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Faulheit, Texte, Ausweise und Anwälte im Genick

In letzter Zeit ist von mir kaum etwas zu lesen, das hat mehrere Gründe: weil ich grad irgendwie faul bin, weil ich an der Buchform meines letztjährigen Blogtagebuchs arbeite, weil ich mich mit Adressänderungskram rumschlage und weil mir gerade Anwälte im Genick sitzen – ich fass mal zusammen……..

Faulheit und tausend Dinge zu Schreiben
Die letzten Wochen hatte ich zwar immer wieder Ideen, Dinge über die ich schreiben möchte, aber irgendwie konnte ich mir nie den letzten Ruck geben. Mir scheint, als ob ich irgendwie erschöpft zurücklehne nach all dem was ich nun zwei Jahre lang durchkämpfen musste. Das Gefühl, angekommen zu sein, nötigt mir Ruhe ab. Hinzu kommt, dass ich mich nicht so recht festlegen kann, in welcher Form ich grad schreiben möchte. Einerseits wäre mein neues Blog-Tagebuch angesagt (das hier), aber momentan gibt’s gar nicht so viel Erzählenswertes. Anderseits spiele ich mit dem Gedanken, ein richtiges Buch zu schreiben. Dabei denke ich entweder an eine Autobiographie und oder an eine Art Lebensratgeber zum Thema “nichts ist unmöglich”. Und dann gibt’s auch viele andere Dinge die ich beispielsweise im Bereich Transsexualitäts-Aufklärung schreiben möchte. Ich hab quasi soviel was ich schreiben möchte, dass ich mich zu nichts entscheiden kann und deshalb nix schreibe – oder so – das wird sich aber früher oder später von alleine herauskristalisieren, warten wir’s einfach ab ;-)

Blogtagebuch 2010 in Buchform
Ich muss schon bekloppt sein, wenn man bedenkt, dass ich geschätzte 50-100 Stunde Arbeit habe um die Blogtexte von meinem Blogtagebuch 2010 in Buchform zu bringen, obwohl ich nur etwa 20-30 Exemplare verkaufen oder verschenken werde. Mit den Einnahmen decke ich nicht mal die Druckkosten, von der Arbeit reden wir schon gar nicht. Aber ich find’s irgendwie cool, all das Geschriebene auch in Buchform anbieten zu können und es gibt ein paar Leute in meinem Umfeld, die halt so eins möchten (es gibt sogar noch Menschen ohne Internet *staun*). Dieses Jahr ist es noch umständlicher, weil ich in der ersten Version 500 Buchseiten voll hatte, was das Buch viel zu teuer und zu dick machen würde. Also habe ich 100 Seiten eingespart indem ich belanglose Artikel rausgeschmissen habe und zweite 100 Buchseiten sparte ich indem ich eine kleinere Schrift wählte und alle Abstände von Hand rausschmeisse. Am Samstag habe ich 6 Stunden lang Seitenumbrüche verteilt und Abstände optimiert und am Schluss hat OpenOffice (gratis Word) irgendwie n’Schluckauf und alles war klitzekleinwenig verschoben – genug damit ich wieder alle Seitenumbrüche neu festlegen muss, die ganze Arbeit für die Katz. Ich werds jetzt nochmal mit Word versuchen (ging mir letztes Jahr nämlich gleich) und mit etwas Glück kann ich den Druckauftrag noch diese Woche rausgeben – 2-3 Wochen später ist es dann bestellbar.

Personenstandsänderung und Adressänderungen
Das Wichtigste war für mich die neue Identitätskarte und das Halbtax-Abo (Bahncard-50), denn das sind die einzigen formalen Dinger, die ich regelmässig vorweisen muss. Es ist schon ein befreites Gefühl, nie wieder Angst zu haben vor einer Ticketkontrolle oder einem Grenzübertritt, nie mehr das Gefühl ich würde etwas verbergen, ich bin einfach voll und ganz ich, zu genial :-) Im Nachhinein wird mir bewusster denn je, wie grausam es war, dass ich formal gesehen zweieinhalb Jahre lang unter “falschem Namen” leben musste. Und bewusster denn je wird mir, wie grotesk dieser sogenannte “Alltagstest” ist, der von mir erwartet, dass ich immer und überall in meinem richtigen Geschlecht leben soll, ohne dass man mir die nötigen Papiere dazu gibt. Gehen Sie in die Welt hinaus und behaupten Sie überall, Sie würden Diana heissen, falls Sie dabei nicht völlig irre werden, dürfen Sie dann Diana sein – wie realitätsfern ist das denn? Jedenfalls ist dieser ganze Irrsinn um, ich hab Id und Bahnkarte, das ist echt unbeschreiblich.

Doch nun habe ich natürlich eine grosse Zahl an Administrativkram den ich erledigen muss und so Manches erfordert zuerst die Abarbeitung anderer Dinge. Das heisst, ich muss eine genau Reihenfolge einhalten – um ein dummes Beispiel zu nennen, die Firma kann mir den Lohn erst auf den neuen Namen überweisen, nachdem ich das Bankkonto geändert habe, dasselbe gilt für Kreditkarte. Und so ackere ich mich systematisch durch mein Leben, staune Bauklötze was es da alles so gibt und bringe so eins nach dem Anderen hinter mir. Die Vermieter sind informiert, haben die Umschreibung meines Mieterkautionsikontos veranlasst und mir ein Formular zur Bestellung neuer Namensschilder geschickt und beispielsweise meine Webseiten sind auf schon auf den neuen Namen umgeschrieben.

Wenn bitterböse Medien die Justiz-Kavallerie loshetzen
Und gerade diese Umschreibung meiner Webseiten kam genau im richtigen Moment, wenige Tage nach der Umschreibung durfte ich meinen ersten eingeschriebenen Brief mit meinem neuen Ausweis auf der Post abholen – aber meine Begeisterung hielt sich in Grenzen, es war ein Schreiben einer Anwaltskanzlei, die mich im Auftrag eines rechts-konservativen Wochenblattes, das vorläufig mal noch nicht namentlich genannt sein soll, ziemlich heftig unter Druck setzt und beispielsweise mit einer Konventionalstrafe von täglich 10’000 Franken droht. Da ich mich noch nicht entschieden habe, wie weit ich mich dem Druck beuge, halte ich mich diesbezüglich noch bedeckt und erzähle nichts Konkretes.

Was gesagt sein kann ist, dass ich vor Jahren ein Blogverzeichnis erstellt habe, das die Beiträge verschiedener SVP-kritischer Blogs automatisch einscannt und die Beiträge auf verschiedene Stichworte aufteilt und zu jedem Stichwort eine Unterseite (Subdomain) generiert, so eine Art Stichwortverzeichnis. Eines dieser Stichworte war der Name einer Zeitung und dementsprechend hat’s eben so eine Subdomain mit deren Namen drin. Diese Zeitung hat mich nie kontaktiert, anstelle dessen hetzen sie mir gleich ihre Anwälte hinterher. Ich muss dieses Stichwort resp. die Subdomain auf der diese angezeigt werden löschen. Markenschutzrechte machen sie geltend, ich empfinde es mehr als Eingriff in die Informationsfreiheit des Internets und damit als Zensur. Die Seite habe ich vom Netz genommen, ich hab dort genug wichtigere Stichworte und kann da locker auf eines verzichten.

Damit stehe ich vor einer Reihe von Fragen. Ich meinerseits bin überzeugt, dass so ein Stichwortverzeichnis nicht gegen den Markenschutz verstösst, anderseits weiss ich, dass eine reiche Firma mit einem Rudel Anwälten alles in Schutt und Asche legen kann – wer glaubt, Recht und Gerechtigkeit wären dasselbe, hat diese Welt noch nicht begriffen. So stellt sich auch die Frage, ob ich die verlangte Unterlassungserklärung unterschreiben soll, denn damit würde ich vielleicht auch eine Schuld anerkennen, die ich in Frage stelle. Und nicht zuletzt stellt sich die Frage, ob dieser Vorfall nicht von öffentlichem Interesse ist. Wenn Firmen anfangen, die Blogszene zu zensurieren und die Justiz-Kavallerie in die Blogwelt ausschwärmen lässt, dann geht uns das alle etwas an. In dieser ganzen Frage bin ich hinundher gerissen, ehrlich gesagt fürchte ich die Macht die mir da gegenübersteht, anderseits drängt mich mein Gerechtigkeitssinn, mich mit einem medialen Sperrfeuer zur Wehr zu setzen. Ich habe diesbezüglich bei einem mir bekannten Anwalt eine Anfrage gemacht, bisher aber noch keine Antwort bekommen. Falls jemand der hier Mitlesenden juristische Kenntnisse hat in diesem Themenbereich, wäre ich dankbar um Unterstützung.

Erst nochmal kuscheln geh’n
Aber all das ist nicht halb so wichtig wie die Tatsache, dass ich jetzt in drei Tagen grad in Hamburg lande und wieder ein paar Tage mit Juliet rumknuddeln kann – inklusive einem kleinen Shopping-Bummel ;-) Dieses Mal dauerte es zum ersten Mal nur zweieinhalb Wochen bis zum Wiedersehen und ich muss sagen, es sind Welten zu dreieinhalb oder mehr Wochen. So lässt es sich langam leben…………. Und ey, ich flieg zum ersten Mal mit meinem neuen Ausweis, zum ersten Mal, dass von Genitalien bis Ausweis alles meiner Erscheinung und meiner Bordkarte entspricht – ich glaub ich geh mal durch den Nacktscanner, sozusagen als finalen Triumpfzug :D

2 Reaktionen zu “Faulheit, Texte, Ausweise und Anwälte im Genick”

  1. Frank

    Unabhängig vom Beitrag – den ich mit Interesse gelesen habe – das Kleid steht Dir ausgesprochen gut!
    Ich wünsche Dir viel Mut und Weisheit in der Auseinandersetzung mit der Zeitung bzw. den Rechtsanwälten!
    Frank

  2. Diana

    @Frank: danke für das Kompliment, mir gefällt das Kleid auch riesig. Das Foto hab ich im Rahmen einer umfangreichen Zensurrunde vorläufig rausgenommen, aber zu gegebener Zeit werde ich es reaktivieren. Das mit den Anwälten ist gut gekommen.

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