Tagebuch einer Frau mit transsexueller Vergangenheit

Ein vergnügter Sommeranfang samt Stressresistenz

Es gibt Leute, die sagen, ich sei verrückt, andere halten mich für irre – wisst Ihr was? Sie haben alle Recht und das ist auch gut so – nicht, dass sie Recht haben sondern dass ich verrückt genug bin um mein Leben zu leben, auch wenn’s manchmal etwas bekloppt ist.

Und so kam heute mal wieder einer dieser Tage, an dem ich unerklärlich vergnügt aufstand, mich antüdelte, vor den Kleiderschrank in Achtungsstellung ging und weiss der Kuckuck was in meinem Kopf vorging……..

……. und meine biologische Uhr schaltete auf Sommer, meine Laune auf Sommerlaune, mein Übermut näherte sich dem eines Fohlens das zum ersten Mal auf der Weide rumhopsen kann……..

…….. und schon hatte ich es an, dieses schulterlose Stretchkleid – zum ersten Mal in meinem Leben trug ich schulterfrei – ich blickte ein letztes Mal in den Spiegel, attestierte mir uneingeschränktes Beklopptsein und stöckelte zur Arbeit. Hach ist das schön, jung und verrückt zu sein.

Naja, jung……. beschränken wir uns auf verrückt, das reicht auch für einen guten Tag.

Offenbar hat mir meine zweiwöchige Badewannenphase gut getan. Nicht nur, dass ich mir dabei bewusst werden konnte, wo der Schuh drückt, es zeichnen sich auch neue Strategien ab, mit all dem klar zu kommen. Und das wiederum führte zu einer Art Befreiung, ich konnte wieder etwas loslassen und das wiederum bringt mich langsam auf Kurs, scheint es jedenfalls. Die letzten paar Kommentare die ich gestern und heute irgendwo deponierte, waren entweder ganz einfach sachliche Informationen, die ich deponierte und es damit beliess, dass gesagt wurde was gesagt werden muss – oder ich entlarvte den zu kritisierenden Text mit zuckersüsser Ironie, so dass er eigentlich auch vom Tisch war und ich dabei auch noch eine schelmische Freude erleben durfte….. Ich sollte mal wieder Epiktet lesen, der Kerl hatte es echt drauf ;-)

Dass ich seit gestern wieder steil aufwärts schwebe, erstaunt vorallem auch deshalb, weil gerade dieser Tage ein paar sowas von hässliche Dinger auf meinem Monitor landeten, dass ich eigentlich mit der virtuellen Kettensäge hätte bloggen müssen. Das Gröbste war ein Beitrag im Magazin einer “Homosexuellenorganisation”, in dem der Standpunkt vertreten wurde, dass man transsexuellen Mädchen nicht helfen solle, weil die in Wirklichkeit homosexuelle Jungs seien die ihre Sexualität verdrängen würden. Öhm, Transphobie in einem “Homosexuellenmagazin”? Sorry, aber diese Trans=Homo Theorie ist längst widerlegt und stammt aus einer Zeit, in der dieselben Sexologen die uns Transsexuelle psychopathologisieren, auch Homosexuelle als psychisch gestört klassifizierten. Der Autor sollte sich also hüten, dieses Denken wieder aufzuerwecken. Jedenfalls ärgerte ich mich zwar kurz mal heftig darüber und werde vermutlich in einer Form darauf reagieren, aber dieser Blödsinn haute mich nicht um. Da war einfach sowas in mir, etwas das sagte: lass den Troll Troll sein, lass Dir Deine Vergnügtheit nicht verderben, heute ist ein guter Tag……

Und ich ging in mein Raucherräumchen eine rauchen, schaute in den strahlend blauen Himmel, blickte an mir runter und sah, was ich verrücktes Huhn heute wieder angezogen habe – und bei all dem fühlte ich mich einfach glücklich und zufrieden und irgendwie begann mich diese Episode sogar zu amüsieren. Dass jemand solchen Unsinn erzählen kann ohne auf der Stelle vom Blitz getroffen zu werden, hat was von Comedy, wär’s nicht wahr, könnte man sich darüber kaputtlachen.

Und so verging der Tag wie im Flug und meine Laune blieb bis jetzt so vergnügt, wie Schmetterlinge im Frühling nunmal sind………. achja, ging’s nicht mal noch ums Kleid?`Also mal so ganz unter uns, wenn ich mir das Foto so anschaue, dann beschleicht mich schon auch das Gefühl, dass ich zumindest an gewissen Tagen ein ziemlich verrücktes Weibchen bin. Aber diese äusserliche Selbstentfaltung, die mir nach so langer Entbehrung endlich möglich ist, dieses ständige sich neu suchen und neu finden und neu erfinden, all das ist nachwievor etwas Berauschendes.

Das wirkt auf mich wie jemand der ein Leben lang in Ketten eingekerkert war, eines Tages raus kann und dann ständig an Ort in die Luft hüpft wie bekloppt. Da fragt einer, sach mal, was zum Geier hüpfst Du da rum wie blöd? Keine Ahnung, antwortet der Hüpfmensch, ich hab einfach so n’Bewegungsdrang in mir, es fühlt sich einfach so ungewohnt schön und befreiend an, immer wieder zu spüren, dass ich mich wirklich jederzeit und in jede Richtung bewegen kann wie mir danach ist. Und wenn er nicht gestorben ist, dann hüpft er vielleicht heute noch ;-)

Und doch habe auch ich manchmal diese Stimme in mir, wie heute morgen, die mir energisch zuzischt: Haste jetzt n’Totalschaden, Du kannst doch nicht in dem Fummel zur Arbeit……….. naja, was soll ich sagen, offensichtlich konnte ich doch, Theorie widerlegt, ich kann sehr wohl :-)

Und falls doch noch jemand unter den Mitlesenden denkt, ich würde es übertreiben – tragt mal vier Jahrzehnte lang die Kleider des anderen Geschlechts und dann reden wir nochmal darüber ;-)

In dem Sinn – mögen wir unser Verrücktsein nie verlieren, denn gerade dieses Verrücktsein kann manchmal der Quell wahrer Lebenslust sein – Carpe Diem!

Nachtrag: ATME hat soeben zu diesem obgenannten Magazinbeitrag Stellung genommen:
Einer von der taz schreibt und ATME schweigt immer noch

Badewannen-Blues – ich bin des Streitens müde

Seit über zwei Wochen komme ich jeden Abend nachhause, fühle mich wie unter Strom und kann nicht anders als erst mal ein bis zwei Stunden in die Badewanne zu liegen, mich dahin treiben lassen an den Ort, an dem die Welt noch in Ordnung ist, weit weg von der Welt. Diese unfreiwillig-freiwillig genommenen Auszeiten zeigen mir in aller Deutlichkeit, dass etwas nicht in Ordnung ist und dass ich nun wirklich über die Bücher muss. Diese Welt da draussen zerreibt mich wie ein Mühlstein und wenn ich nicht bald einen konstruktiveren Umgang damit finde, wird sie mich zermahlen. Viel mehr weiss ich noch nicht, aber es ist immerhin mal eine Richtung………..

Die letzten drei Jahre war ich so sehr mit mir selbst beschäftigt und der Alltag war derart fordernd, dass ich kaum noch Energie hatte um mich mit dem “Weltgeschehen” auseinanderzusetzen. Aber nun, da ich in meinem Leben angekommen bin und eigentlich ein lebenswertes Leben führen darf, wird wieder Raum frei und wie ein pawlow’scher Köter tue ich das was ich schon immer tat, in einer Zeit, in der ich kein eigenes Leben hatte sondern mich nur mit der “Rettung der Welt” beschäftigen konnte.

Es vergeht kein Tag ohne dass ich irgendwo in den News etwas lese, das mich interessiert – oft zermürbt mich bereits das was ich da lese genug, aber spätestens wenn mich meine Neugier dazu treibt, zu lesen, was die LeserInnen darüber denken, weil ich wissen möchte, was “die Volksseele” darüber denkt, finde ich mich in einem Morast wieder, der mich zu ersticken droht. In der Regel finde ich da auf Anhieb mindestens ein dutzend von “Ansichten”, die der Realität derart spotten, dass ich diese Desinformation berichtigen müsste. Wo in aller Welt soll ich da anfangen? Und wie soll ich mir erhoffen, aufzuklären, wenn die Verblendung oft so tief verwurzelt ist und so Manche nicht mal elementarste Gedankengänge vollziehen?

Und da beginnt eine unerträgliche Zerrissenheit. Je notwendiger eine Intervention wäre, umso mehr verspüre ich den Drang, “die Wahrheit” zu retten und aufzuklären – aber gerade dann, je notwendiger es ist, desto offensichtlicher ist meist auch die Sinnlosigkeit dieser Bemühung. Schon wieder ein Krieg der nicht gewonnen werden kann, schon wieder eine Wand, in die ich ungebremst hineinrenne.

Es gibt soviel Unwahrheit die verbreitet wird, sei es ob man auch ohne AKWs Strom produzieren kann oder ob sogenannt “bürgerliche Politik” dem Bürger dient bis hin zur Lüge, transsexuelle Frauen seien trotz weiblicher Hirnanatomie “biologisch männlich” als würde das Hirn nicht zum Körper gehören. Wo ich hinsehe, überall wird so Blödsinn verbreitet und eine Heerschar von Denkanalphabeten plappern den ganzen Quatsch hinterher ohne diese aufgeschnappten Ergüsse zu hinterfragen.

Ich müsste bei jedem Thema dem ich mich widme gleich mal ein dreibändiges Buch schreiben, für Leser, die meist schon bei Dreizeilern überfordert sind. Es tut mir leid, wenn ich hier und jetzt unfreundlich wirke, aber das ist nunmal die Realität die sich mir zeigt. Beim Diskutieren halte ich es wie bei Abstimmungen, wenn ich mich mit etwas ernsthaft auseinandergesetzt habe, dann rede ich darüber resp. stimme ab, aber wenn ich mich nicht damit beschäftigt habe, egal wieviel Propaganda mir vor Augen geführt wurde, dann halte ich die Klappe und überlass die Diskussion oder den Entscheid denen, die wissen, wovon sie reden – aber scheinbar gehöre ich diesbezüglich zu einer Minderheit. Gerade in Kommentarspalten von Onlinemedien tummeln sich offenbar mehrheitlich Solche, die ihr Unwissen als Wissen verpackt ausspeien und damit Andere, Unschlüssige, sogar von diesem Quatsch überzeugen.

Dieser ganze Blödsinn reibt mich wie eh und je auf und es gelingt mir bisher einfach nicht, einen einigermassen gesunden Umgang damit zu finden. Ich bin der festen Überzeugung, dass man widersprechen muss, wenn einem der Unsinn entgegen galoppiert. Und ich bin genauso der Überzeugung, dass es viel zu Wenige gibt, die gegen diesen kollektiven Stumpfsinn ankämpfen. Aber ich spüre genauso, wie mich dieser nie endende und selten zu gewinnende Krieg ausbrennt – und ehrlich gesagt, mein endlich erkämpftes Leben ist mir zu wertvoll, als dass ich mich bis zum bitteren Ende verheize.

Meine täglichen Badeattacken zeigen in aller Deutlichkeit, was meine Seele mir sagen will. Ich versuche auf diese Stimme zu hören, gönne mir diese Auszeiten und versuche mich zurückzuhalten so gut es geht. Ich brauche jetzt wirklich mal Ruhe und muss in mich gehen und einen konstruktiven Weg finden, mit diesem Schlamassel umzugehen. Zu versuchen, die Welt zu verbessern, ist eine erstrebenswerte Tugend – aber dabei selber zugrunde zu gehen, geht zu weit, definitiv.

Also versuche ich auch hier, mich zurückzuhalten. Versucht habe ich es ja schon öfters, wie Ihr wisst, geschafft habe ich es bisher nie – aber das soll mich nicht davon abhalten, es erneut zu versuchen – ich geb wie immer mein Bestes ;-)

Dein Leben wird dadurch nicht flach und dumm,
wenn du weißt, dass dein Kampf erfolglos sein wird.
Es ist viel flacher, wenn du für etwas Gutes und Ideales kämpfst
und nun meinst, du müsstest es auch erreichen.

(Hermann Hesse – Steppenwolf)

Buntgemischtes aus dem Februar

Jauh da wär ich mal wieder, seit einiger Zeit gibt’s hier bei mir ja kaum noch was zu Lesen, aber wie bereits kürzlich mal erklärt, habe ich einerseits nichts zu erzählen, was so dringend ist, dass es mich zu Schreiben antreiben würde und auf der anderen Seite gibt es soviele kleine Dinge und ganz viele hässliche kleine Dinge, dass ich mich zu keinem Thema entscheiden kann. Deshalb mal wieder eine Zusammenfassung, ich hoffe, dass ich bald wieder in normalem Rhythmus bloggen kann.

Das Blog, das Komatöse

Den StammleserInnen dürfte augefallen sein, dass meine Blogs in letzter Zeit häufig nicht funktionieren. Weiss der Geier warum, aber offenbar ist meine Hosting-Firma, also die Firma, auf deren Server meine Webseiten eingemietet sind, chronisch überlastet und so kommt’s zu diesen hässlichen Timeout-Fehlern. Ich kämpfe seit längerer Zeit mit dem Gedanken, meine Blogs umzuziehen auf einen neuen Server, der zuverlässiger ist. Aber weil das saumässig viel Arbeit gibt, schiebe ich das ständig vor mir her. Wenn das jedoch so weiter geht wie in den letzten Tagen, werde ich mich da wohl oder übel mal reinknien müssen, Gründe dazu hätte ich nämlich weitere…………

Die kriminellen Internet-Parasiten

Denn ein weiteres Problem nervt total. Schon X-mal wurde ich von Google darüber informiert, dass auf einer meiner Webseiten eine sogenannte Phising-Seite installiert ist. Das sind Webseiten von kriminellen Drecksäcken, die Webseiten wie Meine hacken und ihren Dreck dort verstecken. Diese Internetseiten, die sie beispielsweise bei mir irgendwo in einem Unterverzeichnis verstecken, sind so aufgebaut, dass sie aussehen, als wäre man bei eBay, PayPal oder sonst einer Seite, die Kreditkartenabfragen macht. Die Leute landen dort, denken sie seien auf ebendieser Seite, geben ihre Kreditkarte an und schon sind sie ausgeräubert. Ich lösch den Scheiss dann jeweils, aber die knacken meine Seiten immer wieder von Neuem, Meine und tausend Andere. Und weil die Idioten immer raffinierter werden, schaffen sie es unterdessen sogar, ihren Dreck so zu installieren, dass ich deren Müll selbst als Administratorin meiner eigenen Website nicht löschen kann. Dazu muss ich dann ständig den Support der Hostingfirma anbaggern und da die nicht grad allzu zuverlässig sind, naja, so ganz sauber werden meine Seiten wohl nie mehr. Da ich die Passwörter oft ändere und nahezu unknackbare Passwörter verwende, habe ich langsam den Verdacht, dass die direkt den Server angreifen und gar nicht über meinen Zugang reinkommen. Langer Rede kurzer Sinn, so macht das echt kein Spass, ein Grund mehr, meine Seiten endlich umzuziehen.

Kreislaufkollaps in der Badewanne

Ne ganz so schlimm war’s nicht, ein Kollaps wär was Anderes, aber weit davon entfernt war ich nicht. Gestern nahm ich wieder mein obligates sonntägliches Bad, füllte aber etwas zu heisses Wasser ein. Da ich heisse Bäder an sich mag, legte ich mich trotzdem rein. Aber nach ner Weile wurde es mir dann doch zu heftig und ich wollte wieder raus….. wollte ist gut……. denn als ich aufstand und mich abtrocknen wollte, spielte irgend ein bekloppter Geist mit dem Lichtdimmer und es wurde um mich rum langsam dunkler. Bevor es mich hinknallte, setzte ich mich wieder in die Badewanne, staunte Bauklötze, wartete kurz und versuchte es von Neuem. Nach etwa drei Versuchen war ich draussen, musste mich dann aber erst mal auf den Boden legen und abkühlen. Aber ich fühlte mich sowas von unwohl, also nahm ich einen neuen Anlauf und ging ins Schlafzimmer, wweil das näher ist als das Wohnzimmer und da lag ich dann erst mal eine halbe Stunde, bis die Systeme wieder runtergekühlt waren. Issja krass! Sowas hab ich echt noch nie erlebt. Ich kenn das zwar, dass ein zu heisses Bad den Kreislauf ganz schön belasten kann, aber dass ich fast nur noch kriechen kann, sowas gab’s noch nie. Naja, einmal mehr etwas, das mir hoffentlich eine Lehre ist.

Aber sonst geht’s mir gut

Abgesehen davon läuft bei mir persönlich alles super. Die Op ist schon so lange her und körperlich läuft alles so einwandfrei, dass ich kaum glauben kann, was hinter mir liegt. Auch hormonell bin ich dank meines neuen Arztes jetzt guter Dinge. Sowohl Östrogen- als auch Progesteron-Pegel scheinen in einem gesunden Bereich zu liegen. Da ich weiterhin meinen Zuckerkonsum einschränke, ist auch der Zuckerspiegel ok, einzig das Cholesterin ist noch etwas neben den Schuhen, aber irgendwas muss man ja haben ;-) Dafür habe ich mich allgemein ernährungstechnisch verbessert, es gibt öfters am Abend Salate oder Suppen anstatt wie früher Wurstkram oder Pizzas. Hinzu kommt, dass mein Nikotinkonsum weiterhin deutlich reduzierter ist. Etwa die Hälfte meiner Raucherei wird nun nikotinfrei gedampft und die Zigis habe ich ebenfalls gewechselt auf eine leichtere Version. Unter dem Strich dürfte mein Nikotinkonsum schon fast auf einem Viertel unten sein :-)

Ehemalige SchulfreundInnen irritieren?

Durch einen Zufall stolperte ich dieses Wochenende über das Portal “StayFriends”, das dazu dient, dass sich Leute aus der Schulzeit wieder finden resp. nicht verlieren. Natürlich suchte ich gleich mal meine früheren Schulen ab und fand tatsächlich Leute aus meiner Kindheit. Also hab ich mich da jetzt mal angemeldet und bin gespannt, ob sich daraus Kontakte reanimieren lassen. Unter Anderem fand ich ein Foto einer Schulklasse, auf dem ich auf drauf war und jemand hat dort alle Köpfe markiert und mit den Namen versehen. Höhö, hab Meinen nun mal auf “Diana” korrigiert und warte nun gespannt auf Reaktionen. Da dürften Einige Bauklötze staunen, wenn sie ihre Klasse finden und dort eine Diana drin ist, an die sie sich nicht mehr erinnern können ;-)

Die mediale Apokalypse?

Seit ich vor drei Wochen aus Hamburg zurück bin, erlebe ich ein mediales Dauerfeuer, das echt an die Substanz geht. Unterdessen sind mindestens ein dutzend Beiträge erschienen, TV-Sendungen und Zeitungsberichte, mal mehr oder mal weniger schlecht, aber garantiert nie gut. Es wäre mir wirklich ein grosses Anliegen, in Sachen “Transsexualität” wieder vermehrt Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben. Aber wenn wie in diesen Wochen soviel Scheiss über den Äther tropft, vergeht mir langsam aber sicher die Lust daran. Mehr denn je bin ich hinundher gerissen zwischen der offensichtlichen Notwendigkeit, die Desinformation seitens der Medien und gewisser Sexologen bis hin zu religiös Verblendeten zu korrigieren, Menschenrechtsverletzungen anzuprangern und so weiter. Genauso habe ich aber mehr denn je die Schnauze voll von diesem ganzen idiotischen Scheiss. Und wenn ich dann noch wie leider oft erleben muss, dass Betroffene solche medialen Ergüsse auch noch toll finden, nur weil man etwas freundlicher über uns berichtet, dabei aber nicht merken, dass man uns wie eh und je als Gestörte hinstellt, dann frage ich mich wirklich, für wen ich ich da noch einsetzen soll. All das ist ein riesiger Themenkomplex, der ein dutzend Blogbeiträge bräuchte um all meine Gedanken dazu abzuarbeiten. Aber wie lange will ich mich noch verrückt machen mit dem ganzen Quatsch? Ich weiss es echt nicht, ich weiss nur, dass mir dieser ganze Mist nicht gut tut und ich zweifle immer mehr daran, dass ich in Anbetracht dieser Umstände überhaupt etwas wirklich bewegen kann. Das ist einer der Hauptgründe, warum ich beim Bloggen in einen Stillstand geraten bin. Das worüber ich am ehsten schreiben möchte, ist genau in dieser Thematik angesiedelt………. aber irgendwie fühl ich mich wie jemand, der versucht, mit dem Kopf eine Panzertür einzuschlagen – so wirklich sinnig ist das nun wirklich nicht.

Feuerbälle und sonstiger Zauberkram

Und gerade weil ich mich so schwer tue in der Frage, was ich tun soll und womit ich die Zeit todschlagen soll, ob ich weiterhin Öffentlichkeitsarbeit leisten soll oder einfach die Schoten schliessen soll und ein heiteres “Rutscht mir doch den Buckel runter” in die grosse weite Welt hinausschreien soll, gerade deshalb ist es erfreulich, dass vor einer Woche ein neues Computerspiel rausgekommen ist, das mir glaub mal wieder so richtig liegt, zumindest sieht es danach aus, nach den ersten 20-30 Stunden in “Kingdoms of Amalur”. Dort bin ich – man ahnt’s – mal wieder als feuerballschmeissende Elfe unterwegs, rette Welten, lerne neue Zauberkunststücke, sammle Schätze……. und eben das Wichtigste, alles was sich mir in den Weg stellt, wird mit einem kräftigen Feuerball weggebrutzelt, jauh :-) Man man einwänden, dass es doch ein verblödeter Zeitvertreib ist, durch eine nicht wirklich existierende Welt zu rennen und nicht wirklich existierende Monster zu plätten um nicht wirklich existierende Königreiche zu retten und dabei nicht wirklich existierende Zauberkräfte zu erlernen…………. aber wenn man das aus Sicht der Psychohygiene betrachtet, ist es eben doch sinnvoll. Denn glaubt mir, in dem was man allgemein so leichtsinnig “Realität” nennt, gäbe es unzählige Momente, in denen mir genau diese Feuerbälle fehlen. Das kompensiere ich halt jetzt in Amalur, dem Reich, in dem Journalisten und Quaksalber noch mit einer lässigen Handbewegung zu Staub verarbeitet werden dürfen ;-)

Bald wieder kuscheln

Noch viel tröstender und wohl auch für jedermann nachvollziehbar ist jedoch die Tatsache, dass diesen Donnerstag endlich wieder Hamburg angesagt ist, dann wird mich Juliet um 16 Uhr wieder am Flughafen abholen, heimschleppen und dann können wir wieder bis Dienstag Morgen aneinander kleben :-) Und in einem Monat haben wir eine Woche Ferien, jajajaja, dann ist die Welt mal wieder so richtig in Ordnung :-)

So und damit käme ich zum Schluss und würde den Blogbeitrag publizieren, kann ich aber nicht, weil meine Webseiten mal wieder am Boden liegen, haha. Also speichere ich diesen Text und hoffe, dass meine Websites innert nützlicher Frist mal wieder hallo sagen und ich den Beitrag veröffentlichen kann. Bis dahin geh ich mal wieder nach Amalur und fackle ein paar Systemadministratoren äh Journalisten äh Sexologen äh Rechtspolitiker äh Trolle ab – man gönnt sich ja sonst nix ;-)

PS: diesen Beitrag wollte ich gestern veröffentlichen, aber es artete in eine Odyssee aus. Wie ich nach stundenlangem Herumpröbeln herausfand, habe ich bei mir zuhause keinen Zugriff mehr auf all meine Webseiten. Keine Ahnung was da los ist. Dank dem Tipp einer Freundin weiss ich nun, dass mein Router irgendwie nicht auf dem neusten Stand ist. Ich hoffe, dass ich das bald wieder hinkriege, so oder so ist jedoch klar, dass ich meine Webseiten raschmöglichst umziehen werde auf einen Server, der nicht ständig rumzickt. Falls also demnächst all meine Seiten weg sind, keine Sorge, die kommen wieder ;-)

Ein wenig bekloppt in Hamburg

Unser letztes Wochenende gestaltete sich wieder wie gewohnt und geliebt, wir lagen aneinandergeklebt auf dem Sofa, hach :-) Einzig am Samstag gingen wir in eine Konzerthalle um den Comedian Kaya Yanar zu kucken. Zuerst ging’s bei Schweinste lecker futtern und dann ab in die Konzerthalle – und da wurd’s dann irgendwie gruselig, echt.

Nach langem Ghetto und Rumwarterei. Wir hatten drei Tickets für unten und eins für oben *urks* und Lars wollte früh anstehen um gute Plätze zu haben. Wir hofften, dass wir ein Ticket umtauschen können, hofften, hmmmmm. Die zwei Erwachsenen gingen also mal unten anstehen und wir standen draussen vor der Kasse und warteten eine halbe Stunde bis die öffneten, ums uns dann sagen zu lassen, das ginge nicht. Cool. Aber schlau wie wir sind, haben wir dann halt einfach noch eine Karte für oben dazugekauft und standen dann dort in die Warteschlange. Und ich war langsam völlig entnervt, frohr mir meinen Hintern ab – jaja, selber Schuld, Rock und Strümpfe, haha *gacker* – aber irgendwie schafften wir es rein und dann gings aufwärts – bis es dann abwärts ging – oder so.

Freudig bestürmten wir die Bar, die sogar Longdrings anbot und gönnten uns gleich mal einen Vodka Lemon resp. Orange. Und weil wir ja so bekloppt früh dahin gehen mussten, um Sechs anstatt um Acht, mussten wir da halt blöd rumsitzen und der Drink ging aus, also gab’s noch einen – und dann ging die Show los. Für die, die nicht aufgepasst haben, wir sind erst bei zwei Drinks!

Die Show war an sich cool, aber schon gegen die Pause hin begann ich leicht wegzudämmern. Da wir beide aufs Klo mussten, gingen wir kurz vor Pause raus, klo-ten oder so. gingen eine rauchen, holten uns noch einen dritten Vodka Orange und wollten wieder rein. Durften wir aber mit Getränken nicht mehr *staun*, also setzen wir uns bei der Bar hin und warteten etwas. Nach der Pause gingen wir dann wieder an unseren Platz zurück – angeblich – fragt mich nicht *urks*

Ich betone, wir hatten drei Vodka Orange, also drei mal etwa 4cl, insgesamt nicht viel mehr als 1dl Vodka – aber meinem Hirn reichte es, es klinkte sich aus – Scheiss Vitamine im Orangensaft ;-)

Weiss der Geier, was da abgegangen ist, aber ich war völlig betrunken, von einer Menge, die Juliet grad mal etwas angeheitert hat. Ich weiss nicht, ob das wegen der Hormone ist oder wie unsere Mama dann fieserweise sagte, altersbedingt *empörtguckt* – jedenfalls stand mein Zustand in keinem Verhältnis zum getrunken Alkohol.

Tja und damit nahm das Schicksal seinen Lauf – behauptet man – jedenfalls habe ich dann erst mal ein Nickerchen gemacht…… die ganze zweite Hälfte lang……. mit dem Becher in der Hand *staun*.

Auf dem Rausweg fiel ich mal noch auf den Hintern, weil ich an etwas anlehnte, das sich nicht anlehnen lassen wollte oder so – und als ich einen Stand fand der so Gummifutter anbot, füllte ich eine 10-Euro schwere Tüte voll quer durchs Sortiment – wofür auch immer, wir hatten welche zuhause, aber ich muss in Bombenstimmung gewesen sein ;-)

Anschliessend gingen wir nach draussen und warteten vor dem Eingang auf die anderen Zwei………. und mir gings so gut, dass ich mit Glubschaugen in die herausströmende Menge kuckte und immer wieder Leute mit einem Blick wie das Schweinchen namens Babe fragte: “Hast Du meine Mama gesehen?”………. und der zwangsläufig daraus resultierende Blick liess mich dann auch jedes Mal in erfreutes Gelächter ausbrechen………. *hüstel*……… ey echt, nochmal, sorry Juliet ;-)

Auf dem Heimweg hätte ich mich angeblich auch prächtig amüsiert und hätte bei der Durchsage: “Haltestelle XY, Ausstieg in Fahrtrichtung links” die Leute rundum klugscheissernd darüber informiert, dass sie links aussteigen müssten……….. *erröt*……….. ey echt, nochmal………….

Dass Juliet und ihre Mama im Chor “Nein Diana!” riefen, als ich zuhause angekommen die glorreiche Idee hatte, ob wir noch eine Kanne Glühwein brauen sollten, wird da niemanden mehr verwundern…………. aber glücklicherweise bin ich in so einem Zustand zwar doof wie nur etwas sondern auch lieb – im Fall – denn ich befolgte jedes Kommando, zog mich aus auf Befehl (und verstreute die Kleider auf Mamas Bett) und während sich Juliet umzog, baute ich das Sofa zum Bett um und bezog es – keine Ahnung wie ich das geschafft habe – aber sonst gabs keine Beklopptheiten mehr meinerseits.

Dafür wachte ich um Sechs auf, fühlte mich als hätte ich eine Flasche Vodka getrunken, erinnerte mich nur noch bis zur Pause, bangte bei der Frage, was in aller Welt ich in der folgenden Zeit alles angestellt habe, bangte ob mich Juliet noch lieb hat *seufz*, bis Neun lag ich dann besorgt wach……..

Aber zum Glück bin ich dort von Bekloppten umgeben, die fanden das Ganze sogar lustig :-) So lustig, dass ich mir nun ständig anhören muss, dass ich zu alt sei für alkoholische Getränke, haha ;-)

Das einzig Gute daran – mal abgesehen davon, dass es meine Mitmenschen offenbar erheitert hat – ist, dass mir diese Episode arg zu denken gab. So ein Blackout will ich echt nicht mehr haben, erst Recht nicht wenn ich mich gar nicht wirklich betrunken habe, was soll denn der Quatsch. Ab sofort habe ich mir ein Drink-Verbot auferlegt. Eins zu Beginn ist erlaubt aber dann gibts höchstens noch Bier – in Massen. Denn sowas will ich wirklich nicht nochmal erleben.

Am meisten beschäftigt mich aber nachwievor die Frage, was zum Kuckuck da passiert ist. Ich hab zwar die Hormondosis erhöht, aber sie ist immer noch weit tiefer als während meiner “grossen Hormonbehandlung”. Oder weil die Medis über die Haut eingenommen werden? Oder weil ich keinen Zucker mehr in den Kaffee schütte? Oder weil ich alt werde? Haha! *schmoll*

Aber wisst Ihr was? *verschwörerischguckt*

Vielleicht war das nur eine Nebenwirkung von Kaya Yanars Humor? Weil der hat ja echt einen an der Waffel – so wie wir Zwei – wir Vier – so gesehen – Glaubstdu nich’? Guckstdu hie’!

Frohe Festtage 2011

Eigentlich wollte ich noch einen kleinen Jahresrückblick schreiben, aber irgendwie kam ich nicht dazu. Die letzten Tage hatte ich viel Arbeit, kam entsprechend eher müde nachhause, dort gab’s auch noch einiges zu tun und so war die Zeit dann plötzlich um. Denn jetzt reicht’s eh nicht mehr, ich muss noch packen, dann mit Juliet blabla machen, schlafen, nochmal ackern und schon flieg ich wieder nach Hamburg und bleib dort bis Anfang Jahr.

Anfang Jahr wiederum dürfte auch anstrengend sein, nebst vielem Anderen möchte ich die Blogbeiträge 2011 aufarbeiten um den dritten Buchband meines Tagebuchs zu veröffentlichen, was erfahrungsgemäss saumässig viel Arbeit gibt. Für schlussendlich ein paar dutzend verkaufter Exemplare zwar ein völliger Verhältnisblödsinn, aber was tut man nicht alles, wenn man mal n’Floh im Ohr hat ;-)

Auf die vor uns liegende Woche freuen wir uns natürlich wie doof, erstens können wir zusammen Weihnachten und Neujahr feiern, zweitens können wir eine Woche lang rumknuddeln, drittens sehe ich meine Schwiegermama und ihren Mann Lars wieder, viertens kann ich wieder mal Gruselfilme auf Silverline kuckn, fünftens sind wir bei Lars Mama zum Essen eingeladen, sechstens hat Schatzi schon ganz viel leckeres Futter eingekauft wie beispielsweise die von mir achso gelieben Chilli-Peitschen (lange scharfe Würste), siebtens hat mir “unsere Mama” wieder eine von mir noch mehr geliebte Gyros-Suppe versprochen, achtens werden wir sicher noch eine Shoppingtour einlegen…..

…….und neuntens werden wir die ganze Woche Vanille, Caramell oder Cappucino rauchen – höhö – äh dampfen…….. denn mein Papa hat mich kürrzlich auf die Existenz von sogenannten e-Zigaretten aufmerksam gemacht, das sind so elektronische Zigis, bei denen man nicht Tabak verbrennt und sich damit die Lunge zuteert sondern flüssige Substanzen verdampft, die es in allen Geschmacksrichtungen gibt. Und so ein Ding hab ich nun im letzten Moment noch an Juliets Adresse bestellt, ergo werden wir nächste Woche mal ausprobieren, ob das Zeug wirklich brauchbar ist. Falls dem so ist, könnte das eine gute Unterstützung zu sein um wenigstens weniger zu rauchen oder längerfristig sogar ganz auszusteigen. Mehr darüber dann nach den Ferien.

Aber es soll Euch ja unterdessen nicht langweilig werden, deshalb hier ein kleiner Hinweis. Wie einige von Euch vielleicht, kann man au youTube eigene Playlists machen, also so Listen von Videos, die man dann im Endlosdurchlauf ansehen oder anhören kann. Ich habe kürzlich damit begonnen, dort einige solcher Playlists aufzubauen, einerseits für mich selbst (z.B. für meine sonntäglichen Badewannengänge) und anderseits um Euch ein paar meiner Lieblingslieder oder Comedies zu zeigen. Diese Playlisten sind zwar noch unvollständig, aber falls Ihr mögt, könnt Ihr ja schonmal reinschauen. In nachfolgendem Link findet Ihr eine Reihe von solchen Playlists, wählt eine an um eine dieser Kollektionen aufzurufen und drückt dann oben links den Knopf “alle ansehen” und schon geht’s los. Enjoy……
Dianas youTube Video Playlists

Und weil in fünf Minuten unser tägliches Blabla beginnt, hör ich jetzt hier auf und verabschiede mich für dieses Jahr von Euch.

Ich wünsche Euch schöne Feiertage und einen guten Rutsch ins neue Jahr – wir lesen uns 2012 wieder :-)

PS: und wenn ich’s schon grad von meinen Playlists hatte, dieses hier ist auch dort zu finden und irgendwie passt’s hier grad rein, so ähnlich bewege ich mich nämlich morgen wenn ich Juliet entgegenhüpfe ;-)

Semper Fi – Sich selbst treu sein

Aber Sie selber müssen eben auch kein Moralist sein!
Sie dürfen sich nicht mit anderen vergleichen,
und wenn die Natur Sie zur Fledermaus geschaffen hat,
dürfen Sie sich nicht zum Vogel Strauss machen wollen.
Sie halten sich manchmal für sonderbar,
Sie werfen sich vor, dass Sie andere Wege gehen als die meisten.
Das müssen Sie verlernen. Blicken Sie ins Feuer, blicken Sie in die Wolken,
und sobald die Ahnungen kommen und die Stimmen in Ihrer Seele anfangen zu sprechen,
dann überlassen Sie sich ihnen und fragen Sie ja nicht erst,
ob das wohl auch dem Herrn Lehrer oder dem Herrn Papa
oder irgendeinem lieben Gott passe oder lieb sei!
Damit verdirbt man sich!

(Hermann Hesse, Demian)

Als ich heute ein paar aufgenommene Teile der TV-Serie “Navy CIS” sah, wurde ich wieder mal mit dem Motto der US-Marines konfrontiert, das mich seit einiger Zeit fasziniert. Ihr Motto lautet “Semper Fi” und ist abgeleitet vom lateinischen “semper fidelis”, was zu gut deutsch “für immer treu” heisst. Für die US-Marines bedeutet das: “einmal Marine, immer Marine”, es ist ein Kodex der für immer bindend ist, der kompromissloses treu sein verlangt.

Dieses “treu sein” bedeutet mir sehr viel, ich sehe darin sogar den Schlüssel zu wahrhaftem Leben. Denn treu sein kann man nicht nur einer Organisation, einem geliebten Menschen, einer Überzeugung oder Ideologie, mehr als das kann man sich selbst treu sein, wenn man dieses Wagnis denn einzugehen bereit ist.

Von diesem Tag an – bis ans Ende meiner Zeit
gelobe ich, mir selbst treu zu sein,
in guten wie in schlechten Tagen,
unter Erduldung sämtlicher Konsequenzen,
verpflichtet einzig der Entfaltung meinerselbst,
selbst wenn es das Letzte ist, das ich tue.

So oder ähnlich hätte der Schwur lauten müssen, wenn ich vor drei Jahren einen geleistet hätte, als ich begann, mir selbst entsprechend zu leben, als ich aufhörte, mein wahres Geschlecht zu verbergen. Aber so dramatisch und heroisch war es nicht. Dieser Moment vor bald drei Jahren, als ich alle Ängste überwand und mich aus diesem falschen Leben entfernte, war viel mehr ein Akt totaler Verzweiflung, ich wusste noch nicht annähernd, dass mir soviel Treue abverlangt würde, ich wusste nur, dass es so nicht mehr weiter gehen kann, dass ich kaputt gehe, wenn ich mich weiterhin weigere, mich selbst zuzulassen.

Heute an diesem gemütlichen Sonntag habe ich das nachgeholt, heute da ich mich an einem Punkt angelangt sehe, an dem ich mir im Klaren bin, was in diesen drei Jahren alles geschehen ist und welche Bedeutung all das hat. Damals wusste ich nicht, ob ich all das durchstehe, ich wusste nicht mal, ob ich so glücklich werden würde, ich wusste rein gar nichts. Heute weiss ich nicht nur all das, ich weiss vorallem auch, dass ich eher sterben würde als dieses erkämpfte Ich-sein aufzugeben. Keine Macht dieser Welt würde mich davon abbringen, mir selbst treu zu sein und mich selbst zuzulassen, so wie es meiner Seele bedarf. Heute weiss ich, wie essentiell Treue ist, vorallem wenn es darum geht, sich selbst treu zu sein – weil ich erleben durfte, um wieviel wertvoller das Leben ist, wenn man sich selbst wirklich zulässt.

Dieses “Semper Fi” wurde für mich zu einer Art Schlachtruf, ein Kodex der mich durch die letzten drei Jahre getragen hat, auch wenn ich diese lateinische Formulierung noch nicht sooooo lange kenne. Damals war es mehr eine Ahnung, heute eine Gewissheit – nichts auf dieser Welt ist auch nur annähernd so wichtig wie sich selbst treu zu sein.

In gewissen Belangen habe ich das schon immer so gehandhabt, wenn es beispielsweise um Überzeugungen geht, dann stand ich schon immer für meinen Standpunkt ein, liess mich beispielsweise im Rahmen meiner damaligen Greenpeace Aktivitäten beschimpfen und vor Gericht zerren, erduldete beispielsweise auf Eisenbahngeleisen angekettet Schmerzen, nahm in Kauf, dass ich infolge von Leserbriefen Morddrohungen erhielt – aber ich habe nie begriffen, dass meine Loyalität viel mehr als allem Anderen mir selbst hätte gelten müsste – was für ein fataler Kapitalfehler.

Das ist eine der grössten Weisheiten, die ich in meinem Leben erarbeiten konnte, es ist der grösste Schatz, den ich besitze und den ich mit meinen LeserInnen teilen möchte.

Wie oft habe ich von Mitmenschen resignierte Worte gehört im Stil von: das darf man doch nicht machen – was denken dann die Leute über mich – mein Mann mag nicht wenn ich das tue…….. und niemand fragt, wer zum Teufel ist dieses “man” das bestimmt was ich tun darf? Und wie denke ich selbst über mich? Und was möchte ich tun, wer bin ich wirklich und wie lebe ich mich selbst? Ich befürchte, dass die meisten Menschen viel zu oft sich selbst behindern, weil sie nicht fragen, was sie möchten oder brauchen sondern fragen, was Andere von ihnen erwarten.

Natürlich heisst das nicht, dass man nicht auch mal Kompromisse eingehen soll, dass man auf Andere Rücksicht nimmt oder wenn nötig sogar mal eine Maske trägt – solange man sich dabei bewusst ist, dass man sie trägt oder dass man sich hier gerade beschränkt – und solange dieser Zustand nicht Gewohnheit wird.

Selbstverleugnung ist Selbstverhinderung – ist Lebensverweigerung – wie könnten wir mehr versagen in der Aufgabe, unser Leben zu leben als wenn wir etwas Anderes sind als das, was in uns ist und was sich aus unserem Innersten heraus entfalten will? Wie könnten wir den Sinn des Lebens mehr verfehlen als wenn wir unser Selbst einschränken und versuchen so zu sein, wie wir eigentlich gar nicht sind?

Es ist nicht einfach, sich selbst treu zu sein, es kann manchmal wirklich weh tun. Wer für sich selbst kämpft, wird auch verletzt. Wer das nicht tut, erspart sich brutale Kämpfe und schmerzhafte Wunden – aber ich versichere Euch, ich weiss aus Erfahrung – kein Schmerz und keine Verletzung sind so traurig wie der Zustand, wenn man sich selbst verleugnet – es sind schlussendlich ausgerechnet die nicht gekämpften Kämpfe, die uns am meisten verletzen, weil es einer Totalkapitulation vor dem Leben voraussetzt.

Deshalb: Schaut in den Spiegel. blickt Euch tief in die Augen – und tut was ich getan habe, schwört Euch selbst bei Allem was Euch heilig ist die Treue – Semper Fi !!!

….dann weisst du aber auch,
dass du nie ganz das gelebt hast, was du dachtest,
und das ist nicht gut.
Nur das Denken, das wir leben, hat einen Wert.
Du hast gewusst, dass deine ‘erlaubte Welt’ bloss die Hälfte der Welt war,
und du hast versucht, die zweite Hälfte dir zu unterschlagen…..
Es wird dir nicht glücken!
Es glückt keinem, wenn er einmal das Denken angefangen hat.
….Es gibt keine Wirklichkeit als die, die wir in uns haben.
Darum leben die meisten Menschen so unwirklich,
weil sie die Bilder ausserhalb für das Wirkliche halten
und ihre eigene Welt in sich gar nicht zu Wort kommen lassen.

(Hermann Hesse, Demian)

Jubiläum – ein Jahr nach der GaOp

Irgendwann wird es geschehen, das Wunder hier auf dieser Erde…
und eine Stimme sagt: Es werde ein neuer Tag.
(Illuminate – ein neuer Tag)

Heute vor einem Jahr wachte ich auf im Aufwachraum des Zürcher Universitätsspital, ein selten dümmliches Grinsen überzog mein ganzes Gesicht, die Hand suchte ihren Weg nach unten, das Grinsen wurde noch dämlicher…….. es ist vollbracht, säuselte es mir ins Ohr, verdammt, es ist wirklich geschafft, ich bin ganz.

Keine Worte dieser Welt könnten das Glück beschreiben, das man empfindet, wenn man vierundvierzig Jahre in einem Kerker begraben war, gefangen “im falschen Körper” und dann wacht man auf und dieser ganze lebenslange Albtraum ist vorbei. Es war als letzter Schritt gedacht, als eine Art Vollendung, aber es war soviel mehr als das.

Schon krass, ich hätte es echt beinahe vergessen, eher zufällig kamen Juliet und ich gestern während dem täglich-Blablah auf die GaOp und ich erschrak, weil ich zuerst dachte, ich hätte das Jubiläum verpasst. Dass mich der Termin so überrascht hat, zeigt vorallem eins: wie fern mir dieses für mich so phänomenale Ereignis doch ist, es fühlt sich an als wäre es Jahre her, als gäbe es kaum mehr von der Zeit davor als ein alter Schwarz-Weiss Film. Und das ist unglaublich schön :-)

Ich lag dann gestern nach dem Telefon noch eine Weile auf dem Sofa rum und schwebte über der Vergangenheit, an eben diesem Abend vor der Vollendung, als ich entgegen aller Logik alles andere aus ängstlich oder aufgedreht war, ganz im Gegenteil, mich erfüllte eine sanfte Ruhe, die Gewissheit, in eine gute Zukunft eingebettet zu sein. Gerade wenn ich im Nachhinein zurückdenke, verblüfft mich das enorm. Ich hätte wirklich erwartet, dass ich am Abend vor der Op völlig durch den Wind bin und garantiert Schlafmittel brauche, weil die Aufregung mich nicht schlafen lässt. Es wäre nur vernünftig, dass ich mir Sorgen machen müsste um all die möglichen Komplikationen und vor mir liegenden Beschwerden. Aber da war nichts mehr an diesem Abend, da war nur noch diese Stille, auf Wolken schwebend, voll von Vertrauen, dass morgen alles gut wird.

Und der Morgen kam, ich schlief schon bevor man mich in den Op-Raum karrte und als ich aufwachte war wirklich alles vorbei, vier verfluchte Jahrzehnte in so einem surrealen Film namens Leben, vier unerträgliche Jahrzehnte als Hauptdarstellerin in der männlichen Rolle einer kafkaesken Komödie und dann, platsch, aus und vorbei, das Leben beginnt.

Natürlich folgten in den darauffolgenden Wochen Beschwerden und Schmerzen, aber die waren nichts, überhaupt nichts im Vergleich zu dem Schmerz, den ich ein Leben lang tagtäglich ertragen musste, bei jedem Blick in den Spiegel, bei jedem Mal wenn man mich mit meinem damligen Namen ansprach, bei jeder dieser tausend täglichen Lügen, wenn ich mich als Mann ausgeben musste. Diese lebenslange Selbstverleugnung war um soviel grausamer, dass ich in der ersten Zeit nach der Op die Schmerzen nicht mal richtig wahrnahm, es war einfach ein Klacks im Vergleich zu dem was hinter mir lag.

Heute stehe ich da, in meinem so ganz normalen Leben als die Frau die ich nie sein durfte, obwohl ich sie immer war. Ich stehe hier, denke zurück und kann kaum glauben, dass dieses Leben vor der GaOp mit dem Jetzigen auch nur eine Spur von Verwandtschaft in sich trägt. Alles ist so anders geworden, so gut, da ist soviel Freiheit im Umgang mit mir selbst, soviel Zufriedenheit mit meinem Leben, es wirkt völlig grotesk im Vergleich zu all der Zeit vorher, dass ich kaum glauben kann, dass es wirklich einst ein “früher” gab – es fühlt sich eher an wie ein böser und elend langer Albtraum, der an diesem Tag, heute vor einem Jahr endete.

Es gibt Albträume, die enden wenn man aufwacht, es gibt Albträume, die beginnen erst dann. Meiner begann jeden Morgen mit dem Aufwachen von Neuem, vier Jahrzehnte lang, bis zum Erwachen heute vor einem Jahr, Nachmittags um etwa zwei Uhr – es fällt mir schwer, die Tränen zurückzuhalten, wenn ich an diesen wunderschönen Tag zurückdenke.

Nie hätte ich geglaubt, dass mein Leben jemals so wird wie es jetzt ist, wirklich nie, selbst dann nicht, als ich begann es anzustreben. Mich trieb einzig der Mut einer Verzweifelten an, das Unmögliche wenigstens zu versuchen. Heute vor einem Jahr durfte ich das erleben, was zum Motto meines Lebens wurde, was zum Kern meiner “Predigt” wurde…….

Nichts ist unmöglich, denen, die das Unmögliche wagen :-)

Und zur Feier des Tages kommt nochmal mein Lieblingslied, das seit Beginn meines “neuen Lebens” zu meiner Befreiungs-Hymne geworden ist – danke Euch allen, die mir beigestanden sind und zu mir gehalten haben……

Die Wunden des Gelächters

Das Leben wird nicht einfacher durch die leider beachtliche Anzahl an primitiven Leuten in unserer vermeintlich aufgeklärten Gesellschaft…….

Umso schöner ist es, dass es dafür aber auch Leute gibt, die für einem einstehen, wenn die Primitiven sich mal wieder ihrer Dümmlichkeit hingeben.

Mit diesem Satz in meinem Facebook-Profil eröffnete ich den heutigen Tag und ahnte noch nicht, dass mich das Ganze noch den ganzen Tag beschäftigen würde. Nicht, dass die Erkenntnis um die Primitivität so mancher Zeitgenossen neu wäre, aber auch wenn es noch so “normal” ist, dass einem kleingeistige Menschen begegnen, gewöhnt man sich doch irgendwie nie so recht daran.

 

Wenn Andere sich an meiner Stigmatisierung stossen

Schaut mich nicht an! Ich bin kein Tier!
Nur ein Menschenkind – für euch ein fremdes Wesen – vielleicht
Mit Augen und Ohren, einem Herz und viel Gefühl
Und immer noch mit einem klaren und auch freien Verstand!
(Lacrimosa – Fassade 1. Satz)

Als ich heute morgen wie jeden Tag um Neun raus ging um mein Mittagessen von meiner Futterlieferantin entgegenzunehmen, war sie sichtlich aufgebracht und erzählte, sie hätte mich grad in Schutz genommen und hätte sich sowas von aufgeregt. Sie macht jeden Morgen zwischen Acht und Neun hier im Quartier rund um meine Firma ihre Runde, hält bei allen Firmen an und die Leute können bei Ihr Brötchen, Getränke bis hin zu kompletten Mittagessen kaufen. Durch ebendieses Quartier stöckle ich ebenfalls täglich und da ich das schon seit Beginn meiner “Transition” tue und damals noch recht eigenwillig aussah, werde ich da von vielen Leuten gesehen, die mich vom Sehen her kennen und eben auch wissen, dass ich mich irgendwie arg verändert habe.

Offenbar bin ich heute an ihr vorbei gelaufen als sie gerade Essen verteilte und die dort Rumstehenden begannen, sich über mich lustig zu machen. Anstatt wie so Manche in den Narrenchor einzutreten, hat sie sich sofort auf meine Seite gestellt und sagte, dass sie mich seit zwei Jahren kenne und ich eine super tolle Frau sei mit einem riesengrossen Herzen – wow, was für ein Kompliment. Im ersten Moment habe ich mich vorallem darüber gefreut und versuchte sie zu beruhigen indem ich ihr sagte, dass es halt auch primitive Leute gäbe und dass man die nicht ernst nehmen soll. Sinngemäss sagte ich zuguterletzt: “Wenn ich so primitive Menschen ernstnehmen würde, wäre mein Leben unerträglich”.

An Grausamkeit gewöhnt man sich nie ganz

Und wenn ihr redet, wessen Geist ist eurer vielen Worte Inhalt?
Wart ihr jemals an dem Abgrund zwischen Herz und dem Verstand?
Könnt ihr sagen: Ich erlerne mich?
Eure schreckliche Einfältigkeit, zu glauben was man euch erzählt:
Natürlichkeit und Selbstbestimmung
Aber bitte nur im Rahmen des Systems dieser Gesellschaft
(Lacrimosa – Fassade 1. Satz)

Da ich Blicke gut einordnen kann, weiss ich längst, dass ich oft Menschen begegne, die nicht das Geringste Problem mit mir haben, die einfach zur Kenntnis nehmen, dass ich bin wie ich bin und damit hat es sich. Genauso gut weiss ich, dass ich auch so Manchen begegne, die mich saumässig lustig finden, bei Einigen steht ihr Spott gar in grossen Lettern in die Augen geschrieben. Daran habe ich mich eigentlich gewöhnt, dass ich immer mal wieder Menschen begegne, die allein in meiner Existenz einen Grund zur Belustigung finden. Ohne es je mit eigenen Ohren zu hören, höre ich doch irgendwie all die blöden Sprüche die geklopft werden, wenn ich da mal wieder vorbeidackle. Die letzten knapp drei Jahre haben mich gelehrt, stark und tapfer zu sein, stärker und mutiger als die Meisten wohl je in der Lage wären. Ich habe gelernt, über der Sache zu stehen, die Bemessung meines Selbstwerts nicht den höhnenden Narren zu überlassen sondern mich selbst einzuschätzen. Und ich habe mir ein Bewusstsein geschaffen über das was ich wahre Grösse nenne.

Wer Andere auslacht, verspottet oder verhöhnt – egal ob er das laut oder leise tut – disqualifiziert sich damit selber, weil sein Lachen einzig Zeugnis abgibt über seine eigene Kleingeistigkeit. Gerade jene, die ihr Selbstbewusstsein erhöhen, indem sie versuchen andere zu erniederigen, sind die Schwächsten – gerade sie hätten niemals die Grösse um so einen Weg zu gehen wie ich ihn gehe. Es ist einfach, ein “normales Leben” zu führen und so zu sein, wie es von einer kollektiven Allgemeinheit erwartet wird. Aber es braucht ungeheuer viel innere Stärke, Mut und Tapferkeit um sich selbst zu sein, wenn man eben nicht der Vorstellung des Mainstreams entspricht – vorallem wenn man zu einer stigmatisierten Menschenart gehört wie transsexuelle Frauen. Mittlerweile gibt es nichts, worauf ich mehr stolz bin als auf die Tatsache, dass ich diesen Weg gegangen bin, dass ich mich allem Spott zum Trotz nicht mehr selber verleugne, dass ich wahrlich Ich bin und dass ich die Schwere des Lebens sogar auf einem Level ertragen kann, der die Meisten in Stücke reissen würde.

Der Spiessrutenlauf zwischen den Guten und den Primitiven

Und doch tut es weh, wenn ich damit konfrontiert werde. Einerseits ganz subjektiv, weil niemand soviel Grösse hat um gegenüber von Spott völlig immun zu sein. Anderseits aber auch, weil es mir vor Augen hält, von was für Dummköpfen ich teilweise umgeben bin und wie grausam und primitiv so Kleingestige sind. Auch wenn mir das egal sein müsste und auch wenn so Leute ja eigentlich nur ihre eigene Beschränktheit demonstrieren, irgendwie macht es trotzdem traurig.

Da ist es ungemein tröstlich, dass es eben auch Andere gibt, solche die hinter die Fassade blicken, die nicht so oberflächlich und empathiebefreit sind. Wenn so kleingeistige Menschen mich verurteilen ohne mich zu kennen, dann mag das zwar weh tun, aber wenn dieses Negative von jemandem so aufgefangen wird, dreht sich schlussendlich doch alles ins Positive. Diese Gackermenschen kennen mich nicht, haben keinen blassen Dunst davon, dass ich stärker bin als sie je sein werden, wie könnten sie ernsthaft über mich urteilen? Diese Frau die mich verteidigt hat, kennt mich jedoch seit 2 Jahren und wenn sie mir attestiert, dass ich eine liebenswerte und bewundernswerte Frau bin (O-Ton), dann ist auch so ein eigentlich trauriges Ereignis mehr Ruhm als Hohn.

Und doch tut es weh – irgendwie – gerade jetzt – aller Unvernunft zum Trotz.

Fragen die den Narren erspart bleiben

So finde ich mich einmal mehr in einem Netz von Fragen, die allein schon hässlich genug wären, deren Beantwortung ausbleibt. Vielleicht ist es gut, dass sie nicht beantwortet werden, die Antworten wären wohl noch um ein Vielfaches grausamer…….

  • Ist es so schwer, ein wenig mitzufühlen und zu erkennen, dass eine transsexuelle Frau ein schmerzliches Leben hinter sich hat und eher Mitgefühl angebracht wäre als Spott?
  • Ist es so schwer, zu begreifen, dass jemand der sich selbst treu ist und allem Geblöke zum Trotz den eigenen Weg geht, eher Respekt verdiente als Hohn?
  • Ist es so schwer, zu akzeptieren, dass ein Mensch – wenn auch in ungewöhnlicher Weise – so doch einfach nur glücklich sein möchte?
  • Wer von Euch blökenden Schafen hätte den Mut, sich selbst unter solchen Umständen treu zu sein, die Tapferkeit ebendieses blökende Gelächter zu ertragen und die innere Stärke, sich die Würde inmitten dieses Spottes zu bewahren – wer von Euch könnte meinen Weg gehen und dabei mir gleich glücklich werden und mit einem Lächeln auf den Lippen durch diese unfreundliche Welt gehen?
  • Und wer von Euch würde nicht innerlich bluten, wenn man verspottet wird nur weil man ist wie man ist, obwohl man sich sein Schicksal nicht ausgesucht hat sondern nur versucht, unter diesen schweren Bedingungen zu überleben?

Und doch tut es weh – irgendwie – gerade jetzt – und und lässt mich einmal mehr ratlos zurück…….

They can verbally abuse me, they can torture me,
they can try to strip me bare of my dignity…
they can even take my life,
but they can never ever snatch who I am at my core…
I will always naturally express who I am on the outside!
(Arianna Davis)

So traurig so Dinge sind, so dankbar bin ich auch, dass diejenigen die mich kennen nicht so ticken und dass so viele zu mir halten. Und auch wenn es wie jetzt grad mal wieder kurz saumässig weh tut, es bestätigt mich nur darin, mir weiter treu zu sein und mich weiterhin Ich sein zu lassen – und mir meine hart erkämpfte Lebenslust weder weglachen noch ausprügeln lasse – express yourself – ich tu’s – und Ihr?

thanks Janis for staying with me in days like that

Neuer Vorsatz: Agieren statt reAgieren

Das Leben will gelebt werden, das ist seine Bestimmung – aber was, wenn man es nicht zulässt? Gerade bei mir wäre das so fatal, so endlos lange war mir mein wirkliches Leben verunmöglicht und nun, da ich es endlich leben kann, bin ich es mir auch schuldig, es wirklich zu leben. Aber das tue ich nicht, bisher, jedenfalls nicht so, wie es das Leben wert wäre.

Wie oft habe ich hier schon erzählt, dass ich mich ständig völlig verheize, weil ich mich diesem Drang nicht entziehen kann, die Welt zu einer Besseren machen zu wollen. Und genauso oft wie ich darüber erzählt habe und mir Vorsätze nahm um dieser Spirale zu entkommen, genauso oft landete ich wieder inmitten dieser Strudel ohne zu verstehen, wie ich dahin gelangt bin. Ich nahm mir vorallem vor, mir die Schlachtfelder selber auszusuchen, sprich, mich auf bestimmte Themen zu konzentrieren, aber die Welt und der sich darin abspielende Irrsinn ist viel zu komplex und vernetzt, als dass man das Eine vom Anderen trennen könnte.

Wenn ich Medien beobachte, weil ich beispielsweise beim Thema Transsexualität allfällige Falschdarstellungen korrigieren möchte, dann bewege ich mich zwangsläufig auch in der Welt des Boulevards und prügle mich schneller als mir lieb ist mit deren Anhänger, die gerade dort nur zu oft mit ihrer Kurzsichtigkeit einfach nur nerven. Und ständig begegnet mir dort und anderswo dieser alltägliche Schwachsinn, der sich durch solche Leute über die Welt ergiesst und schwups stelle ich fest, dass ich wieder zu verschiedensten Themen meinen Senf dazu gebe, weil ich mich dem Gefühl nicht entziehen kann, dass da dringend eine “andere Ansicht” nötig ist. Und als ob das nicht genug wäre, läuft mir der ganze Scheiss nach, Tag und Nacht, ich kann nicht mal auf dem Klo sitzen ohne dass in meinem Hirn Argumente geschliffen werden wie Schwerter……. und wo bleibt da mein Leben, das so lange darauf gewartet hat, zu leben? Wo bleibe ich?

Eine falsch gelebte Berufung

Mein ganzes Erwachsenenleben habe ich den Grossteil meiner Lebenszeit und Lebensenergie in diese von mir als Berufung empfundene Öffentlichkeitsarbeit investiert, sei es als Greenpace-Aktivistin, als Bloggerin, als Kommentierende, als Menschenrechtlerin – zwei Jahrzehnte meines Lebens habe ich fast nichts Anderes getan – ich hab mir wirklich etwas mehr Ruhe verdient.

Aber wie kann ich aus dieser Spirale aussteigen und vorallem, wie kann ich das tun ohne “meine Berufung” aufzugeben? Ich kann und will beim besten Willen kein egoistisches Leben beginnen, es ist mir zur Pficht geworden, Zeugnis abzulegen über das was meines Erachtens kritikwürdig ist. Aber ich bin auch nicht mehr bereit, mein ganzes Leben dafür hinzugeben, mein neu erkämpftes Leben ist es wert, gelebt zu werden. Seit langer Zeit suche ich nach einer Lösung für diesen Spagat und ich glaube fast, dass ich diese Woche den Stein der Weisen gefunden habe. Themenfelder aussuchen geht nicht, Zeitlimits gehen grad gar nicht, es braucht ein anderes Kriterium……..

Agieren statt reAgieren

Mitten in einem Videotelefon mit Juliet war diese Formulierung da, wie aus dem Nichts. Ich jammerte grad rum, dass ich mich mal wieder versehentlich in eine Diskussionsschlacht geworfen habe ohne dass ich das so geplant hätte und meckerte, wie müssig es doch ist, ständig mit Argumenten um mich zu werfen, die durch das Ziel hindurchgehen wie durch einen Geist. Wie schon oft sagte ich, dass ich da endlich eine Lösung finden muss, weil mich die Hitze des Gefechts immer mehr ausbrennt. Und dann tauchte dieser Satz plötzlich auf, kann es sein, dass es so einfach ist?

Es entbehrt nicht einer gewissen Komik, dass ich diesen Satz schon vor langer Zeit hörte, es war mein bester Freund und “Mentor”, der mich soviel gelehrt hat, über Philosophie, Religion und Weltanschauung. Er war es, der mir das Epiktet’sche Denken nahelegte, der mich mit Sätzen wie “und warum müsste Dich das interessieren” so oft auf den Boden der Realität geholt hat. Er sagte mir das schon vor Langem, begriffen resp. angenommen habe ich es erst diese Woche.

Selbstbestimmung beginnt bei mir

Genau das ist nämlich der Punkt, an dem ich so falsch funktioniere. Meine ganzen “Kämpfe” sind immer fremdbestimmt, ich agiere nicht wie eine kluge Kriegerin sondern reagiere stets, ich folge Impulsen von aussen, renne in jedes noch so bekloppte Schlachtfeld, dessen Kriegsgetümmel mein Ohr erreicht und so mache ich mich zur Marionette fremder Kriegsherren. Wie naiv ist doch eine Kriegerin, die sich das Schlachtfeld aufdrängen lässt und um wieviel dümmer ist eine Kriegerin, die sich gar die Kriege vorschreiben lässt?

Es bedeutet mir viel, zu schreiben, zu philosophieren, zu informieren und auch mal zu predigen. Aber ich muss über das schreiben, das aus mir heraus will und nicht über das, was durch die Medien geistert. Daraus ergibt sich ein einfaches Kriterium – eben – agieren statt reagieren.

Die neue Strategie

Und das nehme ich mir von nun an zum Vorsatz, zumindest vorläufig und zumindest für lange Zeit. Schluss mit dem regelmässigen Überwachen der Medien, Schluss mit dem Hinterherrennen jeder stumpfsinnigen Diskussion mit Leuten die nicht reflektieren können, Schluss mit dem Irrglauben, ich sei an jede Schlacht eingeladen und müsse überall sein.

Es gibt soviel, über das ich schreiben möchte, soviel was mich bewegt und soviel was ich teilen möchte. Aber zu all dem komme ich nicht, wenn ich mich ständig in Dinge einspannen lasse, die mir grad vor die Füsse geworfen wurden. Ich muss meinen Blick nach Aussen umdrehen und endlich in mich hinein schauen und muss das aus mir heraussprudeln lassen, was wirklich das Meine ist, muss endlich meiner Inspiration folgen anstatt auf fremden Gedanken herumzureiten.

Ob es mir gelingt, ist genauso unklar wie all meine alten Vorsätze, aber zum ersten Mal glaube ich wirklich, dass das mein Weg sein könnte und dass es gut kommt, wenn ich mich von nun an so strikt wie möglich daran halte. Klar wird es immer mal wieder grössere Ereignisse in der Welt geben, die von mir aufgenommen werden “müssen”, aber das darf nicht mehr der Normalfall sein. Ich bestimme, was mich bewegt und nicht die Welt da draussen.

Geboren um zu Leben

Seit ich diesen Gedanken aufgenommen habe, erlebte ich ein paar Tage in überraschender Ruhe. Es kommt mir vor, als würde ich mit jedem Unrat den ich von mir werfe etwas mehr von mir finden. Immer wieder flüstere ich mir ins Ohr: “Ich muss überhaupt nichts” und immer wieder fühle ich wie gut es tut, loszulassen.

Ich will, dass endlich wirklich meine Zeit kommt, dass ich selbstbestimmt mein Leben lebe. Ich will Cello üben, zwischendurch mal ein Computerspiel machen, endlich wieder vermehrt Bücher lesen, endlich mal wieder Waldspaziergänge, wieder vermehrt Musik hören und nicht zuletzt schreiben, was in mir aufleuchtet.

Es ist höchste Zeit, loszulassen und mich nun wirklich ganz freizulassen……..

so und jetzt wird’s Zeit für die sonntägliche Badewanne :-)

Badewannenpredigt: Freiheit, Vernunft und Gerechtigkeit

Letztes Wochenende habe ich ja eine neue Serie gestartet namens “Gedanken auis der Badewanne“. Idee dahinter war, dass ich oft unter der Woche zu müde bin um zu bloggen und sich so Gedanken ansammeln, die dann meist in meiner sonntäglichen Badewannenmuse wieder auftauchen und da ich am Sonntag meist die Ruhe geniesse, habe ich dann Zeit, diese Gedanken einzusammeln und in Worte zu kleiden.

Heute beginne ich eine weitere Serie, ich nenne sie “Badewannenpredigt”. Grundidee davon ist, dass ich eben oft am Sonntag eher in Gedanken schwelge und dabei manchmal philosophische oder religiöse Gedankengänge mache, die dann meist in der Badewanne zur Vollendung finden. Diese Beiträge erheben in der Regel nicht den Anspruch auf Vollständigkeit, sie wollen keine Antworten geben sondern eher Fragen aufwerfen – damit möchte ich Euch dazu motivieren, selber ein warmes Bad zu nehmen und dort diese Gedanken weitertreiben zu lassen.

Erste Badewannenpredigt: Drei Aspekte, ein Ziel

Diese Woche gab es drei Aspekte, die in diesen Beitrag einfliessen. Das Erste war das Treffen mit Claudia, das mich darüber nachdenken liess, wieviel Freiheit wir uns zugestehen resp. wieviel unserer Freiheit wir aufgeben, nur weil sie irgend jemandem nicht in den Kram passen könnten. Das Zweite war wie immer der alltägliche politische und gesellschaftliche Irrsinn, der einem aus Zeitungsblättern entgegenstarrt und einem daran zweifeln lässt, dass der Mensch je Vernunft gelernt hätte. Das Dritte war der Auslöser für diesen Beitrag, es war eine TV-Sendung “Sternstunde Philosophie” mit der ich meist meinen sonntäglichen Ruhetag beginne, diesmal über Immanuel Kant und seine Kritik an der praktischen Vernunft. Diese drei Gedanken sind ein guter Badewannenzusatz, darin lässt sich prima schwimmen…….

Die Freiheit des Menschen

Kant, Claudia und ich dürften uns einig sein, dass es kaum etwas Elementareres gibt im Menschsein als das Recht, ja gar die Pflicht, ein freier Mensch zu sein, selbstbestimmend sein Leben zu gestalten und wie ich es gerne zu sagen pflege, der Spur des eigenen Herzens zu folgen und sein Innerstes zu entfalten.

Gerade für stigmatisierte Wesensarten wie transsexuelle Menschen wird das zu einer ungeheuren Herausforderung, denn wenn ich der Spur meines Herzens folge und meine Freiheit des Ichseins beanspruche, löse ich damit nicht nur grosse Irritationen aus sondern belaste so Manche die mir lieb sind, mehr als mir lieb ist. Der Grundsatz einer “ethischen Freiheit” besagt, dass alle so frei sind, dass sie tun können was sie wollen, solange sie damit nicht die Freiheit Anderer einschränken.

In unserem Fall ist das nicht ganz so einfach, weil beispielsweise meine Freiheit des Ichseins ein Stück weit die Freiheit meines Kindes einschränkt, das sich plötzlich nicht mehr getraut zu mir zu stehen, weil es andernfalls von ihrem Umfeld gemobbt würde.

Aber das ethische Verbrechen wird nicht durch meinen Freiheitsanspruch begangen sondern durch eine Gesellschaft, die nicht diesem Grundsatz folgt. Müsste ich nun auf meine Freiheit verzichten, weil durch meine Freiheit die Freiheit Anderer beeinträchtigt würde durch eine freiheitsfeindliche Gesellschaft? Oder müsste ich nicht gerade deshalb meine Freiheit beanspruchen, ja geradezu zur Schau stellen, um der Welt ein Mahnmal zu sein das sie erinnert, dass die Freiheit des Seins doch möglich ist?

Eine grosse Herausforderung ist die Inanspruchnahme der persönlichen Freiheit jedoch für alle Menschen. Wie oft tun wir nicht was wir wollen, weil wir uns Gedanken machen im Stil von “das kann ich doch nicht, was denken dann…..”. Natürlich ist es unabdingbar, dass wir uns die Folgen unserer beanspruchten Freiheit im Klaren sind und prüfen, ob wir damit jemandem schaden. Aber es spottet dem Wort “Individuum”, wenn wir unsere Freiheit einschränken, nur weil wir denken, es könnte irgend jemanden stören oder es würde unser Ansehen beeinträchtigen.

Die Verpflichtung zur eigenen Entscheidung

Ich habe Kant bisher noch nicht gelesen, werde das in den nächsten Wochen nachholen, insofern bewege ich mich jetzt auf dünnem Eis, wenn ich über Kants Gedanken zur Vernunft auslasse. Aber das was in dieser TV-Sendung aufleuchtete, scheint mir interessant genug zu sein um es hier einfliessen zu lassen, mit dem Risiko, dass ich ihn missverstanden habe. Die Sendung erweckte in mir den Eindruck, dass Kant nebst dem Recht auf Freiheit vorallem eines forderte, dass der Mensch seine eigene Vernunft walten lässt. Ich nehme mal allein das auf um mir weitere Gedanken zu machen.

Wenn wir uns für oder gegen etwas entscheiden, tun wir das aufgrund irgendwelcher Überlegungen und Überzeugungen, doch woher stammen die Kriterien, mittels derer wir uns entscheiden? Ein Blick in die Medien und noch mehr in die Kommentarspalten lässt mich immer wieder erstaunen, mit welcher Selbstverständlichkeit vernunftbegabte Menschen Dinge tun oder über Dinge schreiben, in einer Art, die dem Wort “Vernunft” spottet. Und oft frage ich mich, wessen Geistes Kind solche Gedanken und Taten sind und meist bleibe ich ratlos, die Frage unbeantwortet. Viel zu oft, scheint es mir, entscheiden sich Menschen aufgrund einer “Wahrheit”, die sie nicht selber ergründet haben, sie plappern einfach etwas nach was ihnen als Wahrheit verkauft wurde.

Ethische und moralische Grundsätze müssen erarbeitet werden, das muss jeder für sich ein Stück weit tun. Wer anstelledessen nur Grundsätze nachbetet die ihm vorgebetet wurden, der vernachlässigt die eigene Begabung zur Vernunft und macht sich so zum Spielball für Andere. Es erstaunt mich immer wieder bei Abstimmungen, dass eine Plakatschwemme in Millionenhöhe meist reicht um die Volksmeinung zu kippen. Und es schockiert mich immer wieder zu erleben, wie vermeintlich vernunftbegabte Menschen beispielsweise wie vor ein paar Jahren eine Unternehmenssteuerreform gutheissen, die ein paar Milliarden von unserem Geld in die Wirtschaft pumpt – und gleichzeitig eine IV-Revision durchwinkt, die invaliden Menschen, also den Schwächsten dieser Gesellschaft, das Wenige reduzieren das sie haben. Was für eine Vernunft, was für eine Ethik oder was für eine Moral lässt uns so entscheiden? Wer von all denen, die das gutgeheissen hat, hat sich wirklich ernsthaft darüber Gedanken gemacht und hat sich gesagt: “Wir wollen die Wirtschaft stützen, aber das kostet Geld, also nehmen wir das Geld der Invaliden und hoffen, dass wir damit unseren gesamtgesellschaftlichen Lebensstandard verbessern können”? Ich glaube und hoffe, dass nur Wenige so dreist sind, die Meisten haben einfach vergessen, ihre eigene Vernunft anzufragen zu diesem Entscheid, sie liessen sich willig einlullen durch eine Kampagne der sogenannt “bürgerlichen Politiker”. Aber wozu braucht der Mensch denn überhaupt eine Vernunft, wenn er das Denken an Plakatwände delegiert?

Die Verantwortung des Einzelnen

Weder das Recht auf persönliche Freiheit eines Individuums noch die Pflicht zur Inanspruchnahme der eigenen Vernunft kann delegiert werden. Es liegt in unserer eigenen Verantwortung, herauszufinden was wir wollen und brauchen und Wege zu finden uns diese Freiheit zu nehmen. Und es liegt genauso in unserer eigenen Verantwortung, ethische und moralische Werte selber aufzustellen, uns selber Gedanken zu machen und Dinge selber rational zu bewerten.

Wer seine Freiheit oder seine Vernunft delegiert, delegiert sein Leben und gibt damit seine Selbstbestimmung auf. Das wäre an sich eine persönliche Sache, wenn sich jemand zum Sklaven berufen fühlt, soll er das tun dürfen. Problematisch ist es, wenn ein Mehrheitskollektiv so mit ihrem Leben verfährt, denn daraus resultiert eine Nation von Marionetten, die von ein paar Mächtigen gesteuert wird. Und das wiederum ist ein Armutszeugnis für eine Spezies, die nicht nur die Fähigkeit zur Vernunft hätte sondern auch das Recht auf Freiheit – so zelebriert man die Kapitulation vor dem Menschsein.

So und jetzt, Leute, ab in die Badewanne mit Euch ;-)

Sternstunde Philosophie vom 16.10.2011

Cello, Blutelfen, Fummel, Musik, Freundinnen und Allerlei

Der Titel spricht Bände, es gibt mal wieder eine Zusammenfassung der letzten Tage, denn in diesen war bei mir genug los, dass ich nicht mehr zum Schreiben kam, abgesehen von dem was sich aufdrängte. Der Rest folgt nun hier…….

Das Mistding das sie Cello nannten

Ne keine Sorge, ich mag mein Cello nachwievor, aber das Biest ist störrischer als ich und das will was heissen. Grundsätzlich habe ich zwar den Vorteil, dass ich das theoretische Prinzip von der Gitarre her kenne und ich habe den Vorteil, dass ich durch meine intuitive Herangehensweise eigentlich fast von alleine vorwärts komme. Aber ein Cello hat ein paar Knacknüsse, die es in sich haben. Zum Einen muss ich die Töne tausendmal präziser treffen wie bei der Gitarre, weil Gitarren so “Stege” haben, egal wo man zwischen zwei so Stegen drückt, der Ton ist immer derselbe. Beim Streichinstrumenten gibt’s das nicht, da muss der Finger auf den Milimeter genau an die richtige Stelle. Noch schlimmer ist es mit dem Vibrato. Bei der Gitarre macht man das indem man die Seiten dehnt, beim Cello muss man sozusagen mit der Hand oder dem Arm schaukeln, damit die Fingerkuppen auf dem Brett schaukeln. Das Problem dabei ist, dass beim Schaukeln gern mal das ganze Instrument aus Sympathie mitschaukelt, worauf der Bogen dann ebenfalls aus Sympathie beginnt im Takt mitzuhüpfen und damit ist der ganze Ton am Arsch. Erschwerend kommt hinzu, dass dieses Billigcello Seiten und Harz von übelster Sorte hat, beides habe ich letztes Wochenende in einer besseren Version bestellt. Der Ton wird nun wirklich etwas besser übertragen, somit kann man nun viel besser hören, wie falsch ich spiele :-) . Nichtsdestotrotz hab ich Spass dran, wir freunden uns weiterhin eifrig an :-)

Leichen im Keller

Mein Ausflug als Blutelfe nach Azeroth ist unfreiwillig beendet worden. Nachdem ich die Gute auf Level-20 hochgespielt habe und mit coolsten Zaubertricks böse böse Monster niedermachen konnte, wagte ich mich in so einen bekloppten Kerker, durch den ich mich hart an der Grenze des Möglichen durchkämpfte, um am Schluss bei so einem Oberzaubererdepp zu laden, der mich innert Sekunden alle gemacht hat. Bei WordOfWarcraft läuft das dann so, dass man “zum Friedhof” fliegt und von dort aus als Geist zurück zu seiner Leiche schweben muss, dort wird man automatisch wiederbelebt. Nur liegt meine Leiche ja nun in diesem verblödeten Keller neben diesen noch verblödeteren Oberzaubererhirni und der fällt natürlich gleich wieder über mich her sobald ich dort wiedererweckt werde. Tja, das war’s dann wohl mit meiner Blutelfe. Und da mein Gratis-Testabo eh diese Woche ausläuft und mich dieses Spiel zwar erfreut aber nicht begeistert hat, war’s das nun mit WoW spielen. Ich werd nun wieder etwas Rift spielen, das Spiel das ich vor WoW gekauft hab und falls mich das nicht noch in Begeisterung stürzt, ist’s wohl wieder mal für ne Weile Schluss mit gamen. Aber das wär an sich gut, denn so unterhaltsam so Spiele sein können, sie sind Zeitfresser und gerade Zeit hab ich eh chronisch zuwenig.

Ponstan am morgen, vertreibt Kummer und Sorgen

Gestern war dann Dentalhygiene angesagt, boah wie ich das liebe. Da meine Zähne halt nicht so das Gelbe vom Ei sind, auch wenn sie bedingt durch Koffein und Nikotin eine ähnliche Farbe haben, sind leider auch die Zahnhälse etwas freizügiger als sie sein sollten und infolgedessen ist die Zahnsteinentfernung immer relativ schmerzhaft. Aber diesmal durchfuhr mich der Blitz der Erkenntnis, ich hatte ja von der GaOp her noch einige Ponstan resp. das Nachfolgeprodukt Mefenacid. Diese 50er Dinger, die einem einfach jeden Schmerz wegpusten. Jauh und das hat überraschend gut geklappt, so schmerzlos war die Dentalhygiene seit langem nicht mehr, höhö. Ok, mir wär ein Tramal lieber gewesen, so hätte ich anschliessend zur Arbeit fliegen können, aber dieses Ponstan hat doch immerhin seine Pflicht erfüllt. Ich nehm eigentlich fast nie so Chemiemüll zu mir, auch wenn ich Schmerzen habe, beisse ich lieber auf die Zähne. Aber das wär beim Zahnarzt eher unpraktisch gewesen, insofern fand ich es eine bestechend schlaue Idee :-)

Oversexed zum verpassten Date

Heute habe ich glaub mal wieder arg Aufsehen erregt bei der Arbeit. Heute Abend hätte ich mit meiner ehemaligen Logopädin abgemacht und weil ich schon länger nicht mehr im Ausgang war, konnte ich es natürlich nicht lassen und musste den neusten Fummel aus dem Schrank zerren – nicht ganz passend für zur Arbeit – aber – ooooch Mensch, man gönnt sich doch wirklich sonst nix :-) Als ich um Neun zu meiner Futterlieferantin runter ging, die uns unser täglich Brot bringt, schallte mir gleich ein “Wow” entgegen und sie tänzelte um mich rum und wollte mich von allen Seiten anschauen. Ich glaub fast, ein klein wenig oversexed war das schon – aber was kann ich dafür, dass so Kleider an mir einfach kürzer sind als in den Katalogfotos, es können nicht alle so Zwerge sein wie diese Models ;-) Na jedenfalls sagte meine Freundin dann ab, weil sie seit Tagen so starke Kopfschmerzen hatte und somit hab ich den Fummel halt doch nur fürs Geschäft angezogen – was solls, hauptsache ich hatte mal ne Gelegenheit :D

Der Mensch, Dein Freund und Leichenfledderer

Weniger erfreulich ist dafür die Geschichte rund um Jamey Rodemeyer, den homosexuellen Teenager der in den Tod gemobbt wurde. Auf Facebook wurde für ihn eine Gedenkseite eingerichtet, in der mittlerweile bereits Achttausend Menschen versammelt sind, auch sonst geht eine immer grösser werdende Welle um die Welt, sogar Musikerinnen wie Lady Gaga haben diesen Fall publik gemacht. Aber was wirklich schmerzt, ist zu erleben, wie auf dieser Facebook-Gedenkseite im Minutentakt Beiträge gelöscht werden müssen, weil eine Unzahl von Schwerstgestörten nicht mal vor Toten Respekt haben und nichts Besseres zu tun haben als dort weiter herumzumobben. Da fehlen mir echt die Worte. Anstatt dass man sich besinnt und darüber nachdenkt, was so primitives Geschwafel anrichtet, gerade in Anbetracht dieses brutalen Todesfalls, kümmert man sich einen Dreck um all das und fährt weiter wie eh und je. Es braucht wirklich viel, bis mich Menschen noch schocken können, ich trau meinen Artgenossen ja so Manches zu. Aber das was dort abläuft, schockiert sogar mich. Tröstend ist nebst dieser überwältigenden Solidaritätswelle, dass drei der hauptverantwortlichen Mobber unterdessen inhaftiert wurden und dass in Amerika laut darüber nachgedacht wird, Mobbing endlich zu einem Straftatbestand zu machen – es wäre höchste Zeit, auch für uns hier.

Ein guter Zeitungsartikel und eine neue Freundin

Beim kürzlich geschriebenen Blogbeitrag über die SF1 Reporter Sendung, habe ich am Schluss ja noch auf einen Zeitungsbericht über dieselbe transsexuelle Frau verwiesen, der endlich mal so geschrieben war, dass sogar ich mich darüber freuen konnte. Er begann mit dem Satz: “Claudia Meier war schon immer eine Frau”. Ich hab mich darüber riesig gefreut, noch deutlicher könnte man das Phänomen “Transsexualität” nicht ausdrücken. Jedenfalls habe ich infolgedessen Claudia im Internet kennen gelernt und es sieht danach aus, als ob mein Freundinnen-Kreis sich eben grad wieder um eine tolle Frau erweitert. Wir verstehen uns jedenfalls fürs Erste super gut :-)

Kim Petras gewinnt zweiten Platz

Und soeben erreicht mich noch eine Meldung, die mich riesig freut. Kim Petras, ebenfalls ein Mädel mit transsexueller Vergangenheit, ist mir auch irgendwie ans Herz gewachsen, obwohl ich sie nicht kenne. Sie war mehrmals in den Medien und auch schon in meinem Blog erwähnt. Sie ist die jüngste transFrau die in Deutschland wegen Transsexualität behandelt wurde und ihr war es so vergönnt, dass man durch die frühe Behandlung die “Zerstörung des Körpers” durch die Pupertät ersparen konnte. Dementsprechend hat sie eine normal weibliche Stimme und hat auch eine musikalische Karriere gestartet. Kürzlich veranstaltete der Promi-Blogger Perez Hilton einen Cover-Wettbewerb, bei dem sie auch mitsang und nun hat sie da den zweiten Platz gemacht – herzliche Gratulation, Kim! Bei der Gelegenheit staunte ich wirklich, wenn die Gute so richtig rausposaunt (auf 1:30), hat sie eine echt tolle Stimme. Sie ist wirklich der lebende Beweis, dass man transsexuellen Menschen so früh wie möglich helfen muss. So ganz unter uns, ich beneide sie total :-)

Ab ins Weekend

Jauh und morgen flattere ich dann am Nachmittag wieder zu Juliet nach Hamburg für ein diesmal leider kurzes Wochenende bis Montag froh, das wär somit das Letzte von mir bis Anfang nächster Woche. Damit verabschiede ich mich mit diesem Video, mit dem Kim Petras den zweiten Platz gewonnen hat. Auf ca 1.00 Minuten beginnt das Lied – enjoy :-)

Supertalent – Finde das Gute im Menschen

Die letzten Tage schwebt eine Wolke über mir, die trotz meiner ansonsten guten Stimmung einen kalten Schatten über mich lebt. Die traurige Geschichte des 14-jährigen Jamey Rodemeyer, der von einer intoleranten und grausamen Gesellschaft in den Suizid getrieben wurde, hat mich recht aufgewühlt. Nicht, dass es aussergewöhnlich wäre, dass Kinder von ihrem Umfeld in den Tod getrieben werden, nur weil sie irgendwie “anders” sind. Das geschieht leider zu Tausenden aber in diesem Fall bekommt die Grausamkeit durch die über ihn verfügbaren Videos ein vermeintlich lebendiges Gesicht. Dieser Vorfall macht mich nicht nur traurig sondern auch wütend, auf eine Gesellschaft, die derart brutal umgeht mit Leuten, die nicht ins Schema passen. Umso mehr beglückt und tröstet mich zu erleben, dass es auch anders sein kann, Menschen können das Gute im Menschen finden, wenn sie danach suchen, sie können hinter die Fassaden blicken, das gibt Hoffnung.

Wie jedes Jahr schaue ich auch diese Saison wieder einige dieser Talentshows wie Supertalent, X-Faktor u.s.w. In diesen Sendungen begegnet man immer wieder genau solchen Menschen, die von dieser Gesellschaft wohl nur wenig Respekt ernten würden, Menschen die in den Augen der Mehrheit nicht gut aussehen, Menschen am Rande der Gesellschaft, Menschen die aus unterschiedlichsten Gründen abgelehnt würden, denen man nichts zutrauen würde. Und dann erlebt man diese Menschen plötzlich von einer Seite, die man ihnen niemals zugetraut hätte. Es rührt mich immer wieder zu Tränen, zu erleben, wie eine ganze Halle jemanden im ersten Moment belächelt oder ablehnt, weil die erste Erscheinung so anders ist als der Mainstream es erwarten würde und die dann fast vom Stuhl fallen wenn sie erleben was dieser Mensch kann und sie dann am Schluss aufstehen und mit dem Applaus nicht mehr aufhören wollen. Dann erlebe ich wieder, dass Menschen sehr wohl das Gute im Menschen finden können. Ich halte solche Sendungen alleine schon deshalb für “pädagogisch wertvoll”, weil die Zuschauer so lernen können, dass man Andere nicht unterschätzen sollte und erst Recht nicht ablehnen sollte, weil in so Manchen etwas steckt, das einem berühren könnte, wenn man sich denn darauf einlassen würde.

Ich möchte Euch heute zwei solche Menschen vorstellen, die im ersten Moment unterschätzt werden und die dann Unglaubliches bieten.

Der Punk mit dem Klavierherz

Jörg Perreten ist ein Punk, ihm fehlt das Selbstbewusstsein, er sieht für sich kaum eine Zukunft, hat eine aufwühlende Geschichte hinter sich, er würde in der Öffentlichkeit wohl von den Meisten gemieden. Aber wenn er Klavier spielt, öffnen sich Welten der besonderen Art. Er hat nie “richtig” gelernt, Klavier zu spielen, er hat keinen Plan was er da tut, er tut es einfach, lässt sein Herz in die Tasten greifen und was dabei herauskommt, geht so ans Herz. Und es ist ergreifend zu erleben, wie das Publikum sich verändert, wie sich ursprüngliche Skepsis in Begeisterung verwandelt.

Die unterschätzte Engelsstimme

Sven Müller hat Minderwertigkeitskomplexe wegen seines Äusseren, hat sich nie getraut öffentlich zu singen, er braucht enorme Überwindung um sich auf die Bühne zu wagen und der Welt das zu präsentieren, wofür er sich so schämt, sein Äusseres, auch her hat eine aufwühlende Geschichte hinter sich. Aber er ist nicht gekommen um das Äussere zu demonstrieren sondern seine Stimme. Auch er wird vom Publikum mit entsprechender Skepsis empfangen, aber wenn er loslegt, ist die ganze Halle ergriffen ob dem was sie da hören. Er ist ein gutes Beispiel dafür, dass man Menschen nicht aufgrund von Äusserlichkeiten unterschätzen sollte, dass in so Manchen, die abgelehnt werden, ein wahres Wunder steckt.

Das Licht in der Finsternis

Kaum jemand hat bei Talentshows je so überrascht wie Karin Andreev, die mit ihren Tätowierungen (vorallem das Wort ‘Hass’ auf dem Arm) und ihrem Hang zu Gothic das Publikum fürs Erste einfach mal in Gelächter versetzte. Auch sie hat eine herzzerreissende Geschichte, aber davon weiss das Publikum nichts und urteilt wie so oft zuerst aufgrund von Äusserlichkeiten. Aber was dann kommt, ist unfassbar, das Mädel legt eine Oper hin die so gefühlsvoll gesungen ist, dass man mitheulen möchte. Sie ist für mich das Paradebeispiel für Menschen die man verkennt, allein weil man gegenüber “etwas anders erscheinenden Menschen” aus Prinzip mit Ablehnung reagiert.

Es bedarf nach diesen Beispielen wohl keines Beweises und keines Arguments mehr um bewusst zu machen, dass man Menschen nicht aufgrund von Äusserlichkeiten unterschätzen sollte und dass man Menschen erst beurteilen sollte, wenn man wirklich jede Seite von ihnen kennt.

Es bedarf einzig noch eines Hinweises – Jeder Mensch hat seine Talente und Jeder hat etwas Spezielles, das ihn ausmacht und einzigartig macht, jeder Mensch ist etwas Besonderes. Aber nicht alle haben solche Talente, die einem derart vom Hocker hauen. Das sollte uns aber nicht daran hindern, dass wir alle Menschen annehmen, egal ob sie irgendwie anders sind oder oberflächlich betrachtet “nicht schön” oder “nicht cool” sind oder was weiss ich. Wir müssen endlich lernen, einander anzunehmen und zu anerkennen wie wir sind. Jeder Mensch ist etwas Einzigartiges und hat es verdient, als das angenommen zu werden was er ist und was ihn ausmacht.

Und wenn wir mal wieder vorschnell über jemanden urteilen im Stil von: “der Punk hat ja keinen Job, der ist ein Aussenseiter….” oder wenn wir jemanden belächeln und sagen: “der Kerl hat ja null Selbstvertrauen, was ist das denn für eine Lusche…..”, dann sollten wir uns daran erinnern, dass so Mancher wie in diesen Beispielen da oben ein schweres Schicksal hinter sich haben könnte, dass es nunmal Menschen gibt, die ein härteres Leben hatten als wir und die viele Verbeulungen davongegetragen haben, Menschen die ein viel schweres Pack auf dem Rücken tragen als wir selbst.

Jeder Mensch ist liebenswert, unser aller Blut ist rot und unsere Herzen schlagen alle im gleichen Takt………. In dem Sinn ruufe ich Euch einmal mehr zu: Namaste! Ich grüsse das Göttliche in Dir!

PS: über Talentshows habe ich schonmal im alten Tagebuch geschrieben: Talentshows und ihre Superstars

Mobbing – Homophobie und Transphobie sind tödlich

Heute möchte ich Euch jemanden vorstellen. Das ist Jamey Rodemeyer, ein 14-jähriger amerikanischer Junge. Jamey ist eigentlich ein ganz normaler Junge, er wird von seinem Umfeld sehr geschätzt, ist sensibel, lebensfroh und sozial engagiert.

Nur in einem unterscheidet sich Jamey von anderen Jungs, Jamey ist schwul. Und noch in etwas unterscheidet er sich von Jugendlichen dieses Alters, er ist mutig und tapfer genug um zu seiner Wesensart zu stehen, er steht zu sich obwohl er deswegen gemobbt wird.

Vor einiger Zeit hat Jamey dieses Video veröffentlicht, ein “Alles wird besser” Video, in dem er wie viele andere Schwule, Lesben, Transsexuelle und sonstwie Stigmatisierte sich gegenseitig Mut zusprechen und so die Hoffnung aufrecht erhalten, dass es in dieser Gesellschaft wirklich besser wird, dass Menschen wie Jamey oder ich eines Tages nicht mehr als Stigmatisierte gelten, dass all der Spott und Hohn eines Tages endet.

Ich bitte Euch, dieses Video nun genau anzuschauen, auch wenn Ihr den englischen Text nicht versteht, betrachtet diesen liebenswürdigen Jungen, beobachtet seine schüchterne Körpersprache, erspürt seine Sensibilität………

Das war Jamey Rodemeyer, ein 14-jähriger amerikanischer Junge……. nur in einem unterscheidet sich Jamey von anderen Jungs……. Jamey ist tot, er hat sich letzten Sonntag das Leben genommen.

Jamey reiht sich damit ein in eine Unzahl von homosexuellen Jugendlichen, die dem Druck einer homophoben Gesellschaft nicht mehr standhalten konnten. Seit seinem Outing wurde er in der Schule und von anderen Jugendlichen aufs Heftigste gemobbt, er wurde verhöhnt und verspottet. Kurz vor seinem Tod schrieb er in seinem Blog: “Ich sage immer, wie sehr ich gemobbt werde, aber das interessiert niemanden. Was muss ich tun, damit Leute mir zuhören?” und wenige Tage vorher schrieb er: “Ich wäre so glücklich wenn ich sterben könnte”. Sind das die Worte, die ein 14-Jähriger aussprechen sollte? Wie brutal muss eine Gesellschaft sein, dass ein 14-jähriger Junge solche Empfinden hat, weil man ihn derart ausgrenzt und kaputt macht, bis er sich nicht mehr anders zu helfen weiss als sich das Leben zu nehmen? Aber wundert es einem, dass ein Junge nicht mehr weiter weiss, wenn er beispielsweise über sich liest: “Jamey ist stupid, schwul, fett und hässlich, er muss sterben”?

Das Wort “Homophobie” leitet sich ab von der Vorstellung, dass wir das ablehnen, wovor wir uns fürchten, in der Regel ist es “das Fremde”, in welcher Gestalt auch immer es uns begegnet. Die Angst vor dem Fremden, die Xenophobie, macht Menschen zu Fremdenhassern, Homophobie führt zu Schwulenhass und Transphobie zu Transsexuellenfeindlichkeit. Eine Studie der Columbia University mit 32’000 Elftklässlern zeigt erschreckende Fakten. Homosexuelle resp. lesbische Jugendliche haben eine viermal höhere Selbstmordversuchsrate als der Durchschnitt. Die Studie zeigte auch, dass das Suizidrisiko umso grösser ist, wenn das soziale Umfeld negativ mit der Homosexualität der Betroffenen umgeht. Homosexuelle Menschen, die von ihrem Umfeld nicht gestützt werden, haben ein 20% höheres Suizidrisiko, das sollte uns wirklich zu denken geben.

Ich kenne diese Abgründe der Gesellschaft mehr als mir lieb ist. Als Kind wurde ich oft verspottet, weil ich so feminin war. Man hielt mich ja für einen Jungen und fand das total lustig, dass ich “so weibisch” bin. Und heute, da ich nun endlich meinem wirklichen Geschlecht entsprechend als Frau lebe, muss ich wieder hie und da spöttische Blicke ertragen, vorallem von Kindern und Jugendlichen. Oft habe ich mich gefragt, warum ich nicht schon als Kind mutig genug war um so für mich einzustehen, warum ich vierzig Jahre lang mich selbst verleugnete. An so Tagen wie heute wird mir mal wieder klar warum, ich wäre damals wie Jamey nicht stark genug gewesen um die hässliche Seite der Gesellschaft zu erdulden, ich wäre genau wie er kaputt gegangen an der Grausamkeit dieser Welt.

An Jugendliche:

Wenn Du Dich mal wieder lustig machen möchtest über einen Mitschüler, dann erinnere Dich daran, dass Mobbing tödlich sein kann, halte Dir vor Augen, dass jährlich tausende von Kindern sich das Leben nehmen, weil sie das nicht ertragen können, was Du vielleicht grad im Begriff bist zu tun. Du weisst nicht, was die Zukunft für Dich bereit hält, vielleicht bemerkst Du eines Tages, dass Du homosexuell bist, vielleicht outet sich Dein Vater oder Deine Mutter als Homosexuelle oder Transsexuelle, vielleicht kommt der Tag, an dem man Dir “Schwuchtel” oder “Transentochter” oder “Krüppel” nachruft. Vielleicht kommt der Tag, an dem auch Du zu den Stigmatisierten dieser Gesellschaft gehörst, geh so mit Deinen Mitmenschen um wie Du es Dir erhoffen würdest in so einer Lage.

An Erwachsene:

Wenn Du Dich mal wieder lustig machen möchtest über einen Mitmenschen, nur weil dieser irgendwie anders ist, dann erinnere Dich daran, dass Verachtung und Verspottung tödlich sein können, halte Dir vor Augen, dass tausende von Menschen sich das Leben nehmen, weil sie mit dem Gespött durch Menschen wie Dich nicht mehr klar kommen.

An Eltern:

Wenn Ihr wirklich so erbärmlich seid, dass Ihr es nicht lassen könnt, Euch über Andere lustig zu machen, dann tut das wenigstens nicht in Anwesenheit Eurer Kinder, denn Eure Kinder lernen durch Euch solche Verhaltensweisen und wenn Ihr ihnen so ein Vorbild seid, werden sie eines Tages genauso asoziale Arschlöcher wie Ihr es seid.

An die Jugendlichen die Jamey gemobbt haben:

Redet Euch nicht ein, Jamey hätte sich selbst getötet, Ihr wart das, Ihr habt sein Leben auf dem Gewissen, mit dieser Schuld müsst Ihr nun leben. Und falls Eure Eltern mal wieder betonen, dass Gott angeblich Schwule hasst, dann vergesst nicht, dass Gott vorallem Mörder hasst, Ihr seid solche Mörder – willkommen in der Hölle!

An Mobbing-Opfer:

Und all den Mobbing-Opfern, die immer mal wieder an die Grenzen des Erträglichen anstossen, möchte ich diese alten Blogbeiträge von mir zum Nachdenken mitgeben…… glaubt mir, Ihr seid nicht allein!

Selbstmord – die vorweggenommene Niederlage
Transsexualität und Selbstsicherheit

An Jamey:

Ich kannte Dich nicht und so hörte ich Dich auch nicht, wie gerne wäre ich Dir beigestanden um diesen Widrigkeiten zu trotzen. Aber wenigstens jetzt wirst Du gehört, weit über Deine Landesgrenzen hinaus. Vielleicht bekommt Dein sinnloser Tod wenigstens so ein wenig Sinn. Es ist allseits bekannt, dass viel zu viele Jugendliche sich das Leben nehmen und es dürfte auch vielen bekannt sein, dass die Suizidrate von homosexuellen Jugendlichen vier mal höher ist als bei Anderen. Aber mit so Zahlen erreicht man keine Menschen, die Meisten sind nicht feinfühlig genug um hinter diesen Zahlen all die Schicksale zu erspühren. Durch Dich hat Homophobie und Mobbing ein Gesicht bekommen, möge die Welt wenigstens jetzt etwas daraus lernen, auch wenn es für Dich zu spät ist. Eines kann ich Dir versichern: Du hast mich berührt, mich zu Tränen gerührt……. ich hoffe, dass ich diese Rührung mit diesem Blogbeitrag weiter geben kann, damit Du nie vergessen wirst.

Wirklich tot sind nur die, an die niemand mehr denkt,
wir vergessen Dich nie, Jamey!

Mehr zu diesem traurigen Ereignis:

Queerdenker: Selbstmord eines 14-Jährigen in den USA
Fabio Huwyler: Paws Up!
Technorati: It Didn’t Get Better For Jamey Rodemeyer
John Shore: Christians and the Blood of Jamey Rodemeyer
Buffalo News: Teenager struggled with bullying before taking his life
Facebook Gedenkseite für Jamey Rodemeyer

They can verbally abuse me, they can torture me,
they can try to strip me bare of my dignity…
they can even take my life,
but they can never ever snatch who I am at my core…
I will always naturally express who I am on the outside,
Trans (and Homo) phobic social oppressors be damned!
(Arianna Davis)

UPDATE 23.9.2011: So traurig dieser Vorfall auch ist, es sieht danach aus, als ob die Welt von einer Solidaritätswelle erschüttert wird, infolgedessen das “Paws Up Forever Project” am entstehen ist. Dieses Video ist ein erstes Statement………. in dem Sinne…… PAWS UP *fauch*

UPDATE 26.09.2011: Die Musikerin “Lady Gaga” hat sich ihrem Fan angenommen und unterstützt die “Paws Up for Jamey” Bewegung an vorderster Front, hoffen wir, dass diese Welle nicht mehr aufhört, bis auch der hinterletzte Depp versteht: “Mobben ist was für Verlierer” (O-Ton Lady Gaga). Anlässlich eines Auftritts widmete sie Jamey ein Lied……

MTV: Lady Gaga – Kampf dem Mobbing
MTV: Lady Gaga – Song für Mobbing-Opfer
BlueWin: Lady Gaga gedenkt ihrem toten Fan
Queerdenker: Grossartige Lady Gaga

Intuitives Musizieren – Diana im Cello-Rausch

Nachdem ich mich vorhin episch über “Computerfreaks und intuitives Programmieren” ausgelassen habe, beschäftigte ich mich zum zweiten Mal mit meinem letzte Woche eingetroffenen eCello und dabei fiel mir auf, dass ich im Umgang mit Musikinstrumenten genauso “anders ticke” als Andere wie beim Programmieren. Das passt doch zum Thema :-)

Intuitives Musik-lernen

In meinem Leben habe ich eine Vielzahl von Instrumenten gespielt, das Eine mehr, das Andere weniger gut. Mit dabei waren Gitarre, BluesHarp, Keyboard, Indianische Flöte, schottische Bagpipe und nun geht’s mit elektrischer Violine resp. Cello weiter. Obwohl ich Grundkenntnisse habe im Notenlesen, Musiklehre u.s.w. gehe ich eigentlich nie vom Verstand her an so ein Instrument ran, ich begegne dem Instrument eher auf intuitiver Ebene. In der Musik macht das noch viel mehr Sinn als beim Programmieren, weil Musik eben etwas Musisches ist und man da im Bauch einen direkteren Zugang hat als mit dem Verstand. Es ist zwar hilfreich, wenn man weiss was man da tut, ist aber keine Bedingung dazu. Ich lerne meistens, in dem ich einfach damit rumexperimentiere, mir zuhöre, korrigiere und mich so langsam einfinde. Mit der Zeit wissen die Finger wo sie hingehören ohne dass ich weiss, was für einen Ton ich da grad spiele.

Kuscheln mit dem Cello

Beim Cello geht’s mir nun genauso, es wird sich zwar noch zeigen müssen, ob die Finger das wirklich verinnerlichen und die Bogenhand irgendwann selber Regie führt, aber es fühlt sich so an als würde es auch da so funktionieren. Irgendwie steht mir der Verstand resp. das systematische Denken völlig im Weg, es hindert die musikalische Inspiration. Natürlich nutze ich Tipps die ich im Internet finde, betrachte Lernvideos auf youTube und versuche das zu verinnerlichen, aber der Verstand hat damit nur am Rande etwas zu tun, solange, bis es verinnerlicht ist.

Mein Cello-Lehrer

Darf ich vorstellen, das ist Adam Hurst, mein Cello-Lehrer. Er weiss nichts von seiner Ehre, ich hab ihn zufällig im Internet gefunden und engagiert. Auf youTube gibt es ein ganzes Rudel Songs von ihm in denen er meist in vorteilhafter Kameraführung gezeigt wird, man kann vorallem im Vollbildmodus sehr gut zuschauen wie er die Finger bewegt, welche Körperhaltung er hat und vorallem hat er so eine ruhige Ausstrahlung, die schon beim Zukucken entspannt.

Mein erstes Lehrstück – mit Spatzen flirten

Wie schon mit anderen Instrumenten lerne ich am besten, wenn ich mir einfach ein schönes Stück suche das möglichst einfach ist und dann geh ich dem nach bis ich es hab. Dank diesem Video geht das super gut, es ist auf Anhieb zu einem Lieblingslied geworden, weil ich es so lieblich finde, es heisst “Sparrow” was zu deutsch ein Spatz ist (ich lieb diese kleinen Racker), es ist von der Tonfolge sehr einfach und das wichtigste: Ich kann ihm so gut zuschauen auf diesem Video. Nun habe ich das Lied erst mal mindestens ein dutzend Mal angeschaut und dabei genau die Bewegungen beobachtet. Mit der Zeit habe ich in der Luft die Fingerbewegungen oder die Bogenbewegung nachgeahmt. Erst als ich die Melodie auswändig im Kopf hatte und die Bewegungen etwas verinnerlicht hatte, setzte ich mich ans Cello und begann das nachzuspielen. Es klingt natürlich noch so gruselig, dass ich damit jeden Dämon exorzieren könnte und jeden Poltergeist verscheuchen würde, aber schon nach einer halben Stunde konnte ich die Töne in etwa nachspielen. Mit jedem Mal kommt der Klang dem Original ein klein wenig näher, die Hirnarbeit dabei nimmt immer mehr ab. Wenn ich so weiter mache, kommt irgendwann der Moment, an dem die Hände selber tun was sie tun wollen, ich muss nur noch die Melodie denken und der Körper spielt sie – so war das jedenfalls früher mit anderen Instrumenten.

Null Ahnung, aber es funktioniert

Das Witzige dabei ist, dass ich keine Ahnung hab was ich da spiele, ich weiss nicht welche Töne ich spiele, ja nicht mal welche Tonart das ist. Seltsamerweise ist das gar nicht nötig, die Finger müssen nur lernen, wie sie zur Melodie in meinem Kopf tanzen müssen und dann spielen sie irgendwann genau die Töne die nötig sind ohne zu wissen, wie die heissen. Noch verrückter ist, dass mein Cello anders gestimmt ist als das meines Lehrers und um die Töne am gleichen Ort zu drücken wie er, muss ich ein paar Töne tiefer spielen. Auch das funkioniert einfach so, ich beginne einfach ein paar Töne tiefer und spiele dieselbe Melodie nur halt eben alles etwas tiefer. Würde ich das vom Verstand her versuchen, müsste ich echt gut sein im Spielen, aber das läuft bei mir übers Ohr, ich sing die Melodie im Kopf und die Finger suchen dann den entsprechernden Ton.

Der Weg bestimmt das Ziel – oder umgekehrt

Wie beim Programmieren, so gibt es auch beim Musizieren kein richtig oder falsch, man kann systematisch oder intuitiv da ran gehen, es ist vorallem eine Frage des Ziels, das einem den Weg aufdrängt – oder die eigene Wesensart, die einem für das Eine empfänglicher macht als für das Andere. Wer irgendwann in ein Orchester oder eine Band möchte, der wird wohl nicht umhinkommen, recht systematisch und logisch zu lernen, im Zusammenspiel mit Anderen ist es schon fast zwingend, dass man genau weiss was man tut und absolut nur das tut. Wer aber wie ich nur für sich selbst musizieren will, einfach um Spass zu haben und um Gefühle auszudrücken und zu kanalisieren, der ist meines Erachtens gut beraten, intuitiv mit dem Instrument umzugehen. Dieser Weg führt kaum zu solcher Präzision wie der systematische Weg, aber es kann unheimlich erfüllend zu sein, sich so auszutoben.

Auf in eine neue Liebschaft – kann jemand helfen?

Ich für meinen Teil freue mich jedenfalls ungemein auf das was vor mir liegt, diese Annäherung an das Cello, das sich bekannt machen, das verschmelzen, das gemeinsame Einswerden. Auf diese Weise hat Musik etwas mit Mystik zu tun, es hat etwas Spirituelles. Ich glaub wirklich, dass wir gute Freundinnen werden, ich und mein Cello, ich halt Euch auf dem Laufenden ;-)

An dieser Stelle frag ich einfach mal in die Runde, kann jemand von Euch Cello spielen, wohnt in der Gegend von Zürich und hätte Zeit und Lust, mir mal einen Crash-Kurs zu geben?

Musikalisches Wochen(end)-Allerlei einer Zahn-Prinzessin

In letzter Zeit geht’s bei mir relativ rund, deshalb kam ich nicht zum Schreiben, nun fasse ich mal ein paar Dinge hier zusammen…….

Diana in der Menopause oder so

Vorletzte Woche hatte ich einen Termin in der Endokrinologie, in der es nebst obligater Blutkontrolle um die Frage ging, ob wir meine Östrogendosis erhöhen sollten. Seit der GaOp bin ich chronisch müde und meine Schwitzanfälle haben sich auch deutlich gehäuft, beides sind mögliche Anzeichen auf einen zu tiefen Östrogenpegel (Mitlesende die ihre Menopause bereits erreicht haben wissen was ich meine). Die Endokrinologin bestätigte mir, dass diese Anzeichen danach aussehen, dass meine zwei mal wöchentlich angeklebten Östrogenpflaster (Estradot 50) wohl zu wenig sind. Aber leider war mein Glukose (Zucker) und Cholesterin Pegel gaaaaanz wenig über dem Normbereich, so knapp daneben, dass das gesundheitlich noch völlig unbedenklich ist. Aber sowohl Zucker als auch Cholesterin belasten die Blutbahnen und damit erhöht sich auch das Thromboserisiko ein wenig. Da die Östrogene genau diesbezüglich gefährlich sind, wollte sie da nichts riskieren. Da ich öfters Schokolade-Fressattacken habe und das möglicherweise auch am Vorabend der Untersuchung, sind wir nun so verblieben, dass ich in nächster Zeit mal bei der Hausärztin diese zwei Werte nochmal prüfen lasse. Sollten sie immer noch etwas zu hoch sein, kann ich mittels Ernährungsverbesserung die Werte verbessern. Sobald die Werte im Normbereich sind, kann ich ihr den Laborbericht faxen und krieg dann ein Rezept für 75er Pflaster. Mal schauen ob es dann besser geht.

Ein schlauer Zahnarzt

Mein Zahnarzt ist echt ein schlauer Fuchs, bei ihm fühle ich mich echt ernst genommen. Zum Einen hat er richtig erkannt, dass ich einfach zu schlau bin für diese Welt und hat mir nun einen meiner vier Weisheitszähle gezogen, vielleicht reg ich mich nun etwas weniger auf ;-) Aber das ginge noch, der konnte das sogar noch überbieten. Er scheint wirklich ein Auge für Mädels wie ich zu haben und hat sofort bemerkt, dass ich eine richtige Prinzessin bin – glaub ich jedenfalls – denn übermorgen krieg ich von ihm eine Krone *stolzerhebtihrhaupt*. Meine Begeisterung hält sich da zwar in Grenzen, weil mich dieses royale Statussymbol mal schnell einen Tausender kostet, aber was tut man nicht um die leider oft unbemerkte Adligkeit zu betonen :D Das mit dem Weisheitszahn war übrigens eine harmlose Sache, es machte kurz knirsch und flup und draussen war das Ding. Am Mittag liess dann die Spritze nach und der Schmerz wurde arg genug um mich mit 50er Ponstan zu füttern, aber schon am nächsten Tag war der Spuk vorbei und unterdessen, eine Woche später, ist wieder alles in Ordnung.

Kuschelweekend mit Juliet

Letztes Wochenende war ja mal wieder Kuscheln in Hamburg angesagt, jajajaja :-) Diesmal war ich wieder von Donnerstag Ende Nachmittag bis Dienstag am frühen Morgen dort. Freitag und Montag ackerte Juliet zeitweise und ich guckte TV, las mein letztjähriges Tagebuch oder brabbelte mit Juliets Mama rum. Am Samstag gabs dann noch eine kleine Shoppingtour zu Dritt, bei der wir aber alle ohne Beute heimziehen mussten. Dafür machten wir noch einen kleinen Abstecher in ein Pärklein, die erhofften Eichhörnchen sahen wir zwar nicht, aber dafür konnte ich mal wieder eine Weile einer Libelle beim patroulieren zugucken – ich lieb diese kleinen Hubschrauber :-) Abends guckten wir dann jeweils meist zu Viert TV und im späteren Abend verzog sich Mama in die Küche und las – und brach immer mal wieder in schallendes Gelächter aus, meist wenn sie Dialoge mit Morla fand ;-) Jedenfalls wars wieder ein super schönes Wochenende mit ganz viel Blödeleien und ganz viel Aneinanderkleben – Fortsetzung folgt in gut zwei Wochen :-)

Selbstbetrachtung in Buchform

Das mit meinem Tagebuch war eine ulkige Sache, denn davon hatten wir dieses Weekend drei Stück in der Wohnung, Juliet und Mama hatten Ihres, ich hatte das Meine. Und zeitweise sassen Mama und ich zusammen auf dem Sofa und lasen dasselbe Buch, wie schräg ist das denn :-) Für sie ist es interessant, weil sie nicht so gern am Computer sitzt und deshalb nur soweit auf dem Laufenden ist, wie Juliet ihr berichtet. Deshalb holt sie dann das ganze Jahr nach wenn das Blog in Buchform verfügbar ist. Ich meinerseits erlebte beim Lesen wie schon letztes Jahr eine turbulente Reise durch die Zeit, in der ich das ganze letzte Jahr nochmal Revue passieren lasse und teilweise staune, was ich da alles erlebt habe und wie aufgewühlt ich zeitweise war. Es ist unglaublich spannend, sich selbst nochmal so zu verfolgen. Sobald ich damit fertig bin, werde ich dazu einen Blogbeitrag schreiben wie schon letztes Jahr und ein wenig erzählen, was mir da lesenderweise so durch den Kopf ging im Kino meines Lebens.

Medien sind einfach sowas von für n’Arsch, aber echt

In diesen wenigen Tagen in denen ich in Hamburg war, erschienen gleich mehrere Zeitungsartikel die irgendwie um Transsexualität gingen und mir schäumte heut Morgen mal wieder kurz die Galle hoch. Höhepunkt war ein Kurzartikel in der Bernerzeitung, in der von einer transsexuellen Frau konsequent in der männlichen Form geschrieben wurde. Einmal mehr hat ein dümmlicher Journalist einen noch dümmlicheren Text von der Depechenagentur DPA copy-pastet ohne dabei das Hirn auf Minimalleistung zu stellen. Aber ich bin grad zu gut gelaunt um mich heute weiter darüber zu ärgern, vielleicht hole ich das am Wochenende nach und hau denen virtuell eine runter – mal kucken ob ich Zeit und Nerven finde, vorallem mit der Zeit könnte es nämlich knapp werden, denn erstens arbeite ich am Samstag mal wieder und zweitens und vorallem……….

Diana wird Cellistin

In den letzten zwanzig Jahren habe ich viele Musikinstrumente gespielt, manche nur ein wenig, manche mehr. Vorallem Gitarre, Bluesharp und schottische Bagpipe spielte ich recht intensiv eine Zeit lang und Letztere möchte ich nachwievor irgendwann wieder spielen. Aber in letzter Zeit bin ich emotional eher zu sanfteren Klängen hingezogen und verspüre wieder ein starkes Bedürfnis, Musik zu machen. Und weil ich seit Beginn meines Musizierens Streichinstrumente als die Schönsten Instrumente betrachte, aber nie den Mumm hatte mich diesen schwer zu erlernenden Instrumenten anzunähern, kams bis jetzt nie soweit – bis jetzt, jauh.

Vor einigen Wochen entdeckte ich, dass man heutzutage elektronische Violinen und Cellos kaufen kann, die recht gut klingen, überraschend günstig sind und natürlich stubentauglich, weil man mit Kopfhörer spielen kann. Also habe ich vor der Op diese schwarze eVioline bestellt, darüber habe ich irgendwo kurz berichtet. Aber dann kamen gleich die Ferien, dann die zweite Operation und anschliessend war für ne Weile nix mehr mit Violine spielen, weil ich die Arme wegen der BrustOp nicht so verrenken konnte. Auch sonst hielt sich meine Begeisterung in Grenzen, weil die Körperhaltung wie erwartet der Graus ist, man ränkt sich fast die Schulter aus und bricht sich fast den Kiefer, weil man das Teil so unter den Kiefer klemmen muss.

Naja, letzte Woche guckte ich einen Krimi in dem es zufällig um eine Cellistin ging, die man ein paar Mal spielen sah und man ahnt’s, es packte mich total und so wusste ich nix Bekloppteres als noch am gleichen Abend dieses elektronische Cello in weiss zu bestellen, selber Hersteller wie die Geige, nur diesmal in Weiss anstatt Schwarz. Jauh und heute wurde das Ding geliefert und ich bin Feuer und Flamme, die in den nächsten Tagen ausgiebig auszuprobieren. Wenn ich wie erwartet körperlich besser damit klar komme, werde ich die Geige wohl wieder verkaufen, oder umgekehrt, was weiss ich, lassen wir uns überraschen :-)

Vorhin habe ich das erste Mal drauf gespielt äh getönt oder so, naja, seien wir mal froh, dass die Nachbarn das nicht hören ;-) Aber es macht Spass, fühlt sich noch fremd aber irgendwie nett an, ich bin zuversichtlich, dass wir uns anfreunden werden, auch wenn ich fürs Erste verkrampft bin als würd ich das erste Mal auf einem Stier reiten. Damit Ihr Euch vorstellen könnt, was für ne Art Musik mir vorschwebt, gibt’s jetzt noch ein Video mit einem wunderschönen Cello-Stück :-)

Und falls jemand von Euch neugierig geworden ist und mehr Cello Musik hören will in dem Stil wie ich es hoffentlich irgendwann spiele, dann empfehle ich mein neustes Idol:
Adam Hurst auf youTube

und tschüss mal für ein paar Wochen

So das wärs vorläufig mal für ein paar Wochen – nehm ich jedenfalls an – etwas Ruhe braucht der Mensch ja bekanntlich. Obwohl ich nicht mit viel Ruhe rechne, Juliet wird nun zwei Wochen lang an mir kleben und mich vollbrabbeln, aber entspannend und erquickend wird es garantiert.

Geplanterweise und mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit werden wir jeweils am Donnerstag 16. und 23. Juni von 21 – 24 Uhr in meinem Stammpub sein, wer Zeit und Lust hat, soll doch einfach reinschauen, würde uns freuen :-)

Am Montag 27. Juni bring ich sie dann um Neun auf den Flughafen und geh um Zwölf ins Unispital für etwa eine Woche. Wie bereits gesagt, werden wir vielleicht während den Ferien in unserem gemeinsamen Blog mal was schreiben, ab Spitaleintritt wird dann wieder vom GaOp-Blog aus berichtet.

Zu erwähnen ist noch, dass ich die Kommentarfunktion in den Blogs vorläufig so eingestellt habe, dass alle Kommentare von mir freigeschaltet werden müssen. Während den Ferien kann das möglicherweise länger dauern.

Nun denn, das wars, wir sagen tschüss und bis dann :-)

Achja, damit’s Euch in der Zwischenzeit nicht langweilig wird – die da ist noch bekloppter als wir :D

Und die Erde war wüst und leer und es war finster auf der Tiefe

Am Ende vernichtete der Mensch Himmel und Erde.
Und die Erde war wüst und leer, und es war finster in der Tiefe.
Und der letzte Mensch schrie: ‘Es werde Licht!’ – Aber es blieb dunkel.
So ward aus einem Abend ohne Morgen die letzte Nacht.
(Michael Ende – Der Spiegel im Spiegel)

Die Lust zum Bloggen ist mir momentan ziemlich vergangen, in letzter Zeit gabs da so einiges in meinem Leben, das mich ziemlich erschüttert hat, Dinge über die ich zumindest vorläufig nicht schreiben kann oder will. Und es gab Vieles, das mir durch den Kopf ging, das mein Bedürfnis nach dem, was die Gesellschaft ironisch “Gemeinschaft” nennt, etwas gedämpft hat. Ich versuch jetzt trotzdem mal zusammenzufassen, wie es mir geht und was vor mir liegt.

Ein Leben (fast) in Freiheit

Beginnen wir mit dem Angenehmen. Unterdessen ist mein Leben so richtig schön unspektakulär geworden und das fühlt sich sowas von gut an. Meine Ausweise entsprechen nun mir selbst, meine Bankkonten sind geändert, ich bin einfach nur noch Diana, so wie tausend andere Dianas auch, nur mit einer etwas verrückten Vergangenheit. Vorbei ist das Gefühl, dass ich allein schon mit meiner Namensnennung irgendwie lüge, weil im Ausweis ja etwas Anderes steht, vorbei auch die Zeiten, in denen mein gelebtes Ich im Widerspruch zu irgendwelchen anatomischen Sonderbarkeiten stand. All das bringt so eine Stille mit sich, eine wohlige Ruhe nach einem elend langen und grausam wilden Sturm. Aber so gut es mir selber auch geht, es bleiben doch Widrigkeiten, die auch jetzt noch an die Substanz gehen und immer wieder peitschende Schüsse durch die Stille jagen.

Blog-Selbstzensur

Schon vor einigen Wochen habe ich kurz anklingen lassen, dass mir eine Zeitung ihre Anwälte auf den Hals gehetzt hat, weil ihr Name in einem Stichwortverzeichnis von mir vorkam. Ich habe das Stichwort darauf entfernt, weil ich keine Lust habe auf ein episches Gerichtsdrama, habe aber die geforderte Unterlassungserklärung nicht unterschrieben. Vermutlich kehrt diesbezüglich nun Ruhe ein, sicher kann ich mir aber nicht sein, dass nicht doch noch etwas kommt von der Seite. Schon dieses Erlebnis hat mir vor Augen geführt, dass das Recht auf freie Meinungsäusserung auch hierzulande nur begrenzt gilt. Ein zweites Ereignis, über das ich noch nicht schreiben kann, zeigte dann auch, dass meine Offenheit gegen mich oder mir Nahestehende als Waffe verwendet werden kann. Vorallem dieses zweite Erlebnis hat mich dazu bewogen, kurzfristig mal das alte Tagebuch und das GaOp-Tagebuch vom Netz zu nehmen und auch in diesem Blog meine Fotos zu entfernen. Die Illusion der Freiheit – darüber habe ich ja schonmal geschrieben – ist eben Teil unserer achso toleranten Gesellschaft. Ich werde mir in Ruhe Gedanken darüber machen, wie es mit meiner Bloggerei weitergehen soll und wieviel Offenheit ich noch zu opfern bereit bin, dann werde ich entscheiden, in welchem Umfang meine alten Blogs wieder online gestellt werden.

Das Irrenhaus da draussen

Aber neben dem was ich im eigenen persönlichen Leben erlebe, gibt es noch all den Irrsinn, der täglich aus der grossen weiten Welt in mich hineingegossen wird. Wo ich auch hinsehe, sehe ich eine Brutalisierung und Verluderung dieser Gesellschaft, die mich betrübt und manchmal beängstigt. In einer Zeit, in der Waterboarding als legitmes Mittel zur Wahrheitsfindung betrachtet wird und grundlos wutentbrannte Mitmenschen am Boden liegenden Opfern den Schädel einstampfen, weil ihnen einfach grad danach ist, in der sich so Manche viel zu oft lieber mit möglichen Tätern als mit möglichen Opfern solidarisieren, in der politische Brandstifterei zum politischen Alltag gehört und die Radikalisierung der potentiellen Wählerschaft bereits als normal angenommen wird – in so einer Zeit fällt es schwer, seine Artgenossen zu lieben, wenn man selber nicht diesem kollektiven Beisswahn verfallen ist.

Wenn wir im TV Nachrichten und Berichte sehen und Zeitungsartikel und Kommentare in denselben lesen, dann sehen wir in einen Spiegel, ein Spiegel der uns die Fratze dieser Gesellschaft zeigt, der wir angehören und die wir alle geschaffen haben. Bin ich wirklich die Einzige, die beim Anblick dieses Spiegelbilds das kalte Kotzen bekommt? Ist es wirklich schon so normal geworden, dass wir diesen Krieg gegen uns selbst führen? All das macht mich ratlos, ich möchte die Augen verschliessen vor all dem da draussen und doch schaffe ich es nicht, blind zu bleiben. Einmal mehr stellt sich mir die Frage, wie ich damit umgehen soll.

Sommerferien mit Juliet

Aber so gruselig all das ist, so schön ist das Leben eben auch, zumindest in meiner kleinen persönlichen Welt. Nächsten Freitag landet Juliet hier und wir haben gute zwei Wochen Ferien zusammen, jauh, endlich wieder knuddeln bis alle oberen Hautschichten erneuert sind :-) Im Wesentlichen werden wir wohl wieder rumliegen und uns geniessen, aber ein paar Dinge haben wir anvisiert, unter Anderem ein Pub-Abend am 17. Juni und ein Treffen mit meinem Paps und seiner Frau in der zweiten Woche, auch ein Punk-Konzert steht noch zur Auswahl. Wir werden voraussichtlich zwischendurch in unserem gemeinsamen Blog darüber berichten, sofern es denn etwas zu berichten gibt. Auf jeden Fall werde ich mich in der Zeit gut erholen können und Kräfte sammeln für das was dann folgt, denn an dem Tag, an dem Juliet am Morgen um Neun abfliegt……..

Korrektur-Operation

….. werde ich vom Flughafen aus direkt ans Unispital gehen und dort um Zwölf einrücken für die zweite Korrektur-Op. Die wird im Vergleich zur Ersten eine harmlose Geschichte sein und ich werde nur wenige Tage das Vergnügen haben, wieder von diesen netten Pflegerinnen betüdelt zu werden. Ende Woche kann ich dann schon wieder abrauschen und werde geplanterweise die Woche darauf schon wieder voll arbeiten können. Für mich ist diese zweite Op nicht mehr allzu spektakulär, es wird halt einfach noch fertig gemacht, aber es ist nichts im Vergleich zur Letzten, als sich durch die Op mein Leben radikal änderte. Aber es ist das letzte Kapitel einer langen Reise, der definitive Abschluss meiner Befreiung, insofern freue mich mich trotzdem sehr darauf.

wie auch immer, aber weiter so

Was das Negative anbelangt, so ist das alles ja nicht allzu neu, seit ich begonnen habe über die Welt nachzudenken, seit da traure ich um sie und seit da möchte ich sie wenigstens ein klein wenig verändern. Diese Trauer, manchmal Wut, manchmal Verzweiflung, all das ist nichts Neues, es begleitete mich mein ganzes Leben, das ist scheinbar das Los einer Philosophin. Neu ist hingegen, dass ich mit mir selber zum ersten Mal im Reinen bin und dass ich mich selbst leben kann. Und genau das werde ich auch weiter tun. So schwer es manchmal auch sein kann, mit dieser doch arg durchgedrehten Welt klar zu kommen, so schön ist auch dieses neue Erleben, am Morgen aufzustehen und mich darüber zu freuen, dass ein neuer Tag vor mir liegt.

In dem Sinne – es wird mir noch so Mancher Steine in den Weg legen und Knüppel zwischen die Beine werfen und so Manche Decke wird mir noch auf die Birne knallen – aber all das wird mich nicht davon abhalten, mein nun endlich wahr gewordenes Leben zu leben und in vollen Zügen zu geniessen.

Spätestens Ende Woche werde ich mich hier wohl nochmal melden resp. abmelden für die Ferien, dann wird’s voraussichtlich im DuoInfernale-Blog weiter gehen für zwei Wochen und dann werde ich geplanterweise das GaOp-Blogtagebuch wieder ins Netz stellen und dort weiter schreiben. Nach der Op geht’s dann hier wieder weiter – nehm’ ich mal an – auf jeden Fall: wir lesen uns ;-)

If you want a picture of the future,
imagine a boot stamping on a human face – for ever.
(Georg Orwell – Nineteen Eighty-Four)

Die Bestie im Menschen

Ekel der die Welt ergreift
Hass der durch die Herzen fliesst
Verderben das durch die Reihen zieht
Des Menschen edle Reihen

In denen Gleiches nur zu Gleichen steht
Dazwischen eine Kluft sich schlägt
Und Rassen wie Geschlechter trennt
Oh Ekel der sich der Welt bekennt

(Lacrimosa – Das Schweigen)

Schon als Kind befremdete es mich zutiefst, immer wieder zu erleben, dass viele Menschen ein Bedürfnis danach haben, Andere zu verletzen oder noch besser zu demütigen. Es schien mir schon bald, dass viele kleingeistige Menschen sich offenbar nur gross fühlen können, wenn sie Andere klein machen. Soweit konnte ich das rational ja noch irgendwie verstehen, auch wenn ich es für noch so daneben halte. Aber dass diejenigen, die Andere quälen, nicht wahrnehmen können, dass sie grosses Leid verursachen, diese Mitgefühlslosigkeit, die entsetzte mich geradezu. Warum sind soviele Menschen so? Warum fällt es vielen so schwer, wahrzunehmen, was sie mit ihrem Handeln anrichten? Bin ich denn wirklich von gefühlsunfähigen Soziopathen umgeben?

Aber ich glaube nicht, dass der Mensch an sich soviel Bösartiges in sich trägt, Menschen werden so, weil sie elementarste Lebensregeln nicht gelernt haben. Andere zu respektieren, auch wenn sie anders sind als man selbst, das ist eine Einstellung, die gelernt werden muss. Meine Eltern konnten mir das vermitteln, viele Andere hatten offenbar nicht dieses Glück. Mir wurden so Werte vermittelt, dass nicht alle Menschen so sind wie ich und dass ich sie respektieren muss, auch wenn sie anders sind. Mir wurde gelernt, dass man behinderte Menschen nicht auslacht oder ausgrenzt, dass die sich ihr schweres Schicksal nicht ausgesucht haben und ihr Leben schon schwer genug ist und nicht noch mehr Belastungen braucht. Aber schon als Kind erlebte ich so oft, dass Viele da völlig anders ticken.

Während meiner Primarschule hatte ich längere Zeit einen sehr guten Freund, er war ein erzlieber Mensch, wir konnten stundenlang miteinander lachen, konnten über alles reden, er war echt toll. Aber im ganzen Schulhaus wurde er gemieden, er war extrem gross für sein Alter und hatte einen starken Buckel, gesamthaft wirkte er wirklich sehr aussergewöhnlich. Das reichte, dass er von allen ausgegrenzt und verspottet wurde. Ich wiederum habe sein Äusseres nie als Kriterium empfunden, ob ich mit ihm reden soll oder nicht. Also kamen wir ins Gespräch und wurden Freunde. Dass mir das selber Spott einbrachte, war mir irgendwie egal. Ich hatte da einen guten Freund gefunden und das schien mir wichtiger als ob sich Andere über unsere Freundschaft lustig machen.

Diese Lebenshaltung, mit der man Andere so nimmt und respektiert wie sie sind, begegnete mir sehr selten und ich verstehe einfach nicht warum. Warum fühlen sich so viele Menschen erst dann gut, wenn sie Andere schlecht machen? Warum empfinden Manche Glück erst dann, wenn sie Anderen Leid zufügen? Und warum bekämpfen so Viele Andere, nur weil sie nicht ihren eigenen kleinkarierten Vorstellungen entsprechen?

Was geht es mich an, wie Du aussiehst, wie Du Dich benimmst, was Du tust, wer Du bist…… solange Du damit niemandem schadest? Und was geht es Dich an, was für ein Leben ich führe, solange ich Deines nicht beeinträchtige? Warum verurteilst Du mich, wenn ich nicht denselben Lebensweg gehe wie Du? Warum siehst Du nicht, dass mein Herz blutet, wenn Du mich verletzt?

Warum bringt Ihr soviel Leid über Andere, seid mal Täter, mal Opfer, was für ein idiotischer Krieg der Gesellschaft ist das? Und wem dient er? Wer hat etwas gewonnen, wenn immer wieder eine Gruppe über jemanden herfällt, ihn erniedrigt und demütigt – ohne dass jeder Einzelne sich sicher sein kann, dass er nicht nächstes Mal derjenige ist, der von einer Gruppe kaputt gemacht wird? Ist es das wert, sich gross fühlen zu können weil man im Schutz einer mobbenden Gruppe gemeinsam über jemanden lachen kann, wenn dieser Jemand dabei kaputt geht? Wieviele Menschenopfer braucht so ein durchschnittlicher Kleingeistiger, bis er sich gross genug fühlen kann um ein Leben zu führen, ohne dabei auf dem Rücken Anderer trampeln zu müssen?

Ich fand es schon immer unsäglich traurig, immer wieder zu erleben, wie meine Mitmenschen sich gegenseitig zerreissen und auffressen und sich dabei sogar noch cool vorkommen. Wie degeneriert muss eine Spezies sein, wenn sie sich selber das Leben so schwer macht? Der Mensch – sagte einst ein grosser Philosoph – ist wahrlich das grausamste aller Tiere – es stimmt mich traurig, dass ich dem beipflichten muss.

Die Scheiterhaufen der Gesellschaft haben nie aufgehört zu brennen, sie änderten nur ihre Gestalt, aus den hohen lodernden Flammen der Scheiterhaufen wurden kleine hübsche Feuerchen, die in die Herzen von Menschen eingeschossen werden und sie innerlich verbrennen lassen – der Grad des Leidens hat sich dabei nicht merklich verändert.

Der Freund ist viel zu nahe
Er ist ein Mensch und Feind
Das Schild der Freundschaft deckt ihn jahrelang
Dahinter sammelt er die Waffen

(Lacrimosa – Versuchung)

Transsexuelle Frauen im Sperrfeuer der Ignoranz

Transsexuell zu sein, also im falschen Geschlecht geboren zu leben, ist wohl eine der grössten Herausforderung, die das Schicksal einem Menschen in die Wiege legen kann. Die ganze Kindheit, die ganze Jugendzeit und oft auch das halbe Erwachsenenleben im falschen Geschlecht leben zu müssen, stets eine nicht dem Selbst entsprechende Geschlechterrolle einnehmen zu müssen, sich selber ständig verleugnen und konditionieren zu müssen, all das ist unvorstellbar schmerzhaft, viele gehen daran zugrunde.

Aber das ist nur ein Teil des Leids, es ist der Teil, der ein Stück weit unumgänglich ist – anders als die gesellschaftliche Stigmatisierung, das ständige Missverstandensein, das aus Unwissen und Falschvorstellungen geborene Belächeln, das transsexuelle Menschen in eine Rolle treibt, in der sie nichts zu suchen hätten. Und so bleibt auch im Leben einer Frau mit transsexueller Vergangenheit ein Schatten, der sie immer verfolgen wird – ein Schatten der aus dem Feuer des Missverstandenseins geworfen wird.

Selbst wenn man soviel Glück hat wie ich und in ein verlässliches soziales Gefüge eingebettet ist, viele Menschen hat die zu einem halten und ein zufriedenes und freies Leben führen kann, so stösst man doch immer wieder auf diese dunklen Seiten, die einem wieder ins Bewusstsein rufen, dass man zwar vielleicht respektiert, vielleicht sogar geliebt, aber nur in seltensten Fällen verstanden wird.

Gute Tage – instabile Tage

Es gibt Tage, an denen ich fit bin, an denen ich einfach mein Leben geniesse. An solchen Tagen kann mich nichts erschüttern, egal ob mich in der Öffentlichkeit gelegentlich jemand blöd anschaut, nicht mal wenn ich bemerke, dass mich jemand belächelt, es geht mir völlig am Hintern vorbei. Denn erstens habe ich gelernt, meinen Wert nicht von Fremden bemessen zu lassen und zweitens bin ich dank meiner neuen Freiheit so erfüllt von Lebensfreude und Lebenslust, dass mich kein Schatten trüben kann.

Aber es gibt auch Tage, an denen ich nicht so stabil bin, wer ist schon immer und jederzeit stark genug für die Widrigkeiten des Lebens. an solchen Tagen können Ereignisse, die ansonsten nur an der Oberfläche schürfen, sich plötzlich wie Rasierklingen ins Fleisch schneiden. Und an manchen Tagen kommen solche Schnitte sogar von mehreren Seiten und man findet sich selbst wieder im Sperrfeuer der Ignoranz. Manchmal sind es ganz harmlose Dinge die so einen Tsunami auslösen können, manchmal reicht eine fiktive TV-Serie um die Klingen bis zum Herz eindringen lassen.

Eine verpasste PipeNight

Heute ist so ein Tag. Seit Wochen freue ich mich auf heute Abend, weil in einem Zürcher Pub mal wieder die PipeNight stattfindet, an der ganz viele wirklich tolle Piper mit ihren schottischen Bagpipes auftreten. Es scheint mir Ewigkeiten her, dass ich zum letzten Mal eine dieser so geliebten Schallkanonen erlebt habe und seit über einem Jahr spiele ich ja selber nicht mehr (auch wenn ich vorhabe, irgendwann wieder zu beginnen). Ich freute mich auch, einige Leute die ich super mag dort wieder zu sehen, Leute aus “meiner Pipe-Band” vorallem. Aber ich musste absagen, eben weil heute so ein Tag ist.

Eine desinformierende Informationssendung

Angerissen wurde das Ganze gestern schon, als ich eine Ankündigung auf dem Schweizer Fernsehen las über eine “Dok Sendung” die im Mai ausgestrahlt wird, die von einer transsexuellen Frau handelt. Der Ankündigungstext war von der üblen Sorte, wie man es sich von Medien gewohnt ist. Meisterleistung war die Formulierung: “…. dokumentiert sie ihren Weg vom transsexuellen Mann zur Frau”. Ärgerlich daran war vorallem, dass Dok ansonsten gut recherchiert ist, gerade von so einem Format hätte ich mehr erwartet als das Rezitieren einer längst hinfälligen Psychopathologisierung. Ich nahm mir vor, dieses Wochenende die Redaktion zu kontaktieren, vielleicht ist es ja noch nicht zu spät um da noch etwas Information einzubringen. Jedenfalls legte diese Sache ein Fundament für das was dann kam.

Indentitätsnachweise des Nachts

Es folgte eine Nacht in der ich schlecht schlief und ständig so Quatsch träumte, der irgendwie mit meinem noch alten Ausweis zu tun hat, man sprach mir mein Geschlecht ab weil in meinem Ausweis ja noch das falsche Geschlecht steht. Um sieben Uhr weckte mich mein Futterlieferant, ich wachte mit Kopfschmerzen auf und fühlte mich schon ziemlich durch den Fleischwolf gedreht. Dass ich meine ebenfalls mitgelieferte neue Kaffeemaschine ausgiebig ausprobieren konnte, tröstete ein wenig, so lag ich dann eine Weile vor dem TV und guckte aufgenommene Krimis, schlussendlich einen von “Special victim unit”. Den hätte ich besser ausgelassen, denn der versaute mir dann als letzte Instanz die PipeNight.

Fiktion am TV als Projektion der Wirklichkeit

Es begann harmlos. Eine Frau erschlug einen Mann mit einer Vase und machte geltend, dass er sie vergewaltigen wollte und sie in Notwehr handelte. Bald kam ihr Freund unter Verdacht. Eine Blutuntersuchung brachte dann zutage, dass die Täterin transsexuell ist – oder wie die Polizisten so nett formulierten: “sie ist ein Mann” – auch das Wort “Transe” fiel natürlich. Da ihr Freund unter Verdacht war, sprachen sie ihn darauf an und offenbar wusste er noch nichts davon, drehte völlig durch, beschimpfte sie als “Freak” und tötete sich selbst. Das einzig positive an diesem Film war, dass während der Gerichtsverhandlung ein Psychiater auftrat, der genau das erklärte was ich ständig vorbete. Er erklärte, dass eine transsexuelle Frau eine weibliche Hirnanatomie hat, dass die geschlechtsbestimmende Region “BSTc” im Hypothalamus eine weibliche Struktur hat, er zeigte sogar dieselben Fotos auf die ich selber immer verweise. Das war das erste Mal, dass ich im TV diese Fakten präsentiert bekam, aber das war’s dann auch schon. Im weiteren Verlauf wurde sie von der Richterin in männlicher Form angesprochen oder eine Polizistin sagte mal sinngemäss, dass diese Frau von der Jury nicht wegen der Tat sondern wegen ihrem Geschlecht beurteilt würde. Schlussendlich wurde sie verurteilt und kam in ein Männergefängnis, weil ihr genitaler Geschlechtsstatus noch nicht stimmte. Es kam wie es kommen musste, keine 24 Stunden später wurde sie in den Spital eingewiesen, mit blutiggeschlagenem Gesicht, nachdem sie mehrfach vergewaltigt wurde.

Das reichte, um wieder mal alles hervorzuholen, was ich so gerne vergesse, wenn ich der Süsse des Lebens nachfolge. Ich bin eine Frau in einer Gesellschaft, die mich als Mann betrachtet, egal welchen offiziellen Geschlechtsstatus ich habe, da ändert auch eine Personenstandsänderung nicht viel. Ich lebe in einer Welt, in der nonkonforme Menschen belächelt, verhöhnt, angepöbelt oder getötet werden. Auch wenn Letzteres hierzulande noch nicht geschehen ist, der Rest reicht um einem das Leben schwer genug zu machen.

Natürlich war das nur ein Film, pure Fiktion, all das ist nie geschehen. Aber Filme sind eine Projektion der Realität, das was hier erfunderweise zu sehen war, geschieht auch im realen Leben – tagtäglich. Es sind Geschichten die das Leben schrieben, in denen eine transsexuelle Frau in einem Männerknast vergewaltigt wird oder ins Gefängnis muss, weil sie ein Damenklo benützt hat oder grundlos verprügelt oder gefoltert und todgeschlagen wird nur weil sie das Leben führt, das ihr in die Wiege gelegt wurde, nur weil sie ist, wer und was sie ist.

Lebenslust nicht wegen sondern trotz des Lebens

Es macht mir mal wieder bewusst, dass Blicke eben doch weh tun, ich bin nur stark genug sie zu ertragen. Und auch ich habe Angst in den Ausgang zu gehen, weil meine Wesensart mir ein höheres Risiko von Übergriffen beschert, ich bin nur renitent und mutig genug, mich nicht vom Leben abhalten zu lassen. Und auch mich schmerzt es zu wissen, dass ich von vielen Menschen für immer als Mann betrachtet werde, also nie wirklich wahr!genommen werde, ich bin nur selbstbewusst genug um meinen Selbstwert nicht von Anderen zuweisen zu lassen. Es macht mir wieder bewusst, dass ich das Sperrfeuer der Transphobie nie verlassen werde – ein Leben lang………… und es macht mir wieder bewusst, wie wichtig es ist, dass ich die guten Tage geniesse, dass ich mir meine Lebenslust nicht nehmen lasse, dass ich mich bei Schussgeräuschen zwar in Deckung werfe aber nie liegen bleibe sondern weiter gehe, der Sonne entgegen, die nie aufhört zu scheinen, auch wenn man grad im Schatten liegt.

Heute ist mir jedenfalls nicht mehr nach schottischer Pipe-Musik, heute finde ich mich eher in der Musik einer Anne Clark, die in ihrem Lied “Wallies” sinngemäss singt:

Die Nacht ist für die Jäger – und die Gejagten sind Du und ich.
Gejagt nur weil wir eine eigene Art der Identität haben.
Die Nacht ist für die Jäger – und die Gejagten sind Du und ich.
Gejagt nur weil wir eine eigene Art der Individualität haben.
…..
Sie spühlen ihre Aggression aus – und schlagen das was sie nicht verstehen.
……
Wir müssen lernen, gegen die Macht der Irreführung zu kämpfen,
nur um sein wie wir sein wollen.

Ja, wir müssen wirklich kämpfen, gegen ein Barbie+Ken Geschlechterbild, das die Lebensrealität transsexueller Menschen ausblendet, nur um das eigene schwarz-weiss Denken nicht aufgeben zu müssen. Und wir werden kämpfen, zumindest ich werde kämpfen – weil wir sonst ewig die Gejagten bleiben werden.

Aufregende Woche und pinkes Zeuchs

Diese Woche lief es ganz schön rund, einiges davon war in meinem alten Blogtagebuch zu lesen, ich fass mal zusammen und ergänze mit ganz viel Pink-Kram :-)

Pinkomanie am Arbeitsplatz
Nachdem ich hier ja mal ein Foto von einer “Blondinen-Tastatur” hatte, begann eine Blödelei mit einer Freundin und mir im Kommentarbereich des Blogbeitrags, sie wollte unbedingt so eine Tastatur und darauf brachte ich diesen Blogbeitrag in dem ich etwas rumblödelte, was für Mädels-Sachen es nicht alles gibt. Schlussendlich fand Daniela aber tatsächlich diese Blondinen-Tastatur und wir waren bekloppt genug und bestellten uns je ein Stück. Die kam nun diese Woche an und so sieht mein Arbeitsplatz nun etwas merkwürdig aus *grins*. Die Tastatur ist nicht nur witzig wegen der Farbe sondern vorallem weil alle Tasten so bekloppt beschrieben wird, die Krönung ist die Löschtaste, auf der nun “oops” steht :-) Man beachte auf dem Bild (kann man anklicken zum vergrössern), dass sowohl Handy, Schirm und Bildschirmhintergrund mit den Farben der Tastatur irgendwie harmonieren (und der golden, das nenne ich artgerechte Haltung für ein Software-Bunny :D Und das Plüschbärchen ist übrigens das von Juliet, das sitzt immer da, ausser wenn ich am Unispital rumlieg, dann kommt es natürlich mit :-)

Endlich mal wieder im Pub
Die letzten Wochen klappte es nie mit dem Pub und so war es toll, am Donnerstag mal wieder dort zu sein, ausgerechnet am St. Patricks Day und dazu auch noch mit ebendieser Freundin. Wir trafen uns dort, weil unsere bestellten Blondinen-Tasataturen angekommen waren und verbrachten einen gemütlichen und spannenden Abend, zu dem sich auch noch ein Bekannter von ihr gesellte. Dort kam’s dann auch mal wieder zu einem eher düsteren Moment, über den ich hier berichtet habe. Trotzdem hat es gut getan, mal wieder auswärts zu sein.

Endokrinologie
Der Termin am Freitag bei meiner Endokrinologin war ein voller Erfolg, seit da klebt nun ein Hormonpflaster am Rocken anstelle der Pillen die ich vorher einnahm. Damit lebe ich nicht nur weniger risikoreich sondern erhoffe mir auch eine bessere körperliche Entwicklung. Mehr darüber ist hier zu lesen. Übrigens, vielleicht ist es Zufall oder ein lustiger Placebo-Effekt, aber ich hab seit gestern das Gefühl, die Spannung und das gelegentliche Kitzeln in der Brust würde zunehmen, das könnte ein gutes Zeichen sein :-)

Erneuter Fütterungs-Ausfall
Mein Futterlieferant leShop hat’s gestern mal wieder geschafft und ich bekam anstelle der 200 Franken schweren Lieferung gerade mal ein paar Büxen Bier und Kroketten, der ganze Rest fehlte. Langsam aber sicher nervt das wirklich. So ein Lieferservice ist genial, aber wenn es so unzuverlässig ist, macht es auch nicht wirklich Spass. Da ich am Samstag arbeite und keine Lust hatte auch noch einkaufen zu gehen, bin ich halt wieder mal ein Wochenende lang unterversorgt, grad jetzt fehlt mir mein tägliches Joghurt *seufz*

Ackern am Samstag
Da ich ja die Weekends in Hamburg jeweils verlängere, kompensiere ich die Stunden indem ich manchmal länger arbeite oder an einem Samstag ackern geh. Das macht echt Spass, denn allein im Büro kann ich nicht nur konzentriert und ungestört arbeiten sondern kann auch noch Musik hören was und so laut wie ich will. Da kann’s dann schon vorkommen wie kürzlich mal, dass ich das Lied “No No Never” achzig Mal hintereinander höre und dabei vergnügt auf meinem Sitzring rumhopse – muss köstlich aussehen – aber es macht Laune und beflügelt mich beim arbeiten echt. Und manchmal wie auch gestern nehm ich eine Büxe Bier mit und trink die dann gemütlich vor dem Bildschirm als Feierabend-Bier – man gönnt sich ja sonst nix ;-)

Jauh und jetzt ist Sonntag, Ruhetag, also bleib ich liegen und tu gar nix, ausser mal in der Badewanne rumliegen – egal was, hauptsache liegend :-)

A Rainbow Warrior called Diana

There will come a time when the Earth grows sick
and when it does a tribe will gather from all the cultures of the World
who believe in deeds and not words.
They will work to heal it…
they will be known as the “Warriors of the Rainbow”

(Hopi-Legend of Rainbow Warriors)

Es ist bald 15 Jahre her, wir hatten uns dazu entschlossen, einem Kind das Leben zu schenken, als ich vor dem TV sass und hörte, dass der damalige französische Präsident Chirac auf der Insel Moruroa Atombombentests machte. Die ganze Welt schaute hin, niemand unternahm etwas dagegen, nur eine kleine Schar Greenpeace Aktivisten stürmten mit ihren Booten dahin, im Wissen, dass sie es nicht aufhalten können, aber mit der Kraft im Herzen, sich trotz aller Hoffnungslosigkeit gegen diesen Irrsinn zu stellen. Ich erinnerte mich an meine Kindheit, wie ich geweint habe als ich im TV sah, wie Robbenbabys zutode geprügelt wurden und Wale mit Sprengharpunen gejagt wurden und auch damals waren Greenpeace Aktivisten die Einzigen, die versuchten dagegen anzukämpfen.

Kann ich es wirklich verantworten, ein Kind in diese grausam destruktive Welt zu setzen? Eigentlich nicht, und doch wollte ich, was nun? Wenn ich einem Kind schon so eine Welt zumute, dann bin ich in der Verantwortung, dann muss ich mit allen Mitteln versuchen, diesem Kind eine möglichst gute Zukunft zu ermöglichen – ich muss zur Kriegerin werden, zur Kriegerin des Regenbogens. Am anderen Tag kontaktierte ich Greenpeace Schweiz und meldete mich als Aktivistin. Das blonde Ding hinten in diesem Schlauchboot bin übrigens ich. Bei der Kaperung des Gentech-Schiffs im nächsten Bild war ich ebenfalls an Bord.

Es war etwa zwei Jahre später, viele Stunden an Eisenbahngeleise gekettet, ein Schiff gekapert, ein paar Gerichtsurteile wegen Nötigung und Hausfriedensbruch, als ich an einem Philosophiekurs von Greenpeace war und mit Erstaunen erfuhr, was der Name des legendären Greenpeace Schiffs “Rainbow Warrior” wirklich bedeutet. Der Name entstand in Anlehnung an uralte Prophezeiungen der Hopi- und/oder Cree-Indianer, die von der Zerstörung der Natur handelten und das Erscheinen der Regenbogen-Krieger ankündigten, die Mutter Erde wieder heilen würden. Ein paar Jahre nachdem die Rainbow Warrior erstmals in See stach um gegen Atombombentests auf dem Meer zu protestieren, erkannte eine Cree Indianerin in diesen Aktivisten die Erfüllung dieser Legende und der Stamm der Cree bestimmte, dass alle Regenbogen-Krieger sozusagen Ehrenmitglieder ihres Stammes würden. Wow, ich sass da und erfuhr voller Stolz, dass ich damit Cree Indianerin bin.

Es folgten viele Kämpfe als Regenbogenkriegerin, eine Hundertschaft an Leserbriefen, politische Aktionen und schlussendlich schuf ich mein “RainbowNet-Blog“, auf dem ich ursprünglich meine ökologischen Anliegen teilen wollte, doch aufgrund der politischen Lage in der Schweiz leider schnell in politische Themen abgleitete. Irgendwann kam der Punkt, an dem ich völlig ausgepowert war. Viele Kämpfe hatte ich gekämpft, fast alle hatte ich verloren. Resignation! Ich liess meine Waffen fallen und zog mich gebeugten Hauptes zurück.

Später kam dann die Phase meiner “Geschlechts-Transition“, die mich zwei Jahre lang total absorbierte und nach der GaOp erwachte ich mit neuem, gereinigtem Geist und schnell hörte ich wieder den sanften Klang der Spiritualität, den Atem Gottes und schlussendlich wieder die Trommeln in meinem Herzen, die mich eigentlich nie mehr verlassen haben, seit ich auf meiner Hochzeitsreise im Pine Ridge Reservat bei den Oglala-Sioux an einem PowWow war, dort in den heiligen Bergen der Black Hills, da wo mein Geist berührt wurde wie nie zuvor.

Die Erinnerung kam wieder auf, dass ich eine Regenbogen-Kriegerin bin und dass meine Berufung nie geendet hat, dass es da eine Prophezeiung gibt, die mich meint, mich und unzählige Andere und dass sie sich nur erfüllt, wenn wir nicht aufgeben, das Unmögliche zu wagen. Deshalb möchte ich jetzt diese Prophezeiung mit Euch teilen, in der Hoffnung, dass sie sich weiter ausbreitet und dass ich so einen weiteren kleinen Teil dazu beitragen kann, dass Mutter Erde irgendwann doch wieder geheilt wird.

Prophezeiung der Cree – Warriors of the Rainbow

Es war im letzten Jahrhundert, als eine alte weise Cree Indianerin namens “Eyes of Fire” eine Vision hatte. Sie prohezeite folgendes (im Rahmen meiner bescheidenen Fähigkeiten aus diesem Text übersetzt):

Es wird eine Zeit kommen, wenn die Erde ausgebeutet und verschmutzt ist, die Bäume zerstört sind, die Vögel vom Himmel fallen, die Gewässer sich verdunkeln, Fische in den Strömen vergiftet sind und die Wälder nicht mehr länger sein werden. Menschen wie wir sie kennen werden aufhören zu existieren.

Es wird die Zeit kommen, wenn die Erhalter der Legenden, Geschichten, kulturellen Rituale, Mythen und aller alten Stammesangelegenheiten gebraucht werden um unsere Gesundheit wieder instandzustelolen und die Erde wieder grün zu machen. Sie werden des Menschen Schlüssel zum Überleben sein, sie werden die “Krieger des Regenbogens” sein. Es wird der Tag des Erwachens kommen, wenn alle Menschen aller Stämme (Staaten) eine neue Welt aus Gerechtigkeit, Frieden und Freiheit formen und den Grossen Geist (Gott) anerkennen.

Die “Krieger des Regenbogens” werden diese Prophezeiungen verbreiten und allen Menschen dieser Erde lernen. Sie werden sie lehren wie man “den Weg des Grossen Geistes” lebt. Sie werden ihnen erzählen, wie die Welt von heute sich vom Grossen Geist entfernt hat und dass die Erde deshalb “krank” ist.

Die “Krieger des Regenbogens” werden den Menschen zeigen, dass der Grosse Geist voll ist von Liebe und Verständnis und sie werden sie lehren, die Erde wieder schön zu machen. Diese Krieger werden den Menschen Prinzipien und Regeln lernen ihnen nachzufolgen um die Erde wieder mit Licht zu erfüllen. Diese Prinzipen werden diejenigen sein der alten Stämme. Die Regenbogenkrieger werden die Menschen die alten Praktiken von Einheit, Liebe und Verständnis lehren. Sie werden Harmonie lehren unter den Menschen in allen vier Ecken der Erde.

Sie die alten Stämme werden sie die Menschen lehren zum Grossen Geist zu beten, mit Liebe die fliesst wie ein schöner Bergbach und den Weg entlang fliesst bis in den Ozean des Lebens. Und sie werden wieder fähig, Glück zu empfinden für sich selbst und in der Gemeinschaft. Sie werden frei von Eifersucht und werden alle Menschen als ihre Geschwister lieben, ungeachtet deren Hautfarbe, Rasse oder Religion. Sie werden Glück empfinden dabei, in deren Herzen einzudringen und eins zu sein mit der gesamten menschlichen Rasse. Ihre Herzen werden rein sein und Wärme, Verständnis und Respekt ausstrahlen für alle Menschen, die Natur und den Grossen Geist.

Sie werden ihr Denken, ihre Herzen und ihre Seelen wieder mit reinsten Gedanken füllen. Sie werden die Schönheit des Schöpfers suchen – des Grossen Geistes. Sie werden Stärke und Schönheit finden im Gebet und der Einsamkeit des Lebens.

Ihre Kinder werden wieder fähig sein sich zu befreien und die Geheimnisse der Natur und von Mutter Erde zu geniessen. Frei von der Angst vor Gift und Zerstörung die der weisse Mann durch seine praktizierte Gier gebracht hat. Die Flüsse werden wieder klar, die Bäume wieder reichhaltig und schön, die Tiere und Vögel wieder vollzählig. Die Kraft der Pflanzen und Tiere wird wieder respektiert und die Erhaltung von allem was schön ist, wird wieder zum Weg des Lebens.

Die Armen, Kranken und Hilfsbedürftigen werden wieder gepflegt von ihren Brüdern und Schwestern der Erde. Diese Praktiken werden wieder Teil von ihrem täglichen Leben.

Die Anführer der Menschen werden in der alten Tradition gewählt – nicht durch politische Parteien und nicht diejenigen, die am lautesten brüllen oder durch Dreckschleudern sondern diejenigen, deren Taten die lauteste Sprache sprechen. Diejenigen, die Liebe, Weisheit und Mut zeigten und diejenigen die zeigen, dass sie für das Allgemeinwohl arbeiten können und wollen, werden zu Anführern gewählt. Sie werden aufgrund ihrer “Qualität” gewählt und nicht wegen des Geldes das sie besitzen. Wie die nachdenklichen und demütigen “alten Häuptlinge” werden sie die Menschen mit Liebe verstehen und dafür sorgen, dass ihre Jungen von ihrer Umgebung mit Liebe und Weisheit gelehrt werden. Sie werden ihnen die Wunder zeigen mit denen die Erde von ihren Wunden geheilt werden kann und Gesundheit und Schönheit wiederherstellen.

Die Aufgaben dieser “Krieger des Regenbogens” sind zahlreich und gross. Es werden erschreckende Berge von Unwissenheit zu besiegen sein und sie werden Vorurteile und Hass zu finden. Sie müssen gewidmet werden, unerschütterlich in ihrer Kraft und stark in ihrem Herz. Sie werden Herzen und Köpfe finden die gewillt sind ihnen zu folgen auf diesem Weg, auf dem Mutter Erde wieder zu ihrer Schönheit und Vielfalt zurückkehrt – einmal mehr.

Der Tag wird kommen, er ist nicht mehr weit entfernt.

Der Tag an dem wir erleben werden, wie wir dankbar sind für die Existenz der Menschen aller Stämme, die ihre Kultur und ihr Erbe gepflegt haben. Diejenigen, die Rituale, Geschichten, Legenden und Mythen lebendig gehalten haben. Es wird dieses Wissen sein, das Wissen das sie erhalten haben, das uns ermöglicht, wieder zurückzukehren zu einer Harmonie mit der Natur, Mutter Erde und der Menschheit. Es wird dieses Wissen sein, in dem wir den Schlüssel zum Überleben finden werden.

Ist diese Zeit wirklich so nah? Den Eindruck habe ich nicht, wenn ich das Verhalten der Menschen beobachte. Wird diese Zeit wirklich kommen? Es fällt mir schwer das noch zu glauben, nach all der Ignoranz die ich in den letzten Zwanzig Jahren erlebt habe. Aber ich erinnere mich immer wieder an die Worte von Carl Jaspers, der sagte: “Hoffnungslosigkeit ist die vorweggenommene Niederlage”. Egal wieviel Hoffnung besteht, wenn wir diese Zeit nicht anstreben, wird sie garantiert nicht kommen, sie kann nicht kommen, weil wir der Weg sind, auf dem sie kommen könnte, wenn wir es zulassen würden.

So mag man mich weiterhin für eine Närrin halten, dass ich auch in diesem Thema das Unmögliche anstrebe, ich bin nicht allein mit meiner Narrerei. Gandhi war so närrisch zu glauben, er könne mit Gewaltlosigkeit einen Krieg gegen einen übermächtigen Feind gewinnen. Martin Luther King war so närrisch wie Nelson Mandela, dass sie glaubten, sie könnten Gleichberechtigung durchsetzen in Kontinenten, die Apartheit und Sklaverei praktizierten. Die Geschichte kennt viele Narren und Närrinnen, die sich erdreisteten, das Unmögliche zu wagen – so Manche haben es wider aller Erwartung doch geschafft. Also will ich weiterhin eine Närrin bleiben – man weiss ja nie ;-)

Klartext: “Wir sind Helden” sind im Bild

Bisher war die Band “Wir sind Helden” mehr vom Namen her ein Begriff, aber seit heute sind sie für mich wahre Helden, weil sie vorzeigten, was gelebte Ethik ist. Und das kam so…….

Die Bildzeitung ist ein gefährliches politisches Instrument – nicht nur ein stark vergrößerndes Fernrohr in den Abgrund,
sondern ein bösartiges Wesen, das Deutschland nicht beschreibt, sondern macht. Mit einer Agenda.
(Wir sind Helden)

Ihr kennt ja Bild (oder in der Schweiz Blick), dieses Boulevard-Blatt, das jahrein jahraus billige Polemik für den dummen Menschen produziert. Sie fallen vorallem dadurch auf, dass sie null Information mit viel Dreck, Kot und anderen Ausscheidungen produzieren, sie führen Kampagnen-Journalismus, bei dem man irgend eine grad unbeliebte Person, Minderheit oder sonstige “Randständige” ins Visier nimmt und mit allem auf sie ballert, was nicht angebunden ist. Deppen-Journalismus sozusagen, von Idioten, für Idioten. Bild, Blick und Konsorten zeichnen sich dadurch aus, dss sie mit entwürdigenden, beleidigenden oder sonstwie unter die Gürtellinie zielenden Schlagzeilen im Stil von “Transe aus dem Fenster gefallen” Aufmerksamkeit des gewöhnlichen Strassenkleffers (Homo Bellikus) erregen, um dann mit möglichst kurzem Text und möglichst noch weniger Inhalt möglichst viel Volksverhetzung zu betreiben. Idealerweise macht man sich mit despektierlichem Ton über das auserwählte Journalistenopfer her, versucht diese Person oder Volksgruppe möglichst lächerlich zu machen, damit der dumme Leser ganz doll mitlachen kann – wir sind ja ein einig Volk von Umunsbeissenden.

Weil der dumme Mensch braucht sowas, er will sich ja von der Tragik seines eigenen Daseins ablenken und da braucht es einen Zerrspiegel, der ihm seine eigene Dümmlichkeit verzerrt auf Andere projeziert – deshalb muss man auch die Bild-Opfer möglichst verhöhnen und niedermachen, das tut dem einfachen Leser gut – Psychohygiene für Kleingeistige sozusagen. Und damit verdienen sich diese Schundblätter – in Analogie zum Leser – dumm und dämlich. Und so werden sie zu den meistgelesenen Blättern, weil sie so ja irgendwie die Mehrheit füttern. Nein, nicht füttern, mästen, denn mit weiterem Gift aus der Bild-Spritze wird ihr gehässiges und intolerantes Kläffer-Hirn mit noch mehr geistigem Durchfall gefüttert, bis es platzt.

Und hier braucht es Helden, wie “Wir sind Helden”, die sich diesen Brandstiftern öffentlich entgegen stellen und ihnen mal so kräftig die Hosen runterlassen. Die Werbeagentur “Jung von Matt”, die auch für die Hetzschrift “Bild” die Werbetrommel rührt, hat seit einiger Zeit eine Kampagne, in der irgendwelche Promis oder Normalsterbliche ein Statement abgeben über Bild. Wir sind für alle da, wollen sie uns damit sagen – und merken nicht, dass sie uns damit eigentlich beleidigen. Jedenfalls hat diese Agentur nun die Band “Wir sind Helden” angefragt, ob sie sich auch für die Bildleser zum Affen machen lassen, es sollte sogar für einen guten Zweck sein, joh klaaaahhhr. Die Antwort, die diese Band der Agentur zurück geschickt und auf ihrer Website veröffentlicht habt, ist wirklich ein Wink mit dem Zaunpfahl und in meinen Augen ein glorreiches Bekenntnis für mehr Ethik in der Medienwelt. Die Anfrage der Agentur samt Antwort der Band ist momentan hier zu lesen. Die Antwort selbst kann nicht oft genug wiederholt werden, deshalb dupliziere ich diesen Text hierhin – sozusagen, ganz im guttenberg’schen Sinne, als Plagiat mit Quellenangabe ;-)

Liebe Werbeagentur Jung von Matt,

bzgl. Eurer Anfrage, ob wir bei der aktuellen Bild -​Kampagne mitmachen wollen:

Ich glaub, es hackt.

Die laufende Plakat-​Aktion der Bild-​Zeitung mit sogenannten Testimonials, also irgendwelchem kommentierendem Geseiere (Auch kritischem! Hört, hört!) von sogenannten Prominenten (auch Kritischen! Oho!) ist das Perfideste, was mir seit langer Zeit untergekommen ist. Will heißen: nach Euren Maßstäben sicher eine gelungene Aktion.

Selten hat eine Werbekampagne so geschickt mit der Dummheit auf allen Seiten gespielt. Da sind auf der einen Seite die Promis, die sich denken: Hmm, die Bildzeitung, mal ehrlich, das lesen schon wahnsinnig viele Leute, das wär schon schick… Aber irgendwie geht das eigentlich nicht, ne, weil ist ja irgendwie unter meinem Niveau/evil/zu sichtbar berechnend… Und dann kommt ihr, liebe Agentur, und baut diesen armen gespaltenen Prominenten eine Brücke, eine wackelige, glitschige, aber hey, was soll’s, auf der anderen Seite liegt, sagen wir mal, eine Tüte Gummibärchen. Ihr sagt jenen Promis: wisst ihr was, ihr kriegt einfach kein Geld! Wir spenden einfach ein bisschen Kohle in eurem Namen, dann passt das schon, weil, wer spendet, der kann kein Ego haben, verstehste? Und außerdem, pass auf, jetzt kommt’s: ihr könnt sagen, WAS IHR WOLLT!

Und dann denken sich diese Promis, im Rahmen ihrer Möglichkeiten, irgendeine pseudo -​distanziertes Gewäsch aus, irgendwas “total Spitzfindiges”, oder Clever-​ Unverbindliches, oder Überhebliches, oder… Und glauben, so kämen sie aus der Nummer raus, ohne ihr Gesicht zu verlieren. Und haben trotzdem unheimlich viele saudumme Menschen erreicht! Hurra.

Auf der anderen Seite, das erklärt sich von selbst, der Rezipient, der saudumme, der sich denkt: Mensch, diese Bild -​Zeitung, die traut sich was.

Und, die dritte Seite: Ihr, liebe jungdynamische Menschen, die ihr, zumindest in einem sehr spezialisierten Teil eures Gehirns, genau wisst, was ihr tut. Außer vielleicht, wenn ihr auf die Idee kommt, “Wir sind Helden” für die Kampagne anzufragen, weil, mal ehrlich, das wäre doch total lustig, wenn ausgerechnet die…

Das Problem dabei: ich hab wahrscheinlich mit der Hälfte von euch studiert, und ich weiß, dass ihr im ersten Semester lernt, dass das Medium die Botschaft ist. Oder, noch mal anders gesagt, dass es kein “Gutes im Schlechten” gibt. Das heißt: ich weiß, dass ihr wisst, und ich weiß, dass ihr drauf scheißt.

Die BILD -​Zeitung ist kein augenzwinkernd zu betrachtendes Trash-​Kulturgut und kein harmloses “Guilty Pleasure” für wohlfrisierte Aufstreber, keine witzige soziale Referenz und kein Lifestyle-​Zitat. Und schon gar nicht ist die Bild -​Zeitung das, als was ihr sie verkaufen wollt: Hassgeliebtes, aber weitestgehend harmloses Inventar eines eigentlich viel schlaueren Deutschlands.

Die Bildzeitung ist ein gefährliches politisches Instrument — nicht nur ein stark vergrößerndes Fernrohr in den Abgrund, sondern ein bösartiges Wesen, das Deutschland nicht beschreibt, sondern macht. Mit einer Agenda.

In der Gefahr, dass ich mich wiederhole: ich glaub es hackt.

Mit höflichen Grüßen,
Judith Holofernes

Sinnliche Architektur der Musik – Pink Floyd

Musik kann viel mehr sein als eine nette Melodie und eine Ansammlung von harmonierenden Tönen, Musik kann Klangmalerei sein, sie kann Welten entstehen lassen und einem dahinein führen. Musik ist dann perfekt für mich, wenn sie mich entführen kann, das gibt es nicht oft.

Pink Floyd gehört zu den Bands, die das seit je her konnten, ihre Art Musik zu schreiben ist mit Architektur vergleichbar, perfekt bis in die letzte Note. Sie gehörten zu den Ersten die in hoher Qualität Synthesizer eingesetzt haben, aber nicht als Klangbrei wie man es heute oft hört sondern als sanfter sphärischer Klangteppich, der die ganze Musik wie mit Engelsflügeln trägt. Und sie waren auch ziemlich die Ersten, die wunderschöne Lasershows an ihren Konzerten aufführten. Und die Kombination aus dieser Symphonie für Augen und Ohren war einfach einmalig in dieser Form – bis heute.

Eines der gerühmtesten Lieder gehört zu meinen absoluten Lieblingsliedern, seit zwanzig Jahren. Es heisst “shine on you crazy diamond”, zu gut deutsch, “leuchte auf Du verrückter Diamant”. Diese Gitarre ist so herzerweichend und in dieser Aufnahme ist auch die Saxophonistin im letzten Teil ein wahrer Leckerbissen. Aber zusätzlich ist auch der Text wunderschön und gibt meinem “Erwachen” eine tiefe Dimension.

Ich liebe dieses Lied, kann es ein dutzend Mal hintereinander hören und wegfliegen, deshalb soll es die erste Vorstellung sein, die ich hier im Kapitel ‘Musikalisches’ teilen möchte. Ich lade Euch ein, mitzufliegen ….
enjoy :-)

Ich denke daran als du jung warst,
du schienst wie die Sonne.
Leuchte weiter du verrückter Diamant.

Jetzt hast du einen Blick in deinen Augen,
wie schwarze Löcher im Himmel.
Leuchte weiter du verrückter Diamant.

Du wurdest im Kreuzfeuer von Kindheit und Ruhm gefangen,
geformt durch eine stählerne Brise.
Komm schon, du Ziel für fernes Gelächter.
Komm schon, du Fremde, du Legende, du Märtyrerin, und leuchte!

Du griffst zu früh nach dem Geheimnis,
du riefst den Mond.
Leuchte weiter du verrückter Diamant.

Bedroht von Schatten in der Nacht
und dem Licht ausgesetzt.
Leuchte weiter du verrückter Diamant.

Nun, du trugst deine Begrüßung mit beiläufiger Präzision,
rittst auf der stählernen Brise.
Komm schon, du Tänzerin, du Hellseherin.
Komm schon, du Malerin, du Piperin, du Gefangene, und leuchte!

…. und original auf englisch……

Remember when you were young,
you shone like the sun.
Shine on you crazy diamond.

Now there’s a look in your eyes
like black holes in the sky.
Shine on you crazy diamond.

You were caught in the cross fire of childhood and stardom,
blown on the steel breeze.
Come on you target for faraway laughter
come on you stranger, you legend, you martyr, and shine!

You reached for the secret too soon,
you cried for the moon.
Shine on you crazy diamond.

Threatened by shadows at night,
and exposed in the light.
Shine on you crazy diamond.

Well you wore out your welcome with random precision,
rode on the steel breeze.
Come on you raver, you seer of visions,
come on you painter, you piper, you prisoner, and shine!

Ein exzessiver Blog-Sonntag

Manchmal kommt es so anders als man denkt. Nachdem ich gestern geackert habe um den freigenommen Montag zu kompensieren, habe ich mir fest vorgenommen, heute wie jeden Sonntag auszuschlafen, also frühstens ab elf Uhr aufzustehen. Um 5:35, fünf Minuten bevor mein Wecker unter der Woche klingelt, war ich hellwach, weiss der Geier warum. Ich trank einen Schoko-Cappu (Juliet hat mir welchen aus Germanien gebracht) und dann packte mich wie oft in letzter Zeit das spirituelle Fieber. Ich enterte den PC so um Sieben, startete indianische Musik auf meinem iTunes Player und töggelte los wie bekloppt. Seit einigen Wochen bin ich daran, dieses neue Blog zu füttern, vorallem die Kapitel-Beschreibungen. Heute packte mich aber das indianische und greenpeaclerische Fieber und so textete ich mich vor mich hin, beflügelt von Bill Millers Flötenklang. Einerseits beendete ich die Kapitel-Beschreibungen, anderseits begann ich einen Beitrag über einen indianischen Mythos der hinter Greenpeace liegt – aber den spar ich auf, für heute hats ja genug zu Lesen hier drin ;-)

So gings dann weiter bis etwa 16 Uhr, ich habe an die neun Stunden ununterbrochen geblogbastelt und wider meinen Vorsätzen konnte ich es dann nicht lassen und habe dieses Blog offiziell eröffnet. Und ich hab eine Scheissfreude daran :-) Jaja ich weiss, Scheissfreude sagt man nicht – ist mir egal, ätsch :-)

Mein Bedürfnis, das alte Leben hinter mir zu lassen und das neue Leben auszukosten, haben mich immer mehr gedrängt, diesen Blogwechsel endlich zu vollziehen. Ich habe einfach den Eindruck, dass ich in diesem (t)-Girl Tagebuch nicht mehr zuhause bin und vorallem bleibt das Transsexualitätsthema dort an mir kleben. Vorallem habe ich in letzter Zeit enormes Bedürfnis, über Dinge zu schreiben, die für ein “Blogtagebuch einer transsexuellen Frau” nicht von Bedeutung sind, umso mehr jedoch für mich, mein Leben, meine Gedanken und Gefühle. So war es dann einmal mehr ein Entscheid innert Minuten und der Blog-Umzug ging los.

Unterdessen habe ich die Musik von indianischer Flöte auf Beethovens Monschein-Sonate gewechselt, ein Bad genommen und fühl mich grad wie Gott am siebten Tag – einmal mehr – es ist vollbracht. Und es fühlt sich so gut an. Ein weiterer Schritt im Loslassen, ein weiterer neu eroberter Ort an dem die Musik meiner Zukunft spielt. Ich hoffe, dass es mir gelingt, in nächster Zeit mal das ganze ärgerliche Zeug zu lassen und mich dem widmen kann, das mich gerade so antreibt, das was ich Spiritualität nenne.

Es gibt so vieles worüber ich schreiben möchte und doch weiss ich nicht recht was ich schreiben werde, ich lasse mich treiben, im Leben und auch hier im Blog – wohin, weiss nur Gott allein.

Ich habe die Musik wieder zu Bill Miller gewechselt, der Flötenklang lässt etwas in mir vibrieren, das so lange brach lag, weil ich einfach keine Energie mehr hatte für all das. Wie gerne würde ich jetzt in den Black Hills stehen, am Bear Butte, die Zedernflöte spielen die ich so lange nicht mehr gespielt habe. Ich höre die Bäume rufen, rieche den Duft nassen Waldbodens, höre das tztztztz der Eichhörnchen, den Schrei des Waldkauzes in stiller Nacht…….. ich fühle mich, als ob ich jetzt erst meine Flügel so richtig entfalte, bereit zu fliegen.

Ich höre “Wind Spirit”, mein absolutes Lieblingslied von Bill Miller, ein wohliger Schauer durchströmt mich………

Das Kapitel Musikalisches

Musik ist im wahrsten Sinn des Wortes der Rhythmus meines Lebens. In der Musik finde ich oft das, was ich nicht in Worte fassen kann, Musik tröstet, Musik belebt, Musik durchdringt – dafür ist in diesem Kapitel Platz. Hier stelle ich schöne Lieder vor, präsentiere tolle Musiker, verweise auf schürfende Songtexte, hier darf mitgesummt werden.

Musikalisch habe ich viele Bereiche, die mir sehr gefallen:

  • Klassische Musik (Haydn, Beethoven, Bach, Mozart…)
  • Sakrale Musik (Messen, Orgeln…)
  • Blues (vorallem der alte Blues)
  • Old school Rock (von Who bis AC/DC)
  • Heavy Metal (von Iron Maiden bis Nightwish)
  • Gothic (vorallem Lacrimosa)
  • Frauenstimmen (wie Celine Dion, Beyonce….)

Und so manches Mal dürften hier auch Perlen zu finden sein, die viele von Euch nicht kennen, wie einer meiner Favoriten, mit dem ich dieses Kapitel einleite – Carlos Nunez – Bühne frei!

Das Kapitel Tierisches

Ich liebe Tiere total, ich find sie süss und oft auch drollig. In diesem Kapitel wird es neben Tiergeschichten oder lustigen News aus der Tierwelt vorallem Videos geben, die Tiere von einer anderen oder vorallem lustigen Seite zeigen.

Als Einleitung sei mal soviel gesagt: Mehr als alles Andere faszinieren mich Vögel aller Art, vielleicht weil ich sie um die Kunst des Fliegens beneide, vielleicht auch einfach, weil sie so hübsch sind. Ein paar Monate lang war es mir vergönnt, in einer Vogel-Vogliere zu arbeiten und an die zehn Stunden pro Tag mit meinen gefiederten Freunden zu verbringen. Das hat meine Vogelliebe verfestigt.

Dann habe ich auch einen Hang zu Tieren, denen nach indigener Vorstellung grosse Macht zugesprochen wird. Das ist neben dem Adler natürlich der Wolf, der Koyote, die Eule, der Bär und viele mehr.

Ansonsten bin ich verzückt bei allen Tieren, die entweder niedlich oder lustig sind. Am niedlichsten ist für mich das Eichhörnchen, am lustigsten der Ameisenbär.

Und nicht vergessen wollen wir die sogenannten Haustiere. Davon hatte ich im Verlauf meines Lebens so einige, von Hamstern über Katzen bis hin zu Schlangen und Skorpionen. Und da meine Liebste zwei süsse Katzen hat, wird es auch da wohl ab und zu was zu berichten geben.

Beginnen wir das Thema mit einem alten Klassiker, den ich schon im alten Tagebuch drin hatte:

Das Kapitel Indigenes

Seit meiner Jugendzeit faszinieren mich indigene Völker, hierzulande Indianer genannt. Einerseits faszinierte mich der Mut und die Tapferkeit indigener Krieger, anderseits berührte mich die Ehrfurcht vor allen Lebewesen, die indigene Völker wie alle Naturreligionen haben. So ist es auch kein Wunder, dass die ersten zwei Bücher die ich in der Jugendzeit nach “Paddington” las, Indianerbücher waren. Das Eine war eine Biographie über den berühtem Medizinmann Sitting Bull (Tatanka Yotanka), der als Kriegshäuptling verschiedene Stämme an der Schlacht am Little Bighorn koordinierte und dem weissen Pack einen einmaligen Sieg bescherte und die stärkste damalige Macht, das 7. US-Kavallerieregiment des berüchtigten Indianermörders General Custer bis auf den letzten Mann aufrieb. Das zweite Buch war “Die Stunde des roten Mannes”, das ebendiese Schlacht beschrieb.

Während in der Jugendzeit vorallem eben diese Krieger Mythen mein Interesse weckte und fast das einzige männliche Ideal boten, an dem ich mich orientieren mochte, war später vorallem die indigene Spiritualität, die mich zutiefst berührte, weil alles was ich darüber las meinem eigenen Empfinden entsprach. Für meine Lieblinge, die Prärieindianer (im speziellen die Sioux), war das was wir Gott nennen “Wakan Tanka“, meist mit “Grosser Geist” übersetzt. Aber Wakan Tanka war kein Huhu-Gespenst, es heisst eher sinngemäss: “Das Wesen / die Kraft, die in allen Dingen liegt”.

Indigene Völker haben eine ganz eigene Weltanschauung, für sie ist nicht nur jedes Tier und jede Pflanze beseelt resp. wesenhaft sondern auch ein Berg oder ein Fluss. Diese Denkweise fand ich total faszinierend, sie steht in totalem Widerspruch zu unserer dekadenten Sichtweise, in der selbst Tiere nur eine Sache sind (Tiertötung gilt in der Schweiz als Sachbeschädigung).

Diese Denkweise hat mich wohl mehr geprägt als alles Andere, sowohl was meine Spiritualität anbelangt als auch bezüglich meinem Hang, für meine Werte einzustehen, zu kämpfen und wenn nötig dafür zu sterben.

Beginnen wir dieses Kapitel mit meinem liebsten Musiker Bill Miller, halb Cherokee, halb Deutscher (echt wahr). Er gilt als einer der besten Flötenspieler (so eine Red-Cedar-Flöte habe ich übrigens auch).

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