Politically incorrect since 1966

Catwalk am Gate – Freiheit ist nicht selbstverständlich

Manchmal geschehen Dinge, die eigentlich total schön sind aber trotzdem in der Lage sind, Wunden aufzureissen und Stürme zu entfachen. So ein Exemplar ist mir diesen Dienstag mal wieder begegnet und es lehrte mich mal wieder, wie nah sich doch Freude und Leid sein können. Das Gute daran war, dass mir dramatisch vor Augen gehalten wurde, wie frei und mit mir ganzheitlich im Reinen ich bin – das Unangenehme war, dass mir genauso dramatisch in Erinnerung rief, dass es eigentlich ein Armutszeugnis für diese Welt ist, dass diese Freiheit überhaupt gefeiert werden muss und nicht selbstverständlich ist………….. ach kommt einfach mal mit, nach vorgestern…………….

Es ist diesen Dienstag Morgen so um Acht in Hamburg, ich sitze am Gate, lese ein eBuch, in dem es gerade um die Stigmatisierung von transsexuellen Menschen geht. Um mich herum um an die hundert Leute, die alle gelangweilt in Richtung Gateeingang gucken. Da erklingt eine Stimme über Lautsprecher: “Frau Diana …….., bitte am Gate-Schalter C05 melden”. Diana? Ja hallo, das bin ich *staun* – ich steh auf, stöckle wie auf dem roten Teppich quer durch die Gatehalle, ziehe dabei die Aufmerksamkeit des halben Gates auf mich. Mit jedem Schritt wird mir bewusster, wie sehr ich doch angekommen bin im Leben, wie sorgenfrei doch selbst so eine skurile Situation ist, in der ich unversehens im Mittelpunkt der globalen Aufmerksamkeit lande. Es stellte sich raus, dass ich doppelt im Computer drin war (VIP und so), das klärte sich schnell und ich stöckelte wieder rückwärts. Ich setzte mich hin, genoss dieses Bewusstwerden eines Wunders, das ich so lange für eine Utopie hielt. Ich war einfach ich selbst, Frau Diana…….

….. und immer mehr wurde mir bewusst, was ich nur zu oft vergesse: das war nicht immer so!

Noch vor weniger als einem Jahr hätte ich bei dieser Gelegenheit Blut geschwitzt. Diese Vorstellung muss man wirklich mal etwas wirken lassen, das ist Grusel pur. Eine Halle mit hundert Leuten, die gelangweilt an einen Schalter starren – ein “Herr” wird aufgerufen an ebendiesen Schalter zu gehen – und ich, und zwar nur ich, stehe auf und stöckle an den Schalter? Mir wurde echt anders bei dieser Vorstellung und es erinnerte mich an nicht ganz so wilde aber dennoch genug schmerzliche Erlebnisse wie beispielsweise damals, als ich am Unispital im vollen Wartezimmer mit männlichem Namen aufgerufen wurde…….

….. und immer drängender und quälender wurde die Frage, warum in aller Welt die Welt von uns so einen Spiessrutenlauf abverlangt. Die Autorin des obgenannten Buches hat Recht wenn sie schreibt, dass es wohl nur wenige Minderheiten gäbe, die derart entrechtet und damit entmenschlicht werden. Ich übertreibe? Achja? Na dann kommt nochmal mit, ins Kino des Lebens……..

Da geht eine Frau zum Arzt, die nicht ihrem Geschlecht entsprechenden Geschlechtsmerkmale hat und bittet darum, dass ihr Körper wenigstens so gut es geht ihrem Geschlecht angeglichen wird. Obwohl man weiss, dass Transsexualität biologische Ursachen hat, erklärt man diese Frau zuerst zum persönlichkeitsgestörten Mann, der eine Frau sein wolle und sagt dieser zum Mann erklärten Frau, sie solle jetzt erst mal ein Jahr lang so tun als ob sie eine Frau wäre – erst dann würde man medizinische Hilfe gewähren, die ebendieses “Leben als Frau” auch erst möglich
macht.

Und als Tüpfchen auf dem I wird die Vornamens- und Personenstandsänderung erst nach Abschluss aller medizinischen Massnahmen ermöglicht. Lebe unter dem Namen Diana, aber behalte Ausweispapiere die auf einen männlichen Namen lauten? Wie bekloppt ist das denn? Da muss man eine Frau wirklich erst zum gestörten Mann erklären bevor man so einen Quatsch mit einem mündigen Menschen machen kann.

Wie in aller Welt kommt das System einer Gesellschaft dazu, darüber entscheiden zu wollen, wer oder was ich bin? Wenn ich die tiefsitzende Gewissheit um mein Geschlecht habe, dann hat doch nicht sonst jemand darüber zu entscheiden, ob ich nun wisse wer ich sei – was soll der Scheiss? Warum sind transsexuelle Menschen die Einzigen, die sich selbst erst beweisen müssen, bevor man sie ernst nimmt?

Und wem – frage ich mich da – dient es, wenn man transsexuellen Menschen den eh schon schier unbegehbaren Weg noch mehr mit Scherben bedeckt? Was genau will eine Gesellschaft schützen, die einer Frau 2-3 Jahre lang die Identität verweigert, ihr aber vorschreibt, sie müsse zum Erhalt dieser Identität zuerst in eben dieser nicht gewährten Identität leben? Was für eine gagaistische Logik ist das denn?

Und wie kann man sich einreden, ein Mensch sei frei und selbstbestimmt, wenn man einem die Entscheidung über die Frage wer man selbst ist verweigert?

Ich bin sowas von froh, dass ich diesen ganzen Irrsinn hinter mir habe, das wurde mir bei dieser Gelegenheit wieder mal extrem bewusst. Und doch erschreckt mich das Ausmass an Abscheu die in mir aufkommt, wenn ich an diese Zeit zurück denke, in der man mir das Leben um soviel schwerer gemacht hat – um mir zu helfen – weil sie ja nicht wüssten, ob ich wirklich weiss, wer ich bin.

Ganz schön schräg, nicht?

Hormontherapie und Thrombose – gut gemeint ist halb tödlich

Dieser in meinen letzten zwei Blogbeiträgen (Teil 1 / Teil 2) beschriebene Gesundheitsrausch steht wie erwähnt im Dienst einer Reduzierung des Zucker- und Cholesterinpegels resp. einer Reduktion des Nikotinpegels – all das um das Thromboserisiko möglichst gering zu halten, weil meine Endokrinologin meinen Östrogenpegel zu tief hält, weil sie eben das Thromboserisiko möglichst tief halten möchte. Ihre Devise ist: wegen dem Rauchen hab ich eh schon ein massiv erhöhtes Risiko, die Östrogene die ich bekomme erhöhen das Risiko ebenfalls und sowohl ein erhöhter Zuckerpegel als auch erhöhte Cholesterinwerte erhöhen das Thromboserisiko grad nochmal. Das alles war ihr zuviel des Guten und deshalb lautete der Plan: mehr Östrogene gibt’s erst wenn Zucker/Cholesterin tiefer liegen. Klingt logisch, klingt vernünftig, ist aber wie ich diese Woche rausfand alles kompletter Blödsinn. Es ist zwar sicher gut, wenn ich Zucker, Cholesterin und Nikotin möglichst tief halte, daran will ich auch weiter arbeiten, aber ihre Logik beisst sich in den Hintern, weil sie offenbar einmal mehr von falschen Annahmen ausgeht…….. und jetzt wirds wirklich real-satirisch……..

Zu tiefer Östrogenpegel ist massiv gesundheitsgefährdend

Halten wir uns als Erstes vor Augen, dass ein zu tiefer Östrogenpegel längerfristig zu Oestoporose führt, also die Knochen brüchig werden. Weiters führt eine Unterdosierung zu Haarausfall, schädigt die Schilddrüse und vieles mehr. Und es macht chronisch müde, was die Lebensqualität auch nicht rad fördert. Diese Woche habe ich mich mal wieder schlau gemacht und mich durch diverse neuere Studien zu dem Thema gewühlt – was ich fand, liess mir das Blut in den Adern gefrieren, echt. Folgende Erkenntnisse kamen auf den Tisch:

Hormontherapie mit Östrogenen bewirkt vierfaches Thromboserisiko – oder auch nicht

Östrogene die bewirken ein vierfaches Thromboserisiko, stimmt, aber nur, wenn es oral eingenommen wird, wenn man es über die Haut aufnimmt, erhöht sich das Risiko nicht auf 400% sondern auf 120%, also nahezu gar nicht. Bizarr daran ist, dass die meisten Ärzte Frauen in der Menopause Pillen verschreiben, somit also ein 4-faches Thromboserisiko in Kauf nehmen, obwohl das nicht nötig wäre. Noch bizarrer ist, dass ich mehrmals insistieren musste, bis mir meine Endokrinologin endlich Hormonpflaster gab. Sie wusste zwar, dass Pflaster die Leber im Gegensatz zu Pillen nicht belasten, dass sich damit auch das Thromboserisiko reduziert, wusste sie nicht. Ich hab ihr das damals gesagt, sie konnte es kaum glauben, aber selbst ich wusste nicht, dass Pflaster nicht nur ein geringeres Risiko sind sondern nahezu gar keins.

Zu tiefes Östrogen erhöht Zucker- und Cholesterinwerte

Der Oberhammer kommt aber noch. Wie ich herausfand, bewirkt ein zu tiefer Östrogenpegel unter Anderem einen Anstieg des Blutzuckers und des Cholesterins. Wie bitte? Halllllooooooooooo? Ein zu tiefer Östrogenpegel bewirkt einen Anstieg von Zucker/Cholesterin und meine Endokrinologin will meinen zu tiefen Östrogenwert nicht erhöhen solange diese Werte zu hoch sind? Das kann nicht wirklich ernst gemeint sein, ich fass es nicht.

Progesteron ist ein wichtiger Partner fürs Östrogen

Nächster Quatsch: Seit langer Zeit raten mir diverse andere transFrauen aus Erfahrung, dass ich nebst Östrogen auch Progesteron brauche, weil diese zwei Hormone zusammen arbeiten und ein einseitiger Anstieg wie in meinem Fall zu einer “Östrogendominanz” führt. In der offiziellen Arztliteratur heisst es aber, dass Östrogen/Progesteron Kombitherapien das Thromboserrisiko zusätzlich erhöhen. Am Unispital heisst es, wir transFrauen würden das nicht brauchen, Progesteron sei nur für die Schwangerschaft. Joh klar, kifft weiter! Ein kurzer Blick ins Web zeigt, dass Progesteron etwa ein Dutzend Veränderungen bewirkt, es regelt eine Vielzahl von körperlichen Komponenten bis hin zur einer positiven Beeinflussung des Cholesterins. Und wenn der weibliche Hormonhaushalt primär durch zwei Hormone geregelt wird, ist es ein Gebot der Vernunft, dass man nicht nur eins davon hochschraubt. Der Witz am Ganzen ist aber nun, dass dieses erhöhte Thromboserisiko nur dann eintritt, wenn man die weit verbreiteten synthetischen Progestine nimmt, nicht jedoch wenn man sogenannt bio-identisches Progesteron nimmt.

Fazit: kaum ein thromboserisiko wenn Endokrinologen ihren Job richtig machen

Lediglich als Beispiel hier drei der neusten Studien, die sich mit dem Risikopotential von Hormontherapien beschäftigten, es gäbe noch eine Reihe mehr in dem Stil, aber als erste “Beweisführung” dürfte das mal reichen:

Transdermal estrogens may be safe when they are administrated alone or along with micronized progesterone but not with norpregnane derivatives. By contrast, oral estrogens are associated with an increased thrombotic risk irrespective of the presence of concomitant progestogens.
http://atvb.ahajournals.org/content/30/2/340.long

Our data confirm that oral but not transdermal estrogen increases VTE risk among postmenopausal women. In addition, these data show that micronized progesterone and pregnane derivatives may be safe with respect to thrombotic risk. Furthermore, our results suggest that norpregnane derivatives are thrombogenic.
http://circ.ahajournals.org/content/115/7/840.long

Recent data confirmed the safety of the transdermal route of estrogens administration in postmenopausal women requiring treatment. In addition, epidemiological data showed that use of concomitant progestins could increase VTE risk compared with progesterone use. Finally, results of a meta-analysis showed that the VTE risk increased with doses of oral estrogens.
http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0049384811700081

Fazit: Östrogen erhöht das Risiko, ausser man nimmt es über die Haut ein. Progestine erhöhen das Risiko, nicht jedoch Progesteron. Grob nach Adam Riese heisst das, wenn ich Östrogenpflaster und richtiges Progesteron nehme, gehe ich keine nennenswerten zusätzlichen Risiken ein, habe dafür dann aber einen Hormonhaushalt, der im Wesentlichen dem entspricht, was er haben soll.

Neuer Arzt – neue Hoffnung

All das hat mich dazu bewogen, nun definitiv meinen Arzt zu wechseln und dort wurde mir das Meiste von dem was ich grad beschrieben habe bestätigt. Er war auch der Ansicht, dass meine Hormone deutlich zu tief dosiert sindd (ich krieg nun das Doppelte), ausserdem stand er Kopf als ich sagte, am Unispital hätte man nie gemessen, wieviel Hormone ich im Blut habe, er war genauso fassungslos wie ich. Nicht einig wurden wir was Progesteron anbelangt, aber vielleicht finden wir da doch noch einen gemeinsamen Nenner. Nun läuft es so, dass ich per sofort die doppelte Östrogendosis habe und in 2 Wochen machen ich nochmal einen Bluttest, diesmal aber richtig. Dann werden wir aufgrund dieser Daten entscheiden, wie es weiter geht. Auf jeden Fall fühle ich mich erstmals von einem Arzt ernst genommen und bin zuversichtlich, dass das Ganze längerfristig gut kommt. Wenn ich genug Erfahrungen gesammelt habe, werde ich zum Thema Hormontherapie mal was Grösseres schreiben, das scheint überfällig zu sein.

Semper Fi – Sich selbst treu sein

Aber Sie selber müssen eben auch kein Moralist sein!
Sie dürfen sich nicht mit anderen vergleichen,
und wenn die Natur Sie zur Fledermaus geschaffen hat,
dürfen Sie sich nicht zum Vogel Strauss machen wollen.
Sie halten sich manchmal für sonderbar,
Sie werfen sich vor, dass Sie andere Wege gehen als die meisten.
Das müssen Sie verlernen. Blicken Sie ins Feuer, blicken Sie in die Wolken,
und sobald die Ahnungen kommen und die Stimmen in Ihrer Seele anfangen zu sprechen,
dann überlassen Sie sich ihnen und fragen Sie ja nicht erst,
ob das wohl auch dem Herrn Lehrer oder dem Herrn Papa
oder irgendeinem lieben Gott passe oder lieb sei!
Damit verdirbt man sich!

(Hermann Hesse, Demian)

Als ich heute ein paar aufgenommene Teile der TV-Serie “Navy CIS” sah, wurde ich wieder mal mit dem Motto der US-Marines konfrontiert, das mich seit einiger Zeit fasziniert. Ihr Motto lautet “Semper Fi” und ist abgeleitet vom lateinischen “semper fidelis”, was zu gut deutsch “für immer treu” heisst. Für die US-Marines bedeutet das: “einmal Marine, immer Marine”, es ist ein Kodex der für immer bindend ist, der kompromissloses treu sein verlangt.

Dieses “treu sein” bedeutet mir sehr viel, ich sehe darin sogar den Schlüssel zu wahrhaftem Leben. Denn treu sein kann man nicht nur einer Organisation, einem geliebten Menschen, einer Überzeugung oder Ideologie, mehr als das kann man sich selbst treu sein, wenn man dieses Wagnis denn einzugehen bereit ist.

Von diesem Tag an – bis ans Ende meiner Zeit
gelobe ich, mir selbst treu zu sein,
in guten wie in schlechten Tagen,
unter Erduldung sämtlicher Konsequenzen,
verpflichtet einzig der Entfaltung meinerselbst,
selbst wenn es das Letzte ist, das ich tue.

So oder ähnlich hätte der Schwur lauten müssen, wenn ich vor drei Jahren einen geleistet hätte, als ich begann, mir selbst entsprechend zu leben, als ich aufhörte, mein wahres Geschlecht zu verbergen. Aber so dramatisch und heroisch war es nicht. Dieser Moment vor bald drei Jahren, als ich alle Ängste überwand und mich aus diesem falschen Leben entfernte, war viel mehr ein Akt totaler Verzweiflung, ich wusste noch nicht annähernd, dass mir soviel Treue abverlangt würde, ich wusste nur, dass es so nicht mehr weiter gehen kann, dass ich kaputt gehe, wenn ich mich weiterhin weigere, mich selbst zuzulassen.

Heute an diesem gemütlichen Sonntag habe ich das nachgeholt, heute da ich mich an einem Punkt angelangt sehe, an dem ich mir im Klaren bin, was in diesen drei Jahren alles geschehen ist und welche Bedeutung all das hat. Damals wusste ich nicht, ob ich all das durchstehe, ich wusste nicht mal, ob ich so glücklich werden würde, ich wusste rein gar nichts. Heute weiss ich nicht nur all das, ich weiss vorallem auch, dass ich eher sterben würde als dieses erkämpfte Ich-sein aufzugeben. Keine Macht dieser Welt würde mich davon abbringen, mir selbst treu zu sein und mich selbst zuzulassen, so wie es meiner Seele bedarf. Heute weiss ich, wie essentiell Treue ist, vorallem wenn es darum geht, sich selbst treu zu sein – weil ich erleben durfte, um wieviel wertvoller das Leben ist, wenn man sich selbst wirklich zulässt.

Dieses “Semper Fi” wurde für mich zu einer Art Schlachtruf, ein Kodex der mich durch die letzten drei Jahre getragen hat, auch wenn ich diese lateinische Formulierung noch nicht sooooo lange kenne. Damals war es mehr eine Ahnung, heute eine Gewissheit – nichts auf dieser Welt ist auch nur annähernd so wichtig wie sich selbst treu zu sein.

In gewissen Belangen habe ich das schon immer so gehandhabt, wenn es beispielsweise um Überzeugungen geht, dann stand ich schon immer für meinen Standpunkt ein, liess mich beispielsweise im Rahmen meiner damaligen Greenpeace Aktivitäten beschimpfen und vor Gericht zerren, erduldete beispielsweise auf Eisenbahngeleisen angekettet Schmerzen, nahm in Kauf, dass ich infolge von Leserbriefen Morddrohungen erhielt – aber ich habe nie begriffen, dass meine Loyalität viel mehr als allem Anderen mir selbst hätte gelten müsste – was für ein fataler Kapitalfehler.

Das ist eine der grössten Weisheiten, die ich in meinem Leben erarbeiten konnte, es ist der grösste Schatz, den ich besitze und den ich mit meinen LeserInnen teilen möchte.

Wie oft habe ich von Mitmenschen resignierte Worte gehört im Stil von: das darf man doch nicht machen – was denken dann die Leute über mich – mein Mann mag nicht wenn ich das tue…….. und niemand fragt, wer zum Teufel ist dieses “man” das bestimmt was ich tun darf? Und wie denke ich selbst über mich? Und was möchte ich tun, wer bin ich wirklich und wie lebe ich mich selbst? Ich befürchte, dass die meisten Menschen viel zu oft sich selbst behindern, weil sie nicht fragen, was sie möchten oder brauchen sondern fragen, was Andere von ihnen erwarten.

Natürlich heisst das nicht, dass man nicht auch mal Kompromisse eingehen soll, dass man auf Andere Rücksicht nimmt oder wenn nötig sogar mal eine Maske trägt – solange man sich dabei bewusst ist, dass man sie trägt oder dass man sich hier gerade beschränkt – und solange dieser Zustand nicht Gewohnheit wird.

Selbstverleugnung ist Selbstverhinderung – ist Lebensverweigerung – wie könnten wir mehr versagen in der Aufgabe, unser Leben zu leben als wenn wir etwas Anderes sind als das, was in uns ist und was sich aus unserem Innersten heraus entfalten will? Wie könnten wir den Sinn des Lebens mehr verfehlen als wenn wir unser Selbst einschränken und versuchen so zu sein, wie wir eigentlich gar nicht sind?

Es ist nicht einfach, sich selbst treu zu sein, es kann manchmal wirklich weh tun. Wer für sich selbst kämpft, wird auch verletzt. Wer das nicht tut, erspart sich brutale Kämpfe und schmerzhafte Wunden – aber ich versichere Euch, ich weiss aus Erfahrung – kein Schmerz und keine Verletzung sind so traurig wie der Zustand, wenn man sich selbst verleugnet – es sind schlussendlich ausgerechnet die nicht gekämpften Kämpfe, die uns am meisten verletzen, weil es einer Totalkapitulation vor dem Leben voraussetzt.

Deshalb: Schaut in den Spiegel. blickt Euch tief in die Augen – und tut was ich getan habe, schwört Euch selbst bei Allem was Euch heilig ist die Treue – Semper Fi !!!

….dann weisst du aber auch,
dass du nie ganz das gelebt hast, was du dachtest,
und das ist nicht gut.
Nur das Denken, das wir leben, hat einen Wert.
Du hast gewusst, dass deine ‘erlaubte Welt’ bloss die Hälfte der Welt war,
und du hast versucht, die zweite Hälfte dir zu unterschlagen…..
Es wird dir nicht glücken!
Es glückt keinem, wenn er einmal das Denken angefangen hat.
….Es gibt keine Wirklichkeit als die, die wir in uns haben.
Darum leben die meisten Menschen so unwirklich,
weil sie die Bilder ausserhalb für das Wirkliche halten
und ihre eigene Welt in sich gar nicht zu Wort kommen lassen.

(Hermann Hesse, Demian)

SF1 Dok – Ich bin Gwen – Steven war gestern

Soeben habe ich “Ich bin Gwen – Steven war gestern“, die Dok-Sendung auf SF1 über die transsexuelle Filmautorin Gwen Haworth gesehen und bin tief berührt. Zum ersten Mal sah ich eine Dokumentation über das Thema Transsexualität, in dem ich mich und vorallem mein Leben und Werdegang repräsentiert fühle.

Umsetzung mal wieder in den Sand gesetzt

Ich fang mit dem Negativen an, nicht weil es wichtiger ist sondern weil es kürzer ausfällt. Wie ich befürchtet habe, war die Umsetzung einmal mehr daneben. Die glücklicherweise kurz gehaltene Einleitung desinformierte wie gewohnt im Stil von “sie ist als Junge geboren”, stellte gleich mal die Blickwinkel falsch und die Übersetzung der englischen Dokumentation hatte einige essentielle Fehler, die sich wie ein roter Faden durch die Doku zogen. Im Speziellen ärgerte mich, dass das Wort “Transition”, was ein Übergang ist und sinngemäss übersetzt werden müsste mit “Angleichung”, einmal mehr in boulevardeskem Stil als “Umwandlung” übersetzt wurde. Aber damit hat sich meine Kritik schon, denn alles Andere war einfach der Hammer.

Licht in der transsexuellen Seele

Am Eindrücklichsten war, wie gut Gwen als begleitende Hintergrundstimme immer wieder Gefühle und Erlebnisse schildern konnte, in denen ich mich wieder fand. Die Gewissheit in frühem Kindheitsalter, dass man dem falschen Geschlecht zugewiesen ist, die Verzweifelung und Ratlosigkeit die damit einhergeht, all das war durch ihre Worte spürbar. Eindrücklich beschreibt Gwen, wie sie ihre “Andersartigkeit” zu verstecken suchte, wie sie sich für ihr “Anderssein” schämte, wie sie sich selbst verleugnete, ich fühlte mich wie im Kino meines eigenen Lebens.

Die Herausforderung für das Umfeld

Auch wenn es für meine Ohren schmerzhaft war, entspricht es halt doch der Realität, dass der Weg eines transsexuellen Menschen für das Umfeld eine ungeheure Herausforderung ist, die von so Manchen nicht bewältigt werden kann. Ein Vater, der stolz auf seinen vermeintlichen Stammhalter ist und sich fühlt als hätte er einen Sohn verloren, eine Mutter die sich vor der Stigmatisierung der Homosexualität fürchtet, Geschwister die verständlicherweise Angst haben, dass Gwen am Schluss ihres Weges bemerken könnte, dass sie so ihr Glück nicht gefunden hat, eine Lebenspartnerin, die einst “ihn” liebte und nun plötzlich mit Gwen verheiratet ist bis hin zum Vorwurf, dass Gwen diese für sie so essentielle Tatsache so lange verschwiegen hat……. All das gehört zur Realität transsexueller Menschen und ihrer Angehörigen. Zuerst leidet die betroffene Person ein Leben lang unter der Selbstverleugnung im falschen Geschlecht und dann, wenn sie endlich wagt, sich selbst zu sein, erlebt sie im besten Fall gehörige Irritationen, im schlechtesten Fall völliges Unverständnis bis hin zu Ablehnung. Auch wenn dieser Aspekt für mich schmerzhaft war, so gehört es halt doch in die Lebensrealität transsexueller Menschen. Diese Spannung auszuhalten, zwischen Gwens Glücklichwerden und der Zerrissenheit die dieser Prozess in geliebten Mitmenschen auslöst, ist kaum auszuhalten. Und gerade um das nachfühlbar zu machen, war es wenn auch für mich schmerzlich so doch realitätsnah, dass man auch mitfühlen konnte, wie die Einen bis zuletzt überfordert blieben und beispielsweise die Eltern recht deutlich durchblicken liessen, dass sie in Gwen nachwievor Steven sehen.

Information versus Empathie

Diese Doku war keine Informationssendung im herkömmlichen Sinn, man erfuhr wenig über das Phänomen Transsexualität. Aber es war auch keine Boulevard-Sauce und es war auch keine Schönschwätzerei. Die Doku zeigte das, was die Lebensrealität transsexueller Menschen ist. Man kämpft ein Leben lang gegen sich selbst, bis zur totalen Erschöpfung, dann, wenn man mit dem Rücken zur Wand steht und nicht mehr anders kann und jeden Schmerz und jeden Hohn zu ertragen bereit ist, geht man endlich den Weg den einem die Seele vorschreibt, man durchquert in einer langen Reise eine Odyssee von Gefühlen, im Guten wie im Schlechten, man stürzt Nahestehende in Verzweiflung, man muss im Bewusstsein um eine gesellschaftliche Stigmatisierung als “identitätsgestörter Mann” ein Selbstbewusstsein aufbauen, als die Frau, die man nie sein durfte und die von Vielen nie wirklich anerkannt wird…….

Nichts ist unmöglich, denen, die das Unmögliche wagen – und denen, die es zulassen

Die Doku gab den Blick frei in die Gefühlswelt einer transsexuellen Frau und ihrer Angehöriger, er zeigte viele der Probleme die sich stellen, liess viel von dem Schmerz und der Verzweiflung mitfühlen, die uns vorbestimmt sind……….. und er endete in der spürbaren Erlösung, wenn am Schluss nicht nur deutlich wird, dass Gwen zu ihrem Glück finden konnte sondern auch Angehörige einräumen, dass Gwen irgendwie die bessere Steven ist.

Ich danke Gwen und ihren Angehörigen für diesen eindrücklichen Einblick…….. und empfehle den Übersetzern, sich baldmöglichst einen geeigneteren Job zu suchen ;-)

Leider ist das SF1-Videoportal nur von der Schweiz aus verfügbar, wer das nicht sehen kann, muss mit dem Trailer auf youTube Vorlieb nehmen oder kann den englischen Film bei Amazon.com downloaden oder bestellen.
DOK vom 23.11.2011

TV-Tipp: SF1 Dok – Ich bin Gwen – Steven war gestern

Diesen Mittwoch (23.11.2011) kommt auf dem Schweizer Fernsehen SF1 um 22.50 Uhr eine Dok-Sendung mit dem Titel “Ich bin Gwen – Steven war gestern “. Diese Dokumentation über Gwen Haworth ist von ihr selber produziert, sie filmte sich und Angehörige während ihrer “Transition” und wurde für diese Dokumentation sogar mit Preisen bedacht. Der Film soll nicht nur einen Einblick in das Thema Transsexualität geben sondern auch Einblick gewähren in die Gefühlswelt von Betroffenen und Angehörigen. Ob der Film hält was er verspricht, kann ich noch nicht beurteilen, weil ich ihn noch nicht gesehen habe. Aber gerade weil wir uns immer darüber beklagen, dass ständig über uns berichtet wird anstatt mit uns oder durch uns, weckt diese Dokumentation schon Hoffnungen.

Die Sendung “Dok” ist an sich dafür bekannt, dass sie oft gute Dokumentationen zeigt, insofern darf man optimistisch sein. Anderseits macht mich der Ankündigungstext auf SF1 skeptisch, wenn ich dort lese, dass SF1 einmal mehr das Zerrbild des “geschlechtsumgewandelten Mannes” präsentiert. Wenn die Dokumentation mit dem Untertitel “Die Geschichte einer Geschlechtsumwandlung” daher kommt, ist das schon übel genug, da wundert es kaum noch, dass im weiteren Text oft in der männlichen Form von Gwen gesprochen wird. Es erstaunt dann auch nicht, dass von “sein Verlangen, eine Frau zu sein” die Rede ist, als wäre Transsexualität eine sexuelle Obsession. Doch spätestens bei der Formulierung “…..dokumentiert sie ihren Weg vom transsexuellen Mann zur Frau” krieg ich n’Knoten im Hirn.

Einmal mehr frage ich mich, was für Schnapsnasen bei SF1 diese Ankündigungstexte schreiben, noch verdrehter ginge es kaum noch. Ein “transsexueller Mann” ist ein Mann der mit weiblichen Geschlechtsmerkmalen zur Welt kam, das hier ist eine Frau, deren Hirn in einem männlichen Restkörper zur Welt kam, somit eine “transsexuelle Frau”. Wenn man eine Dokumentation präsentiert und nicht mal diese elementaren Unterschiede begreift, wird aus dem Versuch zu informieren pure Desinformation – und das in einer Dokumentationsreihe. Fünf Minuten Recherche hätte so ein Text nicht überstanden, offenbar wissen sie einmal mehr nicht was sie tun.

Aber eben, der Ankündigungstext ist eine Sache, die Doku eine Andere. Es kann gut sein, dass die Doku super ist und nur der Schreiberling dieses Ankündigungstextes über Themen schreibt ohne sich damit zu beschäftigen. So bleibe ich mal in der Hoffnung, dass ich positiv überrascht werde – so naiv bin ich dann doch wieder……….. mehr darüber dann evtl nach der Ausstrahlung, entweder als Ergänzung in diesem Beitrag oder als eigener Folgebeitrag.

SF1 Dok – Ich bin Gwen – Steven war gestern
Outcast Films: She’s a Boy I Knew

Nachtrag: nachdem ich die Doku gesehen habe, hier noch mein Kommentar dazu
SF1 Dok – Ich bin Gwen – Steven war gestern

Jubiläum – ein Jahr nach der GaOp

Irgendwann wird es geschehen, das Wunder hier auf dieser Erde…
und eine Stimme sagt: Es werde ein neuer Tag.
(Illuminate – ein neuer Tag)

Heute vor einem Jahr wachte ich auf im Aufwachraum des Zürcher Universitätsspital, ein selten dümmliches Grinsen überzog mein ganzes Gesicht, die Hand suchte ihren Weg nach unten, das Grinsen wurde noch dämlicher…….. es ist vollbracht, säuselte es mir ins Ohr, verdammt, es ist wirklich geschafft, ich bin ganz.

Keine Worte dieser Welt könnten das Glück beschreiben, das man empfindet, wenn man vierundvierzig Jahre in einem Kerker begraben war, gefangen “im falschen Körper” und dann wacht man auf und dieser ganze lebenslange Albtraum ist vorbei. Es war als letzter Schritt gedacht, als eine Art Vollendung, aber es war soviel mehr als das.

Schon krass, ich hätte es echt beinahe vergessen, eher zufällig kamen Juliet und ich gestern während dem täglich-Blablah auf die GaOp und ich erschrak, weil ich zuerst dachte, ich hätte das Jubiläum verpasst. Dass mich der Termin so überrascht hat, zeigt vorallem eins: wie fern mir dieses für mich so phänomenale Ereignis doch ist, es fühlt sich an als wäre es Jahre her, als gäbe es kaum mehr von der Zeit davor als ein alter Schwarz-Weiss Film. Und das ist unglaublich schön :-)

Ich lag dann gestern nach dem Telefon noch eine Weile auf dem Sofa rum und schwebte über der Vergangenheit, an eben diesem Abend vor der Vollendung, als ich entgegen aller Logik alles andere aus ängstlich oder aufgedreht war, ganz im Gegenteil, mich erfüllte eine sanfte Ruhe, die Gewissheit, in eine gute Zukunft eingebettet zu sein. Gerade wenn ich im Nachhinein zurückdenke, verblüfft mich das enorm. Ich hätte wirklich erwartet, dass ich am Abend vor der Op völlig durch den Wind bin und garantiert Schlafmittel brauche, weil die Aufregung mich nicht schlafen lässt. Es wäre nur vernünftig, dass ich mir Sorgen machen müsste um all die möglichen Komplikationen und vor mir liegenden Beschwerden. Aber da war nichts mehr an diesem Abend, da war nur noch diese Stille, auf Wolken schwebend, voll von Vertrauen, dass morgen alles gut wird.

Und der Morgen kam, ich schlief schon bevor man mich in den Op-Raum karrte und als ich aufwachte war wirklich alles vorbei, vier verfluchte Jahrzehnte in so einem surrealen Film namens Leben, vier unerträgliche Jahrzehnte als Hauptdarstellerin in der männlichen Rolle einer kafkaesken Komödie und dann, platsch, aus und vorbei, das Leben beginnt.

Natürlich folgten in den darauffolgenden Wochen Beschwerden und Schmerzen, aber die waren nichts, überhaupt nichts im Vergleich zu dem Schmerz, den ich ein Leben lang tagtäglich ertragen musste, bei jedem Blick in den Spiegel, bei jedem Mal wenn man mich mit meinem damligen Namen ansprach, bei jeder dieser tausend täglichen Lügen, wenn ich mich als Mann ausgeben musste. Diese lebenslange Selbstverleugnung war um soviel grausamer, dass ich in der ersten Zeit nach der Op die Schmerzen nicht mal richtig wahrnahm, es war einfach ein Klacks im Vergleich zu dem was hinter mir lag.

Heute stehe ich da, in meinem so ganz normalen Leben als die Frau die ich nie sein durfte, obwohl ich sie immer war. Ich stehe hier, denke zurück und kann kaum glauben, dass dieses Leben vor der GaOp mit dem Jetzigen auch nur eine Spur von Verwandtschaft in sich trägt. Alles ist so anders geworden, so gut, da ist soviel Freiheit im Umgang mit mir selbst, soviel Zufriedenheit mit meinem Leben, es wirkt völlig grotesk im Vergleich zu all der Zeit vorher, dass ich kaum glauben kann, dass es wirklich einst ein “früher” gab – es fühlt sich eher an wie ein böser und elend langer Albtraum, der an diesem Tag, heute vor einem Jahr endete.

Es gibt Albträume, die enden wenn man aufwacht, es gibt Albträume, die beginnen erst dann. Meiner begann jeden Morgen mit dem Aufwachen von Neuem, vier Jahrzehnte lang, bis zum Erwachen heute vor einem Jahr, Nachmittags um etwa zwei Uhr – es fällt mir schwer, die Tränen zurückzuhalten, wenn ich an diesen wunderschönen Tag zurückdenke.

Nie hätte ich geglaubt, dass mein Leben jemals so wird wie es jetzt ist, wirklich nie, selbst dann nicht, als ich begann es anzustreben. Mich trieb einzig der Mut einer Verzweifelten an, das Unmögliche wenigstens zu versuchen. Heute vor einem Jahr durfte ich das erleben, was zum Motto meines Lebens wurde, was zum Kern meiner “Predigt” wurde…….

Nichts ist unmöglich, denen, die das Unmögliche wagen :-)

Und zur Feier des Tages kommt nochmal mein Lieblingslied, das seit Beginn meines “neuen Lebens” zu meiner Befreiungs-Hymne geworden ist – danke Euch allen, die mir beigestanden sind und zu mir gehalten haben……

Die Wunden des Gelächters

Das Leben wird nicht einfacher durch die leider beachtliche Anzahl an primitiven Leuten in unserer vermeintlich aufgeklärten Gesellschaft…….
Umso schöner ist es, dass es dafür aber auch Leute gibt, die für einem einstehen, wenn die Primitiven sich mal wieder ihrer Dümmlichkeit hingeben.

Mit diesem Satz in meinem Facebook-Profil eröffnete ich den heutigen Tag und ahnte noch nicht, dass mich das Ganze noch den ganzen Tag beschäftigen würde. Nicht, dass die Erkenntnis um die Primitivität so mancher Zeitgenossen neu wäre, aber auch wenn es noch so “normal” ist, dass einem kleingeistige Menschen begegnen, gewöhnt man sich doch irgendwie nie so recht daran.

 

Wenn Andere sich an meiner Stigmatisierung stossen

Schaut mich nicht an! Ich bin kein Tier!
Nur ein Menschenkind – für euch ein fremdes Wesen – vielleicht
Mit Augen und Ohren, einem Herz und viel Gefühl
Und immer noch mit einem klaren und auch freien Verstand!
(Lacrimosa – Fassade 1. Satz)

Als ich heute morgen wie jeden Tag um Neun raus ging um mein Mittagessen von meiner Futterlieferantin entgegenzunehmen, war sie sichtlich aufgebracht und erzählte, sie hätte mich grad in Schutz genommen und hätte sich sowas von aufgeregt. Sie macht jeden Morgen zwischen Acht und Neun hier im Quartier rund um meine Firma ihre Runde, hält bei allen Firmen an und die Leute können bei Ihr Brötchen, Getränke bis hin zu kompletten Mittagessen kaufen. Durch ebendieses Quartier stöckle ich ebenfalls täglich und da ich das schon seit Beginn meiner “Transition” tue und damals noch recht eigenwillig aussah, werde ich da von vielen Leuten gesehen, die mich vom Sehen her kennen und eben auch wissen, dass ich mich irgendwie arg verändert habe.

Offenbar bin ich heute an ihr vorbei gelaufen als sie gerade Essen verteilte und die dort Rumstehenden begannen, sich über mich lustig zu machen. Anstatt wie so Manche in den Narrenchor einzutreten, hat sie sich sofort auf meine Seite gestellt und sagte, dass sie mich seit zwei Jahren kenne und ich eine super tolle Frau sei mit einem riesengrossen Herzen – wow, was für ein Kompliment. Im ersten Moment habe ich mich vorallem darüber gefreut und versuchte sie zu beruhigen indem ich ihr sagte, dass es halt auch primitive Leute gäbe und dass man die nicht ernst nehmen soll. Sinngemäss sagte ich zuguterletzt: “Wenn ich so primitive Menschen ernstnehmen würde, wäre mein Leben unerträglich”.

An Grausamkeit gewöhnt man sich nie ganz

Und wenn ihr redet, wessen Geist ist eurer vielen Worte Inhalt?
Wart ihr jemals an dem Abgrund zwischen Herz und dem Verstand?
Könnt ihr sagen: Ich erlerne mich?
Eure schreckliche Einfältigkeit, zu glauben was man euch erzählt:
Natürlichkeit und Selbstbestimmung
Aber bitte nur im Rahmen des Systems dieser Gesellschaft
(Lacrimosa – Fassade 1. Satz)

Da ich Blicke gut einordnen kann, weiss ich längst, dass ich oft Menschen begegne, die nicht das Geringste Problem mit mir haben, die einfach zur Kenntnis nehmen, dass ich bin wie ich bin und damit hat es sich. Genauso gut weiss ich, dass ich auch so Manchen begegne, die mich saumässig lustig finden, bei Einigen steht ihr Spott gar in grossen Lettern in die Augen geschrieben. Daran habe ich mich eigentlich gewöhnt, dass ich immer mal wieder Menschen begegne, die allein in meiner Existenz einen Grund zur Belustigung finden. Ohne es je mit eigenen Ohren zu hören, höre ich doch irgendwie all die blöden Sprüche die geklopft werden, wenn ich da mal wieder vorbeidackle. Die letzten knapp drei Jahre haben mich gelehrt, stark und tapfer zu sein, stärker und mutiger als die Meisten wohl je in der Lage wären. Ich habe gelernt, über der Sache zu stehen, die Bemessung meines Selbstwerts nicht den höhnenden Narren zu überlassen sondern mich selbst einzuschätzen. Und ich habe mir ein Bewusstsein geschaffen über das was ich wahre Grösse nenne.

Wer Andere auslacht, verspottet oder verhöhnt – egal ob er das laut oder leise tut – disqualifiziert sich damit selber, weil sein Lachen einzig Zeugnis abgibt über seine eigene Kleingeistigkeit. Gerade jene, die ihr Selbstbewusstsein erhöhen, indem sie versuchen andere zu erniederigen, sind die Schwächsten – gerade sie hätten niemals die Grösse um so einen Weg zu gehen wie ich ihn gehe. Es ist einfach, ein “normales Leben” zu führen und so zu sein, wie es von einer kollektiven Allgemeinheit erwartet wird. Aber es braucht ungeheuer viel innere Stärke, Mut und Tapferkeit um sich selbst zu sein, wenn man eben nicht der Vorstellung des Mainstreams entspricht – vorallem wenn man zu einer stigmatisierten Menschenart gehört wie transsexuelle Frauen. Mittlerweile gibt es nichts, worauf ich mehr stolz bin als auf die Tatsache, dass ich diesen Weg gegangen bin, dass ich mich allem Spott zum Trotz nicht mehr selber verleugne, dass ich wahrlich Ich bin und dass ich die Schwere des Lebens sogar auf einem Level ertragen kann, der die Meisten in Stücke reissen würde.

Der Spiessrutenlauf zwischen den Guten und den Primitiven

Und doch tut es weh, wenn ich damit konfrontiert werde. Einerseits ganz subjektiv, weil niemand soviel Grösse hat um gegenüber von Spott völlig immun zu sein. Anderseits aber auch, weil es mir vor Augen hält, von was für Dummköpfen ich teilweise umgeben bin und wie grausam und primitiv so Kleingestige sind. Auch wenn mir das egal sein müsste und auch wenn so Leute ja eigentlich nur ihre eigene Beschränktheit demonstrieren, irgendwie macht es trotzdem traurig.

Da ist es ungemein tröstlich, dass es eben auch Andere gibt, solche die hinter die Fassade blicken, die nicht so oberflächlich und empathiebefreit sind. Wenn so kleingeistige Menschen mich verurteilen ohne mich zu kennen, dann mag das zwar weh tun, aber wenn dieses Negative von jemandem so aufgefangen wird, dreht sich schlussendlich doch alles ins Positive. Diese Gackermenschen kennen mich nicht, haben keinen blassen Dunst davon, dass ich stärker bin als sie je sein werden, wie könnten sie ernsthaft über mich urteilen? Diese Frau die mich verteidigt hat, kennt mich jedoch seit 2 Jahren und wenn sie mir attestiert, dass ich eine liebenswerte und bewundernswerte Frau bin (O-Ton), dann ist auch so ein eigentlich trauriges Ereignis mehr Ruhm als Hohn.

Und doch tut es weh – irgendwie – gerade jetzt – aller Unvernunft zum Trotz.

Fragen die den Narren erspart bleiben

So finde ich mich einmal mehr in einem Netz von Fragen, die allein schon hässlich genug wären, deren Beantwortung ausbleibt. Vielleicht ist es gut, dass sie nicht beantwortet werden, die Antworten wären wohl noch um ein Vielfaches grausamer…….

  • Ist es so schwer, ein wenig mitzufühlen und zu erkennen, dass eine transsexuelle Frau ein schmerzliches Leben hinter sich hat und eher Mitgefühl angebracht wäre als Spott?
  • Ist es so schwer, zu begreifen, dass jemand der sich selbst treu ist und allem Geblöke zum Trotz den eigenen Weg geht, eher Respekt verdiente als Hohn?
  • Ist es so schwer, zu akzeptieren, dass ein Mensch – wenn auch in ungewöhnlicher Weise – so doch einfach nur glücklich sein möchte?
  • Wer von Euch blökenden Schafen hätte den Mut, sich selbst unter solchen Umständen treu zu sein, die Tapferkeit ebendieses blökende Gelächter zu ertragen und die innere Stärke, sich die Würde inmitten dieses Spottes zu bewahren – wer von Euch könnte meinen Weg gehen und dabei mir gleich glücklich werden und mit einem Lächeln auf den Lippen durch diese unfreundliche Welt gehen?
  • Und wer von Euch würde nicht innerlich bluten, wenn man verspottet wird nur weil man ist wie man ist, obwohl man sich sein Schicksal nicht ausgesucht hat sondern nur versucht, unter diesen schweren Bedingungen zu überleben?

Und doch tut es weh – irgendwie – gerade jetzt – und und lässt mich einmal mehr ratlos zurück…….

They can verbally abuse me, they can torture me,
they can try to strip me bare of my dignity…
they can even take my life,
but they can never ever snatch who I am at my core…
I will always naturally express who I am on the outside!
(Arianna Davis)

So traurig so Dinge sind, so dankbar bin ich auch, dass diejenigen die mich kennen nicht so ticken und dass so viele zu mir halten. Und auch wenn es wie jetzt grad mal wieder kurz saumässig weh tut, es bestätigt mich nur darin, mir weiter treu zu sein und mich weiterhin Ich sein zu lassen – und mir meine hart erkämpfte Lebenslust weder weglachen noch ausprügeln lasse – express yourself – ich tu’s – und Ihr?

thanks Janis for staying with me in days like that

Dianas Medienschelte mit dem Zweihänder

Nach meinem letzten Blogbeitrag anlässlich der gestrigen Reporter-Sendung auf SF1 über Claudia Meier, stellte Claudia im Kommentarbereich die Frage an mich, weshalb ich so unzimperlich mit Journalisten umgehe. Ich finde ihre Frage berechtigt, denn in der Tat gehe ich mit Journalisten in zunehmendem Masse sehr rabiat um, das ist ansonsten nicht so meine Art. Ich bin eigentlich ein sehr friedfertiges Wesen, aber es gibt Dinge, die mich zum kochen bringen, meist sind es Politiker die mich zur Weissglut treiben oder eben Journalisten. Meine Aversion gegen (vorallem rechtspopulistische) Politiker brauche ich kaum gross zu erklären, also gehe ich mal der Frage nach, warum Medien öfters mal eine Breitseite abkriegen von mir oder wie im Titel gesagt, warum ich schnell mal zum virtuellen Zweihänder greiffe. Das ist mal wieder so ein Blogbeitrag, in dem ich einer Frage nachgehe, deren Antwort mir noch nicht ganz klar ist, ich bin gespannt ob ich während dem Schreiben eine Antwort finde ;-)

Um zu verstehen, weshalb ich so ticke wie ich ticke, scheint es mir nötig, erst mal die Bedeutung von Medien etwas anzuschauen, denn nur mit diesem Hintergrund sind meine nachfolgenden persönlichen Gedanken verständlich.

Die Macht der Worte

Als Erstes muss man sich im Klaren sein, dass Worte mehr sind als die Summe ihrer Buchstaben, darüber habe ich in der leider noch nicht vollendeten Blogserie “Macht der Worte” geschrieben. Jedes Wort beinhaltet ganze Bildwelten, die in jedem Kopf anders aussehen. Journalisten müssen die Gabe haben, die mehrheitliche Bildwelt der von ihnen verwendeten Worte zu erahnen, das ist die Kunst von seriösem Journalismus. Wenn man Worte unbedacht verwendet, richtet man damit riesigen Schaden an, weil sich später niemand mehr an die Worte erinnern wird, aber die Bilder zurück bleiben, beispielsweise wenn das Zerrbild einer transsexuellen Frau als “Mann in Frauenkleidern” präsentiert wird.

Verantwortung der Medien

Um mir zu folgen, muss man sich ins Bewusstsein rufen, dass Medien eben nicht einfach nur unterhalten, sie sind Meinungsmacher. So mancher Leser, der zu etwas noch keine Ahnung hat, bekommt durch Medien den ersten Eindruck und einfach wie so Manche sind, reicht das dann meist auch, um sich ein (Ver)Urteil zu bilden. Wenn Medien etwas falsch darstellen, dann können sie damit einen gesellschaftlichen Tsunami auslösen, wenn sie es richtig darstellen, können sie zumindest eine grosse Flut eindämmen. Dieser Verantwortung müssen sich Medienschaffende bewusst sein, genau deshalb gibt es auch einen Kodex des Presserates, der entsprechende Sorgfalt fordert.

Umgang mit Stigmatisierten

Gerade im Umgang mit Menschen, die eh schon von einer Gesellschaftsmehrheit verkannt oder gar stigmatisiert werden, ist entsprechend grössere Sorgfalt nötig. Wenn man beispielsweise in einer Zeit wie dieser, in der eine galoppierende Islamophobie herrscht, Menschen mit muslimischem Glauben als “Islamisten” betitelt, dann giesst man Öl in ein brennendes Feuer und das ist vorallem deshalb fatal, weil die meisten Moslems mit Islamisten gar nichts am Hut haben. Selbstverständlich darf man auch über Islamisten schreiben, aber man sollte sich davor hüten, die Menschen hinter diesen Kategorien in einen Topf falschen zu werfen.

Umgang mit dem Thema Transsexualismus

Und – um wieder bei “unserem” Thema einzuhaken – wenn viele Menschen den Unterschied zwischen einem sexuellen Fetisch wie Transvestitismus und einer körperlichen embryonalen Fehlentwicklung (oder Normvariante) wie Transsexualismus nicht kennen, giesst man genauso Öl ins Feuer der Transphobie, wenn man eine transsexuelle Frau “Transe” nennt. Das grösste Problem das im speziellen transsexuelle Frauen in der Gesellschaft haben, ist die Fehlinterpretation dieses Phänomens, das Leute glauben macht, eine transsexuelle Frau sei ein gestörter Mann, der sich aus unverständlichen Gründen als Frau ausgeben will. Aber das ist nunmal ein völlig falsches Verständnis.

Geschlecht ist Teil der Kernidentität

Sag mal einem Mann, er sei ein Mädchen, wie begeistert wird er reagieren? Und das obwohl es für einen genetisch korrekt geborenen Mann ja klar ist, dass er ein Mann ist. Bei uns transsexuellen Frauen ist aber dieses kollektive Verständnis nicht vorhanden, wenn mir jemand sagt, ich sei ein Mann, trifft mich das einiges mehr, weil ich weiss, dass die Meisten das so sehen. Deshalb ist es in meinen Augen enorm wichtig, dass Medien vorangehen und uns nicht dem falschen Geschlecht zuordnen, denn damit rauben sie uns unser Geschlecht und damit einen wesentlichen Teil unserer Kernidentität.

Die persönliche Enttäuschung – wer, wenn nicht die Medien?

Meine stellenweise Bissigkeit gegenüber Journalisten resp. mehr gegenüber ihren Ergüssen, hat wie mir scheint zwei persönliche Komponenten. Zum Einen erlebe ich seit bald drei Jahren wöchentlich, wie wir durch Medien in den Dreck gezogen werden. Es scheint, dass es kaum Lustigeres gibt als ein Mann in Frauenkleidern und daraus machen Medien einen RunningGag. In den letzten Jahren spriessen sie nur so raus, die Artikel und TV-Sendungen über transMernschen, aber da geht es nur selten um Aufklärung, es geht einzig um das Ausschlachten eines reisserischen Themas – und das generell auf dem Buckel der Betroffenen. Aber der Fluch ist, dass Medien unsere einzige Chance zu sein scheinen, weil sie die Schnittstelle zwischen der Wissenschaft und dem einfachen Menschen auf der Strasse sind, weil nur sie das Bild korrigieren können, dass die Psychiatriekirche ein Jahrhundert lang geschaffen hat und bis heute grösstenteils in ihrem Irrtum verharrt.

Wenn Wissenschaft in die Wand fährt

Es ist einfach zum verrückt werden, je mehr ich mich mit dieser Thematik beschäftige, umso ärgerlicher wird es. Ich kann auf dutzende von wissenschaftlichen Studien der letzten zwanzig Jahre verweisen, die sich gegenseitig bestätigen und ergänzen, die klar zeigen, dass Transsexualität biologische Ursachen hat, dass die geschlechtsbestimmende Hirnregion bei einer transsexuellen Frau eine weibliche Anatomie hat. Aus diesen Studien geht eindeutig hervor, dass Transsexualität keine Frage des Wunsches sondern eine tief im Hirn verankerte Gewissheit ist, dass transsexuelle Frauen also auch biologisch gesehen Frauen sind, zumindest partiell – zufällig im zentralsten Teil unseres Körpers. Aber all diese mir vorliegenden Fakten nützen mir einen Scheiss, weil die meisten Gläubigen der Psychologie weiterhin an der Psychopathologisierung von transMenschen festhalten und weil auf der anderen Seite die Medien sich viel mehr Erfolg erhoffen, wenn sie reisserische Geschichten publizieren als harte Fakten. Und dabei fühle ich mich von Monat zu Monat hilfloser, wir haben alle Argumente, aber wir dringen nicht durch.

Dumm sein ist ok, aber dumm bleiben?

Unwissend zu sein ist nichts Böses, davon sind wir alle hie und da betroffen, auch dumm sind wir ab und zu, auch das dürfen wir. Aber wir verlieren jeden Anspruch auf Respekt, wenn wir wider besseren Wissens dumm bleiben, da hätten wir genauso gut auf den Bäumen bleiben können und uns weiter mit Bananen bewerfen. Ich habe in diesen knapp drei Jahren zig Mal Medien angeschrieben, sei es durch Kommentare, durch “Korrekturformulare” oder via Mail. Bis zum heutigen Tag hat es nicht ein einziges Mal jemand für nötig gehalten, darauf zu reagieren. Einzig in zwei Fällen bewirkte ich damit eine nachträgliche Änderung im Text. Organisationen wie beispielsweise ATME (Aktion Transsexualität und Menschenrecht) tun dasselbe seit Jahren, ATME hat es .sogar geschafft, dass der deutsche Presserat das Magazin “Focus” wegen der despektierlichen Berichterstattung über transsexuelle Menschen eine Rüge erteilt hat. Trotzdem lese ich immer wieder denselben Quatsch und je öfters mir das passiert, umso mehr fühle ich mich als würde ich Autisten meine Gefühle erklären wollen.

Wenn Resignation zu Wut wird
Und dann sitze ich halt mal wieder am PC, finde im Web einen neuen Artikel und lese schon wieder:

  1. Er wollte schon immer eine Frau sein
  2. Er fühlt sich wie eine Frau
  3. Er macht eine Geschlechtsumwandlung
  4. Transsexualität ist eine Persönlichkeitsstörung
  5. Neues von der Dschungel-Transe

    Und ich denke mir dabei:

    1. Nicht ER WILL, SIE IST
    2. Nicht ER FÜHLT, SIE WEISS
    3. Nein, SIE gleicht ihre Äusserlichkeit nur dem EIGENEN Geschlecht an
    4. Nein, es ist eine organische “Fehlentwicklung” oder “Normvariante”
    5. Das Wort “Transe” ist ein Schimpfwort wie Schwuchtel, Nigger oder Krüppel

      Und je mehr ich von diesem Gift schlucke, umso mehr schlucke ich schon beim Anblick des ersten Wortes das mit diesem Thema zu tun hat – und immer weniger braucht es, dass ich einen inneren Tobsuchtsanfall krieg, weil ich es einfach langsam leid bin, ständig zu korrigieren, nur um das nächste Mal wieder falsch dargestellt zu werden. Dann flipp ich innerlich aus, wenn ich mit meinen rationalen und stets anständig vorgebrachten Kontaktaufnahmen mit den Medien ständig nur ignoriert werde, fühl ich mich mit der Zeit als würd ich mit einem Gipsklotz quatschen.

      Aber hier geht es eben um mehr als ums Quatschen, hier geht es so nebenbei um mein ganz persönliches Leben, um die Frage, ob ich wirklich bis zum Ende meiner Zeit verkannt bleiben werde, ob man uns weiter belächelt, ob weiter transMenschen sterben, weil sie diese ganze Scheisse nicht mehr aushalten oder weil jemandem mal wieder der minimalste Respekt fehlt. Und dann, man möge mir das verzeihen, werde ich deutlich, sehr deutlich – und vielleicht auch mal zu laut. Aber ich habe oft genug anständig und rational auf Journalisten eingewirkt, irgendwann endet auch meine Geduld im Umgang mit Kommunikationsresistenten.

      Aber vielleicht geht’s ja doch aufwärts?

      Aber ungeachtet meiner unterdessen angehäuften Ungeduld, versuche ich stets fair zu bleiben und sehe auch das Gute, wenn es denn ausnahmsweise mal erscheint. So habe ich zu dieser besagten Reporter-Sendung betont, dass ich die Sendung inhaltlich gut fand, dass sie besser war als das Meiste was ich bisher gesehen habe. Aber ich knurre trotzdem laut und deutlich, wenn so eine Sendung dann eben beispielsweise so einen verblödeten Ankündigungstext hat oder mit dem ersten Satz der Reportage die Gesamtaussage erstmal auf den Kopf gestellt wird und Zuschauer dadurch das Ganze von einem völlig falschen Blickwinkel aus beginnen.

      Es geht eben doch: sie war schon immer eine Frau

      Mag sein, dass es Zufall ist, mag auch sein, dass der Schreiber dieses Artikels einfach die Ausnahme von der Regel ist, vielleicht ist es aber auch deshalb, weil Leute wie ich oft genug meckerten. Jedenfalls ist heute in diversen Tageszeitungen ein Artikel über Claudia erschienen, der mich den Rest des Tages verzückt lächeln liess. Denn der Artikel fängt mit dem Satz an: “Claudia Meier war schon immer eine Frau“. Paff, das nenn ich mal ne Ansage :-) Und darüber kann ich mich dann genauso euphorisch erfreuen, wie ich mich über “Transe Peter” aufregen kann. Dieser Artikel ist jedenfalls etwas vom Korrektesten was mir je begegnet ist. Klar könnte man bemängeln, dass wieder nichts über biologische Ursachen von Transsexualität stand, aber ich kann auch nicht erwarten, dass mit einem Schlag die grosse Aufklärung stattfindet.

      Worum es mir viel mehr geht ist darum, dass der Text respektvoll gehalten war, dass niemandem das eigene Geschlecht aberkannt wurde und eigentlich nichts stand, was der Realität über transsexuelle Menschen radikal widersprechen würde. Und genauso wie ich sonst Redaktionen anmeckere, wenn sie wiedermal Quatsch schreiben, genauso habe ich meine Freude als Kommentar dort abgeladen und wenn ich die Mailadresse des Schreibers hätte rausfinden können, hätte ich ihm sogar geschrieben (hole ich raschmöglichst nach).

      Versuch einer Antwort

      Warum ich mit so deutlichen und oft auch harten Worten um mich haue, dürfte also zusammengefasst damit begründet sein, dass ich es einfach leid bin, immer und immer wieder von Journalisten verarscht zu werden, auch wenn ich mehrfach auf ihr Fehlverhalten hingewiesen habe. Eine ganz andere Frage ist die, ob so harte Bandagen wirklich nützlich sind. Ehrlich gesagt, ich zweifle daran. Ich bin zwar überzeugt, dass man sehr deutlich kritisieren muss, es geht ja um nicht weniger als um das Überleben von Betroffenen, da wäre es nicht angebracht, klein beizugeben oder sich mit faulen Kompromissen abzuspeisen. Denn schlussendlich nützt es mir nicht viel, wenn man mich als “gestörter Mann im Rock” akzeptiert, auf diese Akzeptanz kann ich verzichten. Aber bellenden Hunden hört man selten zu, man weicht vielleicht, achtet aber nicht gross auf ihre Bedürfnisse. In dem Sinn wäre es wohl nützlicher, wenn wir transAktivistinnen versuchen so freundlich wie möglich zu bleiben, bestimmt aber freundlich. Nur hier menschelts halt, auch bei mir – Gefühle folgen nunmal nicht immer ökonomischen Gesetzen. Aber versuchen sollten wir’s trotzdem soweit es unsere Nerven zulassen.

      Weiter – hartnäckig, bestimmt, aber mehr rational als emotional

      Gerade dieser heutige Zeitungsartikel bestärkt mich darin, dass wir weiter machen müssen. Nur wenn wir hartnäckig den Schimpfefinger hochhalten, jedes Mal wenn wieder ein Journalist geistigen Gesellschaftsmüll über uns auskippt, werden Medien immer mehr informiert und dann vielleicht auch sensibilisiert. Aber wir müssen uns davor hüten, aus Journalisten oder auch aus Psychologen Feinde zu machen, denn das sind sie bestimmt nicht. Es ist nicht ihr erklärtes Ziel uns kaputt zu machen. Versuchen wir also weiter, ihnen anständig aber bestimmt auf die Finger zu klopfen, die mediale Entwicklung der letzten Monate lässt Hoffnung zu.

      SF1 Reporter – Von Andreas zu Claudia

      Entgegen meinen Erwartungen wurde die Sendung “Reporter: Von Andreas zu Claudia” auf SF1 nicht zum gewohnten Medien-Desaster. Die Dokumentation beinhaltete einige Aufnahmen der zwei bereits bei “Schweiz Aktuell” erschienen Sendungen “Vom Chef zur Chefin” und “Namensstreit in Bern” sowie zusätzliche Aufnahmen.

      Die Sendung war im Gegensatz zu anderen bisherigen TV-Produktionen doch überraschend gut, von der Betroffenen wurde seitens der Moderation in der Regel in korrekter weiblicher Form gesprochen, abgesehen von Schilderungen aus der Vergangenheit. Dafür bot diese Sendung vorallem durch die Interviews mit Claudia Meier viele wichtige Informationen, im Speziellen betreffend der Frage um die verweigerten Namensänderungen bei transsexuellen Menschen. Doch so gut so Manches war, so erschreckend war meines Erachtens der Einstieg, denn der Einstieg stellt das Fundament, auf dem der Rest verstanden wird und da wurde eindeutig eine falsche Richtung eingeschlagen.

      Guter Inhalt irreführend aufgegleist

      Die Sendung begann mit einem moderierten Hintergrundtext, in dem Claudia Meier in der männlichen Form vorgestellt wurde und die alte Mär rezitiert wurde, “er” hätte schon immer eine Frau “sein wollen”. Dass Transsexualität nicht der “Wunsch eines gestörten Mannes” ist sondern die “Gewissheit um das eigene Geschlecht” einer transsexuellen Frau, scheint den Reportern noch nicht klar zu sein, denn diese Fehldeutung wiederholte sich im Verlauf der Sendung. Hätten sich die Reportagemacher mit dem Thema Transsexualität auseinandergesetzt, wüssten sie, dass Transsexualität keine Wunschfrage ist. Warum man eine Dokumentation über so ein Thema macht, ohne sich ernsthaft mit den medizinisch-wissenschaftlichen Hintergründen zu beschäftigen, ist mir irgendwie schleierhaft.

      Schon wenige Sekunden später kommt die Betroffene zum ersten Mal zu Wort und stellt gleich klar:

      Viele haben das Gefühl: “Jetzt ist sie eine Frau”.
      Nein, Frau bin ich immer gewesen!
      Ich bin immer Frau gewesen, durfte aber nie aus Frau leben.

      Die Moderation fährt fort und tritt gleich ins nächste Fettnäpfchen:
      “Biologisch ist die Zweiundvierzigjährige zwar immer noch ein männliches Wesen……”

      Entweder hat sich der Reporter wie bereits erwähnt nicht mit dem Thema auseinander gesetzt oder er hält das Gehirn eines Menschen nicht für einen Teil der Biologie. Denn Fakt ist, dass eine transsexuelle Frau eine weibliche Hirnanatomie hat, massgeblich geschlechtsrelevante Regionen des Hypotalamus haben bei transsexuellen Frauen die selbe Grösse und Neuronendichte wie bei nicht-transsexuellen Frauen. Wer bei der Geschlechtsbestimmung das Hirn aus der Biologie ausschliesst, macht den Menschen im wahrsten Sinn des Wortes hirnlos.

      Die Moderation fährt mit dem Satz fort:
      “…… doch in ihrem 4-Sterne Hotel bewegt sie sich WIE eine Lady…..”

      Was heisst da “wie”? Wie ignorant muss man sein, einer Frau zu begegnen, die sagt, sie sei eine Frau und dann über sie zu referieren, sie sei ein männliches Wesen, das sich WIE eine Frau bewegt? Diese Einleitung gab der Sendung eine völlig falsche Richtung, der Moderator scheint von einem verrückten Mann zu reden, der lieber eine Frau wäre und deshalb so tut als wär “er” eine Frau.

      Aber so grotesk diese Einleitung auch war, ich habe da schon viel Schlimmeres erlebt, beispielsweise bei obgenannten zwei Sendungen von “Schweiz Aktuell”. Immerhin wurde während der weiteren Reportage meistens in der weiblichen Form von der Betroffenen gesprochen. Trotzdem zeigt sich meines Erachtens, dass die Sendungsmacher mit einer vorgefassten Vorstellung an dieses Thema herangegangen sind und nicht in der Lage waren, ihre vorgefassten Vorstellungen der durch die Betroffene vorgebrachten Realität anzupassen.

      Und dieses Schema begegnet mir immer wieder, wenn es um das Thema “Transsexualität” geht. Da hilft es wenig, wenn in solchen Sendungen inhaltlich korrekte Informationen weitergegeben werden, wenn man das Ganze in einen Hyperkontext stellt, in dem man entgegen wissenschaftlichen Fakten verbreitete Falschvorstellungen betoniert. Gerade Medienschaffende müssten sich bewusst sein, dass Worte töten können, wer sich das nicht bewusst ist, sollte nicht in dieser Branche arbeiten. Es sind solche Fehlformulierungen wie “er will eine Frau sein”, die das Fundament legen für die gesellschaftliche Stigmatisierung von transsexuellen Menschen und sie sind der Nährboden, auf dem Transsexualismus-Betroffene diskriminiert oder gemobbt werden, bis hin zur Tötung vermeintlich “gestörter Männer im Rock”.

      Einmal mehr bitte ich Betroffene inständig:

      Ich bin wirklich froh, dass es Leute gibt die sich für so Sendungen zur Verfügung stellen und noch mehr bin ich froh, wenn Betroffene sich wie in Claudia Meier, Kim Petras oder Balian Buschbaum korrekt “deklarieren”. Aber wenn Ihr so Sendungen mitmacht, dann stellt dabei die Bedingung, dass die Verantwortlichen Eure Terminologien übernehmen. Klärt die Journalisten zuerst auf, was Transsexualität ist und was es nicht ist und stimmt nur zu unter der Bedingung, dass Ihr auch so dargestellt werdet – andernfalls geht der Schuss hinten raus.

      An dieser Stelle verweise ich nochmal auf ältere Beitrag zu diesem Thema:
      Transsexualität und die Kunst der Selbsterklärung
      Rundschau: Transsexuelle, Krankenkasse, Behörden und ein ulkiger Polit-Clown

      Namensverweigerung sind Menschenrechtsverletzungen

      Der Grund, warum ich trotz der irreführenden Einleitung froh bin um diese Sendung, liegt darin, dass sehr eindrücklich dargelegt wurde, wie grausam unsere Behörden mit transsexuellen Menschen umgehen. In vielen Kantonen lässt man Betroffene zwei Jahre lang hängen, die nicht-menschenrechtskonformen Behandlungsstandards verlangen von Betroffenen, in Form eines sogenannten Alltagstest zwei Jahre lang “in ihrem angestrebten Geschlecht” zu leben, verweigern aber in dieser Zeit die Möglichkeit, die Ausweise entsprechend zu ändern. Claudia Meier hat in guten Beispielen erklärt, was das faktisch bedeutet. Man kommt kaum noch über eine Grenze ohne höchst peinlichen Situationen ausgesetzt zu sein und man wird dadurch gezwungen, unter “falschem Namen” zu leben. Es wird verlangt, dass man im Alltag unter dem neuen Namen auftritt, doch damit macht man sich schlussendlich strafbar, weil man formal-juristisch nicht so heisst. Spätetens bei der Benützung einer Kreditkarte kann das zu grossen Problemen führen, ganz abgesehen davon, dass man beispielsweise im Falle eines Spitalaufenthalts oder bei einer Inhaftierung in der falschen Abteilung landet. Letzteres ist in Deutschland letztes Jahr geschehen, die Betroffene wurde von den Mitinsassen mit Begeisterung empfangen, nach mehrfacher Vergewaltigung wurde sie dann verlegt. Wenn man sich vor Augen hält, dass beispielsweise der Kanton Zug solche Namensänderungen ohne Bedingungen wie Länge der Hormontherapie oder erfolgte Sterilisierung zulässt, dann macht es schon etwas ratlos, dass im Kanton Bern eine Hoteldirektorin, die von Berufswegen auf korrekte Papiere angewiesen ist, solchen Schikanen ausgesetzt ist.

      Mediale Desinformation – wenn Medien dazulernen

      Nachdem ich diesen Beitrag gestern Abend geschrieben habe, hielt ich ihn noch zurück um heute morgen erst zu schauen, ob eine Zeitung über diese Sendung schreibt. Das geschah zwar nicht, dafür hatte “Der Bund” einen Beitrag über Claudia Meier (Der Tod ist ihr näher als der Weg zurück), der wenn auch nicht perfekt so doch überraschend gut geschrieben ist. Überraschend deshalb, weil der Bund meines Wissens zum gleichen Verlag gehört wie die Bernerzeitung und die hat bereits vier Mal über Frau Meier und im Speziellen über diesen Rechtstreit berichtet und hat (vorallem im letzten Beitrag) transphobe Formulierungen übelster Art verwendet. Ich hab echt null Verständnis dafür, dass ein Journalist gerade beim Thema “verweigerte Personenstandsänderung” rotzfrech von “einem Hoteldirektor” spricht.

      Adieu Herr Meier – grüessech Frau Meier
      Transsexualität ist nicht ansteckend
      Ihr männlicher Vorname ist Geschichte
      Transsexualität: Namensänderung braucht Zeit

      Dass “der Bund” den Artikel anfängt mit dem Satz: “Claudia Meier war schon immer eine Frau” weckt Hoffnungen, dass auch Medienschaffende lernfähig sind. Ich aber auch andere trans-Aktivistinnen haben beispielsweise die Bernerzeitung/Tagesanzeiger anlässlich solcher Artikel mehrfach über ihre Falschdarstellung informiert, vielleicht hat es ja schlussendlich doch etwas genützt – bleiben wir dran ;-)

      UPDATE: Hab wohl nicht gut genug gesucht, dieser Artikel wurde auch auf Tagesanzeiger, Bernerzeitung und Baslerzeitung erschienen, die Hoffnung, dass diese Redaktionen dazulernen, scheint begründet :-)

      PS: falls Claudia Meier hier mitliest, Super Foto in diesem neusten Zeitungsartikel…… und danke für Deinen Einsatz

      PPS: zur hier gestellten Frage, weshalb ich Medien so heftig kritisiere:
      Dianas Medienschelte mit dem Zweihänder

      Sonntag auf SF1: Reporter – Von Andreas zu Claudia

      Hier noch ein TV-Tipp mit beschränkter Haftung. Am Sonntag (25.9.2011) bringt SF1 um 21:45 Uhr in der Sendung “Reporter” eine Dokumentation über Claudia Meier, die Hoteldirektorin im bernischen Hotel Schwefelberg Bad, die in letzter Zeit in den Medien war, weil das “Amt für Migration und Personenstand” ihr die Vornamens- und Personenstandsänderung bisher verweigerte, da sie die genitalangleichende Operation noch nicht hinter sich hat resp. die zweijährige Zermürbungsphase den zweijährigen Alltagstest noch nicht absolviert hat, der in den hiesigen und wie von mir bereits mehrfach kritisierten und menschenrechts-widrigen “Behandlungsstandards” vorgeschrieben wird.

      Das Schweizer TV berichtete bereits zwei Mal in der Sendung “Schweiz aktuell” darüber, in beiden Fällen waren die Berichtersttattungen jenseits von gut und böse, man war ignorant genug um von Frau Meier in der männlichen Form zu sprechen. Dementsprechend graut es mir ziemlich vor diesem nächsten Erguss von SF-DRS, es wäre das erste Mal, dass SF-DRS transsexuellen Menschen ein Minimum an Respekt zukommen liesse. Inhaltlich sind diese zwei Sendungen zwar recht gut, vorallem die Zweite betreffend der Namensverweigerung, aber das Drumrum durch die Reportagemacher ist einafch nur übel.
      Schweiz Aktuell: Vom Chef zur Chefin
      Schweiz Aktuell: Namensstreit in Bern

      Interessant ist so nebenbei erwähnt, dass in obiger TV-Sendung von Schweiz Aktuell die Verantwortlichen den Namenswechsel mit Verweis auf das deutsche Transsexuellengesetz (TSG) verweigern, obwohl das für uns nicht zuständig ist. Pikant dabei ist, dass das deutsche Verfassungsgericht bereits Anfang Jahr entschieden hat, dass dieses TSG in mehreren Punkten verfassungswidrig ist und gegen europäische Menschenrechte verstösst – im Speziellen die Forderung nach irreversibler Sterilisierung.

      Der Ankündigungstext für die Reporter-Sendung geht nun in eine ähnliche Richtung, einmal mehr verbreiten Medien das Bild eines Mannes, der halt einfach lieber eine Frau wäre und dass aus einem Mann “plötzlich” eine Frau wird. Dass dies wissenschaftlichen Fakten widerspricht muss ich genauso wenig erläutern wie dass sie mit solchen entwürdigenden Formulierungen das Menschenrecht auf Selbstbestimmung mit Füssen treten, darüber habe ich oft genug geschrieben.

      41 Jahre lang lebte Andreas Meier als Mann und führte den elterlichen Hotelbetrieb im bernischen Schwefelbergbad. Doch seit seiner Kindheit wäre er viel lieber ein Mädchen gewesen.

      Vor acht Monaten fand Andreas den Mut, gegen aussen zu zeigen, was er innerlich schon immer spürte. Seitdem ist aus Andreas Claudia geworden. Eine lebensfrohe Frau, die gerne in High Heels und Minirock auftritt, sich aber auch für die harte körperliche Arbeit draussen und in der Küche nicht zu schade ist.

      Mit ihrem Coming Out überraschte Claudia ihre Familie und ihre Lebenspartnerin Esther. In der Reportage von Rolf Dietrich erzählt Esther, wie sie damit umgeht, dass aus ihrem Freund plötzlich eine Frau geworden ist. Welche Perspektiven hat diese Liebesbeziehung, wenn die Geschlechter-Rollen derart durcheinandergeraten? Auch ihre Schwester, ihre Eltern sowie die Hotelangestellten mussten zuerst lernen, damit umzugehen, dass aus Andreas Claudia geworden ist.

      Nein, Ihr Redaktionsclowns, Claudia heisst nicht Andreas, und sie ist kein “er”, sie wollte auch nie “lieber ein Mädchen sein” sondern ist als Frau mit nicht dem Geschlecht entsprechenden Geschlechtsmerkmalen geboren, deshalb wurde sie auch nicht “plötzlich” zur Frau, das schien nur von aussen her betrachtet so. Fehlte eigentlich nur noch “Geschlechtsumwandlung”, dann wäre die Liste der Falschvorstellungen im Wesentlichen komplett.

      Wenn die Sendung selber genauso unsensibel und unwissend daher kommt wie dieser Text oder frühere Sendungen, dann dürfte das mal wieder ein mediales Desaster geben und einmal werden die Vorurteile der Zuschauer betoniert. Aber lassen wir uns überraschen, vielleicht wird’s ja wider Erwarten doch eine informative Sendung, aber der Text da oben lässt Schlimmstes befürchten.

      Wiederholungen:
      Montag, 26. September 2011, 04.05 Uhr auf SF1
      Mittwoch, 28. September 2011, 11.30 Uhr auf SF1

      SF1 Reporter: Die transsexuelle Hoteldirektorin vom Schwefelbergbad

      UPDATE – mein Senf zur Sendung:
      SF1 Reporter – Von Andreas zu Claudia

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