Politically incorrect since 1966

Streubomben wählen SVP

Streubomben gehören zu den perversesten Waffen die es gibt, man wirft eine Bombe ab, die dann in eine Unzahl von Minibomben zerfällt und ganze Landstriche für eine kleine Ewigkeit zum Minenfeld macht.

Von den geschätzten hunderttausend Toten, die auf das Konto von Streubomben gehen, sind sagenhafte 98% davon Zivilisten!

Deshalb wird diese Waffe international immer mehr geächtet, eine Mehrheit der Länder hat 2008 ein internationales Abkommen unterzeichnet, das Streumunition verbietet – auch die Schweiz hat beschlossen, dieses Abkommen zu ratifizieren – der Bundesrat war dafür, das Parlament war dafür……….

…… aber die SVP, die sich selbst zynischerweise Volkspartei nennt, hat einen Rückweisungsantrag gestellt und man glaubt es kaum, eine knappe Mehrheit der Sicherheitskommission des Nationalrats hat den Antrag nun angenommen und damit das Munitionsverbot blockiert.

Wir brauchen Streumunition, sie ist ein hocheffizientes Verteidigungsmittel“, sagte SVP-Nationalrat Ulrich Schlüer…… Streubomben? Verteidigung? 98% der Toten sind Zivilisten? Was in aller Welt haben die geraucht?
Tagesanzeiger: Wir brauchen Streumunition”

Also jetzt mal langsam. Verteidigung findet statt, wenn man angegriffen wird, was in der Regel im eigenen Land geschieht, wir sind ja selten alle zusammen im Ausland und können dort angegriffen werden. Wenn wir also hier angegriffen werden, inwiefern dienen uns dann Streubomben, mit denen wir ganze Landstriche in Minenfelder verwandeln können? Umwieviel besser wird unsere Landesverteidigung, wenn wir auch nach einem allfälligen Krieg noch Jahrzehntelang immer mal wieder Einzelteile von Kindern einsammeln müssen, die beim Spielen auf dem Feld von einer Streubombe zerfetzt wurden?

Wen wollen die verarschen? Um Landesverteidigung geht es garantiert nicht, Streubomben sind Angriffswaffen und keine Verteidigungswaffen, sie .treffen zu 98% nicht militärische Ziele sondern legen einfach die Zivilbevölkerung in Schutt und Asche und sie machen ganze Gebiete für lange Zeit zu Todeszonen. Wem dient das, dem Volk? Oder geht es da nicht eher einmal mehr um die Interessen von finanzstarken Firmen, diesmal aus der Rüstungsindustrie?
Tagesspiegel: Streumunition – Investitionen in den Tod

Bedenklicherweise ist es nichts Neues, dass die SVP im Dunstkreis von Tötungsgerät anzutreffen ist. Dass sie einen Hang hat zum freien Waffenerwerb, ist soweit ja allen klar. Weniger bewusst dürfte es den Leuten sein, dass SVP-Guru Christoph Blocher vor einigen Jahren im Scheinwerferlicht stand, weil er Teilhaber war an der “Ems-Patvag”, die seiner “Ems-Holding” unterstellt war. Die Patvag stellte Zünder für “Airbags” her – im weitesten Sinn – ein Teil davon wurde nach Singapur verschachert und dort zum Bau von Personenminen verwendet:
NZZ: Du sollst nicht verstümmeln
Da wundert es einem nicht so wirklich, dass die SVP chronisch gegen Einschränkungen der Waffenexporte ist – ein Schelm wer da Böses denkt.

Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass die Partei, die sich Volkspartei nennt und ständig eine allesvernichtende Bedrohung durch böse böse Ausländer an die Wand malt, das Ausländerproblem im Ausland mit Personenminen löst und im Inland mit Streubomben – sowas nennt man dann wohl Realsatire.

Aber wir kennen das ja, früh übt sich wer gross werden will. Bekanntlich verfolgt die SVP ja ihre “Strategie 51 Prozent“, die das Ziel hat, mindestens 51% des Parlements zu beanspruchen. Denn wenn es die SVP dank dem millionenschweren Propaganda-Budget wirklich schafft, dann können sie ihre parteiinterne Diktatur landesweit betreiben – spätestens dann brauchen sie vielleicht wirklich Streubomben – eine rechte Diktatur muss schliesslich gegen die Feinde im Volk gewappnet sein.

Dieses Wochenende sind Wahlen, bleibt zu hoffen, dass das VOLK diesen Gesellen nicht schon wieder noch mehr Macht verleiht. Andernfalls – kauft’s Regenschirme – da kommt wohl noch einiges auf uns zu.

Himmel, SVP!!!! Was heisst “WIR brauchen Streubomben”? Wir, das Volk, brauchen DAS nicht, echt nicht!!!
YouTube: Streubomben – Krieg nach dem Krieg 1/2
YouTube: Streubomben – Krieg nach dem Krieg 2/2

UPDATE: gemäss Facebook-Seite “Streumunition Schweiz” haben folgende Nationalräte gegen die Ratifizierung und damit für eine Schweiz mit Streubomben gestimmt – man darf das ruhig als Nicht-Wahlempfehlung verstehen:

SVP
Roland Borer SO
Toni Bortoluzzi ZH
Thomas Hurter SH
Christian Miesch BL
Yvan Perrin NE
Ulrich Schluer ZH
Bruno Zuppiger ZH

FDP
Edi Engelberger NW
Sylvie Perrinjaquet NE
Peter Malama BS
Walter Müller AG
Corina Eichenberger-Walther AG

CVP
Jakob Buechler SG
Arthur Loepfe AI
Pius Segmüller LU

“Geschlechtsumwandlungen” bleiben im Leistungskatalog

“Unnötige medizinische Massnahmen” wie “Geschlechtsumwandlungen” und Abtreibungen sollen aus dem Leistungskatalog gestrichen werden, forderte SVP-Nationalrat Peter Föhn in einer Motion, gefolgt von einer Meute “christlich-konservativer Politiker”, die das gleich mit einer Volksabstimmung durchsetzen wollen. Während Zweiteres noch aussteht, wurde Ersteres nun im Nationalrat mit 81 zu 67 Stimmen bei 6 Enthaltungen abgelehnt, nicht zuletzt weil es ein Verstoss gegen die europäische Menschenrechtskonvention wäre. Soweit gute Neuigkeiten für Betroffene, für die geschlechtsangleichende Massnahmen die einzige Überlebenschance sind. Trotzdem hinterlässt diese Episode einen bitteren Nachgeschmack, in Anbetracht davon, dass unsere sogenannt bürgerlichen Politiker überhaupt auf diese menschenverachtende Idee kamen und wie sie dabei argumentierten. Und es ist eindrücklich, dass einzig die SVP kollektiv dafür war, dass man transsexuellen Menschen zukünftig notwendige medizinische Leistungen verweigert.

Es gibt keine Geschlechtsumwandlungen

Beginnen wir kurz mit der Terminologie: Niemand wandelt sein Geschlecht um, das ist nicht möglich und wird auch kaum von jemanden gewollt. Es zeigt sich bereits in dieser Wortwahl, dass die Initiatoren sich nie ernsthaft mit diesem Thema beschäftigt haben. Transsexuelle Menschen ändern nicht das Geschlecht sondern passen das Äussere dem eigenen Geschlecht an. Die Gewissheit um das eigene Geschlecht ist unumstösslich und in der Hirnanatomie unveränderbar festgelegt, aber der Rest des Körpers hat sich nicht in dasselbe Geschlecht entwickelt wie “das Ich”.

Unnötige medizinische Leistung?

Transsexualität führt zu einem unvorstellbaren Leidensdruck, Betroffene gehen psychisch und emotional zugrunde und überdurchschnittlich viele begehen früher oder später Suizid. Transsexuellen Menschen kann nur auf eine Weise geholfen werden, mittels Hormontherapie und genitalangleichender Operation. Deshalb wurde “Transsexualismus” auch von der Weltgesundheitsorganisation als Krankheit eingestuft und ist infolgedessen im Leistungskatalog der Grundversicherung eingeschlossen. Entgegen weit verbreiteter Vorstellung ist Transsexualität kein selbst gewählter Lifestyle sondern ein Leben mit unerträglichem Leidensdruck. Durch diese geschlechtsangleichenden Massnahmen stabilisiert sich der Gesundheitszustand der Meisten erheblich, was längerfristig zu Kostenmilderung führt, weil deutlich weniger Folgekrankheiten entstehen.

Kostenübernahme durch Krankenkasse?

Dabei werden gerne wirrste Zahlen herumgereicht, 80-100’000 Franken soll eine “Geschlechtsumwandlung” kosten. In Wirklichkeit belaufen sich die Kosten der genitalangleichenden Operation beispielsweise am Zürcher Universitätsspital auf weniger als 20’000 Franken inklusive dem zweiwöchigen Spitalaufenthalt. Darauf folgt noch eine kleine Operation und ein paar Nachuntersuchungen, insgesamt dürfte es um die 30’000 Franken sein für die gesamte Behandlung. Die Hormone die dann zeitlebens noch gebraucht werden, sind so günstig, dass man damit nicht mal die Franchise überschreitet, fallen also nicht mehr ins Gewicht. In Anbetracht davon, dass nicht behandelte Transsexualität zu umfangreichen Folgeerkrankungen und damit hohen Kosten führt, ist eine Nichtbehandlung deutlich kostspieliger. Wenn ich mich selber als Fallbeispiel nehme, dann hatte ich vorher fast ein Jahrzehnt wöchentlich eine Psychotherapiestunde zu 160 Franken. Seit Abschluss meiner “Transition” gehe ich noch alle 2 Monate einmal, weil’s mir einfach gut geht im Gegensatz zu den vier vorherigen Jahrzehnten.

Sexuelle Verstümmlung und Suizid?

Bei Geschlechtsumwandlungen würden Menschen sexuell verstümmelt,
und viele nähmen sich später das Leben.
(Doris Fiala)

Erschreckende Unwissenheit demonstrierte FDP-Nationalrätin Doris Fiala mit obigem Zitat. Wenn Menschen nach jahrzehntelangem Leiden dank genitalangleichener Operation leidensfrei sein können – und das geschieht in der Regel – dann ist es einfach zynisch, da von sexueller Verstümmlung zu reden, das ist einfach absurd in Anbetracht der Lebensrealität transsexueller Menschen. Dr. Udo Rauchfleisch, der am Basler Universitätsspital über hundert Transsexualitätsbetroffene behandelt hat, schreibt in seinem Buch “Transsexualität – Transidentität“, dass von all denen nur eine Betroffene diese Behandlung bereut hat, allen Anderen würde es bedeutend besser gehen. Dasselbe gilt für den Suizid-Mythos. Das Suizidrisiko nimmt in der Regel deutlich ab, weil Betroffene erstmals mit sich im Reinen sind und eine “Behinderung” weggefallen ist. Um es deutlicher zu sagen: Wäre diese unsägliche Motion angenommen worden, wäre die Suizidrate in Zukunft garantiert deutlich höher – eine Annahme hätte Menschen in den Tod getrieben!

Aber immerhin gibt es auch im Parlament ein wenig Restvernunft, wie aus dem Einspruch von Margret Kiener-Nellen zu entnehmen ist:

Als Anwältin begleite ich, mit den entsprechenden rechtlichen Massnahmen und Verfahren, seit fast dreissig Jahren solche Geschlechtsumwandlungen. Ich kann bestätigen, dass diese Klientinnen und Klienten mit den Operationen alle sehr glücklich und zufrieden sind. Den Tatbestand, den Frau Fiala angesprochen hat, kenne ich nicht. Meine Frage haben Sie vielleicht schon beantwortet: Gibt es dazu Langzeitstatistiken? Meines Erachtens gibt es das nicht. Ich wüsste auch nichts von einer erhöhten Suizidrate bei diesen Personen.

(Margret Kiener-Nellen)

Wer bestimmt den Krankheitswert?

Ich finde es ehrlich gesagt erschreckend, dass Politiker sich plötzlich Rosinen aus dem Leistungskatalog picken und bestimmen wollen, welches Leiden Krankheitswert hat, was behandlungswürdig ist und überhaupt, was Krankheit ist. Aber ist es Aufgabe der Politiker, Diagnosen zu stellen und Behandlungen festzuschreiben oder ist es nicht Aufgabe von Wissenschaft und Medizin, das festzulegen? Die Weltgesundheitsorganisation WHO bestimmt, was als Krankheit gilt und was für Behandlungen angebracht sind. Dabei stützen sie sich auf medizinisches Wissen. Was als Krankheit gilt, ist vorallem vom Leidensdruck abhängig, der ist bei Transsexualität gegeben.

Schwarzpeter-Spiele der Bürgerlichen?

Wenn man bedenkt, dass mit dieser geplanten Hilfeverweigerung in Anbetracht der wenigen Fälle nicht mal ein Promille der Krankenkassenprämien eingespart würden, fragt man sich schon, was für Schwarzpeterspiele da gespielt werden in Bundesbern. Parallelimporte, die zu tieferen Medikamentepreisen geführt hätten und ein riesiges Sparpotential im Milliardenhöhe gewesen wäre, wurde von den sogenannt Bürgerlichen lange bekämpft. Muss man hier wieder mal ein schwarzes Schaf postulieren und schlachten um zu zeigen, dass man doch irgend etwas tut für tiefere Krankenkassenprämien? Wenn ich dann noch erlebe, dass die Initiatoren dieser Alibiübung auf Kosten Anderer nicht mal wissen worum es eigentlich geht und was sie da fordern – und warum – dann gibt mir das schon arg zu denken. In beispielhafter Weise demonstrierte das Peter Föhn anlässlich eines Rundschau-Interviews, als er den Grund für seine Motion wiefolgt zu erklären versuchte……. o-Ton, kann hier auf 6:00 Minuten mitgehört werden……..

Die Geschlechts…….äh…. Umwandlungen streiche ich vorallem auch….. dann…….. nach ähmä???…… pffff, ja vielleicht….. ein ethischer Hintergrund….. ein…… religiöser Hintergrund für mich haben…… bei dem ich sage: ist das wirklich notwendig……. und ich stelle als Politiker jetzt einfach diese Frage laut in den Raum.
(Nationalrat Peter Föhn)

Ich war echt erschüttert, als ich dieses Interview sah, dieser Mann erklärt, warum er Menschen wie mir das Leben verweigert und hat so eine unbeholfene Erklärung dafür – ethischer Hintergrund – ja, das Überleben Betroffener steht auf dem Spiel………. danke an die Parlamentsmehrheit, dass sie dieses Spiel nicht mitgespielt haben.

Diskussion im Parlament: Wortmeldungen

Klartext: “Wir sind Helden” sind im Bild

Bisher war die Band “Wir sind Helden” mehr vom Namen her ein Begriff, aber seit heute sind sie für mich wahre Helden, weil sie vorzeigten, was gelebte Ethik ist. Und das kam so…….

Die Bildzeitung ist ein gefährliches politisches Instrument – nicht nur ein stark vergrößerndes Fernrohr in den Abgrund,
sondern ein bösartiges Wesen, das Deutschland nicht beschreibt, sondern macht. Mit einer Agenda.
(Wir sind Helden)

Ihr kennt ja Bild (oder in der Schweiz Blick), dieses Boulevard-Blatt, das jahrein jahraus billige Polemik für den dummen Menschen produziert. Sie fallen vorallem dadurch auf, dass sie null Information mit viel Dreck, Kot und anderen Ausscheidungen produzieren, sie führen Kampagnen-Journalismus, bei dem man irgend eine grad unbeliebte Person, Minderheit oder sonstige “Randständige” ins Visier nimmt und mit allem auf sie ballert, was nicht angebunden ist. Deppen-Journalismus sozusagen, von Idioten, für Idioten. Bild, Blick und Konsorten zeichnen sich dadurch aus, dss sie mit entwürdigenden, beleidigenden oder sonstwie unter die Gürtellinie zielenden Schlagzeilen im Stil von “Transe aus dem Fenster gefallen” Aufmerksamkeit des gewöhnlichen Strassenkleffers (Homo Bellikus) erregen, um dann mit möglichst kurzem Text und möglichst noch weniger Inhalt möglichst viel Volksverhetzung zu betreiben. Idealerweise macht man sich mit despektierlichem Ton über das auserwählte Journalistenopfer her, versucht diese Person oder Volksgruppe möglichst lächerlich zu machen, damit der dumme Leser ganz doll mitlachen kann – wir sind ja ein einig Volk von Umunsbeissenden.

Weil der dumme Mensch braucht sowas, er will sich ja von der Tragik seines eigenen Daseins ablenken und da braucht es einen Zerrspiegel, der ihm seine eigene Dümmlichkeit verzerrt auf Andere projeziert – deshalb muss man auch die Bild-Opfer möglichst verhöhnen und niedermachen, das tut dem einfachen Leser gut – Psychohygiene für Kleingeistige sozusagen. Und damit verdienen sich diese Schundblätter – in Analogie zum Leser – dumm und dämlich. Und so werden sie zu den meistgelesenen Blättern, weil sie so ja irgendwie die Mehrheit füttern. Nein, nicht füttern, mästen, denn mit weiterem Gift aus der Bild-Spritze wird ihr gehässiges und intolerantes Kläffer-Hirn mit noch mehr geistigem Durchfall gefüttert, bis es platzt.

Und hier braucht es Helden, wie “Wir sind Helden”, die sich diesen Brandstiftern öffentlich entgegen stellen und ihnen mal so kräftig die Hosen runterlassen. Die Werbeagentur “Jung von Matt”, die auch für die Hetzschrift “Bild” die Werbetrommel rührt, hat seit einiger Zeit eine Kampagne, in der irgendwelche Promis oder Normalsterbliche ein Statement abgeben über Bild. Wir sind für alle da, wollen sie uns damit sagen – und merken nicht, dass sie uns damit eigentlich beleidigen. Jedenfalls hat diese Agentur nun die Band “Wir sind Helden” angefragt, ob sie sich auch für die Bildleser zum Affen machen lassen, es sollte sogar für einen guten Zweck sein, joh klaaaahhhr. Die Antwort, die diese Band der Agentur zurück geschickt und auf ihrer Website veröffentlicht habt, ist wirklich ein Wink mit dem Zaunpfahl und in meinen Augen ein glorreiches Bekenntnis für mehr Ethik in der Medienwelt. Die Anfrage der Agentur samt Antwort der Band ist momentan hier zu lesen. Die Antwort selbst kann nicht oft genug wiederholt werden, deshalb dupliziere ich diesen Text hierhin – sozusagen, ganz im guttenberg’schen Sinne, als Plagiat mit Quellenangabe ;-)

Liebe Werbeagentur Jung von Matt,

bzgl. Eurer Anfrage, ob wir bei der aktuellen Bild -​Kampagne mitmachen wollen:

Ich glaub, es hackt.

Die laufende Plakat-​Aktion der Bild-​Zeitung mit sogenannten Testimonials, also irgendwelchem kommentierendem Geseiere (Auch kritischem! Hört, hört!) von sogenannten Prominenten (auch Kritischen! Oho!) ist das Perfideste, was mir seit langer Zeit untergekommen ist. Will heißen: nach Euren Maßstäben sicher eine gelungene Aktion.

Selten hat eine Werbekampagne so geschickt mit der Dummheit auf allen Seiten gespielt. Da sind auf der einen Seite die Promis, die sich denken: Hmm, die Bildzeitung, mal ehrlich, das lesen schon wahnsinnig viele Leute, das wär schon schick… Aber irgendwie geht das eigentlich nicht, ne, weil ist ja irgendwie unter meinem Niveau/evil/zu sichtbar berechnend… Und dann kommt ihr, liebe Agentur, und baut diesen armen gespaltenen Prominenten eine Brücke, eine wackelige, glitschige, aber hey, was soll’s, auf der anderen Seite liegt, sagen wir mal, eine Tüte Gummibärchen. Ihr sagt jenen Promis: wisst ihr was, ihr kriegt einfach kein Geld! Wir spenden einfach ein bisschen Kohle in eurem Namen, dann passt das schon, weil, wer spendet, der kann kein Ego haben, verstehste? Und außerdem, pass auf, jetzt kommt’s: ihr könnt sagen, WAS IHR WOLLT!

Und dann denken sich diese Promis, im Rahmen ihrer Möglichkeiten, irgendeine pseudo -​distanziertes Gewäsch aus, irgendwas “total Spitzfindiges”, oder Clever-​ Unverbindliches, oder Überhebliches, oder… Und glauben, so kämen sie aus der Nummer raus, ohne ihr Gesicht zu verlieren. Und haben trotzdem unheimlich viele saudumme Menschen erreicht! Hurra.

Auf der anderen Seite, das erklärt sich von selbst, der Rezipient, der saudumme, der sich denkt: Mensch, diese Bild -​Zeitung, die traut sich was.

Und, die dritte Seite: Ihr, liebe jungdynamische Menschen, die ihr, zumindest in einem sehr spezialisierten Teil eures Gehirns, genau wisst, was ihr tut. Außer vielleicht, wenn ihr auf die Idee kommt, “Wir sind Helden” für die Kampagne anzufragen, weil, mal ehrlich, das wäre doch total lustig, wenn ausgerechnet die…

Das Problem dabei: ich hab wahrscheinlich mit der Hälfte von euch studiert, und ich weiß, dass ihr im ersten Semester lernt, dass das Medium die Botschaft ist. Oder, noch mal anders gesagt, dass es kein “Gutes im Schlechten” gibt. Das heißt: ich weiß, dass ihr wisst, und ich weiß, dass ihr drauf scheißt.

Die BILD -​Zeitung ist kein augenzwinkernd zu betrachtendes Trash-​Kulturgut und kein harmloses “Guilty Pleasure” für wohlfrisierte Aufstreber, keine witzige soziale Referenz und kein Lifestyle-​Zitat. Und schon gar nicht ist die Bild -​Zeitung das, als was ihr sie verkaufen wollt: Hassgeliebtes, aber weitestgehend harmloses Inventar eines eigentlich viel schlaueren Deutschlands.

Die Bildzeitung ist ein gefährliches politisches Instrument — nicht nur ein stark vergrößerndes Fernrohr in den Abgrund, sondern ein bösartiges Wesen, das Deutschland nicht beschreibt, sondern macht. Mit einer Agenda.

In der Gefahr, dass ich mich wiederhole: ich glaub es hackt.

Mit höflichen Grüßen,
Judith Holofernes

Die Schweiz und das Recht aufs Töten

Abstimmungen haben für mich immer zwei Seiten. Das Negative ist, dass ich fast ausnahmslos auf der Verliererseite stehe, weil ich – wie mir scheint – zu den Wenigen gehöre, die sich auch ernsthaft Gedanken darüber machen und die gedreschten Parolen hinterfrage. Aber das Positive daran ist, dass mir stets eine Form von Realsatire geboten wird, die – wenn man es schafft, die dahinterliegende Ernsthaftigkeit zu vergessen – doch irgendwie zum todlachen ist. Diesmal sogar wortwörtlich – Zeit für ein kleines bisschen Zynismus.

Es vergeht ja kaum ein Monat, ohne dass hierzulande irgendjemand sich selbst, seine Familie oder jemand der grad so blöd an der Bushaltestelle steht, mit einem Armee-Sturmgewehr abknallt. Wir sind dann immer ein wenig entsetzt, nehmen das aber hin, wir sind ja neutral hier in der Schweiz. Und wenn dann halt mal wie im Fall Hönggerberg eine 16-Jährige zum Bauernopfer eines Miliz-Armee Mythos wird, dann dient das ja irgendwie auch der Landesverteidigung – im weitesten Sinne.

Wenn sich jemand selber das Hirn aus dem Schädel ballert, mag das ja Privatsache sein, jeder kann selber über sein Leben entscheiden und ein wirklich gewollter Suizid ist auch ohne Sturmgewehr möglich. Aber wenn’s darum geht, dass mal wieder ein jähzorniger Familienvater in seiner Ehre gekränkt ist oder sonst einfach irgendwie mies drauf ist, dann ist der Finger einfach schneller gekrümmt als dass jemand mit einem Küchenmesser in Gedärmen rumwühlt. Das mein ich jetzt nicht satirisch, das ist wirklich so. Mit einer Schusswaffe hat man keinen direkten Körperkontakt, die Hemmschwelle ist viel tiefer als wenn man “Hand anlegen muss”. Und dann sind eben solche Amokläufer und sonstwie Durchgeknallte, die mit so einer Waffe nunmal mehr Schaden anrichten können als wenn sie mit dem Dosenöffner rumrennen.

Das Schweizer Volk konnte jetzt abstimmen, ob das Waffengesetz verschärft wird, im Wesentlichen wäre es darum gegangen, ob die gefühlten zehntausend Milliarden Sturmgewehre griffbereit in Wohnungen oder eingeschlossen in Zeughäusern rumstehen. Militärisch machen die ja eh keinen Sinn, wer glaubt, im Kriegsfall würde jeder sein Gewehr nehmen und wie Rambo allein durch Strassenschluchten rennen und den Feind niedermachen, der hat echt die falschen Filme gesehen. Aber es ist eben Tradition hierzulande und für etwas Tradition opfern wir gern mal ein paar niedergeschossene Familien. Und wer wie im Fall Hönggerberg an der Bushaltestelle niedergeschossen wird, weil ein psychisch gestörter Soldat private Schiess-Weiterbildung betreibt, darf sich ja dann immerhin als Märtyrerin einer schweizerischen Tradition wissen. Ihr wisst schon, Landesverteidigung und so.

Eigentlich braucht niemand ein vollautomatisches Sturmgewehr bei sich zuhause, ausser potentielle Amokläufer und Männer, die ihre Familie nicht im Griff haben. Aber soviele von denen wird es ja wohl hoffentlich nicht geben, also wer in aller Welt hat dann Ja gestimmt, wer wollte dass diese gefühlten hunderttausend Milliarden Gewehre hier rumstehen – und wozu?

Ich erinnere mich noch an meine Kindheit, mit welch diebischer Freude ich mit dem Karabiner meines Vaters auf dem Dachstock rumspielte, mit etwas Übung konnte ich sie sogar durchladen. Zum Glück war keine Munition drin, sonst könntet Ihr das hier jetzt wohl nicht lesen. Aber echte Schweizer brauchen sowas, ein Mann ist erst ein Mann, wenn er eine Flinte hat, stimmts? Ok, zugegeben, ich habe selber eine Pistole zuhause, aus alten Zeiten als ich noch jung und verrückt war. Aber ich würde jederzeit Ja sagen zu einer gesamtschweizerischen Entwaffnung und würde Meine mit Freude abgeben.

Witzig daran ist, dass wir Mädels die Jungs hätten überstimmen können. Aber scheinbar gabs da keine Mehrheiten. Wer von uns als Nächstes erschossen wird, wissen wir ja nicht, jede von uns könnte es sein – wir wissen nur, dass sich Schweizer Armeewaffen häufiger gegen Frauen richten als gegen Kriegsfeinde. Ok ich bin da weniger in Gefahr, ich bin mit nem Mädel zusammen und Mädels erschiessen in der Regel niemanden und ausserdem ist sie ja Deutsche und die wurden vor fünfzig Jahren entwaffnet. Naja, wenn ich an Bushaltestellen stehe trifft’s vielleicht doch mich oder wenn ich mal wieder von SVP-Sympathisanten Morddrohungen bekomme, muss ich mir da doch etwas Sorgen machen.

Aber mich triffts eh nicht – denken wir ja alle – auch die, die bereits erschossen wurden – und auch die, die als Nächstes dran sind.

Ich frage mich was für ein Gefühl das ist für die Ja-Stimmer, wenn die nächste Familie mit einer Schweizer Armeewaffe erschossen wird. Ob da sowas wie Schuldgefühl aufkommt? Naja, man findet ja eh immer Ausreden, den Leuten wird da schon was einfallen. Abgesehen von den Opfern, denen fällt dann nix mehr ein, die liegen dann nur noch blöd rum und bluten die ganze Wohnung voll.

Direkte Demokratie ist schon was Seltsames, man kann sich damit sogar sein eigenes Grab schaufeln und merkt es nicht mal. Seltsam, nicht?

Zum Nachdenken – wenigstens im Nachhinein:
Jedes vierte Familiendrama passiert mit Armeewaffe
Gesucht: 30’000 Munitionsdosen der Armee
Mit Armeewaffe angeschossen
90 Tote durch Suizid mit Sturmgewehr

Und hier noch ein paar Beispiele zum heiteren Umgang mit Schweizer Armeewaffen…….

23. Nov. 2007: Ein 21-jähriger Soldat erschiesst in Zürich-Höngg mit seinem Armee-Sturmgewehr eine 16-Jährige. Am 27. wird er verhaftet.

13. Aug. 2007: Im neuenburgischen Montmollin erschiesst ein 67- jähriger Mann seine 52-jährige Ehefrau und dann sich selbst mit einer Militärpistole.

12. April 2007: In einem Hotel in Baden schiesst ein Mann mit seinem Armee-Sturmgewehr und seiner Taschenmunition um sich und tötet dabei einen Mann. Drei weitere Personen wurden verletzt. Der Täter kann festgenommen werden.

21. März 2007: In Chur erschiesst ein 29-Jähriger eine 21- jährige Frau mit einem Sturmgewehr. Danach wird er fest genommen.

30. April 2006: Die ehemalige Skirennfahrerin Corinne Rey-Bellet und ihr jüngerer Bruder Alain werden in Les Crosets VS vom getrennt lebenden Ehemann mit dessen Dienstpistole erschossen. Anschliessend begeht der Täter Selbstmord.

5. Juli 2004: Ein Kadermann der Zürcher Kantonalbank (ZKB) erschiesst nach einem Konflikt am Arbeitsplatz in Zürich zwei Vorgesetzte mit seiner Armeepistole und richtet sich selber.

25. April 2003: In Buchillon VD erschiesst ein 27-jähriger Mann mit einem Armee-Sturmgewehr 90 seinen Vater.

4. Jan. 2003: Ein Jugendlicher erschiesst mit einem Sturmgewehr in Courtemautruy JU versehentlich einen Kollegen. Der junge Sportschütze hatte die Armeewaffe vom lokalen Schützenverein erhalten, die Munition hatte er entwendet.

19. April 2002: In St. Gallen erschiesst ein 21-jähriger Mann seine Mutter und seine Grossmutter mit dem Sturmgewehr.

19. Feb. 2002: In einem Pornokino in Lausanne schiesst ein arbeitsloser Mann mit seinem Sturmgewehr um sich, tötet einen Mann und verletzt zwei weitere, bevor er sich erschiesst. Unklar bleibt, ob es sich um eine private oder um eine Armeewaffe handelte.

Beim Amoklauf im Kantonsparlament in Zug am 27. September 2001, bei dem 14 Menschen starben, verwendete der Amokschütze Leibacher zwar Armeewaffen, die er aber persönlich erworben hatte. Er hatte keinen Militärdienst geleistet.

Das Kapitel Verrücktes

Schon im Kapitel ‘Lustiges’ gibt es so Vieles über das man lachen kann, aber es gibt in der Welt soviel Verrücktes, das nicht nur einfach lustig ist sondern total bekloppt. Diese zwei Kapitel dürften schwer zu trennen sein, mal schauen ob es mir gelingt. Ich denke, hier wird am ehsten das auftauchen, was ich “Real-Satire” nenne, wenn die Welt oder ihre Einwohner sich so verblödet anstellen, dass es aller Tragik zum Trotz einfach zum todlachen ist.

Vieles aus dem Bereich der Realsatire ist politischer Natur, das wird dann in der Regel auch eher im Kapitel “Politisches” abgehandelt. Aber es gibt genug Verrücktes, das man in den Medien aufschnappt, das gehört dann hier hin.

Das Kapitel Politisches

Ich durchwanderte die Kriege, sah die Angst und das Verderben.
Und ganz gleich ob Krieg – ob Frieden,
Egoismus – blinder Hass, war doch immer hier zu gegen.
(Lacrimosa – Strasse der Zeit)

Menschen werden manipuliert, Tag für Tag, von Medien, von Mitmenschen und mehr als alles Andere von der Politik. Mein Hang, alles zu hinterfragen, hat mein Auge geschärft und meine Menschenkenntnisse, die nicht zuletzt Folge meiner durch meine transsexuelle Vergangenheit erforderte Beobachtungsgabe ist, verhilft mir hie und da einen Blick hinter die Kulissen. Da scheint mir ein grosser Bedarf an Aufklärung zu sein.

Unzählige Male habe ich erlebt, wie Menschen ihr Recht auf Demokratie wahrnehmen, ohne dazu fähig zu sein. Unzählige Male erlebte ich, wie ein ganzes Volk vom Bauch her wusste wo es lang geht, sich aber schlussendlich doch durch die Hirnwäsche der Lobbyisten und Propagandisten über den Tisch ziehen liess.

Im Speziellen darf davon ausgegangen werden, dass sogenannt bürgerliche Politiker und Rechtspopulisten im Stil von SVP und EDU hier ab und zu mal auf die Ohren bekommen. Die politische Rechte hat in der Schweiz bereits einen Drittel des Volkes vergiftet und so halte ich es für dringend notwendig, hier mit dem mahnenden Finger aufzutreten.

In diesem Kapitel wird mit harten Bandagen gekämpft, hier werden Masken vom Gesicht gerissen, hier werden schallende Ohrfeigen verteilt, mal ironisch, mal sarkastisch, mal zynisch, je nachdem was angebracht ist.

Ich bin der brennende Komet
der auf die Erde stößt
der sich blutend seine Opfer sucht
Ich bin der lachende Prophet
der eine Maske trägt
und dahinter seine Tränen zählt
(Lacrimosa – Der brennende Komet)

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