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Dianas Tagebuch sinnt über den Lebenssinn eines Blogs

Letztes Wochenende in der Badewanne – wo auch sonst sollte einem die Weisheit wie ein Blitz treffen – fand ich endlich die Antwort auf die Frage, die mich seit Monaten beschäftigt – was ist der Sinn meines Blogtagebuchs? In der Tat ist mein Blogtagebuch resp. meine Tätigkeit dahinter arg ins Stocken geraten, seit ich vom alten Tagebuch aufs Neue gewechselt habe. Was zu dieser “Schaffenskrise” führte, wurde mir soeben klar – der unsinnige Versuch, mehr Sinn in den Unsinn zu bringen, bewirkte eine Sinnentleerung – oder so – mündete jedenfalls in diesem Lösungsvorschlag: Bloggen wider aller Ernsthaftigkeit……..

Das alte Tagebuch – eine persönliche Lebensgeschichte

Mein altes “Tagebuch einer transsexuellen Frau” sollte vorallem eine Chronik bilden, ein Tagebuch das einen Menschen von A bis Z durch einen sehr ungewöhnlichen Lebensprozess hindurch begleitet und Einblicke gibt in das, was für Andere unvorstellbar ist. Dabei ging es zwar auch um Information, mehr jedoch um Authentizität. Der Sinn des Blogs stand und fiel mit der Frage der Offenheit. Nur wenn ich kompromisslos offen über alles was mich berührt erzähle, ist ein wirklicher Einblick möglich. Ich glaube, dass mir das einigermassen gelungen ist. Doch diese “Geschichte einer Transition” war zuende erzählt, es war Zeit für den Neubeginn.
Die Eröffnung dieses neuen Blogs war einerseits ein bewusstes Grenzenziehen zu meiner transsexuellen Vergangenheit, anderseits auch der Versuch, mehr Ernsthaftigkeit und Tiefe in meine Schreiberei zu bringen.

Dianas Blogs – wie alles begann

Im Web zu schreiben ist für mich eine uralte Technik um zu informieren und aufzuklären, das, was ich gern mal etwas zynisch “Information-Warfare” nenne, also Informationskriegsführung. Meine ersten Webseiten waren nichts Anderes als Informationsbehältnisse, in denen ich auf Dinge hinwies, die der Allgemeinheit nicht so bekannt waren. So war es kein Wunder, dass mich das Bloggen natürlich auch von der Seite her gewinnen konnte und so wurde mein erstes Blog auch ein typisches thematisch-orientiertes Polit- resp. Öko-Blog, das RainbowNet.

Das erste Blogtagebuch – wenn man selbst im Mittelpunkt steht

Mein “Tagebuch einer transsexuellen Frau” war jedoch etwas ganz Neues, da standen meine ganz persönlichen Erfahrungen und Empfindungen im Mittelpunkt, es ging weniger um ein Thema als um mich und meine Person resp. den Weg den ich gehe. Diese Art von Bloggen ist natürlich viel näher an einem selbst als ein rein “technisches” Informationsblogging. Es ist sehr befreiend, so ein Tagebuch zu führen und man muss nicht mal ständig Recht haben, ich darf mich auch irren, ich bin keine Information sondern ein Mensch.

Dieses neue Blogtagebuch – zurück zum “Themen-Blog”

Beim diesem neuen Blog hier hatte ich das Bedürfnis, mich wieder in diese Richtung zu verändern und vermehrt Themenbeiträge mit Tiefgang zu schreiben. Infolgedessen wurden die Beiträge auch öfters mal länger und eben auch vertiefter und das machte auch Spass………. aber es verlor diese persönliche Note, die Verbindung zwischen mir und meinem Blog wurde irgendwie platonischer. Mit der Anforderung an mich selbst, vermehrt ernsthafte Artikel mit Tiefgang zu schreiben, wuchs auch der Grad meines Kritischseins. Mein Anspruch auf “vollendete Beweisführung” und “abschliessende Information” führte dazu, dass ich nun 88 unvollendete Entwürfe in meinem Blogsystem habe und niemand was zu Lesen kriegt – toll, nicht?

Warum blogge ich eigentlich?

Und warum genau tu ich das? Ich mein, sorry, aber auch wenn es toll ist, dass hier schon Tausende gelesen haben und wohl Hunderte öfters hierher kommen, dann ändert das nicht viel mehr als nichts in der Gesamtheit der Gesellschaft. Mein altes Weltrettungsbedürfnis narrt mich hier doch einmal mehr.

Klar ist es gut und soll auch in Zukunft so sein, dass hier auch Informationsbeiträge mit Biss erscheinen, aber wenn ich mir und wie ich vermute auch den meisten von Euch einen Dienst tuen will, dann sollte ich wieder ein Tagebuch aus diesen Blog machen – also meine persönlichen Gefühle und Erfahrungen wieder vermehrt einbringen und mich nicht mehr durch die Anforderung von “Sachlichkeit” einzuschränken.

Ist das Unspektakuläre erzählenswert?

Ein Grund, der für eine Veränderung in ein primär als Informationsblog funktionierendes Blog, war unter Anderem auch, dass mein Alltag unterdessen glücklicherweise so wenig Spektakuläres bietet, dass von der Seite auch nicht mehr soviel zu berichten ist. Wenn ich da an gewissen Schuhkäufe der Anfangszeit zurück denke, all den Quatsch den ich erlebt habe, dann ist das wirklich irgendwie grosses Kino im Vergleich zu meinem heutigen Alltag, eben gerade weil alles so gut gekommen ist. Da war es auch ein Gebot der Vernunft, mich eben mehr ins “Themenblogging” zu begeben.

Wer nicht lacht, lebt auch nicht

Aber offenbar habe ich mich auch diesbezüglich in den letzten Jahren verändert, dieser ganze Infoscheiss kekst mich immer mehr an. Ich halte solches Engagement zwar für notwendig, aber ich sollte das nicht zum Kern meines Lebens werden lassen, egal ob es um Transsexuellenrechte oder Atomkraftwerke geht. Zuviel Ernsthaftigkeit verhärtet den Menschen, echt, ohne Lachen gibt es kein wirkliches Leben!

Mal wieder Vorsätze – back to myself

Hmmmmm, hatten wir all diese Erkenntnisse nicht schon oft? Aber das macht nichts, Erkenntnisse dürfen sich gern wiederholen und ergänzen, sie werden immer ein wenig vertiefter und irgendwann kapiert’s sogar eine Blondine wie ich ;-)

Immerhin habe ich einen neuen Vorsatz: meine Anforderungen an mich selbst müssen wieder herunter geschraubt werden. Wir sind hier nicht bei Wikipedia, das hier ist nur mein eigenes ganz persönliches Leben und all das was ich schreibe ist mehr als alles Andere einfach meine ganz persönliche Sichtweise.

in dem Sinn…….. Back to myself – oder so – wir lesen uns ;-)

http://www.youtube.com/watch?v=2_FYq-TqP34

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