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Selbstbetrachtung über zwei Tagebücher

Nachdem ich schon das erste Jahr meines alten Blogtagebuchs in Buchform herausgebracht habe, mache ich das natürlich auch mit dem Jahr 2010. Ursprünglich wollte ich Anfang 2011 auch noch reinpacken und damit das “Werk” abschliessen, aber irgendwie hab ich einfach zuviel gebloggt, schon bis Ende 2010 sind 300 Buchseiten zusammen gekommen, wenn ich den Rest noch reinpacke, wird das Buch sauteuer (das letzte Buch hatte 224 Seiten für 15 Euro). Deshalb habe ich mich entschlossen, ein dreiteiliges Werk zu machen. Das Tagebuch 2010 endet also Ende 2010 und dafür gibt’s einen dritten Teil in dem dann auch noch einiges aus meinem neuen Tagebuch hier veröffentlicht wird. Irgendwie macht das auch Sinn, dieses Tagebuch sollte ja den Prozess einer “Geschlechts-Transition” beschreiben und da gehört auch die Zeit danach noch ein Stück weit mit dazu.

Die grobe Korrekturlesung ist nun abgeschlossen und als Nächstes werde ich einen Probedruck machen, diesen nochmal durchlesen und anschliessend das Buch in Druck geben, Ihr erfahrt dann wenn es im Handel ist. Wie letztes Mal wird das Probelesen sicher wieder ein psycho-emotionales Abenteuer der besonderen Art, wenn das ganze Jahr nochmal wie im Film an mir vorbei läuft. Wie letztes Mal werde ich hier dann darüber berichten. Der Vollständigkeit halber füge ich nachfolgend den dreiteiligen Blogbeitrag, den ich damals beim Lesen des ersten Tagebuch-Jahres geschrieben habe.

Blog-Tagebuch 2009 – 1. Teil

hmmmmmm, wie erklär ich jetzt sowas……. stellt Euch vor, Ihr wacht eines morgens auf und rund um Euch wuseln ein dutzend Elfen rum, die Euch den Kaffee ans Bett bringen, lustige Lieder singen, kreischend auf der aufgescheuchten Katze reiten, eine spielt schottischen Dudelsack…….. hat was surreales, nicht?

Etwa so fühle ich mich jetzt grad, nur wuselt und singt niemand, dafür habe ich ein Buch in der Hand, auf dem Cover lächle ich mir entgegen, darunter steht

T-Girl Diana
Blogtagebuch 2009
das erste Lebensjahr einer transsexuellen Frau

Das bin ich…….. in einem Buch……….. das kann nicht sein! Wenn man Bücher liest, dann begegnet man anderen Menschen, aber sich darin zu sehen, ist echt schräg.

Das Gefühl in mir ist irgendwie euphorisch, andächtig, verzückt, erschüttert……. als ob die Welt eine fünfte Dimension bekommen hätte, mein Leben auf Papier. Ich hab da das wichtigste, spannendste und schönste Jahr meines Lebens in den Händen. Und dann hats auch noch acht Bilder drin, das ist ja vielleicht ein Gefühl, wenn man umblättert und glaubt man würde in den Spiegel gucken.

Irgendwie ist es erschütternd zu lesen, was für eine Entwicklung ich da durchgemacht habe, was für Gefühlswelten sich da auftaten und wie sich alles in so wundersamer Weise veränderte, sich von Monat zu Monat verschönerte. Da ist wirklich aus einer Raupe ein Schmetterling geworden, aber es war ein harter Kampf durch diesen Cocoon. Beim Lesen flattere ich manchmal mit den Flügeln und es wird mir wieder klar, wie erbärmlich das Leben doch einst war.

Durch all das bin ich hindurch gegangen, geht mir durch den Kopf, wenn ich das Buch in den Händen halte. Das war die Entscheidung meines Lebens und der Befreiungsschlag für meine Seele. Dieses Jahr hier in meinen Händen hat meinem Leben Sinn gegeben und hat Glück in mein Leben gebracht. In diesem Jahr habe ich mir dieses Leben, das ich nun so geniesse, hart erkämpft…… und ich habe gesiegt – ich bin jetzt Ich.

Ich bin gespannt, was nun auf mich zu kommt, wenn ich im Kino meines Lebens sitze und den Film meiner Selbstentfaltung betrachte. Wer wird mir da begegnen – und wie wird sie sich entwickeln? Ich glaub, mir stehen ein paar sehr sentimentale Stunden bevor.

Blog-Tagebuch 2009 – 2. Teil

Den ersten Drittel meines Buches habe ich nun gelesen und bin damit in der Mitte des letzten Jahres gelandet – was mal wieder zeigt, dass Mathematik nix mit dem realen Leben zu tun hat. Aber was ich dabei durchlebt habe, ist wirklich dicke Post. Wenn ich Blogbeiträge schreibe, dann sind es Momentaufnahmen, die ich so aus mir heraus spucke und dann hinter mir lasse. Diese schwierige Anfangszeit in diesem papierenen Kino meines Lebens nochmals zu durchleben, ist wirklich erschütternd. Weil das was mir da begegnet, so fern ist von dem, was ich heute im Alltag erlebe.

Ich begegne einer transsexuellen Frau, die traurig und verzweifelt ist, die ungeheure Angst hat vor einer Welt, von der sie erwartet, mit Füssen getreten zu werden weil sie es wagt, sich selbst zu sein. Angst vor der Öffentlichkeit, Unsicherheit, kein Selbstbewusstsein, Zweifel ob sie stark genug sein wird – beim Lesen merke ich, dass sie mir unheimlich leid tut. Das einzige was beim Lesen Hoffnung gibt ist zu spüren, dass dieses ängstliche Wesen vom Mut der Verzweifelten getrieben ist und mit einem renitenten Kampfgeist das Unmögliche schaffen will. Aber ganz ehrlich, wüsste ich den Schluss des Buches nicht, ich wäre sehr skeptisch, dass sie es wirklich schafft.

Doch schon nach 4-5 Monaten kommt Licht in diese Lebensgeschichte, das Mädel erzählt plötzlich davon, wie glücklich sie neuerdings ist. Es fällt einem schwer das zu glauben, kann man glücklich sein, wenn man so von Angst und Verzweiflung getrieben ist? Scheinbar geht das. Man bemerkt, wie langsam Selbstbewusstsein entsteht, das sich dann in einem Akt des Aufbäumens im Kapitel “Der Stolz einer TransFrau” manifestiert.

Immer wieder bin ich fassungslos, kann irgendwie nicht glauben, dass aus diesem Bündel Unsicherheit das geworden ist, was heute dieses Buch liest. Der Unterschied von damals zu heute scheint unüberbrückbar.

Manchmal denke ich noch weiter zurück und stelle fest, dass ich seit Jahren nichts mehr von der Welt wissen wollte, kaum noch Kontakt zur Aussenwelt hatte. Hätte mir vor zwei Jahren jemand erzählt, wie ich mich heute fühle und verhalte, wäre ich in schallendes Gelächter ausgebrochen. FreundInnen, Ausgang, Lebensfreude – so ein Quatsch, ich doch nicht, wozu auch?

Und so wende ich mich wieder diesem Buch zu, das die Geschichte meines Lebens erzählt, das mir vor Augen hält, wie ich das Unmögliche geschafft habe. Diese Geschichte meiner Befreiung, die in eine Selbstentfaltung mündet, an die ich nie zu glauben gewagt hätte.

Es werden sich noch viele Tränen in meinen Augen sammeln, während ich hier weiter lese, weil die Schmerzen von damals noch einmal auftauchen um sich zu verabschieden und weil es mir immer wieder vor Augen hält, wie weit ich gekommen bin und wieviel glücklicher ich nun bin. Ein schmerzhafter Akt des Selbststudiums der mich immer wieder in Verzückung versetzt…… ich habe es wirklich geschafft, mir mein Glück zu erkämpfen, dafür werde ich mir ewig dankbar sein.

Blog-Tagebuch 2009 – 3. Teil

Letztes Wochenende habe ich mein Blogtagebuch nun fertig gelesen und war auch am Schluss tief berührt, wenn auch in umgekehrter Richtung als am Anfang des Buches. Als ich die ersten Monate des Tagebuchs las, war ich immer wieder erschüttert zu erleben, wie dieses ängstliche und verzweifelte Mädel ohne Hoffnung einen Kampf führt, von dem man beim lesen glaubte, dass sie ihn kaum je gewinnen wird. Der Mut der Verzweifelten, habe ich glaub mal geschrieben, das hat mich damals über Wasser gehalten.

Aber so erschütternd wie der Anfang war, so wohltuend war der Schluss. Was ich zu lesen bekam, in diesem Kino meines Lebens, entsprach genau dem was ich jetzt fühle – was kein Wunder ist, ich habs ja geschrieben ;-) Noch im Sommer hätte ich nicht gedacht, dass ich ab Herbst so aufblühe und beim Lesen wird einem wirklich klar, dass ich die Grenze zum Glücklichsein definitiv überschritten habe. Es ist ein wunderschönes Happy End – obwohl die Geschichte ja dieses Jahr weiter geht und das grosse Finale erst in der zweiten Jahreshälfte kommen wird. Und doch zeichnet sich der “Sieg” ab.

Es wird noch viel auf mich zukommen, auch in Zukunft werde ich manchmal traurig sein, manchmal verzweifelt, manchmal wütend und manchmal unsicher. Aber in diesem Jahr habe ich mir mein Leben erkämpft und ein Selbstbewusstsein entwickelt, dass mich auch durch schwere Zeiten tragen wird – davon bin ich überzeugt.

Und ich bin überzeugt, dass ich mich richtig entschieden habe, dass mich dieser Weg – so verrückt er auch wirken mag – nicht der beste sondern der einzige Weg war, der zu echter Lebensfreude führen konnte. Gegen den Schluss des Buches war ich erfüllt von Dankbarkeit, nicht nur allen gegenüber die mir beigestanden sind sondern auch mir gegenüber, dass ich tatsächlich das Unmögliche wagte und damit das Unmögliche möglich machte. Ich war dankbar, dass ich all diese Ängste ausgestanden habe und Mut aufbrachte, wo kein Mut vorhanden war. Und ich war dankbar, dass ich die Bereitschaft fand, den hohen Preis zu bezahlen – es war jeden Dollar wert.

Und so stehe ich nun hier, blicke in eine Zukunft, vor der ich mich nicht fürchte, auf die ich mich grenzenlos freue. Denn etwas habe ich mir dieses Jahr bewiesen……….. yes, I can!

Nun muss ich noch einiges am Buch korrigieren und formatieren und blabla, aber ich denke es wird nicht mehr lange gehen, bis das Buch publiziert wird, unterdessen gehts mit dem zweiten Teil weiter, hier auf diesem Kanal :-)

Blogtagebuch 2009 veröffentlicht

Seit heute ist mein Blogtagebuch 2009 im Buchhandel erhältlich und ich bin nun ganz aus dem Häuschen deswegen, jetzt bin ich nämlich offizielle Autorin, jawoll. Eigentlich war das ja früher geplant, aber die Überarbeitung dauerte doch ne ganze Weile und da ich von meiner Süssen ständig telefonisch von der Arbeit abgehalten werde ;-)

Aber nun ist es draussen und kann in jedem anständigen Buchladen unter der ISBN-Nummer 978-3-8391-4217-2 oder dem Buchtitel “T-Girl Diana – Blogtagebuch 2009″ bestellt werden. Der offizielle Verkaufspreis ist ungefähr Fr. 26.– oder 15 Euro, im Schweizer Exlibris wird es sogar mit 15% Rabatt für Fr. 22.50 angeboten.

Falls jemand in meinem persönlichen Umfeld ein Exemplar möchte, ich habe ein paar bestellt und kann sie für Fr. 20.– abgeben. Diejenigen, denen ich eines als Geschenk versprochen habe, bekommen es natürlich gratis.

Wer sich ein Exemplar bestellen möchte, kann dies beispielsweise bei diesen Online Bücherläden bestellen:

ExLibris Schweiz für Fr. 22.50
Libri Deutschland für Euro 15.–
Orell Füessli Schweiz für Fr. 27.90

Das Buch beinhaltet auf 224 Seiten alle Blogbeiträge des letzten Jahres, deshalb ist der Untertitel des Buches auch “Das erste Lebensjahr einer transsexuellen Frau”. Die Bilder, mit denen ich meine Blogbeiträge jeweils verziere, sind aus rechtlichen Gründen nicht im Buch. Dafür hat es 8 meist ganzseitige Fotos von mir drin.

Für diejenigen die selber mal sowas machen möchten, das ist ganz einfach. Man eröffnet einen Account bei Books on Demand, wählt dort ein Layout aus, erstellt ein Word-Dokument mit dem entsprechenden Ausmass, exportiert es als PDF, lädt es hoch, bastelt sich online ein Buchcover zusammen und publiziert das Ganze – entweder für sich privat, dann zahlt man nur den Buchpreis oder man veröffentlicht es für Fr. 70.– mit ISBN-Nummer.

So und von nun an möchte ich nur noch mit Frau Autorin oder Frau Schriftstellerin angesprochen werden ;-)

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