Politically incorrect since 1966

Neues Jahr, neue Frisur……. und voll auf die Bremse

So, da wäre ich mal wieder – nicht, dass ich etwas ernsthaftes zu berichten hätte, aber nach zwei Monagten Blogpause scheint es mir überfällig, dass ich wenigstens mal ein gutes neues Jahr wünsche – und wenn ich schon dabei bin……….

Neues Jahr, neue Frisur, neue Kleider

In unserem gemeinsamen DuoInfernale-Blog habe ich bereits davon erzählt (guckst Du hier), dass wir Ende Jahr bei unserer Coiffeuse waren und uns neu frisieren liessen. Das wäre soweit keine grosse Sache, wäre da nicht die Tatsache, dass ich mich von den zwei Mädels dazu überreden liess, einen Pony zu schneiden. Seit Jahren lasse ich die Haare rundum wachsen und niemand durfte auch nur schon daran denken, daran etwas zu ändern. Aber so richtig glücklich war ich nicht damit. Einerseits wird auf diese Weise das halbe Gesicht versteckt, anderseits schwimmt immer ein Teil meiner Frisur im Suppenlöffel und überhaupt, etwas Veränderung kann ja nie schaden. Der Haken bei solchen Veränderungen ist halt, dass man es im Falle eines Bereuens grad schaurig bereut, weil man gleich mal wieder 2-3 Jahre braucht, bis die kurz geschnittenen Strähnen wieder lang genug sind.

Aber es kam ganz anders, ich bin geradezu begeistert ob dem neuen Schopf. Der Unterschied ist zwar an sich nicht gross, aber es macht unglaublich viel aus. So wie die Haare normal fallen, ergibt sich fast ohne mein Zutun eine Art Mittelscheitel, der das Gesicht so richtig schön offenlegt und ich habe eine Menge neuer Möglichkeiten, wie beispielsweise ein Hochstecken der Haare wie auf diesem Foto. Langer Rede kurzer Unsinn, ich freu mich mega über meine neue Frisur und das ist eigentlich Grund genug, dazu passende neue Kleider zu suchen……. was wir dann die letzten Wochen auch ausgiebig vollzogen, wie in obgenannten Blogbeitrag bereits beschrieben. Eine 50%-Aktion bescherte uns sackweise neue Kleider, die nun ungeduldig darauf warten, dass der Frühling endlich beginnt.

Konzerte und so Spasskram

Ansonsten hatten wir die letzten Wochen ein paar sehr spezielle Anlässe. Ein unerwartetes Highlight war ein CD- und Platten-Verkauf in unserem Stamm-Pub, das wir eigentlich nur aufsuchten, weil man ausnahmsweise schon am Samstag Nachmittag nach dem Einkauf noch schnell ein Guinness schlabbern konnte, aber die Auswahl war sowas von genial und die Preise mit 2.50 pro CD sowas von barmherzig, dass wir nicht anders konnten als zwei Dutzend heimzuschleppen – mit dabei so Leckerchen wie beispielsweise die zwei berühmten Doppelalben von Beatles (die Rote und die Blaue), verschiedene BestOf-CDs von Abba über TheWho bis BlackSabbath und vieles mehr.

Des weiteren erlebten wir nebst einer Geburtstagsparty im Pub noch zwei wirklich geniale Konzerte an ebendiesem Ort, zuerst war es die Rock-Band “Spiders and Cockroaches” und dann als Höhepunkt des Jahresanfangs die Irish-Rock-Band “Red Shamrock“, die vorallem mich beglückte mit einer Gaita (galicischer Dudelsack).

Blog-Schreibblockade infolge globaler Sinn-Entlehrung…..

Den regelmässigen LeserInnen sage ich nicht’s Neues, wenn ich erwähne, dass ich eine gehörige Schreibblockade habe. Schon letztes Jahr fiel es mir immer schwerer, mich zum Schreiben zu motivieren und dieses Motivationsproblem wird von Monat zu Monat schlimmer. Eigentlich gäbe es genug Themen über die ich bloggen möchte, aber alle Themen, die mich momentan interessieren, sind mit soviel Ärger verbunden, dass ich mir das einfach nicht antun will.

Es fällt mir beispielsweise schwer, weiterhin Zeit zu investieren um über Transsexualität zu informieren, wenn ich mitansehen muss, wie immer mehr transsexuelle Menschen an die Öffentlichkeit ströhmen und jede nur erdenkliche Gelegenheit nutzen, um mit sinnentlehrten Statements all die Arbeit zunichte zu machen, die Leute wie ich seit Jahren betrieben haben. Was soll ich mir weiter den Mund fuslig reden darüber, dass transsexuelle Frauen keine “umgebauten Männer” sind, wenn dann Andere nichts idiotischeres wissen als bei RTL2 in einer Doku-Soap namens “Transgender” vor ein Millionenpublikum hinzustehen und zu sagen: “Ich bin in WIRKLICHKEIT ein Mann”. Da fehlen mir echt die Worte, da blicke ich einfach nur noch auf einen Scherbenhaufen und frage mich, wozu wir uns all die Jahre angestrengt habe.

Ähnlich wenn auch anders geht es mir bei öko-politischen Themen, die mir auch sehr am Herzen liegen. Dort sind zwar nicht die “Eigenen” die den Schaden anrichten, aber auch da fällt es schwer, sich zu motivieren, wenn man immer und immer wieder erleben muss, wie bezahlte PR-Profis alle öffentlichen Diskussionen zuwalzen und das Hirn der LeserInnen mit soviel Lug und Trug zuschütten, dass man nicht mehr weiss, wo man anfangen soll mit dem Aufdecken all dieser Lügen. Und wenn ich dann noch Leser-Kommentare in Boulevard-Blättern lese, die den Eindruck erwecken, als sei von einem Heer von völlig empathie-befreiten und unerträglich dummen Menschen umgeben, dann frage ich mich schon, was in aller Welt ich da tue und wofür ich Zeit opfere, die ich eigentlich besser auf dem Sofa liegend verbringen könnte.

…… und eine notwendige Vollbremsung

Und solange mir auf diese Frage keine vernünftige Antwort einfällt, lasse ich es lieber. Vielleicht finde ich eine neue Schreibweise oder andere Themen, die mit weniger Ärger verbunden ist, aber fürs Erste habe ich einfach genug von all dem Quatsch und nutze meine Freizeit lieber für das Schöne im Leben – also für Juliet und mich :-)

Aus diesem Grund habe ich nun eine radikale Vollbremsung eingeleitet. Zum einen lese ich seit einigen Wochen aus Prinzip keine Boulevard-Blätter mehr und erst Recht nicht die stupiden Kommentare in diesem Gefilden – zum anderen habe ich mich von allen Trans-Gruppen getrennt (ausser ATME), alle Trans-Blogs aus meinem Blog-Reader entfernt und auch alle Kontakte in Facebook aus diesem Spektrum “entfreundet”. An dieser Stelle möchte ich nochmal betonen, dass diese Entfreundungs-Aktion nicht persönlich gemeint ist, ich ertrag dieses Thema momentan einfach nicht mehr und werde vorläufig das Internet nur noch für persönliche Gespräche nutzen. Vielleicht kommt es irgendwann wieder anders, aber vorerst muss ich zum Schutz meiner Innereien einfach die Schoten dicht machen.

Blogbeiträge abonnieren – ein eMail-Service

Da ich in zwei Blogs gleichzeitig schreibe und an beiden Orten zumindest momentan nur sehr selten etwas zu Lesen ist, möchte ich StammleserInnen nicht ständig ins Leere laufen lassen und habe deshalb eine neue Funktionalität eingebaut. In beiden Blogs kann man sich nun registrieren und bekommt dann bei jeden neuen Beitrag ebendiesen via Mail zugeschickt. So muss man nicht ständig nachschauen ob’s was Neues gibt. Die Anmeldungs-Dingens findet Ihr in nachfolgenden Links, jeweils im letzten Kapitel unter “Abonnierung”:
http://diana.agirl.ch/uber-dieses-blog/
http://duoinfernale.tgirl.ch/ueber-uns/

So und jetzt mach ich’s mir gemütlich – macht’s auch so ;-)

APA / DSM-V – Transsexualität weiterhin psychopathologisiert

Seit gestern wimmelt’s im Internet von jubilierenden Meldungen, Transsexualität sei in der neusten Fassung der Psychiatrie-Bibel (DSM-V) nicht mehr als psychische Störung klassifiziert. Doch auch wenn diese Meldung tausendfach kopiert und bejubelt wird, dem ist nicht so, wir werden weiterhin im “Handbuch für psychische Störungen” klassifiziert, einzig der Ausdruck hat geändert. Immerhin, möchte man sagen, “gender dysphoria” klingt weit weniger pathologisierender als “gender identity disorder” – doch wenn man die Sache etwas genauer ansieht, merkt man schnell, dass wir alles Andere als Grund zum Jubeln haben, weil diese erneute Psychopathologisierung nun wieder ein bis zwei Jahrzehnte an uns haften bleibt. Warum auch ein Schritt in die richtige Richtung fatal sein kann, möchte ich nachfolgend erklären.

DSM – wo gestört drauf steht, ist auch gestört drin

Beginnen wir mit dem Grundsätzlichen. Die Weltgesundheitsorganisation WHO gibt regelmässig eine “Diagnosehandbuch” namens ICD heraus, in der transsexuelle Menschen in der Rubrik der psychischen Störungen aufgelistet sind. Wie kürzlich hier erwähnt, läuft momentan eine Petition, die schon von über 60’000 Leuten unterschrieben wurde und die verlangt, dass Transsexualität umklassifiziert wird, von der “Abteilung” für psychische Störungen in eine Andere (z.B. hormonelle Entwicklungsstörungen oder sowas). Es ist absolut in Ordnung, dass wir im ICD aufgeführt werden, Transsexualität verursacht einen enormen Leidensdruck und hat deshalb “Krankheitswert”.

Die “Psychiatriebibel” namens “DSM” wiederum wird von der APA (American Psychiatric Association) herausgegeben, DSM steht für “diagnostic and statistical manual of mental illness” was soviel heisst wie “Handbuch für psychische Störungen”. Und dieser Name ist Programm, alles was hier aufgeführt wird, gilt als psychische Störung. Wenn die APA-Sekte nun wie erfolgt den Begriff “gender identity disorder” in “gender dysphoria” umbenennt, dann ändert das nichts, aber auch überhaupt nichts daran, dass Transsexualität nachwievor als psychische Störung gilt – andernfalls wäre es aus dem DSM gestrichten worden. Beim DSM haben wir nichts gewonnen, wenn wir umklassifiziert oder umbenannt werden, solange wir da drin sind, gelten wir als psychisch gestört.

Ein Schritt in die richtige Richtung? Und mittendrin bleibt man stecken?

Aber immerhin ist es ein Schritt in die richtige Richtung, möchte man erneut jubilieren, wenigstens ist der Begriff mal ersetzt worden durch einen “schöneren” und auch die dort aufgeführten Kriterien sind netter formuliert, klingt doch gut. Wer so jubiliert, vergisst etwas ganz wesentliches: Die Psychiatriebibel DSM wird nur alle paar Jahrzehnte überarbeitet, es dürfte locker zehn bis zwanzig Jahre dauern bis zur nächsten Version – und bis dahin werden wir da drin bleiben. Selbst wenn uns – wie wir alle hoffen – die WHO Transsexualität endlich umklassifiziert, so bleiben wir im DSM drin, aufgeführt unter den sogenannten “Paraphilien”, zusammen mit Exhibitionisten, Kinderschändern und was weiss ich allem. Diese Namensgebung ist zwar ein Schritt in die richtige Richtung, aber einer, der uns irgendwo dazwischen verrotten lässt – für sehr sehr lange Zeit.

Die psychiatrischen Gaunereien im Kleingedruckten

Der definitive Wortlaut ist leider noch nicht veröffentlicht, doch aufgrund des Entwurfes der mir einst vorlag, ist zu befürchten, dass diese Diagnose nun nicht nur nett verpackt ist sondern auch leichter zuzuweisen. Gerade die nette Formulierung ermöglicht es im Speziellen bei Kindern, diese Diagnose einfacher zu stellen und je nach verantwortlichem Arzt gleich mal mit der Umpolungstherapie zu beginnen. Diese Gefahr sollte man nicht unterschätzen. Wir befürworten ja, dass transsexuelle Kinder so früh wie möglich (körperlich) behandelt werden können, aber für Ärzte, die sich unter Hilfe eher “reparative Verhaltenstherapien” als medizinische Massnahmen vorstellen, kann dies eine Möglichkeit werden, Betroffene schon von klein an kaputt zu konditionieren – oder auch nicht-transsexuelle Kinder, die nur einfach von erwarteten Geschlechterstereotypen abweichen, gleich mitzubehandeln.

Auf der Strecke bleibt die Realität

Es entbehrt nicht einer gewissen Komik, dass die amerikanische Psychiatrievereinigung APA in ihrem “Handbuch für psychische Störungen” Realitätsverweigerung betreibt. Ich habe in diesem und vorallem meinem alten Blog oft genug auf wissenschaftliche Studien verwiesen, die klar zeigen, dass es beim Geschlecht mehr als nur Barbie und Ken gibt. Es gibt Frauen mit XY-Chromosomen und Männer ohne Y-Chromosom, es gibt Frauen mit männlichen Genitalien umgekehrt. Es gibt zwar keinen absoluten und unumstösslichen Beweis, aber die Summe aller neurologischen, endokrinologischen und genetischen Forschungen sprechen eine klare Sprache, damit würde man jeden Indizienprozess gewinnen – Transsexualität hat biologische Ursachen und keine psychologische Entwicklungsstörung. Auf der anderen Seite ist nicht eine einzige psychologische Hypothese, die nicht längst widerlegt worden wäre. Wir haben hirnorganische Befunde, die zeigen, dass es sehr wohl Menschen gibt, die trotz XY-Chromosom und männlichem Äusseren eine weibliche Hirnanatomie haben, wir haben genug Forschungen, die zeigen, dass transsexuelle Menschen nach erfolgter Genitalangleichung keine ansonsten zu erwartenden Phantomgefühle haben u.s.w. Die Psychiatrie-Sekte interessiert das alles nicht, DAS ist eine psychische Störung. Wer die Realität nicht wahrnimmt, leidet unter einer Psychose……… und diese Leute glauben, sie könnten darüber urteilen, wer psychisch krank ist und wer nicht?

Und die Krankenkasse?

Um die Frage vorwegzunehmen, nein das hat nichts mit der Kassenpflicht zu tun. Die Kassen müssen dann bezahlen, wenn ein “Krankheitswert” besteht, der misst sich am Leiden der Person. Solange wir im ICD der WHO aufgeführt sind, stellt sich diese Frage nicht. Es wird kaum jemand daran zweifeln, dass eine Frau kaputt geht, wenn sie in einem männlichen Körper ein männliches Leben führen muss. Im DSM haben wir jedoch nichts zu suchen. Die Kasse bezahlt auch für die Behandlung von Grippe, zahlt bei Schwangerschaften u.s.w., da braucht’s keine Psychiatriediagnose. Soviel nur mal kurz, weil ich weiss, dass dieser “aber wir brauchen doch eine Diagnose für die Kasse” Reflex bei diesem Thema kommt.

Abschied vom Ausstieg

Aus den genannten Gründen ist das Ganze in meinen Augen eine sehr traurige Entwicklung. Die Hoffnung, dass wir aus dem Teufelskreis der Psychopathologisierung aussteigen, hat sich mindestens fürs nächste Jahrzehnt ausgeträumt. Wie sich die Welt bis dahin entwickelt, wissen nur die Götter – und die Hüter des DSM-Grals werden sich in der Zwischenzeit die grösste Mühe geben, dass sie uns nicht aus ihren Fängen lassen müssen. Was dann in zehn oder zwanzig Jahren kommt, wissen einmal mehr nur die Götter. Vielleicht erlebe ich ja doch irgendwann das Ende der Psychopathologisierung von transsexuellen Menschen – vielleicht erlebe ich aber auch eines Tages, wie es sich anfühlt, wenn man versucht meine “Dysphorie” mit lustigen Elektroschocks zu “heilen”. Wie dem auch sei, wir bleiben dran und kämpfen weiter, weil es um nicht weniger geht als um uns selbst, um unser Selbst, um das Recht, als der Mensch akzeptiert zu sein, der wir sind.

Mehr zum Thema DSM und überhaupt

Diana: Psychopathologisierung von Transsexuellen geht weiter und noch weiter
Diana: Transsexualität – eine psychische oder Störung?
Diana: Was bestimmt das Geschlecht – Körper oder Geist?
ATME: Biologische Ursachen

Schon wieder ein Monat rum

Huhu da draussen……. ja wir leben noch, und wie, uns geht’s nachwievor zu gut als dass wir Zeit und Musse hätten um zu bloggen – trotzdem mal wieder ein Lebenszeichen :-)

Freud und Leid aus der Welt der Politik

Die letzten Wochen waren politisch turbulent, vieles das mich sehr freute, ebenfalls viel, das mich überhaupt nicht freute. Auf der einen Seite bejubelte ich die erhoffte Wiederwahl von Obama, wurde gleichtags erfreut durch drei weitere amerikanische Bundesstaaten, die die “gleichgeschlechtliche Ehe” legalisierten – nicht weniger erfreulich war der Entscheid des spanischen Verfassungsgericht, das die dort bereits vor Jahren eingeführte “gleichgeschlechtliche Ehe” als verfassungskonform beurteilte, nachdem Erzkatholiken und Erzkonservative ebendiese zu bekämpfen versuchten.

Wenn man sich vor Augen hält, dass im evangelikal-konservativ geprägten Amerika die “Homo-Ehe” nun bereits in acht Staaten erlaubt ist und dass Spanien, eine Hochburg das Katholizismus, ebenfalls Rechtsgleichheit vor Moraltheologie stellt, wirkt es schon urkomisch, dass ausgerechnet in der Schweiz die CVP eine längst fällige Initiative zur Aufhebung der steuerlichen “Heiratsstrafe” lanciert und diese Gelgenheit dazu missbraucht um klammheimlich einen diskriminierenden Begriff in der Verfassung zu verankern – die Ehe sei Mann und Frau vorbehalten. Es würde zu weit führen, hier jetzt zu erklären, weshalb das für nicht-heterosexuelle Menschen ein herber Rückschlag wäre und inwiefern diese Definition gegen die Würde des Menschen verstösst – vielleicht hole ich das gelegentlich mal nach – jedenfalls war das einer der Meldungen aus der Welt der Politik, die mich innerlich mal kurz kochen liessen.

Transsexualität und Öffentlichkeitsarbeit

In diesem Themen-Bereich hatte ich die letzten Wochen ein wahres Wechselbad der Gefühle. Ich ärgerte mich über grenz-debile Berichterstattungen in Boulevard-Medien, erfreute mich über überraschend wohlwollende Kommentare in ebendiesen Artikeln, ärgerte mich über Transwasweissich-Organisationen und Betroffene, die sich selbst nicht besser verleugnen als sie früher von der Psychiatrie verleugnet wurden – und kam dank dieser “Transgender-Soap” auf RTL2 an einen Punkt, an dem mir dieses Thema wirklich zum Hals hinaushängt. Ich mag gar nicht gross darüber diskutieren, vielleicht hole ich das mal in einem separaten Beitrag nach. Nur soviel: ich habe stark den Eindruck, dass sich langsam aber sicher eine Boulevardisierung des Transsexuellen-Themas ausbreitet und dass diese Entwicklung für uns gefährlicher sein könnte als die Psychopathologisierung, der wir seit Jahren zu entkommen versuchen. Wenn sich die Öffentlichkeitsarbeit zum Thema Transsexualität auf Dschungelcamp-Niveau abspielt, müssen wir uns nicht wundern, wenn man uns nicht ernst nimmt. Aber eben, im Moment habe ich echt keine Lust auf dieses nervige Thema, deshalb gehen wir einfach mal eins weiter ;-)

Das Leben zu Viert

Denn immerhin auf eines ist Verlass: Wir haben’s gut :-) Und wie gut wir es haben. Juliet hat genau den Job gefunden, den sie sich erhoffte, ab Anfang Dezember wird sie für die Spitex hier an unserem Wohnort denselben Haushilfe-Job machen wie erst grad für das Rote Kreuz im Hamburg. Alles Andere ist wie erhofft und erwartet einfach prächtig. Wann immer wir können, liegen wir zu Viert auf dem Sofa, bekuscheln uns gegenseitig und geniessen das Leben als Kleinfamilie ;-) Tequila ist drauf und dran, Juliet durch mich als Haupt-Frauchen zu ersetzen, zumindest ist ihr Lieblingsplätzchen seit Wochen auf meinem Bauch und jeden Abend gegen fünf Uhr beginnt sie Juliet vorwurfsvoll anzuquängeln und starrt ungeduldig zur Tür und wartet auf mich.

Die Rumliegerei wird natürlich gelegentlich auch mal unterbrochen, sei es weil wir wie kürzlich im Pub eine sagenhaft coole Irish-Band namens “No Crows” sehen oder weil wir wie gestern bei meinen Eltern zum Essen waren und dann anschliessend stundenlang mit ihren zwei Lieblingsnachbarn rumsoffen äh plauderten und lachten – oder wir verbringen wie kürzlich an einem Samstag ein paar Stunden mit drei Frauen, die hier waren für eine Schularbeit zum Thema Transsexualität (mehr darüber bei einer anderen Gelegenheit). Doch so schön das alles ist, nichts kann die Zweisamkeit überbieten. Ich wach am morgen auf und meine Süsse liegt neben mir – und ich leg mich nachts Schlafen und sie liegt wieder neben mir – was will ich da mehr :-)

So und jetzt muss ich wieder kuscheln gehen, Juliet ist mit telefonieren fertig – resp. der Akku hat irgendwann aufgegeben, weil er nicht so hart im Nehmen ist wie Juliet und ihre Mama austeilen können :-) Und dann geht’s schon bald ab in die Badewanne – kennt Ihr ja von mir – diese sonntägliche Badewanne-Rumliegerei wird nachwievor enthusiastisch gefeiert und unterdessen ist Juliet schon extremer als ich – während ich früher das Bad beendete, wenn’s langsam kühl wird, lässt sie locker nochmal ne Runde Warmwasser nachlaufen – weil’s grad so schön ist, zu zweit :-)

Ich hoffe, dass es nicht wieder einen Monat geht, bis ich mich hier zu Wort melde – und falls doch, geht davon aus, dass dies ein gutes Zeichen ist ;-)

So und nun noch extra für Rolf, den bekloppten Lieblingsnachbar meines Vaters…….. enjoy :D

Zusammenfassung eines Monats

Ui wie die Zeit vergeht, eben habe ich hier noch gebloggt, dann mal kurz das neue Leben zu zweit genossen und schon ist ein Monat um. Wer mich kennt, kennt die Regel: Wenn ich hier nix schreibe, dann muss es mir saugut gehen, so gut, dass ich keine Zeit zum Schreiben finde :-) Und es ist zu befürchten, dass es in nächster Zeit nicht viel besser wird, denn das Leben zu zweit ist einfach zu schön als dass ich meine Arme frei hätte um bis zur Tastatur zu gelangen. Nun denn, wenigstens eine kleine Zusammenfassung der vergangenen Wochen ist jetzt wirklich überfällig – here we go……

Mode-Sensation des Jahres: Diana trägt Hosen

Beginnen wir doch bei der grössten Sensation: Ja, Ihr habt richtig gesehen, das auf dem Foto bin wirklich ich und man glaubt es kaum, ich trage Hosen, krass, nicht? Noch sensationeller ist, dass mir dieses Outfit sogar gefällt. Nach vier Jahrzehnten Hosenzwang waren Hosen für mich die letzten Jahre kein Thema, denn erstens habe ich eben vier Jahrzehnte Beinfreiheit zu kompensieren und zweitens sind Röcke und Kleider – im Speziellen so Stretchfummel – einfach total bequem. Aber gerade wenn’s gegen Winter geht, drängen sich diese Dinger halt schon auf und so kam es, dass mich die Vernunft nun doch übermannt hat, nicht zuletzt weil Juliet mir ständig einreden wollte, ich würd auch in Jeans gut aussehen. Recht hat’se, die Bekloppte. Es ist zwar definitiv weniger bequem, aber es gefällt mir, vorallem zusammen mit meinen neuen Stiefeln und so schicken Longpullovern. Klar, ich werde weiterhin vorallem beinfrei rumlaufen, ist halt einfach mehr mein Ding, aber Jeans gehören ab sofort trotzdem zum Standard-Repertoire.

Hochzeit von Juliets Eltern

Wie in meinem letzten Blogbeitrag angekündigt, flog ich also in aller Herrgottsfrühe nach Hamburg, um dort am Abend an der Hochzeitsfeier von Juliets Mama und ihrem Lars teilzunehmen. Den Flug erwischte ich tatsächlich noch, womit bewiesen wäre, dass Einstein doch nicht Recht hatte und ich Überschall erreichen kann wenn ich nur will. Ich kam wie geplant mit dem ersten Zug am Flughafen an, eine Minute NACHDEM ich am Gate stehen müsste um einzusteigen. Schlau wie ich bin, habe ich ausnahmsweise mal Flachtreter gewählt und so huschte ich mehr als zu stöckeln und war dann “pünktlich” am Gate, eine Viertelstunde NACHDEM ich hätte dort sein müssen – stieg ein und flog davon. Muss man nicht verstehen, hat was mit Quantenphysik zu tun oder so. Jedenfalls klappte soweit alles und wir verbrachten einen super tollen Abend an ebendieser Feier, an der auch meine Eltern teilnahmen. Sonntag war dann Ausschlafen angesagt und am Montag gings zurück in unser Zuhause. Die Katzen waren nach diesen zwei Tagen Alleinsein glaubs ziemlich entnervt, aber sie verziehen uns sogar das……..

Erstmals Ferien im gemeinsamen Zuhause

……. nicht zuletzt weil wir darauf gleich zwei Wochen Ferien hatten und in dieser Zeit nicht viel mehr machten als zuhause rumzuliegen und uns alle Vier gegenseitig zu bekuscheln. Was unsere Ferien anbelangt, fasse ich mich kurz, denn darüber haben wir bereits in unserem gemeinsamen Blog berichtet – guckst Du hier: Erholsame Ferien im gemeinsamen Zuhause

Das DuoInfernale heiratet

Und wie in meinem letzten Beitrag erwähnt, war dann eine Woche nach den Ferien unser Termin beim Standesamt :-) Leider nicht in weiss, leider nicht in der Kirche, aber zum Glück mit der richtigen Frau, was will man mehr ;-) An dieser Stelle nochmal der Hinweis für allfällig Enttäuschte: Wir haben zwar klammheimlich auf dem Standesamt geheiratet resp. uns vergeeingetragenepartnerschaftert, aber wir werden voraussichtlich nächsten Sommer eine richtige Hochzeitsfeier nachholen, resp. deren Zwei, weil wir einmal hier mit unseren Schweizer Freunden und Verwandten feiern und einmal in Deutschland mit unserem Anhang dort. Es macht wenig Sinn, wenn alle von hier nach dort oder von dort nach hier reisen, also feiern wir halt doppelt – spät aber dafür international ;-) Auch über unseren Standesamt-Tag haben wir im gemeinsamen Blog berichtet, auch da heisst es mal wieder – guckst Du hier: Duo Infernale – just married

Wie weiter mit den Blogs?

Wie sich in den letzten Wochen gezeigt hat, haben wir zumindest momentan nur beschränkt Lust zum bloggen, weil das Leben zu Zweit einfach zu schön ist, als dass man noch Hände frei hätte für sowas. Und weil meine Süsse sowas von süss ist, nehme ich auch nicht an, dass sich das in absehbarer Zeit gross ändern wird. Ergo wird es hier vermutlich vorläufig einiges ruhiger werden – und wenn es was zu bloggen gibt, dann wohl eher über uns, ergo wird man von uns eher im gemeinsamen Blog was zu Lesen kriegen als hier. Das kann sich zwar jederzeit ändern, falls mich irgendwelche Themen in rabiater Weise anspringen, aber wir gehen jetzt einfach mal davon aus, dass in nächster Zeit nicht viel läuft hier. Deshalb verweise ich nochmal auf unser gemeinsames Blog, wer über uns oder mich auf dem Laufenden sein möchte, sollte dort auch gelegentlich reinschauen. Mit “dort” meine ich dort: Duo Infernale Blog

Dokumentations-Androhung auf RTL

Manchmal ist es ja schon zum davonlaufen, es vergeht kaum eine Woche, ohne dass ich irgendwo in den Medien etwas zum Thema Transsexualität finde, das mir in der Regel schaurig auf den Keks geht. Unterdessen bin ich längst soweit, dass sich mir die Nackenhaare aufstellen, wenn ich nur schon das Stichwort lese. Wenn die Chance auf einen negativ gefärbten Inhalt bei 90% liegt, fällt es schwer, positive Erwartungen zu haben. Und wenn dann auch noch ein Privatsender wie RTL die Fäden zieht, fühlt sich das an wie die Ankündigung der Apokalypse. Ich hoffe sehr, dass meine Befürchtungen diesmal unbegründet sind, denn RTL2 beginnt am 31. Oktober um 22:10 Uhr ein Dauerfeuer äh eine Serie mit dem Titel “Transgender: Mein Weg in den richtigen Körper“, in der sieben “Kandidaten” portraitiert werden. Ein Doku-Marathon über Transsexualität und das auf RTL, das klingt wirklich nach Apokalypse – trotzdem wage ich ein wenig Zuversicht.

Diese närrisch wirkende Hoffnung begründet sich einerseits darauf, dass RTL2 auf der Website eine “Begriffserklärung” bietet, die um ein Vielfaches besser ist als alles Andere, was man sonst in solchen Medien eingeflösst bekommt. Im Speziellen dieser Satz hat es mir angetan, so in der Art wurde das von so Boulevard-Medien noch nie formuliert: “Laut aktuellem Forschungsstand ‘entsteht’ unser Geschlecht in etwa der siebten Schwangerschaftswoche. Läuft hier etwas nicht genau nach Plan, so kann es sein, dass ein Mann mit weiblichem Aussehen oder eine Frau mit männlichen Aussehen geboren wird.“. Ganz ehrlich, für RTL-Verhältnisse kommt das einem 8. Weltwunder gleich, da kann ich sogar darüber hinwegsehen, dass ich den Ausdruck “Transgender” gar nicht schätze. Ebenfalls optimistisch stimmt mich, dass Sam in einer dieser Dokus vorkommt und ich von ihm sehr viel halte und ihm zutraue, für uns Sympathiepunkte zu sammeln. Auch sonst sind teils sympathische Menschen in den Trailern, auch das gibt Mut. Anderseits scheint es, dass in einigen dieser Dokus auch Geschichten präsentiert werden, die alles Andere als positive Aufklärungsarbeit sind. Nun denn, hoffen wir einfach mal das Beste. In nachfolgendem Link findet Ihr die sieben Trailer für die einzelnen “Kandidaten”, dort rechts neben dem Video kann man die “Kandidaten” anwählen.
Trailer: Transgender – Mein Weg in den richtigen Körper

Entpathologisierung von transsexuellen Menschen: Bitte unterschreiben!

Und wenn wir schon beim Thema sind, möchte ich Euch anschliessend noch inständig bitten, nachfolgende Online-Petition zu unterschreiben. Die Weltgesundheitsorganisation WHO ist momentan mitten in der Überarbeitung der Diagnose-Bibel ICD, in der transsexuelle Menschen wie einst Schwule und Lesben als “persönlichkeitsgestört” klassifiziert werden. In dieser Petition apellieren unterdessen bald 50’000 Menschen dafür, dass die WHO transsexuelle Menschen aus dem Kapitel für psychische Krankheiten entfernt resp. umklassifiziert. Eine Umklassifizierung wäre das Fundament, auf dem die Stigmatisierung von transsexuellen Menschen beendet werden könnte: Online-Petition

Transsexuelle Menschen – Doch, es gibt uns wirklich!

Ein wichtiges Anliegen sollte es doch sein, transsexuelle Menschen endlich davon zu befreien, dass gesellschaftlich immer noch allzu häufig so getan wird, als gebe es eine (womöglich auch noch als “biologisch” behauptete) Realität einerseits und das Geschlecht transsexueller Menschen andererseits nur als “Phantasie”, “Empfindung” oder “Wunsch”.

Transsexuelle Menschen sind Teil dieser Welt und keine Phantasie.

So emanzipiert wollen wir sein, dass transsexuelle Menschen als existent angesehen werden können, ohne sich gefallen lassen zu müssen als die “Anderen” – ganz im Sinne Simone de Beauvoirs – angesehen zu werden.

Emanzipation fängt da an, wo Menschen sich als selbstständig begreifen.
Es gibt transsexuelle Menschen die das tun.

(ATME e.V.)

Ich bin es so leid, diesen nie endenden Strom aus Geschlechtswechsler-Stories zu lesen, Woche für Woche findet sich erneut in Medium das diese Mär verbreitet und Woche für Woche finden sich transsexuelle Menschen, die die Aufrechterhaltung dieser Lüge bedienen als gäbe es sie selbst nicht – das macht mich immer mal wieder ratlos und traurig, es ist höchste Zeit, hier mal Klartext zu reden………

Es gibt keine Geschlechtswechsler

Niemand kann sein Geschlecht wechseln und ich kenne auch niemanden, der das will. Es gibt vielleicht Menschen, die das andere Geschlecht beneiden und lieber dem anderen Geschlecht angehören, aber mit so einem unerfüllten Wunsch kann man leben, dafür legt man nicht das ganze soziale Leben in Schutt und Asche. Etwas ganz Anderes sind transsexuelle Menschen, sie wären nicht einfach lieber dem anderen Geschlecht zugehörig sondern sie sind diesem (anderen) Geschlecht zugehörig. Die Frage ist für transsexuelle Menschen nicht “wie möchte ich sein” sondern “wie bin ich”. Jeder Mensch kann dies zweifellos für in Anspruch nehmen, aber wenn äussere Geschlechtsmerkmale dieses Selbst-Wissen in Frage stellen, wird einem dieser Anspruch verweigert – die eigene Gewissheit, wer man ist, wird zum Wunsch erklärt, man wird zum Geschlechtswechsler ernannt – und damit faktisch als Inexistent klassifiziert.

Mann, Frau und schweigende Mehrheit dazwischen

Wir wissen längst, dass ein Y-Chromosom nicht der heilige Gral der Geschlechtsbestimmung ist, weil der Mythos XY = Mann, XX = Frau hinfällig ist in Anbetracht von mittlerweile mindestens fünf Chromosomenvariationen bis hin zu XXY und X. Wir wissen ebenfalls, dass das Hormonsystem vorallem während der Embryonalphase die Geschlechtsentwicklung in jede erdenkliche Richtung leiten können und wir wissen, dass es genetische Variationen gibt, die in all diesen Bereichen dazwischenfunken können. Und nicht zuletzt wissen wir, dass es eine Vielzahl an unterschiedlichen Selbstwahrnehmungen gibt bei Menschen, von 100% Männern zu 100% Frauen über feminime Männer oder burschikose Frauen über verschiedenste Zwischenstufen zwischen Minipenis und vergrösster Klitoris bis hin zu transsexuellen Menschen, die sozusagen ein weibliches Hirn in männlichem Restkörper sind oder umgekehrt. All das hat eine klare Konsequenz: Wir können aufhören mit dem Irrglauben, wir hätten ein binäres Geschlechtssystem, es gäbe nur Mann und Frau und nichts dazwischen – wir sind Individuen, nicht Barbie und Ken Puppen.

Psychopathologisierung = Aberkennung der Existenz

In der Psychologie hat es ja Tradition, dass alles was nicht der Mehrheit entspricht erst mal als gestört klassifiziert wird. Wer vom postulierten Normalfall abweicht, ist irgendwie krank, da braucht es ein schickes Etikett namens Diagnose und im Idealfall Heilungsmöglichkeiten, notfalls um jeden Preis, ungeachtet den Bedürfnissen der Betroffenen. So ist es auch kein Wunder, dass man transsexuelle Menschen wie vorher “frigide Frauen” oder später homosexuelle Menschen als abnormal klassifiziert.

Da konnte eine transsexuelle Frau noch so darauf bestehen, dass sie eine Frau ist und nur die Geschlechtsmerkmale sich nicht ihrem Geschlecht entsprechend entwickelt haben, man klassifizierte diese Frau als gestörten Mann. Der Penis ist schliesslich das Mass aller Dinge und wenn jemand mit Penis behauptet, eine Frau zu sein, dann muss “er” ja schliesslich komplett einen an der Waffel haben. Damit aberkennt man faktisch die Existenz von transsexuellen Frauen, weil man sie zu gestörten Männern ernennt – und umgekehrt werden transsexuelle Männer zu gestörten Frauen erklärt – ich überlasse es den nicht-transsexuellen LeserInnen zu versuchen, sich sowas vorzustellen.

Existenzklosigkeit tut weh

Mit diesem normierungswütigen Gleichschaltungswahn, mit dem man eine Frau zu einem gestörten Mann erklärt, beginnt einer der lebenserschwerendsten und schmerzhaftesten Aspekte von transsexuellen Menschen. Wenn diese Gesellschaft mich zu einem “gestörten Mann” erklärt, streitet sie mir damit mein Frausein komplett ab. Aber ich, also die einzige die wirklich ihr Geschlecht beurteilen kann, bin von klein an bis heute absolut davon überzeugt, eine Frau zu sein, mein gesamtes Selbstverständnis ist weiblich. Wenn man mich zum Mann ernennt, verweigert man mir die Existenz als das was ich in Wirklichkeit bin – und das tut unglaublich weh, echt, daran kann man sich glaub nie gewöhnen.

Die Existenz als Existenzlose

Keine Woche vergeht ohne dass ich wieder irgendwo in den Medien etwas lese oder höre, das mir in dieser Weise die Existenz aberkennt. Transsexuelle Frauen sind persönlichkeitsgestörte Männer die lieber eine Frau wären – die ihr Geschlecht wechseln – die früher mal Männer waren…….. so und ähnlich prügelt es Woche um Woche auf uns nieder, begleitet vom Chor intoleranter Forentrolle, die mit Weisheiten wie “XY=Mann, wird nie eine Frau” über “dem Schöpfer ins Werk pfuschen” bis hin zu “wäh Transe” dieser ganzheitlichen Ignoranz noch die Krone aufsetzen.

Keine Woche die vergeht in der mir diese Welt nicht mit grossen Lettern meine angebliche Nichtexistenz um die Ohren haut. Und ich sitz da, guck verwirrt um mich, weiss mehr denn je wie sehr ich lebe und existiere……. und das trotz angeblicher Inexistenz – erstaunlich, nicht? Glaubt mir, das ist unglaublich surreal und dieses absurde Theater stösst mich immer wieder vor den Kopf und schlägt mir an manchen Tagen fast den Schädel ein.

Gebt uns unsere Existenz zurück

Eine Gesellschaft die behauptet, transsexuelle Frauen seien Männer die Frauen sein wollten und die ihr Geschlecht umwandeln lassen würden, leugnen damit, dass es transsexuelle Menschen gibt, sie leugnen damit, dass ich existiere – und das ist ein Menschenrechtsverbrechen – weil man mir und Meinesgleichen das Recht aberkennt, zu wissen, wer wir sind. Wir haben mehr als genug wissenschaftliche Studien, die zeigen, dass Transsexualität eine biologische Variation ist, dass ob wir’s wollen oder nicht auch Menschen zur Welt kommen, deren sichtbares Geschlecht nicht eindeutig oder irreführend erscheint. In Anbetracht davon, dass wir wissen, dass das Geschlecht nicht fremdzugewiesen werden kann, sollten wir endlich aufhören damit zu behaupten, transsexuelle Frauen seinen Männer.

Tränen der Stille – Masken im Gesicht
Lichter werfen Schatten und halten es im Licht
Verführt sich zu erklären, während es zerbricht
Tränen der Sehnsucht – Masken im Gesicht
Und es steht hier – das Kind
Mit Tränen im Gesicht
(Lacrimosa – Tränen der Sehnsucht)

Trans*Menschen und der Mut zu sich selbst zu stehen

Dieser Blogbeitrag ist nicht nur an die Gesellschaft gerichtet, sie richtet sich auch und vorallem an transsexuelle Menschen. Seid mutig genug und steht zu Euch selbst, erklärt Euch so wie Ihr wirklich seid und nicht so wie eine unsichtbare Gesellschaftsnorm Euch einstuft. Hört auf, immer wieder diesen Quatsch mit “ich war früher….. und wollte schon immer lieber…..”, nur weil Ihr glaubt, man würde Euch so besser verstehen. Verständnis nützt nichts, wenn das Verstandene falsch ist, damit sollten wir uns nicht zufrieden geben. Und hört auch auf mit diesem Geschlechtsumwandlungsquatsch. Die Welt wird diesen Lernprozess nie durchlaufen, wenn wir nicht endlich den Mut haben und uns als das definieren, was wir sind. Wenn eine Frau von sich selbst sagt, sie sei ein Mann der lieber eine Frau wäre, nur weil sie denkt, der Andere würde ihr sonst verbieten, als Frau zu leben, dann ist das einfach nur noch absurd – damit entwürdigt man sich selbst mehr als es die Gesellschaft je tun könnte.

Mut oder Leben!

Ich weiss, es braucht ungeheuren Mut um dafür einzustehen, wer man ist, wenn man doch weiss, dass die Meisten einem anders (un)wahrnehmen. Es ist für Andere einfacher zu verstehen, dass ein Mann eine Frau sein will als dass eine Frau mit männlichen Geschlechtsmerkmalen existieren soll – aber so leid es mir tut – es ist nicht wahr – und wenn wir uns selbst als das verleugnen, dann leugnen wir damit unsere Existenz als das was wir sind – dann gibt es uns nicht wirklich, dann können wir nur noch ein Leben als wandelndes Trugbild führen, dann sind wir irgendwie einfach nur noch tot.

Klartext von Mut23.de

Letzten Monat ist ein guter Artikel auf Mut23.de publiziert worden, das war einer der Funken die in letzter Zeit übersprangen und mich drängten, diesen längst geplanten und doch nie geschriebenen Beitrag zu schreiben. Ich empfehle dringend, hier weiterzulesen, der Text hat es in sich und bringt Vieles sehr prägnant auf den Punkt:
Kritische Gedanken zum 17. Mai, dem Tag auch gegen Transphobie, oder, warum ich die “Transgender”-Ideologie selbst für transphob halte

Dazu passend hielt Kim anlässlich des “Jahrestag des Stonewall Riots” im Regierungspräsidum in Stuttgert im Namen von ATME eine Rede zu genau diesem Thema gehalten, ebenfalls sehr sehr empfehlenswert:
Die Zeit ist reif: Rede zum CSD-Empfang im Staatsministerium Ba-Wü

Gefühle und so

Auch wenn ich mir die Lebensfreude durch dieses leide Thema nicht nehmen lasse und die meiste Zeit meines Alltags quietschvergnügt bin, so stürzt dieses Thema doch immer mal wieder über mich wie ein Tsunami und macht mich traurig und noch mehr als das ratlos. In so Momenten fühle ich mich unglaublich schwach und hilflos, wage kaum zu glauben, dass dieser Irrsinn irgendwann ein Ende nehmen kann, dass mir jemand zuhört, dass man wahr!nimmt, versteht…. und so schwach ich mich in so Momenten fühle, so laut möchte ich auch aufbegehren und aufrütteln und es hinausschreien – irgendwie so………

Und dort liege ich immer noch,
bereit zu sterben, bereit zu verfallen
Bereit mich selbst zu vergessen
So wird keine Träne fliessen
So wird keine Seele trauern
So hat es mich nie gegeben !
(Lacrimosa – Tränen der Existenzlosigkeit)

Wahres Glück ist unglaublich still

Während ich die letzten Tage wieder an der Bearbeitung der Druckvorlage für das letztjährige Blogtagebuch war, begann etwas von Seite zu Seite mehr in mir zu schwingen, so ein unbeschreibliches Gefühl von Dankbarkeit, Zufriedenheit und Glück. Irgendwie ist es schon erstaunlich, wenn man unglücklich ist, ist einem das ständig bewusst, es verfolgt einem wie der eigene Schatten und lässt sich nicht abschütteln. Doch wenn man glücklich ist, zumindest diese Art von Glücklichsein von der ich grad rede, merkt man das meist nicht – und genau darin liegt das grosse Glück. Wahres Glück ist ein stilles Wasser, so still, dass man es kaum hört – und erst wann man bewusst nach Geräuschen sucht, wird einem klar, dass da gar keine sind, erst dann wird die Ruhe so richtig spürbar.

Das mit der Stille ist generell so eine Sache, wenn es still ist, denkt man selten: Oh ist das still hier. Erst wenn es lärmig wird, realisiert man, wie still es war, bevor es wieder laut wurde. So geht es mir wenn ich mich mit alten Blogtexten von mir beschäftige. Ich sitze da, überfliege Texte, Erinnerungen und Gefühle tauchen auf und der Lärm geht los. Das Durchforsten alter Blogtexte wühlt immer auf und holt längst vergessene Momente und längst nicht mehr verspürte Gefühle aus einer Vergangenheit, die mir aus heutiger Sicht unglaublich fremd erscheinen. Kann es wirklich sein, dass es mir einst so schlecht ging? Kann es sein, dass ich durch soviel Elend watete? Und wie genau geschah es, dass ich aus diesem Morast emporkroch und nun hier im Himmel liege und vergnügt vor mich hinträllere?

In so Momenten, wenn ich so alte Blogtexte lese, tauche ich ob ich will oder nicht wieder in diese Zeit ein und ich spüre wieder, wenn auch nur in einer irgendwie projezierten Form, was ich damals fühlte, welche Ängste mich durchdrangen, welche Verzweiflung mich erschütterte, welche Hoffnungslosigkeit mich erfüllte und welch renitenter Überlebenswille mich trotzig alles durchstehen liess, was man niemandem zumuten möchte. Und all das fühlt sich einerseits vertraut an, weil es meine eigene Vergangenheit ist und anderseits fühlt es sich so fremd an als würde ich einen Horrorthriller von Stephen King lesen. Man erlebt das Grauen mit, spürt es in jeder Pore und weiss doch stets, dass es nur Fiktion ist. Doch nicht in diesem Fall, meine Vergangenheit ist keine Fiktion, auch wenn es sich nur zu oft so anfühlt, ich habe das wirklich alles durchlebt – und überlebt.

All das macht mich immer wieder von Neuem fassungslos, ich sehe und fühle all das was war und so vertraut es doch ist, so fremd ist es auch. Heute führe ich ein stinknormales und schon fast langweiliges Leben, ich habe einen coolen Job, habe tolle Freunde, bin in einer wundervollen Beziehung mit dem süssesten Mädel der Welt, die ab August sogar endlich bei mir wohnt, all der Scheiss mit GaOp und Personenstandsänderung ist vorbei, die unerträgliche Diskrepanz zwischen Innen und Aussen hat sich aufgelöst – all das steht in so krassem Kontrast zu dem was war, dass ich das im Kopf kaum auf die Reihe krieg.

Klar habe ich weiterhin meine Probleme, ich ärgere mich regelmässig über Trans/Medien Scheiss, ärgere mich politische Hirnwäsche und ein Volk das sich seiner Manipuliertheit nicht annähernd bewusst ist, finanziell stehen recht wacklige Zeiten vor uns weil der Umzug und all der Kram recht an die Substanz geht und wir nicht viel Reserven haben, das und tausend kleine Dinge und Problemchen begleiten mich im Alltag. Aber all das fühlt sich sowas von unbedeutend an und es gehört halt einfach zum Leben – jeder hat solche Alltagssorgen und Widrigkeiten im Leben, aber ich habe etwas was nur Wenige haben: Egal was grad nicht gut läuft, ein kurzer Blick zurück reicht um mich mit einer ungeheuren Zufriedenheit zu erfüllen. Ich weiss aus Erfahrung, dass das Leben unsäglich grausam sein kann und ich weiss, dass man Dinge durchleben kann, die einem die Seele in tausend Stücke zerfetzen. Diese Erfahrung und die Erinnerung an all das was war schenkt mir eine Dankbarkeit und Zufriedenheit, die wohl eher selten ist.

Wie lange habe ich mein Leben nicht wirklich gelebt, wie oft war ich unsäglich traurig und verzweifelt, wie oft habe ich mir den Tod gewünscht und ihn doch nie erhalten, durch wieviel Irrsinn musste ich waten bis ich im hier und jetzt ankam – unglaublich viel war da, unvorstellbar viel.

Und heute stehe ich am morgen auf, geh ins Badezimmer und mach mich vor dem Spiegel bereit, ohne dass mir ein Drama meinerselbst entgegenglotzt, ohne dass ich bedaure dass schon wieder ein neuer Tag begonnen hat, ohne dieses allumfassende Gefühl totaler Sinnlosigkeit meines Lebens – ich bin einfach ein fast normales Menschlein, das das Leben lebt, zur Arbeit geht und mega viel Spass dabei hat, bald täglich mit der Liebsten rumkuschelt, genug Freiraum im Kopf hat um auch mal wochenlang Diablo-3 zu spielen weil mir grad danach ist…………

Mann, ist das Leben schön, echt. Und so wirklich schön ist es gerade deshalb, weil es so wenig braucht um es schön zu machen. Ich brauche kein Geld, kein Auto, keinen Ruhm, ich brauche eigentlich nichts ausser mir selbst, der Möglichkeit mich selbst anzunehmen und zu lieben und die Frau meines Lebens zu haben, die mich liebt so wie ich bin und die mir tagtäglich zu spüren gibt, dass ich nie allein bin und wirklich geliebt werde.

Ihr fragt Euch nun vielleicht, was dieses ganze Herumgesülze soll……… ehrlich gesagt, ich weiss es auch nicht, mir ist nur einfach grad danach, weil mir mein eigenes Blog mal wieder vor Augen gehalten hat, wie brutal das Leben sein könnte und wie schön es doch ist, jetzt, da es eben nicht mehr ist, wie es einst war.

All das bestätigt mich darin, dass ich Recht habe mit meinem Lieblingsslogan der schon so oft im Blog zu lesen war: “Nichts ist unmöglich, denen, die das Unmögliche wagen”. Ja in der Tat, nichts ist unmöglich, man muss nur mutig und frech und kreativ und unorthodox genug sein und darf sich nicht gefangen nehmen lassen durch Vorstellungen und Einredungen, die einem glauben machen wollen, es gäbe das Unmögliche. Denn wenn man etwas wirklich will und kreativ genug ist um es umzusetzen und hartnäckig genug ist um dieses Ziel zu verfolgen, dann geht es auch – und es führt ans Ziel – und es führt einfach in den Himmel………….. oder wenigstens den Kühlschrank hinunter ;-)

Transsexualität und Geschlechtsentwicklung

Um Transsexualität zu verstehen, muss man erst wissen, wie die Geschlechtsentwicklung überhaupt abläuft, erst dann kann man begreifen, warum es bei den Geschlechtern eben nicht nur Barbie+Ken gibt – und dass es keine absolut zuverlässigen Kriterien gibt um bei jemandem das Geschlecht mit Sicherheit bestimmen zu können, ausser der eigenen “Gewissheit um das eigene Geschlecht”. Zeit für eine “nicht wissenschaftliche” Aufklärung über die wissenschaftlichen Fakten zur Geschlechtsentwicklung.

Chromosomen = Geschlechtshormone = Genitalien?

Vereinfacht gesagt läuft es so, dass die Chromosomen im Wesentlichen beeinflussen, welche Geschlechtshormone produziert werden. Diese Geschlechtshormone wiederum beeinflussen dann die körperliche Entwicklung des Embryos, dazu gehört auch die Geschlechtsdifferenzierung des Gehirns. Testosteron vermännlicht den Körper, Östrogen verweiblicht ihn. Selbst wenn man den Hormonhaushalt im Erwachsenenalter umkehrt wie bei transsexuellen Menschen, verändert sich der Körper in vielerlei Hinsicht. Wenn alles “normal” läuft mit der Geschlechtsentwicklung, dann hat eine korrekte DNA die passende Hormone aktiviert und die haben alles von A-Z ins richtige Geschlecht entwickelt – wenn das Wörtchen “wenn’ nicht wäre…….

Abweichungen der “normalen” Geschlechtsentwicklung

Doch hier liegt eben der Haken, denn schon bei den Chromosomen gibt es Abweichungen, die alles auf den Kopf stellen können, dann gibt es verschiedene Umstände die die Hormonproduktion oder Hormonaufnahme behindern oder verändern können bis hin zu eventuellen Faktoren die wir noch nicht kennen. Der Weg von der Eizelle zum geschlechtlichen Menschen ist abenteuerlicher als denken. So kann sich jemand ungeachtet von XX/XY in jedes Geschlecht entwickeln – oder wie im Falle von transsexuellen Menschen, ein Teil des Körpers (das Gehirn) sich nicht in dasselbe Geschlecht entwickelt wie der Rest des Körpers.

Der Irrtum von XX = Frau / XY = Mann

Nehmen wir gleich mal den verbreitetsten Irrtum vorweg. Gerade wenn es um Transsexualität geht, kommt die Genetik immer als Todschlagargument daher, XX ist eine Frau und XY ein Mann, punkt. Und das ist Quatsch, meines Wissens sind aktuell fünf verschiedene Chromosomen-Varianten bekannt bis hin zu Menschen mit XXY-Chromosomensatz oder sogar mit nur einem einzelnen X-Chromosom.

XX-Männer

Der Grund für die männliche Geschlechtsentwicklung liegt nicht im Y-Chromosom als Ganzes sondern in einer Gensequenz namens SRY (Sex determining region of Y), das die Testosteronproduktion steuert. Nun gibt es Fälle in denen ein SRY-gen auf einem der beiden X-Chromosomen liegt, infolgedessen entwickelt sich der Körper trotz fehlendem Y-Chromosom männlich. (Wikipedia: XX-Mann)

XY-Frauen

Die SRY-Sequenz steuert wie gesagt die Testosterionproduktion und die wiederum ist hauptverantwortlich für die restliche Körperentwicklung. Wenn nun aber aus verschiedenen Gründen diese Testosteronproduktion beeinträchtigt ist oder das Testosteron sonstwie blockiert wird (z.B. Androgen-Resistenz), dann kann die “Vermännlichung” des Fötus nicht oder nur teilweise erfolgen. Das Umgekehrte ist auch möglich, beispielsweise beim sogenannten “Swyer-Syndrom“, da existieren zwar XY-Chromosomen, aber aufgrund einer Mutation im SRY-Gen werden keine hormonaktiven Keimzellen gebildet und so kommt es nicht zu einer Masulinisierung. In beiden Fällen haben Betroffene zwar XY-Chromosomen aber einen weiblich entwickelten Körper.

XXY-Chromosom

Spätestens bei einer XXY-Chromosom Variante (Klinefelter-Syndrom) stehen wir am Abgrund, wenn wir die DNA zur Geschlechtszuweisung verwenden möchten, da ist ein XX aber auch ein XY vorhanden, was nun? Ähnlich sieht es aus bei Menschen die nur ein X-Chromosom (Turner-Syndrom) haben, da fehlt offenbar eins, aber welches, das zweite X oder das Y?

Intersexualität

Solche Normvarianten der Geschlechtsentwicklung nennt man Intersexualität (Zwitter). Dass diese Menschen oft schon als Säuglinge genitalverstümmelt werden im Dienste der gesellschaftlichen Geschlechtsbinarität, habe ich bereits mehrmals angeprangert und soll heute nicht das Thema sein.

Transsexualität – die partielle Abweichung vom eigenen Geschlecht

Wie man heute weiss, gibt es in der Geschlechtsentwicklung verschiedene Phasen die ein Embryo durchläuft. So gibt es Zeiten, in denen vorallem Gonaden/Genitalien ausgebildet werden und es gibt auch andere Phasen in denen das Gehirn hauptsächlich entwickelt wird. Verschiedene neurologische Studien konnten zeigen, dass Hirnregionen (vorallem Hypothalamus), die massgeblich an der Geschlechtsentwicklung beteiligt sind, bei vielen transsexuellen Frauen in Grösse und Neuronendichte den Gehirnen von Frauen entsprechen – und umgekehrt, haben transsexuelle Männer die Struktur von Männern. Wir haben also vereinfacht gesagt ein weibliches Gehirn in einem männlichen Restkörper. (siehe: “ATME – Biologische Ursachen“)

Der naheliegendste Verdacht geht davon aus, dass ein hormonelles Ungleichgewicht im Mutterbauch die Geschlechtsentwicklung in einzelnen Entwicklungsphasen in die “falsche Richtung” gesteuert hat. Deshalb ist es eben auch kein “Wunsch nach Geschlechtswechsels”, transsexuelle Menschen wollen ihr Geschlecht nicht ändern, denn das sitzt in ihrer Persönlichkeit, die wohl eher im Gehirn als zwischen den Beinen sein dürfte. (Siehe: “Mut23 – Das Gehirn bestimmt das Geschlecht“)

Keine geschlechtsbestimmenden Kriterien

Resumieren wir also nochmal: wir haben mehr als zwei Chromosomenvarianten, es gibt sowohl XY-Frauen als auch XX-Männer, die DNA ist folglich kein Kriterium mit dem man das Geschlecht zweifellos festlegen könnte. Sowohl die DNA als auch das Hormonsystem können jede nur denkliche Geschlechtsvariante hervorbringen, von Männern mit unterentwickeltem Penis, über Frauen mit übergrosser Klitoris, Frauen mit Bärten, Männer mit Brüsten – bis hin zu Menschen, deren sichtbarer Körper 100% einem Geschlecht entspricht und die trotzdem nicht davon abzubringen sind, zu wissen, dass sie nicht dem ihnen zugewiesenen Geschlecht entsprechen. Es gibt ganz einfach kein Kriterium zur Fremdbestimmung – also hören wir endlich auf mit diesem Quatsch.

Die Gewissheit um das eigene Geschlecht

Es gibt nur eines was mit Sicherheit korrekt und unveränderlich ist, das ist die Gewissheit um das eigene Geschlecht. Man hat es mit Intersexuellen schon viel zu oft ausprobiert, hat ihr Genital nach der Geburt zurechtgeschnippelt, hat sie “geschlechtsspezifisch korrekt” erzogen, doch all das hat nichts an ihrer Überzeugung geändert, welchem Geschlecht sie angehören. Zu wissen, wer man ist, lässt sich nicht von aussen beeinflussen, es ist eine Frage des Wesens und basiert massgeblich auf der eigenen Hirnstruktur. Man kann jemanden natürlich einschüchtern oder unter Druck setzen mit lustigen “Verhaltenstherapien”, vielleicht bringt man jemanden so sogar zur Selbstverleugnung, aber das Wissen wer man ist bleibt bestehen, auch wenn es nicht mehr ausgesprochen wird.

Recht auf Selbstbestimmung

Um es nun noch ganz persönlich zusammenzufassen: Wenn weder DNA-Test noch Hormonprofil, noch Entwicklung der Genitalien noch sonst etwas ein unumstösslicher Beweis zur Geschlechtsbestimmung vorhanden ist und ich von mir sage, dass ich eine Frau bin, dann steht es argumentativ eins zu null. Dann hat die Gesellschaft das zu akzeptieren, weil es nichts gibt was das Gegenteil beweisen würde, dafür aber etwas vielleicht Unbedeutendes das dafür spricht – ich selbst, meine Persönlichkeit und mein Selbst – ich finde das sollte reichen um auch transsexuellen Menschen endlich wahre Selbstbestimmung zuzusprechen und ihnen damit die Menschenwürde geben, die bisher verweigert wurde, weil jeder glaubte zu wissen, dass ja XX und YY und……………… und ob es uns passt oder nicht, wir müssen damit leben, dass unser Schwarzweiss-Bild des menschlichen Geschlechts eine Illusion ist, es gibt Frauen mit Penis und es gibt Männer ohne Penis – Punkt!

Weiterführendes
Entwicklung der Geschlechtsorgane
Milton Diamond: Medizinische Ursachen für Transsexualität (Kapitel 2)

Von Xenophobie über Homophobie zur Transphobie

In meinen Blogs taucht ja öfters mal der Ausdruck “Transphobie” auf und so manche LeserInnen dürften dabei zuerst mal etwas ratlos sein – hört man ja kaum sowas. Etwas bekannter ist der Ausdruck “Homophobie”, das kennt man doch schon eher, meist jedoch ohne zu verstehen was genau damit gemeint ist. Kaum jemand wird wissen, dass sowohl Transphobie als auch Homophobie eigentlich Unterarten von “Xenophobie” sind, der Angst vor dem Fremden.

Ich möchte diese Begriffe mal etwas beleuchten und vorallem mal der Frage nachgehen, woher all das kommt, wie wir als Gesellschaft damit umgehen müssten und nicht zuletzt, was für einen katastrophalen Schaden es bei “den Fremden” anrichtet.

Das wird mal wieder einer jener Blogbeiträge von mir, bei denen ich einer Frage nachgehe, die ich selber noch nicht beantworten kann, von der ich hoffe, dass ich während dem Schreiben der Antwort etwas näher kommen kann. Also mal alles der Reihe nach, das wird eine komplexe Geschichte…….

Des Menschen Umgang mit der Angst

Der Mensch reagiert auf Angst (Phobie) eigentlich wie alle anderen Lebewesen. Die Entstehung von Angst bewirkt sofort ein Mobilisieren aller Resourcen und es stellt sich nur eine Frage: Kämpfen oder Fliehen? Die Entscheidung fällt in Sekundenbruchteilen und man rennt – oder macht das Ding platt. Diese Angst müsste sich aber spätestens dann auflösen, wenn man erlebt, dass die Angst unbegründet ist. Von Phobie redet die Psychologie dann, wenn so eine Angst sich nicht auflöst und zu Leiden führt – für sich selbst oder für Andere.

Xenophobie – die Angst vor dem Fremden

Xenophobie ist die Angst vor allem Fremden, vor dem Unbekannten. Diese Angst die in der ältesten unserer Hirnschichten beheimatet ist, macht an sich Sinn. Wenn Du zum ersten Mal durch einen Dschungel läufst und plötzlich eine Schlange vor Dir über den Boden kriecht und Du noch nie eine Schlange gesehen hast, wirst Du mit Recht in Alarmbereitschaft versetzt. Was in aller Welt ist das denn, ein Lebewesen ohne Beine, mit einer Haut wie ein aufgespannter Regenschirm? Ist es gefährlich? Kann ich es essen?

Die erste Reaktion beim Erscheinen von Unbekanntem ist mit Recht Vorsicht. Zuerst wird man wohl weichen, wird den Rest des Abends ratlos darüber nachdenken, was das wohl für ein komisches Ding war. Und je nach Charaktertyp wird die Angst sich mit jedem Gedanken potentieren oder man wird neugierig und interessiert.

Das Problem bei rassistischen Menschen liegt scheinbar darin, dass sie diese Angststufe nie überschreiten, sie wagen nicht, sich wirklich mal mit diesem Unbekannten auseinanderzusetzen. Und da man in unserer Gesellschaft kaum noch ausweichen kann, verspüren sie den Drang zu kämpfen, dieses Unbekannte zu be-kämpfen.

Das Dilemma bei der Xenophobie ist vorallem, dass diese Prozesse unbewusst ablaufen. Xenophobe reagieren in der Regel empört, wenn man ihnen beispielsweise Rassismus vorwirft. Das macht Xenophobe therapieresistenter als die meisten anderen Phobiker – vorallem deshalb, weil viele Rassisten ideologisch konditioniert sind und deshalb wie alle ideologisch Eingeschworenen kaum noch für Argumente empfänglich sind.

Homophobie

Homophobie hat wie mir scheint mehrere Ursprungsformen. Einerseits eben diese xenophobe Komponente, weil es einfach nicht normal ist, dass ein Lebewesen keine Beine hat und auf dem Bauch kriecht. Diese Leute können oft “geheilt” werden, wenn sie beispielsweise in ihrem persönlichen Umfeld einen Freund haben, der sich plötzlich als schwul outet. Wie jeder andere Phobiker lernen sie so, dass die ja gar nicht böse sind, dass die eigentlich genau wie sie selbst sind, das Unbekannte wird bekannt und die Angst löst sich auf.

Religiöse Homophobie

Ein weiterer möglicher Ursprung für Homophobie ist Religion. Vorallem die drei semitischen Religionen (Judentum, Christentum, Moslem) lesen aus ihren heiligen Schriften heraus, dass Homosexualität Sünde sei. Das hält zwar wie andersweitig schonmal aufgezeigt einer genaueren Überprüfung nicht stand, trotzdem hält sich diese Vorstellung vorallem bei Fundamentalisten hartnäckig – so hartnäckig, dass sie locker das Gebot der Nächstenliebe über Bord schmeissen und von Hass getrieben gegen Homosexuelle vorgehen.

Dabei handelt es sich so gesehen weniger um echte Xenophobie sondern eher um religiösen Wahn – auch der kann therapiert werden – und es gäbe einen wirklich spirituellen Umgang damit, indem diejenigen lernen würden, sich auf ihre persönliche Beziehung zu Gott und ihren persönlichen Glauben zu konzentrieren, anstatt über Andere herzufallen, weil sie sich einreden, sie würden religiösen Ruhm ernten, wenn sie “die Bösen” niedermachen.

Verdrängungs-Homophobie

Amerikanische Psychologen zeigten männlichen Probanden pornografische Filme mit schwulen Männern. Bei Versuchspersonen, die in einer Befragung zuvor homophobe Tendenzen gezeigt hatten, beobachteten die Forscher in 54 Prozent der Fälle sexuelle Erregung, ­ bei nicht Homophoben waren es hingegen nur 24 Prozent.

Während Xenophobie und herkömmliche Homophobie sowohl Angst vor dem Fremden als auch religiös motivierte Ursprünge haben können, gibt es bei der Homophobie noch eine zusätzliche Ursprungsform, die Psychologen Verdrängung und Projektion nennen. Entgegen der weit verbreiteten Irrmeinung, es gäbe bei der sexuellen Ausrichtung nur schwarz und weiss, ist es in Wirklichkeit so, dass kaum jemand 100% einzuordnen ist, die meisten haben eine Komponente in sich, die sie auch zum eigenen Geschlecht zieht. Ist diese sehr klein, spürt man davon gar nichts und hat auch kein Problem damit. Ist sie grösser, anerkennt man sich früher oder später als bisexuell oder homosexuell – oder man verdrängt diese Gefühle, weil man sehr früh wahrnimmt, dass wir in einer homophoben Gesellschaft leben und dass man sich einer Menge Ärger aussetzt, wenn man nicht in der Spur läuft. Siehe hierzu: Psychologen suchen Gründe für Homophobie

Doch alles was man verdrängt, bohrt in einem rum. Verdrängung funktioniert nicht nachhaltig, es kommt früher oder später immer wieder hoch. Und das wiederum löst eine noch grössere Abwehr aus, die dann darin mündet, dass man den Ekel vor sich selbst auf Andere projeziert – eben die, die so sind, wie man selber auch wäre, wenn man sich denn lassen würde. Und das löst noch viel mehr Agression aus als herkömmliche Xenophobie oder Homophobie, weil in diesem Verdrängungszustand jeder Homosexuelle eine ernsthafte Bedrohung ist für die eigene psycho-emotionale Abwehr.

Man darf davon ausgehen, dass diese Menschen zu den renitentesten Bekämpfern von Homosexuellen zählen, weil es bei ihnen nicht mehr uns Fremdsein oder um Fanatismus geht, bei ihnen geht es um den Schutz ihres konstruierten Ichs, das zusammenzufallen droht, wenn sie hier Risse zulassen. Dass solche Prozesse noch viel unbewusster ablaufen als alles bisher hier geschriebene, dürfte jedem einleuchten.

Transphobie

So wie Homophobie eine “erweiterte Form” von Xenophobie ist und zusätzliche Auslöser haben kann, genauso ist Transphobie eine Erweiterung der Homophobie. Da gemäss offiziellen Zahlen angeblich nur jeder zehntausendste Mensch transsexuell ist, sind transsexuelle Menschen natürlich noch viel seltener als bi-/homosexuelle Menschen, die immerhin etwa 10% der Bevölkerung ausmachen dürften. Umso heftiger ist dann die Reaktion, wenn man so einem ungewöhnlichen Exemplar der menschlichen Spezies begegnet.

Genauso wie Homophobie kann auch Transphobie Folge von religiösem Fanatismus sein, was eigentlich skurril ist in Anbetracht davon, dass dieses Thema in keiner der heiligen Schriften der Religionen angesprochen wird. Und genauso wie Homophobie kann Transphobie auch eine Folge eigener Verdrängung sein.

Wenn die Geschlechtsbinarität zusammenbricht

Bei der geschlechtlichen Identität gibt es jedoch noch viel mehr Diskrepanzen als bei der sexuellen Orientierung, das gesellschaftliche Schwarz-Weiss-Bild der Geschlechter ist weitaus fundamentalistischer, es ist so ausgeprägt, dass es sich kein Mann leisten kann, “weibische Allüren” zu haben und keine Frau kann sich “burschikoses Verhalten” leisten. Die Geschlechterstereotypen sind so unbarmherzig radikal, dass wir schon fast Amok laufen, wenn ein Junge mal mit einem Barbie spielt. Infolgedessen muss eigentlich jeder Mensch gewisse Wesensanteile unterdrücken, weil es sich für einen Mann einfach nicht gehört, verzückt an Blumen zu schnüffeln und eine Frau die flucht ist eh des Teufels.

So verdrängen alle einen Teil Ihrerselbst und dann kommt jemand, der all das über den Haufen wirft? Zum Einen ist das nur schon deshalb blanke Provokation, weil es einem spüren lässt, dass in einem selbst eigentlich auch Sehnsüchte schlummern und dass man selber eigentlich auch nicht voll und ganz sich selbst ist. Zum Anderen wird einem so vor Augen gehalten, dass man selbst eigentlich auch die Wahl hätte, dieses Verhaltensgefängnis zu verlassen, wenn man denn stark genug wäre, diese gesellschaftliche Spannung auszuhalten. Und das nervt total, wenn auch nur unbewusst.

Der kleine Unterschied bei der Transphobie

Aber erst jetzt wird es so richtig spannend, denn nun wird’s echt obskur. Während bisher alles rational einigermassen gut nachvollziehbar ist, gibt es bei der Transphobie ein Phänomen, das dem Verstand nur noch schwer zugänglich ist, nämlich die Tatsache, dass Transphobie gegenüber transsexuellen Frauen um ein Vielfaches heftiger ist als gegenüber transsexuellen Männern.

Es ist nicht zu übersehen, dass Medien beispielsweise von transsexuellen Frauen viel respektloser schreiben als von Männern, es gibt kein Pendant zum Wort “Transe” und bei trans*Männern wird auch fast ausnahmslos in der männlichen Form gesprochen, ganz im Gegensatz zu trans*Frauen, über die man in vielen Medien gern ebenfalls in männlicher Form schreibt – warum dieser Unterschied? Es ist beispielsweise auch so, dass in Komödien “der Mann in Frauenkleidern” der grösste Lacher ist, während “die Frau in Männerkleidern” kaum jemanden vom Hocker reisst.

Gemäss den bisherigen Gedanken ist diese plötzliche Unterscheidung nicht nachvollziehbar. Ich bin jetzt einfach mal so frech und frage nach dem Warum – und fieserweise habe ich zwei Verdachtspunkte, die schmerzlich sein könnten, aber heut wollen wir mal nicht feige sein und blicken den Abgründen der Menschheit einfach mal frech ins Gesicht ;-)

Transphobie im patriarchalen/phallozentrischen Weltbild

Irgendwie ist es doch verdächtig, wir leben in einer patriarchalen und phallozentrischen Welt, in der der Mann als Geschöpf Gottes gilt und die Frau ein aus einem Rippenknochen geschnitztes Objekt ist – und wir haben Verständnis, wenn “eine Frau ein Mann sein will”, lachen uns aber kaputt, wenn “ein Mann eine Frau sein will” – klingelts?

Natürlich stimmen diese Zuweisungen nicht, eine trans*Frau ist kein Mann der eine Frau sein will sondern eine Frau, deren sichtbarer Körper sich grösstenteils männlich entwickelt hat und umgekehrt. Aber dank der hier schon oft kritisierten Psychopathologisierung von transsexuellen Menschen steckt das vorläufig noch so in den Köpfen dieser Welt.

Wenn wir also aus dem Blickwinkel dieser Gesellschaft schauen und diesen Irrtum annehmen, warum sollten wir dann transsexuelle Frauen so lächerlich finden, während wir für transsexuelle Männer doch überraschend viel Verständnis aufbringen? Warum sollten wir so unterscheiden, wenn nicht, weil wir den Mann als Mass aller Dinge verstehen?

Gäbe es in unseren Köpfen keinen Wertunterschied zwischen Mann und Frau, wäre eine transsexuelle Frau genauso lustig oder nicht lustig wie ein transsexueller Mann – dem ist aber nicht so. Und das sollte eigentlich nicht nur uns trans*Frauen zu denken geben, viel mehr müsste das allen Frauen zu denken geben. Denn interessanterweise haben Frauen mit transsexuellen Menschen generell viel weniger Probleme, sie reagieren oft mehr mit Mitgefühl als mit Amusement. Aber für Jungs scheint es nichts Lustigeres zu geben als ein vermeintlicher Mann, der sich vermeintlich zur Frau macht. Es scheint mir offenslichtlich, dass vorallem Männer die Transition von transsexuellen Frauen als Wertverminderung betrachten – Downgrade nennt man das in der Informatik.

Transsexuelle Frauen als trojanische Pferde

Doch so logisch wie es auch scheint, dass Männer in einem patriarchalen Denkgefängnis glauben, eine transsexuelle Frau sei das lächerlichste auf Erden, mir persönlich reicht das noch nicht als Erklärung. Es erklärt vielleicht das Gelächter der Herren, erklärt aber nicht die Gehässigkeit, die man uns manchmal entgegenbringt. Seit drei Jahren beschäftige ich mich mit diesem Phänomen und bis heute ist mir nur eine Erklärung einleuchtend. Gehässigkeit ist Gewalt und Gewalt ist immer Reaktion auf vermeintliche Bedrohung. Doch was zum Kuckuck soll an einer trans*Frau bedrohlich sein? Durch die Hormontherapie reduziert sich ja sogar die Muskelmasse und die Agressionsbereitschaqft, es wird wohl kaum ein echter Kerl Angst davor haben, dass ein transMädel über ihn herfällt. Was also haben transsexuelle Frauen, was sie für Männer zur Bedrohung machen könnte – was ausser ihrem Insiderwissen?

Ooooops, Volltreffer? Ja wir haben Insiderwissen, ich habe vier Jahrzehnte auf der anderen Seite des Zauns gegrast, ich habe erlebt wie Männer unter sich sind, wie sie über Frauen denken und reden, ich habe genug Männer erlebt, die glaubten unter sich zu sein und dann aussprachen, was sie sonst nur denken, dann, wenn Frauen anwesend sind. Ich weiss, wie leicht so manche Männer eine Frau in ihrem Kopf zu einem Objekt machen können. Was, wenn ich all das ausplaudere, wie jetzt grad?

Die Whistleblowerinnen des patriarchalen Grauens

Ich habe genug Männerabende und Frauenabende erlebt um zu wissen, dass Männer unter sich einiges despektierlicher über Frauen herziehen als Frauen über Männer. Klar, wir Mädels lästern auch gern, sehr gern sogar, aber es hat selten etwas wirklich abschätziges, es ist eher so, dass wir Jungs manchmal einfach drollig finden und uns dann darüber etwas amüsieren. Aber ich habe noch nie erlebt, dass Frauen unter sich beispielsweise über Männer so reden, als ob diese nur ein Objekt wären – die Tussi möcht ich mal flachlegen – und ich glaube, dass so manche Frau entsetzt wäre, wenn sie hören würde, was ich schon gehört habe.

Um jetzt hier nicht eine männerfeindliche Stimmung aufzubauen, möchte ich wirklich betonen, dass selbstverständlich nicht alle Männer gleich sind, genauso wie nicht alle Frauen gleich sind. Aber die Tendenz im Sinn einer klaren Mehrheit ist verblüffend und gerade für uns Frauen wie ich meine auch erschreckend.

Transphobie? Die Frage bleibt unbeantwortet

Und so beende ich nun mit dieser Frage, die ich im Raum stehen lassen muss, weil ich sie nicht abschliessend beantworten kann. Sind transsexuelle Frauen vorallem deshalb eine solche Bedrohung für Männer, weil sie wissen, wie Jungs ticken, weil sie wissen, wie sie über nicht anwesende Frauen reden und weil wir wissen, wie Jungs die Mädels zwecks flachlegen erobern? Oder spinne ich mir da in diesem letzten Punkt etwas zusammen? Das zu entscheiden überlasse ich Euch, ich bin nicht zur Richterin berufen in dieser Frage – einzig im Rahmen dieses Themas zur Whistleblowerin – mea culpa ;-)

Transphobie – Exempel aus dem Sumpf der Boulevardmedien

Ein “schönes” Beispiel über Transphobie findet man grad dieser Tage beim Boulevard-Blatt 20-Minuten. Bemerkenswert ist einerseits die gezielt falsch formulierte Ansprache im Titel, noch bemerkenswerter sind jedoch die Kommentare. Wenn man die Kommentare genau durchliest, findet der aufmerksame Leser sogar ein Paradebeispiel, ich nenne jetzt keine Namen, aber es gibt da jemanden, der in vielen Kommentarsträngen seinen Senf dazu gab und jedes Argument argumentslos niederplättet – was mag der Grund sein für seine überbordende Abwehr? ;-)
20minuten: Er kann Kanadas schönste Frau werden

EUCH kann geholfen werden ;-)

Nur eines kann ich zu den Transphoben abschliessend sagen: Transphobie ist nicht unser Problem, es ist Euer Problem, Ihr könnt uns zwar das Leben schwer machen und Euer Problem damit zu Unserem machen, aber es ändert nichts daran, dass Ihr diejenigen seid, die ein Problem habt und dass Ihr diejenigen seid, die Hilfe brauchen würdet.

Reportage: Transsexualität – Gefangen im falschen Geschlecht

Vor über einem Jahr wurde ich mal für das zu T-Online gehörende deutsche Internetportal perlfrech.de zum Thema Transsexualität interviewt, was Vielen gefallen hat. Im Rahmen einer Umstellung der Internetpräsenz wurden dort aber leider alle alten Beiträge gelöscht und so verschwand zum Bedauern meiner LeserInnen auch diese Reportage in den ewigen Jagdgründen des Webs. Aber bekanntlich stirbt nichts was mal im Internet war und wenn doch, lässt man es auferstehen. Und da ich glücklicherweise den Text noch von Korrekturlesen her habe, erlaube ich mir nun, diesen wieder zu re-posten. An dieser Stelle möchte ich mich nochmal herzlich bei Tanja für die wirklich einfühlsame und gelungene Reportage bedanken :-)

Diana ist eine ganz normale Frau. Heute. Ihr Weg dahin war jedoch lang und steinig: Auf die Welt gekommen ist sie vor 44 Jahren mit männlichen Geschlechtsmerkmalen.

Weibliches Hirn, männlicher Körper

Für die meisten von uns ist es schwer zu verstehen, dass es Menschen gibt, die „im falschen Körper“ stecken. Frau ist Frau und Mann ist Mann. Punkt. Vielleicht lassen wir noch gelten, dass es Männer gibt, die einfach gerne hin und wieder Frauenkleidung tragen – und belächeln es ein wenig. „Transen“ eben. Dabei hat die reine Vorliebe für „Mädchenkleider“ überhaupt nichts mit Transsexualität zu tun – das ist eher Transvestitismus oder einfach ein Fetisch. Transsexualität jedoch ist weder ein Fetisch noch hat es mit der sexuellen Ausrichtung zu tun, sondern mit einem „falschen Körper“, in dem die andersgeschlechtliche Seele gefangen ist. Transsexuell zu sein bedeutet, dass sich das Gehirn nicht demselben Geschlecht entsprechend entwickelt hat wie der Rest des Körpers.

Eine unerklärliche Sehnsucht

Als Kind konnte Diana nicht genau definieren, was an ihr falsch war, doch dass etwas nicht stimmte, stand bereits damals für sie fest: „Meine früheste Erinnerung ist, dass ich schon als Kind – vielleicht auch unbewusst – Theater gespielt habe. Ich habe schnell gemerkt, dass es für andere albern und teilweise befremdlich wirkte, mich als vermeintlichen Jungen mit Puppen spielen oder gar im Kleidchen tanzen zu sehen“, erzählt sie. „Also habe ich mir die Jungs ganz genau angeschaut, sie imitiert und mir alles Mädchenhafte abtrainiert.“ Mit 23 hat Diana schließlich eine Dokumentation über Transsexualität gesehen, danach konnte sie einordnen, was „mit ihr los war“. „Endlich hatte ich einen Namen für die bis dahin unerklärliche Sehnsucht, die all die Jahre in mir war“, erinnert sie sich.

Jahrzehnte langes Leiden

Die Sehnsucht und ihr wirkliches Wesen hat Diana auch danach verdrängt, ist eher in ein männliches Extrem verfallen. „Ich war der knallharte Rockertyp mit Harley Davidson, habe sozusagen jedem Macho-Klischee entsprochen – zumindest optisch. Meine wahre weibliche Persönlichkeit war tief in mir eingeschlossen, musste sich vor der Welt verstecken.“ Für die 44-Jährige folgten Jahre der Selbstverleugnung, Zerrissenheit und des inneren Leidens. „Mein einstudiertes maskulines Verhaltensmuster habe ich über die Jahre perfektioniert, habe quasi immer eine Maske getragen. Ich war nicht wirklich ich selbst, konnte mich nie zulassen.“

Erstes Outing mit 44

Mit 44 outete Diana sich zum ersten Mal gegenüber einem anderen Menschen: Sie gesteht ihre Transsexualität ihrer damaligen Lebenspartnerin. Diese reagierte verständnisvoll. In den eigenen vier Wänden konnte Diana nun also auch äußerlich eine Frau sein, Kleider und Make up tragen. Musste sich nicht mehr verstellen. Doch der Druck, in der Öffentlichkeit eine Maske aufsetzen zu müssen, blieb. Als die Beziehung nach einigen Jahren auseinander ging, nahm Diana sich Zeit zum Nachdenken. Nach etwa einem halben Jahr machte es eines Abends „Klick“ in ihrem Kopf und sie entschied: Schluss mit Maskerade und aufgesetzter Männlichkeit – sie konnte einfach nicht mehr weiter diese Lüge leben.

Verständnis bei Familie, Freunden und Kollegen

Diana beschloss, nun auch öffentlich zu ihrer Weiblichkeit zu stehen – mit allen Konsequenzen. Sie wollte endlich ihr Leben leben, endlich ganz und gar Frau sein – und war bereit, den schweren Weg, der vor ihr lag, zu gehen. Als erstes outete sie sich bei Freunden und Familie, dann in der Firma, in der sie seit einigen Jahren als Programmiererin arbeitete. Sie traf auf weit mehr Verständnis als erhofft. Kollegen, Freunde und Familie hatten überwiegend keine Probleme mit ihrer Offenbarung. Die erste Hürde war genommen.

Extrembelastung Alltagstest

Um am Ende die Zulassung und Kostenübernahme zu einer genitalangleichenden Operation zu bekommen, musste Diana mindestens ein Jahr lang öffentlich als Frau leben – der sogenannte Alltagstest. Dieser Alltagstest ist gerade für transsexuellen Frauen sehr belastend. Der durch jahrelange Testosteronproduktion extrem männliche Körper wirkt in weiblicher Kleidung auf die Umwelt meist etwas befremdlich und teilweise recht belustigend. Bartschatten und andere markante Merkmale verschwinden schließlich nicht über Nacht. Nicht selten wird jeder Gang vor die Haustür so zum Spießrutenlauf. Kommen Optik und Auftreten möglichst perfekt an das wahre Geschlecht heran – in Dianas Fall also weiblich – nennt man das „ein gutes Passing“. Um eben diese gute Passing zu erlangen, begann Diana sofort, Bart- und einige Körperhaare weglasern zu lassen. „Die Angst, plötzlich unfreiwillig als vermeintlicher Mann „geoutet“ oder verspottet zu werden, war immer da“, erinnert sie sich an die Anfangszeit zurück.

Psychische oder biologische Ursachen?

Auch zu einem Therapeuten ging Diana regelmäßig, das ist ebenfalls Pflicht: „Das Entwürdigende ist, dass du dich als gestörten Mann diagnostizieren lassen musst, um als die Frau anerkannt zu werden, die du schon immer warst“, erzählt sie. „Dabei gibt es mittlerweile viele Untersuchungen, die beweisen, dass Transsexualität eben keine Wunschfrage und keine psychische Störung ist, sondern biologische Ursachen hat. Die maßgeblich geschlechtsbestimmenden Hirnregionen einer transsexuellen Frau entsprechen der weiblichen Anatomie“, weiß sie. Um ihr Passing noch weiter zu verbessern, kamen Besuche bei einer Logopädin hinzu. „Die tiefe, testosterongeprägte Stimme und auch die eher männliche Sprechweise, die ich mir in all den Jahren antrainiert hatte, gaben doch immer wieder meine Vergangenheit preis“, ärgert sie sich ein wenig.

Endlich angekommen!

Mittlerweile ist Diana ihren Weg unbeirrbar gegangen – egal, welche Schwierigkeiten ihr auch begegneten. Die genitalangleichende Operation hat sie hinter sich gebracht und ist nun nicht nur mit Seele, sondern endlich auch mit dem Körper ganz Frau. „Jetzt kann ich mich annehmen, wenn ich vor dem Spiegel stehe. Das bin einfach ich! Mein erster Gedanke nach der OP war: Endlich ist es vorbei!“. Sie lebt nun das richtige Leben im richtigen Körper. Sie ist eine attraktive Frau mit viel Stil, Charme, Humor – und Kraft. Mit 44 Jahren endlich angekommen.

Entpathologisierung beginnt bei uns selbst

Schmerzlich wird mir immer mehr bewusst, wie aussichtslos der Kampf gegen Sexologen und Medien ist, solange viele Betroffene sich selbst die Narrenkappe der “Geschlechtsidentitätsstörung” anziehen und die zugegebenermassen nett klingende “Mär der Identitässtörung” inszenieren. Wenn nicht mal die “eigenen Leute” zu sich selbst stehen können, wie wollen wir da je etwas verändern in der öffentlichen Wahrnehmung von transsexuellen Menschen? ………. Ich nähere mich bedenklich dem Punkt an dem mir alle den Buckel runter rutschen können.

Diesen Text schleuderte ich letzte Woche wütend in mein Facebook-Profil, nachdem ich die Internetseite einer “Selbsthilfegruppe” fand, die sich als Interessenvertretung für transsexuelle Menschen versteht. Was ich dort zu lesen bekam, war wie die Quadratur dessen, was ich seit Längerem in zunehmendem Mass feststelle – dass die Zahl derer zunimmt, die im Guten versuchen, die Interessen von transsexuellen Menschen zu vertreten, dabei aber ohne es zu merken einen wie ich meine radikalen Totalschaden anrichten, indem sie willig die Mär der Geschlechtsidentitässtörung übernehmen und vertreten.

Ein herausgerissener Satz aus der Website dieser “Selbsthilfegruppe” soll dies verdeutlichen:

Zusammenschluss von Selbsthilfegruppen für Menschen mit transidentischem Empfinden, also Menschen, die körperlich entweder dem männlichen oder dem weiblichen Geschlecht angehören, sich jedoch als Angehörige des anderen Geschlechts empfinden

(Zitat einer Selbsthilfegruppe für transsexuelle Menschen)

Mit Verlaub, aber wenn “wir” uns so deklarieren, brauchen wir keine Psychiater und Sexologen, die uns zu gestörten Männern erklärt, die gnädigerweise und von uns dankbarerweise angenommen nun so leben dürften als seien sie weiblich.

In einer Zeit, in der alle wissenschaftlichen Erkenntnisse dafür sprechen, dass Transsexualität biologische Ursachen hat, dass Transsexualität vermutlich durch Hormonstörungen im Embryonalstadium ausgelöst wird, dass transsexuelle Frauen eine weibliche “Hirnanatomie” haben (und transMänner umgekehrt), in so einer Zeit ist es einfach absurd, wenn transsexuelle Frauen hinstehen und sagen, sie seien körperlich männlich (als wär das weibliche Hirn kein Teil des Körpers) und hätten “den Wunsch” dem “anderen Geschlecht” anzugehören (als wäre das tief verankerte Wissen um das eigene Geschlecht eine Wunschfrage)……….. da bleibt mir irgendwie die Luft weg ob soviel Selbstverleugnung.

“Einfach” geht die Welt zugrunde

Wenn man solche “Öffentlichkeitsarbeit” kritisiert, wird oft argumentiert, man wolle es eben ganz einfach und leicht verständlich halten, damit “Otto Normalverbraucher” das verstehen kann. Ja dieser Wunsch in Ehren, aber die Vereinfachung sollte nicht die Wahrheit dabei verlieren und genau das geschieht öfters als uns lieb sein sollte. Klar dürfte es schwer werden, nichtbetroffenen Menschen einen Vortrag zu halten über neurologische Forschungen und Hirnstrukturen und Hormonstörungen im Mutterleib und so weiter. Das vereinfacht zusammenzufassen und nebenbei noch klarstellen, dass Transsexualität nichts mit Sexualität zu tun hat, obwohl es *sexuell heisst, ja das ist eine Herausforderung.

Da wirkt solch “weichgespülte” Information verständlicher, das klingt dann wie ein Gemisch aus Platzangst und einer Kolibriphobie, irgendwie harmlos……. aber was genau haben die Leute dann so einfach verstanden? Biologisch männlich, fühlt sich weiblich………… also nochmal vereinfach: Mann will Frau sein? ………… toll, und was genau haben wir jetzt da gewonnen? Und wie glauben wir, könnten wir unser Recht auf Selbstbestimmung einfordern, wenn wir der Welt vorlügen, wir seien Jungs, die Mädels sein wollten, nur weil wir uns einreden, sie würden wenigstens das eher verstehen? Und so ein Scheiss soll eine FRAU machen, nur weil sie nicht erklären kann oder will, warum genau ihr Körper nicht die Geschlechtsmerkmale bildete, die ihrem Geschlecht entsprechen?

Menschenrechte sind radikal

Besonders stossend empfinde ich, dass ausgerechnet diejenigen, die auf diese Weise ohne es zu merken zu Helfershelfern einer Psychopathologisierungs-Maschinerie werden, diejenigen ständig kritisieren, die sich ernsthaft und ehrlich für echte Selbstbestimmung einsetzen, die sich nicht zufrieden geben mit der Verlängerung einer Kette sondern wirkliche Freiheit einfordern.

Menschenrechte sind radikal, da gibt es keinen Ermessensspielraum. Entweder ich kann ein selbstbestimmtes Leben führen oder ich kann es nicht. Es bringt uns nur oberflächlich etwas, wenn wir uns freuen über eine netter klingende Diagnosebezeichnung, wenn wir durch das Annehmen dieses Etiketts bestätigen, dass wir jetzt nett formulierte Gestörte sind.

Natürlich soll man sich über Teilerfolge freuen wie beispielsweise den Fall des deutschen Transsexuellengesetzes, aber man darf dabei nicht vergessen, dass transsexuelle Menschen solange nicht verstanden und respektiert werden, bis man sie endlich ohne diese Zerrbrille der Identitätsstörung darstellt – und das beginnt bei uns!

Die unbedeutende Frage, wer ICH bin?

Oft werden “wir Radikalen” kritisiert, man hätte doch ernsthaftere Probleme als so kleinkarierte Formulierungsgeschichten. NEIN – es geht eben nicht um Kleinigkeiten, es geht um die fundamentale Frage, wer ICH bin, die nur ich selbst beantworten kann und es geht um die Frage, ob ich mein ICH selbstbestimmt entfalten kann oder ob die Welt um mich herum entscheiden darf wer ich bin. Alles Andere sind Kleinigkeiten! Ob ich nun 3 oder 6 oder 12 Monate Alltagstest mache, es nimmt mir in jedem Fall für diese Zeit die Entscheidungsgewalt über diese zwei Fragen. Weder wer ich bin wird anerkannt noch wie ich mich entfalte. Solange ich irgend jemanden fragen muss, ob ich sein kann, wer ich bin, solange bin ich nicht selbstbestimmt, so lange bin ich nicht frei.

Eine kleine Metapher aus der Sklavenwelt

Versuchen wir ein Gedankenexperiment, Metaphern sind ja gute Inhaltsvermittler ;-) Stell Dir vor, Du seist ein Sklave, bist angekettet, musst den ganzen Tag ackern, wirst geschlagen, bist kein Mensch, nur ein Sklave……….. und eines Tages kommt der Massa und sagt, ey von heute an bist Du nicht mehr Sklave, Du bist jetzt “mein Leibeigener”. Du darfst auch das Haus verlassen, wenn Du mich um Erlaubnis gefragt hast…………. bist Du nun ein freier Mensch oder bist Du es nicht?

Transidentität – die lieblich klingende Selbstverleugnung

Als ich zum ersten Mal das Wort “transident” las, war ich hell begeistert. Das klang soviel angenehmer und weitaus weniger anrüchig als dieses eklige “transsexuell”. Also zog ich dieses Mäntelchen an und begann so auch mein erstes Blog unter dem Motto “Tagebuch einer transidenten Frau”. Erst Monate später und um eine Unzahl an Blogtexten und Buchinhalten schlauer begann mir einzuleuchten, dass da eigentlich etwas überhaupt nicht stimmt.

Der Haken an dieser hübschen Falle liegt eben darin, dass das Wort “transident” eine Ableitung der offiziellen englischen Diagnose ist, die “gender identity disorder” heisst, zu gut deutsch “Geschlechtsidentitätsstörung”. Auf der anderen Seite, Transsexualität hat ja nichts mit Sexualität zu tun, das Wort ist vom Englischen “sex” abgeleitet und steht im Gegensatz zum “gender”, das eher das sogenannt soziale Geschlecht meint. Also was nun, egal wie ich mich deklariere, ich zieh so oder so die Arschkarte.

Doch wenn man nun die Erkenntnisse der Wissenschaft ernst nimmt, dann ist “transsexuell” nunmal richtig, meine “Geschlechtsidentität” ist das Mass aller Dinge, nur der Restkörper hat sich irgendwie verirrt. Ich stehe also nun vor der Wahl, ob ich mich als gestörten Mann ausgeben soll um damit ein Minimum an Scheinverständnis zu sichern oder ob ich mich als die Frau ausgebe die ich bin, die nunmal einfach nicht dem eigenen Geschlecht entsprechende Geschlechtsmerkmale aufwies – und riskiere, dass man gar nix versteht – würde aber immerhin wenigstens mir selbst treu bleiben.

Entpathologisierung gibt’s nicht in Raten

Viele scheinen sich nicht wirklich bewusst zu sein, worum es hier wirklich geht. Solange man uns für gestört erklärt, braucht es auch Psychiater, die diese “Diagnose” stellen, dazu braucht es Begutachtungen, Tests, dazu braucht es all die Entmündigung, die eine Gesellschaft eigentlich nur bei “psychisch gestörten Menschen” rechtfertigen kann. Aber daran wird sich nicht viel ändern ausser den Parametern – die Ketten werden sicher mit der Zeit länger – aber die Ketten bleiben und damit bleibt die Unfreiheit……. Zumindest dann wird sich nichts ändern, wenn wir selber dem Stockholm-Syndrom gleich internalisierte Transphobie betreiben uns selbst als Geschlechtsidentitätsgestörte ausgeben.

Nur Authentizität vermittelt Wahrheit

Wahrheit wird durch Wahrhaftigkeit vermittelt und diese wiederum ist vorallem Folge von Authentizität. Wenn ich mir irgend ein hübsches Uniförmchen anzieh und mich hinter netten Formulierungen verstecke, bin und wirke ich nicht authentisch. Wie soll eine Frau authentisch sein, wenn sie erklären soll, sie sei ein Mann der eine Frau sein will, obwohl sie und nur sie genau weiss, dass sie eine Frau ist? Authentisch bin ich dann, wenn ich mich als das ausgebe was ich bin, eine Frau wie alle Anderen, die wie so mache Anderen ein körperliches Leiden hatte, das medizinisch behandelt werden konnte – denn das ist die Wahrheit, alles Andere sind faule Kompromisse.

Es geht auch anders, ich weiss wovon ich rede.

Ich spreche aus Erfahrung, ich habe Beides schon versucht. Und ich weiss, dass man schon mit einem kurzen Gespräch so einiges erklären kann, das den Blickwinkel deutlich verändern. Jemandem zu erklären, dass sich mein Körper halt leider schon im Mutterbauch nicht in dasselbe Geschlecht entwickelt hat wie das zentrale Gehirn, ist nicht sooooo eine Wahnsinnsgeschichte, ein dahergeflogenes Einhorn wäre weitaus schwerer zu vermitteln ;-) Und das wirklich Verrückte daran: nach meiner Erfahrung sind die Leute meistens nicht verwirrter als wenn ich mit diesem Geschlechtsidentitätsstörungsquatsch aufwartete – und zusätzlich erfahren sie sogar die Wahrheit, was will man mehr?

Schluss und so

Abschliessend möchte ich ausdrücklich betonen, dass ich mit dieser ganzen Predigt niemanden angreifen will. Ich drücke hiermit meine Besorgnis aus und versuche, auf Gefahren hinzuweisen und ich versuche allen die es angeht ins Gewissen zu reden, dass sie nochmal genauer darüber nachdenken, als wen oder was sie sich und damit ein Stück weit uns alle repräsentieren wollen.

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