzen”

  • Am 12. Dezember 1952 im NRX-Reaktor in Ontario, Kanada
  • Im Jahr 1955 in Idaho, USA, im Experimental Breeder Reactor I (EBR-I)
  • Am 10. Oktober 1957 in Windscale (siehe Windscale-Brand)
  • Im Juli 1959 im Santa Susana Field Laboratory, Kalifornien, USA
  • Am 3. Januar 1961 beim militärischen Forschungsreaktor SL-1 (Stationary Low-Power Reactor Number One), Idaho Falls,
  • Am 5. Oktober 1966 im Prototyp des Schnellen Brüters ‘Enrico Fermi 1′ in Michigan, USA

Und wer immer noch nicht genug hat, findet hier noch weitere Störfälle in Atomkraftwerken.

Drei totale Kernschmelzen, drei partielle Kernschmelzen und ein ganzes Rudel von Störfällen, die mit etwas Glück doch nicht zum AKW-Unfall wurden? Alle 10’000 Jahre ein AKW-Unfall? Drei und Drei und ein Rudel in einem halben Jahrzehnt – irgendwie kapier ich diese Rechnung nicht.

Atomkraftwerke sind sicher, wir können den Super-GAU ausschliessen, das verspricht man uns seit Beginn bis heute. Obwohl ja angeblich alles im Griff ist, sind Atomkraftwerke seltsamerweise nicht mal zu 1% versichert. Ein Schadenfall in der Schweiz wird auf 4’000 Milliarden geschätzt, 1,8 Milliarden sind versichert, der Rest des angeblich nicht existierenden Risikos werden gegebenenfalls wir bezahlen, was pro Kopf rund eine halbe Million Franken ausmachen wird. Soviel ist sicher – immerhin da bietet Atomenergie Sicherheit.

Gesamthaft gesehen erleben wir seit Jahrzehnten immer dasselbe Muster. Man behauptet, Atomkraftwerke seien kontrollierbar, Risiken könnten nahezu ausgeschlossen werden, man hätte höchste Sicherheitsmassnahmen ergriffen. Und immer wieder kracht es, immer findet man neue Ausreden, warum es ausgerechnet dort gekracht hat und versichert, dass das bei uns natürlich nicht passieren kann…….. Warum nicht? Erdbeben gibt es auch bei uns, selten aber unter Umständen nicht weniger heftig. Menschliches Versagen gibt es auch bei uns, wir sind ja nicht unfehlbar. Und Systemfehler kann ebenfalls niemand mit Sicherheit verhindern. Auch hier gibt es Überschwemmungen die Notstromaggregate ersäufen können. Auch hier können Terroristen zuschlagen und auch hier stürzen ab und zu mal Flugzeuge ab. Die Risiken waren seit je her da und sie werden für immer bleiben, solange bis wir mit diesem grössenwahnsinnigen Irrsinn aufhören.

Wir müssten mit dem Restrisiko leben – sagt man uns lapidar – das Restrisiko, das beispielsweise hier in der Schweiz das halbe Land mit einem Schlag unbewohnbar machen kann (wir rutschen gern alle noch etwas zusammen), tausende von Toten, tausende von Milliarden Kosten……….. da ist das Wort “Restrisiko” schon etwas zynisch.

Nein, wir müssen nicht mit dem Restrisiko leben – aber wir müssen mit dem Restrisiko sterben, falls sich auch bei uns einer dieser Schrott-Reaktoren nicht an die lustigen Wahrscheinlichkeitsberechnungen der Atomindustrie hält.

Alternativen gibt es zu Genüge, die Frage ist nicht ob wir ohne Atomstrom leben können sondern ob wir es tun. Und das schaffen wir nicht, indem wir erst mal noch zwei Stück bauen und damit diese rund zwanzig Milliarden wieder in diese unkontrollierbare Technik stecken. Die ältesten AKWs können schnell abgeschaltet werden, dann haben wir noch einiges an Zeit bis die “neueren AKWs” auch vom Netz müssen. Bis dahin können wir umgestellt haben, das belegen eine grosse Zahl an Studien wie beispielsweise die “drei Energieszenarien” des Bundes aufzeigen.

Es ist unser Land, über das wir bestimmen können und es ist die Zukunft unserer Kinder, die wir allenfalls gefährden. Wir haben ihnen schon das ganze Desaster der nicht wirklich lösbaren Endlagerung radioaktiver Abfälle hinterlassen, auf Generationen hinaus, wir sollten endlich Verantwortung übernehmen und eine Zukunft bauen, in der wir nicht mehr unsere Kinder töten um selber vermeintlich etwas besser zu leben.

Noch ein wenig Realsatire zum Schluss: Gestern wurde ich um 17 Uhr auf einen Textblock einer berüchtigten Schweizer Atomlobby Website aufmerksam gemacht, in der stand:

“Durch sicheres Bauen und die sorgfältige Wahl des Baugrunds können Kernkraftwerke auch sehr starke Beben ohne wesentliche Schäden überstehen. Das belegen die Erfahrungen aus Japan und Kalifornien, wo vergleichsweise oft schwere Erdbeben auftreten”

Drei Stunden später war der Text gelöscht. Das war dann wohl auch für die Atomindustrie ein Schuss zuviel an Surrealismus. Aber es stellt sich schon die Frage: Wenn die Atomlobby bisher behauptete, die Erfahrungen mit Japan seien ein Beleg für die Sicherheit von Atomanlagen, dann darf fortan auch analog dazu das Umgekehrte als belegt betrachtet werden. In diesem Fall ist es sogar mehr als Theorie, es ist geschehen, im Hier und Heute.

Aber man versichert uns weiterhin, die Schweizer Atomkraftwerke seien sicher. Die sind sowas von sicher, dass sie sogar mit 225 Mängeln noch als sicher eingestuft werden. Mit so einer Mängelliste müsste man mal ein Auto beim Strassenverkehrsamt vorführen, die würden einem für völlig gestört erklären.
225 Mängel! Wie sicher sind Schweizer AKW?

Lesenswerter Artikel über die Lügen der Atomlobby in der FAZ:
Die neun Gemeinplätze des Atomfreunds

Zuguterletzt noch ein guter Kommentar der Financial Times:
Unkalkulierbares Risiko – Super-GAU der Kernenergie

Und zur Frage ob es Alternativen gibt für diese Grossrisikotechnologie:
Beobachter: So schaffen wirs ohne AKWs
Jetzt zählen nur noch erneuerbare Energien

Nachtrag: Diesen Blogbeitrag empfehle ich dringend zum Lesen und vorallem zum Nachdenken – und zum Umdenken:
Weiter, weiter!

Transsexualität – Mein Einsatz geht weiter

Aufgrund einer Anfrage im Kommentarbereich möchte ich dringend etwas klar stellen. Das Thema Transsexualität wird auch in diesem Blog weiter gehen und mein Einsatz für die Rechte von transsexuellen Menschen und die persönliche Unterstützung von Betroffenen werden ebenfalls einen wesentlichen Platz in meinem zukünftigen Leben haben. Mein Blog-Wechsel ist keinesfalls Ausdruck davon, dass ich dieses Thema hinter mir lassen will oder “untertauchen” will. Warum es trotzdem ein neues Blog brauchte, möchte ich nun hier etwas genauer erklären und auch anklingen lassen, inwiefern mich dieses Thema in Zukunft noch beschäftigen wird resp. was von mir zu erwarten ist.

Ich bin mehr als meine transsexuelle Vergangenheit
Mein letztes Blog sollte das “Tagebuch einer transsexuellen Frau” sein und somit war dieses Thema sowas wie das Rückgrat des Blogs, alles da drin war auf dieses Thema fokusiert. Es sollte diesen Transitions-Prozess beschreiben, vom ersten Tag des Outings bis zum Abschluss dieses Prozesses. Dieser Prozess ist nun bald zuende, ich warte nur noch auf die Personenstandsänderung und die kleine Nach-Operation und dann ist diese “Geschichte” geschrieben und in sich vollständig. Ich habe gemerkt, dass mich diese Themen-Fokusierung irgendwie bindet. Das ‘T’ vor meinem Namen war Verpflichtung und fesselte mein Denken an dieses Thema. Aber ich bin mehr als meine transsexuelle Vergangenheit. Auch wenn meine Persönlichkeit durch ein vier Jahrzehnte andauerndes Leben im falschen Körper geprägt wurde, kann und will ich mich nicht einzig durch diesen Aspekt definieren. Das war in diesen zwei Jahren notwendig und in den vier Jahrzehnten vorher unumgänglich, aber die neue Freiheit die ich mir erkämpft habe, erlaubt mir auch, das ein Stück weit loszulassen. Damit will ich nichts verleugnen, mein bisheriges Leben hat mich zu dem gemacht was ich heute bin, es gab mir die Two-Spirit Fähigkeit, mit der ich die Geschlechterwelten von zwei Perspektiven aus sehen kann, es gb mir die unerhörte Renitenz, meinen Weg auch allen Widrigkeiten zum Trotz gehen zu können und es gab mir den Mut und die Kraft, selbst das scheinbar Unmögliche zu wagen und schlussendlich sogar zu schaffen. Das alles macht mich aus, so werde ich auch in Zukunft sein.

Frei genug für ganzheitliches Sein
Dadurch, dass mein Alltag nicht mehr vollständig durch das Thema Transsexualität definiert ist, ja dass ich mich heute nicht mal mehr als transsexuell im Sinn von geschlechts-inkongruent wahrnehme, habe ich endlich den Kopf wieder frei für all die Dinge, die mir so sehr am Herzen liegen und einfach keinen Platz mehr hatten in den letzten zwei Jahren. Ich war schon immer eine Philosophin und ich hatte eine grosse Vorliebe für spirituelle Fragen. Religionen, Philosophen, Politik und Ökologie, all das sind mir wichtige Anliegen bis hin dazu, dass ich wieder Musik machen möchte, wieder Zeit finden möchte um im Wald rumzuliegen und vieles mehr. Für mich sind die “neuen Themen” kein Ersatz für das Thema “Transsexualität” sondern eine Erweiterung der Vielfalt meines Seins. Klar wird Transsexualität den anderen Themen Zeit und Platz abgeben müssen, aber es wird weiterhin genug Raum bekommen.

Etwas Ruhe und Freiheit
In den nächsten paar Monaten will ich das Thema Transsexualität bewusst etwas zurückstellen. Ich habe mich zwei Jahre lang damit aufgerieben und mein endlich freies Leben ist es wert, dass ich es jetzt mal etwas geniesse. Nach all den Kämpfen habe ich es verdient, dieses ewige Drehen um denselben Punkt mal etwas auszusetzen und mich dem Leben hinzugeben, ohne mich tagtäglich über Menschenrechtsverletzungen aufzuregen. Deshalb werde ich in diesem Blog vorerst das Thema etwas auslassen, das was wirklich gesagt werden muss zum Thema Transsexualität, werde ich in der Regel weiterhin im alten Blog berichten, wie gerade diese Woche die Sache mit der Personenstandsänderung. Wenn ich das alte Blogtagebuch in wenigen Monaten abschliesse, wird Transsexualität auch hier seinen wichtigen Platz bekommen.

Transsexualität – zukünftige Strategien
Pläne sind genug geschmiedet, mein Einsatz für transsexuelle Menschen wird weiter gehen, wenn ich mir genug der nötigen Ruhe gegönnt habe. Nebst persönlichen Betreuungen und meinen Info-Blogs zu dem Thema, habe ich ein paar zuckersüsse Pläne für eine Informations-Offensive, die ich zu gegebener Zeit mit Verbündeten (allen voran mit ATME) losrollen möchte. Ich glaube, dass Öffentlichkeitsarbeit momentan nebst politischem Lobbying das Wichtigste ist, um transsexuellen Menschen eine Chance zu geben in Zukunft. Daran werde ich arbeiten und habe bereits ein paar wirklich pfefferige Ideen ;-)

Also keine Sorge, ich bleibe dran, es gibt viel zu tun, gemeinsam werden wir’s anpacken! Aber ich muss und will mein Leben auch geniessen, ich bin nicht nur als Kriegerin in dieses Leben gesetzt worden, ich bin auch um des Lebens Willen hier. Beidem will ich gerecht werden – alles zur gegebenen Zeit in erfordertem Mass ;-)

Klartext: “Wir sind Helden” sind im Bild

Bisher war die Band “Wir sind Helden” mehr vom Namen her ein Begriff, aber seit heute sind sie für mich wahre Helden, weil sie vorzeigten, was gelebte Ethik ist. Und das kam so…….

Die Bildzeitung ist ein gefährliches politisches Instrument – nicht nur ein stark vergrößerndes Fernrohr in den Abgrund,
sondern ein bösartiges Wesen, das Deutschland nicht beschreibt, sondern macht. Mit einer Agenda.
(Wir sind Helden)

Ihr kennt ja Bild (oder in der Schweiz Blick), dieses Boulevard-Blatt, das jahrein jahraus billige Polemik für den dummen Menschen produziert. Sie fallen vorallem dadurch auf, dass sie null Information mit viel Dreck, Kot und anderen Ausscheidungen produzieren, sie führen Kampagnen-Journalismus, bei dem man irgend eine grad unbeliebte Person, Minderheit oder sonstige “Randständige” ins Visier nimmt und mit allem auf sie ballert, was nicht angebunden ist. Deppen-Journalismus sozusagen, von Idioten, für Idioten. Bild, Blick und Konsorten zeichnen sich dadurch aus, dss sie mit entwürdigenden, beleidigenden oder sonstwie unter die Gürtellinie zielenden Schlagzeilen im Stil von “Transe aus dem Fenster gefallen” Aufmerksamkeit des gewöhnlichen Strassenkleffers (Homo Bellikus) erregen, um dann mit möglichst kurzem Text und möglichst noch weniger Inhalt möglichst viel Volksverhetzung zu betreiben. Idealerweise macht man sich mit despektierlichem Ton über das auserwählte Journalistenopfer her, versucht diese Person oder Volksgruppe möglichst lächerlich zu machen, damit der dumme Leser ganz doll mitlachen kann – wir sind ja ein einig Volk von Umunsbeissenden.

Weil der dumme Mensch braucht sowas, er will sich ja von der Tragik seines eigenen Daseins ablenken und da braucht es einen Zerrspiegel, der ihm seine eigene Dümmlichkeit verzerrt auf Andere projeziert – deshalb muss man auch die Bild-Opfer möglichst verhöhnen und niedermachen, das tut dem einfachen Leser gut – Psychohygiene für Kleingeistige sozusagen. Und damit verdienen sich diese Schundblätter – in Analogie zum Leser – dumm und dämlich. Und so werden sie zu den meistgelesenen Blättern, weil sie so ja irgendwie die Mehrheit füttern. Nein, nicht füttern, mästen, denn mit weiterem Gift aus der Bild-Spritze wird ihr gehässiges und intolerantes Kläffer-Hirn mit noch mehr geistigem Durchfall gefüttert, bis es platzt.

Und hier braucht es Helden, wie “Wir sind Helden”, die sich diesen Brandstiftern öffentlich entgegen stellen und ihnen mal so kräftig die Hosen runterlassen. Die Werbeagentur “Jung von Matt”, die auch für die Hetzschrift “Bild” die Werbetrommel rührt, hat seit einiger Zeit eine Kampagne, in der irgendwelche Promis oder Normalsterbliche ein Statement abgeben über Bild. Wir sind für alle da, wollen sie uns damit sagen – und merken nicht, dass sie uns damit eigentlich beleidigen. Jedenfalls hat diese Agentur nun die Band “Wir sind Helden” angefragt, ob sie sich auch für die Bildleser zum Affen machen lassen, es sollte sogar für einen guten Zweck sein, joh klaaaahhhr. Die Antwort, die diese Band der Agentur zurück geschickt und auf ihrer Website veröffentlicht habt, ist wirklich ein Wink mit dem Zaunpfahl und in meinen Augen ein glorreiches Bekenntnis für mehr Ethik in der Medienwelt. Die Anfrage der Agentur samt Antwort der Band ist momentan hier zu lesen. Die Antwort selbst kann nicht oft genug wiederholt werden, deshalb dupliziere ich diesen Text hierhin – sozusagen, ganz im guttenberg’schen Sinne, als Plagiat mit Quellenangabe ;-)

Liebe Werbeagentur Jung von Matt,

bzgl. Eurer Anfrage, ob wir bei der aktuellen Bild -​Kampagne mitmachen wollen:

Ich glaub, es hackt.

Die laufende Plakat-​Aktion der Bild-​Zeitung mit sogenannten Testimonials, also irgendwelchem kommentierendem Geseiere (Auch kritischem! Hört, hört!) von sogenannten Prominenten (auch Kritischen! Oho!) ist das Perfideste, was mir seit langer Zeit untergekommen ist. Will heißen: nach Euren Maßstäben sicher eine gelungene Aktion.

Selten hat eine Werbekampagne so geschickt mit der Dummheit auf allen Seiten gespielt. Da sind auf der einen Seite die Promis, die sich denken: Hmm, die Bildzeitung, mal ehrlich, das lesen schon wahnsinnig viele Leute, das wär schon schick… Aber irgendwie geht das eigentlich nicht, ne, weil ist ja irgendwie unter meinem Niveau/evil/zu sichtbar berechnend… Und dann kommt ihr, liebe Agentur, und baut diesen armen gespaltenen Prominenten eine Brücke, eine wackelige, glitschige, aber hey, was soll’s, auf der anderen Seite liegt, sagen wir mal, eine Tüte Gummibärchen. Ihr sagt jenen Promis: wisst ihr was, ihr kriegt einfach kein Geld! Wir spenden einfach ein bisschen Kohle in eurem Namen, dann passt das schon, weil, wer spendet, der kann kein Ego haben, verstehste? Und außerdem, pass auf, jetzt kommt’s: ihr könnt sagen, WAS IHR WOLLT!

Und dann denken sich diese Promis, im Rahmen ihrer Möglichkeiten, irgendeine pseudo -​distanziertes Gewäsch aus, irgendwas “total Spitzfindiges”, oder Clever-​ Unverbindliches, oder Überhebliches, oder… Und glauben, so kämen sie aus der Nummer raus, ohne ihr Gesicht zu verlieren. Und haben trotzdem unheimlich viele saudumme Menschen erreicht! Hurra.

Auf der anderen Seite, das erklärt sich von selbst, der Rezipient, der saudumme, der sich denkt: Mensch, diese Bild -​Zeitung, die traut sich was.

Und, die dritte Seite: Ihr, liebe jungdynamische Menschen, die ihr, zumindest in einem sehr spezialisierten Teil eures Gehirns, genau wisst, was ihr tut. Außer vielleicht, wenn ihr auf die Idee kommt, “Wir sind Helden” für die Kampagne anzufragen, weil, mal ehrlich, das wäre doch total lustig, wenn ausgerechnet die…

Das Problem dabei: ich hab wahrscheinlich mit der Hälfte von euch studiert, und ich weiß, dass ihr im ersten Semester lernt, dass das Medium die Botschaft ist. Oder, noch mal anders gesagt, dass es kein “Gutes im Schlechten” gibt. Das heißt: ich weiß, dass ihr wisst, und ich weiß, dass ihr drauf scheißt.

Die BILD -​Zeitung ist kein augenzwinkernd zu betrachtendes Trash-​Kulturgut und kein harmloses “Guilty Pleasure” für wohlfrisierte Aufstreber, keine witzige soziale Referenz und kein Lifestyle-​Zitat. Und schon gar nicht ist die Bild -​Zeitung das, als was ihr sie verkaufen wollt: Hassgeliebtes, aber weitestgehend harmloses Inventar eines eigentlich viel schlaueren Deutschlands.

Die Bildzeitung ist ein gefährliches politisches Instrument — nicht nur ein stark vergrößerndes Fernrohr in den Abgrund, sondern ein bösartiges Wesen, das Deutschland nicht beschreibt, sondern macht. Mit einer Agenda.

In der Gefahr, dass ich mich wiederhole: ich glaub es hackt.

Mit höflichen Grüßen,
Judith Holofernes

Braucht die Schweiz ein neues AKW?

Nachdem die Städte St.Gallen und Bern sich vergangenen November für einen Ausstieg aus der Atomenergie geäussert hat, kam es im Kanton Bern bei der Mühleberg Abstimmung zu einem knappen Ja für ein neues AKW.

Wer sich mit diesem Thema ernsthaft beschäftigt, dem fällt auf, dass der relativ hohe Ja-Stimmen Anteil in all diesen Abstimmungen meist auf Unwissenheit beruhgt und Folge einer grossflächigen Desinformationspropaganda und Angstmacherei ist. Die Atomlobbyisten arbeiten seit Jahren an einer kollektiven Hirnwäsche und hämmern uns mit Lug und Trug ein, dass AKWs sauber seien und ohne AKWs die Lichter ausgehen.

Das ist absoluter Quatsch, warum, möchte ich mal kurz erläutern und vorallem aufzeigen, mit welchen Lügen uns die Atomindustrie diese Hochrisikotechnologie erneut schmackhaft machen will.

1. Lüge: Versorgungssicherheit und Stromlücke
Die beliebteste Lüge der Atomlobby ist die Mär der Stromlücke. Keine Diskussion, in der die AKW-Befürworter immer und immer wieder behaupten, ohne AKWs würden wir eines Morgens aufstehen und die Kaffeemaschine läuft nicht mehr, weil kein Strom mehr da ist. Tatsache ist jedoch, dass es kein autonomes Schweizer Stromnetz gibt, dieser Mythos ist so falsch wie er alt ist. Seit je her findet ein Stromaustausch mit dem Ausland statt. Wir holen billigen Strom aus französischen AKW und deutschen oder italienischen Kohlekraftwerken, füllen damit unsere Stauseen und verkaufen dann zu Hochpreiszeiten den Strom wieder ins Ausland.

Eine Autonomie gab es da nie und wird es nie geben. Wir sind in das europäische Stromnetz eingebunden, der produzierte Strom in ganz Europa wird ins europäische Netz eingespiesen und der benötigte Strom wird dort wieder herausgeholt. In diesem europäischen Stromnetz ist vorläufig mehr als genug Strom vorhanden und viele Länder investieren massiv in erneuerbare Energien, das heisst, der europäische Strommix wird von Jahr zu Jahr sauberer. Selbst wenn der Strom irgendwann knapper werden sollte, wovon in Anbetracht des Investitionsvolumens nicht ausgegangen werden muss, würde der Strom nicht einfach ausgehen sondern lediglich teurer werden. Und die Schweiz wäre garantiert nicht das erste Land, dass es sich leisten könnte. Die Mär, uns würde der Strom ausgehen, ist also eine brandschwarze Lüge, mit der man irrationale Angst schürt und uns damit weichkochen will.

2. Lüge: Sicherheit von AKW
Atomenergie ist eine Hochrisikotechnologie. Die Eintretenswahrscheinlichkeit eines atomaren Super-GAU ist zwar relativ gering, bisher kam es erst in zwei Fällen zu einem Super-GAU, in Tschernobyl und in Harrisburg. Aber die Folgen eines solchen Unfalls sind derart gravierend, dass auch mit kleiner Eintretenswahrscheinlichkeit von einem Hochrisiko gesprochen werden muss. Noch heute sind in Europa erhöhte radioaktive Werte messbar, beispielsweise in Pilzen, die wir dem Reaktorunfall von Tschernobyl verdanken. Die Atomlobby versucht uns weiszumachen, dass so ein Reaktorunfall bei uns niemals möglich wäre, aber das ist blanker Unsinn, weil kein Mensch und kein technisches System auf dieser Welt unfehlbar ist. Menschliches Versagen kann niemals ausgeschlossen werden und technisches Versagen sowieso nicht. Egal wie hoch die Sicherheit angestrebt wird, es kann nie hundertprozentig ausgeschlossen werden, dass uns nicht doch eines Tages so ein Reaktor um die Ohren fliegt. Sollte das der Fall sein, wäre eine Grossteil der Schweiz auf undenkbar lange Zeiten hinaus unbewohnbar. Gerade in einem kleinen Land wie der Schweiz wäre das fatal, weil wir nicht einfach die Hälfte der Bevölkerung in andere Regionen umsiedeln können – es wäre das Ende der Schweiz. Die Atomlobby versucht dieses Risiko zu leugnen, aber die Realität entlarvt ihre Lügerei.

Die Liste von Beinahe-Unfällen in Atomkraftwerken ist so lang, dass sie den Rahmen dieses Beitrags sprengen würde, deshalb verweise ich auf einen alten Blogbeitrag von mir, der zwar auch nur eine kleine Liste von Zwischenfällen aufzeigt, aber es sollte deutlich machen, dass es keine Sicherheit in Atomkraftwerken gibt. Die Frage ist nicht, ob es zu einem Super-GAU kommt, die Frage ist nur wann und wo: AKW Unfälle – AKW Störfälle

Zur Sicherheit/Sauberkeit von Atomreaktoren sei auch noch diese Beiträge und Studien erwähnt:
AKW-Sicherheit – Das Lügengebäude der Atomlobby
Erhöhtes Krebsrisiko in der Umgebung von AKW
Kinder-Krebsrate und Atomkraftwerke
AKW Haftpflicht – nicht einmal 1 Prozent versichert
Der vergessene Schweizer Atom-GAU

3. Lüge: CO2-freier Atomstrom
Da man uns mit neuen AKW faktisch ein nicht vertretbares Risiko andrehen will, muss man sich ein grünes Kleid anziehen, Greenwashing nennt man das in Fachkreisen. So versucht die Atomlobby seit Jahren die Mär zu verbreiten, Atomenergie sei CO2-frei. So vergleicht man dann gern die CO2-Bilanz mit den schlimmsten Stromproduktionen, den Kohlekraftwerken. Das ist Sand in die Augen gestreut, denn niemand redet heute noch davon, dass wir Atomkraftwerke durch Kohlekraftwerke ersetzen, dieser Vergleich ist völlig weltfremd und zeigt wie unlauter die AKW-Propaganda abläuft. Zum Einen wollen AKW-Gegner eben keine Kohlekraftwerke sondern erneuerbare Energien, die dann wirklich sauber und nachhaltig sind und zum Anderen ist Atomstrom eben nicht CO2-frei. Der Betrieb eines Reaktors selbst fördert tatsächlich wenig CO2, aber damit hat es sich eben nicht. Der Uranabbau, Transport der Brennstäbe, Bau und Abbau von Reaktoren bis hin zur noch ungelösten Endlagerung, produzieren eifrig CO2, so dass die Gesamtbilanz alles andere als grün ist. Unter dem Strich produziert Atomstrom doppelt soviel CO2 wie Wasserkraft, wie in nachfolgenenden Links nachzulesen ist. Merkt Euch also, wenn wieder mal ein AKW-Lobbyist sagt, Atomstrom sei CO2-frei, dann belügt er Euch brühwarm.
Neue Studie belegt: Atomkraft ist nicht CO2-frei
Wie CO2-frei sind die AKWs wirklich?

4. Lüge: Erneuerbare Energien sind zu kostspielig
Atomstrom sei ja so günstig, lügt uns die Atomindustrie seit je her vor, was sie uns verschweigt ist unter Anderem, dass der noch relativ tiefe Preis nur deshalb zustande kommt, weil AKW ihre Risiken nicht versichern müssen. Ein Schweizer AKW muss weniger als 1% der Schadenssumme eines Reaktorunfalls versichern! Müsste die Atomindustrie ihre Reaktoren so versichern, wie jeder Schweizer sein Auto, also den Worst-Case Fall abdecken, wäre Atomstrom die mit Abstand teuerste Energieform der Welt. Atomstrom ist faktisch nur deshalb bezahlbar, weil das Risiko ausgelagert wird.
Tagi – AKW-Unfall könnte über 4000 Milliarden kosten
NZZ – Pandoras Atomkraftwerke

Aber es kommt noch dicker, denn einerseits wird erneuerbare Energie aufgrund des Investitionsvolumens von Jahr zu Jahr günstiger, während auf der anderen Seite aufgrund der zuneige gehenden Uranvorräte die Brennelemente für AKW jährlich teurer werden. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis die Bilanz kippt und so wären wir gut beraten, in die Zukunft zu schauen wenn es darum geht, in welche Technologie wir diese Milliarden stecken, die wir in den nächsten Jahrzehnten investieren müssen.
UNEP-Bericht: Investitionsboom in Erneuerbare Energien – Alternative zu Atomenergie

5. Lüge: Erneuerbare Energien sind nicht effizient genug
Um uns diese Risikotechnologie wider aller Vernunft doch noch anzudrehen, wird nach üblich politischem Muster vorgegangen, man diffamiert den Gegner resp. in diesem Fall die konkurierende Technologie. Erneuerbare Energie sei nicht effizient genug, wird uns gebetsmühlenartig vorgepredigt. Auch da zeigt sich die Rückwärtsgewandtheit der Stromindustrie, denn die Effizienz von erneuerbaren Energien nimmt von Jahr zu Jahr zu. Die Wirksamkeit von Solarstrom hat sich beispielsweise im Vergleich zur Anfangszeit verzehnfacht und neue Technologieformen werden erfunden, eine nach der Anderen. Solarenergie, Windenergie, Biomasse, Geothermie, Gezeitenkraftwerke, herkömmliche Wasserkraft, die Liste von Technologien ist riesig und die Effizienz nimmt von Generation zu Generation zu. Es ist eine Frage der Investitionen, je mehr wir in diese Technologien investieren, umso effizientere Methoden werden gefunden. Aber solange wir die ganzen Entwicklungsgelder weiterhin in Atomenergie stecken, werden wir die Ziele nicht erreichen, hier braucht es den Willen zur Veränderung. Die Technologien sind da, es liegt an uns, in diese zu investieren.
Effizient Strom produzieren
Jetzt zählen nur noch erneuerbare Energien

6. Lüge: Wiederaufarbeitung = Recycling?
Die Atombefürworter behaupten gerne, sie würden Recycling betreiben mit der sogenannten Wiederaufarbeitung von Brennstäben. Was sie dabei verschweigen ist einerseits, dass sie zwar tatsächlich ein wenig Material wiederverwenden können, dass aber das Volumen des Abfalls dabei massiv vergrössert wird und mit den Castor-Transporten nach LaHague und Sellafield weitere Risiken eingegangen werden. Viel schlimmer ist jedoch die gern verschwiegene Tatsache, dass diese sogenannten Wiederaufbereitungsanlagen sowohl in LaHague als auch in Sellafield die Umwelt massiv verseuchen. Infolgedessen ist beispielsweise in der Umgebung von Sellafield die Kinderleukämierate zehn mal höher als im Landesdurchschnitt und in ganz England konnte in Milchzähnen von Kindern Plutonium nachgewiesen werden, das nur in der Wiederaufarbeitung entsteht. Diese sogenannte Wiederarbereitung diente nie dem Recycling sondern militärischen Zwecken, weil man nur so waffenfähiges Plutonium herstellen kann. Wer also im Zusammenhang mit Atomenergie von Recycling spricht, ist ein brutaler Zyniker, weil er die Verseuchung und Krankmachung von Mensch und Umwelt als ökologisch sinnvoll darstellt.
Kinder-Krebsrate und Atomkraftwerke

7. Lüge: Es gibt kein sowohl-als-auch
Die scheniheiligste Lüge ist jedoch die sowohl-als-auch Lüge. Kein Atomlobbyist der nicht blauäugig behauptet, er sei ja total für erneuerbare Energien, er wolle nur neue Atomkraftwerke als Übergangslösung, in der Zwischenzeit könnten wir dann die Stromproduktion mit erneuerbaren Energien aufbauen. Joh ist klaaaaaar, wir sind ja blöd genug das zu glauben. Wenn wir neue Atomreaktoren hinklotzen, haben wir soviel Strom, dass schlicht und ergreifend kein Bedarf mehr da ist für erneuerbare Energien, das heisst, es gibt keinen Anreiz mehr, in diese zu investieren. Hinzu kommt, dass der Bau eines neuen AKWs je nach Schätzung oder Lügerei zwischen 5 und 10 Milliarden kostet, dieses Geld ist dann weg, es steht nicht mehr zur Verfügung für Investitionen in erneuerbare Energien. Es gibt eben kein sowohl als auch, es gibt nur ein entweder oder, weil wir dasselbe Geld nicht zweimal zur Verfügung haben. Die Atomlobbyisten wissen das ganz genau, aber sie halten uns für naiv genug, dass wir ihnen diese Mär abkaufen. Schlussendlich hat das Stimmvolk die Entscheidungsmacht. Entweder wir geben ihnen einen Freibrief für eine Wiederholung des AKW-Risikos oder wir zwingen sie, ihre Milliarden andersweitig zu investieren. Beides können wir nicht haben. Wenn das Volk Ja sagt zu einem neuen AKW, dann wird die nächsten 50-60 Jahre kein Geld mehr in erneuerbare Energie investiert……… und in 50 Jahren werden sie uns dann wieder sagen, wir bräuchten ein neues AKW als Übergangslösung.

Die Propaganda-Heuschrecken der Atom-Lobby
Wie systematisch die Hirnwäsche der Stromproduzenten ist, zeigt sich, wenn man ihren Lobbyisten mal auf die Finger schaut. Einerseits ist etwa ein Drittel unseres Parlaments mit der Atomindustrie verbunden, keine Industrie in der Schweiz hat soviele Lobbyisten und Lakaien in der Regierung wie die Atomindustrie. Ausserdem verfügt die Atomindustrie über ein riesiges Netzwerk von Propaganda-Organisationen wie beispielsweise die AVES, die sich ironischerweise “Aktion vernünftige Energiepolitik Schweiz” nennt und sich den Anschein geben möchte, ein neutrales Forum zu sein – wie auch das Nuklearforum und wie sie alle heissen. Finanziert werden diese Organisationen von der Atomindustrie. Wer wie ich jahrelang Leserbriefspalten im Auge hat, staunt Bauklötze, wieviele Leserbriefe von angeblich privaten Leuten da auftauchen, die nach kurzer Recherche als Handlanger ebendieser Organisationen erkennbar werden. Ich könnte hier eine ganze Reihe von Lobbyisten aufzählen, die ich mittlerweile namentlich kenne, die jahrein jahraus Leserbriefspalten und Diskussionsforen mit ihrem Gewäsch fluten, ohne je zuzugeben, dass sie im Dienste dieser Organisationen schreiben. Auch die Gentech-Industrie verfügt über solche Netzwerke, auch bei diesen kenne ich eine Reihe von Namen, die immer wieder auftauchen. Aber was die Atomindustrie hier abzieht, ist einmalig in diesem Land und es zeigt, mit welch unlauteren Mitteln sie agieren.
Schwarze Liste von Energieorganisationen in der Schweiz
Beobacher: Die Atomlobby macht Dampf
Tagi – Die Atomlobby hat das Parlament fest im Griff

Lesenswerter Artikel über die Lügen der Atomlobby in der FAZ:
Die neun Gemeinplätze des Atomfreunds

Und das Wichtigste zum Schluss, ein Ausstieg resp. Umstieg auf erneuerbare Energien ist möglich, wie beschreibt der Beobachter:
Beobachter: So schaffen wirs ohne AKWs

So, damit schliesse ich für heute und warte nun gespannt auf die Heuschrecken, die hier ihre Standard-Textchen deponieren ;-)

Nachtrag: Fortsetzung dieses Themas hier:
AKW-Sicherheit – Das Lügengebäude der Atomlobby

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