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Von Xenophobie über Homophobie zur Transphobie

In meinen Blogs taucht ja öfters mal der Ausdruck “Transphobie” auf und so manche LeserInnen dürften dabei zuerst mal etwas ratlos sein – hört man ja kaum sowas. Etwas bekannter ist der Ausdruck “Homophobie”, das kennt man doch schon eher, meist jedoch ohne zu verstehen was genau damit gemeint ist. Kaum jemand wird wissen, dass sowohl Transphobie als auch Homophobie eigentlich Unterarten von “Xenophobie” sind, der Angst vor dem Fremden.

Ich möchte diese Begriffe mal etwas beleuchten und vorallem mal der Frage nachgehen, woher all das kommt, wie wir als Gesellschaft damit umgehen müssten und nicht zuletzt, was für einen katastrophalen Schaden es bei “den Fremden” anrichtet.

Das wird mal wieder einer jener Blogbeiträge von mir, bei denen ich einer Frage nachgehe, die ich selber noch nicht beantworten kann, von der ich hoffe, dass ich während dem Schreiben der Antwort etwas näher kommen kann. Also mal alles der Reihe nach, das wird eine komplexe Geschichte…….

Des Menschen Umgang mit der Angst

Der Mensch reagiert auf Angst (Phobie) eigentlich wie alle anderen Lebewesen. Die Entstehung von Angst bewirkt sofort ein Mobilisieren aller Resourcen und es stellt sich nur eine Frage: Kämpfen oder Fliehen? Die Entscheidung fällt in Sekundenbruchteilen und man rennt – oder macht das Ding platt. Diese Angst müsste sich aber spätestens dann auflösen, wenn man erlebt, dass die Angst unbegründet ist. Von Phobie redet die Psychologie dann, wenn so eine Angst sich nicht auflöst und zu Leiden führt – für sich selbst oder für Andere.

Xenophobie – die Angst vor dem Fremden

Xenophobie ist die Angst vor allem Fremden, vor dem Unbekannten. Diese Angst die in der ältesten unserer Hirnschichten beheimatet ist, macht an sich Sinn. Wenn Du zum ersten Mal durch einen Dschungel läufst und plötzlich eine Schlange vor Dir über den Boden kriecht und Du noch nie eine Schlange gesehen hast, wirst Du mit Recht in Alarmbereitschaft versetzt. Was in aller Welt ist das denn, ein Lebewesen ohne Beine, mit einer Haut wie ein aufgespannter Regenschirm? Ist es gefährlich? Kann ich es essen?

Die erste Reaktion beim Erscheinen von Unbekanntem ist mit Recht Vorsicht. Zuerst wird man wohl weichen, wird den Rest des Abends ratlos darüber nachdenken, was das wohl für ein komisches Ding war. Und je nach Charaktertyp wird die Angst sich mit jedem Gedanken potentieren oder man wird neugierig und interessiert.

Das Problem bei rassistischen Menschen liegt scheinbar darin, dass sie diese Angststufe nie überschreiten, sie wagen nicht, sich wirklich mal mit diesem Unbekannten auseinanderzusetzen. Und da man in unserer Gesellschaft kaum noch ausweichen kann, verspüren sie den Drang zu kämpfen, dieses Unbekannte zu be-kämpfen.

Das Dilemma bei der Xenophobie ist vorallem, dass diese Prozesse unbewusst ablaufen. Xenophobe reagieren in der Regel empört, wenn man ihnen beispielsweise Rassismus vorwirft. Das macht Xenophobe therapieresistenter als die meisten anderen Phobiker – vorallem deshalb, weil viele Rassisten ideologisch konditioniert sind und deshalb wie alle ideologisch Eingeschworenen kaum noch für Argumente empfänglich sind.

Homophobie

Homophobie hat wie mir scheint mehrere Ursprungsformen. Einerseits eben diese xenophobe Komponente, weil es einfach nicht normal ist, dass ein Lebewesen keine Beine hat und auf dem Bauch kriecht. Diese Leute können oft “geheilt” werden, wenn sie beispielsweise in ihrem persönlichen Umfeld einen Freund haben, der sich plötzlich als schwul outet. Wie jeder andere Phobiker lernen sie so, dass die ja gar nicht böse sind, dass die eigentlich genau wie sie selbst sind, das Unbekannte wird bekannt und die Angst löst sich auf.

Religiöse Homophobie

Ein weiterer möglicher Ursprung für Homophobie ist Religion. Vorallem die drei semitischen Religionen (Judentum, Christentum, Moslem) lesen aus ihren heiligen Schriften heraus, dass Homosexualität Sünde sei. Das hält zwar wie andersweitig schonmal aufgezeigt einer genaueren Überprüfung nicht stand, trotzdem hält sich diese Vorstellung vorallem bei Fundamentalisten hartnäckig – so hartnäckig, dass sie locker das Gebot der Nächstenliebe über Bord schmeissen und von Hass getrieben gegen Homosexuelle vorgehen.

Dabei handelt es sich so gesehen weniger um echte Xenophobie sondern eher um religiösen Wahn – auch der kann therapiert werden – und es gäbe einen wirklich spirituellen Umgang damit, indem diejenigen lernen würden, sich auf ihre persönliche Beziehung zu Gott und ihren persönlichen Glauben zu konzentrieren, anstatt über Andere herzufallen, weil sie sich einreden, sie würden religiösen Ruhm ernten, wenn sie “die Bösen” niedermachen.

Verdrängungs-Homophobie

Amerikanische Psychologen zeigten männlichen Probanden pornografische Filme mit schwulen Männern. Bei Versuchspersonen, die in einer Befragung zuvor homophobe Tendenzen gezeigt hatten, beobachteten die Forscher in 54 Prozent der Fälle sexuelle Erregung, ­ bei nicht Homophoben waren es hingegen nur 24 Prozent.

Während Xenophobie und herkömmliche Homophobie sowohl Angst vor dem Fremden als auch religiös motivierte Ursprünge haben können, gibt es bei der Homophobie noch eine zusätzliche Ursprungsform, die Psychologen Verdrängung und Projektion nennen. Entgegen der weit verbreiteten Irrmeinung, es gäbe bei der sexuellen Ausrichtung nur schwarz und weiss, ist es in Wirklichkeit so, dass kaum jemand 100% einzuordnen ist, die meisten haben eine Komponente in sich, die sie auch zum eigenen Geschlecht zieht. Ist diese sehr klein, spürt man davon gar nichts und hat auch kein Problem damit. Ist sie grösser, anerkennt man sich früher oder später als bisexuell oder homosexuell – oder man verdrängt diese Gefühle, weil man sehr früh wahrnimmt, dass wir in einer homophoben Gesellschaft leben und dass man sich einer Menge Ärger aussetzt, wenn man nicht in der Spur läuft. Siehe hierzu: Psychologen suchen Gründe für Homophobie

Doch alles was man verdrängt, bohrt in einem rum. Verdrängung funktioniert nicht nachhaltig, es kommt früher oder später immer wieder hoch. Und das wiederum löst eine noch grössere Abwehr aus, die dann darin mündet, dass man den Ekel vor sich selbst auf Andere projeziert – eben die, die so sind, wie man selber auch wäre, wenn man sich denn lassen würde. Und das löst noch viel mehr Agression aus als herkömmliche Xenophobie oder Homophobie, weil in diesem Verdrängungszustand jeder Homosexuelle eine ernsthafte Bedrohung ist für die eigene psycho-emotionale Abwehr.

Man darf davon ausgehen, dass diese Menschen zu den renitentesten Bekämpfern von Homosexuellen zählen, weil es bei ihnen nicht mehr uns Fremdsein oder um Fanatismus geht, bei ihnen geht es um den Schutz ihres konstruierten Ichs, das zusammenzufallen droht, wenn sie hier Risse zulassen. Dass solche Prozesse noch viel unbewusster ablaufen als alles bisher hier geschriebene, dürfte jedem einleuchten.

Transphobie

So wie Homophobie eine “erweiterte Form” von Xenophobie ist und zusätzliche Auslöser haben kann, genauso ist Transphobie eine Erweiterung der Homophobie. Da gemäss offiziellen Zahlen angeblich nur jeder zehntausendste Mensch transsexuell ist, sind transsexuelle Menschen natürlich noch viel seltener als bi-/homosexuelle Menschen, die immerhin etwa 10% der Bevölkerung ausmachen dürften. Umso heftiger ist dann die Reaktion, wenn man so einem ungewöhnlichen Exemplar der menschlichen Spezies begegnet.

Genauso wie Homophobie kann auch Transphobie Folge von religiösem Fanatismus sein, was eigentlich skurril ist in Anbetracht davon, dass dieses Thema in keiner der heiligen Schriften der Religionen angesprochen wird. Und genauso wie Homophobie kann Transphobie auch eine Folge eigener Verdrängung sein.

Wenn die Geschlechtsbinarität zusammenbricht

Bei der geschlechtlichen Identität gibt es jedoch noch viel mehr Diskrepanzen als bei der sexuellen Orientierung, das gesellschaftliche Schwarz-Weiss-Bild der Geschlechter ist weitaus fundamentalistischer, es ist so ausgeprägt, dass es sich kein Mann leisten kann, “weibische Allüren” zu haben und keine Frau kann sich “burschikoses Verhalten” leisten. Die Geschlechterstereotypen sind so unbarmherzig radikal, dass wir schon fast Amok laufen, wenn ein Junge mal mit einem Barbie spielt. Infolgedessen muss eigentlich jeder Mensch gewisse Wesensanteile unterdrücken, weil es sich für einen Mann einfach nicht gehört, verzückt an Blumen zu schnüffeln und eine Frau die flucht ist eh des Teufels.

So verdrängen alle einen Teil Ihrerselbst und dann kommt jemand, der all das über den Haufen wirft? Zum Einen ist das nur schon deshalb blanke Provokation, weil es einem spüren lässt, dass in einem selbst eigentlich auch Sehnsüchte schlummern und dass man selber eigentlich auch nicht voll und ganz sich selbst ist. Zum Anderen wird einem so vor Augen gehalten, dass man selbst eigentlich auch die Wahl hätte, dieses Verhaltensgefängnis zu verlassen, wenn man denn stark genug wäre, diese gesellschaftliche Spannung auszuhalten. Und das nervt total, wenn auch nur unbewusst.

Der kleine Unterschied bei der Transphobie

Aber erst jetzt wird es so richtig spannend, denn nun wird’s echt obskur. Während bisher alles rational einigermassen gut nachvollziehbar ist, gibt es bei der Transphobie ein Phänomen, das dem Verstand nur noch schwer zugänglich ist, nämlich die Tatsache, dass Transphobie gegenüber transsexuellen Frauen um ein Vielfaches heftiger ist als gegenüber transsexuellen Männern.

Es ist nicht zu übersehen, dass Medien beispielsweise von transsexuellen Frauen viel respektloser schreiben als von Männern, es gibt kein Pendant zum Wort “Transe” und bei trans*Männern wird auch fast ausnahmslos in der männlichen Form gesprochen, ganz im Gegensatz zu trans*Frauen, über die man in vielen Medien gern ebenfalls in männlicher Form schreibt – warum dieser Unterschied? Es ist beispielsweise auch so, dass in Komödien “der Mann in Frauenkleidern” der grösste Lacher ist, während “die Frau in Männerkleidern” kaum jemanden vom Hocker reisst.

Gemäss den bisherigen Gedanken ist diese plötzliche Unterscheidung nicht nachvollziehbar. Ich bin jetzt einfach mal so frech und frage nach dem Warum – und fieserweise habe ich zwei Verdachtspunkte, die schmerzlich sein könnten, aber heut wollen wir mal nicht feige sein und blicken den Abgründen der Menschheit einfach mal frech ins Gesicht ;-)

Transphobie im patriarchalen/phallozentrischen Weltbild

Irgendwie ist es doch verdächtig, wir leben in einer patriarchalen und phallozentrischen Welt, in der der Mann als Geschöpf Gottes gilt und die Frau ein aus einem Rippenknochen geschnitztes Objekt ist – und wir haben Verständnis, wenn “eine Frau ein Mann sein will”, lachen uns aber kaputt, wenn “ein Mann eine Frau sein will” – klingelts?

Natürlich stimmen diese Zuweisungen nicht, eine trans*Frau ist kein Mann der eine Frau sein will sondern eine Frau, deren sichtbarer Körper sich grösstenteils männlich entwickelt hat und umgekehrt. Aber dank der hier schon oft kritisierten Psychopathologisierung von transsexuellen Menschen steckt das vorläufig noch so in den Köpfen dieser Welt.

Wenn wir also aus dem Blickwinkel dieser Gesellschaft schauen und diesen Irrtum annehmen, warum sollten wir dann transsexuelle Frauen so lächerlich finden, während wir für transsexuelle Männer doch überraschend viel Verständnis aufbringen? Warum sollten wir so unterscheiden, wenn nicht, weil wir den Mann als Mass aller Dinge verstehen?

Gäbe es in unseren Köpfen keinen Wertunterschied zwischen Mann und Frau, wäre eine transsexuelle Frau genauso lustig oder nicht lustig wie ein transsexueller Mann – dem ist aber nicht so. Und das sollte eigentlich nicht nur uns trans*Frauen zu denken geben, viel mehr müsste das allen Frauen zu denken geben. Denn interessanterweise haben Frauen mit transsexuellen Menschen generell viel weniger Probleme, sie reagieren oft mehr mit Mitgefühl als mit Amusement. Aber für Jungs scheint es nichts Lustigeres zu geben als ein vermeintlicher Mann, der sich vermeintlich zur Frau macht. Es scheint mir offenslichtlich, dass vorallem Männer die Transition von transsexuellen Frauen als Wertverminderung betrachten – Downgrade nennt man das in der Informatik.

Transsexuelle Frauen als trojanische Pferde

Doch so logisch wie es auch scheint, dass Männer in einem patriarchalen Denkgefängnis glauben, eine transsexuelle Frau sei das lächerlichste auf Erden, mir persönlich reicht das noch nicht als Erklärung. Es erklärt vielleicht das Gelächter der Herren, erklärt aber nicht die Gehässigkeit, die man uns manchmal entgegenbringt. Seit drei Jahren beschäftige ich mich mit diesem Phänomen und bis heute ist mir nur eine Erklärung einleuchtend. Gehässigkeit ist Gewalt und Gewalt ist immer Reaktion auf vermeintliche Bedrohung. Doch was zum Kuckuck soll an einer trans*Frau bedrohlich sein? Durch die Hormontherapie reduziert sich ja sogar die Muskelmasse und die Agressionsbereitschaqft, es wird wohl kaum ein echter Kerl Angst davor haben, dass ein transMädel über ihn herfällt. Was also haben transsexuelle Frauen, was sie für Männer zur Bedrohung machen könnte – was ausser ihrem Insiderwissen?

Ooooops, Volltreffer? Ja wir haben Insiderwissen, ich habe vier Jahrzehnte auf der anderen Seite des Zauns gegrast, ich habe erlebt wie Männer unter sich sind, wie sie über Frauen denken und reden, ich habe genug Männer erlebt, die glaubten unter sich zu sein und dann aussprachen, was sie sonst nur denken, dann, wenn Frauen anwesend sind. Ich weiss, wie leicht so manche Männer eine Frau in ihrem Kopf zu einem Objekt machen können. Was, wenn ich all das ausplaudere, wie jetzt grad?

Die Whistleblowerinnen des patriarchalen Grauens

Ich habe genug Männerabende und Frauenabende erlebt um zu wissen, dass Männer unter sich einiges despektierlicher über Frauen herziehen als Frauen über Männer. Klar, wir Mädels lästern auch gern, sehr gern sogar, aber es hat selten etwas wirklich abschätziges, es ist eher so, dass wir Jungs manchmal einfach drollig finden und uns dann darüber etwas amüsieren. Aber ich habe noch nie erlebt, dass Frauen unter sich beispielsweise über Männer so reden, als ob diese nur ein Objekt wären – die Tussi möcht ich mal flachlegen – und ich glaube, dass so manche Frau entsetzt wäre, wenn sie hören würde, was ich schon gehört habe.

Um jetzt hier nicht eine männerfeindliche Stimmung aufzubauen, möchte ich wirklich betonen, dass selbstverständlich nicht alle Männer gleich sind, genauso wie nicht alle Frauen gleich sind. Aber die Tendenz im Sinn einer klaren Mehrheit ist verblüffend und gerade für uns Frauen wie ich meine auch erschreckend.

Transphobie? Die Frage bleibt unbeantwortet

Und so beende ich nun mit dieser Frage, die ich im Raum stehen lassen muss, weil ich sie nicht abschliessend beantworten kann. Sind transsexuelle Frauen vorallem deshalb eine solche Bedrohung für Männer, weil sie wissen, wie Jungs ticken, weil sie wissen, wie sie über nicht anwesende Frauen reden und weil wir wissen, wie Jungs die Mädels zwecks flachlegen erobern? Oder spinne ich mir da in diesem letzten Punkt etwas zusammen? Das zu entscheiden überlasse ich Euch, ich bin nicht zur Richterin berufen in dieser Frage – einzig im Rahmen dieses Themas zur Whistleblowerin – mea culpa ;-)

Transphobie – Exempel aus dem Sumpf der Boulevardmedien

Ein “schönes” Beispiel über Transphobie findet man grad dieser Tage beim Boulevard-Blatt 20-Minuten. Bemerkenswert ist einerseits die gezielt falsch formulierte Ansprache im Titel, noch bemerkenswerter sind jedoch die Kommentare. Wenn man die Kommentare genau durchliest, findet der aufmerksame Leser sogar ein Paradebeispiel, ich nenne jetzt keine Namen, aber es gibt da jemanden, der in vielen Kommentarsträngen seinen Senf dazu gab und jedes Argument argumentslos niederplättet – was mag der Grund sein für seine überbordende Abwehr? ;-)
20minuten: Er kann Kanadas schönste Frau werden

EUCH kann geholfen werden ;-)

Nur eines kann ich zu den Transphoben abschliessend sagen: Transphobie ist nicht unser Problem, es ist Euer Problem, Ihr könnt uns zwar das Leben schwer machen und Euer Problem damit zu Unserem machen, aber es ändert nichts daran, dass Ihr diejenigen seid, die ein Problem habt und dass Ihr diejenigen seid, die Hilfe brauchen würdet.

4 Reaktionen zu “Von Xenophobie über Homophobie zur Transphobie”

  1. Luisa

    Werte Diana

    Bei weitem kratzen wir nicht nur an dennen Männerabenden. Viel eher ist uns gegeben durch die doppelte Konditionierung und allem drum rum die als gegeben erachtete patriarchale Struktur massiv zu hinterfragen. Die Tatsache dass eine Umwelt uns bei der Transition möglichst viele Steine auf den Weg legte, schärfte unser Kampfgeist und unser Willen um letztlich doch den schweren Weg der Transition zu beschreiten. Gerade in der Berufswelt sind wir, mit unserer ganz speziellen Geschichte, keineswegs auf Rosen gebetet. Oft im abgestammten, klassisch Männerdominierten, Beruf ist es uns nimmer geschenkt die gesetzte Männerwelt von unserer Fachkompetenz zu überzeugen.

    Und doch, wir überzeugen den umso höher müssen unsere Anstrengungen ausfallen um den uns gebührenden Platz in Beruf und Gesellschaft zu ergattern. Und bei dieser tagtäglichen Überzeugungsarbeit setzt sich mir die Frage fest was deren Andere denen vieles im Gegensatz zu mir, geschenkt ist, überhaupt leisten und können. So wandern wir nicht selten als Spiegel durch die Gesellschaft und entlarven Konstrukte als kompletter Nonsens. Gar noch, Mann sieht böse seine Kompetenz in Frage gestellt. Lautes Gebell am Znünitisch mag uns wenig zu beeindrucken was gar nicht schmeckt.

    Nicht wenige unserer Spezies behaupten sich erfolgreich in absoluten Männerdomänen und reichen somit deren Männerwelt, fast tagtäglich, fesch das Wasser. Es stellt sich mir, als bekennende bisexuelle Frau, oft die Frage was nun der Mann unter dem Strich an Attraktivem mit sich bringt. Nachdem ich das Gebell am Znünitisch neutralisierte, bleibt oft dem armen starken Geschlecht wirklich wenig Luft im Tank.

    In diesem Sinne, wir sind ganz tolle Menschen mit eindeutigen Lösungsansätzen zu einer geschlechtergerechteren Welt. Die Frage ist nur, will die momentan regierende Struktur eine gerechtere Welt. Die Antwort auf unser Hinterfragen ist eben diese geschürte Transphobie.

    Liebi Grüessli

    Luisa

  2. Diana

    Ach Luisa, wer wenn nicht Du versteht worum es mir im letzten Teil des Beitrags geht ;-) Du erweiterst meine finale Fragestellung in spannendes Weise.

    In der Tat haben wir nicht nur Einsichten in das Innere der Männerwelt, wir mussten auch lernen, mit ihren Waffen zu kämpfen. Wenn ich an meine Zeit im Motorradclub denke, als ich Securitydienste leistete und besoffene Prügler stoppen musste, ja ich habe eine Menge gelernt in dieser Zeit, vorallem was den Einsatz des Ellbogens anbelangt.

    Ich glaube auch, dass ein Mann der mich sexuell belästigen würde Bauklötze staunen würde, wie kompromisslos wehrhaft n’Mädel sein kann :-)

    Auf jeden Fall haben wir aufgrund unserer Lebenserfahrung ein grösseres Spektrum an Verhaltensmöglichkeiten. Diesen Vorteil schätzen offenbar nicht alle ;-)

    Auch Dir liebi Grüess und bis bald mal wieder ;-)

  3. nochnesara

    Liebe Diana!

    Erst mal die Rückmeldung, dass Du eine tolle Frau bist, die Ihren Teil dazu beiträgt die Welt besser zu gestallten, als sie vorgefunden wurde!

    Es ist so sehr wichtig das Thema Tranphobie anzugehen, schon deswegen weil ähnlich dem Rassismus und der Homophobie im Hintergrund tötliche Konsequenzen lauern.

    Ich finde den Text gut und sehr umfassend aber gleichzeitig glaube ich das Transphobie vielschichtiger ist, als das sie aus der Perspektive einer einzelnen Person erfahren/ beschrieben werden kann.

    Selbstverständlich ist es das Patriarchat/ Phallozentrismus welches den Ursprung der normierenden Gewalt ausmacht.
    “Den Männern” den Schuh zuzuweisen ist verkehrt, u. A. weil es an einen merkwürdigen Identitätsfeminismus anknüpft, der mit Sicherheit für etliche ts/is- Leichen im Keller gesorgt hat.

    Beispiele transphober Angriffe sind in gut sortierten (Frauenräumefeministisch/lesbischen) Foren schnell zu finden.

    Frauen sind an Aufrechterhaltung des Patriarchats deutlich beteiligt.
    Ein beachtlicher Anteil transphober TheoretikerInnnen/Sexulogen sind Frauen.

    Die Lebens- und Erfahrungswelt von TS unterscheidet sich voneinander wie bei allen anderen Menschen auch.
    In meinem (auch ts-Frau) Alltag sind es häufiger Frauen, die mir meine Identität absprechen, mich zwangsouten, stigmatisieren, mich deutlich lustig finden …. Halblaut über mich diskutieren, als wäre ich gar nicht da …

    Die nächst größere Gruppe von Menschen die mir auf diese Art und Weise das Leben deutlich schwer macht, sind Schwule. Witzig nicht

    Der aus phallozentristischer Sicht zu rettende, ist weg, der Verrat am hofierten Objekt, dem Phallus wird gerächt/abgewehrt.
    Das verstehen auch Hetero-Männer

    Die Transenwitze sind die Zeugen von Bündnissen die sonst kaum anzutreffen sind.

    Wenn es dazu kommt, das ich für hetero-lebende Männer auch nur kurzfristig atraktiv gewirkt habe, sind diese bereit für mich einzutreten. Es ist häufig spürbar das dann transphobe Stimulti abnehmen.

    Die körerliche Bedrohung geht deutlich von Männern aus, dass sie uns evtl. hassen weil wir parole bieten könnten, sie uns diese Möglichkeit einräumen und deswegen in die welt hinausschreien: ” ich weiß wer du bist, du bist das was ich dir zuschreibe, du bist das was ich sage was du bist” um die Welt wieder in Ihre Fugen zu kitten. möglich.

    Ich bitte das alles nur als Ergänzung zu sehen. Es ist alles ohne jedes ätsche-bätsche gemeint.

    Vielen vielen Dank liebe Diana für deine Arbeit!

  4. Diana

    @nochNeSara: Gleich als Erstes mal danke für das Kompliment :-)

    Was die Stigmatisierung oder Anfeindungen durch Frauen anbelangt, kann ich dieser Erfahrung zum Glück nicht teilen. Natürlich gibt es Frauen, die transsexuelle Frauen belächeln und es gibt solche, die uns bekämpfen. Aber meist geht das eher unter die Kategorie Stutenbissigkeit, da geht es uns nicht anders als den CisMädels. Gerade wenn man in einer Gesellschaftsgruppe Sympathien angelt, reagieren gewisse Mitmenschen mit Bissigkeit, weil sie die Konkurenz fürchten und nicht zuletzt weil der Mensch seltsamerweise so funktioniert, dass er sich grösser fühlt, wenn er Andere klein macht. Aber ich habe nicht den Eindruck, dass es mich als TransFrau mehr trifft als CisFrauen. Anders sieht es mit den Jungs aus, die reagieren nach meiner Erfahrung deutlich unangenehmer, resp die Anzahl derer die unerfreulich reagieren ist bei Jungs höher als bei Mädels.

    Ein anderes Kapitel sind RadFems, also radikale Feministinnen, die bekämpfen alles was in ihrem Kopf irgendwie männlich sein könnte und sehen uns als “Männer die sich die Krone der Weiblichkeit ergaunern”. Dass von der Seite her so ein rauher Wind weht, finde ich bedauerlich und eigentlich ein Armutszeugnis für die Akteurinnen. Denn wenn sie ihre Weiblichkeit derart auf ihre X-Chromosomen oder ihre Gebärmutter reduzieren, pervertieren sie den Feminismus auf etwas irgendwie Trauriges.

    Mit Schwulen habe ich bisher nur gute Erfahrungen gemacht, aber ich kenne auch nicht soviele um mir da ein Bild zu machen. Nach meiner Erfahrung werde ich da wirklich gut angenommen als Freundin oder Kollegin. Vielleicht macht man andere Erfahrungen wenn man sich an Orten tummelt in denen es vorallem um Partnersuche geht. Und da, sorry, gehören wir eh nicht hin. Schwule suchen Männer, in der Regel “richtige Männer”, also was für ein Interesse sollten sie haben an einer Frau, nur weil die noch einen Penis hat oder einen hatte?

    Auf jeden Fall hast Du Recht, dass Transphobie viel fascettenreicher ist als Xenophobie und das dürfte unter Anderem damit zu tun haben, dass die Menschen uns von der falschen Perspektive aus wahrnehmen. Wer sich unter einer TransFrau einen Mann vorstellt, der “so tut als sei er eine Frau”, ist mit Recht etwas irritiert und fühlt sich ein Stück weit auch verarscht. Und hier liegt m.E. der Knackpunkt. Wir müssen der Welt begreiflich machen, dass wir nicht “diese” sind, die “jene” werden wollen und wir sind auch nicht “diese”, die der Welt vorgaukeln wollen, “jene” zu sein. Wer mal verstanden hat, dass ich eine Frau bin und schon immer eine Frau war – aller früheren Körperlichkeit zum Trotz – der wird mit mir auch kein Problem mehr haben.

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