Politically incorrect since 1966

Software entwickeln kann auch spassig sein

….. oder: die Sache mit den Büudläni :-)

Zugegeben, ich bin schon ein verrücktes Huhn, da verrate ich kein grosses Geheimnis. Schon als Kind sagte man mir, ich sei eine Fabrik für Unsinn, weil ich so oft spontan auf die blödsten Ideen komme und im speziellen einen Hang dazu habe, Leute auf humorvolle Weise zu irritieren, indem ich etwas tue, womit man nicht rechnet – mehr darüber dann ein anders Mal. Da ich den ganzen Tag wie wild vor mich hinprogramiere, drückt das natürlich auch dort ab und zu durch, so wie letzte Woche, während ich an meinem neusten Meisterstück herumprogrammierte – und das kam so……..

Unser Teamchef ist Berner, Bärner würde er sagen und hier in der Schweiz haben wir eine Menge Spass daran, dass jeder Dialekt anders klingt und nur zu oft klingt es für die Ohren “Aussenstehender” saulustig. Ich liebe diese sprachliche Vielfalt, es macht die Gespräche so vielfältig und lebendig und so machmal ist es halt eben auch lustig…… Das Berndeutsch ist zumindest für uns in Zürich in vielfacher Weise ulkig, am meisten amüsiert jedoch, dass Berner oft aus einem ‘l’ ein ‘u’ machen, wenn das ‘l’ nicht am Anfang steht. Ein ‘Löffel’ wird so zu einem ‘Löffu’ oder ein aus dem hündischen ‘bellen’, das wir in Zürich ‘bällä’ nennen, wird dort natürlich ein ‘bäuä’ und einem Jungen, in Zürich ‘Bueb’ genannt, wird dann ein ‘Büubu’, cool hä? Kürzlich amüsierten wir uns köstlich über eine spezielle Formulierung, die einfach prächtig ist. In der Schweiz wird ja gern verniedlicht, indem man ein ‘li’ hintenan stellt, man macht alles etwas kleiner, wohl weil unser Land so klein ist. So wird aus einem ‘Bild’ halt ein ‘Bildli’ oder in Bern eben ein ‘Büudli’. Das allein wär für uns schon lustig genug, aber der Hammer kam, als unser Chef das mal in der Mehrzahl verwendete, denn dann wurde daraus ein ‘Büudläni’…….. und Dianchen schmiss sich fast weg deswegen, es lief ihr tagelang nach, dieses ‘Büudläni’ und so kam irgendwann, was kommen musste……..

Nun muss ich noch einschieben, dass ich seit je her eine Leidenschaft habe, ich bringe Computer gern dazu, idiotische Dinge zu tun. Im Speziellen mag ich es, wenn Programme bedeppte Meldungen von sich geben. Dieser Hang zur Realsatire brachte mich früher mal dazu, sämtliche Texte meines Betriebssystems zu hacken, so dass dann beispielsweise bei einem Halt nicht stand: “Bitte eine Taste drücken”, nein, mein Computer meldete bei der Gelegenheit: “Bitte kräftig furzen”. Das mag doof sein, sogar saudoof, aber ich hab unglaublich Spass dabei, vorallem wenn Andere nichts davon wissen und das dann zum ersten Mal lesen :-)

Für mein neues Programm musste ich jetzt ein sogenanntes Context-Menü einbauen, das erscheint, wenn man eine Zeile markiert und die rechte Maustaste drückt, es listet dann eine Reihe von Funktionen auf, die man aufrufen kann wie ‘Zeile löschen’ und so Kram. Naja, da war dann halt noch ein Menüpunkt dabei um Bilder einzufügen und zu löschen – Büudläni eben……. *unschuldigguckt*…….. tja, dann ging’s halt los mit meinem Übermut und mein Chef bekam dann das Programm in dieser Form zu sehen:

Damit meine germanischen LeserInnen verstehen, was da auf breitestem ‘bärntütsch’ steht, übersetz ich das mal, wobei ich bei der Formulierung zugegebenermassen sehr sehr freizügig war…… zuerst auf berndeutsch, dann was der Satz zu gut deutsch etwa heisst und dann, was eigentlich wirklich da stehen sollte……

Gäng no ä Position inä tue
Ständig noch eine Position hinein tun (gäng ist nur unvollkommen übersetzbar mit ‘ständig’)
Position einfügen

U dä no ä Varuablä derzuä, gäu
Und dann noch eine Variable dazu, gäll (gäll = stimmt’s)
Variable hinzufügen

I Chübu mit däm Löu
In den Kübel mit diesem Depp (Löu = Löli = Depp oder so)
Zeile löschen

Dr Unternähmer dörf d’Variablä gäng wächslä
Der Unternehmer darf die Variable ständig wechseln
Unternehmer darf Variable wechseln

Dr Unternähmer söu sine Füdlefinger loh vo dere Variablä
Der Unternehmer soll seine “Popofinger” lassen von dieser Variable
Unternehmer darf Variable nicht wechseln

…… und jetzt kommt’s, jauh :-)

Es Büudläni inä näh
Ein “Bilder” hinein nehmen
Bild hinzufügen

Tuä das Büudläni i Chübu
Tu das “Bilder” in den Kübel
Bild löschen

Ich denke, damit wäre der Beweis erbracht, dass Softwareentwicklung gar keine so trockene Angelegenheit ist, da leuchtet soviel Heiterkeit und Menschlichkeit auf – wie im wahren Leben ;-)

So kommt es dann auch, dass man im Programmcode Bemerkungszeilen von mir findet, die den Alltag etwas aufheitern. Bei einem Programmkonstrukt, das so verworren war, dass ich selbst nach mehrmaligem Lesen nicht kapierte, was es eigentlich tut, steht nun neckisch: “gaht’s no komplizierter?”. Oder wenn ich selber mal etwas umstandsbedingt unschön programmieren musste, weil es beispielsweise der Performance dienlich war, steht dann beispielsweise dort: “ja ich weiss, isch grusig programmiert, aber es lauft, das isch d’Hauptsach”……….. und um der Frage zuvor zukommen, nein, wir dokumentieren unseren Programmcode nicht in Schweizerdeutsch – meistens jedenfalls – ausser eben an so Tagen, wenn mir grad mal wieder sauwohl ist :-)

Achja, über meine früheren Sitzungsprotokolle muss ich unbedingt auch mal schreiben……… und was ich als Kind mit Gartentürchen angestellt hab, wär auch mal noch erwähnenswert *hüstel*…….. :o )

Nachtrag: apropos bärndeutsch, hier eine ganz urchige Variante :-)

Gedanken aus der Badewanne – Teil 1

Hach, das Leben kann ja so schön sein, wenn man es denn zulässt. Wie fast jeden Sonntag lag ich vorhin grad eine Stunde lang in der warmen Badewanne, mit kühlem Bierchen zum Ausgleich und entgegen sonstiger Gewohnheiten diesmal mit dem Notebook als Begleitung, der mir diese youTube Playlist von meinem “Cellolehrer” Adam Hurst vorspielte. Wie fast immer bei so Badespässchen schwelgte ich in Gedanken und Gefühlen rum. Das “schweben” im Wasser versetzt einem irgendwie in einen Zustand, den man seit dem Verlassen der Fruchtblase nicht mehr erlebt hat. Einer der heute rumschwimmenden Gedanken veranlasste mich, nun hier diesen ersten Beitrag einer neuen Blogserie zu beginnen…….. der wöchentliche Badewannen-Bericht ;-)

Man ist nur so frei wie man sich zulässt

Vielleicht gerade weil in meinem Leben seit Abschluss meiner “Selbstentfaltung” nicht mehr viel Spektakuläres und Forderndes mehr auftaucht, habe ich endlich den psychisch-emotionalen Freiraum, um auch mein “neues Leben” zu gestalten. Es gibt so Vieles, das ich tun möchte und es ist sowenig Zeit um das zu tun.

Einerseits reisst es mich enorm mit dem Cello, ich glaub ich hab da wirklich etwas gefunden, mit dem ich meine in dieser Lebensphase vorherrschenden Gefühle umsetzen kann, ich hab damit eine Menge Spass, aber es ist einmal mehr eine grosse Herausforderung, die sehr viel Raum beansprucht. Dann träume ich weiterhin davon, endlich mal ein richtiges Buch zu schreiben, aber da fühle ich mich total gehindert, solange zuviel Kram sonst in meinem Kopf rumspukt, das würde einfach mehr Raum brauchen. Und dann ist noch das Blog das ich so gerne regelmässig füttern möchte und auch bei der Arbeit läuft es grad sowas von gut, dass ich auch da voller Enthusiasmus Energie versprühe.

Irgendwie muss ich Prioritäten setzen. Einer der Orte an dem ich Raum freischaufeln kann, ist meine Bloggerei, die in letzter Zeit ja an Regelmässigkeit abgenommen hat. Ich denke, das ist gut so, es wird Zeit, mich vermehrt Anderem zu widmen. Das brachte mich auf die Idee, eine sonntägliche Serie zu beginnen, weil ich am Sonntag am ehsten meinen Ruhetag hab und auch da – eben grad in der Badewanne – oft genug Gedanken zusammen kommen um sie hier umzusetzen. Natürlich werde ich weiterhin hier schreiben, wenn mich was speziell bewegt, aber das alltägliche Blabla werde ich wohl in nächster Zeit auf diese Beadewannen-Beiträge reduzieren.

Diana im Computerfreak-Fieber

Erst grad habe hier ja das Klagelied der untergehenden Computer-Freak Generation besungen und rumgejammert, dass ich mich wieder mal mit so modernen Superhyperwollmilchsau-Komponenten rumschlagen muss anstatt dass ich tue was ich am besten kann, den ganzen Kram selber zu programmieren. Nun kam es wie es kommen musste und die hoffnungsgeschwängerte Komponente hat kläglich versagt, sie bringt nicht annähernd die Performance die wir mit unseren riesigen Datenmengen brauchen würden.

So kam es, dass ich nun doch den Job gefasst hab, das ganze Teil komplett selber zu programmieren, sozusagen von null auf. Und das macht sowas von Spass, da kann ich mal wieder ein richtiges Feuerwerk in meinen Hirnsynapsen fabrizieren. Gestern arbeitete ich den ganzen Tag mit Cellobegleitung in der Firma und programmierte mir die Seele aus dem Leib. Gerade weil diese Art von Knochenarbeit heutzutage immer seltener wird, war es umso mehr ein Genuss. Wenn es so weitergeht wie bisher, wird das eins meiner Meisterwerke, bisher läuft es jedenfalls schnell wie die Sau :-)

Das Cello, die Kuh

Mein eCello ist grad meine beste Freundin abgesehen von meiner liebsten Juliet. Obwohl das nicht selbstverständlich ist, denn das Cello gebärdet sich wie ein frischgefangenes Wildpferd, das zu zähmen wird eine anstrengende Sache. Vorallem diese Vibrato-Geschichte kann einem wirr im Kopf machen. Wie kann man die Hand schütteln ohne dass der gehaltene Gegenstand sich mitschüttelt? Vorallem spür ich aber auch, dass ich enorm gehemmt bin, der Kopf mischt noch immer viel zu sehr mit und so bin ich viel zu verkrampft. Trotz der Widerspenstigkeit dieses Instruments bin ich aber von Tag zu Tag zuversichtlicher, dass wir zu einander finden, ich spüre, dass es genau das ist was ich gesucht habe.

Mal wieder im Pöb

Boah es fühlt sich an wie eine Ewigkeit, seit ich das letzte Mal in meinem Pub war. Juliet und ich hatten ja zwei Wochen Ferien hier und damals sind wir mal ins Pub gegangen, dann war ich im Spital für die Korrektur-Op und anschliessend war ich wochenlang nicht ausgangsfreudig infolge der Op. Darauf hatte das Pub etwa fünf Wochen Sommerpause und dann wiederum hatte ich eine sehr müde Zeit – jedenfalls konnte ich mir diesen Donnerstag mal wieder einen Tritt in den Hintern geben, ging hin und hatte mal wieder einen super Abend. Glücklicherweise arbeitete zufällig meine Lieblingsbarkeeperin und die brachte mich anschliessend nachhause. Diese Woche geh ich vermutlich wieder hin am Donnerstag und eine Woche später kommt ja Juliet in die Schweiz und dann gehen wir zusammen dahin und hören dort ein Konzert einer irischen Band :-)

Mein Buch, Dein Freund und Helfer

Seit langer Zeit spukt mir durch den Kopf, dass ich so gern ein richtiges Buch schreiben möchte. Dabei habe ich aber die Qual der Wahl und das ist alles andere als einfach. Nebst vielen anderen Themen schweben mir vorallem zwei Dinge durch den Kopf.

Das Eine wäre eine Autobiographie, in der ich meine ganze Lebensgeschichte aufarbeiten möchte. Das Buch wird zwei Zeitebenen haben, aus der heutigen Zeit in der Gegenwart geschrieben mit ständigen Rückblicken in die Vergangenheit. Darauf hätte ich mega Lust und ich stell mir das auch sehr spannend vor.

Auf der anderen Seite möchte ich aber auch eine Art Selbsthilfe-Buch schreiben zu dem Thema, bei dem ich Expertin bin, die Selbstentfaltung oder Selbstzulassung. Ich glaube, dass alle Menschen wesentliche Wesensanteile unterdrücken, weil sie sich einfach nicht ganz zulassen können. Man fragt viel mehr danach, wie man sein sollte als danach, wie man ist. Ich glaube, dass ich da sehr viel “Schlaues” vermitteln könnte, gerade weil mein Leben mich dazu gezwungen hat, da Spezialistin zu werden und in Sachen Ich-sein die Königsdisziplin durchlaufen musste.

Heute im Bad wurde das Gefühl sehr stark, dass ich Zweiteres zuerst machen möchte und dass ich eigentlich jetzt damit anfangen möchte. Sowas lässt sich zwar nicht auf Knopfdruck auslösen, aber ich denke, ich werde mich innerlich mal in diese Richtung bewegen, mal schauen was dabei herauskommt.

Entschuldigung an alle “Liegengelassenen”

An dieser Stelle noch eine kleine Entschuldigung an all diejenigen, die auf was weiss ich von mir warten. Ich hab wie immer noch eimerweise Mails in der Mailbox rumliegen, die teilweise schon seit Monaten auf Abarbeitung warten und vorallem im alten Blogtagebuch hat es bereits eine Reihe von Kommentaren, die ich noch beantworten möchte und werte. Aber wie oben erwähnt, habe ich momentan eine recht egoistische Prioritätensetzung. Aber man darf gewiss sein, dass ich all dem noch nachkommen – versprochen ;-)

Noch mehr unterschätzte Supertalente

Erst grad habe ich ja vorgeschwärmt, was für tolle Supertalente man in so Castingshows findet und wie oft man dort lernen kann, dass man Leute nicht aufgrund von Äusserlichkeiten unterschätzen sollte. Diesbezüglich habe ich ein neues Prachtstück entdeckt. Lukas Mattioli wirkt alles andere als selbstbewusst, in der Schule wird er gemobbt und wegen seiner Musik ausgelacht. Er ging vorallem deshalb in die Castingshow, weil er wissen wollte, ob er nun singen kann oder nicht, ob er mit Recht ausgelacht würde oder………… und eine Halle von 10000 Leuten bestätigten ihm, dass die ihn Mobbenden einfach Deppen sind. Eine traumhafte Stimme und ein Gesang der soviel Gefühlstiefe offenbart, dass mir zumindest die Tränen zuforderst standen…… enjoy……

Das Ende der Computer-Freak Generation

Mein Job frustriert mich grad ziemlich, weil ich mich mal wieder mit modernem Quatsch (WPF) herumschlagen muss anstatt das zu tun, was meine Leidenschaft wäre, das Programmieren selbst. Natürlich bin ich als Software-Entwicklerin keine Gegnerin von innovativen Erneuerungen, sonst wäre ich in dieser Branche am falschen Ort. Aber die Technologie mit der ich mich im neusten Projekt herumschlagen muss, zeigt mir einmal mehr was mir seit Jahren immer mehr auffällt. In der Software-Entwicklung findet ein Paradigmenwechsel statt, die Zeit der Computerfreaks neigt sich dem Ende zu zugunsten einer akademischen Software-Entwicklung, die nur noch wenig zu tun hat mit den Ursprüngen der Programmiererei. Und das hält mir vor Augen, dass meine Zukunft in dieser Branche auf wackligen Füssen steht, weil die “rabiate Programmierkunst” der Frühzeit nicht mehr gefragt sein wird in Zukunft. Darüber möchte ich heute schreiben und das wird ein längerer Exkurs, also holt mal wieder Bier und Popcorn, heut wirds wieder mal episch……..

Die Ära der Computerfreaks

Als ich vor dreissig Jahren begonnen habe Computer zu programmieren, da gab es keine predigenden Akademien, keine Lehranstalten, keine Zertifikate, keine Denkdogmen, da gab es einfach nichts ausser eben diesen Computer-Freaks, Leute die fasziniert waren von diesen Computern und mit Leidenschaft begannen, diese Kisten zu den verrücktesten Dingen zu programmieren. Damals gab es keine hochkomplexen Komponenten die man verwenden kann, geschwege denn solche die man verwenden muss, die damaligen Computer und die von uns verwendeten Programmiersprachen konnten nahezu nix. Mit primitivsten Mitteln mussten wir diese Kisten programmieren, alles mussten wir selber erfinden, da war eine ungeheure Kreativität gefragt und man benötigte einen enormen Erfindergeist. Das Programmieren war ein Abenteuer und mit den damaligen Programmiersprachen hatte man die totale Macht über diese Computer. Man konnte einfach alles an ihnen verändern, man konnte sie zu allem “überreden”, aber schon kleinste Fehler konnten die Kiste abstürzen lassen. Man musste echt n’Freak sein für sowas – ich war eine von denen.

Die goldene Zeit der Computerfreaks

Nachdem ich während meiner Jugendzeit in meinem stillen Kämmerchen die verrücktesten Programme schrieb, nicht weil ich sie brauchte sondern einfach weil der Machbarkeitswahn mich beflügelte, lernte ich die Kunst des Programmierens auf tiefster Systemebene. Für Insider: wenn ich mit Basic etwas nicht tun konnte oder es zu langsam war, dann wurde halt mit Assembler weiter entwickelt. Als ich dann eine kaufmännische Lehre machte und mein Informatiklehrer ob meinem Talent so begeistert war, empfahl er mir, mich bei der Firma Telekurs zu bewerben, die damals so ziemlich die einzige Firma war, die Ausbildungen anbot. Ich bewarb mich dort obwohl ich fünf Jahre unter dem Mindestalter war und kriegte den Job, weil es damals einfach kaum Leute gab die programmieren konnten, die staunten Bauklötze, dass da jemand antanzt mit solchen Erfahrungen. Damals war es wirklich verrückt, Informatiker kamen nicht im Schlips mit Aktenkoffer sondern im Jeans-Tshirt Look. Wir konnten nicht so klug reden wie heutige Hochschulinformatiker, aber wir konnten aus diesen Computern einfach alles herausholen. So Technikfreaks waren gesucht, weil es gar keine Alternativen gab, wir waren die Einzigen die diese Kisten im Griff hatten.

Die Freiheit der Programmierdinosaurerier

Damals gab es keine Denkmodelle, niemand sagte wie etwas getan werden muss, man gab uns einfach Problemstellungen und wir programmierten die Lösungen dazu. Es gab keine Dogmatik, es gab nur pure Pragmatik. Was auch immer die Kiste tun soll, ich sorge dafür, dass sie es tut, egal wie tief ich notfalls ins System eingreifen muss, egal wie unorthodox ich vorgehen muss, ich werde die Kiste dazu bringen, dass sie genau das tut was sie soll. Wir lernten nicht aus Schulbüchern und brauchten keine Ausbildungen, wir setzten uns einfach hin und tüftelten rum bis wir es im Griff hatten. Das war pure Freiheit im Denken und es war totale Macht über diese Geräte. Und das coolste war, dass damalige Programmiersprachen so primitiv waren, dass nur wir Freaks das wirklich im Griff hatten. Es gab eben keine komplexen Komponenten, alles wurde selber programmiert, man brauchte sehr vertieftes Wissern, was in einem Prozessor abläuft, man musste auf Du und Du sein mit dem Computer.

Die Weiterentwicklung der Programmiersprachen

Aber gerade weil das Programmieren so kompliziert und aufwändig war, wurden Programmiersprachen weiterentwickelt und wurden immer leistungsstärker. Dinge, für die wir damals seitenlange Programmcodes schrieben, konnten nun mit einem einzigen Befehl ausgeführt werden. Das Programmieren wurde immer einfacher, das war toll, weil man für viel Kleinkram nicht mehr soviel Zeit aufwänden musste und sich so mehr um die Gesamtlogik kümmern konnte. Dadurch wurde das Programmieren aber auch einfacher und die Tür öffnete sich für das was man heute Informatiker nennt. Aber diese Weiterentwicklungen forderten auch ihren Tribut. Diese Programmierbefehle, die immer mächtiger wurden und immer mehr konnten, waren oft so Wollmilchsäue, die sehr viel konnten, meist mehr als man selber brauchte und das ging meist auf Kosten der Performance. Die ersten Generationswechsel der Programmiersprachen (4GL und OOP) hielten sich in Grenzen, man konnte zwar diese Wollmilchsäue benutzen, wenns aber zu langsam war oder nicht genau das tat was es sollte, dann ging man halt eine Stufe näher ans System und programmierte das Zeug selber. Aber je mehr die Informatik akademisiert wurde, umso weniger wurde das zugelassen (z.B. DotNet). Immer mehr setzte sich eine Normierungstendenz ein, etwas, was uns Freaks ein Gräuel war.

Die Machtübernahme der Informatiker

Die Branche wurde immer mehr “professionalisiert”, Informatik wurde nun an Universitäten und Hochschulen gelernt, dort wurden neue Denkdogmen postuliert und die Branche setzte immer mehr auf Hochschul-Informatiker anstelle von Computerfreaks. Das ging soweit, dass man vor etwas mehr als einem Jahrzehnt als Urzeit-Programmierer kaum noch Jobchancen hatte. Ich selber suchte mal monatelang einen Job, bekam diverse Absagen mit der Begründung, ich würde das Anforderungsprofil nicht erfüllen, obwohl ich alle Anforderungen nicht nur erfüllte sondern überbot – bis auf eine, das Hochschulstudium. Ich programmierte seit zwei Jahrzehnten, hatte beste Zeugnisse und Referenzen, aber das zählte plötzlich nichts mehr. Und so veränderte sich die Entwickler-Branche immer mehr, weg vom turnschuhtragenden Computerfreak hin zu schlipstragenden Informatikern. Auch in der Terminologie zeigte sich das. Wir waren damals einfach Programmierer, später nannte man uns dann Analytikerprogrammierer, dann Softwareingenieure, dann Informatiker und und und.

Selbstgemachtes der radikalen Art

Wie gesagt, gab es immer mehr hochkomplexe Programmiersprachen, es gab aber auch immer mehr Zusatzkomponenten die man verwenden konnte, die einem meist sehr spezifische und hochkomplizierte Arbeiten abnahmen. Für viele Problemstellungen gab es sogenannte Middleware, Programmteile die man kaufen konnte, damit man etwas nicht mehr selber programmieren musste sondern nur noch diese Komponente steuerte, damit die das tut, was wir Programmierer von früher selber gestrickt hätten. Vor rund zehn Jahren bekam ich den genialsten Job meines Lebens in einem Startup Unternehmen der ETH Zürich, die sich auf Sprachsynthese spezialisiert hatte, sogenanntes Text-to-speech. Sie hatten ein Programm entwickelt, das Texte liest und diese dann in hörbare Worte übersetzte, also sprechende Computer. Diese Leute waren Sprachspezialisten und brauchten unbedingt jemand, der diesen Sprachsynthese-Kern den Kunden zur Verfügung stellte, sei es auf Handies, Navigationssystemen oder Windows-Computern.

Mein grösster Stolz – mein Client-Server System

Eines Tages kam der Boss und sagte, wir bräuchten ein Client-Server System, also ein System, bei dem ein Server Daten von beliebigen Client-Computern entgegen nahm. Es ging da um die Steuerung von Telefonieanlagen, beispielsweise für Callcenter oder computergesteuerte Telefonsysteme. Das Prinzip war, dass beliebige Computer dem Server Texte schickten, der sammelte die, übersetzte die in Audiodaten und schickte die Audiodaten paketweise zurück an die Clients. Da war Performance die grösste Herausforderung, weil der Sprachfluss nie unterbrochen werden durfte. Mein Boss meinte, ich hätte freie Hand, ich könne jede Middleware einkaufen die ich bräuchte. Naja, ich war ja eine “echte Programmiererin”, ich brauchte sowas nicht. Ich erklärte ihm, dass wir in Anbetracht der hohen Anforderungen das Risiko nicht eingehen können, dieses wichtige Teil von einem Fremdhersteller zu übernehmen, weil wir dann keine Kontrolle haben darüber, was da drin abgeht und vorallem keine Einflussmöglichkeiten haben, wenn das Teil rumzickt. Also kaufte ich mir ein Buch über diese Client-Server Technologie (TCP-IP) und begann mit dem Projekt von null auf. Monatelang programmierte ich daran herum, machte verrückteste Zeittests, änderte die Algorythmen immer wieder und optimierte das System bis zum geht nicht mehr. Am Schluss programmierte ich Testclients, die meinen Server mit Daten fütterten. Schlussendlich lief mein Server tagelang und wurde während dem von allen Firmencomputern permanent mit Daten gefüttert. Für Insider: die Clients hatten ein Multithreading Programm, das bis zu 80 Kanäle simulierte und ständig Daten schickte und Zeiten mass für die Resultatankunft. Als alles fertig war, wurde das System an den Kunden ausgeliefert, an Telefonieanlagen angehängt und lief einwandfrei, ich bekam nicht ein Problem gemeldet. Das ist insofern sensationell, weil ich das nie mit Telefonieanlagen testen konnte, alles lief nur in einer simulierten Umgebung. Aber ich hatte das so im Griff, dass ich garantieren konnte, dass mein Client-Server System in jedem Umfeld funktioniert.

Wenn Fähigkeit zum Makel wird

Diese langatmige Erzählung ist wichtig um diesen nächsten Punkt zu verstehen, denn nun kommt der Hammer. Als ich später wieder einen Job suchte, fand ich eine geniale Stellenausschreibung in einer Firma die Musiker-Anlagen programmierte, das wäre für mich als Musikliebhaberin zu genial gewesen. Eine der vielen Jobanforderungen waren Kenntnisse in Client-Server Programmierung und Multi-Threading Programmierung. Für Aussenstehende: ClientServer kann man sich sozusagen als Computerfernsteuerung vorstellen, MultiThreading bedeutet, das ein Computer mehrere Dinge gleichzeitig tut, was einfach klingt aber kompliziert zu programmieren ist, weil sich parallele Prozesse gegenseitig abschiessen können. Nun denn, ich durfte zum Bewerbungsgespräch und erlebte dort den Beginn des Endes der Computerfreak-Generation in übelster Weise, das klang dann in etwa wie folgt:

  • Er: Wir brauchen jemand mit vertieften Kenntnissen in Client-Server Architektur, Sie schreiben, Sie hätten da Erfahrung?
  • Ich: Ja ich habe in der letzten Firma ein komplexes Client-Server System ganz alleine programmiert.
  • Er: Was für Middleware haben Sie verwendet?
  • Ich: Middleware? Wer braucht denn sowas? Ne ich hab ein eigenes System programmiert, die Anforderungen waren viel zu spezifisch um Middleware zu verwenden.
  • Er: Ah dann haben Sie keine Erfahrung mit Client-Server Systemen?
  • Ich: Doch, ich kann selber eins programmieren, hab das ja schon gemacht und es läuft heute noch einwandfrei
  • Er: Oh das ist schade, wir brauchen jemand mit Middleware Erfahrung,.
  • Ich: *staun*.

Den Job bekam ich nicht, eben weil ich keine Erfahrung habe, haha. Das ist in etwa wie wenn man jemand sucht der Autos reparieren soll und einer kommt der selber Autos gebaut hat und man bezweifelt, dass er was von Motoren versteht. Das ist einfach zu absurd. So wurde meine Stärke zum Nachteil, ich war nicht mehr wertvoll für den Markt, weil ich mehr kann als Andere, cool was?

Computerfreak = nicht vermittelbar

Als ich dann beim RAV antanzte zwecks Stellenvermittlung, wurde mir dort allen Ernstes gesagt, ich sei nicht mehr vermittelbar. Sie hätten unterdessen sogar Informatiker mit Hochschulabschluss die keinen Job finden, ich ohne Abschluss hätte da keine Chance mehr. Dass ich schon Computer programmierte als diese Hochschulinformatiker noch im Sandkasten spielten, zählte nichts und dass ich zwanzig Jahre lange Erfahrung habe, beste Referenzen und Zeugnisse, all das zählte nichts mehr, weil mir Diplome fehlten die bewiesen, dass ich das gelernt habe, was ich zwanzig Jahre lang tagtäglich gemacht habe – wie bekloppt ist das denn? Nun, ich fand dann selber wieder einen Job und arbeite heute noch in dieser Branche.

Wenn die Theorie die Praxis überholt

Aber wie lange wird mir das noch gelingen? In der Informatik will man junge Leute und man will Hochschulabschlüsse. Ich als Frau mit Transsexualitätsstigma, ohne Hochschulabschluss, mit für Informatik zu hohem Alter, da steh ich langsam auf dünnem Eis. Ich kann nicht so klug reden wie die Hochschulinformatiker, ich kenne keine “Design-Patterns” mit denen man Programme in hübsche Denksysteme pfercht, ich kenne keine Middleware die man braucht wenn man’s selber nicht kann, ich kenne nicht all die unzähligen Komponenten die moderne Sprachen bieten und ich kenn nicht all die klug klingenden Begriffe die man heutzutage in der Softwareentwicklung benützt. Ich hab nie theoretische Denkmodelle oder kluge Worte gebraucht, ich tue einfach was getan werden muss und meine Programme funktionieren.

Systematik versus Pragmatik

In meiner Firma habe ich in letzter Zeit einige Programmteile überarbeitet, weil sie viel zu langsam waren. Dabei stellte ich immer dasselbe fest. Die Programme waren absolut logisch aufgebaut, sie waren sehr systematisch, waren sehr ordentlich, aber gerade weil sie so systematisch resp. modular waren, ging die Performance in die Knie. Ich habe all diese Programmteile verschnellert, teilweise um das Zehnfache. Nun sind diese Programme vielleicht etwas weniger hübsch programmiert, etwas weniger systematisch, aus akademischer Sicht vielleicht etwas chaotischer. Aber die sind optimiert auf das was sie tun sollen, sie sind effizient. Dabei merke ich, dass ein Überordnen der Systematik oft zulasten der Performance geht, ich will das an einer kleinen Analogie erklären.

Das Problem mit der bekloppten Tür

Stellen wir uns vor, wir müssen ein Programm schreiben, das verschiedene Dinge tun kann, es muss durch Gänge laufen können, dabei Türen öffnen, Treppen steigen, Dinge holen u.s.w. Wenn jemand systematisch vorgeht, wird er dieses Gesamtproblem in einzelne Module aufteilen, er programmiert ein Modul fürs Gängelaufen, eins fürs Türdurchschreiten u.s.w. Das Modul fürs Türdurchschreiten heisst beispielsweise: Tür öffnen, durchgehen, Tür schliessen. Ist an sich logisch, das Modul in sich abgeschlossen, das ist saubere Programmierung. Nun wird dieses Programm angewiesen, alle Ordner eines Büros zu zügeln. Das arme Programm geht nun durch den Gang, öffnet die Tür, geht hindurch, schliesst die Tür, holt den Ordner, geht zurück, öffnet die Tür, geht hindurch, schliesst die Tür………… arme Tür.

Ich wiederum würde das zu programmierende System eher pragmatisch analysieren, mein Programm würde dann beim Thema Türdurschreitung eher so klingen: Tür öffnen falls sie geschlossen ist, durschreiten, Türschliessen falls ich den letzten Ordner schleppe. Es gäbe kein in sich abgeschlossenes Modul für die Türdurschreitung, mein Programm müsste bei jedem Durchschreiten zusätzliche Abfragen machen, muss wissen ob die Tür offen bleiben soll oder nicht. So zu programmieren ist nicht ganz so modular und aus akademischer Sicht nicht so trendy, aber es ist so effizient wie nur möglich.

Meine oben genannten Optimierungen basierten meist auf genau so Schwächen. In meinen optimierten Programmen finden sich ne Menge offene Türen, aber gerade wenn man mit Ordnern in den Händen hindurchgeht, wird man froh sein darüber, dass die Tür offen geblieben ist. Aber diese unorthodoxe Programmierweise gilt heutzutage nicht mehr als cool, Pragmatik zählt heute nicht mehr soviel wie Systematik – und damit endet das Zeitalter der Computerfreaks.

Das Sterben der Programmmier-Dinos

In Diskussionen merke ich immer mehr, dass meine Denkweise in der modernen Informatik am aussterben ist und es ist anzunehmen, dass dieser Trend anhält. Ich höre immer wieder Sätze im Stil von: “das darf man nicht so machen” und ich bin erstaunt darüber, dass man sich diese Frage überhaupt so stellen kann. Mir ist es mit Verlaub gesagt scheissegal was “man” darf und was “richtig” ist, ich bin ganz pragmatisch, die Lösung drängt einen Weg auf und den gehe ich, egal ob dieser Weg in irgendwelchen Büchern steht. Was zählt ist das Resultat, ich bekomme eine Problemstellung und suche die beste Lösung, ohne mir Gedanken darüber zu machen, ob “man” das so macht oder nicht. Und ich erlebe heutzutage auch immer häufiger, dass man sich in der Softwareentwicklung kaum noch vorstellen kann, dass man komplexe Dinge selber programmieren kann, geschweige denn, dass das Selbstgemachgte besser sein könnte. Die Technikgläubigkeit, die einem vorgaukelt, dass hypermoderne Wollmilchsäue zwangsläufig besser sein müssen als das was man selber programmiert, raubt mir immer mehr das Existenzrecht in dieser Branche.

Intuitive Programmierung und das Geschlecht im Hirn

Ich lese gerade ein Buch über Geschlechtsunterschiede im Gehirn, darüber werde ich demnächst mal ausgiebig hier schreiben. Kurz gefasst gibt es S-Gehirne (systematisch) und es gibt E-Gehirne (empathisch) und es gibt ausgeglichene Mischformen. Männer sind tendenziell eher S-Typen während Frauen eher E-Typen sind. Mir ist schon vor langer Zeit aufgefallen, dass ich völlig anders ans Programmieren herangehe als die Meisten die ich kenne. Ich setz mich sozusagen in die Mitte des Problems und fang an den Raum auszufüllen, die Lösung wächst sozusagen aus mir heraus. Ich mach mir nicht allzuviel Systemüberlegungen sondern programmiere sehr intuitiv. Für Systemmenschen dürfte das eher chaotisch wirken, aber ich sagte schon vor langer Zeit, dass Ordnung etwas für Dilletanten ist, das Genie beherrscht das Chaos ;-) Aber Spass beiseite, ich denke, dass beide Denkweisen Vor- und Nachteile haben. In diesem Buch heisst es beispielsweise, dass Programmieren eher für S-Gehirne etwas ist, das bestreite ich vehement. S-Gehirne können zwar tolle Strukturen bauen, ihre Programme sind modular und logisch und dementsprechend gut wartbar. Aber E-Gehirne haben genauso ihre Vorteile, eben gerade weil sie nicht durch überbordende Systematisierung eingeschränkt sind. Bei mir gibt es kein “das macht man nicht so”, wenn es dem Ziel dient, mache ich es eben so wie es nötig ist, ich bin nicht “man”.

Düstere Prognosen für eine aussterbende Art

Das alles frustriert mich gerade sehr und es macht mir Sorgen. Das Zeitalter der Computerfreaks neigt sich dem Ende zu, eigentlich ist es längst zuende und nur noch ein paar hartnäckige Exemplare weigern sich unterzugehen. Aber die Zukunft sieht düster aus. Ich muss resp. darf vielleicht noch zwei Jahrzehnte in dieser Branche arbeiten und es ist anzunehmen, dass ich früher oder später mal wieder auf Jobsuche sein werde. Ehrlich gesagt, mir graut es vor dem was dann auf mich zukommt. Was für Chancen habe ich bei Bewerbungen, wenn ich beim Begriff “Design Pattern” nur ein müdes Lächeln aufbringen kann, wenn ich weder weiss wie Middleware funktioniert noch gewillt bin, mich durch solche Fremdleistungen einschränken zu lassen? Das was meinen Wert ausmacht, die Fähigkeit, einfach alles und jedes programmieren zu können und überall das Letzte rauszuholen, wird je länger desto mehr nicht mehr gefragt sein. Meine Nonkonformität, die früher als meine grösste Stärke galt, wird immer mehr als Schwäche eingestuft. Und das macht mir Angst. Es mag arrogant klingen, aber ich könnte jedem potentiellen Arbeitgeber anbieten, mir ein beliebiges Programmteil zu geben das zu langsam ist und würde garantieren, dass ich es massiv optimiere. Und man könnte mir eine beliebige Programmoberfläche geben und ich würde die Benutzerfreundlichkeit erhöhen. Aber ich befürchte, dass ich dazu kaum noch eine Chance kriegen würde, weil ich weder Hochschulabschluss habe noch all die klugen Begriffe kenne, so dass man mir schon gar nicht die Gelegenheit bietet um zu beweisen, dass ich so Manches kann, von dem heutige Informatiker nicht mal mehr träumen.

Und das ist in doppelter Hinsicht traurig. Zum Einen bedeutet das für mich persönlich, dass ich in Zukunft einen schweren Stand habe um mich in dieser Branche noch zu behaupten. Zum Zweiten bedeutet das, dass man uns Pioniere vergessen wird. Wir waren diejenigen, die die Informatik auf die Beine gestellt haben, dank uns hat heutzutage jeder seinen PC zuhause, dank uns können Computer heute das was sie können. Aber daran erinnert sich kaum noch jemand, weil Computerfreaks wie ich eigentlich nur noch ein Relikt aus längst vergangenen Zeiten sind.

Nachtrag – gemeinsam sind wir stark

Im Nachhinein ist mir etwas durch den Kopf gegangen, das trotz der Länge dieses Blogbeitrags zu kurz gekommen ist und einen falschen Eindruck hinterlassen könnte, deshalb noch eine Präzisierung. Das soll kein Votum sein gegen “Hochschul-Informatiker”, nicht im Geringsten. Ich erlebe seit Jahren, dass ich fast ausschliesslich von dieser Spezies umgeben bin und ich bin heilfroh darüber, weil diese “Jungen” wie wandelnde Lexikas sind. Sie kenne all den neuen Kram und haben faszinierende Ideen, gerade wegen ihrer Systematik. Es vergeht kaum ein Tag an dem ich nicht in die Runde frage, ob jemand eine Idee hat wie ich irgendwas einfach lösen kann. Meist hat jemand eine Idee und ich erspar mir eine lange Sucherei. Ich halte diese “neuen Einflüsse” für eine grosse Bereicherung, zweifle nur daran, ob man längerfristig noch wahrnehmen wird, dass wir, “die Alten”, genauso wichtig sind. In meiner Firma läuft das soweit recht gut, aber es gruselt mich schon vor einer Zukunft, in der man vielleicht nicht mehr begreift, dass wir gerade gemeinsam so stark sind, weil beide Programmiertypen auf ihre Weise wertvoll sind.

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