Politically incorrect since 1966

Claudia – eine neue gute Freundin

Nachdem ich kürzlich hier über die Reporter-Sendung über Claudia Meier schrieb, trudelte die Gute hier ein und kommentierte den Beitrag und darauf kontaktierten wir uns, plauderten zuerst via Facebook und dann via Mail und schnell stelle sich raus, dass wir uns super mögen. So kam dann schnell mal der Gedanke, dass wir uns mal treffen sollten.

Diesen Montag hatte ich mit einem ehemaligen Greenpeace-Verbündeten in Zürich abgemacht, den ich rund ein Jahrzehnt nicht mehr gesehen hab. Zufällig war Claudia am gleichen Tag in Zürich und so machten wir ab, dass ich etwas früher komme und wir noch ganz kurz einen Kaffee trinken gehen.

Aber Gottes Wege sind ja bekanntlich unergründlich, gegen Mittag schrieb mit der Greenpeace-Kollege, er würde im Bett liegen und müsse leider absagen. Das war zwar mega schade, weil ich mich riesig auf ihn gefreut hab, aber dafür war der Abend nun offen – also rief ich Claudia an und wir disponierten um, der Abend sollte uns gehören.

Stundenlanges Geplauder

Um Fünf traf ich in einer kleinen spanischen Kneipe im Zürcher Niederdorf ein, Claudia war bereits da und so setzte ich mich zu ihr und wir begannen zu plaudern und zu lachen und zu beratschlagen und hatten einen wirklich genialen Abend. Etwa um Elf waren wir grad draussen um eine zu rauchen, als die Wirte plötzlich die Rollläden runterliessen. Wir protestierten mal kurz, weil wir ja unseren Kram noch drin hatten und erst grad noch eine Runde bestellt hatten, darauf erklärten sie uns, das sei kein Problem, wir sollen einfach reinkommen, sie würden uns einen Aschenbecher an den Tisch bringen – nach Torschluss dürften wir nicht mehr draussen rumlungern. Oha, Privatanlass nur für uns Zwei?

Offferierte Killerdrinks

Also setzten wir uns, Claudia offerierte den zwei Angestellten noch etwas zu Trinken und dann sassen wir noch eine gute Stunde weiter dort, während die Jungs die Kneipe aufräumten. Irgendwann kamen die Zwei zu uns an den Tisch und stellten 4 Jägermeister hin, die wir nach fröhlichem Anstossen gleich mal runterschütteten. Das war keine gute Idee, üüüüüüberhaupt nicht, denn ich hatte den ganzen Abend nur Bier getrunken, weil ich ja weiss, dass ich aufs Durcheinandersaufen heftig reagiere. Aber weil wir so gut drauf waren, kamen die Zwei später nochmal und stellten noch irgendwelche hochprozentigen Gläser hin, auch die mussten weg – na dann Prost!

Kritik am modernen Strassenbau

Etwa um Zwölf verliessen wir dann die Kneipe und Claudia begleitete mich noch zum Bahnhof – soweit ging eigentlich alles recht gut – aber als ich dann am Zielbahnhof angekommen nachhause lief, wunderte ich mich schon a bisserl darüber, dass die Strasse plötzlich soviel Seegang hatte. Die bauen heutzutage einfach nicht mehr so stabil wie früher, ich hatte echt Mühe, geradeauszulaufen ;-) Der darauffolgende Morgen wartete dann auch mit entsprechender Strafe auf mich, ich fühlte mich ziemlich zerknittert, aber der Abend war cool genug, dass es mir das wert war.

Das Lachen als Diagnose-Kriterium

Etwas uns mir extrem aufgefallen: Auch Claudia hat natürlich ihre harten Geschichten die sie aufgrund ihrer Transsexualität durchleben muss, in gewisser Hinsicht durchlebt sie gerade heftigere Dinge als mir das Leben zugemutet hat. Trotzdem gibt es an ihr nichts was mehr auffällt als ihre überbordende Lebensfreude, die sich vorallem in ihrem Lachen zeigt. Da scheint es uns Beiden gleich zu gehen. Egal wie hart und beschwerlich das “neue Leben” ist, das alles spielt keine wesentliche Rolle, weil die Freude an unserem Leben uns so eine allumfassende Lebenslust schenkt, dass wir oft einfach blödsinnig glücklich sind und nicht anders können als in die Welt hinauszulächeln. Ich denke, wenn jemand daran zweifelt, dass der Weg einer “Geschlechtstransition” transsexuelle Menschen zu glücklichen Menschen machen kann, dann sind wir Zwei der Beweis dafür, dass dem wirklich so ist. Über dieses Thema redeten wir auch oft an diesem Abend und wir waren uns einig: egal wie beschwerlich so Manches sein mag, es ändert nichts daran, dass wir von einer Lebensfreude erfüllt sind, die wir in den vorherigen Jahrzehnten nicht mal ansatzweise kannten. Einmal mehr kann ich nur betonen: Transsexualität ist heilbar :-)

Gemeinsam sind wir stark

Abgesehen davon, dass wir einen super tollen Abend hatten und uns wirklich gut verstanden, bemerkten wir auch bald mal, dass wir einander gegenseitig einiges geben können. Da ich die GaOp bereits hinter mir habe und auch sonst die ganze “Geschlechtstransition” vorüber ist, kann ich ihr in vielen Dingen Ratschläge geben.

Sie wiederum ist mir schon am ersten Abend zu einem Vorbild geworden wenns um den Umgang mit Fremden geht, ich hab echt Bauklötze gestaunt. Ich hab ja eher so ne Tendenz, grosse Ansammlungen von mir fremden Menschen zu meiden oder wenigstens ihre Anwesenheit zu ignorieren. Ich stehe nachwievor zu sehr unter dem Eindruck, dass ich abgelehnt werden könnte und deshalb mache ich instinktiv einen Schritt zurück. Claudia tickt da völlig anders, sie ist extrem offen und spontan und geht auf Leute zu mit einem Selbstbewusstsein, das bewundernswert ist.

Wenn wir jeweils draussen am Rauchen waren, standen wir sozusagen mitten in der Gasse der Altstadt, in der es von Menschen wimmelte wie mitten in einem Bienenschwarm. Und da ich *hüstel* mein rotes Stretchkleid anhatte, war auch für genug Signalwirkung gesorgt, dass wir auch gehörig zur Kenntnis genommen wurden. Während der ersten Rauchpause war es mir noch etwas unangenehm, aber schon beim zweiten und spätestens beim dritten Mal hat mich Claudias Offenheit angesteckt und ich fands plötzlich das Normalste der Welt, dass ich da rumstehe inmitten dieses Gewimmels.

Ich glaub, die Gute ist eine super Medizin für mich und ich wiederum scheine auch für sie eine grosse Stütze zu sein. So schnell kann’s gehen und schon hat man wieder eine neue gute Freundin, cool was? Auf jeden Fall werden wir regelmässig Kontakt halten, ihr nächster Zürich-Ausgang ist auf übernächste Woche geplant und vermutlich werden wir das wieder gemeinsam durchstehen *grins*, ausserdem haben wir uns vorgenommen, gelegentlich mal was zu Viert zu machen, zusammen mit unseren Lebenspartnerinnen, vermutlich treffen wir uns während unserer Herbstferien in Claudias Hotel.

Hotel-Empfehlung

Apropos Hotel – soviel Zeit muss sein – wenn Ihr mal das wunderschöne Bernerland bereisen wollt oder ein Wellness-Wochenende machen möchtet, dann empfehle ich Euch Claudias mindestens so schönes “Hotel Schwefelberg-Bad“. Das Hotel selbst kenne ich noch nicht, aber ich kann Claudia schon gut genug einschätzen um mein Wort darauf zu geben, dass Ihr dort bestens umsorgt seid.

Herzliche Gratulation zur Vornamensänderung

Und zuguterletzt freut es mich, hier nochmal herzlich zu gratulieren. Claudia kam ja in letzter Zeit vorallem deshalb in den Medien, weil der Kanton Bern ihr eine Vornamensänderung verweigerte. Vielleicht lag’s am medialen Druck, vielleicht auch an ihrem Anwalt, aber auf jeden Fall hat sie diese Woche nun die Bestätigung bekommen, das “Polizei- und Militärdirektion” hat ihre Beschwerde gegen den Entscheid des “Amtes für Migration und Personenstand” gutgeheissen. Nun zickt einzig noch ihre Krankenkasse rum, aber bei soviel Kämpfergeist kombiniert mit den Medien und dem Anwalt, dürfte wohl auch das nur noch eine Frage der Zeit sein.

In dem Sinn, danke für alles, Claudia, schön dass es Dich gibt……. und bis bald ;-)

Einen Kommentar schreiben

Please copy the string PPUg2a to the field below:

Copyright © 2017 by: A girl called Diana • Template by: BlogPimp Lizenz: Creative Commons BY-NC-SA.